Aktuelles

forschen / 20.05.2022
Chloridionenkanal ASOR bringt Vesikel zum Schrumpfen

Seit Entdeckung des Chloridionenkanals ASOR vor drei Jahren suchen Forscher nach dessen biologischen Funktionen. Jetzt ist das Team um Prof. Thomas Jentsch vom FMP und MDC in Berlin fündig geworden: ASOR ist essenziell für das Schrumpfen von Makropinosomen – besonders großen Vesikeln, die unspezifisch große Mengen extrazellulärer Flüssigkeit inklusive Ionen und Proteinen aufnehmen. Dieser Prozess ist besonders wichtig für bestimmte Immun- und Krebszellen. In der Tat war unter nährstoffarmen Bedingungen das Wachstum von Tumorzellen, denen ASOR fehlte, verbessert. Die Arbeit präsentiert zudem zum ersten Mal ein konsistentes Modell für das ionenabhängige Schrumpfen dieser Vesikel. Die Ergebnisse wurden in „Nature Cell Biology“ publiziert.

Unsere Zellen nehmen ständig Wasser, Salze und Nährstoffe auf. Dies geschieht neben einem spezifischen, Protein-vermitteltem Transport über die äußere Zellmembran auch über kleine Bläschen (Vesikel), die von der (Plasma)Membran abgeschnürt werden. Der Inhalt dieser Vesikel wird weiterverarbeitet oder nach Abschnüren kleinerer Vesikel in das äußere Medium zurücktransportiert. Makropinosomen sind besonders große Vesikel, die durch eine spezielle Form der Endozytose, die Makropinozytose, gebildet werden. Dieser Prozess kommt praktisch in allen Zellen vor, ist aber besonders ausgeprägt in spezialisierten Immunzellen (Makrophagen) und Tumorzellen.

Die zelluläre Verarbeitung der Vesikel und seiner Inhaltsstoffe erfordert ihre Schrumpfung, was aber nicht allein durch das Abschnüren kleiner Vesikel erfolgen kann. Vielmehr muss Wasser, osmotisch getrieben von passivem Salztransport über spezifische Ionenkanäle, die Vesikel verlassen. Fehlt diese osmotische Schrumpfung, können sich auch keine kleineren Vesikel mehr abschnüren. Vor wenigen Jahren konnte eine kanadische Gruppe zeigen, dass zwei spezifische endosomale Natriumkanäle für die Schrumpfung von Makropinosomen notwendig sind. Die Identität der für den Natriumchlorid-Transport zwingend erforderlichen parallelen Chloridkanäle blieb aber ungeklärt. Kandidaten für die Chloridtransporter waren CLC Chlorid-Protonenaustauscher, der schwellaktivierte Anionenkanal VRAC sowie ASOR – alles Proteine, die von dem Berliner Ionenkanalforschers Prof. Dr. Thomas Jentsch entdeckt wurden.

Doch weder die CLCs noch VRAC sind für die Schrumpfung der Vesikel von Bedeutung, wie Jentschs Team am Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) nun in einer aktuellen Arbeit zeigen konnte. Die Hauptrolle spielt der Chloridkanal ASOR. Diesen säureempfindlichen Ionenkanal hatte Jentschs Gruppe erst 2019 entdeckt. Bis dato war unklar, warum praktisch alle menschlichen Zellen den Kanal besitzen.

Schrumpfung wird durch säureempfindlichen Kanal und pH-Wert geregelt

„Wir konnten jetzt zeigen, dass ASOR absolut notwendig für das Schrumpfen von Makropinosomen ist“, sagt Thomas Jentsch. „Alle anderen Kandidaten, die wir untersucht haben, zeigten keinen Effekt.“ Damit konnten Jentsch und sein Team dem „Acid-Sensitive Outwardly Rectifying Anion Channel“ eine wichtige biologische Funktion zuweisen.

Um den Prozess zu untersuchten, isolierten die Forschenden Makrophagen aus verschiedenen Knock-out-Mauslinien, denen jeweils ein bestimmter Chloridtransporter fehlte. Da sich Makropinosomen aufgrund ihrer Größe von 1 bis 3 Mikrometern gut durch das Lichtmikroskop betrachten lassen, konnten sie zusehen, wie die Vesikel in den Zellen schrumpften. Dabei zeigte sich: Vesikel der ASOR-Knock-out-Mäuse schrumpften wesentlich langsamer als die Wildtyp-Vesikel. Und: Die Schrumpfung ist pH-abhängig. Wurde nämlich die Ansäuerung der Vesikel verhindert, war auch der Volumenverlust eingeschränkt.

„Das ergibt Sinn, denn ASOR wird durch Säure aktiviert “, sagt die Erstautorin der Studie Maria Zeziulia. „Inzwischen wissen wir, dass ASOR eben nicht nur in der Plasmamembran vorkommt, wo der gut regulierte pH-Wert fast nie die für die Kanalaktivierung notwendigen sauren Werte annimmt, sondern auch in verschiedenen intrazellulären Organellen, Endosomen, die ja bekanntlich angesäuert werden. Die luminale Azidifizierung spielt also – neben den beiden Natriumkanälen und ASOR – eine ganz wesentliche Rolle bei der Schrumpfung dieser Vesikel“, fasst die MDC-Wissenschaftlerin die wesentlichen Ergebnisse zusammen.

Modell mit hoher Vorhersagekraft entwickelt

Die Forscher integrierten ASOR, die Natriumkanäle und die Vesikel ansäuernde Transportprozesse in ein einfaches mathematisches Modell. Dies erlaubt nicht nur eine Überprüfung der Plausibilität des vorgeschlagenen Mechanismus, sondern auch semiquantitative Vorhersagen von nur schwer messbaren Parametern wie der sich langsam einstellenden elektrischen Spannung über die Vesikelmembran. „Die mathematischen Modelle sagen unsere Resultate sehr schön voraus, so dass wir zum ersten Mal ein konsistentes Modell für das Schrumpfen dieser Vesikel haben“, erklärt Thomas Jentsch.

Doch wozu ist das Schrumpfen der Vesikel eigentlich gut? Es ist notwendig für die Abschnürung von Transportvesikeln, die unter anderem den Rücktransport aufgenommener Substanzen nach außen ermöglichen und dadurch der Degradation durch Enzyme aus Lysosomen, mit denen Makropinosomen später fusionieren, entgehen. Auch wichtige Oberflächenproteine wie Signal-Rezeptoren müssen „recycelt“ werden. Andererseits dient die Degradation aufgenommener Proteine zur Ernährung von Tumorzellen und zur Herstellung von Proteinbruchstücken, die für die Erkennung von Antigenen durch Immunzellen notwendig ist. Degradation und Recycling müssen also der Aufgabe entsprechend balanciert werden.

Ohne ASOR wachsen Tumorzellen besser

Was passieren kann, wenn dieser ausgeklügelte Mechanismus nicht richtig funktioniert, konnten die Wissenschaftler in Experimenten mit Tumorzellen zeigen: Zellen, bei denen ASOR eliminiert war, wuchsen schneller in der Abwesenheit extrazellulärer Aminosäuren, aber Anwesenheit extrazellulärer Proteine. Warum? Verringertes Schrumpfen bedeutet weniger Recycling, so dass sich die Tumorzellen mehr Proteine aus der ansonsten nährstoffarmen Umgebung holen konnten, vor allem das physiologisch in hohen Konzentrationen vorliegende Eiweiß Albumin. „Die Makropinozytose ist zum Beispiel bei Tumoren mit Mutationen in dem Onkogen K-RAS überaktiv“, berichtet Thomas Jentsch. „Das führt dazu, dass die Tumorzellen vermehrt extrazelluläre Proteine aufnehmen, die sie dann lysosomal degradieren und für ihre Ernährung und Wachstum verwenden. Öffentliche Tumordatenbanken unterstützen diese Schlussfolgerung: Pankreaskarzinompatienten überlebten schlechter, wenn ihr Tumor weniger ASOR enthielt.“

Im nächsten Schritt wollen die Berliner Forscher weitere Transporter und auch Wasserkanäle untersuchen, die möglicherweise ebenfalls an der Schrumpfung von Makropinosomen beteiligt sind. Neue Daten werden das Vesikelmodell vervollständigen.

 

Publikation
Maria Zeziulia, Sandy Blin, Franziska W. Schmitt, Martin Lehmann, Thomas J. Jentsch. Proton-gated anion transport governs macropinosome shrinkage. Nature Cell Biology, doi: 10.1038/s41556-022-00912-0, https://www.nature.com/articles/s41556-022-00912-0.

Die Pressemitteilung inkl. Abbildung ist in Deutsch und Englisch auf der FMP-Website abrufbar: https://www.leibniz-fmp.de/de/press-media/press-releases/press-releases-single-view1/article/chloride-ion-channel-asor-is-required-for-vesicle-shrinkage

forschen, produzieren, heilen, bilden / 13.05.2022
Das MDC beim Salon Sophie Charlotte: Für immer jung – für immer gesund?

Buchstaben der DNA (Foto: Peter Himsel)
Buchstaben der DNA (Foto: Peter Himsel)

Der Blick einer Ärztin und der einer Künstlerin auf die Editierung des Erbguts mit CRISPR unterscheiden sich grundlegend. Doch beide zeigen uns Möglichkeiten, wie wir das Leben mit der Natur gestalten können. Wissenschaft trifft Kunst: das Max-Delbrück-Centrum beim Salon Sophie Charlotte 2022 in Berlin.

Pandemie, Klimakrise und Krieg machen die Fragilität des Lebens deutlich erlebbar. Zugleich mobilisieren wir ungeahnte Kräfte, um neue Formen zu finden, die das Leben – immer noch – lebenswert machen. „still, LIFE IS LIFE“ ist deshalb der Salon Sophie Charlotte 2022 überschrieben. Am Abend des 21. Mai 2022, von 18 bis 24 Uhr, lädt die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW) dazu ein, Fragen nach der Lebensvermessung und -gestaltung zu diskutieren. 

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) ist zum ersten Mal beim Salon Sophie Charlotte dabei. Im ersten Obergeschoss der BBAW, Raum 3, bietet das Centrum zwei Perspektiven auf die Möglichkeiten, die uns die Editierung des Erbguts mit CRISPR eröffnet: die der Künstlerin Emilia Tikka und die der Forscherin und Ärztin Simone Spuler.

ÆON – Trajectories of Longevity and CRISPR

Als Artist in Residence konnte Emilia Tikka 2018 in den Laboren des MDC erleben und selbst ausprobieren, was CRISPR bereits kann. Basierend auf dieser Erfahrung hat die Finnin mit ihrem Werk „ÆON – Trajectories of Longevity and CRISPR“ ein spekulatives Szenario einer möglichen Zukunft entworfen: 

Ein Mann, eine Frau. Ein Liebespaar. Er ist jung, und er wird es bleiben. Dank CRISPR/dCas9. Sie hingegen wird alt, hat sich bewusst gegen ewige Jugend entschieden. Und Sie? Was würden Sie tun: inhalieren und die Unsterblichkeit wählen? Emilia Tikka möchte mit ÆON zum Nachdenken über eine mögliche Zukunft anregen. Ab 19:30 Uhr diskutiert sie mit den Salon-Gästen, Teile des Kunstwerks sind ab 18:00 Uhr im Raum zu sehen.

Vom Verstehen und Verändern: Die Zukunft der Genomforschung

Für die Patient*innen mit genetisch bedingten Muskelerkrankungen geht es nicht um ewige Jugend. Professorin Simone Spuler will sie vor dem Verfall ihres Muskelgewebes bewahren – oder dieses sogar reparieren. Für Krankheiten, die bisher als unheilbar galten, könnte es künftig dank Stammzellen und CRISPR/Cas9 zumindest Linderung geben. 

Simone Spuler forscht am Experimental and Clinical Research Center, einer gemeinsamen Einrichtung des MDC und der Charité – Universitätsmedizin Berlin in Berlin-Buch. Das Team um die Medizinerin betreut in einer Hochschulambulanz etwa 2000 Patient*innen. Gleichzeitig leitet Spuler die Arbeitsgruppe „Myologie“ und legt dort die Grundlagen für erste Therapieansätze. Sie weiß, dass Gentherapien nicht nur Hoffnungen machen, sondern auch Ängste auslösen. In ihrem Vortrag diskutiert sie ab 21:00 Uhr daher unter anderem die technischen und ethischen Grenzen und will mit den Salon-Gästen ins Gespräch kommen.

Quiz: Schnipp, schnapp – das Gen ist ab

Sie kennen die Genschere CRISPR und haben die Kontroversen in den vergangenen Jahren verfolgt? Mit dem Quiz „Schnipp, schnapp – das Gen ist ab“ versucht das MDC dennoch, die Salon-Besucher*innen aufs Glatteis zu führen. Auf zehn Quizkarten können sie im Ausstellungsraum 3 ihr Wissen testen und herausfinden, was heute schon mit CRISPR möglich ist, was möglich werden könnte und was Fantasie ist und bleibt.

Für immer jung – für immer gesund?
21. Mai 2022, 18 bis 24 Uhr beim Salon Sophie Charlotte
Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)
Markgrafenstraße 38, 10117 Berlin
Erstes Obergeschoss, Raum 3

Anmeldung hier 

Weiterführende Informationen

Salon Sophie Charlotte 2022 „still, LIFE IS LIFE“ (Anmeldung erforderlich)

Porträt von Simone Spuler: „Die Muskelretterin

Über das Projekt von Emilia Tikka: „Für immer jung?“

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

 

produzieren / 12.05.2022
Eckert & Ziegler mit Umsatzplus im ersten Quartal 2022

Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, TecDAX) konnte ihren Umsatz im ersten Quartal 2022 um 13% auf 49,9 Mio. EUR steigern. Der Nettogewinn lag mit 6,7 Mio. EUR oder 0,32 EUR pro Aktie unter dem Vorjahresquartal. Grund für die Ergebnislücke zum Vorjahr ist ein Einmaleffekt in Höhe von rund 6,8 Mio. EUR im ersten Quartal 2021, in dem der Konzern seine Tumorbestrahlungssparte gewinnbringend verkaufte. Trotz Pandemie und Krieg in der Ukraine verzeichnete Eckert & Ziegler mit den vorliegenden Zahlen einen stabilen Jahresauftakt.

Die Umsätze im Segment Medical lagen im ersten Quartal bei 20,1 Mio. EUR und damit um 1,2 Mio. EUR oder 5% unter dem Vorjahreswert. Unter Berücksichtigung der durch die Entkonsolidierung der Tumorgerätesparte entfallenen Umsätze in Höhe von 1,1 Mio. EUR konnte das Umsatzniveau im Vergleich zum Vorjahr gehalten werden.

Das Segment Isotope Products erzielte mit 29,8 Mio. EUR einen um 7,0 Mio. EUR oder etwa 31% höheren Umsatz als in den ersten drei Monaten 2021. Grund hierfür sind unter anderem steigende Öl- und Gaspreise und eine damit einhergehende Sonderkonjunktur bei radiometrischen Komponenten für Energiekonzerne. Rund 1,9 Mio. EUR des Anstiegs sind auf die Akquisition der argentinischen Gesellschaft Tecnonuclear SA im Januar 2022 zurückzuführen.

Die Ergebnisse des ersten Quartals 2022 entsprechen den Erwartungen des Vorstands. Die im März veröffentlichte Prognose für das Geschäftsjahr 2022 bleibt unberührt. Der Vorstand rechnet weiterhin mit einem Umsatz von rund 200 Mio. EUR und einem Jahresüberschuss von rund 38 Mio. EUR. Die Prognose steht unter dem Vorbehalt, dass aus den Entwicklungen in der Ukraine weiterhin keine größeren Verwerfungen resultieren.

Den vollständigen Quartalsbericht finden Sie hier: https://www.ezag.com/fileadmin/user_upload/ezag/investors-financial-reports/deutsch/euz122d.pdf

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den führenden Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet weltweit an seinen Standorten Dienstleistungen und Produkte im Bereich der Radiopharmazie an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.

www.ezag.de

produzieren / 11.05.2022
Eckert & Ziegler kooperiert mit tschechischem Forschungszentrum UJF bei der Herstellung von medizinischen Alpha-Radioisotopen

Die Eckert & Ziegler AG (ISIN DE0005659700, TecDAX), ein Spezialist für medizinische Radioisotope, hat mit dem kernphysikalischen Institut der tschechischen Akademie der Wissenschaften, Ústav jaderné fyziky (UJF), eine langfristige Zusammenarbeit für die Herstellung des Alphastrahlers Actinium-225 vereinbart. Die Vereinbarung sieht vor, dass Eckert & Ziegler dem UJF-Forschungszentrum mehrere Millionen Euro für Investitionen in Anlagen und Heißzellen sowie Radium-226 als Ausgangsmaterial für Tests und Bestrahlungen zur Verfügung stellt. Im Gegenzug erhält Eckert & Ziegler exklusiven Zugang zu den Produktionskapazitäten einer Pilotanlage, die in den nächsten zwei Jahren in der Nähe von Prag gebaut wird, sowie Mitnutzungsrechte an Prozessschritten, die für eine kommerzielle Ac-225 Produktion im großen Maßstab entwickelt werden.

Actinium-225 wird als Wirkstoff in der Krebsbehandlung eingesetzt. Das Radioisotop emittiert leistungsstarke, hochenergetische Alpha-Partikel mit kurzer Eindringtiefe, die eine präzise Behandlung von Tumorzellen, einschließlich schwer zu erfassender Mikrometastasen, mit minimalen Auswirkungen auf das umgebende gesunde Gewebe ermöglichen. Hierzu wird Actinium-225 mit einem geeigneten Träger (z.B. einem Antikörper oder Peptid) kombiniert, der spezifisch an Krebszellen bindet und diese damit selektiv bekämpft. Momentan werden Radiopharmazeutika auf Basis von Actinium-255 in vielen klinischen Indikationen getestet, u.a. gegen Prostatatumore, Darmkrebs und Leukämie. Experten erwarten, dass der Bedarf an Actinium-225 in der nächsten Dekade exponentiell zunimmt.

„Die Zusammenarbeit mit Eckert & Ziegler trägt dazu bei, in der europäischen Union leistungsfähige Betriebe für die Herstellung von therapeutischen Radiopharmazeutika zu schaffen“, erläuterte Dr. Petr Lukáš, Direktor des UJF. „Corona und die jüngsten politischen Krisen zeigen, wie schnell der globale Austausch stocken und wie wichtig es für Produzenten neuer Radiopharmazeutika sein kann, Teile ihrer Wertschöpfungskette mit lokalen Partnern zu entwickeln“, ergänzte Prof. Ondřej Lebeda, Leiter der Abteilung Radiopharmazeutika des UJF.

„Mit dem UJF haben wir nur 90 Autominuten von unserem sächsischen Standort entfernt einen kompetenten Ansprechpartner für die vielen komplexen Aufgaben, die bei der Herstellung von Actinium-225 anfallen“, ergänzte Dr. Lutz Helmke, Mitglied des Vorstands und Betriebsvorstand für das Segment Medical. „Wir gewinnen einen wertvollen Partner in der Bemühung, unsere führende Position im Weltmarkt für therapeutische Radioisotope auszubauen. Als Ausgangsmaterial greifen wir dabei auf einen Bestand von Radium-226 zurück, den wir bei der Rücknahme von medizinischen Strahlenquellen in unserem Recyclinggeschäft angesammelt haben. Diese Aufarbeitung der Strahlenquellen liefert im Übrigen ein Beispiel dafür, wie gut Kreislaufkonzepte innerhalb der Branche funktionieren.“

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.
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leben, bilden / 28.04.2022
Freiluftkino Buch startet am 6. Mai

Freiluftkino auf dem Pankeplatz an einem wunderbaren Sommerabend 2021 (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)
Freiluftkino auf dem Pankeplatz an einem wunderbaren Sommerabend 2021 (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)

Das Freiluftkino Buch startet am 6. Mai 2022 und widmet sich in diesem Jahr unter dem Titel "Grenzenlos" den Themen Migration, Flucht, Mobilität und Integration und zeigt möglichst mehrsprachige Filme.

Es wird in diesem Jahr drei Filmvorführungen geben. Diese finden zweimal im Garten des Bucher Bürgerhauses und einmal auf dem Panke-Platz statt. Die drei Filme, die dieses Jahr gezeigt werden, wurden aus jeweils fünf Filmen unter anderem von Kindern und Jugendlichen mittels Abstimmung ausgewählt.

1. Termin:
- Film: "Transit" (Deutsch/ Französisch mit deutschen Untertiteln)
- Altersempfehlung: FSK 12
- Datum/Uhrzeit: 06. Mai, 20:45 Uhr (Einlass 19:45 Uhr)
- Ort: Garten des Bucher Bürgerhauses, Franz-Schmidt-Str. 8-10, 13125 Berlin

2. Termin:
- Film: "Deine Schönheit ist nichts wert." (Deutsch/ Türkisch mit deutschen Untertiteln)
- Altersempfehlung: FSK 6
- Datum/Uhrzeit: 03. Juni, 21:30 Uhr (Einlass 20:30 Uhr)
- Ort: Panke-Platz, zwischen dem S-Bahnhof Buch und der Hufeland-Schule gleich neben den Tennisfeldern

3. Termin:

- Film: "Heute bin ich Samba" (Deutsch/ eventuell mit arabischen Untertiteln)
- Altersempfehlung: FSK 6
- Datum/Uhrzeit: 26. August, 20:45 Uhr (Einlass 19:45 Uhr)
- Ort: Garten des Bucher Bürgerhauses, Franz-Schmidt-Str. 8-10, 13125 Berlin

 

Förderer:

Das Freiluftkino wird in diesem Jahr durch das Bezirksamt Pankow Amt für Weiterbildung und Kultur gefördert. Veranstalter sind das Stadtteilzentrum Buch und der Bildungsverbund Buch in Kooperation mit Nomadenkino, Frauenberatung BerTa und Willkommenskulturprojekt Buch sowie mit Unterstützung durch das Sport- und Umweltamt Pankow.

forschen / 26.04.2022
ERC Advanced Grant für Herzforschung am MDC

Künstliches Herzgewebe kann gegen einen Widerstand kontrahieren und entspannen (Foto: Michael Gotthardt, MDC)
Künstliches Herzgewebe kann gegen einen Widerstand kontrahieren und entspannen (Foto: Michael Gotthardt, MDC)

Die kontraktilen und elastischen Eigenschaften des Herzens sind fein abgestimmt und ermöglichen einen hohen Wirkungsgrad und schnelle Anpassung. Michael Gotthardt erforscht am MDC die zugrundeliegenden molekularen und biomechanischen Regulationsmechanismen. Dafür erhält er nun einen ERC Advanced Grant.

