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forschen, heilen / 22.09.2022
Vorhersage aus dem Blut: Metabolomanalyse verrät Risiko für mehrere Krankheiten gleichzeitig

Gemeinsame PRESSEMITTEILUNG des BIH in der Charité und der Charité– Universitätsmedizin Berlin

Um Krankheiten vorzubeugen, ist es wichtig, dass Menschen, die ein besonders hohes Risiko tragen, möglichst früh entdeckt werden. Die derzeitigen Vorsorgeuntersuchungen sind jedoch oft aufwändig und auf einzelne Krankheiten beschränkt. Wissenschafter*innen vom Berlin Institute of Health in der Charité (BIH), der Charité – Universitätsmedizin Berlin und vom University College London haben nun Blutwerte von 168 Stoffwechselprodukten (Metaboliten) sowie die Krankengeschichte von über 100.000 Menschen ausgewertet. So konnten sie mithilfe von künstlicher Intelligenz das Risiko für mehrere Krankheiten gleichzeitig berechnen und aufzeigen, wo sich eine frühzeitige Intervention lohnen könnte. Ihre Ergebnisse haben sie in der Zeitschrift Nature Medicine veröffentlicht.

Vorbeugen ist besser als heilen: Dieses Motto im Hinterkopf hatten die Wissenschaftler*innen vom BIH, von der Charité und vom University College London, als sie Einblick in den riesigen Datenschatz der UK Biobank erhielten. Die britische Studie verfolgt seit über 15 Jahren das Schicksal von mehr als 500.000 Teilnehmer*innen. Weil alle Briten seit den 90er Jahren eine elektronische Patientenakte besitzen, lässt sich hier – pseudonym – die Entwicklung von Krankheiten über lange Zeiträume beobachten.

Kürzlich hatte die UK Biobank ein immenses Datenpaket veröffentlicht: Die zum Teil über 15 Jahre alten, tiefgekühlten Blutproben der Teilnehmer*innen waren mittels Kernspinspektroskopie auf ihren Gehalt von 168 Stoffwechselprodukten untersucht worden. Die Methode gilt als zuverlässig, einfach umzusetzen und relativ günstig. Gemessen werden Substanzen wie Cholesterin oder Blutzucker, aber auch Moleküle, die weniger bekannt sind und auch seltener bei Blutuntersuchungen bestimmt werden. „Jüngste Studien haben gezeigt, dass einzelne Stoffwechselprodukte – oder Metaboliten – für die Entwicklung einer Vielzahl von Krankheiten relevant sind. Wir haben vermutet, dass die Kombination mehrerer verschiedener Metaboliten Hinweise auf das Risiko für verschiedene Krankheiten gleichzeitig liefern könnte. Und das wollten wir untersuchen“, erklärt Jakob Steinfeldt, Assistenzarzt an der Medizinischen Klinik für Kardiologie am Charité Campus Benjamin Franklin.

Mit Künstlicher Intelligenz Krankheitsrisiko berechnet

Die Wissenschaftler*innen untersuchten daraufhin gemeinsam mit Kolleg*innen vom Digital Health Center des BIH die Daten der Teilnehmer*innen auf 24 häufige Krankheiten, darunter Stoffwechselstörungen wie Diabetes, Herz-Kreislaufleiden wie Herzinfarkt und Herzmuskelschwäche, aber auch neurologische Krankheiten wie Parkinson, Muskelerkrankungen oder verschiedene Krebsleiden. Für jede der 24 Krankheiten ermittelten sie zunächst, welche Teilnehmer*innen im Verlauf der Studie daran erkrankt waren und kombinierten dies anschließend mit der Zusammensetzung der Metaboliten im Blutserum, dem Metabolom, das vor Ausbruch der Krankheit entnommen worden war. Daraus errechneten sie mithilfe von Künstlicher Intelligenz ein Modell, das die Wahrscheinlichkeit, mit der eine bestimmte Metaboliten-Kombination im Blut eine zukünftige Krankheit vorhersagt, berechnet.

„Wir haben die Metaboliten-Profile auf ihre Vorhersagekraft geprüft und mit herkömmlichen Methoden zur Risikoberechnung verglichen“, berichtet Thore Bürgel, Doktorand im Digital Health Center des BIH und gemeinsam mit Jakob Steinfeldt Erstautor der Veröffentlichung. „Dabei hat sich gezeigt, dass die Profile die Risikovorhersage für die Mehrheit der untersuchten Krankheiten verbesserten, wenn wir sie mit der Information über das Alter und das biologische Geschlecht der Teilnehmenden kombinierten.“

Ziel: Rechtzeitig das Risiko erkennen und vorbeugen

So konnte die Kombination aus Alter, biologischem Geschlecht und Metabolom das Risiko für Diabetes oder eine Herzmuskelschwäche besser vorhersagen als etablierte Risikomodelle, die auf einer herkömmlichen Bestimmung des Blutzuckers oder des Cholesterins im Blut basieren. Mit Kosten von unter 20 Euro ist die Untersuchung des Metaboloms zudem relativ günstig. „Das ist deshalb interessant, weil wir mit dem Metabolom das Risiko für viele Krankheiten gleichzeitig abschätzen können“, erklärt Professor Ulf Landmesser, Direktor der Medizinischen Klinik für Kardiologie am Charité Campus Benjamin Franklin. „Natürlich würden wir nach einer „Risikowarnung“ aufgrund von Auffälligkeiten im Blut den Patienten oder die Patientin weiter untersuchen, bevor wir eingreifen. Dennoch ist das genau die Richtung, in die wir auch mit dem neuen Friede Springer Kardiovaskulären Präventionszentrum gehen wollen: Die Menschen motivieren, sich ab einem bestimmten Alter regelmäßig untersuchen zu lassen, um im Falle eines Falles rechtzeitig vorbeugen zu können.“ Und er fügt hinzu: „Bei ihrem Auto machen die meisten das ja auch.“

Die Wissenschaftler*innen gingen nun mit ihrem Modell noch einen Schritt weiter und berechneten, welche Grenzwerte sich für präventive Eingriffe eignen könnten. Konkret: Bei welchen Schwellenwerten könnten mit der neuen Methode am besten Menschen identifiziert werden, um sie beispielsweise durch den Einsatz von Medikamenten vor einer Herzmuskelschwäche zu bewahren? „Auch hier haben wir gesehen, dass die Metabolomanalyse kombiniert mit der Information über Alter und biologischem Geschlecht gleichwertig oder sogar besser als herkömmliche Analysen darin war, Menschen zu identifizieren, die von einem präventiven Eingreifen in Form von Medikamenten oder einer Änderung des Lebensstils profitieren könnten“, sagt Professor Roland Eils, Gründungsdirektor des Digital Health Center des BIH in der Charité. Und er fügt hinzu: „Wir haben unser Modell anschließend in vier weiteren großen Bevölkerungsstudien aus den Niederlanden und Großbritannien erfolgreich validieren können, was darauf hinweist, dass unsere Modelle breit anwendbar sind.“

Offen zugängliche Daten ermöglichen Studie

Ebenfalls eng eingebunden in die Arbeit war Professor John Deanfield, Kardiologe vom University College London. Als Einstein BIH Visiting Fellow, finanziert von der Stiftung Charité, besucht er seinen Gastgeber Ulf Landmesser regelmäßig in Berlin, umgekehrt waren Ulf Landmesser und Roland Eils bei ihm in London. Beide betonen: „Wissenschaft überwindet Grenzen zwischen Ländern und Fachdisziplinen. Die Verbindung nach London, gepaart mit der großen Offenheit der UK Biobank, ihre Daten weltweit für Studien zur Verfügung zu stellen, hat uns diese großartige Arbeit ermöglicht.“

 

ERC Advanced Grants
Die Förderlinie Advanced Grants ist eines von derzeit fünf Forschungsförderungsprogrammen des Europäischen Forschungsrates (European Research Council – ERC). Unterstützt werden etablierte Spitzenforscherinnen und -forscher mit mehr als zehnjähriger Erfahrung und einer prägenden Rolle in ihrem Forschungsgebiet bei der Realisierung exzellenter, selbst initiierter Forschungsprojekte. Die Förderung umfasst in der Regel rund 2,5 Millionen Euro, bei einer Laufzeit von fünf Jahren. Die Summe kann aber auch auf bis zu 3,5 Mio. Euro erhöht werden.

Europäischer Forschungsrat
Der Europäische Forschungsrat ist 2007 von der Europäischen Union eingerichtet worden und ist die erste europäische Förderorganisation für exzellente Pionierforschung. Jedes Jahr wählt und finanziert er die besten und kreativsten Forschenden jeder Nationalität und jeden Alters, um Projekte mit Sitz in Europa zu unterstützen. Der ERC fördert in vier Kernprogrammen: Starting, Consolidator, Advanced und Synergy Grants. Mit seinem zusätzlichen Proof-of-Concept-Grant-Programm ermöglicht er Stipendiaten, die Lücke zwischen ihrer Pionierforschung und den frühen Phasen der weiteren Nutzung zu schließen.

Thore Buergel, Jakob Steinfeldt, Greg Ruyoga, Maik Pietzner, ……John Deanfield, Roland Eils, Ulf Landmesser: „ Metabolomic profiles predict individual multi-disease outcomes “ Nature Medicine 2022 DOI 10.1038/s41591-022-01980-3

bih-charite.de

bilden / 22.09.2022
Rückschlag für Schulsanierungen und –neubauten in Pankow

Schulstadträtin Dominique Krössin zu den Auswirkungen der Investitionsplanung des Senats

Die vom Senat beschlossene Investitionsplanung für die Jahre 2022-26 wird die Versorgung mit Schulplätzen in Pankow weiterhin verschärfen.

Schon jetzt besteht im Bereich der weiterführenden Schulen eine Überbelegung von etwa 2.900 Plätzen, was zu übervollen Klassen führt. Das Schulplatzdefizit insgesamt ist höher. Jährlich müssen immer mehr Pankower Schülerinnen und Schüler – besonders im Oberschulbereich – durch andere Bezirke versorgt werden und längere Schulwege in Kauf nehmen. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen wird das Schulplatzdefizit im Sekundarbereich I in den kommenden Jahren auf bis zu 7.000 Schulplätze anwachsen. Durch ausbleibende Großsanierungen an maroden Schulstandorten kommen nochmal bis zu 3.500 Schulplätze hinzu, die dem Bezirk fehlen, um eine angemessene schulische Versorgung zu sichern.

Der Entwurf der Investitionsplanung sah für Pankow eine Verschiebung von 29 Sanierungsmaßnahmen um bis zu fünf Jahre vor. Ziel dieser Maßnahmen ist sowohl der Erhalt von ca. 6.500 Schulplätzen, als auch die Erhöhung der Schulplatzkapazität um 1.200 Plätze.

Bezirk hat Widerspruch eingelegt, priorisiert und neu eingereicht

Der Bezirk Pankow hat gegen diesen Entwurf der Investitionsplanung Widerspruch eingelegt, neun Sanierungsmaßnahmen sowie den Bau von sogenannten Schuldrehscheiben priorisiert und erneut eingereicht.

Erst nach der Befassung der Senatsvorlage im Rat der Bürgermeister wurde den Bezirken Gespräche mit der Senatsverwaltung für Finanzen angeboten. Für Pankow wurde mitgeteilt, dass die Gesamtsumme gedeckelt bleibt. Dieser Vorgabe entsprechend hat der Bezirk erneut Widerspruch eingelegt und vorgeschlagen, die für die Planjahre 2024 -2026 vorgegebenen Summen jährlich einzuhalten, indem die Raten einzelner Bauvorhaben gekürzt würden. Auf diese Weise sollen Maßnahmen beginnen  können, um bereits aufgewendete Planungskosten nicht erneut finanzieren zu müssen.

Folgende fünf Schulbaumaßnahmen, bei denen verlorene Planungskosten drohen, waren am 6. September erneut angemeldet worden: Grundschule am Planetarium, Gustave-Eiffel-Schule, Gymnasium am Europasportpark, Rosa-Luxemburg-Gymnasium und Max-Delbrück-Gymnasium

Durch diese Maßnahmen würden 688 Plätze zusätzlich geschaffen und 3.170 durch Sanierung erhalten, denn drei der o.g. Schulen droht die kurzfristige Sperrung bzw. Teilsperrung von Gebäuden, da sie seit bis zu 30 Jahren auf die Sanierung warten.

Trotz Einhaltung des Finanzrahmens bleiben wichtige Sanierungen unberücksichtigt

Obwohl sich der Bezirk an den vorgegebenen Finanzrahmen gehalten und seine Sanierungsvorhaben noch einmal priorisiert hat, bleiben die Sanierung des Gymnasiums am Europasportpark, des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums und des Max-Delbrück-Gymnasium weiterhin unberücksichtigt.

Außerdem wurden der Neubau von Sportanlagen und die dringend benötigten drei sogenannten Drehscheibenstandorte verschoben.  Diese wären als Ausweichobjekte für Sanierungen dringend nötig.

Dominique Krössin, Bezirksstadträtin für Schule, Sport, Weiterbildung und Kultur (LINKE): „Seit Bekanntwerden des Senatsbeschlusses zur Investitionsplanung 2022-26 haben sich zahlreiche Schulleitungen und Elternvertretungen an mich gewandt und ich teile die Sorge der Pankower Familien. Der Bezirk erlebt durch den Beschluss eine dramatische Verkennung der Sanierungsproblematik, die zu Lasten der Schüler.:innen, der Pädagog:innen, der Bildungs- und Erziehungsqualität und letztlich auch der öffentlichen Finanzen gehen wird. Ich werde deshalb umgehend die im Senatsbeschluss aufgezeigte Möglichkeit der Antragstellung für besondere Notfälle nutzen. Es muss dennoch leider abgewartet werden, wann der versprochene Fokus auf neue Schulstandorte seine Früchte in Pankow tragen wird: Aktuell ist keiner der 13 angemeldeten Schulneubauten mit Sekundarstufe einer Baudienststelle zugeteilt und damit finanziell gesichert. Die Schulplatzversorgung kann in Pankow nur durch zeitnahe Sanierung und Neubau von Schulen garantiert werden. “

forschen / 21.09.2022
Maike Sander erhält den Albert-Renold-Preis 2022

Professorin Maike Sander (Foto: Peter Himsel)
Professorin Maike Sander (Foto: Peter Himsel)

Die künftige Wissenschaftliche Vorständin des Max Delbrück Centers wurde für ihre wegweisende Diabetesforschung ausgezeichnet. Ihr Team analysiert die Entwicklung und Funktion insulin-produzierender Beta-Zellen. Diese Zellen aus Stammzellen zu erzeugen, ebnet den Weg für therapeutische Anwendungen.

Um ihre herausragenden Leistungen in der Erforschung der Langerhans-Inseln anzuerkennen, hat die European Society for the Study of Diabetes (EASD) Professorin Maike Sander den Albert-Renold-Preis 2022 verliehen. Den Preis hat die künftige Wissenschaftliche Vorständin des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (Max Delbrück Center) am 20. September 2022 auf der EASD-Jahrestagung in Stockholm entgegengenommen. Die EASD ist eine der größten internationalen Diabetes-Gesellschaften und erwartet mehr als 12.000 Konferenz-Teilnehmer*innen.

„Dieser Preis ist eine große Ehre. Ich habe das Glück, mit hervorragenden Nachwuchsforscherinnen und -forschern zusammenzuarbeiten, die diese Anerkennung wirklich verdienen. Ich danke außerdem allen Kooperationspartner*innen für ihren Einfallsreichtum und ihre Unterstützung“, sagt Sander. 

Eine Stammzelltherapie für Diabetes

Die insulin-produzierenden Beta-Zellen sind in den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse zu finden und spielen eine zentrale Rolle bei der Kontrolle des Blutzuckerspiegels. Bei Typ-1 Diabetes zerstört das Immunsystem die Betazellen, bei Typ-2 Diabetes dagegen verlieren die Betazellen ihre Funktion und verursachen so einen Insulinmangel. Betazellen zu regenerieren oder zu ersetzen, könnte für beide Formen von Diabetes ein Therapieansatz sein.

Die molekularen Mechanismen aufzuklären, die die Entwicklung und die volle Funktion der Betazellen gewährleisten, ist ein zentrales Thema von Sanders Forschung. „Meine Arbeitsgruppe hat mehrere wichtige Faktoren identifiziert, die unreifen fötalen Zellen das Signal geben, zu Betazellen zu werden und Insulin zu produzieren“, erklärt Sander. Dieses Wissen diente ihrem Team als Blaupause, um aus menschlichen pluripotenten Stammzellen Betazellen herzustellen. Derzeit optimieren die Forscherinnen und Forscher die Methode; Biotech- und Pharmaunternehmen entwickeln zudem Technologien für klinische Anwendungen der aus Stammzellen gewonnenen Betazellen. „Es ist sehr ermutigend, dass unsere Arbeit die Grundlage für erste klinische Studien ist“, sagt Sander. „Ich hoffe, dass bald eine Stammzelltherapie realisiert wird.“

Allerdings liegt noch viel Arbeit vor den Forscher*innen. Obwohl die aus Stammzellen gewonnen Betazellen Insulin ausschütten, tun sie das nicht auf genau dieselbe Art und Weise wie in der menschlichen Bauchspeicheldrüse. Sanders Arbeitsgruppe nutzt nun Einzelzelltechnologien, um die molekularen Unterschiede zu verstehen. Das Team hat außerdem angefangen, andere Zelltypen in die Stammzell-Langerhans-Inseln zu integrieren – zum Beispiel Blutgefäß-Zellen. Diese Zelltypen sind normalerweise unmittelbar benachbart und erzeugen wichtige Signale. Indem die Wissenschaftler*innen die natürliche Mikroumgebung in den Stammzell-Inseln nachbilden, will Sanders Team ein geeignetes Modell schaffen, um menschliche Beta-Zellen zu analysieren und die Mechanismen von Diabetes in der Petrischale aufzuklären.

„Noch ist nicht geklärt, wie man Menschen aus Stammzellen gewonnene Betazellen transplantieren und im Körper vor der Abstoßung schützen kann“, ergänzt Sander. „Um Antworten auf diese Fragen zu finden, müssen Wissenschaft und Industrie intensiv zusammenarbeiten.“

Zu Maike Sander

Sander ist Direktorin des Pediatric Diabetes Research Center an der University of California in San Diego. Dort hat sie auch eine Professur für Pädiatrie und Molekular- und Zellmedizin inne. Ab dem 1. November 2022 übernimmt Sander den Wissenschaftlichen Vorstand des Max Delbrück Centers und eine Professur an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Sander ist gewähltes Mitglied der Leopoldina, der Vereinigung amerikanischer Ärztinnen und Ärzte (Association of American Physicians) und der American Society of Clinical Investigation. Sie ist Preisträgerin des Grodsky-Preises des Juvenile Diabetes Research Foundation, und des Forschungspreises der Alexander von Humboldt-Stiftung. Seit 2019 ist Maike Sander Einstein Visiting Fellow am Berlin Institute of Health in der Charité (BIH).

Weiterführende Informationen

EASD 2022

Maike Sander leitet künftig das Max Delbrück Center

 

forschen / 20.09.2022
Aggressive Krebszellen schachmatt setzen

Dreidimensionale Kultur menschlicher Brustkrebszellen, mit blau gefärbter DNA und einem grün gefärbten Protein in der Zelloberflächenmembran (© NCI Center for Cancer Research, National Cancer Institute, National Institutes of Health)
Dreidimensionale Kultur menschlicher Brustkrebszellen, mit blau gefärbter DNA und einem grün gefärbten Protein in der Zelloberflächenmembran (© NCI Center for Cancer Research, National Cancer Institute, National Institutes of Health)

Trotz Chemo- oder Strahlentherapie überleben BRCA1/2-mutierte Tumorzellen oft. Es gelingt ihnen, therapiebedingte DNA-Schäden zu reparieren. Wie eine Blockade des Proteins TSG101 sie daran hindert, darüber berichtet ein Team um Claus Scheidereit vom Max Delbrück Center nun im „EMBO Journal“.

Um Einzel- oder Doppelstrangbrüche an der DNA zu beheben, die durch Umweltgifte, Chemotherapien oder ionisierende Strahlung entstanden sind, hat jede Zelle einen „Werkzeugkasten“ parat – mit zwei unterschiedlichen Tools. Das eine besteht aus den Reparaturgenen BRCA1 und BRCA2. Das andere ist ein Enzym namens PARP1, eine Poly-(ADP-Ribose)-Polymerase. Sowohl gesunde als auch entartete Zellen nutzen diese Werkzeuge. Sie bewirken im Endeffekt das gleiche und können sich gegenseitig ersetzen. Gelingt die DNA-Reparatur nicht, weil die Schäden zu massiv sind, leitet die Zelle ihr Selbstmordprogramm ein – die Apoptose – und zerstört sich selbst. Darauf zielen Krebsbehandlungen ab.

Menschen, die Träger von Genmutationen an BRCA1 und/oder BRCA2 sind, haben ein sehr hohes Risiko für bestimmte Tumorarten, allen voran für Brust-, Eierstock- und Prostatakrebs. Ihnen fehlt eines dieser Werkzeuge – deshalb entstehen öfter Krebszellen. Zwar haben auch diese Tumorzellen nur ein Tool zur Verfügung, um ihr Überleben zu sichern: PARP1. Dennoch sind gerade BRCA1/2 assoziierte Tumore meist sehr aggressiv und schwer behandelbar. Forschende um Professor Claus Scheidereit vom Max Delbrück Center und Letztautor der Studie, haben sich deshalb den Signalweg, der das Enzym PARP1 aktiviert, genau angesehen. Dabei entdeckten sie einen Weg, dieses Werkzeug gezielt unbrauchbar zu machen.

Um nach DNA-Schäden die Apoptose zu verhindern, springt der NF-κB-Signalweg an. Er initiiert im Zellkern das Ablesen von Genen, die letztlich PARP1 aktivieren, sodass die Zelle den Schaden beheben kann. Ahmet Tufan, Erstautor der Studie, screente zusammen mit Katina Lazarow vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) das gesamte menschliche Erbgut nach Genen, die diesen Signalweg steuern, indem er Gen für Gen einzeln ausschaltete. Dazu schleuste er zunächst ein „Mess-Gen“ in das Genom ein, das den Bauplan für ein fluoreszierendes Protein liefert. „Wenige Stunden nachdem das zugegebene Chemotherapeutikum Etoposid DNA-Schäden verursacht hat, leuchten die Zellen grün auf, weil NF-κB aktiviert wird“, erklärt Tufan. Sehr, sehr viele der Proben für die 20.000 Gene leuchteten – einige aber nicht. Denn in diesen war offenbar ein Gen ausgeschaltet, das für den Signalweg wichtig war.

Die Reparatur mit PARP1 verhindern

Doch welches? Infrage kamen ein paar Tausend Kandidatengene – schließlich werden über den NF-κB-Signalweg eine ganze Reihe von Zellfunktionen gesteuert, etwa die Immunantwort. „Bioinformatisch haben wir zunächst die aussortiert, die reguläre Aufgaben im Zellhaushalt erfüllen und die verbleibenden 500 Gene der gleichen Prozedur noch einmal unterzogen.“ Das Team setzte erneut Etoposid ein, um DNA-Schäden hervorzurufen. „Jeweils parallel haben wir das Zytokin TNF-alpha genutzt, was auch diesen Signalweg aktiviert, aber nur bei Entzündungen ins Spiel kommt“, sagt Claus Scheidereit.

