Aktuelles

produzieren / 06.08.2020
T-knife erhält Serie-A-Finanzierung in Höhe von 66 Millionen Euro zur Entwicklung einer neuen Generation von T-Zell-Therapien

TCRs, die mit Hilfe von T-knifes HuTCR-Plattform generiert werden, bieten voraussichtlich höhere Affinität und Spezifität

Die T-knife GmbH gibt heute den Abschluss einer Serie-A-Finanzierung in Höhe von 66 Millionen Euro bekannt. Das Unternehmen entwickelt mit Hilfe seiner HuTCR (Humanized T-Cell Receptor)-Plattform eine neue Generation adoptiver T-Zell-Therapien zur Behandlung solider Tumoren. Lead-Investoren sind Versant Ventures und RA Capital Management. Die bisherigen Investoren, Andera Partners und der Boehringer Ingelheim Venture Fund (BIVF), haben sich ebenfalls in signifikanter Höhe beteiligt.

Das Unternehmen wurde 2018 als Spin-off des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) mit Unterstützung der Charité – Universitätsmedizin Berlin gegründet, wo die patentgeschützten HuTCR-Mausmodelle, die alle humanen TCRαβ Genloci tragen, entwickelt wurden. Sie beruhen auf den wegweisenden Forschungsarbeiten von Prof. Thomas Blankenstein, Mitgründer von T-knife. Aufgrund der natürlichen in-vivo-Selektion hochaffiner TCRs kann die TCR-T-Zell-Plattform von T-knife die Behandlung solider Tumore im Vergleich zu bisherigen TCR-Technologien deutlich verbessern.

Die Ascenion GmbH, Technologietransferpartner von MDC und Charité, hat die Wissenschaftler von Anfang an begleitet und wesentlich dazu beigetragen, eine Patentbasis aufzubauen, diese kontinuierlich zu erweitern sowie die Einwerbung von Fördermitteln und Finanzierungen zu unterstützen. In enger Abstimmung mit MDC und Charité hat Ascenion auch die Verhandlung von Kooperations- und Lizenzvereinbarungen unterstützt.

„Nachdem wir so viele Jahre unter dem Radar gearbeitet haben, um eine leistungsfähige, humanisierte Maus-Plattform mit humanen TCR-Loci zu entwickeln, ist es großartig, jetzt Bestätigung von renommierten Life-Science-Fonds wie Versant Ventures und RA Capital Management zu erhalten,” meinte Elisa Kieback, Geschäftsführerin und wissenschaftliche Mitgründerin von T-knife. „Wir sind unseren Gründungsgesellschaftern und auch Andera Partners und dem Boehringer Ingelheim Venture Fund dankbar für die fortgesetzte Unterstützung. Beide sind erstklassige Life-Science-Investoren, die uns seit unserer Gründung als echte Partner zur Seite stehen. Künftig wollen wir ein transatlantisches Unternehmen werden, d. h. eine US-Präsenz aufbauen und unser Management-Team entsprechend erweitern.”

Die proprietären HuTCR-Mausmodelle exprimieren nur humane TCRs, die MHC-restringiert sind. Aufgrund ihrer natürlichen Entwicklung in Mäusen ohne negative Thymusselektion sind diese hochspezifisch und hochaffin. Das Unternehmen hat eine Pipeline einzigartiger, patentierter TCR-Kandidaten für die klinische Entwicklung aufgebaut. Die Mittel aus der Serie-A-Finanzierung werden genutzt, um mindestens vier Programme in die klinische Prüfung voranzubringen, präklinische Arbeiten für weitere, ausgewählte Kandidaten zu beschleunigen und weitere TCRs gegen neue Zielstrukturen zu entwickeln.

Der Beirat von T-knife wird künftig Josh Resnick (RA Capital Management), Alex Mayweg (Versant Ventures), Olivier Litzka (Andera Partners), Frank Kalkbrenner (BIVF), Thomas Blankenstein und Elisa Kieback umfassen. Das Unternehmen wurde bei der Finanzierung von der Blueprint Life Science Group und in rechtlichen Aspekten der Transaktion von CMS beraten. Die neuen Investoren wurden von Goodwin Procter beraten. Die Transaktion wird nach staatlicher und kartellrechtlicher Genehmigung abgeschlossen.

Alex Mayweg von Versant Ventures meinte: „CAR-T-Zell-Therapien haben sich bei der Behandlung hämatologischer Tumore als wirksam erwiesen, aber ihre Anwendung bei soliden Tumoren war bislang weniger erfolgreich. T-knife hat eine spannende Technologie entwickelt, denn ihre TCR-T-Zell-Therapien adressieren Tumorantigene unter Berücksichtigung der MHC-Restriktion. Damit ist diese eine der wenigen Plattformen, die solide Tumore adressieren kann. Wir freuen uns deshalb sehr, diese Runde zusammen mit RA Capital Management, einem Top Healthcare Fonds, zu leiten. Ihre Investition spiegelt ebenso wie unsere die gemeinsame Mission, Therapien zu identifizieren und zu unterstützen, die ein bahnbrechendes Potenzial zur Heilung von Krankheiten haben.“

„Wir freuen uns sehr, dass T-knife jetzt zum Portfolio von RA Capital Management gehört und dass wir zusammen mit Versant Ventures Lead-Investoren dieser Finanzierungsrunde sind,“ kommentierte Josh Resnick von RA Capital Management. „Nachdem die finanzielle und strategische Unterstützung des Unternehmens gesichert ist, freuen wir uns darauf, mit dem Management und weiteren Investoren zusammenzuarbeiten, um das Potenzial von T-knifes T-Zell-Therapien für Patienten mit soliden Tumoren zu heben.“

Olivier Litzka von Andera Partners ergänzte: „Zusammen mit unserem Co-Investor BIVF und seinem Vertreter Detlev Mennerich, der in den letzten zwei Jahren auch als Beiratsvorsitzender des Unternehmens fungierte, freuen wir uns sehr über die Entwicklung von T-knife in den letzten zwei Jahren bis hin zu dieser herausragenden Serie-A-Finanzierung.  Wir gratulieren Elisa, Thomas und dem Team zu ihren Leistungen und heißen unsere neuen Partner willkommen. Wir sind überzeugt, dass sie unsere Vision teilen, T-knife zu einem führenden Unternehmen auf dem Gebiet der T-Zell-Therapie zu machen.“

Über T-knife

T-knife entwickelt mit Hilfe seiner proprietären HuTCR (Humanized T-Cell Receptor)-Plattform eine neue Generation adoptiver T-Zell-Therapien zur Behandlung solider Tumore. Das Unternehmen wurde 2018 als Spin-off des Max-Delbrück Centrums für Molekulare Medizin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin gegründet. Das Unternehmen will mit Hilfe seiner einzigartigen Technologie hochwirksame und sichere Therapeutika auf Basis von T-Zell-Rezeptoren (TCRs) auf den Markt bringen. Mit seiner herausragenden Expertise in T-Zell-Immunologie und seiner einzigartigen, proprietären HuTCR-Plattform entwickelt das Unternehmen vollständig humane TCRs, die voraussichtlich sicherer und wirksamer sind und damit einen neuen technologischen Standard setzen. Das Unternehmen hat präklinisch bereits den Proof-of-Concept erbracht und mit der klinischen Prüfung für seinen führenden TCR-Kandidaten begonnen. Darüber hinaus hat T-knife die Plattform für über 90 Tumortargets validiert. Mehrere daraus resultierende Arzneimittelkandidaten befinden sich momentan in präklinischer Entwicklung. Bis 2022 plant das Unternehmen, drei weitere TCRs in die Klinik zu bringen. T-knife verfolgt eine zweigleisige Wachstumsstrategie: Die Entwicklung einer eigenen Pipeline erstklassiger Therapeutika und den Aufbau externer Partnerschaften, letzteres durch Auslizenzierung weiterer, bereits patentierter TCRs und / oder Bereitstellung der HuTCR-Plattform für die Entwicklung neuer Epitope. T-knife wird von Top-Investoren unterstützt: Versant Ventures, RA Capital Management, Andera Partners und dem Boehringer Ingelheim Venture Fund.

Weitere Informationen: www.t-knife.com

Über Ascenion

Die Ascenion GmbH ist ein unabhängiges Technologietransferunternehmen mit besonderer Kompetenz in den Lebenswissenschaften. Sie ist Partner von mehr als 30 Forschungseinrichtungen, Universitäten und Universitätskliniken in Deutschland und Europa, darunter führende Life-Science-Institute der Helmholtz- und Leibniz-Gemeinschaft, die Charité, die Medizinische Hochschule Hannover, die Medizinische Universität Innsbruck und die Universitätsmedizin Göttingen. Ascenions Team verbindet interdisziplinäre Kenntnisse mit Industrieerfahrung. Ascenion arbeitet eng mit den Mitarbeitern ihrer Partnerinstitute zusammen, um Forschungsergebnisse mit hohem Anwendungspotenzial zu identifizieren, patentrechtlich zu schützen und in die Anwendung zu überführen. Besondere Stärken sind die Unterstützung von Ausgründungen und die Projektentwicklung. Dadurch werden frühe Projekte so weit vorangebracht, dass sie für potenzielle Investoren und Lizenznehmer attraktiv sind. So sind bereits zahlreiche neue Unternehmen gegründet und innovative Medikamente zugelassen worden, von denen Tausende von Patienten profitieren. Erlöse, die Ascenion aus dem operativen Geschäft und aus dem Verkauf von Unternehmensanteilen erzielt, fließen über ihre Muttergesellschaft, die LifeScience-Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Forschung, als Fördermittel an die Partnerinstitute.

Weitere Informationen: www.ascenion.de

Kontakt

Elisa Kieback, CEO, T-knife GmbH
info@t-knife.com, +49 30 94892433
 

Stanislava Zollner, Corporate Communication, Ascenion GmbH
zollner(at)ascenion(dot)de, +49 89 3188140

forschen / 23.07.2020
Rezeptor mit Suchtpotenzial

MDC-Doktorand Jan Möller im Labor vor dem hochauflösenden Bild des untersuchten Rezeptors. © Felix Petermann, MDC
MDC-Doktorand Jan Möller im Labor vor dem hochauflösenden Bild des untersuchten Rezeptors. © Felix Petermann, MDC

Opioide sind Fluch und Segen zugleich: Sie können Menschen von Schmerzen befreien, haben aber oft heftige Nebenwirkungen – bis hin zur Abhängigkeit. Forscher*innen des Max-Delbrück-Centrums haben nun untersucht, über welche Signalwege im Gehirn Wirkungen und Nebenwirkungen zustande kommen.

Opioide kommen in der Schmerzbehandlung zum Einsatz, wenn andere Schmerzmedikamente oder -therapien versagen oder nicht richtig wirken. Sie ermöglichen den Betroffenen, wieder ein aktives Leben zu führen. Die Kehrseite der Medaille: Die Schmerzmittel gehen oft mit Nebenwirkungen einher, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen, beispielsweise mit Übelkeit, Benommenheit, Verstopfung, einem trockenen Mund, Juckreiz, vermehrtem Schwitzen oder einem verringerten sexuellen Lustempfinden.

Bei vielen Patient*innen, denen Opioide verschrieben werden, bleibt die Schmerzlinderung mit der Zeit aus, während die Nebenwirkungen trotzdem mit aller Wucht auftreten. Darüber hinaus besteht ein erhebliches Suchtrisiko: Etwa ein bis drei Prozent der Patient*innen, die regelmäßig Opioide einnehmen, entwickeln eine Abhängigkeit.
Exklusiver Blick auf die Zelloberfläche

Ein Forschungsteam am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) hat nun die Signalkaskade erkundet, die die negativen Begleiterscheinungen der Schmerzmedikation auslöst. „Damit einher geht die große Hoffnung, dass eines Tages Opioide entwickelt werden können, die den Schmerz ausschalten, ohne unerwünschte Nebenwirkungen bis hin zur Medikamentensucht auszulösen“, erklärt Jan Möller, Doktorand in der Arbeitsgruppe „Signalprozesse von Rezeptoren“ des MDC. Er ist Erstautor der Studie, die kürzlich im Fachblatt „Nature Chemical Biology“ publiziert wurde. Lange galt es als unmöglich, Wirkungen und Nebenwirkungen voneinander zu trennen.

Unter einem TIRF-Mikroskop haben Möller und seine Kollegen beobachtet, was an der Membran von Nervenzellen abläuft, wenn Opioide sie erreichen. TIRF steht für „total internal reflection fluorescence“. Diese spezielle Methode der Lichtmikroskopie macht es möglich, gezielt einzelne Rezeptoren auf der äußeren Zellhülle zu lokalisieren. Unter anderem sitzen dort die G-Protein-bindenden Rezeptoren (GPCRs, G-protein-coupled receptors), die für die Übertragung von Signalen aus der Umwelt, zum Beispiel Sinneswahrnehmungen, zuständig sind. Eine bestimmte Sorte dieser Rezeptoren, die µ-Opioidrezeptoren, sind das Hauptangriffsziel von Opioiden. Sie besetzen diese Opioidrezeptoren und führen zu einer Schmerzlinderung. Die Opioidrezeptoren funktionieren in der Regel als Monomere, einzelne reaktionsfähige Moleküle, die an der Zelloberfläche sitzen und ihre Botschaft in das Zellinnere abgeben.
Opioid ist nicht gleich Opioid

Doch unterschiedliche Opioide lösen an den Opioidrezeptoren unterschiedliche Reaktionen aus. Trifft beispielsweise das Opioidpeptid DAMGO auf diese Rezeptoren, zeigt sich unter dem TIRF-Mikroskop, dass sich zwei Rezeptormoleküle miteinander verbinden, die Rezeptoren dimerisieren. Anschließend wandern die Rezeptoren in das Zellinnere, wo sie für eine erneute Aktivierung wieder fit gemacht werden. Zeitgleich wird aus dem Inneren der Zelle beta-Arrestin an die Zellmembran transportiert, wo es an die dimerisierten Rezeptoren bindet. Beta-Arrestin ist das Protein, das möglicherweise die Nebenwirkungen auslöst und Menschen abhängig macht. Wenn hingegen das Opioid Morphin die Rezeptoren aktiviert, entstehen keine Dimere, die Rezeptoren wandern nicht ins Zellinnere und werden so auch nicht wieder erregbar.

„Trotz zahlloser Versuche ist es bisher nicht gelungen, das Schmerzmittel Morphin wesentlich zu verbessern“, erläutert Professor Martin Lohse, der das vom amerikanischen Gesundheitsinstitut NIH geförderte Projekt geleitet hat. „Dadurch, dass wir jetzt einzelne Rezeptoren sehen und ihr Verhalten beobachten können, hoffen wir, in der Entwicklung neuer Schmerzmittel voranzukommen.“

Text: Jana Ehrhardt-Joswig

Quelle: https://www.mdc-berlin.de/de/news/news/rezeptor-mit-suchtpotenzial

leben / 20.07.2020
Bezirksbürgermeister auf Sommertour vom 3. - 7. August 2020

Sören Benn (Die Linke) besucht Initiativen, Vereine und Unternehmen

Vom 3. - 7. August 2020 geht Bezirksbürgermeister Sören Benn auf Sommertour. Das Format hatte 2019 in der Sommerpause Premiere und wird nun fortgesetzt.
Am Montag, dem 3. August 2020 besucht er ab 11 Uhr das Kulturhaus Peter Edel in Weißensee, ist danach Gast in der Halle Tanzbühne Berlin und später im Prater in der Kastanienallee. Am Dienstag, dem 4. August besucht er ab 10 Uhr die Kinderbauernhöfe Pinke Panke und Moritzhof und trifft um 15 Uhr Mitglieder von Vereinen und Initiativen am Jahnsportpark in Prenzlauer Berg. Nach dem Start am Mittwoch, dem 5. August im Haus der Poesie geht es zu MeinBlau, dem Atelierhaus in der Prenzlauer Promenade und der Ateliergemeinschaft Milchhof e.V..Erste Station am Donnerstag, dem 6. August ist die neue Ehrenamtsbibliothek in Wilhelmsruh. Danach führt Sören Benn öffentliche Sprechstunden auf dem Hugenottenplatz in Französisch Buchholz und der Piazza in Karow durch und beendet den Tag im Anton-Saefkow-Park. Das Programm am Freitag, dem 7. August 2020 sieht einen Besuch der Weißenseer Integrations Betriebe und des Geburtshauses am Arnimplatz vor. Alle Termine sind presseöffentlich, die Vertreter der Medien herzlich eingeladen. Anmeldungen nehmen wir gerne per E-Mail: pressestelle@ba-pankow.berlin.de entgegen. Alle Stationen und Termine in der Übersicht auf www.berlin.de/pankow.

bilden / 17.07.2020
Offenes Haus für Bildung und Kultur

Abb.: karlundp Architekten
Abb.: karlundp Architekten

Interview zum neuen Bildungs- und Kulturzentrum in Buch mit Dr. Manuel Seitenbecher, Leiter des Amtes für Weiterbildung und Kultur in Pankow

In diesem Jahr soll der Bau des Bildungs- und Kulturzentrums (BIZ) in Buch beginnen. Welche Bedeutung hat es?

Das BIZ ist ein wichtiger Teil der Gesamtplanung für Buch und wird überregional Maßstäbe setzen. Es integriert erstmals alle bezirklichen Bildungsbereiche an einem Standort. Dies bedeutet eine neue Qualität an Bildung und Kultur. Aktuell gibt es in Buch nur die Bibliothek und die Musikschule in kleinem Maße sowie einzelne andere Angebote. Wir bringen Volkshochschule (VHS), Musikschule, Bibliothek, Veranstaltungen des Museums Pankow und den Grundschulbereich des Gläsernen Labors in einem Haus zusammen, das ist in Berlin ein Novum. In dem Maße, wie Buch wächst und neue Schulen entstehen, gewinnt das BIZ auch als außerschulischer Lernort an Bedeutung. Experimentier- und Kunstwerkstätten, Leseförderung – all das können wir hier anbieten.

Welche Vorzüge weist der Entwurf des BIZ auf, der nun gebaut wird?

Wir sind sehr glücklich mit dem Entwurf. Was wir fachlich, räumlich und funktional erwarten, ist in diesem Haus im Prinzip eins zu eins abgebildet, das erleben wir jetzt in der Vorplanung. Das Gebäude ermöglicht die Mischung aus Funktionalität und Verzahnung der verschiedenen Angebote und Fachbereiche, die wir anstreben. Es hat attraktive Außenflächen, die ein wesentlicher Teil des Nutzungskonzepts sind und unter anderem ein kleines Amphitheater umfassen. In einem großen Foyer soll die Gesamtheit der Angebote auf einen Blick ersichtlich sein. Am Empfang, wo Mitarbeiter aus allen Fachbereichen arbeiten werden, kann man sich zentral anmelden, ob für die Musikschule, die VHS oder für die Bibliothek. Außerdem wird es Ausstellungen und Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen geben.

Wie weit sind die Planungen für die Nutzungen bereits gediehen?

