Aktuelles

bilden / 04.08.2021
Ein Ferientag zum Thema BIENEN

Wildblumenwiese auf dem Campus Berlin-Buch (Foto: David Ausserhofer/Campus Berlin-Buch)
Wildblumenwiese auf dem Campus Berlin-Buch (Foto: David Ausserhofer/Campus Berlin-Buch)

Kaum wird es wärmer und die ersten Blüten lassen sich sehen, summt und brummt es in Gärten und Grünanlagen. Bienen fliegen in gewagten Flugmanövern von Blüte zu Blüte, sammeln Nektar und bestäuben dabei die Blüten. Tänzelnd zeigen sie anderen Bienen, wo die besten Futterstellen zu finden sind.

Das Gläserne Labor, die Stadtteilbibliothek Buch und Spielkultur Berlin-Buch e.V. laden Kinder zwischen sechs und zehn Jahren zu einem Ferientag rund um die Biene ein. Dabei gibt es viele spannende Dinge zu erfahren: Welche Obst- und Gemüsesorten gäbe es ohne die bestäubenden Insekten nicht? Wie leben Bienen? Wie sind die Augen von Bienen aufgebaut und wie sehen Bienen?

Wissen aus Büchern und Experimenten
Um ihr Wissen zu erweitern, stöbern die Kinder zunächst in der Bibliothek in bereitgestellten Medien. Dort stehen auch Experimente bereit: Wer schon immer mal wie eine Biene sehen wollte, darf durch ein Facettenauge gucken und Blüten auf dem UV-Lichttisch ansehen. Mit allen Sinnen geht es weiter beim Honigtest: Hier erfahren die Kinder, wie unterschiedlich Honige riechen, schmecken und aussehen können.

Lebensräume der Bienen kennenlernen
Die nächste Station ist der grüne Campus Berlin-Buch. Hier dürfen die Kinder den Alltag der Bienen am Bienenstock des Gläsernen Labors beobachten. Sie können das Innenleben des Stocks erforschen und sogar Honigproben entnehmen.

Zahlreiche Wildbienenarten leben nicht als Volk zusammen, sondern sind Einzelgänger und bevorzugen Nistplätze an verschiedensten Orten. Insektenhotels können den Wildbienen helfen, sich anzusiedeln. Doch dabei gilt es, geeignete Materialien zu verwenden und die Inneneinrichtung richtig anzulegen. Die Experten dafür finden sich auf dem Abenteuerspielplatz Moorwiese. An dieser letzten Station des Ferientages kann jedes Kind sein eigenes Insektenhotel bauen.

Termine: 4. August 2021; 5. August 2021 & 6. August 2021, jeweils 9 bis 17 Uhr

Geeignet für Kinder von 6 bis 10

Dauer: Eintägig

Begrenzte Teilnehmerzahl. Anmeldung erforderlich.
Anmeldung und weitere Informationen:
Stadtteilbibliothek Buch bei Doreen Tiepke unter doreen.tiepke@ba-pankow.berlin.de unter Benennung des Wunschtermins

Anmeldefrist bis zum 20. Juli 2021

Veranstaltungsort: Der Kurs findet in Berlin-Buch in der Stadtteilbibliothek, im Gläsernen Labor auf dem Campus Berlin-Buch und auf der Moorwiese statt.

Kosten: keine

Die Ferientage zum Thema BIENEN werden von der HOWOGE gefördert.

Zur Corona Pandemie: Die Veranstaltung findet zumeist draußen oder in großen, belüfteten Räumen statt, so dass Abstand gewahrt werden kann. Die Gruppe wird eine Anzahl von 12 Kindern und zwei Dozenten nicht übersteigen. Wir bitten um das Tragen eines Mundschutzes und regelmäßiges Händewaschen.

forschen / 16.07.2021
Nach altem Muster

Foto: Claudia Wüstenhagen/Berlin Partner
Foto: Claudia Wüstenhagen/Berlin Partner

Virchows Lehre wird heute mit voller Computerpower weitergetrieben. Als Rudolf Virchow im Oktober 1839 sein Medizinstudium in Berlin begann, galt in der Medizin noch die Viersäftelehre aus der Antike. Keine zwei Jahrzehnte später mussten die Lehrbücher neu geschrieben werden: Der zwischenzeitlich zum Dr. med. promovierte Virchow konnte zeigen, dass der gesamte menschliche Körper aus Zellen besteht und diese winzigen Einheiten in ihrer morphologischen Erscheinung Krankheitsentwicklungen widerspiegeln können. Mit Virchows revolutionärer „Zellularpathologie“ war ein völlig neues Verständnis von Krankheitsursachen gefunden. Seine Lehre gilt bis heute und legte den Grundstein der modernen, wissenschaftlich begründeten Medizin.

Dabei waren die Voraussetzungen für eine derart folgenreiche Entdeckung aus heutiger Sicht bescheiden. Virchow betrachtete Gewebeproben unter einem einfachen Mikroskop mit Hilfe eines Spiegels und Sonnenlicht. Um Zellstrukturen sichtbar zu machen, färbte er das Gewebe mit Farbstoffen ein, die Chemiker für ihn zusammenmischten. 20 Krankheiten diagnostizierte der Urheber der zellulären Pathologie auf diese Art und Weise, darunter Leukämie und Thrombosen. Ärzte und Wissenschaftler des 21. Jahrhunderts arbeiten immer noch mit Färbeverfahren, wenn sie morphologische Muster von Zellen erkennen wollen; ein bekanntes Beispiel ist die Feindiagnostik von Krebs. Nur, dass es heute fluoreszierende Farbstoffe sind und sich das Equipment ein wenig von dem des 19. Jahrhunderts unterscheidet.

Ein Blick in die Screening Unit am FMP zeigt, wie sich die Dinge weiterentwickelt haben: Die State of the Art Technologie besteht aus einem vollautomatisierten konfokalen Mikroskop, das mit zwei Kameras ausgestattet ist und für jede einzelne Zelle 1.000 morphologische Eigenschaften automatisch erfasst. Da knapp 400 Experimente gleichzeitig auf einer Testplatte (200 gibt es davon in der FMP-Wirkstoffbibliothek) durchgeführt werden können, entstehen allein bei einem Durchlauf nicht weniger als 400 Millionen Datensätze für jede einzelne Testplatte. Selbst ein Vordenker wie Rudolf Virchow wäre nicht in der Lage, diese Datenmengen zu analysieren. Das hochauflösende Mikroskop ist darum mit einer Flotte an Hochleistungsrechnern verbunden, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz selbst schwächste Veränderungen in Zellen aufdecken und bestimmten Klassen respektive Krankheiten zuordnen können. „Wir arbeiten in Virchows Tradition, aber mit einer Computerpower, die sich damals niemand vorstellen konnte“, erzählt Screening-Unit-Leiter Dr. Jens von Kries.

„Virchow 2.0“ nennt er das Konzept der computergestützten Mustererkennung, das sich für die Wirkstoffsuche ebenso eignet wie für die Diagnostik von Krankheiten. Derzeit nutzt das Team um von Kries die neue Technologie zur Zelltoxizität-Profilierung. Die Forscher wollen herausfinden, welche der 70.000 chemischen Substanzen aus ihrer Wirkstoffbibliothek giftig sind. Die Klassifizierung soll das von Roboterarmen assistierte Wirkstoff-Screening künftig noch effizienter machen. „Virchow 2.0“ soll bald auch für die personalisierte Medizin eingesetzt werden. Wenn zum Beispiel Krebspatienten Resistenzen gegenüber Medikamenten entwickelt haben, können die Forscher anhand von Gewebeproben nach alternativen Arzneimitteln suchen. Entsprechende Anfragen aus Virchows langjähriger Wirkungsstätte – der Charité – liegen bereits vor. Weitere Anwendungsfelder sind laut Jens von Kries geplant, und auch die maschinelle Mustererkennung sei noch nicht ausgereizt.

„Virchow hat Grenzen verschoben“, sagt er, „und wir versuchen das ebenfalls mit den technologischen Möglichkeiten von heute.“
 

Text: Beatrice Hamberger
 

 

bilden / 13.07.2021
Einladung zur Buch_KulTour 2021

Plakat Buch_KulTour 2021
Plakat Buch_KulTour 2021

Das künftige Bildungs- und Integrationszentrum Buch stellt sich vor

Im Zentrum von Berlin-Buch soll eine neue Heimat für Kultur und Bildung entstehen: Auf der Freifläche Groscurthstraße 21-33 wird auf ca. 3.300 qm und vier Etagen das Bildungs- und Integrationszentrum (BIZ) Buch errichtet. Bislang sind nur Bibliothek und Musikschule in Buch präsent, doch das soll sich zukünftig ändern: Erstmals ziehen Volkshochschule, Musikschule, Bibliothek und der Bereich Kunst und Kultur mit Kunstwerkstätten und Tanzräumen in ein gemeinsames Haus, ergänzt um das Gläserne Labor des Campus Berlin-Buch und einzelne Ausstellungen des Pankower Museums.

Die detaillierten Planungen für das Gebäude und die Freiflächen sind abgeschlossen. Bald werden die ersten bauvorbereitenden Maßnahmen auf der Fläche starten. 2025 soll das BIZ Buch feierlich eröffnet werden. Bis dahin wird es eine Vielzahl an kleinen und größeren Aktionen in Berlin-Buch geben, um den Gedanken des BIZ Buch gemeinsam zu erleben.

Die jährlich stattfindende Aktionswoche Buch_KulTour soll als Vernetzung der Einrichtungen Gläsernes Labor, Stadtbibliothek, Jugendkunstschule, Museum, Volkshochschule, Musikschule und Kunstwerkstätten mit Angeboten aller Einrichtungen einen ersten Eindruck vermitteln. Vom 1. bis 7. August 2021 sind die interessierten Bucher:innen –  von Jung bis Alt –  eingeladen, teilzunehmen an Workshops, Sprachkursen, Ausstellungen, Vorträgen, Konzerten und naturwissenschaftlichen Experimenten. Die Teilnahme an den einzelnen Veranstaltungen ist kostenfrei.

Aktionswoche vom 1. bis 7. August

Den Auftakt der Aktionswoche Buch_KulTour 2021 bildet ein Eröffnungskonzert am Sonntag. In der Aktionswoche werden z.B. musikalische Workshops der Musikschule, ein Bienenprojekt des Gläsernes Labors und eine Ausstellung über Max Skladanowsky des Museums Pankow in der Stadtbibliothek, Sprachkurse und Beratung durch die Volkshochschule sowie Mal- und Zeichenkurse der Jugendkunstschule angeboten. Zum Abschluss der Aktionswoche ist auch ein kleines Gartenfest der Musikschule mit Spieltänzen und Musik des Orchesters INKLUSIV geplant.

Anmeldungen für die Teilnahme an den entgeltfreien Veranstaltungen der Buch_KulTour 2021 werden von der Volkshochschule (VHS Pankow) telefonisch unter (030) – 90 295-1700 oder schriftlich per E-Mail an: vhs@ba-pankow.berlin.de angenommen. Persönliche Anmeldungen sind auch in der Stadtbibliothek Buch, Wiltbergstraße 19-23 möglich.

Weitere Informationen finden Sie online auf der Webseite des Bezirksamtes Pankow von Berlin, Amt für Weiterbildung und Kultur: https://www.berlin.de/ba-pankow/buch_kultour.

Text: Bezirksamt Pankow

heilen / 07.07.2021
Helios Klinikum Berlin-Buch lädt mit Fridays for Kids zu regelmäßigen Kinder-Aktionstagen ein

Sport, Spaß und Erfahrungsaustausch – all das erwartet Familien bei Fridays for Kids im Helios Klinikum Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Sport, Spaß und Erfahrungsaustausch – all das erwartet Familien bei Fridays for Kids im Helios Klinikum Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Medizinische Versorgung von Kindern nachhaltig verbessern

Der Juli steht im Zeichen der Bewegung – zumindest im Helios Klinikum Berlin-Buch. An vier Freitagen werden hier, von Fachpersonal begleitet, kleine Sport- und Bewegungsaktionen vorbereitet. Die Events sind der Auftakt zu einem großen Programm, bei dem Pädiatrie neu gedacht werden soll. Eingeladen sind alle Kinder und deren Eltern, die sich auf einen tollen Nachmittag mit Spiel und Spaß freuen können und auf die Möglichkeit des Austausches zu unterschiedlichen Themen rund um die Kinder- und Jugendmedizin.

An vier Freitagen im Juli wird es vor dem Klinikum verschiedene Workshops und Spielangebote zu unterschiedlichen Themen geben, die eine Mischung aus Spiel, Sport und Spaß sind. Ziel ist es, dass Kinder und Jugendliche ihren Körper wieder bewusster wahrnehmen, sowie der Austausch mit den Eltern, wie die Pädiatrie der Zukunft aussehen könnte.

Priv.-Doz. Dr. med. Patrick Hundsdörfer, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Helios Klinikum Berlin-Buch:

“Ich bin mir sicher, dass den Kindern dieses Angebot großen Spaß machen wird. Die kleinen sportlichen Events werden zudem genutzt, um in den Austausch mit den Familien zu gehen, um zu verstehen, was sie bei ihrer Krankengeschichte unterstützen würde. Ich würde mich sehr freuen, wenn auch Eltern ehemaliger Patientinnen und Patienten mit ihren Kindern kommen und mit uns ihre Erfahrungen und Eindrücke teilen. Unser Ziel ist es, die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu verbessern. Dafür starten wir ein Programm, das Gesundheit als ganzheitlichen Ansatz verfolgt und Pädiatrie neu definiert.“


Wir laden ein zu folgenden Terminen:


Freitag 09.07.2021, 15-17 Uhr zum Thema „Sinne erleben“

Freitag 16.07.2021, 15-17 Uhr zum Thema „der Körper“

Freitag 23.07.2021, 15-17 Uhr zum Thema „der Geist”

Freitag 30.07.2021, 15-17 Uhr zum Thema „der Mensch im Krankenhaus“

Wo: Helios Klinikum Berlin-Buch

Schwanebecker Chaussee 50; 13125 Berlin

Große Wiese rechts vom Haupteingang

forschen / 05.07.2021
Ein Fehler in den Proteinfabriken des Herzens

Abb.: Mariana Guedes Simoes / AG Panakova
Abb.: Mariana Guedes Simoes / AG Panakova

Forschende des MDC haben eine bisher unbekannte Ursache für die Herzhypertrophie gefunden. Wie sie im Fachblatt „Genome Biology“ berichten, führen Abweichungen im Erbgut dazu, dass die Ribosomen der Herzzellen nicht effektiv arbeiten. Die gestörte Eiweißproduktion lässt das Organ zu stark wachsen.

Eine krankhafte Zunahme der Herzmuskelmasse gilt als die häufigste Ursache für den plötzlichen Herztod. Wie es zu dieser Herzhypertrophie kommen kann, hat jetzt ein Team um Professor Norbert Hübner, den Leiter der Arbeitsgruppe „Genetik und Genomik von Herz-Kreislauferkrankungen“ am Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), herausgefunden. Auch die MDC-Arbeitsgruppe „Nicht-kodierende RNAs und Mechanismen der Genregulation im Cytoplasma“ von Dr. Marina Chekulaeva war an der Studie beteiligt.

Die Wissenschaftler*innen haben einen komplexen molekularen Mechanismus entschlüsselt, der die gesamte Proteinproduktion in den Ribosomen der Herzzellen stört. Das Herz bekommt also nicht die Eiweiße, die es eigentlich braucht. Dieser Herstellungsfehler wiederum fördert das abnorme Wachstum der Herzmuskelzellen. Veröffentlicht ist die Studie, an der 19 Forschende aus sechs Ländern mitgearbeitet haben, in der Fachzeitschrift „Genome Biology“.

Die komplette Eiweißproduktion ist beeinträchtigt

„Wir wollten herausfinden, wie natürliche genetische Variationen, die jedes Lebewesen aufweist, zur Entstehung komplexer Krankheiten beitragen können“, sagt Dr. Sebastiaan van Heesch, der gemeinsam mit Hübner Letztautor der Studie in „Genome Biology“ ist. Bis Juni 2020 gehörte der Niederländer als Postdoktorand zu Hübners Arbeitsgruppe am MDC. Inzwischen forscht van Heesch mit einer eigenen Arbeitsgruppe wieder in seinem Heimatland, am Prinses Máxima Centrum für Pädiatrische Onkologie in Utrecht.

„Bekannt war bereits, dass Abweichungen im Erbgut beeinflussen können, ob und wie die Gene im Zellkern abgelesen werden“, sagt van Heesch. Dieser Transkription genannte Prozess ist der erste Schritt auf dem Weg zur Proteinherstellung. Veränderungen der DNA, die zur Herstellung einzelner fehlerhafter Proteine des Herzens führen, kannte man ebenfalls. „Aber dass es tatsächlich genetische Variationen gibt, die sich auf die komplette Proteinproduktion in den Ribosomen, den zellulären Eiweißfabriken, des Herzgewebes auswirken, war neu und auch für uns ziemlich überraschend“, sagt van Heesch.

Für lange Proteine besonders verheerend

„Wir haben für unsere Studie mit einer Gruppe von Ratten gearbeitet, von der wir alle genetischen Variationen kennen und zudem wissen, dass etwa die Hälfte der Tiere dieser Kreuzungen ein Herzleiden entwickelt“, berichtet Dr. Jorge Ruiz-Orera aus der gleichen Arbeitsgruppe. Ruiz-Orera ist gemeinsam mit Dr. Franziska Witte, die während der ersten Jahre der Studie Doktorandin im Labor von Hübner war und mittlerweile bei dem Berliner Forschungsunternehmen Nuvisan arbeitet, Erstautor*in der Studie.

„Um mehr über die Gründe für die Herzhypertrophie der Ratten herauszufinden, suchten wir nach einem Zusammenhang zwischen dem Erbgut der Tiere und der Funktion ihrer Ribosomen. Dort findet die Translation, also die Herstellung der Proteine, statt“, sagt Ruiz-Orera. Außerdem haben die Forscher*innen untersucht, ob Fehler in der Eiweißproduktion mit der bekannten Vergrößerung der Herzen in Verbindung stehen könnten.

Tatsächlich stieß das Team auf eine veränderte Region im Genom der Ratten, die einen Defekt in der gesamten Proteinsynthese zu Folge hat. Allerdings wirkt sich dieser Fehler auf lange und kurze Proteine unterschiedlich stark aus. „Bei kurzen Proteinen ist der Effekt nicht so verheerend“, erläutert Ruiz-Orera. „Lange Proteine, zum Beispiel das wichtige Muskeleiweiß Titin, hingegen werden viel weniger effizient produziert.“ Man habe zeigen können, dass sich dies negativ auf den Aufbau der Sarkomere, die kleinste funktionelle Einheit der Muskelfaser, auswirke. Letztendlich führt dieser Defekt zu einer Verdickung der Herzkammern und Herzversagen.

Ähnliche Effekte sogar bei Hefezellen

„Besonders bemerkenswert ist, dass ähnliche Erbgutvariationen auch bei anderen Arten – etwa bei Mäusen, Menschen und sogar bei einzelligen Organismen wie der Hefe – die gleichen Effekte auf die Proteinsynthese haben“, berichtet Hübner. Das zeige, wie verbreitet der genetisch bedingte Defekt in den Proteinfabriken der Zellen sei, wie wenig er sich im Laufe der Evolution verändert habe und wie wichtig er für die Entstehung komplexer Krankheiten, die auch den Menschen betreffen, sei.

