Aktuelles

investieren, produzieren / 25.02.2020
Eckert & Ziegler: Ergebnis pro Aktie steigt nach vorläufigen Zahlen auf 4,29 EUR

Die Berliner Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, SDAX), hat nach vorläufigen, untestierten Berechnungen im Geschäftsjahr 2019 einen Umsatz von knapp 180 Mio. EUR und ein Ergebnis pro Aktie von 4,29 EUR erzielt. Ohne die am 12.11. prognostizierten Einmaleffekte hätte das Ergebnis pro Aktie bei rund 4,60 EUR gelegen.

Der vollständige und testierte Jahresabschluss für das Jahr 2019 sowie die Prognose für das Jahr 2020 werden am 31. März 2020 veröffentlicht.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 800 Mitarbeitern zu den weltweit größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Strahlentherapie und Nuklearmedizin. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im SDAX der Deutschen Börse gelistet.

www.ezag.de

heilen / 24.02.2020
Musiker Alvaro Soler bringt Lebensmut für kranke Kinder auf der Kinderonkologie im Helios Klinikum Berlin-Buch

Musikvideodreh mit Alvaro Soler auf der Kinderonkologie im Helios Klinikum Berlin-Buch.   (Foto: Remzi Karga | bilderstanze Film, TV & Medienproduktion) GmbH
Musikvideodreh mit Alvaro Soler auf der Kinderonkologie im Helios Klinikum Berlin-Buch. (Foto: Remzi Karga | bilderstanze Film, TV & Medienproduktion) GmbH

Alvaro Soler besucht einen Tag lang die Kinder und Jugendlichen auf der Kinderkrebsstation im Helios Klinikum Berlin-Buch und hat eine große Überraschung für sie im Gepäck, die Mut machen soll – ein gemeinsames Musikvideo.

Als bundesweit eines der größten zertifizierten Zentren für Kinderonkologie behandelt das Kinderkrebszentrum Kinder und Jugendliche mit allen – auch sehr seltenen - Krebserkrankungen und in allen Stadien der Krankheit.
Der 28-jährige Chartmusiker Alvaro Soler unterstützt Kinder und Jugendliche beim Kampf gegen den Krebs und besucht die Kinderkrebsstation in Berlin-Buch. Mit über eine Milliarde Klicks zählt der Sänger zu den bekanntesten deutschen Musikern. Für seinen Besuch auf der Kinderonkologie im Helios Klinikum Berlin-Buch hat er sich einen ganzen Tag frei genommen, um die Station zu besichtigen, die jungen Patienten und deren Schicksale kennenzulernen sowie eine gemeinsame Erinnerung zu schaffen.

Solche Aktionen startet der Musiker öfters. Jedes Jahr verbringt er den Weihnachtsabend in einem spanischen Krankenhaus. Er will damit den jungen Patienten Hoffnung geben und etwas von seiner Lebensfreude abgeben. Im April letzten Jahres besuchte er Kinder der Kinderkrebsstation einer polnischen Klinik und machte mit ihnen gemeinsam Musik. So auch bei seinem Besuch im Helios Klinikum Berlin-Buch. Alvaro möchte mit den jungen Patienten als ganz besondere Überraschung ein gemeinsames Musikvideo drehen. Dafür hat er einen seiner neuesten Hits mitgebracht. Einen Song, der dem Sänger ganz speziell am Herzen liegt: „Volar“ auf Deutsch „Fliegen“, ist ein Motivationssong über die Freiheit und, dass es keine Grenzen gibt. Ein generell wichtiges Anliegen und bei den Kindern auf der Kinderkrebsstation besonders. Die Kinder und Jugendlichen sollen das Gefühl bekommen, zusammen etwas zu schaffen. Ein gemeinsames Event, das helfen soll positiv zu bleiben und immer weiter zu kämpfen. Das Musikvideo wird zur Erinnerung an diesen ganz besonderen Tag.

Physiotherapeut Robert Kohn ist für solche prominenten Besuche sehr dankbar: „Genau solche Erlebnisse, wie wir sie hier mit Alvaro Soler haben, sind enorm wichtig für die Kinder. Sie bekommen dadurch richtig viel Power. Das hält noch bis zu zwei Wochen an, dass die Kinder die Energie in sich tragen. Das ist wirklich sehr schön zu sehen.“

Auch Gesundheits- und Krankenpflegerin auf der Kinderstation Julia Sturm freut sich für die Kinder: „Diese Aktionen sind sehr bedeutsam für unsere kleinen Patienten und ich freu mich immer mit, wenn sie mal nicht am Tropf hängen müssen, nicht traurig sind oder sich mit ihrer Diagnose beschäftigen müssen, sondern ein Lächeln zeigen und darin aufgehen. Das geht einem schon sehr nahe.“

Alle Beteiligten sind sich einig: Dieser Besuch schafft kleine Glücksmomente für zwischendurch und eine großartige Ablenkung vom Klinikalltag. Alle Sorgen und Probleme rücken an diesem Tag für einen Moment in den Hintergrund und alle haben einfach nur jede Menge Spaß zusammen.

Das fertige Musikvideo ist hier zu sehen:
https://www.youtube.com/watch?v=SZDxkkz0W4c

www.helios-gesundheit.de

forschen / 20.02.2020
Krebsstammzellen nachverfolgen

Abbildung: Samantha Praktiknjo, MDC
Abbildung: Samantha Praktiknjo, MDC

Was passiert innerhalb und zwischen einzelnen Zellen in den allerersten Stadien der Tumorentwicklung? Mit Hilfe von Einzelzell-Sequenziertechnologien und einem Mausmodell konnten Forschende die zelluläre Vielfalt ganzer Speicheldrüsentumore umfassend kartieren und den Weg der Krebsstammzellen zurückverfolgen.    

Zwei Forschungsteams des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und ihre Kooperationspartner haben einen detaillierten Zellatlas eines ganzen Speicheldrüsentumors in einem Mausmodell erstellt. Er bildet einzelne Zellen im gesamten Tumor und dem umgebenden Gewebe ab. Dieser „Einzelzell“-Ansatz hat wichtige Erkenntnisse über Veränderungen der zellulären Zusammensetzung in den frühesten Stadien der Krebsentstehung geliefert und wurde gerade in „Nature Communications“ veröffentlicht.

Ein solider Tumor ist nicht, wie viele vielleicht annehmen, ein Klumpen von Zellen, die alle gleich sind. Vielmehr handelt es sich um eine Mischung aus vielen verschiedenen Zelltypen, darunter neben den eigentlichen Tumorzellen auch eine Vielzahl von Stroma- und Immunzellen.

„Herkömmliche Methoden in der Molekularbiologie betrachten eine Probe oft als Ganzes. Das erfasst aber die Komplexität dieser Probe nicht", sagte Dr. Samantha Praktiknjo, Wissenschaftlerin und Erstautorin vom MDC-Labor für „Systembiologie der genregulatorischen Elemente“ unter der Leitung von Professor Nikolaus Rajewsky am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB). Die verschiedenen Zellen innerhalb eines Tumors und ihr Zusammenspiel im Detail zu verstehen könnte helfen, effektivere Behandlungsstrategien zu identifizieren.

Die Macht der Datenfülle

Das Team nutzte die in der AG Rajewsky entwickelten Technologien zur Einzelzell-RNA-Sequenzierung und eine neue Epitop-Profiling-Methode, um den Zellatlas zu erstellen. Es identifizierte die Zellen, die spezifisch für den Tumor waren, indem es die Reproduzierbarkeit und den großen Umfang ihrer Daten optimal ausschöpfte.

Möglich war das dank eines Mausmodells, das im MDC-Labor für „Signalvermittlung in Entwicklung und Krebsentstehung“ unter der Leitung von Professor Walter Birchmeier entwickelt wurde. Das Erbgut dieser Mäuse enthält Mutationen, die ein Plattenepithelkarzinom der Speicheldrüse auslösen. So stehen kontinuierlich genetisch ähnliche Tumore für die Forschung bereit, die schon in den frühesten Entwicklungsstadien sequenziert werden können. Bei menschlichen Patient*innen wäre das nahezu unmöglich.

„Bei einem Patienten oder einer Patientin ist der Tumor bereits entwickelt. Man kann nicht einfach die Zeit zurückspulen und sich ansehen, wie der Krebs begonnen hat“, sagte Dr. Benedikt Obermayer, einer der Erstautoren, der jetzt am Berlin Institute for Health (BIH) arbeitet. „Wir haben hier ein kontrolliertes Modell, bei dem wir zusehen können, was passiert.“ Und Dr. Qionghua Zhu, die dritte Erstautorin und ehemalige Doktorandin in der AG Birchmeier, fügte hinzu: „Um Krebs wirksam zu bekämpfen, müssen wir die Treibermutationen finden. Diese Methode gibt uns Anhaltspunkte über die Evolution eines Tumors.“

Die Sequenziertechnologien sind inzwischen so weit fortgeschritten, dass sowohl die RNA innerhalb einzelner Zellen, eine nach der anderen, als auch die Proteine auf den Zelloberflächen im Gewebe schnell und kostengünstig sequenziert werden können. Während andere Methoden das Gewebe zerkleinern und feststellen, welche Gene und Moleküle in der Mischung vorhanden sind, wird beim Einzelzellansatz genau bestimmt, wie viel von jedem Zelltyp vorhanden ist und welche Gene und Moleküle mit welcher Zelle assoziiert sind.

Für die aktuelle Studie sequenzierten die Forschenden mehr als 26.000 einzelne Speicheldrüsenzellen von Mäusen mit Tumoren und von gesunden Mäusen. Mit Hilfe von Computermodellen analysierten sie die riesige Datenmenge und identifizierten jede einzelne Zelle und sortierten sie in Gruppen - wie zum Beispiel Stromazellen, Immunzellen, speichelproduzierende Zellen, Krebszellen - basierend auf den Hunderten von exprimierten Genen und den vorhandenen Molekülen.

Eine Überraschung

Der Einzelzellansatz offenbarte den Forschenden eine Überraschung: „Als ich die Daten sah, dachte ich: Wo ist der Tumor?“, sagte Obermayer. Die Population der Krebsstammzellen im Tumor war extrem klein – weniger als ein Prozent aller charakterisierten Zellen im Gewebe. Weil sie so selten sind, hängt die Untersuchung dieser Zellen sonst noch sehr von Annahmen über Oberflächenmarker ab und wird oft in Zellkulturen durchgeführt. In diesem Fall konnten die Autor*innen jedoch die Krebsstammzellen mit ihrer Einzelzellanalyse direkt in den Proben des soliden Tumors nachweisen.

Darüber hinaus konnte das Team die Entwicklung der verschiedenen Zelltypen während verschiedener Stadien der Tumorentwicklung vorhersagen. Ihr Modell legt nahe, dass die Krebsstammzellen aus krebsartigen Basalzellen entstehen, sich dann in einen weiteren Subtyp entwickeln, bevor sie schließlich zu einer Population von Zellen werden, die den Luminalzellen ähnlich sind. Dieser Zelltyp kommt in normalen, gesunden Speicheldrüsen vor.

Dieser Verlauf unterstützt die folgende These: Wenn in den Basalzellen dieses soliden Tumormodells etwas schief läuft, werden diese Zellen dazu veranlasst, sich in Krebsstammzellen zu verwandeln, die dann wiederum zu einem anderen Zelltyp werden können. „Was ich faszinierend fand, war die klare Abfolge der Signale und Ereignisse, die von Vorläufern zu den Nachkommen der Krebsstammzellen übergehen“, sagte Praktiknjo.

Nächste Schritte

Um zu verifizieren, dass einzelne Zellen all diese Phasen durchlaufen, ist noch weitere Forschung nötig. Das gilt auch für das zelluläre und molekulare Zusammenspiel, die das Tumorwachstum antreiben. Das Team geht davon aus, dass ihr Ansatz auch auf andere Krebsarten anwendbar ist. 

„Für mich besteht die wichtigste konzeptionelle Erkenntnis darin, dass wir Ideen aus der einzelzellbasierten Entwicklungsbiologie anwenden können, um das molekulare Fortschreiten der Tumorentstehung zu rekonstruieren“, sagte Professor Nikolaus Rajewsky, der das MDC-Labor für „Systembiologie von genregulatorischen Elementen“ leitet und wissenschaftlicher Direktor des BIMSB ist.


Weiterführende Informationen
AG N. Rajewsky
AG W. Birchmeier
Pressemitteilung: Nierenkrebs an der Wurzel packen
Pressemitteilung: Einzellzelltechnologien für die personalisierte Medizin

Abbildung
Links: Die Forschenden sequenzierten mehr als 26'000 einzelne Zellen von gesunden Mäusen und Mäusen mit Speicheldrüsentumoren. Mit Hilfe verschiedener Strategien analysierten sie sowohl die RNA im Inneren der Zellen (mRNA-Profiling) als auch die Proteine auf der Oberfläche der Zellen (Epitop-Profiling), um die Zellen zu identifizieren. Rechts: Das Ergebnis war ein umfassender Zellatlas der gesunden und tumortragenden Speicheldrüse (hier gezeigt). Er zeigte unterschiedliche Populationen der verschiedenen Zelltypen, darunter eine sehr kleine Gruppe von Krebsstammzellen. Abbildung: Samantha Praktiknjo, MDC

Literatur

Praktiknjo, Samantha; Obermayer, Benedikt; Zhu, Qionghua et al. (2020): „Tracing tumorigenesis in a solid tumor model at single-cell resolution“, Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-020-14777-0.

www.mdc-berlin.de

forschen / 20.02.2020
Gemeinsam für die Wissenschaftsmetropole

Um Berlin als internationale Wissenschaftsmetropole zu stärken, haben sich die außeruniversitären Forschungseinrichtungen der Hauptstadt zur BR 50 (Berlin Research 50) zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie Strategien für die Forschung und den Austausch mit Politik und Gesellschaft entwickeln. Die Kooperation mit den Berliner Universitäten wird erleichtert und verstärkt.

Der neue Verbund, dem fast alle außeruniversitären Institute und Zentren im Berliner Raum angehören, soll die Abstimmung zwischen außeruniversitären Forschungseinrichtungen erleichtern und eine zentrale Anlaufstelle für die Zusammenarbeit mit den Berliner Universitäten und den Austausch mit Gesellschaft und Politik bieten. Ähnlich der Berlin University Alliance (BUA), dem Verbund von Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technische Universität Berlin und Charité – Universitätsmedizin Berlin, soll BR 50 darüber hinaus eine Dialogplattform für die beteiligten Institute bereitstellen.

Der Zusammenschluss repräsentiert Forschungsgebiete aus allen wissenschaftlichen Bereichen. Beim Gründungstreffen am 18. Februar im Max Liebermann Haus am Brandenburger Tor wurden Gründungskoordinatorinnen und -koordinatoren für vier Sektionen gewählt: Professor Thomas Sommer für Sektion 1 (Lebenswissenschaften), Professorin Jutta Allmendinger für Sektion 2 (Sozial- und Geisteswissenschaften), Professor Ulrich Panne für Sektion 3 (Naturwissenschaften) und Professor Michael Hintermüller für Sektion 4 (Technik- und Ingenieurwissenschaften).

