Aktuelles

forschen / 29.10.2020
Wie sich die Herzen unterscheiden

Erst kürzlich hat ein internationales Forschungsteam den Atlas des menschlichen Herzens erstmals skizziert. Nun wollen die Wissenschaftler*innen das Projekt um eine Dimension erweitern: Diversität. Dafür bekommen sie eine zusätzliche Förderung der Seed Networks der Chan Zuckerberg Initiative. 

Weltweit sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen Todesursache Nummer eins. Für manche Menschen ist das Risiko allerdings höher als für andere – Schwarze in den USA sind beispielsweise deutlich häufiger betroffen als Latinos. Neben der sozioökonomischen Ungleichheit beeinflusst anscheinend auch die genetische Prädisposition, wie die jeweilige Erkrankung verläuft und wie gut sie behandelt werden kann.

Aber was genau verbindet die ungleichen Risiken? Um diese Frage zu beantworten, wird der Human Heart Cell Atlas – koordiniert von Jonathan Seidman, Bugher Professor für Kardiovaskuläre Genetik an der Harvard Medical School und Professor Norbert Hübner vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) – zusätzlich die zellulären und molekularen Signaturen von gesunden Spenderherzen aus diesen Bevölkerungsgruppen charakterisieren. Dazu kooperiert das Projekt zusätzlich mit Partnern in Brasilien und Kanada, nicht zuletzt mit Professor Gavin Oudit vom Mazankowski Alberta Heart Institute von der Universität von Alberta.

„Afroamerikaner bekommen unter anderem seltener Arteriosklerose als Weiße, haben aber öfter koronare Herzerkrankungen. Sie haben öfter Bluthochdruck, aber seltener Herzrhythmusstörungen“, sagt Seidman, „Unsere These ist, dass sich auch das Zusammenspiel von Zelltypen und Zellzuständen unterscheidet und das Herz deshalb anders auf ganz normale Abläufe und Krankheit reagiert. Und das nicht nur bei Afroamerikaner*innen, sondern bei Menschen ganz verschiedener Herkunft.“

Der Ausgangspunkt ist das gesunde Organ

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen das gesamte Spektrum der Herzzellen und ihre Genaktivität analysieren und dann mit den bereits vorhandenen Daten von Europäerinnen und Europäern vergleichen. „Auch hier ist unser Ausgangspunkt zunächst das gesunde Herz“, sagt Norbert Hübner vom MDC, der Charité – Universitätsmedizin Berlin, dem Berlin Institute of Health und dem DZHK in Deutschland. Hübner hat den Herzzellatlas gemeinsam mit Dr. Sarah Teichmann vom Wellcome Sanger Institute im britischen Cambridge, Jonathan Seidman und Christine Seidman, beide von der Harvard Medical School in Boston, und Dr. Michela Noseda vom Imperial College London vor rund drei Jahren ins Leben gerufen, um das Herz Zelle für Zelle zu verstehen.

Der Herzzellatlas gehört zur internationalen Initiative „Human Cell Atlas“ (HCA), die von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geleitet wird. Die Chan Zuckerberg Initiative (CZI) fördert das Vorhaben als CZI Seed Network für den Human Cell Atlas. Für den Aspekt der Diversität erhöht die amerikanische philanthropische Organisation nun die Förderung. CZI finanziert Diversitätsprojekte von insgesamt zehn solcher Netzwerke zu verschiedenen Geweben und Organen, gab sie am 28.10.2020 bekannt.

„Es ist sehr wichtig, dass wir den Aspekt der Diversität beim Human Cell Atlas beachten, sodass wir aus historischen Versäumnissen und Verzerrungen in der Genomik lernen und daran wachsen können“, sagt Norbert Tavares, CZI-Programmmanager für Einzelzellbiologie. „Diese Projekte sind erst der Anfang einer langfristigen Berücksichtigung der Diversität im HCA. Als erste Pilotprojekte können sie zukünftige Ansatzpunkte für eine tiefere Auseinandersetzung mit diesen Herausforderungen aufzeigen.“

Weiterführende Informationen

Bekanntmachung von CZI

Pressemitteilung „Herzatlas mit Tiefenschärfe“

Pressemitteilung „Mitten ins Herz“

www.mdc-berlin.de

bilden / 28.10.2020
„Märchen erzählt – In deiner Sprache“

Bilinguale Märchentage vom 5. – 20. November 2020

Vom 5. - 22. November 2020 finden die 31. Berliner Märchentage statt. Unter dem Titel "HIMMEL UND ERDE – MÄRCHEN VOM OBEN UND UNTEN" werden Märchen und Geschichten erzählt. Die Pankower Migrant:innenorganisationen beteiligen sich an den Märchentagen und organisieren in Kooperation mit den Stadtbibliotheken die 5. Pankower Bilingualen Märchentage unter dem Titel „Märchen erzählt – In deiner Sprache“. Ob Spanisch, Italienisch, Englisch, Polnisch, Russisch, Portugiesisch, Koreanisch und Chinesisch, Quechua, Hebräisch, Dari oder Arabisch – die Märchen werden jeweils auch auf Deutsch erzählt. Organisiert wird die Veranstaltungsreihe von zahlreichen Pankower Migrant:innenorganisationen unter dem Dach von Tandem Projekt MIGRAPOWER, MeM e.V. & VIA e.V., die sich gemeinsam mit den Stadtbibliotheken für die Stärkung der Mehrsprachigkeit einsetzen. Die Lesungen sind kostenlos und dauern ca. 45 Min. Anmeldung erfolgt in der jeweiligen Bibliothek. Die Termine der 5. Bilingualen Märchentage Pankow sowie aller Veranstaltungen im Rahmen der 31. Berliner Märchentage sind online zu finden unter https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/beauftragte/integration/information/artikel.1003724.php sowie unter https://berliner-maerchentage.de/. Rückfragen und weitere Informationen bei Susann Kubisch, E-Mail: susann.kubisch@ba-pankow.berlin.de.

forschen, bilden / 27.10.2020
Politik an der Genschere

Mitglieder des Bundestages informierten sich in einem Workshop über CRISPR-Cas, den Science Bridge (Universität Kassel) und das Gläserne Labor auf dem Campus Berlin-Buch gemeinsam ausrichteten (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)
Mitglieder des Bundestages informierten sich in einem Workshop über CRISPR-Cas, den Science Bridge (Universität Kassel) und das Gläserne Labor auf dem Campus Berlin-Buch gemeinsam ausrichteten (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)

Gemeinsame Pressemitteilung der Campus Berlin-Buch GmbH und Science Bridge e.V. (Universität Kassel), 27. Oktober 2020

Am 26.10.2020 hat eine Gruppe von Mitgliedern des Deutschen Bundestages den Laborkittel übergestreift und ein Experiment mit CRISPR-Cas durchgeführt. Unter Anleitung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von Science Bridge (Universität Kassel) und des Gläsernen Labors (Campus Berlin-Buch) erhielten sie aktiv und dialogorientiert tiefere Einblicke in die Möglichkeiten und Grenzen der „neuen Gentechnik“.

Die Genom-Editierung mit CRISPR-Cas hat in letzter Zeit für lebhafte Diskussionen gesorgt und rückte durch die Vergabe des Nobelpreises für Chemie an Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna noch einmal besonders in den öffentlichen Fokus. Um sich über dieses komplexe Thema ein Urteil bilden zu können, muss zunächst einmal verstanden werden, wie CRISPR-Cas funktioniert und in welchen Bereichen diese Methode zum Einsatz kommt bzw. kommen könnte.

„Politikerinnen und Politiker müssen und können vermutlich keine Experten auf diesem Gebiet sein, umso mehr freuen wir uns darüber, wenn sie sich aus erster Hand informieren und mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in den direkten Austausch treten möchten“, so Kursleiterin Dr. Heike Ziegler von Science Bridge.

Science Bridge hat dafür ein einfaches Experiment entwickelt, das die Funktionsweise der „Genschere“ CRISPR-Cas anschaulich macht und den Einstieg in eine wissensbasierte Debatte erleichtert. In einem halbtägigen Workshop werden Bakterien „geCRISPRt“. Dabei wird ein Gen, das Bakterien blau färbt, mit CRISPR-Cas „ausgeschaltet“, sodass die Färbung verschwindet. Anschließend wird der Erfolg des Experiments mit molekularbiologischen Methoden überprüft. Dieses Experiment wird auch regulär im Gläsernen Labor als Schülerkurs angeboten.

„Die Teilnahme an diesem CRISPR-Versuch ermöglicht es, allgemeine Einblicke sowohl in die wissenschaftliche Vorgehensweise als auch in die Sicherheitsanforderungen an ein gentechnisches Labor zu erhalten“, so Biologin und Kursleiterin Ulrike Mittmann vom Gläsernen Labor.

Katrin Staffler, CDU/CSU, Biochemikerin und Mitglied des Deutschen Bundestages (MdB) und dort unter anderem im Ausschuss Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung tätig, hat den CRISPR-Cas-Workshop für Politikerinnen und Politiker angeregt: „Gute politische Entscheidungen brauchen ein breites Hintergrundwissen. Dieser Labortag zielt darauf, ein solches Basiswissen zu vermitteln.“ Für Kees de Vries, CDU/CSU, und als MdB im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft tätig, ist ebenfalls entscheidend, im Labor genauere Kenntnisse zu erlangen: „Ich möchte hier mehr über CRISPR-Cas erfahren, um meine Kolleginnen und Kollegen im Bundestag überzeugen zu können, dass diese neue Technologie ein Gewinn, und keine Gefahr ist.“ MdB Mario Brandenburg, FDP, Wirtschaftsinformatiker und ebenfalls im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, sagte im Anschluss an die Veranstaltung: „Ich fühle mich bestätigt, dass in der Gentechnik viele Chancen liegen, aber die Gesellschaft ein breiteres Wissen darüber benötigt.“

Wissenschaft transparent und für die Allgemeinheit verständlich zu machen – und das auf möglichst vielen Ebenen – ist eines der Hauptanliegen der partnerschaftlichen Zusammenarbeit von Gläsernem Labor und Science Bridge. Neben dem beschriebenen Workshop, der Anfang 2021 auch noch einmal in Kassel für hessische Landes- und Regionalpolitikerinnen und -politiker geplant ist, richtet sich das Lehrangebot insbesondere auch an Schülerinnen und Schüler und die allgemeine Öffentlichkeit.

Weitere Informationen unter https://crispr-whisper.de/

Kontakt:

Science Bridge e.V.
Schüler- und Öffentlichkeitslabor
an der Universität Kassel
Institut für Biologie
Heinrich-Plett-Str. 40
34132 Kassel
Email: info@sciencebridge.net
Phone: + 49 561 804-4232

Ansprechpartner:
Heike Ziegler
E-Mail: h.ziegler@uni-kassel.de
Tel.: 0561-804 4232
Wolfgang Nellen
E-Mail: nellen@uni-kassel.de
Tel.: 0152-32705202
 

Gläsernes Labor
Campus Berlin-Buch
Robert-Rössle-Str. 10
13125 Berlin

Ansprechpartnerin:
Ulrike Mittmann
E-Mail: u.mittmann@campusberlinbuch.de
Tel.: 030-4892932
 

Über das Gläserne Labor

Das Gläserne Labor ist eine außerschulische Bildungseinrichtung auf dem Campus Berlin-Buch, einem international renommierten Wissenschafts- und Biotechnologiepark. Seine fünf Schülerlabore bieten über 20 Experimentierkurse zu den Themen Molekularbiologie, Herz-Kreislauf, Neurobiologie, Chemie, Radioaktivität sowie Ökologie für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe an. Die Kursinhalte sind eng auf die aktuelle Forschung auf dem Campus bezogen, so dass neuestes Wissen vermittelt werden kann.
Mit rund 14.000 kursteilnehmenden Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern pro Jahr zählt das 1999 gegründete Gläserne Labor zu den besucherstärksten Schülerlaboren der Bundesrepublik.
Das Gläserne Labor wird durch die Campuspartner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) sowie die Eckert & Ziegler AG und durch zahlreiche Förderer und Sponsoren unterstützt.
www.glaesernes-labor.de

Über Science Bridge e.V.

Science Bridge ist ein mobiles Schüler- und Öffentlichkeitslabor, das aktuelle molekularbiologische Methoden und Sachverhalte in Schulen bringt und einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich macht. Science Bridge versteht sich als Brücke zwischen Forschung und Gesellschaft und macht Biowissenschaften für jedermann erfahrbar. Das Haupttätigkeitsfeld von Science Bridge ist die Unterstützung von Schulen durch ein Angebot an anspruchsvollen molekularbiologischen Experimenten, die von Science Bridge-Mitarbeitenden im Rahmen ganztägiger Experimentiertage in Klassen der Mittel- und Oberstufe durchgeführt werden. Zusätzlich zu den Schülerkursen bietet Science Bridge akkreditierte Lehrerfortbildungen zu aktuellen molekularbiologischen Themen an und vermittelt interessierten Bürgerinnen und Bürgern bei öffentlichen Veranstaltungen gentechnologische Zusammenhänge.
https://sciencebridge.net
 

Foto: Mitglieder des Bundestages informierten sich in einem Workshop über CRISPR-Cas, den Science Bridge (Universität Kassel) und das Gläserne Labor auf dem Campus Berlin-Buch gemeinsam ausrichteten: (von rechts) MdB Katrin Staffler, CDU/CSU; MdB Mario Brandenburg, FDP; MdB Carina Konrad, FDP; MdB Kees de Vries, CDU/CSU; Prof. Dr. Wolfgang Nellen, Science Bridge e.V.; MdB Ingrid Pahlmann, CDU/CSU; Dr. Heike Ziegler, Science Bridge e.V. (Universität Kassel), Bärbel Riedel (Mitarbeiterin von MdB Katrin Staffler); Ulf Lüdecke (Mitarbeiter von Kees de Vries); Ulrike Mittmann, Gläsernes Labor, und Sandra Wellner, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC). 

forschen / 14.10.2020
Organoide, Open Science und Reality TV im Labor – Das MDC auf der Berlin Science Week

Wenn Virusforscher ins Reality-TV gehen, wenn Biologinnen vom Leben ohne Krankheit träumen, wenn Forschende und Laien über Organoide vs. Tierversuche sprechen und Biomediziner*innen über die Chancen von KI diskutieren – dann ist Berlin Science Week. Das MDC lädt dieses Mal zu virtuellen Events.

Wissenschaft braucht das Vertrauen der Gesellschaft und lebt vom Dialog. Das hat sich in diesem Jahr besonders deutlich gezeigt. „Für uns ist die Berlin Science Week eine ausgezeichnete Gelegenheit zum gesellschaftlichen Austausch“, sagt Professor Thomas Sommer Wissenschaftlicher Vorstand (komm.) des Max Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). „Unsere Forscherinnen und Forscher zeigen ihre Arbeit und wollen mit einem vielfältigen Publikum in Berlin und anderswo in der Welt in Kontakt kommen. Wir möchten inspirieren und inspiriert werden. Wir möchten herausfordern und uns Fragen stellen lassen. Für uns ist das Festival eine Chance, herausfinden, was andere, die Bevölkerung oder auch die Politik, von uns erwarten. Mit der Science Week präsentiert sich Berlin als innovative, vibrierende und weltoffene Metropole. Und die Gesundheitsforschung spielt dabei eine wichtige Rolle. Auch das möchten wir zeigen“, sagt Sommer bei der Vorstellung des Programms seines Forschungszentrums. „Wir wollen dazu anregen, die Arbeits- und Denkweise von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern besser zu verstehen und zu überlegen, wie sich zum Beispiel unsere biomedizinische Grundlagenforschung in Zukunft auswirken könnte. Wir freuen uns darauf!“

Das MDC bietet vom 1. bis zum 10. November fast jeden Tag Events für unterschiedliche Interessengruppen. Fast alle Veranstaltungen sind digital und bieten Möglichkeiten zur Interaktion.


Das Programm des MDC im Überblick


Wie viel Homeoffice verträgt die Wissenschaft?

Die Krise als Chance – Forscher*innen diskutieren über Risiken und Chancen neuer Arbeitsweisen in der Wissenschaft.

Die Pandemie ist für alle eine Ausnahmesituation. Labore waren vorübergehend im Notbetrieb, Kitas und Schulen müssen mitunter schließen, viele Arbeiten sind ins Homeoffice verlagert. Doch wieviel Distanz verträgt die Wissenschaft, die vom ständigen Austausch lebt? Die Gründungskoordinator*innen von BR 50, einem Zusammenschluss der außeruniversitären Forschungsinstitutionen in Berlin, laden ein zu einer ersten Bilanz: Was hat gut funktioniert hat und was nicht, was möchten Forscher*innen auch für die Zukunft bewahren und welche Bedingungen sind vor allem für junge Forscher*innen problematisch?

Mit:  Professorin, Dr. h.c., Ph.D. Jutta Allmendinger (Präsidentin des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB); Professor Thomas Sommer (Wissenschaftlicher Vorstand (komm.) des MDC); Professor Michael Hintermüller (Direktor des Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik, Leibniz-Institut im Forschungsverbund Berlin e.V.); Professor Ulrich Panne (Präsident der Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM)

Eine Veranstaltung von BR50, Zusammenschluss der außeruniversitären Forschungsinstitutionen in Berlin

2. November, 17 bis 18:30 Uhr. Virtuell

 

Künstliche Intelligenz, Organoide, Tiermodelle – Neue Konzepte in der Biomedizin

Was sind die vielversprechendsten Wege, Therapien für Patient*innen zu entwickeln? Unsere Expert*innen berichten, beantworten Fragen und stellen das neue Präklinische Forschungszentrum des MDC vor.

Es gibt mehr als einen Weg, neue Therapien für Patientinnen und Patienten zu entwickeln. Hier präsentieren und diskutieren wir Beispiele aus der MDC-Forschung, die verschiedene Strategien und Technologien kombinieren –  von Künstlicher Intelligenz (KI) und Omics-Technologien über Organoide und menschliche Gewebeproben bis hin zu Tiermodellen, den 3R-Prinzipien und klinischer Forschung. Und wir stellen vor, was unser neues Präklinisches Forschungszentrum (PRC) damit zu tun hat.

Unsere Expertinnen und Experten berichten und beantworten Ihre Fragen im Chat.

Mit: Professor Thomas Sommer (Wissenschaftlicher Vorstand (komm.) des MDC); Professor Michael Gotthardt (Leiter der Arbeitsgruppe „Neuromuskuläre und kardiovaskuläre Zellbiologie“ am MDC); Dr. Uta Höpken (Leiterin der Arbeitsgruppe „Mikroumgebung als Regulator bei Autoimmunität und Krebs“ am MDC); Dr. Agnieszka Rybak-Wolf (Leiterin der Organoid-Plattform am MDC); Dr. Claudia Gösele (Tierschutzbeauftragte, Leiterin Tierhaltung des Präklinischen Forschungszentrums am MDC); Dr. Arnd Heuser (Leitung der MDC- Tierphänotypisierungsplattform am MDC)

3. November von 18 bis 20 Uhr. Virtuell

Anmeldung

 

„Open Science“-Café

Ein Nachmittag, an dem man häppchenweise etwas über Open Science erfahren kann.

Haben Sie schon mal etwas von Open Science gehört und sich gefragt, was das eigentlich ist? Oder gibt es ein Open-Science-Thema, über das Sie gerne mehr wüssten? Kommen Sie in unser Online-Café zu Open Science und erleben Sie einen Nachmittag voller kleiner Veranstaltungen. Fünf Stunden lang servieren wir Ihnen eine Serie von zwanzigminütigen Kurzvorträgen und Aktivitäten zu Open Science. Trinken Sie einen Kaffee, während Sie einen kurzen Wissens-Snack darüber erhalten, wie man verschiedene Aspekte von Forschung transparenter, zugänglicher und verständlicher für alle
machen kann. Oder Sie bleiben gleich den ganzen Nachmittag und werden so Experte für Open Sciene.

