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produzieren,forschen / 21.12.2017
Biosyntan: Maßgeschneiderte Synthesen

 Die Biosyntan GmbH ist seit 20 Jahren erfolgreich als Serviceunternehmen für die Peptidforschung.
Interview mit den Geschäftsführern Dr. Rudolf Dölling und Dr. Stephan Pritz.


Wie kam es dazu, dass Sie hier auf dem Campus gegründet haben?

Dr. Dölling: 1989 habe ich hier am Zentralinstitut für Molekularbiologie der Akademie der Wissenschaften eine Forschungsgruppe zur Peptidsynthese aufgebaut. Sie wurde 1991 aufgelöst, und für mich begann eine Zeit der Neuorientierung. Schließlich habe ich mit meinem früheren Kollegen Dr. Frank Kernchen entschieden, ein kleines, flexibles
Service-Unternehmen für Wissenschaft und Forschung zu gründen. 1997 konnten wir diese Idee im Gründerzentrum des BiotechParks Berlin-Buch umsetzen. Wir wurden dort sehr intensiv unterstützt, vor allem durch die Ertüchtigung von Laboren für das chemische Arbeiten.

Welche Produkte und Dienstleistungen bietet Ihr Unternehmen? Wie hat sich Ihr Portfolio entwickelt?

Dr. Dölling: Wir haben von Beginn an auf die maßgeschneiderte Synthese von Peptiden fokussiert. Zunächst gehörten Forschungsgruppen des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) und die BioGenes GmbH zu unseren Hauptkunden, für die wir unmodifizierte Peptide synthetisiert haben. Heute sind wir ein führender Spezialist in der Synthese linearer und zyklischer Peptide mit ungewöhnlicher Struktur und einer großen Bandbreite von Modifikationen und bieten einen breitgefächerten Service.
Dr. Pritz: Unser Kerngebiet ist die Fluoreszenzmarkierung von Peptiden für diagnostische Anwendungen sowie die Synthese von modifizierten Peptiden für die Forschung. Dabei haben wir uns auf die Phosphorylierung und Glycosylierung spezialisiert, ebenso auf Histonpeptide, die für das Ablesen der DNA entscheidend sind. Seit einiger Zeit bieten wir auch längere Peptide wie modifiziertes Ubiquitin an.

Welche Rolle spielen Forschung und Entwicklung in Ihrem Unternehmen?

Dr. Dölling: Um spezifische Peptide zu entwickeln, gibt es kaum Vorschriften in der Literatur; wir betreten jedes Mal Neuland. Das erklärt, warum sieben von zehn unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Hoch- oder Fachhochschulabsolventen sind und wir Wert darauf legen, als Firma klein und flexibel zu sein. Wir können alle chemischen Verbindungen aus einer Hand, in hoher Qualität und in der entsprechenden Zeit liefern. Bei uns ist sofort ein Experte am Telefon. Dieser Dialog schafft die Basis für eine langfristige, stabile Geschäftsbeziehung.
Dr. Pritz: Wir beteiligen uns auch an Forschungsprojekten. Dies stärkt unsere Bekanntheit. Als wir zum Beispiel für die Untersuchung von Zika-Viren an der Uni Lübeck fluoreszenzmarkierte Protease-Substrate hergestellt haben, hat dies viele Anfragen generiert, da diese Substrate derzeit kein anderer anbietet.

Welches sind Ihre Hauptkunden? Wo liegt Ihr Absatzschwerpunkt?

Dr. Pritz: Zu unseren Kunden gehören alle großen europäischen Pharmaunternehmen, Forschungsgruppen aus Instituten oder Universitäten sowie kleine Firmen – vom Start-up bis zum etablierten Unternehmen. Hauptsächlich befinden sich diese in Deutschland. Etwa ein Drittel unserer Produkte exportieren wir nach Europa und in die USA. Nach wie vor ist BioGenes ein wichtiger Partner, und seit über 10 Jahren synthetisieren wir Glycopeptide für das Campusunternehmen Glycotope.

Was bedeutet es für Sie, dass die Biosyntan GmbH im Wissenschafts- und BiotechPark angesiedelt ist?

Dr. Dölling: Wir kooperieren mit dem MDC und dem Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie. Neben unseren Kooperationspartnern und Kunden haben wir hier einen fachlichen Austausch mit anderen Peptidchemikern und verfügen über eine sehr gute technische Infrastruktur. IT-Anbindung und der Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen sind für uns wichtig, aber auch ganz alltägliche Dinge wie die Chemikalienentsorgung laufen reibungslos.

Wo sehen Sie Ihr Unternehmen in zehn Jahren?

Dr. Pritz: Die Entwicklung geht zu komplizierteren Synthesen, zu längeren und modifizierten Proteinen. Diese werden über die Methode der chemischen Ligation synthetisiert. Dafür haben wir jetzt schon Vorarbeiten durchgeführt, um künftig eine größere Rolle in diesem Spezialgebiet zu spielen. Allerdings werden wir weiterhin klein und flexibel bleiben.
Dr. Dölling: Dank unseres Know-hows und unserer Unternehmensstruktur schreiben wir jedes Jahr schwarze Zahlen. Zum Jahresende übergeben Frank Kernchen und ich die Firma an junge Mitarbeiter, die wir hier aufgebaut haben. Wir sind absolut zuversichtlich, dass sich Biosyntan weiterhin gut entwickeln wird.

Interview: Christine Minkewitz/BBB

Foto: Dr. Rudolf Dölling (Mitte) und Dr. Stephan Pritz (rechts) mit einem Teil des Teams der Biosyntan GmbH (Foto: Christine Minkewitz/BBB)

Quelle: BBB Management GmbH Campus Berlin-Buch

www.biosyntan.de

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