PD Dr. med. Ralf Dechend und Susann Knöfel helfen
Schwangeren mit Bluthochdruck

Im Perinatalzentrum Level 1 des HELIOS Klinikums Berlin-Buch betreut die leitende Hebamme Susann Knöfel häufig Schwangere mit Bluthochdruck (Hypertonie), der ein Anzeichen für eine mögliche Präklampsie sein kann. Die Präeklampsie gehört zu den häufigsten Ursachen für mütterliche und kindliche Probleme in der Schwangerschaft. In diesem Fall arbeitet das Geburtshilfeteam eng mit dem Spezialisten PD Dr. med. Ralf Dechend der Klinik für Kardiologie und Nephrologie zusammen.

Diagnostik und Therapie der Hypertonie in der Schwangerschaft sind komplex und erfordern von Anfang an eine interdisziplinäre Betrachtung. Präklampsie, eine Sonderform der Hypertonie, kann werdende Mütter und ihr Ungeborenes so stark gefährden, dass eine frühzeitige Entbindung unabwendbar ist. Nicht selten zieht sie schwere gesundheitliche Spätfolgen nach sich, etwa ein sehr hohes Herzinfarkt-Risiko. Die Patientinnen werden daher von Beginn an von Dr. Dechend mitbetreut, eine intensive Nachsorge eingeschlossen. Tritt eine Präklampsie auf, stellt sie für alle Beteiligten einen schwierigen Balanceakt dar, da es bisher keine gezielte Therapie gibt. In den frühen Wochen dominiert die Sorge um das Kind, das eventuell zu früh geholt werden muss, und in den späteren Wochen die Sorge um die Gesundheit der Mutter. „Der richtige Moment für eine Intervention ist nach wie vor schwierig zu bestimmen“, erklärt Susann Knöfel.

Dass sich dies künftig ändert, ist einer der Gründe, warum sich Dr. Dechend auch als Wissenschaftler auf Präklampsie spezialisiert hat. Er forscht zu 40 Prozent seiner Arbeitszeit am Experimental and Clinical Research Center von Charité und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin. Mit Hilfe modernster genetischer Verfahren untersucht seine Arbeitsgruppe, auf welche Weise das Immunsystem und Entzündungsreaktionen zu Gefäß- und Organschäden bei Hypertonie beitragen. Die Präklampsie bildet dabei einen Schwerpunkt. Die Suche nach den Ursachen der Erkrankung hat bereits wichtige Erkenntnisse erbracht: So wurde bei Präklampsie-Patientinnen ein aggressiver Antikörper festgestellt, der bei gesunden Schwangeren nicht vorkommt. Dieser richtet sich gegen den Angiotensin-Rezeptor, der den Blutdruck in den Gefäßen reguliert. In in vitro-Untersuchungen konnten die Bucher Forscher mit molekularbiologischen Methoden nachweisen, dass der Autoantikörper Zellen so verändert, dass entzündungsfördernde und Wachstumsprozesse verursacht werden.

In Weiterbildungen lässt Dr. Dechend die Hebammen und Krankenschwestern der Geburtshilfe an den Erkenntnissen zur Präklampsie teilhaben. Auf diese Weise ist das Team bestens gerüstet.