Nur eine kleine Gruppe von Genen blieb übrig: Von einigen wussten die Forschenden bereits, dass sie zum Signalweg gehören, von anderen nicht. Welches war das Entscheidende? Ahmet Tufan durchforstete mit Hilfe von Algorithmen diverse Datenbanken nach Hinweisen. Wo wurden Produkte dieser Gene zusammen mit anderen zitiert? Gab es Publikationen, laut denen die fraglichen Proteine Komplexe mit weiteren bilden? Auch die laboreigenen Datenbanken hat das Team durchkämmt. Und plötzlich war alles klar: Das gesuchte Protein war TSG101. Kein Unbekannter, denn es hat etliche Aufgaben in der Zelle. Aber in diesem speziellen Fall bindet es an PARP1, sobald das Enzym am Schadensort angedockt hat. Und erst dann – und nur dann! – kann PARP1 selbst aktiv werden.

„PARP1 ist wie ein geladener Revolver“, sagt Scheidereit. „Egal, ob man nur an den Zellen kratzt, Scherkräfte darauf wirken lässt oder sie gänzlich zertrümmert: PARP1 wird aktiviert. Doch wenn kein TSG101 in der Zelle ist, funktioniert das nicht. Es fehlt quasi der Abzug.“ Das Geschehen konnten die Forschenden mittels eines fluoreszenzmarkierten PARP1 live unter dem Mikroskop verfolgen: Wenige Sekunden nachdem sie mit einem Laser winzige Löcher in den Zellkern gebrannt hatten, leuchteten die Zellen grün auf. PARP1 strömte von allen Seiten in den Zellkern ein und band an die defekten DNA-Stellen. Nach einigen Minuten schwächte sich das Leuchten wieder ab.

Eine erstaunliche Beobachtung

„PARP1 modifiziert sich selbst, lockt weitere Hilfsproteine an, welche die Reparatur vollziehen und fällt anschließend wieder ab“, erklärt Scheidereit. War das TSG101-Gen aber ausgeschaltet, strömte PARP1 zwar genauso schnell in die DNA-Schäden im Zellkern ein – aber das grüne Leuchten blieb bestehen. PARP1 gelang es nicht, sich wieder von der DNA lösen. „Unter all den Beobachtungen während der Live-Cell-Imaging-Experimente, die ich gemacht habe, war das die erstaunlichste: dass PARP1 an DNA-Schäden mit TSG101-freien Zellen tatsächlich gefangen wurde“, sagt Ahmet Tufan.

„Mit dieser Arbeit haben wir gezeigt, dass PARP-Inhibitoren und das Wegnehmen von TSG101 den gleichen Effekt haben“, betont Scheidereit. An verschiedenen Brustkrebszelllinien konnten die Forschenden zudem im Labor zeigen, dass Zellen, bei denen das TSG101-Gen ausgeschaltet war, nach einer Chemo rasch absterben. Am schnellsten kapitulierten jedoch diejenigen, die Mutationen an BRCA1 aufwiesen. Ihnen stand nun kein Werkzeug zur DNA-Reparatur mehr zur Verfügung.

PARP-Inhibitoren werden bereits seit einigen Jahren im Rahmen bestimmter Tumortherapien eingesetzt – etwa bei Brustkrebs mit nachgewiesener BRCA-Mutation. „Leider gibt es bisher keinen einzigen Hemmer, der wirklich selektiv für PARP1 ist, denn es gibt eine ganze Gruppe von PARP-Genen. Aufgrund unserer Ergebnisse kann man nun aber gezielt nach Wirkstoffen suchen, welche die Bindung von TSG101 an PARP1 blockieren“, sagt Claus Scheidereit. Damit ist die Studie eine mögliche Grundlage für die zukünftige Entwicklung hochwirksamer und gezielterer Therapien für BRCA1/2 assoziierte Tumorerkrankungen.

Weiterführende Informationen

Pressemeldung auf der MDC-Website lesen

AG Signaltransduktion in Tumorzellen

Literatur

Ahmet Buğra Tufan et al. (2022): „TSG101 Associates with PARP1 and is Essential for PARylation and DNA Damage-induced NF-κB Activation“. EMBO Journal, DOI: 10.15252/embj.2021110372

Bild

Dreidimensionale Kultur menschlicher Brustkrebszellen, mit blau gefärbter DNA und einem grün gefärbten Protein in der Zelloberflächenmembran. Dieses Bild wurde ursprünglich im Rahmen des NCI Cancer Close Up-Projekts 2015 eingereicht und für die Ausstellung ausgewählt. Siehe auch visualsonline.cancer.gov/closeup.

© NCI Center for Cancer Research, National Cancer Institute, National Institutes of Health; CC BY-NC 2.0

www.mdc-berlin.de

forschen / 16.09.2022
Hemmstoff der Lipidkinase PI3KC2α als potenzielles neues Therapeutikum zur Behandlung von Thrombose identifiziert

Visualisierung: Barth van Rossum
Visualisierung: Barth van Rossum

Die Lipidkinase PI3KC2α ist ein potenzielles pharmakologisches Ziel für die Behandlung von Thrombose und möglicherweise auch von Krebs. Forscher des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) haben nun einen potenten Hemmstoff für ihre Aktivität identifiziert, der als Leitstruktur für die weitere Arzneimittelentwicklung dient.

Thrombosen wie Venenthrombosen und Lungenembolien, die jährlich bei etwa 1 von 1.000 Erwachsenen auftreten, sind eine große Gefahr für die menschliche Gesundheit, insbesondere im Alter. Um der Blutgerinnung entgegenzuwirken, nehmen Patient:innen blutverdünnende Medikamente ein, die jedoch schwere Nebenwirkungen wie Blutungen (Hämorrhagie) verursachen können.

Es ist bekannt, dass die Lipidkinase PI3KC2α die Blutgerinnung maßgeblich beeinflusst, da sie die Funktion der Blutplättchen reguliert, die für die Auslösung der Blutgerinnung von zentraler Bedeutung sind, z.B. als Antwort auf einen Anstieg des Blutdrucks oder Atherosklerose . PI3KC2α ist daher ein geeignetes Ziel für die Entwicklung neuer antithrombotischer Arzneimittel. Bisher wurde jedoch noch kein spezifischer Hemmstoff von PI3KC2α beschrieben.

Dr. Wen-Ting Lo aus der Arbeitsgruppe von Prof. Volker Haucke hat nun in enger Zusammenarbeit mit dem Medizinalchemiker Dr. Marc Nazaré und seinem Team, Forschern aus Toulouse und der Screening Unit des FMP (unter Leitung von Dr. Jens Peter von Kries) die ersten PI3KC2α-Inhibitoren entwickelt und charakterisiert. Als Ergebnis umfangreicher chemischer Optimierungsstudien gelang es den Forschern, die Wirksamkeit der Inhibitoren über das gesamte Kinom, insbesondere gegenüber allen anderen Lipidkinasen zu optimieren. Eine dieser Verbindungen mit der Bezeichnung PITCOIN3 zeigt eine besonders markante Selektivität für PI3KC2α und beeinträchtigt nachweislich den Umbau der Thrombozytenmembran und die Thrombusbildung.

„Diese bahnbrechende Entwicklung war nur aufgrund unserer früheren Strukturstudien zu PI3KC2α möglich", kommentiert Dr. Lo, der Erstautor, der gerade in „Nature Chemical Biology“ veröffentlichten Studie. Dr. Nazaré fügt hinzu, dass der unerwartete nicht-klassische Bindungsmodus der PITCOIN-Inhibitoren ein vielversprechendes neues Konzept für die Entwicklung verwandter Wirkstoffkandidaten aufzeigt. Die PITCOINs könnten auch wichtige Werkzeuge sein, die anderen Forschern helfen, unbekannte Funktionen von PI3KC2α zu untersuchen und aufzudecken.

„Die antithrombotische Wirkung der PITCOIN-Inhibitoren wirkt der Thrombose über Effekte auf die interne Membranstruktur der Thrombozyten entgegen und nicht durch die Blockierung ihrer Aktivierung, wodurch sich ein verbessertes therapeutisches Fenster öffnet“, betont Prof. Haucke.

Die vorgestellten Ergebnisse könnten neue Möglichkeiten für die Behandlung von Thrombose und Krebs eröffnen, was durch die Eigenschaft von PITCOINs, die Migration von Brustkrebszellen in vitro zu beeinträchtigen, belegt wird.

www.fmp-berlin.de

forschen / 14.09.2022
Dicht und durchlässig: Molekulare Organisation von Tight junctions entschlüsselt

Nano-Netzwerke von segregierenden Claudin 2 (gelb) und Claudin 10 (mangenta) wurden mittels STED Mikroskopie mit 20 nm Pixelgrösse aufgelöst (Bild: FMP)
Nano-Netzwerke von segregierenden Claudin 2 (gelb) und Claudin 10 (mangenta) wurden mittels STED Mikroskopie mit 20 nm Pixelgrösse aufgelöst (Bild: FMP)

Sie dichten Epithelzellen ab und lassen unter bestimmten Bedingungen Ionen und Wasser durch: Tight junctions bilden eine parazelluläre Barriere in Geweben und ihre Funktionsstörung wird mit Krankheiten in Verbindung gebracht, die von Lungenödemen bis hin zu entzündlichen und metabolischen Störungen reichen. Ihre molekularen Komponenten sind schon seit den 1990er Jahren bekannt, nicht jedoch wie sich die 26 Proteine namens Claudine miteinander organisieren. Tiefe Einblicke in die Struktur der Tight junctions haben nun Wissenschaftler vom Leibniz- Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) mit Hilfe der hochauflösenden Lichtmikroskopietechnik STED gewinnen können. Damit wurde erstmals der grundlegende Mechanismus für alle Epithelbarriere-Eigenschaften beschrieben. Die Ergebnisse der Arbeit sind soeben im renommierten Fachmagazin „Nature Communications“ erschienen.

Nur das Nötige durchlassen, ansonsten eine dichte Barriere bilden – Tight junctions (TJ) gelingt das normalerweise hervorragend, um unser Körperinneres vor Bakterien und ihren Toxinen zu schützen. Die parazellulären Barrieren, die gleichzeitig selektive Ionen- und Wasserkanäle sein können, findet man überall dort, wo Epithelzellen oder Endothelzellen aufeinandertreffen, also verschiedene Gewebe aneinandergrenzen, oder wenn das Lumen eines Organs gegen den Blutstrom abgedichtet werden muss.

Dass es Tight junctions gibt, weiß man ungefähr seit 60 Jahren, und seit 30 Jahren sind deren molekulare Hauptkomponenten bekannt: Es sind 26 Membranproteine namens Claudine, die sich je nach Zelle in verschiedenen Konstellationen zu semipermeablen bis zu einige hundert Nanometer breiten Netzwerken organisieren. In der Regel tun sich mehrere Claudine zusammen, manche Barrieren bestehen aber nur aus einem oder zwei der Strukturproteine.

Doch wie organisieren sich Claudine eigentlich, um je nach Zelle bzw. Gewebe unterschiedliche Barriere-Eigenschaften anzunehmen? Und wie sehr sind die Claudine dabei aufeinander angewiesen? Diese Fragen blieben bislang unbeantwortet, weil niemand die Struktur der nur ca. zehn Nanometer dicken Stränge durchschauen konnte. Nun ist genau das Wissenschaftlern vom FMP mit Hilfe der STED-Mikroskopie gelungen.

„Diese Art von hochauflösender Mikroskopie und ein exzellentes Team aus Zellbiologen, Informatikern und Physiologen haben uns geholfen, die molekulare Struktur der Tight junctions aufzuklären“, betont Dr. Martin Lehmann, Leiter der Gruppe Cellular Imaging. „Zum ersten Mal können wir nun den Mechanismus für alle Hauptepithelbarriere-Eigenschaften beschreiben.“

Mit STED einzelne Netzwerk-Maschen aufgelöst 

Normalerweise ist die Auflösung von Fluoreszenzmikroskopen auf ungefähr 250 Nanometer begrenzt. Im STED sind 50 Nanometer oder weniger möglich. Das verschaffte den Forschenden buchstäblich mehr Durchblick. „Mit der gewöhnlichen Fluoreszenzmikroskopie hätten wir nie die dichte Organisation der Tight junction durchdrungen, aber mit STED konnten wir die einzelnen Maschen des Netzwerks auflösen. Und so können wir nun die genaue Position der Proteine bestimmen, sehen, ob sich die Claudine mischen oder voneinander getrennt sind und wie sie sich entmischen“, sagt Hannes Gonschior, Erstautor der Studie, der am FMP zum Thema promoviert. „Diese Nano-Organisation war zuvor nicht bekannt.“

Zunächst erfolgten die Untersuchungen auf zellulärem Niveau, dann im Gewebe aus Darm und Nieren von Mäusen. Eindrucksvolle Bilder geben die fluoreszent markierten Proteine in verschiedenen Farben wieder, zeigen, wo sich welche Proteine befinden und wie sie sich zu einem bunten Reißverschluss aneinanderketten.

Drei Erkenntnisse aus der jetzt in „Nature Communications“ publizierten Arbeit sind besonders hervorzuheben:
Erstens: Claudine dichten Zellzwischenräume für Ionen und kleine Moleküle ab - ähnlich einem Reißverschluss. Diese Abdichtungen sind je nach Gewebe und Zusammensetzung der Tight junction selektiv ionendurchlässig.
Zweitens: Jedes zweite Claudin kann gar nicht in Stränge polymerisieren. Es ist zur Bildung einer Tight junction auf andere Teammitglieder angewiesen, die es „funktionalisieren“.
Drittens: Claudine agieren in fünf Organisationsprinzipien miteinander. Das heißt, es gibt fünf verschiedene Wege, wie sie sich mischen können, aber auch wieder entmischen.

Modell für die Wirkstoffsuche geschaffen

Dass die FMP-Forschenden erstmals die Nano-Organisation der Tight junctions bestimmen konnten, ist ein großer Erfolg für die Grundlagenforschung. Aber auch die Medizin kann profitieren. Denn Mutationen an Claudinen spielen bei verschiedenen Erbkrankheiten eine Rolle. Am offensichtlichsten ist dies beim sogenannten HELIX-Syndrom der Fall – eine seltene Erkrankung, bei denen die Betroffenen zu wenig Schweiß produzieren. Schuld ist eine Mutation im Claudin 10b, das zu Defekten an den Schweiß-, Tränen- und Mundspeicheldrüsen sowie gestörter Kalzium- und Magnesiumregulation in der Niere führt. Auch mit dieser Krankheitsmutante hatte das Forscherteam experimentiert.

„Unsere Forschung ist vom klinischen Bezug noch sehr weit weg“, ordnet Biophysiker Martin Lehmann ein. „Doch wir verstehen jetzt, wie diese Netzwerke aufgebaut sind. Das ist der erste Schritt, damit man später einmal nach kleinen Molekülen suchen kann, die diese Barrieren öffnen oder schließen.“

Zellbiologe Hannes Gonschior ergänzt: „Wir haben ein vereinfachtes Modell für die Wirkstoffsuche und die Erforschung des parazellulären Ionenflusses ganz generell gefunden. Es ist sehr gut möglich, dass es dabei helfen wird, bislang unerklärliche klinische Phänotypen und Symptomatiken einmal verstehen zu können – mit einem Defekt in eben dieser parazellulären Barriere.“
 

Publikation:

Nanoscale segregation of channel and barrier claudins enables paracellular ion flux
Gonschior H, Schmied C, van der Veen RM, Eichhorst J, Himmerkus N, Piontek J, Günzel D, Bleich M, Furuse M, Haucke V, Lehmann M.
Nat Commun 13, 4985 (2022) https://doi.org/10.1038/s41467-022-32533-4

www.fmp-berlin.de

forschen / 08.09.2022
Büsten von Marguerite und Marthe Vogt enthüllt

Künstlerin Anna Franziska Schwarzbach mit der von ihr gestalteten Büste von Marguerite Vogt (Foto: Peter Himsel)
Künstlerin Anna Franziska Schwarzbach mit der von ihr gestalteten Büste von Marguerite Vogt (Foto: Peter Himsel)

Campus Berlin-Buch würdigt zwei bedeutende Wissenschaftlerinnen des 20. Jahrhunderts

Die Schwestern Marguerite und Marthe Vogt waren außergewöhnliche Frauen und in der Forschung überaus erfolgreich. Ihre Arbeiten hatten großen Einfluss auf andere Wissenschaftler:innen und lieferten wichtige Erkenntnisse in der Neurowissenschaft und der Krebsforschung. Doch Würdigungen und Auszeichnungen blieben aus. Anlässlich des 119. Geburtstages von Marthe Louise Vogt wurden am 8. September 2022 Büsten der beiden bedeutenden Wissenschaftlerinnen auf dem Campus Berlin-Buch enthüllt.

Marthe Vogt
Marthe Louise Vogt (1903-2003) war eine deutsche Pharmakologin und Neurowissenschaftlerin. Ihre Arbeit bildet eine Grundlage für die moderne Neuropharmakologie. Die Wirkungen von vielen Psychopharmaka oder Muskelrelaxanzien wäre ohne ihre Erkenntnisse nicht zu erklären.

Marthe Louise Vogt war die ältere Tochter des berühmten Wissenschaftler-Ehepaars Oskar und Cécile Vogt. Sie studierte und promovierte in Medizin und Chemie in Berlin. 1935 verließ sie Deutschland und arbeitete in Cambridge und London, wo sie gemeinsam mit berühmten Wissenschaftlern wie dem Nobelpreisträger Henry Hallett Dale zum ersten Mal Neurotransmitter wie Adrenalin im zentralen Nervensystem nachwies. Auch nach ihrer Emeritierung 1966 forschte Marthe Vogt weiter und erhielt 1974 als erste Frau die Ehrendoktorwürde der Universität Cambridge. 1990 zog sie zu ihrer Schwester Marguerite nach Kalifornien, wo sie 2003, einen Tag nach ihrem 100. Geburtstag, verstarb.

Marguerite Vogt
Die Krebsforscherin und Virologin Marguerite Vogt (1913-2007) gilt als eine der herausragenden Wissenschaftlerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie lieferte wichtige Erkenntnisse zu Poliomyelitis und in der Krebsforschung. Sie war die jüngere Schwester von Marthe Vogt und studierte Medizin in Berlin, wo sie 1937 mit Promotion abschloss. 1950 verließ sie Deutschland und ging in die USA. Dort gelang es Vogt gemeinsam mit dem späteren Nobelpreisträger Renato Dulbecco, erstmals das Poliovirus zu kultivieren. Dies war die Voraussetzung, um Impfstoffe gegen Polio zu entwickeln. In den Folgejahren befasste Marguerite Vogt sich zunehmend mit krebserregenden Viren und leistete dabei wichtige Beiträge zum Verständnis der Tumorentstehung. Sie starb 2007 in Kalifornien, ohne je einen bedeutsamen Preis erhalten zu haben. Doch ihre Fähigkeiten in der Zellkultur und ihr Engagement in der Nachwuchsförderung machten sie zu einer gefragten Mentorin für Wissenschaftler:innen, zu denen mehrere spätere Nobelpreisträger gehörten.

Vor allem Marguerite Vogt hatte kein Interesse an Anerkennung, öffentlichen Auftritten, Erfolg und Karriere. Sie liebte ihre Arbeit im Labor, hielt sich gerne im Hintergrund. Der Campus Berlin-Buch würdigt die große Wissenschaftlerin nun sogar in zweifacher Hinsicht. Neben der Enthüllung ihrer Büste auf dem Campusgelände wird künftig auch das Gebäude der wissenschaftlichen Bibliothek ihren Namen tragen: „Marguerite-Vogt-Haus“.

Gestaltet hat die Büsten die vielfach ausgezeichnete Berliner Künstlerin Anna Franziska Schwarzbach, von der auch weitere Werke auf dem Campus Berlin-Buch zu finden sind. Darunter das Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer nationalsozialistischer Euthanasieverbrechen sowie Büsten der Nobelpreisträgerin Marie Curie und vom Gründungsdirektor des Max Delbrück Centers Detlev Ganten.

CAMPUSart - Projekt zeigt Kunst, Botanik und Wissenschaft auf dem Campus Berlin-Buch
Die neuen Büsten setzen die Tradition fort, Gebäude auf dem Campus Berlin-Buch nach Wissenschaftler:innen zu benennen und mit Porträtbüsten zu ehren. Mit der Enthüllung sowie der Umbenennung des Bibliotheksgebäudes startet das Projekt CAMPUSart, das Kunst, botanische Besonderheiten und wissenschaftshistorische Sammlungen auf dem Campus Berlin-Buch für die Öffentlichkeit zugänglich und erlebbar macht. Begleitend dazu entstehen Publikationen, Rundgänge, Audioguides und eine umfassende Webseite.

Die neuen Büsten gehören zum Projekt „Kunst und Wissenschaft im Park“, finanziert mit Mitteln der LOTTO-Stiftung Berlin und Eigenmitteln des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (Max Delbrück Center) sowie der Einrichtungen des Campus Berlin-Buch.

Website von CAMPUSart

forschen, produzieren, heilen / 07.09.2022
Von der Europäischen Union finanziertes Projekt soll zu neuen Therapieansätzen verschiedener solider Tumorarten führen

Indivumed und CELLphenomics verkünden Partnerschaft für verbesserte Krebstherapeutika

Berlin/Hamburg, Deutschland (07. September 2022) – Indivumed GmbH („Indivumed“) und CELLphenomics GmbH („CELLphenomics“) geben heute ihre Partnerschaft bekannt, in der eine bisher einzigartige Plattform entsteht, die eine schnellere und effizientere Identifizierung und Validierung therapeutischer Targets ermöglichen wird. Die neue Plattform kombiniert die KI-gestützten onkologischen Analysemethoden von Indivumed mit der Expertise von CELLphenomics im Bereich der Entwicklung von Organoid-Modellen, um therapeutisch relevante Targets identifizieren und diese Targets in vitro validieren zu können. In-silico-Target-Discovery und -Development werden im Rahmen dieser Partnerschaft mit passenden Tumormodellen verknüpft und anschließend validiert, was die Entwicklung von Krebstherapeutika beschleunigen wird.

„Mithilfe unserer Multi-omics-Datenbank und KI-gestützter Analysemethoden sind wir in der Lage, die komplexen Mechanismen von Tumoren zu entschlüsseln und so die Entwicklung der Präzisionsonkologie voranzutreiben“, so Prof. Dr. Hartmut Juhl, CEO und Gründer von Indivumed. „Die Partnerschaft mit CELLphenomics versetzt uns in die Lage, schnell therapeutisch relevante Targets zu validieren, um so neue Therapieansätze zu identifizieren und die Entwicklung von Krebstherapeutika in Zukunft zu beschleunigen.“

Die Verkündung der Partnerschaft erfolgt, kurz nachdem Indivumed vom Strukturfonds der Europäischen Union (EFRE) 4,3 Millionen Euro zur Beschleunigung der Arzneimittelentwicklung und zur Personalisierung von Krebsbehandlungen erhalten hat. Die technologischen Ressourcen und die wissenschaftliche Expertise von CELLphenomics waren für Indivumed bei der Partnerwahl ausschlaggebend. Zunächst wird der Schwerpunkt auf Krebsarten mit dem derzeit größten medizinischen Bedarf liegen.

