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forschen / 30.05.2017
Von Buch nach Friedrichsfelde und zurück

 Interview mit Prof. Dr. Peter Oehme, der das Institut für Wirkstofforschung, die Vorgängereinrichtung
des FMP, gründete und bis 1991 leitete

 

 

 

Die pharmakologische Forschung hat eine lange Tradition auf dem Campus Buch. Warum kam es 1971 zu einem Umzug nach Berlin-Friedrichfelde?

Ein Jahr bevor die Akademie der Wissenschaften der DDR das „Zentralinstitut für Molekularbiologie“ in Buch gründete und Institute zusammenfasste, zogen die experimentelle Pharmakologie und die
Peptidchemie aus dem Bucher Institut für Pharmakologie nach Berlin-Friedrichsfelde. Grund war vor allem, dass die Institutsgebäude auf dem Bucher Campus zu eng wurden.

Welche Möglichkeiten bot der neue Campus?

Wir konnten die Theoretische Molekularpharmakologie, die Zellbiologie und -pharmakologie aufbauen, die Peptidsynthese zu einer Wirkstoffchemie erweitern und neue pharmakologische Arbeitsgebiete
angehen. Dies bot schließlich die Grundlage dafür, 1976 ein selbstständiges „Institut für Wirkstofforschung“ (IWF) der Akademie der Wissenschaften zu gründen. Ende der 70er Jahre entstand Tür an Tür das „Institut für pharmakologische Forschung“ des Pharmakombinates GERMED. Wir verfolgten gemeinsam das Ziel, eine möglichst durchgängige Forschungskette aufzubauen – von der Grundlagenforschung über die klinische Forschung bis hin zur industriellen Anwendung. Das war damals eine Pionierarbeit. Das IWF entwickelte sich zu einer international anerkannten, interdisziplinären Forschungseinrichtung. Themen wie  „Peptide und Adaptation mit Bezug zur Suchtkrankheit“ wurden begründet, um neue Zugänge zur biomedizinischen Gesundheitsforschung zu schaffen. 

Wie war das Jahr der deutschen Einheit?

Die Mangelwirtschaft, die seit Mitte der 80er Jahre herrschte, war deutlich spürbar geworden. Uns fehlten Mittel für neue Technologien und qualifizierte Laborräume. Zudem wuchs der Druck, Verfahren
für die pharmazeutische Industrie zu entwickeln. Anfang 1990 kam es schließlich zu Demonstrationen auf dem Bucher Campus, um Reformen einzufordern, der „Runde Tisch“ der Akademie entstand. Ich
wurde als Vertreter für das wieder vereinte Wissenschaftsgebiet Biowissenschaften und Medizin gewählt. In dieser Umbruchstimmung erarbeiteten wir den Bericht für die Evaluierung durch den Wissenschaftsrat. Aus unserer Sicht war das Institut trotz der materiellen Probleme inhaltlich  gut aufgestellt. Das wurde auch durch die Aussage der Kommission unmittelbar nach der Evaluierung bestätigt: „Das Institut wird zur Fortführung empfohlen“.

Was folgte aus der Empfehlung des Wissenschaftsrates?

Im Juli 1991 lagen dann die offiziellen Evaluierungsergebnisse für die Akademieinstitute vor. Das IWF wurde bewertet als ein „geglücktes Beispiel interdisziplinärer Forschung“, mit „mehreren zukunftsorientierten Forschungsansätzen“, dessen „Konzepte zur Suchtforschung wohlüberlegt scheinen“.  Es wurde empfohlen „aus dem IWF eine Einrichtung für molekulare Pharmakologie zu gründen, welche die Arbeiten auf Adaptationsprozesse mit dem Fernziel Suchtforschung orientiert“.
Wir gingen davon aus, dass das IWF umgewandelt wird. Doch es wurde, wie alle Akademie-Institute, geschlossen. Das FMP sollte neu gegründet werden, die IWF-Mitarbeiter konnten sich bewerben. Das
Gründungskomitee, zu dessen Beratungen ich kein einziges Mal hinzugebeten wurde, änderte schließlich die vom Wissenschaftsrat vorgeschlagene  Schwerpunktsetzung mit der Begründung, dass die Konzentration auf Adaptations- und Suchtforschung bei Berufungen hinderlich sein könnte. Wir erfuhren, dass der zu berufende Gründungsdirektor das neue Institut frei gestalten konnte: Das IWF war eine Art „Rohstoff“  geworden. 

Wie ging es weiter?

Bis 1996 kamen und gingen drei Gründungsdirektoren – eine  schwierige Phase. Erst mit dem Pharmakologen Walter Rosenthal stabilisierte sich das FMP. Unterstützt vom Forschungsverbund Berlin, konnte das Institut im Jahr 2000 in einen Neubau auf dem Bucher Campus in die
Nachbarschaft des MDC ziehen. Heute existiert am Standort Buch mit dem FMP eine für die deutsche Forschungslandschaft einzigartige Plattform für molekulare Fragestelllungen in der Arzneimittelforschung.

Wie war Ihr weiterer  wissenschaftlicher Weg ab 1992?

Ich entschied mich, meine bisherige Forschungsgruppe am FMP weiter zu leiten, was ich nicht bereut habe. Zusätzlich lehrte ich an der Charité und der Uni Potsdam und habe die Politik und pharmazeutische Unternehmen beraten. Von 2010 bis 2013 wurde ich als Senior Advisor für das FMP noch einmal „reaktiviert“. Eine interessante Herausforderung.

Interview: Christine Minkewitz/BBB, Silke Oßwald/FMP

Foto: Prof. Dr. Peter Oehme (Foto: Akademie der Wissenschaften der DDR)

Quelle: BBB Management GmbH Campus Berlin-Buch

www.fmp-berlin.de

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