Aktuelles

produzieren / 14.04.2021
Eckert & Ziegler baut in Berlin GMP-Anlage für radiopharmazeutische Dienstleistungen

Eckert & Ziegler erweitert seinen Produktionsstandort in Berlin um eine neue Produktionsanlage für die Auftragsfertigung von Radiopharmazeutika. Die neue GMP-Anlage mit einer Gesamtfläche von rund 270 m² wird sämtliche Vorgaben der Good Manufacturing Practice erfüllen und ab dem ersten Quartal 2022 betriebsbereit sein.

„Im Moment befindet sich eine Vielzahl radiopharmazeutischer Substanzen von internationalen Pharmaunternehmen in fortgeschrittenen klinischen Prüfungen, darunter auch für breite Indikationen wie Prostatakrebs“, erklärt Dr. Lutz Helmke, Mitglied des Vorstands der Eckert & Ziegler AG und verantwortlich für das Segment Medical. „Mit der neuen GMP-Anlage positionieren wir uns als europäischer Produktions- und Entwicklungspartner für spezialisierte Pharmaunternehmen und innovative Wissenschaftler. Ihnen bieten wir eine Vielzahl von radiopharmazeutischen Dienstleistungen unter GMP-Bedingungen.“

Mit der GMP-Anlage wird Eckert & Ziegler komplette Frühentwicklungsdienstleistungen anbieten, einschließlich Prozessentwicklung und Scale-up, CMC-Entwicklung, Herstellung und Verpackung, Produktfreigabe und Stabilitätsprogramme. Das Unternehmen wird damit in der Lage sein, als radiopharmazeutischer Auftragsfertiger Produkte im klinischen Maßstab der Phasen I, II und III und für den kommerziellen Einsatz herzustellen.

Eckert & Ziegler ist als einer der führenden Partner der radiopharmazeutischen Industrie weltweit präsent und verfügt über Produktions- und Vertriebsstandorte in 13 Ländern in Europa, Nord- und Südamerika und Asien.

In Boston (USA) befindet sich momentan eine Produktionsanlage in Fertigstellung, mit der Yttrium-90 basierte Radiopharmazeutika zur Behandlung von Leberkrebs hergestellt werden können. Zukünftig wird das Unternehmen seine europäischen Produktionskapazitäten für Lutetium-177 markierte Medikamente auf seinen US-amerikanischen Standort erweitern. Lutetium-177 ist ein begehrter Wirkstoff vieler neuer Krebsmedikamente. „Aufgrund der vielen Studien, in denen Lutetium-177 weltweit klinisch geprüft wird, erwarten wir in den kommenden Jahren eine steigende Nachfrage nach diesem Isotop und damit zusammenhängenden Dienstleistungen. Dafür sehen wir uns mit unseren Produktionsstätten in Europa, Asien und Nordamerika bestens aufgestellt“, ergänzt Dr. Lutz Helmke.

In Jintan (China) investiert Eckert & Ziegler bis zu 50 Mio. EUR in den Bau einer Produktionsstätte für Radiopharmazeutika.

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forschen, investieren, produzieren, heilen / 14.04.2021
Grundsteinlegung für den BerlinBioCube

Der Regierende Bürgermeister Berlins und Senator für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller, bei seiner Rede zur Grundsteinlegung für das neue Gründerzentrum BerlinBioCube (Foto: Peter Himsel / Campus Berlin-Buch GmbH)
Der Regierende Bürgermeister Berlins und Senator für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller, bei seiner Rede zur Grundsteinlegung für das neue Gründerzentrum BerlinBioCube (Foto: Peter Himsel / Campus Berlin-Buch GmbH)

Im Beisein des Regierenden Bürgermeisters von Berlin wurde heute der Grundstein für das neue Gründerzentrum BerlinBioCube auf dem Campus Berlin-Buch gelegt

Für Start-ups, die vielversprechende Ansätze für Therapien und Diagnostik in die Anwendung bringen wollen, entsteht im BiotechPark Berlin-Buch ein neues Gründerzentrum. Der BerlinBioCube wird ab 2023 auf fünf Geschossen rund 8.000 Quadratmeter für moderne Labore, Büros und Gemeinschaftsflächen bieten. Mit dem zukunftsweisenden Projekt können bis zu 400 neue Arbeitsplätze auf dem biomedizinischen Campus entstehen – einem der führenden Wissenschafts- und Technologiestandorte in Deutschland.

Bei der feierlichen Grundsteinlegung hob der Regierende Bürgermeister Berlins und Senator für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller, hervor: „Der Campus Berlin-Buch wächst und entwickelt sich immer mehr zu einem Powerhouse unserer Medizin- und Biotechbranche. Aus dem Zusammenwirken von starken Forschungsinstituten und innovativen Unternehmen entsteht hier ein besonderes Potenzial, das wir mit dem neuen BerlinBioCube Zentrum für Gründerinnen und Gründer künftig noch besser erschließen können. Diese wichtige Investition legt einen weiteren Grundstein für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum und neue, krisenfeste Arbeitsplätze. Eine erfolgreiche Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist die beste Zukunftsversicherung für eine gute Entwicklung unserer Stadt.“

An der Zeremonie nahmen auch der Bezirksbürgermeister von Pankow, Sören Benn, und die Geschäftsführenden der Campus Berlin-Buch GmbH, Dr. Christina Quensel und Dr. Ulrich Scheller, teil. Der Architekt Rainer Post übermittelte eine Videobotschaft.

Der Pankower Bezirksbürgermeister Sören Benn sagte: „Bereits jetzt bietet der Campus 3.000 zumeist hochqualifizierte Arbeitsplätze. Hier wirtschaftliches Wachstum und damit weitere Arbeitsstellen zu fördern, ist auch ein ausnehmend positives Signal für die anstehende städtebauliche Entwicklung des Berliner Nordens.“

Campusmanagerin Quensel betonte, dass der BiotechPark zur richtigen Zeit ausgebaut wird: „Wir erleben eine immense Nachfrage nach Laborflächen von jungen Unternehmen. Start-ups, die bereits im BiotechPark etabliert sind, benötigen weitere Flächen, und die Anfragen von externen, auch internationalen Firmen reißen nicht ab. Der Campus ist dank seines Profils besonders attraktiv für Gründerinnen und Gründer in der medizinischen Biotechnologie, Medizintechnik und angrenzenden Gebieten.“

Der kompakte Baukörper von doranth post architekten nutzt die Baufläche im BiotechPark optimal. Durch die Gliederung der Fassade und textile Elemente erhält das Gebäude eine größere Leichtigkeit. Das Gründerzentrum erfüllt Ansprüche, die auch an moderne Forschungsbauten gestellt werden, wie Rainer Post erläuterte. Dazu gehören eine hohe Aufenthaltsqualität, Labore mit Tageslicht und gemeinsame Flächen für die Kommunikation.

Der Neubau des BerlinBioCube ist mit einer Investition von 55 Millionen Euro verbunden und wird durch Fördermittel aus der Gemeinschaftsaufgabe ‚Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur‘ (GRW) ermöglicht“. Das neue Gründerzentrum komplettiert den BiotechPark. Für den weiteren Ausbau sind Flächen in Campusnähe vorgesehen, die im Rahmenplan für Buch Süd festgelegt wurden.

https://www.berlinbiocube.de

Video der Veranstaltung

Ein Video der Veranstaltung wird anschließend auf www.berlinbiocube.de abrufbar sein.
 

