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bilden,leben,investieren / 29.05.2018
Ein neuer Standort für Bildung

 Interview mit Sören Benn, Bezirksbürgermeister von Pankow, und Holger Dernbach, Leiter des Amtes für Weiterbildung und Kultur


 

Der Senat hat Ende Januar grünes Licht für den Bau des Bildungs- und Integrationszentrums in Buch gegeben. Es stehen nun 14 Millionen Euro aus dem Haushaltsüberschuss zur Verfügung. Was bedeutet das für die Entwicklung von Buch?

Sören Benn: Es bedeutet, dass ein weiteres Element einer lang verabredeten Entwicklung in Buch Realität wird. Neben der Entwicklung von Wohnstandorten, des Wissenschaftscampus oder der verkehrlichen Entwicklung war immer ein Bildungs- und Integrationszentrum geplant. Mit dessen Finanzierung ist nun ein ganz wichtiger Anker gesetzt, um das Ortszentrum und Bildung und Kultur in Buch zu stärken.
Das Bildungszentrum gibt den Auftakt zur Bebauung der nördlichen Brunnengalerie am Beginn der Karower Chaussee und wird durch eine Promenade mit Schlosspark-Passage und S-Bahnhof Buch verbunden. Es soll ein ansprechender Bau mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen, der ganz wesentlich die Bucher Ortsmitte prägt. Die  Finanzierung durch den Berliner Senat ist auch ein politisches Signal, dass Buch berlinweit als ein wichtiger und wachsender Wohn- und Arbeitsort gesehen wird.

Inwieweit erwarten Sie Synergien aus der Bündelung von Einrichtungen? Worin besteht der Mehrwert?

Sören Benn: Die fachübergreifende, kooperative Nutzung ermöglicht gemeinsame Veranstaltungsformate – etwa Konzerte, Lesungen oder Themenwochen. Weil unterschiedlichste Einrichtungen vor Ort sind, lassen sich Freizeit, Bildung und Kultur für die ganze Familie verbinden. Das Bildungszentrum wird sich sicher auch als Veranstaltungsort für die Bucher Bürgerinnen und Bürger – in Richtung Stadtteilzentrum – entwickeln, zumindest aber als Marktplatz der Meinungen und der Ideen in Buch, vielleicht auch als öffentliches Wohnzimmer von Buch.
Holger Dernbach: Wir orientieren uns an innovativen kooperativen Bildungseinrichtungen wie dem Linzer Wissensturm oder dem Bildungscampus Nürnberg, um hier etwas Besonderes zu schaffen. Dabei wird der Gesundheitsstandort Buch eine Plattform erhalten, auf der Themen aus der Forschung und Medizin kommuniziert werden können. Nicht zuletzt wird dort ein Teil des Gläsernen Labors außerschulische naturwissenschaftliche Bildung für Grundschulkinder bieten. Der Campus wächst  sozusagen in die Ortsmitte hinein. Es ist auch effizienter, statt mehrerer getrennter Standorte einen Standort zu haben, der auch eine gewisse Strahlkraft entwickeln kann. Neue Raumkonzepte, die die Kommunikation zwischen den Kolleginnen und Kollegen der Einrichtungen fördern, und ein gemeinsames Raum- und Veranstaltungsmanagement werden neue Ideen beflügeln.
Sören Benn: Volkshochschule, Bibliothek, Musikschule und auch das Gläserne Labor könnten zusammen Veranstaltungen realisieren, die die jeweiligen Möglichkeiten integrieren. Denkbar wäre auch, einmal im Jahr ein Bildungsfestival zu veranstalten und dafür zusätzliche Projektgelder einzuwerben.
Holger Dernbach: Buch hat viele Initiativen, denen wir im Bildungszentrum nun moderne Räume bieten könnten. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich das neue Haus in Zukunft als wichtiger Anlaufpunkt für das soziale Miteinander entwickeln wird – neben Bürgerhaus und Stadtgut. Dazu werden das Café, ein multifunktionaler Veranstaltungssaal und der geplante Gartenbereich beitragen.

Wie soll Integration konkret im Bildungszentrum stattfinden?