„Die umfangreiche Datenbank und die modernen KI-Kapazitäten sind für die Ermittlung therapeutisch relevanter Targets von zentraler Bedeutung“, so Dr. Christian Regenbrecht, CEO von CELLphenomics. „Durch die Kombination dieser Targets mit Organoid-Modellen und In-vitro-Assays von CELLphenomics wird es möglich sein, zuverlässige Rückschlüsse hinsichtlich der Behandlungsfähigkeit des Tumors und eines Therapieerfolgs oder -versagens zu ziehen.“

Die Basis des Projekts ist die Erfassung der molekularen Realität der Erkrankung eines jeden einzelnen Patienten, die durch die hoch standardisierte Bioprobenentnahme durch Indivumeds globales klinisches Netzwerk gewährleistet ist. Indivumed hat den umfassendsten und detailreichsten Multi-omic-Datensatz für Krebsbiologie weltweit und setzt fortschrittlichste Analysemethoden ein, um aus diesen komplexen Daten biologische Einblicke zu gewinnen. Die Analyseplattform von Indivumed, nRavel®, wird potenzielle Targets für die ausgewählten Tumorarten identifizieren, charakterisieren und priorisieren. Die von Patienten stammenden zellulären Modelle, die von CELLphenomics bereitgestellt werden, werden nun von denselben Tumoren abgeleitet. Das bedeutet, dass der gesamte Prozess – von der Gewebeentnahme über die Datenerfassung bis hin zur Identifizierung und Validierung – mit denselben Daten und demselben Gewebe arbeiten wird.

Pressekontakt:
Kristin Maack
+49 40 41 3383 71
maack.kristin@indivumed.com

Melanie Alperstaedt
+49 30 235 9467 76
melanie.alperstaedt@cellphenomics.com

 

Über CELLphenomics
CELLphenomics GmbH ist ein Biotech-Unternehmen aus Berlin, das 2014 gegründet wurde. Unsere Kernkompetenz ist das Erstellen und Kultivieren von patientenspezifischen Organoid-Kulturen (PD3D®) aus verschiedenen Tumorentitäten sowie deren Anwendung für Forschungszwecke und High-Throughput-Screenings sowie personalisierte Toxizitätsuntersuchungen. Unsere PD3D®-Modelle rekapitulieren das Ursprungsgewebe zuverlässig. Dieses Potenzial nutzen wir dazu, die Entwicklung von Krebstherapeutika voranzutreiben. Unsere unternehmenseigene PD3D®-Präzisionsmedizinplattform bietet viele Möglichkeiten wie High-Throughput-Wirksamkeitsuntersuchungen, Arzneimittelkombination-Screenings, die Erstellung von Toxizitätsprofilen, Target-Validierungen, Untersuchungen der Korrelationen zwischen Arzneimittelempfindlichkeit und klinischem Ansprechen sowie die Identifizierung von Biomarkern.

Über Indivumed
Unsere Mission ist es, die Komplexität von Krebserkrankungen für die Entwicklung personalisierter onkologischer Therapien zu entschlüsseln und therapeutisch nutzbar zu machen. Um diese Mission zu erfüllen, verknüpfen wir unser Fachwissen in Medizin und Bioinformatik mit der umfangreichsten Multi-omics-Krebsdatenbank der Welt und mit modernsten, KI-integrierten Analysemethoden.
Über enge Partnerschaften mit klinischen Institutionen auf der ganzen Welt nutzen wir eigens entwickelte Standardverfahren, um Bioproben und klinische Informationen von beispielloser Tiefe und Qualität zu sammeln. Diese Daten bilden die Grundlage unserer Produkte, Dienstleistungen und Entwicklungspartnerschaften in den drei Geschäftsbereichen IndivuServ, IndivuTest und IndivuType, neue Erkenntnisse zu gewinnen und die Präzisionsonkologie voranzutreiben. Mehr Informationen unter www.indivumed.com.

Hintergrund der Fördermaßnahme
Im Rahmen der Reaktionen auf die COVID-19-Pandemie ist mit dem Krisenreaktionsfonds REACT-EU ein Instrument im Zusammenhang mit den EU-Strukturfonds EFRE und ESF vorgesehen. Mit den Mitteln aus dem Krisenreaktionsfonds REACT-EU soll die Bewältigung der COVID-19-Pandemie und ihrer sozialen Folgen sowie die Vorbereitung einer grünen, digitalen und stabilen Erholung der Wirtschaft unterstützt werden.
Der Fonds ist mit einem Budget von 47,5 Mrd. EUR für die Jahre 2021–2022 ausgestattet, 2,4 Mrd. EUR entfallen hierbei auf Deutschland. Hamburg erhält aufgrund bundesdeutscher Verteilungsentscheidungen ca. 47 Mio. EUR REACT-EU-Mittel. In der Fördermaßnahme Life Science sind zwei Schwerpunkte gesetzt worden. Zum einen liegt der Fokus auf die Infektions- und Pandemiebekämpfung und zum anderen auf der Digitalisierung.

forschen, produzieren, heilen / 05.09.2022
Millionenförderung für MyoPax

Bild: Dr. Eric Metzler, Wissenschaftler der MyoPax GmbH
Bild: Dr. Eric Metzler, Wissenschaftler der MyoPax GmbH

MyoPax, eine neue Ausgründung des Max Delbrück Centers und der Charité, erhält ein Darlehen in Höhe von 1,3 Millionen Euro, um das Unternehmen aufzubauen. Mit seiner innovativen Stammzelltechnologie entwickelt das Start-up regenerative Therapien für bislang unheilbare Muskelerkrankungen.

Die Stiftung BioInnovation Institute (BII) in Kopenhagen, Dänemark, wird drei internationale Start-ups aus Deutschland, dem Vereinigten Königreich und Finnland unterstützen. Die Unternehmen passen strategisch zum Fokus des Inkubators: Ihre wissenschaftlichen Initiativen zu Therapeutika und Gesundheitstechnologien sind wegweisend.

MyoPax

Website

Unter den drei geförderten lebenswissenschaftlichen Ausgründungen ist MyoPax. Die Firma baut auf zukunftsweisenden Technologien auf, die Wissenschaftler*innen am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (Max Delbrück Center) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin entwickelt haben. Die Ärztin Dr. Verena Schöwel-Wolf und Professorin Simone Spuler, Leiterin einer Arbeitsgruppe zur Muskelforschung und einer Hochschulambulanz am Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité und des Max Delbrück Centers auf dem Campus in Berlin-Buch, haben das Start-up kürzlich gegründet. Jetzt hat es drei Mitarbeiter*innen und wagt erste Schritte auf internationaler Ebene.

Die Muskelfunktion wiederherstellen

MyoPax hat es sich zur Aufgabe gemacht, fortschrittliche regenerative Therapien zu entwickeln, um die verheerenden Folgen von Muskelerkrankungen zu lindern. Ihre wegweisende Technologie kombiniert Zell- und Gentherapie, um die Funktion der Muskeln wiederherzustellen.

Das Start-up ist in Berlin und Kopenhagen angesiedelt und entstand aus dem translationalen Umfeld des Max Delbrück Centers, der Charité und des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH). Im Vorfeld der Ausgründung haben sowohl das Max Delbrück Center als auch das BIH MyoPax tatkräftig unterstützt. Um den Sprung vom Labor in die Klinik zu ermöglichen, hat das Max Delbrück Center die Entwicklung des Projekts in seinem EFRE-geförderten Pharma-Inkubator mit den Programmen PreGoBio und SPOT vorangetrieben. Das BIH hat die Ausgründung über sein Spark-Programm beschleunigt. Die ersten klinischen Studien am Menschen laufen an der Charité. Sie sollen die Sicherheit und Wirksamkeit der mit der neuen Technologie entwickelten Prüfpräparate nachweisen und werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Helmholtz-Validierungsfonds (HVF) mit rund fünf Millionen Euro optimal gefördert.

International wettbewerbsfähig werden

MyoPax bekommt nun – wie die anderen beiden Unternehmen – eine risikofreie Wandelanleihe in Höhe von 1,3 Millionen Euro und wird zur BII-Gemeinschaft lebenswissenschaftlicher Start-ups gehören. In Zusammenarbeit mit dem BII-Team und einem ganzen Netzwerk von Expert*innen sollen die drei Unternehmen ein international wettbewerbsfähiges Niveau erreichen. Im Vorfeld einer Seed- oder Series-A-Finanzierungsrunde erhalten sie umfassende Unterstützung, um detaillierte Pläne für die Arzneimittelentwicklung, für die gute Herstellungspraxis (Good Manufacturing Practice) und für die Zulassungsstrategie zu erarbeiten und umzusetzen.

Professor Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand des Max Delbrück Centers (kommissarisch) sagt: „Wir freuen uns sehr über diese Unterstützung für MyoPax. Hier werden auf Grundlage der Forschung an MDC und ECRC wichtige neue therapeutische Ansätze vorangetrieben. Muskelkrankheiten sind häufig und haben vielfältige Ursachen, leider ist die Aussicht auf Heilung bisher gering. Stammzelltechnologien könnten hier Abhilfe schaffen.“

Dr. Verena Schöwel, CEO von MyoPax, ergänzte: „Wir danken dem BII für das Vertrauen in MyoPax und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit. Mit unseren Standorten in Berlin und Kopenhagen sind wir in zwei hervorragende Netzwerke eingebunden. So können wir MyoPax aufbauen und unserem Ziel, wegweisende wissenschaftliche Erkenntnisse in regenerativen Therapien für Muskelkrankheiten zu übersetzen, näherkommen.“

Die anderen beiden Unternehmen

Sevenless Therapeutics: Mithilfe fortschrittlicher mathematischer Methoden hat dieses Biotech-Unternehmen einen neuartigen Angriffspunkt in den Schmerz-Signalwegen identifiziert, es hat die für den Erfolg erforderlichen Parameter definiert und diese Vorhersagen mit Daten validiert. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wird das sehr erfahrene Arzneimittelforschungsteam des Unternehmens einen sicheren und effektiven Wirkstoffkandidaten für die Schmerztherapie entwickeln. Diese Entdeckung wird viele Patient*innen, die unter unzureichend therapierbaren chronischen Schmerzen leiden, einen erheblichen Fortschritt bedeuten.

VEIL.AI: Ein Unternehmen, das die Qualität anonymisierter Gesundheitsdaten mit einer Anonymisierungstechnologie der nächsten Generation auf ein neues Niveau hebt. Es erstellt extrem hochwertige anonymisierte und synthetische Daten auf der Ebene der Proband*innen und ermöglicht eine bessere Nutzung von GDPR-freien Daten für Life-Science- und Diagnostik-Unternehmen, Krankenhäuser und Gesundheitsdaten-Hubs.

Text: BII / MDC

 

Weiterführende Informationen

Spuler Lab
Myologie

 

MAX DELBRÜCK CENTER

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (Max Delbrück Center) gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 70 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organ-übergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch

Patient*innen zugutekommen. Das Max Delbrück Center fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am Max Delbrück Center arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete Max Delbrück Center zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

www.mdc-berlin.de

BIOINNOVATION INSTITUTE FOUNDATION

Die Stiftung BioInnovation Institute (BII) ist eine internationale kommerzielle Stiftung ohne Gewinnabsicht, die von der Novo Nordisk Foundation unterstützt wird. BII betreibt einen Inkubator, um Life-Science-Innovationen von Weltrang voranzutreiben. Ihre Vision ist es, erstklassige Life-Science-Innovationen zu unterstützen, mit denen junge Life-Science-Start-ups neue Lösungen zum Wohle der Menschen und der Gesellschaft entwickeln können. Die Novo Nordisk Foundation kann BII bei anhaltend positiver Entwicklung über einen Zeitraum von zehn Jahren bis zu 470 Mio. EUR (3,5 Mia. DKK) zur Verfügung stellen. Bisher hat BII 62 Start-ups mit 50 Mio. EUR unterstützt und die Start-ups haben insgesamt 207 Mio. EUR von lokalen und internationalen Investoren aufgebracht. Das vielseitige BII-Team bringt Risikokapital-, Pharma- und Geschäftsexpertise zusammen, um Unternehmen in der Frühphase zu helfen, die nächste Stufe zu erreichen. Zu den jüngsten Unternehmenserfolgen zählen Adcendo, Stipe Therapeutics, Twelve Bio, Octarine Bio und Cirqle Biomedical.

Zur Pressemitteilung auf der Website des Max Delbrück Centers:
www.mdc-berlin.de/de/news/press/millionenfoerderung-fuer-myopax

forschen, produzieren, heilen / 02.09.2022
Mit Geduld und grünem Daumen

Blumenrabatten auf dem Campus Berlin-Buch (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)
Blumenrabatten auf dem Campus Berlin-Buch (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)

Sie hat einen grünen Daumen: Viola Ehrig. Mit ihrem Kollegen Steve Kossack sorgt sie dafür, dass auf dem Campus Berlin-Buch neben Wissenschaft und Innovationen auch Blumen und Bäume prächtig gedeihen. Damit schafft sie auch für die Beschäftigten des Max Delbrück Center eine schöne Arbeitsumgebung.

Wenn morgens um vier die Krähen zetern, dann weiß Viola Ehrig, dass der Waschbär nach Hause kommt. „Ich weiß noch nicht, wo er wohnt – aber seit kurzem haben wir einen hier“, sagt sie. Die Gärtnerin kümmert sich mit ihrem Kollegen Steve Kossack um die Grünanlagen auf dem Campus Berlin-Buch. Seit 2013 ist sie bei der Campus Berlin-Buch GmbH angestellt.

Im Sommer beginnt der Arbeitstag von Viola Ehrig und Steve Kossack morgens zwischen drei und vier Uhr: Zuerst verladen sie Schläuche, Schaufeln, Spaten, Rechen und allerlei andere Geräte und Werkzeuge auf die Ladefläche ihres Transporters, dann geht’s los. Beete und Bäume müssen sie in den frühen Morgenstunden wässern, weil der Wasserdruck tagsüber nicht reichen würde. Und an heißen Tagen würde die Feuchtigkeit sofort verdunsten. Bis alle Pflanzen versorgt sind, vergehen zwei bis drei Stunden. „Ein einziger Baum schluckt 120 Liter“, weiß Viola Ehrig.

Statt Friedhof grüne Stadtoase

Der Campus im Herzen von Berlin-Buch erinnert mit seinen 32 Hektar an einen weitläufigen Park. Zwischen Forschungs- und Unternehmensgebäuden erstrecken sich von Bäumen und Blumen gesäumte Grünflächen, schlängeln sich Wege, steht hier und da eine Skulptur. Ein Ort der Wissenschaft, zugleich eine grüne Stadtoase. Einst sollte hier nach den Plänen des Landschaftsplaners Albert Brodersen – von 1910 bis 1924 städtischer Gartendirektor von Berlin – der „Städtische Zentralfriedhof Buch-Karow“ entstehen. Das Torhaus, ein Wirtschaftsgebäude – das heutige Gläserne Labor (Haus A13) – und eine Kapelle waren bereits errichtet, als sich herausstellte, dass der Grundwasserspiegel unter dem Gelände zu hoch war, um die Toten dort zur letzten Ruhe zu betten. Also eröffnete 1925 anstelle des Friedhofs eine Baumschule. An die Kapelle, die in den 1950-er Jahren dem heutigen Walter-Friedrich-Haus (Haus C27) weichen musste, erinnern zwei dorische Säulen; an die Baumschule der Campuswald und einzelne Bäume wie Robinien, Kanadische Helmlocktannen, Zedern oder Christusdorn, die in unseren Breiten eher selten wachsen. 

Viola Ehrig kennt jeden einzelnen von ihnen. Sie weiß, welche Bäume wann gefällt und welche neu gepflanzt worden sind. Wo die Rehe in den Nächten äsen. Sie kennt auch den Lieblingsort der zwei Stieglitz-Schwärme, die über den Campus streifen – der Splitthaufen zwischen Fahrradwerkstatt und Gärtnerei. An der Längsseite von Haus D23, einem Gebäude der Eckert & Ziegler AG, blüht eine große Distel. „Voriges Jahr stand sie auf der anderen Straßenseite“, sagt Ehrig und beschreibt mit ihrer Hand einen Bogen in der Luft. „Jetzt hat sie sich hierher ausgesät. Die lassen wir natürlich stehen.“ Die purpurroten Blütenpuschel sind Nahrungsquelle für Vögel und Insekten. Und Trockenheit macht einer Distel nichts aus.

Augen- und Bienenweide

Die stachelige Schönheit verkörpert damit in gewisser Weise die Anforderungen, die die Campus-Bepflanzung erfüllen soll. Nicht nur fürs Auge soll sie sein, sondern auch Lebensraum für Insekten und andere Tiere. Außerdem muss sie mit immer heißeren Sommern zurechtkommen. Vor dem Arnold-Graffi-Haus (Haus D85), dem Sitz der Campus Berlin-Buch GmbH, und dem Karl-Lohmann-Haus (Haus D82) haben Viola Ehrig und Steve Kossack Rabatten angelegt, die Augen- und Bienenweide zugleich sind. Taglilien blühen mit Phlox, Lavendel, Salbei, Sonnenhut und Stockrosen um die Wette, locken Hummeln, Bienen, Schwebfliegen und Schmetterlinge an. Es summt und brummt in der Luft. Ob auch Campusbienen dabei sind? Zwei Völker bewohnen die Bienenstöcke vor dem Gläsernen Labor. In den Ferien kommen Kinder zu den Bienentagen, bei denen sie viel über die Lebensweise der Insekten und ihre wichtige Rolle in der Natur erfahren und sogar ihren eigenen Honig schleudern können.

Auch vor dem Erwin-Negelein-Haus (Haus D79) ist der Tisch für Insekten reich gedeckt. Studierende der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde haben dort eine Wildblumenwiese angelegt. Walderdbeeren, wilde Möhre und Kornblumen wachsen neben gewöhnlichem Wirbeldost, Herzgespann, kleiner Bibernelle und großem Klappertopf. Die Samen stammen von der Wildsamen-Insel Temmen in der Schorfheide. Die Studierenden beobachten, welche Pflanzen sich wie verbreiten. Auf fünf Jahre ist das Wiesenprojekt angelegt, das wissenschaftlich ausgewertet werden soll. „Schönheit muss neu definiert werden“, sagt Claudia Lühr, Teamleiterin Liegenschaftsverwaltung. Abgezirkelte Rasenflächen und symmetrisch angelegte Rosenbeete gehören der Vergangenheit an. Ganz auf Rasen zu verzichten, geht allerdings auch nicht. Für Mitarbeiter*innen auf dem Campus bietet der Rasen idealen Platz zum Erholen und Entspannen. „Veranstaltungen wie Grillfeste oder auch die Mittagspausen brauchen gemähte Flächen“, betont Claudia Lühr. „Aber wir müssen uns gut überlegen, wo wir der Natur ihren Lauf lassen können und wo wir in sie eingreifen.“ 

Ausgleich für gefällte Bäume

Im Campuswald beispielsweise ist zu DDR-Zeiten nicht viel passiert. Das klingt eigentlich, als sei es im Sinn der Natur. Aber: „Die Bäume stehen zu dicht“, sagt Viola Ehrig. Ein Erbe der früheren Baumschule. Weil es inzwischen im Frühjahr immer eher immer wärmer wird, treiben die Bäume früher aus, was sie letztendlich schwächt. Aufgrund des jahrzehntelangen Pflegerückstandes konnten sich außerdem Pilzkrankheiten und die Weißfäule ausbreiten. Zusätzlich machen Eichenprozessionsspinner den alten Eichen zu schaffen. „Da muss man auch mal den ein oder anderen Baum fällen“, sagt Viola Ehrig.

Um zu gewährleisten, dass die Motorsäge nicht vorschnell angesetzt wird, gibt es regelmäßige Rundgänge mit Mitarbeiter*innen des Umweltamtes Pankow. „Bei allen landschaftsplanerischen Fragestellungen arbeiten wir eng mit der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung und dem Umwelt- und Naturschutzamt Pankow zusammen“, sagt Dr. Christina Quensel, Geschäftsführerin der Campus Berlin-Buch GmbH. Bevor ein Baum gefällt wird, muss das Umweltamt Pankow zustimmen. Und für jeden umgeschlagenen Baum muss ein neuer gepflanzt werden.

„Wenn wir eine Fläche umgestalten wollen, stellen wir die Pläne in der Campus-Management-Beratung vor und stimmen sie mit Vertreter*innen aller Einrichtungen ab“, fährt Christina Quensel fort. Nachdem die Bäume am Gästehaus (Haus B54) altersschwach und sturzgefährdet waren, sprach sich die Runde dafür aus, dass an dieser Stelle ein Feuchtbiotop entstehen soll. Schon immer hat sich dort Regenwasser vom Dach des Gästehauses und von der Straße angesammelt. Die Kuhle wurde noch etwas stärker ausgeformt und mit Kieseln ausgelegt, damit das Wasser nicht so schnell im märkischen Sandboden versickert. Viola Ehrig und Steve Kossack haben den Tümpel mit Rohrkolben, Sumpfschwertlilien und Pfennigkraut bepflanzt und davor eine Wildblumenwiese angelegt, auf der jetzt Kirsch- und Birnenbäume sowie einige Rhododendren wachsen.

Geduld – die Tugend der Gärtnerin

Die Pappeln vor dem Max-Delbrück-Haus (Haus C32) mussten ebenfalls weichen, nachdem sie Totholz abgeworfen und ihre Wurzeln Kabelschächte und Rohrleitungen angegriffen hatten. Auch ihr Verlust soll ausgeglichen werden, vorzugsweise mit Bäumen, die auf der „Liste der Zukunftsbäume“ der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) stehen. Derzeit enthält sie 65 Baumarten, denen Trockenheit, Hitze, Frost oder Schädlinge wenig ausmachen. Die Trompetenbäume, die vor drei Jahren vor der Mensa gepflanzt wurden, stehen ebenso darauf wie Kupferfelsenbirnen, Amber- und Maulbeerbäume, die den BerlinBioCube (Neubau D95) säumen werden. Auch Tulpenbäume gehören zu den Zukunftsbäumen. Einer davon wächst jetzt in einer Gruppe mit drei Trompetenbäumen.. „In etwa zehn Jahren wird er eine dichte Krone voller tulpenförmiger Blüten tragen – der Wahnsinn!“, schwärmt Viola Ehrig. „Man muss halt ein bisschen Geduld haben.“

Geduld verlangt auch der Blauglockenbaum, der im Hof von Haus D9 wächst: Wenn er sechs bis zehn Jahre alt ist, betört er im Frühjahr mit violetten Blüten, die wie bei der Kastanie aufrecht an einer Dolde stehen und einen Duft verströmen, der an Vanille erinnert. Im Schutz der Gebäudemauern findet er ideale Wuchsbedingungen vor – „eigentlich ist ihm das Interkontinentalklima von Berlin ein bisschen zu kalt“, erklärt Ehrig, als würde sie über einen guten alten Bekannten reden. Tatsächlich kann sie zu allen Pflanzen etwas erzählen. Manchmal redet sie ihnen auch gut zu – und siehe da, sie gedeihen plötzlich prächtig.