Der Campus Berlin‐Buch ist ein moderner Wissenschafts‐, Gesundheits‐ und Biotechnologiepark. Alleinstellungsmerkmale sind der klare inhaltliche Fokus auf Biomedizin und das enge räumliche und inhaltliche Zusammenwirken von Forschungsinstituten, Kliniken und Biotechnologie‐Unternehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erforschung molekularer Ursachen von Krebs,‐ Herzkreislauf‐ und neurodegenerativen Erkrankungen, eine interdisziplinär angelegte Grundlagenforschung zur Entwicklung neuer Therapien und Diagnoseverfahren, eine patientenorientierte Forschung und die unternehmerische Umsetzung biomedizinischer Erkenntnisse. Dank exzellenter Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen im BiotechPark hat der Campus ein herausragendes Innovations‐ und Wachstumspotenzial. Dazu gehören als Einrichtungen der Grundlagenforschung das Max‐Delbrück‐Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz‐Gemeinschaft (MDC) und das Leibniz‐Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), das gemeinsam von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin betriebene und auf klinische Forschung spezialisierte Experimental and Clinical Research Center (ECRC) sowie das Berlin Institute of Health (BIH). Seit 1992 sind über 600 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln durch die EU, den Bund und das Land Berlin in den Campus Berlin‐Buch investiert worden, um diese Synergien zu unterstützen.

Der BiotechPark Berlin‐Buch gehört mit 67 Unternehmen, 800 Beschäftigten und rund 31.000 Quadratmetern Büro‐ und Laborfläche zu den führenden Technologieparks in Deutschland. Ausgründungen im Bereich der Life Sciences finden hier ideale Bedingungen, vom Technologietransfer bis hin zu branchenspezifischen Labor‐ und Büroflächen. Die Life Science Community vor Ort ermöglicht einen direkten Austausch und gemeinsame Projekte. Der BiotechPark trägt maßgeblich zur dynamischen Entwicklung der Biotechnologie‐Region Berlin‐ Brandenburg bei und stärkt in besonderem Maße die industrielle Gesundheitswirtschaft.

Als Betreibergesellschaft des Campus ist die Campus Berlin‐Buch GmbH (CBB) Partner für alle dort ansässigen Unternehmen und Einrichtungen. Biotechnologieunternehmen – von Start‐ups bis zu ausgereiften Firmen – anzusiedeln, zu begleiten und in allen Belangen zu unterstützen, gehört zu ihren wesentlichen Aufgaben. Hauptgesellschafter der CBB ist mit 50,1 % das Land Berlin. Weitere Gesellschafter sind das Max‐Delbrück‐Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz‐Gemeinschaft (29,9 %) und der Forschungsverbund Berlin e.V. für das Leibniz‐Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (20 %).

 

Zahlen, Daten, Fakten zum BerlinBioCube

Anschrift:       BerlinBioCube, Robert-Rössle-Str. 10, 13125 Berlin
Bauherrin:      Campus Berlin-Buch GmbH
Architekt:       doranth post architekten GmbH
Kosten:           55 Mio. Euro
Nutzfläche:     8.000 qm
Errichtung:     2020 – 2023

 

         


Die Maßnahme „Errichtung des Gründerzentrums BerlinBioCube auf dem Campus Berlin-Buch“ wurde im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) mit Bundes- und Landesmitteln gefördert.

forschen / 13.04.2021
Ruhig Blut: Was Blutgefäße in Schach hält

Gebremstes Blutgefäßwachstum: die mikroskopische Aufnahme zeigt die Netzhautgefäße einer Maus, bei der die S-2-Hydroxyglutarat-Spiegel im Endothel selektiv erhöht sind. (Foto: AG Potente)
Gebremstes Blutgefäßwachstum: die mikroskopische Aufnahme zeigt die Netzhautgefäße einer Maus, bei der die S-2-Hydroxyglutarat-Spiegel im Endothel selektiv erhöht sind. (Foto: AG Potente)

Blutgefäße sind von einer Zellschicht ausgekleidet, das Endothel ist eine entscheidende Barriere zwischen Blut und umliegendem Gewebe. Wie diese Zellen ihren Ruhezustand aufrechterhalten, haben nun Forscher*innen des BIH & MDC Center for Vascular Biomedicine in „Nature Cell Biology“ veröffentlicht.

In ihrem Inneren sind Blutgefäße von einer hauchdünnen Zellschicht ausgekleidet: Das Endothel ist eine entscheidende Barriere zwischen Blut und umliegenden Gewebe. Der einlagige Zellverband fördert den Austausch von Sauerstoff und Nährstoffen, verhindert aber gleichzeitig den unkontrollierten Austritt von Blutbestandteilen. Nur bei erhöhtem Stoffwechselbedarf des Gewebes, etwa bei Wachstum, Wundheilung oder auch wenn ein Tumor entsteht, geben Endothelzellen diesen stabilen Zellverband auf, um sich zu teilen und neue Blutgefäße zu bilden. Die Signale, die dieses Aktivwerden auslösen, sind gut untersucht. Wenig dagegen wusste man bisher, wie Endothelzellen ihren stabilen Ruhezustand aufrechterhalten. Genau dies haben nun Wissenschaftler*innen des BIH & MDC Center for Vascular Biomedicine zusammen mit einem internationalen Forschungsteam herausgefunden.

Professor Michael Potente ist Kardiologe und Blutgefäßforscher. Erst vor wenigen Monaten kam er vom Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung an das Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité, wo er nun in seine neuen Labore im gerade eröffneten Käthe-Beutler-Haus in Berlin-Buch einzieht. Dort forscht er am BIH & MDC Center for Vascular Biomedicine. „Auch in diesen bewegten Zeiten haben wir mit Nachdruck an unserem großen Projekt gearbeitet, Blutgefäße besser zu verstehen“, erklärt der Professor für Vaskuläre Biomedizin. „Denn Blutgefäße gibt es überall im Körper, und so spielen sie auch bei vielen Krankheiten eine tragende Rolle.“

Ruhesignale gesucht

Normalerweise befinden sich Blutgefäße im erwachsenen Körper in einem stabilen Ruhezustand. Neue Gefäßkapillaren sprießen nur selten aus, etwa im weiblichen Zyklus, der Wundheilung oder aber bei krankhaften Prozessen wie dem Tumorwachstum. Die Signale, die die Endothelzellen dann anregen, sich zu teilen, sind zum Großteil bekannt. „Wir wollten jetzt verstehen, was Endothelzellen umgekehrt im Ruhezustand hält – ein Zustand, der auch als Quieszenz bezeichnet wird“, sagt Michael Potente.

Die Wissenschaftler*innen aus seinem Team wussten ziemlich genau, wo sie suchen mussten: „Es gibt Faktoren, die die Zelle daran hindern, sich zu vermehren. Ein solcher Faktor ist FOXO1, der das Ablesen von Erbinformation in Zellen steuert: Wenn wir FOXO1 in Endothelzellen ausschalten, wachsen die Gefäße übermäßig. Umgekehrt können wir durch das gezielte Anschalten dieses Faktors Blutgefäßbildung stoppen. Wir wollten nun herausfinden, wie genau FOXO1 das macht“, erklärt Jorge Andrade, einer der drei Erstautoren der Veröffentlichung in „Nature Cell Biology.

Ein „Endothel-Beruhiger“?

Dazu überführten die Wissenschaftler*innen eine dauerhaft aktive Form von FOXO1 in Endothelzellen. Das führte dazu, dass Endothelzellen aufhörten, sich zu teilen und in einem Zustand der Inaktivität verharrten. Um herauszufinden wie FOXO1 das schafft, untersuchten die Forscher*innen den Stoffwechsel (Metabolismus) der Zellen. Hierzu isolierten sie sämtliche Stoffwechselprodukte aus den Zellen, die auch als Metabolite bezeichnet werden. „Dabei haben wir gesehen, das vor allem die Konzentration von 2-Hydoxyglutarat durch FOXO1 anstieg, einem Metaboliten, der in der Krebsmedizin bereits sehr bekannt ist“, berichtet Ana Costa, ebenfalls Erstautorin des Papiers. Die Forscher*innen fanden allerdings heraus, dass es sich um eine besondere Form des 2-Hydroxyglutarat handelt: das S-2-Hydroxyglutarat. „Diese Variante unterscheidet sich in Struktur und Funktion von dem in manchen Krebszellen gebildeten Metaboliten“, sagt Costa.