MERAS steht auf dem kürzlich bewilligten Projektantrag. Die Abkürzung bedeutet: „Mechanoregulation des alternativen Spleißens“. Worum geht es bei MERAS? „Wir wollen verstehen, wie das Herz es schafft, auf Umwelteinflüsse zu reagieren und seine elastischen Eigenschaften so einzustellen, dass es optimal arbeiten kann“, sagt Professor Michael Gotthardt. Der Wissenschaftler leitet am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) die Arbeitsgruppe „Neuromuskuläre und kardiovaskuläre Zellbiologie“. Für sein Vorhaben erhält er jetzt einen Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) in Höhe von 2,5 Millionen Euro. 

 

Der ERC Advanced Grant geht an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit mehr als zehn Jahren Forschungserfahrung, die in ihrem Gebiet bereits eine prägende Rolle gespielt haben. Insgesamt hatten sich 1735 Forscherinnen und Forscher aus ganz Europa und allen Disziplinen beworben, 253 waren erfolgreich. 

Verantwortlich für die Pumpleistung des Herzens sind die Sarkomere, die kleinsten kontraktilen Einheiten des Herzmuskels. Sie bestehen aus Aktin- und Myosinfilamenten, welche die Kontraktion ermöglichen, und dem Riesenprotein Titin. Letzteres ist elastisch und beeinflusst wesentlich die mechanischen Eigenschaften der Herzmuskelzellen. Dabei können unterschiedliche Titin-Varianten (Isoformen) auf Basis eines einzelnen Gens exprimiert werden – jeweils perfekt angepasst an die aktuelle Belastungssituation des Herzens. Diesen Prozess – das alternative Spleißen – wollen die Forschenden im Detail untersuchen.

Raffinierte regulatorische Rückkopplung

„Bei ersten Analysen der Proteinzusammensetzung des Sarkomers fanden wir nicht nur die bekannten Strukturproteine, sondern auch einige bekannte Signalstoffe, die sowohl mit dem Stoffwechsel als auch mit der Regulation der Genexpression und dem alternativen Spleißen zu tun haben. Es sind Proteine, die man normalerweise im Zellkern erwarten würde – aber nicht im Sarkomer“, betont Michael Gotthardt. „Offenbar kommuniziert das Sarkomer dem Zellkern direkt, wie es sich anpassen muss.“ Ein raffinierter regulatorischer Rückkopplungsmechanismus, der erklären würde, wie sich Sarkomere auf die jeweils aktuelle mechanische Belastung einstellen. Das ist eine neue Hypothese, der die Forschenden auf den Grund gehen wollen.

Ein detailliertes Verständnis des gesamten Regelprozesses wäre auch von therapeutischem Nutzen – etwa für Menschen mit Herzinsuffizienz. Bei ihnen sind die Ventrikelwände durch „falsche“ Titine so versteift, so dass sich die Herzkammern nicht mehr ausreichend füllen können. Könnte man am richtigen Punkt medikamentös in den Prozess eingreifen, ließe sich ein kranker Herzmuskel etwas elastischer oder steifer machen, damit er wieder effektiver arbeiten kann.

Ein zweiter ERC Grant

Im ERC-Auswahlverfahren wurden die Forschungsvorhaben dieses Jahr erstmals nicht nur in Papierform, sondern auch als Kurzvortrag präsentiert – Corona-bedingt natürlich online. „Vier Folien in acht Minuten für ein 2,5-Millionen-Euro-Projekt“, fasst Michael Gotthardt zusammen. Für den Wissenschaftler, der an der Charité – Universitätsmedizin Berlin eine Professur für „Experimentelle und translationale Kardiologe“ innehat, ist es nach dem ERC Starting Grant 2011 bereits die zweite umfangreiche EU-Förderung. Sie ist auf fünf Jahre angelegt. „Das gibt uns die Möglichkeit, Kooperationen auszubauen und nun auch langfristig ausgelegte Vorhaben umzusetzen. Umfangreiche, kostenintensive Sequenzierarbeiten, die zur Erforschung des alternativen Spleißens nötig sind, ließen sich sonst kaum finanzieren.“

Gotthardts Team arbeitet mit genetischen Mausmodellen, an künstlichem Herzgewebe aus Patientenzellen sowie an Einzelzellen. Bisher sind Experimente zur Einzelzellmechanik echte Feinstarbeit. „Die Herzmuskelzelle muss dafür zunächst isoliert, unter einem besonderen Mikroskop fixiert und elektrisch stimuliert werden. Dann kann man sehen, welche aktiven und passiven Kräfte sie entwickelt“, sagt Michael Gotthardt. Damit wäre genau eine Zelle untersucht. Für aussagekräftige Studien sind jedoch sehr viele solcher Experimente nötig.

Das Ziel: neue Technologien für Einzelzellmechanik und Multi-Omik

Um zu verstehen, welche Titin-Isoformen unter Belastung oder bei Krankheitsprozessen gebildet werden, ist ebenfalls aufwendige Handarbeit nötig. Im Vergleich zu einem großen Gewebestück enthält eine Einzelzelle verhältnismäßig wenige RNA-Moleküle, so dass Untersuchungen der Genexpression oft an der Nachweisgrenze stattfinden. „Die Analyse des alternativen Spleißens ist insbesondere für die bis zu 100.000 Basen langen Titin-Isoformen erschwert – denn die verfügbaren kurzen Sequenzabschnitte müssen wie ein Puzzle zusammengesetzt werden, bei dem oft wichtige Teile fehlen“, sagt Michael Gotthardt. Mit dem ERC-Geld will er unter anderem neue Technologien für die Einzelzellmechanik, -transkriptomik und -proteomik entwickeln, die diese Arbeiten erleichtern und einen höheren Durchsatz erlauben.

Weiterführende Informationen

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

Pressemitteilung auf der Webseite des MDC:
ERC Advanced Grant für Herzforschung am MDC

forschen, produzieren, heilen / 25.04.2022
Antrittsbesuch des Ostbeauftragten und der Regierenden Bürgermeisterin – Carsten Schneider mit Franziska Giffey auf dem Campus Berlin-Buch

Dr. Christina Quensel stellte den Campus Berlin-Buch gemeinsam mit den Campus-Akteuren vor (Foto: Peter Himsel)
Dr. Christina Quensel stellte den Campus Berlin-Buch gemeinsam mit den Campus-Akteuren vor (Foto: Peter Himsel)

Wo aus Wissenschaft Wirtschaft wird: Staatsminister Carsten Schneider und die Regierende Bürgermeisterin, Franziska Giffey, informierten sich am 25. April 2022 über die Entwicklung des Zukunftsorts Berlin-Buch

Auf Einladung des Campus Berlin-Buch haben der Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland, Staatsminister Carsten Schneider, und Berlins Regierende Bürgermeisterin, Franziska Giffey, am 25. April 2022 gemeinsam den Wissenschafts- und Technologiestandort besucht. Begleitet wurden sie vom Pankower Bezirksbürgermeister Sören Benn. Auf dem Campus erhielten die Gäste einen Einblick in den BiotechPark Berlin-Buch.

Der Forschungscampus gehört zu den elf Berliner Zukunftsorten, an die es exzellente Wissenschaftler*innen aus aller Welt zieht. Buch steht für die Zukunft der Medizin. Seit Jahrzehnten verbinden sich am Gesundheitsstandort Berlin-Buch Forschen und Heilen, Erfinden und Therapieren. Hier arbeiten etablierte Unternehmen neben Start-ups in den Life Sciences, wirken Ärzte- und Forschungsteams Hand in Hand. International renommierte Forschungseinrichtungen wie das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft und das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), die Charité – Universitätsmedizin, das Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) sowie Biotechnologieunternehmen und Kliniken bilden ein Netzwerk. Aufbauend auf ersten Ausgründungen zu Beginn der neunziger Jahre, gehört der Campus heute zu den größten BiotechParks in Europa. Mit klarem Fokus auf Biomedizin bildet er die komplette Wertschöpfungskette von der Erkenntnis über die Entwicklung bis zur Produktion marktfähiger Innovationen ab und besitzt ein herausragendes Wachstumspotenzial.

Die Investitionen lohnen sich

„Seit 1992 wurden auf dem Campus über 600 Millionen Euro von EU, Bund und Land in die Forschungs- und Biotech-Infrastruktur investiert. Und auf unserem Campus wird ersichtlich, dass sich diese Investitionen lohnen“, sagte Dr. Christina Quensel, Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft des Campus. „Durch die enge Verbindung von Grundlagen- und klinischer Forschung, State-of-the-art-Technologieplattformen und dem Ziel, biomedizinische Erkenntnisse in die Anwendung zu bringen, entsteht hier aus Wissenschaft Wirtschaft.“

Sichtbares Zeichen für das anhaltende Wachstum ist der Neubau des Gründerzentrums BerlinBioCube im BiotechPark. Der „BerlinBioCube“ wird 2023 eröffnen und 8.000 Quadratmeter Nutzfläche für Startups in der Biotechnologie, Medizintechnik und angrenzenden Bereichen bieten. Mit seiner Fertigstellung im nächsten Jahr können circa 30 Biotech-Start-ups modernste Labore und Büro nutzen und ihre Geschäftstätigkeit aufnehmen. Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der Campus Berlin-Buch GmbH, und Dr. Quensel informierten den Besuch über Pläne für den Ausbau des Campus, die Erweiterung des Biotechparks auf benachbarten Flächen im Ort und zur verstärkten Ansiedlung von Biotech-Unternehmen.

Auf einem Rundgang kamen die Politiker mit Forscher*innen und erfolgreichen Unternehmerinnen und Unternehmern in Gespräch. Sie besichtigten die Labore von T-knife, einem der erfolgreichsten Start-ups in der Biotech-Szene, dessen Technologie für neuartige Immuntherapien gegen Krebs auf jahrzehntelanger Grundlagenforschung am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin beruht.

Weltspitze in Buch

In einem anschließenden Gespräch in der Konzernzentrale der Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG diskutierten die Gäste mit Vertreterinnen und Vertretern aus Unternehmen und Forschungseinrichtungen des Campus aktuelle Themen der Wirtschaftsförderung in Technologie- und Gründerzentren, Fragen und Best-Practice-Beispiele der wertschöpfenden Vernetzung von Forschung und Wirtschaft, den Ausbau der regionalen Verkehrsinfrastruktur sowie die abgestimmte Entwicklung von Gewerbe- und Wohnbaupotenzialflächen am Zukunftsort Berlin-Buch.

„Der Campus Berlin-Buch mit seinen zahlreichen Playern aus Wissenschaft und Gesundheitswirtschaft ist Beispiel gelungener Transformation hin zu einem modernen Technologiestandort für klinische Forschung, molekulare Medizin und molekulare Pharmakologie. Buch beweist, wie gezieltes Innovationsmanagement zu Erfolg und weltweiter Vernetzung führt, wenn es unterstützt wird durch aktive Ansiedlungs- und Förderpolitik, die Wirtschaft und Wissenschaft einbezieht und die Verkehr und Wohnen und Arbeiten zusammendenkt. Danke an alle unsere Gastgeberinnen und Gastgeber für die inspirierenden Eindrücke“, sagte Franziska Giffey.

Auch Staatsminister Carsten Schneider bedankte sich bei den Campus-Akteur*innen. „Wir erhielten heute hochspannende Einblicke in die BioTech-Branche in Berlin-Buch. Hier wird innovativ geforscht und gearbeitet. Damit gehört der Campus Berlin-Buch zur Weltspitze“, erklärte Schneider. „Mit der Forschungsförderung durch den Bund schaffen wir langfristige Strukturen.“


Hintergrundinformationen

Der Campus Berlin‐Buch ist ein moderner Wissenschafts‐, Gesundheits‐ und Biotechnologiepark. Alleinstellungsmerkmale sind der klare inhaltliche Fokus auf Biomedizin und das enge räumliche und inhaltliche Zusammenwirken von Forschungsinstituten, Kliniken und Biotechnologie‐Unternehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erforschung molekularer Ursachen von Krebs,‐ Herzkreislauf‐ und neurodegenerativen Erkrankungen, eine interdisziplinär angelegte Grundlagenforschung zur Entwicklung neuer Therapien und Diagnoseverfahren, eine patientenorientierte Forschung und die unternehmerische Umsetzung biomedizinischer Erkenntnisse.
Dank exzellenter Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen im BiotechPark hat der Campus ein herausragendes Innovations‐ und Wachstumspotenzial. Dazu gehören als Einrichtungen der Grundlagenforschung das Max‐Delbrück‐Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz‐Gemeinschaft (MDC) und das Leibniz‐Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), das gemeinsam von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin betriebene und auf klinische Forschung spezialisierte Experimental and Clinical Research Center (ECRC) sowie das Berlin Institute of Health (BIH). Seit 1992 sind über 600 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln durch die EU, den Bund und das Land Berlin in den Campus Berlin‐Buch investiert worden, um diese Synergien zu unterstützen.

Der BiotechPark Berlin‐Buch gehört mit 74 Unternehmen, 820 Beschäftigten und rund 31.000 Quadratmetern Büro‐ und Laborfläche zu den führenden Technologieparks in Deutschland. Ausgründungen im Bereich der Life Sciences finden hier ideale Bedingungen, vom Technologietransfer bis hin zu branchenspezifischen Labor‐ und Büroflächen. Die Life Science Community vor Ort ermöglicht einen direkten Austausch und gemeinsame Projekte. Der BiotechPark trägt maßgeblich zur dynamischen Entwicklung der Biotechnologie‐Region Berlin‐ Brandenburg bei und stärkt in besonderem Maße die industrielle Gesundheitswirtschaft.

Als Betreibergesellschaft des Campus ist die Campus Berlin‐Buch GmbH (CBB) Partner für alle dort ansässigen Unternehmen und Einrichtungen. Biotechnologieunternehmen – von Start‐ups bis zu ausgereiften Firmen – anzusiedeln, zu begleiten und in allen Belangen zu unterstützen, gehört zu ihren wesentlichen Aufgaben. Hauptgesellschafter der CBB ist mit 50,1 % das Land Berlin. Weitere Gesellschafter sind das Max‐Delbrück‐Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz‐Gemeinschaft (29,9 %) und der Forschungsverbund Berlin e.V. für das Leibniz‐Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (20 %).

www.campusberlinbuch.de

forschen, bilden / 21.04.2022
Ein Ferientag auf dem Campus Berlin-Buch für ukrainische Kinder

Ukrainische Kinder und Jugendliche experimentierten auf dem Bucher Campus zum Thema DNA (Foto: Felix Petermann, MDC)
Ukrainische Kinder und Jugendliche experimentierten auf dem Bucher Campus zum Thema DNA (Foto: Felix Petermann, MDC)

Im Gläsernen Labor herrschte am Vormittag des 20. April reger Betrieb: Zwölf Kinder und Jugendliche von 13 – 17 Jahren extrahierten DNA aus Früchten, ihrer Mundschleimhaut und aus Bakterien. Um an ihre eigene DNA zu gelangen, mussten sie mit einem Schluck Trinkwasser gurgeln und das Ergebnis in ein Reagenzröhrchen speien. Ein Schluck aus einem Reagenzröhrchen ist schon ungewöhnlich, und spätestens beim Gurgeln im Labor mussten viele über sich lachen.

Wer dem Treiben zusah, konnte zunächst kaum einen Unterschied zu den üblichen Ferienkursen des Schülerlabors auf dem Campus Berlin-Buch entdecken. Anders als sonst existierte jedoch eine Sprachbarriere. Die Zahl der Betreuenden war viel höher als sonst, denn die Anweisungen wurden auf Englisch und Ukrainisch gegeben.

Die Kurse des Gläsernen Labors für ukrainische Kinder anzubieten, geht auf die Initiative des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) zurück. „Die Resonanz auf meine E-Mail-Umfrage am MDC war enorm. Es ist toll, wie viele bereit sind zu helfen“, sagt Dr. Luiza Bengtsson, die am MDC für Wissenstransfer zuständig ist. Der erste Kurs mit Unterstützung der Freiwilligen vom MDC fand bereits am 13. April statt.

Neugierig auf die Biologie

Nach dem Mittagessen in der Mensa konnten die Kinder etwas entspannen, um dann Führungen Forschungslabore des MDC zu erleben. Sie lernten eine Technologieplattform zur Tierphänotypisierung kennen, besuchten die Arbeitsgruppe „Ankerproteine und Signaltransduktion“ von PD Dr. Enno Klußmann und die Arbeitsgruppe von Professor Thomas Willnow, die unter anderem Ursachen und Therapien von Alzheimer erforscht.

MDC-Doktorandin Oleksandra Kalnytska war eine der Freiwilligen, die die Kinder an diesem Tag begleiteten. Sie erlebte die Kinder und Jugendlichen als sehr aufgeschlossen. „Einige von ihnen kamen aus innerer Neugierde auf die Biologie, andere, um etwas Interessantes zu sehen, wieder andere, um neue Leute kennen zu lernen und möglicherweise Freundschaften zu schließen. Sie waren extrem neugierig und stellten viele Fragen, vor allem während der Laborbesuche“, sagt Kalnytska. „Ein 13-jähriges Mädchen fragte mich immer wieder nach der Alzheimer-Krankheit und ob es Möglichkeiten gibt, sie zu verhindern. Sie war begeistert von den Gehirn-Organoiden und wollte wissen, ob es möglich sei, ein echtes Gehirn zu züchten. Sie hofft, eines Tages Psychologin zu werden. Ein anderes Mädchen, 14 Jahre alt, fragte nach Lernmaterial über Biologie, da sie später gern Wissenschaftlerin werden würde.“

Auch Dr. Ihor Minia, Wissenschaftler am MDC, gehörte zu den Unterstützer*innen bei den Kursen für die ukrainischen Kinder. Er steuerte einige Experimente für den Kurs bei und verstand es, komplexe Themen wie die Plasmidbildung bei Bakterien so leicht zu erklären, dass sogar ein 10-Jähriger es verstand.

Oleksandra Kalnytska, die wie Ihor Minia aus der Ukraine stammt, engagiert sich seit Beginn des Krieges für Hilfe und Spenden für die Ukraine. Für das Ferienangebot ist sie sehr dankbar: „Ich denke, dass der Tag eine sehr positive Erfahrung für die ukrainischen Kinder war. Hier konnten sie zumindest für ein paar Stunden der Last des Flüchtlingsdaseins entfliehen und in eine neue Welt der wissenschaftlichen Wunder eintauchen.“

www.glaesernes-labor.de

forschen, bilden / 20.04.2022
Neu: Wissen erweitern in der CampusVital LOUNGE

Im Café rock-paper findet künftig auch die CampusVital LOUNGE statt. (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)
Im Café rock-paper findet künftig auch die CampusVital LOUNGE statt. (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)

CampusVital lädt alle Interessierten herzlich zur Auftaktveranstaltung der CampusVital LOUNGE am Mittwoch, den 27. April 2022 von 12:30-13:00 Uhr im Café rock-raper (Mensafoyer) ein.

Die CampusVital LOUNGE wird monatlich interessante Themen aus verschiedensten Wissensgebieten präsentieren. Dabei soll auch der Stand der Gesundheitsforschung auf dem Campus Berlin-Buch einfließen. In der ersten Veranstaltung stellt Dr. Katharina Nimptsch vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) das Thema „Krebsprävention durch Ernährung“ vor.

Katharina Nimptsch ist Ernährungswissenschaftlerin und Epidemiologin am MDC. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich vor allem mit dem Einfluss der Ernährung auf das Krebsrisiko, insbesondere auf die Entstehung von Darmkrebs. Sie ist an verschiedenen Projekten im Rahmen großer, europaweiter und amerikanischer Kohortenstudien beteiligt. In der CampusVital LOUNGE stellt Dr. Nimptsch wissenschaftlich fundierte Ernährungsempfehlungen zur Krebsprävention vor und erläutert diese.

Ort:

Campus Berlin-Buch
Mensafoyer, Haus A14
Café rock-paper
Robert-Rössle-Str. 10
13125 Berlin

forschen, heilen / 13.04.2022
Zusammen ist besser als allein: Wie ein altbekannter Wirkstoff zum Gamechanger werden kann

© Judith Bushe/ Anne Voß, FU Berlin
© Judith Bushe/ Anne Voß, FU Berlin

Zur Behandlung von COVID-19 stehen immer mehr Medikamente zur Verfügung. Berliner Forschende von Charité, FU und MDC haben die Wirkmechanismen von antiviralen und anti-entzündlichen Substanzen untersucht. Im Journal „Molecular Therapy“ beschreiben sie, dass eine Kombination aus beiden am besten funktioniert.

Noch immer führen Infektionen mit SARS-CoV-2 auch zu Aufnahmen in ein Krankenhaus. Derzeit werden laut Robert-Koch-Institut innerhalb einer Woche pro 100.000 Einwohner*innen etwa sechs bis sieben Menschen mit COVID-19 eingewiesen. Bei der stationären Behandlung von COVID-19-Patient*innen gibt es mittlerweile eine Reihe von Medikamenten, die den Krankheitsverlauf abmildern oder bei Schwerkranken das Risiko eines tödlichen Verlaufs verringern. Einige bekämpfen das Virus, andere die Entzündung, die es hervorruft.

Besonders werden monoklonale Antikörper und das stark entzündungshemmende Medikament Dexamethason eingesetzt. Antikörper fangen das Virus ab, heften sich an die Oberfläche des Spikeproteins und verhindern so, dass es in die menschlichen Zellen eintritt. Diese Therapie wird bis zum siebten Tag nach Beginn der Symptome angewandt. Sauerstoffpflichtige COVID-19-Patient*innen im Krankenaus erhalten in der Regel Dexamethason. Das Glukokortikoid hat sich seit etwa 60 Jahren bei einigen, auf einer übermäßigen Aktivierung des Immunsystems beruhenden Entzündungen bewährt. Auch bei COVID-19 dämpft es die Entzündungsreaktion des Körpers zuverlässig. Allerdings geht der Wirkstoff mit verschiedenen Nebenwirkungen einher, so kann er beispielsweise Pilzinfektionen nach sich ziehen. Deshalb sollte das Mittel nur sehr gezielt eingesetzt werden.

