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heilen,leben / 25.09.2017
Moderne trifft Geschichte – 10 Jahre HELIOS Klinikneubau

 Interview mit dem Ärztlichen Direktor des HELIOS Klinikums Berlin-Buch, Prof. Dr. med. Henning Baberg, der auch Chefarzt der Klinik und Poliklinik für Kardiologie und Nephrologie ist.

 

Buch hatte lange den Charakter einer Krankenhausstadt. Kannten Sie den Pankower Stadtteil schon, bevor Sie hier Chefarzt wurden? Wie war Ihr Eindruck?

Ich muss gestehen, dass ich als Westfale den Gesundheitsstandort Buch erst mit meinem Umzug nach Berlin im Jahr 2006 kennengelernt habe. Als ich dann einige Jahre später hier zum Chefarzt berufen wurde, hatte ich mich aber bereits über Geschichte und Gegenwart kundig gemacht. Ich bin sehr stolz, an einem solch besonderen Ort arbeiten zu dürfen.

Vor 10 Jahren hat HELIOS seine Klinik-Infrastruktur in Buch in einem großen Neubau zusammengefasst. Welche Vorteile hatte dies?

Stadtbaurat Ludwig Hoffmann hatte Anfang des 20. Jahrhunderts weitläufig Bauten im Pavillonstil errichtet. Wenn man sich vor Augen führt, dass bereits ab den 1970er Jahren neue Krankenhäuser für eine optimale Versorgung grundsätzlich in einem Gebäude errichtet wurden, wird klar, wie lange wir noch in den alten Strukturen gearbeitet haben. Vor Eröffnung des Neubaus im Jahr 2007 hatte HELIOS hier zuletzt über 160 Gebäude auf einer Fläche von über 1,1 Millionen Quadratmetern im
Krankenhausbetrieb. Spezielle Diagnostik und Therapie erforderten immer längere Hin- und Rückfahrten mit Krankenwagen zwischen den Gebäudeteilen und Bereichen, die in ganz Buch verstreut waren.
Heute versorgen wir viele unsere Patienten entsprechend der aktuellen Anforderungen nicht nur unter einem Dach, sondern durch mehrere Fachabteilungen gleichzeitig, also interdisziplinär. Das neue Haus haben Ärzte mitgeplant. Es erlaubt kurze Wege in allen stationären und ambulanten Bereichen – trotz seiner Größe mit einer bebauten Grundfläche von über 20.000 m² und mehr als 1.000 Betten. 20 Operationssäle mit einer Fläche von 3.000 m², der Intensivmedizinbereich, die Rettungsstelle mit Hubschrauberlandeplatz und sämtliche Medizintechnik sind nun an zentraler Stelle das „Herz“ unseres Hauses.

Wie haben die Beschäftigten und die Patienten den neuen, zentralen Standort angenommen?

In den ersten Monaten war es durch eine Reihe von baulichen, technischen und logistischen Problemen etwas holprig. Aber es gab auch Wehmut bei Mitarbeitern, die aus den damals unsanierten, aber immer noch wunderschönen Altbauten in den modernen und sachlichen Neubau
gezogen waren. Von einem Tag auf den anderen waren alle mit einem Mal „unter einem Dach“. Es dauerte einige Monate, bis alles für die Patienten, Mitarbeiter und Besucher optimal organisiert war. Heute kann sich keiner von uns mehr vorstellen, ohne die vielfältigen technischen und logistischen Möglichkeiten unseres Hauses zu arbeiten.

Auf welche Erfolge der vergangenen zehn Jahre sind sie besonders stolz?

Auf die Entwicklung der Patientenzahlen. Sie sind Ausdruck von unserer Akzeptanz bei niedergelassenen Ärzten und Patienten aller Altersgruppen. Und eine Folge unserer hohen medizinischen und pflegerischen Kompetenz und Qualität. Im letzten Jahr hatten wir 52.000 Patienten im stationären und 113.000 im ambulanten Bereich. Ganz besonders stolz sind wir auf die Entwicklung der Geburtenzahlen. Während vor zehn Jahren 1.000 Babys in Buch geboren wurden, waren es im letzten Jahr über 3.000. Werdende Mütter reisen von weit an, um ihr Kind bei uns zur Welt zu bringen. Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass natürlich auch meine beiden Kinder hier vor einigen Jahren geboren wurden!

Welche Entwicklungen hat das HELIOS Klinikum Berlin-Buch in den letzten Jahren genommen und welche sind zukünftig geplant?