Um die Rolle von S-2-Hydroxyglutarat als möglichem „Endothel-Beruhiger“ zu bestätigen, machten die Wissenschaftler*innen weitere Experimente mit den Endothelzellen: Sie gaben die Substanz in verschiedenen Konzentrationen und für verschiedene Zeiten zu normalen Endothelzellen. „Dabei haben wir beobachtet, dass allein S-2-Hydroxyglutarat in der Lage ist, Endothelzellen in der Quieszenz zu halten“, sagt Chenyue Shi, die dritte Erstautorin der Arbeit. Weitere Untersuchungen zeigten, dass das S-2-Hydroxyglutarat seine Wirkung entfaltet, indem es das Ablesen wachstumssteuernder Gene kontrolliert. Auch in Mausmodellen verhinderte das Stoffwechselprodukt das Auswachsen neuer Gefäße, hatte aber auf bereits vorhandene Blutgefäße keine negativen Auswirkungen. Entfernten die Wissenschaftler*innen 2-Hydroxyglutarat wieder, erlangten Endothelzellen ihre Fähigkeit, neue Blutgefäße zu bilden, wieder zurück.

Blutgefäße gezielt beeinflussen

„Gerade vor dem Hintergrund, dass ein „Zuviel“ oder ein „Zuwenig“ von neuen Blutgefäßen bei vielen Krankheiten eine Rolle spielt, ist es für uns enorm wichtig, die grundlegenden Mechanismen dahinter besser zu verstehen“, fasst Michael Potente die Ergebnisse zusammen. „Unser langfristiges Ziel ist es, das Wachstum und die Funktion von Blutgefäßen gezielt und möglichst ohne Nebenwirkungen therapeutisch beeinflussen zu können. Diesem Ziel sind wir mit der vorliegenden Arbeit ein Stück nähergekommen.“


Weiterführende Informationen

Feierliche Einweihung des Käthe-Beutler-Hauses
BIH & MDC Center for Vascular Biomedicine


Literatur
 
Jorge Andrade, Chenyue Shi, Ana S. H. Costa et al. (2021): „Control of endothelial quiescence by FOXO-regulated metabolites“. Nature Cell Biology, DOI 10.1038/s41556-021-00637-6.

 

Foto:Gebremstes Blutgefäßwachstum: die mikroskopische Aufnahme zeigt die Netzhautgefäße einer Maus, bei der die S-2-Hydroxyglutarat-Spiegel im Endothel selektiv erhöht sind. Die Blutgefäße (blau) wurden durch Fluoreszenzfärbungen sichtbar gemacht. Die Zellkerne von sich teilenden Endothelzellen erscheinen gelb, die ruhenden Endothelzellen grün. Sich teilende Zellen, die nicht vaskulären Ursprungs sind, erscheinen rot. (Foto: AG Potente)

 

produzieren / 12.04.2021
Eckert & Ziegler erhält Vertriebslizenz für Technetium-Generatoren in Brasilien

Die brasilianische Gesundheitsbehörde ANVISA hat der Eckert & Ziegler Brasil Comercial Ltda., einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, TecDAX), eine Lizenz zum Import und Vertrieb von Technetium-Generatoren erteilt. Es handelt sich um die zweite Lizenz, die jemals für dieses Produkt in Brasilien vergeben wurde, und die erste für ein privates Unternehmen. Technetium-Generatoren sind eine Kernkomponente für ein nuklearmedizinisches Diagnoseverfahren namens SPECT, das zur Erkennung von medizinischen Anomalien eingesetzt wird. In Brasilien hat der SPECT-Markt ein Volumen von etwa 100 Mio. Euro jährlich. Eckert & Ziegler beliefert in diesem Land bereits rund 500 Krankenhäuser und Kliniken mit Medizinprodukten und Radioisotopen und hofft, im dritten Quartal 2021 mit der Auslieferung von SPECT-Produkten beginnen zu können.

"Wir freuen uns sehr, dass Eckert & Ziegler nun die Möglichkeit erhält, die brasilianischen Nuklearmediziner mit SPECT-Produkten beliefern zu können“, erklärte Claudia Goulart, Geschäftsführerin von Eckert & Ziegler Brasil. „Technetium-Generatoren ergänzen perfekt unser bestehendes Portfolio an Radiopharmazeutika, darunter Lu-177 und O-18 sowie die Dienstleistungen, die wir für internationale Pharmaunternehmen erbringen.“

Veröffentlichung einer Insiderinformation gemäß Artikel 17 MAR

www.ezag.de

forschen, leben, bilden / 07.04.2021
"Wie dem Klimawandel begegnet werden kann" (Folge 11 des LNDW Podcasts)

Expertinnen und Experten ist schon lange klar: Wir stecken mitten im Klimawandel, den wir als Menschheit selbst verursacht haben. Klar ist auch, dass wir den Klimawandel nicht mehr werden aufhalten können. Wie stark er ausfallen wird, wie wir mit seinen Folgen umgehen, was wir jetzt und in der Zukunft besser machen können, hängt davon ab, welche neuen Lösungen wir finden. In den Wissenschaften beschäftigen sich viele unterschiedliche Disziplinen mit dieser Frage.

Folge direkt anhören in der ARD Audiothek

In der 11. Folge des LNDW-Podcasts geben wir einen Einblick in die Vielfalt der Forschungsansätze mit …

Prof. Dr. Melanie Jaeger-Erben, sie forscht am Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) und leitet das Fachgebiet "Transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung in der Elektronik" an der TU Berlin.

Dr. Wolfgang Haupt ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) und forscht zur Frage, wie Kommunen ihre Klimapolitik gestalten.

Prof. Dr. Bernd Rech ist wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz Zentrums Berlin (HZB). Er ist Experte für erneuerbare Energien und koordiniert die Beiträge und Projekte zur Energieforschung der Helmholtz-Zentren. 

Lesen Sie weiter unter: https://www.langenachtderwissenschaften.de/news-detail/klimawandel-loesungen

forschen / 31.03.2021
Fasten wirkt als Diät-Katalysator

Muffins gehören eher selten auf den Speiseplan. Foto: CBB
Muffins gehören eher selten auf den Speiseplan. Foto: CBB

Wer den Ernährungsstil ändern muss, um den Blutdruck zu normalisieren, sollte mit einer Fastenkur starten. Warum Patient*innen damit ihren Gesundheitszustand langfristig verbessern können, schildern Wissenschaftler*innen von MDC und ECRC im Fachblatt „Nature Communications“.

Jede*r vierte Deutsche leidet am metabolischen Syndrom. Bei diesem „tödlichen Quartett“ treten von vier Wohlstandkrankheiten mehrere gleichzeitig auf: Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und Diabetes mellitus. Jede davon gilt als Risikofaktor für schwerwiegende Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, beispielsweise Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Die Behandlung zielt darauf ab, Gewicht zu reduzieren und den Fett- und Kohlehydratstoffwechsel sowie den Blutdruck zu normalisieren. Neben Sport verordnen Ärztinnen und Ärzte eine kalorienarme und gesunde Ernährung. Daneben ist häufig auch eine medikamentöse Behandlung notwendig. Welche Effekte die Ernährung dabei auf das Mikrobiom, das Immunsystem und damit auf den Gesundheitszustand hat, ist allerdings nicht vollständig geklärt.

Eine Forschungsgruppe um Dr. Sofia Forslund und Professor Dominik N. Müller vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und vom Experimental and Clinical Research Center (ECRC ) hat nun untersucht, was eine Ernährungsumstellung bei Menschen mit metabolischem Syndrom bewirkt. Das ECRC ist eine gemeinsame Einrichtung vom MDC und der Charité – Universitätsmedizin Berlin. „Eine Umstellung auf gesundes Essen wirkt sich positiv auf den Blutdruck aus“, fasst Andras Maifeld die Ergebnisse zusammen. „Geht der Diät eine Fastenkur voraus, verstärkt sich dieser Effekt sogar noch.“ Maifeld ist Erstautor der Arbeit, die gerade im Fachjournal „Nature Communications“ erschienen ist.