Sören Benn: Das Bildungszentrum soll unterschiedlichste Zielgruppen und Bevölkerungsschichten von Buch ansprechen und integrieren. Unser Ziel ist es, das Haus für viele Bürgerinnen und Bürger attraktiv zu machen. Dafür müssen passende Angebote geschaffen werden. Nicht zuletzt berührt Integration natürlich auch die der Geflüchteten, die in Buch leben.
Holger Dernbach:Für die Geflüchteten wird es spezielle Angebote von Bibliothek und Volkshochschule geben, etwa um Deutsch zu lernen oder sich auf eine berufliche Tätigkeit vorzubereiten. Für Kinder ist Hilfe bei den Hausaufgaben vorgesehen. Vorträge können die Zugewanderten mit dem politischen System vertraut machen. Das Gläserne Labor bringt Erfahrungen mit Kursen für naturwissenschaftlich interessierte Kinder von Geflüchteten ein. Musik und Tanz verbinden auch ohne perfekte Sprache – daher kommt den Angeboten der Musikschule große Bedeutung zu. Sprachcafés, ein Lesegarten oder Internetarbeitsplätze – das ganze Haus soll Möglichkeiten für Begegnung und Austausch bieten.

Eine Machbarkeitsstudie für das Bildungszentrum existiert bereits. Welcher Schritt ist als Nächstes geplant?

Holger Dernbach: Wir werden bis Endes dieses Jahres einen Architektur-Wettbewerb für das Bildungs- und Integrationszentrum ausloben.

Wann könnte das Zentrum in Betrieb gehen?

Sören Benn: Es ist unwahrscheinlich, dass das Bildungszentrum noch in dieser Legislaturperiode schlüsselfertig übergeben wird. Aber ich kann mir vorstellen, dass es im Zeitraum 2022/2023 etwas wird, wenn alles gut läuft. Im Moment bauen wir Personalkapazitäten auf, um die Planungen angemessen realisieren zu können. Aber es ist absehbar, dass die Bezirke, die jetzt Investitionsgelder erhalten haben, nach der Planungsphase relativ zeitgleich auf den Markt der bauausführenden Firmen zugreifen wollen, um ihre Bauprojekte umzusetzen. Das könnte unter Umständen Verzögerungen mit sich bringen.

Wenn Buch weiter wächst, rücken Verkehrsinfrastruktur und -anbindung einmal mehr in den Fokus. Welche Lösungen sehen Sie, um den Nordosten noch attraktiver zu machen?

Sören Benn: Aus Sicht des Bezirks gilt es, die Anbindung mit dem öffentlichen Nahverkehr deutlich zu stärken. Wir setzen uns daher sehr für einen Regionalbahnhalt in Buch ein. Damit wäre Buch nicht nur besser an den Flughafen und die City, sondern auch ans Umland angebunden. Zum anderen wollen wir die umweltfreundliche Mobilität am Gesundheitsstandort fördern.
So haben wir unter anderem eine gut ausgebaute Fahrradroute vom S-Bahnhof zum Wissenschafts- und zum Klinikcampus geplant. Um die Parkprobleme im Zentrum von Buch zu mildern, wäre ein Parkraummanagement denkbar. Die generelle Verkehrsplanung obliegt jedoch dem Land Berlin. Das heißt, wenn die Wohnbaupotenziale in großen Dimensionen ausgeschöpft werden, muss die Verkehrsinfrastruktur auch entsprechend angepasst werden. Es wäre schon gut, ein Verkehrskonzept zu haben, das sowohl die Anbindung Buchs an die Innenstadt als auch die Verknüpfung mit dem Umland berücksichtigt.

Welchen Stellenwert hat Buch aus Ihrer Sicht für den Bezirk Pankow?

Sören Benn: Als Zukunftsort ist Buch nicht nur attraktiv, weil es ein Gesundheits- und Wissenschaftsstandort ist. Buch hat auch, anders als viele andere Ortsteile, Potenziale für gewerbliche Wirtschaft. Zu den Alleinstellungsmerkmalen zählt auch, dass es bereits städtisch geprägt ist und hier die Stadt weitergebaut werden kann, Wohnungen und Arbeitsplätze entstehen können. Insofern ist Buch, denke ich, in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahren der Ortsteil mit der höchsten Dynamik.


Interview und Foto: Christine Minkewitz / BBB Management GmbH

Foto: Im Gespräch über innovative Konzepte für das neue Bildungszentrum: (v.l.n.r.) Dr. Ulrich Scheller und Christina Quensel vom Campus Berlin-Buch, Bürgermeister Sören Benn und Holger Dernbach, Leiter des Amtes für Weiterbildung und Kultur im Bezirksamt Pankow


Quelle: Campus Berlin-Buch GmbH

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