Schwerer Verlauf beim Zwerghamster

Wissenschaftler*innen der Charité, des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB) am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der FU Berlin haben die Wirkmechanismen beider Therapien untersucht. „Dabei haben wir Hinweise dafür gefunden, dass eine Kombination aus Antikörper- und Dexamethason-Therapie besser wirkt als die einzelnen Therapien für sich genommen“, sagt Dr. Emanuel Wyler, Wissenschaftler der Arbeitsgruppe RNA Biologie und Posttranscriptionale Regulation unter Leitung von Prof. Dr. Markus Landthaler am BIMSB, und Erstautor der Studie. Da nicht alle Lungenareale anhand von Proben von Patient*innen untersucht werden können, suchten die Forschungsteams im vergangenen Jahr zunächst nach einem geeigneten Modell. Co-Letztautor Dr. Jakob Trimpert, Tiermediziner und Arbeitsgruppenleiter am Institut für Virologie der Freien Universität Berlin, entwickelte in diesem Zuge COVID-19-Hamstermodelle. Die Tiere sind derzeit der wichtigste nicht transgene Modellorganismus für COVID-19, da sie sich mit denselben Virusvarianten wie Menschen infizieren und ähnliche Krankheitssymptome entwickeln. Die Erkrankung läuft bei den einzelnen Arten unterschiedlich ab: Goldhamster erkranken nur moderat, während Roborovski-Zwerghamster einen schweren Verlauf zeigen, der dem von COVID-19-Patient*innen auf Intensivstationen ähnelt.

Zusammenspiel der Signalwege

„In der aktuellen Studie haben wir die Auswirkungen von separaten und kombinierten antiviralen und entzündungshemmenden Behandlungen für COVID-19, also mit monoklonalen Antikörpern, Dexamethason oder einer Kombination aus beiden Therapien, in den vorhandenen Modellen geprüft“, erklärt Dr. Trimpert. Um das Ausmaß der Schädigung des Lungengewebes zu analysieren, untersuchten die Veterinärpathologen der FU Berlin infiziertes Lungengewebe unter dem Mikroskop. Außerdem bestimmte das Team um Dr. Trimpert zu verschiedenen Zeitpunkten der Behandlung die Menge an infektiösen Viren und Virus-RNA. So konnten die Wissenschaftler*innen überprüfen, ob und wie sich die Virenaktivität im Lauf der Therapie veränderte. „Mithilfe von detaillierten Analysen verschiedener Parameter einer COVID-19-Erkrankung, die so nur im Tiermodell möglich sind, ist es uns gelungen, nicht nur die Grundlagen der Wirkungsweise von zwei besonders wichtigen COVID-19-Medikamenten besser zu verstehen, wir fanden auch deutliche Hinweise auf mögliche Vorteile einer Kombinationstherapie aus monoklonalen Antikörpern und Dexamethason“, sagt Dr. Trimpert.

Den Einfluss der Medikamente auf das komplexe Zusammenspiel der Signalwege innerhalb der Gewebezellen und auf die Anzahl der Immunzellen haben Einzelzellanalysen gezeigt. Dabei lassen die Forschenden die einzelnen Zellen einer Probe über einen Chip laufen. Dort werden sie zusammen mit einem Barcode in kleine wässrige Tröpfchen verpackt. Auf diese Weise kann die RNA – der Teil des Erbgutes, den die Zelle gerade abgelesen hatte – sequenziert und später der Zelle wieder zugeordnet werden. Aus den gewonnenen Daten lässt sich mit hoher Präzision auf die Funktion der Zelle schließen. „So konnten wir beobachten, dass die Antikörper die Virusmenge effizient reduzieren konnten“, erläutert Dr. Wyler. „Im Modell half das jedoch nicht viel.“ Denn nicht die Viren schädigen das Lungengewebe, sondern die starke Entzündungsreaktion, die sie auslösen. Die Immunzellen, die die Eindringlinge bekämpfen, schütten Botenstoffe aus, um Verstärkung herbeizurufen. Die Massen an Abwehrkämpfern, die herbeiströmen, können die Lunge regelrecht verstopfen. „Verschlossene Blutgefäße und instabile Gefäßwände können dann zu einem akuten Lungenversagen führen“, erklärt der Wissenschaftler.

Bekannter Wirkstoff als Gamechanger?

Für eine Überraschung sorgte das altbekannte Dexamethason. „Der Entzündungshemmer wirkt ganz besonders stark auf eine bestimmte Art von Immunzellen, die Neutrophilen“, sagt Co-Letztautorin Dr. Geraldine Nouailles, wissenschaftliche Arbeitsgruppenleiterin an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité. Die Neutrophilen gehören zu den weißen Blutkörperchen und treten bei Infektionen mit Viren und Bakterien sehr schnell auf den Plan. „Das Kortison-Präparat unterdrückt das Immunsystem und hindert die Neutrophilen daran, Botenstoffe zu produzieren, die andere Immunzellen anlocken“, führt Dr. Nouailles aus. „So verhindert das Medikament sehr effektiv eine Eskalation der Immunabwehr.“

Die besten Behandlungsergebnisse erreichten die Forschenden, als sie die anti-virale mit der anti-entzündlichen Therapie kombinierten. „Eine solche Kombinationstherapie sehen die medizinischen Leitlinien bislang nicht vor“, betont Dr. Nouailles. „Hinzu kommt, dass eine Antikörpertherapie bislang nur bis zum maximal siebten Tag nach Symptombeginn bei Hochrisikopatient*innen verabreicht werden darf. Dexamethason wird in der Praxis erst verabreicht, wenn die Patient*innen sauerstoffpflichtig werden, also ihre Erkrankung bereits weit fortgeschritten ist. In der Kombination hingegen eröffnen sich ganz neue Zeitfenster der Behandlung.“ Ein Ansatz, der nun in klinischen Studien überprüft werden muss, bevor er für die Behandlung von Patient*innen infrage kommt.

Weitere Informationen

Arbeitsgruppe von Prof. Markus Landthaler

Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie

Fachbereich Veterinärmedizin der FU Berlin

AG Landthaler

Pressemitteilung zu vorangegangener Publikation 08/2021 in Nature Communications

Über die Studie

Gefördert wurden die Arbeiten unter anderem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Sonderforschungsbereich SFB-TR84, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit den Projekten CAPSyS-COVID sowie PROVID und das Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité mit CM-COVID. Ebenfalls ermöglicht hat die Studie das BMBF-geförderte Nationale Forschungsnetzwerk der Universitätsmedizin zu Covid-19 (NUM), im Teilvorhaben Organostrat.

Literatur

Emanuel Wyler et al (2022): „Key benefits of dexamethasone and antibody treatment in COVID-19 hamster models revealed by single cell transcriptomics “, in: Molecular Therapy, DOI: https://doi.org/10.1016/j.ymthe.2022.03.014

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

Über die Charité – Universitätsmedizin Berlin
Die Charité – Universitätsmedizin Berlin ist mit rund 100 Kliniken und Instituten an vier Campi sowie 3.001 Betten eine der größten Universitätskliniken Europas. Forschung, Lehre und Krankenversorgung sind hier eng miteinander vernetzt. Mit Charité-weit durchschnittlich 16.391 und konzernweit rund 19.400 Beschäftigten aus über 100 Nationen gehört die Berliner Universitätsmedizin zu den größten Arbeitgeberinnen der Hauptstadt. Dabei waren 4.707 der Beschäftigten im Pflegebereich und 4.693 im wissenschaftlichen und ärztlichen Bereich tätig. An der Charité wurden im vergangenen Jahr 132.383 voll- und teilstationäre Fälle sowie 655.138 ambulante Fälle behandelt. Im Jahr 2020 hat die Charité Gesamteinnahmen von rund 2,2 Milliarden Euro, inklusive Drittmitteleinnahmen und Investitionszuschüssen, erzielt. Mit den 196 Millionen Euro eingeworbenen Drittmitteln erreichte die Charité einen erneuten Rekord. An der medizinischen Fakultät, die zu den größten in Deutschland gehört, werden mehr als 8.600 Studierende in Humanmedizin, Zahnmedizin sowie Gesundheitswissenschaften ausgebildet. Darüber hinaus gibt es 577 Ausbildungsplätze in 10 Gesundheitsberufen. Die Berliner Universitätsmedizin setzt Akzente in den Forschungsschwerpunkten: Infektion, Inflammation und Immunität einschließlich Forschung zu COVID-19, Kardiovaskuläre Forschung und Metabolismus, Neurowissenschaften, Onkologie, Regenerative Therapien sowie Seltene Erkrankungen und Genetik. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité arbeiten unter anderem in 29 DFG-Sonderforschungsbereichen, darunter sechs mit Sprecherfunktion, in drei Exzellenzclustern, davon eines mit Sprecherschaft, 8 Emmy-Noether-Nachwuchsgruppen, 16 Grants des European Research Councils und 9 europäischen Verbundprojekten mit Charité-Koordination.

Foto: In jeweils 600-facher Vergrößerung: gesundes Lungengewebe mit offenen Lungenbläschen (links), schwere SARS-CoV-2-Infektion mit zerstörtem Gewebe und Immunzellen (mitte), deutlich weniger Zerstörung und verbesserter Gasaustausch nach Kombinationsbehandlung (rechts).© Judith Bushe/ Anne Voß, FU Berlin

Quelle: Pressemitteilung MDC
Zusammen ist besser als allein: Wie ein altbekannter Wirkstoff zum Gamechanger werden kann

leben / 12.04.2022
Fördermittel zur Unterstützung geflüchteter Menschen aus der Ukraine in Pankow

Das Integrationsbüro des Bezirksamts Pankow stellt ab sofort zwei neue Fördermöglichkeiten bereit, um Organisationen, Initiativen und Vereine im Bezirk bei ihrem Engagement für geflüchtete Menschen aus der Ukraine zu unterstützen.

I. #SolidarischesPankow: Im neu eingerichteten Projektfonds #SolidarischesPankow stehen Gelder in Gesamthöhe von 20.000 Euro zur Verfügung. In einem vereinfachten Verfahren können Sachmittel bis zu 2.000 Euro pro Organisation, Initiative oder Freiwilligen beantragt werden. Möglich ist beispielsweise die Anschaffung von Unterrichtsmaterialien, Hygieneartikeln, Fahrkarten, Eintrittskarten oder mobilen Internetzugängen. Auch verhältnismäßige Aufwandsentschädigungen können beantragt werden. Anträge können ab sofort laufend gestellt werden, eine Frist für die Einreichung gibt es nicht.  Die Förderentscheidung wird zeitnah nach Antragseingang getroffen.

2. #SonderprojekteUkraine: Die zweite Fördermöglichkeit #SonderprojekteUkraine ist ausschließlich für Projekte von Pankower Migrant:innenselbstorganisationen (MSO) vorgesehen und hat ein Gesamtvolumen von 100.000 Euro. Schwerpunkt der Maßnahme ist die Schaffung von Angeboten für Menschen, die im Zusammenanhang mit dem Kriegsgeschehen aus der Ukraine geflohen sind. Dabei kann es sich um die Unterstützung von Familien, Frauen und Kindern oder die Beratung und Begleitung von Schutzsuchenden handeln. Die Förderung bezieht sich auch auf Geflüchtete aus der Ukraine, die nicht die ukrainische Staatsbürgerschaft besitzen. Migrant:innenselbstorganisationen mit Sitz in Pankow können diese Zuwendungen für Projekte beantragen, die frühestens im Juni 2022 starten und die maximal bis Ende Dezember 2022 dauern. Die Frist zur Antragseinreichung im Integrationsbüro ist der 5. Mai 2022 (postalischer Eingang).

Bezirksbürgermeister Sören Benn: „Unser Integrationsbüro bietet mit diesen zwei neuen Fördertöpfen zwar keinen riesigen Fonds, aber jeder Euro zählt! Der Topf #SolidarischesPankow ist bürokratiearm angelegt und spricht eine breite Zielgruppe an. Mit #SonderprojekteUkraine soll gezielt die Arbeit der migrantischen Organisationen im Bezirk gestärkt werden. Ich danke allen, die sich für die Unterstützung der Geflüchteten einsetzen von Herzen für das unermüdliche Engagement!“

Antragsunterlagen für beide Fördermöglichkeiten befinden sich auf der Website des Integrationsbüros:
https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/beauftragte/integration/informationen-fuer-organisationen-und-initiativen/artikel.1189080.php

forschen / 11.04.2022
Magenentzündungen: wie eine bakterielle Infektion das Gewebe verändert

Mit Helicobacter-Bakterien infiziertes Magengewebe. Sich teilende Zellen sind grün, Zellkerne blau dargestellt. © Charité / Michael Sigal
Mit Helicobacter-Bakterien infiziertes Magengewebe. Sich teilende Zellen sind grün, Zellkerne blau dargestellt. © Charité / Michael Sigal

Wenn Bakterien die Magenschleimhaut besiedeln, drohen Entzündungen oder gar Magenkrebs. Ein Forschungsteam von Charité und MDC erklärt nun in „Nature Communications“, wie sich die Magendrüsen im Zuge einer Infektion verändern. Daraus könnte sich ein neuer Ansatzpunkt für Krebstherapien ergeben.

Eine Besiedelung des Magens mit Helicobacter pylori tritt weltweit bei etwa der Hälfte der Menschheit auf; sie zählt damit zu den häufigsten chronischen bakteriellen Infektionen. In der Folge können sich Entzündungen des Magens (Gastritis) oder Magenkrebs entwickeln. Wegen des ständigen Kontakts mit der Magensäure erneuert sich die gesunde Magenschleimhaut innerhalb weniger Wochen komplett, wobei ihre Struktur und Zusammensetzung stets unverändert bleibt. „Bisher ging man davon aus, dass eine Helicobacter-Infektion die Drüsenzellen der Magenschleimhaut direkt schädigt“, erklärt Professor Michael Sigal, Letztautor der Studie. „Unser Team hat nun herausgefunden, dass die komplexen Interaktionen verschiedener Zellen und Signale, die für die Stabilität des Gewebes sorgen, durch eine Infektion gestört werden.“

Michael Sigal ist Emmy Noether-Arbeitsgruppenleiter an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charité und am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB), das zum MDC gehört. Um die Veränderungen der Magendrüsen durch eine Helicobacter-Infektion nachzuverfolgen, hat sich das Team um Michael Sigal zusammen mit Forschenden vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie komplexe Mausmodelle zu Nutze gemacht, bei denen sich bestimmte Zellen der Magendrüsen mittels modernster Technologien – wie Bildgebung und Einzelzellsequenzierung am Gewebe – visualisieren, isolieren und genau untersuchen lassen. Darüber hinaus entwickelten sie im Labor spezielle organähnliche Mikrostrukturen – sogenannte Organoide –, um damit den Einsatz von Tiermodellen einschränken zu können. Mithilfe dieser winzigen Miniaturmägen konnten sie viele Eigenschaften der Drüsen nachempfinden und den Einfluss verschiedener Signale auf die dortigen Stammzellen, aus denen verschiedene Zelltypen entstehen können, untersuchen.

Stromazellen unterdrücken BMP-Signalweg

„Wir haben herausgefunden, dass die sogenannten Stromazellen, welche die Drüsen umgeben, nicht – wie bisher gedacht – nur für die mechanische Stabilität verantwortlich sind. Sie produzieren auch verschiedene Botenstoffe, die das Verhalten der Drüsen maßgeblich beeinflussen“, beschreibt Michael Sigal. Zu diesen Botenstoffen gehört auch das „Bone Morphogenetic Protein“ (BMP), das für die Gewebeentwicklung von Bedeutung ist. Die Forschenden konnten zeigen, dass Stromazellen, die die Drüsenbasis umgeben, den BMP-Signalweg fortwährend unterdrücken und so die Teilung der dortigen Stammzellen anregen. Hingegen aktivieren Stromazellen an der Drüsenspitze den Signalweg und unterbinden dort die Zellteilung. Dieser Einfluss der Umgebung ist die Grundlage für die stabile Drüsenstruktur. Durch eine Helicobacter-Infektion kommt es hingegen zur Ausschüttung von Endzündungsstoffen wie Interferon-gamma (IFN-γ). Im Zuge dieser Entzündungsreaktion werden nun vermehrt Botenstoffe produziert, die die Zellteilung der Stammzellen in den Drüsen anregen. Das führt schließlich zur sogenannten Hyperplasie – also dazu, dass sich das Gewebe vergrößert und Krebsvorläufer entstehen können.

„Unsere Erkenntnisse zeigen, dass eine Infektion und damit einhergehende Entzündung viel mehr Effekte im Gewebe hat als bisher angenommen: Klassische Entzündungsstoffe wie IFN-γ haben nicht nur eine direkte antimikrobielle Wirkung, sondern beeinflussen auch die Zellteilung und das Verhalten von Stammzellen im Gewebe. Bei einer Gewebeschädigung kann eine schnelle Zellteilung sehr sinnvoll sein, um eine rasche Heilung zu ermöglichen. Bei einer chronischen Entzündung im Zuge einer Helicobacter-Infektion könnte sie jedoch die Entwicklung von Krebsvorläufern begünstigen“, resümiert Michael Sigal. Die Signalwege bei der Interaktion zwischen dem Immunsystem und Stammzellen, die auch für andere Organe als den Magen bedeutsam sein könnten, stellen somit einen Ansatzpunkt für neue Therapien – sowohl in der Krebsvorsorge als auch in der regenerativen Medizin – dar.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung von Charité und MDC
Magenentzündungen: wie eine bakterielle Infektion das Gewebe verändert

produzieren, heilen / 08.04.2022
Eckert & Ziegler: Radboud University Medical Center in den Niederlanden behandelt ersten Patienten mit PENTIXAFOR

Das Radboud University Medical Center (RUMC) in Nijmegen, eines der größten Kompetenzzentren der Niederlande für Nebennierenerkrankungen, hat im Rahmen der CASTUS-Studie den ersten Patienten mit primärem Aldosteronismus mit dem Ga-68 basierten Diagnostikum PENTIXAFOR behandelt.

Das von PentixaPharm entwickelte PENTIXAFOR ist ein innovativer bildgebender PET-Tracer, der auf den Chemokin-4-Rezeptor (CXCR4) abzielt und zur Diagnose von verschiedenen onkologischen und inflammatorischen Erkrankungen eingesetzt wird. Das auf Ga-68 basierende PET-Radiodiagnostikum soll das Potenzial haben, die Diagnostik bei diesen Krankheitsbildern erheblich zu verbessern und die Patienten der passenden Therapie zuzuführen.

Beim primären Aldosteronismus (PA), auch Conn-Syndrom genannt, handelt es sich um eine Anomalie der Nebenniere, die entweder durch ein einseitiges Aldosteron produzierendes Adenom (APA) oder durch eine bilaterale Nebennierenhyperplasie (BAH) gekennzeichnet ist. Unabhängig von der Lage des pathologischen Gewebes verursachen Nebennierentumore eine Hypersekretion von Aldosteron, die zu einem erhöhten Blutdruck führt und daher eng mit einer hohen vaskulären Morbidität verbunden ist. Bei Patienten mit Bluthochdruck, allein in Deutschland ca. 20 Mio. Patienten, liegt die Prävalenz von PA bei etwa 5,9 %. Die Dunkelziffer ist aufgrund der komplizierten und invasiven Standarddiagnose mittels Nebennierenvenenentnahme (AVS) noch höher.

Die CASTUS-Studie ist ein klinisches Forschungsprogramm mit dem Ziel, die Genauigkeit von PENTIXAFOR bei der Diagnose von primärem Aldosteronismus zu evaluieren. Das Ga-68 basierende PET-Radiodiagnostikum soll insbesondere die Ein- oder Zweiseitigkeit der Aldosteron-Hypersekretion bei primärem Aldosteronismus erkennen. Dieses Unterscheidungsmerkmal bestimmt das Patientenmanagement und die medizinische Therapie. Im Vergleich zum bisherigen Diagnoseverfahren, bei dem mit einem aufwändigen operativen Eingriff Hormonwerte an der Nebenniere gemessen werden, handelt es sich um eine nicht-invasive Diagnostik. Um das Potenzial von PENTIXAFOR zu untersuchen, rekrutiert das RUMC bis zu 300 Patienten.

Das RUMC hat mit großem Erfolg begonnen, den ersten Patienten mit PENTIXAFOR zu untersuchen. Hochauflösende Bilder zeigen das Potenzial des nicht-invasiven PET-Radiodiagnostikums PENTIXAFOR. Einer der leitenden Prüfärzte der CASTUS-Studie, Professor J. F. Langenhuijsen erklärt: "Durch die höhere Sensitivität von PENTIXAFOR können wir die Lage des Nebennierentumors viel genauer bestimmen und möglicherweise den bisherigen, invasiven Goldstandard AVS für die Diagnose in der Zukunft ersetzen. Weitere Studien sind erforderlich, um den vielversprechenden prognostischen Wert von PENTIXAFOR zu Beginn oder während der Behandlungsbewertung zu bestimmen."

"Die Tatsache, dass eines der führenden Zentren in den Niederlanden wie das RUMC beschlossen hat, selbst an PENTIXAFOR zu arbeiten, zeigt das große Interesse, ein neues Diagnostikum für Nebennierenerkrankungen zu finden, und könnte den Weg zu zusätzlichen therapeutischen Alternativen ebnen. Mit der CASTUS-Studie hat PentixaPharm die Möglichkeit, neben seiner Kernentwicklungsstrategie in der Onkologie einen weiteren Therapiebereich zu erschließen", kommentiert Dr. Hakim Bouterfa, Gründer und Geschäftsführer der PentixaPharm GmbH. "Wir freuen uns, dass wir Professor J. F. Langenhuijsen, Professor J. Deinum und Professor M. Gotthard als Hauptprüfer für diese Studie gewinnen konnten."

Eckert & Ziegler (ISIN DE0005659700, TecDAX), der Inhaber der Rechte an der zugrundeliegenden [68Ga]Ga-PentixaFor PET-Verbindung, unterstützt das RUMC-Team durch die Bereitstellung von PENTIXAFOR. Im Gegenzug erhält Eckert & Ziegler Zugang zu den Studienergebnissen. PENTIXAFOR wird von der Eckert & Ziegler Tochter PentixaPharm GmbH als hochsensibles Diagnostikum für ein Portfolio von hämato-onkologischen Malignomen, darunter Myelome und Lymphome, entwickelt.

2021 erteilte die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) Eckert & Ziegler grünes Licht für den direkten Sprung in eine klinische Prüfung der Phase III für PENTIXAFOR und ermöglichte dem Unternehmen damit, eine Reihe zeitraubender Evaluierungsschritte einzusparen. Seit Ende Dezember ist das Phase III-Studiendesign in Amsterdam zur Prüfung eingereicht. Die EMA hat den Start der Begutachtung, der für den 7. März 2022 geplant war, jedoch vor kurzem um zwei Monate verschieben müssen, weil eine “außergewöhnlich hohe Nummer an Anträgen” auf einen durch Corona dezimierten Pool von Gutachtern traf und ihre Bearbeitungskapazitäten nicht ausreichen. Die klinische Prüfung der Phase III soll etwa 5 Monate nach Beginn der Begutachtung starten und etwa 500 Patienten in einer PAN-Krebsstudie mit europäischer Beteiligung einschließen.