Wildkräuter sind kein Unkraut

Am Kunstwerk vor dem Forschungsgebäude B88 hilft das leider nicht. Unter Kiefern sind dort schmale, von Metallstreifen eingefasste Beete angelegt, in denen Minze und Bergkümmel vor sich hin kümmern. Sie gehören zur Molekülskulptur der Künstlerin Ulrike Mohr vor Haus 89 des MDC. Das Modell stellt die Struktur von Carvon dar, Hauptbestandteil der ätherischen Öle von Kümmel und Pfefferminze. „Die Idee ist gut“, findet die Gärtnerin. „Leider haben Minze und Kümmel unter den Kiefern wenig Chancen.“ Zumal immer wieder Pflanzen aus den Beeten verschwinden. „Es gibt Leute, die graben sich was aus“, sagt sie und schüttelt verständnislos den Kopf.  

Welche Pflanzen sie am meisten mag? Viola Ehrig zuckt mit den Schultern. „Ich liebe das geordnete Chaos“, sagt sie. Auch unscheinbare Wildkräuter gefallen ihr. Zumal die so etwas wie die stillen Helden des Beetes sind. Sie helfen den Stauden beim Wachsen, indem sie ihnen Schatten spenden und den Boden länger feucht halten. Während ein Eichhörnchen über die Wiese vor Haus C84 hüpft, steuert Viola Ehrig auf die Gärtnerei zu. Die Planung für den nächsten Tag steht an. Der beginnt wieder im Morgengrauen. Kurz bevor die Rehe sich ins Unterholz zurückziehen.

Text: Jana Ehrhardt-Joswig 

 

Quelle: MDC
Mit Geduld und grünem Daumen

forschen / 02.09.2022
Wie ein Rezeptor zu Entzündungen beiträgt

Foto: Flo Dahm, Pexels Licence
Foto: Flo Dahm, Pexels Licence

Welche Rolle spielen ein verbreiteter Rezeptor und die Ernährung bei chronischen Entzündungen? Das untersuchen Forschende des Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und weitere Partner in den kommenden drei Jahren in einem BMBF-geförderten Verbundprojekt.

Gemeinsame Pressemitteilung mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin 

Viele chronische Erkrankungen und Autoimmunerkrankungen gehen mit andauernden oder schubweise auftretenden Entzündungen einher, die zu schweren Organschäden führen können. Mit solchen chronischen Entzündungsprozessen wird der Arylhydrocarbon-Rezeptor (AhR), der in einer Vielzahl unserer Körper- und Immunzellen vorkommt und dabei hilft, körperfremde Stoffe aus dem Körper zu schleusen, in Zusammenhang gebracht. Die dahinterstehenden Mechanismen sind allerdings bislang nicht hinreichend erforscht. 

Nun startet das Verbundprojekt TAhRget (Targeting AhR-dependent Inflammation for Organ Protection) unter Federführung der Charité – Universitätsmedizin Berlin, das die Rolle des Rezeptors AhR bei der Entstehung von Entzündungen und den Einfluss von Ernährung am Beispiel der chronischen Niereninsuffizienz (CKD) und der Multiplen Sklerose (MS) näher beleuchten soll. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert die Arbeiten mit rund drei Millionen Euro. Die Projektleitung hat das Experimental and Clinical Research Center (ECRC) – ein gemeinsames klinisches Forschungszentrum der Charité und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft. 

Vor dem Hintergrund der beiden sehr unterschiedlichen Erkrankungen erhoffen sich die Wissenschaftler*innen ein genaueres Bild über das Bindungs- und Wirkspektrum von AhR. „Wir möchten herausfinden, ob sich AhR als therapeutisches Ziel – im Englischen „target“ – für Behandlungsstrategien eignet, mit denen Entzündungsprozesse in Schach gehalten und Organschäden minimiert oder gänzlich verhindert werden könnten“, sagt Dr. Nicola Wilck, Gruppenleiter am ECRC, Facharzt an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie und Internistische Intensivmedizin der Charité und Koordinator des Projekts.

Die Ernährung bei der Behandlung berücksichtigen 

Das interdisziplinäre Forschungsteam des Verbunds aus sechs überregionalen Partnern will in den kommenden drei Jahren mit Hilfe von Patientenkohorten, Tiermodellen, Zellkulturen, Einzelzellanalysen sowie Mikrobiom- und Ernährungsstudien herausfinden, ob und in welchem Maße der Rezeptor AhR zu Entzündungsprozessen bei chronischer Niereninsuffizienz und Multipler Sklerose beiträgt, die die Organe schädigen. Auch fahnden die Forschenden nach aussagekräftigen Biomarkern, die die Aktivität von AhR anzeigen können. Bekannt ist, dass der Rezeptor körperfremde Stoffe – etwa Nahrungsbestandteile oder Stoffwechselprodukte unserer Darmbakterien – bindet, um sie ausscheidungsfähig zu machen. Studienergebnisse zeigen außerdem, dass sich Ernährungsumstellungen auf Erkrankungen mit chronischen Entzündungen positiv auswirken können.

„Wir vermuten, dass hier AhR-vermittelte Prozesse eine Rolle spielen. Ein Schwerpunkt unserer Untersuchungen wird daher insbesondere auf ernährungs- und mikrobiomvermittelten Prozessen liegen, die den AhR und damit einhergehende entzündliche Prozesse bei CKD und MS steuern“, sagt Dr. Anja Mähler, Leiterin der Clinical Research Unit am ECRC und Teilprojektleiterin von TAhRget mit dem Schwerpunkt Ernährung. Das Ziel ist herauszufinden, welche Nahrungsbestandteile, Stoffwechselprodukte und Ernährungsformen sich negativ und welche sich positiv auf AhR-vermittelte entzündliche Prozesse auswirken, um dies bei der Behandlung von Patient*innen künftig berücksichtigen zu können. Mit dabei sind unter anderem die ECRC-Arbeitsgruppen von Professor Dominik Müller und Professor Friedemann Paul sowie die ECRC-Wissenschaftler*innen Dr. Victoria Parland, Dr. Chotima Böttcher und Dr. Hendrik Bartolomaeus, die jeweils eigenständige Teilprojekte beitragen. 

„Unser interdisziplinärer Verbund vereint Kliniker*innen aus Nephrologie und Neurologie, Immunologinnen und Immunologen, Mikrobiom- und Metabolomik-Forschende sowie Ernährungswissenschaftler*innen“, sagt Wilck. „Mit diesem gemeinschaftlichen und fachübergreifenden Forschungsansatz erhoffen wir uns, grundlegend neue und zukunftsweisende Erkenntnisse über die Beteiligung des AhR an chronischen Entzündungen zu gewinnen und damit den Weg zu neuen Behandlungsformen zu bahnen.“

Das Verbundvorhaben TAhRget 

Das TAhRget-Verbundprojekt wird im Rahmen der BMBF-Ausschreibung „Förderung interdisziplinärer Verbünde zur Erforschung von Pathomechanismen“ gefördert. Die Charité – Universitätsmedizin Berlin koordiniert das interdisziplinäre Vorhaben aus sechs Partnern. Das Experimental and Clinical Research Center (ECRC) – ein gemeinsames klinisches Forschungszentrum der Charité und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft – hat die Projektleitung inne. Weitere Partner sind das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), das Universitätsklinikum Erlangen, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und die Universität Regensburg. Projektstart ist der 1. September 2022. 

Text: Nicole Silbermann, Charité 

Weiterführende Informationen  

Wilck Lab

Immun-mikrobielle Dynamiken bei kardiorenalen Erkrankungen

Clinical Research Unit

The Clinical Research Unit on Campus Buch

Diet influences the course of multiple sclerosis

Science / 30. März 2020

Clinical Research

Experimental and Clinical Research Center (ECRC) of the MDC and Charité Berlin

Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie und Internistische Intensivmedizin 

 

www.mdc-berlin.de

forschen / 01.09.2022
Wie neue Strukturen entstehen

Säugetiere verfügen über ein neuartiges Gen, das eine neuartige Struktur in den Nervenzellen steuert. Forschende des Max Delbrück Centers und des Milner Centre for Evolution haben es entdeckt und beschreiben es in der Fachzeitschrift „Molecular Biology and Evolution“.

Die Evolution wird oft als „Bastelprozess“ beschrieben, bei dem bereits vorhandene Fähigkeiten leicht verändert werden.  Doch wie entwickeln Organismen völlig neue, bislang nicht dagewesene Strukturen?

Ein Forschungsteam um Dr. Zsuzsanna Izsvák vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (Max Delbrück Center) und Professor Laurence Hurst vom Milner Centre for Evolution an der University of Bath (Großbritannien) haben nun Hinweise darauf gefunden, dass ein neuartiges Gen die Entwicklung einer neuen Struktur in Nervenzellen unterstützt. In der Fachzeitschrift „Molecular Biology and Evolution“ beschreiben sie dieses ungewöhnliche Gen namens piggyBac Transposable Element-derived 1, kurz PGBD1.

„Springende Gene“ verursachen Mutationen

PGBD1 ist eins von fünf miteinander verwandten PGBD-Genen, die eine deutliche Ähnlichkeit mit piggyBac-Elementen aufweisen, die zuerst bei Insekten identifiziert wurden – daher auch der Name piggyBac Transposable Element-derived PiggyBac-Elemente sind „springende Gene“, auch Transposons genannt. Sie sind in der Lage, sich selbst zu kopieren und in andere, teilweise weit entfernte Abschnitte der DNA „hineinzuspringen“. Dabei können sie Mutationen verursachen oder Funktionen verändern. PiggyBac-Transposons sind durch horizontalen Transfer in unsere Spezies gelangt – ähnlich wie manche Viren ihr Genom in unsere DNA integrieren können. Im Lauf der Zeit haben sie ihre Fähigkeit verloren, in unserer DNA herumzuspringen. Fünf von ihnen abgeleitete Gene sind jedoch (PGBD1-5) beim Menschen fixiert worden. „Wir wollten wissen, welche potenziell nützliche Funktion die PGBD-Gene haben könnten“, sagt Zsuzsanna Izsvák. „Dabei haben wir uns auf PGBD1 konzentriert.“

Unter den fünf PGBD-Genen ist PGBD1 insofern einzigartig, als dass es auch Fragmente anderer Gene aufgenommen hat. Dies resultiert in einem Protein, das sowohl an andere Proteine als auch an DNA binden kann. Es ist also zum Teil inaktives Transposon, zum Teil menschliches Genfragment.

PGBD1 reguliert Nervenzellen und deren „Proteinschwämme“

PGBD1 kommt nur in Säugetieren vor. Es ist insbesondere in Zellen sehr aktiv, die zu Nervenzellen werden.  Die Forschenden untersuchten zunächst, wo das PGBD1-Protein an die DNA bindet. Sie fanden heraus, dass es sich in Genen und um Gene herum festsetzt, die an der Nervenentwicklung beteiligt sind. Dort blockiert es einerseits Gene, die in reifen Nervenzellen exprimiert werden. Andererseits bleiben die Gene aktiviert, die mit der Entwicklung von neuronalen Vorläuferzellen in Verbindung stehen. Als die Forschenden den PGBD1-Spiegel in den Vornervenzellen absenkten, entwickelten sie sich zu Nervenzellen. 

Eines der Gene, die an das PGBD1-Protein binden, erregte ihr besonderes Interesse: NEAT1 kodiert für eine RNA, aus der kein Protein entsteht, sondern Paraspeckles. Das sind winzige, membranlose Strukturen in den Kernen einiger Zellen. Wie ein „molekularer Schwamm“ bewahren sie bestimmte RNA und Proteine auf. Die Wissenschaftler*innen fanden heraus, dass das PGBD1-Protein in den neuronalen Vorläuferzellen an das NEAT1-Gen bindet und es an seiner Arbeit hindert. Vermindert sich das PGBD1, steigt der NEAT1-RNA-Spiegel. Es bilden sich Paraspeckles und die Zellen werden zu reifen Nervenzellen. PGBD1 reguliert also das Vorhandensein oder Fehlen von Paraspeckles und damit die Entwicklung der Nervenzellen.

Evolution ist keine zufällige Bastelei

Am erstaunlichsten ist, dass Paraspeckles wie PGBD1 nur in Säugetieren vorkommt. PGBD1 ist also ein seltenes Beispiel für ein neues Gen, das sich entwickelt hat, um eine neue Struktur zu regulieren, wenn auch eine recht kleine. „Dies ist eine wirklich ungewöhnliche und zufällige Entdeckung“, sagt Co-Letztautorin Zuzanna Izsvák vom MDC. „Wir wissen, dass die Duplikation bereits existierender Gene die Evolution neuer Strukturen unterstützen kann. PGBD1 ist aber ein seltenes Beispiel dafür, dass die Evolution mehr ist als zufällige Bastelei. Es zeigt, dass Gene neu entstehen, um neuartige Strukturen zu steuern.“ Spannend sei nun die Frage, ob PGBD1 auch in erwachsenen Neuronen eine Rolle spiele.

Co-Letztautor Laurence Hurst vom Milner Centre for Evolution an der University of Bath ergänzt: „Jetzt, da wir wissen, wie Paraspeckles kontrolliert werden, müssen wir nur noch herausfinden, wie sich diese Struktur selbst entwickelt hat. Dies könnte eine viel schwierigere Aufgabe sein, da sich nicht-kodierende RNAs wie NEAT1 schnell entwickeln und daher im Laufe der Evolution nur schwer zu verfolgen sind.“

Die Kopplung zwischen NEAT1 und PGBD1 könnte auch bei Schizophrenie eine Rolle spielen. NEAT1 wird schon länger mit dieser neurologischen Krankheit in Verbindung gebracht. Das Forschungsteam identifizierte nun einige Mutationen in PGBD1, die auch bei Patient*innen mit Schizophrenie häufig vorkommen. Eine dieser Mutationen verändert das PGBD1-Protein, während andere möglicherweise dessen Menge kontrollieren. „Es ist sicherlich kein Zufall, dass beide Gene an Schizophrenie beteiligt sind“, sagt Erstautor Tamas Raskó, zum Zeitpunkt der Studie Postdoktorand in der Gruppe von Zsuzsanna Izsvák. „Es ist sehr ungewöhnlich, eine Mutation zu finden, die ein Protein verändert, das mit dieser Krankheit gekoppelt ist. Ihre Auswirkungen müssen nun in weiteren Studien untersucht werden.“

Weitere Informationen

Literatur

Tamás Raskó et al (2022): A novel gene controls a new structure: PiggyBac Transposable Element-derived 1, unique to mammals, controls mammal-specific neuronal paraspeckles, in: Molecular Biology and Evolution, DOI: 10.1093/molbev/msac175

Milner Centre for Evolution

Das Milner Centre for Evolution ist eine international führende Forschungseinrichtung, die die Disziplinen Biologie, Gesundheit und Bildung miteinander verbindet. Das Zentrum, das zur Universität Bath im Vereinigten Königreich gehört, hilft bei der Beantwortung einiger der grundlegendsten Fragen der Evolutionsbiologie und nutzt diese Erkenntnisse, um neue technologische und klinische Forschungsanwendungen zu finden. Die Erforschung von Lehrmethoden und ein neuartiges Outreach-Programm tragen dazu bei, das Verständnis der Öffentlichkeit für die Genetik und die Bedeutung des Evolutionsprozesses für das gesamte Leben auf der Erde zu verbessern. Das Milner Centre for Evolution ist nach dem ehemaligen Studenten der Universität Bath, Dr. Jonathan Milner, benannt, der das Gründungskapital für die Gründung und den Aufbau des Zentrums bereitgestellt hat. www.bath.ac.uk/research-centres/milner-centre-for-evolution/

 

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin

 Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (Max Delbrück Center) gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das Max Delbrück Center fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am Max Delbrück Center arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete Max Delbrück Center zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung des Max Delbrück Centers und der University of Bath
Wie neue Strukturen entstehen

forschen, heilen / 31.08.2022
SARS-CoV-2 kann Chronisches Fatigue-Syndrom auslösen

Gemeinsame Pressemitteilung von Mac Delbrück Center und Charité – Universitätsmedizin Berlin

Ein Forschungsteam der Charité und des Max Delbrück Centers liefert in „Nature Communications“ den wissenschaftlichen Beleg für die lang gehegte Vermutung, dass SARS-CoV-2 das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS) auslösen kann. Die Forschenden beschreiben zudem ein ähnliches Krankheitsbild mit vermutlich anderer Ursache.

„Bereits in der ersten Welle der Pandemie entstand der Verdacht, dass COVID-19 ein Trigger für ME/CFS sein könnte“, sagt Professorin Carmen Scheibenbogen, kommissarische Direktorin des Instituts für Medizinische Immunologie am Charité Campus Virchow-Klinikum. Sie leitet das Charité Fatigue Centrum, das auf die Diagnostik von ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis / Chronisches Fatigue-Syndrom) spezialisiert ist – eine komplexe Erkrankung, die unter anderem von bleierner körperlicher Schwäche geprägt ist. Das Zentrum wurde bereits im Sommer 2020 von den ersten Patient*innen nach einer SARS-CoV-2-Infektion aufgesucht. Seither mehren sich die Hinweise auf einen ursächlichen Zusammenhang zwischen COVID-19 und der Erkrankung ME/CFS, die oft zu einem hohen Grad körperlicher Beeinträchtigung führt.

„Diese Annahme wissenschaftlich zu belegen, ist jedoch nicht trivial“, erklärt Carmen Scheibenbogen. „Das liegt auch daran, dass ME/CFS noch wenig erforscht ist und es keine einheitlichen Diagnosekriterien gibt. Durch eine sehr gründliche Diagnostik und einen umfassenden Vergleich mit ME/CFS-Betroffenen, die nach anderen Infektionen erkrankt waren, konnten wir jetzt aber nachweisen, dass ME/CFS durch COVID-19 ausgelöst werden kann.“

Chronische Erschöpfung – auch nach mildem COVID-19-Verlauf

Für die Studie untersuchten Expert*innen des Post-COVID-Netzwerks der Charité 42 Personen, die sich mindestens sechs Monate nach ihrer SARS-CoV-2-Infektion an das Charité Fatigue Centrum gewandt hatten, weil sie noch immer stark an Fatigue, also einer krankhaften Erschöpfung und eingeschränkter Belastungsfähigkeit in ihrem Alltag litten. Die meisten von ihnen konnten lediglich zwei bis vier Stunden am Tag einer leichten Beschäftigung nachgehen, einige waren arbeitsunfähig und konnten sich kaum noch selbst versorgen.

Während der akuten SARS-CoV-2-Infektion hatten nur drei der 42 Patient*innen ein Krankenhaus aufgesucht, aber keine Sauerstoffgabe benötigt. 32 von ihnen hatten einen nach der WHO-Klassifizierung milden COVID-19-Verlauf erlebt, also keine Lungenentzündung entwickelt, in der Regel jedoch ein bis zwei Wochen lang starke Krankheitssymptome wie Fieber, Husten, Muskel- und Gliederschmerzen empfunden. Da die SARS-CoV-2-Infektion in der ersten Welle der Pandemie stattgefunden hatte, war keine der in die Studie eingeschlossenen Personen geimpft gewesen. In der Charité wurden alle Betroffenen von einem interdisziplinären Team aus den Fachbereichen Neurologie, Immunologie, Rheumatologie, Kardiologie, Endokrinologie und Pneumologie mit langjähriger Erfahrung in der Diagnose von ME/CFS untersucht. Zum Vergleich zogen die Forschenden 19 Personen mit ähnlichem Alters- und Geschlechtsprofil sowie einer vergleichbaren Krankheitsdauer heran, die ME/CFS nach einer anderen Infektion entwickelt hatten.

Eindeutige Diagnose gemäß kanadischer Konsensuskriterien

Für die Diagnosestellung berücksichtigten die Forschenden die kanadischen Konsensuskriterien. „Dieser Kriterienkatalog wurde wissenschaftlich entwickelt und hat sich im klinischen Alltag bewährt, um ein Chronisches Fatigue-Syndrom eindeutig zu diagnostizieren“, erklärt Dr. Judith Bellmann-Strobl, Leiterin der multidisziplinären Hochschulambulanz des Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). Zusammen mit Carmen Scheibenbogen hat sie die Studie geleitet.

Den kanadischen Konsensuskriterien zufolge erfüllten knapp die Hälfte der untersuchten Patient*innen nach ihrer SARS-CoV-2-Infektion das Vollbild einer ME/CFS-Erkrankung. Die andere Hälfte hatte vergleichbare Symptome, ihre Beschwerden nach körperlicher Anstrengung, die sogenannte Postexertionelle Malaise, waren jedoch meist nicht so stark ausgeprägt und hielten nur für einige Stunden an. Dagegen trat die Verschlimmerung der Symptome bei den ME/CFS-Patient*innen auch noch am nächsten Tag auf. „Wir können also zwei Gruppen von Post-COVID-Betroffenen mit stark reduzierter Belastbarkeit unterscheiden“, resümiert Judith Bellmann-Strobl.

Verminderte Handkraft

Neben der Erfassung der Symptome ermittelten die Forschenden verschiedene Laborwerte und setzten sie in Beziehung zur Handkraft der Erkrankten, die bei den meisten vermindert war. „Bei den Menschen mit der weniger stark ausgeprägten Belastungsintoleranz stellten wir unter anderem fest, dass sie weniger Kraft in den Händen hatten, wenn sie einen erhöhten Spiegel des Immunbotenstoffs Interleukin-8 aufwiesen. Möglicherweise ist die reduzierte Kraft der Muskulatur in diesen Fällen auf eine anhaltende Entzündungsreaktion zurückzuführen“, sagt Carmen Scheibenbogen. „Bei den Betroffenen mit ME/CFS korrelierte die Handkraft dagegen mit dem Hormon NT-proBNP, das von Muskelzellen bei zu schlechter Sauerstoffversorgung ausgeschüttet werden kann. Das könnte darauf hinweisen, dass bei ihnen eine verminderte Durchblutung für die Muskelschwäche verantwortlich ist.“

Nach vorläufigen Beobachtungen der Wissenschaftler*innen könnte die Unterscheidung der beiden Gruppen sich auch im Krankheitsverlauf spiegeln. „Bei vielen Menschen, die ME/CFS-ähnliche Symptome haben, aber nicht das Vollbild der Erkrankung entwickeln, scheinen sich die Beschwerden langfristig zu verbessern“, erklärt Carmen Scheibenbogen.

ME/CFS ist nicht psychosomatisch

Die neuen Erkenntnisse könnten zur Entwicklung spezifischer Therapien für das Post-COVID-Syndrom und ME/CFS beitragen. „Unsere Daten liefern aber auch einen weiteren Beleg dafür, dass es sich bei ME/CFS nicht um eine psychosomatische, sondern um eine schwerwiegende körperliche Erkrankung handelt, die man mit objektiven Untersuchungsmethoden erfassen kann“, betont Carmen Scheibenbogen. „Leider können wir ME/CFS aktuell nur symptomatisch behandeln. Deshalb kann ich auch jungen Menschen nur ans Herz legen, sich mithilfe einer Impfung und dem Tragen von FFP2-Masken vor einer SARS-CoV-2-Infektion zu schützen.“

Über ME/CFS

ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) ist eine schwerwiegende Erkrankung, die meistens durch einen Infekt ausgelöst wird und oft chronifiziert. Hauptmerkmal ist die „Postexertionelle Malaise“, eine ausgeprägte Verstärkung der Beschwerden nach geringer körperlicher oder geistiger Belastung, die erst nach mehreren Stunden oder am Folgetag einsetzt und mindestens bis zum nächsten, aber oft auch mehrere Tage oder länger anhält. Sie ist verbunden mit körperlicher Schwäche, häufig Kopf- oder Muskelschmerzen sowie neurokognitiven, autonomen und immunologischen Symptomen. Die Häufigkeit von ME/CFS in der Bevölkerung wurde weltweit bereits vor der Pandemie auf etwa 0,3 Prozent geschätzt. Expert*innen gehen davon aus, dass die Anzahl der Betroffenen durch die COVID-19-Pandemie deutlich steigen wird. Als Auslöser für ME/CFS waren bisher Krankheitserreger wie das Epstein-Barr-Virus, das Dengue-Virus und Enteroviren bekannt. Auch unter den Personen, die sich 2002/2003 mit dem ersten SARS-Coronavirus infizierten, wurden ME/CFS-Fälle beobachtet. Von einer ME/CFS-Erkrankung abzugrenzen ist eine sogenannte postinfektiöse Fatigue, die im Rahmen vieler Infektionskrankheiten wochen- bis monatelang anhalten kann.

