Aktuelles

forschen / 16.01.2020
Kooperation mit PlasmidFactory geht weiter

Springende Gene für die Gentherapie gegen Krebs: Um das „Sleeping Beauty“-System zu optimieren, verlängert nun das MDCell Helmholtz Innovation Lab seine Zusammenarbeit mit PlasmidFactory.
 
Wer Immunzellen des menschlichen Körpers so verändern will, dass sie zum Beispiel einen Tumor wieder wirksam bekämpfen oder eine Autoimmunerkrankung ausbremsen können, braucht dafür zuverlässige und sichere Werkzeuge. Eines davon ist das am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) entwickelte „Sleeping Beauty“-System. Das MDCell Helmholtz Innovation Lab und die biopharmazeutische Firma PlasmidFactory bereiten dieses System gemeinsam so vor, dass es in Zukunft für die Gentherapie in der Klinik geeignet sein wird. Die beiden Partner haben ihre Zusammenarbeit nun um weitere zwei Jahre verlängert.
 
„Sleeping Beauty 100x“ basiert auf einem Element im Erbgut von Fischen, das sich vermutlich vor 20 Millionen Jahren als „springendes Gen“ (Transposon) selbst kopieren und immer wieder an neuen Positionen in der Fisch-DNA einbauen konnte. Transposons mischen das Erbgut auf und gelten daher als einer der Motoren der Evolution. Dr. Zsuzsanna Izsvák und ihre Kolleginnen und Kollegen haben das springende Gen aus seinem evolutionären Dornröschenschlaf geweckt, seine Aktivität 100fach erhöht und für die Gentherapie nutzbar gemacht. Das „Sleeping Beauty“- System kann nun Gene ins Erbgut einschleusen. Es sei sicherer, billiger und effizienter als andere Methoden, betont Izsvák.
 
Die veränderte Gensequenz braucht keinen Virus als „Taxi“ (Vektor) zu seinem Bestimmungsort. Die Nachteile, die Viren in der Gentherapie mit sich bringen, fallen also weg. Vielmehr besteht das System aus zwei Elementen: dem Transposon pT4 – das ist ein ringförmiges DNA-Molekül (Plasmid), in das das erwünschte Gen zwischen zwei typischen Markierungen eingebaut ist – und dem Erbgut für ein Enzym namens „SB100x“, das das erwünschte Gen aus dem Plasmid ausschneidet und zu seinem Bestimmungsort geleitet.
 
Bewährte Zusammenarbeit
 
Damit der Einsatz bei menschlichen Zellen noch sicherer wird, verfeinern MDCell und PlasmidFactory das System weiter. So wird das Erbgut für das Enzym „SB100x“ bereits in der Petrischale abgeschrieben und als in vitro transcribed RNA (IVT RNA) zu den Zellen gegeben, die verändert werden sollen. Auch das Transposon „pT4“ ist kein vollständiges Plasmid mehr, wie es oft in Bakterien vorkommt. Vielmehr hat die Plasmid Factory eine Technik entwickelt, bei der sich ein Mini-Ring (Minicircle) bildet. Er besteht – bis auf die nötigen Markierungen – fast nur noch aus dem Gen, das eingefügt werden soll.
 
„Dass die bakteriellen Anteile der Plasmide wegfallen, ist sehr wichtig – um die Sicherheit und Wirksamkeit des SB100x-Transposonsystems weiter zu verbessern“, sagt Dr. Holger Hoff, der Leiter von MDCell. „Und PlasmidFactory stellt besonders hochqualitative Minicircle her, da sie sehr eng verdrillt sind.“
 
Beide Partner bringen umfangreiche Expertise mit. PlasmidFactory hat Knowhow beim Design und der Vervielfältigung der „Gen-Taxis“, bei Patentfragen und Fragen der Zulassung. „Wir etablieren derzeit Herstellungsverfahren für Minicircle-DNA in hoher Qualität in unserem Speziallabor in Bielefeld, die für die CAR-T-Zelltherapie-Forschung verwendet werden“ erläutert Dr. Martin Schleef, Geschäftsführer der PlasmidFactory. MDCell wiederum verbindet die Forschung verschiedener Arbeitsgruppen mit Partnern aus der Industrie, entwickelt Prozesse, stellt Räume und Geräte zur Verfügung. Ihr gemeinsames Ziel: Sie wollen zum Beispiel Immunzellen mithilfe von Sleeping Beauty gentechnisch so verändern, dass sie Kranken wieder helfen können, und das System reif für die Klinik machen. Dafür muss es nicht nur sicher sein, es muss auch massenhaft in gleichbleibender Qualität hergestellt werden können. „Die entsprechenden Protokolle für GMP-Einrichtungen etablieren wir gemeinsam“, sagt Hoff.
 
Die Polizeistreife des Körpers neu ausrüsten
 

Eine mögliche Anwendung ist eine Immuntherapie gegen Krebs, die u.a. die Arbeitsgruppe von Professor Wolfgang Uckert erforscht. Dabei werden T-Zellen – die Polizeistreife des Körpers – wieder so ausgerüstet, dass sie Tumoren als fremd entlarven und zerstören können. Eine andere Kooperation mit Dr. Harald Prüß vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und der Charité-Universitätsmedizin Berlin will die T-Zellen so verändern, dass sie bestimmte Antikörper aus dem Verkehr ziehen und so eine gefährliche Autoimmunkrankheit in die Schranken weisen können.
 
Die Krankheit löst eine Hirnentzündung aus und verläuft immer ähnlich: Zunächst sind die Betroffenen abgeschlagen und haben leichtes Fieber. Dann stellen sich Denkstörungen, unerklärliche Verhaltensänderungen, Angst und Halluzinationen ein – fast wie zu Beginn einer Schizophrenie. Sie werden passiv und verstummen. Schließlich folgen epileptische Anfälle und Blutdruckkrisen. Diese können oft nur Ärztinnen und Ärzte auf einer neurologischen Intensivstation behandeln. Ausgelöst wird die Entzündung durch Antikörper, die NMDA-Andockstellen an der Oberfläche von Nervenzellen blockieren, die diese sonst für die Übertragung von Informationen benutzen. Der Fachbegriff lautet „Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis“.

Daran ist auch der Eisbär Knut gestorben, hat Harald Prüß im Jahr 2015 gemeinsam mit Kolleg*innen vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin ermittelt. Noch mehr treibt ihn allerdings das Schicksal von menschlichen Patient*innen an. Sie werden wegen ihrer Symptome oft zunächst in die Psychiatrie eingewiesen, brauchen aber dringend Hilfe gegen ihre Autoimmunkrankheit.

www.mdc-berlin.de

10.01.2020
Trauer um Mitbegründer der Eckert & Ziegler AG, Jürgen Ziegler

Nach seiner langen Karriere am Zentralinstitut für Isotopenforschung der Akademie der Wissenschaften der DDR gründete Diplom-Ingenieur Jürgen Ziegler 1992 die BEBIG Isotopentechnik und Umweltdiagnostik GmbH mit und schuf so die Grundlagen für den Erfolg der späteren Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG. Er war das wesentliche Bindeglied zwischen der ostdeutschen Anwendungsforschung und dem neuen Berliner industriellen Kern, der weltweit innovative Komponenten vor allem für die Radioonkologie entwickelt und produziert. Die Internationalisierung der Gruppe unterstützte Jürgen Ziegler als Vorstand noch bis Ende 2001, um sie danach lange konstruktiv als Großaktionär zu begleiten. Jürgen Ziegler starb am 26. Dezember 2019 im Alter von 76 Jahren.

www.ezag.com

produzieren / 09.01.2020
Schnelltest für Nahrung

Das Team von Leonyte Biosystems. In der ersten Reihe : Facundo Gomez (l.) und Michael Brehm (3. v. l.) (Foto: Leonyte)
Das Team von Leonyte Biosystems. In der ersten Reihe : Facundo Gomez (l.) und Michael Brehm (3. v. l.) (Foto: Leonyte)

Die Firma Leonyte Biosystems setzt mit ihrer innovativen Technologie, Pathogene in Nahrungsmitteln zu identifizieren, neue Standards

Die Gründungsidee für Leonyte Biosystems hat ihren Ursprung in China. Dort erlitt der Gründer Michael Brehm vor etlichen Jahren eine lebensbedrohliche Salmonelleninfektion. Seitdem hat ihn die Überlegung, wie man solchen Infektionen vorbeugen könnte, nicht mehr losgelassen. Dank erfolgreicher Gründungen – die bekannteste war die Online-Community studiVZ – konnte Brehm seine Idee, die Verbraucher besser zu schützen, tatsächlich in eine konkrete Entwicklung umsetzen. Dabei unterstützte ihn der Argentinier Facundo Gomez, den er 2016 kennenlernte. Brehm stellte ihm seine Vision vor, und Gomez ließ sich inspirieren. Er nahm sich Zeit, analysierte Markt und Technologien und brachte schließlich zusammen mit Brehm alles ins Rollen. Heute sind beide Geschäftsführer von Leonyte Biosystems.

Das Unternehmen startete 2017, nachdem Gomez eine Innovation ausfindig gemacht hatte, die als Basis für die eigene Technologie dienen konnte. Diese soll Lebensmittelhersteller am Ort der Produktion in die Lage versetzen, gefährliche Erreger in Lebensmitteln zuverlässig, einfacher und schneller festzustellen als bisher. Der Kern der Technologie besteht aus Sensoren, die mit herstellerspezifischen Proteinen kombiniert werden, die Bakterien wie Salmonellen in wenigen Minuten erkennen. „Wir nutzen Viren, die die gesuchten Bakterien als Wirtszellen benötigen, um sich zu reproduzieren. Diese so genannten Bakteriophagen helfen uns, die Bakterien hochspezifisch zu detektieren“, so Gomez. „Bislang nutzt man dafür Antikörper und benötigt mehrere Stunden und eine spezifische Temperatur, um einen bestimmten Erreger zu binden. Mit unserer Methode erhalten die Kunden das Ergebnis in bis zu einer Stunde statt nach zwölf bis 24 Stunden. Zudem können wir den Schnelltest kostengünstig anbieten und damit ermöglichen, dass er im großen Maßstab eingesetzt wird.“

Von der Probenvorbereitung über die Analyse sowie Auswertung optischer Daten unter dem Fluoreszenzmikroskop findet alles in einer einheitlichen Plattform statt, die Leonyte eigens entwickelt hat – auch dies ist eine Neuerung. Der Nutzer erfährt nach einem automatisierten Prozess, ob eine Kontamination vorliegt.

Von Mitte nach Buch

Die ersten Büros bezog Leonyte in Berlin-Mitte. Etwa anderthalb Jahre lang fand die Entwicklung in externen Laboren in Potsdam und in den USA statt. „Dies war einer der Gründe, warum wir auf den Campus Buch gezogen sind: Wir wollten unser Entwicklungsteam im Haus haben. Dazu kam, dass wir Labore mit Sicherheitsanforderungen benötigten und uns der Zugang zu Entwicklungspartnern, spezifischem Equipment oder Know-how wichtig war. Als Biotech-Start-up waren wir relativ isoliert in Mitte“, so der Geschäftsführer.
Der BiotechPark erweist sich immer mehr als hilfreich – für den Austausch und mögliche Kooperationen, auch in Richtung Herstellung. Zur wissenschaftlichen Community hat Leonyte enge Beziehungen aufgebaut. Gelegenheiten wie ein vom Campus organisiertes Meeting mit der Bill- and- Melinda-Gates-Stiftung intensivierten die Kontakte zu den teilnehmenden Campusfirmen. „Wir schätzen die internationale Denkweise, die auf dem Campus vorherrscht“, hebt Gomez hervor.

Wege zum Ziel

Bestehende Technologien zu kombinieren und weiterzuentwickeln, gibt dem Unternehmen eine hohe Flexibilität: „Unser Ziel ist das Vermeiden von Infektionen – die Technologie nur der Weg dahin“, erklärt Facundo Gomez. „Nach zwei Jahren sind wir dabei, die Entwicklung langsam abzuschließen. Wir denken, dass wir unseren Test Ende dieses Jahres oder Anfang 2021 auf den Markt bringen werden“, so Gomez.

Die Geschäftsführer von Leonyte wollen nichts Geringeres, als einen neuen Standard für den Nachweis und die Kontrolle von Bakterien zu schaffen und damit Menschen weltweit vor Pathogenen zu schützen. Sie planen, das Portfolio in der Lebensmitteldiagnostik auszuweiten und in Richtung Diagnostik im Gesundheitsbereich zu entwickeln. Hierfür sieht Gomez viel Potenzial auf dem Campus: „Wir sind immer auf der Suche nach kreativen Ideen und bieten an, Innovationen gemeinsam zu entwickeln.“

Text: Christine Minkewitz / Campus Berlin-Buch GmbH

www.leonyte.com

heilen / 09.01.2020
Baby Boom 2019

Das Kreißsaal-Team im Helios Klinikum Berlin-Buch.
Das Kreißsaal-Team im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Die Geburt eines Menschen ist ein bewegendes und einzigartiges Ereignis. Im vergangenen Jahr halfen die Hebammen und Ärzte im Helios Klinikum Berlin-Buch 3.105 Kindern bei 2996 Entbindungen auf die Welt. Darunter waren 113 Zwillings- und zwei Drillingsgeburten. Damit hat sich 2019 die Geburtenzahl auf hohem Niveau stabilisiert.

Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 3.105 Kinder in den Kreißsälen des Helios Klinikums Berlin-Buch geboren, darunter 1560 Jungen und 1545 Mädchen. 72 Kinder davon hatten ein Geburtsgewicht von unter 1500g und wurden im Perinatalzentrum versorgt.

Neben den Geburten im Klinikum gab es im letzten Jahr auch sechs außerhäusliche Geburten. Die Kinder wurden überraschend zu Hause oder auf dem Weg in das Klinikum, im Krankenwagen geboren. So zum Beispiel die kleine Clara, die am 09.11.19 um 01:15 es eilig hatte und im elterlichen Auto direkt vor dem Klinikum auf die Welt gekommen ist. Die Hebamme kam noch schnell zum Parkplatz geeilt, aber Clara war schon da und wohlauf.

Auch das neue Jahr startete gleich kinderreich mit Zwillingen. Am Neujahrstag um 1:53 Uhr erblickte die kleine Zoe das Licht der Welt. Kurz darauf folgte ihre Zwillingsschwester Amelia um 2:28 Uhr. Damit sind die beiden Schwestern die Neujahrszwillinge 2020 im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Das Helios Klinikum Berlin-Buch gehört zu den größten und modernsten Geburtskliniken Deutschlands. Hier werden im Schnitt 250 Babys pro Monat geboren. Prof. Dr. med. Michael Untch, Chefarzt der Geburtshilfe und Gynäkologie, betont dabei: „Wir haben ein hervorragend eingespieltes Team aus bestens ausgebildeten und engagierten Hebammen, Entbindungspflegern, Schwestern und Ärzten und sind ein Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe. Ich bin sehr glücklich, in einem so professionellen Team zu arbeiten.“

Das Bucher Klinikum ist mit vier Kreißsälen und zwei Vorwehenzimmern ausgestattet. Neben modernen Entbindungsbetten gibt es eine Gebärwanne für Wassergeburten, darüber hinaus Gebärhocker, Pezzibälle, Geburtsseile und Entbindungsmatten. Die Schwangeren sollen die Geburt so schmerzarm und geborgen wie möglich erleben und sich rundum sicher und individuell betreut fühlen.
Yvonne Schildai, leitende Hebamme im Helios Klinikum Berlin-Buch, betont: „Schwangerschaft und Geburt sind bedeutende Ereignisse im Leben. In dieser Phase begleiten wir die Schwangeren sicher und einfühlsam durch die Schwangerschaft und stehen Ihnen auch nach der Geburt unterstützend zur Seite.  Unser höchstes Ziel ist, dass Eltern und Kind gesund und glücklich unser Klinikum wieder verlassen.“

Infoabend mit Kreißsaal- und Klinikbesichtigung

Jeden 1., 2. und 3. Dienstag im Monat findet um 17:30 Uhr ein Informationsgespräch mit anschließender Möglichkeit zur Kreißsaalbesichtigung statt. Aufgrund der großen Nachfrage werden folgende zusätzliche Termine angeboten:
    24.03.2020
    23.06.2020
    22.09.2020

Treffpunkt ist der Konferenzraum hinter der Cafeteria, rechts am Haupteingang. Sie werden durch Hebammen und Ärzte aus der Gynäkologie und der Neugeborenenintensivstation ausführlich zu Themen rund um die Entbindung informiert und können Fragen stellen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

www.helios-gesundheit.de

forschen, heilen / 08.01.2020
Präeklampsie im Fokus

Prof. Dr. med. Ralf Dechend und PD Dr. Forian Herse
Prof. Dr. med. Ralf Dechend und PD Dr. Forian Herse

Präeklampsie ist eine gefährliche Bluthochdruck-Erkrankung in der Schwangerschaft – mit hohem Risiko für Mutter und Kind. Am ECRC forschen Prof. Dr. med. Ralf Dechend und PD Dr. Florian Herse an Ursachen und Therapien. buchinside sprach mit ihnen über Herausforderungen, Erfolge und den Weg zu neuen Formen der Behandlung.