Unverzichtbarer Beitrag für die Profilierung Berlins

„Schon jetzt leisten die außeruniversitären Einrichtungen mit ihrer exzellenten Forschung einen unverzichtbaren Beitrag für die Profilierung Berlins als führenden internationalen Wissenschaftsstandort“, sagt Thomas Sommer, Gründungskoordinator der Sektion für Lebenswissenschaften und Wissenschaftlicher Vorstand (komm.) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). „Mit BR 50 bündeln wir nun unsere Kräfte, um den Berliner Forschungsraum zur Blüte zu bringen.“

Ulrich Panne, Gründungskoordinator der Sektion für Naturwissenschaften und Präsident der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), ergänzt: „Der Austausch zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Politik wird immer wichtiger und BR 50 wird dafür viele wichtige Brücken zwischen den Forschungseinrichtungen in Berlin bauen.“

Auch die Zusammenarbeit mit den Berliner Universitäten wird durch BR 50 gestärkt, erwartet Jutta Allmendinger, Gründungskoordinatorin der Sektion für Sozial- und Geisteswissenschaften und Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB): „Die große Zahl und Vielfalt der außeruniversitären Forschungseinrichtungen ist eine klare Stärke Berlins. Mit unserem neuen Verbund bieten wir eine zentrale Dialogpartnerin für die Berliner Universitäten, um gemeinsam mit ihnen zukunftsweisende Forschungsprojekte anzustoßen.“

Gemeinsam die großen Herausforderungen angehen

Ein Gründungsmotiv für BR 50 seien die großen Herausforderungen für die Menschheit, sagt Michael Hintermüller, Gründungskoordinator der Sektion für Technik- und Ingenieurwissenschaften, Direktor des Weierstraß-Instituts für Angewandte Analysis und Stochastik und Vorstandssprecher des Forschungsverbunds Berlin: „Mit dem neuen Verbund können die Forschungseinrichtungen Berlins ihre Synergien besser nutzen, um zusammen Lösungen für die Probleme, die vor uns liegen, zu entwickeln.“

Beim Gründungstreffen haben sich zunächst 41 der außeruniversitären Forschungseinrichtungen Berlins zusammengeschlossen, darunter Institute der großen Wissenschaftsorganisationen Leibniz-Gemeinschaft, Max-Planck-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft und Fraunhofer-Gesellschaft sowie die Ressortforschungsinstitute des Bundes und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

www.mdc-berlin.de

leben / 18.02.2020
Verleihung des Pankower Frauenpreises 2020

Auszeichnung wird erstmalig am 28. Februar 2020 vergeben

Anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März vergibt das Bezirksamt Pankow von Berlin erstmalig den Pankower Frauenpreis. Die Preisverleihung findet am Freitag, dem 28. Februar 2020, 18.00 Uhr (Einlass ab 17.30 Uhr) im Emma-Ihrer-Saal des Rathauses Pankow, Breite Straße 24A-26, 13187 Berlin, statt und wird begleitet durch die Pankower Sängerin Gerlinde Kempendorff-Hoene und die Pianistin Christine Reumschüssel.
Im Anschluss ist Gelegenheit, bei Imbiss und Getränken ins Gespräch zu kommen. Das Engagement von und für Frauen verdient mehr öffentliche Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Der Pankower Frauenpreis soll dafür einen Beitrag leisten. Mit dem Preis sollen Einzelpersonen, Frauenprojekte, Initiativen geehrt werden, die sich für die Rechte von Frauen und Mädchen einsetzen und die Geschlechterdemokratie fördern. Der Preis wird jährlich vergeben und ist mit 500 Euro dotiert.

Weitere Informationen zum Pankower Frauenpreis gibt es bei der Gleichstellungsbeauftragten des Bezirksamtes Pankow, Frau Gerstenberger, Tel.: 030 90295 2305, E-Mail: heike.gerstenberger@ba-pankow.berlin.de.

forschen / 17.02.2020
Nierenkrebs an der Wurzel packen

Menschliche ccRCC-Organoide unter dem Mikroskop, markiert mit fluoreszenten Farbstoffen. Aus Krebsstammzellen wurden Miniaturversionen der Nierentumore gezüchtet. (Foto: AG Birchmeier, MDC)
Menschliche ccRCC-Organoide unter dem Mikroskop, markiert mit fluoreszenten Farbstoffen. Aus Krebsstammzellen wurden Miniaturversionen der Nierentumore gezüchtet. (Foto: AG Birchmeier, MDC)

Forschende am MDC haben die Stammzellen entdeckt, die für die häufigste Art Nierenkrebs verantwortlich sind. Das Team von Walter Birchmeier hat zudem einen Weg gefunden, das Wachstum dieser Tumore in drei Modellen der Erkrankung zu blockieren.

Krebszellen sind nicht alle gleich. Tumore enthalten gefährliche Krebsstammzellen, die Metastasen erzeugen und die Erkrankung erneut hervorbringen können, wenn sie der Behandlung entgehen. Das macht sie zu einem wesentlichen Angriffspunkt von Therapien – wenn Wissenschaftler*innen sie isolieren und ihre Schwächen erforschen können. Doch die Zellen sind meistens so selten, dass sie für viele Krebsarten noch gar nicht gefunden wurden.

Gemeinsam mit der Abteilung für Urologie der Charité hat Professor Walter Birchmeiers Arbeitsgruppe am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) nun Krebsstammzellen entdeckt, die für die häufigste Form Nierenkrebs verantwortlich sind, das klarzellige Nierenzellkarzinom (ccRCC). 

In einer berlinweiten Zusammenarbeit haben die Forscher*innen eine Schwachstelle gefunden. Die Zellen sind von zwei wesentlichen biochemischen Signalen abhängig. Beide zu blockieren, hat in mehreren Labormodellen der Erkrankung das Tumorwachstum aufgehalten, was eine vielversprechende Herangehensweise an die Behandlung menschlicher Patient*innen nahelegt. Die Ergebnisse zeigen außerdem, dass Mäuse in der  medizinischen Forschung weiterhin wichtig bleiben. Die Studie erscheint in der aktuellen Ausgabe von Nature Communications. Zu den Autor*innen gehören Forschende des MDC, der Abteilung für Urologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung/ Berlin Institute of Health (BIH), des „Screening Unit“ des Leibniz Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP), das Unternehmen EPO sowie weitere Partner. 

Zwei biochemische Schwachstellen

Für das Projekt war es zentral, die ccRCC-Krebsstammzellen zu identifizieren. Dr. Annika Fendler, Postdoktorandin in der Birchmeier-Gruppe und Mitglied der Abteilung für Urologie der Charité, ist Erstautorin der Veröffentlichung. Sie identifizierte drei Proteine auf den Zelloberflächen, was ermöglichte, sie zu markieren und dann zu isolieren. Das wiederum erlaubte es Dr. Hans-Peter Rahn, die Zellen mit Hilfe von Fluoreszenz-aktivierter Zellsortierung (FACS) zu isolieren. Das Forschungsteam fand heraus, dass Krebsstammzellen nur etwa zwei Prozent der Gesamtheit der Zellen in menschlichen Tumoren ausmachen. 

„Unsere Analyse dieser Zellen zeigt, dass sie von Signalen abhängen, die durch zwei biochemische Netzwerke namens WNT und NOTCH übertragen werden“, sagt Fendler. Weil bekannt war, dass diese Netzwerke bei anderen Krebsarten eine Rolle spielen, hatte die Arbeitsgruppe bereits Wege gefunden, sie zu unterbrechen. Gemeinsam mit dem FMP, einem Partnerinstitut auf dem Campus, hatten sie bereits einen wirksamen Hemmstoff (Inhibitor) für WNT-Signale entwickelt.

Die Rolle von WNT und NOTCH in den Stammzellen der Nierentumore war zuvor nicht vermutet worden. Denn Mutationen in diesen Netzwerken werden bei der Erkrankung nur selten gefunden. Beide Signale stehen jedoch in Verbindung mit einem Gen namens VHL, das Tumoren unterdrückt (Tumorsuppressor-Gen), das wiederum in einem engen Zusammenhang mit dem Nierenkrebs steht. Die neuen Ergebnisse legen nahe, dass man die Krebsstammzellen und damit die aggressivsten Teile des Tumors angreifen kann, indem man WNT, NOTCH oder beide Signale blockiert.

Inhibitoren biochemischer Signalwege ersetzen in der Klinik zunehmend Chemotherapie bei der Behandlung von Krebspatient*innen. „Man muss allerdings immer wissen, auf welchen Signalweg man zielen muss“, sagt Fendler. „Unsere Arbeit bietet eine bisher nicht bekannte Alternative zu den zur Zeit zugelassenen Therapien von Nierentumoren.“

Das Versprechen verschiedenartiger Modellsysteme 

Erste Tests der neuen Inhibitoren waren vielversprechend. „Bemerkenswerterweise haben Dreiviertel der von Patient*innen stammenden Zellkulturen auf wenigstens eine Inhibitorenart angesprochen. 50 Prozent dieser Kulturen wurde besonders durch die Kombination beider Inhibitoren blockiert“, sagt Birchmeier. 

Hier jedoch stieß die Arbeitsgruppe auf die größte Herausforderung der Krebsforschung: „Was wir im Labor herausfinden, ist normalerweise nur sehr schwer übertragbar auf den realen Lebenskontext der Patient*innen“, sagt Birchmeier. „Reguläre Zelllinien-Kulturen und Tiermodelle, die man aus anderen Laboren erhält, werden der Komplexität einer Erkrankung in einem menschlichen Körper nicht gerecht.“ Die Lösung besteht darin, andere Labormodelle zu entwickeln, die der menschlichen Erkrankung ähnlicher sind.

Birchmeier und seine Kolleg*innen hatten bereits große Erfahrung damit, Patient*innen Krebsstammzellen zu entnehmen, sie in Kulturen zu züchten und daran eine breite Auswahl von Wirkstoffen zu testen. In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen EPO, das auf dem Campus in Berlin-Buch angesiedelt ist, haben sie außerdem Krebsstammzellen von Patient*innen in Mäuse transplantiert. Die Tiere entwickelten daraufhin Tumore, die praktisch identisch mit denen ihrer menschlichen Gegenstücke waren. Diese Tiere sind zentral für die Suche nach Therapien. Was einen menschlichen Tumor in Mäusen heilt, könnte auch bei Patient*innen wirken. 

In dem aktuellen Projekt hat EPO Mäusen mit Tumoren einzeln und in Kombinationen WNT- und NOTCH-Inhibitoren injiziert und beobachtet, was passiert. Die wirkungsvollste Vorgehensweise bestand darin, beide Signale zu blockieren. Die Frage jedoch war: Würde dies genauso gut bei Menschen funktionieren?

Mini-Tumore aus dem Labor

Forschende haben in den letzten Jahren damit begonnen, aus den Zellen von Patient*innen Organoiden herzustellen: Miniaturversionen von Organen, die viele Zelltypen enthalten. Sie bestehen zwar aus menschlichem Geweben, können aber ohne die ethischen Probleme genutzt werden, die entstehen, wenn man Mittel an Patient*innen testet. Solche Organoide sind bereits für gesunde Nieren gezüchtet worden, ebenso für diverse weitere Organe und für Tumore wie Darmkrebs.

„Andere Arbeitsgruppen haben es auch schon mit ccRCC versucht, waren aber nicht besonders erfolgreich“, berichtet Fendler. „Das Gewebe ist nicht sehr gut gewachsen oder hat keine Organoide gebildet. Beide Faktoren sind wichtig, wenn man Modelle für Arzneimitteltests und Behandlungen entwickelt. Patient*innen mit dieser Erkrankung benötigen schnelle verlässliche Modelle, an denen Behandlungsreaktionen getestet werden können.“

Unterschiedliche Modelle, ähnliche Ergebnisse

„Das wichtigste Ergebnis der Studie“, sagt Birchmeier, „besteht darin, dass wir die wesentlichen Rollen der WNT- und NOTCH-Signalsysteme bei ccRCC identifiziert haben und dass wir zeigen, dass man ihre Blockierung einen Einfluss auf die Tumore hat.“ Die Ergebnisse aus den Modellsystemen unterscheiden sich leicht – ein Umstand, der noch untersucht werden muss. Mäuse werden also zurzeit weiterhin gebraucht.

Derweil bietet diese Forschung neue Versuchssysteme für Wissenschaftler*innen, die die Erkrankung erforschen. Annika Fendler führt inzwischen ihre Arbeit an Nierenkrebs-Modellen am Francis Crick Institute in London fort. 

Die Forschenden hoffen, dass die in den Modellen entwickelte Vorgehensweise den Sprung in die Klinik schaffen und letztlich zu maßgeschneiderten Therapien führen. Therapien, die die gefährlichsten Zellen der Tumore ins Visier nehmen.

Von der Kirchenorgel zum menschlichen Organ

Foto
Menschliche ccRCC-Organoide unter dem Mikroskop, markiert mit fluoreszenten Farbstoffen. Die Forschenden haben Krebsstammzellen von Patient*innen gewonnen und daraus im Labor Miniaturversionen der Nierentumore gezüchtet. Die Struktur der Organoide ähnelt der der Tumore, an denen die Patient*innen leiden. Sie enthalten dieselben Zelltypen.

Literatur
Fendler, Annika et al. (2020): „Inhibiting WNT and NOTCH in renal cancer stem cells and the implications for human patients“, Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-020-14700-7.

Kontakte
Prof. Dr. Walter Birchmeier
Leiter der Arbeitsgruppe „Signalvermittlung in Entwicklung und Krebsentstehung“
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
+49 (0)30 9406 3800
wbirch@mdc-berlin.de

Jana Schlütter
Redakteurin, Abteilung Kommunikation
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
+49 (0)30 9406 2121
Jana.schluetter@mdc-berlin.de  oder presse@mdc-berlin.de 

 

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

www.mdc-berlin.de

forschen / 14.02.2020
Was Statine mit den Muskeln machen

Gestörte Produktion von Myosinen: Diese Proteine sind im Bild rot angefärbt, der Zellkern blau. Die Querstreifen zeigen, dass die Zelle sich in eine reife Muskelfaser entwickelt. (Foto: Andreas Marg, MDC)
Gestörte Produktion von Myosinen: Diese Proteine sind im Bild rot angefärbt, der Zellkern blau. Die Querstreifen zeigen, dass die Zelle sich in eine reife Muskelfaser entwickelt. (Foto: Andreas Marg, MDC)

Wer Statine nimmt, leidet oft unter Nebenwirkungen wie Muskelkrämpfen und -schmerzen. Wie ein Team von MDC und Charité jetzt in „Scientific Reports“ berichtet, beeinflussen die Cholesterinsenker in den Muskelzellen tatsächlich Tausende Gene. Die Zellen können dadurch schlechter wachsen und sich teilen.

Weltweit nehmen rund 20 Millionen Menschen Statine ein. Allein in Deutschland sind es fast fünf Millionen. Die Medikamente werden zur Senkung des Cholesterinspiegels verordnet, um Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall vorzubeugen. „Statine sind allerdings mit einer Reihe von Nebenwirkungen verbunden, weshalb viele Patientinnen und Patienten sie nicht zuverlässig einnehmen“, sagt Professorin Simone Spuler, die Leiterin der MDC-Arbeitsgruppe Myologie und der Muscle Research Unit am ECRC (Experimental and Clinical Research Center), einer gemeinsamen Einrichtung des MDC und der Berliner Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Zu den häufigsten unerwünschten Begleiterscheinungen der Statine gehören Muskelkrämpfe und –schmerzen. „Angesichts der Nutzen von Statinen für die Gesundheit der westlichen Weltbevölkerung werden diese Nebenwirkungen jedoch oft als vernachlässigbar eingestuft“, sagt Spuler. Sie und ihr Team wollten es genauer wissen und herausfinden, was Statine konkret in den Muskelzellen auslösen. Zu diesem Zweck initiierten sie – allein mit DFG-Geldern und ohne Unterstützung der Pharmaindustrie – eine Studie, die jetzt im Fachblatt „Scientific Reports“ erschienen ist.