Die Vorplanungsuntersuchung für das Gebäude wird in Kürze abgeschlossen sein. Bei der inhaltlichen Nutzung wird sich das, was wir hier im Bezirk tagtäglich in all den anderen Einrichtungen anbieten, widerspiegeln. Wie wir vor Ort dann ganz konkret zusammenarbeiten, wird ein großes Team aller Beteiligten ab 2021 in den Folgejahren gemeinsam entwickeln, schrittweise auch unter Einbeziehung der Öffentlichkeit. Bis zur geplanten Eröffnung 2025 ist dafür noch ausreichend Zeit.

Welche neue räumliche Qualität wird das BIZ haben?

Bereiche können ineinander übergehen und Funktionen teilen. Herzstück sind zwei Räume, die sich zu einem großen multi-funktionalen Veranstaltungsraum verbinden lassen. Weitere Räume sollen auch Bucher Vereinen oder Bürgern zur Verfügung stehen. Im Eingangsbereich wird ein Café die gastronomische Versorgung sicherstellen. Eltern, die die Bibliothek, die VHS oder andere Kurse besuchen wollen, können von zwei Kinderbetreuungsräumen profitieren. Diese Neuerung ist uns sehr wichtig. Den Zugang zur Bibliothek wollen wir auch abends und sonntags ermöglichen, wenn kein Personal vor Ort ist. Dafür wird es einen zweiten, separaten Eingang geben, der sich mit Leseausweis und Chip-Code öffnen lässt. Man kann Medien nutzen, ausleihen und in der Bibliothek arbeiten.

Welche Ideen bestehen für übergreifende Inhalte mit dem Gläsernen Labor?

Das Gläserne Labor ist im Bereich der MINT-Schulfächer sehr aktiv und für uns äußerst attraktiv. Es kooperiert schon länger mit der Bibliothek, so auch in diesem Sommer mit verschiedenen Kursen, Experimentier- und Robotik-Workshops. Das wollen wir weiter ausbauen. Im BIZ sind Bibliothek und Schülerlabor räumlich nur wenig abgegrenzt – ein Übergangsraum dient der Präsentation von Kursergebnissen. Als inhaltliche Verzahnung wäre denkbar, MINT-Themen im Bereich Kunst aufzugreifen oder Umweltthemen mit Urban-Gardening-Projekten zu verknüpfen. Da gibt es viele spannende Ideen.

Ende September gibt es eine Vorschau auf das BIZ – was ist geplant?

Wir wollen eine kleine Aktionswoche in der Bibliothek veranstalten, in der sich jeder Bereich an einem Tag mit einer Veranstaltung oder Mitmachstationen präsentiert. Zum Ende der Woche, am 1. Oktober 2020, findet auch ein Bucher Bürgerforum zum BIZ statt.

Interview: Christine Minkewitz / CBB

Das Interview erschien zuerst im Standortjournal buchinside.

heilen / 17.07.2020
Dilek Kalayci besucht das Helios Klinikum Berlin-Buch

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci sprach mit Pflegekräften und Ärzten vom Helios Klinikum Berlin-Buch über die Herausforderungen der Corona-Krise. (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)
Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci sprach mit Pflegekräften und Ärzten vom Helios Klinikum Berlin-Buch über die Herausforderungen der Corona-Krise. (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)

Die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci hat das Helios Klinikum Berlin-Buch am Freitagvormittag besucht. Anlass war ein offener Erfahrungsaustausch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zum Umgang mit dem Coronavirus im Krankenhaus der Maximalversorgung im Nordosten Berlins.

Die COVID-19 behandelnden Pflegekräfte und Ärzte standen im Mittelpunkt des Besuchs der Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci im Helios Klinikum Berlin-Buch. In einer informellen Gesprächsrunde wurden die besonderen Herausforderungen für die Corona-Teams besprochen und das Klinikpersonal nach ihren Wünschen an die Politik für ihre weitere Arbeit zur Eindämmung der Corona-Pandemie befragt.

„Ich danke den Pflegekräften und Ärztinnen und Ärzten für den guten und offenen Erfahrungsaustausch. Ich würde mir sehr wünschen, dass der außergewöhnliche Einsatz hier und in allen Krankenhäuser beim Kampf gegen COVID-19 jungen ausbildungssuchenden Menschen ein Vorbild ist,“ sagt Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci.

„Etwas ganz Neues rollte mit der ersten Corona-Welle über uns hinweg.  Die große Herausforderung war, den täglich wechselnden Informationsfluss zu verarbeiten. Beeindruckend fand ich, wie mein Team damit umgegangen ist. Auch die unmittelbare Unterstützung im kompletten Klinikum untereinander in Bezug auf Arbeitsmaterialien und auf ganz persönlicher Ebene war einfach toll,“ erinnert sich Jana Übensee, Stationsleitung Nephrologie und Strahlentherapie sowie einer speziell für COVID-19 eingerichteten Station.

Sieben Mitarbeiter aus den „Corona-Stationen“, der Intensivmedizin sowie des Notfallzentrums berichteten aus ihrem Arbeitsalltag. Angesprochen wurde unter anderem die Erfahrungen mit der Neuorganisation des Krankenhauses, Kinder-Notbetreuung und die Erwartung einer möglichen zweiten Corona-Welle. Abschließend bedankte sich die Senatorin beim Bucher Team für das Engagement in dieser besonderen Situation und den fachlichen Austausch.

„Wir freuen uns, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihren Einsatz gegen Corona durch den persönlichen Besuch der Senatorin wertgeschätzt werden und ihr medizinisches Know-how anerkannt wird. Das bestärkt uns in unseren Werten. Mit unserem umfassenden Sicherheitskonzept konnten wir schnell agieren und einen geschützten Arbeitsalltag für unser Personal schaffen sowie die optimale Versorgung unserer Patienten sicherstellen. Wir sind gut aufgestellt, bei uns ist es sicher,“ sagt Daniel Amrein, Geschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Das Gespräch zwischen der Senatorin und den Krankenhausmitarbeitern fand unter Beachtung der besonderen Hygienebestimmungen und des Abstandsgebots statt.

 

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.
Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zu Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.

www.helios-gesundheit.de

forschen / 15.07.2020
Janggu macht Deep Learning zum Kinderspiel

Dr. Altuna Akalin (li) und Dr. Wolfgang Kopp (Foto: Felix Petermann)
Dr. Altuna Akalin (li) und Dr. Wolfgang Kopp (Foto: Felix Petermann)

 Forscher*innen des MDC haben eine neues Softwareanwendung entwickelt, mit der sich Deep Learning für Genomik-Studien optimal und einfach nutzen lässt: Janggu stellen die Forschenden nun erstmals im Journal Nature Communications vor.

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Um das Abendessen zubereiten zu können, müssen Sie erst die Küche passend für das jeweilige Rezept umbauen. Die Vorbereitung würde deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen als das eigentliche Kochen. Bislang brauchten Bioinformatiker*innen für die Analyse genomischer Daten ähnlich lange. Bevor sie überhaupt mit ihrer Analyse beginnen konnten, investierten sie zunächst viel Zeit in die Formatierung und Aufbereitung riesiger Datensätze, die in Deep-Learning-Modelle integriert werden.

Um diesen Prozess zu straffen, haben Forschende des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) eine universelle Programmiersoftware entwickelt, das eine Vielzahl genomischer Daten in das für die Analyse durch Deep-Learning-Modelle erforderliche Format konvertiert. „Bislang nahmen die technischen Aspekte viel Zeit in Anspruch – Zeit, die dann für die biologischen Fragestellungen fehlt, die wir beantworten wollen“, sagt Dr. Wolfgang Kopp, Wissenschaftler in der Forschungsgruppe „Bioinformatics and Omics Data Science“ am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC und Erstautor der Studie. „Janggu soll einen Teil dieses technischen Aufwands tilgen. Das Softwarepaket möchten wir so vielen Menschen wie möglich zugänglich machen.“

Ein besonderer Name für eine universelle Lösung

Janggu ist nach einer traditionellen koreanischen Trommel benannt, deren Form an eine auf der Seite liegende Sanduhr erinnert. Die beiden großen Teile der Sanduhr stehen für die Bereiche, auf die sich Janggu konzentriert: die Aufbereitung genomischer Daten sowie die Ergebnisvisualisierung und Modellauswertung. Das schmale Verbindungsstück in der Mitte stellt einen Platzhalter für ein beliebiges Deep-Learning-Modell dar.

Deep-Learning-Modelle beinhalten Algorithmen, die riesige Datenmengen verarbeiten und dabei wichtige Merkmale oder Muster erkennen. Obwohl Deep Learning eine sehr leistungsfähige Methode ist, kommt sie in der Genomik bislang nur eingeschränkt zum Einsatz. Die meisten veröffentlichten Modelle sind auf bestimmte Datentypen angewiesen und können nur eine spezifische Frage beantworten. Um Daten auszutauschen oder hinzuzufügen, muss man oft wieder bei null anfangen – ein immenser Programmieraufwand.

Janggu konvertiert verschiedene Genomik-Datentypen in ein universelles Format. So können die Daten in jedes Modell – ob Deep Learning oder maschinelles Lernen – eingebunden werden, das die gängige Programmiersprache Python verwendet. „Das Besondere an unserem Ansatz ist, dass man für ein Deep-Learning-Problem jeden genomischen Datensatz verwenden kann – wir können mit jedem Format arbeiten. Die Möglichkeiten sind endlos“, sagt Dr. Altuna Akalin, Leiter der Forschungsgruppe „Bioinformatics and Omics Data Science“.

Trennung als Schlüsselaspekt

Akalins Forschungsgruppe hat aber noch eine andere Aufgabe: Das Team entwickelt neue Softwareanwendungen für Maschinelles Lernen und will diese bei Forschungsfragen in der Biologie und Medizin einsetzen. Bei ihren eigenen Forschungsprojekten waren die Wissenschaftler*innen oft frustriert, dass die Formatierung der Daten so viel Zeit in Anspruch nimmt. Sie erkannten, dass ein Teil des Problems darin bestand, dass für jedes Deep-Learning-Modell eine Aufbereitung der Daten nötig war. Durch die Trennung von Datenextraktion und -formatierung von der Analyse lassen sich Datenabschnitte viel einfacher austauschen, kombinieren und wiederverwenden. Das ist etwa so, als hätte man alle Küchenutensilien und Zutaten bereits zur Hand, um ein neues Rezept auszuprobieren.

„Die Schwierigkeit bestand darin, das richtige Gleichgewicht zwischen Flexibilität und Benutzerfreundlichkeit zu finden“, sagt Kopp. „Bei zu viel Flexibilität hätten die Benutzerinnen und Benutzer zu viele Optionen, was sie überfordern würde und es wäre schwierig, überhaupt einen Anfang zu finden.“

Kopp hat mehrere Tutorials sowie Beispieldatensätze und Fallstudien vorbereitet, die Benutzer*innen im Umgang mit Janggu unterstützen sollen. Die Veröffentlichung in Nature Communications zeigt, wie anpassungsfähig Janggu ist – im Umgang mit sehr großen Datenmengen, bei der Kombination von Datenströmen und bei der Beantwortung verschiedener Fragestellungen, z. B. bei der Vorhersage von Bindungsstellen aus DNA-Sequenzen, der Chromatin-Zugänglichkeit und der Klassifizierung und Regression.

Unbegrenzte Anwendungsmöglichkeiten

Die Vorzüge von Janggu zeigen sich vor allem in der Datenaufbereitung. Dennoch wollten die Forschenden eine Komplettlösung für Deep Learning anbieten. Janggu ermöglicht auch eine Ergebnisvisualisierung nach der Deep-Learning-Analyse und wertet aus, was das Modell gelernt hat. Bemerkenswert ist, dass das Team eine „übergeordnete Sequenzkodierung“ in das Programm integriert hat, die es erlaubt, Zusammenhänge zwischen benachbarten Nukleotiden zu erfassen. So konnte die Genauigkeit einiger Analysen erhöht werden. Janggu macht Deep Learning einfacher und benutzerfreundlicher und trägt dazu bei, verschiedenste biologische Fragestellungen zu beantworten.

„Eine der interessantesten Anwendungen ist die Prognose der Auswirkung von Mutationen auf die Genregulation“, sagt Akalin. „Das ist wirklich spannend, weil wir so einzelne Genome besser verstehen können. Wir sind beispielsweise in der Lage, genetische Varianten aufzuspüren, die die Genregulation beeinflussen und wir können regulatorische Mutationen in Tumoren interpretieren.“

Text: Laura Petersen

Quelle: https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/janggu-deep-learning

heilen / 13.07.2020
Ausgezeichnete Kompetenz: Bucher Diabetologie zertifiziert

Prof. Dr. med. Michael Ritter: „Die Zertifizierung bringt unseren Patienten Sicherheit und ist für uns und unser Team zugleich eine Anerkennung für die täglich zu leistende Arbeit.“ (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)
Prof. Dr. med. Michael Ritter: „Die Zertifizierung bringt unseren Patienten Sicherheit und ist für uns und unser Team zugleich eine Anerkennung für die täglich zu leistende Arbeit.“ (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)

Das Helios Klinikum Berlin-Buch wurde von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) als Behandlungseinrichtung für Patienten mit Typ 1 und Typ 2 Diabetes rezertifiziert. Damit wird die besondere Expertise und Leistung des ärztlichen und pflegerischen Teams von Prof. Dr. med. Michael Ritter, Chefarzt der Angiologie, Diabetologie und Endokrinologie, gewürdigt.

Diabetes ist die Volkskrankheit Nr. 1 in Deutschland. Über sieben Millionen Menschen sind betroffen. Man unterscheidet Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2. Vor allem die Zahl der Menschen, die an Diabetes Typ 2 leiden, steigt in Deutschland rasant. Diese Erkrankung verursacht häufig zunächst keine Beschwerden, führt unbehandelt für die Betroffenen jedoch zu ernsten Folgeerkrankungen. Denn ein erhöhter Blutzucker schädigt die kleinen und großen Gefäße. Es kann zu Schlaganfall oder Herzinfarkt, Nierenleiden, Amputationen oder Erblindungen kommen. Durch eine gute medizinische Betreuung lassen sich diese Folgeerkrankungen vermeiden.

Das Helios Klinikum Berlin-Buch wurde als „Stationäre Behandlungseinrichtung für Patientinnen und Patienten mit Typ-1 und Typ-2-Diabetes Zertifiziertes Diabeteszentrum DDG“ rezertifiziert, das heißt, auch das Qualitätsmanagement wurde geprüft und als den Kriterien der DDG entsprechend eingestuft. Prof. Dr. med. Michael Ritter, Chefarzt der Angiologie, Diabetologie und Endokrinologie erläutert: „Die renommierte Zertifizierung der DDG zeigt uns und unseren Patienten, dass unsere Behandlung in allen Bereichen – Therapie, Beratung und Schulung – den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen. Das bringt unseren Patienten Sicherheit und ist für uns und unser Team zugleich eine Anerkennung für die täglich zu leistende Arbeit.“

Serviceorientierte Diabetologie
Das Bucher Konzept sieht Diabetologie als „Serviceabteilung“ für alle Bereiche und Fachabteilungen. Wesentliche Aspekte sind wöchentlich stattfindende Schulungen für Patienten, die Dokumentation und die Entwicklung der diabetologischen Kenntnisse auf allen Stationen. Prof. Dr. Ritter betont: „Diabetes kann man zwar nicht im klassischen Sinn heilen. Aber richtig eingestellt und mit entsprechender Schulung kann jeder Patient mit Diabetes gut und ohne große Einschränkungen leben. Dabei helfen wir.“

Um zertifiziert zu werden, muss die Klinik Erfahrung nachweisen, das heißt, im Jahr mindestens 200 Menschen mit Diabetes Typ 2 und/oder 50 Menschen mit Diabetes Typ 1 leitliniengerecht behandelt haben.

Sprechstunden:
Diabetologie & Endokrinologie: (030) 9401-55170, montags & freitags 8:00 bis 12:00 Uhr
Spezialsprechstunde Diabetischer Fuß: (030) 94 01-55140, donnerstags 9:00 bis 12:00 Uhr
Stationäre Aufnahme: (030) 9401-54900
sowie weitere Sprechstunden in der Poliklinik

Mehr Infos zum Fachbereich: https://www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch/unser-angebot/unsere-fachbereiche/diabetologie-endokrinologie/

 

forschen / 08.07.2020
Neues Einstein-Zentrum für alternative Methoden in der Biomedizin in Vorbereitung

Der Vorstand der Einstein Stiftung hat die Vorstufe eines neuen Einstein-Zentrums für die Entwicklung von alternativen Methoden zum Tierversuch in der biomedizinischen Forschung bewilligt. Ziel des geplanten Zentrums ist es, Tierversuche zu reduzieren oder zu ersetzen. Es entsteht in Kooperation mit dem MDC.

In der Vorbereitungsphase werden die Infrastruktur und die Vernetzung der Forschung am Standort gefördert. Für diese stehen 522.000 Euro bereit - insgesamt stellt das Land Berlin der Einstein Stiftung für 2020/21 1,35 Millionen Euro für das neue Einstein-Zentrum zusätzlich zu ihrem Grundhaushalt zur Verfügung. Das Zentrum soll nach einer erneuten Begutachtung des Gesamtkonzepts durch die Wissenschaftliche Kommission der Einstein Stiftung im Jahr 2021 vollumfänglich seine Arbeit aufnehmen.

Die Gründung eines „Einstein-Zentrums 3R“ (3R: Replace, Reduce, Refine) wurde initiiert von der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Freien Universität Berlin (FU), der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) sowie der Technischen Universität Berlin (TU);  es entsteht in enger Kooperation mit dem Berlin Institute of Health (BIH), dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und dem Robert Koch-Institut (RKI). Das Zentrum soll langfristig ein Forschungsnetzwerk in Berlin schaffen, in dem gemeinsam an Gewebemodellen geforscht und innovative Projekte entwickelt werden können. Zudem sollen Universitäten mit Blick auf die Graduiertenausbildung, aber auch die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert werden. 

„Verpflichtung, Tierversuche auf ein Minimum zu begrenzen“
„Angesichts der besonderen Bedeutung von Tierversuchen in der biomedizinischen Forschung ist es eine umso höhere Verpflichtung, sie auf ein Minimum zu begrenzen und in hoher Qualität durchzuführen“, sagt Professor Günter Stock, der Vorstandsvorsitzende der Einstein Stiftung anlässlich der Förderentscheidung. 