Herr Prof. Dechend, was kennzeichnet die Präeklampsie?

Es ist eine schwere Komplikation in der Schwangerschaft und eine der Haupttodesursachen für Mutter und Kind. Betroffen ist etwa jede 20. Schwangerschaft. Hauptsymptome sind Bluthochdruck und Eiweiß im Urin. Zugrunde liegt eine Störung in der Plazenta, deren Ursachen weitgehend ungeklärt sind. Problematisch ist, dass die Therapie seit 60 Jahren unverändert ist: Wir geben Bluthochdrucktabletten, können aber die Erkrankung damit nur bedingt modulieren. Werden die Symptome für die Mutter zu bedrohlich, gibt es nur die Möglichkeit, die Geburt frühzeitig einzuleiten.

Als Mediziner erleben Sie diese Problematik hautnah.

Prof. Dechend: An drei Tagen der Woche betreue ich am Helios Klinikum Berlin-Buch Risikoschwangere bis zur Entbindung – in Kooperation mit den Gynäkologen und Geburtshelfern. Ich erlebe fast jeden Monat, dass eine von Präeklampsie betroffene Frau in der 25. oder 26. Woche entbinden muss. Ihr Kind wiegt dann zwischen 500 bis 900 Gramm und ist nur durch die Maximalversorgung der neonatalen Intensivstation überlebensfähig.

Neben den hohen Risiken, die frühgeborene Kinder generell betreffen, hat Präeklampsie mögliche weitere Folgen.

Prof. Dechend: Frauen, die Präeklampsie entwickeln, und Kinder aus präeklamptischen Schwangerschaften haben im späteren Leben ein erhöhtes Risiko für koronare Herzerkrankungen, Schlaganfall und Herz-Kreislauferkrankungen. – All diese Aspekte der Erkrankung – die akute Präeklampsie, deren Ursachen, Möglichkeiten der Diagnostik und Vorhersage sowie ihre Spätfolgen sind seit mehr als 15 Jahren Gegenstand unserer Forschung am Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC).

Welchen Ansatz hat Ihre Arbeitsgruppe?

PD Dr. Herse: Die Präeklampsie ist sehr komplex. Es wird nicht die eine Ursache dafür geben. Wir betrachten die Erkrankung über die Verbindung der vaskulär-immunologischen Problematik und untersuchen Faktoren, die die Entwicklung der Plazenta beeinflussen und an Epigenetik, Stoffwechsel, Immun- und Gefäßsystem beteiligt sind. Ein Vorteil dabei ist die Zusammensetzung unserer Arbeitsgruppe. Das, was sich das ECRC hier als gemeinsame Einrichtung von Charité und MDC auf die Fahnen schreibt, ist in unserer Arbeitsgruppe Eins-zu-eins umgesetzt. Wir sind Mediziner und Naturwissenschaftler, die Hypothesen gemeinsam entwickeln und verfolgen, um die Präeklampsie besser zu verstehen. Ein großer Vorteil des ECRC ist es, dass wir die neuesten Technologien am MDC nutzen können, um unsere Fragen zu beantworten. In klinischen Studien, Probandenstudien mit schwangeren Frauen, untersuchen wir derzeit physiologische Parameter und identifizieren neue Biomarker während und nach der Präeklampsie um das kardiovaskuläre Risiko erklären zu können. Zusammen mit Biotech-Firmen testen wir auch neue therapeutische Ziele im Tiermodell.

Prof. Dechend: Omics-Technologien oder das Single-Cell-Sequencing, die wir erfolgreich nutzen, sind ein Schlüssel dafür zu verstehen, was auf molekularer, zellulärer Ebene in der Plazenta fehlgeschlagen ist.

PD Dr. Herse: Wichtig für uns ist das Zusammenspiel aller Disziplinen. So ist es bedeutend, zum Beispiel auch die Bioinformatiker am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC oder des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung, die mit neuesten Analysemethoden arbeiten, mit ins Boot zu holen und für das Krankheitsbild Präeklampsie zu begeistern.

Die Deutsche Hochdruckliga hat die Erkenntnisse Ihrer Arbeitsgruppe 2018 für wegweisend erklärt. Welche Erfolge haben Sie erzielt?

Prof. Dechend: Wir konnten ein Enzym identifizieren, dass bei betroffenen Frauen verstärkt auftritt und offenbar
zur Präeklampsie beiträgt. Das Enzym, CYP2J2 genannt, ist an der Herstellung von Stoffwechselprodukten beteiligt, die unter anderem Entzündungsprozesse und Blutdruck regulieren.

Wodurch wird dieses Enzym aktiviert?

PD Dr. Herse: Als mögliche Ursache konnten wir eine Störung des Immunsystems beschreiben. Ein Rezeptorprotein, CD74, das in der Plazenta an der Oberfläche von Makrophagen präsentiert wird, ist bei betroffenen Frauen vermindert. Hierdurch resultiert eine gestörte Interaktion zwischen den Makrophagen und dem Hauptzelltyp der Plazenta, den Trophoblasten, und es entsteht eine Ausschüttung von entzündungsfördernden Botenstoffen. In der Folge kann es zu einer gestörten Gefäßumwandlung kommen, so dass sich die Blutversorgung der Plazenta und damit die Versorgung des Embryos verschlechtert. Daraus resultiert eine erhöhte Expression des CYP2J2 und damit eine vermehrte Produktion seiner Metabolite.

Wie könnte man diese Erkenntnis nutzen?

PD Dr. Herse: In einem Folgeprojekt wollen wir einen Biomarker für Präeklampsie identifizieren. Dafür haben wir eine Anschubfinanzierung vom MDC-Programm „BOOST“ erhalten. Durch eine Kooperation mit der Universität Odense, Dänemark, haben wir Zugang zu einer größeren Schwangerschaftskohorte, die wir mit Unterstützung des Campus-Unternehmens Lipidomix GmbH analysieren. Für die Validierung des Biomarkers haben wir in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk NetPhaSol und dem Berliner Unternehmen InnoRa GmbH eine Förderung des „Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand“ bekommen.

Welche weiteren Ergebnisse wären zu nennen?

Prof. Dechend: Ein weiterer Erfolg resultiert aus einer Studie, bei der wir zeigen konnten, dass epigenetisch angeschaltete Gene eine entscheidende Rolle spielen und zur Präeklampsie beitragen. Unter anderem haben wir das DLX5-Gen als bedeutsamen Transkriptionsfaktor identifiziert.

Sind Therapien für Präeklampsie in Sicht?

Prof. Dechend: Aufgrund unserer Ideen sind Biotech-Firmen wie Alnylam und Ferring auf uns aufmerksam geworden, deren therapeutische Ansätze wir bereits in der Konzeptplanung und mit unseren Möglichkeiten bei der Präklinik unterstützen. Es ist eine immense Herausforderung, Substanzen zu finden, die nur im mütterlichen System wirken und die Plazentabarriere nicht durchbrechen. Man muss sicherstellen, dass es dem Kind nicht schadet – und auch langfristig keine Schäden zu befürchten sind.

Wie geht es perspektivisch mit Ihrer Forschung weiter?

PD Dr. Herse: Seit einiger Zeit sind wir dabei, hier in der Clinical Research Unit am ECRC eine große Schwangerschaftskohorte aufzubauen. Wir laden schwangere Frauen am Anfang, in der Mitte und am Ende der Schwangerschaft ein, um immunologische Faktoren zu erfassen und kardiovaskuläre Analysen vorzunehmen. Zwei Jahre nach der Schwangerschaft laden wir sie erneut ein, um das kardiovaskuläre Risiko nach einer präeklamptischen Schwangerschaft zu charakterisieren. Wir wollen circa 1.700 Frauen einschließen. Die Kohorte wird uns ebenfalls ermöglichen, weitere Schwangerschaftskomplikationen wie Diabetes oder Frühgeburtlichkeit zu untersuchen.
Ein neues Projekt unserer Arbeitsgruppe betrifft Komplikationen in der Schwangerschaft nach Fremd-Eizellspende. Jegliche Form der Reprodutionshilfe erhöht das Präeklampsierisiko, und eine fremde Eizelle bedeutet ein sehr hohes Risiko. Zu diesem Thema gilt es, noch viele Erkenntnisse zu sammeln.


Text und Foto: Christine Minkewitz / Campus Berlin-Buch GmbH

Der Beitrag erschien zuerst im Standortjournal buchinside.

leben / 08.01.2020
Beurkundungen des Jugendamtes zeitweise nur mit Termin


Die berlinweite Einführung eines neuen IT-Verfahrens erfordert im Fachdienst Kindschaftsrecht des Jugendamtes Pankow, Berliner Allee 252-260, 13088 Berlin, vom 1. Februar bis 31. März 2020 für die Beurkundung von Vaterschaftsanerkennungen einschließlich Zustimmung der Kindesmutter, von Erklärungen zur gemeinsamen elterlichen Sorge sowie zu Unterhaltsverpflichtungen eine Terminvereinbarung. Die Terminvergabe unter Tel.: 030 90295–7331 erfolgt nach individueller Eilbedürftigkeit des Beurkundungswunsches und nach Kapazität der zuständigen Urkundsperson. Ab 1. April 2020 ist die Beurkundung für Bürger_innen mit Wohnsitz in Pankow wieder ohne Terminvergabe möglich.

 

forschen / 07.01.2020
Die Bauchspeicheldrüse Zelle für Zelle

Wissenschaftler vom Berlin Institute of Health (BIH) und von der Charité – Universitätsmedizin Berlin koordinieren ein internationales Projekt zur Einzelzellanalyse der menschlichen Bauchspeicheldrüse. Das Projekt ist Teil des weltweiten Unterfangens, den menschlichen Körper Zelle für Zelle molekular zu beschreiben und zu kartieren – des Human Cell Atlas. Ziel ist es, ein Grundverständnis des gesunden Körpers zu schaffen, bisher unbekannte Details in gesundem und krankem Gewebe zu entdecken und damit zu neuen präzisen Diagnose- und Therapiemöglichkeiten beizutragen. Die Europäische Union fördert das Horizon 2020 Projekt ESPACE mit insgesamt fünf Millionen Euro, davon geht eine Million Euro nach Berlin. Start war am ersten Januar 2020.
 
Die Bauchspeicheldrüse, der Pankreas, erfüllt wichtige Aufgaben im menschlichen Körper: Zum einen regelt sie den Zuckergehalt des Blutes, indem sie Hormone wie Insulin oder Glucagon in ihren Inselzellen produziert. Außerdem ermöglicht sie die Verdauung, indem sie in ihren Drüsenzellen Enzyme herstellt und in den Dünndarm abgibt. Die Enzyme zerlegen Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette in ihre Einzelbausteine und machen sie damit für den Körper erst verfügbar. So ist es kein Wunder, dass Störungen der Bauchspeicheldrüse sofort schlimme Folgen haben: funktioniert die Insulinproduktion nicht mehr, entsteht Diabetes, sind die Drüsenzellen zu aktiv, kommt es zur Entzündung, zur Pankreatitis, oder im schlimmsten Fall zu Bauchspeicheldrüsenkrebs.

„Aus diesem Grund waren wir schon lange an der detaillierten Untersuchung dieses wichtigen menschlichen Organs interessiert“, erklärt Professor Roland Eils, BIH Chair und Gründungsdirektor des Digital Health Center am BIH und an der Charité. „Es ist allerdings knifflig, die molekularen Bausteine aus der Drüse zu isolieren, weil die Verdauungsenzyme sehr schnell arbeiten und etwa die RNA, die Ribonucleinsäuren, sehr schnell abbauen.“ In einem internationalen Pilotprojekt des Human Cell Atlas, das von der Chan-Zuckerberg-Foundation gefördert wurde, hat Eils mit seinen Kolleg*innen daher herausgetüftelt, wie die schonende Aufbereitung der einzelnen Zellen aus der Bauchspeicheldrüse gelingt. „Diese Vorarbeiten haben uns in die Lage versetzt, das Teilprojekt Pankreas in der weltweiten Human Cell Atlas Initiative zu übernehmen“, berichtet Roland Eils.

Analyse von drei Millionen Zellen

Im aktuellen Projekt planen die Wissenschaftler*innen, die bisher bekannten rund 20 verschiedenen Zelltypen der Bauchspeicheldrüse genauestens unter die Lupe zu nehmen – und dabei möglicherweise noch weitere zu entdecken. Dazu untersuchen die insgesamt 10 Projektgruppen, die sowohl aus Deutschland, als auch aus den Niederlanden, Spanien, Schweden, Israel und Italien kommen, sowohl die Genaktivität, indem sie die Boten-RNA aus dem Zellkern analysieren, als auch die Gesamtheit aller Proteine, das so genannte Proteom der einzelnen Zellen. Das Material stammt von herausoperierten Organen von Patient*innen, hirntoten Spender*innen sowie abgestorbenen Foeten. So können kranke und gesunde Gewebe miteinander verglichen und die Entwicklung der Bauchspeicheldrüse verfolgt werden. Pro Organ werden etwa 100.000 Zellkerne aus verschiedenen Regionen einzeln analysiert, insgesamt also von drei Millionen Zellen.

„Ein solches Mammutprojekt kann nur im Verbund mit vielen Partnern gelingen, die überdies verschiedene Expertisen mitbringen“, sagt Roland Eils. „Hier arbeiten Expert*innen aus der Medizin, der Biologie, der Mathematik, der Informatik, der Chemie und Physik zusammen.“ In Berlin findet die eigentliche RNA-Zellkernanalyse sowie im Weiteren die räumliche Kartierung statt: Mit speziellen Mikroskopen und molekularen Färbetechniken kann die Gruppe um Dr. Christian Conrad aus dem Digital Health Center genau bestimmen, woher welcher Zelltyp in der Bauchspeicheldrüse stammt. Bei Jürgen Eils im Digital Health Center laufen die Daten aus den internationalen Teilprojekten zusammen und werden ausgewertet.

Teilprojekt der weltweiten Human Cell Atlas Initiative

Das Bauchspeicheldrüsenprojekt ist ein Teilprojekt der weltweiten Human Cell Atlas Initiative. Hier haben sich Forscher*innen weltweit zusammengetan, um jede einzelne Zelle des menschlichen Körpers zu beschreiben. Ziel ist es, die Vorgänge im gesunden Körper zu verstehen, um auf dieser Basis Krankheiten besser diagnostizieren, behandeln und vorbeugen zu können. „Das Human Cell Atlas Projekt ist sicher eines der zukunftsträchtigsten Projekte im Bereich der Lebenswissenschaften“ ist Roland Eils überzeugt. „Es ist vergleichbar mit dem Humangenomprojekt, bei dem Wissenschaftler weltweit 30 Jahre lang gemeinsam daran gearbeitet haben, das menschliche Erbgut komplett zu sequenzieren. Ähnlich wie zu Beginn des Genomprojekts stehen wir auch beim Human Cell Atlas vor einer Herkulesaufgabe, die mit den heutigen Methoden noch gar nicht zu bewältigen ist.  Doch unsere Vision ist es, hier einen entscheidenden Beitrag für das Verständnis des menschlichen Lebens zu leisten.“

Das Bauchspeicheldrüsenprojekt ist das einzige Projekt von insgesamt sechs europäischen Human Cell Atlas Initiativen, das von Deutschland aus koordiniert wird.

Über das Berlin Institute of Health (BIH)
Das Berlin Institute of Health (BIH) ist eine Wissenschaftseinrichtung für Translation und Präzisionsmedizin. Das BIH widmet sich neuen Ansätzen für bessere Vorhersagen und neuartigen Therapien bei progredienten Krankheiten, um Menschen Lebensqualität zurückzugeben oder sie zu erhalten. Mit translationaler Forschung und Innovationen ebnet das BIH den Weg für eine nutzenorientierte personalisierte Gesundheitsversorgung. Das BIH wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sind im BIH eigenständige Gliedkörperschaften.