Zur Studie

Basis für die jetzt veröffentlichten Daten war die Studienplattform Pa-COVID-19. Pa-COVID-19 ist die zentrale longitudinale Registerstudie für COVID-19-Patient*innen an der Charité. Sie zielt darauf ab, COVID-19-Betroffene klinisch sowie molekular schnell und umfassend zu untersuchen, um individuelle Risikofaktoren für schwere Verlaufsformen sowie prognostische Biomarker und Therapieansätze zu identifizieren.

Behandlung von ME/CFS an der Charité

Für die Diagnostik und Behandlung von Menschen mit lang andauernden Beschwerden nach einer SARS-CoV-2-Infektion betreibt die Charité elf Spezialambulanzen an verschiedenen Kliniken und Instituten, die im Post-COVID-Netzwerk zusammenarbeiten und unterschiedliche Patient*innen abhängig von ihrer Hauptsymptomatik betreuen. Dazu gehört auch das Charité Fatigue Centrum, das die Anlaufstelle für Personen ist, die mindestens sechs Monate nach ihrer COVID-19-Erkrankung anhaltend schwere Fatigue, Konzentrationsstörungen und eine Belastungsintoleranz haben und deren Symptome nach Anstrengung zunehmen. Im Rahmen des Projekts CFS_CARE besteht ein interdisziplinäres Versorgungsangebot für Patient*innen mit ME/CFS, das ein speziell entwickeltes Rehaprogramm mit einschließt.

Weitere Informationen

forschen / 19.08.2022
CRISPR-basierte Schnelltests für Herzinfarkt & Krebs

Illustration von Nanopartikeln, die aus einem Goldkern und einer Hülle aus Platin bestehen. Sie wirken als Signalverstärker, um mit CRISPR/Cas Enzymen Nukleinsäuren zu ermitteln. (Illustration: Midjourney)
Illustration von Nanopartikeln, die aus einem Goldkern und einer Hülle aus Platin bestehen. Sie wirken als Signalverstärker, um mit CRISPR/Cas Enzymen Nukleinsäuren zu ermitteln. (Illustration: Midjourney)

Ein CRISPR-basierter Schnelltest namens CrisprZyme könnte Hausärztinnen und -ärzten helfen, Herzinfarkte zu diagnostizieren und Prostatakrebsarten zu unterscheiden. Dafür sei kein eigenes Labor nötig, berichtet ein internationales Team – darunter Michael Kaminski – in „Nature Nanotechnology“.

Antigen-Schnelltests kennt seit der Pandemie fast jeder. Sind virale Eiweißfragmente in einem Abstrich enthalten, binden Antikörper sie auf einem Teststreifen und eine Bande entsteht. Sollen dagegen typische Erbgutbestandteile (RNA oder DNA) nachgewiesen werden, sind aufwändigere Verfahren wie die PCR nötig. Das Erbgut muss zuerst aufbereitet und vervielfältigt werden. Solche Tests dauern länger und sie sind nur in einem entsprechenden Labor möglich.

Ähnlich ist es bisher bei der CRISPR-basierten Diagnostik, bei der Cas-Enzyme so programmiert werden, dass sie DNA- oder RNA-Stücke aufspüren. Die Technologie kann zwar mit einem Teststreifen sehr kleine, für eine Krankheit oder Infektion typische Segmente einer RNA-Sequenz (Biomarker) in Proben wie Urin oder Blut aufspüren. Doch zuvor muss man zumeist die RNA unter kontrollierten Bedingungen und mit teurem Gerät vervielfältigen, damit das Signal stark genug ist. Wie viel Biomarker in der Probe war, ist dann nicht mehr nachvollziehbar. Für Ärzt*innen, die etwa den Verlauf von Krankheiten wie Krebs oder Herzleiden überwachen, ist diese Information aber zentral.

Eine neue Methode namens CrisprZyme bietet nun diese Signalverstärkung für CRISPR-basierte Diagnostik, berichtet ein internationales Forschungsteam vom Imperial College London, vom M.I.T. in Boston und vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sowie der Charité – Universitätsmedizin Berlin im Fachmagazin „Nature Nanotechnology“. Mit dem Schnelltest könnten Ärztinnen in Zukunft ohne eigenes Labor Biomarker für akute Herzinfarkte schnell aufspüren und bestimmte Prostatakrebsarten unterscheiden. Damit sei die Methode vor allem für Hausärzt*innen oder für karg ausgestattete Kliniken im globalen Süden relevant.

Auch bei Raumtemperatur

„Der Test ist einfach handzuhaben und funktioniert selbst bei Raumtemperatur. Das Ergebnis kann mit bloßem Auge oder auf einem Papierstreifen ausgelesen werden“, sagt Dr. Michael Kaminski, einer der Erstautoren und Leiter einer Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und am Berlin Institute for Medical Systems Biology (BIMSB) des MDC. „Wenn wir diagnostische Tests vereinfachen, können Ärzt*innen sie gleich in ihrer Praxis machen – ohne neue Termine für Folgeanalysen und Bluttests zu vereinbaren“, ergänzt Erstautorin Dr. Marta Broto vom Imperial College London.

CrisprZyme ersetzt oder verstärkt den Prozess der Vervielfältigung mit einer kolorimetrischen Analyse. Die Menge des Biomarkers ist anhand einer Farbskala erkennbar. Möglich war das dank Nanoenzymen, also winzigen synthetischen Materialien, die sich wie Enzyme verhalten. Sie verstärken das Signal des Tests, sodass die Kolorimetrie leichter abzulesen ist. Temperaturkontrolle und weitere Schritte entfallen. Der Test kann auch nichtkodierende RNA aufspüren, einschließlich mikroRNA, lange nichtkodierende RNA und zirkuläre RNA.

Noch schneller und nutzerfreundlicher

„Das Verfahren kann uns genau sagen, wie viel Biomarker vorhanden ist. Es hilft uns also nicht nur bei der Diagnose, sondern wir können damit auch den Verlauf einer Erkrankung im Laufe der Zeit überwachen und die Reaktion auf eine Behandlung“, sagt Hauptautorin Professorin Molly Stevens vom Imperial College London.

Derzeit macht CrisprZyme noch nicht alle Schritte überflüssig. Die Probe muss vor dem Test mit Chemikalien behandelt werden, um den gewünschten Biomarker zu extrahieren. „Wir arbeiten aber daran, den Prozess noch schneller und nutzerfreundlicher zu machen“, sagt Kaminski. Auch wie empfindlich und wie zuverlässig der Test verschiedene Biomarker bei Patientinnen und Patienten erkennt, muss das Team noch sorgfältig validieren. Das Potenzial allerdings ist groß, meinen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Sie haben die nächsten Krankheitsbilder bereits im Blick.

Weiterführende Informationen

Zur MDC-Pressemeldung

AG Kaminski

Neuer CRISPR-Diagnostiktest

Pressemeldung des Imperial College London (03.08.2022)

Literatur

Michael M. Kaminski et al (2022): „Nanozyme-catalysed CRISPR assay for preamplification-free detection of non-coding RNAs“. Nature Nanotechnology, DOI: 10.1038/s41565-022-01179-0

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de

Quelle: Pressemitteilung MDC

www.mdc-berlin.de

forschen, produzieren, heilen / 17.08.2022
Made in Berlin – Wirtschaftssenator Stephan Schwarz besuchte den Campus Berlin-Buch

Dr. Ulrich Scheller, Senator Stephan Schwarz, Staatssekretär Michael Biel und Dr. Christina Quensel vor dem Gründerzentrum BerlinBioCube. Foto: Peter Himsel
Dr. Ulrich Scheller, Senator Stephan Schwarz, Staatssekretär Michael Biel und Dr. Christina Quensel vor dem Gründerzentrum BerlinBioCube. Foto: Peter Himsel

Wirtschaftssenator Stephan Schwarz informierte sich am 17. August 2022 gemeinsam mit Staatssekretär Michael Biel über die wirtschaftliche Entwicklung des Wissenschafts- und Biotechcampus

Berlin-Buch ist einer der elf Zukunftsorte in Berlin, die über ein hohes Potenzial an Innovationskraft und Flächen verfügen. Auf dem biomedizinischen Campus arbeiten exzellente Wissenschaftler:innen aus aller Welt an der Medizin der Zukunft. Im BiotechPark Berlin-Buch zeigen Spin-offs der Forschungseinrichtungen, wie aus Wissenschaft Wirtschaft wird.

Im Rahmen der Unternehmenstour „Made in Berlin“ besuchte Stephan Schwarz, Senator für Wirtschaft, Energie und Betriebe des Landes Berlin, gemeinsam mit Staatsekretär Michael Biel am 17. August 2022 erfolgreiche Unternehmen des BiotechParks und informierte sich über vielversprechende Ausgründungsprojekte von Forschungsteams am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin.

Enges Netzwerk für die Gesundheit
Am Gesundheitsstandort Berlin-Buch verbinden sich seit Jahrzehnten Forschen und Heilen, Erfinden und Therapieren. Hier arbeiten etablierte Unternehmen neben Start-ups in den Life Sciences, wirken Ärzte- und Forschungsteams Hand in Hand. International renommierte Forschungseinrichtungen wie das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), die Charité – Universitätsmedizin, das Berlin Institute of Health in der Charité (BIH) sowie Biotechnologieunternehmen und Kliniken bilden ein Netzwerk. Aufbauend auf ersten Ausgründungen zu Beginn der neunziger Jahre, gehört der Campus heute zu den größten BiotechParks in Europa. Mit klarem Fokus auf Biomedizin bildet er die komplette Wertschöpfungskette von der Erkenntnis über die Entwicklung bis zur Produktion marktfähiger Innovationen ab und besitzt ein herausragendes Wachstumspotenzial.

Seit 1992 wurden auf dem Campus mehr als 600 Millionen Euro von EU, Bund und Land in die Forschungs- und Biotech-Infrastruktur investiert. „Ganz entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg unseres Campus ist die enge Verbindung von Grundlagen- und klinischer Forschung, State-of-the-art-Technologieplattformen und dem Ziel, biomedizinische Erkenntnisse in die Anwendung zu bringen“, sagte Dr. Christina Quensel, Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft des Campus.

Sichtbares Zeichen für das anhaltende Wachstum ist der Neubau des Gründerzentrums BerlinBioCube im BiotechPark. Der „BerlinBioCube“ wird 2023 eröffnen und 8.000 Quadratmeter modernste Labor- und Bürofläche für Startups in der Biotechnologie, Medizintechnik und angrenzenden Bereichen bieten. Mit seiner Fertigstellung im nächsten Jahr können circa 30 Start-ups ihre Geschäftstätigkeit aufnehmen und bis zu 400 Arbeitsplätze schaffen. Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der Campus Berlin-Buch GmbH, und Dr. Quensel informierten die Besucher über Pläne für den Ausbau des Campus, die Erweiterung des Biotechparks auf ca. 9 ha in unmittelbarer Nähe, um die Expansion der Firmen vor Ort und zusätzliche Ansiedlung von Biotech-Unternehmen zu ermöglichen.

Made in Berlin – Made in Buch
Auf dem Programm stand der Besuch der Labore von T-knife, einer Ausgründung des MDC zusammen mit der Charité. T-knife, dessen Technologie für neuartige Immuntherapien gegen Krebs auf jahrzehntelanger Grundlagenforschung am MDC beruht, gehört zu den erfolgreichsten Start-ups in der Biotech-Szene. Das junge Unternehmen ist in der Lage, die T-Zellen der Patient:innen so zu verändern, dass sie Krebszellen als Eindringlinge identifizieren können. Das Ziel von T-knife ist es, Krebserkrankungen mit Hilfe genetisch veränderter Immunzellen zu heilen. 2021 konnte T-knife 110 Millionen Dollar von internationalen Investoren einwerben.

Die zweite Station führte zur emp Biotech GmbH. Das Unternehmen wurde 1993 gegründet und gehörte zu den ersten im BiotechPark. Stark gewachsen, ist emp Biotech heute ein führender Hersteller von Reagenzien für die Oligonukleotidsynthese, Feinchemikalien und Chromatographie-Materialien – Produkte für die frühe Phase der Forschung und Entwicklung bis hin zur großtechnischen Herstellung in der pharmazeutischen und biotechnologischen Industrie.

Am Max-Delbrück-Centrum stellten der Wissenschaftliche Vorstand Prof. Thomas Sommer (komm.) und die Forscherinnen PD Dr. Uta Elisabeth Höpken und Dr. med. Verena Schöwel-Wolf zwei vielsprechende Ausgründungsprojekte vor. So entwickelt die Arbeitsgruppe von Uta Höpken mittels Designer-Immunzellen eine zelluläre Immuntherapie, die Leukämien und Lymphome spezifischer bekämpfen kann. Das Start-Up-Projekt MyoPax des MDC-Charité-Teams von Prof. Simone Spuler, das Dr. Schöwel-Wolf präsentierte, nutzt seine innovative Muskelstammzelltechnologie zur Entwicklung regenerativer Therapien für bisher unheilbare Muskelkrankheiten.  „Wir fördern am MDC systematisch solche innovativen Projekte und Spin-offs. Wir wollen unsere Forschung schnell zu den Patient:innen bringen und ermutigen in diesem Sinne zu einer Entrepreneurship-Kultur“, sagte Thomas Sommer.

Zum Abschluss besuchten Wirtschaftssenator Schwarz und Staatssekretär Biel die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG, die ihren Ursprung ebenfalls auf dem Campus hat und heute mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie gehört. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung und ist im SDAX der Deutschen Börse gelistet.

Abschließend sagte Wirtschaftssenator Stephan Schwarz: "Ich bin fasziniert, diesen Biotechnologie- und Life Science Standort in Berlin zu haben. Er ist sicherlich einer der Treiber der wirtschaftlichen Entwicklung."

Hintergrundinformationen
Der Campus Berlin‐Buch ist ein moderner Wissenschafts‐, Gesundheits‐ und Biotechnologiepark. Alleinstellungsmerkmale sind der klare inhaltliche Fokus auf Biomedizin und das enge räumliche und inhaltliche Zusammenwirken von Forschungsinstituten, Kliniken und Biotechnologie‐Unternehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erforschung molekularer Ursachen von Krebs,‐ Herzkreislauf‐ und neurodegenerativen Erkrankungen, eine interdisziplinär angelegte Grundlagenforschung zur Entwicklung neuer Therapien und Diagnoseverfahren, eine patientenorientierte Forschung und die unternehmerische Umsetzung biomedizinischer Erkenntnisse.
Dank exzellenter Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen im BiotechPark hat der Campus ein herausragendes Innovations‐ und Wachstumspotenzial. Dazu gehören als Einrichtungen der Grundlagenforschung das Max‐Delbrück‐Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz‐Gemeinschaft (MDC) und das Leibniz‐Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), das gemeinsam von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin betriebene und auf klinische Forschung spezialisierte Experimental and Clinical Research Center (ECRC) sowie das Berlin Institute of Health (BIH). Seit 1992 sind über 600 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln durch die EU, den Bund und das Land Berlin in den Campus Berlin‐Buch investiert worden, um diese Synergien zu unterstützen.

Der BiotechPark Berlin‐Buch gehört mit 73 Unternehmen, 820 Beschäftigten und rund 31.000 Quadratmetern Büro‐ und Laborfläche zu den führenden Technologieparks in Deutschland. Ausgründungen im Bereich der Life Sciences finden hier ideale Bedingungen, vom Technologietransfer bis hin zu branchenspezifischen Labor‐ und Büroflächen. Die Life Science Community vor Ort ermöglicht einen direkten Austausch und gemeinsame Projekte. Der BiotechPark trägt maßgeblich zur dynamischen Entwicklung der Biotechnologie‐Region Berlin‐ Brandenburg bei und stärkt in besonderem Maße die industrielle Gesundheitswirtschaft.

Als Betreibergesellschaft des Campus ist die Campus Berlin‐Buch GmbH (CBB) Partner für alle dort ansässigen Unternehmen und Einrichtungen. Biotechnologieunternehmen – von Start‐ups bis zu ausgereiften Firmen – anzusiedeln, zu begleiten und in allen Belangen zu unterstützen, gehört zu ihren wesentlichen Aufgaben. Hauptgesellschafter der CBB ist mit 50,1 % das Land Berlin. Weitere Gesellschafter sind das Max‐Delbrück‐Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz‐Gemeinschaft (29,9 %) und der Forschungsverbund Berlin e.V. für das Leibniz‐Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (20 %).
 
Zukunftsorte sind Standorte, an denen vor Ort Netzwerkstrukturen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft existieren bzw. geschaffen werden sollen. Der tatsächlich gelebte Austausch und die Kooperationen von Wirtschafts-, Forschungs-, und Technologieeinrichtungen fördern die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Wirtschaft. Zukunftsorte generieren Wachstum basierend auf zukunftsweisenden Produkten durch wertschöpfende Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe fördert diesen europaweit einzigartigen Zusammenschluss u. a. durch die gemeinsame Geschäftsstelle der Zukunftsorte Berlin. Näheres dazu: www.businesslocationcenter.de/zukunftsorte
www.campusberlinbuch.de

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.
www.mdc-berlin.de

produzieren / 11.08.2022
Eckert & Ziegler mit erfolgreichem ersten Halbjahr 2022

Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, SDAX) konnte ihren Umsatz im ersten Halbjahr um 19% auf 106,8 Mio. EUR steigern. Der Nettogewinn lag mit 15,4 Mio. EUR unter dem Vorjahreszeitraum, in dem der Verkauf und die damit verbundene Entkonsolidierung der Tumorgerätesparte Sondererträge in Höhe von ca. 9,4 Mio. EUR generierte. Bereinigt um diesen Einmaleffekt erhöhte sich das Konzernergebnis der Aktionäre der EZAG im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 20% von 12,8 auf 15,4 Mio. EUR. Zu diesem Ertragsanstieg trugen gestiegene Umsätze mit industriellen Produkten und Radiopharmazeutika sowie günstige Wechselkurse bei.

Das Segment Isotope Products erzielte mit 68,2 Mio. EUR einen um 17,9 Mio. EUR (36%) gestiegenen Umsatz gegenüber den ersten sechs Monaten 2021. Fast alle Hauptproduktgruppen trugen zu dieser guten Entwicklung bei, insbesondere die industriellen Komponenten und das Entsorgungsgeschäft. Rund 4,7 Mio. EUR des Anstiegs sind auf die Akquisition der argentinischen Gesellschaft Tecnonuclear SA zurückzuführen. 3,7 Mio. EUR begründeten sich in einem günstigen US-Dollar Wechselkurs.

Die Umsätze im Segment Medical lagen im ersten Halbjahr mit 41,7 Mio. EUR auf Vorjahresniveau. Unter Berücksichtigung der durch die Entkonsolidierung der Tumorgerätesparte entfallenen Umsätze in Höhe von 1,1 Mio. EUR konnte das Umsatzniveau im Vergleich zum Vorjahr allerdings leicht gesteigert werden.

Die Ergebnisse des ersten Halbjahres entsprechen den Erwartungen des Vorstands. Für das Geschäftsjahr 2022 rechnet der Vorstand mit einem Umsatz von rund 200 Mio. EUR und einem Jahresüberschuss von rund 27 Mio. EUR. Die Prognose steht unter dem Vorbehalt, dass aus den Entwicklungen in der Ukraine weiterhin keine größeren Verwerfungen resultieren.

Den vollständigen Quartalsbericht finden Sie hier:
https://www.ezag.com/fileadmin/user_upload/ezag/investors-financial-reports/deutsch/euz222d.pdf

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den führenden Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet weltweit an seinen Standorten Dienstleistungen und Produkte im Bereich der Radiopharmazie an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im SDAX der Deutschen Börse gelistet.
 

Quelle: Press Release EZAG
Eckert & Ziegler mit erfolgreichem ersten Halbjahr 2022

www.ezag.com

forschen, produzieren, leben, heilen / 28.07.2022
Bausenator Geisel zu Gast am Zukunftsort Berlin-Buch

Bezirksbürgermeister Sören Benn und Bausenator Andreas Geisel vor dem Neubau der Grundschule Karower Chaussee (Foto: Jonas Teune / BA Pankow)
Bezirksbürgermeister Sören Benn und Bausenator Andreas Geisel vor dem Neubau der Grundschule Karower Chaussee (Foto: Jonas Teune / BA Pankow)

Heute besuchte Bausenator Geisel auf Einladung des Bezirksbürgermeister Sören Benn den Zukunftsort Berlin-Buch. Der Stadtteil wird in den nächsten Jahren nachhaltig erneuert – Gesundheitswirtschaft, Wohnen und Leben werden wachsen. Auf einer Radtour zeigten Sören Benn und Bezirksstadträtin Rona Tietje dem Bausenator daher die Bereiche, die sich besonders stark entwickeln werden.

Start war auf dem Wissenschafts- und Technologiecampus. Dr. Christina Quensel und Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführende der Campus Berlin-Buch GmbH, stellten die Potenziale des biomedizinischen Campus vor, auf dem aus Wissenschaft Wirtschaft wird. Der BiotechPark gehört mit 73 Firmen zu den größten in Europa. Aktuell entsteht ein neues Gründerzentrum BerlinBioCube, in dem Start-ups bis zu 400 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen können. Der Bedarf nach zusätzlichen Flächen für Biotech-Firmen ist groß: Auf der benachbarten Brunnengalerie soll der Campus deshalb auf einer Fläche von 9 ha für forschungsnahes Gewerbe erweitert werden.

Die Tour führte über die Brunnengalerie nach Buch Süd und zur Fläche Am Sandhaus, wo zwei neue nachhaltige Quartiere mit 3.500 Wohnungen geplant sind. Das Ludwig Hoffmann Quartier wächst noch um 500 Wohnungen. Aktuell entsteht eine neue Grundschule, und es werden weitere Schulen, Kitas und ein Bildungs- und Integrationszentrum entstehen. Auch die Infrastruktur mit Parks, Radwegen wird erneuert.

„Wohnen, Gewerbe und Wissenschaft zusammenzubringen – das hat schon Potenzial", sagte Senator Geisel. „Es war ein anregender Austausch über konkrete Projekte vor Ort. Berlin braucht mehr bezahlbare Wohnungen, aber auch soziale Infrastruktur und Freiflächen. Meine Verwaltung und das Bezirksamt Pankow arbeiten eng zusammen, um all das hier in Buch entstehen zu lassen.“

www.campusberlinbuch.de

forschen / 24.07.2022
Ungebremst gegen den Blutkrebs

Armin Rehm und Uta Höpken wollen die Immunabwehr gegen Krebs verbessern. Was bislang nur im Mausmodell möglich war, zeigen die Forschenden nun in menschlichen Zellen – die Ergebnisse in „Molecular Therapy“ erhöhen die Chancen auf eine hochwirksame Immuntherapie gegen Blutkrebs.