Statine störten die Produktion von mehr als 900 Proteinen

Für ihre Untersuchung setzte die Gruppe um die Erstautorin der Studie, Dr. Stefanie Anke Grunwald von der Muscle Research Unit am ECRC, insgesamt 22 Populationen menschlicher Skelettmuskelzellen jeweils zwei verschiedenen Statinen aus: zum einem dem fettlöslichen Wirkstoff Simvastatin, zum anderen dem wasserlöslichen Wirkstoff Rosuvastatin. Anschließend untersuchten die Forscherinnen und Forscher, welche Gene in den Zellen jeweils angeschaltet waren und in Proteine umgesetzt wurden und welche nicht. Zudem analysierten sie den Stoffwechsel der Zellen und beurteilten ihren Zustand anhand morphologischer Kriterien.

„Aufgabe der Statine ist es, ein bestimmtes Enzym bei der Cholesterinbildung zu blockieren, das HMG-CoA“, erklärt Grunwald. Es habe in der Vergangenheit einige Studien gegeben, die die Auswirkungen von Statinen auf den menschlichen Muskel beleuchten wollten. „Viele von ihnen fanden jedoch weder mit Muskelzellen noch mit menschlichen Zellen statt“, sagt Grunwald Die Ausschaltung eines zentralen Enzyms habe komplexe Folgen – die sie und ihre Kolleginnen und Kollegen nun auch mit modernsten Computer-Modelling-Methoden  beleuchtet haben.

„Die Ergebnisse waren hochinteressant“, sagt Spuler. „Ganz offensichtlich üben Statine in der allgemein üblichen Wirkstoffmenge dramatische strukturelle, funktionelle und metabolische Effekte auf die Muskeln aus.“ Sie und ihr Team stießen in den untersuchten Zellen beispielsweise auf rund 2.500 Gene, die in Anwesenheit der Medikamente anders reguliert wurden als gewöhnlich. Dadurch war die Produktion von mehr als 900 Proteinen verändert: Sie wurden entweder in zu geringen oder zu großen Mengen hergestellt. Der Einfluss von Simvastatin war diesbezüglich höher als der von Rosuvastatin.

Die Zellen wuchsen nicht wie gewohnt

Beide Statine drosselten in den Muskelzellen nicht nur die Biosynthese von Cholesterin, sondern auch den Fettsäure-Stoffwechsel insgesamt sowie die Produktion von Eicosanoiden. Dabei handelt es sich um eine Gruppe hormonähnlicher Substanzen, die aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren hervorgehen. Sie wirken sowohl innerhalb als auch außerhalb von Zellen als Signalmoleküle und sind in zahlreiche biologische Wirkmechanismen eingebunden. Unter anderen sind sie an der Entwicklung differenzierter Muskelzellen aus Muskelvorläuferzellen beteiligt. „Und sie sind auch in die Schmerzentstehung involviert. Das war für uns ein wichtiger Anhaltspunkt, dass wir hier auf der richtigen Spur sind“, sagt Grunwald. 

„Mithilfe funktioneller Analysen konnten wir bestätigen, dass die Entwicklung, das Wachstum und die Teilung der Skelettmuskelzellen durch die Statine beeinträchtigt werden“, sagt Spuler. Sie und ihr Team fanden einen Weg, um die negativen Effekte der Medikamente etwas einzudämmen: „Die Gabe von Omega-3- oder Omega-6-Fettsäuren machte die Wirkungen von Simvastatin und Rosuvastatin teilweise rückgängig“, berichtet die Wissenschaftlerin. Eine ergänzende Einnahme derartiger Präparate könne daher eine Möglichkeit sein, um einer Statin-Myopathie vorzubeugen oder sie zu behandeln.

Statine sind keine Life-Style-Pillen

„Dennoch sollten unsere Erkenntnisse meines Erachtens dazu führen, dass die Gabe von Statinen künftig sehr viel kritischer gesehen werden sollte, als es momentan der Fall ist“, sagt Spuler. In vielen westlichen Ländern der Welt hätten sich die Cholesterinsenker fast schon zu einem Life-Style-Präparat entwickelt. „Das ist keinesfalls ein positiver Trend“, sagt Spuler. Ihrer Ansicht nach sollten Ärzt*innen und Patient*innen sollten in jedem individuellen Fall den Nutzen und die möglichen Gefahren der Medikamente gut abwägen.


Weiterführende Informationen
Webseite der AG Spuler „Myologie“
Klinische Forschung am ECRC
Biobank für Muskelstammzellen

Literatur
Grunwald, Stefanie Anke et al. (2020): „Statin-induced myopathic changes in primary human muscle cells and reversal by a prostaglandin F2 alpha analogue”, Scientific Reports, DOI: 10.1038/s41598-020-58668-2 .

www.mdc-berlin.de

produzieren / 14.02.2020
Eckert & Ziegler schließt Entwicklungskooperation für Prostatakrebsdiagnose

Die Berliner Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, S-DAX) und die israelische Isotopia Molecular Imaging Ltd. (Isotopia) werden künftig enger bei der Früherkennung von Prostatakrebs zusammenarbeiten und haben zu diesem Zweck jüngst eine Vereinbarung über die gemeinsame Entwicklung und Zulassung von diagnostischen Reagenzien geschlossen. Die Herstellung dieser Substanzen soll durch den Einsatz von Syntheseautomaten bald vollautomatisch erfolgen können.
 
Eckert & Ziegler entwickelt und vertreibt schon seit langem sogenannte Synthesemodule, mit denen kurzlebige diagnostische Reagenzien im Krankenhaus zur Tumordiagnose aufbereitet werden. Bisher werden die Geräte weltweit vor allem für die Erkennung von neuroendokrinen Tumoren (NETs) benutzt. Mit der neuen strategischen Zusammenarbeit soll das innovative Verfahren der Israelis auf den Synthesemodulen von Eckert & Ziegler eingesetzt werden können. Prostatakrebsdiagnostika lassen sich damit dann vollautomatisch herstellen.
 
„Unsere Synthesemodule vereinfachen die Arbeit der Ärzte und Medizinphysiker, insofern ist jede Ausweitung des Anwendungsbereichs sinnvoll“, sagte Dr. Sven-Peter Heyn, Geschäftsführer der Eckert & Ziegler Eurotope GmbH und verantwortlich für den Geschäftsbereich Laborgeräte. „Wir erhoffen uns von dem Schritt mittelfristig nicht nur höhere Umsätze bei den Synthesemodulen, sondern auch einen Wettbewerbsvorteil für unsere Galliumgeneratoren, die auf die Geräte abgestimmt sind.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 800 Mitarbeitern zu den weltweit größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Strahlentherapie und Nuklearmedizin. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im SDAX der Deutschen Börse gelistet.
Wir helfen zu heilen.

www.ezag.de

leben / 13.02.2020
Straßenbauarbeiten in der Alpenberger Straße in Buch

Regenwasser-Entwässerung erfordert Fällungen

Zur Durchführung der geplanten Straßenbauarbeiten im Zusammenhang mit einem größeren Wohnungsbauvorhaben im Bereich der Alpenberger Straße 19 bis 20c ist die Fällung von insgesamt 24 Bäumen notwendig. Dabei handelt es sich weitestgehend um Thujabäume und Fichten sowie um zwei Straßenbäume. In dem betreffenden kurzen Abschnitt besteht kein Platz, um die erforderlichen straßenbegleitenden Versickerungsmulden anderweitig anzulegen. Die Fällungen werden bis Ende Februar 2020 durchgeführt.

leben / 12.02.2020
Präsentation der Zwischenergebnisse für Blankenburger Süden

Im Blankenburger Süden soll in den kommenden Jahren eines von derzeit 16 neuen Stadtquartieren realisiert werden. Neben 5.000 bis 6.000 Wohnungen, die hier auf einer landeseigenen Fläche entstehen könnten, sind auch Gewerbe und zahlreiche Infrastruktureinrichtungen geplant. Bei dem Projekt handelt es sich um eines der größten Wohnungsbauprojekte im Stadtgebiet. Seit November 2019 werden von vier Planungsteams städtebauliche Testentwürfe erarbeitet, die deutlichen machen sollen, wie das neue Stadtquartier Blankenburger Süden unter den vorgebenden Rahmensetzungen aussehen und funktionieren könnte. Zur ersten öffentlichen Zwischenpräsentation der Erarbeitungsstände lädt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen ein am Freitag, dem 14. Februar 2020, 17 Uhr in das "Von Greifswald“, Lilli-Henoch-Straße 10, 10405 Berlin.

Interessierte haben die Möglichkeit, sich an Ständen zu informieren und mit den Planer-Teams über ihre Entwurfsansätze auszutauschen. Mitarbeiter_innen der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz stehen für Gespräche bereit. Um 18 Uhr begrüßen die Staatssekretäre für Wohnen, Sebastian Scheel, und für Verkehr, Ingmar Streese, sowie der für Stadtentwicklung im Bezirk Pankow zuständige Bezirksstadtrat, Vollrad Kuhn, alle Anwesenden offiziell, bevor im Anschluss das Werkstattverfahren und die Entwurfsteams vorgestellt werden. Nun haben alle Bürger_innen erneut die Möglichkeit zum individuelle Austausch an den Informationsständen, bevor zum Abschluss in Form von „Blitzlichtern an den Stationen“ für alle das Ergebnis der Veranstaltung zusammengefasst wird.

Weitere Informationen online unter https://www.stadtentwicklung.berlin.de/wohnen/wohnungsbau/blankenburger-sueden/de/werkstattverfahren.shtml

heilen / 11.02.2020
„Broken-Heart-Syndrom“ — Diagnose: gebrochenes Herz

Mitarbeiter der Kardiologie und Nephrologie im Helios Klinikum Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Mitarbeiter der Kardiologie und Nephrologie im Helios Klinikum Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Am 14.2. ist Valentinstag - Tag der Liebenden, an dem Blumenläden Hochsaison haben und überall rote Herzen zu sehen sind.  Diejenigen, die allein sind und womöglich ein gebrochenes Herz haben, leiden jetzt besonders.Doch ein „gebrochenes Herz“ ist nicht nur eine Metapher für enttäuschte Liebe: Emotionale Belastungssituationen können tatsächlich körperliche Auswirkungen haben.

Fast jeder hat es schon einmal erlebt - ein "gebrochenes Herz". Beim sogenannten „Broken-Heart-Syndrom“ oder auch „Tako-Tsubo-Syndrom“ bricht das Herz nicht nur im übertragenen Sinne, sondern wortwörtlich. Kardiologen wissen mittlerweile, dass zum Beispiel durch Trauer und Kummer ausgelöster Stress, dem Herzen schaden kann. Was genau steckt dahinter?

Das Broken-Heart-Syndrom
Das Broken-Heart-Syndrom, zu Deutsch „Gebrochenes-Herz-Syndrom“, ist eine plötzlich auftretende Funktionsstörung der linken Herzkammer, die in vielen Fällen durch starken Stress oder Schmerzen ausgelöst werden kann. Gezählt wird es zu den erworbenen Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien).
„Häufig wird das Broken-Heart-Syndrom zunächst für einen Herzinfarkt gehalten, da es die gleichen Symptome auslöst wie Brustschmerzen oder Luftnot. Im Gegensatz zum Infarkt findet man bei den Betroffenen aber keine Verengung oder Verschluss eines Herzkranzgefäßes“, sagt Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Chefarzt der Kardiologie im Helios Klinikum Berlin-Buch. Das Broken-Heart-Syndrom ist somit weniger lebensbedrohlich als ein Herzinfarkt, dennoch können ernsthafte Komplikationen auftreten. Dazu gehören lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen und ein kardiogener Schock. Mediziner nennen das Broken-Heart-Syndrom auch Stress-Kardiomyopathie oder Tako-Tsubo-Syndrom. Japanische Ärzte diagnostizierten die Krankheit erstmals Anfang der neunziger Jahre. Sie beobachteten, dass die Verformung des Herzens, die mit dem Syndrom einhergeht, in vielen Fällen an eine Tintenfischfalle erinnert: einen runden Krug mit kurzem Hals.

Symptome
Die Symptome eines Broken-Heart-Syndroms sind von denen eines Herzinfarktes nicht zu unterscheiden. Die Betroffenen leiden an Atemnot und verspüren ein Engegefühl in der Brust, teilweise begleitet von Schweißausbrüchen, Übelkeit und Erbrechen.
Untersuchungen und Diagnose
EKG- und Troponin-Werte können beim Broken-Heart-Syndrom und beim Herzinfarkt gleich sein, deshalb wird meistens auch direkt eine Herzkatheteruntersuchung gemacht, die aber keinen Verschluss eines Herzkranzgefäßes zeigt. Ein Ultraschall bzw. eine Magnetresonanztomographie des Herzens (Kardio-MRT) geben dann Aufschluss, welches Krankheitsbild genau vorliegt. Hier kann sich die typische Verformung des Herzmuskels, begleitet von einer Herzschwäche, zeigen. Der betreuende Arzt wird auch fragen, ob dem Ereignis eine intensive emotionale Stresssituation vorrausgegangen ist. Wenn das nicht der Fall ist, ist ein Broken-Heart-Syndrom aber nicht ausgeschlossen.

Auslöser und Risikogruppe
In vielen Fällen geht dem Broken-Heart-Syndrom eine große gefühlsbetonte Belastung oder ein schmerzhaftes Ereignis voraus. "Eine Reihe von Patienten leiden unter schwerem emotionalen Stress", erklärt Prof. Baberg. „Das können beispielsweise Trennungen oder der Tod eines geliebten Menschen sein. Auch traumatisierende und existenzbedrohende Ereignisse sind mögliche Auslöser“, so Prof. Baberg weiter.

Sogar positiver Stress kann ein Broken-Heart-Syndrom verursachen: Freudige Ereignisse wie eine Hochzeit, ein Geburtstag oder ein Lottogewinn sind ebenso mögliche Gründe für diese Form der Herzmuskelerkrankung, wenn auch wesentlich seltener als negativer Stress. „Im Körper der Patienten kommt es dann zu einem hohen Spiegel körpereigener Stresshormone, so genannter Katecholamine. Wir sprechen deshalb auch von einer stressinduzierten Kardiomyopathie“, so Prof. Baberg. Noch sind die genauen Zusammenhänge zwischen der emotionalen Belastung, Schmerzen und einer Funktionsstörung des Herzmuskels nicht vollständig geklärt.
Oft sind es Frauen nach den Wechseljahren, die unter dem Broken-Heart-Syndrom leiden, es kann aber jeden treffen.

Broken-Heart-Syndrom: Behandlung
Nach ausführlicher Diagnostik wird mit Hilfe von Betablockern und ACE-Hemmern zunächst die Herzschwäche behandelt. Nach ein paar Tagen erfolgt ein Kontroll-Ultraschall des Herzens oder ein Kardio-MRT. Typisch für das Syndrom ist, dass es sich unter der Therapie schnell wieder bessert, also reversibel ist. Aber auch nach einer vollständigen Normalisierung der Herzfunktion bleibt ein erhöhtes kardiales Risiko, so dass diese Patienten nachbetreut werden sollten.

www.helios-gesundheit.de

forschen / 10.02.2020
Massenspektrometrie für die Präzisionsmedizin: Berliner Spitzenforschung bündelt Expertise

Die Massenspektrometrie erlaubt die Identifizierung, Charakterisierung und Quantifizierung einer Vielzahl von Biomolekülen. Foto: Sattler/Charité
Die Massenspektrometrie erlaubt die Identifizierung, Charakterisierung und Quantifizierung einer Vielzahl von Biomolekülen. Foto: Sattler/Charité

Gemeinsame Pressemitteilung der Charité und des MDC

Rund 5,7 Millionen Euro für neuen Forschungskern

Forschungsgruppen der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) bündeln mit weiteren Berliner Partnern ihre herausragende Expertise in der Massenspektrometrie zu einem Forschungskern. Ziel des Konsortiums MSTARS ist es, die Technologie für den Einsatz in der Patientenversorgung weiterzuentwickeln und für die Analyse der Therapieresistenz zu nutzen. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Vorhaben für mindestens drei Jahre mit insgesamt rund 5,7 Millionen Euro.