„Der von uns entschlüsselte Mechanismus könnte womöglich erklären, warum manche Menschen genetisch prädisponiert sind, Herzhypertrophie zu entwickeln“, sagt Hübner. „Darüber hinaus legt unsere Arbeit den Grundstein für zukünftige Studien zur genetischen Veranlagung für komplexe Krankheiten, die auch andere Organe als das Herz betreffen können.“

Weiterführende Informationen

AG Hübner am MDC

AG van Heesch am Prinses Máxima Centrum für Pädiatrische Onkologie in Utrecht

Unbekannte Mini-Eiweiße im Herzen

Literatur

Franziska Witte, Jorge Ruiz-Orera et al. (2021): „ A trans locus causes a ribosomopathy in hypertrophic hearts that affects mRNA translation in a protein length-dependent fashion“. Genome Biology, DOI: 10.1186/s13059-021-02397-w

 

investieren, leben / 01.07.2021
Konzept für den Bucher Pankepark mit Bewegungs- und Aufenthaltsangeboten für alle Generationen

Skizze des Pankeparks (Abb.: Jens Henningsen)
Skizze des Pankeparks (Abb.: Jens Henningsen)

Erste Projekte im Ostteil werden zurzeit detailliert geplant

Schon lange wünschen sich die Menschen in Buch und die Pankower Politiker, dass zwischen S-Bahnhof und Autobahn ein Park mit Bewegungs- und Gesundheits­angeboten für alle entsteht. Das Bezirksamt Pankow hatte das Landschaftsarchitekturbüro Henningsen im vergangenen Jahr mit der Erarbeitung eines Konzepts beauftragt. Es wurde am 22. Juni 2021 im Garten des Bucher Bürgerhauses vorgestellt. Vertreten waren das Stadtentwicklungsamt, der Bucher Bürgerverein, Straßensozialarbeiter von Gangway e.V., das BENN-Team, der Bucher Bote und engagierte Bürger:innen, von denen viele schon am Auftaktspaziergang im Oktober 2020 teilgenommen hatten. Organisiert und moderiert wurde die Veranstaltung von Mitarbeiter:innen der Gebietsbeauftragten Planergemeinschaft e.G.

Landschaftsarchitekt Jens Henningsen stellte das Konzept vor und ging auch auf die vielen Rahmenbedingungen ein. Das Projekt ist eher langfristig angelegt, denn der südliche Teil des Konzeptgebiets ist als Ausgleichsfläche für den Autobahnbau vorgesehen; die dort vorhandenen Bauwerke müssen in den nächsten Jahren abgerissen und die Flächen entsiegelt werden. Für die dortigen Nutzer, u.a. das Technische Hilfswerk (THW), müssen zuvor Ersatzstandorte gefunden werden. Im mittleren Bereich stehen ungenutzte Gebäude, die möglicherweise abgerissen werden. Eine Entscheidung steht hierzu noch aus.

Im südlichen Teil soll die Panke renaturiert werden, d.h. das Ufer wird so umgestaltet, dass der Fluss sich wieder winden – mäandern – kann. Der Pankesportplatz kann wahrscheinlich erst umgestaltet werden, wenn die Hufelandschule einen Neubau erhält. Doch zumindest im nördlichen Teil können erste kleinere Ideen mit Mitteln aus dem Programm Nachhaltige Erneuerung ab 2023 umgesetzt werden, wie Calisthenics-Sportgeräte und eine Boulefläche am Zugang zum S-Bahnhof sowie die Aufwertung der Promenade entlang der Sportplätze mit Fitness- und Bewegungs­angeboten, Tischtennisplatten und Bänken.

Trotz der langfristigen Perspektive wird das Gesamtkonzept gebraucht, denn in Buch wird sich in den nächsten Jahren sehr viel verändern: Vor allem könnten bis zu 3.500 neue Wohnungen am Sandhaus und in Buch Süd entstehen. Auch für die neuen Bewohner:innen ist ein Erholungs- und Bewegungsraum an der Panke wichtig. Das Büro Henningsen schlägt dafür im mittleren Teil einen Skaterrundweg, eine Boulderanlage (Klettern) und Fitnessgeräte sowie eine Wiese mit Baumgruppen vor. Östlich des die S-Bahn unterquerenden Weges könnte aus einem Wasserbecken an der ehemaligen Schule ein Teich entstehen. Hier sind eine Parcours-Anlage und ein Waldspielbereich angedacht, an der Panke sollen Bänke und nach Möglichkeit Plattformen oder Zugänge zum Wasser angelegt werden.

Die ehemalige Industriebahnbrücke soll als Aussichtspunkt mit einer Rampen- und Treppenanlage in Zukunft für alle erreichbar sein. Eine Schiene des Gleises könnte barrierefrei mit einem Gitterrost abgedeckt werden, die andere in einem wasser­gebundenen Belag sichtbar bleiben. 

Von den Gästen der Veranstaltung kamen viel Zustimmung und weitere Anregungen, wie die Einbeziehung von Kunst­werken am Wegesrand und der Wunsch nach Boule- und Schachflächen. Nicht zuletzt soll entlang der Industriebahn an die während der Nazizeit über diesen Weg deportierten Menschen erinnert werden.

Es bleibt viel Diskussionsstoff. Spätestens wenn die ersten Projekte anstehen, wird die Beteiligung über die genauen Inhalte fortgesetzt.

Download Lageplan Gesamtkonzept (PDF) © Henningsen Landschaftsarchitekten

Download Maßnahmensteckbrief Bewegungs- und Aufenthaltsfläche am südlichen S-Bahn-Zugang (PDF) © Henningsen Landschaftsarchitekten

Download Maßnahmensteckbrief Promenade am Pankesportplatz (PDF) © Henningsen Landschaftsarchitekten

Text: Anka Stahl

forschen, produzieren, bilden / 01.07.2021
„Zufällig genial?“ – Auftakt zur 57. Wettbewerbsrunde von Jugend forscht

Plakatmotiv Jugend forscht 2022 (© Jugend forscht)
Plakatmotiv Jugend forscht 2022 (© Jugend forscht)

Kinder und Jugendliche mit Interesse an Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik können sich ab sofort online anmelden – Campus Berlin-Buch ist erneut Pate beim Regionalwettbewerb

Unter dem Motto "Zufällig genial?" startet Jugend forscht in die neue Runde. Ab sofort können sich junge Menschen mit Freude und Interesse an Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) wieder bei Deutschlands bekanntestem Nachwuchswettbewerb anmelden. Schülerinnen und Schüler, Aus­zubildende und Studierende bis 21 Jahre sind aufgerufen, in der Wettbewerbsrunde 2022 spannende und innovative Forschungsprojekte zu präsentieren.

Jugend forscht ermutigt alle, sich der Herausforderung zu stellen, zu forschen und zu experimentieren, zu tüfteln und zu erfinden – und dem Zufall Raum zu geben. Zugelassen sind sowohl Einzelpersonen als auch Zweier- oder Dreierteams. Die Anmeldung für die neue Runde ist bis 30. November 2021 möglich. Bei Jugend wird das Forschungsthema frei gewählt. Die Fragestellung muss sich allerdings einem der sieben Fachgebiete zuordnen lassen: Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwis­senschaften, Mathematik/Informatik, Physik sowie Technik.

Für die Anmeldung im Internet sind zunächst das Thema und eine kurze Beschreibung des Projekts ausreichend. Im Januar 2022 müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine schriftliche Ausarbeitung einreichen. Ab Februar finden dann bundesweit die Regionalwettbewerbe statt. Auf dieser Ebene ist der Campus Berlin-Buch wieder Pate für Projekte aus Berlin. Wer regional gewinnt, tritt auf Landesebene an. Dort qualifizieren sich die Besten für das Bundesfinale Ende Mai 2022.

Mehr über Anmeldung und Teilnahme

Quelle: Jugend forscht e.V.

forschen / 01.07.2021
Initiative „Transparente Tierversuche“ startet

Initiative „Transparente Tierversuche“. Mehr als 50 Erstunterzeichnende sind dabei, darunter das MDC.

Die von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen getragene Informationsplattform „Tierversuche verstehen“ und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) starten am 1. Juli 2021 die Initiative „Transparente Tierversuche“. Darin erklären Forschungseinrichtungen mit lebenswissenschaftlicher Ausrichtung, transparent über Tierversuche zu informieren, den öffentlichen Dialog über tierexperimentelle Forschung aktiv zu gestalten sowie untereinander Erfahrungen auszutauschen und Aktivitäten bekannt zu machen. 

Zu den mehr als 50 Erstunterzeichnenden der Initiative gehören Universitäten, Klinika, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), forschende Unternehmen sowie Fachgesellschaften und Förderorganisationen. Weitere Einrichtungen sollen folgen. Eine eigens für die Initiative eingerichtete Webseite listet alle Unterzeichnenden auf, bietet Beispiele für gelungene Kommunikation zu Tierversuchen und stellt Informationen zur Unterstützung der Unterzeichnenden bei der Umsetzung der genannten Ziele zur Verfügung. Die Initiative folgt ähnlichen Aktivitäten in anderen europäischen Ländern, etwa Großbritannien, Frankreich und Spanien.

„Transparente Kommunikation ist uns am MDC seit vielen Jahren wichtig und so war es eine Selbstverständlichkeit, dass wir der Transparenz-Initiative beitreten“, sagt Professor Thomas Sommer, der Wissenschaftliche Vorstand (komm.) des MDC. „Wir sagen, was wir tun, wie wir es tun und warum wir es tun. Uns geht es darum, die gesellschaftliche Debatten zu versachlichen. Denn davon bin ich überzeugt: Verständnis für wissenschaftliches Arbeiten und Vertrauen in die biomedizinische Forschung entsteht nur im gesellschaftlichen Dialog und nur durch größtmögliche Transparenz. Wie bedeutsam biomedizinische Forschung ist, erleben wir gerade in der Corona-Pandemie eindrücklich.“

Größtmögliches Gewicht für Transparenz

„Tierversuche sind ein gesellschaftlich kontrovers diskutiertes Themenfeld. Der transparenten Kommunikation über wissenschaftliche und ethische Aspekte der tierexperimentellen Forschung kommt daher eine besondere Stellung zu, um der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, dass aktuell leider noch nicht alle Tierversuche in der lebenswissenschaftlichen Forschung vermieden werden können – und gleichzeitig herauszustellen, dass jeder Tierversuch erst nach sorgfältiger ethischer Abwägung des wissenschaftlichen Erkenntnisgewinns gegen das potenzielle Leid der Tiere erfolgt“, sagt DFG-Präsidentin Professorin Katja Becker.

Die Vorsitzende der DFG-Senatskommission für tierexperimentelle Forschung, Professorin Brigitte Vollmar, zeigt sich erfreut über die große Anzahl an Erstunterzeichnenden: „Bereits mehr als 50 Forschungseinrichtungen unterstützen die „Initiative Transparente Tierversuche“! Wir sind zuversichtlich, dass viele weitere Einrichtungen ihrer Verantwortung für eine transparente Information über tierexperimentelle Forschung gerecht werden und sich der Initiative anschließen. Wichtig ist die Unterstützung durch die gesamte Wissenschaftsgemeinschaft, um so dem Transparenzgedanken größtmögliches Gewicht zu geben.“

Für Professor Stefan Treue, den Vorsitzenden der Steuerungsgruppe von „Tierversuche verstehen“, ist die Transparenzinitiative ein weiterer wesentlicher Schritt hin zu einem proaktiveren Umgang mit tierexperimenteller Forschung: „Im Jahr 2016 hat die Allianz der Wissenschaftsorganisationen die Plattform „Tierversuche verstehen“ ins Leben gerufen, um das gesellschaftliche Interesse an Tierversuchen ernst zu nehmen und die Grundlage dafür zu schaffen, dass sich alle auf Basis solider und umfassender Informationen mit dem Thema auseinandersetzen können. Mit der heute gestarteten Initiative knüpfen wir daran an. Wir wollen die Unterzeichnenden darin unterstützen ihre transparente und offene Diskussion zur Forschung mit Tieren weiter voranzutreiben.“

„Be Open about Animal Research Day“

Die Initiative „Transparente Tierversuche“ reiht sich am 1. Juli 2021 in verschiedene Kommunikationsaktivitäten weltweit ein. Anlass ist der von der European Animal Research Association (EARA) organisierte, internationale „Be Open about Animal Research Day”, ein Aktionstag, an dem Beispiele für Offenheit und Transparenz in der tierexperimentellen Forschung geteilt werden. Die begleitende Social-Media-Kampagne ist unter dem Hashtag #BOARD21 zu finden. Das MDC ist seit 2013 Mitglied von EARA und hat sich damit bereits zu Transparenz in der Kommunikation zu Tierversuchen verpflichtet. 

Die Ständige DFG-Senatskommission für tierexperimentelle Forschung und die von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen koordinierte Plattform „Tierversuche verstehen“ haben die Initiative „Transparente Tierversuche“ gemeinsam ins Leben gerufen. Die Senatskommission ist ein interdisziplinär zusammengesetztes Expertengremium, das sich mit aktuellen wissenschaftlichen Entwicklungen sowie den komplexen ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen des Tierschutzes und der tierexperimentellen Forschung beschäftigt. Sie berät die Gremien der DFG sowie Politik und Behörden. „Tierversuche verstehen“ informiert aktuell und faktenbasiert über Tierversuche in öffentlich geförderter Forschung und trägt dazu bei, die gesellschaftliche Bedeutung tierexperimenteller Forschung zu vermitteln. 

In der biomedizinischen Forschung sind Tierversuche nach aktuellem Forschungsstand ein wichtiger Bestandteil des experimentellen Methodenspektrums. Für wesentliche grundlegende Erkenntnisse und medizinisch relevante Entwicklungen ist die Forschung mit Tieren essenziell. Zwar haben methodische Forschungsarbeiten der jüngeren Vergangenheit dazu beigetragen, dass Tierversuche in manchen experimentellen Ansätzen durch alternative Methoden ersetzt oder im Umfang reduziert werden können, ein vollständiger Ersatz von Tierversuchen ist jedoch noch nicht absehbar. Auch in Zukunft werden diese Versuche zum Erkenntnisgewinn und zur Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze und Methoden benötigt werden.

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de

https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/initiative-transparente-tierversuche-startet

forschen / 28.06.2021
Viermal so viele Informationen pro Zelle

Forscher*innen des BIH in der Charité, des MDC sowie aus den USA und Japan haben die Analyse von Einzelzellen auf eine neue Stufe der Präzision gehoben: Sie kombinierten Methoden, die mRNA, strukturelle Zugänglichkeit der DNA, Proteine sowie Mutationen in mitochondrialer DNA bestimmen, schreiben sie in „Nature Biotechnology“.

Bislang verstanden Biolog*innen unter der Single-Cell-Analyse insbesondere die Bestimmung des „messenger RNA“ (mRNA)-Profils einzelner Zellen. Diese Botenstoffe überbringen die Information aus dem Erbgut im Zellkern, der DNA, in das Zellplasma, wo die mRNA in Eiweiß (Protein) übersetzt wird. In jeder Zelle ist der Gehalt und die Zusammensetzung der mRNA individuell verschieden. So werden in Nervenzellen andere Proteine benötigt als in Leberzellen und entsprechend andere Gene auf der DNA abgelesen und in mRNA umgeschrieben. 

„Das Bild von der Zelle allein auf Basis des mRNA-Profils ist jedoch unvollständig“, erklärt Dr. Leif S. Ludwig, Leiter der Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe „Stammzelldynamiken und mitochondriale Genomik“ am Berlin Institute of Heath (BIH) und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), und einer der leitenden Autoren der nun veröffentlichten Arbeit. Die Gruppe gehört seit kurzem dem gemeinsamen Forschungsfokus „Single-Cell-Ansätze für die personalisierte Medizin“ an, den das BIH in der Charité gemeinsam mit dem MDC und der Charité gegründet hat. „Es werden nicht immer alle mRNA-Moleküle 1:1 in Protein übersetzt und nicht für jedes Gen ist die Menge an mRNA gut messbar. Wenn wir nun gleichzeitig die Proteinmenge bestimmen können, gibt uns das ein umfassenderes Bild von den Vorgängen in der Zelle.“ 

Verstehen, warum die Zelle manche Gene häufiger abliest
Gemeinsam mit einem internationalen Team von Kolleg*innen aus den USA und Japan bestimmten die Wissenschaftler*innen neben der mRNA und Protein-Profilen auch die „Zugänglichkeit“ der DNA in einzelnen Zellen. Denn das Erbgut der Zelle liegt nicht ungeschützt im Kern, sondern bildet einen dichten Komplex namens Chromatin: Stellen, an denen das Chromatin lockerer vorliegt, können leichter in mRNA abgeschrieben werden, besonders dichte Stellen werden kaum benutzt. „Daraus können wir erkennen, ob die DNA-Struktur mit der mRNA-Menge zusammenhängt, und können so besser verstehen, warum manche Gene häufiger als andere abgelesen werden“, sagt der promovierte Biochemiker und Humanmediziner. 

Mit seiner Gruppe, die am Berliner Institut für medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC angesiedelt ist, erforscht Leif S. Ludwig zudem das Erbgut von Mitochondrien – den „Kraftwerken“ der Zelle – welche über eine eigene DNA verfügen. So untersuchen sie beispielsweise, wie sich Veränderungen in der mitochondrialen DNA auf Erkrankungen beim Menschen auswirken. „Es lag daher für uns nahe, auch die mitochondriale DNA in die Single-Cell-Analyse mit einzubeziehen“, sagt Leif S. Ludwig. Damit sind die Wissenschaftler*innen die ersten weltweit, die bei der Einzelzellanalyse vier Parameter gleichzeitig untersuchen können. Und das ist wichtig, auch für die Medizin. „Je genauer es uns gelingt, zum Beispiel Krebszellen unter die Lupe zu nehmen, desto besser verstehen wir, was in der Zelle falsch läuft. Und können damit auch die Behandlung präzise anpassen.“ 

Die klinische Anwendung seiner Ergebnisse verfolgt er unter anderem gemeinsam mit seinen klinischen Partnern an der Charité, den Direktoren der Medizinischen Kliniken mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie, Professor Lars Bullinger am Charité Campus Virchow-Klinikum (CVK) sowie Professor Ulrich Keller am Charité Campus Benjamin Franklin (CBF). 

Literatur
E. P. Mimitou et al. (2021): „Scalable, multimodal profiling of chromatin accessibility, gene expression and protein levels in single cells“. Nature Biotechnology, DOI:  10.1038/s41587-021-00927-2 

Weiterführende Informationen
AG Ludwig
Single-Cell-Ansätze für die personalisierte Medizin (Forschungsfokus mit dem BIH)
Einzelzellanalyse am MDC

Über das Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité
Die Mission des Berlin Institute of Health (BIH) ist die medizinische Translation: Erkenntnisse aus der biomedizinischen Forschung werden in neue Ansätze zur personalisierten Vorhersage, Prävention, Diagnostik und Therapie übertragen, umgekehrt führen Beobachtungen im klinischen Alltag zu neuen Forschungsideen. Ziel ist es, einen relevanten medizinischen Nutzen für Patient*innen und Bürger*innen zu erreichen. Dazu etabliert das BIH als Translationsforschungsbereich in der Charité ein umfassendes translationales Ökosystem, setzt auf ein organübergreifendes Verständnis von Gesundheit und Krankheit und fördert einen translationalen Kulturwandel in der biomedizinischen Forschung. Das BIH wurde 2013 gegründet und wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) waren bis 2020 eigenständige Gliedkörperschaften im BIH. Seit 2021 ist das BIH als so genannte dritte Säule in die Charité integriert, das MDC ist Privilegierter Partner des BIH.

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de

forschen / 25.06.2021
Wissensstadt Berlin 2021: Die Zukunft der Medizin erleben

Forschung geht alle an –  das ist offensichtlich, nicht erst seit Corona. Das zeigen bereits   Rückblicke auf das Leben von Rudolf Virchow und Hermann von Helmholtz, deren 200. Geburtstage in diesem Jahr in Berlin gefeiert werden. Berlin wird deshalb 2021 zur Wissensstadt, und das MDC ist dabei.

Unter dem Motto „Berlin will es wissen“ laden ab Samstag, den 26. Juni 2021 mehr als 30 Wissenschaftsinstitutionen der Hauptstadt die Berliner*innen und ihre Gäste zu einem Fest der Forschung auf den Platz vor dem Roten Rathaus. Mit Podiumsdiskussionen, Mitmach-Experimenten, Spielen, Workshops, Lesungen und Performances sowie einer Open-Air-Ausstellung gehen Forscherinnen und Forscher in den Dialog mit der Gesellschaft und machen Wissenschaft erlebbar. Dabei geht es drei große Themen: Klima, Gesundheit und unser Zusammenleben.