Mit: Mit Dr. Luiza Bengtsson, Emma Harris und Zoe Ingram. Die Open-Science-Mikro-Lektionen bieten die Absolvent*innen des Train-the-Trainer-Kurses des ORION-Open-Science-Projekts an, der am MDC  stattfindet.
4. November, 14 bis 19 Uhr. Virtuell

 

LifeTime und eine Zukunft ohne Krankheit

Eine mutige Reise in eine Zukunft ohne Krankheiten. LifeTime-Initiative und The Future Game 2050 laden zu einer virtuellen Live-Performance ein.

Ist eine Zukunft ohne Krankheiten möglich? In einer virtuellen Live-Performance ergründen wir, wie unser Leben in einer Welt aussehen würde, in der die Ziele der LifeTime-Initiative erfolgreich umgesetzt wurden. LifeTime und The Future Game 2050 fordern die Teilnehmer*innen auf, ihre eigenen Zukunftsszenarien zu entwerfen und laden zu einer mutigen Reise ein, eine Zukunft ohne Krankheiten wahr werden zu lassen. Das Erlebnis wird von Interviews mit Expert*innen begleitet, die dieses Zukunftsszenario aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

Mit: Professor Nikolaus Rajewsky (Direktor des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie des MDC (BIMSB) und  Dr. Agnieszka Rybak-Wolf (Leiterin Organoid-Plattform am MDC); Dr. Emanuel Wyler (Molekularbiologe am MDC); Friederike Riemer (Mitbegründerin von „The Future Game 2050“); Felix M. Wieduwilt (Mitbegründer von „The Future Game 2050“)

5. November, 16 bis 17:30. Virtuell

 

Reality-TV – ein Tag im biomedizinischen Labor

Wir bieten einen ungeschminkten Einblick in unsere Labore: einen Tag lang Wissenschaft, Spaß und spannende Menschen erleben.

Wir streamen einen ganzen Tag lang das ganz normale Leben in unseren Laboren. MDC-Wissenschaftler*innen erklären, was sie gerade machen, wie und warum. Sie können ihnen über die Schulter schauen, während die Forscher*innen experimentieren. Das Publikum kann Fragen stellen, die wir entweder live oder in einer der Q&A-Kaffeepausen beantworten, egal ob es um unsere Forschung oder um Ausbildung und Karrierewege in der Wissenschaft geht. Zwischendurch gibt es Live- Musik und TikToks und vieles mehr – eben das ganze normale Leben in einem biomedizinischen Labor!

Mit Dr. Emanuel Wyler (Postdoktorand am MDC); Janita Mintcheva (Doktorandin am MDC), Anika Neuschulz (Doktorandin am MDC); Nora Fresmann (Doktorandin am MDC); Dr. Andreas Ofenbauer (Postdoktorand am MDC); Jonas Peters (Doktorand am MDC); Marco Uhrig (Doktorand am MDC); Karla Hajman (Musikerin, Satirikerin, Science Slammerin); Dr. Luiza Bengtsson (Public Engagement und Wissenstransfer am MDC)

In Kooperation mit Wissenschaft im Dialog

6. November, 9 bis 18 Uhr. Virtuell

 

Neue Wege in der Biomedizin: SARS-CoV-2-Forschung

Welche Zellveränderungen entstehen durch die SARS-CoV-2-Infektion und wie wirken sich diese auf den Krankheitsverlauf aus?

Das Virus SARS-CoV-2 beschäftigt derzeit die ganze Welt und beeinflusst unseren Alltag. Auch in Berlin läuft die Forschung auf Hochtouren. Der MDC-Wissenschaftler Dr. Emanuel Wyler untersucht die Veränderungen in verschiedenen Zellen und Organoiden bei einer Infektion. Hierbei wird die Frage geklärt: Welche Veränderungen finden in infizierten Zellen statt und wie entstehen daraus schwere oder milde Krankheitsverläufe? Die Veränderungen in einer infizierten Zelle können von Zelltyp zu Zelltyp unterschiedlich sein. Die untersuchten Modelle sind zum Beispiel Lungenstücke, verschiedene Organoide und unterschiedliche Zelllinien.

Mit: Dr. Emanuel Wyler

9. November, 16 bis 18 Uhr
Ort: Zeiss-Großplanetarium, Prenzlauer Allee 80
10405 Berlin

Vorlesesungsreihe des Gläsernen Labors
Anmeldung erforderlich: info@planetarium.berlin

 

Organoide des menschlichen Gehirns alias „Mini-Gehirne“ als Werkzeuge zur Erforschung von Krankheiten des Nervensystems

Labor trifft Lehrer virtuell: In dieser Fortbildung erleben Sie den neuesten Stand der Wissenschaft und können sich über Trends in der Life-Science-Forschung informieren.

Organoide sind 3D-Kulturen aus Stammzellen, welche die zelluläre Komplexität und Funktionalität menschlicher Organe „in vitro“ abbilden. Organoide ermöglichen Forscher*innen tiefere Einblicke in die entscheidenden zellulären Prozesse bei der Gewebe- und Organbildung sowie in pathologischen Prozessen. Da das menschliche Gehirn einzigartig ist und selbst Primatenmodelle die Ausbildung neurologischer Erkrankungen des menschlichen Gehirns nicht genau darstellen, ist die Entwicklung der „Mini-Gehirne“ ein entscheidender Durchbruch. In diesem Kurs möchten wir Ihnen die Grundlagen der Mini-Gehirne, ihre Anwendung sowie die Limitationen vorstellen. Die Fortbildung für Lehrer*innen findet in der Arbeitsgruppe von Professor Nikolaus Rajewsky (Systembiologie von genregulatorischen Elementen) statt.

Mit: Dr. Agnieszka Rybak-Wolf (Leiterin der Organoid-Plattform am MDC); Miriam Wandres (Doktorandin am MDC); Dr. Anna Löwa (Postdoktorandin am MDC); Dr. Luiza Bengtsson (wissenschaftliche Leitung „Labor trifft Lehrer”)

11. November, 16 bis 17:30 Uhr
Anmeldung


Weiterführende Informationen

Das vollständige Programm des MDC bei der Berlin Science Week


Pressekontakt
Jutta Kramm 
Leiterin Abteilung Kommunikation 
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) 
+49-30-9406-2140 
jutta.kramm@mdc-berlin.de oder presse@mdc-berlin.de

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

heilen / 14.10.2020
Apps auf Rezept: digitale Helfer für Patientinnen und Patienten

Dr. Michael Fiedler, Internist und Diabetologe in der Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Dr. Michael Fiedler, Internist und Diabetologe in der Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Ab sofort können Gesundheits-Apps auch vom Arzt verschrieben werden. Die digitalen Helfer müssen genauso wie Medikamente ein gründliches Prüfverfahren bestehen. Helios begrüßt diese Entwicklung als ergänzendes Angebot für Patienten und wertvollen Baustein im Bereich digitaler Services.

Gesundheits-Apps existieren bereits seit einer Weile in den App-Stores. Aber was macht eine App nun zum verschreibungswürdigen Medizinprodukt? Diese Apps oder digitale Anwendungen, kurz „DiGA“ genannt, müssen einem nachgewiesenen, medizinischen oder gesundheitsförderlichen Nutzen haben. Sie dienen dem Management oder der Therapie einer Erkrankung. Deutschland gilt als erstes Land, in dem man die Apps auf Rezept bekommt.

„Die App auf Rezept kann eine sinnvolle Ergänzung zur ärztlichen Versorgung sein und ist eine Chance für unsere Patienten und Mitarbeiter. In den digitalen Services steckt viel Potenzial. Deshalb begrüßen und begleiten wir die Digitalisierung in der Medizin, wenn sie ganz praktischen Nutzen hat,“ sagt Helios COO Enrico Jensch.

Ähnlich wie bei einer Medikamentenzulassung prüft das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Apps gewissenhaft. Die Apps, welche die Prüfung erfolgreich bestanden haben, werden im „DiGA-Verzeichnis“ auf der Website des BfArM veröffentlicht. Dort können sich dann Patienten und Ärzte über die Apps informieren. Ärzte sowie Psychotherapeuten dürfen diese dann verschreiben. Die Kosten übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung.

Für welche Erkrankungen werden sie eingesetzt?  
„Grundsätzlich gibt es keine Einschränkungen bezüglich der Krankheitsbilder. Die meisten Erfahrungen liegen bei Diabetes, Depression oder der Schmerztherapie,“ sagt Dr. Michael Fiedler, Internist und Diabetologe in der Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch. Der digital-affine Arzt beobachtet die Entwicklungen am Markt und die künftige Aufnahme von Gesundheits-Apps ins DiGA-Verzeichnis. Bereits jetzt setzt er auf den Einsatz von digitalen Anwendungen bei seinen Diabetes-Patienten. Hier helfen Apps ganz konkret beim Überwachen und Optimieren der Blutzuckerwerte. Der Startschuss für die Apps auf Rezept ist nun mit der Aufnahme der ersten zwei Apps ins DiGA-Verzeichnis gefallen. Die beiden Anwendungen sollen bei Tinnitus und Angststörungen helfen, ein Dutzend weitere werden bald folgen.

Wie kommt die App zum Patienten?
„Wenn der Arzt davon überzeugt ist, dass die Nutzung der App den Krankheitsverlauf beim Patienten positiv beeinflusst und ein passendes Krankheitsbild vorliegt, kann er diese verschreiben. Die Krankenversicherung genehmigt dann die Kostenübernahme und stellt dem Patienten einen Zugangscode für die App bereit. Der Patient kann diese nun für eine festgelegte Anwendungsdauer nutzen,“ erklärt Dr. Fiedler.

Positiver therapeutischer Effekt
„Die Apps haben ganz gezielte Funktionen, die den Patienten zum bewussten Umgang mit den Erkrankungen anleiten. Also zum Beispiel an die regelmäßige Medikamenteneinnahme erinnern oder zum Verändern von ungesunden Lebensweisen wie Rauchen, zu wenig Bewegung oder unausgewogener Ernährung beitragen,“ erklärt Dr. Fiedler weiter. Dieser positive Effekt muss mit wissenschaftlichen Studien zum Zeitpunkt der Zulassung oder spätestens nach einem Jahr beim BfArM nachgewiesen werden.

Digitalisierung der medizinischen Versorgung
„Mit Aufnahme der DiGAs in die Regelversorgung und Kostenübernahme durch die gesetzlichen Versicherungen erhalten rund 70 Millionen Menschen Zugang zu digitalen Angeboten mit nachgewiesenem Nutzen,“ beschreibt Dr. Fiedler die Chance für Nutzer und Hersteller der Apps.
Mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG), welches Ende 2019 in Kraft getreten ist, wurde der Weg für die DiGAs, die Online-Sprechstunde sowie weitere Maßnahmen zur Digitalisierung im Gesundheitssystem geschaffen.

Weitere Infos auf der BfArM-Website: diga.bfarm.de/de
Digitale Sprechstunde am Helios Klinikum Berlin-Buch:
https://www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch/unser-haus/aktuelles/detail/news/keine-angst-vor-der-online-sprechstunde/

 

www.helios-gesundheit.de

investieren, leben / 14.10.2020
Neubau einer 4-zügigen Grundschule in Berlin-Buch

Am heutigen Montag, 12. Oktober 2020, beginnen im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive (BSO) die Baumaßnahmen am ehemaligen Schulstandort Karower Chaussee 97 im Pankower Ortsteil Buch. In den nächsten zwei Jahren entsteht hier ein neues Schulgebäude in Typenbauweise mit Sporthalle und Außenanlagen.

Im ersten Bauabschnitt erfolgt von Oktober 2020 bis März 2021 die Baufeldfreimachung. Das alte Schulgebäude und die Sporthalle werden zurückgebaut, Altlasten entsorgt, eine Kampfmittelsondierung und notwendige Baumfällarbeiten durchgeführt.

Im zweiten Bauabschnitt beginnen ab April 2021 die eigentlichen Baumaßnahmen mit der Errichtung des neuen Schulgebäudes und der Sporthalle. Im August 2022 soll die Grundschule fertiggestellt sein und Platz für 576 Schülerinnen und Schüler bieten. Die neue Sporthalle steht neben dem Schulsport auch den Vereinen zur Verfügung. Im Zuge der Baumaßnahme wird entlang des Schulgrundstückes in der Ernst-Ludwig-Heim-Straße ein neuer Gehweg angelegt. Der Haupteingang zum Schulgelände befindet sich ebenfalls in der Ernst-Ludwig-Heim-Straße.

Die Kosten für die Maßnahme belaufen sich auf 36 Millionen Euro. Die neue Schule wird als eine der ersten im Land Berlin nach dem neuen Raumkonzept, den sogenannten Compartements, gebaut werden. Ein Compartement setzt sich zusammen aus Klassen-, Gruppen- und Teamräumen, die sich um ein Forum gruppieren. Sie ermöglichen unterschiedliche Lernformen und bieten zugleich Platz für Rückzug und Erholung.  
Bis zum Jahr 2010 war die Hufeland-Oberschule an diesem Standort unterbracht. Seit dem Umzug der Hufeland-Oberschule in die nahe gelegene Walter-Friedrich-Straße steht das alte Schulgebäude leer. Die Sporthalle war noch bis Frühjahr 2020 für Vereine nutzbar.

Die Baumaßnahme wird von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen für den Bezirk Pankow umgesetzt.

forschen, produzieren, heilen / 12.10.2020
Um die Wette geradelt – und gewonnen!

Jeder Kilometer zählte, auch die Kurzfahrt zwischen S-Bahnhof Buch und dem Campus Berlin-Buch, für die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Mieträder nutzen können. (Foto: Helios Klinikum Berlin-Buch
Jeder Kilometer zählte, auch die Kurzfahrt zwischen S-Bahnhof Buch und dem Campus Berlin-Buch, für die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Mieträder nutzen können. (Foto: Helios Klinikum Berlin-Buch

Der diesjährige Wettbewerb der Berliner Landesunternehmen „Wer radelt am meisten?“ ist entschieden. Bis zuletzt gab es ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen des Titelverteidigers Campus Berlin-Buch mit der Berliner Energieagentur. Schließlich siegten knapp die 311 Radlerinnen und Radler des Bucher Wissenschafts- und Biotechcampus/MDC-Mitte mit 191.572 Kilometern.

Der Wettbewerb ist aus einer Radfahraktion der Berliner Verkehrsbetriebe mit der Berliner Stadtreinigung und den Berliner Wasserbetrieben entstanden und wird von der Initiative „mehrwert“ ausgetragen. In diesem Jahr wuchs die Zahl der teilnehmenden Institutionen bereits auf 21. Von August bis September sammelten insgesamt 2.103 Beschäftigte ihre Radkilometer. Der Wettbewerb fördert nicht nur eine umweltfreundliche und gesunde Mobilität, sondern möchte Lebensqualität bei gleichzeitiger Kosteneinsparung aufzeigen. Bevorzugt sollen sich Dreierteams bilden, um sich gegenseitig anzuspornen und bei den Kilometerleistungen zu unterstützen.

Jeder Kilometer hilft, CO2 zu sparen
Es gab schier uneinholbare Rekorde: Das beste Dreierteam sammelte über 10.000 Kilometer, der beste Einzelfahrende bot allein fast 9.000 Kilometer auf. Für alle, die sich am Wettbewerb beteiligten, war jedoch das Mitmachen und die Motivation entscheidend, sich aufs Rad zu schwingen und vielleicht noch eine Extratour zu fahren. Jeder Kilometer mit Muskelkraft zählte, ob auf dem Fahrrad oder dem Ergometer. Elektrofahrräder, mit denen man sich fortbewegen kann, ohne selbst in die Pedale zu treten, waren nicht zugelassen.

In diesem Jahr, das von der Corona-Pandemie und Home-Office bestimmt war, legten alle Teilnehmenden gemeinsam eine Strecke von 1.332.042 Kilometern zurück – also rund 33 Mal um den Äquator. Dies ist nicht nur ein beeindruckendes Ergebnis für die Gesundheit, sondern auch für die Umwelt, da die Strecke einer Ersparnis von 253.088 kg CO2 entspricht.

Bestes Berliner Team beim Stadtradeln
Da sich die diesjährigen Wettbewerbe „Stadtradeln“ und „Wer radelt am meisten?“ überschnitten, konnte sich die mehrwert-Initiative mit ihren Radlerinnen und Radlern als Team beteiligen. 1.614 Beschäftigte der Landesunternehmen konnten 320.516 und damit zehn Prozent aller Kilometer beitragen, so dass Berlin auch an der Spitze aller teilnehmenden Kommunen in Deutschland stand.

www.wer-radelt-am-meisten.de
www.mehrwert-berlin.de
www.campusvital.de

heilen / 11.10.2020
Rheuma – was ist das?

Viele denken bei Rheuma an eine Erkrankung im höheren Alter. Aber auch Kinder oder Jugendliche können schon betroffen sein. Der Begriff Rheuma fasst verschiedene Erkrankungen zusammen, wie zum Beispiel entzündliche Verschleißerkrankungen von Gelenken und Wirbelsäule („Arthrosen“) sowie Stoffwechselerkrankungen des Knochens. Wir haben Dr. med. Daniel Haselbusch, Oberarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Helios Klinikum Berlin-Buch und einer der Leiter des Kinderrheumazentrums, anlässlich des weltweiten Rheuma-Tages am 12. Oktober interviewt:

Herr Dr. Haselbusch, was ist Rheuma?
Dr. Haselbusch: Der Name Rheuma stammt aus der Medizin des griechischen Altertums. Es wird von „rheo“, das heißt „ich fließe“, abgeleitet und bezeichnet alle durch den Körper ziehenden Schmerzen. Man nennt Rheuma auch „Die Erkrankung mit den tausend Gesichtern“. Anfangs sind die Beschwerden häufig diskret und vielseitig. Patienten klagen über allgemeine Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Unwohlsein. Die Körpertemperatur kann erhöht sein. Insbesondere bei kleinen Kindern fällt zwischenzeitlich „Laufunlust“ und erneutes „wieder Tragen gewollt werden“ auf. Im weiteren Verlauf sind meistens Gelenksymptome wie Schwellung, Überwärmung, Bewegungsschmerz und Bewegungseinschränkung auffällig. Die chronische Krankheit verläuft in Schüben und kann neben allen großen Gelenken wie Hüft-, Knie-, Sprung-, Schulter-, Ellenbogen- und Handgelenk auch kleine Finger- und Zehengelenke sowie Kiefergelenke und die Wirbelsäule betreffen. Eine Beteiligung innerer Organe wie Herz, Leber, Niere oder Lunge kommt bei einigen Sonderformen rheumatischer Erkrankungen vor.

Wie kann man Rheuma behandeln?
Wichtig ist, die Erkrankung zu erkennen, um den Betroffenen zielgerichtet helfen zu können. In unserem Kinderrheumazentrum verfolgen wir drei Behandlungsziele in der Akut- und Basistherapie: Schmerzen lindern, Entzündungen bekämpfen, Gelenkfehlstellungen vorbeugen. Medikamentöse Behandlung wird durch geeignete Physiotherapie ergänzt. Sie umfasst aktive und passive Bewegungsübungen, Gymnastik, Packungen, Bäder, Elektrotherapie, Massagen, Manualtherapie und Ultraschall. Die Gymnastik steht dabei im Vordergrund.