Viele Jahre lang galt die umfassende Analyse von Genen als Methode der Wahl, um komplexe Krankheiten wie Krebs besser zu verstehen und Patientinnen und Patienten immer individueller behandeln zu können. Der Ansatz zeigte Erfolg und mündete in zahlreichen neuen gezielten Behandlungsformen. „Man wusste jedoch schon sehr früh, dass der Verlauf einer Krankheit nicht nur von den Genen allein bestimmt wird“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Keilholz, Direktor des Charité Comprehensive Cancer Centers (CCCC) und einer der vier gleichberechtigten Koordinatoren des Projekts. „Stattdessen kommt es oft darauf an, in welchem Umfang diese Gene in Proteine übersetzt werden, wie die Proteine miteinander interagieren oder wie genau der Stoffwechsel bei der Erkrankung abläuft. Die Massenspektrometrie ermöglicht es, schnell und umfassend Biomoleküle zu identifizieren und zu quantifizieren. Diese Technologie werden wir deshalb nutzen, um das Zusammenspiel krankheitsrelevanter Zellkomponenten besser zu verstehen und dadurch die Präzisionsmedizin, also die individuelle Behandlung von Patientinnen und Patienten, weiter zu verbessern.“

Die drei weiteren Koordinatoren des MSTARS-Konsortiums sind Prof. Dr. Matthias Selbach, Leiter der Gruppe Proteom-Dynamik am MDC, Prof. Dr. Markus Ralser, Leiter des Instituts für Biochemie der Charité, sowie Prof. Dr. Frederick Klauschen vom Institut für Pathologie der Charité. Wissenschaftliche Partner des Projekts sind zahlreiche weitere Experten aus Charité und MDC sowie dem Berlin Institute of Health (BIH), der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik. „Mit der Gründung des neuen Forschungskerns vereinigen wir die Berliner Expertise im Bereich Massenspektrometrie, Patientenversorgung und Datenanalyse unter einem Dach“, sagt Prof. Selbach. „Indem wir das erstklassige Fachwissen der unterschiedlichen Institutionen und Disziplinen mit der breiten klinischen Expertise der Charité zusammenbringen, werden wir die Technologie der Massenspektrometrie weiterentwickeln und für die klinische Praxis nutzen können.“

„Ein wesentliches Ziel dabei ist es, massenspektrometrische Methoden noch robuster und reproduzierbarer zu machen“, ergänzt Prof. Ralser. „Um mit der Technologie die Patientenversorgung verbessern zu können, müssen wir außerdem in der Lage sein, große Probenmengen in kurzer Zeit zu analysieren. Dazu werden wir Kapazitäten aufbauen und standardisierte Arbeitsabläufe von der Probengewinnung bis zum Datenmanagement etablieren.“

Die Infrastruktur, die das Konsortium aufbauen wird, eignet sich grundsätzlich für die Analyse verschiedenster Krankheiten. Als erstes Anwendungsbeispiel werden sich die Forschungsgruppen auf die Untersuchung der Therapieresistenz bei Kopf-Hals-Plattenepithelkarzinomen fokussieren. „Für diese Tumorerkrankungen gibt es moderne Behandlungsstrategien, die auf bestimmte genetische Fehlfunktionen in dem Krebsgewebe des jeweiligen Patienten abzielen“, erklärt Prof. Klauschen.

„Aus bisher ungeklärten Gründen funktionieren diese Therapien bei einigen Patienten sehr gut, während sie bei anderen Personen mit derselben genetischen Ausstattung aber keine Wirkung zeigen. Wir möchten die Gewebeproben per Massenspektrometrie untersuchen, um diese Patientengruppen auseinanderzuhalten und so die Entscheidung für oder gegen eine solche Therapie im individuellen Fall zu vereinfachen.“ Dafür ist die Analyse großer Datenmengen nötig, für die auch Methoden der künstlichen Intelligenz zum Einsatz kommen.

Gefördert wird das Projekt MSTARS (Multimodal Clinical Mass Spectrometry to Target Treatment Resistance) vom BMBF im Rahmen der Fördermaßnahme „Forschungskerne für Massenspektrometrie in der Systemmedizin“. MSTARS ist einer von vier Forschungskernen, die das BMBF ausgewählt hat. Weitere Forschungskerne entstehen in Heidelberg, Mainz und München. Bewilligt wurden die Mittel für zunächst drei Jahre. Nach zweieinhalb Jahren werden die geförderten Projekte einer Zwischenbegutachtung unterzogen, die über die Förderung für weitere drei Jahre entscheidet. Projektstart ist der 1. März 2020.
Massenspektrometrie

Die Massenspektrometrie ist ein technisches Verfahren zur Analyse der Masse von Molekülen und Atomen. Die zu untersuchende Substanz wird dabei in eine Gasphase überführt und anschließend ionisiert. Die entstandenen Ionen werden mithilfe eines elektrischen Feldes stark beschleunigt und in der Analyseeinheit des Massenspektrometers nach dem Verhältnis ihrer Masse zu ihrer Ladung sortiert. Das Massenspektrum einer Substanz gibt Aufschluss über ihre molekulare Zusammensetzung. Daher eignet sich die Massenspektrometrie zur Identifizierung, Charakterisierung und Quantifizierung einer Vielzahl von Biomolekülen, wie Proteinen, Metaboliten, Zuckern und Fetten, die sich je nach Krankheitsbild und Individuum anders verhalten.

Charité – Universitätsmedizin Berlin
Die Charité – Universitätsmedizin Berlin ist mit rund 100 Kliniken und Instituten an 4 Campi sowie 3.001 Betten eine der größten Universitätskliniken Europas. Im Jahr 2018 wurden hier 152.693 voll- und teilstationäre Fälle sowie 692.920 ambulante Fälle behandelt. An der Charité sind Forschung, Lehre und Krankenversorgung eng miteinander vernetzt. Konzernweit sind rund 18.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Berliner Universitätsmedizin tätig. Damit ist die Charité eine der größten Arbeitgeberinnen Berlins. Mehr als 4.500 der Beschäftigten sind im Pflegebereich und rund 4.300 im wissenschaftlichen und ärztlichen Bereich tätig. Im Jahr 2018 hat die Charité Gesamteinnahmen von mehr als 1,8 Milliarden Euro erzielt. Mit mehr als 170,9 Millionen Euro eingeworbenen Drittmitteln erreichte die Charité einen erneuten Rekord. An der medizinischen Fakultät, die zu den größten in Deutschland gehört, werden mehr als 7.500 Studierende der Humanmedizin und der Zahnmedizin ausgebildet. Darüber hinaus gibt es 619 Ausbildungsplätze in 9 Gesundheitsberufen. http://www.charite.de

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)   
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

leben, bilden / 10.02.2020
Landesprogramm für die gute gesunde Kindertagesstätte (Kita)

18 Pankower Kitas sind neu in das Programm gestartet

In Pankow sind 18 Kitas neu in das Landesprogramm für die gute gesunde Kita gestartet. Die Durchführungsvereinbarung wurde in der letzten Woche von den Kitaträgern und der Bezirksstadträtin Rona Tietje (SPD) unterzeichnet. „Durch das Landesprogramm wird ein wichtiger Beitrag geleistet, um schon die Kleinsten an eine gesunde Lebensweise heranzuführen“, so Tietje, die als Stadträtin in Pankow für Jugend, Wirtschaft und Soziales zuständig ist. „Das Programm zielt aber auch darauf ab, den Arbeitsalltag für die Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas gesund und attraktiv zu gestalten. Es leistet damit auch einen Beitrag zur Anerkennung und Wertschätzung dieser wichtigen Aufgabe“.
Das Landesprogramm für die gute gesunde Kita nimmt Themen wie gesunde Ernährung, Bewegung und die Vermeidung von negativen Stressfaktoren in den Blick und verbindet sie mit Lern-, Spiel- und Arbeitsprozessen in der Kita. Die teilnehmenden Kitas erhalten zwei Jahre eine intensive fachliche Begleitung. Dieser Prozess wird unterstützt von zahlreichen Kooperationspartnern, unter anderen mehrere Krankenkassen. Im Anschluss können die Kitas als „Nachhaltigskeitskitas“ weiter von den Methoden und fachlichen Angeboten des Landesprogrammes profitieren. Pankow nimmt seit dem Start des Landesprogrammes in 2012 daran teil. Inzwischen sind 75 Kindertageseinrichtungen an dem Programm beteiligt.

Alle Informationen zu dem Landesprogramm gibt es online unter: https://gute-gesunde-kitas-in-berlin.de/

Hier finden Sie die teilnehmenden Pankower Kitas, darunter auch einige in Berlin-Buch:
https://gute-gesunde-kitas-in-berlin.de/teilnehmende/umsetzungsphase-v/pankow/

forschen / 10.02.2020
Im Detail erfasst: Mutierte DNA in Krebszellen

Die MDC-Forschenden Julia Markowski (links), Roland Schwarz (mitte) and Matthew Robert Huska (rechts) wirkten an der Studie mit. (Foto: Felix Petermann/MDC)
Die MDC-Forschenden Julia Markowski (links), Roland Schwarz (mitte) and Matthew Robert Huska (rechts) wirkten an der Studie mit. (Foto: Felix Petermann/MDC)

Das weltweit größte Krebskonsortium PCAWG hat es sich zur Aufgabe gemacht, die genetischen Veränderungen in Tumoren besser zu verstehen. Eine neue Studie der internationalen Forschungsgruppe, an der auch ein Team des MDC maßgeblich beteiligt war, wird jetzt im Fachblatt „Nature“ veröffentlicht.

Kein Tumor gleicht dem anderen. Deshalb können zwei Personen mit der gleichen Krebsart auf ein Medikament völlig unterschiedlich reagieren: Bei dem einen wird der Tumor kleiner, bei der anderen zeigt sich das entartete Gewebe unbeeindruckt. Meist liegt das an individuellen genetischen Abweichungen der jeweiligen Krebszellen.

Um diese Abweichungen im Detail zu verstehen und Therapien künftig besser an die persönlichen Erfordernisse der Patient*innen anpassen zu können, hat sich ein internationales Team aus mehr als 1.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern – das PCAWG-Konsortium (Pan-Cancer Analysis of Whole Genomes) – vor einigen Jahren zum Ziel gesetzt, gängige Mutationsmuster im Genom von rund 3.000 Krebspatientinnen und -patienten aufzuspüren. Unter den gespendeten Gewebeproben waren Tumore der Leber, der Bauchspeicheldrüse, des Gehirns und 17 weiterer Organe.

Die PCAWG-Forscherinnen und Forscher griffen für ihr Projekt auf die Daten des ICGC (International Cancer Genome Consortium) und des TCGA-Projekts (The Cancer Genome Atlas) zurück. Deren Mitwirkende hatten die Genome und Transkriptome, also die Gesamtheit aller RNA-Moleküle, aus 1.188 der entarteten Gewebeproben, zuvor vollständig sequenziert.

Entschlüsselt wurden auch regulatorische Abschnitte der DNA

„Mit PCAWG wurden erstmals bei einer so großen Zahl von Patientenproben nicht nur die Bereiche des Erbguts untersucht, die Baupläne für Proteine enthalten, sondern auch die regulatorischen Abschnitte der DNA, die das Ablesen der Gene steuern“, sagt Dr. Roland Schwarz, der Leiter der Arbeitsgruppe „Evolutionäre und Krebsgenomik“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). Schwarz ist einer von sieben Senior-Autor*innen der aktuellen „Nature“-Studie, die das zentrale Paper der PCAWG-Arbeitsgruppe 3 „Interaktion von Genom und Transkriptom“ darstellt. Aus seiner eigenen Arbeitsgruppe am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC haben Dr. Matthew Robert Huska und Julia Markowski an dem Paper mitgewirkt. Insgesamt veröffentlicht die PCAWG mehr als 20 Studien gleichzeitig in Nature, Nature Genetics, Nature Communications, Nature Biotech und Communications Biology.

„In unserer Arbeit haben unsere Kollegen und wir eine Vielzahl von RNA-Veränderungen systematisch untersucht und Mutationen auf DNA-Ebene identifiziert, die diese RNA-Veränderungen hervorrufen“, erläutert Schwarz. Krebsspezifische Veränderungen auf der RNA-Ebene sind schon länger bekannt. „Oft werden in Tumoren Gene überexprimiert, also verstärkt abgelesen, wodurch mehr RNA gebildet wird“, sagt Schwarz. „Oder es kommt zu Verschmelzungen von Genen oder zu Änderungen im Splicing, einem wichtigen Schritt bei der Bildung der RNA.“

Strukturelle Veränderungen des Genoms spielen eine entscheidende Rolle

Welche Mutationen der DNA die bekannten Veränderungen der RNA hervorrufen, war bislang jedoch weitgehend unklar. Mit ihrer Arbeit haben Schwarz und 49 weitere Forscherinnen und Forscher nun eine wichtige Lücke im Verständnis für die Genetik der Krebsentstehung geschlossen.

„Ein besonderes Augenmerk unserer Arbeit am MDC lag dabei auf dem Zusammenspiel von punktuellen Mutationen der DNA mit strukturellen Veränderungen, etwa einer veränderten Anzahl der Kopien eines Gens“, berichtet Schwarz. „Normalerweise enthalten unsere Zellen zwei vererbte Kopien eines jeden Chromosoms, ein mütterliches und ein väterliches Allel.“ In Krebszellen sei die Anzahl der Kopien oft drastisch erhöht oder ganze Bereiche des Genoms seien verloren gegangen.

Wie Schwarz und sein Team mithilfe von Hochleistungs-Rechensystemen und Cloud Computing herausgefunden haben, spielen solche Abweichungen in der Kopienzahl eine entscheidende Rolle in der veränderten Genexpression von Krebszellen. "Indem wir die DNA-Sequenzen des gesamten Genoms analysiert haben, konnten wir genau ermitteln, wie veränderte Kopienzahlen mit Punktmutationen zusammenwirken – und welchen Einfluss das wiederum auf die Expression eines bestimmten elterlichen Allels ausübt“, erläutert der Wissenschaftler.

Jedes der drei Milliarden Basenpaare einer Zelle kann mutiert sein

Schwarz hofft, dass die Arbeit von ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen das Verständnis für die Genregulation in Tumoren um einen wichtigen Aspekt erweitert. „Mit unserer Studie legen wir in jedem Fall den Grundstein für weitere Untersuchungen, die dabei helfen werden, die genetische Heterogenität von Tumoren noch detaillierter kennenzulernen“, sagt er.

Denn Fakt ist: Jedes der rund drei Milliarden Basenpaare, die ein menschliches Genom enthält, kann theoretisch mutieren. „Um herauszufinden, wie Zellen wirklich entarten, müssen wir wichtige von unwichtigen Mutationen unterscheiden“, sagt Schwarz. Und das geht nur mit einer sehr großen Zahl an Tumorproben. Und mit einer ähnlich dimensionierten Zahl an engagierten Forscherinnen und Forschern, wie sie sich im PCAWG-Konsortium zusammengeschlossen haben. Auf das noch unveröffentlichte Hauptpaper der gesamten Gruppe darf man schon jetzt gespannt sein.