Als Gesundheitsforschungszentrum ist das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) Teil der Wissensstadt Berlin 2021. Professor Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand des MDC (komm.), sagt zur Eröffnung an diesem Sonnabend: „Berlins biomedizinische Forschung ist spitze. Wir sind jung, international und dynamisch. Das möchten wir bei der Wissensstadt 2021 zeigen und zum Mitmachen einladen.“

Professorin Heike Graßmann, Administrative Vorständin, sagt zu dem Programm des MDC: „Für uns ist es eine großartige Gelegenheit zu zeigen, wie aufregend Wissenschaft ist. Wir freuen uns auf den Austausch mit den Berliner*innen.“

Unsere Schwerpunkte in Kürze:

PODIUMSGESPRÄCHE

Helmholtz – ein Gigant der Wissenschaft
Die Forschungen von Hermann von Helmholtz haben in Medizin, Meteorologie und Physik zu wegweisenden Erkenntnissen geführt. Hermann von Helmholtz‘ Errungenschaften sind aber auch heute von großem Nutzen. Darüber sprechen der Wissenschaftsphilosoph Professor Gregor Schiemann und die Medizinerin Professorin Simone Spuler vom MDC.
(Eine Veranstaltung der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V. mit dem Verlag wbg Theiss)

1. Juli 2021, 18 Uhr – zentrale Bühne vor dem Roten Rathaus. Tickets erforderlich.


Vom Traum einer Berliner „Zellklinik“ und dem Wunsch, Krankheiten bereits vor ihrem Ausbruch zu behandeln
Mit Einzelzelltechnologien ist es möglich, Organe oder Tumoren in einzelne Zellen zu zerlegen, ihre Genaktivität zu messen und mithilfe von Hochleistungsrechnern und künstlicher Intelligenz die Einzelzellanalysen wieder zum ganzen Organ oder Organismus zusammenzusetzen. Die Einzelzellanalysen haben eine große Bedeutung für die personalisierte Medizin. Über ihre Chancen sprechen Professor Nikolaus Rajewsky (MDC), Professor Christopher Baum (Berliner Institute of Health in der Charité), Professorin Simone Spuler (MDC und Charité / ECRC) sowie Dr. Denes Hnisz (Max-Planck-Institut für molekulare Genetik)
 

1. Juli 2021, 19:30 Uhr – zentrale Bühne vor dem Roten Rathaus. Tickets erforderlich.
 

OPEN-AIR-AUSSTELLUNG

Wie wird aus Wissen Gesundheit? Medizin auf Zellniveau
Die große Open-Air-Ausstellung vor dem Roten Rathaus gibt Antworten auf zentrale Fragen, die uns alle angehen. Sie will inspirieren, sich zu informieren und zu diskutieren.
Das MDC widmet sich in der Schau der Medizin der Zukunft und fragt: Wann treffen Zellen falsche Entscheidungen und wann entstehen Krankheiten? Welches Potenzial haben Organoide, die künstlichen Mini-Organe aus dem Labor? Und kann man Krankheiten eigentlich schon erkennen und aufhalten, bevor sie ausbrechen?

26. Juni bis 22. August 2021, Platz vor dem Roten Rathaus

 

WISSENSSHOW ECHT ODER FAKE?
Wissenschaftler*innen berichten in dieser Quizshow über aktuelle Forschung und fördern nebenher ein kritisches Bewusstsein für die Manipulierbarkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse. „Echt oder Fake“ sensibilisiert für gezielte Falschinformationen oder mögliche Fehlinterpretation von Fakten. (Show mit dem Verein „Besser Wissen e.V“)

9. Juli 2021, 16:30 Uhr, zentrale Bühne vor dem Roten Rathaus. Tickets erforderlich.


MDC-Aktionsstand
Ob Spielen, Pipettieren, Fotografieren oder Wetteifern mit Wissenschaftler*innen – der MDC-Aktionsstand bietet Anregungen für die ganze Familie: Scientific Image Contest, Labor-Olympiade, Selfie-Stand im MDC-Labor und Gespräche mit Forscher*innen über Corona, Krebsmedizin oder auch Berufswege in der Biomedizin.

2. und 9. Juli 2021, 15 bis 20 Uhr, Stand vor dem Roten Rathaus.


Weiterführende Informationen

Das komplette Angebot des MDC als Teil der Wissensstadt finden Sie hier.
Das vollständige Programm der Wissensstadt Berlin 2021 finden Sie hier.
Das Programm des Campus Berlin-Buch (Gläsernes Labor) finden hier.
Die Pressemitteilung auf der MDC-Webseite finden Sie hier.

investieren, leben / 25.06.2021
Ergebnis des städtebaulichen Gutachter:innenverfahrens für das neue Stadtquartier Buch – Am Sandhaus steht fest

Luftbild des Planungsgebietes Buch am Sandhaus (© Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Fotograf Dirk Laubner)
Luftbild des Planungsgebietes Buch am Sandhaus (© Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Fotograf Dirk Laubner)

In Berlin-Buch soll in den kommenden Jahren eines von 16 neuen Stadtquartieren entstehen. Neben 2.400 bis 3.000 Wohnungen sind Kitas und eine Grundschule geplant.

Im Rahmen eines diskursiven, städtebaulichen Gutachter:innenverfahrens wurden in den vergangenen Monaten von drei Büros/Arbeitsgemeinschaften Ideen für das neue Stadtquartier entwickelt. In der gestrigen Sitzung konnte, nach intensiver Diskussion des Entscheidungsgremiums unter Vorsitz von Professor Andreas Garkisch, der Entwurf des Büros Studio Wessendorf in Zusammenarbeit mit Grieger Harzer Landschaftsarchitekten, beide Berlin, als Grundlage der weiteren Planung mit klaren Prüfaufträgen ausgewählt werden.
 
Sebastian Scheel, Senator für Stadtentwicklung und Wohnen: „Ich gratuliere dem ausgewählten Team sehr herzlich. Mit dem heutigen Ergebnis können wir alle mehr als zufrieden sein. Der Entwurf von Studio Wessendorf mit Grieger Harzer Landschaftsarchitekten ist sowohl aus ökologischer als auch aus wohnungspolitischer Sicht nachhaltig. Das neue Stadtquartier wird Buch insgesamt stärken und die weitere Entwicklung des Ortsteils hin zu einem lebendigen Innovationsstandort unterstützen. Mit dem vorliegenden Ergebnis starten wir nun in den weiteren Prozess und die Erarbeitung des Masterplans. Ich danke allen, die sich für das Verfahren engagiert haben, insbesondere auch den Bucher Bürger:innen. Ich wünsche mir, dass sie auch die weiteren Schritte aktiv begleiten.“
 
Prof. Andreas Garkisch, Vorsitzender des Gremiums: „Mein besonderer Dank geht an die Verfasser des ausgewählten Entwurfes. Eine der Besonderheiten des Konzepts ist das sensible Eingehens auf den baulichen Bestand. Die grundlegende Idee des urbanen Angers entwickelt einen robusten öffentlicher Raum, der eine lebendige Nachbarschaft ermöglichen wird.“
 
Lars Loebner, Leiter des Sonderreferat Wohnungsbau in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und Mitglied des Entscheidungsgremiums: „Ich gratuliere allen Mitwirkenden und insbesondere dem Team zur Auswahl. Das Verfahren war ein für alle Seiten lernender Prozess. Die Vorschläge und Anregungen aus der Bürger:innenbeteiligung vor Ort flossen in die Entwurfsplanungen ein. So konnten Fragestellungen, wie die Zukunft des Abenteuerspielplatzes und des Naturerfahrungsraumes, in sachlicher Atmosphäre diskutiert und im Dialog mit den Büros in planerische Lösungen überführt werden. Der Prozess ist noch nicht zu Ende. Das Entscheidungsgremium hat uns wichtige Prüfaufträge mitgegeben. Auch für die nachfolgenden Planungsschritte setzt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen fest auf die lokale Kompetenz der Bürgerschaft und deren Mitwirkung.“
 
Das Gremium hat empfohlen, die ausgewählte Arbeit als Vorzugsvariante dem zu erarbeitenden Masterplanprozess zu Grunde zu legen. Das Planungsteam wird mit der Weiterbearbeitung ihres Konzeptes beauftragt.
 
Das abgeschlossene städtebauliche Gutachter:innenverfahren ist Teil des laufenden Rahmenplanverfahrens.  Ziel ist die Erarbeitung eines Masterplans, der die vorliegenden Erkenntnisse und Entscheidungen vertieft. Er soll bis zum Herbst vorliegen und bildet die inhaltliche Grundlage für das formelle Bebauungsplanverfahren, mit dem die planungsrechtlichen Voraussetzungen für das neue Stadtquartier und den dringend benötigten Wohnungsbau geschaffen werden.
 

 

Hier geht es zu den Entwürfen:
https://www.stadtentwicklung.berlin.de/download/buch-am-sandhaus/

heilen / 25.06.2021
Impfaktion des Impfzentrums: 700 Mal BioNTech/Pfizer

Mit stark fallenden Inzidenzzahlen und gelockerten Corona-Regeln freut sich Berlin auf den Sommer. Doch die Pandemie ist noch nicht vorbei. „Das Impfen ist weiterhin ein wichtiger Baustein zur Eindämmung der Corona-Pandemie. In Anbetracht einer möglichen Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus ist es wichtig, das jetzt in den Sommermonaten noch so viele Menschen wie möglich geimpft werden,“ sagt Dr. med. Michael Fiedler, Facharzt für Innere Medizin und Diabetologie und Leiter des Impfzentrums der Poliklinik am Helios Klinikum Berlin. Am Tag der Impfaktion wird ausschließlich der Impfstoff von BioNTech/Pfizer verimpft. 

„Wir verbrauchen jede Impfdosis und mit unserer Impfaktion möchten wir denjenigen ein Angebot machen, die bisher noch keine Chance auf einen Impftermin hatten“, sagt Daniel Amrein, Geschäftsführer der Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch. Interessierte können zur Erst- oder Zweitimpfung kommen. Personen, die am Aktionstag ihre Erstimpfung erhalten, können vor Ort direkt einen Termin zur Zweitimpfung nach fünf Wochen vereinbaren. Eine Impfung ist für Jugendliche ab 16 Jahren möglich.

Impfaktion mit Online-Terminbuchung
 Wann:  Freitag, 2. Juli 2021  ab 12:00 Uhr bis ca. 18:00 Uhr
 Wo:      Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch, Haus 210, 1. OG
             Schwanebecker Chaussee 50, 13125 Berlin-Buch

Wir bitten Sie, vorab einen Impftermin online in unserem Helios Patientenportal zu buchen, um lange Wartezeiten zu vermeiden. Impfinteressierte können sich ab Dienstagmorgen, 29. Juni unter diesem Link für die Impfaktion am Freitag, 2. Juli anmelden: www.helios-gesundheit.de/impftermin
Falls Sie keine Möglichkeit zur Online-Terminbuchung haben, können Sie auch unsere rund um die Uhr besetzte Helios-Hotline unter 0800 8 123 456 anrufen. Die Service-Mitarbeiterinnen und -mitarbeiter der Hotline haben den gleichen Termin-Zugriff wie auf der öffentlichen Website.

Falls Sie aufgrund der hohen Nachfrage keinen freien Termin finden sollten, bitten wir Sie um Verständnis. Bitten schauen Sie in regelmäßigen Abständen wieder auf unserer Terminbuchungsseite www.helios-gesundheit.de/impftermin vorbei. Wir stellen immer wieder neue Termine online.

Woher kommt der Impfstoff?
Die Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch gehört mit rund 100 Ärzten zu den größten Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) Deutschlands. „Daher haben wir die Möglichkeit Impfstoff in relativ großen Mengen zu bestellen. Unser MVZ erhält zum Wochenbeginn von unserer Krankenhausapotheke immer den in der Vorwoche bestellten Impfstoff. Die maximalen und tatsächlichen Liefermengen können sich grundsätzlich von Woche zu Woche unterscheiden. Die gelieferte Impfstoffmenge entscheidet dann, über die Anzahl der möglichen Impf- und somit Online-Termine. Für unsere Impfaktion haben wir 700 Impfdosen des Impfstoffs von BioNTech/Pfizer reserviert“, erläutert Dr. Susanne Dörr, Ärztliche Leitung der Poliklinik.

Digitaler Service
Neben der Online-Buchung können die Anamnese- und Einverständnisformulare zur Impfung bequem von zu Hause aus ausgefüllt werden. Bereits bei der Terminbuchung wird ein Link angezeigt, der zu diesen Dokumenten führt. „Damit sparen wir mehrere tausend Seiten Papier ein und können uns beim Prozess auf das Wesentliche konzentrieren: das Impfen“, ergänzt Dr. Dörr.

Wichtig für den Vor-Ort-Termin: Bitte denken Sie an Ihren Impfpass und Ihre Versichertenkarte. 

#heliosimpft
Im April hat Helios das bundesweite Impfangebot gegen das Coronavirus gestartet. Unter www.helios-gesundheit.de/heliosimpft sind alle Impf- und Teststellen von Helios aufgelistet. Auf der Website findet sich auch ein tagesaktueller Impfticker, welcher die Anzahl der bisher durch Helios Geimpften anzeigt.

Anmeldung zur Terminvereinbarung für den 2. Juli ab Dienstagmorgen, 29. Juni.

forschen, bilden / 24.06.2021
Gläsernes Labor erhält Pankower Umweltpreis 2020/21

Wildblumenwiese auf dem Campus Berlin-Buch (Foto: David Ausserhofer/Campus Berlin-Buch GmbH
Wildblumenwiese auf dem Campus Berlin-Buch (Foto: David Ausserhofer/Campus Berlin-Buch GmbH

Die Bezirksverordnetenversammlung Pankow von Berlin hat am 22. Juni 2021 gemeinsam mit dem Bezirksamt den Umweltpreis Pankow 2020/2021 verliehen.

Unter dem Motto „Pankow summt und brummt - Insektenfreundliche Lebensräume in der Stadt“ waren alle Pankower Bürgerinnen und Bürger, Schulklassen, Gruppen aus Kindertagesstätten oder Jugendfreizeiteinrichtungen aufgerufen, Projekte und Ideen zum Thema zu entwickeln und vorzustellen.

Eine Jury aus Vertreterinnen und Vertretern der Fraktionen, dem für Umweltfragen zuständigen Bezirksstadtrat Daniel Krüger sowie der Grünen Liga bewertete die Bewerbungen.

Ausgezeichnet wurden Projekte der Gartengruppe des Kultur- und Bildungszentrums Raoul Wallenberg, des Gläsernen Labors auf dem Forschungscampus Berlin-Buch, des Imkervereins Bienenfreunde Pankow e.V. sowie von BAUFACHFRAU Berlin e.V.

Über das Siegerprojekt „Unser Engagement für Insekten: Bienenvölker, Wildblumenwiesen, Totholz“

Das Projekt des Gläsernen Labors umfasst eine Vielzahl von Aktivitäten und bindet regionale und überregionale Akteure ein. Dr. Yasser Sabek hob in seiner Laudatio hervor, dass der gesellschaftliche Lernaspekt bei den Bausteinen des Projekts stets eine wichtige Rolle spielt. Darüber hinaus betonte er: „Bei allen Vorhaben verlieren die Akteurinnen und Akteure den wissenschaftlichen Ansatz nicht.“ Das Schülerlabor erhielt den Wanderpreis „Goldene Kröte“ und ein Preisgeld in Höhe von 400 Euro.

Bienenvölker und Wildblumen auf dem grünen Campus

Seit mehreren Jahren betreut das Gläserne Labor Bienenvölker auf dem Campus Berlin-Buch, und vermittelt Wissen über ökologische Zusammenhänge und die Lebensweise von Bienen. Die Bienenbeuten wurden dafür mit Temperatur- und Feuchtigkeitssensoren sowie einer Waage ausgestattet.
Seit 2019 wird die Artenvielfalt auf dem parkartigen Areal des Bucher Campus gefördert, um Insekten noch mehr Nahrung zu bieten. Dafür wurden in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde insektenfreundliche Blühwiesen angelegt. Neben Walderdbeeren, wilder Möhre und Kornblumen wurden Pflanzen mit vielleicht weniger bekannten Namen ausgesät: gewöhnlicher Wirbeldost, Herzgespann, kleine Bibernelle und großer Klappertopf. Rund 150 verschiedene Wildpflanzensorten wachsen dort. Das Projekt ist auf fünf Jahre angelegt und wird wissenschaftlich begleitet.

Ferientage zum Thema Bienen

Zum zweiten Mal nach 2020 wird das Gläserne Labor im August gemeinsam mit den Bucher Akteuren Stadtteilbibliothek Buch und Spielkultur Berlin-Buch e.V. Bienentage für Kinder anbieten. Dabei gibt es viele spannende Dinge zu erfahren: Welche Obst- und Gemüsesorten gäbe es ohne die bestäubenden Insekten nicht? Wie leben Bienen? Wie sind die Augen von Bienen aufgebaut und wie sehen Bienen?
Um ihr Wissen zu erweitern, stöbern die Kinder zunächst in der Bibliothek in bereitgestellten Medien. Mit allen Sinnen geht es weiter beim Honigtest. Die nächste Station ist der grüne Campus Berlin-Buch. Hier dürfen die Kinder den Alltag der Bienen am Bienenstock des Gläsernen Labors beobachten. Sie können das Innenleben des Stocks erforschen und sogar Honigproben entnehmen. Abschließend bauen die Kinder mit Experten des Abenteuerspielplatz Moorwiese ein Insektenhotel.

Wissen erweitern beim Insekten-Monitoring

Ein weiterer Baustein ist die Mädchen-AG „Insekten-Monitoring“, die das Gläserne Labor gemeinsam mit der Frauenberatung BerTa der Albatros gGmbH durchführt. In dieser AG erfahren die Teilnehmerinnen wie wichtig Insekten für das biologische Gleichgewicht der Natur sind und welche Vielfalt es von Insekten gibt. Im nächsten Schritt erarbeiten sie, wie Insekten geschützt werden können. Auf den Wildblumenwiesen überprüfen die Teilnehmerinnen, ob sich dort tatsächlich mehr Insekten ansiedeln.

Informationen zum Ferientag für Kinder:
https://www.glaesernes-labor.de/de/news/glb-ferientag-bienen-2021

Informationen zur AG „Insektenmonitoring“
https://www.glaesernes-labor.de/de/news/glb-arbeitsgemeinschaften-starten


Mehr zum Umweltpreis 2020/2021 in der Pressemitteilung des Bezirksamts Pankow.

 

forschen, bilden / 17.06.2021
Aktionstag "Einstein macht Schule" - Deine berufliche Perspektive in Wissenschaft und Forschung

Farbstoffe im Labor (Foto: Peter Himsel)
Farbstoffe im Labor (Foto: Peter Himsel)

Das Gläserne Labor und das Leibniz-Forschungsinstut für Molekulare Pharmakologie sind am 18. Juni mit dabei.

Der Aktionstag "Einstein macht Schule" gibt jungen Menschen praxisnahe Einblicke in die Bereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT). Er unterstützt die berufliche Orientierung, veranschaulicht Forschungs- und Arbeitsfelder, zeigt berufliche Perspektiven auf und leistet einen wichtigen Beitrag zur Nachwuchssicherung. Im direkten Austausch mit Wissenschaftler*innen wird der Dialog von Wissenschaft und Praxis gefördert.

Das Gläserne Labor und das Leibniz-Forschungsinstut für Molekulare Pharmakologie (FMP) sind mit dem Programmpunkt Chemische Biologie: Alles leuchtet! Chemie der Farbstoffe dabei.