Broccoli statt Rinderbraten

Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin und Inhaber der Stiftungsprofessur für klinische Naturheilkunde am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité – Universitätsmedizin Berlin, und Professor Gustav J. Dobos, Inhaber des Lehrstuhls für Naturheilkunde und Integrative Medizin an der Universität Duisburg-Essen, rekrutierten dafür 71 Proband*innen mit metabolischem Syndrom und erhöhtem systolischen Blutdruck. Die Forschenden teilten sie nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein.

Beide Gruppen ernährten sich drei Monate lang nach der DASH-Diät, dem Dietary Approach to Stop Hypertension – einem Ernährungsansatz gegen Bluthochdruck. Bei dieser „Mittelmeerdiät“ kommen viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, Nüsse und Hülsenfrüchte, Fisch und mageres weißes Fleisch auf den Tisch. Eine der beiden Gruppen nahm fünf Tage lang keinerlei feste Nahrung zu sich, bevor sie mit der DASH-Diät begann.

Mithilfe der Immunphänotypisierung beobachteten die Wissenschaftler*innen, wie sich die Immunzellen der Probanden während der Ernährungsumstellung verändern. „Das angeborene Immunsystem bleibt während des Fastens stabil, während sich das adaptive Immunsystem herunterfährt“, schildert Maifeld. Dabei nimmt insbesondere die Anzahl von entzündungsfördernden T-Zellen ab, während sich regulatorische T-Zellen vermehren.

Mittelmeerdiät ist gut – zusätzlich Fasten ist besser

Anhand von Stuhlproben untersuchten die Forschenden außerdem die Auswirkungen des Fastens auf das Mikrobiom des Darms. Die Darmbakterien stehen in engem Kontakt mit dem Immunsystem. So verstoffwechseln einige Bakterienstämme Ballaststoffe zu entzündungshemmenden kurzkettigen Fettsäuren, die das Immunsystem begünstigen. Während des Nahrungsverzichts verändert sich die Zusammensetzung des Ökosystems der Darmbakterien stark. Dabei vermehren sich vor allem die gesundheitsfördernden Bakterien, was die Blutdrucksenkung fördert. Einige dieser Veränderungen bleiben auch nach erneuter Nahrungsaufnahme. Besonders bemerkenswert: „Bei den Probandinnen und Probanden, die mit einer fünftägigen Fastenperiode in die gesunde Ernährung eingestiegen sind, blieben der Body Mass Index, der Blutdruck und der Bedarf an blutdrucksenkenden Medikamenten dauerhaft niedriger“, erläutert Dominik Müller. Normalerweise schießt der Blutdruck sofort wieder in die Höhe, wenn die blutdrucksenkende Tablette auch nur einmal vergessen wird.

Blutdruck bleibt dauerhaft niedriger – auch drei Monate nach dem Fasten

Um sicherzustellen, dass dieser positive Effekt tatsächlich auf das Fasten und nicht auf die Medikamente zurückzuführen war, die die Proband*innen einnahmen, wertete Forslunds Arbeitsgruppe gemeinsam mit Wissenschaftler*innen des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig und der McGill University, Montreal, Kanada, diese Ergebnisse mithilfe einer Künstlichen Intelligenz statistisch aus. Dabei griffen sie auch auf Methoden aus einer früheren Studie zurück, in der sie den Einfluss von blutdrucksenkenden Medikamenten auf das Mikrobiom untersucht hatten. „So konnten wir den Einfluss der Medikamente herausfiltern und sehen, dass es von der individuellen Immunabwehr und dem Darmmikrobiom abhängig ist, ob jemand gut auf eine Ernährungsumstellung anspricht oder nicht“, sagt Forslund.

Lassen die Erfolge einer ballaststoffreichen, fettarmen Ernährung auf sich warten, könnte dies daran liegen, dass sich im Darmmikrobiom zu wenige der Darmbakterien tummeln, die Ballaststoffe zu schützenden Fettsäuren verstoffwechseln. „Die Betroffenen haben oft das Gefühl, dass sich der ganze Aufwand nicht lohnt und fallen in alte Muster zurück“, erläutert die Wissenschaftlerin. Deshalb empfiehlt es sich, eine Diät mit einer Fastenkur zu kombinieren. „Das Fasten wirkt wie ein Katalysator für die schützenden Mikroorganismen im Darm. Die Gesundheit verbessert sich sichtbar sehr schnell, die Patient*innen können ihre Medikation reduzieren oder oftmals ganz auf Tabletten verzichten.“ Das könnte sie dazu motivieren, einen gesünderen Lebensstil dauerhaft beizubehalten.

Text: Jana Ehrhardt-Joswig

https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/fasten-wirkt-als-diaet-katalysator

forschen / 25.03.2021
Eine Büste für Detlev Ganten – MDC-Gründungsdirektor wird 80

Detlev Ganten. Foto: privat
Detlev Ganten. Foto: privat

Professor Detlev Ganten, Gründungsdirektor des MDC und langjähriger Wissenschaftlicher Vorstand des Centrums, feiert am 28. März 2021 seinen 80. Geburtstag. Das MDC ehrt den Forscher und erfolgreichen Wissenschaftsmanager deshalb auf dem Campus Berlin-Buch mit der Enthüllung einer Büste.

Das Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und die Campus Berlin-Buch GmbH gratulieren Professor Detlev Ganten an seinem 80. Geburtstag am kommenden Sonntag in einer kleinen Zeremonie mit dem Aufstellen einer Büste. Detlev Ganten, geboren am 28. März 1941 in Lüneburg, hat das MDC nach der deutschen Vereinigung mit aufgebaut und war von 1991 bis 2004 Wissenschaftlicher Vorstand des Forschungscentrums. Bis heute ist er aktives Mitglied des MDC-Freundeskreises und engagiert sich für die Belange des Biotechnologiestandorts Campus Berlin-Buch.

„Als leidenschaftlicher Wissenschaftler hat Detlev Ganten voller Elan und mit großer Weitsicht das MDC gegründet. Er hat das MDC zu dem gemacht, was es heute ist: ein international angesehenes Forschungscentrum. Wir haben Detlev Ganten sehr, sehr viel zu verdanken und freuen uns, dass er immer noch fürs MDC aktiv ist – als freundschaftlicher Ratgeber für viele und Ideengeber im Freundeskreis. Ich gratuliere ihm von Herzen“, sagt Professor Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand des MDC (komm).

Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der Campus Berlin-Buch GmbH ergänzt: „Detlev Ganten hat die Entwicklung des Campus zu einem herausragenden Berliner Zukunftsort mit enger Verbindung zu Biotechnologie, Kliniken, Kunst und zu naturwissenschaftlicher Bildung maßgeblich geprägt.“

Chef der Charité und Leiter des World Health Summit

Nach seiner Zeit am MDC war der medizinische Pharmakologe Ganten von 2004 bis 2008 Vorstandsvorsitzender der neuen Charité – Universitätsmedizin Berlin und von 2005 bis 2015 Vorsitzender des Stiftungsrates der Stiftung Charité; seit 2016 ist er dessen Ehrenvorsitzender. Von 2009 bis 2020 saß Detlev Ganten Präsident des World Health Summit vor. Vor seinem Ruf nach Berlin war Ganten von 1973 bis 1991 Professor am Pharmakologischen Institut der Universität Heidelberg und von 1997 bis 2001 Vorsitzender der Helmholtz Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. 

Pandemiebedingt können neben dem Jubilar mit seiner Familie nur einige wenige, enge Wegbegleiter*innen sowie der Vorstand des MDC und die Geschäftsführung der Campus-Betreibergesellschaft anwesend sein. Während der Feier wird eine Büste von Detlev Ganten enthüllt. Die Plastik hat die Künstlerin Anna Franziska Schwarzbach geschaffen.

Interessierte können per Zoom online an der Veranstaltung teilnehmen.

Geburtstagszeremonie für Detlev Ganten
Sonntag, 28. März 2021, 14:00 - 15:00 Uhr

Zum Programm und zur Anmeldung

Weiterführende Informationen
Unerschrocken, weitsichtig, inspirierend – Detlev Ganten zum 80.