 

forschen / 06.01.2020
Von den Bären lernen

Bei Grizzlybären überstehen die Muskeln den Winterschlaf beinahe unbeschadet. Forscher*innen suchen nun nach den Mechanismen, um so auch bettlägerigen Menschen zu helfen. (Foto AG Gotthardt, MDC)
Bei Grizzlybären überstehen die Muskeln den Winterschlaf beinahe unbeschadet. Forscher*innen suchen nun nach den Mechanismen, um so auch bettlägerigen Menschen zu helfen. (Foto AG Gotthardt, MDC)

Ein Grizzlybär kennt eigentlich nur drei Jahreszeiten. Seine aktive Zeit beginnt zwischen März und Mai. Um den September herum fängt der Bär an, große Mengen zu fressen. Und irgendwann zwischen November und Januar fällt er in den Winterschlaf. Aus physiologischer Sicht ist diese Zeit die merkwürdigste. Der Stoffwechsel und der Herzschlag des Bären sinken rapide. Er scheidet weder Urin noch Fäkalien aus. Die Menge an Stickstoff im Blut steigt drastisch und zudem wird der Grizzlybär resistent gegenüber dem Hormon Insulin.

Ein Mensch würde diese rund viermonatige Phase kaum gesund überstehen. Er oder sie hätte im Anschluss womöglich mit Thrombosen oder auch psychischen Veränderungen zu kämpfen. Vor allem aber würden die Muskeln unter der langen Auszeit leiden. Das weiß jeder, der schon einmal einen Arm oder ein Bein für ein paar Wochen in Gips hatte oder wegen einer Krankheit längere Zeit im Bett liegen musste.

Ein bisschen träge, aber ansonsten wohlauf
Nicht so der Grizzlybär: Im Frühling erwacht er aus seinem Winterschlaf, ist zunächst vielleicht noch ein bisschen träge, aber ansonsten rundum wohlauf. Schon lange interessiert sich daher eine Vielzahl von Wissenschaftler*innen für die Strategien des Bären, mit denen sich das Tier an seine drei Jahreszeiten anpasst.

Wie es die Muskeln schaffen, den Winterschlaf praktisch unbeschadet zu überstehen, hat jetzt ein Team um Professor Michael Gotthardt, den Leiter der Arbeitsgruppe „Neuromuskuläre und kardiovaskuläre Zellbiologie“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin untersucht. Dabei interessierten sich die Forscherinnen und Forscher aus Berlin, Greifswald und den USA insbesondere für die Frage, welche Gene in den Muskelzellen der Bären abgelesen und in Proteine umgesetzt werden und welchen Effekt das auf die Zellen ausübt.

Die Tricks der Natur verstehen und kopieren
„Muskelschwund ist beim Menschen ein echtes Problem, das unter vielen Umständen auftritt. Wir sind noch immer nicht sonderlich gut darin, ihm vorzubeugen“, sagt die Erstautorin der Studie, Dr. Douaa Mugahid, die einst Mitglied in Gotthardts Arbeitsgruppe war und inzwischen als Postdoc im Labor von Professor Marc Kirschner vom Department of Systems Biology der Harvard Medical School in Boston forscht.

„Die Schönheit unserer Arbeit bestand für mich darin, zu lernen, wie die Natur eine Möglichkeit perfektioniert hat, den Muskel unter den schwierigen Bedingungen des Winterschlafs zu erhalten“, sagt Mugahid. „Wenn wir diese Strategien besser verstehen, könnten wir nicht-intuitive und neuartige Methoden entwickeln, um Muskelschwund bei Patientinnen und Patienten besser zu verhindern und zu behandeln.“

Per Gensequenzierung und Massenspektrometrie
Um den Tricks der Bären auf die Spur zu kommen, untersuchte das Team um Mugahid und Gotthardt Muskelproben von Grizzlybären während und außerhalb des Winterschlafs, die sie von der Washington State University zur Verfügung gestellt bekommen hatten. „Wir wollten durch die Kombination moderner Sequenziermethoden und Massenspektrometrie ermitteln, welche Gene und Proteine während und außerhalb des Winterschlafs hochreguliert oder heruntergefahren werden“, erklärt Gotthardt.

„Diese Aufgabe erwies sich als knifflig – schon allein deshalb, weil weder das vollständige Genom noch das Proteom, also die Gesamtheit aller Proteine, des Grizzlybären bekannt waren“, sagt der MDC-Forscher. In einem weiteren Schritt planten er und sein Team, die erhaltenen Befunde mit Beobachtungen bei Menschen, Mäusen und Fadenwürmern abzugleichen.

Nicht-essenzielle Aminosäuren ließen Muskelzellen wachsen
Wie die Forscher*innen in der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ berichten, fanden sie bei ihren Experimenten auf Proteine, die während des Winterschlafs der Bären deren Aminosäurestoffwechsel stark beeinflussen. Dadurch befinden sich in den Muskelzellen erhöhte Mengen bestimmter nicht-essenzieller Aminosäuren (non-essential amino acids, NEAA).

„In Experimenten mit isolierten Muskelzellen von Menschen und Mäusen mit Muskelschwund ließen sich auch diese Zellen durch die NEAA zum Wachstum anregen“, sagt Gotthardt. Aus früheren klinischen Studien wisse man allerdings, dass die Gabe der Aminosäuren in Form von Tabletten oder Pulvern nicht ausreiche, um Muskelschwund bei älteren oder bettlägerigen Menschen zu verhindern.

„Offenbar ist es von Bedeutung, dass der Muskel diese Aminosäuren selbst produziert – ansonsten gelangen sie womöglich nicht an die Orte, an denen sie gebraucht werden“, spekuliert der MDC-Forscher. Dennoch könne der Versuch, den menschlichen Muskel in längeren Ruhephasen dazu zu bringen, die NEAA durch Aktivierung der entsprechenden Stoffwechselwege mit geeigneten Wirkstoffen selbst herzustellen, ein Ansatzpunkt für eine Therapie sein.

Gewebeproben von bettlägerigen Menschen
Um herauszufinden, welche Signalwege dazu im Muskel angeschaltet werden müssen, verglich das Team um Gotthardt die Aktivität der Gene bei Grizzlybären, Menschen und Mäusen. Die dafür erforderlichen Daten kamen beispielsweise von alten oder bettlägerigen Patient*innen und von Mäusen, die an Muskelschwund litten – etwa infolge reduzierter Bewegung nach Anlegen eines Gipsverbandes. „Auf diese Weise wollten wir erfahren, welche Gene bei Lebewesen, die Winterschlaf halten, und solchen, die es nicht tun, unterschiedlich reguliert sind“, erklärt Gotthardt.

Dabei stießen die Wissenschaftler*innen allerdings auf eine ganze Reihe solcher Gene. Um die möglichen Kandidaten, die Ansatzpunkt für eine Therapie gegen Muskelschwund sein könnten, weiter einzugrenzen, führte das Team im Anschluss Experimente mit Fadenwürmern durch. „Beim Wurm lassen sich einzelne Gene relativ leicht ausschalten und man kann schnell sehen, welche Effekte das auf das Wachstum seiner Muskeln hat“, erläutert Gotthardt.

Ein Gen für circadiane Rhythmen
Mithilfe dieser Experimente hat sein Team nun eine knappe Handvoll von Genen gefunden, deren Einfluss sie in künftigen Arbeiten an Mäusen weiter untersuchen wollen. Mit dabei sind beispielsweise die Gene Pdk4 und Serpinf1, die am Glukose- und Aminosäurestoffwechsel beteiligt sind, sowie das Gen Rora, das zur Entstehung circadianer Rhythmen beiträgt. „Wir werden nun als Nächstes schauen, welche Effekte es hat, wenn wir diese Gene ausschalten“, sagt Gotthardt. „Denn als Angriffspunkt für eine Therapie eignen sie sich natürlich nur dann, wenn das keine oder nur wenige Nebenwirkungen hat.“ (bro)

Weiterführende Informationen
AG Gotthardt „Neuromuskuläre und kardiovaskuläre Zellbiologie“
Tricks aus der Tierwelt (EMBO-Workshop zu ungewöhnlichen Tiermodellen)

Hören Sie hier einen Beitrag zum Thema auf Info-Radio vom rbb am 8. Januar 2020 nach:
https://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/wissenswerte/202001/08/402169.html


Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

www.mdc-berlin.de

leben / 20.12.2019
Hingucker in Pastell

Als die Schwimmhalle 1991 eröffnet wurde, kostete der Eintritt 2 Mark, ermäßigt 1 Mark. (Foto: Elke A. Jung-Wolff/Berliner Bäder)
Als die Schwimmhalle 1991 eröffnet wurde, kostete der Eintritt 2 Mark, ermäßigt 1 Mark. (Foto: Elke A. Jung-Wolff/Berliner Bäder)


Schon von Weitem strahlt die Fassade in Ziegelrot und Limettengrün. Wenn man vom S-Bahnhof Buch entlang der Panke zur Wolfgang-Heinz-Straße läuft und die Schwimmhalle Buch nicht von früher kennt, könnte man denken, es handele sich um einen Neubau – so schick sieht sie jetzt aus. An drei Außenwänden prangt in Edelstahloptik schwungvoll der Schriftzug „Schwimmhalle“. Gerade wird außen noch der Eingangsbereich gepflastert. Handwerker montieren neue Radbügel. Das gewärmte Wasser der beiden mit Edelstahl ausgekleideten Becken plätschert bereits ins Überlaufbecken. Am 6. Januar, so die Planung, soll angeschwommen werden. Dann muss alles fertig sein.

Innen duftet es wie in einem typischen Neubau — nach Farbe, neuen Möbeln und Gemauertem. Im Eingangsbereich, der nun in Ockergelb und Orange leuchtet, steht schon der neue Tresen, an dem künftig die Eintrittskarten verkauft werden. Die Einrichtung mit neuem Kassensystem, Computern und Telefonen kommt Ende des Jahres. Bereits eingebaut sind die Schuhregale, die vor allem die Schulkinder nutzen sollen, damit deren Schuhe nicht in der Eingangshalle herumliegen.

Unweit vom Eingang können Menschen mit Behinderung einen für sie gebauten barrierefreien Umkleide- und Sanitärbereich nutzen. Zusätzlich wurde das Bad für Sehbehinderte auf dem Boden mit einem taktilen Leitsystem in Form von erhöhten Rillen ausgestattet.

Im November hat die Abnahme der Bauarbeiten begonnen. Die Schwimmhalle, die 1991 eröffnet worden war, musste bis auf den Rohbau abgebrochen werden. Einiges aber konnte übernommen werden – zum Beispiel der Raum für die Schwimmmeister. „Die Verglasung und die Konstruktion waren noch ganz gut erhalten“, sagt Alicja Nieczajew, die das Projekt als Bauingenieurin der Berliner Bäder-Betriebe (BBB) leitet. Außerdem habe der Raum den heutigen Anforderungen für die Aufsicht entsprochen.

Was ebenfalls erhalten blieb, ist das große Wandbild, für das der Baukeramiker und Maler Lothar Scholz 1987 den Entwurf gezeichnet hatte. Die fröhlichen Farben des Kunstwerks, das fast die gesamte Stirnseite des Schwimmbeckens einnimmt, haben bei der aktuellen Sanierung die Farbgebung maßgeblich bestimmt. War die Atmosphäre in der Schwimmhalle mit den beigen Wandfliesen früher eher steril, lässt das Farbenspiel den Schwimmbadbesuch nun zu einem kleinen Erlebnis werden. Sogar die Schallschutzelemente an der Decke in Gelb, Weiß und Grau ergänzen die neue Gestaltung harmonisch.

Auch der neu geschaffene Wintergarten fügt sich gut ein und erweitert die Schwimmhalle mit einem bis zu fünf Meter hohen, lichtdurchfluteten und voll verglasten Bereich. Hier können Kinder in einem neuen, nur 35 Zentimeter tiefen Wasserbecken planschen. Eine Elefantenrutsche und ein Spielboot sorgen zusätzlich für Abwechslung. Für die Eltern wurden in diesem Kleinkinderbereich gemauerte Sitzbänke errichtet, hübsch gefliest in grünen, blauen und roten Pastelltönen.

Entlang der Wände in der Schwimmhalle sind ebenfalls Sitzflächen entstanden. Sie ersetzen die weißen Plastikbänke, die dort früher neben Pflanzen standen. Künftig werden auch keine Wagen mit Schwimm-Utensilien mehr in den Gängen neben dem Schwimmbecken herumstehen: An der Stirnseite gleich neben dem Wandbild sind rechts und links feste Abstellmöglichkeiten geschaffen worden, in denen Schwimmnudeln und Schwimmflügel ordentlich verstaut werden können.

Badleiter Joachim Hammer, der die Schwimmhalle schon seit der Eröffnung 1991 kennt, ist sehr zufrieden mit den Veränderungen. „Besonders gefällt mir, dass die Babyplansche in den Wintergarten integriert wurde.“ Auch das Farbkonzept gefalle ihm ausnehmend gut. „Mit den Farben und der Beleuchtung hat man besondere Akzente gesetzt“, sagt er. Die Schwimmhalle habe vorher sehr steril gewirkt, sowas sei heute nicht mehr zeitgemäß. Er habe selbst Vorschläge machen können für die Umgestaltung, vieles davon sei umgesetzt worden.

Im April 2018 war mit der Sanierung begonnen worden. Nicht nur der Zeitplan, auch die Kosten sind mit etwa 6,3 Millionen Euro ungefähr im Rahmen geblieben. „Die Technik ist etwas teurer geworden als wir sie ursprünglich geplant hatten“, sagt Projektleiterin Alicja Nieczajew. Dabei habe auch eine Rolle gespielt, dass wider Erwarten einer der beiden Filter erneuert werden musste. „Den zweiten konnten wir aber sanieren“, so die Bauingenieurin.
Die Technik der Schwimmhalle ist jetzt auf einem guten Stand. Das Becken hat neue Rohre bekommen, im Sanitärbereich wurden sie komplett erneuert. Und weil der Wasserbereich durch das neue Kinderplanschbecken vergrößert wurde, musste auch noch eine neue Schwallwasserkammer eingebaut werden.

Freuen können sich auch die Saunagäste. Weil sie künftig die Umkleiden der Schwimmhalle mitnutzen, haben die Architekten Platz geschaffen für eine zweite Sauna. Neben der finnischen wurde nun auch eine Dampfsauna eingebaut. Neu sind auch eine Regen- und Schwallbrause, ein Eisbrunnen, eine neue Wärmebank sowie fünf neue Fußbecken. Der Ruheraum wurde in die obere Etage verlegt, wo es auch einen Raum geben wird, in dem man sich unterhalten und etwas trinken kann. Die beliebte Blocksauna im Außenbereich ist erhalten geblieben, aber rundherum ist alles neu gestaltet worden, mit neuen Bodenplatten und einem Zaun aus Steinen, sogenannten „Gabionen“. Sie werden die Saunagäste vor neugierigen Blicken schützen. Und damit sich Besucher auch im Saunagarten wohlfühlen, werden dort neue Pflanzen gesetzt.

Autorin: Brigitte Schmiemann

https://www.berlinerbaeder.de/baeder/schwimmhalle-buch/

forschen, produzieren, leben, heilen / 18.12.2019
Barista-Café in Aussicht!

Inneneinrichtung des Cafés Rock-Paper-Scissor im Mensa-Foyer auf dem Campus Berlin-Buch (Foto: Christine Minkewitz/Campus Berlin-Buch GmbH)
Inneneinrichtung des Cafés Rock-Paper-Scissor im Mensa-Foyer auf dem Campus Berlin-Buch (Foto: Christine Minkewitz/Campus Berlin-Buch GmbH)

Diego Castellanos Café gehört im Aufbauhaus seit 2011 zum gastronomischen Programm. Hier treffen sich Designer, Angestellte, Studenten und Künstler auf einen guten Kaffee, arbeiten miteinander, tauschen sich aus oder genießen eine Pause. Das Konzept von „Rock-Paper-Scissor“ ist auf die Klientel von Co-Working-Spaces ausgerichtet. „Im Gegensatz zu anderen Cafés bringen die Leute oft nicht viel Zeit mit. Daher setzen wir neben hoher kulinarischer Qualität auch auf schnellen Service“, so Diego Castellano.