Was ist das Besondere bei Rheuma, wenn die Erkrankung Kinder oder Jugendliche trifft?
Im Kindesalter sind Krankheiten des rheumatischen Formenkreises erheblich seltener als bei Erwachsenen. Symptome sind oft unspezifisch und nicht auf den ersten Blick erkennbar. Die Kenntnis der Symptome - verbunden mit der umgehenden Diagnose - ist aber wichtig, weil sich mittels frühzeitiger Behandlung Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und dauerhafte Gelenkschäden vermeiden lassen. Unser Team aus Kinderärzten, Kinderkrankenschwestern, Physio- und Ergotherapeuten, Motopäden, Psychologen und Sozialarbeitern bildet seit vielen Jahren eines der bundesweit größten Kinderrheumazentren. Wir betreuen die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen im Alter von 0 bis 18 Jahren in allen Krankheitsphasen und in enger Zusammenarbeit mit unserer kinderrheumatologischen Fachambulanz.

Welche Symptome deuten auf eine Rheumaerkrankung?
Je jünger die Kinder sind, desto unspezifischer können Symptome oder Symptomkombinationen sein. Eltern und Patienten berichten von Abgeschlagenheit, Fieber, Hauteffloreszenzen, Hinken, Bewegungseinschränkung bis hin zur Laufverweigerung. Oft sind auch eines oder mehrerer Gelenke angeschwollen oder überwärmt. Auch die Morgensteifigkeit kann auftreten. Betroffene Kinder hören manchmal, dass sie sich nicht so anstellen sollen und für Rheuma ja viel zu jung sind. Das ist bis zur richtigen Diagnose oft ein schwerer Weg für sie.

Welche Diagnostik bieten Sie an?
Unser Kinderrheumazentrum ist eines der Schwerpunktzentren in Deutschland. Spezifische immunologisch-rheumatologische Labordiagnostik und alle modernen bildgebenden Verfahren, darunter Gelenk- und Weichteilsonographie, Computer-, Kernspintomographie (CT, MRT) und Szintigraphie, gehören zu unseren speziellen diagnostischen Möglichkeiten.

Welche Therapieverfahren gibt es?
Gelenkpunktionen mit intraartikulärer Medikamenteninstillation unter Anwendung schmerzfreier und schonender Narkoseverfahren sowie spezifisch antirheumatische Therapie unter Anwendung konventioneller und biotechnologischer Therapeutika. Ganz wichtig sind Seite Physio-, Ergo- und Mototherapie. Begleitet werden die betroffenen Kinder und Jugendlichen durch Psychologen, Sozialarbeiter und Initiativen wie z.B. der Rheumaliga.

Welche komplementären Maßnahmen können helfen?
Möglich sind die Teilnahme an internationalen multizentrischen Therapieoptimierungsstudien. Eine Übergangssprechstunde für Jugendliche und junge Erwachsene gibt es in Zusammenarbeit mit der Erwachsenen-Rheumatologie. Auch die Kieferorthopädische Mitbetreuung, Rheumaschulungen und Beratung in unserem Elterncafé gemeinsam mit der Rheumaliga Berlin e.V. gehören zum Angebot.

Gut zu wissen: Der Welt-Rheuma-Tag der Deutschen Rheuma-Liga, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert, ist 2020 dem Engagement der 10.000 Ehrenamtlichen gewidmet, die für den Verband bundesweit im Einsatz und oft selbst von der chronischen Erkrankung betroffen sind.

www.rheuma-liga.de

Kontakt
Helios Klinikum Berlin-Buch
Kinder- und Jugendmedizin
Chefarzt: Priv.-Doz. Dr. med. Patrick Hundsdörfer
T (030) 9401-14500
Schwanebecker Chaussee 50, 13125 Berlin

Dr. med. Daniel Haselbusch und Dr. med. Ralf Trauzeddel Oberärzte
Schwerpunkt pädiatrische Rheumatologie
daniel.haselbusch@helios-gesundheit.de
ralf.trauzeddel@helios-gesundheit.de

www.helios-gesundheit.de

heilen / 08.10.2020
Wir lassen uns impfen – #Für Dich!

Im Rahmen der Kampagne #Für Dich! der Helios Kliniken Region Ost werden Mitarbeiter sowie die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich gegen die saisonale Influenza impfen zu lassen. (Foto: Dorothee Sykora/Helios Kliniken)
Im Rahmen der Kampagne #Für Dich! der Helios Kliniken Region Ost werden Mitarbeiter sowie die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich gegen die saisonale Influenza impfen zu lassen. (Foto: Dorothee Sykora/Helios Kliniken)

Ärzte raten zur Grippeschutzimpfung

Die Erkältungs- und Grippesaison steht vor der Tür – und es ist noch nicht vorhersehbar, welche Folgen es hat, sich mit gleich beiden Viren zu infizieren - dem Grippevirus UND dem Coronavirus. Damit das Grippevirus im Rahmen der COVID-19-Pandemie nicht zum zusätzlichen Belastungsfaktor wird, empfehlen Helios-Ärzte die Grippeschutzimpfung. Im Rahmen der Kampagne #Für Dich! der Helios Kliniken Region Ost werden Mitarbeiter sowie die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich gegen die saisonale Influenza impfen zu lassen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Helios Klinikum Berlin-Buch sind tagtäglich für die Gesundheit der Patienten im Einsatz. Mit der Grippeimpfung schützen sie ihr eigenes soziales Umfeld, sich selbst und ihre Patienten. Entsprechend ruft das Helios Klinikum Berlin-Buch dazu auf, an der kostenfreien Grippeschutzimpfung am Arbeitsplatz teilzunehmen.

„Gerade in diesem Jahr wollen wir stark sein für alle, die uns brauchen. Wir haben ein effektives Sicherheitskonzept, um unsere Mitarbeiter bestmöglich gegen eine Ansteckung mit COVID-19 zu schützen. Mit der Grippe-Imfkampagne #Für Dich möchten wir als Arbeitgeber einen weiteren Beitrag zum Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten,“ sagt Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor im Helios Klinikum Berlin-Buch. „Außerdem möchten wir mit der Grippeschutz-Aktion sicherstellen, dass wir jederzeit die medizinische und pflegerische Versorgung unserer Patienten garantieren können“, ergänzt er.

Warum ist die Grippeschutzimpfung jetzt besonders wichtig?
„In der kommenden Herbst-/Wintersaison ist es wichtig, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Diese Impfung bietet zwar keinen Schutz vor dem Coronavirus. Aber es wird erwartet, dass die Krankenhäuser sich zum Herbst wieder mehr mit COVID-19-Patienten füllen werden - zusätzliche Grippekranke könnten das Gesundheitssystem überfordern,“ sagt PD Dr. Irit Nachtigall, Infektiologin und Regionalhygienikerin für die Helios Region Ost.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Grippeschutzimpfung?
„Am besten im Oktober oder November vor Beginn der Erkältungszeit. Nach der Impfung dauert es 10 bis 14 Tage bis zum Aufbau eines ausreichenden Schutzes. Danach hält dieser zirca sechs Monate. Eine Auffrischung innerhalb der Saison ist nicht nötig,“ sagt Dr. Nachtigall. Zunächst sei es dabei wichtig, die Risikogruppen zu impfen. „Das betrifft ältere Menschen, Schwangere und solche mit Vorerkrankungen. Es wird auch für Kinder diskutiert, vor allem als indirekter Schutz für die älteren Menschen“, ergänzt sie.

Nachfrage nach Grippeschutzimpfung steigt – Helios hat vorgesorgt
Wenn sich jede Person der Risikogruppen konsequent impfen ließe, müsste laut Robert-Koch-Institut in Deutschland rund 40 Millionen Mal geimpft werden. Auf dem deutschen Markt sind 25 Millionen Impfdosen verfügbar. Helios hat diese Entwicklung frühzeitig erkannt und die Bestellmengen gegenüber den Vorjahren erhöht.
 
#Für Dich: Schütze Dich und andere – lass Dich impfen!
Mehr Infos auch auf der Kampagnenwebsite: www.helios-gesundheit.de/helios-move/krankheitsbilder/grippeschutzkampage-fuer-dich/
 
Grippeschutz-Impftermin vereinbaren
Die Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch mit ihren 16 Fachbereichen und mehr als 70 Ärzten bietet medizinische Versorgung auf höchstem Niveau. Bei den Hausärzten der Poliklinik kann jederzeit ein Impftermin vereinbart werden.
www.helios-gesundheit.de/ambulant/berlin-buch-poliklinik-am-helios-klinikum-berlin-buch-fachaerzte/sprechzeiten-und-termine/
 
Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Hauttumorzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.
 Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zum Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.

Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 110.000 Mitarbeitern. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien. Rund 21 Millionen Patienten entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2019 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 9,2 Milliarden Euro.
In Deutschland verfügt Helios über 86 Kliniken, 123 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und sieben Präventionszentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,6 Millionen Patienten behandelt, davon 4,4 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland fast 69.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 51 Kliniken, 71 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 15,4 Millionen Patienten behandelt, davon 14,6 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt rund 37.500 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von über drei Milliarden Euro.
Helios Deutschland und Quirónsalud gehören zum Gesundheitskonzern Fresenius.

www.helios-gesundheit.de

forschen / 08.10.2020
"Corona, Krebs und Co – Herausforderungen der Medizin in der Gesundheitsstadt Berlin" (Folge 5 des LNDW-Podcasts)

Gäste und Moderator der fünften Folge des LNDW-Podcasts, von links: Thomas Prinzler, Prof. Dr. Christian Hackenberger, Dr. Jobst Röhmel und Prof. Dr. Jeanette Schulz-Menger.  (Foto: LNDW/LHLK 2020)
Gäste und Moderator der fünften Folge des LNDW-Podcasts, von links: Thomas Prinzler, Prof. Dr. Christian Hackenberger, Dr. Jobst Röhmel und Prof. Dr. Jeanette Schulz-Menger. (Foto: LNDW/LHLK 2020)

Die Gesundheitsforschung in Berlin gehört zur internationalen Spitze. In den drei Universitäten und den zahlreichen Forschungsinstituten der Stadt werden neue Therapien entwickelt, mit denen Krankheiten schonender und zugleich effektiver bekämpft werden können. In der 5. Ausgabe des LNDW-Podcast stellen wir einige dieser Forschungen vor. Wie es 2020 nicht anders sein kann, werfen wir dabei auch einen Blick auf die aktuelle Corona-Forschung sowie die negativen, aber auch positiven Folgen, die Corona für die Medizinforschung hat.

In der Sendung widmen wir uns dem Trend zur personalisierten bzw. individualisierten Medizin. Wir schauen dabei ebenso auf die aktuelle COVID-19-Forschung in Berlin wie auf Entwicklungen in der Krebs- und Herzforschung. Die Gäste der 5. Ausgabe des LNDW-Podcast sind:

Prof. Dr. Jeanette Schulz-Menger ist Kardiologin und hat eine Universitätsprofessur an der Charité inne mit dem Schwerpunkt Kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie, sie leitet die Hochschulambulanz für Kardiologie am ECRC in Buch und ist Leiterin der nicht-invasiven Herzbildgebung im Helios Klinikum Berlin-Buch. Die Forscherin und Medizinerin berichtet in der Sendung, wie der „sanfte Blick ins Herz“ mithilfe der Kardio MRT gelingt, welche Möglichkeiten es gibt, das individuelle Risiko von Herzerkrankungen frühzeitig zu erkennen und wie die Kardio MRT dabei hilft Herzmuskelschäden, die auch COVID-19 auftreten zu können, besser zu verstehen.

Dr. Jobst Röhmel ist Facharzt an der Kinderklinik m. S. Pneumologie und Immunologie an der Charité und Mitarbeiter des Projekts „Der Simulierte Mensch“. In diesem Projekt arbeiten Mediziner*innen und Biotechnolog*innen gemeinsam daran, die Funktionen menschlicher Zellen und Gewebe mit neuen Technologien nachzuahmen, um so Wirkstoffe testen zu können, die besser und auch individueller sind. Das Projekt wird zwar erst ab 2023 mit einem Campus-Neubau in Berlin-Wedding durchstarten, doch gibt es erste Zusammenarbeiten zwischen den Forschenden. Dr. Röhmel berichtet in der Sendung über die „Charité Corona Cross“-Studie, die erstmals Hinweise darauf lieferte, dass Patient*innen, die schon einmal eine Infektion mit einem Coronavirus durchgemacht haben, auch gegenüber Covid-19 zumindest eine Teil-Immunität aufgebaut haben können.

Prof. Dr. Christian Hackenberger ist Chemiker und Leiter des Bereichs „Chemische Biologie“ am Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP). Er erklärt in der Sendung, wie mithilfe bioaktiver Moleküle neue Wirkstoffe für die Behandlung, Prävention oder Diagnose von Krankheiten geschaffen werden können. Unter anderem hat er mit seinem Team eine Methode entwickelt, mit der Krebszellen so gezielt bekämpft werden können, dass kaum noch Nebenwirkungen auftreten. Zudem hat er mit Forscher*innen Berliner Universitäten und Institutionen eine Methode entwickelt, mit deren Hilfe (körperfremde) Viren mit einem (körpereigenen) Virus bekämpft werden können. Mit dieser Methode könnten künftig ebenso Grippe-Viren bekämpft werden wie das neue SARS-CoV-2-Virus.

In der 6. Folge erfahren die Hörer*innen des Podcasts etwas über das Laserschwert der Jedis, über Cobots und was Berlin Adlershof mit Hollywood zu tun hat: Es geht um exzellente Berliner Forschung zu Optik und Photonik.

Folge direkt anhören oder herunterladen

Quelle: https://www.langenachtderwissenschaften.de/podcast

www.langenachtderwissenschaften.de

06.10.2020
Vom Feind manipuliert

Ein Team am MDC hat eine bisher unerwartete Rolle des Transkriptionsfaktors C/EBP bei der Reifung und immunogenen Funktionalität von dendritischen Zellen (in rot) der Maus entschlüsselt. © AG Rehm/Höpken, MD
Ein Team am MDC hat eine bisher unerwartete Rolle des Transkriptionsfaktors C/EBP bei der Reifung und immunogenen Funktionalität von dendritischen Zellen (in rot) der Maus entschlüsselt. © AG Rehm/Höpken, MD

Bestimmte Zellen des Immunsystems können Tumore für die körpereigene Abwehr gut sichtbar machen – würden Krebszellen sie nicht daran hindern. Forschende u.a. des MDC und ECRC publizieren nun gemeinsam in PNAS, wie Tumore Immunzellen in ihrer unmittelbaren Umgebung blockieren.

Dendritische Zellen sind für die Abwehr von Viren, Bakterien und auch Tumorzellen sehr wichtig, weil sie Merkmale fremder Zellen, die Fremdantigene, aufnehmen, um sie dem Immunsystem zu präsentieren. Aber nur eine ausgereifte dendritische Zelle kann dies –und schafft es darüber eine schützende Immunantwort auszulösen. Ist sie unreif fördert sie dagegen eine Immuntoleranz. In der Umgebung von Lymphomen und Leukämien – Krebserkrankungen des lymphatischen Systems – fand das Team um die Forschenden Dr. Uta Höpken und Dr. Armin Rehm vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) jedoch erstaunlich viele unreife dendritische Zellen.

„Unreif unterstützen sie sogar noch das Tumorwachstum, durch Freisetzung bestimmter Botenstoffe“, erklärt Höpken. In Kontakt mit Tumorzellen sei der Transkriptionsfaktor C/EBPβ hochreguliert, was die Reifung der dendritischen Zellen unterbindet. Der Tumor manipuliert demnach aktiv das Immunsystem von Krebspatient*innen zu seinen Gunsten. Dies zeigt das MDC-Team in Zusammenarbeit unter anderem mit Forschenden der Universitätsmedizin Münster in ihrer aktuellen Publikation im Fachjournal Proceedings National Academy of Science, USA (PNAS). Auch das Experimental and Clinical Research Center (ECRC), eine gemeinsamen Einrichtung von MDC und der Charité – Universitätsmedizin Berlin, hat an der Studie mitgewirkt. Diese Arbeit wurde von der Wilhelm Sander-Stiftung finanziert.

Molekularer Schalter hält die Balance

Die Mikroumgebung von Tumoren des Lymph- und Blutsystems wird am MDC schon seit vielen Jahren erforscht. Dafür wurden Mausmodelle entwickelt, die Lymphome und Leukämien ausbilden können. Bereits vor einiger Zeit fanden Höpken und Rehm heraus, dass der Transkriptionsfaktor C/EBPβ der entscheidende molekulare Schalter ist, der die Reifung dendritischer Zellen reguliert.

In der neuen Studie zeigen sie, dass bei transgenen Mäusen, denen das Gen für das Schalterprotein fehlt, dendritische Zellen – im Vergleich zu Kontrolltieren – unkontrolliert ausreifen. „Daraus schlossen wir, dass für eine normale Reifung und Funktionalität von dendritischen Zellen dieser Schalter in seiner Aktivität reguliert werden muss“. Ein bestimmter Level des Schalterproteins ist immer vorhanden. „Wir konnten experimentell zeigen, dass ausgereifte dendritische Zellen niedrige C/EBPβ Level aufweisen, während unreife dendritische Zellen hohe C/EBPβ Mengen tragen", erklärt Höpken.

Erst die zeitlich regulierte Entwicklung von einem unreifen in ein reifes Stadium ermöglicht die volle Funktionstüchtigkeit einer dendritischen Zelle: Die unreife Zelle nimmt Fremdantigene auf, die gereifte präsentiert das verarbeitete Antigen.

Der komplette Verlust von C/EBPβ führte dazu, dass dieser Zelltyp unkontrolliert ausreifte, sodass er nur noch verringert Fremdantigene aufnehmen konnte. Tumorzellen können aktiv in diesen Regelungsprozess eingreifen. Sie blockieren die körpereigene Immunabwehr, indem sie durch Hochregulation von C/EBPβ die Ausreifung verhindern. „Die zeitliche Balance dieser Schalteraktivität ist somit ganz entscheidend für die Funktionstüchtigkeit dieser Zellen“, sagt Höpken.

Wirkung der mTOR-Signalweg Hemmung bei Krebs neu interpretiert

Nicht nur dendritische Zellen verfügen über diesen molekularen Schalter. Er reguliert auch Genexpression, Reifung und Vermehrung vieler anderer Körperzellen – so auch der Tumorzellen selbst. Mit Medikamenten wie dem Immunsuppressivum Rapamycin lässt sich C/EBPβ-Produktion regelrecht stilllegen. Denn die Bildung des Schalterproteins wird wesentlich über den mTOR-Signalweg reguliert – und diesen blockiert das Immunsuppressivum.

„Inhibitoren des mTOR-Signalweges wurden in der Krebstherapie wegen ihrer Zellwachstum hemmenden Wirkung schon eingesetzt. Doch bisher dachte man, dass die Wirkung ausschließlich auf die Tumorzellen selbst oder die Gefäßzellen im Tumor beschränkt ist“, sagt Rehm. „Aufgrund unserer Untersuchungen nehmen wir an, dass mTOR-Blocker über den gleichen Mechanismus auch auf die Immunzellen in unmittelbarer Nähe des Tumors wirken.“ Die Unterdrückung der C/EBPβ-Aktivität in dendritischen Zellen hat damit zwei therapeutische Effekte: Zum einen wird so die Ausschüttung von Botenstoffen und Wachstumsfaktoren unterbunden, welche die Lymphomzellen fördern. Zum anderen unterstützt die Ausreifung auch die Aktivierung von anderen schützenden Immunzellen.

