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heilen / 14.02.2019
„Broken-Heart-Syndrom“ — Diagnose: gebrochenes Herz

 Ein „gebrochenes Herz“ ist nicht nur eine Metapher für enttäuschte Liebe: Emotionale Belastungssituationen können tatsächlich körperliche Auswirkungen haben. Mit dem seltenen Broken-Heart-Syndrom befassen sich Kardiologen bereits seit Anfang der 1990er Jahre.

Fast jeder hat es schon einmal erlebt - ein "gebrochenes Herz". Beim sogenannten „Broken-Heart-Syndrom“ oder auch „Tako-Tsubo-Syndrom“ bricht das Herz nicht nur im übertragenen Sinne, sondern wortwörtlich. Kardiologen wissen mittlerweile, dass zum Beispiel durch Trauer und Kummer ausgelöster Stress, dem Herzen schaden kann. Was genau steckt dahinter?

Das Broken-Heart-Syndrom

Das Broken-Heart-Syndrom, zu Deutsch „Gebrochenes-Herz-Syndrom“, ist eine plötzlich auftretende Funktionsstörung der linken Herzkammer, die in vielen Fällen durch starken Stress oder Schmerzen ausgelöst werden kann. Gezählt wird es zu den erworbenen Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien).

„Häufig wird das Broken-Heart-Syndrom zunächst für einen Herzinfarkt gehalten, da es die gleichen Symptome auslöst wie Brustschmerzen oder Luftnot. Im Gegensatz zum Infarkt findet man bei den Betroffenen aber keine Verengung oder Verschluss eines Herzkranzgefäßes“, sagt Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Chefarzt der Kardiologie im Helios Klinikum Berlin-Buch. Das Broken-Heart-Syndrom ist somit weniger lebensbedrohlich als ein Herzinfarkt, dennoch können ernsthafte Komplikationen auftreten. Dazu gehören lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen und ein kardiogener Schock.

Mediziner nennen das Broken-Heart-Syndrom auch Stress-Kardiomyopathie oder Tako-Tsubo-Syndrom. Japanische Ärzte diagnostizierten die Krankheit erstmals Anfang der neunziger Jahre. Sie beobachteten, dass die Verformung des Herzens, die mit dem Syndrom einhergeht, in vielen Fällen an eine Tintenfischfalle erinnert: einen runden Krug mit kurzem Hals.

Symptome

Die Symptome eines Broken-Heart-Syndroms sind von denen eines Herzinfarktes nicht zu unterscheiden. Die Betroffenen leiden an Atemnot und verspüren ein Engegefühl in der Brust, teilweise begleitet von Schweißausbrüchen, Übelkeit und Erbrechen.

Untersuchungen und Diagnose

EKG- und Troponin-Werte können beim Broken-Heart-Syndrom und beim Herzinfarkt gleich sein, deshalb wird meistens auch direkt eine Herzkatheteruntersuchung gemacht, die aber keinen Verschluss eines Herzkranzgefäßes zeigt. Ein Ultraschall bzw. eine Magnetresonanztomographie des Herzens (Kardio-MRT) geben dann Aufschluss, welches Krankheitsbild genau vorliegt. Hier kann sich die typische Verformung des Herzmuskels, begleitet von einer Herzschwäche, zeigen. Der betreuende Arzt wird auch fragen, ob dem Ereignis eine intensive emotionale Stresssituation vorrausgegangen ist. Wenn das nicht der Fall ist, ist ein Broken-Heart-Syndrom aber nicht ausgeschlossen.

Auslöser und Risikogruppe

In vielen Fällen geht dem Broken-Heart-Syndrom eine große gefühlsbetonte Belastung oder ein schmerzhaftes Ereignis voraus. "Eine Reihe von Patienten leiden unter schwerem emotionalen Stress", erklärt Prof. Baberg. „Das können beispielsweise Trennungen oder der Tod eines geliebten Menschen sein. Auch traumatisierende und existenzbedrohende Ereignisse sind mögliche Auslöser“, so Prof. Baberg weiter.

Sogar positiver Stress kann ein Broken-Heart-Syndrom verursachen: Freudige Ereignisse wie eine Hochzeit, ein Geburtstag oder ein Lottogewinn sind ebenso mögliche Gründe für diese Form der Herzmuskelerkrankung, wenn auch wesentlich seltener als negativer Stress. „Im Körper der Patienten kommt es dann zu einem hohen Spiegel körpereigener Stresshormone, so genannter Katecholamine. Wir sprechen deshalb auch von einer stressinduzierten Kardiomyopathie“, so Prof. Baberg. Noch sind die genauen Zusammenhänge zwischen der emotionalen Belastung, Schmerzen und einer Funktionsstörung des Herzmuskels nicht vollständig geklärt.

Oft sind es Frauen nach den Wechseljahren, die unter dem Broken-Heart-Syndrom leiden, es kann aber jeden treffen.

Broken-Heart-Syndrom: Behandlung

Nach ausführlicher Diagnostik wird mit Hilfe von Betablockern und ACE-Hemmern zunächst die Herzschwäche behandelt. Nach ein paar Tagen erfolgt ein Kontroll-Ultraschall des Herzens oder ein Kardio-MRT. Typisch für das Syndrom ist, dass es sich unter der Therapie schnell wieder bessert, also reversibel ist. Aber auch nach einer vollständigen Normalisierung der Herzfunktion bleibt ein erhöhtes kardiales Risiko, so dass diese Patienten nachbetreut werden sollten.

Foto: Emotionaler Stress kann zu einem Broken-Heart-Syndrom führen und Herzinfarkt-Symptome auslösen. (©stasknop/fotolia)

Quelle: Pressemitteilung HELIOS Klinikum Berlin-Buch

www.helios-gesundheit.de

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