Zeitzeugen-Interview

Über die Künstlerin Anna Franziska Schwarzbach

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Benannt ist es nach dem deutsch-amerikanischen Biophysiker Max Delbrück, der 1969 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielt. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um Krankheitsursachen auf den Grund zu gehen und damit eine bessere und wirksamere Krankheitsdiagnose, -prävention und -behandlung zu ermöglichen. An dieser Zielsetzung arbeitet das MDC gemeinsam mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH). Darüber hinaus besteht eine Kooperation mit weiteren nationalen Partnern wie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung und mit zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC sind über 1.600 Mitarbeiter*innen und Gäste aus fast 60 Ländern tätig, davon knapp 1.300 in der wissenschaftlichen Forschung. Finanziert wird das MDC zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin. Es ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

investieren, produzieren / 25.03.2021
Eckert & Ziegler: Dividendenvorschlag 0,45 EUR pro Aktie. Gewinnanstieg in 2020. Positiver Ausblick für 2021.

Die Eckert & Ziegler AG (ISIN DE0005659700, TecDAX) hat das Geschäftsjahr 2020 mit einem Umsatz von 176,1 Mio. EUR (Vj. 178,5 Mio. EUR) und einem Jahresüberschuss von 22,9 Mio. EUR (Vj. 22,0 Mio. EUR) abgeschlossen. Das Ergebnis pro Aktie beträgt splitbereinigt 1,11 EUR. Vor diesem Hintergrund haben Vorstand und Aufsichtsrat heute beschlossen, der Hauptversammlung die Zahlung einer splitbereinigten Dividende in Höhe von 0,45 EUR (Vj. 0,42 EUR) pro dividendenberechtigte Aktie vorzuschlagen.

Für das laufende Geschäftsjahr 2021 rechnet der Vorstand mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau, einem Jahresüberschuss von rund 29 Mio. EUR und einem EPS von rund 1,40 EUR. Die Prognose basiert auf einem gewichteten Durchschnittskurs von 1,15 USD pro Euro und der Annahme, dass aufgrund der COVID19-Pandemie weiterhin keine Schließungen wesentlicher Betriebsstätten oder Verwerfungen anderer Art erfolgen.

Die Gewinn- und Verlustrechnung, die Bilanz und die Kapitalflussrechnung des abgelaufenen Geschäftsjahres finden Sie hier: https://www.ezag.com/de/startseite/investoren/berichte/

Der vollständige, testierte Jahresabschluss 2020 wird am 16. April 2021 veröffentlicht.

Veröffentlichung einer Insiderinformation gemäß Artikel 17 MAR

forschen / 24.03.2021
Ein Haus, das Grenzen überschreitet: Feierliche Einweihung des Käthe-Beutler-Hauses von BIH und MDC

Blick auf den Vorplatz und Haupteingang des Käthe-Beutler-Hauses vom Lindenberger Weg aus © Felix Petermann, MDC
Blick auf den Vorplatz und Haupteingang des Käthe-Beutler-Hauses vom Lindenberger Weg aus © Felix Petermann, MDC

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und der Regierende Bürgermeister und Senator für Wissenschaft und Forschung Berlins, Michael Müller, haben heute ein neues Gebäude für die translationale medizinische Forschung des Berlin Institute of Health (BIH) in der Charité sowie des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) auf dem Wissenschafts-, Gesundheits- und Biotechnologiepark Campus Berlin-Buch eingeweiht. Der Bund hat sich mit 26,2 Millionen Euro an den rund 29 Millionen Euro Gesamtkosten für den Neubau beteiligt. Das frühere Klinikgebäude wurde saniert und durch einen Neubau, das Käthe-Beutler-Haus, ergänzt. Es bietet nun auf 3000 Quadratmetern Platz für rund 200 Wissenschaftler*innen. Ihr Forschungsschwerpunkt wird die Blutgefäßmedizin sein. Der Name des Hauses erinnert an die jüdische Ärztin und Wissenschaftlerin Käthe Beutler, die 1935 unter den Nazis in die USA emigrieren musste. Ihr Sohn und Enkel überbrachten ebenso Grußworte wie der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Das Käthe-Beutler-Haus ist das erste Forschungsgebäude des BIH, das in Betrieb genommen wird.

„Das neue Käthe-Beutler-Haus wird die Forschung in Berlin weiter verbinden – und zwar sowohl räumlich als auch inhaltlich. Geschaffen wurde ein gemeinsamer Forschungsstandort für das BIH und das MDC am Campus Buch. Dabei steht die Namensgeberin des neuen Gebäudes, die Kinderärztin und Forscherin Dr. Käthe Beutler, durch ihre persönliche Lebensgeschichte für Entschlossenheit, Durchsetzungsfähigkeit und Weitsicht. Sie hat damit auch in der heutigen Zeit gerade für junge Wissenschaftlerinnen, Forscherinnen und Studentinnen eine Vorbildfunktion. Ich wünsche dem BIH und dem MDC, allen weiteren beteiligten Forschungseinrichtungen und allen, die das Käthe-Beutler-Haus nutzen werden für ihre gemeinsame Arbeit viel Erfolg und gutes Gelingen!“, sagte die Bundesforschungsministerin Anja Karliczek anlässlich der Eröffnung des Käthe Beutler Hauses, die coronabedingt nur mit wenigen Gästen vor Ort stattfand. 

Karliczek überbrachte ihre Grüße daher per Videobotschaft, ebenso wie Berlins Regierender Bürgermeister und Senator für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller: „Das Käthe-Beutler-Haus nimmt in der Privilegierten Partnerschaft des MDC mit dem BIH in der Charité eine wichtige Brückenfunktion ein. Ihre gemeinsamen Forschungsaktivitäten sind von großer wissenschaftlicher, gesundheitspolitischer und gesellschaftlicher Bedeutung und finden nunmehr ideale Rahmenbedingungen. Ich bin sehr dankbar, dass mit diesem besonderen Forschungsgebäude der Name Käthe Beutlers nach Berlin zurückkehrt und für unsere wachsende Medizinmetropole steht.“

Professor Christopher Baum, Vorsitzender des BIH Direktoriums und gleichzeitig Vorstand des Translationsforschungsbereichs der Charité – Universitätsmedizin Berlin, freut sich über das erste BIH-Gebäude, das nun seinen Nutzer*innen übergeben werden kann. „Bisher sind die Arbeitsgruppen des BIH über verschiedene Häuser in ganz Berlin verteilt. Wir freuen uns sehr, dass das BIH mit dem Käthe-Beutler-Haus nun einen Ort und ein erstes Zuhause erhält. Mit dem Forschungsbereich der Translationalen Vaskulären Biomedizin werden hier bedeutsame Forschungen zu Blutgefäßen stattfinden, die bei vielen Krankheiten eine Rolle spielen und damit hoffentlich bald vielen Patientinnen und Patienten zugutekommen.“ 

Professor Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand des MDC (komm.), sagte zur Eröffnung des neuen Gebäudes, in dem Forschungsgruppen des MDC und des BIH gemeinsam unter einem Dach arbeiten werden: „Ich freue mich außerordentlich, dass wir heute das Käthe-Beutler-Hauses hier auf dem Campus Buch eröffnen. Wir stärken damit unsere fruchtbare Partnerschaft mit dem BIH und der Charité. Seit vielen Jahren arbeiten MDC-Wissenschaftler*innen und Mediziner*innen auf vielfältige Weise eng und erfolgreich zusammen. Das Experimental and Clinical Research Center von MDC und Charité hier direkt nebenan ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie patientenorientierte Forschung gelingt. Heute wird dieses Erfolgsmodell der Translation („vom Labor in die Klinik“) um die Blutgefäßforschung und -medizin erweitert. Ich wünsche allen Beteiligten viel Erfolg.“ 

Mitten durch das Käthe-Beutler-Haus verläuft die Grenze zwischen Berlin und Brandenburg. Da passt es, dass hier auch die Grenzen zwischen Grundlagenforschung und klinischer Anwendung täglich überschritten werden sollen. Professor Axel R. Pries, Dekan der Charité, hält dies für essentiell: „Es ist von großer Bedeutung, dass sich Ärztinnen und Ärzte, Forscherinnen und Forscher und nicht zuletzt Patientinnen und Patienten täglich unter einem Dach begegnen: Durch den unmittelbaren Austausch entwickeln sich neue Ideen und Forschungsergebnisse können schnell in die Realität übersetzt werden: Nur so wird aus Forschung Gesundheit!“ 

