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forschen / 31.05.2017
Interview mit Prof. Dr. Dorothea Fiedler: "Die chemische Sprache verstehen"

 Prof. Dr. Dorothea Fiedler ist seit Juli 2015 Direktorin am FMP. Im Interview spricht sie über ihren Wechsel von den USA nach Deutschland, ihre Forschungsschwerpunkte und über aktuelle Entwicklungen am FMP.

 

 

Frau Prof. Fiedler, Sie waren in den USA, zuletzt an der Universität Princeton, eine angesehene Wissenschaftlerin und haben etliche Auszeichnungen erhalten. Was hat Sie nach Berlin-Buch verschlagen?

Es waren mehrere Gründe. Das Wichtigste war sicher, dass das FMP ein exzellentes Institut ist, wo interdisziplinär an der Schnittstelle von Biologie und Chemie geforscht wird. Insofern hat es inhaltlich perfekt gepasst. Außerdem kann ich hier mit hervorragenden Leuten zusammenarbeiten, intern wie extern. Und dann verfügt das FMP über ausgezeichnete Forschungsbedingungen. All das war doch zu reizvoll, um den Ruf auf eine W3S-Professur verbunden mit dem Direktorenposten auszuschlagen, obwohl ich mich in den USA sehr wohlgefühlt habe.

Zusammen mit Prof. Volker Haucke bilden Sie eine Doppelspitze am FMP. Wie teilen Sie sich diese verantwortungsvolle Aufgabe?

Es gab eine klare Abrede, dass ich nach eineinhalb Jahren offiziell die Geschäftsführung übernehmen werde. Seit 1. Januar ist das nun der Fall, dennoch erledigen wir nach wie vor viele Aufgaben gemeinsam und sprechen uns bei wichtigen Entscheidungen immer miteinander ab.

Sie sind Chefin von 300 Mitarbeitern. Bleibt da noch Zeit, selbst im Labor zu forschen?

Im Labor stehe ich leider schon lange nicht mehr. Das können meine Mitarbeiter mittlerweile auch besser. Aber natürlich arbeite ich weiterhin eng zusammen mit meinen Doktoranden und Postdoktoranden. Die Forschung ist und bleibt sicherlich der Teil meiner Arbeit, der mir am meisten Freude bereitet.

Woran forscht eine Professorin für Chemische Biologie?

Bei vielen Aspekten der Zellbiologie sind wir jetzt an einem Punkt angekommen, wo man versucht, die Vorgänge in einer Zelle auf molekularer Ebene zu entschlüsseln. Für mich als Chemikerin ist das hoch spannend. Einer meiner Schwerpunkte sind die sogenannten Inositol-Pyrophosphate. Das sind bestimmte Botenstoffe in der Zelle, die zum Beispiel bei Fettstoffwechselkrankheiten und der Insulinsekretion eine wichtige Rolle spielen, aber auch Einfluss auf die Zellmigration, spezifisch die Metastasierung, haben. Wir versuchen sozusagen die chemische Sprache zu verstehen und hoffen, damit die Grundlagen für neue Therapien zu legen.

Sind neue Therapien für Sie der Ansporn, Grundlagenforschung zu betreiben?

Der Wunsch, die Gesundheit von Menschen zu verbessern, ist das, was uns alle hier antreibt. Wobei ich dazu sagen muss, dass die meisten Gruppen am FMP nicht im eigentlichen Sinne Therapien entwickeln, aber die Grundlagenforschung am Institut stellt dafür die entscheidenden Weichen. Das sehen Sie zum Beispiel daran, dass gerade zwei Ausgründungen aus den Gruppen Hackenberger und Kühne in Vorbereitung sind.

Ein Drittel der Forschergruppen am FMP sind Juniorgruppen. Was passiert hier Neues?

Eine Menge. Im Bereich Molekulare Physiologie und Zellbiologie gibt es eine neue Liaisongruppe „Neurowissenschaften“, die Emmy-Noether-Juniorgruppe um Alexander Walter. Darüber hinaus erhält unser Juniorgruppenleiter Andrew Plested eine Heisenberg-Professur an der Humboldt-Universität. Seine Gruppe wird für weitere fünf Jahre am FMP als Gastgruppe verbleiben. Abschied werden wir dagegen noch in diesem Jahr von Philipp Selenko nehmen müssen. Er hat seit mehreren Jahren erfolgreich eine Nachwuchsgruppe in der Strukturbiologie geleitet und nun ein attraktives Angebot vom Weizmann Institute of Science in Israel angenommen. Umso erfreulicher ist, dass in diesem wichtigen Forschungsbereich eine neue Nachwuchsgruppe an der Schnittstelle von NMR und Cryo-electron microscopy (Cryo-EM) eingerichtet werden soll, und zwar im Rahmen der geplanten „Cryo-EM-Infrastruktur“, an der auch die Berliner Universitäten und das MDC beteiligt sein werden.
Unser Nachwuchsgruppenleiter Leif Schröder konnte mit dem California Institute of Technology in Pasadena eine Kooperationsvereinbarung zur Entwicklung ultrasensitiver Magnetresonanz-Bildgebung abschließen, mit der etwa Tumoren aufgespürt werden können. Gleichzeitig hat er im vergangenen Jahr für ein ähnliches Vorhaben das Reinhart-Koselleck-Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingeworben. Die Förderung beläuft sich auf 1,525 Millionen Euro und war das erste Koselleck-Projekt für die Leibniz-Gemeinschaft überhaupt. Ich finde, das ist alles sehr bemerkenswert.

Anfang dieses Jahres gab es dann gleich ein zweites Reinhart-Koselleck-Projekt für das FMP und eine kleine Sensation für das Institut?

Ja, nur wenige Monate später konnte Volker Haucke die DFG mit seinem Projektantrag zur Erforschung der neuronalen Kommunikation überzeugen. Darauf sind wir sehr stolz. Beide Auszeichnungen zeigen, wie exzellent am FMP geforscht wird. Schon 2015 wurden Philipp Selenko und Andrew Plested für ihre Forschungen mit dem hochrangigen „Consolidator Grant“ des Europäischen Forschungsrates (ERC) ausgezeichnet. Mit dieser profiliertesten und begehrtesten Ausschreibung der Europäischen Kommission war Thomas J. Jentsch in den vergangenen fünf Jahren gleich zwei Mal erfolgreich, für seine Forschung an Ionenkanälen erhielt er zum ersten Mal 2012 einen „Advanced Grant“ in Höhe von 2,5 Millionen Euro vom Europäischen Forschungsrat (ERC) und im März dieses Jahres gleich den zweiten ERC Advanced Grant, ein großer Erfolg!


Interview: Beatrice Hamberger

Foto: Prof. Dr. Dorothea Fiedler (Foto: Silke Oßwald, FMP)

Quelle: BBB Management GmbH Campus Berlin-Buch

www.fmp-berlin.de

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