Der Duft von Kaffee in Barista-Qualität und Sandwiches wird ab Januar 2020 auch durch das Mensa-Foyer auf dem Campus Berlin-Buch ziehen. Hier eröffnet der gebürtige Argentinier eine Filiale von Rock-Paper-Scissor, die er den Campus-Beschäftigten am 6. Dezember mit einer kleinen Preview vorstellte. In Zusammenarbeit mit den Campuseinrichtungen und dem Architekten Martin Schmitt entstand eine neue Inneneinrichtung, die erstmals einlädt, im Foyer zu verweilen. „Helle Holztöne, eine Sitztreppe und leichtes Mobiliar bringen eine neue Qualität in den großen Raum, der in den letzten Jahren meist nur dem Durchgang diente“, so Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der Campus Berlin-Buch GmbH. „Alle Campusnutzer waren sich einig, dass hier ein neuer kommunikativer Treffpunkt entstehen sollte. Von Pausen über Besprechungen von Arbeitsgruppen bis zu kleineren kulturellen Events sind viele Nutzungen denkbar.“ Eine raumhohe, freistehende Holzwand fungiert als Regal für Auslagen und kann auf der Café-Seite für wechselnde Ausstellungen dienen. Musik und Grünpflanzen sollen die Atmosphäre des neuen Rock-Paper-Scissor künftig noch angenehmer gestalten.

Diego Castellano, der zum großen Teil in Spanien aufgewachsen ist und eigentlich Architektur studiert hat, hat sich in Berlin mit seinem Barista-Café etabliert und betreibt es mit großer Passion. Das Gastronomiegeschäft kennt er seit der Kindheit von seiner Familie in Spanien. Nach Berlin kam er 2010, weil seine Frau von hier stammt. „Inzwischen fühle mich auch in Berlin zu Hause,“ erklärt Diego Castellano. „Die neue Café-Filiale ist eine schöne Herausforderung. Wir – meine Mitarbeiter und ich – freuen uns auf den Campus und das internationale Publikum hier.“

heilen / 18.12.2019
Helios Klinikum Berlin-Buch etabliert ambulante spezialfachärztliche Versorgung

ASV-Koordinator Christian Letzner im Gespräch mit einer Kollegin. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
ASV-Koordinator Christian Letzner im Gespräch mit einer Kollegin. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Die Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung (ASV) ist ein neuer Versorgungsbereich für die ambulante Behandlung von Patienten mit besonderen Krankheitsverläufen. Christian Letzner ist für die Etablierung des ASV-Angebots im Helios Klinikum Berlin-Buch verantwortlich und hat mit Helios über die Vorteile und Herausforderungen des innovativen Versorgungsbereichs gesprochen.

Vereinte Expertise: Ärzteteams arbeiten interdisziplinär zusammen

Um Patienten mit komplexen Erkrankungen oder mit Krankheiten mit schweren Verlaufsformen besser behandeln und versorgen zu können, wurde im Jahr 2014 die Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung (kurz ASV) eingeführt. Im Rahmen dieses innovativen Versorgungskonzeptes arbeiten Ärzteteams verschiedener Fachrichtungen zusammen und bündeln ihr Know-how in den Bereichen Diagnostik sowie Behandlung und Therapie. „In Deutschland gibt es bundesweit circa 119 ASV-Teams für die verschiedenen Krankheitsbilder. Hier in Berlin haben wir derzeit ungefähr 22 ASV-Teams“, erzählt Christian Letzner. Der Fachwirt für ambulante medizinische Versorgung ist im Helios Klinikum Berlin-Buch seit Beginn des Jahres für die Koordination der ASV zuständig und betreut den Aufbau und die Etablierung des Versorgungsbereichs. „Der große Vorteil der ASV liegt darin, dass sämtliche Krankheitserscheinungen und Auswirkungen, welche im Zusammenhang mit besonderen Krankheitsverläufen beziehungsweise schweren und seltenen Erkrankungen stehen, gemeinsam im Team angegangen werden und hierbei auch die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten der Klinik, der Poliklinik und der Helios MVZs in der ambulanten Versorgung genutzt werden können“, erklärt der gelernte Arzthelfer und ausgebildete Praxismanager, der neben der hausinternen Koordination der ASV auch die Antragstellung einzelner ASV-Bereiche beim erweiterten Landesausschuss Berlin (eLa Berlin) betreut. Zwar wird die ASV einheitlich über eine ASV-Richtlinie geregelt, dennoch unterscheiden sich die entsprechenden Anträge von Bundesland zu Bundesland und auch die jeweiligen erweiterten Landesausschüsse arbeiten nicht immer einheitlich. Doch der bürokratische Mehraufwand lohnt sich, bestätigt der ASV-Koordinator: „Die Patienten und ihre behandelnden Ärzte profitieren unter anderem von einer 24-Stunden-Bereitschaft beziehungsweise Ansprechbarkeit, einer schnelleren Verfügbarkeit von Labormedizin, Radiologie und Intensivmedizin sowie einer umfangreichen Zusammenarbeit mit Pflegediensten, Physiotherapie, Palliativmedizin, Psychologen und Selbsthilfegruppen.“

Von der Antragstellung bis zur Einführung: Die Koordination der ASV im Helios Klinikum Berlin-Buch

„Bisher konnten wir erfolgreich die ASV für die Krankheitsbilder der gastrointestinalen Tumore und Tumore der Bauchhöhle (GIT) sowie der Mukoviszidose beantragen. Derzeit liegt dem eLa Berlin außerdem ein Antrag zur Erweiterung für die ASV GIT um das Krankheitsbild der Schilddrüsenkarzinome vor sowie ebenfalls ein ASV-Antrag für das Krankheitsbild der urologischen Tumore“, berichtet Christian Letzner und ergänzt: „Eine ASV für die Krankheitsbilder der gynäkologischen Tumore und der Hauttumore sowie für die Rheumatologie und Kinderrheumatologie sind derzeit in Planung.“ Die Behandlung im Rahmen der ASV wird in den Kliniken und Häusern, die den zusätzlichen Versorgungsbereich anbieten, durch ein spezialisiertes Ärzteteam übernommen. Dieses setzt sich aus einem Kernteam sowie hinzuzuziehenden Fachärzten zusammen. Welche Fachrichtungen in einem solchen Team vorhanden sein müssen, regelt wiederum die ASV-Richtlinie. „Ein weiterer Vorteil für die behandelnden Ärzte ist, dass im Rahmen des ASV-Teams ein problemloser Austausch von Informationen über die Patienten möglich ist. Hierdurch ist jeder Arzt im Team stets auf dem laufenden Behandlungsstand des Patienten“, erklärt Christian Letzter und fügt hinzu: „Die teilnehmenden Ärzte profitieren außerdem von einer extrabudgetären Abrechnung. Eine Überleitung von stationären Fällen direkt in die ASV ohne Überweisung ist ebenfalls möglich.“ Im Helios Klinikum Berlin-Buch sind verschiedenste Abteilungen an der ASV beteiligt. Neben den fachärztlichen Abteilungen Physiotherapie und Palliativmedizin arbeiten auch Psychologen, Selbsthilfegruppen, die IT, die Personalabteilung und nicht zuletzt das Team der ambulanten Abrechnung daran, die ASV Schritt für Schritt im Klinikalltag zu etablieren. Einen bundesweiten Austausch zwischen den ASV-Teams gibt es bisher jedoch noch nicht. „Damit sich die verschiedenen Teams untereinander austauschen und miteinander ins Gespräch kommen können, wird ein regionaler Stammtisch in Berlin von uns angestrebt“, verrät uns Christian Letzner abschließend. Wir finden: Ärzte, die gemeinsame Sache zum Wohle der Patienten machen - ein Konzept, für welches sich Einsatz lohnt!

 

forschen / 17.12.2019
Wie DNA-Ringe Krebs bei Kindern verursachen

Erbinformation einer Neuroblastomzelle mit DNA-Ringen. Foto: Henssen/Charité
Erbinformation einer Neuroblastomzelle mit DNA-Ringen. Foto: Henssen/Charité

Beim Entstehen von Krebs sammeln sich über die Zeit Fehler im Erbgut an. Krebs gilt daher als Erkrankung des Alters. Warum aber gibt es dann Tumoren bei Kindern? Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Charité – Universitätsmedizin und des Memorial Sloan Kettering Cancer Center hat jetzt gezeigt, wie kleine DNA-Ringe – sogenannte extrachromosomale zirkuläre DNA – zur Entstehung von Krebs bei Kindern beitragen können. Die Arbeit beschreibt erstmals das Ausmaß und die Vielfalt der noch immer weitgehend unbekannten zirkulären DNA. Die Studie ist im Fachmagazin Nature Genetics* erschienen.

Fast eine halbe Million Menschen erkrankt in Deutschland pro Jahr an Krebs. Etwa 2.100 von ihnen sind Kinder unter 18 Jahren. Dass der Großteil der Betroffenen im Schnitt erst mit knapp 70 Jahren erkrankt, liegt an der Art und Weise, wie Krebs in den meisten Fällen entsteht: Verschiedene äußere Faktoren, zum Beispiel Tabakrauch oder Strahlung, können das Erbmaterial der Zellen schädigen. Sammeln sich solche Fehler im Erbgut über viele Jahre an, kommt es manchmal dazu, dass die betroffenen Zellen die Kontrolle über ihr Wachstum verlieren – ein Tumor entsteht. Kinder jedoch sind gar nicht alt genug für diese Art der Krebsentwicklung. Was also ist dann der Grund für Neuroblastome und andere Krebserkrankungen im Kindesalter? Eine Forschungsgruppe um Dr. Anton Henssen von der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie der Charité und vom Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC), ist der Beantwortung dieser Frage nun einen großen Schritt nähergekommen. Zusammen mit dem Team um Dr. Richard Koche vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center und weiteren internationalen Partnern haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der jetzt veröffentlichten Studie nachgewiesen, dass kleine DNA-Ringe das Erbgut so durcheinanderbringen können, dass Krebs entstehen kann.

Die Existenz dieser DNA-Ringe ist schon seit Jahrzehnten bekannt. Weil sie zusätzlich zur normalen Erbinformation vorliegen, die die Zellen in Form von Chromosomen speichern, bezeichnet man sie als extrachromosomale zirkuläre DNA. Doch noch immer wissen Wissenschaftler sehr wenig über ihre Funktion – weil bisher die Methoden fehlten, sie genau zu untersuchen. Die Forschungsgruppe hat jetzt neueste Sequenziertechniken mit komplexen bioinformatischen Algorithmen kombiniert. So gelang ihr erstmals eine detaillierte Kartierung der zirkulären DNA in Neuroblastomen. Die Ergebnisse lassen wichtige Rückschlüsse auf die Entstehung dieser Tumoren zu.

Für die Untersuchungen analysierte das Forschungsteam in einer Kooperation mit dem Barcelona Supercomputing Center die Neuroblastom-Gewebeproben von 93 Kindern. Dabei wurde klar: Zirkuläre DNA findet sich in den Tumorzellen deutlich häufiger und in größerer Komplexität als bisher angenommen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wiesen je Probe im Schnitt 5.000 Kopien kleiner DNA-Ringe nach. Zusätzlich konnten sie aus den Sequenzdaten ableiten, wie genau sich bestimmte Abschnitte der Erbinformation aus einem Chromosom herauslösen und eine Ringform einnehmen – um sich anschließend wieder an anderer Stelle des Chromosoms zu reintegrieren. „Ein solcher Vorgang kann zu Krebs führen, wenn dabei die ursprüngliche Abfolge der Erbinformation durcheinandergebracht wird“, erklärt Dr. Henssen, Leiter einer Emmy Noether-Nachwuchsgruppe und wissenschaftliches Mitglied des Deutschen Krebskonsortiums (DKTK) am Standort Berlin. Der Berlin Institute of Health (BIH) Clinician Scientist betont: „Diese detaillierten Abläufe waren so bisher nicht bekannt und liefern einen Hinweis darauf, auf welche Weise eine so junge Zelle wie die eines Kindes entarten kann.“

„Wir konnten zusätzlich zeigen, dass bestimmte DNA-Ringe das Wachstum eines Neuroblastoms beschleunigen“, ergänzt Dr. Koche. „Ihr Nachweis könnte in Zukunft also die Abschätzung des Krankheitsverlaufs erleichtern. Jüngste Studien deuten außerdem an, dass zirkuläre DNA auch bei anderen Krebsarten eine Rolle spielt. Vor diesem Hintergrund könnten unsere Erkenntnisse wichtige Implikationen nicht nur für Tumoren im Kindesalter, sondern für ein breites Spektrum an Krebserkrankungen haben.“ Die Forschungsgruppe plant, die diagnostische Aussagekraft der DNA-Ringe beim Neuroblastom in einer Folgestudie zu validieren. „Außerdem möchten wir den Ursprung der zirkulären DNA näher untersuchen, um besser zu verstehen, warum Tumoren bei Kindern entstehen“, sagt Dr. Henssen.

*Koche RP et al., Extrachromosomal circular DNA drives oncogenic genome remodelling. Nat Genet 2019. doi: 10.1038/s41588-019-0547-z


Kontakt:
Dr. Anton Henssen
Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie
Experimental and Clinical Research Center (ECRC)
Charité – Universitätsmedizin Berlin   
t: +49 30 450 540 394

Links:

Originalpublikation

Pressemitteilung zur Emmy Noether-Nachwuchsgruppe von Dr. Henssen vom 31.8.2018

Experimental and Clinical Research Center (ECRC)

Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie

 

leben / 17.12.2019
Bezirk regelt Mieterberatung ab Januar 2020 neu

Ab Januar 2020 wechselt wegen einer Neuausschreibung der Anbieter der bezirklichen Mieterberatung. Vollrad Kuhn (Bü90/Grüne), Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste, dankt dem Berliner Mieterverein e.V. wird für die langjährige und gute Zusammenarbeit. Der Staffelstab wird nun an die gesoplan gGmbH übergeben.

Mit der Neuvergabe der Mieterberatung erfolgt neben der Beratung in Pankow und Weißensee erstmalig auch ein Angebot in Prenzlauer Berg. Die 20 Beratungsstunden pro Woche können von allen Haushalten des Bezirks Pankow ab dem 13. Januar 2020 während der genannten Sprechzeiten in Anspruch genommen werden. Terminvereinbarung ist derzeit nicht erforderlich.

Die Beratung umfasst die Sozialberatung zu Themen rund um Wohnberechtigungsscheine (WBS), Wohngeld, Grundsicherung, Mietzuschuss im sozialen Wohnungsbau, Einkommensbescheinigungen nach § 9 WoFG, Härteeinwand bei Modernisierung, Zweckentfremdung von Wohnraum, Vermittlung an weiterführenden Stellen und anderes mehr. In der mietrechtlichen Beratung wird zu folgenden Themen beraten: Mieterhöhungsverlangen, Heiz- und Betriebskostenabrechnungen, Kündigung / Kündigungsschutz, Mietaufhebungsvertrag, Modernisierungsankündigung und entsprechende Umlage der Modernisierungskosten, Eigentümer_innen- und Vermieter_innenwechsel, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen, Mietpreisbremse, Überprüfung von Mietverträgen, Untervermietung, Räumungsklage, Beratungen zum Mietendeckel und mehr. Die Zeiten sind wie folgt:
 
Montags: Prenzlauer Berg
Pfefferwerk Stadtkultur gGmbH/ Nachbarschaftshaus/ Stadtteilzentrum
Fehrbelliner Str. 92, 10119 Berlin
09:30 - 11:30 Uhr Sozialberatung
11:30 - 13:30 Uhr Mieterberatung mit Rechtsanwalt
 
Dienstags: Weißensee
Büro der gesoplan gGmbH / SPAS-Mieterberatung
Gürtelstr. 12, 13088 Berlin
14:00 - 18:00 Uhr Sozialberatung
 
Mittwochs: Pankow
Stadtteilzentrum Pankow
Nachbarschafts- und Familienzentrum
Schönholzer Str. 10, 13187 Berlin
16:00 - 19:00 Uhr Sozialberatung
16:00 - 19:00 Uhr Mieterberatung mit Rechtsanwalt
 
Donnerstags: Weißensee
Büro der gesoplan gGmbH / SPAS-Mieterberatung
Gürtelstr. 12, 13088 Berlin
13:00 - 16:00 Uhr Sozialberatung
13:00 - 16:00 Uhr Mieterberatung mit Rechtsanwalt
 

 

heilen / 16.12.2019
Mit Video-Dolmetschen Sprachbarrieren überwinden

Die Videodolmetscher unterstützen Patienten, Ärzte und Pflegekräfte in mehr als 15 verschiedenen Sprachen und einer Vielzahl von besonderen Dialekten. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Die Videodolmetscher unterstützen Patienten, Ärzte und Pflegekräfte in mehr als 15 verschiedenen Sprachen und einer Vielzahl von besonderen Dialekten. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Notfallsituationen erfordern schnelles, bis in alle Details abgestimmtes Handeln. Wichtige Fragen zu Vorerkrankungen, Details zur Diagnosestellung und möglichen Therapieoptionen sind schwer vermittelbar, wenn nicht beide – Patient und Arzt – die gleiche Sprache sprechen. Vor vier Jahren führte das Helios Klinikum Berlin-Buch Video-Dolmetschen ein. Hat es sich etabliert? Drei Fragen zum Thema beantworten Chefarzt Prof. Dr. Christian Wrede und Stationsleiterin Susanne Richter:

Für nicht-deutschsprachige Patienten ist es oft schwer, sich bei einer Notfallbehandlung im Krankenhaus zu verständigen. Migranten und Touristen aus dem Ausland können den behandelnden Ärzten oder dem Pflegepersonal ihre Anliegen mitunter nur sehr eingeschränkt vermitteln. Wie können Sie helfen?