Weiterführende Informationen

www.mdc-berlin.de

heilen / 10.02.2020
Helios Klinikum Berlin-Buch begrüßt neuen Chefarzt der Kinderchirurgie Dr. med. Stefan Gfrörer

Dr. med. Stefan Gfrörer (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Dr. med. Stefan Gfrörer (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Dr. med. Stefan Gfrörer ist Nachfolger von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Klaus Schaarschmidt und will die Kinderchirurgie auch in den nächsten Jahren auf höchstem Niveau weiterentwickeln und ausbauen

Dr. med. Stefan Gfrörer leitet seit dem 01.02.2020 als Chefarzt das Team der Kinderchirurgie. Er hat von der Klinik für Kinderchirurgie und Kinderurologie der Universitätsklinik Frankfurt nach Berlin-Buch gewechselt.
„Wir freuen uns sehr, dass wir mit Dr. med. Stefan Gfrörer einen ausgewiesenen Spezialisten für die Behandlung unserer kleinsten Patienten gewinnen konnten, der sich neben seiner medizinischen Expertise in allen Teilgebieten der Kinderchirurgie auch durch sein großes Fachwissen sowie besondere Führungsstärke auszeichnet", betont Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor des Helios Klinikums Berlin-Buch.

Als Facharzt für Kinderchirurgie hat Dr. Gfrörer große operative Erfahrungen in allen Gebieten seiner Disziplin. Neben der allgemeinen Kinderchirurgie liegen die Schwerpunkte des 52-Jährigen in der Onkochirurgie, Neugeborenenchirurgie und minimalinvasiven Chirurgie.
"Ich bin mir sicher, dass Dr. Gfrörer an den großen Erfolg von Prof. Schaarschmidt nahtlos anknüpfen kann. Wir bedanken uns bei Prof. Schaarschmidt für sein stets außerordentliches Engagement und seine fachliche Expertise, die den Fachbereich der Kinderchirurgie so maßgeblich vorangetrieben haben und für die vielen Jahre der guten gemeinsamen Arbeit und freuen uns, dass er dem Klinikum als Senior Consultant im Bereich Kinderchirurgie weiterhin beratend zur Seite steht“, so Daniel Amrein, Klinikgeschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch.
Die Klinik für Kinderchirurgie im Helios Klinikum Berlin-Buch, eingebunden in das Perinatalzentrum Level 1, verfügt über rund 40 Betten und versorgt pro Jahr über 2.000 Patienten operativ, vom Frühgeborenen- bis zum Jugendalter. Dr. Gfrörer möchte die Leistungsbereiche seiner Klinik weiter vertiefen und bestimmte Spezialgebiete wie etwa die roboterassistierte Chirurgie etablieren: „Ich freue mich, im Helios Klinikum Berlin-Buch eine traditionsreiche und leistungsstarke Klinik für Kinderchirurgie mit einem breiten Behandlungs- und Operationsspektrum übernehmen zu können. Die Basis für eine bestmögliche operative und konservative Therapie der kleinen und kleinsten Patienten ist neben kinderchirurgischer Kompetenz immer auch die professionelle Vernetzung einer Vielzahl von spezialisierten Mitarbeitern. Ich freue mich sehr auf diese Zusammenarbeit", sagt Dr. Gfrörer.

Sein Studium absolvierte Dr. Gfrörer an den Universitäten Würzburg, Zürich und Los Angeles. Er arbeitete an verschiedenen Kliniken in England, sowie in den Kinderchirurgischen Klinken Heidelberg und Karlsruhe. Zuletzt war Dr. Gfrörer stellvertretender Klinikdirektor der Klinik für Kinderchirurgie und Kinderurologie der Universitätsklinik Frankfurt, wo er auf eine langjährige Erfahrung im Bereich der minimalinvasiven Kinderchirurgie zurückblickt.

 

Über das Helios Klinikum Berlin-Buch

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.
Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zu Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.

Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 100.000 Mitarbeitern. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland und Quirónsalud in Spanien. Rund 19 Millionen Patienten entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2018 erzielte das Unternehmen in beiden Ländern einen Gesamtumsatz von 9 Milliarden Euro.

In Deutschland verfügt Helios über 86 Kliniken, 126 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und 10 Präventionszentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,3 Millionen Patienten behandelt, davon 4,1 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland mehr als 66.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2018 einen Umsatz von rund 6 Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 47 Kliniken, 57 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 13,3 Millionen Patienten behandelt, davon 12,9 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt rund 34.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2018 einen

www.helios-gesundheit.de

leben / 07.02.2020
Radverkehrsmaßnahmen für Pankow im Fahr-Rat vorgestellt

Konzept sieht insgesamt 20 Fahrradstraßen vor

Auf der aktuellen Sitzung des Pankower Fahr-Rats stellte Vollrad Kuhn (Bündnis90/Die Grünen), Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste, am 5. Februar 2020 sein Konzept für Radverkehrsmaßnahmen den anwesenden Initiativen und Bezirksverordneten vor. Ein Schwerpunkt wird dabei auf der Einrichtung von Fahrradstraßen liegen.

Insgesamt plant Vollrad Kuhn die Einrichtung von ca. 20 neuen Fahrradstraßen bis einschließlich 2023. Als Straßen wurden sogenannte Nebennetzstraßen (in Tempo-30-Zonen) ausgewählt, die schon Bestandteil des Berliner Fahrradroutennetzes sind. Die neuen Fahrradstraßen sollen die Lücken im Pankower Radroutennetz schließen und den Radverkehr im Bezirk sicherer und somit attraktiver machen. 

Die Bauleistung für die Fahrradstraße in der Ossietzkystraße wurde vergeben und die Stargarder Straße soll auch noch in der aktuellen Fahrrad-Saison eröffnet werden. Mit der Bizetstraße in Weißensee und der Duncker-, Senefelder-, Gleim- sowie der Kollwitzstraße in Prenzlauer Berg sollen dann bereits bis Ende 2021 noch weitere Fahrradstraßen realisiert werden.

forschen / 05.02.2020
Neuer Forschungsbereich von BIH, MDC und Charité

Foto: (c) BIH
Foto: (c) BIH

Einzelzelltechnologien für die Personalisierte Medizin – Das Berlin Institute of Health (BIH), das Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und die Charité – Universitätsmedizin Berlin starten eine gemeinsame Forschungsinitiative.

2018 waren sie der „Durchbruch des Jahres“: Das Wissenschaftsmagazin Science kürte die neuen Techniken, mit denen Wissenschaftler*innen einzelne Körperzellen analysieren können, zur wichtigsten Errungenschaft. Erstmals war es möglich, ganze Organe, Tumoren oder ganze Insektenlarven in einzelne Zellen zu zerlegen, ihre Genaktivität zu messen und mithilfe von Hochleistungsrechnern und künstlicher Intelligenz die Einzelzellanalysen wieder zum ganzen Organ oder Organismus zusammen zu setzen. Arbeiten aus dem BIMSB waren mit verantwortlich für diesen „Durchbruch des Jahres“. „Das ist so, als ob wir ein Supermikroskop erfunden hätten, mit dem wir plötzlich in jede Zelle in einem Gewebe hineinschauen könnten, in alle Zellen gleichzeitig, und sehen könnten, was molekular in der Zelle vor sich geht - zum Beispiel wann und warum sie krank wird“, sagt Professor Nikolaus Rajewsky, Direktor des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB) am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und Sprecher des neuen BIH-Forschungsfokus „Einzelzelltechnologien für die Personalisierte Medizin“.

Modernste Technologien für den klinischen Einsatz
Den Kern des neuen Forschungsfokus bilden drei neue, international berufene Nachwuchsforschungsgruppen. Sie werden verschiedene Krankheiten auf der Ebene einzelner Zellen erforschen, um diese systematisch auf molekularer Ebene zu charakterisieren und neue Methoden zu entwickeln, mit denen diese Krankheiten besser diagnostiziert und behandelt werden können. Die Nachwuchsgruppen werden am BIMSB und damit in unmittelbarer Nähe zum Campus Mitte der Charité angesiedelt sein. Im BIMSB haben sie Zugang zu neuesten Einzelzellmethoden und systembiologischer Expertise. Gleichzeitig wird jede Nachwuchsgruppe eng mit einer Klinikerin oder einem Kliniker der Charité zusammenarbeiten, damit Einzelzelltechnologien für konkrete medizinische Fragestellungen und den klinischen Einsatz etabliert werden können. „Deswegen betrachte ich diese Initiative als den Beginn eines „Cell Hospitals“, in dem die Grundlagenforschung des MDC/BIMSB, die klinische Forschung an der Charité und die translationale Forschung des BIH zusammenkommen. Nicht nur, um die Mechanismen zu verstehen, warum Zellen krank werden, sondern auch, um diese Zellen so frühzeitig zu entdecken, dass man sie wieder auf den Pfad des Gesunden zurückbringen kann, bevor die Krankheiten so dramatisch werden, dass man sie nur sehr schwierig oder invasiv und teuer behandeln kann”, erklärt Rajewsky.

Zwölf Bewerber*innen für die Leitung einer Nachwuchsgruppe wurden nach einem hochkompetitiven Berwerbungsverfahren zu einem öffentlichen Symposium am 6. Februar 2020 nach Berlin eingeladen, um ihre bisherige wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Einzelzellbiologie und ihre Ideen für deren Einsatz in der Klinik vorzustellen. Die eingeladenen Wissenschaftler*innen kommen aus weltweit führenden Instituten in den USA, Israel, Schweden, England, der Schweiz und Deutschland. Zum Auswahlgremium gehören Arbeitsgruppenleiter*innen am BIMSB sowie Klinikdirektor*innen aus der Charité, die Interesse am neuen Fokusbereich bekundet haben. Darunter sind Vertreter*innen der Onkologie, der Neurologie, der Infektionskrankheiten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Seltenen Erkrankungen. Professor Axel R. Pries, Dekan der Charité – Universitätsmedizin und Vorstandsvorsitzender (interim) des BIH erklärt: „Zu den Auswahlkriterien gehören neben der wissenschaftlichen Exzellenz auch die Passfähigkeit zu einem Klinikbereich sowie das Potential, die Forschungsergebnisse tatsächlich in die klinische Anwendung zu übertragen.“

Signifikante Fortschritte erwartet
Das Auswahl-Symposium stellt den wissenschaftlichen Auftakt für die Arbeit des neuen Forschungsfokus „Einzelzelltechnologien für die Personalisierte Medizin“ von BIH und MDC dar. Nikolaus Rajewsky blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Ich bin mir sicher, dass wir natürlich nicht für alle, aber für einige Krankheiten richtig signifikante Fortschritte machen werden. Der neue Forschungsfokus ermöglicht einen Brückenschlag zwischen Grundlagenforschung und der Klinik und damit die Translation, der durch die unmittelbare Nähe von BIMSB/MDC, Charité und BIH viel Innovation und langfristig Fortschritt für die Patientinnen und Patienten ermöglichen wird.“

Über das Berlin Institute of Health (BIH)
Das Berlin Institute of Health (BIH) ist eine Wissenschaftseinrichtung für Translation und Präzisionsmedizin. Das BIH widmet sich neuen Ansätzen für bessere Vorhersagen und neuartigen Therapien bei progredienten Krankheiten, um Menschen Lebensqualität zurückzugeben oder sie zu erhalten. Mit translationaler Forschung und Innovationen ebnet das BIH den Weg für eine nutzenorientierte personalisierte Gesundheitsversorgung. Das BIH wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sind im BIH eigenständige Gliedkörperschaften.

Über das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Über die Charité – Universitätsmedizin Berlin
Die Charité – Universitätsmedizin Berlin ist mit rund 100 Kliniken und Instituten an 4 Campi sowie 3.001 Betten eine der größten Universitätskliniken Europas. Im Jahr 2018 wurden hier 152.693 voll- und teilstationäre Fälle sowie 692.920 ambulante Fälle behandelt.

An der Charité sind Forschung, Lehre und Krankenversorgung eng miteinander vernetzt. Konzernweit sind rund 18.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Berliner Universitätsmedizin tätig. Damit ist die Charité eine der größten Arbeitgeberinnen Berlins. Mehr als 4.500 der Beschäftigten sind im Pflegebereich und rund 4.300 im wissenschaftlichen und ärztlichen Bereich tätig.

Im Jahr 2018 hat die Charité Gesamteinnahmen von mehr als 1,8 Milliarden Euro erzielt. Mit mehr als 170,9 Millionen Euro eingeworbenen Drittmitteln erreichte die Charité einen erneuten Rekord. An der medizinischen Fakultät, die zu den größten in Deutschland gehört, werden mehr als 7.500 Studierende der Humanmedizin und der Zahnmedizin ausgebildet. Darüber hinaus gibt es 619 Ausbildungsplätze in 9 Gesundheitsberufen. http://www.charite.de

Pressemitteilung von BIH, MDC und Charité

leben / 30.01.2020
Start für 4. Bauabschnitt im Schlosspark Buch

Schlosspark Berlin-Buch (Foto: Christine Minkewitz, Campus Berlin-Buch GmbH)
Schlosspark Berlin-Buch (Foto: Christine Minkewitz, Campus Berlin-Buch GmbH)

Wiederherstellung der Wege und Alleen im nördlichen Holländischen Garten

Im Rahmen des Förderprogramms „Stadtumbau“ wird in diesem Jahr der 4. Bauabschnitt zur Qualifizierung des Schlossparks Buch realisiert. Insgesamt stehen dafür finanzielle Mittel in Höhe von 580.000 Euro zur Verfügung.

Der Abschnitt umfasst den Bereich des nördlichen Holländischen Gartens mit den vier symmetrischen Wiesenkarrees. Die umlaufenden Wege mit dem inneren Wegekreuz werden erneuert, der mittlere Querweg erhält zwei Rondelle mit Rundbänken. Alle Alleen werden vervollständigt, gemäß dem vorherigen Bauabschnitt mit Linden bzw. Hainbuchen. Die Wiesenflächen werden in den Bereichen entlang der Wege neu angesät. Der fehlende östliche Kanal-Arm soll nicht wiederhergestellt, stattdessen wird der ehemalige Verlauf durch Entnahme der Strauchvegetation wieder sichtbar gemacht.

Im Rahmen der geplanten Maßnahmen müssen ab Mitte Februar 2020 insgesamt 19 Bäume gefällt werden. Sieben davon werden auf Grund ihrer starken Schädigung gefällt, drei Bäume zu Gunsten der Neupflanzung innerhalb der Allee, um so den notwendigen Lichtraum zu schaffen, und neun Bäume werden zu Gunsten einer guten Weiterentwicklung von vorhandenen Allee- bzw. Nachbarbäumen entnommen. Weiterhin wird entlang der Alleebäume vorhandener Wildaufwuchs entfernt.

Für Neupflanzungen sind insgesamt 32 Hainbuchen, 8 Linden und rund 70 Gehölze vorgesehen.

Die Baumaßnahme läuft von Februar bis Dezember 2020. Während der Bauzeit wird der zu bearbeitende Teil des Parks nicht nutzbar sein.

investieren, produzieren / 29.01.2020
Campus Buch: Energieeffizient und umweltfreundlich

Zertifizierung im Rahmen des BENE-Projekts, das durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert wird.
Zertifizierung im Rahmen des BENE-Projekts, das durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert wird.


