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produzieren,forschen / 24.01.2017
Am MDC entwickelte Tumor-Antikörper gegen Knochenmarkkrebs gehen in die Anwendung

Wissenschaftler des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) haben Antikörper gegen das Oberflächenprotein BCMA entwickelt, die versprechen, das Multiple Myelom kurieren zu können, einen zurzeit unheilbaren Knochenmarkkrebs. Das Biotechnologie-Unternehmen Heidelberg Pharma will einen der Antikörper nun zu einem Antikörper-Toxin-Wirkstoff weiterentwickeln und diesen Ende 2018 klinisch erproben. Der zugrundeliegende Lizenzvertrag zwischen dem MDC und Heidelberg Pharma wurde im Januar 2017 unterzeichnet.

Das Multiple Myelom ist die häufigste Tumorerkrankung des Knochenmarks. Die schnell fortschreitende Krankheit ist unheilbar und entsteht durch die Entartung einer einzigen Plasmazelle, deren Klone sich im Knochenmark ausbreiten.

Ein Ansatzpunkt für mögliche Therapien dieser Krankheit ist das Oberflächenprotein BCMA, das auf allen Plasmazellen und den entarteten Zellen des Multiplen Myeloms in hoher Dichte zu finden ist, auf anderen Körperzellen aber nicht vorkommt. Es ist deshalb eine attraktive Zielstruktur für die Entwicklung neuer, hochspezifischer Medikamente gegen das Multiple Myelom. Nach Angabe des National Institutes of Health (USA) ist das Multiple Myelom jährlich für 2,1 Prozent aller Krebstodesfälle in den Vereinigten Staaten von Amerika verantwortlich.

Die Wissenschaftlerin Uta Höpken sowie die Wissenschaftler Stephen Marino, Gerd Müller, Felix Oden und Daniel Olal aus den MDC-Arbeitsgruppen von Oliver Daumke und Martin Lipp haben in den vergangenen Jahren eine Reihe von Antikörpern entwickelt und deren Wirksamkeit an einem Mausmodell des Multiplen Myeloms zeigen können.

Im Rahmen eines Pilotprojekts kooperierte das MDC mit Heidelberg Pharma: Das Unternehmen koppelte die MDC-Antikörper mit dem Gift des grünen Knollenblätterpilzes Amanitin. Der Antikörper schleust das Toxin zielgerichtet in Krebszellen, die so abgetötet werden. Diese neu entwickelten Antikörper-Wirkstoff-Konjugate verbinden die Spezifität der MDC-Antikörper mit der Wirksamkeit von Amanitin. Das Toxin besitzt einen einzigartigen Wirkmechanismus, der Resistenzen von Krebszellen überwindet und dadurch wachsende sowie ruhende Krebszellen vernichten kann.

Die Konjugate wurden in vitro und in vivo getestet, und das vielversprechendste (HDP-101) wurde für die weitere Entwicklung ausgewählt. Im Mausmodell gelang es bereits mit niedrigen HDP-101-Dosen, den Tumor vollständig zurückzudrängen.

„Es erfüllt mich mit Freude und Stolz, dass aus am MDC entwickelten Antikörpern nun ein sehr vielversprechendes Therapeutikum für das Multiple Myelom realisiert wird. Solche Transfers von der Wissenschaft in die Anwendung, die die Medizin voranbringen, sind eine Kernaufgabe des MDC und liegen mir persönlich besonders am Herzen“, sagt Prof. Dr. Martin Lohse, Wissenschaftlicher Vorstand und Vorstandsvorsitzender des MDC.

HDP-101 wird bereits präklinisch erprobt, der Einsatz in ersten klinischen Tests ist für 2018 vorgesehen.

https://insights.mdc-berlin.de/de/2017/01/am-mdc-entwickelter-antikoerper-gegen-knochenmarkkrebs-wird-klinisch-getestet/

Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)

www.mdc-berlin.de

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