Der Berliner Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung, Steffen Krach, erklärt: „Berlin ist deutschlandweit das Zentrum für die biomedizinische Forschung. Damit einher geht unser Anspruch, alternative Methoden zu Tierversuchen zu erforschen, um den Tierschutz zu stärken und Tierversuche in der Forschung zu reduzieren. Wir unterstützen als Land den wichtigen Schritt, die Aktivitäten in den Berliner Wissenschaftseinrichtungen in einem neuen Einstein-Zentrum zu bündeln. Mit unserem breiten Berliner Forschungsnetzwerk nehmen wir in diesem Bereich eine Vorreiterrolle ein.“

Nachwuchsforscher*innen sensibilisieren
Nach dem 3R-Prinzip von William Russell und Rex Burch gilt es, Tierversuche zu ersetzen (Replace), die Anzahl der Versuchstiere zu reduzieren (Reduce) oder die Belastung für Versuchstiere zu mindern (Refine). Hierfür kommen in dem neuen 3R-Zentrum experimentelle Methoden wie 3D-Modelle von Gewebekulturen, aber auch ein erweitertes Qualitätsmanagement zum Einsatz. Hauptanliegen des Einstein-Zentrums ist es, die Entwicklung von Therapiemethoden für menschliche Erkrankungen voranzutreiben, die Übertragbarkeit von Laborerkenntnissen auf die Patient*innen zu verbessern und gleichzeitig den Tierschutz zu stärken. Nachwuchswissenschaftler*innen sollen im geplanten Zentrum durch Ausbildung, Schulung und Weiterbildung in die Lage versetzt werden, das 3R-Prinzip stringent anzuwenden Die Wissenschaftskommunikation und der Dialog mit der Öffentlichkeit werden ebenfalls eine bedeutende Rolle einnehmen. 

„Bereits seit 2018 fördern wir über Charité 3R sehr energisch die Entwicklung von alternativen Verfahren und arbeiten intensiv daran, jene Tierversuche, die für die Forschung an Therapien unersetzbar sind, schonender zu gestalten. Mit dem neuen Einstein-Zentrum wird eine institutionenübergreifende Struktur in Berlin geschaffen, die die Umsetzung des 3R-Prinzips auch auf internationaler Ebene vorantreibt“, sagt der Dekan der Charité und Interim-Vorstandsvorsitzender des BIH, Professor Axel Radlach Pries.

https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/einstein-zentrum-fuer-alternative-methoden-der-biomedizin

leben / 02.07.2020
Sanierte Skateanlage in Berlin-Buch ist zur Nutzung freigegeben

Foto: Reif + Eberhard Landschaftsarchitekten
Foto: Reif + Eberhard Landschaftsarchitekten

Die Gestaltung wurde mit Jugendlichen und dem 1. Berliner Skateboardverein abgestimmt

Viele Bucher Jugendliche konnten es kaum erwarten, doch nun können sie die nach den heutigen Standards komplett neu gestaltete Skateanlage an der Wolfgang-Heinz-Straße in Berlin-Buch nutzen. 

Die Sanierung der alten Anlage aus den 1990er-Jahren begann 2019. Die ersten beiden Bauabschnitte sind abgeschlossen, bis zum Herbst soll noch ein kleiner Pavillon entstehen, den die Jugendlichen sich gewünscht hatten. Im hinteren Bereich werden Pflanzungen ergänzt und auch der Fußweg vor der Anlage bekommt einen neuen Bodenbelag. Für diese Baumaßnahmen wird es noch einmal zu Beeinträchtigungen in der Nutzung kommen.

In zwei Beteiligungsveranstaltungen wurden im Vorfeld die Wünsche der Jugendlichen und des 1. Berliner Skateverein gesammelt und diskutiert. Zwar konnten nicht alle Ideen berücksichtigt werden, da die Größe der Anlage begrenzt ist, aber für die Bucher Jugendlichen ist ein toller neuer Treffpunkt mit vielen Skateelementen entstanden.

Für die Neugestaltung der Skateanlage fließen insgesamt rund 750.000 Euro aus dem Programm Nachhaltige Erneuerung (vormals Stadtumbau). Im Herbst soll die Fertigstellung der gesamten Anlage gefeiert werden.

Ansprechpartner:

André Kima, Abt. Stadtentwicklung und Bürgerdienste, Stadtentwicklungsamt, Fachbereich, Stadterneuerung, Tel.: 90 295 31 38, E-Mail andre.kima[at]ba-pankow.berlin[.]de

Winfried Pichierri, Gebietsbeauftragte für den Stadtumbau Planergemeinschaft für Stadt und Raum e.G.), Tel.: 885 914 32, E-Mail: w.pichierri[at]planergemeinschaft[.]de

Quelle: Bezirksamt Pankow von Berlin, bearb. A. Stahl

heilen / 02.07.2020
Sicher und individuell – ambulante Geburt im Helios Klinikum Berlin-Buch

Die ambulante Geburt in einer Klinik bietet Schwangeren die gleiche Sicherheit wie eine stationäre Geburt. (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)
Die ambulante Geburt in einer Klinik bietet Schwangeren die gleiche Sicherheit wie eine stationäre Geburt. (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)

Viele Frauen wünschen sich beides: umfassende medizinische Sicherheit bei der Geburt und so bald wie möglich ihre gewohnte Umgebung. Die ambulante Geburt in der Klinik ist ein guter Kompromiss. Diesen Service suchen gerade jetzt in diesen bewegten Corononazeiten mit Abstands- und Besucherregeln viele junge Paare. Sicher und individuell in einer Klinik entbinden und nach wenigen Stunden das Babyglück zuhause genießen – geht das? Wir fragen Yvonne Schildai, leitende Hebamme im Helios Klinikum Berlin-Buch, was zu beachten ist und welchen umfassenden Service das Bucher Geburtenzentrum bietet:

Was bedeutet „ambulant“, was „frühzeitig“?

Die ambulante Geburt in einer Klinik bietet Schwangeren die gleiche Sicherheit wie eine stationäre Geburt. Das Fachpersonal und die technische Ausstattung des Geburtenzentrums – bei uns mit Frühchenstation - gewährleisten eine schnelle medizinische Versorgung bei möglichen Komplikationen für beide: Mutter und Kind. Jede Frau kann selbst entscheiden, wann Sie mit ihrem Kind nach Hause gehen möchte - wenn es ihr und dem Baby gut geht und weitere Untersuchungen nicht notwendig sind. Mutter und Kind können nach stationärer Entbindung ambulant oder frühzeitig aus unserem Geburtenzentrum entlassen werden. Bei einer ambulanten Geburt gehen Mutter und Baby nach 4 Stunden bis zur 23. Lebensstunde des Kindes nach Hause. Frühzeitig heißt, dass die Entlassung spätestens am 2. Tag nach der Geburt erfolgt.

Aber dann stehen ein oder zwei Vorsorgemaßnahmen für das Neugeborene noch aus?

Ja, denn diese sind in den ersten Lebensstunden des Babys an bestimmte Zeitabläufe gebunden, um die Gesundheitswerte optimal auswerten zu können. Der Stoffwechseltest muss bis 72 Stunden nach der Geburt und die Vorsorge U2 zwischen dem 3.-10. Lebenstag durchgeführt werden. Dazu gehören eine Vitamin-K-Gabe, der Beginn der Vitamin D-Prophylaxe und der Hörtest.

Es gibt Frauen, die gerne ambulant oder frühzeitig entlassen werden möchten, der Kinderarzt Ihres Vertrauens so schnell aber noch nicht verfügbar ist.

Wir haben einen Service für junge Eltern eingerichtet, damit diese für das Neugeborene so wichtigen Gesundheitstests trotzdem zeitgerecht durchgeführt werden können, sollte das bei ihrem Kinderarzt des Vertrauens so zeitnah nicht möglich sein. Sie bekommen vom Geburtshilfeteam zur ambulanten bzw. frühzeitigen Entlassung einen Termin entweder für den Kinderarzt aus der Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch im Haus 210 (den Sie mit Ihrem Baby in einem kurzen Fußweg vom Haupthaus bzw. Parkplatz aus erreichen) oder für den Kinderarzt bei uns im Geburtenzentrum der Klinik. So können Sie beruhigt zu Hause ankommen und haben den Vorsorgetermin für Ihr Baby bereits zeitnah vereinbart.

Was ist, wenn es in den ersten Stunden zuhause doch Probleme gibt?

Mutter und Kind werden zu Hause von einer Hebamme der Wahl weiter betreut, um z.B. Wochenbettkomplikationen oder Stillprobleme frühzeitig zu erkennen. Die Kosten trägt die Krankenkasse. Außerdem erhalten die Mütter nach der Geburt im Helios Klinikum Berlin-Buch einen exklusiven Gutscheincode und können das Beratungsangebot von „Kinderheldin“ bis zu zwölf Monate nach der Geburt 30 Mal kostenfrei nutzen. Die staatlich ausgebildeten Hebammen sind ganztägig erreichbar und haben auch am Wochenende immer ein offenes Ohr im Chat oder am Telefon. Für eine ambulante Geburt oder eine frühzeitige Entlassung ist dieser Service optimal.

Worauf sollten die Eltern auf jeden Fall achten, wenn sie ein paar Stunden nach der Entbindung zuhause sind?

Auf jeden Fall auf Anzeichen einer sich eventuell verstärkenden Gelbsucht beim Neugeborenen. Auch eine übermäßige, schnelle Gewichtsabnahme von mehr als 10 Prozent des Geburtsgewichtes in den ersten Lebenstagen des Kindes kann kritisch sein. Sprechen Sie dann unbedingt mit der Hebamme! In vertrauter Umgebung lassen sich die meisten Probleme schnell lösen. Wann immer ein Rat gefragt ist, sind natürlich wir Hebammen, Frauen- und Kinderärzte, aber auch viele Foren oder Chats hilfreich sowie Erfahrungen aus der Familie oder von Freunden wertvoll.

Gut zu wissen:

Aktuelle Informationen zur Geburt im Helios Klinikum Berlin-Buch online unter www.helios-gesundheit.de/geburtinberlin

Nutzen Sie das Kontaktformular für Ihren Erstkontakt mit unserem Geburtenzentrum. Wir melden uns zeitnah auf dem gewünschten Kontaktweg. -im Live-Chat Kreißsaalführung: jeden 1. und 3. Dienstag im Monat auf Facebook und Instagram.

Helios Klinikum Berlin-Buch – Geburtenzentrum
Schwanebecker Chaussee 50 · 13125 Berlin

www.helios-gesundheit.de

forschen, heilen / 02.07.2020
NAKO Gesundheitsstudie nimmt Untersuchungen wieder auf

Quelle: MDC
Quelle: MDC

Nach einer dreimonatigen Corona-Pause öffnen die 18 NAKO Studienzentren im Juli nach und nach wieder ihre Türen für die Teilnehmer*innen. Der Studienbetrieb der NAKO am MDC beginnt ab dem 6. Juli 2020.

Durch den Ausbruch der Pandemie in Deutschland hatte die NAKO Gesundheitsstudie präventiv - zum Schutz von Mitarbeiter*innen und Teilnehmer*innen - ihre Studienzentren für Probanden und Besucher*innen vorübergehend geschlossen. Auch das Studienzentrum Berlin-Nord stellte den Studienbetrieb ein. Mit der schrittweisen Lockerung der Beschränkungen im öffentlichen Leben ist jetzt auch eine kontrollierte Wiederaufnahme des wissenschaftlichen Untersuchungsbetriebs und somit die Fortsetzung der Folgeuntersuchung möglich.

"Die Zeit des Shutdowns wurde für wichtige Projekte genutzt", sagt Dr. Kerstin Wirkner, Studienzentrumsleiterin in Leipzig und Sprecherin der NAKO Studienzentrumsleiter*innen. "So wurde u. a. ein neues Erhebungsinstrument, die COVID-19-Befragung, erarbeitet. Darüber hinaus haben wir unser Personal auf die neuen Herausforderungen vorbereitet, gut geschult und ein Konzept erarbeitet, das es uns - in Übereinstimmung mit den lokalen Hygiene- und Desinfektionsplänen sowie den Vorgaben zu SARS-CoV-2 der NAKO Mitgliedsinstitutionen - ermöglicht, notwendige Schutzvorkehrungen zu definieren und in allen 18 Studienzentren umzusetzen."

Was hat sich für die Teilnehmer*innen geändert

Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen sind seit Beginn der NAKO Bestandteil der Studie. Um einer Ausbreitung des SARS-CoV2-Virus vorzubeugen, wurden diese jetzt erweitert und verschärft. In den NAKO Studienzentren gilt ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Teilnehmer*innen, Gästen und Mitarbeiter*innen. Das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes ist Pflicht. Ergänzt werden diese inzwischen gängigen Sicherheitsvorkehrungen durch verschärfte Hygienemaßnahmen: Zusätzliche Stellwände und Plexiglaswände, u. a. am Empfang, sowie das mehrfache tägliche Desinfizieren von sämtlichen Kontaktflächen zählen dazu. Das Untersuchungspersonal trägt Berufs- und Schutzkleidung, die in vorgeschriebenen Abständen gewechselt wird, und die Räume werden nach entsprechenden Qualitätsstandards gereinigt und gelüftet.

Neu für die Teilnehmenden sind die zusätzliche Befragung nach SARS-CoV-2 bezogenen Ausschlusskriterien bei der Terminvereinbarung und die COVID-19-Selbstauskunft am Tag der Untersuchung. Individuelle Fragen und Anliegen der NAKO Probanden werden vorab telefonisch besprochen, um weitere, eventuell notwendige Maßnahmen zum Schutz der Teilnehmer*innen sowie des Studienzentrumspersonals realisieren zu können.

Weiterführende Informationen

https://www.mdc-berlin.de/de/news/news/nako-gesundheitsstudie-nimmt-untersuchungen-wieder-auf

forschen / 02.07.2020
Beschützer der B-Zellen

Das Protein Pdap1 (rot) ist im Zytoplasma von B-Zellen lokalisiert.  (Foto: Di Virgilio Lab, MDC)
Das Protein Pdap1 (rot) ist im Zytoplasma von B-Zellen lokalisiert. (Foto: Di Virgilio Lab, MDC)

Eine Forschungsgruppe am MDC hat ein Protein entdeckt, das reife B-Lymphozyten vor dem stressbedingten Zelltod bewahrt. Zudem unterstützt es die Immunzellen dabei, wirksame Antikörper herzustellen, die zu verschiedenen Zeitpunkten der Infektion den Krankheitserreger aufhalten können.

Dringt ein Krankheitskeim in den menschlichen Körper ein, ist das Immunsystem meist sofort zur Stelle, um den feindlichen Angreifer abzuwehren. Eine der wichtigsten Strategien der Körperabwehr besteht darin, dass bestimmte Immunzellen, die B-Lymphozyten, Antikörper produzieren, die den Erreger anpeilen und ihn abschwächen. B-Zellen spielen eine wichtige Rolle bei der erworbenen Immunität und schützen zusammen mit T-Zellen und anderen Bestandteilen des angeborenen Immunsystems den Körper vor fremden Krankheitserregern, Allergenen und Giften.

Viele Forschende aus Berlin waren an der Studie beteiligt

Ein Team um Dr. Michela Di Virgilio, die Leiterin der Arbeitsgruppe „Genomdiversifikation & Integrität“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), hat jetzt ein Eiweiß namens Pdap1 identifiziert, das die B-Zellen bei ihrer wichtigen Aufgabe unterstützt und sie zugleich vor dem durch Stress ausgelösten Zelltod schützt.

Erstautorinnen der im Fachblatt „Journal of Experimental Medicine“ publizierten Entdeckung sind die beiden Doktorandinnen Verónica Delgado-Benito und Maria Berruezo-Llacuna aus dem Team von Di Virgilio. Darüber hinaus waren an der Studie unter anderem Forscherinnen und Forscher des zum MDC gehörenden Berlin Institute of Medical Systems Biology (BIMSB) und des Experimental and Clinical Research Center (ECRC ) beteiligt. Letzteres ist eine gemeinsame Einrichtung des MDC und der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

B-Zellen müssen sich immer wieder neu anpassen

„Eine erfolgreiche humorale Immunantwort, die durch Antikörper hervorgerufen wird, hängt von mehreren Faktoren ab“, erläutert Di Virgilio. Reife B-Zellen müssen ihre Gene, also die Bauanleitungen für die Antikörper, so verändern, dass diese nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip zu den Erkennungsmerkmalen auf der Oberfläche des eingedrungenen Krankheitserregers passen. Nachdem ein Antikörper mit dem Erreger zusammentrifft und B-Zellen aktiviert werden, finden somatische Hypermutation statt; jener Teil des Antikörpermoleküls mutiert, der dafür verantwortlich ist, den Erreger zu erkennen.

Im Verlauf der humoralen Immunantwort verwandelt sich ein weiterer Teil der Antikörper, ein Klassenwechsel (Class Switch Recombination, kurz CSR) steht an. Bei diesem Vorgang verändern die B-Zellen den Isotyp der hergestellten Antikörper. An die Stelle von Immunglobulinen vom Typ IgM, die vor allem zu Beginn einer Infektion produziert werden, treten dann beispielsweise IgG-Antikörper. So werden die Antikörper noch effektiver bei der Beseitung des eingedrungenen Erregers.

Gefunden wurde das Protein mithilfe der Genschere

„Anfangs wollten wir vor allem verstehen, wie der Klassenwechsel funktioniert“, sagt Delgado-Benito. „Dazu haben wir B-Zelllinien von Mäusen mithilfe der Genschere CRISPR/Cas9 genetisch so verändert, dass sie bestimmte Proteine nicht mehr herstellen.“ Auf diese Weise fanden sie und das Team heraus, dass ohne das PDGFA-assoziierte Protein 1 (Pdap1) weniger Klassenwechsel stattfinden.

„Im nächsten Schritt haben wir Mäuse gezüchtet, in deren B-Zellen das Gen für Pdap1 ausgeschaltet war“, berichtet Berruezo-Llacuna. „Nun stellten wir fest, dass dieses Protein auch für die somatische Hypermutation entscheidend ist.“ Ohne das Eiweiß gab es weniger solcher Mutationen in dem Antikörperteil, der den Erreger erkennt. Dies reduzierte die Wahrscheinlichkeit hochspezifische Antikörper-Varianten herzustellen.

Ohne Pdap1 sterben die B-Zellen leichter ab

„Eine besonders überraschende Erkenntnis unserer in-vivo-Experimente war allerdings, dass die B-Zellen von Mäusen, die Pdap1 nicht herstellen können, viel leichter zugrunde gehen als gewöhnlich“, ergänzt Di Virgilio. Ihr Team entdeckte, dass das Protein die B-Lymphozyten vor dem stressbedingten Zelltod schützt. „Der Stress entsteht, wenn die Zellen durch den Kontakt mit dem Krankheitserreger schnell beginnen zu wachsen und sich stark vermehren“, erläutert die Forscherin.

In gewöhnlichen Tieren hilft Pdap1 den B-Zellen offenbar dabei, mit diesem Stress gut umzugehen. Ohne das Eiweiß aber wird ein Programm gestartet, das die Zellen letztendlich in den Tod treibt. „Pdap1 hilft den B-Lymphozyten also nicht nur dabei, stets wirksame Antikörper herzustellen“, sagt Di Virgilio. Es könne durchaus auch als deren Beschützer betrachtet werden.