BENE-Projekt erfolgreich abgeschlossen: Die Campus Berlin-Buch GmbH wurde nach DIN EN ISO 50001:2018 für nachhaltiges Energiemanagement zertifiziert

Die Speziallabore der Biotechnologieunternehmen auf dem Campus Berlin-Buch benötigen regelmäßigen Luftaustausch mit entsprechender Kälte- oder Wärmezufuhr. Kühlflächen dienen der Lagerung von Probenmaterial, Fernwärme beheizt die Büroräume. Rund 3.000 Mitarbeiter der Wissenschaftseinrichtungen und Biotech-Unternehmen fahren morgens mit verschiedenen Verkehrsmitteln zur Arbeit, schalten das Licht in den Arbeitsräumen ein, fahren Computer und Anlagen hoch. Überall ist Energie im Spiel – welche das ist und wie diese verbraucht wird, liegt zu großen Teilen in den Händen der Campus-Betreiberin Campus Berlin-Buch GmbH (CBB).

Seit Jahren setzt die CBB konsequent auf Energieeffizienz. Dennoch lässt sich an vielen Stellen weiterhin Energie einsparen oder durch erneuerbare Energien ersetzen, um den Ausstoß an Kohlenstoffdioxid zu verringern. Um diese Potenziale zu ermitteln und auszuschöpfen, hat die CBB eigenständig ein Energiemanagementsystem entwickelt und eingeführt. Dieses System wurde nun an den erneuerten Standard DIN EN ISO 50001:2018 angepasst. Gefördert wurde dieser Prozess mit Mitteln des Berliner Programms für Nachhaltige Entwicklung (BENE).

„Wir betreiben schon lange ein anspruchsvolles Energiemanagementsystem für den BiotechPark, das wir entsprechend unserer Anforderungen entwickelt haben. Dieses sowie ein ergänzendes, für weitere Nutzer offenes System wurde jetzt nach der DIN EN ISO 50001 zertifiziert“, so Dr. Christina Quensel, Geschäftsführerin des Campusmanagements. „Da die Norm 2018 einer Revision unterzogen wurde, galt es für uns, die neuen, ab 2019 geltenden Kriterien erstmalig in der Region anzuwenden. Dabei wurden wir erfolgreich vom Netzwerk „green with IT“ e.V. und weiteren Fachdienstleistern unterstützt.“ Den Zertifizierungsprozess schloss die hierfür akkreditierte, europäische Genossenschaft verico SCE im Oktober 2019 ab. Sie bestätigte, dass der neue Standard normkonform und wirksam umgesetzt wurde und überreichte ein drei Jahre gültiges Zertifikat.

Im Rahmen der Zertifizierung wurde eine High-Level-Struktur etabliert – ein Grundgerüst für die Implementierung normierter Prozesse im Managementsystem. Diese Struktur erleichtert zum Beispiel auch die Verknüpfung mit weiteren Gebäude-Betreibern auf dem Campus und im Stadtteil. Darüber hinaus wurden wesentliche energierelevante Faktoren im BiotechPark analysiert – von der Gebäudetechnik bis hin zur Versorgung mit Fernwärme. Das vorhandene digitale Zählermanagement bildete eine sehr gute Grundlage, um die Energiekennzahlen von Laboren, Büros oder Kühlflächen im BiotechPark differenziert zu erfassen und mit anderen Standorten vergleichen zu können.

„Mit den Ergebnissen wollen wir den spezifischen Energieverbrauch der eigenen Gebäude kontinuierlich erfassen und senken und benachbarte Gebäude optional in gleicher Weise ertüchtigen. Eine der Maßnahmen wird zum Beispiel sein, flächendeckend IT-basierte Wärmemengenzähler im BiotechPark einzubauen, die wir partiell erprobt haben,“ so Dr. Quensel. „Als landeseigener Liegenschafts-Campus sehen wir uns in einer Vorbildfunktion, den Anteil an erneuerbaren Energien zu erhöhen und Synergien der Energieversorgung zu nutzen – auch in Zusammenarbeit mit den umgebenden Quartieren in Buch. In unserer Strategie spielt zum Beispiel perspektivisch die Prüfung von Geothermie eine Rolle.“

Um die Energiebilanz zu verbessern, betrachtet die CBB neben Wärme, Kälte und Strom auch die Mobilität der Beschäftigten. Sie setzt sich unter anderem für die Verbesserung der Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln und den Fahrradverkehr ein. Ein Beispiel dafür ist das Modellprojekt CAMPUSbike, das der Campus gemeinsam mit dem Helios Klinikum etabliert hat.

Der Zertifizierungsprozess für das Energiemanagement hat sich bereits rentiert: „Allein durch den Einsatz moderner Geräte oder durch Nachrüstung mit modernen Technologien könnten wir ab 2021 rund 460.000 Kilowattstunden einsparen. Das entspricht rund 152 Tonnen CO2,“ erklärt Dr. Quensel.


Weiterführende Informationen


BENE - Förderung für Klima- und Umweltschutz in Berlin

Das Berliner Programm für Nachhaltige Entwicklung (BENE) stellt im Zeitraum von 2015 bis 2020 Fördermittel für innovative Maßnahmen, Projekte und Initiativen bereit, die zu einem klimaneutralen und umweltfreundlichen Berlin beitragen. BENE wird aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert.
Ziel des Programmes ist es, nachhaltig und gewinnbringend die Verringerung der CO2-Emissionen im gewerblichen und öffentlichen Bereich zu unterstützen, um Wirtschaftswachstum und Ressourcenschonung in Einklang zu bringen. Durch eine umweltentlastende Infrastruktur soll der ökologische Strukturwandel beschleunigt und die Lebens- und Umweltqualität Berlins verbessert werden.
Das Programm besteht aus zwei Maßnahmenpaketen: BENE Klima mit fünf Förderschwerpunkten und BENE Umwelt mit zwei Förderschwerpunkten.
https://www.berlin.de/senuvk/umwelt/foerderprogramme/bene/


Über den Campus Berlin-Buch

Der Campus Berlin-Buch ist ein moderner Wissenschafts- und Biotechnologiepark. Alleinstellungsmerkmale sind der klare inhaltliche Fokus auf Biomedizin und das enge räumliche und inhaltliche Zusammenwirken von Forschungsinstituten, Kliniken und Biotechnologie-Unternehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erforschung molekularer Ursachen von Krebs,- Herzkreislauf- und neurodegenerativen Erkrankungen, eine interdisziplinär angelegte Grundlagenforschung zur Entwicklung neuer Therapien und Diagnoseverfahren, eine patientenorientierte Forschung und die unternehmerische Umsetzung biomedizinischer Erkenntnisse.

Mit dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und dem Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) als Einrichtungen der Grundlagenforschung, dem gemeinsam von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin betriebenen und auf klinische Forschung spezialisierten Experimental and Clinical Research Center (ECRC), dem Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH) sowie dem BiotechPark Berlin-Buch hat der Campus ein herausragendes Innovations- und Wachstumspotenzial.
Der BiotechPark Berlin-Buch gehört mit 63 Unternehmen, 800 Beschäftigten und rund 31.000 Quadratmetern Büro- und Laborfläche zu den führenden Technologieparks in Deutschland. Ausgründungen aus den Life Sciences finden hier ideale Bedingungen, vom Technologietransfer bis hin zu branchenspezifischen Labor- und Büroflächen. Die Life Science Community vor Ort ermöglicht einen direkten Austausch und gemeinsame Projekte.
Als Betreibergesellschaft des Campus ist die Campus Berlin-Buch GmbH Partner für alle dort ansässigen Unternehmen und Einrichtungen. Biotechnologieunternehmen – von Start-ups bis zu ausgereiften Firmen – anzusiedeln, zu begleiten und in allen Belangen zu unterstützen, gehört zu ihren wesentlichen Aufgaben.
www.campusberlinbuch.de
 

verico SCE

Die Firma, verico SCE (Societas Cooperativa Europaea), eine europäische Genossenschaft mit Sitz in Langenbach bei München, hat eine besondere Organisationsstruktur unter allen akkreditierten Prüforganisationen. Die Mitglieder sind Freiberufler und kleine Unternehmen aus ganz Deutschland sowie mehreren EU-Ländern. Die umfassende technische Kompetenz der Experten erlaubt, entsprechend der umfassenden Akkreditierung, die Zertifizierung aller Arten von industriellen und nicht-industriellen Energiemanagementsystemen.
www.verico.eu/de
 

green with IT e.V.

Der Verein green with IT eine Initiative von 19 Unternehmen bestehend aus Partnern wissenschaftlicher Einrichtungen und KMU’s. Schwerpunkt ist die Implementierung disruptiver Lösungen zur nachhaltigen Verbesserung der Energieeffizienz und die Schaffung neuer Wertschöpfungsketten mit digitalen Energieeffizienz-Systemen. Die angestrebten Lösungen setzen konsequent auf sichere IoT-Anwendungen, mit denen Vermieter und auch Mieter einer Wohn- oder Gewerbeimmobilie von Einsparungen profitieren können.
green-with-it.de

www.campusberlinbuch.de

leben / 29.01.2020
Ball der Vielfalt – neue Tradition in Pankow begründet

Seinen ersten „Ball der Vielfalt“  feierte der Bezirk Pankow, am Freitag, dem 24. Januar 2020,  im Rathaus mit rund 800 Pankower*innen. Anlass für das Fest war die feierliche Begrüßung der im Jahr 2019 in Pankow neu Eingebürgerten. Unter den Gästen waren neben den Neueingebürgerten die Pankower Migrant*innenorganisationen, die Frauennetzwerke, LSBTIQ-Communities und inklusive Projekte. „Unser Anliegen war es, mit dem Fest die auch durch Einbürgerung wachsende Vielfalt unseres Bezirkes abzubilden und zu zeigen, dass unser Bezirk Diversität wertschätzt. Dies ist geglückt! Der Ball war ein voller Erfolg. Wir haben damit eine neue Tradition in Pankow begründet und werden künftig einmal im Jahr den Ball der Vielfalt feiern“, sagt Bezirksbürgermeister Sören Benn (DIE LINKE). Die größte Gruppe der neu Eingebürgerten bildeten mit Abstand die Brit*innen.

Organisiert wurde der Ball von den Beauftragten des Bezirksamts für Gleichstellung, Integration, EU-Angelegenheiten und Menschen mit Behinderungen in Kooperation mit dem Arbeitskreis Diversity der Pankower Migrant*innenorganisationen, der Musikschule Béla Bartók und dem Tourismusverein Berlin-Pankow. Mehr als 70 Kolleg*innen des Bezirksamts wirkten an der Umsetzung mit. „Ich danke den vielen freiwilligen Helfer*innen aus unserer Belegschaft. Ihr Engagement war grandios. Ohne sie hätte der Ball nicht realisiert werden können! Ebenso gilt mein besonderer Dank den vielen Pankower Unternehmer*innen, die den Ball unterstützt haben“, so Sören Benn. Gefördert wurde der "Ball der Vielfalt" maßgeblich durch das Bundesprogramm Demokratie Leben und dem Integrationsfonds des Berliner Senats.

Mehr Informationen sind auf der Homepage des Bezirksamts Pankow eingestellt:
https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/beauftragte/integration/information/artikel.873472.php

 

leben / 27.01.2020
Bundessieger „Sterne des Sports“ in Gold 2019

Der Berliner Verein Pfeffersport e.V. hat die Auszeichnung „Sterne des Sportes“ 2019 bekommen. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis für Sportvereine wurde Vertretern des Vereins am 21. Januar 2020 durch Bundeskanzlerin Angela Merkel überreicht.
Bezirksbürgermeister Sören Benn (Die Linke) beglückwünschte den Geschäftsführer Jörg Zwirn zu dieser Ehrung: „Ich freue mich sehr für Sie, Ihr Team, die Vereinsmitglieder und Unterstützer von Pfeffersport e.V., dass Ihr Sportverein mit seinem Engagement „Mission Inklusion“ beim bundesweit wichtigsten Wettbewerb für Vereine des Freizeit- und Breitensports als Sieger hervorgegangen ist. Es ist ganz wunderbar, dass Sie den Inklusionssport mit einem Diversity-Ansatz von Pankow aus so vorantreiben und damit nicht nur berlinweit sondern auch bundesweit Maßstäbe setzen. Machen Sie bitte weiter so. Vielen herzlichen Dank für dieses Engagement!“.

forschen / 27.01.2020
Ultrakalte Mikroskope für den Campus

© Felix Petermann, MDC
© Felix Petermann, MDC

Ab Mitte 2020 stehen auf dem Campus Buch zwei neue Kryo-Elektronenmikroskope (Kryo-EM) für die Wissenschaft zur Verfügung. Das Gebäude ist fast fertig, die ersten Kisten mit den Geräten wurden im Dezember geliefert. Bis es wirklich losgehen kann, gibt es noch einiges zu tun.

Wer mikroskopisch kleine Strukturen wie Proteine auf Nanometerebene sichtbar machen will, braucht zum einen Elektronenstrahlen, um sie zu vergrößern. Zum anderen muss es sehr kalt sein. Mit Kryo-EM lassen sich Proteine bei Temperaturen unter -150°C untersuchen, um ihre dreidimensionale Strukturen mit einer Trennschärfe von 0.2 Nanometern darzustellen. Dabei behalten Proteine nahezu ihre ursprüngliche Form. Das ist wichtig, um ihre Funktionalität analysieren zu können.

Zwei Kryo-EM der Charité – Universitätsmedizin Berlin wurden bereits Mitte Dezember auf dem Campus Buch in großen Kisten angeliefert – bis der Aufbau im Februar beginnt, lagern sie in dem eigens für das Kryo-EM errichteten Gebäude des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). „Wir bauen ein kleines Haus für ein sehr großes Mikroskop“, sagt Ralf Streckwall, Leiter des Technical Facility Managements Errichten auf einem Baustellenfest im November. Das Forschungsgebäude wird im Frühling 2020 fertig sein. Etwa 2,75 Millionen Euro kostet alleine der Neubau. Das größte Mikroskop ist fast vier Meter hoch und hat einen Wert von fünf Millionen Euro. Die 50% Co-Finanzierung für die Geräteausstattung hat die Charité bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingeworben.

Proteine in ihrer zellulären Umgebung
Wahrscheinlich ab Mitte des Jahres können Berliner Forschende die hochmoderne Technik für ihre Projekte nutzen. „Wir wollen in der Strukturbiologie sehr eng mit der Charité und anderen akademischen Partnern in Berlin zusammenarbeiten“, sagt Dr. Jutta Steinkötter, Leiterin für Wissenschaftliche Infrastruktur am MDC. „Bis dahin ist allerdings noch einiges zu tun. Wir freuen uns, dass wir Dr. Christoph Diebolder für die Leitung der Core Facility für Kryo-Elektronenmikroskopie gewinnen konnten. Herr Diebolder wird ab dem 1. Februar 2020 seine Tätigkeit aufnehmen.“ sagt Dr. Claudia Flügel, Referentin für Forschungsinfrastruktur an der Charité.

Viele MDC-Wissenschaftler*innen freuen sich auf den Start. Der Strukturbiologe Professor Oliver Daumke zum Beispiel untersucht Proteine, die innerhalb der Zelle wichtige Funktionen ausführen, indem sie zelluläre Membranen unter Energieverbrauch verformen. Deren dreidimensionale Struktur könnte Daumke zwar auch mit der Kristallografie abbilden. Diese Methode erzeuge jedoch das Bild eines isolierten Proteins. „Das Besondere an der Kryo-Elektronenmikroskopie ist, dass wir damit die Proteine in ihrer zellulären Umgebung anschauen können“, erklärt Daumke. Die neue Technik auf dem Campus Buch sei gleichzeitig für ambitionierte junge Nachwuchsforscher*innen attraktiv, die ein eigenes Forschungsthema entwickeln wollen. Zur Zeit findet am MDC ein Auswahlprozess für eine solche Nachwuchsgruppe statt.