10:00 – 11:00 Uhr
Der Aktionstag "Einstein macht Schule" startet gemeinsam aus dem Studio mit Andrea Thilo. Im Live-Stream begleitet die Moderatorin den gesamten Tag und schaltet dabei immer wieder in die verschiedenen Workshops, um mit den Teilnehmenden vor Ort zu sprechen.
Ort / Labor: nur online

09:00 – 11:00 Uhr
Neurotechnologie: Mit Gedanken Roboter steuern

Wer einen Schlaganfall oder eine Verletzung des Rückenmarks erleidet, kann anschließend oft Teile seines Körpers, z.B. die Hände, kaum noch bewegen und hat es sehr schwer, völlig alltägliche Tätigkeiten zu verrichten, z.B. etwas zu greifen oder eine Wasserflasche aufzuschrauben.
Ort / Labor: online oder vor Ort in der Physikalisch-Technische Bundesanstalt, Abbestraße 2, 10587 Berlin
Experte: Prof. Surjo Soekadar (Charité - Universitätsmedizin Berlin)

10:00 – 12:30 Uhr
Weltraumwissenschaft: Wie können wir Leben auf anderen Planeten finden?
Ist unsere Erde der einzige Ort im Universum an dem Leben existiert? Gibt oder gab es jemals Lebewesen auf anderen Planeten? Vielleicht auf dem Mars?
Welche Möglichkeiten haben wir Spuren von existierendem oder vergangenem Leben zu suchen? Genau diese Fragen wird dieser Workshop versuchen zu beantworten. Dazu werden Bedingungen von fremden Planeten nachgestellt um zu erforschen, wie und wo man molekulare Bausteine des Lebens detektieren kann. Mit diesem Wissen kann man der Antwort auf die Frage, ob wir im Universum allein sind, einen Schritt näher kommen.
Ort / Labor: online oder vor Ort im FEZ Orbitall, Str. zum FEZ 2, 12459 Berlin
Experte: Dr. Andreas Elsäßer (Freie Universität Berlin)

10:00 – 12:30 Uhr
Textildesign: Textile Wearable Interactions – Programmieren mit und für den Körper
Dieser Workshop gibt einen praktischen Einblick in den Forschungsbereich Wearable Computing an der Universität der Künste Berlin.
Ort / Labor: online oder vor Ort im Computerspielemuseum, Karl-Marx-Allee 93A, 10243 Berlin
Expertin: Prof. Berit Greinke (Universität der Künste Berlin)

13:00 – 14:30 Uhr
Textilien, Lebensmittel, Waschmittel: natürliche und synthetische Farbstoffe begegnen uns im Alltag überall, seien es in leuchtenden Cremes oder in leitfähigem Garn.
In leuchtenden und farbenprächtigen Experimenten wird die Wirkung von Fluoreszin, Aesculin und Co gezeigt und erläutert, wie fluoreszierende Farbstoffe in der pharmakologischen Forschung am Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie eingesetzt werden.
Ort / Labor: online oder vor Ort im Gläsernen Labor, Robert-Rössle-Straße 10, 13125 Berlin
Experte: Prof. Christian Hackenberger (FMP Berlin)

13:00 – 14:30 Uhr
Mathematik: Wie wahrscheinlich ist es ...? Von Risiko, zufälliger Mathematik und absolutem Chaos
Der Zufall spielt nicht nur eine zentrale Rolle im täglichen Leben, er hat sich auch als Kerngebiet der exaktesten aller Wissenschaften - der Mathematik - etabliert.
Ort / Labor: nur online, Technische Universität Berlin
Expert*innen: Prof. Peter Friz (TU Berlin), Dr. Christian Bayer (WIAS Berlin), Dr. Ana Djurdjevac (ZIB), Dr. Matthias Liero (WIAS Berlin), Prof. Maite Wilke Berenguer (HU Berlin).

15:00 – 16:30 Uhr
Fahrzeugsicherheit: Mit Sicherheit ans Ziel – Wie schützt uns ein modernes Auto?
In diesem Workshop werden die wichtigsten Grundlagen der Fahrzeugsicherheit vorgestellt, z. B. welche Wirkung hat der Aufprall eines Fahrzeugs.
Ort / Labor: online oder vor Ort in der Technischen Universität Berlin (Humboldthain), Gustav-Meier-Allee 25, 13355 Berlin
Experte: Prof. Steffen Müller (TU Berlin)

15:00 – 16:30 Uhr
Oralchirurgie: 3D Scanner – Digitale Werkzeuge zur Erforschung des Schädels
Wie entsteht ein einfaches Foto und wie ein dreidimensionales Modell? Wofür werden 3D Modelle des Schädels in der Medizin genutzt?
Ort / Labor: online oder vor Ort im Forum fjs e.V., Marchlewsikstraße 27, 10243 Berlin
Expertin: Prof. Tabea Flügge  (Charité Universitätsmedizin Berlin)

16:30 – 17:00 Uhr
Abschluss mit Preisverlosung
Zurück im Studio wird zum Abschluss des Aktionstages noch einmal über das Gelernte und Erlebte gesprochen. Außerdem gibt es noch ein besonderes Highlight: Unter allen Jugendlichen werden fünf Plätze für die Teilnahme an MINT-EC-Camps verlost (www.mint-ec.de, Teilnahme ab 16 Jahre).
Ort / Labor: nur online

Der Aktionstag wird durch die Einstein Stiftung Berlin umgesetzt.

https://www.einstein-macht-schule.de/274_Aktionstag.htm

forschen / 17.06.2021
Tiefer Einblick in Tumore

Tumorschnitt; im Hintergrund ist ein Massenspektrometer zu sehen. © Corinna Friedrich, MDC / Charité
Tumorschnitt; im Hintergrund ist ein Massenspektrometer zu sehen. © Corinna Friedrich, MDC / Charité

Forschende des MDC, des BIH und der Charité haben Methoden entwickelt, um Proteine in fixierten Proben von Krebsgeweben umfassend zu analysieren. Wie das Team in „Nature Communications“ berichtet, lassen sich damit neue Erkenntnisse über die Krankheitsabläufe bei verschiedenen Krebsarten gewinnen.

Um eine Krebserkrankung zu diagnostizieren, entnehmen Ärzt*innen heute wie schon vor 100 Jahren ihren Patient*innen Gewebeproben, die sie – meist fixiert in Formalin – mikroskopisch untersuchen. In den vergangenen 20 Jahren wurden zudem genetische Verfahren etabliert, die es erlauben, Mutationen in den Tumoren näher zu charakterisieren, und Hinweise auf die beste Behandlungsstrategie liefern.

Selbst kleinste Gewebeproben reichen aus, um Proteine aufzuspüren

Jetzt ist es einer Gruppe von Forscher*innen des Berliner Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), des Berlin Institute of Health (BIH), der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) gelungen, in fixierten Proben von Lungenkrebsgewebe mehr als 8.000 Proteine mit Massenspektrometern im Detail zu analysieren.

„Mit den von uns entwickelten Methoden ist es möglich geworden, molekulare Prozesse in Krebszellen auf der Proteinebene tiefgreifend zu untersuchen – und zwar in bereits vorhandenen Patientenproben, die im Klinikalltag in großer Zahl anfallen und eingelagert werden“, sagt Dr. Philipp Mertins, der Leiter der Technologieplattform „Proteomics“ am MDC und BIH. „Selbst kleinste Gewebemengen, wie sie bei Nadelbiopsien gewonnen werden, sind für unsere Experimente ausreichend.“

Die Studie, die in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht ist, gilt als ein wichtiger Erfolg für das Forschungsprojekt MSTARS (Multimodal Clinical Mass Spectrometry to Target Treatment Resistance), das seit dem Jahr 2020 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 5,7 Millionen Euro finanziert wird.

Das Team um Philipp Mertins und Professor Frederick Klauschen vom Institut für Pathologie der Charité hat zum einen zeigen können, dass die Proteine – anders als die häufig untersuchten, aber recht empfindlichen RNA-Moleküle – in den Proben viele Jahre lang stabil bleiben und präzise quantifiziert werden können. „Zum anderen bilden die in dem Tumorgewebe vorhandenen Proteine das Krankheitsgeschehen besonders gut ab“, sagt Erstautorin Corinna Friedrich, Doktorandin in den Arbeitsgruppen von Mertins und Klauschen. „Denn sie geben zum Beispiel Aufschluss darüber, welche der Gene, die das Wachstum eines Tumors fördern oder hemmen, in den Zellen besonders aktiv sind.“

Die Methode soll helfen, die jeweils beste Behandlungsoption zu finden

Das Bild, das die Forschenden mit ihrer Analyse von Adeno- und Plattenepithelkarzinomen – zwei Formen von Lungenkrebs – gewonnen haben, ist auch deshalb so detailliert geworden, weil sie nicht nur eine sehr große Zahl von den in der Zelle vorhandenen Proteinen haben aufspüren können, sondern darüber hinaus mehr als 14.000 Phosphorylierungsstellen ermittelt haben. Mithilfe der Phosphorylierung, dem reversiblem Anhängen von Phosphatgruppen an Proteine, kontrolliert die Zelle fast alle biologischen Prozesse, indem sie bestimmte Signalwege auf diese Weise ein- oder ausschaltet.

„Unsere Publikation bildet somit eine wichtige Grundlage, um zu einem besseren Verständnis des Krankheitsgeschehens bei Lungenkrebs und auch bei anderen Krebsarten zu gelangen“, sagt Klauschen, der zusammen mit Mertins korrespondierender Autor der Studie ist. Inzwischen hat Klauschen die Leitung des Pathologischen Instituts an der Ludwig-Maximilians-Universität München übernommen, forscht aber auch weiterhin an der Charité. „Darüber hinaus werden wir mit den von uns entwickelten Methoden künftig besser erklären können, warum eine ganz bestimmte Therapie bei manchen Erkrankten wirkt, während sie bei anderen versagt“, ergänzt der Pathologe. Somit werde man leichter für alle Patient*innen die jeweils beste Behandlungsoption finden.

Auch Herz-Kreislauf-Leiden lassen sich besser erforschen

Philipp Mertins hofft zudem, dass sich mit der massenspektrometrischen Analyse des Proteoms in Gewebeproben nicht nur neue Biomarker für die Therapieentscheidung und die Überlebensprognose der Patient*innen finden lassen, sondern auch weitere molekulare Zielstukturen entdeckt werden, an denen potenzielle Medikamente künftig angreifen könnten.

Und noch einen Pluspunkt der geleisteten Arbeit kann der Forscher benennen: „Unsere Methode ist nicht nur für die Erforschung von Krebs geeignet, sondern sehr breit einsetzbar.“ Unter anderem hat die Arbeitsgruppe „Proteomics“ bereits das Proteom fixierter Immunzellen von COVID-19-Patient*innen erfolgreich analysiert. Zudem können die Autoren Empfehlungen geben, welche massenspektrometrischen Methoden für verschiedene Arten von klinischen Studien jeweils besonders zu empfehlen sind.

Als Nächstes sollen am MDC sowohl weitere fixierte Immunzellen als auch fixiertes kardiovaskuläres Gewebe massenspektrometrisch auf vorhandene Proteine und Phosphorylierungsstellen untersucht werden. „Auf diese Weise wollen wir zu einem besseren Verständnis für Infektions- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen“, erläutert Mertins. „Denn dann würden sich auch diese Krankheiten eines Tages vermutlich sehr viel besser behandeln lassen, als es bislang der Fall ist.“

Gemeinsame Pressemitteilung von MDC, BIH und Charité

Weitere Informationen

Literatur

Corinna Friedrich et al (2021): „Comprehensive micro-scaled proteome and phosphoproteome characterization of archived retrospective cancer repositories”, in: Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-021-23855-w

forschen, heilen / 16.06.2021
Wissensstadt Berlin 2021 startet mit Open-Air-Programmen und Ausstellungen

Auf Initiative des Regierenden Bürgermeisters von Berlin und Wissenschaftssenators Michael Müller kommen für das Gemeinschaftsvorhaben „Wissensstadt Berlin 2021“ über  50 Institutionen zusammen, um die nächsten Monate ganz ins Zeichen der Wissenschaften zu setzen. Ziel ist es, über grundlegende Fragen in den direkten öffentlichen Austausch mit der Stadtgesellschaft und ihren Gästen aus der ganzen Welt zu treten.

2020 ging als Jahr der Corona-Pandemie in die Geschichte ein. Die Klimadebatte wird schärfer und emotionaler, während die Auswirkungen des Klimawandels immer deutlicher werden. Die Strukturen unseres Zusammenlebens — ob weltweit, in den Städten, den Communities oder den Familien — werden genauer beobachtet, hinterfragt, neu geordnet oder vehement verteidigt. Viele Menschen machen bei diesen prägenden Zeitgeschehnissen vor allem eine Erfahrung: Es stehen immer mehr Fragen im Raum, auf die nicht so leicht Antworten zu finden sind.

Wie faszinierend und verbindend der Weg zu Fakten, Zusammenhängen und Erkenntnissen sein kann, zeigen Wissenschaftler*innen, die als wichtige Absender*innen von belastbaren Informationen zu zentralen Akteur*innen in der öffentlichen Diskussion um politische Entscheidungen und gesellschaftliches Handeln werden. Ihre Forschungen und Erkenntnisse prägen unseren Alltag in allen Lebensbereichen. Berlin als deutsche Hauptstadt, politisches Zentrum und Standort zahlreicher Spitzeneinrichtungen der Wissenschaft und Forschung — wie der Charité, der Helmholtz-Gemeinschaft, der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften sowie zahlreicher Hochschulen und Universitäten — leistet einen zentralen Beitrag zu diesen Debatten.

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin: „Wissenschaft und Forschung treiben gesellschaftlichen Fortschritt an. Sie erlauben uns, gemeinsam Grenzen zu überwinden und Herausforderungen zu meistern. Die vergangenen Monate haben das besonders gezeigt. Deshalb machen wir 2021 zu einem Wissenschaftsjahr. Wissensstadt Berlin 2021: Das ist eine herzliche Einladung zum Dialog, zu neuen Eindrücken und zum Lernen. Unter dem Motto „Berlin will’s wissen“ wollen wir den Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft weiter stärken.“

Von Sommer bis Jahresende planen große wie kleine renommierte Berliner Institutionen und Akteur*innen aus Wissenschaft und Forschung zahlreiche Projekte — im digitalen Raum, in den Institutionen selbst genauso wie im Stadtraum. Aber auch institutionell übergreifende Events wie die ‚Berlin Science Week’ oder der ‚World Health Summit’ stehen auf der Agenda.

Den Auftakt des umfangreichen Open-Air-Programms vor dem Roten Rathaus macht am 26. Juni eine Open-Air-Ausstellung zu den Themen, die derzeit unsere Gesellschaft prägen und unsere Debatten beherrschen: Gesundheit, Klima und Zusammenleben. Doch nicht nur die Ausstellung, die rund um die Uhr geöffnet ist, prägt das von raumlabor errichtete beeindruckende Areal. Besucher*innen dieser kleinen Stadt des Wissens können ein Programm aus insgesamt mehr als 100 Panels, Kino-Abenden, Science Slams, Kinder-Uni und Workshops erleben — live und kostenlos. Zusammen mit der Sonderausstellung im Roten Rathaus  anlässlich der 200. Geburtstage des Physiologen und Physikers Hermann von Helmholtz sowie des Arztes und Politikers Rudolf Virchow bilden diese Angebote das „Zentrum“ der Wissensstadt Berlin 2021.

Prof. Dr. Christoph Markschies, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften: „Wir erinnern im Wissenschaftsjahr 2021 an zwei Wissenschaftler aus Berlin: Von Hermann von Helmholtz und Rudolf Virchow kann man lernen, dass Wissenschaft eine soziale Verantwortung hat und dazu beitragen kann, dass Menschen in einer Stadt besser, gesünder und gerechter leben können. Beide haben sich auch dafür eingesetzt, dass Wissenschaft frei sein muss, um wirklich für eine gesunde und gerechte Gesellschaft wirken
zu können.“

Kulturprojekte Berlin bündelt und kommuniziert das Gemeinschaftsprojekt mit den verschiedenen Vorhaben und realisiert zudem weitere zentrale Formate wie die Open-Air-Ausstellung und das dazugehörige Programm.

Moritz van Dülmen, Geschäftsführer Kulturprojekte Berlin: „Für uns ist es eine große Freude, die Themen der Wissensstadt als Kulturprojekt zu realisieren, in einem kooperativen Setting mit vielen Partner*innen: von den Architekt*innen von raumlabor bis zu den Wissenschaftler*innen von 35 Forschungseinrichtungen. Es geht darum, Begegnungsräume zu schaffen, Schwellen abzubauen, den Vorhang zu lüften — und das machen wir mithilfe von Ausstellungen, Wissenschaftsshows, Theater, Performances und Kino. Wir wollen zeigen, dass Wissenschaft unterhaltsam und anschaulich sein kann — und auch Spaß macht.“

Die Open-Air-Ausstellung und die Sonderausstellung im Roten Rathaus laufen vom 26. Juni bis zum 22. August 2021. Das Open-Air-Programm kann vom 1. Juli bis zum 14. August 2021 erlebt werden. Das Projekt wird ermöglicht durch eine Förderung der Lotto-Stiftung Berlin.

Das Gläserne Labor bei den Aktionstagen am Roten Rathaus erleben:

Freitag, 2. Juli 2021, 15:00 bis 20:00 Uhr
Wasserreinigung: Wie kann schmutziges Wasser gereinigt werden? Wie groß sind Mikro- und Makroplastikpartikel?

Freitag, 9. Juli 2021, 15:00 bis 20:00 Uhr
Zuckerquiz in Getränken, Sport am Schreibtisch, denn Sitzen ist das neue Rauchen

Samstag, 7. August 2021, 15:00 bis 20:00 Uhr
Über Solarzellen, Wasserspalten und Brennstoffzellen, die kleine Autos antreiben.

Weitere Informationen: www.wissensstadt.berlin

Quelle: Pressemitteilung der Kulturprojekte Berlin

forschen / 15.06.2021
Einstein-Zentrum 3R will tierversuchsfreie Forschung voranbringen – MDC beteiligt

Das Einstein-Zentrum für alternative Methoden in der biomedizinischen Forschung geht an den Start. Die Einstein Stiftung fördert das Berliner Zentrum bis Ende 2026 mit rund 5,3 Millionen Euro. Die Mittel stellt das Land Berlin zur Verfügung. Das MDC ist mit mehreren Projekten beteiligt.

Ziel des „Einstein-Zentrums 3R“ (3R: Replace, Reduce, Refine) ist es, neue Therapien für menschliche Erkrankungen zu entwickeln, indem die Übertragbarkeit von Laborerkenntnissen auf den Patienten verbessert und gleichzeitig der Tierschutz gestärkt wird. Forschungsschwerpunkt sind 3D-Modelle aus menschlichen Gewebekulturen, die Tierversuche ersetzen sollen. Diese speziellen Zellkulturen, sogenannte Organoide, können die Strukturen und Funktionen einzelner Organe darstellen und damit einen Zugang zur Erforschung und Behandlung menschlicher Erkrankungen ermöglichen. Sie sind der Untersuchung einzelner Zellen oder Tierversuchen in manchen Bereichen überlegen. Die Herausforderungen der Forschung bestehen daher in der Entwicklung von Organoiden, die in Reifung und Komplexität, beispielsweise durch Ausbildung eines Gefäß- und Immunsystems, den menschlichen Organen so ähnlich wie möglich sind.

Voraussetzung für die Förderung des Einstein-Zentrums 3R bis zum Jahr 2026 ist eine erfolgreiche Zwischenevaluation durch die Wissenschaftliche Kommission der Einstein Stiftung im Jahr 2024. Das Land Berlin stellt der Einstein Stiftung 5,3 Millionen-Förderung zusätzlich zu ihrem Grundhaushalt zur Verfügung. Der positiven Entscheidung war eine einjährige Vorbereitungsphase vorausgegangen.

„Internationale Experten und die Wissenschaftliche Kommission der Einstein Stiftung haben das Einstein-Zentrum als besonders förderungswürdig bewertet. Forschungsansatz, Struktur und Vernetzung der beteiligten Partner haben großes Potential, Berlin als wichtigen Standort in der Erforschung alternativer Methoden zu Tierversuchen zu etablieren“, sagt Prof. Dr. Günter Stock, der Vorstandsvorsitzende der Einstein Stiftung anlässlich der Förderentscheidung.

Aufgrund der artspezifischen Unterschiede ist bei Tierversuchen die Übertragbarkeit auf den Menschen häufig beeinträchtigt. Der große Vorteil der Organoide ist, dass die biomedizinische Forschung hier direkt menschliche Zellen zur Grundlage hat. Am Einstein-Zentrum sind sechs Forschungsprojekte zu Darm, Lunge, Herz, Hirn, Leber und zur neuromuskulären Verbindung geplant. Hinzu kommen zwei Querschnittsprojekte zur Qualitätsverbesserung der Modelle: Eines erarbeitet einen für alle gültigen Rahmen von Maßnahmen und Prinzipien, das andere richtet eine Bildgebungs- und Analyseplattform ein, um menschliche und tierische Modelle hinsichtlich der Ausprägung von Krankheitsmerkmalen, beispielsweise bei COVID-19, besser vergleichen können.