Prof. Christian Wrede: Als erste Klinik in Berlin-Brandenburg haben wir vor genau vier Jahren das „Video-Dolmetschen“ eingeführt, um besser kommunizieren zu können, die Sicherheit für unsere Patienten und auch für unser Team zu erhöhen. Die Videodolmetscher unterstützen Patienten, Ärzte und Pflegekräfte in mehr als 15 verschiedenen Sprachen und einer Vielzahl von besonderen Dialekten.
Susanne Richter: Unsere Patienten haben so die Möglichkeit, ihr Anliegen und ihre gesundheitlichen Probleme besser zu erklären. Die Mediziner können mittels Dolmetscher Fragen stellen, über Diagnosen, Abläufe und mögliche Therapien optimal informieren.

Wie oft wird im Notfallzentrum Video-Dolmetschen genutzt?

Susanne Richter: In den ersten Jahren waren es vor allem Migranten aus Syrien und Afghanistan. In der letzten Zeit sind es hauptsächlich ausländische Touristen, die das Angebot nutzen. Derzeit sind wir zwei- bis dreimal Mal pro Woche dabei.
Prof. Wrede: Wir haben von Beginn an erfahren, wie überrascht und dankbar Patienten sind, wenn sie sich mitteilen können und von uns verstanden fühlen. Das hat die Kommunikation sehr erleichtert und sicher auch manchen Behandlungsprozess optimiert.

Was ist das Besondere am Video-Dolmetschen für Sie?

Susanne Richter: Weltweit stehen uns fast 500 Dolmetscher mit akademischem Abschluss zur Verfügung. Sie können bei Bedarf innerhalb von 120 Sekunden online zugeschaltet werden. Auch andere Fachbereiche bei uns im Helios Klinikum Berlin-Buch nutzen inzwischen das Video-Dolmetschen.
Prof. Wrede: Die schnelle Einsatzmöglichkeit des Video-Dolmetschens erlaubt uns eine fast unmittelbare Verständigung. Im Notfall kann jede gewonnene Minute wertvoll sein, um Leben zu retten. Es ist ein wichtiges Patientenrecht, im persönlichen Arzt-Patienten-Gespräch verständliche Informationen über die Diagnose und Behandlung zu erhalten.

leben / 16.12.2019
Unterkünfte für Geflüchtete werden befristet weiter betrieben

Die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete „AWO-Refugium“ in der Großcurthstraße in Buch wird zum 30. Juni 2020 geschlossen. Die Nutzung des Tempohomes in der Siverstorpstraße in Karow als Unterkunft für Geflüchtete wird zum 31. Juli 2020 beendet. Hintergrund für die Entscheidung, beide Einrichtungen noch bis zum Sommer zu betreiben, sind die Verzögerungen in der Umsetzung des Baus der Modularen Unterkünfte für Geflüchtete (MUF).

Bislang konnten Berlin weit erst 16 von 30 Standorten aus der 2016 vom Senat und den Bezirken getroffenen Bauentscheidung in Betrieb genommen werden. Daher hat der Senat mit allen Bezirken Gespräche dazu geführt, Containerstandorte und Tempohomes für eine begrenzte Zeit weiter als Flüchtlingsunterkünfte zu nutzen. „Das Gelände des AWO-Refugiums in Buch ist mittelfristig als Standort für eine Gemeinschaftsschule vorgesehen. In der Siverstorpstraße in Karow ist ein Drehscheibenstandort Schule geplant. Erste bauvorbereitende Maßnahmen sind nach der Schließung der Unterkunft vorgesehen. Langfristig ist an dem Standort eine KiTa-Nutzung vorstellbar. „Ausschlaggebend für meine Zustimmung zu einem zeitlich befristeten Weiterbetrieb der beiden Einrichtungen bis Sommer 2020 ist, dass diese Vorhaben so wie vorgesehen auch umgesetzt werden können“, sagt Bezirksbürgermeister Sören Benn (DIE LINKE).  
Derzeit leben im AWO-Refugium in Buch 419 Personen. In der Siverstorpstraße in Karow sind 194 Menschen untergebracht. Im Großbezirk Pankow gibt es derzeit elf Unterkünfte für Geflüchtete, in denen 2869 Menschen leben - davon sind 970 Kinder und Jugendliche (Stand 13.12.2019). Die Verlängerung der Nutzung der beiden Einrichtungen ermöglicht dem Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) den Umzug der Bewohnerinnen und Bewohner in Zusammenarbeit mit dem Bezirk so zu gestalten, dass eine Folgeunterbringung möglichst innerhalb des Sozialraums bzw. des Bezirks Pankow möglich ist. Zudem dient die temporäre Verlängerung der Standorte der Sicherung von Unterbringungskapazitäten für Geflüchtete, die bereits eine Aufenthaltserlaubnis haben, aber wegen der angespannten Lage auf dem Berliner Wohnungsmarkt keine eigene Wohnung finden und deshalb weiterhin in Unterkünften leben müssen. Dies sind berlinweit derzeit etwa 11.000 Menschen.

Weitere Informationen zu Unterkünften für geflüchtete Menschen in Pankow sind auf der Homepage des Bezirksamts eingestellt www.berlin.de/ba-pankow/. Für Rückfragen stehen das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten LAF zur Verfügung, Pressestelle Tel. 030 90225 – 0 und Pressestelle@LAF.Berlin.de sowie die Flüchtlingskoordinatorin des Bezirksamts, Frau Gust, Tel. 030-90295 2431 und Birgit.Gust@ba-pankow.berlin.de.

leben / 16.12.2019
Neuer Auskunftsdienst im Jugendamt ab 1. Januar 2020

Zur Verbesserung des Bürgerservices werden ab dem 1. Januar 2020 alle Anfragen zu den Bereichen Kindertagesbetreuung, Elterngeld, Unterhaltsvorschuss und Beurkundungen über das Bürgertelefon (030) 115 mit Second-Level-Support des Jugendamts bearbeitet. Dabei übernimmt zunächst das Personal des Bürgertelefons die allgemeinen Anfragen und leitet bei Notwendigkeit einer fallbezogenen Auskunft direkt an die zuständigen Beschäftigten im Jugendamt weiter. Daher entfallen die bisherigen Telefonsprechstunden in den genannten Bereichen ab dem 01.01.2020. Die freien Kapazitäten fließen direkt in die Fallbearbeitung, um so die Bearbeitungszeiten zu verkürzen. Das Bürgertelefon (030) 115 ist von Montag bis Freitag von 7 – 18 Uhr erreichbar. Mit dem neuen Angebot sollen Fragen und Anliegen schnell und kompetent beantwortet werden.

25.11.2019
Feel Good Management im Helios Klinikum Berlin-Buch erhält Helios Pro-Inno-Preis

Nadin Frankenstein bei der Pro-Inno-Preisverleihung. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Nadin Frankenstein bei der Pro-Inno-Preisverleihung. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Das Team des Feel Good Managements im Helios Klinikum Berlin-Buch erhielt am 22. November bei der diesjährigen Helios Jahrestagung in Berlin den erstmals ausgelobten „Helios Pro-Inno-Preis“ für herausragende Projekte und Projektideen. Die Entscheidung der Jury: „Die Maßnahme wirkt bereits nach kurzer Zeit nachweislich positiv und passt in die Zeit als Mittel der Mitarbeiterbindung.“

Insgesamt drei innovative Klinikprojekte und Ideen wurden auf der Helios Jahrestagung mit dem neuen „Helios Pro-Inno-Preis“ ausgezeichnet. Unter großem Applaus der rund 1.500 Helios Führungskräfte nahmen die drei Gewinnerteams ihre Auszeichnungen durch den Vorsitzenden der Helios Geschäftsführung, Franzel Simon, und den Geschäftsführer Medizin, Prof. Dr. Andreas Meier-Hellmann, entgegen. Ausgewählt wurden die Preisträger durch eine achtköpfige berufsgruppenübergreifende Jury.

Das Konzept des Feel Good Managements, das im April 2019 im Helios Klinikum Berlin-Buch mit Nadin Frankenstein gestartet war, erhielt eine der Auszeichnungen: Offen über aktuelle Probleme im Job zu sprechen oder einen neutralen Vermittler hinzuziehen zu können, wenn es mit einem Kollegen gerade nicht rund läuft – dafür stehen Nadin Frankenstein und ihre Kollegin den rund 2.500 Mitarbeitern im Helios Klinikum Berlin-Buch zur Seite. Das Prinzip hinter dem werteorientierten Feel Good Management ist ganz einfach: Zufriedene Mitarbeiter sind motivierter, leistungsbereiter und produktiver.

„Ich bin Beraterin, Zuhörerin und auch Mediatorin und helfe den Mitarbeitern, wenn sie selbst nicht weiterkommen oder unzufrieden sind. Gemeinsam finden wir eine Lösung, die für alle Beteiligten passt“, sagt Nadin Frankenstein, die selbst 17 Jahre als Gesundheits- und Krankenpflegerin gearbeitet hat. Das Etablieren des „Wohlfühlmanagements“ ist ein klares Signal der Wertschätzung an die Mitarbeiter. „Um die Arbeit im Klinikum nachhaltig verbessern zu können, fängt unser Team die Bedürfnisse aller Mitarbeiter auf. Es geht nicht darum, für Spaß am Arbeitsplatz zu sorgen, sondern viel mehr eine Situation richtig zu erfassen und authentisch und glaubwürdig darauf zu reagieren. Deshalb motiviert das Feel Good Management vor Ort mit kleinen wertschätzenden Gesten und hat den Blick für den Mitarbeiter in seiner momentanen Situation“, betont Nadin Frankenstein.

 

25.11.2019
Nocturne ist „Berlins AI Start-up des Jahres 2019“

Auf der Preisverleihung für Berlins AI Start-up des Jahres. (Foto: Malte Koch)
Auf der Preisverleihung für Berlins AI Start-up des Jahres. (Foto: Malte Koch)

Die Jury der „Deep Berlin Conference“ hat die Nocturne GmbH zu „Berlins AI Start-up des Jahres 2019“ gewählt. Nocturne ist eine Ausgründung des Exzellenzclusters NeuroCure an der Charité - Universitätsmedizin Berlin, an dem unter anderem das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) beteiligt ist, und des Experimental and Clinical Research Center, einer gemeinsamen Einrichtung von Charité und MDC. „Der Preis ist eine großartige Anerkennung für unsere Arbeit“, sagte das Team der Nocturne GmbH, Dr. Ella Maria Kadas, Dr. Sunil Kumar Yadav und Dr. Alexander Brandt.

Nocturne nutzt das Auge als Fenster zum Gehirn. Das Start-up entwickelt eine Software, die mithilfe künstlicher Intelligenz (Artificial Intelligence, kurz: AI) Bilder der Augennetzhaut auswertet. Diese unterstützen die Diagnose und die Beurteilung des Verlaufs von neurologischen Erkrankungen. Der Preis, ein leistungsstarker NVIDIA Grafikprozessor sowie ein Ticket zum Tech-Festival SXSW in Austin Texas 2020, wurde am 5. November 2019 im Rahmen des Start-up-Wettbewerbs auf der „Deep Berlin“-Konferenz für künstliche Intelligenz verliehen. Die Konferenz versammelte mehr als 300 Teilnehmer aus der Deep-Tech-Szene sowie die besten Berliner AI-Start-ups, die die Technologie in ihren jeweiligen Branchen und Märkten voranbringen wollen.

Ein Pitch auf der Bühne

Die Initiative „Deep Berlin“ will das Ökosystem der künstlichen Intelligenz in Berlin stärken, um branchenübergreifende Innovationen voranzutreiben. Sie ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen Unternehmen (NVIDIA, Hella Agalaia, ZF, Zeiss, Start Alliance), öffentlichem Sektor (Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie, Emo - Berliner Agentur für Elektromobilität) und wissenschaftlichen Institutionen (DFKI - Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz).

Die elf Finalisten – AIPARK, Phantasma Labs, Mapegy, Mediaire, 7Learnings, Nocturne, Streem.ai, Preregrine Technologies, Tracks, Neurocat, UP42 –hatte Deep Berlin zuvor unter zahlreichen Bewerbungen ausgewählt. Jedes Start-up hatte die Gelegenheit auf die Bühne einen technischen Pitch zu geben. Die Jury bewertete sie dann und wählte „Berlins AI Start-up des Jahres“.

Weiterführende Informationen

Neurocure

Nocturne

forschen, bilden / 18.11.2019
Lehrkräfte der Nordost-Region machen sich fit für die Zukunft

Eröffnungsvortrag mit Experimenten zum Nachmachen.
Eröffnungsvortrag mit Experimenten zum Nachmachen.

Rund 160 Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Ostdeutschland waren auf Einladung der Nordostchemie-Verbände, des Schülerlabor-Netzwerks GenaU und des Gläsernen Labors auf den Campus Berlin-Buch ins Max Delbrück Communications Center gekommen. Dort fand der Lehrerkongress 2019 unter dem Thema „Die Praxis macht den Unterschied“ statt und vermittelte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern neue Experimente und Anregungen für den Schulunterricht. Das Besondere: Der Kongress richtete sich an die Lehrkräfte aller Bildungseinrichtungen, also von der Grundschule bis zur Oberstufe.

Der Lehrerkongress ist eine wichtige Plattform für den Austausch der Lehrkräfte untereinander zu aktuellen Trends im Schulunterricht. Beim diesjährigen Kongress bildeten sich die Teilnehmenden in Workshops zu neuen Methoden wie der innovativen Gentechnologie CRISPR/Cas9 und den Umgang mit der teils kontrovers diskutierten Materie fort. Insgesamt wurden neun Workshops zu unterschiedlichsten Bereichen und für die verschiedenen Schulformen angeboten.

Dr. Jana Scheunemann, Bildungsreferentin der Nordostchemie-Verbände, hob den besonderen Charakter der Veranstaltung hervor: „Unser Lehrerkongress ist in dieser Form sicherlich einzigartig, da er sowohl länder- als auch schulübergreifend ausgerichtet wird. Zudem treffen wir mit dem hohen Praxisbezug einen Nerv bei den Lehrkräften, die viele Ideen und Impulse mit in ihren MINT-Unterricht nehmen.“

Der diesjährige Kongress war in das Jubiläumsjahr des Gläsernen Labors eingebettet. Silke Vorst, Koordinatorin des Schülerlabor-Netzwerks GenaU: „Das Gläserne Labor feiert 2019 sein 20-jähriges Bestehen. Es ist – wie auch die anderen Einrichtungen im Netzwerk GenaU – zu einem festen Bestandteil der außerschulischen Bildungslandschaft geworden. Das belegt nicht zuletzt die überwältigende Resonanz des heutigen Kongresses.“

Neben den Workshops hatten die Lehrerinnen und Lehrer die Möglichkeit, bei Führungen einen Blick in die Arbeit auf dem Campus zu werfen. Zudem zeichnete die Bayer Science & Education Foundation im Rahmen der Veranstaltung die Berliner Sieger-Projekte der Bayer-Schulförderung 2019 aus.