Jede Vibration stört
Für die Kryo-EM einen geeigneten Standort in Berlin zu finden, war gar nicht so einfach. Problematisch seien elektromagnetische Felder und Erschütterungen im Boden, sagt Projektleiter Karsten Hönig vom MDC: „Selbst der Campus-Bus erzeugt beispielsweise beim Vorbeifahren Vibrationen, die die Funktion der Mikroskope beeinträchtigen. Der Boden des Gebäudes besteht deshalb aus einer einzigen, 1,25 m dicken Betonplatte, die wie ein großes schweres Schiff auf dem Wasser die Schwingungen der Bodenwellen ausgleicht.“

Der Neubau für die Mikroskope ist gerade nur eine von mehreren Baustellen auf dem Campus. In unmittelbarer Nähe entsteht auf über 2700 Quadratmetern das Optical Imaging Center (OIC) des MDC. Dieses neue Gebäude soll ab 2022 Forschung, Anwendung und Innovation in der Mikroskopie, (Bio-)physik und Life Sciences miteinander verbinden und ebenfalls internen und externen Forschenden, Gastwissenschaftler*innen am MDC und Partnern aus der Industrie zur Verfügung stehen.

https://www.mdc-berlin.de/de/news/news/ultrakalte-mikroskope-fuer-den-campus

www.mdc-berlin.de

forschen / 27.01.2020
Neuromuskuläres Organoid: Es kontrahiert!

Neuromuskuläres Organoid, 100 Tage lang im Labor kultiviert, mit einem neuronalen (grün) und einem muskulären (violett) Teil. Jorge Miguel Faustino Martins, MDC
Neuromuskuläres Organoid, 100 Tage lang im Labor kultiviert, mit einem neuronalen (grün) und einem muskulären (violett) Teil. Jorge Miguel Faustino Martins, MDC

Neues Forschungsmodell für neuromuskuläre Entwicklung und Erkrankungen: Erstmals sind im Labor aus einem Typ von Vorläuferzellen zwei menschliche Gewebearten hervorgegangen, die gemeinsam ein funktionsfähiges neuromuskuläres Organoid bilden.

Die Arbeitsgruppe von Dr. Mina Gouti am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz Gemeinschaft (MDC) hat funktionsfähige neuromuskuläre Organoide (NMO) entwickelt, die sich selbstständig in Rückenmarksneuronen und Muskelgewebe organisiert haben. Die beiden Zelltypen bilden gemeinsam ein komplexes neuronales Netzwerk, das Muskelgewebe kontrahieren lässt. Diese Organoide stellen Forschende in der Fachzeitschrift Cell Stem Cell vor. Sie sind ein Durchbruch im Forschungsbereich der neuromuskulären Entwicklung und Erkrankungen beim Menschen.

Fortbewegung entsteht, wenn ein komplexes neuronales Netzwerk rhythmische Muster von neuronaler Aktivität generiert. Störungen in diesem Netzwerk führen zu unheilbaren neuromuskulären Erkrankungen, Lähmung und Tod. Bislang gab es kaum verlässliche humane Zellkulturmodelle, die es erlauben Krankheiten des neuromuskulären Systems zu erforschen.

Mit einigen einzigartigen Eigenschaften sind die Organoide ein attraktives Untersuchungsmodell. Eine Schlüsseleigenschaft ist die Entwicklung der motorischen Endplatten, das sind die Verbindungsstellen zwischen Neuronen und Muskelzellen und Übertragungsort für Signale, die zu Bewegungen führen. Innerhalb der Organoide sind zum ersten Mal Rückenmarksneuronen, Skelettmuskeln und Schwann-Zellen gleichzeitig aus denselben Vorläuferzellen entstanden, sowie motorische Endplatten. Außerdem entwickelte sich ein komplexer Schaltkreis, der die Zentrale Mustergeneratoren-Schaltungen (ZMG) nachahmt, indem er oszillierende rhythmische Signale aussendet, die wesentlich für das Atmen und Laufen sind.

„Unser ursprüngliches Ziel bestand darin, die motorische Endplatte zu entwickeln. Was wir gefunden haben übertraf jedoch unsere Erwartungen – das zusätzlich ZMG-artige Netzwerke entstanden sind, ist eine aufregende, aber unerwartete Entdeckung“, sagt Gouti, Leiterin der Arbeitsgruppe „Stammzellen-Modellierung der Entwicklung und Erkrankung“. „Bisher wurde soetwas noch nicht an einem menschlichen in vitro-Modell gezeigt. Es eröffnet vollkommen neue Möglichkeiten, wie etwa die Erforschung der ZMG innerhalb von neurodegenerativen Erkrankungen.“

Die Zwei-in-eins-Herausforderung
Organoide sind vereinfachte organartige Strukturen in Miniaturformat, erschaffen im Labor. Herstellungstechniken aus unterschiedlichen Gewebearten wurden im letzten Jahrzehnt weiterentwickelt. Ein einzelnes Organoid, das aus zwei sich gleichzeitig entwickelnden Gewebearten besteht, blieb jedoch lange eine große Herausforderung: Um die motorische Endplatte zu erforschen, wurden beispielsweise Rückenmarksneuronen und Muskeln zunächst getrennt voneinander gezüchtet. Dann führte man sie zusammen, damit sie miteinander interagieren konnten. So haben sich zwar Verbindungen gebildet, die jedoch nur eingeschränkt funktionierten, teilweise lag das am Fehlen der essenziellen Schwann-Zellen.

„Kombiniert man einzelne Muskel- oder Neuronen-Systeme miteinander, kommt man schnell an seine Grenzen“, sagt Jorge-Miguel Faustino Martins, Erstautor und Biotechnik-Doktorand in Goutis Arbeitsgruppe. „Das ist nicht zu vergleichen mit dem was im Embryo geschieht, wo sich beides gleichzeitig entwickelt. Indem man das Potenzial von Stammzellen mit der Organoid-Technologie verknüpft, entstehen aus neuromuskulären Organoiden spannende Forschungsmodelle für Krankheiten oder für Entwicklungsstudien. So können wir die Bildung komplexer neuromuskulärer Schaltkreise in Echtzeit in einer 3D-Mikroumgebung analysieren, die jener in einem Embryo näher kommt.“

Die Wichtigkeit des richtigen Vorläuferzelltyps
Um diese Herausforderung zu meistern, machten Gouti und Kolleg*innen von einer früheren Entdeckung Gebrauch: Pluripotente humane Stammzellen in axiale Stammzellen umwandeln. Von den axialen Stammzellen ist bekannt, dass sie während der normalen Embryonalentwicklung sowohl Rückenmark als auch Skelettmuskulatur ausbilden. Der gewünschte Typ axialer Stammzellen waren in diesem Fall neuromesodermale Vorläuferzellen.

In einer 3D-Zellkultur differenzierten sich die Stammzellen aus und organisierten sich von selbst zu komplexen Strukturen, die aus Rückenmarksneuronen und Skelettmuskelgewebe bestehen. So entwickelten sich motorische Endplatten mit terminalen Schwann-Zellen und komplexe spinale neuronale Netzwerke, ähnlich der zentralen Mustergeneratoren (ZMG).

„Auffällig ist, dass sich die beiden unterschiedlichen Gewebe in 3D selbst organisierten und funktionale Netzwerke entwickeln können“, sagt Gouti. „Diese Organoide kontrahierten nach 40 Tagen in der Zuchtkultur. Ihre Aktivität beruht nicht etwa auf spontaner Muskelaktivität, sondern auf dem Neurotransmitter Azetylcholin, der von örtlichen Motoneuronen abgesondert wird. Das wurde deutlich, als wir die Azetylcholin-Rezeptoren pharmakologisch blockierten, was die Muskelkontraktion unterband.“

Die Organoide wachsen zu einer Größe von durchschnittlich 6 Millimetern Durchmesser heran und können für etliche Monate im Labor am Leben erhalten werden, ohne dass sich ihr Zustand verschlechtert. Die gegenwärtig ältesten neuromuskulären Organoide existieren seit eineinhalb Jahren in Zuchtkultur. Wichtig ist: Analysen haben gezeigt, dass neuromuskuläre Organoide mit ähnlicher Effizienz aus unterschiedlichen menschlichen pluripotenten Stammzelllinien gebildet werden können. Dieser breite Ansatz eignet sich insbesondere für die Erforschung neuromuskulärer Erkrankungen und nutzt dabei induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) von Patient*innen.

Ein Modell für neuromuskuläre Erkrankungen
Das Potenzial von NMO als Forschungsmodell für neuromuskuläre Erkrankungen, testeten die Wissenschaftler*innen anhand einer Autoimmunerkrankung: Bei Myasthenia Gravis ist die Signalübertragung an der motorischen Endplatte gestört. Behandelten die Forschenden Organoide 72 Stunden lang mit dem Serum von zwei Patient*innen, führte dies zu weniger Muskelkontraktionen, was die Muskelschwäche der Erkrankten wiederspiegelt.

„Dieses Ergebnis fasst Schlüsselaspekte der Krankheitssymptomatik zusammen und legt nahe, dass neuromuskuläre Organoide zuverlässig neuromuskuläre Erkrankungen modellieren können“, so Dr. Simone Spuler, eine der Co-Autorinnen der Veröffentlichung und Leiterin der Arbeitsgruppe „Myologie“.

Die unterschiedlichen genetischen Ursachen und das variable Auftreten von lähmenden neuromuskulären Erkrankungen, wie etwa die Spinale Muskelatrophie oder Amyotrophe Lateralsklerose, waren eine große Herausforderung, um patient*innenspezifische Therapien zu entwickeln. „Die Verwendung von NMO mit iPS-Zellen von Patient*innen ermöglicht uns in Zukunft, die Entstehung und den Verlauf von Krankheiten zu untersuchen. Diese Organoide sind besser als herkömmliche geeignet, die Rolle bestimmter Zelltypen während der Bildung und Reifung der motorischen Endplatte zu erforschen – beispielsweise die der terminalen Schwannzellen bei der Entwicklung von bestimmten Krankheiten“, sagt Gouti. Zukünftige Studien werden patient*innenbasierte neuromuskuläre Organoide nutzen, um die Wirkung von unterschiedlichen Arzneimitteln festzustellen und individualisierte medizinische Ansätze zu verfolgen.

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

forschen / 22.01.2020
Atomare Struktur von Naturstoffen schneller und präziser bestimmen

Naturstoffe bilden die Basis vieler Medikamente. Doch um sie nutzenbringend einzusetzen, müssen Chemiker erst die Struktur und Stereochemie der Moleküle bestimmen. Das ist mitunter eine große Herausforderung, besonders wenn die Moleküle nicht kristallisierbar sind und nur wenige Wasserstoffatome besitzen. Eine neue am Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) entwickelte NMR-basierte Methode erleichtert nun die Analyse und bringt genauere Ergebnisse. Die Arbeit wurde im „Journal of the American Chemical Society“ publiziert.

Sie stecken in Antibiotika, Schmerzmitteln oder Krebsmedikamenten: Naturstoffe spielen bei rund 60 Prozent aller zugelassenen Arzneimittel eine Rolle. Pflanzen, Pilze und festsitzende Meeresorganismen sind besonders vielversprechende Quellen, weil viele von ihnen eine chemische Abwehr gegenüber Feinden besitzen. Doch potenzielle Wirkstoffkandidaten zu identifizieren, ist eine Herausforderung. Forscher müssen zunächst die Struktur und Stereochemie (räumliche Anordnung von Atomen) des Moleküls genau bestimmen. Ohne diese Information können Chemiker die Moleküle nicht synthetisieren und zu Medikamenten weiterentwickeln. Außerdem weiß man erst anhand der Struktur, ob das Molekül bereits zuvor gefunden worden ist.

Neben der Röntgenbeugungsmethode, die jedoch nur für die wenigen kristallisierbaren Moleküle anwendbar ist, nutzen Chemiker zur Strukturbestimmung üblicherweise die Kernspinresonanz (NMR)-Spektroskopie. Hierbei kommt neuerdings dem NMR-basierten Parameter „Residual Chemical Shift Anisotropy“ eine wichtige Bedeutung zu. Studien der letzten zwei bis drei Jahre haben gezeigt, dass sich mit diesem Parameter die Struktur und Stereochemie der organischen Moleküle sehr exakt bestimmen lässt. Allerdings werden dafür Apparaturen benötigt, die nicht in jedem Labor vorhanden sind. Hinzukommen zeitaufwändige Analysemethoden bei der Datenauswertung.

Vereinfachte Methode führt zu präziseren Ergebnissen

Nun haben Forscher vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) eine neue Methode entwickelt, mit der sich die Residual Chemical Shift Anisotropy sehr viel einfacher und besser messen lässt. An der Arbeit, die jetzt im „Journal of the American Chemical Society“ publiziert worden ist, waren außerdem Kooperationspartner aus China (Institute of Oceanology, Chinese Academy of Sciences und South Central University for Nationalities) und Brasilien (Universidade Federal de Pernambuco) beteiligt.

„Mit der Entwicklung unserer NMR-basierten Methode kann die Stereochemie von neuartigen Naturstoffen genauer und effizienter bestimmt werden“, sagt Dr. Han Sun vom FMP, die die Studie leitete. „Außerdem ist die Methode sehr leicht anzuwenden, so dass sie von jedem Chemiker genutzt werden kann.“

Für die Untersuchung werden die Naturstoffe mit einem frei verkäuflichen Peptid der Sequenz AAKLVFF zusammengebracht. Aufgelöst in Methanol wandeln sich die Peptide in Flüssigkristalle um, wodurch sie den Naturstoffen eine schwache Orientierung im Magnetfeld geben. „Durch diese bestimmte Orientierung können wir den Parameter Residual Chemical Shift Anisotropy der Moleküle messen, der uns wiederum präzise Informationen über deren Struktur und Stereochemie liefert“, beschreibt Chemikerin Sun das neue Verfahren.

Wie wichtig die korrekte Bestimmung der Stereochemie von Wirkstoffen ist, zeigt das Beispiel Contergan. Der Wirkstoff Thalidomid besitzt einerseits eine sedierende Wirkung (Schlafmittel), andererseits eine fruchtschädigende Wirkung, was auf seine beiden spiegelverkehrten Formen (R)-Thalidomid bzw. (S)-Thalidomid zurückzuführen ist.