Der Name des Hauses geht auf die jüdische Ärztin Käthe Beutler zurück, die in Berlin Medizin studierte und anschließend zunächst an der Charité und danach in eigener Praxis als Kinderärztin tätig war. Im Jahr 1935 musste sie mit ihrer Familie vor den Nationalsozialisten fliehen, in den USA fand sie eine neue Heimat. Ihr Sohn Frederick Beutler und ihr Enkelsohn Bruce Beutler sind ebenfalls Wissenschaftler, Bruce Beutler erhielt im Jahr 2011 den Nobelpreis für Medizin für seine Arbeiten auf dem Gebiet der angeborenen Immunität. Beide waren bei der Einweihung des Käthe-Beutler-Hauses ebenfalls zugeschaltet und erinnerten an ihre Mutter und Großmutter. „Wir haben sie als eine starke Person erlebt, die immer versucht hat, Gutes zu tun, auch in einer Welt, die ihr gegenüber besonders hart war“, sagte Bruce Beutler in seiner Würdigung. „Wenn sie heute hier wäre, würde sie sich freuen – und sicher sehr darüber staunen, dass die Charité ein Haus nach ihr benennt. Wir sind stolz darauf, dass ihr vorbildliches Leben von dieser angesehenen Institution gewürdigt wird, die eine prägende Rolle in ihrer beruflichen Laufbahn spielte.“

Dr. Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, dankte den Verantwortlichen für die Namenswahl für das neue Forschungsgebäude. „Käthe Beutler steht stellvertretend für die vielen vertriebenen jüdischen Wissenschaftler*innen und Ärzt*innen im Dritten Reich. Indem wir ihrer heute gedenken, stellen wir sicher, dass das Andenken an dieses Unrecht gewahrt bleibt. Gleichzeitig sind wir glücklich darüber, dass Wissenschaft heute grenzenlos betrieben wird und internationale Zusammenarbeit selbstverständlich geworden ist.“ 

Eine Gedenktafel am Eingang des neuen Gebäudes erinnert an Käthe Beutler. 

Stellvertretend für die Wissenschaftler*innen, die künftig im Käthe-Beutler-Haus arbeiten werden, sagte Professor Holger Gerhardt, Sprecher des BIH & MDC Center for Vascular Biomedicine und Professor für Experimentelle Herz-Kreislaufforschung im MDC: „Im Käthe-Beutler-Haus ermöglichen wir die Begegnung zwischen uns, den Forschungsteams der Vaskulären Biomedizin, und den Patientinnen und Patienten. Und wir stellen einen regen Austausch zwischen Spitzenwissenschaft und -technologie her: Wir nutzen hier neueste Omics-Technologien etwa zur Gensequenzierung oder Einzelzellanalyse und verfügen über modernste Mikroskopie-Methoden. Uns geht es um die Translation von der Grundlagenforschung in die Klinik – und auch zurück. Translation überbrückt Gräben zwischen Disziplinen, deren unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Denkweisen. So schafft sie neues Verständnis und neue Einsichten. Das wird nachhaltig verändern, wie wir Krankheiten verstehen, therapieren oder auch vorbeugend verhindern.”

Zahlen, Daten, Fakten zum Käthe-Beutler-Haus

Anschrift: Käthe-Beutler-Haus, Lindenberger Weg 80, 13125 Berlin

Bauherren: Charité – Universitätsmedizin Berlin, Max-Delbrück-Centrum; 

Architekt: kleyer.koblitz.letzel.freivogel, Gesellschaft von Architekten mbH

Kosten: 29,1 Mio Euro

Nutzfläche: 3030 qm

Errichtung: 2017 – 2021

Fertigstellung: März 2021

Die Mission des Berlin Institute of Health (BIH) ist die medizinische Translation: Erkenntnisse aus der biomedizinischen Forschung werden in neue Ansätze zur personalisierten Vorhersage, Prävention, Diagnostik und Therapie übertragen, umgekehrt führen Beobachtungen im klinischen Alltag zu neuen Forschungsideen. Ziel der rund 400 Wissenschaftler*innen ist es, einen relevanten medizinischen Nutzen für Patient*innen und Bürger*innen zu erreichen. Dazu etabliert das BIH als Translationsforschungsbereich in der Charité ein umfassendes translationales Ökosystem, setzt auf ein organübergreifendes Verständnis von Gesundheit und Krankheit und fördert einen translationalen Kulturwandel in der biomedizinischen Forschung. Das BIH wurde 2013 gegründet und wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) waren bis 2020 eigenständige Gliedkörperschaften im BIH. Seit 2021 ist das BIH als so genannte dritte Säule in die Charité integriert, das MDC ist Privilegierter Partner des BIH. www.bihealth.org

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Benannt ist es nach dem deutsch-amerikanischen Biophysiker Max Delbrück, der 1969 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielt. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um Krankheitsursachen auf den Grund zu gehen und damit eine bessere und wirksamere Krankheitsdiagnose, -prävention und -behandlung zu ermöglichen. An dieser Zielsetzung arbeitet das MDC gemeinsam mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH). Darüber hinaus besteht eine Kooperation mit weiteren nationalen Partnern wie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung und mit zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC sind über 1.600 Mitarbeiter*innen und Gäste aus fast 60 Ländern tätig, davon knapp 1.300 in der wissenschaftlichen Forschung. Finanziert wird das MDC zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin. Es ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de 

Gemeinsame Pressemitteilung von BIH und MDC

produzieren / 24.03.2021
Eckert & Ziegler trennt sich vom Geschäftsfeld Tumorbestrahlungsgeräte

Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, TecDAX) wird sich von ihrem Geschäft mit Tumorbestrahlungsgeräten (HDR) trennen. Im ersten Schritt hat sie dazu 51% der Anteile an der BEBIG Medical GmbH, in die sie das HDR-Geschäft ausgegliedert hat, heute an die chinesische TCL Healthcare Equipment (TCL) in Shanghai verkauft.

Das ausgegliederte HDR-Geschäft erzielte in 2019 einen Umsatz von rund 11 Mio. EUR. Für die restlichen 49% der Anteile der BEBIG Medical GmbH erhielt TCL eine Kaufoption bis Anfang 2024 und Eckert & Ziegler danach eine Verkaufsoption an TCL. Der Kaufpreis bei Ausübung der Kaufoption ist entsprechend der Regelung des Kaufpreises des heutigen Vertrags fix; der Kaufpreis bei Ausübung der Verkaufsoption kann in Abhängigkeit von der Entwicklung des EBITDA der BEBIG Medical GmbH höher ausfallen.

Im vergangenen Jahr erbrachte das HDR-Geschäft mit den sogenannten Afterloader-Geräten einen niedrigen zweistelligen Millionenumsatz. Der Wachstumsmarkt für die Geräte befindet sich in Asien, speziell in der Volksrepublik China. „Erst mit einem starken chinesischen Partner wird das HDR-Geschäft sein volles Potenzial entfalten“, erläuterte Dr. Harald Hasselmann, Mitglied des Vorstands der Eckert & Ziegler AG, die Transaktion. „Es ergibt Sinn, dass wir dieses Geschäft in andere Hände geben und uns noch stärker auf das schnell wachsende Geschäft mit Radiopharmazeutika konzentrieren“. Die Produktion der Tumorbestrahlungsgeräte soll weiterhin in Deutschland erfolgen. 

