News

Ihre Auswahl

leben / 19.11.2012
Mahnmal für Euthanasie-Opfer in Buch enthüllt

 Für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde ist anlässlich des Volkstrauertages ein Mahnmal in Berlin-Buch enthüllt worden. Der Gedenkstein soll an Tausende ehemaliger Patienten der Bucher Krankenanstalten erinnern, die unter dem NS-Regime verschleppt und getötet wurden.

Zur Einweihung des Denkmals, das in der Hobrechtsfelder Chaussee vor dem ehemaligen Dr.-Heim-Krankenhaus aufgestellt worden ist, versammelten sich etwa 100 Menschen. Pfarrerin Cornelia Reuter erinnerte in ihrer Ansprache daran, dass ab 1940 zahlreiche behinderte und psychisch kranke Patienten aus den Bucher Heil- und Pflegeanstalten abtransportiert und in Tötungsanstalten ermordet wurden. Andere starben gewaltsam in Buch durch den Einsatz von Medikamenten, die zum Tod führten. „Wenn wir uns dieser Geschichte stellen, werden wir uns der Ohnmacht und der Schuld vergangener Tage bewusst“, so Frau Reuter. Darüber zu schweigen, ermögliche keine Versöhnung.

Das Denkmal wurde von den Künstlern Sylvia Fohrer und Rudolf Kaltenbach, von Rosemarie Pump und Olaf Zeuschner gestiftet. Betroffen über die Geschehnisse, die während der NS-Zeit in den Bucher Krankenanstalten stattfanden, haben die beiden Bildhauer ein öffentliches Mahnmal geschaffen, dass an die Verbrechen gegen die Menschlichkeit an den ungezählten Opfern erinnert und gleichzeitig die Frage nach der eigenen Kraft zum Widerstand, sowie zur eigenen Bereitschaft, Schwächere zu schützen, an den Betrachter stellt.
„Wir haben die Verletzungen, die ein Granit bei der Gewinnung im Steinbruch erhält, bewusst eingesetzt und noch vertieft.  Einschneidend, dauerhaft – so soll auch die Erinnerung an die Euthanasie-Opfer bleiben“, so Rudolf Kaltenbach.
Mit der Zeit des Nationalsozialismus setzten sich Sylvia Fohrer und Rudolf Kaltenbach auch im Rahmen des internationalen Bildhauersymposiums „Steine ohne Grenzen“ auseinander, das sie, unterstützt von Olaf Zeuschner, Berliner Forsten, in Buch organisieren.

Rosemarie Pump recherchiert seit zehn Jahren mit privatem Engagement, welches Ausmaß die systematische Ermordung von Behinderten und psychisch Kranken in den Bucher Krankenanstalten hatte. Ihre Ergebnisse hat sie in der Publikation „Ein Ort schweigt, die Geschichte der Krankenanstalten Berlin-Buch zwischen 1933 und 1968“ veröffentlicht.

Zur weiteren Aufarbeitung der Geschichte der Euthanasie-Morde hat sich in Buch im Mai 2012 ein Runder Tisch konstituiert, den die Jugendförderung des Bezirksamts Pankow und das Museum Pankow initiiert haben.

Europaweit hatten die Nationalsozialisten zwischen 1939 und 1945 etwa 300.000 behinderte und psychisch kranke Menschen als „lebensunwert“ ermordet.


Quelle: Campus Berlin-Buch GmbH

Hier finden Sie weiterführende Informationen zum Mahnmal

Alle News im Überblick