Prof. Thomas Blankenstein und Dr. Martin Vaegler entwickeln eine neue Krebstherapie

Das menschliche Immunsystem ist darauf trainiert, zwischen fremd und eigen zu unterscheiden und körperfremde Strukturen zu zerstören. Mit den Ankermolekülen (Rezeptoren) von sogenannten T‑Zellen erkennt es Antigene von Bakterien und Viren und zerstört solche Eindringlinge gezielt. Krebszellen sind jedoch körpereigene Zellen, weshalb das Immunsystem sie nicht attackiert, sondern toleriert. Einem Forschungsteam um Prof. Thomas Blankenstein ist es nun gelungen, menschliche T‑Zellen gentechnisch so zu verändern, dass ihre Rezeptoren bestimmte Tumorzellen gezielt aufspüren und zerstören können. Damit wurden mehr als zehn Jahre Arbeit vom Erfolg gekrönt.


Am Forschungsprozess waren Mitarbeiter des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC), der Charité, der Humboldt-Universität und der Medigene AG beteiligt. Jetzt besteht die Hoffnung, mit diesen Erkenntnissen die erste T-Zellrezeptor-Gentherapie in Deutschland zu entwickeln. Gemeinsam mit Dr. Martin Vaegler vom Zellkulturlabor für klinische Prüfung des Experimental and Clinical Research Centers bereitet Prof. Blankenstein derzeit die erste klinische Prüfung vor. Sie soll die Sicherheit und Effektivität T-Zellrezeptor-modifizierter T-Zellen testen, die ein spezielles Antigen namens MAGE-A1 erkennen. Es wird bei Erwachsenen auf Tumorzellen einer Reihe von Krebsarten wie dem Multiplen Myelom, einem bösartigen Knochenmarkkrebs, ausgeprägt. In dieser Studie sollen Patienten mit Multiplem Myelom ihre eigenen, außerhalb des Körpers vermehrten und gegen MAGE-A1 geschärften T-Zellen per Re-Infusion erhalten.

Die sterile Herstellung der modifizierten T-Zellen erfolgt im Zellkulturlabor für klinische Prüfung (ZKP), das gemeinsam von Charité und MDC betrieben wird und als Brücke zwischen akademischer Forschung und klinischer Anwendung fungiert. Die Betriebsstätte sowie das Personal des ZKP stehen den Forschungsgruppen kostenlos zur Verfügung. Dadurch ist die Arzneimittelproduktion im ZKP für die Forschenden wesentlich preisgünstiger als in kommerziellen Einrichtungen. Ein solcher besonderer Rahmen ermöglicht es oft erst, eigene klinische Studien umzusetzen.

Dr. Martin Vaegler und das Team des ZKP transferieren die entwickelten Methoden in die behördlich überwachte Herstellungspraxis und führen die entsprechenden Qualitätskontrollen durch. Lebende Zellen als Arzneimittel zu nutzen, ist aufwändig und mit höchsten Sicherheitsanforderungen verbunden. Um die spezifischen T‑Zellen zu erzeugen, muss ein zusätzliches Gen mit Hilfe von Retroviren in die T-Zellen der Patienten eingeschleust werden. Der gesamte Prozess von der Bearbeitung der Zellen bis zum fertigen Arzneimittel erfordert hohe Präzision und eine sehr spezielle Qualifikation.

Am Ende der Entwicklung und bei erfolgreicher klinischer Prüfung könnte eine neue, effektive Form der Immuntherapie gegen Krebs stehen.