TCL Healthcare Equipment (Shanghai) Co., Ltd. ist ein innovativer Anbieter von bildgebenden Diagnosegeräten. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai liefert umfassende Produkte und Lösungen für die medizinische Versorgung.
www.tcl-healthcare.com    

Veröffentlichung einer Insiderinformation gemäß Artikel 17 MAR

heilen, bilden / 10.03.2021
Heldinnen und Helden der Zukunft: Pflege-Azubis übernehmen die Station

Für drei Wochen sind angehende Gesundheits- und Krankenpfleger:innen für den Ablauf ihrer „Schülerstation“ verantwortlich (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)
Für drei Wochen sind angehende Gesundheits- und Krankenpfleger:innen für den Ablauf ihrer „Schülerstation“ verantwortlich (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)

Stations-Takeover durch die nächste Generation: Nach einjährigen Vorbereitungen haben angehende Gesundheits- und Krankenpfleger:innen eine kardiologische Station im Helios Klinikum Berlin-Buch übernommen. Für drei Wochen sind die Auszubildenden im dritten Lehrjahr vom Helios Bildungszentrum Berlin für den Stationsablauf der „B1-21“ verantwortlich und werden dabei von examinierten Pflegekräften, speziell ausgebildeten Praxisanleitern und Lehrerinnen unterstützt.

Die 30 „Azubis“ haben sich auf die Herausforderung des Projekts „Schülerstation“ mithilfe ihrer Praxisanleiter akribisch vorbereitet. In drei Schichten versorgen sie nun die Patientinnen und Patienten rund um die Uhr. Sie kümmern sich in den nächsten drei Wochen selbstständig um alle Aufgaben, die für den Pflegedienst auf der 42-Betten-Station anfallen. Die Schülerinnen und Schüler wechseln Verbände, prüfen Vitalwerte und verabreichen Medikamente. Auch sämtliche administrativen Tätigkeiten liegen in ihren Händen. Sie begleiten die täglichen Visiten mit den Ärzten, organisieren die Aufnahme, Entlassung, Untersuchungstermine und schreiben Dienstpläne. Das Projekt findet im Helios Klinikum Berlin-Buch zum ersten Mal statt.

Chance Schülerstation
„Für unsere Auszubildenden ist der praktische Einsatz die beste Vorbereitung auf das anstehende Examen und auf die Anforderungen, die später im beruflichen Alltag an sie gestellt werden. Das Projekt „Schülerstation“ bietet ihnen die Chance, ihr Wissen anzuwenden, ihre Qualifikationen weiterzuentwickeln und Routine im Stationsalltag zu gewinnen“, sagt Pflegedirektorin Sylvia Lehmann. Examinierte Pflegekräfte, Praxisanleiter und Lehrkräfte stehen den Schülerinnen und Schülern bei Fragen jederzeit beratend zur Seite.

Bevor die Azubis das Zepter übernehmen durften, musste zunächst eine Stationsleitung gewählt werden. Die Wahl fiel auf die 35- jährige Vivien Puhle. „Ich freue mich am meisten darauf, zusammen im Team eigenständig arbeiten zu können und Verantwortung zu übernehmen. In den letzten zwei Ausbildungsjahren haben wir bereits viele Erfahrungen in den unterschiedlichsten Fachbereichen machen können, sodass wir den Stationsalltag sehr gut gestalten und managen werden“, sagt Vivien. „Wir Auszubildenden sind sehr dankbar, dass uns so viele Kolleginnen und Kollegen unterstützen, fit für unseren Traumjob zu werden“, sagt Vivien im Namen aller Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs.

Aktueller Wissenstand
Gabriele Calenda-Moritz, eine der Lehrerinnen im Helios Bildungszentrum Berlin, sieht optimistisch in die Zukunft für ihre Azubis: „Die angehenden Fachkräfte erlangen Sicherheit für ihre Zeit nach dem Examen. Ich glaube, dass dieses Projekt von den Patientinnen und Patienten gut angenommen werden wird, denn die Schüler verbinden ihr Theorie- und Praxiswissen und sind auf dem aktuellsten Wissensstand ihres Berufes, um bestmögliche Patientenversorgung bieten zu können.“

Gut zu wissen: Ausbildung zum Pflegefachmann/Pflegefachfrau
Die Ausbildung zum Pflegefachmann/Pflegefachfrau im Helios Bildungszentrum Berlin startet immer zum 1. April und 1. Oktober – eine Bewerbung ist jederzeit möglich.

 

www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch

leben / 10.03.2021
Aktion zum Equal Pay Day am 10. März 2021

Zum Equal Pay Day wird am Rathaus Pankow am Mittwoch, dem 10. März 2021 die Equal-Pay-Day-Fahne gehisst, um auf geschlechterspezifische Unterschiede in der Bezahlung von Frauen und Männern aufmerksam zu machen. Unbereinigt liegt dieser in Deutschland aktuell bei 19 Prozent (EU-Durchschnitt: 14,8 Prozent). Berechnet wird dies auf Grundlage des durchschnittlichen Brutto-Stundenlohnes von Frauen (17,72 EUR) und Männern (22,16 EUR).

In Deutschland wird der Equal Pay Day offiziell seit dreizehn Jahren begangen. Seit dem Jahr 2010 schiebt sich der Aktionstag vom 26. März in langsamen Schritten in Richtung Jahresanfang. Die Wahl des Datums hängt mit der Höhe des aktuellen Lohnunterschiedes zusammen: 19 Prozent von 365 Tagen ergeben in diesem Jahr den 10. März 2021. Statistisch gesehen arbeiten Frauen bis zu diesem Tag umsonst, während Männer bereits ab dem 1. Januar für ihre Arbeit entlohnt werden.

Drei Viertel des Verdienstunterschiedes zwischen Frauen und Männern sind darauf zurückzuführen, dass Frauen häufiger in Branchen und Berufen arbeiten, in denen schlechter bezahlt wird und sie seltener Führungspositionen innehaben. Auch arbeiten sie häufiger als Männer in Teilzeit und in Minijobs und verdienen deshalb im Durchschnitt pro Stunde weniger. Im Jahr 2018 war in Deutschland fast jede zweite erwerbstätige Frau (47 Prozent) im Alter von 20 bis 64 Jahren in Teilzeit tätig. Unter den Männern betrug dieser Anteil nur neun Prozent. Der überwiegende Teil der teilzeitarbeitenden Frauen gab als Hauptgrund die Betreuung von Kindern oder Pflegebedürftigen (31 Prozent) beziehungsweise andere familiäre oder persönliche Verpflichtungen (17 Prozent) an.

Das verbleibende Viertel des Verdienstunterschieds entspricht dem bereinigten Gender Pay Gap, der den Verdienstabstand von Männern und Frauen mit vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiografien misst. Er wird nur alle vier Jahre ermittelt und liegt aktuell bei sechs Prozent.

heilen / 05.03.2021
Sehr hohe Impfbereitschaft der Mitarbeiter*innen im Helios Klinikum Berlin-Buch

Bereits über 2.000 Beschäftigte im Helios Klinikum Berlin-Buch wurden geimpft (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)
Bereits über 2.000 Beschäftigte im Helios Klinikum Berlin-Buch wurden geimpft (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)

Bereits über 2.000 Beschäftigte geimpft

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist in der Pandemiebekämpfung einen großen Schritt weiter: Bislang haben sich über 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegen COVID-19 impfen lassen. Über 90 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im direkten Patientenkontakt haben eine Impfung erhalten.

„Wir sind in den letzten Wochen beim Impfen weit gekommen! Wir konnten allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im direkten Patientenkontakt ein Impfangebot machen. Die Impfbereitschaft im Haus war überdurchschnittlich hoch“, sagt Prof. Dr. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Pflegedirektorin Sylvia Lehmann ergänzt: „Wir freuen uns, dass schon so viele unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, einen Schutz vor schwerer Erkrankung durch das Corona-Virus erhielten. Wir haben die erste Runde der Erstimpfungen und bereits eine große Zahl an Zweitimpfungen erfolgreich abgeschlossen. Dadurch können wir noch mehr Sicherheit bei der Behandlung unserer Patientinnen und Patienten garantieren.“
Über 90 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im direkten Patientenkontakt haben eine Impfung erhalten. In Folge der Impfungen hat das Klinikum seit einigen Wochen fast keine Corona-bedingten Ausfälle beim Personal zu verzeichnen.