Für Menschen mit bestimmten Leukämieformen, Lymphomen oder Multiplem Myelom, sind sie manchmal die letzte Chance, den Krebs zu besiegen: Behandlungen mit chimären Antigenrezeptor-T-Zellen, kurz: CAR-T-Zellen. Dazu werden den Patient*innen T-Zellen aus dem Blut entnommen, um diese außerhalb des Körpers mit künstlich hergestellten Rezeptoren, den CARs auszustatten. Als Wächter des Immunsystems patrouillieren T-Zellen permanent durch Gefäße und Gewebe, um körperfremde Strukturen aufzuspüren. Durch die CARs können sie zusätzlich ganz bestimmte Oberflächenstrukturen auf Krebszellen erkennen. Via Infusion dem oder der Patient*in zurückgegeben, zirkulieren sie dann als „lebendes Medikament“ im Körper, binden hochspezifisch an Tumorzellen und zerstören sie.

Die veränderten Immunzellen verbleiben dauerhaft im Organismus, vermehren sich und treten erneut in Aktion, wenn der Krebs wieder aufflammen sollte – so die Theorie. Doch in der Praxis kommt es bei vielen Patient*innen trotzdem zu einem Rückfall. Denn den Tumorzellen gelingt es durch einen Trick, die CAR-T-Zellen auszubremsen: Sie bilden vermehrt das Protein EBAG9, kurbeln aber auch dessen Synthese in den T-Zellen an. In den Immunzellen hemmt EBAG9 die Ausschüttung von zelltoxischen Enzymen – bremst also die gewünschte Immunreaktion aus.

Bereits im Juni 2022 zeigte ein Team um die Letztautor*innen Dr. Armin Rehm und Dr. Uta Höpken vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) im Fachjournal „JCI Insight“, dass die Immunantwort gegen die Krebszellen dauerhaft verstärkt wird, wenn sie bei Mäusen das EBAG9-Gen ausschalten. Bei den Nagern entwickelten sich außerdem mehr T-Memory-Zellen. Sie sind Teil des immunologischen Gedächtnisses, das nach dem ersten Kontakt mit einem Krebsantigen seine Reaktionsfähigkeit erhöht.

Nun konnten die Forschenden diese zentralen Ergebnisse auch in vitro bei menschlichen CAR-T-Zellen zeigen. Der entscheidende Schritt zur therapeutischen Anwendung sei damit gelungen, berichtet das Team jetzt in „Molecular Therapy“. „Ohne EBAG9 kommt es früher zu einem radikaleren Ausmerzen von Tumorzellen, was vermutlich nicht nur zu länger andauernden Therapieerfolgen führt, sondern auch echte Heilungschancen eröffnet“, sagt Rehm.

Bremse lösen in der Immuntherapie

Schon als das EBAG9-Gen entdeckt wurde, erkannten Wissenschaftler*innen, dass es bei Krebs eine wichtige Rolle spielt. Doch welche genau, blieb lange unklar. Als das MDC-Team 2009 in das Thema einstieg, stellte es zunächst fest, dass Mäuse, denen das Gen fehlte, viel leichter mit bakteriellen und viralen Infektionen fertig wurden als ihre Artgenossen und mehr T-Gedächtniszellen bildeten, die für die Tumorbiologie besonders interessant sind.

2015 gelang es dann Erstautorin Dr. Anthea Wirges, die Synthese des Proteins EBAG9 mit Hilfe von Mikro-RNAs erfolgreich zu drosseln. Für die aktuelle Studie kultivierte die Forscherin auf diese Weise „enthemmte“ CAR-T-Zellen jeweils zusammen mit verschiedenen menschlichen Blut- oder Lymphdrüsenkrebszellen. Genau wie zuvor im Mausmodell wurde das Tumorwachstum deutlich stärker reduziert. Auch Rezidive entwickelten sich erst sehr viel später.

„Durch das Lösen der EBAG9-Bremse kann die genetisch veränderte T-Zelle mehr zytotoxische Substanzen ausscheiden. Sie entfacht aber keinen stärkeren Zytokinsturm, der eine typische Nebenwirkung der CAR-Therapie ist“, erklärt Wirges. Im Gegenteil: das Risiko lässt sich sogar minimieren, weil weniger Zellen als üblich verwendet werden müssen. „Das Ausschalten der Immunbremse funktioniert universell. Das können wir bei jeder CAR-T-Zelle anwenden, die wir herstellen – egal gegen welche Blutkrebsform sie gerichtet ist.“

Der nächste Schritt sind klinische Studien

Die erste Therapie bei Blutkrebs ist und bleibt aber weiterhin die Chemotherapie, dazu kommt eine klassische Antikörpertherapie, denn viele Patient*innen sprechen sehr gut darauf an. „Erst wenn der Krebs zurückkehrt, kommt die CAR-Therapie ins Spiel. Sie ist sehr kostspielig, weil sie ein individuelles zelluläres Produkt für nur einen einzigen Menschen ist“, sagt Höpken. Eines, mit dem man mit einer einmaligen Behandlung ein Leben retten kann.

An EBAG9 zeigt sich, wie wichtig es ist, in der Forschung durchzuhalten und einen langen Atem zu haben. Wirges ließ sich davon anspornen, dass am Ende ihrer Arbeit eine reale Chance für die klinische Anwendung steht. „Projekte wie dieses erlauben es, sich zunächst in der Grundlagenforschung Techniken anzueignen, um dann in der translationalen Forschung alles anzuwenden – bis hin zum toxikologischen Screening für die regulatorischen Prozesse“, ergänzt Rehm. An diesem letzten Punkt ist das Projekt nun angelangt: Im November werden die Forschenden ihr Konzept dem Paul-Ehrlich-Institut, der deutschen Zulassungsbehörde, vorstellen.

Aus Tiermodellen und in vitro-Experimenten mit menschlichen Zellen weiß das Team mittlerweile, dass die gelöste EBA9-Bremse sehr wirksam ist, aber nicht zu mehr Nebenwirkungen führt als die herkömmliche CAR-T-Zelltherapie. „Nun braucht es mutige Klinikerinnen und Kliniker und einen Partner für die Finanzierung der klinischen Studien“, sagt Rehm. Wenn alles gut geht, könnte die ungebremste CAR-T-Zelltherapie bereits in zwei Jahren Patient*innen zur Verfügung stehen.

Weiterführende Informationen

Literatur:

Anthea Wirges et al. (2022): „EBAG9-silencing exerts an immune checkpoint function without aggravating adverse effects“. Molecular Therapy, DOI: 10.1016/j.ymthe.2022.07.009

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

Quelle: Pressemitteilung MDC
Ungebremst gegen den Blutkrebs

forschen / 22.07.2022
Die Reparaturtricks des Zebrafischs

Bild: AG Panáková, MDC
Bild: AG Panáková, MDC

Zebrafische können zerstörtes Herzmuskelgewebe regenerieren. Dabei spielen Bindegewebszellen eine wichtige Rolle, die vorübergehend in einen aktivierten Zellzustand übergehen. Das berichten MDC-Forscher*innen um Jan Philipp Junker und Daniela Panáková im Magazin „Nature Genetics“.

Wenn ein Mensch einen Herzinfarkt erleidet und nicht schnell behandelt wird, sterben durch den Sauerstoffmangel geschädigte Herzmuskelzellen ab. Es bildet sich Narbengewebe. Weil sich daraus keine neuen Herzmuskelzellen (Kardiomyozyten) entwickeln können, sinkt die Pumpleistung des Herzens. Ganz anders bei niederen Wirbeltieren wie dem Zebrafisch: Er kann Organe regenerieren – auch sein Herz.

„Wir wollten wissen, wie der kleine Fisch das macht und ob wir daraus lernen können“, sagt Professor Jan Philipp Junker, Leiter der Arbeitsgruppe „Quantitative Entwicklungsbiologie“ am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in Berlin. Zusammen mit Dr. Daniela Panáková, die am MDC die AG „Elektrochemische Signalübertragung in der Entwicklung und bei Krankheiten“ leitet, simulierten die Wissenschaftler*innen infarktähnliche Verletzungen am Zebrafischherz. Anhand von Einzelzellanalysen und Zellstammbäumen verfolgten sie, wie sich die Herzmuskelzellen regenerierten. Ihre Beobachtungen beschreiben sie nun im Fachmagazin „Nature Genetics“.

Beim Menschen stoppt der Prozess

Zunächst berührten sie das nur einen Millimeter große Fischherz unter dem Mikroskop für wenige Sekunden mit einer kalten Nadel. Das betroffene Gewebe stirbt dort ab. Genau wie bei Infarktpatient*innen kommt es zunächst zu einer Entzündungsreaktion, dann bildet sich eine Narbe aus Bindegewebszellen, den Fibroblasten. „Überraschenderweise ist die unmittelbare Antwort auf die Verletzung ganz ähnlich. Doch während der Prozess beim Menschen an dieser Stelle stoppt, geht er beim Fisch weiter. Es bilden sich neue kontraktionsfähige Kardiomyozyten“, erklärt Junker.

„Wir wollten wissen, welche Signale von anderen Zellen kommen und dazu beitragen, diese Regeneration zu steuern“, fährt er fort. Mithilfe der Einzelzell-Genomik durchsuchte Junkers Team das verletzte Herz nach Zelltypen, die es im gesunden Fischherz nicht gibt. Die Forscher*innen fanden dabei drei neue Fibroblasten-Varianten, die vorübergehend in einen aktivierten Zellzustand übergehen. Äußerlich identisch mit den üblichen Fibroblasten, lesen diese aktivierten Zellen eine ganze Reihe von zusätzlichen Genen ab, die für die Bildung von Proteinen zuständig sind – unter anderem Bindegewebsfaktoren wie das Kollagen-12.

Fibroblasten geben Signal für Regeneration

Die Narbenbildung (Fibrose) wird beim Menschen eigentlich als Hindernis für die Regeneration des Herzens angesehen. Aber die Bindegewebszellen sind anscheinend für den Prozess wichtig, sobald sie vorübergehend in einen aktivierten Zustand übergehen. Wie wichtig zeigte sich, als Daniela Panáková mit Hilfe eines genetischen Tricks die Kollagen-12-bildenden Fibroblasten im Zebrafisch gezielt ausschaltete. Die Regeneration blieb aus. Dass es ausgerechnet Fibroblasten sind, die Signale für die Reparatur geben, ist aus Junkers Sicht sogar sinnvoll. „Denn sie entstehen ja genau am Ort der Verletzung“, sagt der Zellbiologe.

Um den Ursprung dieser aktivierten Fibroblasten zu finden, erstellte Junkers Team mithilfe einer 2018 in seinem Labor entwickelten Technik namens LINNAEUS Zellstammbäume. Die Technik beruht auf Narben im Erbgut, deren Kombination wie ein Barcode für die Herkunft jeder Zelle funktioniert. „Dieser Barcode entsteht mithilfe der Genschere CRISPR/Cas9. Wenn nach der Verletzung zwei Zellen die gleiche Barcodesequenz aufweisen, müssen sie miteinander verwandt sein“, erläutert Junkers das Prinzip. Die Wissenschaftler*innen machten zwei Quellen für vorübergehend aktivierte Fibroblasten aus: die äußere Herzgewebsschicht, das Epikard, und die innere, das Endokard. Zellen, die Kollagen-12 produzieren, fanden die Forschenden ausschließlich im Epikard.

Intensive Zusammenarbeit verschiedener Forschungsdisziplinen

Für die Studie arbeiteten mehrere MDC-Wissenschaftler*innen Hand in Hand – angefangen bei den Versuchen mit den Fischen über die Genanalyse bis hin zur bioinformatischen Interpretation der Ergebnisse. „Das Spannendste war für mich zu sehen, wie gut sich unsere Disziplinen ergänzen und wie sich die Resultate der Bioinformatik an einem lebenden Tier verifizieren lassen“, sagt Sara Lelek, Erstautorin der Studie und verantwortlich für die Tierversuche. „Es war ein großes Projekt, zu dem jeder sein Fachwissen beitragen konnte. Ich denke, das macht die Studie so umfassend und nützlich für viele Forschende.“

Dr. Sebastiaan Spanjaard, ebenfalls Erstautor, sieht das ähnlich. „Aufgrund unserer sehr verschiedenen Expertisen mussten wir uns regelmäßig gegenseitig unsere Experimente und Analysen erklären. Die Herzregeneration ist ein komplexer Prozess mit vielen Einflüssen. Die Datenmengen, die bei den Experimenten herauskommen, sind riesig. Daraus die richtigen biologischen Signale herauszufiltern, war eine große Herausforderung.“ 

Noch ist unklar, ob es dem geschädigten Herz von Säugetieren wie Mensch und Maus an entsprechenden Signalen fehlt – oder an der Fähigkeit, die Signale auszulesen. Fehlende Signale ließen sich wohl irgendwann durch entsprechende Medikamente imitieren. Eine fehlende Signalinterpretation nachzustellen, wäre sehr viel schwieriger, meint Jan Philipp Junker. 

Fibroblasten auch an neuen Blutgefäßen beteiligt

Als nächstes wollen die Forschenden sich die Gene genauer ansehen, die die vorübergehend aktivierten Fibroblasten besonders oft ablesen. Bekannt ist, dass darunter etliche sind, die für die Ausschüttung von Proteinen in die Umgebung wichtig sind. Darunter könnten Faktoren sein, die auch die Kardiomyozyten beeinflussen. Zudem gibt es erste Hinweise, dass die regenerationsfördernde Funktion dieser Fibroblasten im aktivierten Zellzustand nicht nur auf die Herzmuskelzellen, sondern auch auf die Bildung neuer Blutgefäße abzielt, die das Herzgewebe mit Sauerstoff versorgen.

Weiterführende Informationen

AG Quantitative Entwicklungsbiologie

AG Elektrochemische Signalübertragung in der Entwicklung und bei Krankheiten

Zwei ERC-Consolidator-Grants für MDC-Forscher

Wie Zellen Entscheidungen treffen

Literatur

Bo Hu et al (2022): „Origin and function of activated fibroblast states during zebrafish heart regeneration”. Nature Genetics, DOI: 10.1038/s41588-022-01129-5

Foto: Der Zebrafisch ist ein hervorragendes Modell, um die Regeneration zu untersuchen. Rechts: Ausgewachsener Zebrafisch unter dem Mikroskop. Links: Sieben Tage nach der Kryoverletzung lokalisieren sich im Zebrafischherz transient aktivierte Fibroblasten im Bereich der Verletzung. Bild: AG Panáková, MDC

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

Quelle: Pressemitteilung MDC
Die Reparaturtricks des Zebrafischs

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investieren / 21.07.2022
Eckert & Ziegler Affiliate Receives Further NIAID Funding for Clinical Development

Myelo Therapeutics GmbH, an Affiliate of Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, SDAX), has announced that the U.S. National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), part of the National Institutes of Health, extended their contract to advance the development of the new chemical entity Myelo001 to mitigate the acute radiation syndrome. The extension into year three of the three-year contract provides additional $ 2 million USD to Myelo Therapeutics to develop clinical-stage Myelo001 as an oral formulation MCM for the treatment of Hematopoietic Acute Radiation Syndrome (H-ARS). Initially awarded in April 2020, the total contract is valued at up to $ 6.5 million USD over three years, extending until March 2023.

About Acute Radiation Syndrome: ARS, also known as radiation toxicity or radiation sickness, is an acute illness that presents after exposure of large portions of the body to high levels of radiation, like those that might be experienced during a radiological or nuclear incident or attack. The primary manifestation of ARS is the depletion of hematopoietic stem and progenitor cells, constituting one of the major causes of mortality.

About Myelo001: Myelo001 is a clinical-stage, adjuvant cancer therapy for the treatment of chemotherapy- and radiotherapy-induced myelosuppression. It is delivered as an oral tablet formulation and can be stored at room temperature. Preclinical and clinical studies have shown that Myelo001 has prophylactic and therapeutic efficacy in reducing hematopoietic symptoms caused by radiation and chemotherapy. In irradiated mice and rabbits, Myelo001 reduced the nadir and accelerated the recovery of neutrophils, lymphocytes, thrombocytes, and erythrocytes. In mice, treatment 24 hours post-total body irradiation resulted in increased survival, faster bone marrow recovery, and reduced body weight loss. Moreover, Myelo001 treatment prior to and after chemotherapy led to the accelerated recovery of blood cells in human subjects. Comprehensive chronic toxicology and safety studies, as well as clinical studies, have confirmed Myelo001’s excellent safety profile.

About Eckert & Ziegler: Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG with its 900 employees, is a leading global specialist for isotope-related applications in nuclear medicine, industry, and radiation therapy. The company offers a broad range of services and products along the radioactive value chain, from early development work to contract manufacturing and distribution. Eckert & Ziegler shares (ISIN DE0005659700) are listed in the SDAX index of Deutsche Börse.

About Myelo Therapeutics: Myelo Therapeutics GmbH is a clinical-stage pharmaceutical company focused on developing medical countermeasures (MCM) and therapies for cancer supportive care in areas of high unmet medical needs, among them Radiation-Induced Myelosuppression (RIM), Acute Radiation Syndrome (ARS), and Chemotherapy-Induced Myelosuppression (CIM).

Quelle: Press Release EZAG
Eckert & Ziegler Affiliate Receives Further NIAID Funding for Clinical Development

forschen / 21.07.2022
Profiling für Zellen

Einzelzellanalysen liefern eine Fülle molekularer und genetischer Informationen. Mit Hilfe des maschinellen Lernens führt ein Team um MDC-Forscher Uwe Ohler diese Daten zusammen und erstellt aussagekräftige Profile der Zellen. Die Chan Zuckerberg Initiative (CZI) fördert das Projekt nun.

Trotz ihrer winzigen Größe ist jede einzelne Zelle ausgesprochen komplex. So liest sie etwa aus riesigen DNA-Bibliotheken im Zellkern die Erbinformationen aus, die sie gerade benötigt, übersetzt sie in RNA und schließlich in eine große Vielfalt an Proteinen. Mit unterschiedlichen Techniken lassen sich heute die Eigenschaften und Zustände von Zellen in einem nie ereichtem Detailreichtum charakterisieren. So können Wissenschaftler*innen etwa die DNA und ihre zugehörigen Genschalter auslesen, die RNA analysieren oder die unterschiedlichen Proteine und ihre Formen ermitteln. Das Problem dabei: man hat am Ende riesige Datenmengen, die vollkommen unterschiedliche Aspekte der Zelle beschreiben. Und selbst wenn es sich eigentlich um die gleichen Informationen vom gleichen Zelltyp handelt, unterscheiden sich die Daten voneinander – abhängig davon, in welchem Labor, zu welchem Zeitpunkt und mit welcher Technik sie gewonnen wurden. 

 Ein Modell der Zelle 

Die Arbeitsgruppe „Computational Regulatory Genomics“ von Professor Uwe Ohler am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB), das zum Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) gehört, will Abhilfe schaffen. Das Team arbeitet an computergestützten Methoden, die diese Daten automatisch in ein Modell der Zelle zusammenführen und analysieren, ohne dass man diese im Vorfeld entsprechend aufbereiten muss. Dazu nutzen die Forscher*innen Methoden des maschinellen Lernens, eines Bereiches der künstlichen Intelligenz. Die Entwicklung der Datenaufbereitung und -analyse wird nun von der Chan Zuckerberg Initiative (CZI) gefördert. Mit der CZI finanzieren der Facebook-Gründer Marc Zuckerberg und Priscilla Chan seit 2015 Projekte in Wissenschaft und Forschung, Bildung sowie in sozialer Gerechtigkeit und Inklusion.

Das Zusammenführen der unterschiedlichen Daten soll detailreiche molekulare Profile von einzelnen Zellen und Zelltypen ermöglichen und so konkrete Fragen beantworten, zum Beispiel: Welche Merkmale charakterisieren einen bestimmten Zelltyp? Ist die Zelle gesund oder krank? Wie kann ich aus den abgelesenen Genen, also der Genexpression, auf die Menge von bestimmten Oberflächenproteinen schließen? Welche regulatorischen DNA-Abschnitte spielen bei Erbkrankheiten eine Rolle? 

Wenn es um die Charakterisierung der Zelltypen geht, hat die Gruppe schon einige Antworten parat. So gelang es etwa Pia Rautenstrauch aus der AG Ohler, drei verschiedene Datentypen zur Genregulation derartig miteinander zu kombinieren, dass sie die biologisch relevanten Daten der jeweiligen Zellen herausfiltern konnte. Das Rauschen – also Unterschiede, die zum Beispiel allein auf der Messtechnik beruhten und die Interpretation der Daten erschweren – vernachlässigte ihr Deep-Learning-Modell dagegen. Mit dem Modell war Rautenstrauch im Winter 2021 auf dem NeurIPS-Wettbewerb erfolgreich. In einem anderen Projekt kategorisierten die Wissenschaftler*innen um Ohler mit selbstlernenden Algorithmen die Datensätze von Genschaltern im Zebrafisch. Sie wollten herausfinden, welche Schalter es bei welchem Zelltyp gibt.

Ökosystem für die Datenanalyse

„Die CZI hat großes Interesse an solchen Methoden zur automatisierten Datenintegration. Sie fördert ja ein umfangreiches Netzwerk biomedizinischer Labore“, sagt Ohler. Programme wie die von Ohlers Arbeitsgruppe sollen die vielschichtigen Daten der Forschungsgruppen zusammenführen und deren gemeinsame Analyse ermöglichen. Das Ziel sei letztlich „ein großes Ökosystem für Analyseplattformen, das dann allen Interessierten zur Verfügung gestellt wird“, sagt Ohler. Schließlich könnten die entwickelten Methoden und Prinzipien auf ganz andere Forschungsfelder übertragen werden, sagt Ohler. Denkbar sei zum Beispiel die Integration von unterschiedlichen Satellitenmessdaten, die verschiedene Wellenlängen abdecken. Auch in solchen Fällen müsse man die Informationen sinnvoll zusammenführen, um ein aussagekräftiges Gesamtbild zu erhalten.

Weiterführende Informationen

Chan Zuckerberg Initiative: Project Summary

AG Ohler

Mit Deep Learning durch den Daten-Dschungel

Eine detaillierte Genschalterkarte des Zebrafischs

Über die Chan Zuckerberg Initiative

Die Chan Zuckerberg Initiative wurde 2015 gegründet, um zur Lösung einiger der größten gesellschaftlichen Herausforderungen beizutragen – von der Ausrottung von Krankheiten über die Verbesserung der Bildung bis hin zu den Bedürfnissen unserer lokalen Gemeinschaften. Unsere Mission ist es, durch Zusammenarbeit, das Bereitstellen von Ressourcen und den Ausbau von Technologien, eine inklusivere, gerechtere und gesündere Zukunft für alle zu schaffen. Für weitere Informationen besuchen Sie bitte www.chanzuckerberg.com.

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de 

 

Quelle: Pressemitteilung MDC
Profiling für Zellen

www.mdc-berlin.de

produzieren / 20.07.2022
Eckert & Ziegler und PRECIRIX schließen Vereinbarung über vorrangige Belieferung mit dem therapeutischen Radioisotop Actinium-225 (Ac-225)

Eckert & Ziegler (ISIN DE0005659700, SDAX) und das belgische Biotech-Unternehmen PRECIRIX NV (PRECIRIX) haben einen Vertrag über die Lieferung von Actinium-225 unterzeichnet. Damit bekommt PRECIRIX vorrangigen Zugang zu Eckert & Zieglers hochreinem, trägerfreiem Actinium-225, das für die Markierung von Prüfarzneimitteln in der Radionuklidtherapie eingesetzt wird.