Tumor-Mikroumgebung als neues Target für die Krebstherapie

„Wir wissen heute, dass Tumorzellen allein nicht existieren können. Nicht einmal sehr aggressive Lymphome. Sie benötigen Unterstützung aus ihrer nächsten Umgebung, und das wurde lange unterschätzt“, betont Rehm. „Aber die Mikroumgebung des Tumors – so, unsere Hypothese – fördert eben leider auch Rezidive.“ Auch nach einer erfolgreichen Chemotherapie bleiben häufig einzelne Tumorstammzellen zurück sowie Stromazellen, die Stützfunktionen im Gewebe ausüben. In dieser Nische könne die Erkrankung erneut aufflammen. „Möglicherweise wird das Wachstum von versprengten Tumorzellen durch Stromazellen und molekulare Schalter wie dem Transkriptionsfaktor C/EBPb dendritischer Zellen unterstützt."

Die Ausreifung stimulieren

Die Reifung dendritischer Zellen zu unterstützen, könnte ein komplementärer Ansatz für die Krebstherapie sein. Es gibt bereits Medikamente, die den Reifestatus dieser Zellen verbessern, indem sie an Oberflächenrezeptoren, wie den bekannten Toll-like-Rezeptoren, andocken. Eine begleitende, immunstärkende Behandlung mit solchen Mitteln während einer Chemo- oder Antikörpertherapie wäre demnach sehr nützlich. „Das Problem der Reifeblockade von dendritischen Zellen ist klinisch erkannt“, sagt Rehm abschließend. „Wir haben damit ein neues Angriffsziel gefunden und gezeigt, dass es sinnvoll ist in diesen Prozess einzugreifen. Das ist ein Anstoß für Wirkstoff- und Targetscreening von Pharmafirmen.“

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung auf der MDC-Website lesen

Der Unterschied bei Lymphdrüsenkrebs

Literatur

Florian Scholz et al.(2020): „The transcription factor C/EBPβ orchestrates dendritic cell maturation and functionality under homeostatic and malignant conditions
“, PNAS, DOI: 10.1073/pnas.2008883117

www.mdc-berlin.de

heilen, bilden / 02.10.2020
Ausbildungsstart am Helios Bildungszentrum Berlin

42 Auszubildenden starten am Helios Bildungszentrum in den Zukunftsjob Pflege. (Foto: Birgit Gugath/Helios Kliniken)
42 Auszubildenden starten am Helios Bildungszentrum in den Zukunftsjob Pflege. (Foto: Birgit Gugath/Helios Kliniken)

42 Auszubildende wollen Pflegefachmann oder -frau werden: Der abwechslungsreiche Unterricht startet im „neuen Normal“Start in Richtung Zukunftsjob zu Corona-Zeiten – das bringt für viele doppelte Aufregung, auch im Helios Bildungszentrum. Zum zweiten Mal beginnt hier die neue generalistische Pflegeausbildung, aber diesmal wieder mit Live-Unterricht – wenn auch mit Masken, Mindestabstand und E-Learning im Gepäck.

Das „neue Normal“ im Helios Bildungszentrum Berlin am Leipziger Platz heißt, dass das Lernen und Treffen mit Lehrkräften und den anderen Azubis wieder möglich ist: Für die künftigen Pflegeberufler gelten im Präsenzunterricht natürlich spezielle Hygieneregeln. Das Team vom Bildungszentrum ist mit modernster Ausstattung bestens auf eine Mischung aus Präsenz- und virtuellen Lehrformen vorbereitet, falls es erforderlich sein sollte. Bereits im April mussten die ersten Azubis Pflegefachmann/-frau ihre Ausbildung in diesem Format starten. „Die vergangenen Monate haben dazu beigetragen, dass dieses wichtige Berufsfeld der Pflegeberufe sichtbarer geworden ist und von großen Teilen der Gesellschaft mehr Wertschätzung erfährt. Ob das Virus letztlich auch bewirkt, dass mehr Menschen eine Ausbildung in einem wirklich systemrelevanten Bereich wie der Pflege absolvieren wollen, wird die Zukunft zeigen,“ sagt Petra Müller, Leiterin Helios Bildungszentrum.

Die 42 neuen Auszubildenden, sowie alle 275 weiteren Azubis in unterschiedlichen Gesundheitsberufen können sich am Bildungszentrum vollkommen auf die theoretischen Inhalte ihrer Ausbildung konzentrieren. In den Praxisphasen geht es auch für die „Neuen“ ins Helios Klinikum Berlin-Buch und ins Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin-Zehlendorf.„Moderne Pflege braucht gut ausgebildete Teamplayer: Wir begrüßen die neuen Teammitglieder ganz herzlich und wünschen eine spannende Ausbildungszeit! Wer jetzt bei uns eine Ausbildung beginnt, weiß genau wie wichtig und abwechslungsreich der Pflegeberuf sein kann. Wir gratulieren zu dieser Entscheidung zum Zukunftsberuf,“ sagt Sylvia Lehman, Pflegedirektorin im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Vielseite Chancen und sicherer Job: die Pflegeausbildung Mit dem aktuellen Jahrgang startetam Helios Bildungszentrum Berlin die zweite Generation Azubis in der generalistischen Pflegeausbildung. Hierbei werden die drei bisherigen Berufsbilder Altenpfleger_in, Gesundheits-und Krankenpfleger_in und Gesundheits-und Kinderkrankenpfleger_in zu einem neuen, generalistischem Beruf gebündelt.

Absolventen erhalten auf diese Weise bessere berufliche Weiterentwicklungs-und Aufstiegsmöglichkeiten, eine höhere Flexibilität in der Jobwahl und eine EU-weite Anerkennung des Abschlusses.„Wer die Ausbildung erfolgreich abschließt, hat einen Beruf mit sichererPerspektive. Helios Ziel ist es, nach erfolgreichem Abschluss die Nachwuchstalente zu übernehmen“, ergänztPetra Müller.

Ausbildung gesucht? Komm ins Team!

Interessierte Schulabgänger oder Quereinsteiger können gerne jederzeit via Online-Express-Bewerbung mit uns Kontakt aufnehmen. Eine Rückmeldung erfolgt innerhalb von 60 Minuten

Link zum Online-Formular: https://www.helios-gesundheit.de/karriere/werde-pflegekraft/expressbewerbung/

Bildungszentrum: www.helios-gesundheit.de/bildungszentrum-berlin

 

leben, bilden / 30.09.2020
Das Schülerlabor wird zum Ferienlabor!

Wolle natürlich färben (Foto: Gläsernes Labor)
Wolle natürlich färben (Foto: Gläsernes Labor)

In den Herbstferien wird im Gläsernen Labor vom Nachwuchs experimentiert und geforscht

Kinder zwischen 6 und 14 Jahren gehen im Gläsernen Labor vom 12. - 23. Oktober wieder naturwissenschaftlichen Fragen auf unterhaltsame und lehrreiche Weise auf den Grund. Im Kurs "Elektronen flitzen" erfahren die Kinder und Jugendlichen, wie man elektrische Energie gewinnen kann. Vor allem dürfen sie in diesem Zusammenhang ausnahmsweise Computer und andere elektronische Geräte in ihre Bestandteile zerlegen, um die Funktion der Bauteile zu testen. Die Kurse thematisieren Keime, und was man gegen sie tun kann, ermöglichen, einen Heißluftballon zu testen oder die winzigen Bewohner von "Megastaaten" unter dem Mikroskop zu beobachten. In einem Kurs begeben sich die Teilnehmenden auf die Suche nach dem verschwundenen Mr. Bean, indem sie naturwissenschaftliche Methoden zu Hilfe nehmen. Weitere Kurse bieten an, Wohlfühlkosmetik selbst herzustellen, Wolle natürlich zu färben oder Helloween mit der Kräuterhexe zu feiern - ganz im Zeichen der Ferien im Herbst.

In zwei der Ganztagskurse sind noch Plätze frei:

14.10.2020  Die bunte Wolle

09:00 bis 16:00 Uhr
Aus was besteht unsere Kleidung und wie erhalten sie die Farben? Wie kann man Wolle natürlich färben? Geht das auch in bunt? Stelle verschiedene Färbelösungen her mit denen du färben und zeichnen kannst. Am Nachmittag wird die fertige Wolle dann verarbeitet.

Für Kinder von 10 bis 14 Jahren.


15.10.2020 Wintervögel

09:00 bis 16:00 Uhr
Was machen Spatz und Storch im Herbst und Winter? Wir lernen mit kleinen Versuchen und Spielen etwas über die beiden Vogelarten.

Für Kinder von 6 bis 10 Jahren.

www.forscherferien-berlin.de

forschen / 25.09.2020
Herzatlas mit Tiefenschärfe

Menschliche Herzmuskelzellen, die aus induzierten pluripotenten Stammzellen entstanden sind. (Foto: Sebastian Diecke, MDC)
Menschliche Herzmuskelzellen, die aus induzierten pluripotenten Stammzellen entstanden sind. (Foto: Sebastian Diecke, MDC)

Forschende aus drei Kontinenten haben eine erste ausführliche Skizze des Atlas des menschlichen Herzens vorgelegt – um die Funktion des lebenswichtigen Organs besser zu verstehen und um zu erhellen, was während einer Herzerkrankung schief läuft. Wie das Team in „Nature“ berichtet, zeigt der Atlas eine enorme zelluläre und molekulare Vielfalt.

Tag für Tag schlägt das menschliche Herz zuverlässig rund 100.000 Mal. Es pumpt das Blut immer nur in eine Richtung durch die vier verschiedenen Kammern; die Geschwindigkeit variiert bei Ruhe, während des Sports und bei Stress. Dafür müssen die Zellen in jedem Teil des Herzens bei jedem Herzschlag koordiniert vorgehen. Wie dem Organ diese anspruchsvolle Aufgabe gelingt, ist bislang allerdings erstaunlich wenig bekannt. Dabei stellt es so sicher, dass jeder Winkel des Körpers über das Blut permanent mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt ist und dass Kohlendioxid und Abfallstoffe abtransportiert werden.

Professor Norbert Hübner, der Leiter der Arbeitsgruppe „Experimentelle Genomik von Herz-Kreislauf-Erkrankungen“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), hat gemeinsam mit Dr. Sarah Teichmann vom Wellcome Sanger Institute im britischen Cambridge, Professor Jonathan Seidmann und Professorin Christine Seidmann, beide von der Harvard Medical School in Boston, und Dr. Michela Noseda vom Imperial College London vor rund drei Jahren ein Projekt namens „Human Heart Cell Atlas“ ins Leben gerufen, mit dem sie das Herz Zelle für Zelle verstehen möchten. Der Atlas der Herzzellen ist Teil des internationalen Großprojekts „Human Cell Atlas“ und wird von der Chan Zuckerberg Initiative mit knapp vier Millionen US-Dollar sowie vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) und der British Heart Foundation mit 2,5 Millionen Euro gefördert.

Erkenntnisse aus rund einer halben Million Zellen und Zellkernen
Die an dem Projekt beteiligten Teams aus 33 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die an 19 Institutionen in Deutschland, Großbritannien, den USA, Kanada, China und Japan forschen, haben rund eine halbe Million einzelne Zellen und Zellkerne des menschlichen Herzens analysiert. Jetzt können sie einen ersten ausführlichen Entwurf des Herzzellatlas im Fachblatt „Nature“ vorlegen. Er zeigt eine enorme Vielfalt der Zellen und enthüllt zuvor unbekannte Subtypen von Herzmuskelzellen und stützenden Herzzellen, schützende Immunzellen des Herzens und ein weit verzweigtes Netzwerk von Blutgefäßzellen. Sie errechnen zudem, wie die Zellen kommunizieren, um das Herz in Gang zu halten.

„Dies ist das erste Mal, dass sich irgendjemand in diesem Maßstab einzelne Zellen des menschlichen Herzens angeschaut hat. Das ist erst durch umfangreiche Einzelzellsequenzierung möglich geworden“, sagt Professor Norbert Hübner, ein Hauptautor vom MDC, der Charité - Universitätsmedizin Berlin, dem Berlin Institute of Health (BIH) und dem DZHK in Deutschland. „Diese Studie zeigt, was diese Technik und internationale Kooperationen leisten können. Das gesamte Spektrum der Herzzellen und ihre Genaktivität zu kennen, ist eine grundlegende Notwendigkeit. Nur so kann man verstehen, wie das Herz funktioniert und wie es auf Stress und Krankheit reagiert.“ 

Professorin Christine Seidman, eine Hauptautorin vom Brigham and Women’s Hospital, der Harvard Medical School und dem Howard Hughes Medical Institute, sagt: „Millionen Menschen werden wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen behandelt. Wir wollen zunächst das gesunde Herz verstehen. So können wir nachvollziehen, wie das Zusammenspiel von Zelltypen und Zellzuständen lebenslange Leistungsfähigkeit ermöglichen kann und wie sich dieses Zusammenspiel während einer Erkrankung unterscheidet. Letztendlich können diese grundlegenden Erkenntnisse auf spezifische Ziele hinweisen, die zu maßgeschneiderten Therapien der Zukunft führen und damit eine personalisierte Medizin für Herzkrankheiten schaffen, die für jeden Patienten und jede Patientin die Wirksamkeit der Behandlung verbessert.“ Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache. Jedes Jahr sterben daran 17,9 Millionen Menschen, meist aufgrund eines Infarkts oder eines Schlaganfalls. 

Ein heterogenes Organ
Für ihre Arbeit konnten die Forscherinnen und Forscher sieben weibliche und sieben männliche Herzen hirntoter, aber herzgesunder Spender*innen zwischen 40 und 75 Jahren aus Europa und den USA nutzen, die für eine Transplantation aus unterschiedlichen Gründen nicht in Frage kamen. Um die Herzzellen möglichst genau zu charakterisieren, haben die Forscher*innen untersucht, welche Gene in den einzelnen Zellen und Zellkernen aus sechs verschiedenen Herzregionen jeweils angeschaltet sind. Dazu gehörten die rechten und linken Vorhöfe und Kammern, die Herzspitze, Apex genannt, und das Ventrikelseptum, das die beiden Herzkammern voneinander trennt. Das Herz ist schließlich ein ziemlich heterogenes Organ. Die Blutdruckunterschiede zwischen den rechten und linken Vorhöfen und Kammern beispielsweise sind ganz enorm.

Mit modernen Methoden der Einzelzellsequenzierung, die sie zuvor an die Besonderheiten des Herzgewebes angepasst hatten, mit maschinellem Lernen und Bildgebungsverfahren haben die Wissenschaftler*innen herausgefunden, dass sich die Zellen in diesen Regionen stark voneinander unterscheiden. In jeder Region gab es ein spezifisches Set von Zellen, was Unterschiede in der Entwicklung unterstreicht und möglicherweiser zu unterschiedlichen Reaktionen auf eine Behandlung führt. 

Alle bisher bekannten Zelltypen des Herzens besitzen außerdem zahlreiche Subtypen. Es gibt beispielsweise nicht die eine Herzmuskelzelle, sondern viele verschiedene Kardiomyozyten mit teilweise ganz unterschiedlichen Funktionen. Die Genexpressionsmuster legen nahe, dass manche von ihnen mit einer viel höheren Stoffwechselrate umgehen können als andere. Warum das so ist, können die Forscher*innen noch nicht sagen. Auch bei den Fibroblasten, die das Bindegewebe des Organs ausmachen, fanden sie sehr unterschiedliche Muster der Genexpression.

Zu viel Gerüstmaterial
Nach einem Herzinfarkt versuchen die Fibroblasten, so viel geschädigtes Herzgewebe wie möglich mit einem stützenden Gerüst zu ersetzen. So soll es weiterhin den Kräften standhalten, die mit einem normalen Herzschlag verbunden sind. Manchmal setzen sie dabei zuviel Gerüstmaterial – oder extrazelluläre Matrix (ECM) – ein. Dieses zusätzliche Narbengewebe führt oft zu Herzrhythmusstörungen und Herzversagen. 

„Wir haben verschiedene Fibroblasten-Subtypen gesehen: Manche produzieren die extrazelluläre Matrix über unterschiedliche Prozesse, andere bauen das Gerüst um, wieder andere kommunizieren mit Immunzellen in ihrer direkten Nachbarschaft. Auch das könnte beeinflussen, wie viel Narbengewebe entsteht“, sagt die MDC-Forscherin Dr. Henrike Maatz aus der Arbeitsgruppe von Hübner, die eine der vier Erstautor*innen der Studie ist. „Mit dem Zellatlas des menschlichen Herzens haben wir die Grundlage geschaffen, um fibrotische Prozesse wirklich zu verstehen: Warum verlaufen sie in den Vorhöfen und Kammern jeweils anders? Wie können wir sie kontrollieren?“

Unerwartet war zudem die Beobachtung, dass die Herzen der Frauen in ihren Kammern mehr Muskel- und weniger Bindegewebszellen aufweisen als die der Männer – obwohl weibliche Herzen in der Regel kleiner sind als männliche. Das Resultat könne erklären, warum Frauen seltener als Männer an Herz-Kreislauf-Leiden erkranken. „Das ist faszinierend, aber das Ergebnis basiert auf nur sieben Herzen jedes Geschlechts. Wir müssen mal schauen, ob dieses Ergebnis weiteren Untersuchungen standhält“, sagt Maatz.

In kleine Bereiche heranzoomen
Auch die Blutgefäße, die das Herz durchziehen, untersuchten die Forscher*innen in dieser Studie so detailliert wie noch nie. Der Atlas zeigte, wie sich die Zellen in Venen und Arterien an die verschiedenen Drücke und Umgebungen angepasst haben. Das könnte zum Verständnis dessen beitragen, was bei koronarer Herzkrankheit in den Blutgefäßen schief läuft. 

Dr. Michela Noseda, eine Hauptautorin vom National Heart and Lung Institute, Imperial College London, sagt: „Unsere internationalen Anstrengungen liefern der Wissenschaft Informationen von unschätzbarem Wert. Sie beleuchten die zellulären und molekularen Details der Herzzellen, die gemeinsam Blut durch den Körper pumpen. Wir haben Herzzellen kartiert, die potenziell mit SARS-CoV-2 infiziert werden können. Dabei haben wir herausgefunden, dass spezialisierte Zellen der kleinen Blutgefässe ebenfalls Angriffsziele des Virus sind. Unsere Datensätze sind eine Goldgrube an Informationen, um die Feinheiten von Herzkrankheiten zu verstehen.“  

Lange Zeit konnten Wissenschaftler*innen quasi nur von oben auf die Landkarte des Herzens schauen. Mithilfe der Einzelzellsequenzierung können sie nun erstmals in kleine Bereiche reinzoomen.  

Dr. Sarah Teichmann, eine Hauptautorin des Wellcome Sanger Instituts und Ko-Vorsitzende des Organisationskomitees für den „Human Cell Atlas“, sagt: „Diese großartige Gemeinschaftsarbeit gehört zur globalen Initiative des Human Cell Atlas, eine 'Google-Map' des menschlichen Körpers zu erstellen. Der Herzzellatlas, der Forscher*innen auf der ganzen Welt offen zur Verfügung steht, ist eine fantastische Ressource. Der Atlas wird zu einem neuen Verständnis von Herzgesundheit und -krankheit, zu neuen Behandlungen und möglicherweise sogar zu neuen Wegen führen, geschädigtes Herzgewebe zu regenerieren.“

Finanzielle Förderung
Diese Studie wurde unterstützt von der British Heart Foundation (BHF), dem Europäischen Forschungsrat (ERC), dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung e.V. (DZHK), der Leducq Fondation, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Chinese Council Scholarship (CSC), der Alexander von Humboldt-Stiftung, EMBO, CIHR Canadian Institutes for Health Research, HSF Heart and Stroke Foundation, AI Alberta Innovates, der Chan Zuckerberg Initiative, dem Wellcome Sanger Institute, Wellcome, NIH und dem Howard Hughes Medical Institute.