Die CASTUS-Studie wird von ZonMW, der nationalen niederländischen Organisation für Gesundheitsforschung und Innovation im Gesundheitswesen unterstützt.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den führenden Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet weltweit an seinen Standorten Dienstleistungen und Produkte im Bereich der Radiopharmazie an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.
 

Quelle: Pressemeldung Eckert & Ziegler
Eckert & Ziegler: Radboud University Medical Center in den Niederlanden behandelt ersten Patienten mit PENTIXAFOR

forschen / 06.04.2022
Ranghohe Nacktmulle sind widerstandsfähiger

Begegnungen im Tunnel sind Statuswettbewerbe: Das ranghöhere Tier bewegt sich über das ihm unterlegene hinweg. Foto: Colin Lewin
Begegnungen im Tunnel sind Statuswettbewerbe: Das ranghöhere Tier bewegt sich über das ihm unterlegene hinweg. Foto: Colin Lewin

Nacktmulle sind immer wieder für eine Überraschung gut. Die MDC-Arbeitsgruppe von Gary Lewin hat jetzt herausgefunden, dass Tiere mit einem höheren Rang den sozial schwächeren wahrscheinlich auch in immunologischer Hinsicht überlegen sind. Seine Ergebnisse beschreibt das Team in „Open Biology“.

Sie sehen nicht nur ungewöhnlich aus, sie haben auch einen ungewöhnlichen Lebensstil: Ihr gesamtes Leben verbringen Nacktmulle unter der Erde. Sie kennen kaum Schmerz, erkranken nur äußerst selten an Krebs und werden für Nagetiere extrem alt; bis zu 37 Jahre. All das macht die nackten Tunnelbewohner zu besonders interessanten Tieren für die Wissenschaft.

Seit beinahe 20 Jahren erforscht Professor Gary Lewin am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) diese außergewöhnlichen Tiere. „Die Nacktmulle leben in straff organisierten Kolonien. Jedes Tier kennt seinen Rang und die damit verbundenen Aufgaben“, sagt Lewin. Gerade ist seiner Arbeitsgruppe „Molekulare Biologie der sensomotorischen Wahrnehmung“ gemeinsam mit Wissenschaftler*innen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), der Freien Universität Berlin und der Universität von Pretoria eine neue Entdeckung gelungen: Im Fachjournal „Open Biology“ schreiben die Forscher*innen, dass Nacktmulle mit höherem sozialen Rang eine größere Milz haben. Das Organ spielt eine wichtige Rolle im Immunsystem: Es ist an der Bildung, Reifung und Speicherung von Immunzellen beteiligt. „Das könnte bedeuten, dass ranghöhere Tiere eine bessere körpereigene Abwehr haben als Tiere, die unter ihnen stehen“, sagt Erstautorin Dr. Valérie Bégay aus Lewins Team.

Vergrößerte Milz ohne jegliche Krankheitszeichen

Weil die schrumpligen Würstchen auf vier Beinen so besonders sind, untersucht Dr. Valérie Bégay jeden einzelnen Nacktmull, der in einem Versuch zum Einsatz kommt. Dabei fiel ihr auf, dass bei einigen Tieren die Milz größer ist als bei anderen. Das machte sie stutzig. „Wir dachten zunächst, dass die Tiere mit der größeren Milz krank sind“, erzählt die Forscherin. Denn wenn der Körper gegen eine Entzündung oder Krankheit kämpft, vergrößert sich das Organ, weil dort viele Immunzellen gebildet und gespeichert werden. „Doch wir konnten nichts finden: weder Entzündungsmarker im Blut noch andere Hinweise auf eine Erkrankung. Hinter der vergrößerten Milz musste etwas anderes stecken.“

Dass die Größe der Milz vom Status des Tieres abhängt, fand Valérie Bégay mit Unterstützung von Dr. Alison Barker heraus. Die Wissenschaftlerin, die zuletzt die Dialekte der Mulle erforscht hat, kennt sich mit Experimenten für die Verhaltensforschung bestens aus. Um ihre Rangordnung zu bestimmen, lässt man zwei Nacktmulle in einer Röhre aufeinander zu laufen. „Das Tier mit dem höheren Rang wird dabei immer über das rangniedrigere Tier hinwegsteigen“, sagt Alison Barker, „es behält sozusagen die Oberhand.“

Ranghöhere Tiere kommen besser mit Krankheiten zurecht

So erkannten die Forscher*innen, dass es die höhergestellten Tiere sind, deren Milz vergrößert ist. Dann untersuchte Valérie Bégay die Organe auch auf molekularer Ebene. Mittels RNA-Sequenzierung und der Analyse von Gewebeproben klassifizierte sie die verschiedenen Immunzellen in der Milz. Dabei zeigte sich, dass in den vergrößerten Organen die Zahl der Makrophagen erhöht ist. Makrophagen sind so etwas wie die Abwehrsoldaten des Körpers. Sie beseitigen Krankheitserreger, indem sie sie umschließen und verdauen. Deshalb werden sie auch Fresszellen genannt. „Die vergrößerte Milz könnte die ranghöheren Tiere also in die Lage versetzen, Infektionen besser zu bekämpfen und mit Entzündungen oder Verletzungen leichter fertig zu werden“, erklärt Valérie Bégay.

Das stärkere Immunsystem bei höherstehenden Tieren ist kein Alleinstellungsmerkmal der Nacktmulle. Auch bei Makaken sind die Ranghöheren besser gegen Krankheiten gefeit. Allerdings ist bei den Affen nicht die Milz vergrößert, sondern das Immunsystem anders organisiert. „Dass es solche großen Unterschiede bei der Größe der Milz geben kann, ohne dass eine Krankheit vorliegt, hat uns wirklich überrascht“, sagt Gary Lewin. „Der Rang eines Nacktmulls hängt davon ab, wie er sich in der Gruppe verhält. Die Größe der Milz hängt wiederum mit dem Rang zusammen. Das würde letztlich bedeuten, dass das Verhalten direkt die physischen Eigenschaften des Immunsystems beeinflusst. Oder umgekehrt.“

Die Königin kennt keine Menopause

Die Forscher*innen vermuten außerdem, dass die Milz auch die Langlebigkeit der Tiere beeinflusst. Erfolgreiche Nacktmulle, also diejenigen, die sich am besten gegen die anderen durchsetzen, leben länger. Die Königin stirbt in der Regel nicht an ihrem Alter, sondern fällt meist einem Mord zum Opfer – nämlich dann, wenn ein anderes Weibchen männliche Anhänger um sich schart und die alte Königin aus dem Weg räumen lässt. „Bis zu ihrem letzten Tag ist die Königin fruchtbar“, sagt Gary Lewin. „Sie kennt keine Menopause – als würde ihr Organismus nicht altern.“ Das deutet zumindest darauf hin, dass ein starkes Immunsystem den Alterungsprozess verlangsamt. Für gewöhnlich bringen Säugetiere nicht bis an ihr Lebensende Nachkommen hervor, auf die fruchtbare folgt eine reproduktionsfreie Phase.

Den Wissenschaftler*innen stellen sich nun weitere Fragen. Etwa: Was ist zuerst da – die größere Milz oder der höhere Rang? Das ist bislang nicht geklärt. Klar ist nur, dass Nacktmulle nicht in ihren sozialen Status hineingeboren werden, sondern sich hocharbeiten. Ihre Triebfeder könnte das Verlangen nach Sex sein: Nur die Ranghöchsten – die Königin und zwei bis drei Paschas – dürfen sich vermehren. „Es könnte sich um einen Selektionsmechanismus handeln“, überlegt Gary Lewin. „Indem sich nur die Erfolgreichsten paaren, ist gewährleistet, dass die Tiere mit dem stärksten Immunsystem ihre Gene weitergeben.“

Auch für die Krebsforschung erhofft sich Gary Lewin neue Einblicke. Nacktmulle verfügen offenbar über ein sehr effizientes Krebsabwehrsystem. Ob die Milz daran beteiligt ist, müssen weitere Zellanalysen erst zeigen. „Da sind wir noch ganz am Anfang“, betont der MDC-Wissenschaftler.

Weitere Informationen

Literatur

Valérie Bégay et al (2022): „Immune competence and spleen size scale with colony status in the naked mole-rat“, in: Open Biology, DOI: https://doi.org/10.1098/rsob.210292

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

Quelle: Pressemitteilung auf der Webseite des MDC:
Ranghohe Nacktmulle sind widerstandsfähiger

heilen / 05.04.2022
Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch ist Teil des EURACAN Netzwerkes

Priv.-Doz. Dr. med. Per-Ulf Tunn (li) und Priv.-Doz. Dr. med. Peter Reichardt freuen sich sehr über die erfolgreiche Bewerbung bei EURACAN. (Archivfoto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Priv.-Doz. Dr. med. Per-Ulf Tunn (li) und Priv.-Doz. Dr. med. Peter Reichardt freuen sich sehr über die erfolgreiche Bewerbung bei EURACAN. (Archivfoto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

EU-weiter Zusammenschluss von Expertenzentren

Seit dem 17. März ist es offiziell: Das Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch ist jetzt Teil des Europaweiten Netzwerkes für seltene Tumoren bei Erwachsenen (European Reference Network EURACAN). Damit ist das Bucher Klinikum nach einem zweijährigen Bewerbungs- und Auswahlprozess die einzige Helios Klinik, die im EURACAN Netzwerk vertreten ist. Ziel dieses Netzwerkes ist die Verbesserung der Versorgungsqualität für alle europäischen Bürgerinnen und Bürger, die von seltenen Krebserkrankungen betroffen sind, sowie die Gewährleistung des Zugangs zu Innovationen in allen Mitgliedstaaten der EU.

Sarkome sind eine der komplexesten Krebsdiagnosen. Die Zahl der Sarkom-Neuerkrankungen in Deutschland wird auf ungefähr 5.000 pro Jahr geschätzt. Die Tumoren sind selten, oft aggressiv und schwer zu behandeln. Gerade deswegen sollten Betroffene die Sarkomtherapie in ausgewiesenen Spezial- bzw. Referenzzentren durchführen lassen. Das Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch wurde nun offiziell als EURACAN Expert Center im europäischen Referenznetzwerk (ERN) aufgenommen und ist somit eines von vier wichtigen Onkologischen Zentren in Deutschland, die sich auf die Sarkombehandlung spezialisiert haben und im EURACAN Referenznetzwerk vertreten sind. Hier werden Betroffene von ausgewiesenen Expertinnen und Experten behandelt.

Priv.-Doz. Dr. med. Peter Reichardt, Chefarzt der Klinik für Onkologie und Palliativmedizin und Leiter des Sarkomzentrums, erklärt: „Von der herausfordernden Diagnostik, über die verschiedenen Möglichkeiten in der chirurgischen Therapie und der Strahlentherapie, bis hin zu innovativen Ansätzen in der medikamentösen Therapie von Sarkomen: Das Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch verfügt über eine außergewöhnliche Expertise in der Behandlung und Erforschung dieser Krebsart, die wir fachübergreifend zum Wohle der Patientinnen und Patienten bündeln.“

Priv.-Doz. Dr. med. Per-Ulf Tunn, Chefarzt der Klinik für Tumororthopädie und ebenfalls Leiter des Sarkomzentrums im Helios Klinikum Berlin-Buch, ergänzt: „Wir freuen uns sehr über die erfolgreiche Bewerbung und auf den Austausch sowie die Zusammenarbeit in diesem internationalen Team. Wir hoffen mit unserer Fachexpertise die Versorgung von Betroffenen mit seltenen Tumorerkrankungen nachhaltig verbessern zu können.“

European Reference Network (ERN)

Bei den sogenannten ERNs handelt es sich um 24 europäische Referenznetzwerke, in denen mehr als 900 Einheiten aus 300 Krankenhäusern in Europa zusammenarbeiten. Diese patientenzentrierten virtuellen Netzwerke, an denen Gesundheitsdienstleister und Patientenvertreter aus ganz Europa beteiligt sind, zielen darauf ab, komplexe oder seltene Krankheiten und Leiden zu bekämpfen, die eine hochspezialisierte Behandlung sowie konzentriertes Wissen und Ressourcen erfordern. Als Teil der European Reference Networks befasst sich EURACAN speziell mit der Optimierung der Behandlung von erwachsenen Patientinnen und Patienten mit seltenen soliden Tumoren (RAre CANcers). EURACAN deckt insgesamt zehn Krankheitsdomänen ab. Eine Domäne davon ist der Bereich „Sarkome“.

Im Rahmen der Bewerbung für eine Domäne des Europäischen Referenznetzwerkes wird die Qualifikation eines Zentrums individuell geprüft. Das Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch wurde durch die internationalen Gutachterinnen und Gutachter für die Sarkome positiv bewertet. Durch die Mitarbeit im ERN unterstützt das Bucher Sarkomzentrum das EURACAN Netzwerk in der Umsetzung seiner Ziele. Diese umfassen zum Beispiel den verbesserten Zugang zu molekularer Diagnostik oder zu modernen Therapieverfahren in ganz Europa. Verwirklicht wird dies durch die Entwicklung von klinischen Leitlinien und durch die Ausarbeitung gemeinsamer Fort- und Weiterbildungskonzepte. Des Weiteren dient das Netzwerk als Plattform für den Austausch mit Patientinnen und Patienten und erleichtert die internationale Vernetzung und Zusammenarbeit.

Einen Überblick zum Referenznetzwerk EURACAN gibt es unter: euracan.ern-net.eu

Über das Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch

Das Sarkomzentrum am Helios Klinikum Berlin-Buch ist national und international eines der größten Zentren mit umfassender Expertise und jahrzehntelanger Erfahrung bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Knochen- und Weichgewebssarkomen. Wenige spezialisierte Zentren haben die nötige Erfahrung mit den seltenen Tumoren. Unser Sarkomzentrum ist seit Oktober 2008 von der Arbeitsgemeinschaft Knochentumoren e.V. als erstes „Interdisziplinäres Zentrum für Knochentumoren“ in Deutschland anerkannt. Im Sarkomzentrum wird die enge fachübergreifende Zusammenarbeit besonders spezialisierter Ärztinnen und Ärzte aus den Fachgebieten Medizinische Onkologie, Tumororthopädie, Chirurgische Onkologie, Thoraxchirurgie, Strahlentherapie, Kinderonkologie, Radiologie und Gewebediagnostik unter Einbeziehung der Psychoonkologie, des psychosozialen Dienstes und der Physiotherapie sichergestellt.

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Hauttumorzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.

Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zum Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.
Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 125.000 Mitarbeitenden. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien und Lateinamerika und die Eugin-Gruppe mit einem globalen Netzwerk von Reproduktionskliniken. Mehr als 22 Millionen Patient:innen entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2021 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von rund 10,9 Milliarden Euro.

In Deutschland verfügt Helios über 89 Kliniken, rund 130 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), sechs Präventionszentren und 17 arbeitsmedizinische Zentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,4 Millionen Patient:innen behandelt, davon 4,4 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland mehr als 75.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 56 Kliniken, davon sieben in Lateinamerika, 88 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 17 Millionen Patient:innen behandelt, davon 16,1 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt mehr als 46.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 4 Milliarden Euro.

Das Netzwerk der Eugin-Gruppe umfasst 33 Kliniken und 39 weitere Standorte in zehn Ländern auf drei Kontinenten. Mit rund 1.600 Beschäftigten bietet das Unternehmen ein breites Spektrum modernster Dienstleistungen auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin an und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 133 Millionen Euro.

Helios gehört zum Gesundheitskonzern Fresenius.

forschen, bilden / 05.04.2022
Forschung zum Anfassen

Claudia Jacob (Foto: Peter Himsel)
Claudia Jacob (Foto: Peter Himsel)

Erklären ist ihre Leidenschaft: Diplom-Biologin Claudia Jacob leitet das Gläserne Labor auf dem Campus Berlin-Buch. Dort bietet sie Schüler*innen die Möglichkeit, die Naturwissenschaften zu erkunden, zu experimentieren und sich mit Wissenschaftler*innen auszutauschen – vielleicht auch, um selbst mal eine*r zu werden.

Wenn sie die Kinder und Jugendlichen zu einem Neurobiologie-Kurs begrüßt, stattet Claudia Jacob die Schüler*innen erst einmal mit besonderen Brillen aus und lässt sie dann im Foyer des Max Delbrück Communications Center Ball spielen. Schnell breitet sich Gelächter über die plötzliche eigene Unbeholfenheit aus. Die Brillen ändern den Sehwinkel, das Werfen und Fangen funktioniert überhaupt nicht – so fühlt es sich an, wenn unser Gehirn und das Nervensystem nicht richtig arbeiten. „Dieser Beginn schürt die Neugier auf das Thema”, sagt Claudia Jacob. Sie leitet das Gläserne Labor, eine Bildungseinrichtung im Wissenschafts- und Biotechnologiepark Campus Berlin-Buch. Das Schülerlabor wird gemeinsam vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), dem Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und der Campus Berlin-Buch GmbH betrieben. Zahlreiche Förder-Institutionen und Sponsor*innen unterstützen es, darunter auch die auf dem Campus ansässige Eckert & Ziegler AG.

Claudia Jacob leitet das Gläserne Labor seit 2015. Nach einer Ausbildung zur chemisch-biologischen Assistentin hat sie Biologie und Umweltmanagement studiert. Ihr Studium finanzierte sie mit einer Halbtagsstelle an der Freien Universität Berlin. Bei der Arbeit mit jüngeren Studentinnen und Studenten merkte Claudia Jakob, dass sie gern erklärt. Also wurde sie Dozentin – und bewarb sich schließlich beim Gläsernen Labor, wo sie 2004 die Leitung des MDC-Schülerlabors übernahm. „Das Labor ist eine echte Perle”, sagt sie. Im Interview erklärt sie, warum.

Hier können Schüler*innen CRISPRn

Seit wann gibt es das Gläserne Labor?

Claudia Jacob: Das Gläserne Labor öffnete seine Labortür im Jahr 1999. Die Idee dazu hatte MDC-Gründungsdirektor Prof. Detlev Ganten: Es war zunächst als Informationszentrum zum Thema Gen- und Biotechnologie für eine allgemeine Öffentlichkeit gedacht. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern experimentieren, den Besucher*innen erklären, was auf dem Campus Berlin-Buch passiert, was Grundlagenforschung ist, wie Wissenschaft funktioniert. Es haben dann aber recht schnell Lehrkräfte ihren Bedarf an außerschulischen Experimentiermöglichkeiten angemeldet. Und so ist das Gläserne Labor schon bald zu einem der größten Schülerlabore Deutschlands geworden. Jährlich besuchen uns etwa 14.000 Schüler*innen und Lehrer*innen vor allem aus Berlin und Brandenburg.

Was bietet das Gläserne Labor an?

Claudia Jacob: Wir haben insgesamt sechs Labore, in denen wir für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe über 20 Experimentierkurse anbieten. Zu den Themen der Kurse gehören Molekularbiologie, Zellbiologie, Neurobiologie, Chemie, Radioaktivität sowie Ökologie. Wir gehören zu den wenigen Schülerlaboren in Deutschland, in denen Jugendliche Experimente mit CRISPR-Cas9 durchführen können. Daneben bieten wir aber auch Experimentierangebote für Grundschüler*innen oder in unserem Forschergarten sogar für die Kleinsten im Kindergartenalter. Zusätzlich haben wir Arbeitsgemeinschaften, in denen Schüler*innen naturwissenschaftliche Ausbildungsberufe kennenlernen und zu Themen wie Artenvielfalt, 3D-Druck oder naturwissenschaftlichen Phänomenen experimentieren können. Es gibt auch Ferienkurse, in denen Jugendliche herausfinden können, wie Laborarbeit aussieht, inklusive Besuch in einem Forschungslabor und dem Austausch mit Wissenschaftler*innen.

Verständnis schaffen, Begeisterung wecken

Sie machen also sozusagen Nachwuchswerbung für die Naturwissenschaften?

Claudia Jacob: Wir wollen mit unseren Angeboten erreichen, dass sich die Kinder und Jugendlichen für die Naturwissenschaften interessieren - und im besten Fall begeistern. Und ja: Die Ausbildungs- und Studienberatung machen wir gleich mit. Es müssen nicht alle studieren. Es gibt viele Ausbildungsberufe hier auf dem Campus. Neben Biologie- und Chemielaborant*in kann man hier zum Beispiel auch Tierpfleger*in, Fachinformatiker*in für Systemintegration, Medizinisch-technische*r Laboratoriumsassistent*in oder Kauffrau*mann für Büromanagement werden. Wir haben für ein Projekt eine Tierpflegerin porträtiert, die begeistert erklärt, wie wichtig ihr Beruf für die Forschung ist und welchen Stellenwert das Tierwohl hat. Im Gläsernen Labor können Jugendliche auch ein Freiwilliges Ökologisches Jahr absolvieren, in dem sie erst einmal ausprobieren können, ob ein naturwissenschaftlicher Beruf das Richtige für sie ist. Aber unsere Nachwuchsarbeit geht noch darüber hinaus.

Inwiefern?

Claudia Jacob: Im Rahmen des Sonderforschungsbereiches „Einrüstung von Membranen: Molekulare Mechanismen und zelluläre Funktionen“ (SFB 958) – Sprecher ist Professor Stephan Sigrist von der Freien Universität Berlin – gibt es ein Teilprojekt zur Öffentlichkeitsarbeit unter der Leitung von Professorin Petra Skiebe-Corrette und Professor Dirk Krüger, ebenfalls FU. Das Gläserne Labor und das NatLab der FU sind involviert. Doktorand*innen im SFB 958, Lehramtsstudierende der FU Berlin , Schüler*innen, Lehrkräfte und die interessierte Öffentlichkeit können hier lernen, wie Wissenschaftskommunikation funktioniert. Die Doktorand*innen erstellen dafür kurze Videos. In einem anderen Teilprojekt des SFB entwickelt die Arbeitsgruppe von Professor Oliver Daumke vom MDC einen Versuch zur Kristallisation und Röntgenstrukturanalyse von Membranproteinen. Dieses Experiment wird in unsere bestehenden Neurobiologiekurse für Schüler*innen sowie in die des NatLab der Universität integriert werden. Gleichzeitig erhalten die Schüler*innen mit Hilfe der Videos ein Einblick in die Membranforschung.