Text: Anke Brodmerkel

www.mdc-berlin.de

01.07.2020
Stärkung Berliner Großsiedlungen

Träger der Stadtteil- und Gemeinwesenarbeit können Projekte einreichen

Die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen führt von 2020 bis 2023 in Zusammenarbeit mit den betreffenden Bezirken das Programm „Stärkung Berliner Großsiedlungen“ durch. Ziel ist es, durch unterstützende Projekte Großsiedlungen sowie ihre Bewohnerinnen und Bewohner zu stärken und dadurch das nachbarschaftliche Miteinander und die Lebensqualität weiter zu erhöhen. Die Förderkulisse des Programms umfasst 24 Großsiedlungen in Berlin, davon vier im Bezirk Pankow: Neumannstraße (Alt-Pankow), Buch, Weißensee Ost sowie das Stadtumbaugebiet Greifswalder Straße.

Für die Durchführung von Projekten zur Umsetzung des berlinweiten Programms im Bezirk Pankow ruft das Bezirksamt für die genannten Großsiedlungsgebiete Träger der Stadtteil- und Gemeinwesenarbeit zur Einreichung von Projektvorschlägen auf.

Förderschwerpunkte sind: Nachbarschaftliches Miteinander, Freiwilliges Engagement, Integration, Kinder- und Jugendliche, Attraktivität des öffentlichen Raumes sowie Beteiligung, Vernetzung und Kooperation.

Die vollständigen Bewerbungsunterlagen sind bis zum Freitag, dem 10. Juli 2020 (Einsendeschluss) an folgende E-Mail-Adresse zu richten: spk@ba-pankow.berlin.de.

Der vollständige Projektaufruf zum Herunterladen gibt es unter: https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/service-und-organisationseinheiten/sozialraumorientierte-planungskoordination/dokumente/artikel.952662.php
Ansprechperson für Rückfragen im Bezirksamt Pankow: SPK - Büro für Bürgerbeteiligung Jeanette Münch, Tel: (030) 90295-2713, E-Mail: spk@ba-pankow.berlin.de

leben / 01.07.2020
Bucher Ferienspiele 2020

Herr Tie kann fühlen, sehen und hören. Mit ihm erforschen Kinder das Gehirn im Gläsernen Labor (Foto: Peter Himsel/CBB)
Herr Tie kann fühlen, sehen und hören. Mit ihm erforschen Kinder das Gehirn im Gläsernen Labor (Foto: Peter Himsel/CBB)

Sommerferien und kein Urlaub in Sicht? Für Bucher Ferienkinder gibt es wieder ein tolles Programm. Schwimmen, Klettern, Floß fahren, Natur entdecken, künstlerisch kreativ werden, spannende naturwissenschaftliche Experimente - all das bieten die verschiedensten Bucher Einrichtungen, zum Teil vor Ort, zum Teil auf Ausflügen.
Den Flyer mit dem kompletten Programm finden Sie hier.
Und hier geht es zu den Adressen der Einrichtungen.

Ansprechpartnerin:

Franziska Myck
Koordinatorin für den Bildungsverbund Berlin-Buch
c/o Montessori-Gemeinschaftsschule Berlin-Buch
Wiltbergstraße 50, Haus 23
13125 Berlin-Buch

Mobil: 01590 4523057
E-Mail: f.myck@karuna-ev.de
Web: www.bildungsverbund-buch.de

Logo Bildungsverbund

forschen / 30.06.2020
Osmotischer Stress als Stimulator der zellulären Müllabfuhr identifiziert

Aufnahme von Astrozyten aus der Maus. Gezeigt sind das Aktinzytoskelett (rot) und Lysosomen (grün). (Bild: Tania Lopez-Hernandez).
Aufnahme von Astrozyten aus der Maus. Gezeigt sind das Aktinzytoskelett (rot) und Lysosomen (grün). (Bild: Tania Lopez-Hernandez).

Die zelluläre Müllabfuhr, ein Zusammenspiel von Autophagie und Lysosomen, übt elementare Funktionen aus, um zum Beispiel beschädigte Eiweißmoleküle abzubauen, die die Funktion der Zelle beeinträchtigen, und die entstehenden Bausteine wieder dem Nährstoffwechsel zuzuführen. Dieser Recyclingprozess hält Zellen bekanntermaßen jung und schützt zum Beispiel vor Eiweißverklumpungen, wie sie bei neurodegenerativen Erkrankungen auftreten.

Doch was außer Hungern setzt dieses wichtige System eigentlich in Gang? Forscher vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin haben nun einen bislang unbekannten Mechanismus entdeckt: Demnach löst osmotischer Stress, also eine Änderung im Wasser-Ionen-Haushalt, innerhalb weniger Stunden eine Antwort aus, die zu einer erhöhten Bildung und Aktivität von Autophagosomen und Lysosomen führt. Die jetzt in „Nature Cell Biology“ publizierte Arbeit beschreibt den neuen Signalweg im Detail und liefert entscheidende Grundlagen, um Umwelteinflüsse auf unser zelleigenes Recycling- und Abbausystem besser zu verstehen und therapeutisch zu nutzen.

Unsere Zellen benötigen hin und wieder einen „Frühjahrsputz“, damit fehlgefaltete Eiweißmoleküle oder beschädigte Zellorganellen abgebaut werden und die Eiweißmoleküle nicht verklumpen. Zuständig für den Abbau ist die sogenannte Autophagie und das damit eng verknüpfte lysosomale System, deren Entdeckung 2016 mit dem Nobelpreis für Medizin gewürdigt wurde.

Etliche Studien deuten darauf hin, dass Autophagie und Lysosomen eine zentrale Rolle bei der Zellalterung sowie bei neurodegenerativen Erkrankungen spielen. Zudem gilt es als gesichert, dass Fasten bzw. Nahrungsentzug diesen zellulären Abbau- und Recyclingprozess anschmeißen kann. Ansonsten weiß man wenig darüber, wie Zellen und Organe die Qualität ihrer Eiweißmoleküle kontrollieren und welche Umwelteinflüsse das entscheidende Signal zum Aufräumen geben.

Wasserverlust induziert die Bildung von Lysosomen und Autophagie
Einen neuen Auslöser haben nun Wissenschaftler vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin identifiziert: Es ist osmotischer Stress, also jener Zustand, in dem Zellen Wasser verlieren, der das System der Autophagie und des lysosomalen Abbaus hochfährt. Die Arbeit wurde soeben im renommierten Fachjournal „Nature Cell Biology“ publiziert.

„Wenn es zu Wasserentzug kommt, sehen wir auf einmal mehr Lysosomen in den Zellen, also mehr von den Organellen, in denen der Abbau von verklumpten Eiweißmolekülen passiert“, erklärt Co-Letztautorin PD Dr. Tanja Maritzen. „Das ist eine schlaue Anpassung, da der zelluläre Wasserverlust gleichzeitig die Verklumpung von Eiweißen begünstigt. Diese Verklumpungen müssen rasch abgebaut werden, um die Zellen funktionsfähig zu halten, und das geht besser, wenn die Zellen mehr Lysosomen haben.“

Ionentransporter NHE7 schaltet neu entdeckten Weg an
Was auf molekularer Ebene in den dehydrierten Zellen passiert, konnten die Forscher an Astrozyten beobachten, sternförmigen Gehirnzellen, die unsere Nervenzellen in ihrer Arbeit unterstützen: Bei Wasserentzug wandert der Ionentransporter NHE7 vom Zellinneren, wo er normalerweise sitzt, nach draußen an die Plasmamembran. Dadurch strömen Natriumionen in die Zelle ein, was indirekt die Konzentration des wichtigen Botenstoffs Kalzium im Zytosol erhöht. Die erhöhte Kalziumkonzentration aktiviert wiederum einen Transkriptionsfaktor namens TFEB und der schaltet schließlich Autophagie und lysosomale Gene an. Das System wird also initial von dem Ionentransporter NHE7 hochgefahren – ausgelöst durch osmotischen Stress.

„Diesen Weg kannte man überhaupt nicht“, sagt Arbeitsgruppenleiter und Letztautor der Studie Prof. Dr. Volker Haucke. „Das ist ein neuer Mechanismus, der auf eine ganz andere Art von physiologischer Herausforderung anspringt, als bislang bekannt.“

Verklumpte Eiweiße in Gehirnzellen gefunden
Wie bedeutsam dieser Weg für die menschliche Gesundheit ist, zeigten Gegenexperimente: Nahmen die Forscher eine Komponente des Signalwegs weg, zum Beispiel den Transporter NHE7 oder den Transkriptionsfaktor TFEB, dann sammelten sich unter osmotischen Stressbedingungen verklumpte Eiweißmoleküle in den Astrozyten an; sie konnten nicht abgebaut werden. In der Arbeit wurde das unter anderem für Synuklein gezeigt, ein Eiweiß, das in die Parkinsonsche Krankheit involviert ist.

„Gerade neurodegenerative Erkrankungen sind eine mögliche Folge, wenn dieser Weg nicht korrekt eingeschaltet wird“, sagt Tania López-Hernández, Post-Doc in Prof. Hauckes und Dr. Maritzens Arbeitsgruppen und Erstautorin der Arbeit. „Hinzukommt, dass NHE7 ein sogenanntes Alzheimer Risiko-Gen ist. Jetzt haben wir neue Erkenntnisse, warum dieses Gen so kritisch sein könnte.“

Interessant ist auch, dass eine auf dem X-Chromosom vererbte geistige Behinderung bei Jungen auf eine Mutation im NHE7-Gen zurückgeht. Die Forscher vermuten, dass der Krankheitsmechanismus mit dem nun beschriebenen Abbau-Mechanismus zusammenhängt. Wäre lediglich der Schalter, das heißt das NHE7-Eiweiß defekt, könnte man versuchen, den Weg auf andere Weise anzuschalten. „Einen Gendefekt zu reparieren ist praktisch sehr schwierig und extrem teuer, aber man könnte sich vorstellen, das NHE7-Eiweiß pharmakologisch zu beeinflussen oder andere Stimuli wie etwa den Nahrungszusatz Spermidin zu benutzen, um das Autophagie-System bei diesen Patienten anzuschalten“, sagt Zellbiologe und Neurocure-Forscher Volker Haucke.

Grundlagenforschung medizinisch relevant
Doch um solche Eingriffe vornehmen zu können, müssen die Grundlagen noch besser erforscht werden. Zum Beispiel ist noch unklar, wie osmotischer Stress die Wanderung von NHE7 an die Zelloberfläche bewirkt. Auch ist nicht bekannt, ob gleich das ganze Abbau-System hochgefahren wird oder nur einzelne Gene angeschaltet werden oder welche spezifischen Antworten es auf den osmotischen Stress braucht, damit das lysosomale System aktiviert wird. Ebenso unklar ist, mit welchen weiteren Stimuli dieser physiologische Vorgang angestoßen werden kann. Alle diese Fragen wollen die Grundlagenforscher nun in Folgeprojekten beantworten.

„Wir haben aus unserer Arbeit gelernt, wie fundamental sich unser Wasser- und Ionen-Haushalt auf die Fähigkeit unserer Zellen und Gewebe auswirkt, defekte Eiweißmoleküle abzubauen“, sagt Volker Haucke. „Nun wollen wir diesen Mechanismus noch besser verstehen – auch weil er von großer Bedeutung für das Altern, die Neurodegeneration und die Prävention von etlichen Krankheiten ist.“

Text: Beatrice Hamberger

Quelle:
Lopez-Hernandez, T., Puchkov, D., Krause, E., Maritzen, T., Haucke, V. Endocytic regulation of cellular ion homeostasis controls lysosome biogenesis. In: Nature Cell Biology July 2020 issue. DOI10.1038/s41556-020-0535-7

Das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB), einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. In ihnen arbeiten mehr als 1.900 Mitarbeiter. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft. Entstanden ist der Forschungsverbund 1992 in einer einzigartigen historischen Situation aus der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR.

https://www.leibniz-fmp.de/de/press-media/press-releases/press-releases-single-view1/article/osmotic-stress-identified-as-stimulator-of-cellular-waste-disposal

www.leibniz-fmp.de

forschen / 29.06.2020
„Wir haben alle das gleiche Ziel”

Prof. Markus Landthaler (Foto: David Ausserhofer / MDC)
Prof. Markus Landthaler (Foto: David Ausserhofer / MDC)

Angesichts der Pandemie bündelt das Max-Delbrück-Centrum Ressourcen für Projekte zu SARS-CoV-2. Ein Interview mit Professor Markus Landthaler, der die Task-Force koordiniert.

Am MDC entstand im März eine SARS-Task-Force. Worum geht es dabei?

In einer Krise wie der derzeitigen Pandemie kann Berlin auf vielfältige Expertise in Grundlagenforschung, Klinik und Epidemiologie, auf hochspezialisierte Technologien und Infrastrukturen zurückgreifen. Diese Forscherinnen und Forscher vernetzen sich gerade hier in Berlin, aber auch national und international, um die Ressourcen für die SARS-CoV-2 Forschung zu bündeln. Auch bei uns am MDC. Wir wollen mithelfen, das neuartige Coronavirus und die Erkrankung COVID-19 besser zu verstehen. Das war ganz schnell klar. Deshalb haben sich etliche MDC-Arbeitsgruppen und Technologieplattformen im März 2020 zu einer Task-Force zusammengeschlossen. Es kommen ständig weitere dazu.

Können Sie Beispiele für diese Vernetzung geben?

Wir arbeiten eng mit Gruppen an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, dem Berlin Institute of Health, der Freien Universität zu Berlin und dem Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie und anderen Partnern in Berlin und darüber hinaus zusammen. Ein weiteres Stichwort ist sicher das LifeTime-Konsortium, das eine Vernetzung auf europäischer Ebene ermöglicht. Auch mit Zentren in Ländern, die besonders hart von der Pandemie betroffen waren oder noch sind. Es entstehen gerade sehr vielfältige Kooperationen. Gleichzeitig ist es eine Herausforderung, dass sich die Initiativen möglichst gegenseitig ergänzen sollten.

Das MDC ist nicht auf Virologie spezialisiert.

Nein, wir sind kein Forschungsinstitut für Infektionskrankheiten. Dadurch sind einige Möglichkeiten für uns nicht gegeben. Wir können z. B. nicht direkt mit infektiösen SARS-CoV-2 Viren arbeiten, weil uns die entsprechenden Labore der Sicherheitsstufe 3 fehlen. Auch deshalb sind die Kooperationen wichtig – etwa mit der Charité und dem Robert Koch-Institut. Am MDC können wir ausschließlich mit inaktivierten Viren oder an viralen Proteinen arbeiten. Aber wir können mit unseren Technologien Unterstützung anbieten. Es wird immer deutlicher, dass dieses Coronavirus Auswirkungen auf ganz unterschiedliche Organsysteme hat. Allen voran auf das Herz-Kreislauf-System, aber auch auf die Nieren, das Gehirn und so weiter. Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sind besonders von den schweren Verläufen betroffen. Da können und sollten wir unsere Expertise einbringen.

Arbeiten Forschende am MDC schon länger mit Coronaviren?

Meine eigene Arbeitsgruppe hat im letzten Jahr anhand von Herpesviren gezeigt, wie man die Einzelzellsequenzierung für das Verständnis viraler Infektionen nutzen kann. Daraus hatte sich eine Kooperation mit der Charité ergeben – wir hatten tatsächlich bereits vor der Pandemie ein gemeinsames Projekt zu verschiedenen Coronaviren geplant. Das haben wir jetzt angepasst und vergleichen nun, wie sich die Infektion mit dem alten und dem neuen SARS-Virus auf Lungenzellen auswirkt.

Das klingt spannend.

Es ist erst einmal Grundlagenforschung. Mit der Einzelzellsequenzierung können wir sehen, was das Virus in individuellen Zellen macht, welche Signalwege es anschaltet, welche Wirtsproteine plötzlich vermehrt produziert werden. Und das bei tausenden Zellen gleichzeitig. Wir erhalten also aus einer einzigen Probe Millionen Datenpunkte über die molekularen Konsequenzen der Infektion. Diese analysieren anschließend unsere Bioinformatiker. So können wir sehen, wie sich das alte vom neuen SARS-Virus unterscheidet. Es ergeben sich Ansatzpunkte für weitere Forschung – z. B. welche Signalwege man blockieren sollte, um eine Vermehrung des Virus in der Zelle zu behindern.

Woran arbeiten andere Arbeitsgruppen am MDC ganz konkret?

Es geht um sehr grundlegende Fragen – etwa, wie das Virus in die Zelle eindringt oder wie die zelluläre Immunantwort aussieht. Die Arbeitsgruppe von Kathrin de la Rosa z. B. will herausfinden, welche Antikörper nachweisbar sein müssen, damit ein Patient oder eine Patientin wirklich als immun gelten kann. Das ist auch für die Impfstoffentwicklung wichtig. Ihr Team arbeitet außerdem an Lösungsansätzen, um die serologische Diagnostik zu unterstützen. Norbert Hübner, Holger Gerhardt und andere untersuchen, wie sich die Infektion auf das Herz und die Gefäße auswirkt. Lungen- und Hirn-Organoide sollen die Folgen für diese Organe zeigen. An solchen dreidimensionalen Zellkulturmodellen können wir den Infektionsverlauf zeitlich und räumlich beobachten. Das Team von Nikolaus Rajewsky testet neue Methoden, um die Genexpression im dreidimensionalen Gewebe zu untersuchen. Und Zsuzsanna Izsvak will wissen, inwiefern Präeklampsie-Patientinnen ein besonderes hohes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 haben. Das sind alles nur Beispiele. Das Virus ist ja noch relativ neu. Grundlagenforschung ist neben den klinischen Beobachtungen wichtig, um mehr über SARS-CoV-2 herauszufinden. So können wir Ansatzpunkte für Diagnostik, Therapie und die Impfstoffentwicklung ausfindig machen.

Wie viele Arbeitsgruppen sind Teil der SARSTask-Force?

Angefangen haben wir mit acht Arbeitsgruppen und sechs Technologieplattformen. Unsere Schwerpunkte am MDC sind normalerweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen des Nervensystems oder Krebs. Nun widmen wir uns gemeinsam mit Forschenden aus der Biochemie, Molekular- und Zellbiologie, Genetik und Bioinformatik neuen Fragestellungen zu SARS-CoV-2. Es hat mich überrascht, dass sich so viele Labore einbringen wollen – und von Tag zu Tag werden es mehr. Das liegt sicherlich daran, dass die aktuelle Situation jeden von uns direkt betrifft, sowohl persönlich als auch beruflich. Wir wollen unseren Teil beitragen, um die Probleme zu lösen.

Wie arbeiten Wissenschaftler*innen in diesen Zeiten zusammen?