Weiterführende Informationen
Alle Daten dieser Studie können online eingesehen werden.

WHO-Statistik zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Wie das Herz funktioniert (Webseite der Deutschen Herzstiftung)

Pressemitteilung: „Mitten ins Herz“ 

Pressemitteilung: „Herzzellen ihre Geheimnisse entlocken

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de 

Das Wellcome Sanger Institute ist ein weltweit führendes Genom-Forschungszentrum. Wir führen groß angelegte Forschungsarbeiten durch, die die Grundlagen des Wissens in der Biologie und Medizin bilden. Wir sind offen und kooperativ; unsere Daten, Ergebnisse, Tools und Technologien werden weltweit ausgetauscht, um die Wissenschaft voranzubringen. Unser Ehrgeiz ist groß - wir übernehmen Projekte, die anderswo nicht möglich sind. Wir nutzen die Möglichkeiten der Genomsequenzierung, um die Informationen in der DNA zu verstehen und nutzbar zu machen. Dank der Finanzierung durch Wellcome haben wir die Freiheit und Unterstützung, die Grenzen der Genomik zu verschieben. Unsere Erkenntnisse werden genutzt, um die Gesundheit zu verbessern und das Leben auf der Erde zu verstehen. Erfahren Sie mehr unter www.sanger.ac.uk  

Wellcome dient der Verbesserung der Gesundheit, indem die Stiftung großen Ideen zum Erfolg verhilft. Wir unterstützen Forscher*innen, wir stellen uns großen gesundheitlichen Herausforderungen, wir setzen uns für eine bessere Wissenschaft ein, und wir helfen allen, sich für Wissenschaft und Gesundheitsforschung zu engagieren. Wir sind eine politisch und finanziell unabhängige Stiftung. https://wellcome.ac.uk/  

Das Imperial College London ist eine der führenden Universitäten weltweit. Die 17.000 Studenten und 8.000 Mitarbeiter des Colleges verschieben die Grenzen des Wissens in Wissenschaft, Medizin, Technik und Wirtschaft und setzen ihre Entdeckungen in Vorteile für unsere Gesellschaft um. Imperial ist laut Times Higher Education die internationalste Universität Großbritanniens mit akademischen Verbindungen zu mehr als 150 Ländern. Reuters zeichnete das College aufgrund seiner außergewöhnlichen Unternehmenskultur und seiner Verbindungen zur Industrie als die innovativste Universität Großbritanniens aus. http://www.imperial.ac.uk/  

An der Harvard Medical School arbeiten mehr als 11.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den elf Abteilungen zur Grundlagen- und Sozialwissenschaft, die das Blavatnik Institute bilden und an den 15 Lehrkrankenhäusern und Forschungsinstituten, die mit Harvard affiliiert sind: Beth Israel Deaconess Medical Center, Boston Children’s Hospital, Brigham and Women’s Hospital, Cambridge Health Alliance, Dana-Farber Cancer Institute, Harvard Pilgrim Health Care Institute, Hebrew SeniorLife, Joslin Diabetes Center, Judge Baker Children’s Center, Massachusetts Eye and Ear/Schepens Eye Research Institute, Massachusetts General Hospital, McLean Hospital, Mount Auburn Hospital, Spaulding Rehabilitation Network und das VA Boston Healthcare System. www.hms.harvard.edu 

https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/herzatlas-mit-tiefenschaerfe

www.mdc-berlin.de

bilden / 24.09.2020
Buch_KulTour - Aktionswoche zum geplanten Bildungs- und Kulturzentrum (BIZ) in Berlin-Buch

Abb.: Das BIZ wird eine Lern- und Begegnungslandschaft bieten - im neuen Haus und auf den Außenflächen (Abb: karlundp Architekten)
Abb.: Das BIZ wird eine Lern- und Begegnungslandschaft bieten - im neuen Haus und auf den Außenflächen (Abb: karlundp Architekten)

Aktionswoche zum geplanten Bildungs- und Kulturzentrum in Berlin-Buch

Unter dem Titel „BuchKulTour“ findet vom 25. September bis 1. Oktober 2020 eine Aktionswoche zum geplanten Bildungs- und Integrationszentrum (BIZ Berlin-Buch) in Buch statt. In der Stadteilbibliothek, der Schlosskirche mit Gemeindehaus und dem Gläsernen Labor bieten zahlreiche Akteure ein buntes Programm für alle Altersgruppen an. Geplant sind Ausstellungen, Exkursionen, Konzerte, Lesungen, Workshops, Filmvorführungen und Experimente. Zum Abschluss findet am Donnerstag, dem 1. Oktober 2020 um 18 Uhr ein Bürgerforum mit dem Bucher Bürgerverein und Bezirksbürgermeister Sören Benn (Die Linke) statt. Veranstaltungsort ist die Mensa im Haus 14 des Campus Berlin-Buch, Robert-Rössle-Str. 10, 13125 Berlin.

Alle Informationen und Termine im Internet unter www.berlin.de/ba-pankow/buch_kultour.

Lesen Sie hier ein Interview zum BIZ Berlin-Buch mit Dr. Manuel Seitenbecher, Leiter des Amtes für Weiterbildung und Kultur in Pankow.

forschen, produzieren / 23.09.2020
„Corona hat allen die Notwendigkeit der Digitalisierung im Gesundheitsmarkt verstärkt vor Augen geführt“

Die Teilnehmende des Roundtable auf dem Campus Berlin-Buch. (Foto: Peter Himsel für GoingPublic)
Die Teilnehmende des Roundtable auf dem Campus Berlin-Buch. (Foto: Peter Himsel für GoingPublic)

Wie steht es um die Biotechnologie in Deutschland – generell und ganz speziell in Coronazeiten? In den Räumen des traditionsreichen Campus Berlin-Buch bat die Plattform Life Sciences zum alljährlichen Roundtable.

Am Roundtable-Gespräch beteiligten sich Dr. Christina Quensel, Campus Berlin-Buch GmbH, Dr. Kai Uwe Bindseil, Berlin Partner für Technologie und Wirtschaft GmbH, Dr. Angelika Vlachou, Brandenburg Kapital GmbH, Christian Seegers, IBB Ventures, Julius Bachmann, Joyance Partners, Dr. Robert Fischer, OMEICOS Therapeutics GmbH, Dr. Felix Lorenz, Captain T Cell und Dr. Matthias Gottwald, Bayer AG.

Lesen Sie den Beitrag hier: https://www.goingpublic.de/life-sciences/corona-hat-allen-die-notwendigkeit-der-digitalisierung-im-gesundheitsmarkt-verstaerkt-vor-augen-gefuehrt/

forschen, heilen / 23.09.2020
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen in Berlin

© BMBF
© BMBF

Gemeinsame PRESSEMITTEILUNG von BIH, Charité und MDC

Berlin wird einer von vier neuen Standorten für das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) neben Heidelberg und Dresden. Das gab das Bundesministerium für Bildung und Forschung heute bekannt und bestätigte Charité, BIH und und MDC hohe Leistungfähigkeit in der Krebsbehandlung und -forschung.

Das Land Berlin hat die Bewerbung stark unterstützt und plant unter anderem einen innovativen Neubau für das NCT, der voraussichtlich in Berlin-Wedding entstehen soll.

Im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs, mit dem Ziel Ergebnisse der Krebsforschung schneller zu Patientinnen und Patienten zu bringen, fördert das BMBF den Ausbau von vier weiteren Standorten des Nationale Centrums für Tumorerkrankungen. Hierfür kooperiert das Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) mit herausragenden Standorten der Universitätsmedizin. Im NCT arbeiten Ärztinnen und Ärzte mit Forscherinnen und Forschern eng zusammen, um jeder Patientin und jedem Patienten eine auf die eigene Erkrankung zugeschnittene Krebstherapie anzubieten. Nun fördert das BMBF den Ausbau weiterer Standorte. Bislang existieren zwei NCT-Standorte, in Heidelberg und Dresden. Die vier neuen NCT-Standorte sollen zukünftig noch mehr onkologischen Patientinnen und Patienten den Zugang zu Innovationen der personalisierten Onkologie ermöglichen. Neben Berlin gingen die Standorte Köln/Essen, Tübingen/Ulm/Stuttgart und Würzburg/Erlangen/Regensburg siegreich aus dem kompetitiven Bewerbungsverfahren hervor.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller, gratuliert dem Team von Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin Institute of Health (BIH) und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und betont: „Die Entscheidung, in Berlin ein Nationales Centrum für Tumorerkrankungen aufzubauen, ist ein großartiger Erfolg für unsere ganze Gesundheitsstadt. Sie unterstreicht die hohe Innovationskraft unserer Forschungseinrichtungen und zeigt, wie richtig unsere Strategie ist, den Wissenschafts- und Medizinstandort konsequent weiterzuentwickeln. Berlin nimmt damit eine Schlüsselstellung ein, um die Krebsforschung entscheidend voranzubringen und neue Ansätze in der Früherkennung und Behandlung von Krebsleiden zu entwickeln.“

Professor Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, sieht die Auswahl Berlins als NCT-Standort als große Chance für alle Beteiligten. „Wir freuen uns sehr über diese Entscheidung, die uns enorm unterstützt, die Krebsforschung und –behandlung in Berlin weiter zu stärken. Forschung und Klinik unter einem Dach zu vereinen, ist das übergeordnete Ziel aller Fachbereiche einer Universitätsmedizin. Denn hiervon profitieren Ärztinnen und Ärzte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, aber vor allem die Patientinnen und Patienten.“

Bereits heute exzellente Krebsforschung und -versorgung in Berlin

Drei leistungsfähige Kooperationspartner haben den NCT-Standort Berlin entwickelt: die Charité, das BIH und das MDC. Professor Ulrich Keilholz, Leiter des Charité Comprehensive Cancer Center (CCCC) und Koordinator des Berliner NCT-Antrags, freut sich über die Auszeichnung: „Die Charité gewährleistet bereits heute mit seinem CCCC die umfassende Versorgung von Krebspatientinnen und -patienten und führt klinische und translationale Krebsforschung durch. Jeder Patient und jede Patientin erhält einen individuellen Behandlungsplan, der in einem interdisziplinären Team optimiert entwickelt wird. Zusätzlich ermöglichen wir die Teilnahme an klinischen Studien. Als künftiger NCT-Standort Berlin werden wir noch erfolgreicher forschen und behandeln können und unsere Expertise weiter ausbauen.“

Mitkoordinatorin Professorin Angelika Eggert leitet die Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie an der Charité, ist Berliner Standortsprecherin im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) und gleichzeitig Mitglied im Forschungsrat des BIH. Sie erforscht mit ihrem Team neue molekular gezielte Therapien und Immuntherapien speziell für krebskranke Kinder. „Das körpereigene Immunsystem spielt eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Krebs. Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen hier vor Ort in Berlin konnten wir entscheidende Fortschritte erzielen. Gerade bei den doch eher seltenen Krebsfällen im Kindesalter werden wir sehr von der deutschlandweiten Zusammenarbeit mit den anderen NCT-Standorten profitieren.“

Verzahnung von Forschung und Klinik unter einem Dach

BIH-Chair für Klinisch Translationale Medizin Professor Christof von Kalle leitet das Klinische Studienzentrum von BIH und Charité. Bevor er nach Berlin kam, hatte er in Heidelberg das dortige NCT mitgegründet und über 10 Jahre geleitet. Auch er hat das Konzept für den NCT-Standort Berlin mitentwickelt. „Aus meiner langjährigen NCT-Erfahrung in Heidelberg weiß ich, wie entscheidend die enge Verzahnung von Forschung und Klinik, aber auch die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen im Kampf gegen den Krebs sind. Gleichzeitig müssen wir auch die Digitalisierung noch weiter vorantreiben, damit die vielen Daten, die in der Forschung und bei der Behandlung von tausenden Krebspatienten anfallen, den größtmöglichen Nutzen entfalten können. Als NCT-Standort Berlin können wir diese Herausforderungen meistern.“

Professor Axel R. Pries, Vorstandsvorsitzender (interim) des BIH und Dekan der Charité ergänzt: „Die medizinische Translation lebt vom stetigen Austausch zwischen Forschung und Klinik. Dies gilt insbesondere in der Onkologie: Krebs stellt uns vor eine der größten medizinischen Herausforderungen mit immer noch dramatischen Verläufen, nur die Hälfte der Krebspatientinnen und Krebspatienten überleben ihre Krankheit. Hier brauchen wir auch dringend neue Konzepte, die wir hier am Berliner NCT-Standort mit Hochdruck entwickeln wollen.“

Das MDC hat seinen Schwerpunkt in der biomedizinischen Grundlagenforschung. Seine Wissenschaftler*innen untersuchen grundlegende Mechanismen des Lebens und von Erkrankungen. Ihr Ziel ist, diese Erkenntnisse schnellstmöglich in medizinische Anwendungen zu übersetzen. In der Krebsmedizin entwickeln sie u.a. neue Immuntherapien und innovative Schlüsseltechnologien wie die 3D Einzelzell-l-Analyse, Proteomik und Metabolomik, die sie mit Hilfe künstlicher Intelligenz in neue medizinische Konzepte umsetzen. Professor Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand (komm.) des MDC freut sich ebenfalls sehr über die Förderung „Berlin wird ein exzellenter Standort für das erweiterte Nationale Centrum für Tumorerkrankungen: Hier kommt alles perfekt zusammen. Für uns am MDC bedeutet das, dass wir unsere Forschung und Expertise auf dem Gebiet der Immuntherapie, der Krebsentstehung und der zellbasierten Krebsmedizin weiter vorantreiben können. Und durch die enge Zusammenarbeit mit der Charité und dem BIH möchten wir unsere Erkenntnisse möglichst schnell zu den Patientinnen und Patienten bringen. Es geht um die personalisierte Onkologie der Zukunft.“

Präzise und zellbasierte Krebsmedizin

Die einzigartige Expertise der drei Kooperationspartner machen Berlin vor allem zu einem international herausragenden Standort für Systembiologie und klinisch angewandte Einzelzell-Technologien. Das NCT-Berlin Team entwickelt hieraus unter Federführung von Professor Nikolaus Rajewsky (MDC) ein wegweisendes Konzept zellbasierter Krebsmedizin. Diese umfasst neben den klinischen NCT Programmen drei wesentliche Themen.

1: Präzisionsonkologie: Um die Patient*innen bestmöglich behandeln zu können, müssen die Tumoren exakt diagnostiziert und in ihrer Entwicklung verstanden werden. Dazu setzen die Partner systematisch umfangreiche Methoden der Präzisionsonkologie ein: Neben Multi-Omics-Technologien finden auch umfassende Patienten-abgeleitete präklinische Modelle sowie Maschinelles Lernen (ML) und innovative Einzelzelll-Technologien mit einzigartiger räumlicher Auflösung Anwendung, die es auch ermöglichen, herauszufinden, gegen welche Behandlungen der Tumor empfindlich oder resistent reagiert.

2: Immuntherapie: Die NCT-Kooperationspartner nutzen die umfassende Berliner Expertise in der Immuntherapie, um neue adoptive T-Zell-Therapien (TCR- und CAR-T-Zellen) auf präklinischer und klinischer Ebene zu entwickeln. Vorhandene ausgedehnte GMP-Flächen erlauben es, die neuen Immuntherapien vor Ort herzustellen. Neue Zielstrukturen für die Immuntherapie können über Einzelzell--Technologien identifiziert werden.  Gemeinsam mit den anderen NCT-Standorten entsteht so ein umfassendes nationales Netzwerk der Krebsimmuntherapie.

3: Big Data:  Die ausgezeichnete IT-Infrastruktur des Charité Comprehensive Cancer Centers (CCCC), aktuelle Programme des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ)/Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) und das BIH Digital Health Programm verfolgen gemeinsam das Ziel, klinische Daten mit molekularer Diagnostik und präklinischen Modellen zu verbinden, um für jeden Patienten und für jede Patientin individualisierte Therapieansätze zu entwickeln und digitale Gesundheitslösungen voranzubringen.

Versorgung von mehr als 50.000 Krebspatientinnen und -patienten im Jahr

Das CCCC koordiniert die Planung des NCT-Partnerstandortes Berlin und wird selbst zukünftig in das  NCT Berlin überführt. Im Lenkungsausschuss des NCT Berlin sind alle relevanten Fachgebiete und Patientensprecherinnen und -sprecher vertreten. Ein eigenes NCT-Gebäude ist auf dem neuen klinischen Forschungscampus am Charité Campus Virchow-Klinikum geplant. Auf 10.000 Quadratmetern sollen modernste Forschungslabore, eine Ambulanz sowie ein Informationszentrum für Krebspatientinnen und -patienten entstehen. Das BIH/Charité Clinician Scientist Programm sowie zahlreiche andere Weiterbildungsmöglichkeiten machen Berlin zu einem attraktiven Standort für die Rekrutierung junger Talente in der Krebsforschung. Neben der Hauptstadt wird sich der Einzugsbereich des NCT Berlin mit der Bevölkerung Berlins, Brandenburgs und Sachsen-Anhalts von insgesamt 8,6 Millionen Einwohnern auf etwa ein Zehntel Deutschlands erstrecken, mit mehr als 55.000 neu diagnostizierten Krebsfällen pro Jahr.

Hintergrund

Mit der Gründung des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg als gemeinsame Einrichtung schufen das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), das Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) und die Deutsche Krebshilfe im Jahre 2003 das erste Comprehensive Cancer Center Deutschlands. Ziel des NCT ist es, vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung möglichst schnell in die Klinik zu übertragen und damit den Patienten zugutekommen zu lassen. Dies gilt sowohl für die Diagnose als auch die Behandlung, in der Nachsorge oder der Prävention. Die Tumorambulanz ist das Herzstück des NCT. Hier profitieren die Patienten von einem individuellen Therapieplan, den fachübergreifende Expertenrunden, die sogenannten Tumorboards, erstellen. Die Teilnahme an klinischen Studien eröffnet den Zugang zu innovativen Therapien. Das NCT ist somit eine richtungsweisende Plattform zur Übertragung neuer Forschungsergebnisse aus dem Labor in die Klinik. Das NCT kooperiert mit Selbsthilfegruppen und unterstützt diese in ihrer Arbeit.


Weiterführende Informationen

Krebsforschung am MDC
Einzelzellanalyse am MDC
Single Cell Technologien für die personalisierte Medizin – Fokusbereich mit dem BIH
AG Höpken: „Mikroumgebung als Regulator bei Autoimmunität und Krebs“
AG N. Rajewsky „Systembiologie von Gen-regulatorischen Elementen“


Kontakt

Jutta Kramm
Leiterin der Abteilung Kommunikation

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
+49 (0)30 9406 2140
jutta.kramm@mdc-berlin.de oder presse@mdc-berlin.de    


Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

www.mdc-berlin.de

leben / 21.09.2020
Mehr Fahrradbügel in Pankow? Vorschläge melden!