Fortbildung – auch fürs Fernsehen

Die Angebote des Gläsernen Labors beschränken sich nicht auf Schüler*innen?

Claudia Jacob: Nein. Wir bieten Fortbildungen für Biologie- und Chemielehrkräfte oder auch Vorlesungen an. Gerade jetzt, in Zeiten des Lehrer*innenmangels, erfahren wir einen sehr großen Zulauf. Daneben gibt es in unserer Akademie des Gläsernen Labors Weiterbildungen für Fachkräfte in den Life Sciences. Das Themenspektrum reicht von der PCR über die gute klinische Praxis bis hin zur Aktualisierung für Projektleitung und Beauftragte für Biologische Sicherheit und Patentrecht. Ein Thema ist auch, welche Karrierewege in der Wissenschaft möglich sind. Die Dozentinnen und Dozenten kommen aus dem MDC, dem FMP oder auch aus der Industrie und Wirtschaft.

Das ist eine ganze Menge.

Claudia Jacob: Und noch längst nicht alles. Auch Film und Fernsehen haben uns als Experten entdeckt. Kürzlich hatten wir eine Anfrage vom ZDF, es ging um die Produktion von Impfstoffen. Die Redaktion wollte wissen, ob sie die Laborsituation korrekt dargestellt hatte. Ich war sehr froh über diese Anfrage! Ich ärgere mich immer, wenn ich im Fernsehen Labore sehe, in denen es in Glaskolben blubbert, zischt und dampft, was mit der Realität nicht so viel zu tun hat.

Arbeiten Sie regelmäßig mit Wissenschaftler*innen des MDC zusammen?

Claudia Jacob: Selbstverständlich! Wir wollen das noch vertiefen. Die Ideen und Impulse aus den Arbeitsgruppen sind uns sehr wichtig. Wenn wir beispielsweise im Neurobiologiekurs das Thema Alzheimer behandeln, ist es zum Beispiel toll, dass mir Professor Thomas Willnow ein Präparat von einem Gehirnschnitt gibt. Manchmal reicht uns auch einfach eine schöne Geschichte.

Persönliche Geschichten erleichtern den Zugang

Können Sie ein Beispiel nennen?

Claudia Jacob: Geschichten, die uns helfen, die Forschung interessant zu erzählen. Von Herrn Willnow wissen wir zum Beispiel, dass er ursprünglich aus der Herz-Kreislaufforschung kommt und eher durch Zufall auf das Thema Alzheimer gestoßen ist. Heute ist er darin Experte. Wenn ich solche persönlichen Geschichten erzählen kann, finden das die Schüler*innen meistens sehr spannend.

Hat sich die Arbeit im Gläsernen Labor durch Corona verändert?

Claudia Jacob: Durch den Lockdown haben wir es jetzt oft mit jungen Menschen zu tun, die noch nie ein Labor von innen gesehen und eine Pipette in der Hand gehalten haben. Außerdem haben wir während dieser Phase erstmals Video-Experimentierkurse angeboten. Das war auch für uns ein großes Experiment! Wir mussten das ganze Labor umbauen, es war gar nicht so einfach, die Beleuchtung und die Kamerafrau da unterzubringen. Ein Kollege hat die Versuche bei sich zu Hause gemacht, er wurde dann dazu geschaltet. Das war schon eine spannende Erfahrung. Aber ich bin sehr froh, dass unsere Kurse wieder auf dem Campus in unseren Laboren stattfinden. Persönliche Begegnungen sind einfach besser.

Wissen über Wissenschaft vermitteln – wichtiger denn je

Erhalten Sie Feedback auf die Kurse?

Claudia Jacob: Viele Studierende sagen uns, dass wir besser ausgerüstet sind als die Unis. Darauf sind wir ein bisschen stolz. Als ich beim Gläsernen Labor angefangen haben, war das noch nicht so. Wir haben sehr viele Förderanträge geschrieben und auf diese Weise eine bessere Ausstattung finanziert. Von den Eltern hören wir oft, dass die Forscherferien, die wir übrigens auch für die Kinder von Campus-Mitarbeiter*innen anbieten, für ihre Jungen und Mädchen ganz toll waren – das freut uns natürlich sehr! Dann gibt es viele Lehrer*innen, die schon seit Jahren mit ihren Schüler*innen zu uns kommen. Aber auch junge Leute besuchen uns oft mehr als einmal. Nach einem Kurs fragen Schüler*innen, ob sie ein Praktikum bei uns machen können, um sich auf die Präsentationsprüfung in der zehnten Klasse vorzubereiten. Das ermöglichen wir ihnen gern. Zum Beispiel hatten wir einmal eine Schülerin, die mikroskopisch untersuchen wollte, welche Stärke sich besonders gut für ökologische Windeln eignet – Mais-, Kartoffel- oder Reisstärke? Die Reisstärke war’s. Von den Mitarbeiterinnen in unserer Ausbildungszentrale höre ich außerdem immer wieder, dass die meisten Bewerber*innen bereits als Schüler*in im Gläsernen Labor waren. Ich nehme an, dann hat es ihnen bei uns gefallen.

Was schätzen Sie an Ihrer Arbeit besonders?

Claudia Jacob: Es ist mir ein Anliegen, den jungen Menschen Wissenschaftsmündigkeit zu vermitteln – gerade heute, da so viele Wissenschaftsskeptiker auf den Plan treten und ihre selbsterfundenen Wahrheiten im Internet verbreiten. Für viele Menschen ist es sehr schwer, zwischen echten und den sogenannten “alternativen Fakten” zu unterscheiden. Ich hoffe, dass ich dabei helfen kann.

Das Interview führte Jana Ehrhardt-Joswig.

Zuerst erschienen auf https://www.mdc-berlin.de/de/news/news/forschung-zum-anfassen

Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
Forschung zum Anfassen

bilden / 05.04.2022
#EUwomen: Ausstellung zur Gleichberechtigung und Rolle der Frauen in der EU noch bis 4. Mai 2022 im Rathaus Pankow

Blick in die Ausstellung #EUwomen im Rathaus Pankow, Foto: Bezirksamt Pankow
Blick in die Ausstellung #EUwomen im Rathaus Pankow, Foto: Bezirksamt Pankow

Besucher:innen können Ideen zur Zukunft Europas einreichen

Wenn es um die Geschichte der Europäischen Union geht, dann ist oft von Vordenkern und Gründervätern die Rede. Dass auch Frauen aktiv und wegweisend an der Entwicklung und Umsetzung der europäischen Idee mitgewirkt haben, ist dagegen wenig bekannt. Die Wanderausstellung „#EUwomen. Frauen in der europäischen Politik. Erfolge, Chancen und Hürden“ beschäftigt sich mit Frauen, die die europäische Integration mitgestaltet haben oder noch heute mitgestalten. Im Vorfeld der diesjährigen Europa-Woche wird sie noch bis zum 4. Mai 2022 im Rathaus Pankow gezeigt. Die Ausstellung präsentiert Pionierinnen der europäischen Politik und greift darüber hinaus weitere Aspekte zur Chancengleichheit in EU-Institutionen und ihren Mitgliedstaaten auf.

Wer die Ausstellung im Rathaus Pankow besucht, kann in eigene Meinungen und Vorschläge zu wichtigen Zukunftsthemen der europäischen Politik aufschreiben und in eine aufgestellte Box einwerfen. Diese „Boxen-Aktion“ findet im Rahmen der Konferenz zur Zukunft Europas statt. Die Zukunfts-Konferenz bietet bei vielfältigen Veranstaltungen und Foren interessierten Bürger:innen die Möglichkeit, sich über die künftige Entwicklung in Europa austauschen. Die im Rathaus Pankow eingereichten Hinweise werden von der EU-Beauftragten des Bezirks Pankow, Dr. Ute Waschkowitz nach dem Ende der Ausstellung gesichtet und an die Plattform der Konferenz zur Zukunft Europas weitergeleitet. Das Europäische Parlament, der Rat und die Europäische Kommission haben sich verpflichtet, die Empfehlungen aus allen EU-Ländern in ihrem weiteren Handeln aufzugreifen. 

Die Wanderausstellung #EUwomen ist ein Projekt der Europaabteilung der Freien Hansestadt Bremen, gefördert durch die Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland. Im Anschluss wird sie im Mai im Fontanehaus in Reinickendorf und im Juni im Rathaus Spandau gezeigt.

Noch bis zum 4. Mai 2022 ist #EUwomen von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr in der 2. Etage des Rathauses Pankow (Breite Straße 24a-26, 13187 Berlin) kostenfrei zugänglich. Das Rathaus bleibt an Feiertagen geschlossen.

Weitere Informationen zur Konferenz zur Zukunft Europas: https://futureu.europa.eu

forschen / 01.04.2022
Ausgezeichnete Wissenschaftskommunikation

V.l.n.r.: Stephanie Sturm, Jana Schlütter, Jutta Kramm, Karoline Knop, Felix Petermann; von oben nach unten: Anke Brodmerkel, freelance writer and author of the text, Christina Anders, Silvio Schwartz, © Felix Petermann, MDC
V.l.n.r.: Stephanie Sturm, Jana Schlütter, Jutta Kramm, Karoline Knop, Felix Petermann; von oben nach unten: Anke Brodmerkel, freelance writer and author of the text, Christina Anders, Silvio Schwartz, © Felix Petermann, MDC

Nacktmulle sprechen Dialekt – das war eine der meistzitierten Pressemitteilungen des MDC im vergangenen Jahr. Nun beschert der Text dem Kommunikationsteam eine weitere Freude: den  ersten Platz beim diesjährigen Preis für Wissenschaftskommunikation des Informationsdienstes Wissenschaft.

Die Abteilung Kommunikation des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) wird für ihre Medienarbeit im Jahr 2021 ausgezeichnet und erhält den ersten Preis des Informationsdienstes Wissenschaft (idw). Mit dem Preis für Wissenschaftskommunikation würdigt der idw Pressemitteilungen von hoher handwerklicher Professionalität, überragendem Nachrichtenwert und wissenschaftlicher Bedeutung. Die Nachricht, dass Nacktmullkolonien ihre eigenen Mundarten entwickeln – so wie Menschen beispielsweise Bayrisch oder Sächsisch reden –, hat im vergangenen Jahr internationales Medienecho ausgelöst: „Die Zeit“ und „GEO“ berichteten darüber ebenso wie der „New Scientist“, der niederländische „De Standaard“, der Deutschlandfunk, die BBC oder ARTE. Das Kommunikationsteam des MDC hatte mit seiner prämierten Pressemitteilung auch umfangreiches Film- und Fotomaterial sowie Audiobeispiele für die Medien angeboten. „Das Interesse an dem Thema ist nach wie vor groß“, sagt Jana Schlütter, die stellvertretende Kommunikationsleiterin, „bis heute bekommen wir Anfragen zu dem Thema.“ Insgesamt hatten sich 84 Pressestellen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien um den idw-Preis beworben.

Die Jury begründet ihre Entscheidung damit, dass auf einen „lebendigen und neugierig machenden Einstieg ein klar gegliederter Fließtext folgt mit einer verständlichen, kurzweiligen und zugleich umfassenden Darstellung der erbrachten interdisziplinären Forschungsleistungen. Wir erfahren nicht nur viel über die Kommunikation der Nacktmulle, der Text bringt sie uns auch als soziale Wesen näher. Die Geschichte brachte den Nacktmull aufs Titelbild von ,Science‘. Zum großen internationalen Medienecho hat sicher auch das multimediale Paket aus Text, Bild und – bei diesem Thema natürlich besonders wichtig – Ton beigetragen.“

„Ein Ansporn für unsere Arbeit“

Jutta Kramm, Leiterin der MDC-Kommunikation, sagt zur Preisverleihung: „Wir freuen uns außerordentlich und bedanken uns für diese Auszeichnung. Sie ist für uns ein Ansporn. Wir wollen die biomedizinische Grundlagenforschung am MDC für alle Interessierten zugänglich, verständlich und erlebbar machen und die Prozesse des wissenschaftlichen Arbeitens erläutern. Dabei übertreiben wir nicht und versprechen nicht zu viel. Wie wichtig dies ist, zeigt sich gerade jetzt, wo Wissenschaftskeptiker*innen immer lauter werden.“

Insgesamt 14 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind am MDC damit befasst, der Öffentlichkeit die Forschungsinhalte des MDC zu vermitteln: in Form von Pressemitteilungen, Fotos und Videos, Ausstellungen und Social-Media-Aktivitäten, im Newsletter und auf der MDC-Webseite. Außerdem richten sie wissenschaftliche Konferenzen aus und organisieren Veranstaltungen für ein breites Laienpublikum, etwa zur Langen Nacht der Wissenschaft oder der Berlin Science Week, und für Schulen. Die Abteilung arbeitet dafür Hand in Hand mit den Wissenschaftler*innen des MDC sowie mit zahlreichen Kommunikationsteams von Partnerinstitutionen im In- und Ausland.

Die Nacktmulle sind besondere Versuchstiere am MDC: Sie kennen keinen Schmerz und keinen Krebs, sie werden sehr alt. Sie bilden Staaten und leben in freier Wildbahn unter extremen Bedingungen. „Das macht sie für die Wissenschaft – und für die Öffentlichkeit – interessant“, sagt Jana Schlütter. „In unserer Verantwortung liegt es, auch die damit verbundenen Tierversuche einzuordnen und zu zeigen, wozu sie gut sind.“

Pressemitteilung mit Wow-Effekt

Die ausgezeichnete Pressemitteilung stellt eine Science-Studie aus der Arbeitsgruppe „Molekulare Physiologie der somatosensorischen Wahrnehmung“ von Professor Gary Lewin vor. Gemeinsam mit Dr. Alison Barker aus seinem Team und mit Forscher*innen der südafrikanischen Universität Pretoria hat Lewin das leise Zwitschern von 166 Nacktmullen mithilfe von Algorithmen analysiert. Dabei haben die Wissenschaftler*innen festgestellt, dass jeder Nacktmull eine unverwechselbare Stimme und jede Kolonie ihren eigenen Dialekt hat. Das stärkt den Zusammenhalt im Nacktmullstaat – und hilft bei der Abgrenzung. „Menschen und Nacktmulle scheinen sich viel ähnlicher zu sein, als irgendjemand hätte ahnen können“, lautet das Fazit von Lewin. „Nacktmulle verfügen über eine Sprachkultur, die sich entwickelt hat, lange bevor es den Menschen überhaupt gab.“

Die zweitplatzierte Pressemitteilung kam vom Institut für Weltwirtschaft, Platz 3 belegte die Pressestelle der Philipps Universität Marburg. Der erste Platz ist mit 2.000 Euro dotiert, für den zweiten Platz gibt es 1.000 Euro, für den dritten Platz 500 Euro.

Weitere Informationen

Kontakt

Jutta Kramm

Leiterin Abteilung Kommunikation
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
+49-30-9406-2140
jutta.kramm@mdc-berlin.de oder presse@mdc-berlin.de

 

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

forschen / 31.03.2022
Methode der Hyper-CEST NMR erklärt den Aufbau eines neuartigen Container-Moleküls

Hyper-CEST als ultra-sensitive Methode der NMR-Spektroskopie weist zwei bislang "versteckte" Strukturen Metall-Organischer Käfige nach (Visualisierung: Barth van Rossum, FMP)
Hyper-CEST als ultra-sensitive Methode der NMR-Spektroskopie weist zwei bislang "versteckte" Strukturen Metall-Organischer Käfige nach (Visualisierung: Barth van Rossum, FMP)

Das Team um Leif Schröder vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) konnte mit Hilfe der Methode der Hyper-CEST NMR zwei bisher wenig erforschte Varianten eines Transportcontainertyps aus der Klasse der Metal Organic Polyhedra (MOP) darstellen. Diese Erkenntnis wollen die Forscher nutzen, um einen neuen Typ von Kontrastmitteln in der MR-Tomographie zu entwickeln.

Das Baukastenprinzip der Transportcontainer erweist sich in vielen Anwendungen als nützlich, um komplexe Strukturen für bestimmte Funktionen aus einzelnen, sich wiederholenden Untereinheiten zusammenzusetzen. In der Chemie kann es genutzt werden, um aus kleineren Moleküleinheiten ein sich selbst formendes Netzwerk zu bilden, das als Transportcontainer mit definierter Größe fungiert. Mehrere Metall-Ionen können etwa mit organischen Molekülen „verstrebt“ werden. Diese MOPs (Metal Organic Polyhedra) werden beispielsweise eingesetzt, um Treibhausgase einzufangen oder bessere Chemotherapeutika zu ermöglichen, indem sie mit bestimmten Wirkstoffen beladen werden, die sie dann im Tumor freisetzen. Etliche Aspekte des Verhaltens dieser Strukturen sind noch unzureichend erforscht. Dies liegt unter anderem daran, dass es nicht immer geeignete Methoden gibt, um das Be- und Entladen dieser MOPs auf molekularer Ebene zu beobachten – oft kann man weder für den Inhalt noch den Container selber Unterschiede zwischen der leeren und der beladenen Variante messen.

In Zusammenarbeit mit einem Team der Universität Oulu in Finnland hat die Arbeitsgruppe von Leif Schröder nun MOPs untersucht, die sich in Lösung spontan aus Eisen-Ionen und einer organischen Verbindung zu Tetraedern zusammensetzen. Dabei können die organischen Verstrebungen unterschiedlich an den „Knotenpunkten“ aus Eisen angebracht werden. Grundsätzlich beeinflusst dies die Eigenschaften der MOPs, u.a. auch in Bezug auf ihre Wirksamkeit, Tumorzellen zu töten. Bei dem hier untersuchten MOP dachte man bislang jedoch immer, dass es nur eine der theoretisch drei vorhergesagten Varianten gibt. Die beiden anderen wurden als zu instabil angesehen, weil sie sich in keiner analytischen Methode nachweisen ließen. Mit einem neuen Verfahren der Magnetresonanz (Hyper-CEST NMR) hat Schröders Mitarbeiter Jabadurai Jayapaul diese bislang fehlenden Varianten nun doch nachweisen können. Die Kollegen aus Finnland konnten mit theoretischen Berechnungen die Signale der „versteckten“ MOPs bestätigen. Sie treten zwar nur in sehr kleinen Anteilen auf, aber die Messungen ergaben, dass die veränderte Anbringung der Streben sehr starke Veränderungen beim Be- und Entladen der Container hervorrufen. Bestimmte Sub-Typen der Container können für eine Beschleunigung des Prozesses ausgewählt werden. Diese Erkenntnis nutzen die Forscher nun, um einen neuen Typ von Kontrastmitteln in der MR-Tomographie zu entwickeln, bei dem die Beladung des Containers das MRT-Signal beeinflusst. Die Beobachtung zeigt aber auch, dass es weiteres Potenzial für neue Einblicke bei der weiteren Optimierung von Wirkstoffträgern gibt. Der erste Eindruck, den man von diesen Strukturen bekommt, muss also nicht immer der richtige sein. Ein wesentlicher Teil ihrer Natur kann im Verborgenen liegen, bis man sie mit wesentlich empfindlicheren Methoden aufspürt.

Publikation

Jabadurai Jayapaul, Sanna Komulainen, Vladimir V. Zhivonitko, Jiři Mareš, Chandan Giri, Kari Rissanen, Perttu Lantto, Ville-Veikko Telkki, and Leif Schröder; Hyper-CEST NMR of metal organic polyhedral cages reveals hidden diastereomers with diverse guest exchange kinetics; Nature Communications; https://doi.org/10.1038/s41467-022-29249-w

produzieren / 30.03.2022
Eckert & Ziegler mit Rekordergebnis im GJ 2021 und positivem Ausblick

Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, TecDAX) erzielte im Geschäftsjahr 2021 einen Umsatz von 180,4 Mio. EUR (Vj. 176,1 Mio. EUR). Der Konzernjahresüberschuss erreichte mit 34,5 Mio. EUR (Vj. 22,9 Mio. EUR) oder 1,67 EUR pro Aktie (Vj. 1,11 EUR) eine neue Rekordmarke.

Im Segment Isotope Products stieg der Umsatz um 7% auf 95,8 Mio. EUR. Der Umsatzanstieg verteilte sich über alle Produktbereiche.
Aufgrund der Entkonsolidierung des Tumorbestrahlungsgeschäfts ging der Umsatz im Segment Medical um 2% auf 84,5 Mio. EUR zurück. Bereinigt um diesen Einmaleffekt generierte das Segment im Vergleich zum Vorjahr zusätzliches Umsatzwachstum. Wachstumstreiber ist weiterhin das Geschäft mit pharmazeutischen Radioisotopen.

Der Finanzmittelbestand zum 31. Dezember 2021 betrug 93,7 Mio. EUR. Gegenüber dem Jahresende 2020 entspricht dies einer Zunahme um 6,2 Mio. EUR. Da das Unternehmen weiterhin profitabel und selbstfinanzierend arbeitet, sieht sich der Vorstand mit den Barmitteln für anstehende Wachstumsinvestitionen gut gerüstet.

Für das laufende Geschäftsjahr 2022 rechnet der Vorstand mit einem Umsatzanstieg auf rund 200 Mio. EUR und einem Jahresüberschuss von rund 38 Mio. EUR. Die Prognose basiert auf einem gewichteten Durchschnittskurs von 1,20 USD pro Euro und steht unter dem Vorbehalt, dass aus den Entwicklungen in der Ukraine weiterhin keine größeren Verwerfungen resultieren.

Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung eine Dividende in Höhe von 0,50 EUR pro dividendenberechtigter Aktie (Vj. 0,45 EUR) vorschlagen

Den vollständigen Jahresabschluss 2021 finden Sie hier:
https://www.ezag.com/fileadmin/user_upload/ezag/investors-financial-reports/deutsch/euzj21d.pdf

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.

Pressemitteilung auf der Webseite von Eckert & Ziegler:
Pressemitteilung EZAG

forschen, investieren, produzieren, heilen / 28.03.2022
„Zulassung und Refinanzierung sind eine Herausforderung“

Interview mit Dr. Christina Quensel, Campus Berlin-Buch GmbH, und Dr. Kai Uwe Bindseil, Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH, erschienen in der Ausgabe „Smarte Medizin“ der Plattform Life Sciences 1/22


Berlin ist ein Hotspot der deutschen Biotechszene. Start-ups treffen auf gewachsene Unternehmen. Immer mehr Investoren und Risikokapital zieht es in die Stadt. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens sorgt für zusätzlichen Schub.

Plattform Life Sciences: Frau Dr. Quensel, wie definieren Sie eigentlich „smarte Medizin“? Welche Trends sehen Sie?

