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heilen,bilden,leben / 12.09.2017
Bildung nach Maß: 25 Jahre Akademie der Gesundheit

 Interview mit Jens Reinwardt, Leiter und Geschäftsführer der Akademie der Gesundheit
Berlin/Brandenburg e.V.


 

 

Wie ist die Akademie der Gesundheit entstanden?

Die medizinische Fachschule in Buch war die größte ihrer Art in der DDR und sollte nach der Wende abgewickelt werden. Wir hatten Glück, dass damals vier Krankenhäuser beschlossen, keine eigene Schule zu gründen, sondern uns mit der Ausbildung in der Krankenpflege beauftragt haben. Auf Empfehlung der Krankenkassen haben wir einen gemeinnützigen Verein gegründet.

Wie hat sich die Akademie seit ihrer Gründung im April 1992 verändert?

Unser Schulbetrieb startete mit der Ausbildung in der Kranken- und Kinderkrankenpflege, Arbeits- und Beschäftigungstherapie und für Masseure. 1993 haben wir Fort- und Weiterbildung ins Programm aufgenommen. Heute sind 29 Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens Mitglied der Akademie, die Zahl der Ausbildungsberufe ist auf 12 gestiegen, und wir bieten in Kooperation mit der Steinbeis-Hochschule zwei Bachelorstudiengänge an. Zu unseren Alleinstellungsmerkmalen zählen sehr moderne Skillcenter, die ein Lernen zwischen Theorie und Praxis ermöglichen. Neue Richtungen wie Logopädie und Notfallsanitäter sind erst kürzlich dazugekommen.
Mit Standorten in Buch, Bad Saarow und Eberswalde und 2.500 Bildungsteilnehmenden pro Jahr sind wir eines der größten privaten, staatlich anerkannten Bildungsunternehmen in unserer Branche. Wir verstehen uns heute als Beratungs- und Servicezentrum für Aus-, Weiter- und Hochschulbildung.

Was kann man sich darunter genau vorstellen?

Wir bieten unseren Teilnehmenden zwischen Ausbildung und Studium größtmögliche Flexibilität und berücksichtigen die individuellen Bildungsbiografien. Dies erfordert Beratung und Betreuung. Zugleich sind wir Servicepartner für unsere Mitgliedshäuser. Wir beraten sie dabei, Fachkräfte zu sichern und zu gewinnen. Dabei richtet sich der Blick nicht nur auf Deutschland. Auch unsere Colleges in Vietnam oder auf den Philippinen sind Teil unserer langfristigen Strategie zur Fachkräftesicherung. Dort bereiten wir Pflegekräfte auf den Einsatz in Berlin und Brandenburg vor. Darüber hinaus entwickeln wir unsere Bildungsinhalte gemeinsam mit unseren Mitgliedshäusern, so dass die Erfordernisse der Praxis stetig Eingang in die Theorie finden.
Ein sehr wichtiges Thema ist die Akademisierung der Gesundheitsfachberufe in Deutschland, die in Europa schon längst Alltag ist. Wir werden uns diesem Prozess anpassen. Ein erster Schritt ist mit unserem Studienzentrum in Kooperation mit der Steinbeis Hochschule bereits getan.

Für welche Berufe rückt die Hochschulausbildung in Sicht?

Ab 2021 sollen die Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten eine grundständige Bachelorausbildung mit Hochschulabschluss durchlaufen. Dann werden die Gesundheits- und Krankenpflegenden und Hebammen folgen. Bei den Notfallsanitätern steht das akademische Niveau auch schon in der Ausbildungs- und Prüfungsverordnung, also da bewegt sich schon einiges.

Welche Veränderungen würde dies mit sich bringen?

Zunächst einmal würde eine Hochschulausbildung Angehörige dieser Berufsgruppen noch besser in die Lage versetzen, sich permanent wissenschaftlich weiterzubilden. Dies wird zunehmend an Bedeutung gewinnen, da sich die Medizin sehr schnell entwickelt und neue Erkenntnisse im Pflege- und Therapieprozess Eingang finden müssen. Langfristig könnte die Akademisierung der Fachberufe zu einer Kompetenzverlagerung und Entlastung innerhalb der medizinischen Versorgung führen. So würden Gesundheits- und Krankenpflegende mehr Kompetenzen und Befugnisse erhalten und die Ärzte entlasten können. Gleichzeitig würden ihnen Assistenzkräfte zur Seite stehen. Aber das ist noch ein weiter Weg.

Wie bereiten Sie die Auszubildenden auf die Herausforderungen im Gesundheitssystem
vor?

Unsere Gesellschaft wird immer älter, Multimorbidität und Erkrankungen wie Demenz werden deutlich zunehmen. Pflege und Therapie werden komplexer und müssen gleichzeitig effizient und interdisziplinär abgestimmt durchgeführt werden. Unsere Ausbildung ist daher fachübergreifend angelegt. Dank der Vielzahl von Gesundheitsfachberufen unter einem Dach sind wir in der Lage, auch Kompetenzen angrenzender Disziplinen zu vermitteln – sowohl theoretisch als auch praktisch im Skillcenter. Die Auszubildenden der Gesundheits- und Krankenpflege, Ergo- und Physiotherapie und Logopädie lernen bereits jetzt gemeinsam anhand eines Moduls „Der alte Mensch“. Weitere Module zu den Themen Demenz und Schlaganfall werden folgen.
Wir vermitteln erkenntnistheoretische Grundlagen, um die Selbstreflexion im späteren Berufsalltag zu stärken, welches Wissen für den Versorgungsprozess benötigt wird. Derzeit bereiten wir auch ein Modul zu Kommunikation und Konfliktlösung vor, das für alle Berufsrichtungen gedacht ist; unser Fokus liegt nach wie vor auf der „zuhörenden“, also dem Patienten zugewandten Medizin.

Welche Entwicklungen stehen für die Akademie in der nächsten Zeit an?

Wir werden künftig auch Hebammen bzw. Entbindungspfleger ausbilden. Zum anderen wollen wir ein Zentrum für medizinische Simulation und Notfallmedizin gründen.

Wo sehen Sie die Akademie in 20 Jahren?

Meine Vision wäre: In zwanzig Jahren ist die Akademie eine der ersten Fachhochschulen in Deutschland für die Ausbildung nichtärztlicher Gesundheitsfachberufe. In diesem Zusammenhang werden sich die Kompetenzen der Berufsgruppen und der Versorgungsprozess verändern. Die Akademie wird ihre Mitgliedsunternehmen dabei eng begleiten und beraten. Die Studieninhalte werden stark auf die Patienten und den Versorgungsprozess fokussiert sein und insbesondere die Schnittstellen zwischen stationärer, ambulanter und häuslicher Versorgung beachten. Neben der Fachhochschule wird es eine Schule geben, die eine zweijährige Assistenzausbildung für Pflege- und therapeutische Berufe anbietet. Außerdem werden wir pflegende Angehörige in den Skillcentern weiterbilden, deren Ausstattung sich
bestens dafür eignet.

Interview: Christine Minkewitz

Foto: Jens Reinwardt, Geschäftsführer und Leiter der Akademie der Gesundheit Berlin/Brandenburg e.V. (Foto: Hans Wiedl/AdG)

 

Quelle: BBB Management GmbH Campus Berlin-Buch

www.gesundheit-akademie.de

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