Online-Meldedialog auf mein.Berlin.de
 
Ein Online-Meldedialog zum Thema Abstellanlagen für Fahrräder, Lastenräder und E-Roller startet das Bezirksamt Pankow ist seit dem 11. September 2020 aktiv: Bürgerinnen und Bürger können unter: https://mein.berlin.de/projekte/fahrradbugel-fur-pankow Vorschläge für Abstellanlagen im öffentlichen Raum melden und damit die Verwaltung bei der bedarfsgerechten Planung unterstützen. Das Bezirksamt wird alle Vorschläge, die bis zum 30. November 2020 eingehen, auf Umsetzung prüfen. Der Einbau der Bügel soll dann ab dem kommenden Jahr erfolgen. Für die Finanzierung der Fahrradabstellanlagen stellt die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz dem Bezirk Mittel aus dem Radverkehrsprogramm zur Verfügung.
Neben Radwegen und Fahrradstraßen ist ein dichtes Netz an zeitgemäßen Abstellanlagen ein wichtiger Baustein der Pankower Radverkehrsstrategie. Das Bezirksamt hat seit 2019 bereits 800 neue Fahrradbügel errichtet. Damit es in diesem Tempo weitergehen kann, wünscht sich das Bezirksamt eine rege Beteiligung.

produzieren / 21.09.2020
DCprime and Glycotope Sign Licensing Agreement to Advance Program Combining Cancer Vaccination and Therapeutic Antibody Platforms

21.09.2020 / DCprime, the front-runner in the field of relapse vaccines, and Glycotope GmbH, a clinical-stage oncology/immuno-oncology company built on world-leading glycobiology expertise, today announced an expansion of their existing partnership through a new research collaboration and licensing agreement.

Originally initiated in July 2018, the partnership combines DCprime’s proprietary DCOne® relapse vaccine platform and Glycotope’s highly specific anti-tumor antibody platform with the aim of developing novel immunotherapeutic approaches in oncology. Under the expanded agreement a therapeutic antibody program has been selected from Glycotope’s portfolio which will be further evaluated in preclinical studies to potentially treat a broad range of solid tumors.

“Today’s agreement further exemplifies our commitment to develop novel cancer immunotherapies based on partnerships, in addition to pioneering the relapse vaccine paradigm. Our relationship with Glycotope has matured and brought forward a very promising program, potentially leading to a highly differentiated novel combination therapy towards solid tumors,” commented Erik Manting, CEO of DCprime.

“We are delighted to expand our collaboration with DCprime and to see one of our antibody programs move forward in a novel combination therapy approach with a cancer vaccine based on the DCOne® platform,” said Henner Kollenberg, Managing Director of Glycotope GmbH. “Glycotope has developed a growing pipeline of high-value cancer therapies and today’s announcement further highlights the promising product opportunities for monotherapeutic or combinational approaches offered by our portfolio.”

About DCprime
DCprime is the front-runner in the field of relapse vaccines, a new class of oncology vaccines administered after or in conjunction with standard of care therapy to delay or prevent disease recurrence. Our lead product is a whole-cell-based vaccine addressing blood cancers with a high risk of relapse. We are pursuing similar vaccination approaches for solid tumors. We believe relapse vaccines will improve survival by putting the patient’s immune system back in control. For more information, please visit: https://dcprime.com.

About Glycotope
Glycotope, founded in 2000 in Berlin, focuses on the development of antibodies with an increased tumor-specificity by binding to proteins carrying tumor-specific carbohydrate structures. These “GlycoBodies” are developed in different highly potent formats such as ADCs, bispecifics or in combination with cell and gene therapy approaches in-house or by license partners. The Company’s further pipeline includes biopharmaceuticals for various oncological indications. Visit https://www.glycotope.com.

Quelle: https://www.glycotope.com/dcprime-and-glycotope-sign-licensing-agreement-to-advance-program-combining-cancer-vaccination-and-therapeutic-antibody-platforms/

www.glycotope.com

leben / 17.09.2020
19 Wohnungen in der Berliner Allee 58 + 88 gesichert

Bezirksamt Pankow beschließt erneut Ausübung des Vorkaufsrechts im Komponistenviertel

Für die Immobilien auf dem Grundstück Berliner Allee 58 + 88 in Weißensee hat das Bezirksamt Pankow die Ausübung des Vorkaufsrechts beschlossen. Erworben werden 19 Wohn- und sechs Gewerbeeinheiten zugunsten der Gesobau AG. Die Bescheide wurden fristgerecht zugestellt. Beide Grundstücke befinden sich im räumlichen Geltungsbereich der Erhaltungsverordnung „Komponistenviertel“.

Vollrad Kuhn (Bü 90/Grüne), Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste, erklärt dazu: „Im Zeitraum von 2010 bis 2015 wurden vier Prozent des Wohnungsbestands in dem Sozialen Erhaltungsgebiet „Komponistenviertel“ in Wohneigentum umgewandelt. 33 Prozent sind bislang noch nicht umgewandelt, so dass hier großes Potenzial für weitere Umwandlungen liegt. Ebenso existiert ein erhöhtes Aufwertungspotenzial der größtenteils gründerzeitlichen Bebauung, da 74 Prozent der Wohnungen lediglich eine einfache Ausstattung vorweisen und 68 Prozent der Gebäude noch über keine Fassadendämmung verfügen. Ich freue mich daher sehr, dass wir zumindest die Immobilien Berliner Allee 58 + 88 nun erfolgreich dieser Spekulationsblase entziehen können.“

heilen, bilden / 15.09.2020
Kompetenz durch Wissen: Ausbildungszertifizierung für Ärzte der Röntgendiagnostik im Helios Klinikum Berlin-Buch

Die Experten aus dem Team des Instituts für Röntgendiagnostik haben ihre besondere Kompetenz bewiesen. Sie erhielten nach erfolgreicher Bewerbung jetzt die Zertifizierung als Ausbildungszentrum der DeGIR*.

 

In enger Kooperation mit den benachbarten Fachdisziplinen des Klinikums bietet das Team um Prof. Dr. med. Thomas Herold, Chefarzt des Instituts für Röntgendiagnostik im Helios Klinikum Berlin-Buch, das komplette Spektrum minimalinvasiver Verfahren von radiologischen Therapien an. Ausgeführt werden die Interventionen auf höchstem Niveau durch erfahrene und von der DeGIR zertifizierte Experten, die jetzt auch als Ausbildungszentrum zugelassen sind. „Wir freuen uns sehr über diese Zertifizierung der Radiologie als Ausbildungszentrum. Sie zeigt die hohe Expertise des Teams“, sagt Daniel Amrein, Klinikgeschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch. „Wir legen großen Wert auf die kontinuierliche Weiterbildung unserer Ärzte sowie auf eine nachhaltige Vernetzung mit unseren regionalen und überregionalen Kollegen aus Praxis und Klinik“, ergänzt Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor im Helios Klinikum Berlin-Buch, und sagt weiter: „Ich bedanke mich sehr beim Team um Thomas Herold für das besondere Engagement, das auch die Qualität der Leistungen in Diagnose und Therapie für unsere Patienten sichert.“

*Die Deutsche Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimalinvasive Therapie (DeGIR) konstituierte sich im Jahr 2008 als Fachgesellschaft für alle interventionsradiologisch und minimalinvasiv tätigen Radiologen. Der Hauptfokus der DeGIR-Aktivitäten liegt auf dem Gebiet der Fort- und Weiterbildung sowie der Qualitätssicherung interventionsradiologischer Praxis.

Kontakt:

Helios Klinikum Berlin-Buch
Prof. Dr. med. Thomas Herold
Chefarzt der Röntgendiagnostik
Schwanebecker Chaussee 50
13125 Berlin

Telefon: (030) 94 01-53500
Fax:      (030) 94 01-53509

thomas.herold@helios-gesundheit.de

www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch/unser-angebot/unsere-fachbereiche/roentgendiagnostik/

 

leben / 09.09.2020
Aufruf zur Beteiligung von Menschen ab 65 Jahren

Telefoninterviews über Wünsche, Ideen und Bedarfe bis Mitte Oktober

Der Qualitätsverbund Netzwerk im Alter – Pankow e.V. und die Altenhilfekoordination des Bezirksamtes Pankow wollen gemeinsam mit Seniorinnen und Senioren ab 65 Jahren die bezirklichen Strukturen für die Lebensphase 65+ zukunftsfähig gestalten. Zu diesem Zweck startet jetzt ein Projekt zur Förderung der sozialen Einbindung älterer Menschen ab 65 Jahren im Bezirk. Um diese Erfahrungen, Einschätzungen, Bedarfe und Ideen zu sammeln, werden die Organisatoren mit Interessierten ein kurzes und anonymes Telefongespräch (max. 30 Minuten) durchführen. Zielgruppe sind ältere Menschen die in einem der Pankower Bezirksteile Buch, Wilhelmsruh oder Blankenfelde wohnen, an der Gestaltung mitwirken und über ihre Alltagssituation in ihrem Kiez berichten möchten. Zudem können Wünsche und Bedarfe zu sozialen und gesundheitsförderlichen Angeboten geäußert und Ideen zur Verbesserung des Wohnumfeldes eingebracht werden.

Wer Interesse an dieser Form der Mitwirkung hat und nähere Informationen benötigt, kann sich noch bis Mitte Oktober an den Qualitätsverbund Netzwerk im Alter – Pankow e.V.  oder Jana Kruspe, Leiterin Fachbereich Senioren und soziale Angebote, Bezirksamt Pankow, wenden:

Netzwerk im Alter – Pankow e.V.
Schönhauser Allee 59b, 10437 Berlin
Tel.: 030 474 88 77

Jana Kruspe
Leiterin des Fachbereichs Seniorenservice
und soziale Angebote im Bezirksamt Pankow
Tel.: 030 - 90295-6822 (Montag - Freitag von 08:00 Uhr – 16:00 Uhr).

forschen, heilen / 08.09.2020
Neue Software spürt krankmachende Genveränderungen auf

Oft ist es ein einziger Fehler im Erbgut, der eine schwere Erkrankung zur Folge hat. Doch weil zwei gesunde Menschen schon etwa drei Millionen Unterschiede in ihrem Erbgut aufweisen, ist es gar nicht so leicht, die eine, krank machende Abweichung zu entdecken und von einer harmlosen Genvariante zu unterscheiden. Wissenschaftler*innen der Core Unit Bioinformatics des Berlin Institute of Health (BIH) haben nun gemeinsam mit Kolleg*innen von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtzgemeinschaft (MDC) eine Software entwickelt, die dabei hilft, die „Nadel im Heuhaufen“ zu finden. Besonders wichtig ist dies bei der Diagnose von sogenannten „Seltenen Erkrankungen“. Die Software „VarFish“ ist frei verfügbar und in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nucleic Acids Research" beschrieben.

Seltene Erkrankungen sind gar nicht so selten: Etwa vier Millionen Menschen in Deutschland sind insgesamt betroffen, doch von jeder einzelnen der geschätzt 8.000 verschiedenen Krankheiten treten meist nur wenige Fälle auf. Das hat zur Folge, dass es oft Jahre dauert, bis die Betroffenen die richtige Diagnose erhalten, was jedoch die Voraussetzung für eine wirksame Therapie darstellt. „Häufig landen die betroffenen Eltern nach einer jahrelangen Odyssee bei uns“, erzählt Dr. Nadja Ehmke, Fachärztin im Institut für Medizinische Genetik und Humangenetik der Charité. „Sie haben ein krankes Kind, das sich geistig oder körperlich nicht richtig entwickelt und wollen nun wissen, warum. Wenn wir ihnen dann aufgrund einer genetischen Analyse erklären können, wo der Fehler liegt, ist das für die Eltern oft eine riesengroße Erleichterung, auch wenn das noch nicht bedeutet, dass man auch therapeutisch etwas für ihr Kind tun kann.“ So können sich die Eltern mit anderen Betroffenen austauschen, Selbsthilfegruppen besuchen oder gründen und auch besser einschätzen, ob ein weiteres Kind ebenfalls erkranken könnte.

Leistungsfähige Software entdeckt Unterschiede

Für die genetische Analyse isolieren die Wissenschaftler*innen das Erbgut aus Blutzellen der Patient*innen, lesen die Sequenz, also die Abfolge der Buchstaben und vergleichen diese mit dem Erbgut von Eltern, Geschwistern oder den vorhandenen Erbgut-Analysen in großen Datenbanken. „Hier stößt der Mensch naturgemäß an seine Grenzen“, berichtet Dr. Dieter Beule, der Leiter der BIH Core Unit Bioinformatics. „Selbst wenn wir nur die eiweißkodierenden Bereiche des Erbguts analysieren, das so genannte Exom, müssen wir Millionen von Bausteinen vergleichen. Dazu benötigt man leistungsfähige Software, die die Unterschiede entdeckt.“ Doch selbst zwischen zwei gesunden Personen unterscheidet sich das Erbgut in den kodierenden Bereichen an rund 30.000 Positionen. Welche der vielen Abweichungen ist die krankmachende? Genau hier wurden Dieter Beule und sein Team aktiv:  Sie entwickelten „VarFish“.

“VarFish“ vergleicht die eingegebene Sequenz des Patienten oder der Patientin mit Sequenzen aus weltweit zusammengetragenen Datenbanken. Die Wissenschaftler*innen der Core Unit Bioinformatics griffen dabei auf viele offene und freie Datenressourcen zurück, wie die amerikanischen Datenbanken vom National Center for Biotechnology Information, der Universität von Washington, Seattle, dem European Bioinformatics Institute EBI in Cambridge, UK, aber auch auf Datenbanken und Algorithmen der Charité und des BIH.

Sekundenschneller Abgleich

„Innerhalb weniger Sekunden kann VarFish 29.950 von den 30.000 Unterschieden ausschließen“, sagt Dieter Beule. „Denn viele dieser Abweichungen findet die Software z.B. auch in den Sequenzen der Bevölkerungsdaten und führen dort offenbar nicht zu auffälligen Problemen und sind daher aller Wahrscheinlichkeit nach nicht für die seltene Erkrankung verantwortlich.“ Die übrig gebliebenen 50 Genvarianten vergleichen die Wissenschaftler*innen dann mit bereits bekannten Erbkrankheiten und können so den Kreis der in Frage kommenden, ursächlich verantwortlichen Veränderungen weiter auf etwa zehn eingrenzen.

In manchen Fällen entdecken auch Wissenschaftler in Forschungsstudien Mutationen in einem bekannten Gen. „VarFish“ ermöglicht eine rasche Prüfung auf Mutationen in bekannten Genen“, erklärt Professorin Ute Scholl, die am BIH eine Johanna-Quandt Professur innehat. „Das ist wichtig, weil es uns Hinweise geben kann, welches Medikament helfen könnte und klinisch weiterverfolgt werden sollte."  Wenn keine Mutationen in bekannten Genen vorliegen, kann mit Hilfe von VarFish innerhalb einer größeren Familie oder im Vergleich mehrerer betroffener Familien mit der gleichen Erkrankung ein neues Kandidatengen identifiziert werden. Was genau Mutationen in einem solchen Kandidatengen bewirken, kann anschließend oft im Labor geklärt werden. Die Arbeitsgruppe von Ute Scholl schleust die mutierten Gene in Zellkulturen oder in Mäuse ein und kann so beobachten, welche Auswirkungen die Mutation hat. „Auf diese Weise haben wir kürzlich ein neues Gen für eine seltene angeborene Form von Bluthochdruck charakterisiert", berichtet die Medizinerin. Doch die Medikamentenentwicklung oder gar zielgerichtete Behandlung liegt eher in weiter Ferne. „Wir wollen zunächst einmal verstehen, wie die Krankheit überhaupt entsteht und woher die Beschwerden rühren.“

Schnelle und zielsichere Diagnose

Dr. Manuel Holtgrewe, Bioinformatiker in der Core Unit und Erstautor der Publikation, freut sich darüber, dass die neue Software so viele Anwender*innen findet: „Innerhalb der ersten Wochen wurde VarFish schon hundertfach eingesetzt, Wissenschaftler*innen und Ärzt+innen weltweit haben damit gearbeitet. Intern haben wir schon tausende Datensätze damit verarbeitet.“ Gerade bei der Erforschung und Behandlung von Seltenen Erkrankungen ist die internationale Zusammenarbeit wichtig, weil jede einzelne Mutation ja meist nur wenige Male in jedem Land auftritt. Professor Stefan Mundlos, Direktor des Instituts für Medizinische Genetik und Humangenetik der Charité und der Forschungsgruppe "Development & Disease" am Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik Berlin, berichtet: „VarFish hat uns sehr dabei geholfen, Teilnehmer*innen für unsere Klinischen Studien schnell und zielsicher zu einer Diagnose zur verhelfen.“

Manuel Holtgrewe und Dieter Beule planen nun, „VarFish“ dahingehend zu erweitern, dass auch die genomweite Analyse von sogenannten strukturellen Varianten möglich wird. Außerdem sollen weitere Funktionen für die effektive und sichere standortübergreifende Zusammenarbeit von Humangenetiker*innen eingefügt werden. „VarFish unterstützt die Anwender*innen bei der Analyse ihrer molekulargenetischen Daten sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der klinischen Anwendung. Die Mission des BIH ist ja die Translation, also die Übertragung von Ergebnissen aus der Forschung in die Klinik und umgekehrt, von Beobachtungen in der Klinik zurück ins Labor. Mit unserer Software „VarFish“ unterstützen wir genau dieses Anliegen“, sagt Dieter Beule. 


Publikation: Manuel Holtgrewe, Oliver Stolpe, Mikko Nieminen, Stefan Mundlos, Alexej Knaus, Uwe Kornak, Dominik Seelow, Lara Segebrecht, Malte Spielmann, Björn Fischer-Zirnsak, Felix Boschann, Ute Scholl, Nadja Ehmke, Dieter Beule, VarFish: comprehensive DNA variant analysis for diagnostics and research, Nucleic Acids Research, gkaa241, https://doi.org/10.1093/nar/gkaa241

 

Über das Berlin Institute of Health (BIH)

Die Mission des Berlin Institute of Health (BIH) ist die medizinische Translation: Erkenntnisse aus der biomedizinischen Forschung werden in neue Ansätze zur personalisierten Vorhersage, Prävention, Diagnostik und Therapie übertragen, umgekehrt führen Beobachtungen im klinischen Alltag zu neuen Forschungsideen. Ziel ist es, einen relevanten medizinischen Nutzen für Patient*innen und Bürger*innen zu erreichen. Dazu etabliert das BIH ein umfassendes translationales Ökosystem, setzt auf ein organübergreifendes Verständnis von Gesundheit und Krankheit und fördert einen translationalen Kulturwandel in der biomedizinischen Forschung. Das BIH wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sind im BIH eigenständige Gliedkörperschaften.

www.bihealth.org

forschen / 08.09.2020
Mit zellbasierter Medizin Krankheiten abfangen und die Gesundheitsversorgung in Europa verbessern

Vergrößerung von Miniaturchips: Einzelzellen werden in winzige Tröpfchen eingekapselt und zur weiteren Verarbeitung mit Reagenzien versorgt.  © Felix Petermann, MDC / LifeTime
Vergrößerung von Miniaturchips: Einzelzellen werden in winzige Tröpfchen eingekapselt und zur weiteren Verarbeitung mit Reagenzien versorgt. © Felix Petermann, MDC / LifeTime

Hunderte Innovatoren, Pioniere aus Forschung, Klinik und Industrie sowie politische Entscheidungsträger*innen aus ganz Europa verbindet eine gemeinsame Vision, mit der sie die Gesundheitsversorgung verbessern wollen. In zwei Veröffentlichungen – einer Perspektive in der Zeitschrift Nature und der LifeTime Strategic Research Agenda (SRA) – präsentieren sie nun eine detaillierte Roadmap. Sie beschreibt, wie man neueste wissenschaftliche Durchbrüche und Technologien bereits innerhalb der nächsten zehn Jahre nutzen kann, um menschliche Zellen ein Leben lang zu verfolgen, ihren Zustand zu verstehen und kranke Zellen gezielt zu behandeln.