Dr. Quensel: Smarte Medizin bedeutet vor ­allem, dichter am Patienten zu sein. Auch wenn Begriffe wie „personalisiert“ oder ­„individualisiert“ schon länger genutzt werden, sind wir im Bereich der digitalisierten Medizin noch relativ am Anfang. Manche Begriffe werden in die Welt gesetzt, bevor wir wirklich auf dem Weg sind. Natürlich ­haben wir im Bereich der Technologie­entwicklung und Datenauswertung in den vergangenen Jahren immense Fortschritte gesehen: Wir können einzelne Zellen auf DNA- und RNA-Level sequenzieren oder das Proteinlevel und den metabolischen Zustand qualitativ und quantitativ bestimmen sowie die entsprechenden Daten anschließend mit Algorithmen auswerten. Ähnlich verhält es sich in der Bildauswertung. All diese Dinge muss man zusammenbringen, vor allem mit den Phänotypen, also den Krankheitsbildern, um eine zielgerichtete Behandlung und ­Therapie zu entwickeln. Auch die Gentherapie gewinnt mit den neuen Technologien eine ganz neue Bedeutung. Man geht neue Wege, weg von den klassischen Vektoren. Smarte Medizin umfasst nicht nur die digitale, sondern auch die biologische Welt.

Am Campus Berlin-Buch sind Sie mit Start-up-Themen sehr vertraut. Wie entwickelt sich aus Ihrer Sicht das Gründungsgeschehen im Bereich der smarten Medizin?

Dr. Quensel: T-knife mit seiner 110-Mio.-USD-Finanzierung aus dem vergangenen Jahr ist natürlich ein hervorragendes Beispiel für die Innovationskraft unseres Standorts. Aktuell sind weitere Ausgründungen aus dem ­benachbarten Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC Berlin) in der Pipeline, beispielsweise ein Projekt im ­Bereich Muskelstammzellen von Dr. med. Verena Schöwel-Wolf aus der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. med. Simone Spuler, sowie ­weitere Projekte aus der Stammzellforschung. Weiterhin sehen wir eine zunehmende Spezifizierung im Diagnostikbereich.

Herr Dr. Bindseil, welche Rolle spielt die smarte Medizin auf der nächsten BIONNALE?

Dr. Bindseil: In die smarte Medizin spielt der digitale Aspekt natürlich sehr hinein. Hier setzen wir auf der BIONNALE einen Schwerpunkt in der Zusammenarbeit mit der pharma­zeutischen Industrie. Es präsentieren sich kleine und mittelgroße Unternehmen im Rahmen der Veranstaltung, aber auch die großen Pharmakonzerne. „Precision Medicine“ ist ein weiterer Schwerpunkt, speziell mRNA und Immuntherapien. Erstmalig kommt das große Thema Nachhaltigkeit.

Dr.Quensel: Auf der BIONNALE trifft sich die gesamte Biotechbranche aus Berlin-Brandenburg. Zusätzlich wollen wir Ausgründungen an das Event heranbringen und auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, für die das Thema Ausgründung aktuell noch keine Rolle spielt.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen gewachsenen Unternehmen und jungen Akteuren im Bereich der smarten Medizin?

Dr. Bindseil: Dass kleine und große Unternehmen, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenarbeiten müssen und frühzeitig Medizin in die Lebenswissenschaften einbezogen werden muss, all das hat sich inzwischen durchgesetzt. Gerade in einem regulierten Markt muss man häufig von hinten aus ­denken: Wer verschreibt und bezahlt ein Produkt? Wer setzt es tatsächlich ein? Wer kann es produzieren? Wir sehen viele Teams, die sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette finden und zusammenkommen. Auch Big Pharma sucht vermehrt die Kooperation mit Start-ups, ebenso wie größere IT-getriebene Firmen. Auf der ­BIONNALE haben wir auch entsprechende Partnering-Formate. Zudem will Big Pharma immer häufiger auch frühe Technologien ­sehen. Die Zeiten sind vorbei, als man eine Phase II oder Phase III abgewartet hat, um dann einen Produktkandidaten einzulizenzieren oder aufzukaufen. Ein gutes Beispiel ist das Projekt „Virchow 2.0 – Innovationscluster für zellbasierte Medizin in Berlin-Brandenburg“. Ziel des Projekts ist es, die Kluft zwischen Grundlagenforschung und klinischen Anwendungen zu überbrücken und zellbasierte Medizin in die Klinik zu bringen. „Virchow 2.0“ ist einziger Berliner Finalist der zweiten Wettbewerbsrunde der Clusters4Future-Initiative des BMBF und geht aktuell in die Konzeptionsphase.

Wie muss ein Inkubator aufgestellt sein, um Ausgründungen im Bereich der Wirk­stoffentwicklung oder Gen- und Zellthera­pien eine starke Unterstützung zu sein?

Dr. Quensel: „Inkubator“ ist ein dehnbarer Begriff. Als Landesunternehmen sind wir vollständig selbstfinanziert. Auf Fördermittel können wir für größere Projekte zurückgreifen, etwa zur Errichtung unseres neuen Gründerzentrums BerlinBioCube. Anders sieht es bei den zu vermietenden Einheiten für Start-ups aus: Die Laborflächen, die wir anbieten, sind komplett leer, es sei denn, ­Geräte und anderes Inventar können vom Vormieter übernommen werden. Das bedeutet, dass die Projekte in der Wissenschaft so weit gegründet sein müssen, dass sie tatsächlich schon als Firma existieren und eine gewisse Grundfinanzierung mitbringen. In der Regel kennen wir natürlich die Start-up-Projekte und stehen mit den entsprechenden Technologietransferstellen in Verbindung. Wir versuchen beispielsweise, mittels unserer Netzwerke auch frühzeitig Kontakte zu Investoren herzustellen. Über die Akademie des Gläsernen Labors haben wir Programme aufgesetzt, um Entrepreneurship zu fördern. Wenn ein Start-up einmal größere Geräte benötigt, sind wir auf dem Campus mit unseren über 50 Biotechfirmen und den Forschungseinrichtungen ausgezeichnet vernetzt und können hier die entsprechenden Kontakte herstellen.

Hat die Pandemie zu verstärkten ­Investments in die risikobehaftete ­Biotechnologie geführt?

Dr. Bindseil: Ja – Investoren schauen verstärkt auf die Biotechnologie. Gleichzeitig erleben wir, dass auch neue Investoren aus anderen Branchen sich vermehrt für Life Sciences interessieren. Im vergangenen Jahr wurden in Berlin 10 Mrd. von in Deutschland insgesamt 15 Mrd. EUR Venture Capital investiert. Davon flossen aber nur rund 1 Mrd. EUR in die Lebenswissenschaften, wobei Berlin auch hier das größte Stück vom Kuchen abgreifen konnte. Einerseits sind das beeindruckende Zahlen, ­andererseits ist der Anteil der Life Sciences immer noch vergleichsweise klein. Trotzdem glauben Investoren wieder mehr an Biotechnologie und Pharmaentwicklung. Aber da muss mehr gehen! Natürlich sind wir glücklich über eine BioNTech-Erfolgsstory. In der digitalen Gesundheit kommen parallel neue Investoren hinzu. Gerade internationale ­Investoren wissen mittlerweile um das ­Potenzial der Lebenswissenschaften in Berlin. Nehmen wir die Finanzierungsrunden von T-knife, Ada Health oder caresyntax, einem Spezialisten für OP-Software. Persönlich ­erwarte ich in Zukunft auch stärkere Engagements von Corporate-Investoren.

Welche Hürden sehen Sie auf dem weiteren Siegeszug der smarten Medizin?

Dr. Quensel: Auf jeden Fall sehe ich Hürden im Bereich der Zulassung und Refinanzierung. Zahlreiche Firmen werden mit ihrer Technologie zunächst ins Ausland gehen. An unserem Standort gibt es z.B. das Unternehmen ASC Oncology, welches sich auf ­individualisierte Krebsdiagnostik spezialisiert hat. Dies wird aber noch nicht über das deutsche Gesundheitssystem refinanziert. Die Patienten zahlen heute diese Diagnostik selbst, denn der Outcome belegt, welche Art von Therapie eingesetzt werden kann, wenn diese in der 3D-Zellkultur anschlägt. Zukünftig ist größte Hürde für solche Technologien wahrscheinlich die Einführung der neuen EU-Verordnung über In-vitro-Diagnostika (IVDR). Diese stellt einen enormen personellen und finanziellen Aufwand für die Etablierung von Qualitätsmanagementstrukturen und deren Akkreditierung dar, um neue Medizinprodukte überhaupt auf den Markt bringen zu können. Gerade für kleine Firmen ist das nur schwer zu stemmen. Beim Thema Zelltherapie wird es spannend werden, zu beobachten, wie man Entwicklungen belohnen kann, damit noch mehr Investoren in dieses Thema einsteigen. Ein Problem während der Corona­pandemie war aber auch, dass Zulassungen, sofern sie sich nicht explizit mit COVID-19 ­beschäftigen, häufig auf die lange Bank ­geschoben wurden. Es gibt viele Krankheiten, die wesentlich tödlicher sind als Corona.

Dr. Bindseil: Es existiert eine Vielzahl von Hürden, gerade in Sachen Regulierung. Doch gerade am Beispiel Coronaimpfstoffentwicklung lässt sich beobachten: Wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und der Nutzen klar vorhanden ist, kann eine Entwicklung sehr schnell vorangetrieben werden. Neben der Erstattung geht es auch um das Thema Datenschutz. Nehmen wir die Beispiele „elektronische Patientenakte“ oder „elektronisches Rezept“ – hier liegen die Bremsklötze nicht nur bei der Politik, sondern auch bei den Lobbygruppen von Pharma und Medizinern. Auch hier müssen wir gemeinsam zu dem Punkt kommen: Das wollen wir! „Real World Evidence Data“ ist das Schlagwort. Und natürlich: Lebenswissenschaften kosten Geld. Es müssen weiterhin Anreize geschaffen werden, in zukunftsweisende Technologien zu investieren, und zwar nicht nur bei Milliardären, sondern auch bei breiteren Bevölkerungsschichten. Entsprechende Erträge dürfen nicht steuerlich belastet werden.

Frau Dr. Quensel, Herr Dr. Bindseil, ich bedanke mich für das interessante Gespräch!

Zu den Personen

Dr. Christina Quensel ist Geschäftsführerin der Campus Berlin-Buch GmbH – Center for Biotechs.

Dr. Kai Uwe Bindseil ist Head of Division Life Sciences/Healthcare Industry bei der Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH.

Das Interview erscheint in der Ausgabe „Smarte Medizin“ der Plattform Life Sciences 1/22.

 

Quelle: GoingPublic Redaktion /hg - 23. März 2022
„Zulassung und Refinanzierung sind eine Herausforderung“

forschen / 23.03.2022
Hilfe für die Ukraine

© Feraye Kocaoglu, MDC
© Feraye Kocaoglu, MDC

Kolleg*innen spenden Geld für Medikamente, Arbeitsgruppen bieten Jobs für ukrainische Forscher*innen an, und das Schülerlabor öffnet seine Tür für ukrainische Kinder. Der Krieg in der Ukraine hat am MDC große Solidarität ausgelöst. Ein Überblick.

Feraye Kocaoglu ist überwältigt. Mit so viel Geld und so großer Hilfsbereitschaft hatte sie nicht gerechnet. Kocaoglu, Assistentin mehrerer MDC-Forschungsgruppen, organisiert zurzeit die Unterstützung für ukrainische Geflüchtete. Gemeinsam mit Joanna Kaldrack aus der Abteilung Forschungsförderung und im Auftrag des Vorstands sowie des Krisenstabs am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) koordiniert sie die Aktivitäten des Zentrums, das Team ist unter ukraine@mdc-berlin.de erreichbar. Um rasch Spenden für Medikamente zu sammeln, hatte Feraye Kocaoglu bereits wenige Tage nach dem russischen Einmarsch einen Kuchenbasar organisiert, der sowohl auf dem Campus Buch als auch am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie des MDC in Mitte stattfand.

Geld für verschreibungspflichtige Medikamente

„Viele Beschäftigte haben Kuchen gebacken und gestiftet, und anstelle fester Preise konnten alle eine beliebige Summe für ihr Kuchenstück bezahlen. Dabei kamen unglaubliche 3223 Euro zusammen“, sagt Feraye Kocaoglu. Von dem Geld besorgen MDC-Forschende, die eine ärztliche Approbation haben, verschreibungspflichtige Medikamente. Diese bringt die Initiative für Wissensaustausch, Empowerment und Kultur (IWEK) in die Ukraine und verteilt sie dort. Wegen des großen Erfolgs planen die beiden Frauen nun einen weiteren Basar mit internationalem Fingerfood.

Auch Sachspenden – Hygieneartikel, frei verkäufliche Medizinprodukte wie Schmerzmittel oder Verbandmaterial sowie haltbare Lebensmittel – werden am MDC gesammelt, mit großer Unterstützung der technischen Assistentin Margareta Herzog. Koordiniert von der Doktorandin Oleksandra Kalnytska holen ukrainische Freiwillige diese Spenden regelmäßig ab und bringen sie an die Grenze. Auf einer Ukraine-Hilfe-Website im Intranet finden die MDC-Mitarbeitenden weitere Informationen, etwa wo man ebenfalls sinnvoll privat spenden kann. Dort werden auch konkrete Hilfsaufrufe veröffentlicht, etwa die Bitte um eine Möbelspende für eine geflüchtete Familie.

Dr. Luiza Bengtsson aus dem Kommunikationsteam des MDC ist Expertin für Wissenstransfer und arbeitet eng mit dem Schülerlabor des Campus Buch zusammen. Gemeinsam mit den Kolleg*innen des Gläsernen Labors organisiert sie jetzt einen Kurs für geflüchtete Kinder aus der Ukraine. „Die Resonanz auf meine E-Mail-Umfrage am MDC war enorm. Es ist toll, wie viele bereit sind zu helfen“, sagt sie. Zwei Termine stehen bereits fest: Am 13. und 20. April 2022 sind Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren eingeladen, „Forscherferien“ auf dem Campus Buch zu erleben, in denen sie Laborexperimente machen, spielen und basteln können.

Angebot für ukrainische Forschende

Dr. Joanna Kaldrack und Dr. Oksana Seumenicht kümmern sich um Fördermöglichkeiten für ukrainische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Denn neben schneller humanitärer Hilfe geht es auch darum, dass die geflüchteten Forscher*innen rasch wieder in ihrem Beruf arbeiten können. Das MDC ist auf Solidaritätslisten verschiedener wissenschaftlicher Organisationen und Initiativen vertreten. „Dort bieten wir uns als Partnerinstitution für ukrainische Forschende an, etwa um sich gemeinsam auf Förderungen zu bewerben“, berichtet Joanna Kaldrack. Die Forschenden können das MDC über die Solidaritätslisten der European Molecular Biology Organization (EMBO), von EU-LIFE, dem Bündnis der biowissenschaftlicher Spitzenforschungsinstitute Europas, oder der Initiative Science for Ukraine kontaktieren. Verschiedene MDC-Arbeitsgruppen haben sich dort mit ihrem wissenschaftlichen Fokus eingetragen.

Interessierte werden von Joanna Kaldrack zu den Arbeitsmöglichkeiten am MDC beraten. Zudem ist ein Matching-Programm in Vorbereitung, bei dem Gruppenleiterinnen und -leiter des MDC mit ukrainischen Forschenden verbunden werden sollen. „Noch ist unklar, wie solche Anstellungen administrativ geregelt und finanziert werden, und das MDC kann aktuell noch keine konkreten Jobs anbieten“, stellt Joanna Kaldrack klar. Um Geflüchtete aus der Ukraine, die eine Stelle im Bereich Administration oder Technische Assistenz suchen, kümmert sich die Geflüchteten-Initiative des Impuls- und Vernetzungsfonds der Helmholtz-Gemeinschaft. Auch hier hilft Joanna Kaldrack bei der Antragstellung.

Viele Menschen vom MDC engagieren sich außerdem privat. Zum Beispiel Molekularbiologe Dr. Emanuel Wyler. Er war mehrfach als Helfer am Berliner Hauptbahnhof im Einsatz, auch um die ukrainischen Familien über Corona zu informieren: „Am MDC haben wir ein Informationsblatt entwickelt, das die Krankheit und Maßnahmen wie 3G leicht verständlich erklärt. Eine Kollegin und ein Kollege haben es nun ins Ukrainische und Russische übersetzt“, berichtet der Wissenschaftler. Geplant ist, das Material auch in den großen Unterkünften in Berlin verteilen zu lassen, die in der nächsten Zeit Menschen aus der Ukraine aufnehmen werden.

Text: Wiebke Peters

Die Ukraine-Hilfe am MDC ist zentral über ukraine@mdc-berlin.de erreichbar. Geflüchtete aus der Ukraine sind herzlich willkommen, sich dort zu melden.

Weiterführende Informationen

produzieren / 23.03.2022
Eckert & Ziegler liefert Lutetium-177 für klinische Studien der kanadischen Alpha-9 Theranostics

Eckert & Ziegler (ISIN DE0005659700, TecDAX) hat mit dem kanadischen Biotechunternehmen Alpha-9 Theranostics Inc. (Alpha-9) einen Vertrag über die Lieferung von Lutetium-177 (non-carrier-added 177Lu) unterzeichnet. Das Radiopharmazeutikum wird für die Markierung von Prüfarzneimitteln eingesetzt, die Alpha-9 momentan in der klinischen Prüfung hat.

Zur Herstellung einer hochreinen Form von Lu-177 n.c.a. hat Eckert & Ziegler ein innovatives und einzigartiges Verfahren entwickelt. Alpha-9 wird das Radionuklid für die klinische Prüfung seiner therapeutischen Kandidaten gegen solide und hämatologische Tumore verwenden.

Mit dem Betastrahler Lutetium-177 lassen sich eine Vielzahl tumorspezifischer Medikamente markieren, die die strahlende Wirkung des Isotops direkt zur Tumorzelle bringt.

"Der Liefervertrag mit dem kanadischen Unternehmen Alpha-9 unterstreicht erneut unsere herausragende Kompetenz bei der Versorgung der pharmazeutischen Industrie mit Isotopen. Mit Produktionsstandorten in Europa, Asien und Nordamerika sind wir hervorragend aufgestellt, um die wachsende Nachfrage nach relevanten Isotopen und den damit verbundenen Entwicklungs- und Produktionsdienstleistungen zu bedienen", erklärt Dr. Harald Hasselmann, Mitglied des Vorstands und verantwortlich für das Segment Medical bei Eckert & Ziegler. "Unser kürzlich geschlossenes Joint Venture mit Atom Mines LLC verschafft uns einen exzellenten Zugang zu der knappen und unverzichtbaren Vorstufe Ytterbium-176 und ermöglicht es uns, Lutetium-177 n.c.a. in höchster Reinheit und zuverlässig an Pharmakunden weltweit zu liefern."

Alpha-9 fokussiert sich darauf, sein Portfolio an klinischen Kandidaten für die Radioligandentherapie weiterzuentwickeln und mögliche Therapien zu erforschen, um Patienten zu helfen.

Die Radionuklidtherapie mit Lutetium-177, die sich derzeit in einem späten Stadium der klinischen Entwicklung für verschiedene Krebsarten befindet, kann eine wertvolle Behandlungsalternative innerhalb der Präzisionsonkologie eröffnen.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.
Wir helfen zu heilen.

Über Alpha-9 Theranostics

Alpha-9 Theranostics ist ein radiopharmazeutisches Unternehmen und entwickelt diagnostische und therapeutische Wirkstoffe für solide und hämatologische Tumore. www.alpha9tx.com

produzieren / 22.03.2022
Eckert & Ziegler erweitert Liefervertrag mit Sirtex Medical auf chinesischen Markt

Die Eckert & Ziegler AG (ISIN DE0005659700, TecDAX) und Sirtex Medical (Sirtex) haben ihren langfristigen Liefervertrag über die Verwendung von Yttrium-90 in Sirtex-Mikrosphären zur Behandlung von Leberkrebs auf den chinesischen Markt ausgeweitet. Die Vereinbarung garantiert EZAG einen maßgeblichen Anteil an der steigenden weltweiten Nachfrage von Y90-basierten Mikrosphären. Von seinen Produktionsstätten in Braunschweig und Boston (MA), USA versorgt Eckert & Ziegler die Sirtex Standorte in Frankfurt, Boston und Singapur mit Yttrium-90.

„Wir freuen uns, dass die Sirtex-Mikrosphären nun die Zulassung für China erhalten haben und wir damit unsere langfristige strategische Partnerschaft sowohl volumenseitig als auch regional ausbauen werden,“ erklärt Dr. Harald Hasselmann, Vertriebsvorstand der Eckert & Ziegler AG. „Bereits seit 2019 sind wir mit unserer Radiopharma-Sparte in China, einem der am stärksten wachsenden Gesundheitsmärkte und treiben den Ausbau unserer Aktivitäten stetig voran. Dabei setzen wir vor allem auf Kundennähe. Mit der Eröffnung einer eigenen Produktionsstätte in Jintan ab Ende 2024 wollen wir unseren globalen Pharmakunden vor Ort mit der Lieferung medizinischer Isotope und Dienstleistungen bestmöglich zur Seite stehen und damit am Wachstum des chinesischen Gesundheitsmarktes partizipieren.“

"Der Abschluss dieses Liefervertrags stärkt die bereits enge Beziehung zwischen den beiden Unternehmen im Hinblick auf den Eintritt von Sirtex in den chinesischen Markt," ergänzt Grant Spindler, Global Head of Operations bei Sirtex Medical Limited.

Bei der Radioembolisation oder selektiven internen Radiotherapie (SIRT) werden winzige radioaktive Kügelchen direkt in die Lebertumore eingebracht. Die klinischen Daten dieser Therapieform, die bereits seit 2002 angewendet wird, überzeugen immer stärker. Das renommierte britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) erteilte im Februar 2021 eine positive Empfehlung für die Behandlung von fortgeschrittenen Leberkarzinomen mit SIR-Spheres® Y-90 Mikrosphären.
Nach Schätzungen von GLOBOCAN 2020 sind die Morbiditäts- und Mortalitätsraten für Leber- und Darmkrebs in China etwa doppelt so hoch wie die durchschnittlichen weltweiten Werte. In China gab es im Jahr 2020 410.000 neue Fälle von Leberkrebs mit 390.000 Todesfällen und mehr als 550.000 neue Fälle von Darmkrebs mit mehr als 280.000 Todesfällen.