Regierender Bürgermeister: Vorreiterrolle für Berlin

Der Regierende Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller, bekräftigt: „Zusammen mit der Charité, unseren Universitäten und Forschungsinstituten haben wir in den vergangenen Jahren viel dafür getan, Berlin Schritt für Schritt zur Hauptstadt der Erforschung und Entwicklung von Alternativen zu Tierversuchen zu machen. Das neue Einstein-Zentrum 3R ist nun ein weiterer Schritt in diese Richtung. Es vereint die herausragende Expertise der exzellenten und innovativen Biomedizin-Forschung in Berlin und nimmt mit seinem breit aufgestellten Forschungsnetzwerk deutschlandweit und international eine wichtige Vorreiterrolle ein.“

Die Gründung eines Einstein-Zentrums 3R wurde initiiert von der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin sowie der Technischen Universität Berlin; es entsteht in enger Kooperation mit dem Berlin Institute of Health in der Charité (BIH), dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft, dem Bundesinstitut für Risikobewertung und dem Robert Koch-Institut. Das Zentrum soll langfristig ein Forschungsnetzwerk in Berlin etablieren, das gemeinsam an Gewebemodellen forscht und innovative Projekte entwickelt. Nach dem 3R-Prinzip von William Russell und Rex Burch gilt es, Tierversuche zu ersetzen (Replace), die Anzahl der Versuchstiere zu reduzieren (Reduce) oder die Belastung für Versuchstiere zu mindern (Refine). Nachwuchswissenschaftler*innen sollen im geplanten Zentrum durch Ausbildung, Schulung und Weiterbildung in die Lage versetzt werden, das 3R-Prinzip stringent anzuwenden. Auch die Wissenschaftskommunikation und der Dialog mit der Öffentlichkeit werden eine bedeutende Rolle einnehmen.

„Wir freuen uns sehr, dass nun mit dem Einstein-Zentrum 3R eine institutionenübergreifende Struktur geschaffen wird, die die Umsetzung des 3R-Prinzips und die Entwicklung von Alternativmethoden verbessert sowie die berlinweite Vernetzung der Forschungsprojekte strukturell befördert“, ergänzt Prof. Dr. Axel Radlach Pries, Dekan der Charité.

MDC mit Stammzell- und Organoid-Technologien beteiligt

Das MDC ist mit mehreren Forschungsinitiativen am Einstein-Zentrum 3R beteiligt. So arbeiten die Professor*innen Mina Gouti, Carmen Birchmeier und Nikolaus Rajewsky mit ihren Teams daran, aus pluripotenten Stammzellen reife menschliche Organoide zu entwickeln und zu charakterisieren, die den adulten Geweben sehr ähnlich sind. Dies wird es ermöglichen, Krankheiten zu modellieren, die sich erst spät im Leben entwickeln, wie die Amyotrophe Lateralsklerose. Ein solcher Fortschritt erfordert die Zusammenarbeit von interdisziplinären Teams, die an der Schnittstelle von Stammzell- und Organoid-Technologien, Mausgenetik und Systembiologie arbeiten. Dies könnte letztendlich dazu beitragen, die für die Forschung benötigten Tiermodelle zu reduzieren. Langfristig könnte die Entwicklung von ausgereiften Organoid-Modellen auch die Grundlage für neue Ansätze in der personalisierten Medizin bilden.

Die beiden MDC-Wissenschaftler Professor Michael Gotthardt und Sebastian Diecke untersuchen gemeinsam mit Burkert Pieske (Charité) gentechnisch hergestelltes künstliches menschliches Herzgewebe (Engineered Heart Tissue, kurz ETH). Hierfür nutzen sie pluripotente menschliche Stammzellen. Die Teams wollen so die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen­ - noch immer eine der häufigsten Todesursachen weltweit - tiefer erforschen und neue Therapieansätze finden. Dabei sollen auch Erkenntnisse aus Tierversuchen mit denen der ETH-Technologie verglichen werden. Außerdem wollen sie in Berlin die notwendige Infrastruktur aufbauen, um möglichst vielen Wissenschaftler*innen Zugang zur EHT-Technologie zu ermöglichen.

Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand des MDC (komm.), sagte zu der Entscheidung: „Das Vermeiden, Verringern, Verbessern von Tierversuchen ist für uns am MDC oberstes Prinzip. In unserer Gesundheitsforschung nutzen wir bei der großen Mehrheit aller Experimente Zell- und Gewebekulturen, Computermodelle und Künstliche Intelligenz. Außerdem haben wir am MDC eine Organoid-Plattform etabliert und inzwischen viel Erfahrung auf diesem Gebiet. Deshalb freue ich mich sehr, dass wir unsere Expertise in das Berliner Einstein-Zentrum 3R einbringen und gemeinsam mit Partnern weiterentwickeln können. Das Einstein-Zentrum ist ein Meilenstein auf dem Weg zur Weiterentwicklung von Alternativen zu Tierversuchen. Das ist wichtig für den Wissenschaftsstandort Berlin als Vorreiter. Allerdings möchte auch dies betonen: Noch sind, aus heutiger Sicht, Tierversuche für die Grundlagenforschung und Medikamentenentwicklung unverzichtbar.“

Mehr Informationen:

Mini-Organ, mathematisches Modell oder Maus? Forschungsmodelle am MDC

Technologie-Plattform Organoide am MDC

Technologie-Plattform Pluripotente Stammzellen

Forschung, Tierversuche und 3R am MDC

Einstein-Zentrum 3R

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de

Einstein Stiftung

Die Einstein Stiftung Berlin ist eine gemeinnützige, unabhängige und wissenschaftsgeleitete Einrichtung, die als Stiftung bürgerlichen Rechts gegründet wurde. Sie fördert Wissenschaft und Forschung fächer- und institutionenübergreifend in und für Berlin auf internationalem Spitzenniveau. Insgesamt 172 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – unter ihnen drei Nobelpreisträger – 71 Projekte und sechs Einstein-Zentren wurden bislang gefördert.

Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
https://www.mdc-berlin.de/de/news/news/einstein-zentrum-3r-will-tierversuchsfreie-forschung-voranbringen-mdc-beteiligt

investieren, leben / 14.06.2021
Start der dritten Beteiligungsphase für das neue Stadtquartier Buch-Am Sandhaus

Abbildung aus der Beteiligungsbroschüre der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen
Abbildung aus der Beteiligungsbroschüre der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen

In Berlin-Buch soll in den kommenden Jahren eines von 16 neuen Stadtquartieren entstehen. Neben 2.400 bis 3.000 neuen Wohnungen sind im autoarmen Quartier auch Kitas und eine neue Grundschule vorgesehen. Nun startet die dritte Beteiligungsphase. Bis zum 24. Juni 2021 haben wieder alle Interessierten die Gelegenheit, sich über die Entwurfsarbeiten zu informieren und aktiv an deren Weiterentwicklung mitzuarbeiten.

- Zaunausstellung
Die Entwürfe werden am Zaun der Grundschule Am Sandhaus, Wiltbergstraße 37, am Rande des Plangebietes ausgehängt. Ab dem 14. Juni können Passant:innen sich so vor Ort über den Planungsstand informieren.
 
- Online-Dialog
Die neuen Entwürfe sind bereits auf mein.berlin.de, der Beteiligungsplattform des Landes Berlins, abrufbar: https://mein.berlin.de/projekte/rahmenplanung-buch-am-sandhaus/
Neben den Entwürfen aus dem aktuellen Verfahren wird auf der Seite diesmal auch der städtebauliche Entwurf der Bürgerinitiative Buch Am Sandhaus vorgestellt. Aufgrund der formalen Regeln und inhaltlichen Rahmenbedingungen, zu deren Einhaltung die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen als Ausloberin verpflichtet ist, kann der Entwurf nicht als vierte Variante mit in die Auswahl der zu beurteilenden Entwürfe aufgenommen werden.  Er stellt jedoch einen wichtigen Diskussionsbeitrag da, der die Vorstellungen der Bürgerinitiative gegenüber der Berliner Stadtöffentlichkeit kommuniziert. Der städtebauliche Entwurf der Initiative wird somit als Stellungnahme gewertet, die sich daraus ergebenden Fragestellungen und Vorschläge fließen in die weitere Ausarbeitung im nächsten Planungsschritt ein. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen begrüßt die aktive Mitwirkung der Initiative am Verfahren und die konstruktive Zusammenarbeit ausdrücklich.
 
In der nächsten Sitzung des Gutachter:innengremiums am 24. Juni wird eine Vorzugsvariante für die weitere Bearbeitung ausgewählt. Das Ergebnis der Sitzung wird zeitnah bekanntgemacht. Das städtebauliche Gutachter*innenverfahren ist Teil des informellen Rahmenplanverfahrens mit dem Ziel der Erarbeitung eines Masterplans. Er bildet die Grundlage für das darauffolgende formelle Bebauungsplanverfahren, mit dem die planungsrechtlichen Voraussetzungen für den dringend benötigten Wohnungsneubau geschaffen werden.
 
Weitere Informationen über das neue Stadtquartier Buch-Am Sandhaus finden Sie online unter folgendem Link: https://www.stadtentwicklung.berlin.de/wohnen/wohnungsbau/buch-am-sandhaus/index.shtml
 

 

Weitere Informationen:

Mein.Berlin.de Beteiligung

Projektwebsite

forschen / 14.06.2021
Sieben Millionen Dollar für die Herz-Kreislauf-Forschung

Herzmuskelzelle der Ratte: Das Protein alpha-Aktinin (rot) zeigt die periodische Struktur der Muskelfibrille. Zwei Zellkerne sind blau gefärbt. © CU Boulder
Herzmuskelzelle der Ratte: Das Protein alpha-Aktinin (rot) zeigt die periodische Struktur der Muskelfibrille. Zwei Zellkerne sind blau gefärbt. © CU Boulder

Unterschiedliche Boten-RNAs entstehen in Zellen durch „alternatives Spleißen“. Die Leducq Foundation unterstützt nun ein transatlantisches Netzwerk, das diesen Prozess in Herzmuskelzellen erforscht – und welche Rolle er bei der Entstehung von kardiovaskulären Krankheiten spielt. Professor Michael Gotthardt vom MDC und Professorin Leslie Leinwand von der Universität Boulder, Colorado, koordinieren das Projekt.

Herzkreislauferkrankungen sind trotz Prävention und verbesserter Therapien noch immer eine der Haupttodesursachen weltweit. Wie wichtig alternatives Spleißen – der „Zusammenschnitt“ der Boten-RNA beim Ablesen der Gene – bei kardiovaskulären Erkrankungen ist, wurde erst vor kurzem erkannt. Mit sieben Millionen US-Dollar unterstützt die Leducq Foundation in den nächsten fünf Jahren das Projekt CASTT (Cardiac Splicing as a Therapeutic Target) von sechs europäischen und US-amerikanischen Forscherinnen und Forschern. Sie werden insbesondere die Regulation und Krankheitsrelevanz von alternativem Spleißen in den unterschiedlichen Zellen des Herzens untersuchen.

„Ziel ist es unter anderem, den Weg von der Identifizierung eines Spleißfaktors hin zum Medikament aufzuzeigen sowie eine Datenbank aufzubauen, die es künftig erleichtert, die komplexen Spleißinformationen in die Diagnostik von Herzerkrankungen einzubeziehen“, sagt Professor Michael Gotthardt, Leiter der Arbeitsgruppe „Neuromuskuläre und kardiovaskuläre Zellbiologie“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und europäischer Koordinator von CASTT. Die nordamerikanische Koordinatorin Professorin Leslie Leinwand, Biologin und Gründerin mehrerer erfolgreicher BioPharma-Unternehmen, ergänzt: „Die Leducq-Stiftung ermöglicht es Grundlagenwissenschaftlern und Klinikern, über den traditionellen Tellerrand effektiver Behandlungen für Herzkrankheiten hinauszudenken und unterschiedliche Forschungsrichtungen vom Tiermodell bis zum Patienten mit innovativen genomischen und rechnergestützten Ansätzen zu verbinden.“

Zum Netzwerk gehören außerdem Professor Euan Ashley, Kardiologe an der Stanford Universität (Kalifornien), Professorin Maria Carmo-Fonseca, Zell- und Onkobiologin an der Universität Lissabon, der Kardiologe Professor Benjamin Meder vom Universitätsklinikum Heidelberg sowie Lars Steinmetz, Professor für Genetik am EMBL Heidelberg und der Stanford Universität.

Fehler beim Spleißen können Herzerkrankungen verursachen
Herzmuskelzellen benötigen eine Vielzahl von Proteinen, um sich zu entwickeln, zu kontrahieren, elektrische Impulse an Nachbarzellen weiterzuleiten oder auf äußere Einflüsse wie Stress zu reagieren. Die Baupläne für diese Eiweiße sind in den Genen abgelegt und werden in die Boten-RNA (mRNA) umgeschrieben, die diese Information dann an die Proteinfabriken der Zelle – die Ribosomen – übermittelt.

Um eine große Vielfalt an Eiweißmolekülen zur Verfügung stellen zu können, nutzen Zellen vor allem in höheren Lebewesen einen Trick: Ihre Gene codieren nicht nur für jeweils ein Protein, sondern können die Blaupause für mehrere sein. Gene enthalten in der Regel mehrere codierende Abschnitte, die Exons, und nicht-codierende Bereiche, die Introns. Letztere können beim Ablesen je nach Bedarf herausgeschnitten werden und Exons variabel verknüpft werden. So entstehen mRNAs, die unterschiedlich zusammengesetzt sind. Dieser als „alternatives Spleißen“ bezeichnete Vorgang wird vom Spleißosom gesteuert - einer komplexen Maschinerie aus Spleißfaktoren und Spleißregulatoren. Fehler beim Spleißen können Ursache von Herzerkrankungen sein. „Während im embryonalen Herzen Umbauprozesse dominieren, die das Herz wachsen und reifen lassen, sind es beim erwachsenen Organ eher solche, die eine effektive Pumpfunktion sicher stellen“, erklärt Michael Gotthardt. „Bei kranken Herzen sehen wir jedoch Genexpressionsmuster, die bezüglich der Proteinbildung zum Teil wieder in die embryonale Richtung gehen. Dadurch arbeitet das Herz nicht mehr im normalen Bereich.“

Ein Herz für große Mahlzeiten
Die Forschenden arbeiten sowohl klinisch als auch mit künstlichem Herzgewebe, Zellkulturen und mit Tiermodellen. Neben der Maus kommt dabei der burmesische Python ins Spiel, denn die Würgeschlange gehört zu den wenigen Lebewesen, die kurzfristig die Größe ihres Herzens verändern können – innerhalb eines Tages, nachdem sie eine große Beute verschluckt hat. Dadurch werden die Durchblutung erhöht und Nährstoffe schneller im Körper verteilt. Anschließend schrumpft das Organ wieder auf Normalgröße. „Wir wollen die sehr spezielle Regulation der Spleißprozesse am Pythonherz aufklären, weil wir denken, dass diese Erkenntnisse von therapeutischem Nutzen sein können. Etwa für Patienten, die an hypertropher Kardiomyopathie leiden, also einer Verdickung der Herzmuskulatur“, sagt Leslie Leinwand, die das BioFrontiers-Institut an der Universität Boulder, Colorado, leitet.

Die Leducq Foundation wurde 1996 in Paris von dem Industriellen Jean Leducq und seiner Frau Sylviane gegründet, um die transatlantische Zusammenarbeit bei der Erforschung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfällen voranzutreiben. Seither hat die Stiftung über 70 internationale Netzwerke auf diesen Gebieten gefördert, an denen mehr als 800 Forschende an über 130 Institutionen in 25 Ländern beteiligt sind.

Weiterführende Informationen

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC ) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de

Die University of Colorado Boulder ist eine innovative Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden, die nach Lösungen für die humanitären, sozialen und technologischen Herausforderungen unserer Zeit suchen. Das BioFrontiers Institute vereint Forschende aus den Bereichen Lebenswissenschaften, Physik, Informatik und Ingenieurwesen, um die Grenzen der interdisziplinären Wissenschaft zu erweitern. Gemeinsam mit Partnern aus der Industrie wandeln sie die gewonnenen Erkenntnisse in Instrumente zur Verbesserung der menschlichen Gesundheit um. www.colorado.edu

Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
Sieben Millionen Dollar für die Herz-Kreislauf-Forschung

forschen, produzieren, heilen / 10.06.2021
Gründerin Kieback startet mit T-knife durch

Dr. Elisa Kieback, Mitgründerin und Chief Technology Officer von T-knife (Foto: © T-Knife)
Dr. Elisa Kieback, Mitgründerin und Chief Technology Officer von T-knife (Foto: © T-Knife)

Bestfinanziertes Start-up der deutschen Biotech-Szene

Ein aufgehender Stern am Himmel der deutschen Biotech-Branche ist ein junges Berliner Unternehmen: T-knife. Mitgründerin Dr. Elisa Kieback hat das Spin-off von MDC und Charité gemeinsam mit Kolleg*innen an die Spitze der deutschen Biotech-Start-ups katapultiert.Seit einem Jahr fühlt sich Dr. Elisa Kieback „wie auf einer Raketenabschussrampe“, sagt sie. 2015 hat die heute 40-jährige Forscherin und Unternehmerin zusammen mit Professor Thomas Blankenstein vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und Holger Specht, Investment Director bei der IBB Beteiligungsgesellschaft, T-knife als Unternehmensgemeinschaft aus dem MDC und der Charité heraus gegründet. Diesem Sprung aus der Wissenschaft in die Wirtschaft gingen fast 20 Jahre Grundlagenforschung am MDC voraus – so lange schon arbeitet Thomas Blankenstein an seiner Vision, mit Hilfe genetisch veränderter Immunzellen, den T-Zellen, Krebserkrankungen zu heilen.

Etwa zehn Jahre lang trug er den Gedanken an eine Ausgründung mit sich herum. Elisa Kieback lernte er 2004 als Zweitgutachter ihrer Doktorarbeit kennen. „Sie ist eine herausragend intelligente, motivierte, organisierte und hart arbeitende junge Wissenschaftlerin, die sich der T-Zell-Rezeptor (TCR)-Gentherapie verschrieben hat“, charakterisiert Blankenstein seine Mitgründerin. 2015 wechselte die Biologin aus der Arbeitsgruppe von Professor Wolfgang Uckert in Blankensteins Team und koordinierte die erste klinische Studie zur TCR-Gentherapie, die im Januar dieses Jahres an der Charité – Universitätsmedizin Berlin startete. „Als sie hörte, dass ich eine Ausgründung aus dem MDC plane, wollte sie gerne dabei sein. Ich stimmte sofort zu. Das werde ich nie bereuen“, erzählt Blankenstein. Der Name T-knife ist so alt wie die Gründungsidee selbst: Er steht dafür, dass gentechnisch veränderte T-Zellen – das sind Zellen des Immunsystems – wie ein chirurgisches Präzisionsmesser Tumore aus dem gesunden Geweber herausschneiden sollen.

Neue Immuntherapie gegen Krebs in der klinischen Prüfung

Bis 2018 bestand T-knife nur auf dem Papier. „Die Rechtsform als Unternehmensgemeinschaft war wichtig, um erste organisatorische Schritte zu gehen, beispielsweise eine Anwaltskanzlei beauftragen zu können“, sagt Elisa Kieback. Dann wandelten die Gründer*innen T-knife in eine GmbH um, Holger Specht stieg aus, das Technologietransfer-Unternehmen Ascenion stieg ein. Die Venture-Fonds von Boehringer Ingelheim und Andera Partners stellten eine Anschubfinanzierung von acht Millionen Euro zur Verfügung. Davon engagierte Elisa Kieback 15 Mitarbeiter*innen und richtete die ersten eigenen Räume und Labore am Campus Berlin-Buch ein. 2020 drehte sie eine zweite Finanzierungsrunde und konnte stolze 66 Millionen Euro einwerben – wieder von Andera Partners und Boehringer Ingelheim sowie von den US-Risikokapitalgebern Versant Ventures und RA Capital Management. Damit machte sie T-knife zum bis dato bestfinanzierten Start-up der deutschen Biotech-Szene. Sie hat sich Thomas Soloway als Geschäftsführer und Camille Landis als Finanzchefin an die Seite geholt. Sie selbst kümmert sich als Technologiechefin um die Plattform- und Produktentwicklung, Thomas Blankenstein gehört dem Beirat an.

Seitdem gibt es für T-knife kein Halten mehr. Gut finanziert kann Elisa Kieback mit ihrem Team nach weiteren TCR-Kandidaten für verschiedene Krebsarten suchen. Die Forschenden haben mehrere vielversprechende Antigene entdeckt, die bei Krebserkrankungen auftreten. „Wir werden nun passende Rezeptoren herstellen und testen“, sagt Elisa Kieback. Die 450 Quadratmeter am Campus Berlin-Buch, die T-knife bezogen hat, werden allerdings langsam eng. Ende 2020 arbeiteten dort 20 Menschen, in der ersten Jahreshälfte 2021 ist ihre Zahl auf 40 angewachsen. „Bis zum Ende dieses Jahres wird sich die Anzahl noch einmal verdoppeln“, schätzt die Gründerin. In Berlin Mitte eröffnet T-knife ein Büro für das Team, das sich um klinische Studien kümmert.