Die LifeTime-Initiative, die das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in Berlin gemeinsam mit dem Institut Curie in Paris koordiniert wird, hat eine Strategie entwickelt, um die maßgeschneiderte Behandlung in fünf großen Krankheitsfeldern voranzubringen: Krebs, neurologische, infektiöse und chronisch-entzündliche Krankheiten sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Ziel ist eine neue personalisierte Medizin in ganz Europa, die Abweichungen in einzelnen Zellen erkennt und eingreift, bevor Symptome entstehen, die Krankheit also abfängt („interceptive medicine“). Sie hat das Potenzial, die Therapieergebnisse zu verbessern und die Behandlung kostengünstiger zu gestalten. Sie wird außerdem grundlegend verändern, wie eine Patientin oder ein Patient die Gesundheitsversorgung erlebt.

Krankheiten früh erkennen und effektiver behandeln

Um einen funktionierenden, gesunden Körper zu bilden, folgen unsere Zellen bestimmten Entwicklungspfaden, auf denen sie bestimmte Rollen im Gewebe und in Organen übernehmen. Weichen sie jedoch vom gesunden Pfad ab, verändern sich die Zellen allmählich immer mehr. Diese Veränderungen bleiben oft unentdeckt, bis Symptome auftreten. Zu diesem Zeitpunkt der Erkrankung ist eine medizinische Behandlung jedoch oft invasiv, teuer und ineffizient. Es gibt allerdings Technologien, die die molekulare Zusammensetzung einzelner Zellen abbilden und mit denen man das Auftreten einer Krankheit oder einer Therapieresistenz deutlich früher erkennen kann.

Wenn wir bahnbrechende Einzelzell- und Bildgebungsmethoden kombiniert mit künstlicher Intelligenz und personalisierten Krankheitsmodellen nutzen, können wir nicht nur den Ausbruch einer Krankheit früher vorhersagen, sondern auch die wirksamste Therapie für jede Patientin oder jeden Patienten auswählen. Der Fokus liegt dabei auf den krankheitsauslösenden Zellen, um den Verlauf einer Krankheit rechtzeitig zu unterbrechen, bevor irreparable Schäden auftreten. Das wird die Prognose für viele Patientinnen und Patienten erheblich verbessern; in Europa können so potenziell krankheitsbedingte Kosten in Milliardenhöhe eingespart werden.   

Ein detaillierter Fahrplan, damit die Vision der LifeTime-Initiative Wirklichkeit wird

Der Nature-Artikel „LifeTime and improving European healthcare through cell-based interceptive medicine“ und die „LifeTime Strategic Research Agenda“ (SRA) erläutern, wie diese Technologien rasch gemeinsam entwickelt, in die klinische Praxis überführt und auf die fünf wichtigsten Krankheitsbilder angewendet werden sollten. Eine enge Zusammenarbeit zwischen europäischen Infrastruktur- und Forschungseinrichtungen, Kliniken und der Industrie ist unerlässlich, um im Rahmen der LifeTime-Initiative große Mengen an medizinischen Daten über die Grenzen Europas hinweg zu generieren, auszutauschen und zu analysieren. Die Initiative befürwortet eine ethisch verantwortungsvolle Forschung zum Nutzen der Bürgerinnen und Bürger in ganz Europa.  

Für Professor Nikolaus Rajewsky, wissenschaftlicher Direktor des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB) am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin und Koordinator der LifeTime-Initiative, ist genau dieser Ansatz der Weg in die Zukunft: „LifeTime hat Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen zusammengebracht – von Expertinnen und Experten aus der Biologie über die Datenwissenschaft und Ingenieurskunst bis hin zu Mathematik und Physik – um die molekularen Mechanismen besser zu verstehen, die für Gesundheit und Krankheit verantwortlich sind. Mithilfe der zellbasierten Medizin können Ärztinnen und Ärzte in Zukunft Krankheiten früher diagnostizieren und ihren Verlauf unterbrechen, noch bevor irreparable Schäden entstehen. LifeTime bietet das einzigartige Leistungsversprechen, die Gesundheit der Patientinnen und Patienten Europa zu verbessern.“
 
Dr. Geneviève Almouzni, Forschungsdirektorin am französischen CNRS, Ehrendirektorin des Forschungszentrums am Institut Curie in Paris und Kokoordinatorin der LifeTime-Initiative, ist davon überzeugt, dass LifeTime große soziale und wirtschaftliche Auswirkungen haben wird: „Durch eine zellbasierte Medizin, die Krankheiten aufspürt und abfängt, können wir die Behandlung zahlreicher Erkrankungen erheblich verbessern. Patientinnen und Patienten in aller Welt können so ein längeres und gesünderes Leben führen. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen dürften erheblich sein, wenn allein durch eine effektivere Krebsbehandlung Milliarden von Euro eingespart würden und die Behandlungsdauer intensivpflichtiger COVID-19-Patient*innen erheblich verkürzt würde. Wir hoffen, dass die Staats- und Regierungschefinnen und -chefs der EU erkennen, dass wir jetzt in die notwendige Forschung investieren müssen.“

Weiterführende Informationen

Die LifeTime-Initiative
Fokusbereich Single Cell-Technologien für die personalisierte Medizin am MDC und BIH

Einzelzellbiologie am MDC

Literatur

Kontakte

Prof. Dr. Nikolaus Rajewsky
Koordinator der LifeTime-Initiative
Direktor des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB)
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
+49 (0)30 9406-2999 (office)
rajewsky@mdc-berlin.de

Valentin Popescu
Kommunikationsmanager der LifeTime-Inititative
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
+49 176 6563 9465
valentin.popescu@mdc-berlin.de  

Über LifeTime

Die LifeTime-Initiative ist eine stetig wachsende Community, die aus über 100 führenden europäischen Forschungseinrichtungen und Kliniken sowie internationalen Berater*innen und mehr als 80 unterstützenden Unternehmen besteht. International renommierte europäische Forschungsgruppen, die Multi-Omics-Strategien, wissenschaftliche Infrastrukturen, Bio-Imaging und Computertechnologien entwickeln und im Bereich personalisierter Krankheitsmodelle führend sind, gehören zu LifeTime. Ebenso sind Bioethiker*innen und eine Kerngruppe federführender klinischer Wissenschaftler*innen Teil der Initiative. Viele der beteiligten Institutionen verfügen über eigene translationale/klinische Forschungseinrichtungen und Kliniken oder arbeiten mit solchen zusammen. So wird sichergestellt, dass LifeTime-Erkenntnisse rasch in die klinische Praxis überführt werden können.

Über das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Benannt wurde es nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück, der 1969 mit dem Nobelpreis für Physiologie und Medizin ausgezeichnet wurde. Das MDC untersucht molekulare Mechanismen, um die Entstehung von Krankheiten zu verstehen und sie so besser und wirksamer diagnostizieren, verhindern und bekämpfen zu können. Dabei arbeitet das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern wie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung e. V. und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen zusammen. Über 1.600 Mitarbeiter und Gäste aus fast 60 Ländern arbeiten am MDC, knapp 1.300 davon in der wissenschaftlichen Forschung. Das MDC wird zu 90 % vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 % vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de   

heilen / 08.09.2020
Selbstuntersuchung der Haut: Empfehlung für regelmäßige Kontrolle

Dr. med. Kerstin Lommel, Chefärztin der Klinik für Dermatologie und Allergologie, Leiterin Hauttumorzentrum, rät zur regelmäßigen Selbstuntersuchung der Haut. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Klinikum Berlin-Buch)
Dr. med. Kerstin Lommel, Chefärztin der Klinik für Dermatologie und Allergologie, Leiterin Hauttumorzentrum, rät zur regelmäßigen Selbstuntersuchung der Haut. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Klinikum Berlin-Buch)

Besonders zum Ende des Sommers, wenn wir über längere Zeit kurze und licht- sowie luftdurchlässige Kleidung getragen haben, verdient die Haut eine Extraportion Pflege. Durch regelmäßige Selbstkontrolle können Sie schnell reagieren, wenn Sie verdächtige Flecken oder Unebenheiten auf Ihrer Haut feststellen.

Selbstuntersuchung der Haut
Die Haut ist das größte Organ des menschlichen Körpers. Sie sagt viel darüber aus, wie wir mit unserem Körper umgehen. Umso wichtiger ist es, der Haut die Aufmerksamkeit und Pflege zu widmen, die sie verdient.
„Optimal ist es, wenn Sie Ihre Haut einmal im Monat am ganzen Körper selbst kontrollieren und etwa alle zwei Jahre zur Hautkrebsvorsorge gehen“, sagt Dr. med. Kerstin Lommel, Chefärztin der Dermatologie/Allergologie und Leiterin des Hauttumorzentrums im Helios Klinikum Berlin-Buch.
Bei Veränderungen wie Flecken, Unebenheiten oder anhaltende Rötungen wenden Sie sich zeitnah an Ihren Haus- oder Hautarzt oder kontaktieren ein Hauttumorzentrum.

Welcher Hauttyp sind Sie?
Wissen Sie, welcher Hauttyp Sie sind und wie Sie Ihre Haut am besten vor der Sonne schützen? Um Sonnenbrände zu vermeiden ist es ratsam, die Besonderheiten der eigenen Haut zu kennen. „Jede Haut ist anders und somit auch unterschiedlich empfindlich. Rötungen sind erste Warnzeichen, die darauf hindeuten, dass die Haut einen intensiveren Schutz benötigt“, sagt Dr. Lommel.
Die Expertin rät zudem, nicht nur im Sommer, sondern auch in den anderen Monaten des Jahres auf einen ausreichenden Schutz vor UV-Strahlung zu achten. Besonders Gesicht, Ohren, Hals und Hände sind regelmäßig einzucremen. Je heller die Haut ist, desto eher entsteht ein Sonnenbrand und desto höher ist die Gefahr, an weißem Hautkrebs zu erkranken.

Schon gewusst?
UV-Strahlung wirkt im, am und auf dem Wasser noch stärker, da sie dort reflektiert. Gleiches gilt auch für Gebirgsregionen und im Schnee.
Um das Bewusstsein für Hautkrebs zu stärken, die Aufmerksamkeit und das Wissen darüber zu fördern, gibt es den Europäischen Tag des hellen Hautkrebses seit 2011 jedes Jahr am 13. September.

Bei der Selbstkontrolle Ihrer Haut sind Ihnen Unregelmäßigkeiten aufgefallen? Sie möchten einen Experten kontaktieren? In der Poliklinik für Dermatologie am Helios Klinikum Berlin-Buch Haus 202, Erdgeschoss, gibt es Spezialsprechstunden.

Sprechstunde Blickdiagnose (ohne Terminvereinbarung)
Montags 08:00–10:00 Uhr

Tumorsprechstunde (mit Terminvereinbarung)
Dienstags 08:00-12:00 Uhr
hauttumorzentrum-berlin@helios-gesundheit.de oder T (030) 94 01-55700
Erreichbarkeit Montag-Freitag 8:00-16:00 Uhr
 
Kontakt
Helios Klinikum Berlin-Buch, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie; HautTumorZentrum
Chefärztin: Dr. med. Kerstin Lommel
Schwanebecker Chaussee 50, Haus 202, 13125 Berlin
T (030) 94 01-55700
hauttumorzentrum-berlin@helios-gesundheit.de
https://www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch/unser-angebot/unsere-fachbereiche/hauttumorzentrum/

 

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.
Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zu Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.

Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 110.000 Mitarbeitern. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien. Rund 21 Millionen Patienten entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2019 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 9,2 Milliarden Euro.
In Deutschland verfügt Helios über 86 Kliniken, 123 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und sieben Präventionszentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,6 Millionen Patienten behandelt, davon 4,4 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland fast 69.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 51 Kliniken, 71 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 15,4 Millionen Patienten behandelt, davon 14,6 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt rund 37.500 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von über drei Milliarden Euro.

Helios Deutschland und Quirónsalud gehören zum Gesundheitskonzern Fresenius.

 

 

forschen / 07.09.2020
Die Architektur von Synapsen erforschen - Fan Liu erhält 1,5 Millionen Euro Fördermittel vom Europäischen Forschungsrat

Prof. Dr. Fan Liu (Foto: Krzysztof Szafranek)
Prof. Dr. Fan Liu (Foto: Krzysztof Szafranek)

Prof. Dr. Fan Liu vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) erhält einen der begehrten ERC Starting Grants des Europäischen Forschungsrates (ERC). Die Wissenschaftlerin erhält für ihre hochinnovative Forschung zu den Interaktionen und der räumlichen Organisation des synaptischen Proteoms eine Gesamtförderung von bis zu 1,5 Millionen Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren.

Die Hirnfunktionen hängen entscheidend von der chemischen Neurotransmission an Synapsen ab, während umgekehrt neurologischen und psychiatrischen Störungen eine synaptische Dysfunktion zugrunde liegt. Synapsen bestehen aus mehr als 2.000 verschiedenen Proteinen, die räumlich in speziellen Proteinkomplexen organisiert sind. Wie sich jedoch diese Tausende von Proteinen selbst anordnen und zu funktionellen makromolekularen Maschinerien zusammensetzen, ist bisher nicht hinreichend verstanden.

Das ausgezeichnete SynLink-Projekt (Revealing the Synapse Architecture and Plasticity by Structural Interactomics) zielt darauf ab, das Gesamtbild der räumlichen Anordnung, der molekularen Architektur und des Interaktionsnetzwerks des synaptischen Proteoms besser zu verstehen. Darüber hinaus zielt der Projektvorschlag aus methodischer Sicht auch darauf ab, innovative Methoden zu etablieren, insbesondere Crosslinking (Vernetzungs)-Massenspektrometrie-basierte Pipelines, die eine systemweite Profilerstellung der Interaktome komplexer biologischer Systeme ermöglichen. „Wir gehen davon aus, dass diese Studien bahnbrechende Einsichten in die molekulare Architektur der Synapse liefern und damit eine entscheidende Wissenslücke in den Neurowissenschaften schließen werden“, sagt Liu.

Prof. Dr. Fan Liu

Prof. Dr. Liu schloss ihr Studium an der Fudan-Universität in Shanghai mit einem B.Sc. in Biologie ab. Danach wechselte sie in das Labor von Prof. Dr. Mike Goshe an der North Carolina State University und promovierte dort 2013 in Biochemie. Liu arbeitete als Postdoc im Labor von Prof. Dr. Albert Heck (Utrecht, Niederlanden). Im Jahr 2017 begann Liu am Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin als Gruppenleiterin für Strukturelle Interaktomik und Leiterin der Forschungsplattform Proteomik. 2020 wird Liu gemeinsam mit der Charité - Universitätsmedizin Berlin zur W2-S-Professorin berufen.

ERC Starting Grants für talentierte junge Forscher

ERC Starting Grants werden an Nachwuchsforscherinnen und -forscher aller Nationalitäten mit zwei bis sieben Jahren Erfahrung seit Abschluss der Promotion (oder eines gleichwertigen Abschlusses) und einer vielversprechenden wissenschaftlichen Karriere vergeben. Die Forschung muss in einer öffentlichen oder privaten Forschungseinrichtung mit Sitz in einem der EU-Mitgliedstaaten oder assoziierten Länder durchgeführt werden. Die Förderung wird bis zu fünf Jahre gewährt.

www.leibniz-fmp.de

leben / 04.09.2020
Aktionswoche "Pankow in Bewegung" - zahlreiche Programmpunkte in Buch

Der neu gestaltete Skaterplatz wurde vor kurzem eröffnet (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)
Der neu gestaltete Skaterplatz wurde vor kurzem eröffnet (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)

Vom 16.-22. September findet die Aktionswoche "Pankow in Bewegung" im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche statt. Eine Woche lang können Menschen jeden Alters an verschiedensten Aktionen rund um die Themen Bewegung, Lebensqualität und Klimaschutz in ganz Pankow teilnehmen. Die Aktionen reichen von lokalen Bewegungsfesten bis zu Einzelaktionen. Eine Übersicht zu allen Pankower Aktionen ist im Programmheft zu finden. Sie können es hier herunterladen.

Auch in Berlin-Buch finden in der Woche "Pankow in Bewegung" jeden Tag zahlreiche Aktionen für Menschen jeden Alters statt.

Die zwei größten Veranstaltungen in Berlin-Buch sind:

  • Interkulturelles Sport-Event, 18.09., 14-18 Uhr, auf dem Panke-Platz
  • Aktionstag für alle Generationen, 22.09., 14-18 Uhr, im Garten des Bucher Bürgerhauses (Bitte anmelden: shz.buch@albatrosggmbh.de, 030 - 9415426)

Neben diesen zwei größeren Veranstaltungen wird es in Berlin-Buch vom 16.-22.09. außerdem noch folgende Aktionen geben (diese sind im angehängten Programmheft in grün und ausführlicher aufgeführt):

  • Mobiles Skateangebot vom Kinderclub "Der Würfel"
  • Lehmbau auf der Moorwiese
  • Achtsamkeitsparcours im Garten des Bucher Bürgerhauses
  • Bewegung im Alter (ab 65 Jahre) im Schlosspark Buch
  • Naturerfahrung im Schlosspark Buch vom Familienzentrum Buch und den naturbegleiter*innen
  • Spielerische Verkehrserziehung vom Familienzentrum Kita Busonistraße
  • Powergymnastik für Frauen vom SV Buch
  • Beachvolleyball und Volleyball vom SJC und SV Buch
  • Kunstaktionen im Waldbegegnungsgarten "Freundlich" und Spaziergänge über die Skulpturenlinie von Steine ohne Grenzen e.V.
  • Einführung in die natürliche Bienenhaltung und Bau von Klotzbeuten auf der Moorwiese
  • Cleanup Walk von Vielfarb Social gGmbH
  • Fahrradtouren vom Selbsthilfe- und Stadtteilzentrum Buch und von Gangway e.V.
  • Abenteuerparcours auf dem Naturerfahrungsraum "Wilde Welt" auf der Moorwiese
  • Mädchenfußball beim SG Blau-Weiß Buch e.V.
  • Klettern im SJC

Es ist wichtig zu überprüfen, zu welchen Aktionen sich aufgrund der derzeit vorherrschenden Corona-Pandemie vorab angemeldet werden muss. Hierzu sind alle Informationen unter dem jeweiligen Angebot im Programmheft zu finden.

Die Aktionswoche "Pankow in Bewegung" wird im Rahmen der kommunalen Gesundheitsförderung organisiert. Ein aktiver Mobilitätsstil erhöht die eigene Fitness und die Lebensqualität in Pankows Stadtteilen. Die Woche ermöglicht es als gebündelte Aktion von Vereinen, Einrichtungen und Initiativen, sich in der Nachbarschaft kennenzulernen, zu vernetzen und gemeinsam gesundheits- und klimaschutzförderlich aktiv zu werden.

Dieser Text wurde uns freundlicherweise von der Albatros gGmbH zur Verfügung gestellt.

forschen / 03.09.2020
Millionenförderung für zukunftsweisende Forschung

Dr. Kathrin de la Rosa in ihrem Labor. Foto: Pablo Castagnola / MDC (links) & Dr. Ilaria Piazza kam erst in diesem Jahr ans MDC (rechts). (Foto: David Ausserhofer/ MDC)
Dr. Kathrin de la Rosa in ihrem Labor. Foto: Pablo Castagnola / MDC (links) & Dr. Ilaria Piazza kam erst in diesem Jahr ans MDC (rechts). (Foto: David Ausserhofer/ MDC)

Zwei MDC-Wissenschaftlerinnen – Kathrin de la Rosa und Ilaria Piazza – werden mit ERC Starting Grants gefördert. Ihre Arbeit könnte eines Tages die Art und Weise verändern, wie wir Impfstoffe entwickeln und wie wir über den Einfluss kleiner Moleküle auf Genexpression und Krankheiten nachdenken.