Im Hinblick auf die steigende Nachfrage nach radiopharmazeutischen Substanzen erweitert Eckert & Ziegler momentan seine Produktionsstandorte. Der Standort Boston (MA), USA wurde vor kurzem um eine neue GMP-Anlage ergänzt. Am Standort Berlin werden die GMP-Anlagen ebenfalls ausgebaut:  im zweiten Quartal 2022 ist eine GMP-Gesamtfläche von rund 270 m² betriebsbereit, weitere GMP-Laborflächen werden folgen. In Jintan (China) investiert Eckert & Ziegler bis zu 50 Mio. EUR in den Bau einer Produktionsstätte für Radiopharmazeutika.

Mit dieser Expansionsstrategie positioniert sich Eckert & Ziegler als globaler Partner der radiopharmazeutischen Industrie und bietet neben der Lieferung von Isotopen komplette Frühentwicklungsdienstleistungen an, einschließlich Prozessentwicklung und Scale-up, CMC-Entwicklung, Herstellung und Verpackung, Produktfreigabe und Stabilitätsprogramme. Das Unternehmen wird damit in der Lage sein, als radiopharmazeutischer Auftragsfertiger Produkte im klinischen Maßstab der Phasen I, II und III und für den kommerziellen Einsatz herzustellen.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 800 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.
 

Quelle: Pressemitteilung EZAG
Eckert & Ziegler erweitert Liefervertrag mit Sirtex Medical auf chinesischen Markt

17.03.2022
Voraussetzungen für 10-Minuten-Takt von Buch nach Bernau geschaffen

Länder Berlin und Brandenburg unterzeichnen Finanzierungsvereinbarung für 13 weitere Teilmaßnahmen (2. Tranche) mit Deutscher Bahn. Darunter: der zweigleisige Ausbau zwischen Buch und Bernau

Die Länder Berlin und Brandenburg haben eine Finanzierungsvereinbarung mit der Deutschen Bahn für weitere Teilmaßnahmen zur Weiterentwicklung und Engpassbeseitigung im Berliner S-Bahnnetz unterzeichnet. Für die kommenden Projektplanungen stehen nach einer ersten Tranche über 32 Mio. Euro vom Februar 2021 jetzt weitere 35 Mio. Euro Landesmittel für die zweite Tranche zur Verfügung. Der Netzausbau ist Bestandteil des Infrastrukturprojektes i2030, in dem sich die Länder Berlin und Brandenburg, die Deutsche Bahn und der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) zusammengeschlossen haben. Für die gesamte Hauptstadtregion sollen damit mehr und bessere Schienenverbindungen geschaffen werden.

Die 35 infrastrukturellen Einzelmaßnahmen, zu denen sich die i2030-Partner verständigt haben, sind zur Bestellung zusätzlicher Verkehrsleistungen, zur Verbesserung der Betriebsqualität und für die geplanten Streckenausbauten im Berliner S-Bahnnetz erforderlich. Die im Februar 2021 abgeschlossene Sammelvereinbarung regelt die finanzielle Absicherung der Planung von der Vor- bis hin zur Genehmigungsplanung (Leistungsphasen 2 bis 4) durch die Länder Berlin und Brandenburg. In einer zweiten Tranche stehen nun 35 Mio. Euro Landesmittel zur Fortführung der Planungen von 13 Teilmaßnahmen bereit. Für die noch offenen Maßnahmen wird die Bildung von weiteren Tranchen in den kommenden Monaten angestrebt.

Bettina Jarasch, Senatorin für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz des Landes Berlin:

 „Wir binden Berlins Peripherie besser an und schaffen neue Mobilitätsangebote für die Menschen in der Hauptstadtregion. Berlin investiert gemeinsam mit Brandenburg, der Bahn und dem VBB in das Schienenausbau-Projekt i2030, das diese neuen Verbindungen stärkt, innerhalb der Stadt, bis an den Stadtrand und darüber hinaus. Mit der zweiten Finanzierungstranche verbessern wir das Berliner S-Bahn-Netz, schaffen mehr Flexibilität und Kapazität für die wichtigsten Strecken in und um Berlin. Die S-Bahn kann so verlässlich mehr Fahrgäste transportieren – und wir liefern endlich die Voraussetzungen für 10-Minuten-Taktungen auf bestehenden Außenstrecken, etwa zwischen Bernau und Buch. Das sind genau die Verbesserungen, die wir brauchen, um Pendlerinnen und Pendler vom Umstieg auf die Bahn zu überzeugen.“

Guido Beermann, Minister für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg:

„Die S-Bahn ist ein wichtiges Bindeglied zwischen unseren beiden Ländern. Sie trägt damit wesentlich zur wirtschaftlichen Entwicklung der Hauptstadtregion bei. Deshalb wollen wir mit i2030 gemeinsam Engpässe beseitigen, die Angebote ausbauen und so die Pendlerströme zwischen Berlin und Brandenburg entzerren. Gleichzeitig bringen wir mit der klimafreundlichen S-Bahn die Verkehrswende voran. Mit der jetzt startenden Planung zum zweigleisigen Ausbau der S-Bahn zwischen Buch und Bernau schaffen wir die Voraussetzungen für den betrieblich möglichen 10-Minutentakt auf dem Nordast der S2. Die S5 nach Strausberg ist schon Gegenstand der 1. Tranche gewesen.“

Alexander Kaczmarek, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern:

„Nicht nur Streckenverlängerungen bringen mehr und neue Fahrgäste in das System Bahn. Wenn die Mobilitätswende wirklich Realität werden soll, braucht auch das bestehende S-Bahnnetz Verbesserungen in Qualität und Quantität. In der 2. Tranche des S-Bahnpakets in i2030 schaffen wir als Deutsche Bahn gemeinsam mit den Ländern Berlin und Brandenburg die Voraussetzungen für mehr Fahrgäste in noch pünktlicheren und häufiger fahrenden Zügen u.a. durch zahlreiche neue Abstell- sowie Zugbildungsanlagen.“

Susanne Henckel, Geschäftsführerin des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB):

„Die Berliner S-Bahn ist seit Jahrzehnten eine tragende Säule des Öffentlichen Verkehrs in Berlin und Brandenburg. Sie ist eine Hauptschlagader des ÖPNV im VBB-Land. Mit der jetzigen Finanzierungsvereinbarung wird die Zukunftsfähigkeit der S-Bahn weiter abgesichert. Die vorgesehenen Verbesserungen bringen neben mehr Material besonders auch mehr Qualität für die Fahrgäste sowie absolute Klimafreundlichkeit. Es braucht jetzt alle gebündelten Kräfte, um die 35 Einzelmaßnahmen für die Berliner S-Bahn und die weiteren acht i2030-Korridore in den kommenden Jahren umzusetzen. Das ist essentiell für eine gelingende Verkehrswende.“

Der Fokus bei der zweiten Tranche liegt auf dem Ausbau von Abstellanlagen im Zuge der S-Bahnausschreibung mit einer Erweiterung der Zugflotte und Angebotsverdichtung in den kommenden Jahren. Die zusätzlich benötigte Infrastruktur wird auch innerhalb von i2030 geplant und umgesetzt. Weitere Schwerpunkte sind der Streckenausbau zur Ermöglichung eines 10-Minuten-Taktes zwischen Buch und Bernau und die Realisierung der Verkehrsstation Kamenzer Damm. Darüber hinaus sollen die S-Bahnverkehre auf der Ringbahn durch neue Weichenverbindungen und Bahnsteigkanten, den Ausbau der Energieversorgung und die Ergänzung moderner Leit- und Sicherungstechnik stabilisiert werden.

Hintergrund Berliner S-Bahn: Die S-Bahn leistet einen wichtigen Beitrag für eine klimafreundliche Mobilität in der Stadt und auf den Siedlungsachsen im nahegelegenen Umland. Sie ist komplett elektrifiziert und fährt vollständig mit Ökostrom. Die Fahrgäste profitieren von einem gut ausgebauten Netz und kurzen Fahrzeiten durch die großflächige Stadt. Die S-Bahn vernetzt den Innenstadtbereich mehrmals die Stunde mit den Umlandgemeinden. Sie bringt bereits heute täglich etwa 1,5 Millionen Menschen von A nach B. Seit Jahren entscheiden sich immer mehr Menschen für die S-Bahn. So stiegen die Fahrgastzahlen von 2012 bis 2018 um 21 Prozent. Der aktuelle Berliner Nahverkehrsplan rechnet bis 2030 mit einer weiteren Nachfragesteigerung von bis zu 42 Prozent für die öffentlichen Verkehrsangebote.

 

Die 2. Tranche umfasst folgende Teilmaßnahmen:

  1. Abstellanlage Beusselstraße/Westhafen

  2. Zweigleisiger Ausbau zwischen Buch – Bernau

  3. Abstellanlage Frohnau

  4. Umwandlung Haltepunkt Westkreuz in einen Bahnhof durch zusätzliche Weichenverbindung

  5. Abstellanlage Waidmannslust

  6. Abstellanlage Marzahn

  7. Zugbildungsanlage Nordbahnhof

  8. Abstellanlage Lichterfelde Süd

  9. 3. Bahnsteigkante Halensee

  10. 3. Bahnsteigkante Messe Nord und Anbindung Kehranlage

  11. 3. Bahnsteigkante Westend

  12. Verkehrsstation Kamenzer Damm

  13. Abstellanlage Hundekehle

 

Das i2030-Maßnahmenpaket für die Berliner S-Bahn ermöglicht die Umsetzung folgender Ziele:

  • Mehr Züge: Angebotsausweitung und mehr Kapazität

  • Ausweitung des 10-Minuten-Taktes auf Außenästen des Netzes

  • Verbesserung der Pünktlichkeit und der Zuverlässigkeit

  • Erweiterung des Netzes für einen stabilen Verkehr nicht nur im Regelbetrieb, sondern auch bei planmäßigen Abweichungen wie Baustellen oder Instandsetzungsarbeiten sowie im Störungsfall

  • Veränderung des Modal Split zu Gunsten des ÖPNV

  • Senkung des CO2-Ausstoßes

 

Mehr Informationen zum Projekt finden sich auf www.i2030.de/sbahn

forschen / 17.03.2022
Zwei ERC-Consolidator-Grants für MDC-Forscher

Dr. Jan-Philipp Junker (links) und Dr. Darío Lupiáñez © Felix Petermann, MDC
Dr. Jan-Philipp Junker (links) und Dr. Darío Lupiáñez © Felix Petermann, MDC

Wie kann ein Herz sich selbst heilen? Und wie entscheidet sich, welches Geschlecht ein Lebewesen hat? Der Europäische Forschungsrat ERC zeichnet Dr. Jan-Philipp Junker und Dr. Darío Lupiáñez mit Consolidator Grants aus. Damit verbunden ist eine Förderung in Höhe von zwei Millionen Euro über fünf Jahre.

Im Labor sind sie Nachbarn, jetzt können sie auch gemeinsam feiern: Der Europäische Forschungsrat ERC zeichnet Dr. Jan-Philipp Junker und Dr. Darío Lupiáñez jeweils mit einem Consolidator Grant aus. Die beiden Juniorgruppenleiter am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) gehören damit zu 61 Preisträger*innen aus Deutschland. Insgesamt hatten sich dieses Mal 2.652 Forscherinnen und Forscher aus ganz Europa beworben, 313 waren erfolgreich. Die begehrte Auszeichnung ist mit einer Förderung in Höhe von zwei Millionen Euro über fünf Jahre verbunden. Die klügsten Köpfe können damit ihren Ideen freien Lauf lassen und ihre Projekte voranbringen.  

Für Jan-Philipp Junker ist es bereits die zweite ERC-Förderung. „Dabei geht es nicht nur um Geld, ein ERC bringt auch Sichtbarkeit. Und man kann größer denken, hat mehr Flexibilität“, sagt der Leiter der Arbeitsgruppe „Quantitative Entwicklungsbiologie“. Junker forscht seit 2015 am MDC. Mit „Heart States“ will er untersuchen, wie sich die verschiedenen Zellen im Zebrafisch-Herzen zeitlich und räumlich so koordinieren, dass sich das Organ selbst heilen kann. „Das Herz ist für uns auch ein Modell: Wie reagiert ein komplexes System auf eine Störung?“ 

Dass die dreidimensionale Struktur des Genoms Auswirkungen auf die Biologie eines Organismus hat, hat Darío Lupiáñez bereits als Postdoktorand gezeigt. „Damals waren wir die ersten, die einen Zusammenhang nachgewiesen haben“, sagt Leiter der Arbeitsgruppe „Epigenetik und Geschlechtsentwicklung“. Seit 2017 forscht er am MDC, mit „3D-Revolution“ will er abermals Pionierarbeit leisten. Ihn interessiert, wie sich die Verpackung des DNA-Strangs in den Zellkern bei verschiedenen Arten auf die Geschlechtsentwicklung auswirkt. „Wir wollen die molekularen Mechanismen verstehen, die den Arten eine Anpassung an ihren Lebensraum ermöglichen und ihre Evolution antreiben“, sagt er. Sein Projekt wird er ab 2023 als Forschungsgruppenleiter am Andalusischen Zentrum für Entwicklungsbiologie (CABD) in Sevilla weiterführen. 

Die Projekte im Detail: 

Das Zebrafisch-Herz heilt sich selbst

Wenn ein Mensch einen Herzinfarkt hat, bleibt Narbengewebe zurück. Das Organ kann sich nicht vollständig erholen. Beim Zebrafisch ist das anders. Wird das Herz des Tieres verletzt, heilt es sich selbst. Dieses Kunststück würde die Medizin gern kopieren – zumindest teilweise. Doch der Weg dahin ist lang. Zuerst gilt es, den Prozess grundlegend zu verstehen.

Jan Philipp Junker untersucht mit seinem Projekt „Heart States“, wie es die verschiedenen Zellen im Herzen schaffen, sich zeitlich und räumlich so zu koordinieren, dass sie die Organfunktion wiederherstellen können. „Wir haben zum Beispiel eine Art molekulare Zeitmaschine entwickelt“, sagt er. Damit kann sein Team nachvollziehen, welche Gene die Zellen zu zwei verschiedenen Zeitpunkten abgelesen haben. „Diese Daten zeigen uns, welche Zelltypen beim Zebrafisch in welchem Umfang auf die Verletzung des Herzens reagieren und vorübergehend in einen aktivierten Zustand übergehen.“  

In einem zweiten Schritt analysieren Junker und seine Kolleg*innen, was dabei innerhalb der jeweiligen Zellen passiert: Welche Mechanismen lösen die Aktivierung aus und welche Programme werden durch die Änderung des Zellzustands angeschaltet? Der dritte Schritt betrifft die Koordination der Zellen untereinander. „Um die Heilung des Herzens zu orchestrieren, müssen die Zellen miteinander kommunizieren“, sagt Junker. „Und dazu müssen wir wissen, welche Zellen eigentlich benachbart waren, ob Rezeptoren und Liganden sich räumlich nah waren.“ Nach und nach will Junkers Team die entscheidenden Schalter herausfiltern und ihre Rolle in Experimenten bestätigen – und den ersten umfassenden Überblick erstellen, wie Zellzustände zur Regeneration eines komplexen Organs führen.

Ein erwachsenes Organ wie das Herz sei für ihn auch ein Wagnis, sagt Junker. „Ich komme ja aus der Entwicklungsbiologie. Umso dankbarer bin ich Daniela Panáková, die schon lange am Zebrafisch-Herz forscht und uns mit ihrem Wissen und ihren Ideen sehr bei der Konzeption geholfen hat.“ Das Projekt passe perfekt zum MDC. Systemmedizin mit Schwerpunkt Herz – dafür finde man hier alle Kooperationen: für bioinformatische Analysen, räumliche Transkriptomik und auch für die Kardiologie beim Menschen. „Das Regenerationspotenzial beim menschlichen Herzen zu wecken, wäre natürlich großartig“, sagt Junker. Doch vorher stünden sicherlich Maus-Experimente an: Vielleicht bekommt ja das Säugetierherz die richtigen Signale, kann aber nicht mehr darauf reagieren?

Geschlechterfrage fasziniert Menschen seit 3000 Jahren

Ein Labor weiter schaut sich Darío Lupiáñez ebenfalls ein Phänomen an, das im Tierreich mitunter völlig anders funktioniert als beim Menschen. „Mit unserem Projekt 3D-Revolution versuchen wir eine Frage zu beantworten, die die Menschheit seit fast 3000 Jahren fasziniert: Wie wird das Geschlecht eines Individuums bestimmt“, sagt Lupiáñez. Die Hochkulturen der Antike griffen auf Mythologie zurück. „Wir nutzen jetzt die Genetik.“ 

Die Evolution hat zahlreiche Wege gefunden, um das Geschlecht zu bestimmen – und das berühmte Y-Chromosom gibt es nur bei Säugetieren. Bei Vögeln sind es die Weibchen, die über das entscheidende Chromosom verfügen. Bei Amphibien wie Fröschen sind die Geschlechtschromosomen dagegen nicht gut differenziert. Und in extremeren Fällen, wie bei Schildkröten, kann die Temperatur den Ausschlag geben, ob ein Embryo männlich oder weiblich sein wird. „Dieser Prozess ist offenbar einer raschen Evolution unterworfen. Wir werden uns die 3D-Organisation der Genome ansehen, um zu verstehen wie er auf molekularer Ebene abläuft“, sagt Lupiáñez. 

In jedem Zellkern, der etwa 200-mal kleiner als ein Stecknadelkopf ist, ist ein zwei Meter langer Erbgutfaden verpackt. Er hält trotzdem alle Informationen auf Abruf bereit, die ein Organismus zu seiner Entwicklung und seinem Fortbestehen benötigt. „Die Verpackung ist alles andere als zufällig“, sagt Lupiáñez. „Wir haben gezeigt, dass die die dreidimensionale Struktur des Genoms Auswirkungen auf die Regulation der Gene hat und zu bestimmten Krankheiten führen kann. Die Veränderungen können aber auch zur Evolution einer Art beitragen, zu einer besseren Anpassung an ihre Umwelt.“

Er und sein Team werden sich genau jenen Zeitpunkt in der Entwicklung von Säugetieren, Vögeln, Amphibien und Schildkröten anschauen, an dem sich das Geschlecht entscheidet. Sie werden die Daten durchforsten und vergleichen, inwieweit die genregulatorischen 3D-Landschaften übereinstimmen und was sich im Laufe der Evolution verändern kann. „Das ist wirklich Neuland, niemand hat sich das bisher angeschaut“, sagt Lupiáñez. Denn Forscher*innen hatten bisher nur begrenzte Möglichkeiten, das Genom zu lesen, zu interpretieren und zu verändern. „Jetzt haben wir neue Werkzeuge, um Genomvarianten mit Phänotypen zu verbinden. Und die Förderung des ERC wird es uns ermöglichen, unsere Forschung auf eine breitere Basis zu stellen. Ich bin meinem Team unendlich dankbar. Alle haben sich sehr engagiert, um die notwendigen vorläufigen Daten zu erstellen.“

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung des ERC

AG Junker 

Porträt: Wie Zellen Entscheidungen treffen

AG Lupiáñez

Darío Lupiáñez wird EMBO Young Investigator

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de 

Quelle: Pressemitteilung MDC
Zwei ERC-Consolidator-Grants für MDC-Forscher

 

forschen / 14.03.2022
Kooperation für bessere medizinische Bildgebung

Bei der Vertragsunterzeichnung (von oben): Prof. Thoralf Niendorf (MDC), Prof. Dr. Georg Rose (STIMULATE und OGVU), Prof. Heike Graßmann, Administrative Vorständin (MDC) u. Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan (Rektor der OGVU). © Peter Himsel/MDC
Bei der Vertragsunterzeichnung (von oben): Prof. Thoralf Niendorf (MDC), Prof. Dr. Georg Rose (STIMULATE und OGVU), Prof. Heike Graßmann, Administrative Vorständin (MDC) u. Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan (Rektor der OGVU). © Peter Himsel/MDC

Gemeinsame Pressemitteilung des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin und der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin und die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg werden künftig auf dem Gebiet der medizinischen Bildgebung zusammenarbeiten. Dazu ist am Freitag, den 11. März 2022, auf dem Forschungscampus Berlin-Buch ein Kooperationsvertrag unterzeichnet worden.

Der Forschungscampus STIMULATE der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OVGU) und das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in Berlin wollen in Zukunft kooperieren. Ein entsprechender Vertrag wurde am 11. März 2022 in Berlin unterzeichnet. Der Rektor der OVGU, Professor Jens Strackeljan, sagte nach der Unterzeichnung: „Ich freue mich sehr darüber, dass durch die vereinbarte enge Kooperation des MDC mit dem Forschungscampus STIMULATE unserer Universität eine starke Medizintechnik-Achse zwischen Berlin und Magdeburg aufgebaut wird.“

„Die Forschungsprofile unserer beiden Einrichtungen sind geeignet, Synergieeffekte zu generieren sowie Ressourcen und Kompetenzen wechselseitig zu optimieren“, ergänzte die Administrative Vorständin des MDC, Professorin Heike Graßmann. Beide Einrichtungen wollen die Medizintechnik insbesondere in der diagnostischen und interventionellen Bildgebung gemeinsam weiterentwickeln.

Die intensivere wissenschaftliche Kooperation sehen die Partner als eine langfristige Aufgabe an. Beide Vertragspartner nannten neben der Forschung, der Translation und der Lehre vor allem die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses als wichtiges Anliegen.

Gemeinsame Symposien und Summer Schools

Konkret geht es darum, mit Drittmitteln eine Plattform für Magnetresonanz-Tomographie (MRT) gemeinsam mit akademischen und industriellen Partnern beider Seiten aufzubauen. Sie soll die Zukunft der Technologie definieren. Außerdem wollen die beiden Institutionen gemeinsame Symposien und Summer Schools organisieren sowie einen Inkubator für Start-ups aufbauen.

Bereits jetzt engagieren sich das MDC und die OVGU gemeinsam mit Berliner und Potsdamer Universitäten im Netzwerk „Artificial Intelligence in Digital Health (AIDHeal)“. „Künstliche Intelligenz ist Technologietreiber für die moderne medizinische Bildgebung. Deshalb verknüpfen wir im AIDHeal-Netzwerk Entwickler und Anwender, um die internationale Sichtbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit von ‚Digital Healthcare, Made in Germany‘ zu erhöhen“, sagte Professor Thoralf Niendorf, der am MDC die Arbeitsgruppe Experimentelle Ultrahochfeld-MR leitet.

