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forschen, heilen / 13.03.2026
Wie Krebs-Immuntherapien das Herz beeinflussen

Checkpoint-Inhibitoren helfen zwar gegen Krebs, erhöhen aber das Risiko für Herzleiden. Wie sich die Therapie sicherer gestalten lässt, untersucht ein interdisziplinäres Team, zu dem auch Forschende des Max Delbrück Center gehören. Die Hector Stiftung unterstützt das Projekt mit 1,3 Millionen Euro. 

In der Krebstherapie haben Checkpoint-Inhibitoren seit ein paar Jahren ihren festen Platz. Die Antikörper stacheln das Immunsystem dazu an, vehementer gegen entartete Zellen vorzugehen. Vor allem Patient*innen mit schwarzem Hautkrebs, aber auch Lungen‑, Nieren- oder Blasenkrebs profitieren von der Immuntherapie oft mehr als von anderen Behandlungsoptionen.

Gut fürs Herz sind die Medikamente allerdings nicht. ​„Wir gehen davon aus, dass Krebspatientinnen und ‑patienten durch eine Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren ein etwa dreifach erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen wie die Koronare Herzkrankheit haben“, sagt der Kardio-Onkologe Professor Lorenz Lehmann vom Universitätsklinikum Heidelberg. Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team möchte Lehmann herausfinden, welche biologischen Mechanismen diese Nebenwirkungen hervorrufen – um die Therapie langfristig schonender fürs Herz zu machen.

Zu dem Konsortium namens ATHERIC-CARE (Atherosclerosis Risk in Cancer Patients after Immune Checkpoint-Inhibitor Therapy – Assessment and Exploration) gehören Dr. Isabel Poschke vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, Dr. Henrike Maatz vom Max Delbrück Center in Berlin-Buch, Professorin Sylvia Saalfeld von der Universität Kiel und Professor Oliver Müller vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel. Seit dem 1. Februar 2026 fördert die Hector Stiftung die Arbeit des multizentrischen Teams drei Jahre lang mit insgesamt 1,3 Millionen Euro. 

Entzündete Herzkranzgefäße 

Die Koronare Herzkrankheit ist eine Atherosklerose der Herzkranzgefäße. Blutfette und andere Substanzen aus dem Blut lagern sich dabei an den inneren Gefäßwänden ab und lösen dort chronische Entzündungen aus. Mit der Zeit verengen sich die Blutgefäße immer mehr, wodurch es zu Herzschwäche oder einem Herzinfarkt kommen kann. ATHERIC-CARE geht vor allem der Frage nach, wie Checkpoint-Inhibitoren diesen Entzündungsmechanismus aktivieren oder beschleunigen.

Die Wissenschaftler*innen untersuchen zum Beispiel anhand von DNA-Analysen, welche Immunzellen die Atherosklerose vorantreiben. In Tierexperimenten erforschen sie die Entzündungsmechanismen von Beginn an und mithilfe des maschinellen Lernens werten sie computertomographische Aufnahmen von Betroffenen aus. Denn diese Bilder spüren nicht nur im klinischen Alltag Metastasen auf, sondern können durch den Einsatz von KI auch Veränderungen an den Herzkranzgefäßen sichtbar machen.

„Unsere Aufgabe wird es sein, herauszufinden, welche Gene in den Zellen der Herzkranzgefäße und im umliegenden Gewebe aktiv werden – was also genau auf molekularer Ebene in den verschiedenen Zelltypen passiert“, sagt Henrike Maatz. Die Forscherin aus der Arbeitsgruppe ​„Genetik und Genomik von Herz-Kreislauferkrankungen“ von Professor Norbert Hübner am Max Delbrück Center wird dafür vor allem zwei Verfahren anwenden: die Einzelkern-RNA-Sequenzierung (single-nucleus RNA-sequencing, kurz snRNA-sec) und die Räumliche Transkriptomik (Spatial Transcriptomics). 

Forschung für mehr Lebensqualität 

„Wir möchten so zum Beispiel die Interaktion der Immunzellen mit den Endothelzellen, die die Blutgefäße von innen auskleiden, genauer charakterisieren“, erläutert Maatz. ​„Unser Ziel ist es, zu verstehen, wie die Immuntherapie T‑Zell-vermittelte Entzündungen in Blutgefäßen fördert, die instabile Gefäßablagerungen und Atherosklerose begünstigen können.“ Mithilfe der Räumlichen Transkriptomik wolle sie unter anderem herausfinden, wie die Immunzellen in den Plaques verteilt sind. Für ihre geplanten Arbeiten wird die Forscherin von der Hector Stiftung rund 286.000 Euro erhalten.

„Indem wir die Ergebnisse, die in den verschiedenen Forschungsbereichen des Konsortiums erzielt werden, zusammenführen, wollen wir Biomarker und Strategien identifizieren, die die Immuntherapie sicherer machen – und damit auch die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten verbessern“, fasst der Projektleiter Lehmann die Ziele von ATHERIC-CARE zusammen.

Auf die bevorstehende Kooperation freut sich Maatz: ​„Gemeinsam werden wir natürlich viel mehr erreichen, als eine einzelne Arbeitsgruppe es tun könnte“, sagt sie. ​„Und mit Lorenz Lehmann haben wir auch schon in anderen Projekten sehr erfolgreich zusammengearbeitet.“  

Weitere Informationen 

Hübner Lab

Genetics and Genomics of Cardiovascular Diseases 

Hector Stiftung 

Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (Max Delbrück Center)

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