Auf nach Amerika – und in die ganze Welt

Parallel dazu hat T-knife einen Standort in der Biotech-Hochburg San Francisco gegründet. Denn zum einen kommt das meiste Kapital, das in T-knife steckt, aus den USA. „Wenn wir uns langfristig als Firma gut aufstellen wollen durch weitere Finanzierungsrunden oder einen Börsengang, dann müssen wir für amerikanische Investoren attraktiv sein“, erklärt Elisa Kieback. Zum anderen strebt sie klinische Studien in amerikanischen Kliniken an. „Gerade bei der Umsetzung der T-Zell-Therapien in klinische Studien ist die wissenschaftliche Expertise in den USA derzeit größer als in Deutschland.“ Nicht zuletzt erhofft sie sich dadurch eine raschere Zulassung und einen schnelleren Zugang zum amerikanischen Markt.

Was nicht heißt, dass sie Deutschland den Rücken kehren will. „Berlin als Wissenschaftsstandort hat sehr viel zu bieten“, schwärmt sie. Aus den zahlreichen Forschungsinstituten, Universitäten und der Charité gehen viele Forscherinnen und Forscher hervor, die T-knife rekrutieren könne. San Francisco sei der Schlüssel zum amerikanischen Markt – Elisa Kieback will jedoch auf den Weltmarkt.

Einzigartige Technologie mit riesigem Potenzial

Sie ist zuversichtlich, dass das gelingt. „Wir verfügen über eine einzigartige Technologie, die Thomas Blankenstein entwickelt hat“, erklärt sie selbstbewusst. „Auch Leute, die nicht aus der Biotechnologie kommen, erkennen sehr schnell, dass sie etwas ganz Besonderes und Neuartiges ist – mit großem Wachstumspotenzial in medizinischer wie ökonomischer Hinsicht.“ Deshalb habe sie die Investoren überzeugen können. Ohne das viele Geld wäre es auch gar nicht gegangen. „Diese Form der Therapie ist sehr kapitalintensiv“, erklärt sie. Für die klinische Studie, die sie an der Charité zum Laufen gebracht hat, stellte das Bundesforschungsministerium vier Millionen Euro zur Verfügung. „Das erscheint viel und ist auch eine tolle Unterstützung. Im Zelltherapiebereich ist das Geld aber ganz schnell weg, wenn man ein echtes Produkt entwickeln möchte, das vielen Patienten zu Gute kommt.“ Die klinische Studie, das Monitoring, die Herstellung der patientenindividuellen Zellprodukte – das ist absolutes Neuland und kostet eine ganze Menge. Die Gründung sei deshalb unausweichlich gewesen, um Geld für die weitere Entwicklung einwerben zu können. Ihr Budgetplan steht jetzt bis 2023.

Erfindungen brauchen Unternehmer

Mit ihrer neuen Rolle als Unternehmerin hadert Elisa Kieback kein bisschen. „Wir brauchen im Forschungsumfeld eine viel größere Offenheit dafür, dass Unternehmertum gebraucht wird, damit Erfindungen den Sprung aus der Forschung in die Anwendung schaffen“, ist sie überzeugt. Außerdem forsche sie ja weiter – wenn auch mit einem anderen Fokus: weg von der Grundlagenforschung, die die Basis gebildet hat, hin zu neuen Produktkandidaten und letztlich neuen Therapeutika.

Forschen wollte sie schon immer und hat sich deshalb nach dem Abitur für ein Biologiestudium in Heidelberg entschieden. Nach einem Erasmusjahr in Schottland schrieb sie ihre Diplomarbeit am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). 2004 bewarb sie sich für das PhD-Programm am MDC in Uckerts Arbeitsgruppe zur Zellulären Gentherapie. „Gentherapie hat mich total fasziniert“, erzählt sie. „In den 2000-er Jahren war es ein großer Hype, dass man Krankheiten heilen kann, indem man kaputte Gene repariert und neue Gene in die Zelle einschleust. Das wollte ich auch.“ Für ihre Doktorarbeit entwickelte sie eine Art Sicherheitsschalter, mit dem eine Zell- und Gentherapie im Fall unerwünschter Nebenwirkungen gestoppt werden kann.

Rollenmodell für Frauen in Wissenschaft und Wirtschaft

Irgendwann wollte sie neue Karrierewege gehen und bewarb sich deshalb als Studienkoordinatorin in der Arbeitsgruppe von Thomas Blankenstein. „Das war ein Allroundjob, der den großen Vorteil hatte, dass ich in viele Bereiche reinschnuppern konnte“, erinnert sie sich. Als sie von Blankensteins Gründungsabsichten hörte, war sie sofort begeistert und dabei. Es macht ihr Spaß, Teams aufzubauen, zu erkennen, wer welche Stärken und Schwächen hat, Menschen zu fördern und in ihrer Karriere zu unterstützen. Was ihr sehr wichtig ist: „Vorbild zu sein für Frauen in Wissenschaft und Wirtschaft. Ich wusste nicht, dass mich das reizt. T-knife hat mir dazu verholfen.“ Parallel dazu möchte sie unbedingt herausfinden, ob die T-knife-Technologie für die Patient*innen wirklich funktioniert. Das werden am Ende erst die klinischen Daten zeigen. „Doch für unsere Plattform haben wir die allerbesten Voraussetzungen geschaffen, um sie optimal zu testen. Das ist das, was mich antreibt“, betont sie.

Das atemberaubende Tempo, das T-knife an den Tag legt, bedeutet, sich konstant zu verändern. Muss man aushalten können. Es ist nicht immer leicht zu managen, wenn aus 20 Mitarbeiter*innen binnen kürzester Zeit 40 werden. „Aber ich bin ein Mensch, der eher von und mit Bewegung lebt als mit Stillstand. Stillstand frustriert mich“, sagt sie und lacht ein bisschen.

Von Stillstand kann vorerst keine Rede sein. Im Juli bringt sie ihr zweites Kind auf die Welt. Und wenn im nächsten Jahr tatsächlich alles ein bisschen ruhiger werden sollte, hofft sie, wieder Zeit für ihr Hobby zu finden: das Tanzen. Passt zu ihr, vereinen sich darin doch harte Arbeit und schwebende Leichtfüßigkeit.  

Text: Jana Ehrhardt-Joswig

Mehr Informationen

Website von T-knife

Film "Der lange Atem" - ein Film mit Thomas Blankenstein, Elisa Kieback, Mathias Leisegang, Antonio Pezzutto und Wolfgang Uckert

heilen / 08.06.2021
Diagnose Hirntumor: Live-Chat mit Neurochirurgin Prof. Dr. Yu-Mi Ryang am 16. Juni

Chefärztin der Neurochirurgie im Helios Klinikum Berlin-Buch Prof. Dr. med. Yu-Mi Ryang informiert im Live-Chat rund um das Thema Tumor im Kopf. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Chefärztin der Neurochirurgie im Helios Klinikum Berlin-Buch Prof. Dr. med. Yu-Mi Ryang informiert im Live-Chat rund um das Thema Tumor im Kopf. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Jeden Tag wird bei rund 20 Menschen in Deutschland ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert und kann Menschen in jedem Lebensalter treffen. Zum Welthirntumortag am 8. Juni haben Patient:innen und Interessierte die Möglichkeit, ihre Fragen rund um das Thema Tumor im Kopf direkt im Live-Chat an die Chefärztin der Neurochirurgie im Helios Klinikum Berlin-Buch Prof. Dr. med. Yu-Mi Ryang, zu stellen.

Schockdiagnose Hirntumor: Wie geht man damit um und was bedeutet ein chirurgischer Eingriff am Gehirn? „Hirntumore gehören zwar zu den selteneren Erkrankungen, bedeuten aber eine besondere Herausforderung für die Betroffenen. Deshalb ist es wichtig, über die mögliche Behandlung und ihre Grenzen zu sprechen. Mit modernsten Verfahren der Neuromedizin können wir in vielen Fällen den Patienten spürbar Erleichterung verschaffen“, sagt Professor Ryang. Mit dem Begriff „Hirntumor“ werden alle Tumore im Gehirn oder Kopf beschrieben, die man u.a. in gutartig und bösartig und in hirneigen und nicht hirneigen unterteilen kann. Der häufigste bösartige Hirntumor bei Erwachsenen ist das Glioblastom. „Zum Welthirntumortag möchten wir ein Zeichen für Hirntumorpatienten setzen und über mögliche Krankheitsverläufe und Heilungschancen aufklären,“ so Prof. Dr. Ryang. 

Live-Chat und Fragen
Der Hirntumor-Live-Chat findet am Mittwoch, 16.06.2021 um 17:00 Uhr auf Facebook statt. Chefärztin Prof. Dr. med. Yu-Mi Ryang, erklärt die wichtigsten Themenbereiche wie Krankheitsbild, Diagnose, Therapie und Behandlungsschritte und lässt viel Raum für Fragen. Stellen Sie uns Ihre Fragen gerne bereits vorab via Facebook und Instagram und schalten am 16. Juni ein. 

Link zur Facebook Veranstaltung

Welthirntumortag 

Der Welthirntumortag wurde von der gemeinnützigen Organisation Deutsche Hirntumorhilfe initiiert, um auf die schwierige Situation von Betroffenen aufmerksam zu machen. Weitere Informationen und Aktionen zum Welthirntumortag unter: www.hirntumorhilfe.de

Mehr über die Neurochirurgie im Helios Klinikum Berlin-Buch:

www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch/unser-angebot/unsere-fachbereiche/neurochirurgie/

investieren, leben / 08.06.2021
Konzept für Gebietsentwicklung Buch-Süd noch bis 23. Juni online

Abbildung: Bezirksamt Pankow
Abbildung: Bezirksamt Pankow

Stadt der kurzen Wege - Schwammstadt - Holzbauweise: Quartier mit neuem Charakter für Buch

Zwischen der Wolfgang-Heinz-Straße, der Panke und der Autobahn soll ein autoarmes Wohnquartier mit rund 650 Wohneinheiten, einer Kita und Gewerbeflächen für den Biomedizinischen Campus Berlin Buch errichtet werden. Wie kann ein vielfältiges und nachhaltiges Quartier aussehen, das eine Verknüpfung zu den Nachbarschaften schafft und sich in den umgebenden Landschaftraum einfügt?

Hier gibt es Überlegungen, eine „Stadt der kurzen Wege“ zu etablieren, die auf eine Nutzungsvielfalt und dem Nebeneinander von Wohnen, Versorgung, Arbeit und Erholung setzt. Das Konzept soll für den Wohnungsbau eine lockere Anordnung der Gebäude zum Waldbereich an der Panke und eine Durchlässigkeit zum Grünraum des zukünftigen Pankeparks gewährleisten. Um den ruhenden Verkehr zu bündeln, ist eine Quartiersgarage geplant. Nach dem Prinzip der „Schwammstadt“ soll ein abflussloses Stadtquartier entwickelt werden – das Regenwasser wird als eine Ressource verstanden. Dächer und Teile der Fassaden sollen begrünt werden und einen Betrag zu Steigerung der Biodiversität, Kühlung und Rückhaltung des Regenwassers leisten. Die Dächer eigenen sich auch für die Gewinnung regenerativer Energien, diese Qualität soll genutzt werden. Durch die offene Bebauungsstruktur soll sichergestellt werden, dass das neue Stadtquartier in Hitzeperioden durch die Umgebungsluft gekühlt wird. Ein grüner Saum wird für den ökologischen Ausgleich von Eingriffen in Natur und Landschaft einen wichtigen Beitrag leisten. Bei der weiteren Planung werden auch die Anwendung von Holzbauweise und die Verwendung kreislauffähiger Baumaterialien Thema sein. Weiterhin spielt die Energieeffizienz von Gebäuden eine bedeutende Rolle zur Erreichung der Klimaziele Berlins. Entsprechend soll eine innovative und effiziente Energieversorgung vorgesehen und die Gebäude mit einem hohen Energiestandard ausgestattet werden.

Online-Beteiligung bis 23. Juni 2021

Die Planungen der vertiefenden städtebaulichen Studie für Buch-Süd werden vom 2. - 23. Juni 2021 auf dem Portal mein.berlin.de vorgestellt. Alle Interessierten sind eingeladen, Hinweise und Ergänzungen für die weitere Ausarbeitung mitzuteilen.

Hier geht es zum Projekt Buch-Süd: https://mein.berlin.de/projekte/gebietsentwicklung-buch-sud-bezirk-pankow/

Auswertung des Online-Beteiligungsverfahrens

Die Hinweise aus der Online-Beteiligung werden inhaltlich ausgewertet und fließen gebündelt in die weitere Bearbeitung der städtebaulichen Studie ein. Im Zuge der Abwägung von verschiedenen Interessen (Einzelinteressen, lokale Interessen, Gemeinwohl- bzw. Interesse der Gesamtstadt etc.) erfolgt eine Ergänzung oder Anpassungen der bisher aufgenommenen Planungsinhalte.

Die abschließende Fassung der städtebaulichen Studie soll vom Bezirksamt Pankow von Berlin beschlossen werden und damit Grundlage für das weitere Planungsverfahren und die fortlaufende Beteiligung der Öffentlichkeit werden.

Hintergrund:

Seit 2010 verzeichnet das Land Berlin eine kontinuierliche Bevölkerungszunahme, die eine verstärkte Nachfrage nach Wohnraum auslöst. Dieses dynamische Wachstum bietet für den Ortsteil Buch die Chance und die Herausforderung, geeignete Wohnbaupotenziale zu erschließen und durch entsprechende Planungen auch Verbesserungen für die bestehenden Quartiere im Ortsteil zu erreichen. Die seit 2009 bestehenden Förderprogramme Stadtumbau / nachhaltige Stadtentwicklung ermöglichten und ermöglichen hier bereits die Umsetzung wichtiger Maßnahmen mit dem Schwerpunkt der Erneuerung und Qualifizierung der Infrastruktur. Weitere Herausforderungen stellen u.a. die Umwandlung des ehemaligen THW-Geländes neben der Panke zu einem Park und die Nutzung der ehem. Industriebahntrasse als Wegeverbindung dar. Daher sind die Konzepte für Buch-Süd mit den weiteren Planungen aus der Umgebung zu den Themen Verkehr, soziale Infrastruktur und Grünflächen aufeinander abzustimmen.

Nachdem die städtebauliche Rahmenplanung für das zentrale und südliche Gebiet von Buch durch das Bezirksamt am 5. Mai 2020 beschlossen wurde, sollen durch eine vertiefende städtebauliche Studie Vorschläge für die Weiterentwicklung der Wohnsiedlung Buch IV und die Aktivierung der Flächenpotenziale im Bereich zwischen der Ernst-Busch-Straße und dem südlich gelegenen Kappgraben gemacht werden.
 

Quelle: mein.berlin.de

bilden / 08.06.2021
Ein Ferientag zum Thema BIENEN

Campusprojekt mit der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde: Wildblumenwiese, um Insekten noch mehr Nahrung zu bieten (Foto: David Außerhofer)
Campusprojekt mit der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde: Wildblumenwiese, um Insekten noch mehr Nahrung zu bieten (Foto: David Außerhofer)

Kaum wird es wärmer und die ersten Blüten lassen sich sehen, summt und brummt es in Gärten und Grünanlagen. Bienen fliegen in gewagten Flugmanövern von Blüte zu Blüte, sammeln Nektar und bestäuben dabei die Blüten. Tänzelnd zeigen sie anderen Bienen, wo die besten Futterstellen zu finden sind.

Das Gläserne Labor, die Stadtteilbibliothek Buch und Spielkultur Berlin-Buch e.V. laden Kinder zwischen sechs und zehn Jahren zu einem Ferientag rund um die Biene ein. Dabei gibt es viele spannende Dinge zu erfahren: Welche Obst- und Gemüsesorten gäbe es ohne die bestäubenden Insekten nicht? Wie leben Bienen? Wie sind die Augen von Bienen aufgebaut und wie sehen Bienen?

Wissen aus Büchern und Experimenten
Um ihr Wissen zu erweitern, stöbern die Kinder zunächst in der Bibliothek in bereitgestellten Medien. Dort stehen auch Experimente bereit: Wer schon immer mal wie eine Biene sehen wollte, darf durch ein Facettenauge gucken und Blüten auf dem UV-Lichttisch ansehen. Mit allen Sinnen geht es weiter beim Honigtest: Hier erfahren die Kinder, wie unterschiedlich Honige riechen, schmecken und aussehen können.

Lebensräume der Bienen kennenlernen
Die nächste Station ist der grüne Campus Berlin-Buch. Hier dürfen die Kinder den Alltag der Bienen am Bienenstock des Gläsernen Labors beobachten. Sie können das Innenleben des Stocks erforschen und sogar Honigproben entnehmen.

Zahlreiche Wildbienenarten leben nicht als Volk zusammen, sondern sind Einzelgänger und bevorzugen Nistplätze an verschiedensten Orten. Insektenhotels können den Wildbienen helfen, sich anzusiedeln. Doch dabei gilt es, geeignete Materialien zu verwenden und die Inneneinrichtung richtig anzulegen. Die Experten dafür finden sich auf dem Abenteuerspielplatz Moorwiese. An dieser letzten Station des Ferientages kann jedes Kind sein eigenes Insektenhotel bauen – und mit nach Hause nehmen.

Termine: 4. August 2021; 5. August 2021 & 6. August 2021, jeweils 9 bis 17 Uhr

Geeignet für Kinder von 6 bis 10

Dauer: Eintägig

Begrenzte Teilnehmerzahl. Anmeldung erforderlich.
Anmeldung und weitere Informationen:
Stadtteilbibliothek Buch bei Doreen Tiepke unter doreen.tiepke@ba-pankow.berlin.de unter Benennung des Wunschtermins

Anmeldefrist bis zum 20. Juli 2021

Veranstaltungsort: Der Kurs findet in Berlin-Buch in der Stadtteilbibliothek, im Gläsernen Labor auf dem Campus Berlin-Buch und auf der Moorwiese statt.

Kosten: keine

Die Ferientage zum Thema BIENEN werden von der HOWOGE gefördert.

Zur Corona Pandemie: Die Veranstaltung findet zumeist draußen oder in großen, belüfteten Räumen statt, so dass Abstand gewahrt werden kann. Die Gruppe wird eine Anzahl von 12 Kindern und zwei Dozenten nicht übersteigen. Wir bitten um das Tragen eines Mundschutzes und regelmäßiges Händewaschen.

produzieren, heilen / 08.06.2021
Eckert & Ziegler-Verbundunternehmen erhält zusätzliche NIAID-Förderung für pharmazeutische Entwicklung

Myelo Therapeutics GmbH, ein Verbundunternehmen von Eckert & Ziegler (ISIN DE0005659700, TecDAX), hat von der NIAD, einer Zweigstelle der amerikanischen Gesundheitsbehörde, weitere finanzielle Mittel zur Entwicklung seiner Wirkstoffkomponente Myelo001 erhalten. Aufgrund einer Aufstockung der bestehenden Vereinbarung erhält Myelo Therapeutics jetzt zusätzlich 2 Millionen US-Dollar für die klinische Entwicklung zur Behandlung des Hämatopoetischen Akuten Strahlensyndroms (H-ARS). Der Rahmenvertrag, der im April 2020 unterzeichnet wurde, umfasst nunmehr ein Volumen von bis zu 6,2 Mio. US$.

Mit den Mitteln wird unter anderem die Entwicklung von Myelo001 als H-ARS-Monotherapie in Richtung einer Investigational New Drug Application bei der U.S. Food and Drug Administration (FDA) vorangetrieben. Die Gelder für die Entwicklung werden ganz oder teilweise durch das Radiation and Nuclear Countermeasures Program der NIAID finanziert. Nur eine ausgewählte Anzahl von Unternehmen wird auf der Grundlage eines hoch kompetitiven Bewerbungsverfahrens gefördert.

Über das Akute Strahlensyndrom (ARS)
Das akute Strahlensyndrom (ARS), auch Strahlentoxizität oder Strahlenkrankheit genannt, ist eine Erkrankung, die auftritt, wenn große Teile des Körpers einer hohen Strahlenbelastung ausgesetzt sind. Das Hauptmerkmal von ARS ist die Zerstörung von hämatopoetischen Stamm- und Vorläuferzellen, eine der Hauptursachen für die Sterblichkeit. Die US-Regierung fördert die Entwicklung neuer Medikamente zur Behandlung von körperlichen Schäden, die durch ARS entstehen.