Das Klinikum Buch war immer Vorreiter in der medizinischen Entwicklung. Hier wurden und werden viele neue Therapieformen mit entwickelt, nationale und internationale Studien unterstützt und
spezielle Arbeitsgruppen gemeinsam mit dem Forschungscampus gegründet. Zum Beispiel die AG Kardiale MRT unter der Leitung von Prof. Jeanette Schulz-Menger, Oberärztin meiner Klinik. Die Arbeitsgruppe ist ein Teil des Experimental and Clinical Research Centers (ECRC) und eine gemeinsame Einrichtung zwischen Charité und MDC.
Erwirtschaftete Überschüsse investieren wir wieder in das Klinikum. So war und ist es uns möglich, zum Beispiel immer auf dem neuesten Stand der Medizintechnik zu bleiben. Oft bieten wir schon vor
anderen Kliniken in Deutschland spezielle Geräte, deren Mehrnutzen in Diagnostik oder Therapie für den Patienten nachgewiesen wurde. Und wir haben beste Mediziner sowie Pflegefachkräfte mit spezieller Ausbildung. Diese Spitzenposition wollen wir noch ausbauen. Ich möchte noch nicht zu viel verraten, aber wir werden in naher Zukunft einen weiteren medizinischen „Leuchtturm“ nach Berlin-Buch holen.

Welche Rolle spielt die zunehmende Digitalisierung in der Patientenversorgung?

Digitalisierung in der Medizin ist die Zukunft. Sie ermöglicht vor allem eine offene und schnelle Kommunikation zwischen Ärzten verschiedener Fachgebiete, mit der Pflege und zum Patienten. Die HELIOS Gruppe war immer ein Vorreiter bei der Einführung von IT im Krankenhaus und das Bucher Klinikum das führende Projekthaus. Wir haben sicherlich mit den höchsten Digitalisierungsstand, der derzeit möglich ist.
Nicht als Selbstzweck: Digitalisierung dient der qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung auf allen Ebenen. Ein Beispiel: Wenn nachts der diensthabende Arzt zu einem Patienten gerufen wurde, so musste er sich traditionell erst die Patientenakte, die -kurve, Röntgenbilder und sonstige Zettel und Befunde zusammensuchen, um sich ein Bild vom Patienten zu machen. Heute schaut er auf dem Weg zu ihm in sein Tablet. Das hat er in der Kitteltasche. Dort sind alle Befunde, Bilder, EKGs, Arztbriefe sowie Unterlagen der letzten 30 Jahre zum Patienten direkt einsehbar. Das spart besonders im Notfall wichtige Minuten, um medizinisch richtig zu entscheiden.

Welche Handlungsfelder sehen Sie für den Gesundheitsstandort Buch? Welche Unterstützung wünschen Sie sich von der Politik? Wie sollte sich Buch in den nächsten Jahren entwickeln, damit HELIOS weiter prosperieren kann?

Der Berliner Norden, insbesondere Berlin-Buch, Karow, Blankenburg, Heinersdorf und Französisch-Buchholz sowie der Barnim sind einerseits Zuzugsgebiete. Andererseits glaube ich, dass es zukünftig eine Konzentration gerade von komplexeren Gesundheitsleistungen an großen Kliniken mit überregionaler Bedeutung geben wird. Genau diese bieten wir. Bereits heute gibt es vom Gesetzgeber für eine Reihe von medizinischen Eingriffen Mindestmengenvorgaben, die nur große Kliniken und insbesondere die der Maximalversorgung – wie unser Klinikum – erfüllen können.
Das Klinikum investiert aber auch in Bereiche, die nicht direkt zur Patientenversorgung gehören. So öffnet noch in diesem Jahr unsere neu gebaute Kita. Sie wird berlinweit die erste sein, die an jedem Tag im Jahr und rund um die Uhr geöffnet ist. Hier können Kinder auch betreut werden und übernachten, wenn ihre Eltern zum Beispiel im Drei-Schicht-System arbeiten und Spät- oder Nachtdienst haben.
Angesichts der Investitionen, die wir bereits umgesetzt haben und für die Zukunft planen, wünschen wir uns von der Politik Planungssicherheit in allen Bereichen. Und, dass die gute Zusammenarbeit mit den Behörden so konstruktiv weiter geht wie bisher.
Auch in Zukunft ist das Vertrauen der Bevölkerung zu uns besonders wichtig. Ich möchte mich bei allen Bucherinnen und Buchern, unseren Kooperationspartnern und Einrichtungen am Standort – insbesondere der Akademie der Gesundheit und dem Forschungscampus – für die großartige Zusammenarbeit bedanken.

Interview: Susanne Hansch, Christine Minkewitz,

Foto: Prof. Dr. med. Henning Baberg vor dem Haupteingang des Bucher Klinikums an der Schwanebecker Chaussee. (Foto: Thomas Oberländer/HELIOS)

Quelle: Campus Berlin-Buch GmbH

www.helios-kliniken.de/berlin-buch

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