Am MDC sind wir alle gut miteinander vernetzt. Jeder weiß, was die anderen Arbeitsgruppen gerade tun. Im Moment müssen wir zusätzlich auf die Gesundheit aller achten, deswegen arbeiten viele von zu Hause aus, fassen Ergebnisse für Publikationen zusammen oder schreiben Anträge. Wir arbeiten in Schichten, um die Abstände im Labor sicher zu stellen. Ermutigend ist, dass weltweit trotzdem ein reger Austausch herrscht. Wissenschaftliche Daten stellen viele sofort zur Verfügung – etwa als Preprints. Das ist ein großer Vorteil, denn so bekommen wir einen Überblick, woran andere Gruppen zur Zeit arbeiten. Viele Diskussionen laufen über Twitter. Reagenzien, Protokolle oder Zelllininen werden getauscht. Instituts- oder Ländergrenzen spielen keine Rolle. Wir haben alle das gleiche Ziel.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Diese Krise zeigt, dass wir auf solche Ausbrüche noch nicht genug vorbereitet sind. Auch in Hinblick auf Pandemien in der Zukunft wäre es wichtig, schon jetzt möglichst viele Informationen über Viren zu sammeln, die potenziell für den Menschen gefährlich sein könnten. Je mehr wir über Struktur und Beschaffenheit eines Virus wissen, desto schneller und besser können wir reagieren, wenn sich ein Virus verbreitet.

Interview: Christina Anders und Jana Schlütter / MDC

Das Interview erschien zuerst im Standort-Journal buchinside.

www.mdc-berlin.de

forschen / 26.06.2020
Was ApoE4 fürs Gehirn gefährlich macht

Einige Alzheimer-Forscher*innen gehen davon aus, dass die in Fischölkapseln enthaltenen ungesättigten Fettsäuren das Gehirn vor neurodegenerativen Prozessen schützen. (Bild: Ewa Urban auf Pixabay)
Einige Alzheimer-Forscher*innen gehen davon aus, dass die in Fischölkapseln enthaltenen ungesättigten Fettsäuren das Gehirn vor neurodegenerativen Prozessen schützen. (Bild: Ewa Urban auf Pixabay)

Apolipoprotein E4 gilt als wichtigster genetischer Risikofaktor für eine Alzheimer-Erkrankung. Warum ApoE4 das Gehirn schädigt, hat nun eine Arbeitsgruppe um den MDC-Wissenschaftler Thomas Willnow herausgefunden.

Apolipoprotein E (ApoE) ist so etwas wie ein Lieferservice für das menschliche Gehirn. Es versorgt die Nervenzellen mit wichtigen Nährstoffen, unter anderem mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren – Bestandteile der Membranen, die die Nervenzellen umhüllen. Außerdem werden bestimmte ungesättigte Fettsäuren in Endocannabinoide umgewandelt. Das sind körpereigene Botenstoffe, die zahlreiche Funktionen des zentralen Nervensystems regulieren, etwa das Gedächtnis oder die Steuerung der Immunantwort, und sie schützen das Gehirn vor Entzündungen.
Die ApoE-Ladung gelangt über Sortilin, einen Membran-Rezeptor, in die Nervenzellen: Sortilin bindet ApoE und transportiert es über eine Einstülpung der Zellmembran in das Innere der Nervenzelle. Dieser Vorgang heißt Endozytose. ApoE im Zusammenspiel mit Sortilin hat einen ganz wesentlichen Einfluss auf unsere Hirngesundheit: Gelangen nicht genug mehrfach ungesättigte Fettsäuren in die grauen Zellen, verkümmern diese und sind anfällig für Entzündungsreaktionen.

Doch ApoE ist nicht gleich ApoE. Beim Menschen existiert es in drei Genvarianten: ApoE2, ApoE3 und ApoE4. Hinsichtlich ihrer Aufgabe, Lipide zu transportieren, unterscheiden sie sich nicht. Auch die Fähigkeit, an Sortilin zu binden, ist allen drei Varianten gleich. Allerdings haben Menschen, die eine  E4-Form tragen, gegenüber denen mit der E3-Variante ein zwölfmal höheres Risiko, an Alzheimer zu erkranken. „Warum ApoE4 das Alzheimerrisiko so stark erhöht, ist eine der zentralen Fragen in der Alzheimerforschung“, sagt Professor Thomas Willnow, der am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) seit vielen Jahren die Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen untersucht. Etwa 15 Prozent der Menschen bilden ApoE4. Willnow ist auch an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Aarhus University affiliiert.

ApoE4 verhindert das Recycling von Sortilin
Eine Studie von Willnows Arbeitsgruppe liefert nun eine mögliche Erklärung, warum ApoE4 so gefährlich für das Gehirn ist. Erstautor der Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift Alzheimer’s & Dementia publiziert wurde, ist Dr. Antonino Asaro vom MDC. Bei der E3-Variante läuft die Endozytose reibungslos ab: Sortilin bindet mit Fettsäuren-beladenes ApoE3. Nachdem es seine Fracht im Inneren der Nervenzellen abgeliefert hat, kehrt freies Sortilin zurück zur Zelloberfläche, um neues ApoE zu binden. Dies wiederholt sich viele Male pro Stunde, und die Nervenzellen werden ausreichend mit essenziellen Fettsäuren versorgt.

Der Vorgang gerät ins Stocken, wenn ApoE4 beteiligt ist. Bindet Sortilin ApoE4 und transportiert es ins Zellinnere, verklumpt der Rezeptor darin. Er kann nicht zur Zelloberfläche zurückkehren, die Endozytose kommt zum Erliegen. Bei manchen Menschen ist dies der Auftakt zur allmählichen Schädigung des Gehirns. Es werden immer weniger Fettsäuren aufgenommen, die grauen Zellen können sich nicht schützen und entzünden sich. Dadurch werden sie während des Alterungsprozesses anfälliger für den Zelltod – sie sterben ab. Das Risiko einer Alzheimerdemenz steigt damit rapide.

„Wir haben ein maßgeschneidertes Mausmodell genutzt, um den menschlichen Lipidstoffwechsel abzubilden“, erklärt Willnow. Dafür hat sein Team Mäuse mit verschiedenen ApoE-Varianten des Menschen gezüchtet, sowohl mit ApoE3 als auch mit ApoE4. Dann untersuchten die Forscher*innen  die Lipidzusammensetzung der Maushirne per Massenspektrometrie, einem technischen Verfahren, mit dem Atome und Moleküle analysiert werden können. In den Hirnzellen der Mäuse mit ApoE3 lief ein gesunder Lipidstoffwechsel ab: Die Menge an ungesättigten Fettsäuren und Endocannabinoiden im Gehirn war ausreichend. Bei den E4-Mäusen hingegen kamen zu wenig Nährstoffe in den Hirnzellen an. Unter dem Mikroskop zeigte sich, dass die Membranbläschen, die normalerweise Sortilin aus dem Zellinneren zurück zur Zelloberfläche bringen, bei ApoE4 in der Nervenzelle feststeckten – ein Hinweis darauf, dass ApoE4 den Rezeptor verklumpt.

Neuer Ansatz für Alzheimer-Therapeutikum?
„Diese Erkenntnis liefert möglicherweise den Ansatz für eine neue Strategie in der Alzheimer-Therapie“, sagt Willnow. Menschen mit der E4-Variante könnten mit einem Mittel behandelt werden, das verhindert, dass das ApoE4 den Rezeptor verklumpt. In Nervenzellkulturen werden solche Wirkstoffe bereits erprobt.

In Kooperation mit Wissenschaftler*innen des Neuroforschungszentrums der Universität Aarhus in Dänemark wird die MDC-Gruppe um Willnow nun an einem solchen Therapeutikum arbeiten. Die Novo Nordisk Foundation stellt für diese Forschung sieben Millionen Euro zur Verfügung. „Wenn es gelingt, ein solches Medikament zu entwickeln, könnte ein Screening auf ApoE4 sinnvoll sein“, sagt der Zellbiologe. Dann könnten frühzeitig präventive Maßnahmen gegen den Abbau der grauen Zellen bei Menschen mit genetischem Risiko ergriffen werden. „Doch bis es so weit ist, möchte ich selbst lieber nicht wissen, welche ApoE-Variante ich habe.“

www.mdc-berlin.de

forschen, produzieren, heilen / 24.06.2020
CAMPUSbikes erfolgreich etabliert

Start des Projekts 2018 (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Start des Projekts 2018 (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Campus Berlin-Buch und Helios Klinikum kooperieren weiterhin mit nextbike

Umweltfreundlich und kostenlos auf dem Leihrad zwischen S-Bahnhof und Arbeitsort zu pendeln – die CAMPUSbikes machen es möglich. Die Beschäftigten des Campus Berlin-Buch und des Helios Klinikums Berlin-Buch können seit Juni 2018 insgesamt 50 Räder nutzen. Nach der ersten Erprobung wird das Projekt mit dem Leipziger Start-up nextbike nun für weitere zwei Jahre fortgesetzt. Die Zahl der Räder für den Campus Berlin-Buch steigt auf 40, und es entsteht dort eine dritte Station am Lindenberger Weg.

„Die CAMPUSbikes werden sehr gut genutzt und ergänzen die Verkehrsinfrastruktur ideal“, so Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der Campus Berlin-Buch GmbH (CBB). „Wir freuen uns, dass wir das gemeinsame Projekt fortsetzen können.“ Beteiligte des Campus sind das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft, das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie, die Charité – Universitätsmedizin Berlin und die CBB für die Unternehmen des BiotechPark Berlin-Buch.

Mit dem Ziel, Buch modellhaft als Green Health City zu entwickeln, soll die fahrradfreundliche Infrastruktur noch deutlich ausgebaut werden. So sind im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts für Buch Städtebaufördermittel für einen Fahrradhighway zwischen Bahnhof, Klinik- und Forschungscampus vorgesehen. „Künftig wäre eine Ausweitung der CAMPUSbike-Stationen im Ort wünschenswert. Wir werben dafür bei Wohnungsbaugesellschaften und anderen Bucher Akteuren, damit die Leihräder auch von den Anwohnern genutzt werden können. Auch eine Nutzung für Ausflüge ins Umland wäre eine wünschenswerte Perspektive“, erklärt Dr. Scheller.

Für seine umweltfreundliche Radkultur wurde der Campus mehrfach ausgezeichnet. „Beschäftigte, die mit dem eigenen Fahrrad zur Arbeit kommen, finden eine große Zahl von Abstellanlagen vor. Sie können abschließbare Unterstellmöglichkeiten mieten. Sogar Duschen stehen zur Verfügung“, so Dr. Scheller. Nicht zuletzt konnte die CBB eine Fahrradwerkstatt dafür gewinnen, sich auf dem Campus zu etablieren.

Um den Spaß am Fahrradfahren noch zu steigern und die Gesundheit der Beschäftigten zu fördern, nimmt der Campus 2020 bereits im fünften Jahr am Wettbewerb der Berliner Landesunternehmen „Wer radelt am meisten“ teil. 2016 und 2019 ging der Siegerpokal an den Campus.


Weitere Informationen zum Campus-Bike:
www.campus-berlin-buch.de/de/mobility.html

 

forschen / 24.06.2020
Virtuell netzwerken und dabei das Klima schonen

Dr. Verena Haage forschte in der MDC-Arbeitsgruppe von Professor Helmut Kettenmann an Mikrogliazellen. (Foto: Felix Petermann, MDC)
Dr. Verena Haage forschte in der MDC-Arbeitsgruppe von Professor Helmut Kettenmann an Mikrogliazellen. (Foto: Felix Petermann, MDC)

Mehr als 60 Prozent der Forscher*innen können sich vorstellen, seltener Konferenzen zu besuchen. Vor der Corona-Krise befragte Verena Haage vom MDC Forschende zum Reiseverhalten und ihrer Bereitschaft dieses zu ändern – der Umwelt zuliebe. Die Krise zeigt nun, wie die Zukunft der Konferenzen aussehen könnte.

Wissenschaftliches Arbeiten ohne Konferenzbesuche – das ist für die meisten Forscherinnen und Forscher nicht denkbar. Wie oft reisen sie zu diesem Zweck pro Jahr, wie bewegen sie sich dabei fort, was beabsichtigen sie mit ihren Konferenzbesuchen – und wären sie bereit, aus Nachhaltigkeitsgründen etwas an ihrem Verhalten zu ändern? Diese Fragen bewegen Dr. Verena Haage, Wissenschaftlerin ehemals tätig in der Arbeitsgruppe von Helmut Kettenmann am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). „Nachhaltigkeit interessiert mich“, sagt die Biologin, die zukünftig an der Charité – Universitätsmedizin Berlin arbeitet. „Und ich denke, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Pionier- und Vorreiterrolle innehaben und mit gutem Beispiel vorangehen sollten.“

Mehr als 60 Prozent finden alternative Konferenzformate interessant

Für ihre bei eLife publizierte Studie wertete Haage 227 Fragebögen aus. Im Schnitt nehmen die Forschenden an drei Konferenzen pro Jahr teil, wobei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Leitungsfunktion am häufigsten reisen und Nachwuchsforschende am seltensten. Die Wahl des jeweiligen Transportmittels ist dabei sehr unterschiedlich, je nachdem ob nationale oder internationale Tagungen besucht werden. Bei Veranstaltungen in Deutschland ist der Zug das Transportmittel Nr.1, es wurde von mehr als der Hälfte der Konferenzteilnehmenden benutzt, 13 Prozent der Befragten wählten das Flugzeug.

Bei internationalen Konferenzen wurden mehr als die Hälfte der Strecken per Flug zurückgelegt, mit dem Zug reisten 37 Prozent der Befragten, elf Prozent nahmen den Bus. Das Auto spielt bei nationalen wie internationalen Konferenzen kaum eine Rolle (unter acht bzw. vier Prozent). In der eigenen Stadt wird häufig das Fahrrad genutzt – eine*r von acht Befragten gab für nationale Konferenzen dieses besonders umweltschonende Verkehrsmittel an.

Überraschend für Haage: Mit mehr als 60 Prozent wären die meisten der Befragten bereit, die Anzahl an Konferenzreisen zu reduzieren, ungefähr genauso viele finden auch alternative Konferenzformate interessant. „Die Forschenden sind bereit dafür, es muss jedoch auch die entsprechenden Angebote geben“, sagt Haage. Das heißt zum Beispiel, es müsste möglich sein, Reisezeit als Arbeitszeit zu deklarieren. Das würde die Entscheidung erleichtern, auf den umweltschonenderen Zug umzusteigen, der länger unterwegs ist als ein Flugzeug. Institutionen könnten zudem für nationale Konferenzreisen Anfahrten per Zug oder Bus verpflichtend machen – wer fliegen will, müsste dann die Kosten selbst tragen. Auch die Konferenzformate ließen sich von vorneherein umweltschonender planen. „Institutionen könnten große Konferenzen im Hybrid-Format anbieten: Forschende treffen sich in lokalen Hubs, die zusätzlich virtuell zusammengeschaltet werden. Das ist nachhaltiger, weil kein weiter Anreiseweg zurückgelegt werden muss, man aber trotzdem im jeweiligen Hub persönlich netzwerken kann“, erläutert Haage. Solche Initiativen gibt es bislang nur selten, wie ihre Studie ergab.

Die Corona-Krise zeigt: Virtuelle Formate bieten viele Vorteile

Während der Corona-Krise hat sich die Welt der Konferenzen mit einem Schlag gewandelt: Headset statt Jetlag, Videoschalte statt Zugreise. „Ich bin begeistert und sehe diesen Wandel als einen der wenigen positiven Aspekte der Krise“, sagt Haage. Sie selbst hat bereits an einer virtuellen Konferenz teilgenommen und findet, dass dieses Format gut funktioniert. Am schwierigsten sei es, die Moderation und die Diskussion nach den Vorträgen gut hinzubekommen. „Ich sehe aber auch viele Vorteile gegenüber den gängigen Konferenzen“, betont die Forscherin. Positiv sei zum Beispiel, dass alle Vorträge aufgenommen werden, so dass man auch die Möglichkeit hat, sie sich später anzuschauen.

Spannend findet Haage außerdem, wie sich das Netzwerken verändert: „Ich glaube, dass nun die Hemmschwelle geringer ist, beispielsweise eine Koryphäe nach einem Vortrag anzuschreiben“. Der spontane Austausch ist allerdings nicht mehr möglich, man muss sich verabreden: zum Beispiel in einem Channel bei Slack, einem Instant-Messaging-Dienst. Dieses Kommunikationstool dient dazu, dass sich kleine Gruppen zu bestimmen Themen austauschen und dabei auch Links oder Texte teilen können. Haage hat über einen Slack-Kanal den Weg in eine wissenschaftliche Aktivist*innengruppe gefunden, die das Thema Nachhaltigkeit in der Wissenschaft weiter voranbringen will. „Auch so können Kollaborationen entstehen, wenn das Interesse an der gemeinsamen Arbeit da ist. Es geht auch ohne Kaffeepause“, bringt es die Forscherin auf den Punkt.

Gemeinsam mit Nature Index veröffentlicht sie nun einen Kommentar zu ihrer Studie, in dem sie zusammenfasst, was die Corona-Krise für die wissenschaftliche Konferenzkultur bedeuten könnte. „Ich würde mir wünschen, dass sie sich grundlegend und dauerhaft ändert“, sagt Haage. Dabei geht es ihr nicht darum, alle Tagungen abzuschaffen: „Wenn man beispielsweise bei einer jährlich stattfindenden Konferenz alle zwei Jahre ein virtuelles Format nutzt, wäre das nicht nur viel nachhaltiger und trotzdem effizient, sondern man spart auch eine Menge Kosten.“

Literaturangaben

Verena Haage (2020): “Research Culture: A survey of travel behaviour among scientists in Germany and the potential for change”, eLife, DOI: 10.7554/eLife.56765

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

forschen / 19.06.2020
Phantastische Muskelproteine und wo sie zu finden sind

Dem Sarkomer beim Kontrahieren zuschauen – Collage aus Myosin (grün), Aktin und die Z-Scheibe (rot) und BioID (blau). Foto: Jacobo Lopez Carballo, Gotthardt Lab, MDC
Dem Sarkomer beim Kontrahieren zuschauen – Collage aus Myosin (grün), Aktin und die Z-Scheibe (rot) und BioID (blau). Foto: Jacobo Lopez Carballo, Gotthardt Lab, MDC

Der Versuch, alle Proteine des Sarkomers, der kleinsten funktionellen Einheit von Muskelzellen, zu katalogisieren führte zu überraschenden Einsichten. Eine neue Studie in Nature Communications trägt dazu bei, die molekularen Grundlagen der Arbeit von Herz- und Skelettmuskeln besser zu verstehen.

Forscherinnen und Forscher am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) haben ein neuartiges Mausmodell entwickelt, das es ermöglicht in einen arbeitenden Muskel hineinzusehen: So identifizierten sie Proteine, die das Sarkomer benötigt, um sich zusammenzuziehen, zu entspannen, den Energiebedarf zu kommunizieren und sich an mechanische Belastung anzupassen. Sie kartierten die Proteine des Sarkomers, ausgehend von der „Z-Scheibe“, der Grenze zwischen benachbarten Sarkomeren. Das allein war bereits ein bedeutender Fortschritt in der Untersuchung der quergestreiften Muskulatur.