„Bisher wird die klinische Forschung und die kommerzielle Nutzung von Actinium-225 durch die Knappheit dieses Radioisotops begrenzt. Wir freuen uns daher über die Zusammenarbeit mit PRECIRIX und darüber, die Hersteller von Radiopharmazeutika mit diesem vielversprechenden therapeutischen Radioisotop versorgen zu können“, erklärt Dr. Lutz Helmke, Mitglied des Vorstands und Betriebsvorstand für das Segment Medical. „Dank unserer Kooperation mit dem kernphysikalischen Institut der tschechischen Akademie der Wissenschaften (UJF) ist die erste Produktion von Actinium-225 in radiochemischer Qualität für Ende 2023 geplant. Wir gehen davon aus, dass wir anschließend einen Drug Master File bei der FDA (USA) einreichen werden, um Actinium-225 in cGMP-Qualität zu produzieren.

"Precirix entwickelt neuartige Präzisions-Radiopharmazeutika mit Single-Domain-Antikörpern, um den hohen ungedeckten Bedarf bei der Behandlung solider Tumore zu decken. Unser Ziel ist es, den Wert sowohl von Alpha- als auch von Beta-emittierenden Radionukliden in unserer breiten Pipeline von Produktkandidaten zu erschließen", erklärte Ruth Devenyns, Vorstandsvorsitzende von Precirix. "Wir freuen uns besonders, einen erfahrenen Radioisotopenspezialisten wie Eckert & Ziegler an unserer Seite zu haben, um unsere ambitionierten Entwicklungspläne zu unterstützen.

Actinium-225 wird als Wirkstoff in der Krebsbehandlung eingesetzt. Das Radioisotop emittiert leistungsstarke, hochenergetische Alpha-Partikel mit kurzer Eindringtiefe, die eine präzise Behandlung von Tumorzellen, einschließlich schwer zu erfassender Mikrometastasen, mit minimalen Auswirkungen auf das umgebende gesunde Gewebe ermöglichen. Hierzu wird Actinium-225 mit einem geeigneten Träger (z.B. einem Antikörper oder Peptid) kombiniert, der spezifisch an Krebszellen bindet und diese damit selektiv bekämpft. Momentan werden Radiopharmazeutika auf Basis von Actinium-225 in vielen klinischen Indikationen getestet, u.a. gegen Prostatatumore, Darmkrebs und Leukämie. Experten erwarten, dass der Bedarf an Actinium-225 in der nächsten Dekade exponentiell zunimmt.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im SDAX der Deutschen Börse gelistet.
Wir helfen zu heilen.

Über PRECIRIX
Precirix ist ein privates biopharmazeutisches Unternehmen im klinischen Stadium, das 2014 als Spin-off der VUB gegründet wurde und sich der Verlängerung und Verbesserung des Lebens von Krebspatienten widmet, indem es Präzisionsradiopharmazeutika unter Verwendung von mit Radioisotopen markierten Kameliden-Antikörpern konzipiert und entwickelt. Das Unternehmen verfügt über eine breite Pipeline mit einem Produktkandidaten in einer klinischen Studie der Phase I/II und zwei weiteren im fortgeschrittenen präklinischen Stadium. Forschungen zu Mehrfachisotopen, Linker-Technologie und Kombinationstherapien erweitern die Plattform. Die Technologie von Precirix ermöglicht auch einen theranostischen Ansatz, bei dem Patienten mit einer niedrig dosierten/bildgebenden Version des Produkts ausgewählt werden können, gefolgt von einer therapeutischen Dosis für die Behandlung.

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forschen / 14.07.2022
Die Stunde der unerforschten Gensegmente

Unbekannte Gebiete im menschlichen Genom (Bild: Karen Arnott/EMBL-EBI)
Unbekannte Gebiete im menschlichen Genom (Bild: Karen Arnott/EMBL-EBI)

Etwa 7200 kaum erforschte Gensegmente aus dem menschlichen Erbgut fasst ein internationales Konsortium in „Nature Biotechnology“ zusammen und schlägt vor, wie man sie in die Humangenom-Datenbanken integrieren kann. Sie könnten zeigen, was den Menschen von anderen Tieren unterscheidet.

Als Forschende im Jahr 2001 mit dem Humangenomprojekt das Erbgut des Menschen vollständig entschlüsselt hatten, gab es eine große Überraschung: Sie hatten nur 20.000 Gene gefunden, die Proteine produzieren. Sollte der Mensch also nur etwa doppelt so viele Gene besitzen wie eine Fliege? Wissenschaftler*innen hatten mit erheblich mehr gerechnet.

Nun haben Forschende aus 20 Institutionen weltweit mehr als 7200 weitgehend unerforschte Genabschnitte zusammengefasst, die möglicherweise für neue Proteine kodieren. Sie haben dabei eine neue Technologie eingesetzt, die die proteinproduzierende Maschinerie in den Zellen im Detail untersucht, um mögliche Proteine beim Menschen zu finden. Das Humangenomprojekt mit all seinen Bemühungen, die menschlichen Gene zu beschreiben, war erst der Anfang, legt die neue Studie nahe. Das Forschungskonsortium möchte die wissenschaftliche Gemeinschaft dazu ermutigen, ihre Daten in die großen Humangenom-Datenbanken zu integrieren.

Vier gleichberechtigte Forscher haben die Studie, die nun in „Nature Biotechnology“ erschienen ist, geleitet: Dr. Jorge Ruiz-Orera vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in Deutschland, Dr. Sebastiaan van Heesch vom Prinses Máxima Centrum in den Niederlanden, Dr. Jonathan Mudge vom Bioinformatik-Institut am European Molecular Biology Laboratory (EMBL-EBI) in Großbritannien und Dr. John Prensner vom Broad Institute des MIT und Harvard in den USA.

Die neuen Gensequenzen blieben unsichtbar

In den letzten Jahren wurden Tausende, häufig sehr kleine „Open Reading Frames“ im menschlichen Genom entdeckt. Das sind Abschnitte im Erbgut, die Bauanleitungen für Proteine enthalten könnten. Mehrere Autor*innen der aktuellen Studie haben in der Vergangenheit bereits ORFs gefunden:  Van Heesch hat gemeinsam mit den Professoren Norbert Hübner und Uwe Ohler am MDC neue Mini-Proteine im menschlichen Herzen beschrieben und berichtete darüber 2019 in „Cell“; auch Prensner veröffentlichte 2021 zu ORFs in „Nature Biotechnology“. Keine dieser bislang nahezu unerforschten Segmente tauchten jedoch daraufhin in Referenzdatenbanken auf. Viele andere neu entdeckte Sequenzen, die Forschende weltweit z.B. in „Science“ oder „Nature Biochemical Biology“ beschrieben, blieben ebenfalls für den größten Teil der wissenschaftlichen Gemeinschaft unsichtbar – obwohl belegt ist, dass sie RNA-Moleküle produzieren, die daraufhin an die Proteinfabriken der Zelle, die Ribosome, binden.

Traditionell haben Wissenschaftler*innen proteinkodierende Abschnitte in Genen identifiziert, indem sie DNA-Sequenzen von mehreren Spezies miteinander verglichen. Denn die wichtigsten kodierenden DNA-Sequenzen blieben im Laufe der Evolution von Tieren erhalten. Mit dieser Methode fielen jedoch kodierende Sequenzen durchs Raster, die relativ jung sind, die also erst während der Entwicklung von Primaten entstanden sind. Sie fehlen in den Datenbanken.

Nun galt es also, die wenig beachteten ORFs in die größten Referenzdatenbanken zu integrieren, denn bislang musste man in der Literatur gezielt nach ihnen suchen, wenn man sie erforschen wollte. In einem ersten Schritt sammelte das internationale Forschungsteam Informationen zu Sequenzen, die mit dem „Ribosom-Profiling“ neu entdeckt wurden – diese Methode ermittelt, mit welchem Teil der Boten-RNA (mRNA) das Ribosom interagiert. Danach fügten sie die Daten zu einem standardisierten Satz zusammen. Keine leichte Aufgabe. Denn Daten aus unterschiedlichen Laboren, die auf verschiedenste Weisen gewonnen wurden, können nicht einfach so miteinander kombiniert werden.

Sobald dies geschafft war, beschäftigte sich das internationale Konsortium mit zentralen Fragen, die unsere Vorstellung vom menschlichen Genom prägen: Was ist ein Gen? Was ist ein Protein? Brauchen wir flexible Vorstellungen davon, ob Ribosomen immer ein Protein produzieren oder vielleicht auch ein ganz anderes zelluläres Signal?

Die Gruppe will nun die Humangenom-Datenbanken überarbeiten, die Forschende weltweit nutzen. Ensembl-GENCODE richtet den ORF-Katalog als Bestandteil ihrer Referenz-Annotation-Datenbank ein, viele weitere wie UniProt, HGNC, PeptideAtlas and HUPO wollen folgen.

Vermutlich tragen die ORFs zu Volkskrankheiten bei

„Unsere Forschung bringt das Verständnis des genetischen Aufbaus und der vollständigen Anzahl der Proteine im Menschen einen großen Schritt voran“, sagt van Heesch. „Es ist ungeheuer spannend, die Forschungsgemeinschaft mit unserem Katalog zu unterstützen.  Wir können zwar jetzt noch nicht sagen, dass es sich bei allen neuen Sequenzen wirklich menschliche Proteine repräsentieren. Fest steht jedoch, dass ein großer Teil des menschlichen Genoms noch unerforscht ist und die Welt dies zur Kenntnis nehmen sollte.“

„Viel zu lange wurde die wissenschaftliche Gemeinschaft über diese ORFs im Unklaren gelassen“, sagt Mudge. „Wir sind sehr stolz darauf, dass Forschende auf der ganzen Welt sie nun untersuchen können. Ab jetzt sind sie für alle Wissenschaftler*innen aus der Genomik und Medizin verfügbar – davon versprechen wir uns weitreichende Impulse.“

„Die meisten der 7200 ORFs aus unserem Katalog gibt es nur bei Primaten und stellen möglicherweise evolutionäre Neuerungen dar, die einzigartig sind für unsere Spezies,“ sagt Orera, Evolutionsbiologe und Wissenschaftler in Hübners Arbeitsgruppe. „Vielleicht verraten sie mehr darüber, was den Menschen wirklich ausmacht.“

Was kommt als nächstes? Prensner meint, dass „diese ORFs mit ziemlicher Sicherheit zu vielen menschlichen Merkmalen und Krankheiten beitragen, auch zu häufigen Krankheiten wie Krebs.“ Die Herausforderung bestehe nun darin, herauszufinden, welche ORFs bei welchen Krankheiten welche Rolle spielen.

Weiterführende Informationen

Unbekannte Mini-Eiweiße im Herzen

AG Hübner

Van Heesch Lab

Ohler Lab

GENCODE

GENCODE Ribo-seq ORFs

PeptideAtlas

GWIPS-viz

Openprot

RiboTaper

Literatur

Jorge Ruiz-Orera et al (2022): “A community-driven roadmap to advance research on translated open reading frames”. Nature Biotechnology, DOI: 10.1038/s41587-022-01369-0

Über das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin.

Über das Prinzessin-Máxima-Zentrum für pädiatrische Onkologie
Wenn ein Kind schwer an Krebs erkrankt ist, zählt nur eines: eine Heilung. Deshalb arbeiten wir im Prinzessin-Máxima-Zentrum für pädiatrische Onkologie mit Leidenschaft zusammen, um die Überlebenschancen und die Lebensqualität von krebskranken Kindern zu verbessern. Jetzt und auf lange Sicht. Denn Kinder haben ihr ganzes Leben noch vor sich. Das Prinzessin-Máxima-Zentrum für pädiatrische Onkologie ist kein gewöhnliches Krankenhaus, sondern ein Forschungskrankenhaus, das größte Zentrum für Kinderkrebs in Europa. Hier arbeiten mehr als 400 Wissenschaftler und 900 medizinische Fachkräfte eng mit niederländischen und internationalen Krankenhäusern zusammen, um neue Behandlungsmethoden und neue Perspektiven für eine Heilung zu finden. Auf diese Weise bieten wir den Kindern von heute die bestmögliche Behandlung und unternehmen wichtige Schritte zur Verbesserung der Überlebenschancen der Kinder, die noch nicht geheilt sind.

Über EMBL-EBI
Das Europäische Bioinformatik-Institut (EMBL-EBI) ist weltweit führend bei der Speicherung, Analyse und Verbreitung großer biologischer Datensätze. Wir helfen Wissenschaftlern, das Potenzial großer Datenmengen auszuschöpfen, indem wir ihre Fähigkeit verbessern, komplexe Informationen zu nutzen, um Entdeckungen zum Nutzen der Menschheit zu machen. Wir sind führend in der computergestützten biologischen Forschung und arbeiten an Methoden der Sequenzanalyse, der multidimensionalen statistischen Analyse und der datengesteuerten biologischen Entdeckung, von der Pflanzenbiologie bis zur Entwicklung von Säugetieren und Krankheiten. Wir sind Teil des EMBL und befinden uns auf dem Wellcome Genome Campus, einer der weltweit größten Konzentrationen von wissenschaftlichem und technischem Know-how im Bereich der Genomik.

Quelle: Gemeinsame Pressmitteilung des MDC, Prinses Máxima Centrum & EMBL-EBI
Die Stunde der unerforschten Gensegmente

www.mdc-berlin.de

produzieren / 12.07.2022
LegoChem Biosciences and Glycotope Announce Research Collaboration and License Agreement for an Antibody for use as Antibody Drug Conjugate

Seoul, South Korea, and Berlin, Germany - (July 12, 2022)

LegoChem Biosciences Inc. (LCB) and Glycotope GmbH (Glycotope) have signed a Research Collaboration and License Agreement to develop an antibody drug conjugate (ADC) by combining LCB's proprietary ADC technology with one of Glycotope's investigational tumor targeting antibodies.
Under the terms of the agreement LCB has the right to exercise its option for worldwide exclusive rights to develop and commercialize the selected antibody as ADC, upon successful completion of a feasibility study. If LCB exercises these rights, Glycotope will receive an upfront payment as well as development and sales milestone payments plus royalties. Specific financial terms have not been disclosed.

“Through this collaboration, once the candidate ADC is discovered and nominated, Glycotope and LCB plan to advance this very innovative program to clinical stage as a competitive cancer therapy,” said Dr. Yong-Zu Kim, CEO & President of LCB. “We are very pleased that companies with innovative antibody platforms, such as Glycotope have recognized the advantages of LCB’s linker-payload technology, which has been proven to be plasma stable as well as cancer-selectively activated.”

"This exciting collaboration with LegoChem further underlines the value of Glycotope’s unique technology platform and strengthens our leading position in the development of highly specific glyco-epitope targeting antibodies," added Henner Kollenberg, CEO, Glycotope.
“Our antibodies are designed to deliver increased tumor selectivity. Combining these with LCB’s ADC technology platform offers the opportunity to develop ADCs with potential to perform beyond today’s best standard of care,” said Patrik Kehler, CSO, Glycotope.

ADCs are a type of targeted cancer medicine that deliver cytotoxic chemotherapy ("payload") to cancer cells via a linker attached to a monoclonal antibody that binds to a specific target expressed on cancer cells. LCB's ADC platform technologies overcome the existing limitations of ADCs by imparting a trinity of improved properties, (1) site-specific stable bioconjugation (2) cancer selective linker activation and (3) cancer-selective activation of potent payload, all of which in a significantly broader Therapeutic Window.

Glycotope’s antibodies target specific tumor-associated carbohydrate structures or protein/carbohydrate combined glyco-epitopes (GlycoTargets). Targeting these specific antigens enables broad indication range, long-term treatment potential and reduced on-target/off tumor toxicity, key elements of highly potent therapies. Based on this unrivalled tumor-specificity, Glycotope’s antibodies are highly suitable for a multi-function platform approach with independent modes of action to provide a tailored therapy format for as many patients as possible. Contact Information: LegoChem Biosciences

About LegoChem Biosciences
LegoChem Biosciences (LCB, KOSDAQ: 141080) is a clinical-stage biopharmaceutical company focusing on the development of next-generation novel therapeutics utilizing its proprietary medicinal drug discovery technology LegoChemistry and ADC platform technology ConjuAll Since its foundation in 2006, LCB has focused on the research and development of Antibody-Drug-Conjugates (ADCs), antibiotics, anti-fibrotic and anticancer therapeutics based on proprietary platform technologies.

About Glycotope
Glycotope is a biotechnology company utilizing a proprietary technology platform to develop uniquely tumor-specific monoclonal antibodies. We combine expertise in glycobiology and antibody development to advance first-in-class therapeutics for oncology. Our antibodies target specific tumor-associated carbohydrate structures or protein/carbohydrate combined glyco-
epitopes (GlycoTargets). Based on their superior tumor-specificity, our antibodies are suitable for development in an array of different modes of action including naked antibodies, bispecifics, antibody-drug-conjugates, cellular therapies or fusion-proteins. Glycotope has to date discovered more than 200 GlycoTargets with antibodies against several of these targets currently under development. Visit http://www.glycotope.com/.

www.glycotope.com

produzieren / 06.07.2022
Eckert & Ziegler wird Auftragshersteller für klinische Entwicklungskandidaten basierend auf Lutetium-177 und Actinium-225

Eckert & Ziegler (ISIN DE0005659700, SDAX) hat mit dem US-amerikanischen Pharmaunternehmen Ratio Therapeutics Inc. einen Vertrag über die gemeinsame Entwicklung und darauffolgende Herstellung von innovativen radiopharmazeutischen Produkten auf der Basis von Lu-177 und Ac-225 unterzeichnet. Die Vereinbarung umfasst die Entwicklung eines validierten Herstellungsprozesses sowie die GMP-konforme Herstellung klinischer Prüfpräparate. Ratio Therapeutics wird hierfür ab Juli 2022 die neu errichteten GMP-Suiten am Eckert & Ziegler Produktionsstandort Boston, MA (USA) nutzen.

„Das wachsende Interesse an Radiopharmazeutika schafft einen enormen Bedarf an Expertise bei der Entwicklung und Herstellung von klinischen Prüfpräparaten. Durch die Notwendigkeit Kosten zu senken, hat die Pharmaindustrie in den letzten Jahren einen Paradigmenwechsel eingeläutet – vom vertikal integrierten Geschäftsmodell hin zu einem Lieferantennetzwerk. Mit unseren neuen GMP-Suites und unserem langjährigen Know-how unterstützen wir die Pharmaindustrie, ihre Radiopharmazeutika schneller an den Markt zu bringen“, erklärt Dr. Lutz Helmke, Mitglied des Vorstands und Betriebsvorstand für das Segment Medical bei Eckert & Ziegler.

"Mit Eckert & Ziegler haben wir einen etablierten Partner an unserer Seite, der über erstklassige radiopharmazeutische Fertigungskompetenzen für medizinische und wissenschaftliche Anwendungen verfügt," ergänzt Dr. Matthias Friebe, Chief Technology Officer bei Ratio Therapeutics. "Die Expertise von Eckert & Ziegler bei der Herstellung von Radiopharmazeutika sichert uns qualitativ hochwertige Produkte und eine solide Produktions- und Logistikkompetenz für unsere anstehenden klinischen Programme, bei denen wir gerade die Einreichung unseres ersten IND-Antrags (Investigational New Drug) vorantreiben."

Die Radioaktivlabore am Eckert & Ziegler Produktionsstandort in Boston, MA (USA) verfügen über Heißzellen für Alpha-, Beta- und Gammastrahler, Radiosynthese-, Qualitätskontroll- und weitere Geräte für die Produktion unter GMP-Bedingungen. Die anmietbaren Reinraumsuiten sind auf die Durchführung von Prozessen für die Herstellung von Radiopharmazeutika optimiert.

Mit der GMP-Anlage bietet Eckert & Ziegler sowohl regionalen als auch globalen Pharmaunternehmen einen One-Stop-Service für eine Vielzahl von radiopharmazeutischen Dienstleistungen unter GMP- und cGMP-Bedingungen. Dazu zählen komplette Frühentwicklungsdienstleistungen einschließlich Prozessentwicklung und Scale-up, CMC-Herstellung und -Verpackung, Produktfreigabe und Stabilitätsprogramme. Als radiopharmazeutischer Lohnhersteller ist Eckert & Ziegler in der Lage, kleinste Chargen für klinische Studien der Phase I, II oder III bis hin zu kommerziell einsetzbaren Chargengrößen zu realisieren.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 900 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im SDAX der Deutschen Börse gelistet.
Wir helfen zu heilen.

Über Ratio Therapeutics.

Ratio Therapeutics Inc. ist ein in Boston ansässiges pharmazeutisches Unternehmen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Entwicklung von Präzisions-Radiopharmazeutika der nächsten Generation für solide Tumore zu beschleunigen und damit die onkologischen Behandlungsparadigmen zu verändern. Die vollständig integrierten proprietären F&E-Plattformen von Ratio, Trillium™ und Macropa™, ermöglichen die Bildgebung, Entdeckung und Weiterentwicklung neuartiger Radiopharmazeutika mit erstklassigen Eigenschaften in Bezug auf Verabreichung, Sicherheit und Wirksamkeit. Die Anpassungsfähigkeit der F&E Plattformen ermöglicht eine effiziente und zeitnahe Entwicklung zahlreicher neuartiger Radiopharmazeutika für ein breites Spektrum von Patienten mit hohem ungedecktem Behandlungsbedarf bei soliden Tumoren. Besuchen Sie uns auf www.ratiotx.com und folgen Sie uns auf Twitter und LinkedIn.

 

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heilen / 01.07.2022
Helios Klinikum Berlin-Buch stellt interdisziplinäres Gefäßzentrum neu auf - neue erfahrene Doppelspitze

Dr. med. Peter Klein-Weigel (links) und Dr. med. Alexander Meyer (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)
Dr. med. Peter Klein-Weigel (links) und Dr. med. Alexander Meyer (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)

Mit Privatdozent Dr. med. Alexander Meyer und Dr. med. Peter Klein-Weigel begrüßt das Helios Klinikum Berlin-Buch zum 01.07.2022 zwei erfahrene Spezialisten auf dem Gebiet der Gefäßmedizin. Als Chefärzte für Gefäßchirurgie sowie Angiologie streben Priv.-Doz. Dr. med. Meyer und Dr. med. Klein-Weigel eine Neuaufstellung des interdisziplinären Gefäßzentrums in Buch an und ergänzen das bereits breit angelegte Behandlungsspektrum mit innovativen Ansätzen und neuen Strukturen.

Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor des Helios Klinikums Berlin-Buch, erklärt: „Wir freuen uns, dass wir mit Privatdozent Dr. Meyer einen ausgewiesenen Spezialisten auf dem Gebiet der Gefäßchirurgie für unser Haus gewinnen konnten und sind uns sicher, dass er sowohl eine persönliche als auch eine ausgewiesene fachliche Bereicherung für unser Haus sein wird. Über die Rückkehr von Dr. med. Klein-Weigel sind wir ebenfalls sehr erfreut, da wir die Neuaufstellung unseres interdisziplinären Gefäßzentrums somit in äußerst erfahrenen und fähigen Händen wissen.“

Priv.-Doz. Dr. med. Alexander Meyer wechselt vom Universitätsklinikum Erlangen zum Helios Klinikum in Buch. Er ist ausgebildeter Facharzt für Gefäßchirurgie mit der Zusatzbezeichnung Phlebologie und Fellow of the European Board of Vascular Surgeons. Seine fachlichen Schwerpunkte sind die operative Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit und insbesondere die Bypasschirurgie der unteren Extremität sowie die offene und minimal- invasive Behandlung von Aortenaneurysmen. Auf dem Gebiet der chirurgischen Behandlung von Stenosen der Halsschlagader ist er ebenfalls anerkannter Experte.

„Ich blicke meinen Aufgaben und den neuen Herausforderungen im Helios Klinikum Berlin-Buch mit Spannung entgegen und freue mich auf die Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen. Mein Ziel ist die Stärkung und Förderung von Kooperation und Interdisziplinarität als Schlüssel zur erfolgreichen Behandlung von Gefäßerkrankungen, damit individuell für jeden Patienten das optimale Therapieverfahren ausgewählt und durchgeführt werden kann“, bestätigt Priv.-Doz. Dr. med. Meyer.

Dr. med. Peter Klein-Weigel ist Facharzt für Innere Medizin und Angiologie und renommierter Gefäßspezialist mit einem fundierten Diagnose- und Therapiespektrum aller Erkrankungen des Gefäßsystems. Er wechselt vom Ernst von Bergmann Klinikum in Potsdam, in dem er seit Januar 2019 als Chefarzt der Angiologie tätig war, zurück in das Helios Klinikum Berlin-Buch. Hier war er bereits von 2012 bis Ende 2018 als Chefarzt der Klinik für Angiologie angestellt. 2017 übernahm er zusätzlich die Chefarztposition im Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin-Zehlendorf. Seine fachlichen Schwerpunkte sind die Diagnostik und Therapie akraler Durchblutungsstörungen, die konservative und invasive Behandlung der arteriellen Verschlusskrankheit, venöser Thromboembolien sowie vaskulärer Malformationen. Des Weiteren legt er den Fokus verstärkt auf die Behandlung von Arteriosklerose und deren Risikofaktoren.

„Die Zusammenarbeit in unserem Gefäßzentrum ermöglicht es uns, gemeinsam eine individuelle Therapie festzulegen und so Gefäßpatienten bestmöglich fachlich zu betreuen“, betont der neue Chefarzt.

Beide Spezialisten möchten ihre Expertise auf dem Gebiet der Gefäßmedizin nutzen, um die hervorragende Versorgung der Patientinnen und Patienten im Gefäßzentrum Berlin-Buch aktiv weiterzuentwickeln. Zudem streben sie eine enge Vernetzung mit niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen an und betrachten die intensive Zusammenarbeit mit den Pflegekräften des Bucher Klinikums als essentielle Säule einer guten Patientenversorgung. Ebenfalls als wichtige Aufgabe und wertvolle Chance zugleich sehen Privatdozent Dr. med. Meyer und Dr. med. Klein-Weigel die Aus- und Weiterbildung ambitionierter Assistenzärztinnen und -ärzte an.

„Wir begrüßen Dr. med. Peter Klein-Weigel und Priv.-Doz. Dr. med. Alexander Meyer, die uns mit ihrer Erfahrung in Praxis und Forschung zukünftig vielversprechend verstärken. Zugleich verabschieden wir uns von Dr. med. Andreas Gussmann und bedanken uns für seinen wertvollen und langjährigen Einsatz für unser Klinikum“, sagt Prof. Dr. Sebastian Heumüller, Klinikgeschäftsführer und Geschäftsführer der Helios Region Ost.

 

www.helios-gesundheit.de

heilen / 01.07.2022
Helios Klinikum Berlin-Buch begrüßt Tim Steckel als neuen Klinikgeschäftsführer

Tim Steckel - neuer Geschäftsführer des Helios Klinikums Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)
Tim Steckel - neuer Geschäftsführer des Helios Klinikums Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)

Ab dem 1. Juli 2022 übernimmt Tim Steckel als Nachfolger von Daniel Amrein die Klinikgeschäftsführung im Helios Klinikum Berlin-Buch. Der erfahrene Klinikmanager wechselt von der Ernst von Bergmann Gruppe in Potsdam zu Helios und bringt somit regionales Know-how, aber auch neue Impulse mit nach Buch. In der Zwischenzeit führte Prof. Dr. Sebastian Heumüller, zweiter Klinikgeschäftsführer und Geschäftsführer der Helios Region Ost, die Geschäfte des Maximalversorgers in alleiniger Verantwortung.

Verstärkung mit Regionalexpertise: Tim Steckel blickt auf 14 Jahre Führungserfahrung im Berliner Umland zurück und profitiert somit von seinen tiefgehenden Kenntnissen regionaler Gegebenheiten. 

„Ich freue mich über die Nachbesetzung mit einem Kollegen aus dem Berliner Umland, dem die lokalen Herausforderungen in Berlin-Brandenburg ebenfalls bekannt sind. Ich bin mir sicher, dass unser gesamtes Haus, von den Stationsteams über den ärztlichen Dienst bis hin zu unseren Verwaltungsabteilungen, von seiner Erfahrung und seinem umfangreichen Know-how im Klinikmanagement profitieren werden“, bestätigt Prof. Dr. Sebastian Heumüller. 

Seit 2008 war Tim Steckel im Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam beschäftigt und seit 2020 als einer von zwei Geschäftsführern dort tätig. Er setzte mit der Einführung eines professionellen Controllings, der Entwicklung hin zur regionalen Klinikgruppe sowie der Einführung der elektronischen Patientenakte viele positive Akzente. Er begleitete das Potsdamer Klinikum als Geschäftsführer durch bewegte Zeiten und überzeugte dabei stets mit Professionalität und Kompetenz. 

Geboren in Henstedt-Ulzburg und aufgewachsen in Hamburg, absolvierte Tim Steckel zunächst ein Studium zum Wirtschaftsingenieur, bevor er an der Uniklinik Hamburg-Eppendorf (UKE) und als Prokurist der UKE-eigenen Krankenhausberatungsgesellschaft den beruflichen Einstieg in das Gesundheitswesen unternahm. 

„Ich freue mich auf die konstruktive interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit mit meinen zukünftigen Kolleginnen und Kollegen. Als Maximalversorger hat sich das Helios Klinikum Berlin-Buch in den vergangenen Jahrzehnten einen hervorragenden Ruf erarbeitet, den ich mit neuen Impulsen weiterhin stärken und zugleich die bekannte Zuverlässigkeit der medizinischen Versorgung in der Region garantieren möchte“, erklärt Tim Steckel. 

Sein Ziel ist es, interne Prozesse stetig weiterzuentwickeln und die strukturellen Belange des Maximalversorgers mit modernster medizinischer Ausstattung und professionellen sowie motivierten Mitarbeitenden in ein optimales Verhältnis zu aktuellen Geschehnissen, Entwicklungen und Trends im Gesundheitswesen zu setzen.

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Hauttumorzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.
 Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zum Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.

Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 125.000 Mitarbeitenden. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien und Lateinamerika und die Eugin-Gruppe mit einem globalen Netzwerk von Reproduktionskliniken. Mehr als 22 Millionen Patient:innen entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2021 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von rund 10,9 Milliarden Euro.

In Deutschland verfügt Helios über 89 Kliniken, rund 130 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), sechs Präventionszentren und 17 arbeitsmedizinische Zentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,4 Millionen Patient:innen behandelt, davon 4,4 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland mehr als 75.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 6,7 Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 56 Kliniken, davon sieben in Lateinamerika, 88 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 17 Millionen Patient:innen behandelt, davon 16,1 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt mehr als 46.000 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 4 Milliarden Euro.

Das Netzwerk der Eugin-Gruppe umfasst 33 Kliniken und 39 weitere Standorte in zehn Ländern auf drei Kontinenten. Mit rund 1.600 Beschäftigten bietet das Unternehmen ein breites Spektrum modernster Dienstleistungen auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin an und erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von 133 Millionen Euro.

Helios gehört zum Gesundheitskonzern Fresenius.

www.helios-gesundheit.de

forschen, produzieren, heilen / 01.07.2022
Forschung zum Anfassen und Mitmachen: Lange Nacht der Wissenschaften am 2. Juli

Experimentieren im Lehrlabor. Foto: Peter Himsel
Experimentieren im Lehrlabor. Foto: Peter Himsel

Laborführungen • Experimente zum Mitmachen • Vorträge & Ausstellungen • Stammzell- & RNA-Forschung • KI in der Biomedizin • Kunst trifft Wissenschaft • Begehbares Gehirnmodell • Forscherdiplom Für Kinder: Experimentieren, Staunen, Lernen • Princess of Science • Chemagie: Die Show • Musik & Essen

Die klügste Nacht des Jahres: Die Einrichtungen des Campus Berlin-Buch begrüßen Wissenschaftsinteressierte am 2. Juli 2022 zur Langen Nacht der Wissenschaften!

Forschung zum Anfassen und Mitmachen bieten die Einrichtungen des Campus Berlin-Buch und das MDC-BIMSB wenn sie zum 20. Mal ihre Türen zur Langen Nacht der Wissenschaften öffnen. Sie laden alle Wissbegierigen ein, in Laborführungen, Workshops, Vorträgen, Rundgängen oder an interaktiven Infoständen mit Wissenschaftler:innen in den Dialog zu treten und sich faszinieren zu lassen von der Welt der Biomedizin.

Mikroskopieren, pipettieren, experimentieren - vielfältige Angebote zum Mitmachen und Ausprobieren. Das Gläserne Labor bietet gemeinsam mit dem Forschergarten und seinen Partnerschulen ein Programm nicht nur für Kinder und Schüler:innen zur Langen Nacht der Wissenschaften!

Informationen zum Programm der Einrichtungen des Campus Berlin-Buch finden Sie hier:

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)

Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie

Gläsernes Labor

Berlin Institue of Health @Charité

→ FÜHRUNGEN IM BIOTECHPARK

16:15, 17:15, 18:15, 19:15, 20:15, 21:15 Uhr
Die Entdeckung neuer Medikamente beginnt am Computer und im Forschungslabor
Willkommen in den Forschungslaboren von Silence Therapeutics! Wir nutzen einen natürlichen Mechanismus menschlicher Zellen, die RNA-Interferenz (RNAi). Hiermit verringern wir die Produktion krankheitsverursachender Proteine, um Krankheiten zu behandeln. Bei einem Besuch in unseren Laboren werden wir Ihnen erklären, wie unsere Medikamente, die sogenannten „siRNAs“ (short interfering RNAs), funktionieren, wie wir diese auswählen, synthetisieren und erste Tests durchführen, um die besten zu identifizieren.
Silence Therapeutics GmbH
Anmeldung am Infopunkt erforderlich.
Start: Vor dem MDC.C

18:00, 19:00, 20:00, 21:00 Uhr
Eine Reise in die Zukunft der personalisierten Krebstherapie
Krebsbetroffene erhalten hier eine optimal auf sie zugeschnittene individuelle Therapie zum richtigen Zeitpunkt. Welche Rolle hierbei die Verwendung von winzigen 3D-Kopien, sogenannten Organoiden,eines Patiententumors spielen, wie Organoide bei der Suche nach neuartigen Medikamenten helfen, wie sie aussehen und was sie für die Krebsforschung so besonders macht, erfahren Interessierte an unserem Aktionsstand und während der Führung durch die Labore von CELLphenomics.
CELLphenomics GmbH
Anmeldung am Infopunkt erforderlich.
Start: Vor dem MDC.C

N e u   i m   P r o g r a m m

16:15, 17:15, 18:15, 19:15, 20:15, 21:15 Uhr
Die Entdeckung neuer Medikamente beginnt am Computer und im Forschungslabor
Willkommen in den Forschungslaboren von Silence Therapeutics! Wir nutzen einen natürlichen Mechanismus menschlicher Zellen, die RNA-Interferenz (RNAi). Hiermit verringern wir die Produktion krankheitsverursachender Proteine, um Krankheiten zu behandeln. Bei einem Besuch in unseren Laboren werden wir Ihnen erklären, wie unsere Medikamente, die sogenannten „siRNAs“ (short interfering RNAs), funktionieren, wie wir diese auswählen, synthetisieren und erste Tests durchführen, um die besten zu identifizieren.
Silence Therapeutics GmbH
Anmeldung am Infopunkt erforderlich.
Start: Vor dem MDC.C

18:00 Uhr
Künstliche Intelligenz in der Wirkstoffforschung
Ob Gesichtserkennung auf dem Smartphone oder der nächste Kaufvorschlag, die Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz sind im Alltag immer präsenter. Auch in der Wissenschaft werden objektive Analyse von enormen Datenmengen genutzt, um bessere Medikamente zu entwickeln. In der Screening Unit am FMP benutzen wir modernste Robotik um automatisiert die Wirkung tausender chemischer Substanzen an Millionen einzelner Zellen zu messen. Ziel ist es Anhand von Mikroskopiebildern bestimmte Muster zu erkennen, um damit die Wirkung chemischer Substanzen vorherzusagen. Wie das mit Hilfe von maschinellem Lernen funktioniert, zeigt Ihnen Dr. Carsten Beese.
Vortrag, Dr. Carsten Beese, Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
Dauer: circa 25 Minuten
Ort: Axon 2, 1. OG., Max Delbrück Communications Center (MDC.C) (C83)

Programmänderungen

Diese Führung findet zu geänderten Zeiten statt
16:30, 18:30, 20:30 Uhr
Faszinierende Bilder aus dem Inneren unseres Körpers — Was Super-Magneten leisten
Moderne Ultrahochfeld-Magnetresonanz-Bildgebung bietet neue Einblicke in den Körper des Menschen. Wir führen Sie durch unser   Forschungsgebäude mit einigen der stärksten Kernspintomographen weltweit.
Hinweis: Besucher*innen mit Herzschrittmachern oder Implantaten können NICHT teilnehmen.
Ab 14 Jahre oder in Begleitung Erziehungsberechtigter.
AG Niendorf

D i e s e   P r o g r a m m p u n k t e   e n t f a l l e n

Dieser Vortrag wird leider entfallen:
18:00 Uhr
Multiresistente Keime, brauchen wir immer mehr Wirkstoffe?
Der medizinisch begründete Einsatz von Antibiotika hat über Jahrzehnte hinweg zu einer Selektion von Bakterienstämmen geführt, die gegen eine zunehmend größere Zahl von Wirkstoffen resistent sind und die empfindlicheren Bakterienstämme allmählich verdrängen. Multiresistente Erreger kommen in Krankenhäusern und in der Massentierhaltung vor und stellen Mediziner:innen und Forschende vor große Herausforderungen. Woher kommen neue Wirkstoffe und wie findet man sie? Jens von Kries ist der Leiter der Screening Unit; hier wird seit über 25 Jahren mit Hilfe von Robotern nach neuen Wirkstoffen gesucht.
Dr. Jens von Kries, Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
Dauer: circa 25 Minuten

Diese Führung wird leider entfallen:
18:00 Uhr
Hier ist Wissenschaft zu Hause
Exzellente Wissenschaft braucht exzellente Infrastrukur. Die Themen und Methoden der Forschung ändern sich mit der Zeit und so auch deren Ansprüche an Räumlichkeiten. Auf dem Campus Buch kann man die Entwicklung gut sehen. Kommen Sie mit auf eine Tour der Archtektur der Wissenschaft und machen Sie eine Zeitreise mit. Kunst am Bau namenhafter Kunstler*innen ist inklusive.
Ralf Streckwall, MDC
Dauer: circa 45 Minuten

Dieser Vortrag wird leider entfallen:
19:15 Uhr
Stammzellen retten (Nashorn-) Leben
Es gibt auf der Welt nur noch drei Individuen des nördlichen Breitmaulnashorns, alle drei Tiere sind auf natürlichem Weg nicht mehr fortpflanzungsfähig. Mit einer neuen Methode zur Gewinnung von Eizellen wollen Reproduktionsexperten die Art retten. Dr. Sebastian Diecke erklärt wie Stammzellforschung zur Rettung bedrohter Tierarten beitragen kann.
Vortrag.

Dieser Programmpunkt entfällt leider
19:30, 21:30 Uhr
Proteine atomgenau: Superstarke Magneten und NMR Spektroskopie
NMR-Spektroskopie liefert Informationen über Moleküle mit atomarer Auflösung. Während der Führung werden zum einen die für die Methode notwendigen technischen Voraussetzungen - insbesondere die sehr starken Magnete - vorgestellt, zum anderen die am FMP angewendeten Techniken erläutert und demonstriert sowie deren Bedeutung für die Wissenschaft erklärt.
AG Lösungs-NMR, FMP, Dr. Peter Schmieder

Wir empfehlen das Tragen einer medizinischen oder FFP2-Maske in allen Innenräumen.

Bei folgenden Veranstaltungen besteht Maskenpflicht:
Bei allen Laborführungen im Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Mein Erbgut - die eigene DNA aus der Mundschleimhaut isolieren - (Experimentierkurs im MDC-Lehrlingslabor)
Vom Wunderstoff zum Problem: Kunststoffe (Experimentierkurs im Gläsernen Labor)
Wie wird eine Erbkrankheit diagnostiziert? (Experimentierkurs im Gläsernen Labor)
Diagnostik-Scout: Laborwerte selber erstellen und interpretieren (Akademie der Gesundheit)

Tickets & Preise

Die Tickets können ab Freitag, 20. Mai 2022, bis einschließlich Samstag, 2. Juli  2022, über den Online-Ticket-Shop der Langen Nacht der Wissenschaften erworben werden. Tickets sind außerdem an allen ausgewiesenen VVK-Stellen von Ticketmaster und unter 01806 999 0000* erhältlich.

Die Tickets berechtigen zum Besuch aller Einzelveranstaltungen in den teilnehmenden Wissenschaftseinrichtungen. Außerdem können mit den Tickets die eingesetzten Sonderbusse zur Veranstaltung kostenfrei genutzt werden. Informationen zu den Ticketarten und Preisen bekommen Sie auf der Webseite https://www.langenachtderwissenschaften.de/besuch/tickets.

Am Veranstaltungsort gibt es keine Abendkasse. Tickets können auch während der laufenden Veranstaltung online erworben werden.

Lange Nacht der Wissenschaften

30.06.2022
FERIENCAMP MAL ANDERS!

Herstellung von Lehmziegeln (Foto: Gläsernes Labor 2020)
Herstellung von Lehmziegeln (Foto: Gläsernes Labor 2020)

Wann: 18.07. bis 22.07.2022

                       oder   

            25.07. bis 29.07.2022
            täglich von 9-16 Uhr

Wo:    Archäologie- und Abenteuerspielplatz Moorwiese
           Wiltbergstraße 29 b, 13125 Berlin

Für wen: Kinder im Alter von 10 bis 12 Jahren, kostenfrei

Inhalte:
Kochen, Leben in der Steinzeit, Schmieden, Wasserreinigung, Hütten bauen, Cyber Mobbing, Feuer machen

Anmeldung erforderlich, unter:
paola.eckert-palvarini@forschergarten.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

leben / 29.06.2022
Eine Promenade für Buch - Beteiligungsveranstaltung am 7. Juli

Die Promenade in Richtung des zukünftigen Bildungs- und Integrationszentrums (BIZ) / © Anka Stahl
Die Promenade in Richtung des zukünftigen Bildungs- und Integrationszentrums (BIZ) / © Anka Stahl

Interessierte sind herzlich zur Beteiligungsveranstaltung zur Planung der Promenade Wiltbergstraße eingeladen. Der Bezirk Pankow und die beauftragten Planungsbüros möchten Ihnen verschiedene Varianten für den Ausbau einer attraktiven Fußwege-Anbindung an das zukünftige Bildungs- und Integrationszentrums (BIZ) vorstellen und mit Ihnen darüber ins Gespräch kommen.

Mit der Entscheidung zum Bau des BIZ auf dem nördlichen Kopf der Brunnengalerie in Buch soll eine wichtige Bildungseinrichtung im Nordostraum von Pankow entstehen. Die Promenade Wiltbergstraße soll für eine repräsentative Anbindung des neuen BIZ an die Schlossparkpassage sorgen.

Wann? Donnerstag 7. Juli 2022 um 17:30 Uhr

Wo? Im Garten des Bucher Bürgerhauses (bei Regen im Bürgerhaus)


Kontakt:

André Kima
Bezirksamt Pankow von Berlin
Stadtentwicklungsamt, Fachbereich Stadterneuerung
andre.kima@ba-pankow.berlin.de
Tel.: 90295-3138

Winfried Pichierri
Gebietsbeauftragter
Planergemeinschaft für Stadt und Raum eG
w.pichierri@planergemeinschaft.de
Tel.: 885 914-32

Weitere Informationen:

Fußgängerpromenade zum geplanten Bildungs- und Integrationszentrum in Buch

In den kommenden Jahren soll an der Ecke Wiltbergstraße / Karower Chaussee im nördlichen Teil der sogenannten Brunnengalerie das Bildungs- und Integrationszentrum BIZ mit Bibliothek, Filialen der Volkshochschule und der Musikschule sowie Ausstellungsflächen und einem Café entstehen. Diese wichtige Einrichtung benötigt eine attraktive Anbindung an das Zentrum und den S-Bahnhof Buch. Diese soll in Form einer repräsentativen Promenade zwischen dem Einkaufszentrum "Schlosspark-Passagen" und dem Vorplatz des BIZ geschaffen werden. Die geplante Promenade war auch Bestandteil des Wettbewerbs zum BIZ.

Der erste Bauabschnitt vor der Erweiterung des Einkaufszentrums zwischen Walter-Friedrich- und Groscurthstraße wurde bis Mai  2022 hergesellt. Er bindet schon jetzt den dortigen Gehweg in die Promenadengestaltung ein.

Bereits mit dem Ausbau der Wiltbergstraße wurde aus Mitteln des Programms "Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) der Gehweg von der Walter-Friedrich-Straße in Richtung Karower Chaussee „berlintypisch“ mit Gehwegplatten und Mosaik hergestellt. Direkt vor dem neu eröffneten Fachmarktzentrum war der unbefestigte Gehwegbereich der Baustelle zwischenzeitlich mit provisorischen Asphalt befestigt. Dieser provisorische Asphaltbereich wurde nunmehr auf 80 Metern Länge durch Mosaikpflaster und Gehwegplatten ersetzt.

Die Plastik "Mutter mit Kind" an der Walter-Friedrich-Straße wurde fachgerecht saniert und am gleichen Ort auf einem neuen Sockel wieder eingebaut. Kurz vor der Lieferzufahrt zum Einkaufszentrum entstand eine kleine Grünfläche mit zwei Winterlinden, daneben wurden Fahrradbügel integriert.

1. Bauabschnitt: Walter-Friedrich- bis Groscurthstraße

  • Projektbeschreibung
  • Fotos
  • Projektblatt/PDF

    Adresse: Wiltbergstraße, 13125 Berlin, Pankow
    Auftraggeber/Bauherr: Bezirk Pankow
    Planung: Bezirksamt Pankow, Straßen- und Grünflächenamt
    Gesamtkosten: 80.000 EUR aus dem Programm Nachhaltige Erneuerung

www.stadtentwicklung.berlin.de/nachhaltige-erneuerung/buch/fussgaengerpromenade-zum-biz