Über Myelo Therapeutics
Myelo Therapeutics entwickelt in Berlin innovative Therapien mit hohem medizinischem Bedarf z.B. gegen chemotherapieinduzierte Myelosuppression, strahleninduzierte Myelosuppression und ARS. Sein Leitkandidat Myelo001 ist ein adjuvantes Krebstherapeutikum im klinischen Stadium zur Behandlung von chemotherapie- und strahlentherapieinduzierter Myelosuppression. Er wird als orale Tablettenformulierung verabreicht und ist bei Raumtemperatur für mindestens drei Jahre stabil. Präklinische und klinische Studien haben gezeigt, dass Myelo001 sowohl prophylaktisch als auch therapeutisch wirksam ist, um durch Strahlen- und Chemotherapie verursachte hämatopoetische Symptome zu reduzieren. Eckert & Ziegler ist einer der größten Anteilseigner von Myelo und unterstützt einen wesentlichen Teil der Entwicklungsaktivitäten. www.myelotherapeutics.com.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit rund 800 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet. www.ezag.com

forschen / 07.06.2021
RNA-Moleküle in Raum und Zeit beobachten

Einzellembryo des Zebrafisches: Die MDC-Forschungsgruppe fand darin zahlreiche lokalisierte Gene. Viele ihrer Erbinformationen wandern in die Vorläuferzellen der späteren Keimzellen.  © AG Junker, MDC
Einzellembryo des Zebrafisches: Die MDC-Forschungsgruppe fand darin zahlreiche lokalisierte Gene. Viele ihrer Erbinformationen wandern in die Vorläuferzellen der späteren Keimzellen. © AG Junker, MDC

Einem MDC-Team ist es gelungen, im Einzellembryo des Zebrafisches Gene in Raum und Zeit zu beobachten – noch bevor die Zellteilung einsetzt. Im Fachjournal „Nature Communications“ stellen sie eine Methode vor, mit der künftig beispielsweise auch in Organoiden gemessen werden könnte, wie Zellen auf Medikamente reagieren.

Zu keinem späteren Zeitpunkt offenbart sich das „Wunder des Lebens“ so sehr wie an seinem Anfang: wenn die befruchtete Eizelle sich zu Blastomeren furcht, mit einer Fruchtblase umhüllt, Keimblätter ausfaltet. Wenn die Blastomere beginnen, zu unterschiedlichen Zellen zu differenzieren. Wenn aus ihnen schließlich ein kompletter Organismus wird.

„Wir wollten herausfinden, ob die späteren Unterschiede zwischen den verschiedenen Zellen zum Teil bereits in der befruchteten Eizelle angelegt sind“, sagt Dr. Jan Philipp Junker, der am Berliner Institut für Systembiologie (BIMSB) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) die Arbeitsgruppe „Quantitative Entwicklungsbiologie“ leitet. Mit seinem Team untersucht Junker, wie Zellen Entscheidungen treffen und wovon es abhängt, ob sie zu Nerven-, Muskel- oder Hautzellen werden. Dafür erstellen die Wissenschaftler*innen Stammbäume von Zellen, mit denen sie Herkunft und Zelltyp für Tausende einzelner Zellen aus einem Organismus bestimmen können. Anhand dieser Stammbäume können sie nachvollziehen, wie und auf welchen Wegen Zellen sich zu einem funktionierenden Organismus zusammenfügen oder wie sie auf Störungen reagieren.

Baupläne für verschiedene Zelltypen stecken schon im Einzellembryo

Doch diese Spurensuche mittels Zellstammbäumen setzt an einem späteren Zeitpunkt an – nämlich dann, wenn Zellteilung und -differenzierung eingesetzt haben. Zudem werden dabei große Zeiträume – über Monate oder Jahre hinweg – betrachtet. In ihrer aktuellen Studie, die gerade im Fachjournal „Nature Communications“ erschienen ist, legt Junkers Forschungsgruppe ihr Augenmerk auf eine sehr kurze Zeitspanne: auf die ersten Stunden nach der Befruchtung, vom Einzellstadium bis zur Gastrulation – der Ausbildung der Keimblätter – des Embryos. Die Wissenschaftler*innen wollten wissen, ob in der einzelnen Zelle bereits Teile des Bauplans für die vielen verschiedenen Körperzellen stecken, die sich später aus ihr bilden. Sie arbeiteten dafür mit Zebrafisch- und mit Klauenfroschembryonen. Schon zuvor war es Forschenden gelungen, einzelne Gene zu finden, deren RNA innerhalb der Einzellembryonen des Zebrafisches an bestimmten Stellen lokalisiert ist. Die Berliner Wissenschaftler*innen haben nun nachgewiesen, dass es noch viel mehrsolcher Gene gibt. „Wir haben zehnmal mehr Gene entdeckt als bislang bekannt, deren RNA in der befruchteten Eizelle räumlich lokalisiert ist“, erklärt Karoline Holler, Erstautorin der Studie. „Viele dieser RNA-Moleküle werden später in die Vorläuferzellen der Keimzellen transportiert. Das bedeutet, dass schon in der befruchteten Eizelle das Programm für die spätere Zelldifferenzierung angelegt ist.“  

Neue Ansätze für die Transkriptomik

Die Zelldifferenzierung lässt sich mit modernen Methoden der Einzelzell-Transkriptomik sehr gut nachvollziehen. Wissenschaftler*innen ordnen dafür einzelne Zellen nach der Ähnlichkeit ihrer Transkriptome – das sind sämtliche in der Zelle enthaltenen RNA-Moleküle – und können anhand der sich dabei bildenden Muster bestimmen, auf welchen Wegen die Zellen zu dem geworden sind, was sie sind. Die ersten Schritte in der Embryonalentwicklung können sie damit allerdings nicht nachvollziehen, denn hier ist die räumliche Anordnung von RNA-Molekülen entscheidend. Dafür griff das Team auf eine Technik namens „Tomo-seq“ zurück, die Jan Philipp Junker 2014 am Hubrecht Institute in den Niederlanden entwickelt hat. Damit ist es möglich, RNA-Moleküle räumlich innerhalb der Zelle zu verfolgen. Das funktioniert, indem die Wissenschaftler*innen Embryonen der Modellorganismen in dünne Scheiben schneiden. Entlang der Schnittflächen können sie die RNA-Profile ablesen und in räumliche Expressionsmuster umrechnen. Karoline Holler verfeinerte diese Technik so, dass nun auch die räumliche Verteilung des Transkriptoms in der befruchteten Eizelle gemessen werden kann.

Mit einer zweiten neuen Methode untersuchten die Wissenschaftler*innen, zu welchen Zellen die lokalisierten Gene später beitragen. „Um die RNA-Moleküle über verschiedene Entwicklungsstadien zu verfolgen, markieren wir sie. So können wir sie nicht nur im Raum, sondern auch im Lauf der Zeit beobachten“, erläutert Jan Philipp Junker. Auf diese Weise können die Wissenschaftler*innen die RNA, die seitens der Mutter in den Embryo gelegt wird, von der RNA unterscheiden, die der Embryo selbst bildet. Diese „scSLAM-seq“ genannte Methode zur Markierung von RNA wurde am BIMSB in den Arbeitsgruppen von Professor Markus Landthaler und Professor Nikolaus Rajewsky verbessert, so dass nun eine Anwendung im lebenden Zebrafisch möglich ist. „Das Labeling von RNA-Molekülen erlaubt es uns, mit hoher Präzision zu messen, wie sich die Genexpression in einzelnen Zellen verändert, beispielsweise nach einem experimentellen Eingriff“, erläutert Junker.

Wie wirken sich Medikamente auf die Zelldifferenzierung aus?

Mit RNA-Labeling eröffnen sich ganz neue Wege, um beispielsweise die Wirkungsweise medikamentöser Therapien zu erforschen. „Wir können damit in Organoiden untersuchen, wie verschiedene Zelltypen auf Substanzen reagieren“, erklärt der Physiker. Für langfristige Veränderungsprozesse sei die Methode nicht geeignet. „Aber wir sehen, welche Gene sich innerhalb von fünf bis sechs Stunden nach der Behandlung verändern. So können wir versuchen zu verstehen, wie wir die Zelldifferenzierung beeinflussen können.“ 

Auch die räumliche Analyse hat medizinische Relevanz: Auf lange Sicht könnte sie für die Erforschung solcher Krankheiten geeignet sein, die auf fehllokalisierte RNA zurückzuführen sind, beispielsweise Krebs oder neurodegenerative Erkrankungen. Bei ihnen werden viele Moleküle durch die Zelle transportiert. „Wenn wir diese Transportprozesse verstehen, dann können wir möglicherweise Risikofaktoren für diese Krankheiten bestimmen“, erklärt Karoline Holler. Doch das ist Zukunftsmusik. „Bis der Zebrafisch-Einzellembryo als Modellsystem für menschliche neurodegenerative Erkrankungen genutzt werden kann, ist es noch ein sehr weiter Weg“, betont Jan Philipp Junker. 

Vorerst wollen die Wissenschaftler*innen die Mechanismen zur Lokalisierung der RNA entschlüsseln: Worin unterscheidet sich die aufgespürte RNA von den Transkripten, die sonst noch in der Zelle stecken? Zusammen mit der Arbeitsgruppe von Professorin Irmtraud Meyer am BIMSB will Junkers Team die Sequenzmerkmale der lokalisierten RNA charakterisieren. Mithilfe von Algorithmen wollen sie vorhersagen, ob die lokalisierten Gene eine zwei- oder dreidimensionale Faltung gemeinsam haben. Darüber hinaus arbeiten sie daran, ihre Methode so weiterzuentwickeln, dass sie auch in anderen Systemen als dem Zebrafisch-Einzellembryo zum Einsatz kommen kann.

Weitere Informationen

AG Junker, Quantitative Entwicklungsbiologie
AG Landthaler, RNA-Biologie und Posttranskriptionale Regulation
AG Meyer, Bioinformatik der RNA-Struktur und Transkriptomregulierung
AG N. Rajewsky, Systembiologie von Gen-regulatorischen Elementen

Wie Zellen Entscheidungen treffen

Literatur

Karoline Holler et al (2021): „Spatio-temporal mRNA tracking in the early zebrafish embryo“, Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-021-23834-1

forschen / 04.06.2021
130 Aha-Momente am 5. Juni 2021: wissenschaftliche Einrichtungen präsentieren sich digital

Auch wenn die Lange Nacht der Wissenschaften in diesem Jahr mit Präsenzveranstaltungen noch einmal aussetzen muss, am 5. Juni präsentieren wissenschaftliche Einrichtungen 130 digitale Programmpunkte auf langenachtderwissenschaften.de und sorgen damit für viele Aha-Momente. In einer LNDW-Sondersendung von radioeins berichten Expert*innen aus den Forschungsbereichen Mensch, Natur und Technik.

Die Programmpunkte zeigen das breite Spektrum der Berliner Forschungslandschaft auf und bieten mit einer Auswahl an Vorträgen, virtuellen Touren, Konzerten, einem Pubquiz und Speed-Dating ein abwechslungsreiches Angebot − rein digital. Umweltthemen, medizinischer Fortschritt, archäologische Forschungsreisen und Murphys Law, kaum ein Themenfeld, das nicht erkundet werden kann:

• Ob Zero-Waste in einer Stadt wie Berlin überhaupt praktikabel ist, fragt zum Beispiel die Humboldt-Universität Expert*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gastronomie.
• Dass das als klimaschädlich bekannte Kohlendioxid auch ein Rohstoff sein könnte, aus dem sich Kraftstoffe und Chemikalien herstellen lassen, wird bei einer virtuellen Tour im Helmholtz-Zentrum Berlin erklärt.
• Wie erfolgreiche Influencer*innen Partnerschaftsvorstellungen der 50er reproduzieren, verfolgt die Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft.
• Wie ein 3D-Rundgang in einer türkischen Tempelanlage aussieht, zeigt die Beuth-Hochschule.
• Wie man Maschinen mit Algorithmen dazu bringt, eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen und wo dabei die Grenzen liegen, wird im Zuse-Institut Berlin ergründet.
• Die Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung verrät, wie sich Sütterlin & Co entziffern lassen.

Auch für Kinder und Jugendliche werden besondere Programmpunkte angeboten:
• Bist du eher Dichter*in oder Denker*in fragt zum Beispiel das Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft Kinder zwischen 5 und 12 Jahren.
• Die Frage, ob es für uns Menschen einen Bauplan gibt, können Kinder ab 12 Jahren zusammen mit dem Gläsernen Labor auf dem Campus Berlin Buch beantworten.

Eine Sondersendung von radioeins wird am 5. Juni 2021 von 19 bis 23 Uhr live aus dem Futurium in Berlin ausgestrahlt. In der vierstündigen Sendung kommen Wissenschaftler*innen mit ihren spannenden Projekten zu Wort. Die radioeins-Reporterin hat sich zum Beispiel angeschaut, wie an der Technischen Universität ein Lungenmodell am 3D-Drucker produziert wird, um daran Impfstoffe zu erforschen. Auf dem Gelände der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung in Horstwalde macht sie sich zudem auf die Spur nach dem grünen Wasserstoff.

Folgende Einrichtungen beteiligen sich mit digitalen Angeboten:
• Beuth Hochschule für Technik Berlin
• Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung (BBF) des DIPF | Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation
• Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)
• Bundesinstitut für Risikobewertung
• Forschungsverbund Berlin e.V.
• Futurium
Gläsernes Labor/Campus Berlin-Buch GmbH
• Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH
• HMKW Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft
• Humboldt-Universität zu Berlin
• Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaft (ZAS)
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft
• Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene
• Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie
• Stiftung Planetarium Berlin
• Technische Universität Berlin
• Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik (WIAS)
• Zentrum für Osteuropa- und internationale Studien (ZOiS)
• Zuse-Institut Berlin (ZIB)

Alle Informationen zu den digitalen Programmpunkten sind auf der LNDW-Website unter www.langenachtderwissenschaften.de veröffentlicht.

Über die Lange Nacht der Wissenschaften Berlin | Potsdam
Die Lange Nacht der Wissenschaften (LNDW) findet seit 2001 jährlich statt. 2022 ist sie für den 2. Juli geplant. Organisiert und finanziert wird die Lange Nacht der Wissenschaften weitgehend von den beteiligten wissenschaftlichen Einrichtungen selbst. Darüber hinaus wird sie von zahlreichen Partnern unterstützt, insbesondere von der Senatskanzlei – Wissenschaft und Forschung, Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH und der Technologiestiftung Berlin. 2021 konnten zusätzlich Siemens und Bayer als Unterstützer gewonnen werden.

 

produzieren / 03.06.2021
Eckert & Ziegler und Telix Pharmaceuticals schließen Vertrag zur gemeinsamen Vermarktung eines Prostatakrebs-Diagnostikums in den Vereinigten Staaten

Eckert & Ziegler (ISIN DE0005659700, TecDAX) und Telix Pharmaceuticals (Telix) werden bei der Vermarktung von GalliaPharm® (68Ge/68Ga Generator) und Illuccix® (Kit zur Herstellung von Ga-68 PSMA-11 Injektion) in den USA eng zusammenarbeiten. Ein entsprechender Vertrag, wurde jetzt von beiden Unternehmen unterzeichnet. Illuccix® ist ein Präparat für die Bildgebung von Prostatakrebs mit Positronen-Emissions-Tomographie (PET), das derzeit in mehreren Märkten weltweit, darunter auch in den Vereinigten Staaten, zur Zulassung geprüft wird.

Eckert & Ziegler und Telix werden ihre bestehende Zusammenarbeit ausbauen, um den Zugang zur Ga-68 Versorgung in den Vereinigten Staaten weiter voranzutreiben. Im Rahmen der Vereinbarung werden Eckert & Ziegler und Telix die Kombination von GalliaPharm® und Illuccix® an nationale Radiopharmazie-Netzwerke, kommerzielle Apothekenketten, Krankenhausapotheken und andere Zielinstitutionen vermarkten.

"Nachdem wir vor kurzem für Illuccix® die exklusiven Vertriebsrechte für Deutschland erhalten haben, markiert diese Kooperation einen weiteren wichtigen Meilenstein für unser Ga-68 Generatoren Geschäft sowie unsere nuklearmedizinischen Aktivitäten,“ erklärte Dr. Harald Hasselmann, Eckert & Ziegler Vertriebsvorstand und verantwortlich für das Segment Medical. "Wir freuen uns, gemeinsam mit Telix die Versorgung von Prostatakrebspatienten in den Vereinigten Staaten sicherzustellen."

"Die enge Zusammenarbeit zwischen den Eckert & Ziegler und Telix Vertriebsteams wird uns dabei helfen, die 68Ga-PSMA-Bildgebung in den USA einzuführen. Vorbehaltlich der FDA-Zulassung werden wir gemeinsam das Bewusstsein für dieses innovative bildgebende Verfahren erhöhen und Prostatakrebspatienten in den USA den Zugang zu dieser Diagnosemethode erleichtern", ergänzte Dr. Bernard Lambert, Präsident von Telix Americas.

Nach der Marktzulassung soll Illuccix® als sogenannte Kit-Präparation für die Diagnose von Prostatakrebs angeboten werden. Illuccix® ermöglicht eine Markierung von PSMA-11 mit dem Radionuklid Ga-68 durch das medizinische Personal, direkt vor Verabreichung. Nach Fertigstellung des Radiopharmazeutikums und Injektion in den Patienten können Tumore, die das sogenannte Prostataspezifische Membranantigen aufweisen, mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET) genau lokalisiert werden.(1), (2)

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern in Deutschland, die mit etwa 68.000 Fällen im Jahr 2020, eine deutlich höhere Inzidenz als Lungenkrebs (38.000 Neuerkrankungen) oder Darmkrebs (31.000 Neuerkrankungen) (3) aufweist. Prostatakrebs ist die zweithäufigste Krebstodesursache bei Männern. Im Jahr 2020 starben in Deutschland über 15.000 Männer an Prostatakrebs. Im gleichen Jahr lebten in Deutschland schätzungsweise 290.000 Prostatakrebspatienten.

  1. Fendler W et al. JAMA Oncol. 2019; 5(6): 856-863.
  2. Hofman M et al. The Lancet. 2020; 395: 1208-1216.
  3. IARC Global Cancer Observatory, 2020.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit rund 800 Mitarbeitern zu den größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an seinen weltweiten Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet. www.ezag.com

Über Telix Pharmaceuticals
Telix ist ein biopharmazeutisches Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von diagnostischen und therapeutischen Produkten mittels Molecularly Targeted Radiation (MTR) spezialisiert hat. Telix hat seinen Hauptsitz in Melbourne, Australien und internationale Niederlassungen in Belgien, Japan und den Vereinigten Staaten. Telix entwickelt ein Portfolio von Produkten, die sich in der klinischen Phase befinden und einen bedeutenden, bisher ungedeckten medizinischen Bedarf in der Onkologie und bei seltenen Krankheiten adressieren. Telix ist an der Australian Securities Exchange (ASX: TLX) notiert. www.telixpharma.com 

Über Illuccix®
Das führende Entwicklungsprodukt von Telix, Illuccix® (TLX591-CDx) für die Bildgebung bei Prostatakrebs, wurde von der US-amerikanischen FDA zur Einreichung angenommen und wird von der australischen Therapeutic Goods Administration (TGA) vorrangig geprüft. Telix arbeitet außerdem an den Zulassungsanträgen für Illuccix® in der Europäischen Union und in Kanada.

forschen / 02.06.2021
Einzelzellen, RNA und die Zukunft der Medizin

Drei Tage, zwei Veranstaltungen: Forscher*innen, Vertreter*innen der Industrie und Politik sowie die Öffentlichkeit sind am 16./17. Juni zur LifeTime-Konferenz 2.0 und am 18. Juni zum Berlin Summer Meeting 2021 eingeladen, um neueste Technologien, Werkzeuge und Methoden der Krankheitsbehandlung zu diskutieren.

Die zweite LifeTime-Konferenz tut sich in diesem Jahr Berlin Summer Meeting zusammen. Veranstalter der beiden spannenden virtuellen Events vom 16. bis 18. Juni ist das Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). 