Dabei machten sie eine unerwartete Entdeckung: Myosin, eines der drei Hauptproteine, aus denen die quergestreiften Muskelfasern bestehen, scheint in die Z-Scheibe einzutreten. Bisherige Modelle für das Zusammenspiel zwischen Myosin, Aktin und dem elastischen Gerüstprotein Titin haben diese Möglichkeit bisher außer Acht gelassen. Erst vor Kurzem haben Forscher*innen aus Stuttgart und Jena vorgeschlagen, dass Myosinfilamente in die Z-Scheiben-Struktur eindringen könnten. Bislang wurde dafür jedoch noch kein experimenteller Nachweis erbracht.

„Selbst Myosinforscher werden von den Ergebnissen überrascht sein“, sagt Professor Michael Gotthardt, Leiter der Arbeitsgruppe „Neuromuskuläre und kardiovaskuläre Zellbiologie“ über die Studie, die nun in Nature Communications erschienen ist. „Damit können wir die Grundlagen der Muskelkontraktion auf molekularer Ebene besser verstehen.“

Wer ist beteiligt?
Zu Gotthardts Team gehören die Erstautorinnen Dr. Franziska Rudolph und Dr. Claudia Fink, sie wurden von weiteren Kolleginnen und Kollegen am MDC und an der Universität Göttingen unterstützt. Das ursprüngliche Ziel war nicht die Bestätigung der Theorie, sondern die Charakterisierung der Proteinzusammensetzung der Z-Scheibe. Hierzu entwickelten sie ein Mausmodell mit einem künstlichen Enzym namens BioID, das sie in das Riesenprotein Titin einfügten. Anschließend markierte Titin-BioID Proteine in der Nähe der Z-Scheibe.

Sarkomere sind winzige molekulare Maschinen voller Proteine, die eng zusammenarbeiten. Bisher war es unmöglich, die spezifischen Proteine anzureichern, die sich in den einzelnen Teilregionen befinden, insbesondere im aktiven Muskel. „Mit Titin-BioID konnten wir unvoreingenommen die Proteinzusammensetzung spezifischer Regionen der Sarkomerstruktur untersuchen“, sagt Dr. Philipp Mertins, Leiter der MDC-Arbeitsgruppe Proteomik. „Das war bisher nicht möglich“.

Das Team hat BioID erstmals bei lebenden Tieren unter physiologischen Bedingungen eingesetzt und so 450 Proteine identifiziert, die mit dem Sarkomer in Verbindung stehen. Rund die Hälfte dieser Eiweiße war bereits bekannt. Hinsichtlich der Sarkomerstruktur, Signalübertragung und Stoffwechsel entdeckte das Team auffällige Unterschiede zwischen Herz- und Skelettmuskulatur – und zwischen erwachsenen und neugeborenen Mäusen. Letzteres deutet darauf hin, dass bei adultem Gewebe Leistung und Energieerzeugung optimiert werden, während der Schwerpunkt bei Neugeborenen auf Wachstum und Umbau liegt. „Wir wollten wissen, wer mitspielt“, sagt Gotthardt. „Mit den meisten beteiligten Proteinen haben wir gerechnet, das bestätigt unseren Ansatz.“

Die Überraschung
Das Protein, das sie in der Z-Scheibe nicht erwartet hatten, war Myosin, welches an der gegenüberliegenden Seite des Sarkomers sitzt. Wenn ein Muskel sich bewegt, schiebt sich Myosin an Aktin vorbei und bringt benachbarte Z-Scheiben näher zusammen. Das Gleiten der Aktin- und Myosinfilamente erzeugt die Kraft, die für die Pumpfunktion des Herzens, eine aufrechte Körperhaltung oder das Heben von Gegenständen wichtig ist.

Diese sogenannte „Gleitfilamenttheorie“ beschreibt die Krafterzeugung im Sarkomer und veranschaulicht das Zusammenspiel zwischen Kraft und Sarkomerlänge. Gängige Modelle haben jedoch Probleme das Verhalten von vollständig kontrahierten Sarkomeren vorherzusagen. Bei diesen Modellen wurde angenommen, dass Myosin maximal bis an die Z-Scheibe reicht, während es sich an Aktin entlangschiebt. Es gab zwar Hinweise dafür, dass Myosin sich weiter bewegt. „Aber wir wussten nicht, ob wir in unseren gefärbten Gewebeproben ein Abbild der Wirklichkeit sehen oder einen Artefakt“, sagt Gotthardt. „Mit BioID sitzen wir quasi an der Z-Scheibe und beobachten die vorbeiziehenden Myosin-Filamente.“

Gotthardt unterstützt die Theorie, dass die Kontraktion durch das Eindringen des Myosins in die Z-Scheibe gebremst oder abgeschwächt wird. Damit könnten die anhaltenden Diskussionen um die Berechnung der Kraftentwicklung in Abhängigkeit von der Sarkomerlänge beendet werden. Vielleicht hat das Team die Grundlage gefunden, um ein präziseres Modell des Sarkomers zu entwickeln oder für weitere Überlegungen, wie der Muskel vor einer zu starken Kontraktion geschützt werden kann.

Wichtige Grundlage für künftige Therapien
Mit einem verbesserten Verständnis der molekularen und mechanischen Grundlagen der Muskelkontraktion lassen sich Rückschlüsse auf Krankheitsmechanismen ziehen, wie bei Muskelschäden, Muskelerkrankungen oder altersbedingtem Muskelschwund. Sobald bekannt ist, welche Proteine Probleme verursachen können, bieten sich neue Ziele für die Behandlung von Muskel- oder Herzerkrankungen.

Als nächstes planen Gotthardt und sein Team, BioID bei der Untersuchung von Tieren mit Muskelschwund einzusetzen. Sie wollen dann Proteine identifizieren, die daran beteiligt sind Muskelzellen zu schwächen und sich für neue therapeutische Ansätze eignen. „Vielleicht finden wir Proteine, die im gesunden Muskel nicht zum Sarkomer gehören. Die wären dann ein Teil des Problems“, erklärt Gotthardt. „Mit BioID können wir sie identifizieren und der Therapieentwicklung zugänglich machen.“

Laura Petersen

Literatur

Franziska Rudolph et al. (2020): „Deconstructing sarcomeric structure–function relations in titin-BioID knock-in mice“, Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-020-16929-8

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

www.mdc-berlin.de

forschen, investieren, produzieren, heilen / 19.06.2020
Campus Berlin-Buch erhält den Engagementpreis „Fahrrad Berlin“ 2020

Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken
Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken

Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hat 2020 erneut gemeinsam mit dem FahrRat drei vorbildliche Projekte für die Radmetropole Berlin ausgezeichnet

Mit dem Preis „Fahrrad Berlin“ würdigt das Land Berlin in diesem Jahr insbesondere das Engagement von Personen, Unternehmen und Initiativen, die sich wesentlich um die Umsetzung von Radverkehrsmaßnahmen bemühen. Ziel ist es, das vielfältige Engagement der Berliner Fahrrad-Community und die Arbeit der Bezirke sichtbarer zu machen.

Ingmar Streese, Staatssekretär für Verkehr, verlieh am 15. Juni 2020 den Engagementpreis „Fahrrad Berlin“ an die Leibniz Schule in Kreuzberg und das Straßen- und Grünflächenamt Friedrichshain-Kreuzberg für die gelungene gemeinsame Planung von Radabstellanlagen, an die Kinderneurologie-Hilfe Berlin/Brandenburg für ihre Initiative „Mit Helm – aber sicher!“ und an die Campus Berlin-Buch GmbH für das Projekt „CampusBIKE“.

Staatssekretär Ingmar Streese erklärte: „Gemeinsam mit dem Engagement der Stadtgesellschaft bringen wir die Mobilitätswende auf die Straße und beweisen, dass wir auf diese Weise viel mehr in Bewegung setzen können. Mit dem diesjährigen Engagementpreis zeichnen wir Projekte aus, die mit ihren Visionen und Ideen den Radverkehr in Berlin voranbringen. Diese Initiativen und Leuchtturmprojekte setzen neue Impulse und inspirieren andere.“

Die Campus Berlin-Buch GmbH (CBB) hat ein betriebliches Mobilitätskonzept mit Fokus auf das Fahrrad umgesetzt. Das „CampusBIKE“ bietet Beschäftigten des Forschungs- und Biotech-Campus und des Helios Klinikums in Berlin-Buch die Möglichkeit, per App ein CampusBIKE zu mieten und innerhalb von 30 Minuten kostenlos zwischen S-Bahnhof und Arbeitsstätte zu pendeln. Das Projekt wurde in Kooperation mit nextbike realisiert. Im Vorfeld wurde unter anderem ein Community-Mapping mit dem Bezirksamt Pankow durchgeführt, das die Arbeitswege und die genutzten Verkehrsmittel erfasste. Für ihre gelungenen Maßnahmen wurden die CBB bereits vom ADFC mit dem EU-Zertifikat „Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ in Silber ausgezeichnet. „Uns ist wichtig, die umweltfreundliche und gesunde Mobilität der Beschäftigten zu fördern. Smarte Lösungen wie das CampusBIKE passen sehr gut zum Zukunftsort Buch, an dem sich etablierte Unternehmen, Start-ups, Ärzte- und Forscherteams für die Gesundheit engagieren“, so Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der CBB.

Aufgrund der aktuellen Pandemielage fand die Preisverleihung digital statt und wurde live aus dem VELOWeek Studio ins Internet übertragen. Die Preisträger erhielten im Anschluss ihre Urkunden.

Projekt der Leibniz Schule in Kreuzberg und Straßen- und Grünflächenamt Friedrichshain-Kreuzberg

Die Leibniz Schule in der Schleiermacherstraße in Kreuzberg und das Straßen- und Grünflächenamt Friedrichshain-Kreuzberg erhalten die Auszeichnung für einen beispielhaften interaktiven und integrierenden Planungsprozess bei der Umsetzung von neuen Fahrradabstellanlagen. Die Schüler*innen wurden von Beginn an in den Prozess miteingebunden, und die gute Zusammenarbeit von Schule und Bezirk beschleunigte die Umsetzung der Verkehrsberuhigungsmaßnahmen und Fahrradabstellanlagen.

Initiative „Mit Helm – aber sicher!“der Kinderneurologie-Hilfe Berlin/Brandenburg

Die Kinderneurologie-Hilfe Berlin/Brandenburg für ihre Initiative „Mit Helm – aber sicher!“ erhält die Auszeichnung für ihre kommunikative und praktische Präventionsarbeit in der Verkehrssicherheit mit Jugendlichen. In einem für Jugendliche angepassten Workshop-Konzept fördert die Initiative eine fächerübergreifende Auseinandersetzung und Sensibilisierung für das Thema Verkehrssicherheit. Das Projekt ist ein Beispiel für die Zusammenarbeit diverser schulischer und außerschulischer Akteure im Land Berlin.

Über den Preis „Fahrrad Berlin“

Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz zeichnet gemeinsam mit dem FahrRat seit 2009 Projekte und Initiativen aus, die sich um die Radmetropole Berlin verdient gemacht haben. Ziel des Preises ist es, das vielfältige Engagement der Berliner Fahrrad-Community ebenso wie die Arbeit der Bezirke sichtbarer zu machen. Die ausgezeichneten Projekte sollen als Beispiel und Vorbild gelten und zu weiteren Aktionen motivieren. Der Berliner Fahrradpreis, der bislang “FahrradStadtBerlin” hieß, wurde 2020 mit neuem Namen ausgerichtet und nun insgesamt zum elften Mal vergeben.

https://www.berlin.de/sen/uvk/verkehr/verkehrsplanung/radverkehr/radprojekte/engagementpreis-fahrrad-berlin/

 

www.campusberlinbuch.de

forschen / 18.06.2020
Jan Philipp Junker erhält Helmholtz-Förderung für KI

Junker mit Zebrafischen. (Bild: Pablo Castagnola/MDC)
Junker mit Zebrafischen. (Bild: Pablo Castagnola/MDC)

MDC-Forscher Jan Philipp Junker und seine Kollegin Maria Colomé-Tatché am Helmholtz Zentrum München haben eine Förderung in Höhe von 200.000 Euro erhalten, um die Verarbeitung großer Datenberge voranzubringen. Sie wollen besser verstehen, wie genetische Netzwerke im Laufe von Entwicklung und Erkrankung miteinander „verkabelt” sind.

Ein allgemeines Verständnis, wie aus Stammzellen spezialisierte Herz, Gehirn- oder Muskelzellen werden, haben Forscher*innen längst. Nun möchten sie es noch genauer wissen. Sie wollen die Anweisungen, die Zukunft und Funktion einer Zelle bestimmen, in jedem Teilschritt ergründen. Denn wer weiß, wie Gene während des normalen Zelldifferenzierungsprozesses nacheinander an- und abgeschaltet werden – also den exakten Fluss des „Genregulationsnetzwerks“ kennt – der gewinnt gleichzeitig Einsichten, was beispielsweise bei Krebs oder Herzerkrankungen schiefläuft.

Die Forscher*innen am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und am Helmholtz Zentrum München werden mithilfe ihrer Helmholtz-Förderung für Künstliche Intelligenz versuchen, diese komplexen Netzwerke zu entschlüsseln. Dabei kombinieren sie hochspezialisierte Werkzeuge für Experimente, Sequenzierung und maschinelles Lernen. „Angesichts neuester technologischer Entwicklungen ist das bisher fast unerreichbar scheinende Ziel plötzlich greifbar nah“, sagt Dr. Jan Philipp Junker, der die Arbeitsgruppe Quantitative Entwicklungsbiologie am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie des MDC leitet.

Anspruchsvolle Zusammenarbeit
Die Helmholtz-Förderprogramm für Künstliche Intelligenz  (Helmholtz AI Grant program)  unterstützt risikoreiche und zugleich höchst lohnende Forschung für den relativ kurzen Zeitraum von drei Jahren. Es ermutigt Forschende, neue Ideen auszuprobieren und, falls notwendig, „schnell zu scheitern“, um mit ihren Innovationen voranzukommen. „Das bedeutet nicht, dass es sich um vollkommen leichtsinnige Forschung handelt und wir bereit sind, das Geld zu verbrennen“, sagt Junker. „Es ist ein kalkuliertes Risiko.“

Die Förderung in Höhe von 200.000 Euro teilen sich Junker und seine Kollegin, Dr. Maria Colomé-Tatché, Arbeitsgruppenleiterin am Institute of Computational Biology am Helmholtz Zentrum München, zu gleichen Teilen, um eine*n Post-Doc und eine Doktorand*in zu finanzieren, die Experimente durchführen, computerbasierte Werkzeuge entwickeln und Daten analysieren. Beide Zentren steuern gleichzeitig jeweils die gleiche Summe bei.

Wirklich große Datenmengen
Dank der Einzelzell-Sequenzierung können Wissenschaftler*innen nun sehen, welche Gene während der Entwicklung von undifferenzierten Zellen zu spezifischen Zelltypen (etwa Muskel- oder Gehirnzellen) in einzelnen Zellen aktiv sind. Bisher haben computerbasierte Werkzeuge jedoch nicht erfolgreich zusammenfügen können, wie genau sich die Gene gegenseitig beeinflussen.

„Grundsätzlich können wir sehen, was geschieht – welche Gene eingeschaltet und welche ausgeschaltet werden, wenn eine Zelle sich ausdifferenziert. Aber zu verstehen, welches Gen welches einschaltet und wie die Aktivierungsnetzwerke in unterschiedlichen Zelltypen funktionieren, ist im Wesentlichen noch eine offene Frage“, erklärt Junker.

Die Beantwortung dieser Frage erfordert enorme Datenmengen – die Sequenzierung zehntausender aktiver Gene in zehntausenden einzelnen Zellen. Ein Datensatz umfasst wenigstens 20 000 Dimensionen. Hier können KI und maschinelles Lernen helfen, die gesamten Daten zu sichten und aussagekräftige Muster zu finden, die in diesem Fall die Genregulationsnetzwerke sind.

Dazu ist außerdem erforderlich, die zeitlichen Verläufe zahlreicher Datenströme so aufeinander abzustimmen, dass sie sinnvoll analysiert werden können und genaue Erkenntnisse liefern. Das Forschungsteam arbeitet daran, diese Abstimmung zu verbessern. Insbesondere haben sie dafür eine Methode namens SLAM-seq so verändert, dass frisch transkribierte RNA-Moleküle markiert. Diese deuten auf neu aktivierte Gene hin. Die Identifizierung alter RNA in einer Zelle im Gegensatz zu neuer RNA wird dabei helfen, die Reihenfolge von Gen-Aktivierungen zu klären. Die Kombination dieser Daten mit Daten zur Zugänglichkeit der DNA sollte helfen, die Netzwerk-Rekonstruktionen zu präzisieren.

Zukünftige Anwendungen
Zu Beginn wollen Junker und seine Kolleg*innen Gen-Netzwerke in der normalen embryonalen Entwicklung von Zebrafischen zu rekonstruieren, einem Modelorganismus für Wirbeltieren inklusive der Menschen. Sobald sie die computergestützten Herangehensweisen überprüft haben, wollen sie sie nutzen, um die Entwicklung von Krankheiten beim Menschen zu untersuchen. Dies kann Türen zu neuen Therapien öffnen.

„Wenn uns in fernerer Zukunft das komplette Zelldifferenzierung-Netzwerk eines Organs vorliegt“, sagt Junker, „könnten wir am Reißbrett entscheiden, welchen Pfeil oder Knoten wir mit einer Therapie angreifen wollen.“

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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bilden / 16.06.2020
Ein Ferientag zum Thema BIENEN

Campusprojekt mit der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde: Wildblumenwiese, um Insekten noch mehr Nahrung zu bieten. (Foto: David Außerhofer)
Campusprojekt mit der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde: Wildblumenwiese, um Insekten noch mehr Nahrung zu bieten. (Foto: David Außerhofer)

Kaum wird es wärmer und die ersten Blüten lassen sich sehen, summt und brummt es in Gärten und Grünanlagen. Bienen fliegen in gewagten Flugmanövern von Blüte zu Blüte, sammeln Nektar und bestäuben dabei die Blüten. Tänzelnd zeigen sie anderen Bienen, wo die besten Futterstellen zu finden sind.

Das Gläserne Labor, die Stadtteilbibliothek Buch und Spielkultur Berlin-Buch e.V. laden Kinder zwischen sechs und zehn Jahren zu einem Ferientag rund um die Biene ein. Dabei gibt es viele spannende Dinge zu erfahren: Welche Obst- und Gemüsesorten gäbe es ohne die bestäubenden Insekten nicht? Wie leben Bienen? Wie sind die Augen von Bienen aufgebaut und wie sehen Bienen?

Wissen aus Büchern und Experimenten
Um ihr Wissen zu erweitern, stöbern die Kinder zunächst in der Bibliothek in bereitgestellten Medien. Dort stehen auch Experimente bereit: Wer schon immer mal wie eine Biene sehen wollte, darf durch ein Facettenauge gucken und Blüten auf dem UV-Lichttisch ansehen. Mit allen Sinnen geht es weiter beim Honigtest: Hier erfahren die Kinder, wie unterschiedlich Honige riechen, schmecken und aussehen können.

