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forschen,investieren / 07.03.2019
LifeTime freut sich über EU-Förderung

 LifeTime gehört zu den sechs Gewinnern eines EU-weiten Wettbewerbs, bei dem ambitionierte und zukunftsweisende Forschungsvorhaben ausgewählt und gefördert werden. Das hat die Europäische Kommission am 6. März offiziell bekannt gegeben. Die Koordinatoren von LifeTime in Berlin und Paris zeigten sich erfreut. Kanzlerin Merkel lobte das Projekt.

Wie die Europäische Union (EU) am Dienstag bekanntgab, wird die Initiative LifeTime seit 1. März 2019 für ein Jahr mit einer Million Euro unterstützt. Die Förderung ist ein Ansporn für die internationale Forscherinitiative.

Das LifeTime-Konsortium will besser verstehen, wie Krankheiten im menschlichen Körper entstehen und sich entwickeln – wie Genome in Zellen funktionieren, wie Zellen Gewebe bilden und ihre Aktivitäten dynamisch umgestalten, wenn Krankheiten voranschreiten. „Dies ist eine große Herausforderung unserer Zeit und kann dramatische Auswirkungen auf die Früherkennung und Prävention von chronischen und fortschreitenden Krankheiten haben“, heißt es in der Pressemitteilung der EU. Nicht zuletzt wollen die Forscherinnen und Forscher mithilfe neuester Technologien die Basis für die Präzisionsmedizin von morgen schaffen.

Koordiniert wird „LifeTime“ vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin durch Professor Nikolaus Rajewsky und vom Institut Curie in Paris durch Professorin Geneviève Almouzni. „Wir freuen uns sehr, dass wir diesen europäischen Spitzenplatz erworben haben“, sagte Rajewsky am Mittwoch. „LifeTime integriert Einzelzellmethoden, personalisierte Organoide und maschinelles Lernen, um menschliche Zellen während der Krankheitsbildung zu verstehen und für eine Therapie nutzbar zu machen. Damit soll die Patientenversorgung grundlegend verbessert werden“, so der Systembiologe.

Nur zwei lebenswissenschaftliche Initiativen ausgewählt

Insgesamt sind an LifeTime 53 Forschungsinstitute aus 18 europäischen Ländern sowie 60 Unternehmen beteiligt. Sie können nun planen, wie sich die Vision für eine gesündere Zukunft in die europäische Forschungs- und Innovationslandschaft im Programm Horizon Europe für den Zeitraum 2012 bis 2027 einfügen kann.

Die sechs Gewinner des europäischen Wettbewerbs, darunter nur zwei lebenswissenschaftliche Initiativen, wurden aus 33 Vorschlägen durch unabhängige hochrangige Experten ausgewählt. Nach einem Jahr wird in Brüssel entschieden, ob und welche der sechs Forschungsinitiativen die EU in großem Maßstab weiterhin fördert.

Maßgeblich beteiligt an der LifeTime-Initiative sind die beiden größten europäischen Forschungsorganisationen: die deutsche Helmholtz-Gemeinschaft und das französische Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS).

Bundeskanzlerin Angela Merkel lobt LifeTime

„Wissenschaftliche Exzellenz und Internationalität gehen hier Hand in Hand“, hatte  Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits vor wenigen Tagen zu LifeTime erklärt, als sie den zweiten Standort des Max-Delbrück-Centrums im Herzen Berlins eröffnete. In das neue Haus wird bald das Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) unter der Leitung von Rajewsky einziehen. „Dass Sie von Berlin aus das LifeTime-Konsortium koordinieren, unter Beteiligung der Helmholtz-Gemeinschaft und gemeinsam mit Partnern in Frankreich, ist auch eine sehr, sehr gute Nachricht“, sagte die Kanzlerin.

Bei einer Laborführung hatten ihr zuvor Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler die drei Säulen der LifeTime-Initiative präsentiert.

  • Dank Organoiden („Mini-Organen“), die aus den Zellen von Patienten gewonnen werden, entstehen neue Krankheitsmodelle.
  • Zellen in einem Organoid oder auch in einem ganzen Lebewesen rufen zu unterschiedlichen Zeitpunkten unterschiedliche Informationen aus dem Erbgut ab. Mit den Methoden der Einzelzellbiologie (etwa Single Cell Sequencing) kann man das im großen Maßstab und mit hoher Präzision beobachten.
  • Künstliche Intelligenz wird erstmals in einem großen lebenswissenschaftlichen Konsortium verwendet, um die Datenberge der Einzelzellbiologie zu verarbeiten.

 

Ein Beispiel für erfolgreiche multilaterale Zusammenarbeit

Angela Merkel betonte die Bedeutung der deutsch-französischen Zusammenarbeit: „Gerade im Bereich der Wissenschaftskooperation haben wir uns noch viel vorgenommen. Im Aachener Vertrag haben wir explizit festgelegt, auch im Bereich der Künstlichen Intelligenz zusammenzuarbeiten und ein gemeinsames Netzwerk bilden zu wollen. Dazu passt das hier sehr gut“, so Merkel. „Daran kann man auch sehen, was globale Zusammenarbeit bedeutet und dass multilaterale Zusammenarbeit in manchen Bereichen noch sehr gut funktioniert.“

Als Auftakt für das Vorbereitungsjahr findet am 6. und 7. Mai 2019 eine Konferenz in Berlin statt. Dort stellen die Mitglieder des Konsortiums die Initiative vor und werden darüber informieren, wie LifeTime Wissenschaft und Medizin in Europa stärken will.


Foto: Bundeskanzlerin Angela Merkel informiert sich über die Arbeit mit Organoiden. (Foto: David Ausserhofer/MDC)

Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)

www.mdc-berlin.de

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