Dr. Kathrin de la Rosa und Dr. Ilaria Piazza, beide Juniorgruppenleiterinnen am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), erhalten Starting Grants des Europäischen Forschungsrates ERC. Die begehrte Auszeichnung ist mit einer Förderung in Höhe von jeweils etwa 1,5 Millionen Euro über fünf Jahre verbunden. Damit können Nachwuchsforscher*innen eigene Teams aufbauen und „high risk, high reward“-Forschung betreiben. Sie müssen seit ihrer Promotion zwei bis sieben Jahre Erfahrung gesammelt haben und über eine vielversprechende wissenschaftliche Erfolgsbilanz verfügen. In diesem Jahr erhalten 436 europäische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrichtungen ERC Starting Grants.

„Die ERC Starting Grants unterstützen in der Regel Projekte, die in anderen Zusammenhängen vielleicht scheitern würden, weil die Ideen, um es mal einfach auszudrücken, zu verrückt sind“, sagt Piazza, die die Arbeitsgruppe „Allosterische Proteomik“ leitet. De la Rosa, die Leiterin der Arbeitsgruppe „Immunmechanismen und humane Antikörper“ stimmt zu: „So können wir uns an riskantere Hypothesen heranwagen.“

Kleine Interaktionen, große Wirkung?
Piazza untersucht das Zusammenspiel zwischen Proteinen und kleinen Molekülen (small molecules), bei denen es sich entweder um natürliche Metabolite oder um von Menschenhand hergestellte Medikamente handeln kann. „Wir wissen ziemlich viel darüber, wie Proteine miteinander oder mit Nukleinsäuren wie DNA oder RNA interagieren. Aber ihr Zusammenspiel mit Metaboliten oder Medikamenten in großem Maßstab zu ergründen, das ist neu“, sagt Piazza. 

Ihr Ansatz zur Analyse dieser Interaktionen ist innovativ: Sie kombiniert eine Protease – ein Protein, das andere Proteine zerkleinert oder „spaltet“ – mit Massenspektrometrie, also einer Maschine, die verschiedenste Segmente von Proteinen, die Peptide, erkennt und ausliest. Piazza vergleicht die Peptidketten eines Proteins, die einem kleinen Molekül ausgesetzt waren, mit denen, die keinen Kontakt hatten. Wenn sich die Ketten unterscheiden, ist das ein Hinweis: Es deutet darauf hin, dass das Protein anders geschnitten wurde, weil es an das jeweilige kleine Molekül gebunden war.

Die besondere Stärke des Ansatzes liegt darin, dass Piazza so Tausende Proteine gleichzeitig untersuchen kann, um zu sehen, welche von ihnen an ein bestimmtes kleines Molekül binden. Der „verrückte“ Teil ihrer Hypothese: Sie vermutet, dass ein Zusammenspiel von Proteinen und kleinen Molekülen innerhalb des Zellkerns die Genexpression direkt beeinflussen kann. Ihrer Ansicht nach sind diese Interaktionen der Schlüssel, um die Entstehung von Krankheiten zu erklären – denn im Gegensatz zu einer vorbestimmten Genetik spiegeln sie die Einflüsse der Außenwelt wider.

„Warum können Zwillinge, die das gleiche Erbgut teilen, verschiedene Persönlichkeiten haben und andere Krankheiten entwickeln“, fragt Piazza. „Wie wir leben und unsere Umwelt – das beeinflusst, wie die DNA in Proteine übersetzt wird. Und ich glaube, dass das Zusammenspiel von Proteinen und kleinen Molekülen eine enorme Rolle spielt, die noch völlig unerforscht ist.“ 

Vielleicht sei der Effekt am Ende kleiner als sie annimmt. Doch einen ERC Starting Grant zu bekommen, bestärke sie darin, der Idee nachzugehen, sagt Piazza. Dank der Förderung in Höhe von fast 1,7 Millionen Euro für ihr Projekt proteoRAGE kann sie ihr Labor erweitern, das sie seit diesem Jahr am MDC aufbaut. „Ich brauche mutige Menschen, die sich nicht scheuen, über den Tellerrand zu schauen“, sagt sie. 

Der Natur die erfolgreichsten Tricks abschauen
Kathrin de la Rosa, die seit 2018 ihr Immunologie-Labor 2018 am MDC leitet, konnte die Nachricht über die Förderung kaum glauben. „Erst als mir all jene, die mich bei der Bewerbung unterstützt haben, gratuliert haben, habe ich es realisiert und konnte den Erfolg feiern“, sagt sie. Sie bekommt fast 1,5 Millionen Euro für ihr Projekt AutoEngineering.

In dem Projekt will Kathrin de la Rosa körpereigene B-Zellen im Labor genetisch so verändern, dass sie Antikörper produzieren, die noch schlagkräftiger sind als ihre natürlichen Vorbilder. Allerdings wird de la Rosa dafür nicht auf die Gen-Schere CRISPR-Cas9 zurückgreifen. „Wenn diese Schere an der falschen Stelle schneidet, kann das unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen. Die Zellen können sogar zu Krebszellen werden“, sagt sie. Stattdessen will de la Rosa eine natürliche Fähigkeit der B-Zellen nutzen. 

B-Zellen gehören zu den weißen Blutkörperchen. Diese sind in der Lage, hochspezialisierte Antikörper zu bilden, die Eindringlinge im Körper erkennen und binden können. Damit locken sie wieder andere Abwehrzellen an, die den Erreger wie ein Virus, ein Bakterium oder einen Parasiten zerstören. Wenn die B-Zellen dem Erreger begegnen, werden sie aktiviert. Sie teilen sich und ihre DNA-Stränge brechen besonders oft an den Stellen, die die Erbinformation für die Antikörper kodieren. So entstehen nach dem Zufallsprinzip neue Antikörpervarianten, von denen manche noch besser an den Erreger binden können. Während einer Malaria können die Antikörper in seltenen Fällen sogar Segmente eines anderen Gens „stehlen“. Ein ganz neuer Rezeptor wird eingebaut, es bilden sich breit reaktive Antikörper. „Diesen Antikörpern kann ein Erreger viel schwerer entkommen, selbst wenn der Eindringling mutiert und seine Oberfläche verändert“, sagt de la Rosa.  

De la Rosa will diesen natürlichen Prozess des „Segment-Stehlens“, den sie und ihre Kolleg*innen 2016 zum ersten Mal beobachtet haben, Schritt für Schritt aufklären. Sie will die zugrundeliegenden Mechanismen verstehen und sie in der Petrischale nachstellen. „Zuerst müssen wir effiziente Wege finden, wie wir diese zelleigenen Mechanismen nutzen können. Wir möchten testen, ob unser Ansatz sicherer ist als der Einsatz zellfremder Gen-Scheren wie CRISPR-Cas9 und ihn dann anwenden, um schließlich neuartige Antikörper zu erzeugen“, sagt sie. „Stellen Sie sich nur vor, wir könnten der Natur ihre erfolgreichsten Tricks abschauen, um in Zukunft Erreger wie HIV, die unser Immunsystem überfordern, in Schach zu halten!“ Es reizt sie und ihr Team, an etwas zu arbeiten, das eines Tages ein völlig neuer Ansatz für Impfstoffe sein könnte, sagt de la Rosa. „Das wird eine spannende Reise.“

Weiterführende Informationen

ERC Starting Grants 2020: €677 million awarded to unravel scientific mysteries (Pressemitteilung des ERC, engl.)

ERC Starting Grants 2020 – Zahlen und Fakten (engl.) 

Ingenieurin des Abwehrsystems

AG de la Rosa

Wie Metabolite und Proteine sich die Hand geben

AG Piazza

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Benannt wurde es nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück, der 1969 mit dem Nobelpreis für Physiologie und Medizin ausgezeichnet wurde. Das MDC untersucht molekulare Mechanismen, um die Entstehung von Krankheiten zu verstehen und sie so besser und wirksamer diagnostizieren, verhindern und bekämpfen zu können. Dabei arbeitet das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern wie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung e. V. und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen zusammen. Über 1.600 Mitarbeiter und Gäste aus fast 60 Ländern arbeiten am MDC, knapp 1.300 davon in der wissenschaftlichen Forschung. Das MDC wird zu 90 % vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 % vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de  

forschen / 03.09.2020
Die kontinuierliche Evolution von Krebszellen

3D-Struktur einer Melanomzelle, gewonnen durch Ionenabrieb-Rasterelektronenmikroskopie. (Foto: Sriram Subramaniam, National Cancer Institute, National Institutes of Health, Lizenz: CC BY-NC 2.0)
3D-Struktur einer Melanomzelle, gewonnen durch Ionenabrieb-Rasterelektronenmikroskopie. (Foto: Sriram Subramaniam, National Cancer Institute, National Institutes of Health, Lizenz: CC BY-NC 2.0)

Ein neuer Algorithmus zeigt, dass die Zellen eines Tumors fortlaufend ihr Genom umgestalten – eine Evolution im Schnelldurchlauf, die bei zahlreichen Tumorarten vorkommt. Doch welche Veränderungen nützen dem Tumor und tragen zur Metastasierung bei? Sie zu erkennen, könnte zu neuen Therapien beitragen.

In einigen Zellen gewinnt und verliert ein Tumor große Abschnitte von Chromosomen, in anderen Zellen jedoch nicht. Dieser Prozess kann ein Hinweis auf fortlaufende Evolution und die Selektion bevorzugte Merkmale sein. Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsteam des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), des Francis Crick Institute und des University College London. Wie die Forschenden in der Fachzeitschrift Nature berichten, fanden sie derartige Hinweise bei 22 Tumorarten, darunter Brust-, Darm- und Lungenkrebs.

„Das Ausmaß der kontinuierlichen strukturellen Evolution in diesen Krebsgenomen ist viel größer, als wir ursprünglich gedacht hatten, und es ist auch größer als es die Community gewöhnlich annimmt“, sagt Dr. Roland Schwarz, Leiter der MDC-Arbeitsgruppe „Evolutionäre und Krebsgenomik“ und einer der Hauptautoren der Studie. 

Begünstigt werden dabei anscheinend solche Varianten, durch die die Krebszellen große Chromosomenabschnitte mit vorteilhaften Genen hinzugewinnen oder öfter kopieren können. Genabschnitte, die den Tumor unterdrücken könnten, gehen dagegen verloren. „Das ist zwar intuitiv einleuchtend, aber es wurde noch nie zuvor nachgewiesen, dass dies kontinuierlich bei so vielen Tumorarten passiert“, sagt Schwarz.

Mutter oder Vater zuerst?
Roland Schwarz und Tom Watkins, Erstautor der Studie und Doktorand am Francis Crick Institute, den Schwarz mitbetreut, haben in den letzten fünf Jahren gemeinsam ein Verfahren entwickelt, das diese umfassenden Mutationen detaillierter beschreiben kann. Die Veränderungen werden als somatische Kopienzahl-Änderungen bezeichnet und können Chromosomenarme oder sogar ganze Chromosomen umfassen. Sie sind also weitaus größer als Punktmutationen in einzelnen Genen. Die Forschenden interessierte insbesondere, ob Veränderungen an der mütterlichen oder väterlichen Kopie eines Chromosoms oder gar an beiden vorliegen und in welcher Reihenfolge sie auftreten.

„Wenn wir das Ausmaß der kontinuierlichen Instabilität der Chromosomen und die daraus resultierende Heterogenität der Kopienzahl verstehen, könnte das zukünftige Therapieansätze beeinflussen“, sagt Watkins.

Mithilfe eines neuen Algorithmus namens „Refphase“ und einer statistischen Analyse gelang es den Forschenden, diese Detailgenauigkeit in den Haplotypen zu erreichen. Gemeinsam mit Kolleg*innen wandten sie dieses Verfahren auf 1.421 Proben aus 394 Tumoren von 22 Tumorarten an. Entscheidend dabei war, dass diese Proben aus mindestens zwei verschiedenen Teilen des Tumors stammten, sodass die Forscher*innen die Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen vergleichen konnten. 

„Solche Datensätze findet man immer noch recht selten. Es war daher für mich sehr spannend, mit der größten Datensammlung unterschiedlichster Krebsarten zu arbeiten, die auch Daten aus verschiedenen Bereichen der Tumoren umfasst“, sagt Marina Petkovic, Co-Autorin der Studie und Doktorandin in Schwarz’ Labor, das Teil des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC ist.

Die Forscher*innen fanden eine große Variabilität chromosomaler Gewinne und Verluste in den Zellen aus verschiedenen Tumorteilen – und zwar bei allen untersuchten Tumorarten.

Ein weit verbreitetes Ungleichgewicht
Das Team stellte auch fest, dass in einem Tumorteil ein Gewinn oder Verlust oft nur auf der mütterlichen Kopie des Chromosoms auftrat, während im anderen Teil des Tumors der Gewinn oder Verlust nur auf der väterlichen Kopie zu finden war. Dieses Phänomen, das Schwarz und seine Kollegen erstmals 2017 in einer Studie beschrieben, wird als gespiegeltes subklonales Allel-Ungleichgewicht („Mirrored Subclonal Allelic Imbalance“ oder MSAI) bezeichnet. „Diese MSAI-Ereignisse finden sich in vielen Tumorarten. Es gibt sie nahezu überall“, sagt Schwarz.

Dieses Ungleichgewicht deutet auf eine getrennte, parallel stattfindende Evolution hin – es legt also Selektion nahe. Ob die gewonnenen oder verlorenen Chromosomen-Abschnitte tatsächlich zur Metastasierung des Tumors beitragen oder nur zufällig auftreten, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Fest steht jedenfalls: Die Forschungsergebnisse zeigen mit großer Beweiskraft, dass sich Krebszellen ihre Genome kontinuierlich und in großem Maßstab umgestalten. Dieser Vorgang wird auch chromosomale Instabilität genannt.

Die Befunde greifen eine laufende Debatte auf dem Gebiet der Krebsgenomik auf. Einige Wissenschaftler*innen argumentieren, dass es zahlreiche evolutionäre Veränderungen gibt, wenn sich der Tumor gerade erst bildet und das Genom später relativ stabil bleibt. Andere wiederum – darunter Schwarz und seine Kolleg*innen – vermuten, dass diese Veränderungen über den gesamten Lebenszyklus eines Krebs hinweg anhalten. „Unser Ansatz erbringt substanzielle Nachweise für eine kontinuierliche chromosomale Instabilität – und zwar so detailliert, wie es bislang nicht möglich war“, sagt Schwarz.

Schwarz und sein Team führen derzeit Beta-Tests ihres Algorithmus für die Veröffentlichung als R-Paket durch. Mit einer solchen Open-Access-Software zur Datenanalyse können auch andere Wissenschaftler*innen in diesem Bereich das Verfahren nutzen.

Weiterführende Informationen
Pressemitteilung auf der MDC-Website lesen

Arbeitsgruppe von Dr. Roland Schwarz

Pressemitteilung: „Im Detail erfasst: Mutierte DNA in Krebszellen“

Literatur
Tom Watkins et al. (2020): „Pervasive Chromosomal Instability and Karyotype Order During Tumour Evolution“, Nature, DOI: 10.1038/s41586-020-2698-6

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Benannt wurde es nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück, der 1969 mit dem Nobelpreis für Physiologie und Medizin ausgezeichnet wurde. Das MDC untersucht molekulare Mechanismen, um die Entstehung von Krankheiten zu verstehen und sie so besser und wirksamer diagnostizieren, verhindern und bekämpfen zu können. Dabei arbeitet das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern wie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung e. V. und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen zusammen. Über 1.600 Mitarbeiter und Gäste aus fast 60 Ländern arbeiten am MDC, knapp 1.300 davon in der wissenschaftlichen Forschung. Das MDC wird zu 90 % vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 % vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de 

leben, bilden / 03.09.2020
Buch_KulTour zum geplanten Bildungs- und Integrationszentrum

Die kleine Kräuter-Apotheke. (Foto: Katharina Bohm)
Die kleine Kräuter-Apotheke. (Foto: Katharina Bohm)

Bucher Akteure bieten vom 25. September bis 1.Oktober 2020 zahlreiche Veranstaltungen im Rahmen einer Aktionswoche zum geplanten Bildungs- und Integrationszentrum (BIZ Berlin-Buch) an. Das Gläserne Labor wird an allen Tagen mit Mitmach-Experimenten für Kinder in der Stadtbibliothek dabei sein.

Freitag, 25.09.2020, 15:00 Uhr | Stadtteilbibliothek Buch

Herr Bernoulli und der umgeklappte Regen­schirm
Strömung – Wer kennt das nicht, wenn es stürmt und regnet und plötz­lich sich der Regen­schirm umklappt. Die Erklärung für dieses Phänomen hatte der italienische Physiker Bernoulli. Mit kleinen Experimen­ten kommt man diesem Phänomen auf die Spur!

Montag, 28.09.2020, 15:00 Uhr | Stadtteilbibliothek Buch

Nutze die Hebelwirkung, um deinen Rucksack optimal zu packen!
Jeder wendet täglich die Hebelkraft an. Schon alleine, wenn man eine Tür­klinke oder eine Flasche öffnet. Auch auf einer Wippe ist die Hebel­kraft ent­scheidend. Doch bei dem Packen des Rucksacks achten wir nicht auf diese Kraft. Komm vorbei und probiere den Unter­schied aus.

Dienstag, 29.09.2020, 15:00 Uhr | Stadtteilbibliothek Buch

Die kleine Kräuter-Apotheke
Vor der Lesung zu Fontane gibt es eine kleine Kräuter­kunde und Tee­rezepte zum Wohl­fühlen.
Denn Theodor Fontane war gelernter Apotheker. Er arbeitete von 1840 bis 1848 als Apotheker, bevor er als Schrift­steller tätig wurde.

Mittwoch, 30.09.2020, 15:00 Uhr | Stadtteilbibliothek Buch

Töne in Musik verwandeln
Töne in Musik verwandeln, daraus bestand das Leben von Beethoven, aber wie entstehen tiefe und hohe Töne. Was sind Töne? Mithilfe von spannenden Experi­men­ten entdeckst du, was Töne sind sowie wie tiefe und hohe Töne entstehen.

Donnerstag, 01.10.2020, 15:00 Uhr | Stadtteilbibliothek Buch

Geheimnisse der Optik
Schrumpfende Finger oder der Knick im Stift, die verrückten Geheimnisse der Optik. Finde heraus warum Gegen­stände Unter­wasser anders aussehen als in der Luft.

Für alle Angebote des Gläsernen Labors gilt: Für die ganze Familie. Anmeldung unter doreen.tiepke@ba-pankow.berlin.de ist hilfreich, Kurzentschlossene sind aber auch herzlich willkommen.

Das Programm der Bucher Aktionswoche kurz und knapp:

Ausstellungen

    Ausstellung: »Junge Meister«
    Popup-Ausstellung: »Zum Beispiel: Fontane«

Exkursion: Historisches Dorf und Schlosspark Berlin Buch
Tag der offenen Tür in der Stadtteilbibliothek Buch
Spaziergang: Kunst im öffentlichen Raum
Themen-Konzert: »Gestatten, Beethoven«
Film und Gespräch:»Bruderland ist abgebrannt«
Lesung: »Brandenburger Notizen – Fontane-Krüger-Kienzle«
Benefizkonzert für die Orgel der Schlosskirche Buch
Bucher Bürgerforum: Austausch über das neue Bildungs- und Integrationszentrum

Mitmach-Experiment des Gläsernen Labors in der Stadtbibliothek

    Herr Bernoulli und der umgeklappte Regenschirm
    Nutze die Hebelwirkung, um deinen Rucksack optimal zu packen!
    Die kleine Kräuter-Apotheke
    Töne in Musik verwandeln
    Geheimnisse der Optik

Das vollständige Programm und weitere Informationen finden Sie hier: https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/aemter/amt-fuer-weiterbildung-und-kultur/buch_kultour-967201.php