Exotischen Naturstoff aus dem Ozean analysiert

Für die aktuelle Arbeit haben die Forscher einen noch unerforschten Naturstoff genutzt: Spiroepicoccin A wurde von den chinesischen Kooperationspartnern aus im Ozean lebenden Mikroorganismen isoliert. Der aus über 4.500 Metern Meerestiefe stammende Stoff besitzt nur wenig Wasserstoffatome an seinen Stereozentren und war damit eine Herausforderung für etablierte NMR-Methoden. Doch dank der neuen Messmethode wurde seine Struktur und Stereochemie eindeutig aufgeklärt. „Auch wenn wir mit unserer Methode bislang nur die relative und nicht die absolute Stereochemie messen können, haben wir mit unserer Arbeit einen wichtigen Beitrag zur vereinfachten Bestimmung von herausfordernden Naturstoffen erbracht“, sagt Sun. Pharmafirmen hätten schon Interesse angemeldet, „denn das Verfahren beschleunigt die Entwicklung neuer Medikamente. Und das ist auch unser Ziel.“

Publikation
Xiaolu Li, Lu-Ping Chi, Armando Navarro-Vázquez, Songhwan Hwang, Peter Schmieder, Xiao-Ming Li, Xin Li, Sui-Qun Yang, Xinxiang Lei, Bin-Gui Wang, Han Sun. Stereochemical Elucidation of Natural Products from Residual Chemical Shift Anisotropies in a Liquid Crystalline Phase. Journal of the American Chemical Society. Dezember 2019; doi.org/10.1021/jacs.9b10961

Die Pressemitteilung inkl. Abbildung ist abrufbar auf der FMP-Website: https://www.leibniz-fmp.de/de/press-media/press-releases/press-releases-single-view1/article/determining-the-atomic-structure-of-natural-products-more-rapidly-and-accurately.html

Kontakt
Dr. Han Sun
Strukturchemie und computerbasierte Biophysik
Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
Tel. 030 9406 2902
E-Mail hsun@fmp-berlin.de
www.leibniz-fmp.de/sun
 
Öffentlichkeitsarbeit
Silke Oßwald
Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
Tel. 030 94793-104
E-Mail osswald@fmp-berlin.de

Das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB), einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. In ihnen arbeiten mehr als 1.900 Mitarbeiter. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft. Entstanden ist der Forschungsverbund 1992 in einer einzigartigen historischen Situation aus der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR.

www.fmp-berlin.de

leben / 21.01.2020
Baumfällung in der Wiltbergstraße in Buch

Straßenbauarbeiten machen die Fällung einer Platane notwendig

Im Kreuzungsbereich Wiltbergstraße/Karower Straße/Lindenberger Weg/Karower Chaussee erfolgen derzeit umfangreiche Umbauarbeiten, die zu einer neuen Verkehrsleitung führen. Für die Umsetzung dieser Maßnahme ist die Fällung einer Platane im Lindenberger Weg, Ecke Karower Chaussee, erforderlich, die bis Ende Februar 2020 erfolgen wird.

leben / 21.01.2020
Lichterkette in Pankow zum Holocaust-Gedenktag

Bezirksbürgermeister ruft zur Teilnahme am 27. Januar 2020 auf

Anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz findet am Montag, dem 27. Januar 2020 in Pankow die traditionelle Lichterkette vor dem ehemaligen jüdischen Waisenhaus, Berliner Straße 120/121, 13187 Berlin, statt. Um 18 Uhr treffen sich Pankowerinnen und Pankower zum stillen Gedenken. „In diesem Jahr findet bereits die 22. Lichterkette statt, um an die Befreiung von Auschwitz zu erinnern, eine gute und wichtige Tradition nicht nur für Pankow und Berlin. Ich rufe die Pankowerinnen und Pankower auf, sich an der Lichterkette zu beteiligen und so ein Zeichen der Erinnerung und Ermutigung zu setzen im Einsatz für eine demokratische und offene Gesellschaft“, so Bezirksbürgermeister Benn (Die Linke). Organisiert wird die Lichterkette von einem Bündnis der Pankower Kommission für Bürgerarbeit, der Evangelischen Kirchengemeinde Pankow und dem Bund der Antifaschisten. Pressekontakt und Informationen bei Jutta Kayser, Tel.: 030 4754062, www.lichterkette-pankow.de.  

Der 27. Januar ist seit 1996 offizieller Gedenktag in der Bundesrepublik Deutschland. Seit 1998 gestalten engagierte Pankowerinnen und Pankower eine Lichterkette in ihrem Bezirk, um an die Befreiung von Auschwitz durch die sowjetischen Soldaten zu erinnern.

heilen / 20.01.2020
Gemeinsam besser: Ein Ganzes ist mehr als die Summe aller Teile

Dr. Kerstin Lommel (r.i.B.) und Prof. Dr. Henning T. Baberg überreichen Dr. Julia Berg den Preis für den besten Vortrag. (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)
Dr. Kerstin Lommel (r.i.B.) und Prof. Dr. Henning T. Baberg überreichen Dr. Julia Berg den Preis für den besten Vortrag. (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)

Einmal jährlich treffen sich Ärzte verschiedener Kliniken der Region im Helios Klinikum Berlin-Buch, um bei einer interdisziplinären Fortbildung besondere medizinische Fälle und ihre Lösung vorzustellen. Ein bisschen erinnern die acht Präsentationen der Ärzte an die Fernsehserie „Dr. House“: Als Spezialisten für Diagnostik stellen sie sich gemeinsam mit ihren Teams medizinischen Herausforderungen. In detektivischer Kleinarbeit kommen sie seltenen Krankheiten auf die Spur.

„Die interdisziplinären Kasuistiken machen deutlich, dass unsere tägliche Arbeit immer dann eine ganz besondere Qualität erlebt, wenn wir fachübergreifend zusammenarbeiten“, sagt Dr. med. Kerstin Lommel, Chefärztin der Dermatologie und Allergologie im Helios Klinikum Berlin-Buch. Sie hatte die Idee zu dieser besonderen Fortbildung einmal jährlich und organisierte für Januar 2020 die nunmehr 13. in Folge.

Mehr als 70 Ärzte nahmen sich am letzten Mittwochabend Zeit, um acht nicht alltägliche Patientenfälle kennenzulernen. „Es gibt seltene Krankheitsverläufe mit auch weltweit wenig Literaturangaben. Also versuchen wir, unser aller Wissen in Diagnostik und Therapie zu bündeln, uns dazu auszutauschen und Lösungen zu finden. So können wir letztendlich auch für diese Patienten Behandlungserfolge erzielen“, sagt Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor im Helios Klinikum Berlin-Buch. Teilnehmende Kliniken sind die Helios Kliniken aus Berlin-Buch, Berlin-Zehlendorf und Bad Saarow sowie die Evangelische Lungenklinik Berlin-Buch und die Rheumaklinik Berlin-Buch.

Etwas Besonderes bei dieser Ärztefortbildung ist auch, dass das Auditorium zum Abschluss einen Preis für den besten Vortrag vergibt. „Ich freue mich, dass in diesem Jahr Dr. Julia Berg aus meinem Team den Preis für den besten Vortrag bekommen hat. Ihre Darstellung, wie wir unserem Patienten mit fachübergreifender Expertise aus sechs verschiedene Fachbereichen - der Inneren Medizin, Rheumatologie, Dermatologie, Gastroenterologie, Chirurgie und Hämatologie - helfen konnten, war für alle sehr beeindruckend“, berichtet Prof. Baberg als Chefarzt der Kardiologie und Nephrologie.

www.helios-gesundheit.de

forschen / 16.01.2020
Kooperation mit PlasmidFactory geht weiter

(c) Rita Elena Serda, National Institutes of Health, CC By.NC -2.0
(c) Rita Elena Serda, National Institutes of Health, CC By.NC -2.0

Springende Gene für die Gentherapie gegen Krebs: Um das „Sleeping Beauty“-System zu optimieren, verlängert nun das MDCell Helmholtz Innovation Lab seine Zusammenarbeit mit PlasmidFactory.
 
Wer Immunzellen des menschlichen Körpers so verändern will, dass sie zum Beispiel einen Tumor wieder wirksam bekämpfen oder eine Autoimmunerkrankung ausbremsen können, braucht dafür zuverlässige und sichere Werkzeuge. Eines davon ist das am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) entwickelte „Sleeping Beauty“-System. Das MDCell Helmholtz Innovation Lab und die biopharmazeutische Firma PlasmidFactory bereiten dieses System gemeinsam so vor, dass es in Zukunft für die Gentherapie in der Klinik geeignet sein wird. Die beiden Partner haben ihre Zusammenarbeit nun um weitere zwei Jahre verlängert.
 
„Sleeping Beauty 100x“ basiert auf einem Element im Erbgut von Fischen, das sich vermutlich vor 20 Millionen Jahren als „springendes Gen“ (Transposon) selbst kopieren und immer wieder an neuen Positionen in der Fisch-DNA einbauen konnte. Transposons mischen das Erbgut auf und gelten daher als einer der Motoren der Evolution. Dr. Zsuzsanna Izsvák und ihre Kolleginnen und Kollegen haben das springende Gen aus seinem evolutionären Dornröschenschlaf geweckt, seine Aktivität 100fach erhöht und für die Gentherapie nutzbar gemacht. Das „Sleeping Beauty“- System kann nun Gene ins Erbgut einschleusen. Es sei sicherer, billiger und effizienter als andere Methoden, betont Izsvák.
 
Die veränderte Gensequenz braucht keinen Virus als „Taxi“ (Vektor) zu seinem Bestimmungsort. Die Nachteile, die Viren in der Gentherapie mit sich bringen, fallen also weg. Vielmehr besteht das System aus zwei Elementen: dem Transposon pT4 – das ist ein ringförmiges DNA-Molekül (Plasmid), in das das erwünschte Gen zwischen zwei typischen Markierungen eingebaut ist – und dem Erbgut für ein Enzym namens „SB100x“, das das erwünschte Gen aus dem Plasmid ausschneidet und zu seinem Bestimmungsort geleitet.
 
Bewährte Zusammenarbeit
 
Damit der Einsatz bei menschlichen Zellen noch sicherer wird, verfeinern MDCell und PlasmidFactory das System weiter. So wird das Erbgut für das Enzym „SB100x“ bereits in der Petrischale abgeschrieben und als in vitro transcribed RNA (IVT RNA) zu den Zellen gegeben, die verändert werden sollen. Auch das Transposon „pT4“ ist kein vollständiges Plasmid mehr, wie es oft in Bakterien vorkommt. Vielmehr hat die Plasmid Factory eine Technik entwickelt, bei der sich ein Mini-Ring (Minicircle) bildet. Er besteht – bis auf die nötigen Markierungen – fast nur noch aus dem Gen, das eingefügt werden soll.
 
„Dass die bakteriellen Anteile der Plasmide wegfallen, ist sehr wichtig – um die Sicherheit und Wirksamkeit des SB100x-Transposonsystems weiter zu verbessern“, sagt Dr. Holger Hoff, der Leiter von MDCell. „Und PlasmidFactory stellt besonders hochqualitative Minicircle her, da sie sehr eng verdrillt sind.“
 
Beide Partner bringen umfangreiche Expertise mit. PlasmidFactory hat Knowhow beim Design und der Vervielfältigung der „Gen-Taxis“, bei Patentfragen und Fragen der Zulassung. „Wir etablieren derzeit Herstellungsverfahren für Minicircle-DNA in hoher Qualität in unserem Speziallabor in Bielefeld, die für die CAR-T-Zelltherapie-Forschung verwendet werden“ erläutert Dr. Martin Schleef, Geschäftsführer der PlasmidFactory. MDCell wiederum verbindet die Forschung verschiedener Arbeitsgruppen mit Partnern aus der Industrie, entwickelt Prozesse, stellt Räume und Geräte zur Verfügung. Ihr gemeinsames Ziel: Sie wollen zum Beispiel Immunzellen mithilfe von Sleeping Beauty gentechnisch so verändern, dass sie Kranken wieder helfen können, und das System reif für die Klinik machen. Dafür muss es nicht nur sicher sein, es muss auch massenhaft in gleichbleibender Qualität hergestellt werden können. „Die entsprechenden Protokolle für GMP-Einrichtungen etablieren wir gemeinsam“, sagt Hoff.
 
Die Polizeistreife des Körpers neu ausrüsten
 

Eine mögliche Anwendung ist eine Immuntherapie gegen Krebs, die u.a. die Arbeitsgruppe von Professor Wolfgang Uckert erforscht. Dabei werden T-Zellen – die Polizeistreife des Körpers – wieder so ausgerüstet, dass sie Tumoren als fremd entlarven und zerstören können. Eine andere Kooperation mit Dr. Harald Prüß vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und der Charité-Universitätsmedizin Berlin will die T-Zellen so verändern, dass sie bestimmte Antikörper aus dem Verkehr ziehen und so eine gefährliche Autoimmunkrankheit in die Schranken weisen können.
 
Die Krankheit löst eine Hirnentzündung aus und verläuft immer ähnlich: Zunächst sind die Betroffenen abgeschlagen und haben leichtes Fieber. Dann stellen sich Denkstörungen, unerklärliche Verhaltensänderungen, Angst und Halluzinationen ein – fast wie zu Beginn einer Schizophrenie. Sie werden passiv und verstummen. Schließlich folgen epileptische Anfälle und Blutdruckkrisen. Diese können oft nur Ärztinnen und Ärzte auf einer neurologischen Intensivstation behandeln. Ausgelöst wird die Entzündung durch Antikörper, die NMDA-Andockstellen an der Oberfläche von Nervenzellen blockieren, die diese sonst für die Übertragung von Informationen benutzen. Der Fachbegriff lautet „Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis“.

Daran ist auch der Eisbär Knut gestorben, hat Harald Prüß im Jahr 2015 gemeinsam mit Kolleg*innen vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin ermittelt. Noch mehr treibt ihn allerdings das Schicksal von menschlichen Patient*innen an. Sie werden wegen ihrer Symptome oft zunächst in die Psychiatrie eingewiesen, brauchen aber dringend Hilfe gegen ihre Autoimmunkrankheit.


Weiterführende Informationen
Webseite von MDCell

Webseite der Arbeitsgruppe Izsvák

Webseite der Plasmid Factory

Website AG Prüß

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

www.mdc-berlin.de

leben / 14.01.2020
Kunst- und Kulturförderung im Bezirk Pankow

Antragsfrist für Projekte im 2. Halbjahr 2020 endet am 15.03.2020

Im Rahmen der Projektförderung unterstützt das Bezirksamt Pankow künstlerische und kulturelle Projekte, die auf besondere Weise zur Vielfalt und Lebendigkeit des kulturellen Lebens im Bezirk beitragen.

Für Projekte, die im zweiten Halbjahr 2020 (01.07. - 31.12.2020) realisiert werden sollen, können Künstlerinnen und Künstler, Initiativen und Vereine wie auch Einzelpersonen bis zum 15. März 2020 einen Antrag auf Förderung stellen.
Das gilt für alle künstlerischen Sparten wie auch für interdisziplinäre Vorhaben.

Ausführliche Förderkriterien, der Link zum Online-Formular für die Beantragung sowie weitere Informationen befinden sich unter https://www.berlin.de/kunst-und-kultur-pankow/foerderung/projektfoerderung/informationen-antragstellung/  bzw. kurzelinks.de/8rwq  sowie direkt beim Fachbereich Kunst und Kultur im Bezirksamt Pankow / Amt für Weiterbildung und Kultur,
Tel.: 030 90295-3801, E-Mail: tina.balla@ba-pankow.berlin.de.

 

10.01.2020
Trauer um Mitbegründer der Eckert & Ziegler AG, Jürgen Ziegler

Nach seiner langen Karriere am Zentralinstitut für Isotopenforschung der Akademie der Wissenschaften der DDR gründete Diplom-Ingenieur Jürgen Ziegler 1992 die BEBIG Isotopentechnik und Umweltdiagnostik GmbH mit und schuf so die Grundlagen für den Erfolg der späteren Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG. Er war das wesentliche Bindeglied zwischen der ostdeutschen Anwendungsforschung und dem neuen Berliner industriellen Kern, der weltweit innovative Komponenten vor allem für die Radioonkologie entwickelt und produziert. Die Internationalisierung der Gruppe unterstützte Jürgen Ziegler als Vorstand noch bis Ende 2001, um sie danach lange konstruktiv als Großaktionär zu begleiten. Jürgen Ziegler starb am 26. Dezember 2019 im Alter von 76 Jahren.

www.ezag.com