Über das Schülerlabor-Netzwerk GenaU
Das Schülerlabor-Netzwerk GenaU vereint 16 Schülerlabore und acht Partner aus Berlin und Brandenburg. Es wurde 2006 gegründet mit dem Ziel, mehr junge Menschen von Naturwissenschaft und Technik zu begeistern. Die Schülerlabore im Netzwerk sind an Hochschulen und Forschungseinrichtungen Einrichtungen angebunden. Hier können Schulklassen oder Oberstufenkurse eigenständig experimentieren und einen Einblick in wissenschaftliche Berufsfelder gewinnen. Jährlich experimentieren über 50.000 Schülerinnen und Schüler in den Laboren im Netzwerk. GenaU wird von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie gefördert und hat seinen Sitz an der Freien Universität Berlin.

Über das Gläserne Labor
Das Gläserne Labor ist eine Bildungseinrichtung auf dem renommierten Wissenschafts- und Biotechnologiepark Campus Berlin-Buch. Seine fünf Schülerlabore bieten als außerschulische Lernorte über 20 Experimentierkurse zu den Themen Molekularbiologie, Herz-Kreislauf, Neurobiologie, Chemie, Radioaktivität sowie Ökologie für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe an. Mit rund 14.000 kursteilnehmenden Schülerinnen und Schülern mit ihren Lehrkräften pro Jahr zählt das 1999 gegründete Gläserne Labor zu den besucherstärksten Schülerlaboren der Bundesrepublik.

Über die Nordostchemie-Verbände
Die Chemie- und Pharmabranche in Ostdeutschland hat über 62.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nordostchemie ist die wirtschafts- und sozialpolitische Interessenvertretung der über 350 Mitgliedsunternehmen. Zur Nordostchemie gehören der Arbeitgeberverband Nordostchemie e.V. (AGV Nordostchemie), der Verband der Chemischen Industrie e.V. – Landesverband Nordost – (VCI LV Nordost) und seine Fachverbände. Hauptsitz ist Berlin, weitere Geschäftsstellen sind in Dresden und Halle.

Quelle: Nordostchemie

leben / 18.11.2019
Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung

Zuschüsse können bis 2. Dezember 2019 beantragt werden
 
Künstlerische Bildungsprojekte, die unter aktiver Beteiligung von Kindern, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen (bis 27 Jahre) im Haushaltsjahr 2020 im Bezirk Pankow stattfinden, können jeweils mit bis zu 5.000 EUR aus der Fördersäule 3 des Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung bezuschusst werden.
Mit einer Vergabe von Fondsmitteln auf der Bezirksebene sollen kleinere Kooperationsprojekte von Pankower Kitas, Schulen oder Einrichtungen der Jugendarbeit im Verbund mit (bezirklichen) Kultureinrichtungen, Künstlerinnen und Künstlern unterstützt werden. Abgabeschluss für Projektvorhaben im Jahr 2020 ist Montag, der 2. Dezember 2019. Ein weiterer Ausschreibungstermin für 2019 ist in Pankow nicht vorgesehen.
Ausführliche Förderkriterien, der Link zum Online-Antragsformular sowie weitere Informationen können im Internet unter https://www.berlin.de/kunst-und-kultur-pankow/foerderung/projektfonds-kult-bildung/antragstellung-foerdersaeule-3-pankow/ abgerufen werden.
 
Nähere Informationen und Ausschreibungsfristen der weiteren Fördersäulen des Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung werden im Internet unter https://www.kubinaut.de/de/berliner-projektfonds-kulturelle-bildung/ veröffentlicht.

forschen, bilden / 15.11.2019
DIGITALE LIFE SCIENCES – WORKSHOPS ZU DEN GRUNDLAGEN DER BIOINFORMATIK UND ZUM LABOR 4.0

Neun Teilnehmerinnen haben vom 30.10. - 01.11.2019 an der Akademie des Gläsernen Labors (GLA) den erstmals angebotenen, dreitägigen Kurs „Digitale Life Sciences“ besucht und sich einen Überblick über die Bioinformatik und über das Life Sciences Labor der Zukunft verschafft.

In praxisnahen Vorträgen von und mit erfahrenen Wissenschaftlern, Entwicklern und Anwendern erhielten die Teilnehmerinnen ein grundlegendes Verständnis für die Herausforderungen in einer zunehmend komplexen Laborlandschaft. Mit interaktiven Workshops konnte Berührungsangst mit Zukunftstechnologie abgebaut und Erlerntes am Arbeitsplatz angewendet werden.

Nach einer Einführung in die Bioinformatik durch Dr. Stephan Gantner von der Rheinischen Akademie Köln gGmbH stellte Dr. Atakan Aydin vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) aktuelle Trends in diesem Bereich vor. Mit ihm erarbeitete die Gruppe auch anschließend Online-Sequenzanalysen und machte sich mit Genom-Browsern und der Datenaufbereitung der Genexpressionsanalyse vertraut.

Der zweite Tag startete mit Übungen zum Umgang mit biologischen Datenbanken, zur Molekularbiologie im Internet und zu Sequenzformaten wie GenBank und FASTA mit PD Dr. Ralph Menzel von der Berliner Humboldt-Universität.

Am Nachmittag stand mit der Digitalisierung eines der prominentesten Themen im modernen Life Science Labor im Zentrum des Workshops mit Dr. Anne Kriegel von Labforward GmbH Berlin. Die Kursteilnehmerinnen hatten hier die Gelegenheit, über eigene Lab Accounts Daten in Elektronischen Labor Notebooks (ELNs) zu generieren, zu bearbeiten und so einen Eindruck vom Umgang mit digitalen Labordaten zu gewinnen.  

Der Vormittag des dritten und letzten Tags stand im Zeichen der Systembiologie, als Überblick vermittelt durch Marco Uhrig vom Berlin Institute for Medical Systems Biology (BIMSB) am MDC. Ganz grundlegend wurde hier der Bedarf an modernster Bioinformatik und Technologie für ganzheitliche Lösungsansätze sowie die Notwendigkeit einer interdisziplinär geprägten Arbeitsweise deutlich – Anforderungen, die maßgeblich von den Technischen Angestellten im Team umgesetzt und verankert werden müssen.  

Den Abschluss des Kurses bildete der Workshop „Automatisierung am Beispiel Liquid Handling“. Dort lernten die Teilnehmerinnen mit dem Dozenten Andreas Ehlke von der Firma BRAND GmbH, Wertheim am Pipettier-Roboter, der sog. „Liquid Handling Station“ die Prinzipien der Programm- und Protokollerstellung zur Prozessautomatisierung in Biotechlabors kennen.  

„Die durchweg positiven Bewertungen der Teilnehmerinnen und der Dozentinnen und Dozenten unseres neuen Kurses an der GLA sowie der hohe Fort- und Weiterbildungsbedarf an Zukunftsthemen für TAs in den Life Sciences haben uns veranlasst, einen weiteren ‚Digi Life Science Kurs‘ bereits im Frühjahr 2020 anzubieten “, so der Leiter der GLA, Dr. Uwe Lohmeier.

Der nächste Kurs „DIGITALE LIFE SCIENCES – WORKSHOPS ZU DEN GRUNDLAGEN DER BIOINFORMATIK UND ZUM LABOR 4.0“ findet somit bereits wieder vom 18. – 20.03.2020 statt, jeweils von 09:00 – 17:00 Uhr statt und kann ab sofort gebucht werden.

Weitere Informationen und Buchung unter:

https://www.glaesernes-labor-akademie.de/de/Seminar-Digitale-Life-Sciences

 

investieren, produzieren / 12.11.2019
Eckert & Ziegler: Starke Neunmonatszahlen. Bestätigung der Jahresprognose. Zusammenlegung der Medizinsparten ab 2020.

Die Berliner Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, S-DAX), ein Spezialist für isotopentechnische Anwendungen in Medizin, Wissenschaft und Industrie, erzielte im dritten Quartal 2019 ein Ergebnis nach Steuern von 5,7 Mio. EUR oder 1,11 Euro pro Aktie. Im Vergleich zum Vorjahr steigerte sich das Nachsteuerergebnis der ersten neun Monate um 46% von 2,50 auf 3,66 Euro pro Aktie. Die Umsätze stiegen im gleichen Zeitraum um 8% von 123,8 auf 133,2 Mio. EUR. Wachstumstreiber war vor allem das Segment Radiopharma, während die Segmente Isotope Products und Strahlentherapie im Wesentlichen auf dem Niveau der Vorjahresvergleichsperiode abschlossen. Ursache für den höheren Jahresüberschuss war neben dem Umsatzwachstum auch ein günstigerer Produktmix.

Das Segment Isotope Products ist mit Umsatzerlösen von 84,1 Mio. Euro nach wie vor das größte Segment. Ein gegenüber dem Vorjahr günstigerer Produktmix führte dazu, dass trotz der vergleichsweise nur geringen Umsatzsteigerung eine um 2,6 Mio. Euro höhere Rohmarge erzielt werden konnte. Das Segment erzielte insgesamt ein Ergebnis von 8,5 Mio. Euro und lag damit in etwa auf dem Niveau der Vorjahresvergleichsperiode.

Das Segment Radiopharma konnte gegenüber dem Vorjahr 9,1 Mio. Euro höhere Umsatzerlöse erzielen. Die Herstellungskosten stiegen dabei nur unterproportional um 1,4 Mio. Euro an, so dass insgesamt eine um 7,7 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahr höhere Rohmarge erzielt wurde. Das Ergebnis des Segments legte gegenüber den ersten neun Monaten 2018 insgesamt um 5,0 Mio. Euro, oder 91% zu.

Das Segment Strahlentherapie erzielte mit einem Gewinn von 0,6 Mio. Euro ein gegenüber dem Vorjahr fast unverändertes Periodenergebnis. Bei 0,6 Mio. EUR geringeren Umsätzen ging die  Rohmarge leicht überproportional um 0,7 Mio. Euro zurück.

Bestätigung der 2019er Jahresprognose
Trotz der starken Neunmonatszahlen bleibt der Vorstand vorerst bei seiner Ergebnisprognose von rund 4,00 Euro je Aktie für 2019. Die Prognose berücksichtigt die im vierten Quartal turnusmäßig anstehenden Werthaltigkeitsprüfungen und damit auch eine eventuell einmalige Anpassung von Erwartungswerten für bestimmte Meilensteinzahlungen. Außerdem rechnet die Gesellschaft mit einem Bußgeldbescheid der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht wegen Formfehlern in den 2017er und 2018er Halbjahresberichten (fehlende Bilanzeidzeilen). Die zum Teil schwer einschätzbaren, auf jeden Fall aber nur einmaligen Sonderbelastungen können in der Summe bis zu 1,8 Mio. EUR ausmachen. Beim Umsatz wird für das Geschäftsjahr 2019 weiterhin ein Wert von etwa 180 Mio. Euro erwartet.

Bündelung der Medizinsparten
Ab dem 1. Januar 2020 wird Eckert & Ziegler seine bisherigen Segmente „Strahlentherapie“ und „Radiopharma“ unter dem neuen Namen „Medical“ zusammenlegen. Mit der Bündelung beider Sparten sollen Synergien besser genutzt und Effizienzsteigerungen erzielt werden. Dr. Harald Hasselmann, Vorstandsmitglied und bisher zuständig für das Segment Strahlentherapie wird ab dem 1.1.2020 den Vertrieb der neuen Sparte Medical verantworten. Dr. Lutz Helmke, Vorstandsmitglied und bisher zuständig für das Segment Radiopharma, übernimmt die Gesamtverantwortung für operative Themen. Das Segment Isotope Products bleibt unverändert bestehen.

Den vollständigen Quartalsbericht finden Sie hier:
http://www.ezag.com/fileadmin/user_upload/ezag/investors-financial-reports/deutsch/euz319d.pdf

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit rund 800 Mitarbeitern zu den weltweit größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Strahlentherapie und Nuklearmedizin. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im SDAX der Deutschen Börse gelistet.

investieren / 12.11.2019
Jan Philipp Junker ist EMBO Young Investigator

Damit sich eine befruchtete Eizelle in einen komplexen Organismus mit Millionen von Zellen entwickeln kann, sind Flexibilität und Präzision gleichermaßen nötig: Einerseits müssen sich Gewebe und Organe zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und in der richtigen Größe entwickeln. Andererseits müssen Fehler rechtzeitig behoben werden. Dr. Jan Philipp Junker will am Beispiel des Zebrafischs herausfinden, wie das möglich ist. Er leitet am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des Max-Delbrück Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) die Arbeitsgruppe „Quantitative Entwicklungsbiologie“. Sein Team hat unter anderem eine neue Technik entwickelt, um Art und Herkunft aller Zellen in einem Organismus gleichzeitig zu ermitteln. Die Zellstammbäume sollen unter anderem dabei helfen, die Entstehung bestimmter Krankheiten oder auch die Regenerationsfähigkeit von Organen zu verstehen. Das Herz ist dabei ein Beispiel von vielen.

Jan Philipp Junker gehört zu den jungen und aufstrebenden Forschern, die der Europäische Forschungsrat (ERC) mit einem ERC Starting Grant fördert. Nun wird er in das EMBO Young Investigator Programm aufgenommen.

EMBO Young Investigators sind exzellente Forschende unter 40 Jahren, die seit höchstens vier Jahren eine wissenschaftliche Arbeitsgruppe leiten. Mit der Förderung werden sie Teil eines Netzwerks aus aktuell 129 und 340 ehemaligen Young Investigators. EMBO unterstützt die Forschenden jeweils mit 15.000 Euro, Netzwerkmöglichkeiten, Weiterbildungsangeboten und anderen Vorteilen. Ziele der Organisation EMBO sind, exzellente Forschende über ihre gesamte Karriere hinweg zu unterstützen, den Austausch wissenschaftlicher Information zu fördern und daran mitzuwirken, einen europäischen Forschungsraum zu schaffen, in dem Forschende optimal arbeiten können.

Weiterführende Informationen:
Arbeitsgruppe Junker „Quantitative Entwicklungsbiologie“

Das MDC:
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

http://www.mdc-berlin.de

forschen, produzieren, leben, heilen, bilden / 05.11.2019
Mein 9. November

30 Jahre Mauerfall (Abb: MDC)
30 Jahre Mauerfall (Abb: MDC)

Dreißig Jahre nach der gewaltfreien Revolution und dem Fall der Mauer veröffentlicht das MDC Augenzeugenberichte, Erinnerungen und Reflexionen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Es ist ein Stück Geschichtsschreibung von unten.

Der Molekularbiologe, Bioethiker und Bürgerrechtler Jens Reich schreibt einen Essay über die „doppeldeutige Revolution 1989“; ein Fahrer erinnert sich an seine Flucht als 19-Jähriger über die ungarisch-österreichische Grenze und die MDC-Vorständin blättert in ihrem Tagebuch vom Herbst 89. Eine ehemalige Institutsdirektorin berichtet von Skepsis und Sorgen nach dem Mauerfall, ein Hirnforscher aus Heidelberg schildert seinen Aufbruch nach Berlin und eine Tierärztin erlebte jene aufregende Nacht auf der Berliner Sonnenallee. Ein Physiker erzählt von seinen Montagsdemos als Student in Leipzig, eine Wissenschaftlerin aus Kiew schreibt über den Wert der Freiheit, ein Biologe berichtet von den Hemmnissen in der DDR-Forschung, der Stasi und den Fehlern beim Zusammenwachsen von Ost und West in der Wissenschaftswelt. Der MDC-Gründungsdirektor Detlev Ganten stellt sich den Fragen, was nach dem Mauerfall gelungen ist und was nicht.

Aus den vormaligen Akademien der Wissenschaften der DDR ging im Jahr 1992 das MDC hervor. Das Projekt zeigt, dass in Berlin-Buch nach 1989 ein Stück deutsch-deutsche Geschichte geschrieben wurde und noch immer wird. Begonnen hat das Zeitzeugenprojekt mit einem Aufruf an alle Beschäftigten. Die Frage lautete: Was bedeutet Ihnen der 9. November 1989 heute und wie erinnern Sie sich an das Jahr 1989? Herausgekommen ist ein Stück Erinnerungskultur.