Lebensräume der Bienen kennenlernen
Die nächste Station ist der grüne Campus Berlin-Buch. Hier dürfen die Kinder den Alltag der Bienen am Bienenstock des Gläsernen Labors beobachten. Sie können das Innenleben des Stocks erforschen und sogar Honigproben entnehmen.

Zahlreiche Wildbienenarten leben nicht als Volk zusammen, sondern sind Einzelgänger und bevorzugen Nistplätze an verschiedensten Orten. Insektenhotels können den Wildbienen helfen, sich anzusiedeln. Doch dabei gilt es, geeignete Materialien zu verwenden und die Inneneinrichtung richtig anzulegen. Die Experten dafür finden sich auf dem Abenteuerspielplatz Moorwiese. An dieser letzten Station des Ferientages kann jedes Kind sein eigenes Insektenhotel bauen – und mit nach Hause nehmen.

Termine: 5. August 2020; 6. August 2020 & 7. August 2020, jeweils 9 bis 17 Uhr

Geeignet für Kinder von 6 bis 10

Dauer: Eintägig

Begrenzte Teilnehmerzahl. Anmeldung erforderlich.
Anmeldung und weitere Informationen:
Stadtteilbibliothek Buch bei Doreen Tiepke unter doreen.tiepke@ba-pankow.berlin.de unter Benennung des Wunschtermins

Anmeldefrist bis zum 20. Juli 2020

Veranstaltungsort: Der Kurs findet in Berlin-Buch in der Stadtteilbibliothek, im Gläsernen Labor auf dem Campus Berlin-Buch und auf der Moorwiese statt.

Kosten: keine

Die Ferientage zum Thema BIENEN werden von der HOWOGE gefördert.

www.glaesernes-labor.de

heilen / 16.06.2020
Der Azubi Live-Chat startet in eine neue Runde

In fünf Live-Chat-Folgen erfahren Interessierte was die Pflegeausbildung bei Helios ausmacht (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)
In fünf Live-Chat-Folgen erfahren Interessierte was die Pflegeausbildung bei Helios ausmacht (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)

In einer ersten digitalen Azubi-Klinikführung, inklusive Live-Chat, haben unsere neugestarteten Azubis und Interessierte Anfang Mai die Möglichkeit erhalten, ihre zukünftige Lehrstätte zu erkunden. Während der Liveschalte auf Facebook und Instagram konnten Fragen zum Thema „Pflegeausbildung im Helios Klinikum Berlin-Buch“ direkt an die Experten gestellt werden. Das Format kam so gut an, dass nun eine ganze Reihe produziert wird.

Nach dem Erfolg des ersten Azubi-Live-Chats setzen die beiden Berliner Helios Standorte Klinikum Berlin-Buch und Klinikum Emil von Behring in Berlin-Zehlendorf das Format nun gemeinsam um und starten gleich mit einer kleinen Reihe. Unter dem Motto „Live dabei – So läuft’s mit der Ausbildung …“ startet am  Donnerstag, 18. Juni um 12:00 auf Facebook, Instagram und TikTok Folge 1: „Live dabei – So läuft’s mit der Ausbildung an unserem Helios-Bildungszentrum“. Hier gibt Petra Müller, Leiterin des Helios Bildungszentrums, gemeinsam mit mehreren Auszubildenden der beiden Helios Kliniken Einblicke in die theoretische Ausbildung und die modernen Räumlichkeiten am Leipziger Platz.
Nah am Zuschauer können die Azubis auf die Fragen der Interessierten eingehen und persönliche Eindrücke und Erlebnisse aus ihrer praktischen Erfahrung weitergeben. Zudem werden einige Lehrer vorgestellt und berichten über die neue generalistische Ausbildung.
„Der erste Live-Chat mit den Azubis hat eine sehr positive Resonanz erhalten und es haben sich wiederholt engagierte Pflegekräfte gemeldet, mit der Bitte um weitere Folgen des Formats“, erklärt Anja Himmelsbach, Abteilungsleiterin Unternehmenskommunikation im Helios Klinikum Berlin-Buch. „Deswegen haben wir gemeinsam mit dem Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin-Zehlendorf und mit Petra Müller vom Bildungszentrum die digitale Live-Chat-Reihe zum Thema „Pflegeausbildung bei Helios in Berlin“ ins Leben gerufen.“

Von Azubi zu Azubi: Authentische Einblicke aus Sicht der angehenden Berufsanfänger*innen
Die beteiligten Azubis sind sich einig: „Wir wollen junge Menschen für unseren Beruf begeistern. Darum wollen wir Euch unseren Lernalltag zeigen und freuen uns auf Eure Fragen.“
Petra Müller ergänzt: „Mit dem digitalen Live-Chat wollen wir allen Interessierten einen Einblick in unser Bildungszentrum geben und bestmöglich über die theoretische Pflegeausbildung bei uns informieren. Ich freue mich auf einen regen Austausch beim Live-Chat.“
Insgesamt sind für die Azubi Live-Chat-Reihe fünf Folgen vorgesehen.

Fragen und Themenideen
Haben Sie bereits vorab Fragen oder spezielle Themen, die Sie persönlich interessieren? Dann schicken Sie uns gerne Ihre Vorschläge per private Nachricht über Facebook oder Instagram. Ansonsten haben Sie während der Live-Veranstaltung die Möglichkeit ihre Fragen zu stellen.

Alle Termine im Überblick

-Donnerstag, 18. Juni um 12:00 Uhr: „Live-dabei – So läuft‘s mit der Ausbildung an unserem Helios-Bildungszentrum“

-Donnerstag, 25. Juni um 16:00 Uhr: „Live-dabei – So läuft‘s mit der Ausbildung als Pflegefachkraft am Helios-Klinikum Berlin-Buch“

-Donnerstag, 02. Juli um 16.00 Uhr: „Live-dabei – So läuft‘s mit der Ausbildung am Helios-Klinikum Emil von Behring“

Weitere Termine folgen.

 

www.helios-gesundheit.de

heilen / 15.06.2020
Zwölf Ärzte des Helios Klinikums Berlin-Buch als Top-Mediziner ausgezeichnet

Insgesamt zwölf Ärzte des Helios Klinikums Berlin-Buch werden von FOCUS als Top-Mediziner 2020 gelistet. (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)
Insgesamt zwölf Ärzte des Helios Klinikums Berlin-Buch werden von FOCUS als Top-Mediziner 2020 gelistet. (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)

Zwölf Ärzte aus dem Helios Klinikum Berlin-Buch werden von der FOCUS-Ärzteliste 2020 als Top-Mediziner empfohlen: Sie gehören damit laut FOCUS zu den führenden Ärzten Deutschlands. Das FOCUS-Siegel ist nicht nur eine begehrte Auszeichnung für jeden Mediziner, sondern auch ein maßgebender Wegweiser für Patienten.

„Die vielen Auszeichnungen machen uns natürlich stolz. Wir wollen bei uns Spitzenmedizin anbieten und daher freuen wir uns, dass es bei Patienten und Experten auch so ankommt. Auch individuelle Auszeichnung sind immer das Ergebnis einer sehr guten Teamarbeit aller Mitarbeiter im Klinikum, daher freut uns das alle besonders“, betont Daniel Amrein, Geschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Kardiologie und Nephrologie im Helios Klinikum Berlin-Buch ergänzt: „Ich freue mich sehr über die Auszeichnungen meiner Kollegen. Sie zeigt, dass wir am Standort Berlin-Buch qualitativ hochwertige Medizin in der gesamten Breite eines Maximalversorgers anbieten.“

Folgende Spezialisten des Helios Klinikums Berlin-Buch haben die Auszeichnung "Top-Mediziner" des FOCUS erhalten:

Prof. Dr. Ralf Dechend

Bluthochdruck

Prof. Dr. Stefan Dresel

Nuklearmedizin

Dr. Andreas Gussmann

Gefäßchirurgie

Prof. Dr. Daniel Kendoff

Hüftchirurgie

Prof. Dr. Robert Krempien

Strahlentherapie

Prof. Dr. Volker Lange

Adipositas-Chirurgie

PD Dr. Peter Reichardt

Tumoren des Verdauungstrakts

PD Dr. Peter Reichardt

Knochenkrebs

Dr. Matthias Rogalski

Kinderorthopädie

Prof. Dr. Mark Schrader

Hodenkrebs

Prof. Dr. Martin Strik

Bauchchirurgie

PD Dr. Per-Ulf Tunn

Knochenkrebs

Prof. Dr. Michael Untch

Brustkrebs


Seit mehr als 25 Jahren veröffentlichen die Magazine FOCUS und FOCUS Gesundheit Ärztelisten, auf denen Deutschlands Top-Mediziner für verschiedene Fachbereiche mit dem FOCUS Siegel ausgezeichnet werden. Ermittelt werden die führenden Mediziner Deutschlands von Munich Inquire Media (MINQ), einem unabhängigen Rechercheinstitut. Auf die Liste schaffen es nur Experten mit besonders vielen Empfehlungen. Zu den Bewertungen kommt der FOCUS durch Interviews von Ärzten und Patientenverbänden. Außerdem fließen Fachveröffentlichungen, Referententätigkeiten oder Weiterbildungsbefugnisse, Online-Empfehlungen von Ärzten und Patientenverbänden, Qualitätsberichte von Krankenhäusern sowie Zertifikate, die Fachgesellschaften an Ärzte vergeben, in die Bewertung.

www.helios-gesundheit.de

forschen, investieren, produzieren / 11.06.2020
Bau des BerlinBioCube kann starten

Der BerlinBioCube wird auf fünf Geschossen eine Nutzfläche von 8.000 Quadratmetern bieten. (Abb.: doranth post architekten GmbH)
Der BerlinBioCube wird auf fünf Geschossen eine Nutzfläche von 8.000 Quadratmetern bieten. (Abb.: doranth post architekten GmbH)

Grünes Licht für neues Life-Science-Gründerzentrum auf dem Campus Berlin-Buch

Die Campus Berlin-Buch GmbH (CBB) hat vom Bezirk Pankow die Genehmigung für den Bau des neuen Gründerzentrums BerlinBioCube erhalten. Die CBB betreibt und entwickelt den Forschungs- und Biotech-Campus in Berlin-Buch, dessen Fokus auf Biomedizin liegt. Der BiotechPark Berlin-Buch gehört zu den führenden Technologiestandorten in Deutschland. Sein Spektrum umfasst Medizinische Biotechnologie, Medizintechnik und angrenzende Bereiche. Im BerlinBioCube können nun weitere Arbeitsplätze in innovativen Bereichen der Gesundheitswirtschaft entstehen.

„Wir verzeichnen seit längerem eine steigende Nachfrage, sowohl von Start-ups als auch von etablierten Unternehmen in der Gesundheitswirtschaft. Dem stand eine Auslastung unserer Labor- und Büroflächen von über 95 Prozent entgegen“, so Dr. Christina Quensel, Geschäftsführerin der CBB. „Bereits 2023 können junge Start-ups in den Neubau einziehen und von den sehr guten Bedingungen, die der Campus Berlin-Buch bietet, profitieren.“

Im September 2020 sollen die Tiefbauarbeiten für den BerlinBioCube starten. Das Gründerzentrum wird auf fünf Geschossen insgesamt 8.000 Quadratmeter Platz für moderne Labore, Büros, Gemeinschaftsflächen für tägliche Begegnung und Austausch sowie Konferenzräume bieten. Das Gebäude wurde vom Architekturbüro doranth post architekten, München, entworfen.

Der Neubau des BerlinBioCube ist mit einer Investition von 55 Millionen Euro verbunden, davon fließen etwa 40 Prozent in die technische Ausrüstung. Die Finanzierung wird durch Fördermittel aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) ermöglicht.

Weitere Informationen:  www.campusberlinbuch.de 

Ansprechpartner:
Campus Berlin-Buch GmbH
Geschäftsführerin
Dr. Christina Quensel
Telefon: 030 / 9489 2511
E-Mail: cquensel@campusberlinbuch.de
 

Der Campus Berlin-Buch ist ein moderner Wissenschafts-, Gesundheits- und Biotechnologiepark. Alleinstellungsmerkmale sind der klare inhaltliche Fokus auf Biomedizin und das enge räumliche und inhaltliche Zusammenwirken von Forschungsinstituten, Kliniken und Biotechnologie-Unternehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erforschung molekularer Ursachen von Krebs,- Herzkreislauf- und neurodegenerativen Erkrankungen, eine interdisziplinär angelegte Grundlagenforschung zur Entwicklung neuer Therapien und Diagnoseverfahren, eine patientenorientierte Forschung und die unternehmerische Umsetzung biomedizinischer Erkenntnisse.
Dank exzellenter Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen im BiotechPark hat der Campus ein herausragendes Innovations- und Wachstumspotenzial. Dazu gehören als Einrichtungen der Grundlagenforschung das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), das gemeinsam von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin betriebene und auf klinische Forschung spezialisierte Experimental and Clinical Research Center (ECRC) sowie das Berlin Institute of Health (BIH). Seit 1992 sind über 600 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln durch die EU, den Bund und das Land Berlin in den Campus Berlin-Buch investiert worden, um diese Synergien zu unterstützen.

Der BiotechPark Berlin-Buch gehört mit 61 Unternehmen, 800 Beschäftigten und rund 31.000 Quadratmetern Büro- und Laborfläche zu den führenden Technologieparks in Deutschland. Ausgründungen im Bereich der Life Sciences finden hier ideale Bedingungen, vom Technologietransfer bis hin zu branchenspezifischen Labor- und Büroflächen. Die Life Science Community vor Ort ermöglicht einen direkten Austausch und gemeinsame Projekte. Der BiotechPark trägt maßgeblich zur dynamischen Entwicklung der Biotechnologie-Region Berlin-Brandenburg bei und stärkt in besonderem Maße die industrielle Gesundheitswirtschaft.

Als Betreibergesellschaft des Campus ist die Campus Berlin-Buch (CBB) Partner für alle dort ansässigen Unternehmen und Einrichtungen. Biotechnologieunternehmen – von Start-ups bis zu ausgereiften Firmen – anzusiedeln, zu begleiten und in allen Belangen zu unterstützen, gehört zu ihren wesentlichen Aufgaben.
Hauptgesellschafter der CBB ist mit 50,1 % das Land Berlin. Weitere Gesellschafter sind das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (29,9 %) und der Forschungsverbund Berlin e.V. für das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (20 %).

www.campusberlinbuch.de

forschen / 11.06.2020
Erblicher Bluthochdruck durch überaktives Enzym

Verengte Mesenterialarterien bei Ratten mit mutiertem PDE3A-Gen (rechts) verursachen durch Erhöhung des Widerstandes den Blutdruck. (Foto: Dr. Q. Fatimunnisa, Bader Lab, MDC)
Verengte Mesenterialarterien bei Ratten mit mutiertem PDE3A-Gen (rechts) verursachen durch Erhöhung des Widerstandes den Blutdruck. (Foto: Dr. Q. Fatimunnisa, Bader Lab, MDC)

Nach mehr als 40 Jahren haben verschiedene Teams am MDC und ECRC nun den wissenschaftlichen Beweis mithilfe zweier Tiermodelle erbracht: Ein verändertes Gen für das Enzym PDE3A verursacht eine erbliche Form von Bluthochdruck. Das könnte die Therapie der Hypertonie grundlegend verändern.

Auffällig wurde die türkische Familie aus einem Dorf nahe dem Schwarzen Meer bereits Anfang der Siebzigerjahre. Ein Arzt stellte damals fest, dass bei manchen Mitgliedern der Großfamilie zwei Merkmale stets gemeinsam auftraten: verkürzte Finger und astronomisch erhöhte Brutdruckwerte, zuweilen mehr als doppelt so hoch wie bei gesunden Menschen. Die Betroffenen verstarben in der Regel an einem Schlaganfall, noch bevor sie ihren 50. Geburtstag gefeiert hatten.

Rund zwanzig Jahre später begann eine Gruppe um Professor Friedrich Luft und Dr. Sylvia Bähring am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), das mysteriöse Phänomen zu erforschen. Es war keine leichte Aufgabe. Erst im Mai 2015 konnten die Forscherinnen und Forscher schließlich im Fachblatt „Nature Genetics“ berichten, dass sie bei allen Patientinnen und Patienten, die an HTNB (Hypertonie mit Brachydaktylie, also Bluthochdruck und Kurzfingrigkeit) litten, auf ein verändertes Gen gestoßen waren. Die Erbkrankheit wird nach seinem türkischen Entdecker auch Bilginturan-Syndrom genannt.

Die Erbanlage kodiert für ein Enzym namens Phosphodiesterase 3A, kurz PDE3A, das sowohl den Blutdruck als indirekt auch das Knochenwachstum reguliert. Die Genmutation, die Luft und sein Team entdeckt hatten, führt dazu, dass das Enzym aktiver ist als gewöhnlich.

Der fehlende Beweis ist nun erbracht

Bisher stand allerdings der Beweis aus, dass die mutierte PDE3A wirklich die Ursache für das Bilginturan-Syndrom ist, das man inzwischen auch aus anderen Familien weltweit kennt. Diesen Nachweis hat nun eine internationale Gruppe aus 40 Forscherinnen und Forschern aus Berlin, Bochum, Limburg, Toronto (Kanada) und Auckland (Neuseeland) im Fachblatt „Circulation“ geliefert. An der Studie waren Arbeitsgruppen von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin beteiligt, darunter Teams um die Professoren Luft, Michael Bader, Maik Gollasch, Dominik Müller, Norbert Hübner, sowie Dr. Arndt Heuser und Dr. Sofia Forslund. Letztautor der Publikation ist Dr. Enno Klußmann, der Leiter der MDC-Arbeitsgruppe „Ankerproteine und Signaltransduktion“.

„Wir haben im Wesentlichen mit zwei Tiermodellen gearbeitet“, berichtet Dr. Lajos Markó, Erstautor neben Maria Ercu. Bei dem einen Modell handelte es sich um genmodifizierte Mäuse, bei denen das menschliche Enzym PDE3A in den Zellen der glatten Muskulatur, aus denen ein Teil der Gefäßwände bestehen, aufgrund der Genveränderung überaktiv war. „Diese Tiere wiesen im Vergleich zu Kontrolltieren einen extrem hohen Blutdruck auf“, sagt der Forscher.

Die genveränderten Ratten litten ebenfalls an der Erbkrankheit

Noch interessanter war für die Wissenschaftler*innen allerdings ein Rattenmodell, das die Arbeitsgruppe von Bader per CRISPR/Cas9-Technik generiert hatte. Das Team hatte mithilfe der Genschere in einer Region des PDE3A-Gens, die bei dem Syndrom mutiert ist, einem sogenannten Mutations-Hotspot, neun Basenpaare verändert. Das daraus hervorgehende Enzym unterschied sich damit in drei Aminosäuren von der gewöhnlichen Variante. „Und wie beim Menschen erhöhte diese winzige Veränderung die Aktivität des Enzyms“, sagt Ercu.