„Die sich ergänzenden Expertisen beider Standorte, also die exzellente Grundlagenforschung des MDC und die transferorientierte Forschung verbunden mit den bereits entstandenen Start-ups am Forschungscampus STIMULATE, sind der Schlüssel für eine kontinuierliche Translation der Lösungen in die Gesellschaft“, sagt der Sprecher des Magdeburger Forschungscampus, Professor Georg Rose. Medizinische Bildgebung und translationale Anwendung stehen im Mittelpunkt, wenngleich auch gesellschaftspolitische Fragestellungen berücksichtigt werden sollen, die methodisch eine verstärkte Interdisziplinarität erfordern.

Das MDC gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Die OVGU führt mit dem Forschungscampus STIMULATE eines der international wichtigsten Zentren für bildgeführte minimal-invasive Interventionen. Beide Institutionen besitzen exzellente Expertise in der Bildgebung.  

Foto: Bei der Vertragsunterzeichnung (von oben nach unten): Prof. Thoralf Niendorf (MDC), Prof. Dr. Georg Rose (Sprecher Forschungscampus STIMULATE und Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg), Prof. Heike Graßmann, Administrative Vorständin (MDC) und Prof. Dr. -Ing. Jens Strackeljan (Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg). © Peter Himsel/MDC

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung auf der MDC-Webseite

Experimentelle Ultrahochfeld-MR am MDC

Forschungscampus STIMULATE

Was bringt künstliche Intelligenz der Medizin?

www.mdc-berlin.de

forschen / 14.03.2022
Mit mRNA zu neuer Muskelkraft

Nach der Genomeditierung verschmolzen die Stammzellen zu mehrkernigen Fasern (Myotuben). In grün ist eine schwere Kette Myosin zu sehen; in blau die Zellkerne. (Foto: AG Spuler)
Nach der Genomeditierung verschmolzen die Stammzellen zu mehrkernigen Fasern (Myotuben). In grün ist eine schwere Kette Myosin zu sehen; in blau die Zellkerne. (Foto: AG Spuler)

Mutationen, die zu Muskelschwund führen, lassen sich mit der Genschere CRISPR/Cas9 reparieren. Ein Team um die ECRC-Forscherin Helena Escobar hat das Werkzeug jetzt erstmals mit mRNA in menschliche Muskelstammzellen eingeschleust. Damit ist eine Methode gefunden, die sich therapeutisch nutzen lässt.

Es ist nur eine winzige Veränderung im Genom, die dennoch fatale Effekte hat: Muskeldystrophien werden fast immer durch ein einzelnes fehlerhaftes Gen ausgelöst. So unterschiedlich die Mutationen bei den rund fünfzig bekannten Formen dieser Erkrankungen sind, führen sie letztendlich alle zu einem sehr ähnlichen Ergebnis. „Aufgrund des Genfehlers verändern sich der Aufbau und die Funktion der Muskeln, so dass die Erkrankten einen fortschreitenden Muskelschwund erleiden“, erläutert Professorin Simone Spuler, die Leiterin der Arbeitsgruppe Myologie am Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung des Berliner Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Ist beispielsweise die Atem- oder Herzmuskulatur betroffen, kann die Krankheit tödlich enden.

Bei Mäusen hat sich die Methode schon bewährt

Heilbar sind Muskeldystrophien bislang nicht. Genau das versuchen Spuler und ihr Team jedoch zu ändern. Ihre jüngste Publikation, die in der Fachzeitschrift „Molecular Therapy Nucleic Acids“ erschienen ist, macht den Weg frei für eine Studie, bei der eine am ECRC entwickelte Therapie erstmals an Patientinnen und Patienten mit erblichem Muskelschwund getestet werden soll. „Wir verfolgen schon seit Jahren die Idee, erkrankten Menschen Muskelstammzellen zu entnehmen, die veränderten Gene mithilfe der Genschere CRISPR/Cas9 zu reparieren und die so behandelten Zellen zurück in die Muskeln zu injizieren, damit sie sich dort vermehren und neues Muskelgewebe bilden“, erläutert Dr. Helena Escobar, Postdoktorandin in Spulers Arbeitsgruppe und gemeinsam mit ihr Letztautorin der aktuellen Arbeit.

Vor einiger Zeit konnten die Forscher*innen bereits zeigen, dass das Verfahren bei Mäusen, die an Muskelschwund leiden, funktioniert. „Unsere Methode hatte bisher allerdings einen Haken“, sagt Escobar: „Wir haben die Bauanleitung für die Genschere mithilfe von Plasmiden – das sind ringförmige, doppelsträngige DNA-Moleküle aus Bakterien – in die Stammzellen eingeführt.“ Plasmide könnten sich aber ungewollt in das ebenfalls doppelsträngige Genom der menschlichen Zellen integrieren und dann zu unerwünschten, wenig abschätzbaren Effekten führen. „Patientinnen und Patienten hätten wir so daher nicht behandeln können“, sagt Escobar.

Gendefekte werden gezielt korrigiert

Das Team machte sich daher auf die Suche nach einer besseren Alternative: Gefunden hat es sie in Form von mRNA, jenen einsträngigen Erbgutmolekülen, die zuletzt vor allem als wesentlicher Bestandteil zweier Corona-Impfstoffe von sich reden gemacht haben. „In den Impfstoffen enthalten die mRNA-Moleküle die genetische Information für den Aufbau des Spike-Proteins des Virus, mit dem der Erreger in menschliche Zellen eindringt“, erläutert Christian Stadelmann, Doktorand in Spulers Arbeitsgruppe. Neben Silvia Di Francescantonio aus dem gleichen Team ist er einer der beiden Erstautor*innen der Studie. „Für unsere Zwecke nutzen wir mRNA-Moleküle, die die Bauanleitung für die Genschere enthalten.“

Um die mRNA in die Stammzellen hineinzuschleusen, wendeten die Forscher*innen ein Verfahren namens Elektroporation an, bei dem die Zellmembranen vorübergehend für größere Moleküle durchlässig werden. „Mithilfe von mRNA, die die genetische Information für einen grün fluoreszierenden Farbstoff enthielt, konnten wir zunächst nachweisen, dass fast alle Stammzellen die mRNA-Moleküle in sich aufnehmen“, berichtet Stadelmann. In einem nächsten Schritt zeigte das Team über ein absichtlich verändertes Molekül auf der Oberfläche menschlicher Muskelstammzellen, dass es mithilfe der Methode gelingen kann, Gendefekte gezielt zu reparieren.

Eine klinische Studie ist bereits geplant

Schließlich probierte das Team noch ein der Genschere CRISPR/Cas9 ähnliches Werkzeug aus, das die DNA aber nicht zerschneidet, sondern nur an einer Stelle punktgenau verändert. „Wir können damit noch feiner arbeiten. Allerdings ist dieses Tool nicht für jede Mutation geeignet, die eine Muskeldystrophie hervorruft“, erklärt Stadelmann. Mit Experimenten in der Petrischale konnten er und sein Team nun zeigen, dass die reparierten Muskelstammzellen ebenso wie gesunde Zellen in der Lage sind, miteinander zu fusionieren und junge Muskelfasern zu bilden.

„Wir planen jetzt, gegen Ende des Jahres eine erste klinische Studie mit fünf bis sieben Patientinnen und Patienten zu starten, die an Muskeldystrophie leiden“, kündigt Spuler an. Das zuständige Paul-Ehrlich-Institut habe die Idee beratend unterstützt. Natürlich könne man keine Wunder erwarten, sagt die Forscherin. „Erkrankte, die im Rollstuhl sitzen, werden auch nach unserer Therapie nicht einfach aufstehen und loslaufen.“ Doch für viele der Betroffenen sei es schon ein großer Fortschritt, wenn ein kleiner Muskel, der beispielsweise fürs Greifen oder Schlucken wichtig sei, wieder besser funktioniere. Die Idee, auch größere Muskeln, wie sie zum Stehen und Gehen benötigt werden, zu reparieren, stehe bereits im Raum, sagt Spuler. Dazu müssten die molekularen Werkzeuge allerdings so sicher werden, dass man sie bedenkenlos nicht nur in isolierte Muskelstammzellen, sondern direkt in den degenerierten Muskel einbringen könnte.

Weiterführende Informationen

AG Spuler

Die Muskelretterin – Porträt von Simone Spuler

Pressemitteilung: Meilenstein für Therapie der Muskeldystrophie

Literatur

Christian Stadelmann, Silvia Di Francescantonio et al. (2022): „mRNA-mediated delivery of gene editing tools to human primary muscle stem cells“. In: Molecular Therapy Nucleic Acids, DOI: 10.1016/j.omtn.2022.02.016

Foto: Die Forscher*innen schleusten die Genschere CRISPR/Cas9 mithilfe von mRNA in die Muskelstammzellen. Nach der Genomeditierung verschmolzen die Stammzellen zu mehrkernigen Fasern (Myotuben). In grün ist eine schwere Kette Myosin zu sehen; in blau die Zellkerne. (Foto: AG Spuler)

www.mdc-berlin.de

leben / 11.03.2022
Pankower Wochen gegen Rassismus bieten vom 14. bis 27. März vielfältiges Programm

Am 14. März 2022 starten die Wochen gegen Rassismus, die von einem Netzwerk aus Vereinen, Einrichtungen, Bibliotheken und Teilen der Bezirksverwaltung veranstaltet werden. Die Besucher:innen erwartet ein zweiwöchiges Programm mit Workshops, Kiezaktionen, Ausstellungen, Sportveranstaltungen, einer Fahrraddemo und noch vielem mehr. Das Motto ist auch in diesem Jahr: „Mach mit!“  Die Veranstaltungen bieten Alt- und Neu-Pankower:innen sowie Jung und Alt eine Plattform, um ihre Stimmen gegen Rassismus zu erheben und sie im gemeinsamen Dialog zu vereinen. Dabei werden z.B. interessante Zusammenhänge zwischen Rassismus, Kolonialismus und Diversität sowie auch Klimawandel und der Reflexion eigener Privilegien hergestellt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen - das Programm ist auf der Homepage www.pankow-gegen-rassismus.de zu finden.

Dass auch in Pankow ein Bedarf an lokalen Zeichen und Aktionen gegen Alltagsrassismus und rassistische Gewalt besteht, ist erneut nach den Angriffen auf die 17-jährige Dilan Sözeri am 5. Februar an der Greifswalder Straße deutlich geworden. Auch im Lichte dieses Vorfalls betont Bezirksbürgermeister Sören Benn: „Unsere wichtigste Aufgabe während der Wochen gegen Rassismus in Pankow ist es, die Bürger:innen zu ermutigen, Zivilcourage zu zeigen und sich für ein offenes und couragiertes Pankow zu engagieren. Betroffene von rassistischen Beleidigungen und Gewalt müssen unsere aktive Unterstützung erfahren.“

Dazu passt auch das Faustsymbol der diesjährigen Kampagne, das sich aus vielen verschiedenen Menschen zusammensetzt. Rassismus geht alle an, egal ob als betroffene Person oder Teil der Mehrheitsgesellschaft. Es liegt an uns allen, für eine vielfältige und rassismuskritische Gesellschaft zu kämpfen!
 

Überblick der Programm-Highlights:

Sa., 12.03. | 12 Uhr | Fahrraddemo: Auf/ Rollen gegen Rassismus durch Buch & Karow
Mo., 14.03. | 17 Uhr | Auftaktveranstaltung in der Heinrich-Böll-Bibliothek (Greifswalder Str. 87, 10409 Berlin)
Sa., 19.03. |14 – 18:30 Uhr | digitales Barcamp pARTizipation


Gemeinsame Kiezaktionen - Triff unser Netzwerk!
Di., 22.03. | 9 – 14 Uhr | Vorplatz Heinrich-Böll-Bibliothek (Prenzlauer Berg)
Mi., 23. März | 15 – 18 Uhr | Antonplatz (Weißensee)
Fr., 25. März | 10 – 14 Uhr | Breite Straße (Pankow Zentrum)


Die Öffentlichkeitsarbeit der Wochen gegen Rassismus in Pankow wird gefördert durch das Bezirksamt und die Partnerschaften für Demokratie Pankow Nord, Süd und Ost im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Kontakt und weitere Infos:
Roxane Josten (Öffentlichkeitsarbeit der Pankower Wochen gegen Rassismus): info@pankow-gegen-rassismus.de
Web: www.pankow-gegen-rassismus.de
Instagram: pankowgegenrassismus
Facebook: Pankow gegen Rassismus

forschen / 11.03.2022
Der künstlichen Nashorn-Eizelle ein Stück näher

Erstautorin Dr. Vera Zywitza im Labor (Foto: Jan Zwilling, BioRescue)
Erstautorin Dr. Vera Zywitza im Labor (Foto: Jan Zwilling, BioRescue)

Um das Aussterben der nördlichen Breitmaulnashörner zu verhindern, will das internationale Konsortium BioRescue unter anderem Eizellen der Tiere aus Stammzellen erschaffen. Diesem Ziel ist ein Team um Sebastian Diecke vom MDC und Micha Drukker von der Universität Leiden nun nähergekommen, berichten sie in „Scientific Reports“.

Fatu und Najin sind die beiden letzten nördlichen Breitmaulnashörner auf der Welt, eine natürliche Fortpflanzung ist damit unmöglich und ein Aussterben quasi nicht mehr zu verhindern. Doch das internationale BioRescue-Konsortium arbeitet unter Hochdruck daran, dass die Unterart des Breitmaulnashorns nicht gänzlich von der Erdoberfläche verschwindet. Die Forscherinnen und Forscher verfolgen dabei zwei Strategien: Sie entwickeln zum einen fortgeschrittene Methoden der assistierten Reproduktion.  Zum anderen wollen sie im Labor aus Hautzellen des nördlichen Breitmaulnashorns induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) und schließlich Eizellen erzeugen. Dabei ist das Team des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) gemeinsam mit Partnern in München, den Niederlanden und Japan nun einen großen Schritt vorangekommen. Im Fachjournal „Scientific Reports“ beschreiben sie, dass sie pluripotente Nashornstammzellen gewonnen und eingehend untersucht haben. „Unsere nun veröffentlichte Arbeit trägt zum Verständnis der Pluripotenz bei – also zur Fähigkeit vom Stammzellen, in alle Körperzellen zu differenzieren“, sagt Erstautorin Dr. Vera Zywitza von der Technologieplattform „Pluripotente Stammzellen“ unter der Leitung von Dr. Sebastian Diecke am MDC. „Damit markiert sie einen bedeutenden Meilenstein auf dem Weg zur künstlich erzeugten Nashorn-Eizelle.“

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das BioRescue-Projekt mit vier Millionen Euro. Neben dem federführenden Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) ist in Deutschland das MDC daran beteiligt, und das Helmholtz Zentrum München ist ein Kooperationspartner von BioRescue.

Hohe Zellingenieurskunst

iPS-Zellen können in der Kulturschale alle Zellen des Körpers hervorbringen. Bei dem Vorhaben, daraus Keimzellen zu machen, arbeiten die Forscher*innen eng mit dem Labor des japanischen Stammzellforschers Professor Katsuhiko Hayashi von der Kyushu-Universität zusammen. Hayashi ist es 2016 gelungen, aus der Haut von Mäusen Eizellen zu generieren, diese künstlich zu befruchten und weiblichen Mäusen einzupflanzen. Die mit dieser Methode gezeugten Mäuse waren gesund und fruchtbar.

Die Herstellung der iPS-Zellen gelang dem Stammzellforscher Professor Micha Drukker und seinem Team vom Helmholtz Zentrum München sowie vom Leiden Academic Centre for Drug Research der Universität Leiden mit der Methode der episomalen Reprogrammierung. Dafür hat der Forscher fremde DNA-Moleküle in die Hautzellen eingeschleust, sogenannte Plasmide. Sie enthalten Gene, die die Hautzellen zu iPS-Zellen reprogrammieren. Die so erzeugten Nashornstammzellen sind humanen iPS-Zellen erstaunlich ähnlich. „Unter dem Mikroskop sind sie kaum von menschlichen iPS-Zellen zu unterscheiden,“ sagt Micha Drukker. „Außerdem reagieren sie sehr ähnlich auf äußere Einflüsse.“ 

Vielversprechender Ausgangspunkt, um Keimbahnzellen zu kultivieren

Es gibt verschiedene Zustände von iPS-Zellen. Sie können naïv – in einem sehr ursprünglichen Zustand – oder geprimed vorliegen. Von letzterem nimmt man an, dass er in der Embryonalentwicklung etwas weiter vorangeschritten ist. Aus Versuchen mit Stammzellen von Mäusen ist bekannt, dass sie Keimbahnzellen besonders gut beim Übergang von geprimed zu naïv hervorbringen. Beim Versuch, die Nashornzellen in den naïven Zustand zu versetzen, starben diese jedoch zunächst ab. Deshalb führten die Forschenden ein Gen in die Nashornzellen ein, das den Zelltod verhindert. Mit Erfolg: Sie erhielten naïve iPS-Zellen. „Wir haben die Zellen ausführlich unter anderem durch Analyse von Transkriptomdaten charakterisiert“, erklärt Vera Zywitza. „Die erfolgreiche Konvertierung in den naïven Zustand der Pluripotenz ist ein vielversprechender Ausgangspunkt, um Keimbahnzellen zu generieren.“

Dennoch machten Vera Zywitza und ihre Kolleg*innen an dieser Stelle vorerst nicht weiter. „Die iPS-Zellen enthalten dauerhaft fremdes genetisches Material, nämlich die Reprogrammierungsfaktoren und das Gen gegen den Zelltod. Daraus können wir keine Keimzellen machen, da das Risiko besteht, dass diese krankhaft verändert wären“, erklärt Vera Zywitza. Trotzdem sind diese Zellen ein sehr gutes Werkzeug, um die Stammzellen des Nashorns an sich zu erforschen und ihre verschiedenen Zustände besser zu verstehen. Mit ihrer Hilfe können Wissenschaftler*innen die molekularen Mechanismen erforschen, die in Stammzellen ablaufen. „Wir können zum Beispiel untersuchen, warum die Tragzeit beim Nashorn 16 Monate beträgt und bei der Maus nur 21 Tage“, erläutert die Wissenschaftlerin. „Oder wie sich die Organe in den unterschiedlichen Spezies entwickeln. Wir können damit wirklich viel über die Evolution lernen.“

Auch Eierstockgewebe wird benötigt

Mittlerweile hat die Arbeitsgruppe von Sebastian Diecke weitere iPS-Zellen erzeugt. Dabei haben die Wissenschaftler*innen die Reprogrammierungsfaktoren nicht mithilfe von Plasmiden eingeschleust, sondern mithilfe von RNA-Viren. Diese neuen iPS-Zellen enthalten nichts mehr, was nicht hineingehört. Nun versuchen die Wissenschaftler*innen, daraus Vorläuferzellen von Eizellen herzustellen.

Und nicht nur das: Vorläuferzellen reifen nur zu Eizellen heran, wenn sie von Eierstockgewebe umgeben sind. Es ist nahezu unmöglich, dieses Material aus lebenden oder verstorbenen Nashörnern zu erhalten. „Wir müssen also sowohl Vorläuferzellen kreieren als auch Eierstockgewebe“, fasst Vera Zywitza zusammen. Auch dabei stehen die Berliner Wissenschaftler*innen mit Katsuhiko Hayashi in engem Austausch. Er hat im vergangenen Jahr erfolgreich Eierstockgewebe aus Stammzellen von Mäusen kultiviert.

Bislang 14 Embryonen durch assistierte Reproduktion

Derweil gibt es ebenfalls Fortschritte in der assistierten Reproduktion: Zuletzt hatten Wissenschaftler*innen des Leibniz-IZW in Zusammenarbeit mit dem Kenya Wildlife Service, dem Wildlife Research and Training Institute, dem Safari Park Dvůr Králové und der Ol Pejeta Conservany im Januar 2022 Eizellen von Fatu entnommen. Im Avantea-Labor in Italien wurden sie zur Reifung gebracht und mit dem aufgetauten Sperma eines bereits verstorbenen Bullen befruchtet. Insgesamt 14 Embryonen des nördlichen Breitmaulnashorns gibt es jetzt. Sie schlummern bei minus 196 Grad in flüssigem Stickstoff. In naher Zukunft werden die Wissenschaftler*innen sie Leihmüttern des südlichen Breitmaulnashorns einpflanzen, in der Hoffnung, dass ein gesundes Kalb auf die Welt kommt.

14 Embryonen – das ist ein großer Erfolg der Reproduktionsbiologie. Es ist jedoch nicht viel, wenn daraus eine sich selbsterhaltene Anzahl von Tieren werden soll. „Najin und Fatu sind zudem eng miteinander verwandt und ihre Erbanlagen teilweise identisch“, sagt BioRescue-Projektleiter Professor Thomas Hildebrandt vom Leibniz-IZW. „Von Najin konnten wir aufgrund ihres Alters und Beeinträchtigungen im Reproduktionstrakt keine Eizellen gewinnen, aus denen erfolgreich Embryonen erzeugt werden konnten – alle 14 Embryonen stammen von Fatu. Wir brauchen daher dringend eine komplementäre Strategie, um von deutlich mehr Individuen Gameten – also Eizellen und Spermien – zu erzeugen.“

Arten erhalten, bevor es zu spät ist

„Funktionsfähige Eizellen des nördlichen Breitmaulnashorns – das wäre die Krönung unserer Forschungsarbeit“, sagt Sebastian Diecke. Sie könnte Vorbildcharakter für andere bedrohte Tierarten haben: Gelingt die Fortpflanzung aus Stammzellen, könnten auf diese Weise weitaus mehr bedrohte oder vom Menschen bereits ausgerottete Arten wiederbelebt werden. Im Frozen Zoo – dem „Gefrorenen Zoo“ – am Beckman Center for Conservation Research in San Diego und in der Biobank des Instituts für Wildtierforschung in Berlin lagern über 10.000 tiefgefrorene Zellkulturen von mehr als 1.000 bedrohten Arten. „Diese Ressource könnte man verwenden“, sagt Sebastian Diecke. Das nördliche Breitmaulnashorn wäre dann nur der Anfang – „auch wenn es mir am besten gefallen würde, wenn unser Ansatz nie verwendet werden müsste und mehr für die Arterhaltung getan wird, bevor es zu spät ist.“

Für Vera Zywitza steht derweil fest: Sollte irgendwann ein nördliches Breitmaulnashorn dank Stammzelltechnologien geboren werden, würde sie es gerne kennenlernen.

Weiterführende Informationen

Literatur

Vera Zywitza et al (2022): Naïve‑like pluripotency to pave the way for saving the northern white rhinoceros from extinction, in: Scientific Reports, DOI: 10.1038/s41598-022-07059-w

Gemeinsame Pressemitteilung des MDC und des Leibniz-IZW

www.mdc-berlin.de