Augenzeugenberichte, Erinnerungen und Reflexionen zur gewaltfreien Revolution 1989
Insgesamt 41 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, nicht nur aus Ost- und Westdeutschland, sondern aus vielen verschiedenen Ländern, kommen zu Wort. Hier erzählen Forscherinnen und Forscher, Referentinnen und Assistenten, Vorstände, Angestellte aus Verwaltung und Infrastruktur, Personalräte, Tierhausbeschäftigte, Laborkräfte, ehemalige und langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Geschichte zum 9. November 1989 und was der Mauerfall für sie persönlich bedeutet.

Alle Beiträge und Interviews auf Deutsch und Englisch sind hier zu finden: www.mdc-berlin.de/de/9november

heilen / 05.11.2019
Umfassende und interdisziplinäre Expertise bei Hodenkrebs

Prof. Dr. med. Mark Schrader im Austausch mit Fachkollegen. (Fotocredit: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)
Prof. Dr. med. Mark Schrader im Austausch mit Fachkollegen. (Fotocredit: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)

Hodenkrebs gehört zu den seltenen Krebskrankheiten bei Männern. Die Betroffenen sind zumeist jung. Besonders Männer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren sind von Hodenkrebs betroffen. Eine frühe Diagnose und eine auf die Erkrankung abgestimmte Therapie erhöhen die insgesamt sehr guten Heilungs- und Überlebenschancen von Hodenkrebspatienten. Die Versorgungskompetenz der Urologie im Helios Klinikum Berlin-Buch reicht von der persönlichen Risikoberatung, der Zweitmeinung, der operativen Primärtherapie, der Chemotherapie bis zur komplexen Residualtumorresektion. Zudem ist in Berlin-Buch die Hochdosis-Chemotherapie mit Stammzelltransplantation bei Hodentumoren etabliert.

„Die Entscheidung für die notwendige Therapie erfolgt interdisziplinär, um die optimale und individualisierte Krebstherapie festzulegen“, sagt Prof. Dr. med. Mark Schrader, Chefarzt des Fachbereichs Urologie sowie Leiter des Hodenkrebszentrums und Prostatazentrums im Helios Klinikum Berlin-Buch. Der hochqualifizierte Experte für Uroonkolgie betreut mit großer Erfahrung und Einfühlungsvermögen die ganzheitliche Behandlung von Patienten mit Erkrankungen der Nieren, Harnwege und männlichen Fortpflanzungsorgane. Zudem ist Prof. Schrader Initiator und Leiter des 2006 gegründeten Projekts „Nationales Zweitmeinungsnetzwerk Hodentumoren“, das für eine bessere Versorgung und Therapie bei Hodenkrebs sorgt.

Zweitmeinung bei Hodenkrebs
Da Hodenkrebs eine seltene Erkrankung ist, sind die Erfahrungen in den meisten Praxen und Kliniken eher gering. Die Behandlungserfahrung der Ärzte hat jedoch einen wichtigen Einfluss auf den Erfolg der Therapie. Um effektiver entscheiden zu können, welche Therapie die richtige ist, kann sich der behandelnde Arzt nach Diagnosestellung über das „Zweitmeinungsnetzwerk Hodentumoren“ online unterstützen lassen und eine Zweitmeinung einholen. „2017 wurde so für jeden dritten Patienten mit Erstdiagnose Hodenkrebs eine Zweitmeinung über unser Netzwerk in Deutschland erstellt“, sagt Prof. Schrader.
Das Einholen einer Zweitmeinung führt bei etwa 40 Prozent der Fälle zu einer Änderung des Therapiekonzepts. Dem behandelnden Arzt wird dadurch die Sicherheit gegeben, dass der erstellte Behandlungsplan richtig ist. Der Fachbereich Urologie des Helios Klinikums Berlin-Buch ist eines der nationalen Zweitmeinungszentren für Hodentumoren. Das Zentrum ist hoch spezialisiert und berät Fachkollegen und Patienten. Pro Jahr erreichen mehr als 300 Zweitmeinungsanfragen die Experten im Zentrum Berlin-Buch.
Mehr zum „non profit“ Projekt „Zweitmeinung bei Hodentumoren“

Über die Internetseite www.zm-hodentumor.de können Urologen anonymisiert Patientendaten an einen Hodentumorspezialisten übermitteln und erhalten in der Regel innerhalb von 48 Stunden eine Zweitmeinung mit einer Behandlungsempfehlung. Unabhängig von der Versicherung können Ärzte das Portal für Patienten nutzen und für die Patienten fallen keine Kosten an. Das Projekt wurde zunächst durch die Deutsche Krebshilfe und die „Gert und Susanna Meyer Stiftung“ sowie aktuell durch die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V., die aQua-Institut GmbH und die Techniker Krankenkasse finanziert.

„Die bisherigen Ergebnisse unserer Arbeit zeigen, dass eine gemeinsam mit Zweitmeinungszentren erfolgte Therapieplanung zu einer signifikanten Verbesserung für Patienten führt. Wenn noch mehr Ärzte die vereinte Expertise der Urologie-Spezialisten in Deutschland nutzen, wird die Versorgungsqualität bei Hodentumoren nachhaltig verbessert werden“, so Prof. Schrader.

Krebs-Infotag am 09. November
Am Samstag, 09. November sprechen Spezialisten von 9 bis 15 Uhr im Helios Klinikum Berlin-Buch in Seminaren mit Interessierten über moderne Krebsmedizin. Der TV-Mediziner Dr. Carsten Lekutat moderiert eine Expertenrunde zur fachübergreifenden Krebsbehandlung. Interessierte können sich über die Website anmelden, aber auch spontane Teilnehmer sind willkommen: www.helios-gesundheit.de/krebs-weiter-leben

 

 

 

leben, bilden / 30.10.2019
Nichtoffener Realisierungswettbewerb fürs Bildungs- und Integrationszentrum Buch entschieden

Gewonnen hat ein vielseitiges und einladendes Gebäudekonzept (© Bewerbergemeinschaft: Architektur: karlundp Architekten, München Landschaftsarchitektur: TOPOS - Stadtplanung Landschaftsplanung Stadtforschung, Berlin)
Gewonnen hat ein vielseitiges und einladendes Gebäudekonzept (© Bewerbergemeinschaft: Architektur: karlundp Architekten, München Landschaftsarchitektur: TOPOS - Stadtplanung Landschaftsplanung Stadtforschung, Berlin)

Der im Juli 2019 von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen ausgelobte Wettbewerb für den Neubau des Bildungs- und Integrationszentrum Buch (BIZ) in Berlin Pankow ist entschieden. Mit dem Wettbewerb sollte ein Entwurf für den Neubau des BIZ sowie die Gestaltung der Freianlagen auf dem Grundstück Groscurthstraße 21-33 in Berlin Buch gefunden werden, der sowohl gestalterisch als auch funktional überzeugt und einen Mehrwert für die Bewohner Buchs schafft.
 
Insgesamt reichten 18 Teams aus Architekten und Landschaftsarchitekten ein breites Spektrum an Lösungsvorschlägen für die anspruchsvolle Aufgabe ein, die von der Jury intensiv diskutiert wurden. Unter dem Vorsitz des Berliner Architekten Patrik Dierks entschied das Preisgericht nach ausführlicher Diskussion wie folgt:
 
1. Preis
Architektur:         karlundp, München
Verfasser/in:         Ludwig Karl
Landschaftsarchitektur:    TOPOS - Stadtplanung Landschaftsplanung Stadtforschung, Berlin
Verfasser/in:        Stephan Andreas Buddatsch
 
2. Preis
Architektur:        riegler riewe architekten, Berlin
Verfasser/in:        Roger Riewe
Landschaftsarchitektur:    Mettler Landschaftsarchitektur, Berlin
Verfasser/in:        Rita Mettler
 
3. Preis
Architektur:        Adept ApS, Kopenhagen
Verfasser/in:        Anders Lonka, Martin Laursen, Marti Krogh
Landschaftsarchitektur:    Topotek 1, Berlin
Verfasser/in:        Lorenz Dexler, Martin Rein-Cano
 
Eine Anerkennung
Architektur:        DMSW Architekten + Susanne Raupach, Berlin
Verfasser/in:        Philipp Wehage, Susanne Raupach
Landschaftsarchitektur:    hochC Landschaftsarchitekten, Berlin
Verfasser/in:        Lioba Lissner
 
Eine Anerkennung
Architektur:        Studio Andreas Heller Architects & Designers, Hamburg
Verfasser/in:         Andreas Heller
Landschaftsarchitektur:    Bruun & Möllers, Hamburg
Verfasser/in:        Bertel Bruun
 
Das Land Berlin, vertreten durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Referat Architektur, Stadtgestaltung, Wettbewerbe, hatte den nichtoffenen Realisierungswettbewerb im Auftrag des Bezirksamtes Pankow durchgeführt und koordiniert.
 
Bezirksbürgermeister Sören Benn: „Der ausgewählte Entwurf konnte unter einer Vielzahl hoch interessanter Entwürfe überzeugen. Markant ohne aufzutrumpfen und mit hoher Funktionalität gelingt eine Lern-und Begegnungslandschaft im Innen und Außen, die das Potential in sich birgt, der Nordberliner Stadtgesellschaft einen Ort der Begegnung, des Wissens und Wohlfühlens zu geben. Individuelle Lebensgestaltung findet hier ebenso ihren Raum, wie das nachbarschaftliche Miteinander. Die gelungene Verortung mit ihrer verbindenden Außengestaltung schafft ein neues lebendiges Zentrum Buchs.“
 
Manfred Kühne, Abteilungsleiter Städtebau und Projekte bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, zeigt sich als Mitglied des Preisgerichts erfreut über die Entscheidung: „Mit dem prämierten Siegerentwurf wurde einstimmig ein vielseitiges und einladendes Gebäudekonzept ausgewählt, dass die gemeinsame Arbeit der Bildungs- und Integrationsträger fördert und das gestalterisch besonders gut in die vielfältige Bebauung von Buch passt.“
 
Buch ist einer der am stärksten wachsenden Ortsteile Berlins. Das BIZ richtet sich als kooperativer Bildungsstandort mit einem breitgefächerten Angebot von Bildungsmaßnahmen und Integrationsangeboten an die Anwohnerschaft und speziell an die umliegenden Wohngebiete.
 
Die in Buch vorhandenen Angebote der Stadtteilbibliothek und der Musikschule sollen verlagert und ausgeweitet werden. Weiterhin soll im BIZ ein neuer Unterrichtsstandort der Volkshochschule entstehen und kulturelle sowie lokalhistorische Angebote gemacht werden. Für Kinder im Grundschulalter bietet eine Außenstelle des Gläsernen Labors der Campus Berlin-Buch GmbH eine attraktive naturwissenschaftliche Forschungsmöglichkeit. Außerdem sollen zwei multifunktionale Veranstaltungsräume und ein Bistro mit Außensitzplätzen angeboten entstehen.
 
Das Projekt wird mit 15,1 Millionen Euro aus Mitteln des Sondervermögens Infrastruktur der Wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfonds (SIWANA) IV finanziert. Aus dem Stadtumbau-Programm, einem Städtebauförderprogramm des Bundes und der Länder, werden weitere 1,5 Millionen Euro an Fördermitteln bereitgestellt.
 
Alle 18 eingereichten Wettbewerbsarbeiten werden ab dem 20. November 2019 im Hermann-Helmholtz-Gebäude des Max-Delbrück-Centrums in Berlin Buch (Robert-Rössle-Straße 10, 13125 Berlin-Buch) täglich von 9:00 – 17:00 öffentlich ausgestellt.

 

Produzenten, Firmen / 29.10.2019
Die Zukunft der Gesundheit: Mehr als 60 Ideen zur medizinischen Translation

Ohne Forschung keine neuen Therapien, ohne neue Ideen keine Zukunft der Medizin: Doch wie gelingt der Sprung aus dem Labor ans Krankenbett? Welche Schritte sind notwendig, damit aus einem erfolgreichen Experiment ein Produkt wird, das Patient*innen hilft? Die Antwort lautet Translation, und sie ist das Thema der vierten Ausgabe des „Future Medicine Science Match“, das am 7. November 2019 im Kosmos in Berlin stattfindet. Professor Christof von Kalle vom Berlin Institute of Health (BIH) ist für das wissenschaftliche Programm der Konferenz verantwortlich, die das BIH gemeinsam mit dem Tagesspiegel veranstaltet.

„Ob ein neues Medikament, bessere Diagnostik oder ein innovatives Gerät: Davor steht immer eine gute Idee, die in die Anwendung übertragen werden muss“, erklärt Christof von Kalle, BIH Chair für Klinisch-Translationale Wissenschaften am Berlin Institute of Health (BIH). „Und dieser Weg ist oft mühsam und langwierig, dafür ist es umso toller, wenn er gelingt!“ 

Von der Intimarzt-APP bis zu lebendigen Krebsmedikamenten
Die rund 60 Kurzvorträge von nur 3 Minuten handeln von erfolgreichen Translationsbeispielen – und solchen, die es werden wollen: In der Session zu „Smart Data and Translation“ stellt ein Mediziner seine APP „Intimarzt“ zur Diagnose von Geschlechtskrankheiten vor, mit der man intime Fotoaufnahmen anonym an einen Facharzt zur Diagnose schicken kann. „Das ist wichtig, denn häufig warten Betroffene aus Scham viel zu lang mit dem Arztbesuch, und dann sind möglicherweise drastische Eingriffe nötig“, erklärt Dr. Titus Brinker vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg seine Entwicklung. Auch seine zweite APP „AppDoc“ erspart den Nutzer*innen etwa 70% der persönlichen Arztbesuche, indem sie Fotos von betroffenen Hautregionen an Fachärzte in Heidelberg schickt, die – wissenschaftlich überprüft – in 90% der Fälle die richtige „Fern“Diagnose stellen.

Dr. Henrike Maatz vom Max-Delbrück-Centrum in Berlin spricht in der Session „Single Cells and Translation“ über das ehrgeizige Projekt, das menschliche Herz Zelle für Zelle zu analysieren. „Davon erhoffen wir uns ganz neue Einblicke in die Funktion des gesunden und des kranken Herzens“, erklärt die Biologin. „So können wir auch die Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten viel genauer abschätzen und vorhersagen.“ Auch in der Session „Translational Cancer Research“ geht es um Projekte der Krebsforschung, die bereits nah an oder sogar schon in der Anwendung beim Patienten sind: Es geht um präzise Diagnostik, etwa die Genanalyse von Krebszellen, die eine maßgeschneiderte personalisierte Krebstherapie erst ermöglichen, um das Mikrobiom, das den Verlauf einer Krebserkrankung beeinflussen kann oder um neue  Möglichkeiten, Resistenzen von Krebszellen zu brechen.

Die Keynote Lecture hält der Immuntherapie-Pionier Michel Sadelain vom Memorial Sloan Kettering Institute in New York, der mit CAR-T-Zellen eine neue Ära der Krebsmedizin eingeläutet hat. Er berichtet über Erfolge bei scheinbar austherapierten Krebspatient*innen, über die Herausforderungen, eine für jeden Patienten und jede Patientin maßgeschneiderte Therapie durch die Zulassungsbehörden zu navigieren und über den hohen Preis einer solchen Innovation. „The makings of a living drug“ lautet der Titel seines Vortrags.

Die Politik muss die Translation unterstützen
„Die Politik ist gefordert, wenn es um Translation geht“, ist Professor Axel Radlach Pries, der Vorstandsvorsitzende des BIH (interim) überzeugt. Er hat deshalb Verteter*innen aus der Bundes- und Europapolitik eingeladen, um darüber zu diskutieren, welchen Wert die translationale medizinische Forschung für Europa hat und wie die Politik dies unterstützen kann. 

Komplettiert wird die Konferenz durch Grußworte der Parlamentarischen Staatssekretäre Thomas Rachel (Bundesforschungsministerium) und Dr. Thomas Gebhart (Bundesgesundheitsministerium).

Future Medicine 2019 ist bereits die vierte Konferenz zur Zukunft der Medizin, die das BIH gemeinsam mit dem Tagesspiegel und in Kooperation mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin durchführt. Sie findet jährlich am 7. November im Rahmen der Berlin Science Week statt.

Journalist*innen sind herzlich eingeladen teilzunehmen. Gerne vermitteln wir Ihnen Interviewgespräche mit den Wissenschaftler*innen. 

Future Medicine Science Match 2019
Donnerstag, 7. November 2019
Eröffnung der Konferenz: 09:00 Uhr (Einlass: 08:00 Uhr)
KOSMOS Berlin
, Karl-Marx-Alle 131 A, 10243 Berlin

Den aktuellen Stand des Programms finden Sie online.