„Die Ratten glichen den menschlichen Patientinnen und Patienten in wirklich sehr erstaunlicher Weise“, ergänzt die Forscherin. „Sie litten nicht nur an hohem Blutdruck, auch die Zehen ihrer Vorderläufe waren deutlich verkürzt – ähnlich wie die Finger bei Menschen mit dem Syndrom.“ Und per Mikro-Computertomographie entdeckten die Forscherinnen und Forscher in den Hirngefäßen der Tiere eine auffällige Schleife, die auch Menschen mit dem Syndrom aufweisen. „Unser Rattenmodell liefert meines Erachtens den endgültigen Beweis dafür, dass das Syndrom durch die Mutation auf dem PDE3A-Gen verursacht wird“, sagt Klußmann.

Ziel ist es, die Volkskrankheit Bluthochdruck effektiver zu behandeln

Man könne nun sogar bereits einen ersten Vorschlag zur Behandlung dieser erblich bedingten Form des Bluthochdrucks machen, ergänzt der Forscher. „Es gibt eine Substanz namens Riociguat, die eigentlich für die Therapie des Lungenhochdrucks zugelassen ist“, sagt Klußmann. Von ihr wisse man, dass sie ein Enzym aktiviert, das einen Botenstoff herstellt, der eine überaktive PDE3A bremsen kann. „Bei Ratten, denen wir ein Derivat von Riociguat verabreicht hatten, sank der Blutdruck auf Normalniveau“, berichtet Klußmann. Zwar seien auch bereits andere PDE3A-Hemmer auf dem Markt, sagt der Forscher, doch aufgrund ihrer Nebenwirkungen seien diese für eine Langzeittherapie eher ungeeignet.

Näher erforschen möchte Klußmann nun noch Interaktionen, die die mutierte PDE3A mit anderen Eiweißmolekülen eingeht. Eine verstärkte Interaktion mit bestimmten Adapterproteinen führe vermutlich dazu, dass sich die Zellen der Gefäßwände stärker vermehren, wodurch sich die Gefäße verengen und der Blutdruck steigt, erläutert der Forscher.

Ein ganz großes Ziel hat Klußmann nämlich noch vor Augen: „Indem wir die Effekte der Interaktionen von PDE3A mit anderen Proteinen besser kennenlernen und verstehen, wie sie an der Regulation des Blutdrucks beteiligt sind, werden wir hoffentlich auch neue und effektivere Therapiemöglichkeiten für die Volkskrankheit Bluthochdruck finden.“

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

Quelle: https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/erblicher-bluthochdruck-durch-ueberaktives-enzym

 

www.mdc-berlin.de

forschen, produzieren, leben, heilen, bilden / 10.06.2020
Die neue Ausgabe des Standortjournals buchinside ist erschienen

Titelfoto: NIAID
Titelfoto: NIAID

Erfahren Sie im Titelthema, wie das Max-Delbrück-Centrum angesichts der Pandemie Ressourcen für Projekte zu SARS-CoV-2 bündelt.

Hier geht es zur neuen Ausgabe:
https://berlin-buch.com/de/buchinside

produzieren / 10.06.2020
Tumortherapie: Gezielter als je zuvor

v.l.: Dr. Christian Regenbrecht und Quirin Graf Adelmann v. A.
v.l.: Dr. Christian Regenbrecht und Quirin Graf Adelmann v. A.

ASC Oncology testet anhand individueller Tumor-Organoide bereits vor einer Therapie, welche Medikamente wirksam sind. Interview mit den Geschäftsführern Dr. Christian Regenbrecht und Quirin Graf Adelmann v. A.

Dr. Regenbrecht, nach CELLphenomics haben Sie auf dem Campus Buch ein weiteres Unternehmen gegründet: ASC Oncology. Welche Mission verfolgen Sie damit?

Dr. Regenbrecht: Wir haben im Rahmen von CELLphenomics sehr gute 3D-Zellkulturmodelle aus Tumorproben entwickelt, die der Pharmaindustrie geholfen haben, neue Krebsmedikamente auf den Markt zu bringen. Diese sogenannten Organoide erreichen eine bisher nicht erreichte Nähe zum Ursprungstumor und ermöglichen es, die Wirksamkeit von Krebsmedikamenten sehr differenziert vorherzusagen. Da die Vorhersage unserer Modelle so gut funktioniert, fühlten wir uns verpflichtet, diese Hilfe auch zurück zum Patienten zu bringen. Wir können für solide Tumore einen therapeutischen Effekt bestätigen, neue Behandlungsoptionen aufzeigen oder den Patienten zumindest unnötige Nebenwirkungen ersparen.
Graf Adelmann: ASC Oncology nutzt die gleiche Technologie wie CELLphenomics, aber ausschließlich im praktischen Kontext von Ärzten und Patienten. Letztendlich helfen wir Menschen, die für ihre jeweilige Lebenssituation bestmögliche Entscheidung treffen zu können. Möglich wurde dies durch jahrelange Forschungsarbeit und die Zusammenarbeit mit renommierten Uni-Kliniken.

Für welche Krebsarten ist dieser Test möglich?

Dr. Regenbrecht: Wir haben uns auf solide Tumore, also Karzinome oder Sarkome, spezialisiert. Im Moment bieten wir die prä-therapeutische Chemosensitivitätstestung für Patienten mit Dickdarmkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, bestimmte Arten von Lungenkrebs sowie triple-negativem Brustkrebs an. Meist sind es hochfortgeschrittene Tumore, die wir analysieren.

Ihre Methode nennen Sie „Reverse Clinical Engineering“. Wie funktioniert sie?

Dr. Regenbrecht: Aus frischem, chirurgisch gewonnenem Tumormaterial oder frischen Biopsien von Patienten züchten wir Abbilder des Tumors in Form winziger Organoide. Anhand dieser dreidimensionalen Minitumore können wir eine Aussage treffen, aus welchen verschiedenen Zelltypen der individuelle Tumor zusammengesetzt ist. Wir sind zum Beispiel darauf gestoßen, dass die Zellen innerhalb des gleichen Tumors unterschiedlich stark auf eine Chemotherapie reagieren, sodass nur ein Teil der Tumorzellen effektiv mit einer vertretbaren Dosierung eines Medikaments getötet werden kann. Das bedeutet in der Praxis, dass die Tumorbehandlung mit diesem Chemotherapeutikum zwar klinisch eine Reduktion des Tumorvolumens bewirkt, aber nur Teile der Tumor- oder Zellpopulation angegriffen werden und sich kein langfristiger Behandlungserfolg einstellt. Wir versuchen, den Gesamttumor anhand seiner verschiedenen Zelltypen modellmäßig abzubilden. Das tun wir, indem wir die Tumorgene sequenzieren, an den Organoiden Substanzen testen und zusammen mit unserem Berliner Partner NMI-TT ein sogenanntes Targeted Proteomics-Profil erstellen. Diese Targeted Proteomics zeigen uns dann wiederum ganz konkret auf funktioneller Ebene, warum ein bestimmtes Medikament wirken konnte und ein anderes nicht. Diese drei Informationen integrieren wir in einen Bericht und diskutieren unsere Ergebnisse mit den Onkologen und den behandelnden Ärzten in den Tumorkonferenzen, damit der Patient die bestmögliche Chemotherapie oder die bestmögliche substanzbasierte Therapie erhält.

Wenn zum Beispiel Darmkrebs Metastasen in der Lunge gebildet hat: Ist das dann noch derselbe Krebs, den ich so behandeln kann?

Dr. Regenbrecht: Die Frage lautet tatsächlich: Kann eine Krebszelle eine Metastase an jedem beliebigen Ort bilden oder unterscheidet sich die Metastase von der großen Menge der Tumorzellen im Primärtumor? Genau das ist es, was wir uns mit Reverse Clinical Engineering ansehen. Wir versuchen die Tumor-Evolution – also das Entstehen des Tumors im Körper – nachzuvollziehen und im Nachhinein das Mosaik zusammenzusetzen.

Welche Therapeutika können Sie testen?

Dr. Regenbrecht: Wir können alle Stoffklassen testen, von der klassischen Chemotherapie, die nur die Zellteilung verhindert, über Targeted Therapies (zielgerichtete Therapien, die in Tumor-Signalwege eingreifen) bis hin zu antiköperbasierten Therapien. Auch Immuntherapeutika können wir testen, indem wir Modelle entwickeln, die aus dem Tumorgewebe und Immunzellen des Patienten bestehen. Um der Heterogenität, die innerhalb eines Tumors herrscht, wirksam zu begegnen, testen wir auch verschiedene Substanzkombinationen. Ein ganz entscheidender Vorteil: Während der Arzt letztendlich nur einmal die Chance hat, den Patienten richtig zu behandeln, führen wir für jeden Patienten bis zu 384 Testungen parallel durch. So können wir uns im Prinzip auch Fehler leisten, ohne dem Patienten zu schaden – Fehler, die in der Praxis nicht vorkommen dürfen. Wir sind lediglich durch die Wachstumsgeschwindigkeit der Organoide und das Zeitfenster bis zum Behandlungsbeginn eingeschränkt.

Wie lange dauert es, bis die Testergebnisse vorliegen?

Dr. Regenbrecht: Erste Ergebnisse liegen nach etwa zwei Wochen vor. In der Regel benötigen wir zwischen vier und sechs Wochen für die Testung aller für den individuellen Tumor in Frage kommenden Therapieansätze. Das liegt zum einen an der Wachstumsgeschwindigkeit der Zellen im Labor, zum anderen daran, dass die Ergebnisse der Tumorsequenzierung in der Klinik einige Wochen brauchen, bis sie vorliegen. Wir konnten aber auch schon Ergebnisse innerhalb von neun Tagen liefern.

Wie treffsicher sind die Ergebnisse Ihrer Tests?

Dr. Regenbrecht: Modelle sind immer nur bis zu einer bestimmten Schärfe gut. Es gibt aber Studien mit unseren Protokollen, die bei über 100 Dickdarmpatienten gezeigt haben, dass der negative prädiktive Wert, also die Vorhersage der unwirksamen Therapien, bei bis zu 100 Prozent liegt. Der positive prädiktive Wert liegt derzeit schon bei bis zu 88 Prozent.

Können Sie die Daten von ASC auch für Ihre Forschung nutzen und umgekehrt?

Dr. Regenbrecht: Ja, das ist unser großer Vorteil. Dadurch können wir die klinischen Daten in unsere Forschungsarbeit integrieren. Aktuell haben wir bei CELLphenomics auf dieser Basis einen Biomarker identifiziert, der die Reaktion auf eine bestimmte Substanzklasse vorhersagt. Wir haben eine genetische Prädisposition, ein Mutationsmuster, gefunden. Wenn es vorliegt, kann eine bestimmte Wirkstoffklasse, die heute regelmäßig verschrieben wird, nicht wirken. Die Daten verdanken wir den 3D-Organoid-Studien, in denen wir umfangreiche Tests durchführen konnten. Ich darf aber im Moment weder den Substanznamen noch die Substanzklasse verraten, da die Patentanmeldung zur Zeit geprüft wird.

Gibt es konkurrierende Unternehmen?

Dr. Regenbrecht: Wir sind weltweit ganz vorne dabei. In Deutschland haben wir keine Konkurrenz. In den USA gibt es weniger als fünf Unternehmen, die technologisch ähnlich weit sind wie wir. Aus Utrecht in den Niederlanden ist die Gruppe um Hans Clevers bekannt, der mit seinem HUB-Institut bei der Organoid-Forschung international einer der führenden Köpfe ist. Ansonsten stellen wir fest, dass immer mehr Unikliniken Organoide selbst herstellen wollen, aber dennoch zu uns kommen, weil wir auf diesem Gebiet so fortgeschritten sind, dass die Qualität unserer Arbeit außerordentlich gut ist. Im experimentellen Kontext ist die Methode an den Unikliniken gut und sicher etabliert, aber bei der Patientenvorhersage kommt man meines Erachtens nicht umhin, eine spezialisierte Firma zu nutzen.
Graf Adelmann: Organoide müssen kontrolliert entstehen und erfolgreich wachsen können, denn Patienten erwarten ihr Ergebnis in kürzester Zeit. Das ist ganz klar das ausschlaggebende Kriterium, um ein spezialisiertes und leistungsfähiges Unternehmen zu beauftragen. Bei ASC wird sichergestellt, dass die Ergebnisse schnell und zuverlässig vorliegen.

Wie sieht es mit der Bezahlung Ihres Tests aus?

Graf Adelmann: Die Dienstleistung, die wir erbringen, ist immer noch eine IGeL-Leistung, die der Patient selbst bezahlen muss. Mittlerweile ist jedoch die ärztliche Probenentnahme für unsere Zwecke und die Auswertung eine abrechenbare Ziffer bei den Krankenkassen. In der Regel liegen die Kosten bei rund 5.000 Euro.

Man muss zur Abgrenzung damit rechnen, dass eine erfolglose Chemotherapie die Krankenkasse mit Kosten von mehr als 100.000 Euro belastet und Patienten kaum mehrere Behandlungen körperlich und seelisch überstehen. Denkbar ist auch, dass Krankenkassen unsere Leistung über Kliniken mit integrierten Versorgungsverträgen übernehmen.

Wir denken im Rahmen unserer Unternehmenswerte gleichzeitig an notleidende Menschen, bei denen Krebs diagnostiziert wurde: Auch, um weniger gut betuchten Patienten den Test zu ermöglichen, haben wir den Verein „Cancer Rebels e.V.“ gegründet.

Wo sehen Sie ihr Unternehmen in fünf Jahren?

Dr. Regenbrecht: Wir forschen weiterhin intensiv, um die Aussagekraft der Modelle noch weiter zu verbessern und auch seltene Tumore besser abdecken können. Ich sehe uns in fünf Jahren noch breiter aufgestellt und denke, dass wir auf dem Weg dorthin bereits sehr vielen Menschen unnötiges Leid erspart haben werden.
Graf Adelmann: Wenn wir stark wachsen, kann es sein, dass wir Labore außerhalb Berlins haben werden und uns in Ländern in Europa, Asien oder in den USA etablieren, die innovativer sind und über andere Gesundheitssysteme und Krankenkassenstrukturen verfügen. Wir sind beispielsweise eine österreich-exklusive Kooperation mit dem Uniklinikum Innsbruck eingegangen: Von allen österreichischen Krebspatienten, für die unsere Methode geeignet ist und die in Innsbruck behandelt werden, bekommen wir zukünftig eine Tumorprobe zur Substanztestung. Die Kosten für den Patienten übernimmt im Rahmen der Studie das Klinikum.

www.asc-oncology.com
www.cancer-rebels.club

Betroffene wenden sich bitte direkt an: clm@asc-oncology.com

 

www.asc-oncology.com

leben / 09.06.2020
Draußen spielt die Musik!

Mit den aktuell geltenden Regelungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie werden öffentliche Kulturveranstaltungen wieder möglich gemacht. Die Bedingungen dafür sind schwierig, die Teilnehmerzahlen können weiter nur gering sein. Die einschlägigen Hygieneregeln einzuhalten, erfordert eine besondere Dramaturgie.
Dennoch: Die Chance die Kultur Berlins wieder öffentlich sichtbar zu machen, wollen wir nutzen. Und darum wollen wir handeln und deshalb unterbreiten drei Bezirksbürgermeister*innen von Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Pankow gemeinsam mit Kultursenator Lederer einen Vorschlag, für den sie in allen Bezirken werben:

  • Wir wollen die bezirklichen Frei- und Grünflächen, Straßen und Plätze und womöglich auch Sportaußenanlagen öffnen für eine einzigartige Open Air-Saison für Kunst, für Theater und Musik.
  • Wir sind offen für gute Ideen von Ensembles, Musiker*innen, darstellenden und bildenden Künstler*innen.
  • Wir werden schnell darüber entscheiden, was wo möglich ist.
  • Wir setzen uns dafür ein, dass alle Verantwortlichen, die einschlägigen gesetzlichen Regelungen für das öffentliche Straßenland, für Grünanlagen und Sportstätten großzügig handhaben und schnell entscheiden.
  • Wir sind dazu bereit und schaffen dafür jeweils eine Anlaufstelle zur Rettung der Kunst, die sich bis zum 30. September 2020 als Dienstleister für Kulturschaffende in unseren Bezirksämtern um eine möglichst unkomplizierte, unbürokratische und kurzfristige Bearbeitung von Anfragen für die Ermöglichung von Veranstaltungen bemühen wird.
  • Und wir werben bei den Berlinerinnen und Berlinern bei Umsetzung dieser Vorschläge um die sprichwörtliche Toleranz und um Solidarität mit den Kulturschaffenden.

Kultursenator Klaus Lederer: „Wir versuchen, Pandemieeindämmung und kulturelles Leben zu verbinden. Mit guten Schutzkonzepten probieren wir kleinteilige Formate aus. Ich freue mich sehr, dass die drei Bezirksbürgermeister*innen vorangehen.“
Bezirksbürgermeisterin von Marzahn – Hellersdorf, Dagmar Pohle: „Marzahn-Hellersdorf hat Platz für coole Angebote – vom Fensterkonzert über Straßentheater bis zu Kunst in den Gärten der Welt ist vieles möglich“   
Bezirksbürgermeister von Lichtenberg, Michael Grunst: „Das Theater an der Parkaue hat begonnen, weitere Angebote sollten folgen – von der Trabrennbahn bis zum Prerower Platz – eine Wiese findet sich.“
Bezirksbürgermeister von Pankow, Sören Benn: "Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen, auch zur Rettung der Kunst vor dem coronalen Tod. Licht , Luft & Sonne für die darstellenden Sparten ist ein Gebot der Stunde." Ansprechpartner ist Marc Lippuner, Leiter der WABE in Prenzlauer Berg, Danziger Str. 101, 10405 Berlin, Tel.: 030 90295-3850, E-Mail: info@wabe-berlin.de.
 
Diese Initiative greift auch die Vorschläge des Rates der Künste auf, aus Erfahrungen mit der Coronakrise Ideen und Konzepte für die Zukunft der Stadt zu erproben.
Der Rat der Künste schlägt unter der Überschrift „Die Draußenstadt: Wir brauchen mehr Platz zum Ausprobieren!“ vor, in den nächsten Jahren in jedem Bezirk experimentelle Zukunftslabore einzurichten.
Gemeinsam mit Partnern aus Kunst und Kultur könnten die konzeptionellen Linien und Umsetzungsprozesse erarbeitet werden. Zur Erschließung der neuen Flächen und Räume ist die aktive Unterstützung von Land und Bezirken gefordert: Brachen, Plätze und leerstehende Gewerbeflächen sollen unkompliziert und kurzfristig an Initiativen und Projekte vergeben werden, die in herausfordernden Berliner Sozialräumen kreative Erlebnis- und Lernorte, Aktions- und Bewegungsräume für und mit Nachbarschaft einrichten.
In Zusammenarbeit mit Museen, Literatur- und Konzerthäusern, Tanzinitiativen, Opern und Theater, die eigene Impulse einbringen, können hier neue Trainings- und Veranstaltungsformen erprobt werden.