Während der LifeTime-Konferenz 2.0 am 16. und 17. Juni präsentieren führende Forscher*innen, die an Einzelzell-Multi-Omics, Bildgebung, künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen sowie experimentellen Krankheitsmodellen aus den Zellen von Patient*innen arbeiten, ihre neuesten Ergebnisse. Ihr Ziel ist eine „zellbasierte Medizin“, die eine Erkrankung in allerfrühsten Stadien oder sogar bereits vor Beginn abfangen und unterbrechen kann. Beim 14. Berliner Summer Meeting am 18. Juni stehen Wissenschaftler*innen im Mittelpunkt, die innovative RNA-Werkzeuge entwickeln und damit ganz aktuell einen Wandel in der Medizin herbeiführen. 

„Diese beiden sich ergänzenden Veranstaltungen bringen weltweit anerkannte Wissenschaftler*innen zusammen, die auf wichtigen Gebieten von Forschung und Entwicklung Pionierarbeit leisten. Sie verändern grundlegend, wie wir Krankheiten analysieren und behandeln“, beschreibt Professor Nikolaus Rajewsky, Wissenschaftlicher Direktor des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC. „Wir freuen uns darauf, dass Forscher*innen, Vertreter*innen der Industrie, politische Entscheidungsträger*innen, Investor*innen und Patientensprecher*innen bei uns Ideen austauschen und helfen, schnell neue Lösungen für Patient*innen zu finden.“

Krankheitsursachen verfolgen – Zelle für Zelle
Die seit 2019 von MDC und Pariser Institut Curie gemeinsam koordinierte LifeTime-Initiative will früheste Mechanismen verstehen, die Zellen von gesunden Wegen abweichen und stattdessen Krankheit entstehen lassen. Derartige Veränderungen Jahre oder sogar Jahrzehnte vor Entstehung eines Tumors oder der Degeneration von Nervenzellen abzufangen und zu korrigieren, könnte vollkommen neue Wege in der Behandlung eines breiten Krankheitsspektrums öffnen. Die LifeTime-Konferenz 2.0 widmet sich den neuesten Fortschritten, die die außergewöhnlich detailreiche Analyse einzelner Zellen im Verlauf der Zeit sowie deren genaue Verortung im Gewebe für die Erforschung von Gesundheit und Krankheit bietet.

Professor Ido Amit, Molekularbiologe am israelischen Weizmann Institute of Science, hält am 16. Juni eine Keynote mit dem Titel „The power of ONE: Immunology in the age of single cell genomics”. Amit ist entwickelt Technologien der Einzelzell-Genomik und nutzt sie, um grundlegende Fragen zum Immunsystem zu beantworten. Mit seinen Kolleg*innen erforscht er außerdem, wie man Gensequenzen für die Therapie herstellen kann.

Weitere Sprecher*innen aus den USA und Europa – darunter Partner aus dem Single Cell Omics Germany (SCOG) Netzwerk und dem LifeTime-Konsortium – gruppieren ihre Präsentation um fünf zentrale Themen: „Wir sind froh, renommierte Expert*innen aus aller Welt zusammenzubringen und freuen uns, außerdem Postdocs und Doktoranden die Möglichkeit geben zu können, auf kurze Vorträge Feedback zu ihren Projekten zu erhalten“, sagt Marco Uhrig, Projektmanager am BIMSB. „Eine weitere Besonderheit wird eine Paneldiskussion mit Geschäftsführer*innen von Unternehmen aus dem Bereich Einzelzelltechnologie sein.“

RNA kommt zu Hilfe
Das Berlin Summer Meeting ist ein Dauerbrenner und bekannt dafür, rechnergestützte und experimentelle biologische Forschung zusammenzubringen. Die diesjährige Ausgabe 

Innovative RNA: from basic discoveries to future medicine“ befasst sich dank RNA-basierter COVID-19-Impfstoffe mit einem derzeit hochaktuellen Thema.

Natürlich sind die COVID-19-Impfstoffe nur ein Beispiel, das zeigt, dass RNA die Medizin grundlegend verändern kann. Führende Wissenschaftler*innen aus den USA Und Europa stellen kurz ihre aktuelle Forschung vor, sowohl zur Entwicklung RNA-basierter Medikamente gegen Krebs und neurodegenerative Krankheiten als zu Nanobauteilen und RNA-Editierung. Zu den renommierten Vortragenden gehört Professor David Liu von der Harvard University, dessen Arbeitsgruppe erfolgreich das Base-Editing etabliert hat, mit dem man einzelne Basenpaare in DNA austauschen kann. Derartige Werkzeuge, die auf CRISPR-Cas9 Technologie aufbauen, könnten in Zukunft bei der Behandlung von Erbkrankheiten helfen. Denn viele werden von einer Punktmutation verursacht, etwa Sichelzellanämie.

Auch die Perspektive von Forscher*innen in der Industrie ist vertreten, beispielweise durch Dr. Jennifer Petter, Gründerin und wissenschaftliche Leiterin von Arrakis Therapeutics. Das Unternehmen baut eine Pipeline  auf RNA abzielender, auf niedermolekularen Verbindungen basierender Medikamente („small-molecule (rSM) medicines“), um ein ganzes Spektrum an Krankheiten zu behandeln. Darunter sind verschiedene Krebsarten und kardiovaskuläre Erkrankungen. Die Idee besteht darin, RNA zu verändern, bevor sie in DNA und Proteine umgewandelt wird, was „flussaufwärts“ ganz neue Eingriffsmöglichkeiten schafft.

„Wissenschaftler*innen haben das Potenzial von RNA für die Impfstoffanwendung schon seit über 30 Jahren erforscht, doch die Genehmigung von RNA-basierten COVID-19 Impfstoffen hat die Tür nun richtig weit aufgestoßen, das Konzept dahinter bewiesen und den Weg für die Entwicklung von RNA-Impfstoffen gegen Krebs und neurodegenerative Krankheiten geebnet“, bilanziert Rajewsky, einer der wissenschaftlichen Organisatoren des Berlin Summer Meeting.

Das wissenschaftliche Komitee umfasst außerdem Professor Emmanuelle Charpentier, Direktorin der Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene und 2020 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet, Professor Markus Landthaler, Leiter der Arbeitsgruppe RNA-Biologie und Posttranskriptionale Regulation am MDC sowie Professor Jörg Vogel, Gründungsdirektor des Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung.

Weiterführende Informationen
Bitte beachten Sie, dass man sich für die beiden Veranstaltungen jeweils einzeln registrieren muss. Die Teilnahme ist in beiden Fällen kostenlos. Sämtliche Details und Registrierung:

https://lifetime-initiative.eu/lifetime-conference-2-0/

https://berlin-summer-meeting.org/

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de 

forschen, investieren, produzieren, leben, heilen, bilden / 31.05.2021
Die neue Ausgabe des Standortmagazins buchinside ist erschienen

Cover der Ausgabe 1/2021. Foto: Peter Himsel
Cover der Ausgabe 1/2021. Foto: Peter Himsel

Im Titelthema: Bauen für die Medizin der Zukunft - Grundsteinlegung für den BerlinBioCube

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

ein neues Forschungshaus zu eröffnen oder einen Grundstein für ein Gründerzentrum zu legen, darf hoffentlich bald wieder ein Höhepunkt mit zahlreichen Gästen vor Ort sein – mit freudigem Händedruck, lächelnden Gesichtern und Beifall. Doch noch gelten Einschränkungen.

So fand die außerordentlich spannende Eröffnung des Käthe-Beutler-Hauses auf dem Campus Berlin-Buch im März virtuell statt. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und der Regierende Bürgermeister und Senator für Wissenschaft und Forschung Berlins, Michael Müller, weihten das neue Gebäude für die translationale medizinische Forschung des Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) ein. Hier werden rund 200 Spezialist*innen aus MDC und BIH auf dem Gebiet der Blutgefäßmedizin forschen – zum Nutzen der Patient*innen. Mit dem neuen Gebäude wird der nördliche Eingang des Campus am Lindenberger Weg deutlich aufgewertet.

Mit kleinster, ebenfalls prominenter Besetzung wurde Mitte April der Grundstein des BerlinBioCube gelegt. Der Regierende Bürgermeister von Berlin und der Bezirksbürgermeister von Pankow, Sören Benn, nahmen an der feierlichen Zeremonie teil. Hier, im neuen Gründerzentrum des BiotechPark Berlin-Buch, werden ab 2023 junge Unternehmen in der Biotechnologie und Medizintechnik ausgezeichnete Bedingungen vorfinden.

Moderne, helle Laborräume sind das eine, was Start-ups in dieser Branche benötigen. Der biomedizinische Campus bietet jedoch weit mehr. Zum Umfeld gehören exzellente Grundlagen- und klinische Forschung, Hightech-Plattformen und Kliniken ebenso wie junge und etablierte Unternehmen. Durch die räumliche und inhaltliche Nähe entstehen vielfältige Vernetzungen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Eine inspirierende Life-Science-Community prägt den Campus, dessen 3.000 Beschäftigte aus 60 Nationen stammen. Im BerlinBioCube sollen die Vernetzung und der Austausch weiter intensiviert werden. Darum sind im Gebäude Gemeinschaftsflächen und ein großer Konferenzraum geplant. Der parkartige grüne Campus lädt zum Arbeiten und Entspannen im Freien ein. Ein Barista-Café, die Mensa oder Foodtrucks bringen ein urbanes Lebensgefühl nach Buch. Sommerfeste, sportliche Wettbewerbe oder die Lange Nacht der Wissenschaften sind Teil der Campus-Kultur. Nachhaltigkeit ist fest im Leitbild des Green Campus verankert und wirkt bis in die Standortentwicklung hinein, für die sich die Campusakteure ebenfalls engagieren. Der Ort Buch, der an die Landschaft des Barnim grenzt, wächst. In den nächsten Jahren entstehen hier mehrere tausend Wohnungen. Und auch hier findet sich die Bestrebung, modellhaft eine Green Health City zu entwickeln.

Bis zu 40 Start-ups können im BerlinBioCube einziehen, und die Nachfrage nach branchenspezifischen Flächen ist bereits jetzt sehr hoch. Die Pandemie hat eines gezeigt: Die Medizinische Biotechnologie ist eine Branche, die essenzielle Beiträge zur Bewältigung der Krise liefern und sogar noch Wachstum verzeichnen konnte. Der Zeitpunkt, in ein neues Gründerzentrum in Buch zu investieren und an die 400 Arbeitsplätze zu schaffen, ist genau richtig.

Dr. Christina Quensel und Dr. Ulrich Scheller
Geschäftsführende der Campus Berlin-Buch GmbH

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forschen, heilen / 28.05.2021
Neue Muskeln für die Blase

Menschliche Muskelzelle, wie sie aus Muskelstammzellen differenziert. (Blau: Zellkern, grün: Desmin, rot: Myosin Heavy Chain). Foto: mit freundlicher Genehmigung der American Society for Clinical Investigation; https://insight.jci.org
Menschliche Muskelzelle, wie sie aus Muskelstammzellen differenziert. (Blau: Zellkern, grün: Desmin, rot: Myosin Heavy Chain). Foto: mit freundlicher Genehmigung der American Society for Clinical Investigation; https://insight.jci.org

Etwa sieben Jungen, deren Harnröhre und Blasenschließmuskel unvollständig ausgebildet sind, werden jedes Jahr in Deutschland geboren. Sie bleiben oft inkontinent. ECRC-Forscher*innen wollen prüfen, ob den Kindern eine Stammzell-Transplantation helfen kann. BMBF und BIH in der Charité fördern die Studie mit ca. 4,3 Millionen Euro.

Über 8000 verschiedene Seltene Erkrankungen sind bekannt, über 30 Millionen Menschen sind allein in Europa betroffen. Therapien für diese meist noch nicht behandelbaren Krankheiten zu entwickeln, ist eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe und damit eine Herausforderung für die Forschung. Die Epispadie ist eine davon. Hier führt eine vorgeburtliche Entwicklungsstörung zu einer abnormalen Lage und Spaltbildung der Harnröhre und einem unvollständig ausgebildeten Blasenschließmuskel. 

Nur etwa sieben Jungen und noch weniger Mädchen werden jedes Jahr in Deutschland mit dieser Besonderheit geboren. Sie ist mit einem hohen Leidensdruck verbunden: Denn die äußerlich sichtbare Fehlbildung kann man mit einer Operation beheben, das gelingt aber leider beim Blasenschließmuskel nicht so einfach. „Daher sind diese Kinder oft lebenslang inkontinent, was mit einer hohen psychologischen Belastung für die Betroffenen und deren Familien einhergeht“, erklärt Professorin Simone Spuler vom Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). Sie ist Spezialistin für Stammzell- und Muskelforschung. „Wir haben deshalb überlegt, wie wir ihnen mit unserer Expertise helfen können.“ 

Das Bundesforschungsministerium (BMBF) fördert die Studie mit rund 3,3 Millionen Euro. Das Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité hat das Vorhaben mit seinem Spark-BIH-Programm auf dem Weg vom Labor in die Klinik mit einer Million Euro unterstützt.

Muskelstammzellen bilden neuen Schließmuskel

Die Wissenschaftler*innen um Simone Spuler hatten eine Methode entwickelt, mit der sie regenerationsfähige Muskelstammzellen aus Muskelgewebe isolieren können. „Wir nehmen eine Gewebeprobe, eine Biopsie, aus dem Oberschenkel und isolieren daraus Muskelstammzellen. Diese vermehren wir anschließend auf ein Vielfaches und spritzen sie direkt an in die Defektstelle des Blasenschließmuskels.“ Bei Ratten führte das tatsächlich dazu, dass sich ein neuer Schließmuskel bildete, der auch funktionstüchtig war. Da deren verändertes Immunsystem menschliche Zellen tolerierte, gelang dies auch mit menschlichen Muskelstammzellen.

„Doch trotz dieser ermutigenden Ergebnisse konnten wir nicht sofort eine klinische Studie mit Betroffenen beginnen“, sagt die Medizinerin. „Denn die Vorschriften sind streng. Nur Zellen, die in einem pharmazeutischen Herstellungsverfahren, der „good manufacturing practice“ kurz GMP, produziert werden, dürfen im Menschen angewandt werden. Dieses Verfahren aufzusetzen, ist sehr anspruchsvoll.“ Die unter GMP-Bedingungen hergestellten Zellen werden für die präklinischen Sicherheitsprüfungen zunächst im Tiermodell eingesetzt. 

Unterstützung aus den USA – und vom BIH

Die Auflagen der Zulassungsbehörden, in Deutschland das Paul-Ehrlich-Institut, verlangen, dass nur speziell dafür akkreditierte Labore die Tierversuche für eine klinische Studie durchführen dürfen. Der Fachbegriff ist „good laboratory practice“, GLP-Bedingungen. Auf der Suche nach einem GLP-Labor, das gleichzeitig über mikrochirurgische Fähigkeiten verfügte, mit denen sich die Muskelstammzellen in den Blasenschließmuskel von Ratten übertragen lassen, wurden die Wissenschaftler*innen in den USA fündig: „Ungefähr 300 km östlich von Chicago, mitten in Michigan, gab es ein solches Labor“, berichtet Simone Spuler. „Um den dortigen Kollegen genau zu erklären, was wir planen, mussten wir mehrmals in die USA reisen. Die Vorbereitungen, die erforderliche Einarbeitungszeit und die Durchführung der Versuche waren unglaublich zeit- und kostenintensiv. Das hätten wir ohne die Unterstützung durch das BIH-Spark-Programm nicht geschafft!“ 

Eine Million Euro stellte das BIH den Muskelforscher*innen um Simone Spuler zur Verfügung. „Genau dies ist unser Anliegen“, erklärt Professor Christopher Baum, Vorsitzender des BIH-Direktoriums und Vorstand für den Translationsforschungsbereich der Charité. „Wir wollen Wissenschaftler*innen dabei unterstützen, ihre Ergebnisse aus dem Labor zu den Patientinnen und Patienten zu bringen und damit die medizinische Translation fördern. Damit erreichen wir, dass aus Forschung Gesundheit wird.“ Dr. Tanja Rosenmund, die Leiterin des BIH-Spark-Programms freut sich ebenfalls. „Das Projekt für die Epispadie ist deshalb so spannend, weil es – falls es gelingt – viele weitere Möglichkeiten eröffnet: Inkontinenz ist ja ein weit verbreitetes Problem und Muskelschwäche ohnehin. Wir hoffen deshalb, mit dieser Förderung möglichst vielen weiteren Studien den Weg zu ebnen.“ 

Klinische Studie mit 21 Jungen 

Nachdem die Ergebnisse in den USA gezeigt hatten, dass die transplantierten Muskelstammzellen die Inkontinenz bei den Ratten beheben konnte und die Sicherheit des Zellproduktes bestmöglich bestätigt werden konnte, steht nun der klinischen Studie nichts mehr im Weg: 21 betroffene Jungen im Alter zwischen drei und siebzehn Jahren sollen an den Universitätskliniken Ulm und Regensburg behandelt werden. Dort leiten Professorin Anne-Karoline Ebert und Professor Wolfgang Rösch die Zentren für den Blasenekstrophie-Epispadie-Komplex. Die Studie ist Placebo-kontrolliert, randomisiert und doppelt-verblindet geplant. Das bedeutet, dass zufällig ausgewählte fünf der 21 Jungen ein Placebo (Kochsalzlösung) statt ihrer eigenen Muskelstammzellen erhalten. Weder Ärzt*innen noch Patient*innen wissen bis zum Ende der Studie, wer diese fünf waren. „Das müssen wir tun, um wissenschaftlich gesicherte Ergebnisse zu erhalten“, erklärt Simone Spuler. „Wenn sich nach der Datenanalyse zeigt, dass es den Kindern nach der Zellinjektion besser geht als denen, die das Placebo erhalten haben, besteht natürlich die Möglichkeit, die Zellinjektion nachzuholen. Das ist möglich, da sich die isolierten Muskelstammzellen problemlos tiefgekühlt aufbewahren lassen.“ 

Das Bundesforschungsministerium war so überzeugt von dem Antrag aus Berlin, dass es 3,3 Millionen Euro für die Durchführung der Klinischen Studie zur Verfügung gestellt hat. In wenigen Monaten soll der erste Patient behandelt werden. 

Berlin Institute of Health in der Charité (BIH)
Die Mission des Berlin Institute of Health (BIH) ist die medizinische Translation: Erkenntnisse aus der biomedizinischen Forschung werden in neue Ansätze zur personalisierten Vorhersage, Prävention, Diagnostik und Therapie übertragen, umgekehrt führen Beobachtungen im klinischen Alltag zu neuen Forschungsideen. Ziel ist es, einen relevanten medizinischen Nutzen für Patient*innen und Bürger*innen zu erreichen. Dazu etabliert das BIH als Translationsforschungsbereich in der Charité ein umfassendes translationales Ökosystem, setzt auf ein organübergreifendes Verständnis von Gesundheit und Krankheit und fördert einen translationalen Kulturwandel in der biomedizinischen Forschung. Das BIH wurde 2013 gegründet und wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) waren bis 2020 eigenständige Gliedkörperschaften im BIH. Seit 2021 ist das BIH als so genannte dritte Säule in die Charité integriert, das MDC ist Privilegierter Partner des BIH.

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft gehört zu den international führenden biomedizinischen Forschungszentren. Nobelpreisträger Max Delbrück, geboren in Berlin, war ein Begründer der Molekularbiologie. An den MDC-Standorten in Berlin-Buch und Mitte analysieren Forscher*innen aus rund 60 Ländern das System Mensch – die Grundlagen des Lebens von seinen kleinsten Bausteinen bis zu organübergreifenden Mechanismen. Wenn man versteht, was das dynamische Gleichgewicht in der Zelle, einem Organ oder im ganzen Körper steuert oder stört, kann man Krankheiten vorbeugen, sie früh diagnostizieren und mit passgenauen Therapien stoppen. Die Erkenntnisse der Grundlagenforschung sollen rasch Patient*innen zugutekommen. Das MDC fördert daher Ausgründungen und kooperiert in Netzwerken. Besonders eng sind die Partnerschaften mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin im gemeinsamen Experimental and Clinical Research Center (ECRC) und dem Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK). Am MDC arbeiten 1600 Menschen. Finanziert wird das 1992 gegründete MDC zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin. www.mdc-berlin.de

Quelle :Gemeinsame Pressemitteilung von MDC und BIH
https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/epispadie-neue-muskeln-fuer-die-blase