Über das Berlin Institute of Health (BIH)
Das Berlin Institute of Health (BIH) ist eine Wissenschaftseinrichtung für Translation und Präzisionsmedizin. Das BIH widmet sich neuen Ansätzen für bessere Vorhersagen und neuartigen Therapien bei progredienten Krankheiten, um Menschen Lebensqualität zurückzugeben oder sie zu erhalten. Mit translationaler Forschung und Innovationen ebnet das BIH den Weg für eine nutzenorientierte personalisierte Gesundheitsversorgung. Das BIH wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sind im BIH eigenständige Gliedkörperschaften.

25.10.2019
Erste dynamische Bilder zeigen Funktion von Rhomboid-Proteasen

Untersuchung der Rhomboidprotease GlpG mit Hilfe von Festkörper-NMR. | Abb.: Barth van Rossum, FMP
Untersuchung der Rhomboidprotease GlpG mit Hilfe von Festkörper-NMR. | Abb.: Barth van Rossum, FMP

Rhomboid-Proteasen sind klinisch relevante Zellmembran-Proteine, die bei verschiedenen Krankheiten eine Rolle spielen. Mittels Festkörper-NMR-Spektroskopie haben Forscher vom Berliner Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) nun erstmals Rhomboid-Proteasen in einer natürlichen Lipidumgebung bei der Arbeit zuschauen können. Die erlangten dynamischen Bilder legen die Grundlagen, um neue Medikamente zu entwickeln, beispielsweise gegen Parkinson oder Malaria. Im Journal of the American Chemical Society sind soeben die Ergebnisse der wegweisenden Arbeit erschienen.

In unseren Zellen arbeiten rund um die Uhr Zehntausende Proteine. Ein Teil dieser fleißigen Arbeiter sitzt in der Zellmembran; so auch die Familie der sogenannten Rhomboid-Proteasen. Da diese Intramembran-Proteasen an vielen biologischen Prozessen beteiligt sind und auch bei Krankheiten wie Parkinson, Diabetes, Krebs und Malaria eine Rolle spielen, sind sie klinisch höchst relevant.Bislang konnten Rhomboid-Proteasen mit der Röntgenkristallografie sichtbar gemacht werden. Diese Untersuchungen liefern allerdings nur statische Bilder aus einer künstlichen Umgebung, weshalb offen blieb, was in der Zellmembran passiert, wenn die Proteine ihre Hauptaufgabe verrichten, nämlich andere Membranproteine zu schneiden und damit eine Signalkaskade auszulösen.

Das vermutete Tor, das sich öffnet, gibt es tatsächlich
Diesen äußerst komplexen Prozess hat die Arbeitsgruppe von Prof. Adam Lange vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) nun zum ersten Mal mit der Festkörper-NMR-Spektroskopie sichtbar machen können, und zwar in einer weitgehend natürlichen Umgebung. Die Forscher konnten beobachten, wie sich welche Teile der Rhomboid-Protease bewegen und dass sich zum Schneiden anderer Proteine kurzzeitig ein Gate öffnet, damit das zu schneidende Protein zum aktiven Zentrum der Protease gelangen kann.

Arbeit legt Grundlagen für neue Medikamente
Das Projekt wurde im Rahmen des Exzellenz Clusters UniSysCat durchgeführt und legt die Grundlagen, um Rhomboid-Proteasen noch besser zu charakterisieren. Mehr noch: Das gewonnene Wissen ist hilfreich für Untersuchungen, wie man die klinisch relevanten Membranproteine pharmakologisch beeinflussen kann. Auch Lange und seine Mitarbeiter wollen jetzt nach Substanzen suchen, um fehlgeleitete Rhomboid-Proteasen zu hemmen.

Publikation:
Chaowei Shi*, Carl Öster*, Claudia Bohg, Longmei Li, Sascha Lange, Veniamin Chevelkov, Adam Lange. Structure and Dynamics of the Rhomboid Protease GlpG in Liposomes Studied by Solid-State NMR, Journal of the American Chemical Society, October 2019; DOI: 10.1021/jacs.9b08952         

*equally contributing first authors.

Das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB), einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. In ihnen arbeiten mehr als 1.900 Mitarbeiter. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft. Entstanden ist der Forschungsverbund 1992 in einer einzigartigen historischen Situation aus der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR.

23.10.2019
Campus Buch radelt am meisten

DER WANDERPOKAL GING AN DEN CAMPUS BUCH: (V.L.) SPORTSENATOR ANDREAS GEISE, PROF. HEIKE GRASSMANN, MDC, DR. CHRISTINA QUENSEL, CBB, EVA-MARIA SCHEEL, ADFC, UND ANDREA GREBE, VIVANTES, FÜR DIE INITIATIVE MEHRWERT
DER WANDERPOKAL GING AN DEN CAMPUS BUCH: (V.L.) SPORTSENATOR ANDREAS GEISE, PROF. HEIKE GRASSMANN, MDC, DR. CHRISTINA QUENSEL, CBB, EVA-MARIA SCHEEL, ADFC, UND ANDREA GREBE, VIVANTES, FÜR DIE INITIATIVE MEHRWERT

Genau 359 Menschen, die auf dem Campus Buch arbeiten, traten im August und September kräftig in die Pedale: Bei der Aktion „Wer radelt am meisten“ wetteiferten sie mit Teilnehmenden aus zwölf weiteren Berliner Unternehmen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Institutionen und Unternehmen auf dem Campus Berlin-Buch schafften dabei gemeinsam 192.477 Kilometer und belegen in der Gesamtbewertung in diesem Jahr den ersten Platz. Auf Platz zwei und drei folgen die Berliner Wasserbetriebe und das Vivantes Netzwerk für Gesundheit. Bei der Punktevergabe für den „mehrwert-Berlin-Pokal“ zählen sowohl die gefahrenen Kilometer als auch die Anzahl der teilnehmenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Team „Shut-Up-Legs“ mit Rainer Leben, Jessica Feldmann und Holger Gerhardt vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) belegt in der Kategorie „Team“ den dritten Platz.

Heute überreichte Andreas Geisel, Senator für Inneres und Sport, die Preise in den drei Kategorien „bestes Unternehmen“, „bestes Team“ und „bester Fahrer/beste Fahrerin“ im Olympiastadion. Professor Heike Graßmann, Administrative Vorständin des MDC in der Helmholtz-Gemeinschaft gratuliert den Preisträgerinnen und Preisträgern: „Fahrradfahren ist umweltfreundlich und trägt zu einem gesunden Lebensstil bei. Herzlichen Glückwunsch an all unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bei Wind und Wetter aufs Fahrrad gestiegen sind.“ Dr. Christina Quensel, Geschäftsführerin der Campus Berlin-Buch GmbH, und Graßmann nahmen den Siegerpokal für den Campus gemeinsam entgegen. „Über den ersten Platz, den die Beschäftigten der Einrichtungen und Unternehmen des Campus gemeinsam errungen haben, freuen wir uns sehr. ‚Wer radelt am meisten‘ begeistert jedes Mal aufs Neue und passt wunderbar zu unserem Campus, der seit letztem Jahr EU-weit als fahrradfreundlicher Arbeitgeber zertifiziert ist“, so Dr. Quensel.

Über die Aktion „Wer radelt am meisten“
Insgesamt nahmen 1.945 Beschäftigte von 13 kommunalen Berliner Unternehmen der Initiative mehrwert Berlin am Wettbewerb „Wer radelt am meisten?“ teil und radelten umgerechnet 27,5 Mal um den Äquator. Ziel der Aktion ist es, durch Bewegung die Gesundheit von Beschäftigten sowie eine umweltfreundliche Mobilität zu fördern. Die Rad-Aktion fand 2019 bereits zum achten Mal statt und wurde unter dem Dach der Initiative mehrwert Berlin, einem Zusammenschluss der öffentlichen Unternehmen, organisiert. Teilnehmende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählten im August und September alle Rad-Kilometer, die sie auf dem Weg zur Arbeit, am Wochenende oder auf dem Ergometer im Fitnessstudio gesammelt hatten. Das waren im Schnitt rund 580 Kilometer pro Person. Die Platzierungen der Unternehmen werden nach einer Formel ermittelt, welche die Teilnehmerquote in Abhängigkeit der Unternehmensgröße und die durchschnittlich pro Person gefahrenen Kilometer berücksichtigt.

Zum Campus Berlin-Buch gehören neben dem MDC auch das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), die Hochschulambulanzen der Charité – Universitätsmedizin Berlin, das von MDC und Charité betriebene Experimental and Clinical Research Center (ECRC) sowie der BiotechPark mit 62 Unternehmen.

Weiterführende Informationen

Webseite der Initiative mehrwert Berlin

Webseite des Fahrradwettbewerbs „Wer radelt am meisten“

Website Campus Berlin-Buch

Gemeinsame Mitteilung von MDC und Campus

forschen / 15.10.2019
Nachweis erbracht: Genmutation in Chloridkanal löst Hyperaldosteronismus aus

Kalzium-Messungen: Sind die Zellen blau, ist die Kalzium-Konzentration niedrig. Grüne und rote Zellen haben eine erhöhte Kalzium-Konzentration, was die Produktion von Aldosteron zur Folge hat. (Bildautorin: Audrey H. Soria)
Kalzium-Messungen: Sind die Zellen blau, ist die Kalzium-Konzentration niedrig. Grüne und rote Zellen haben eine erhöhte Kalzium-Konzentration, was die Produktion von Aldosteron zur Folge hat. (Bildautorin: Audrey H. Soria)

Hyperaldosteronismus ist eine Erkrankung der Nebennieren, die aufgrund einer Überproduktion des Hormons Aldosteron zu Bluthochdruck und oft auch zu Nierenschäden führt. Dass mehrere betroffene Patienten eine genetische Mutationen im ClC-2 Chloridkanal in sich tragen, wurde erst kürzlich aufgedeckt. Dass diese Mutationen tatsächlich auch Krankheitsauslöser sind und wie die veränderten Kanäle die Krankheit verursachen, das konnten jetzt Forscher von dem Berliner Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und dem Max-Delbrück-Centrum (MDC) erstmals anhand eines neuen In-vivo-Modells zeigen. Mit der Arbeit haben die Forscher nicht nur einen wichtigen Krankheitsmechanismus Schritt für Schritt entschlüsselt, sondern auch Grundlagen für die weitere Erforschung des komplexen Krankheitsbildes gelegt. Die Ergebnisse sind soeben im Fachjournal „Nature Communications“ erschienen.

Unser Blutdruck wird unter anderem von Hormonen reguliert. Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt dabei das Steroidhormon Aldosteron. Es wird in den Nebennieren gebildet und ist an der Regulation des Wasser- und Salzhaushalts des Körpers beteiligt. Beim Hyperaldosteronismus produzieren die Nebennieren zu viel Aldosteron, wodurch Natrium im Körper zurückgehalten und vermehrt Kalium ausgeschieden wird. Die Folge ist ein krankhaft erhöhter Blutdruck, weshalb man auch von sekundärem Bluthochdruck spricht. Auch die Nieren nehmen oft Schaden.

Bis vor kurzem wusste man wenig über die pathologischen Mechanismen der auch als Conn-Syndrom bezeichneten Erkrankung. Im Jahr 2018 konnten die Pariser Wissenschaftler um Dr. Maria-Christina Zennaro in Zusammenarbeit mit den Berliner Kollegen vom FMP und MDC sowie eine weitere Gruppe aus Deutschland und den USA um Professorin Ute Scholl vom Berlin Institute of Health (BIH) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin erstmals nachweisen, dass bei betroffenen Patienten eine Mutation im Gen für den ClC-2-Chloridkanal vorliegt. Sechs verschiedene Mutationen wurden bislang beschrieben (publiziert in Nature Genetics 2018). Unklar war allerdings der kausale Zusammenhang zwischen Genmutation und Überproduktion von Aldosteron. Diese Lücke haben nun die Forscher von FMP und MDC geschlossen.

Kausalität zwischen Mutation und Krankheit bewiesen

Das Team um Prof. Thomas Jentsch, der die erste Chloridkanalfamile, zu der auch ClC-2 gehört, vor fast 30 Jahren als Erster entdeckt hatte, untersuchte die beschriebenen Mutationen zunächst in vitro. Dabei fanden die Forscher, dass alle bisher bekannten, vermeintlich Hyperladosteronismus verursachenden ClC-2-Mutationen den Chloridstrom des Kanals drastisch erhöhen.

Um den Beweis zu erbringen, dass die Erhöhung des Chloridstroms von ClC-2 zu Hyperaldosteronismus führt, haben die Forscher anschließend ein Mausmodell entwickelt, das ClC-2 über eine andere, „künstliche“ Mutation aktiviert. Die genetisch veränderten Mäuse wiesen enorm erhöhte Chloridströme in den Aldosteron-absondernden Zellen auf, was unter anderem zu einem starken, pathologischen Anstieg der Aldosteron-Konzentration im Blut der Nager führte. Daraus resultierte – genau wie bei Patienten – ein krankhaft erhöhter Blutdruck und sekundär eine verringerte Renin-Aktivität, ein Hormon, das normalerweise die Aldosteronproduktion erhöht. Somit konnten die Forscher den Nachweis erbringen, dass die Mutation ursächlich an der Krankheitsentstehung beteiligt ist.

Chloridkanal stetig geöffnet

„Wir haben gesehen, dass der Kanal durch die Mutationen ständig geöffnet ist, wodurch die elektrische Spannung über die Zellmembran der Hormon-produzierenden Zelle stark verändert wird. Dadurch kommt es zu einem Einstrom von Kalzium, was wiederum zu einer Überproduktion von Aldosteron führt“, erläutert Dr. Corinna Göppner, die zusammen mit Dr. Ian Orozco Erstautorin der Studie ist und gerade über ClC-2 promoviert hat.

„Was sich aufgrund des mutierten Chloridkanals genau im Organismus abspielt, das haben wir an unserem Modell erstmals Schritt für Schritt in allen Details zeigen können“, so die Biologin weiter. „Insofern hat unsere Arbeit hervorragend die humangenetischen Befunde ergänzt und erweitert.“

Bestes Modell, um Hyperaldosteronismus zu erforschen

Das in Berlin-Buch entwickelte Maus-Modell ist das erste In-vivo-Modell, das die Krankheit mit all seinen Symptomen komplett abbildet, und gilt als das bisher beste seiner Art. Es ist also perfekt dafür geeignet, die pathologischen Mechanismen des Hyperaldosteronismus weiter zu erforschen und auch sekundäre Effekte wie Langzeitschäden zu identifizieren. Leichte Nierenschäden haben die Forscher bereits sehen können, aber sie erhoffen sich noch mehr davon: „Wir gehen im Moment davon aus, dass ein ständig geöffneter Chloridkanal auch Einfluss auf andere Organe haben könnte“, sagt Gruppenchef Prof. Thomas Jentsch. Hierüber wisse die Medizin derzeit leider noch wenig, dabei sei das Thema Langzeitfolgen für Patienten hoch relevant. „Unser Mausmodell kann definitiv bei der Aufklärung helfen, was wieder mal die Relevanz der Grundlagenforschung für die Klinik zeigt.“

Publikation
Corinna Göppner, Ian J. Orozco, Maja B. Hoegg-Beiler, Audrey H. Soria, Christian A. Hübner, Fabio L. Fernandes-Rosa, Sheerazed Boulkroun, Maria-Christina Zennaro, Thomas J. Jentsch. Pathogenesis of hypertension in a mouse model for human CLCN2 related hyperaldosteronism, Nature Communications 2019, 15 Oct. DOI: 10.1038/s41467-019-12113-9

Kontakt
Prof. Thomas J. Jentsch
FMP/MDC
Tel. +49 30 9406-2961
E-Mail Jentsch@fmp-berlin.de
www.fmp-berlin.de/jentsch.html
 
Öffentlichkeitsarbeit
Silke Oßwald
Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
Tel. +49 30 94793-104
E-Mail osswald@fmp-berlin.de  

Jana Schlütter
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
Tel. +49 30 9406-2121
E-Mail jana.schluetter@mdc-berlin.de

Das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB), einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. In ihnen arbeiten mehr als 1.900 Mitarbeiter. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft. Entstanden ist der Forschungsverbund 1992 in einer einzigartigen historischen Situation aus der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR. www.leibniz-fmp.de

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK) und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de