„Es ist schön zu sehen, dass die Impfbereitschaft im Klinikum so groß ist. Die Impfung ist ein Meilenstein – für den Schutz jedes Mitarbeiters, der Familien, unserer Patienten aber auch zur Eindämmung der Pandemie“, betont Daniel Amrein, Geschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch.
Die Impf-Reihenfolge ist in der „Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2“ festgelegt. Organisiert und realisiert wurden die Impfungen hausintern und sehr zeitnah entsprechend der Lieferungen über den Senat von Berlin.

Das Personal des Klinikums ist mit Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und vor allem AstraZeneca geimpft worden. Bis dato wurden klassische Impf-Reaktionen beobachtet: Schmerzen an der Einstichstelle, Kopf- oder Gliederschmerzen. In manchen Fällen traten auch Fieber und Schüttelfrost auf. „Insgesamt sind die Impfreaktionen im Rahmen dessen, was in den Studien beschrieben ist, alle Geimpften waren nach sehr kurzer Zeit wieder beschwerdefrei, keiner hat andere Nebenwirkungen entwickelt“, berichtet Prof. Baberg.

 

leben / 04.03.2021
Pankow tritt Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ bei

Der Bezirk Pankow hat jetzt, vertreten durch den zuständigen Bezirksstadtrat Daniel Krüger, die Deklaration „Kommunen für biologische Vielfalt“ unterzeichnet. In Berlin sind mit Lichtenberg, Mitte, Marzahn-Hellersdorf, Charlottenburg-Wilmersdorf und Friedrichshain-Kreuzberg bereits fünf weitere Bezirke Mitglied.

Ziel dieses Bündnisses ist es, die biologische Vielfalt zu erhalten und zu entwickeln, um zur Stabilität der Ökosysteme und somit zur Sicherung der für uns allen bedeutsamen natürlichen Lebensgrundlagen beizutragen. Die Zerstörung und Zerschneidung von Lebensräumen gefährdet diese Artenvielfalt besonders stark und wird häufig durch Bauvorhaben (Wohnungen, Infrastrukturen) verursacht. Der Erhalt der Artenvielfalt ist eines der Hauptziele des Naturschutzes und wird im Bundesnaturschutzgesetz benannt. In der Konsequenz soll in Zukunft darauf geachtet werden, dass sämtliche Stadtentwicklungsprojekte und Infrastrukturvorhaben sich mit den Zielen des Artenschutzes vertragen und umsetzbar sind ohne diesen signifikant zu beeinträchtigen.

Seit September 2020 ist das Land Berlin zudem Mitglied beim Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“.

Weitere Informationen im Internet unter: https://www.kommbio.de/service/pressemitteilungen/articles/berlin-ist-mitglied/

produzieren, leben / 04.03.2021
Gewerberechtliche Allgemeinverfügung erlassen

"Erlöschensfristen" werden bis 31. Juli 2022 verlängert

Eine Allgemeinverfügung zum Fortbestehen von Erlaubnissen nach bestimmten gewerberechtlichen Regelungen hat das Bezirksamt Pankow jetzt erlassen. Hintergrund ist, dass bestimmte gewerberechtliche Erlaubnisse erlöschen, wenn Inhaber:innen den Betrieb nicht innerhalb eines Jahres nach Erteilung der Erlaubnis begonnen oder seit einem Jahr nicht mehr ausgeübt haben. In den mit dem Infektionsgeschehen durch das Coronavirus - SARS-CoV-2 einhergehenden rechtlichen und tatsächlichen Einschränkungen beim Betrieb der Gewerbe liegt ein wichtiger Grund für diese Fristenverlängerung bis zum 31. Juli 2022 vor.

Da Kneipen, Clubs, Spielhallen und Prostitutionsstätten erstmalig bereits ab 14. März 2020 geschlossen werden mussten, erfolgt die Bekanntmachung der Allgemeinverfügung rechtzeitig vor Ablauf der Jahresfrist. Die Fristverlängerung betrifft Gaststättenerlaubnisse gemäß § 2 Abs. 1 GastG sowie Erlaubnisse gemäß § 33a GewO, § 12 ProstSchG sowie § 2 SpielhG Bln.

Die Allgemeinverfügung ist auf der Homepage des Bezirksamtes Pankow unter www.berlin.de/pankow bei „Aktuelle Hinweise“ veröffentlicht.

forschen / 02.03.2021
Fehlfaltung im Alzheimer-Gehirn

Foto: AG Wanker, Technologieplattform „Advanced Light Microscopy“
Foto: AG Wanker, Technologieplattform „Advanced Light Microscopy“

Erich Wanker möchte herausfinden, inwieweit fehlgefaltete und damit krankhafte Amyloid-Eiweiße auch andere Proteine der Nervenzellen strukturell verändern – und so zum Fortschreiten der Alzheimer-Demenz beitragen. Dafür hat er von der privaten „Alzheimer Forschung Initiative“ 120.000 Euro erhalten.

Alzheimer entwickelt sich im Verborgenen. Bereits viele Jahre, bevor die ersten Zeichen der Erkrankung sichtbar werden, nimmt diese im Gehirn ihren unheilvollen Verlauf. Kleine Proteine, die Beta-Amyloid-Peptide, verändern aus noch unbekannten Gründen ihre räumliche Struktur. Dadurch werden sie klebrig und verklumpen zwischen den Nervenzellen zu Plaques. Das löst im Gehirn eine Entzündung aus, bei der sich Bündel ebenfalls fehlgefalteter Proteine, die Tau-Fibrillen, in den Zellen ansammeln. Irgendwann bedeuten die Fibrillen für die Zellen den sicheren Tod. Was genau diese tödliche Kaskade in Gang setzt, ist für die Wissenschaft aber noch immer ein großes Rätsel.

Krankhaft veränderte Eiweiße beeinflussen gesunde Proteine

„Erst seit einigen Jahren weiß man, dass fehlgefaltete Beta-Amyloide offenbar in der Lage sind, auch andere Proteine umzuformen – ähnlich wie man es bei den vom Rinderwahn bekannten Prionen beobachten kann“, sagt Professor Erich Wanker vom Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). „Kommt ein fehlgefaltetes Peptid mit einem gesunden Peptid in Kontakt, beginnt Letzteres ebenfalls, seine räumliche Struktur zu verändern“, erklärt der Leiter der Arbeitsgruppe „Proteomforschung und molekulare Mechanismen bei neurodegenerativen Erkrankungen“. Auf diese Weise entstehen im Gehirn immer mehr der schädlichen Plaques. Auch beim Tau-Protein hat man solche Eigenschaften in Experimenten mit Mäusen bereits beobachtet. „Das bedeutet jedoch nicht, dass Alzheimer von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann“, betont Wanker. „Die Umfaltung erfolgt ausschließlich im Gehirn, von Protein zu Protein.“

Unklar ist bislang, ob die fehlgefalteten Amyloid- und Tau-Eiweiße ihre krankmachende Struktur nur untereinander übertragen können oder ob die Ausbreitung – das „Seeding“, wie Wanker es nennt – auch zwischen den beiden Proteinen erfolgen kann. Genau das möchte der MDC-Wissenschaftler jetzt gemeinsam mit seinem Team erforschen. Unterstützt wird er dabei in den kommenden drei Jahren, als einer von insgesamt elf prämierten Forscher*innen, von der gemeinnützigen Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI). Sie stellt Wanker Fördermittel von insgesamt 120.000 Euro zur Verfügung. Die AFI ist der größte private Förderer der Alzheimer-Forschung an deutschen Universitäten und öffentlichen Einrichtungen. Seit dem Jahr 1995 sammelt der Verein private Spendengelder für sein wichtigstes Anliegen, Alzheimer eines Tages heilbar zu machen.

Ziel ist es, die Ausbreitung der Amyloide im Gehirn zu verhindern

„Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung, mit deren Hilfe ich eine wissenschaftliche Mitarbeiterin beschäftigen möchte und darüber hinaus Labormaterialien wie Zellkulturen oder synthetisch hergestellte Amyloid- und Tau-Proteine finanzieren kann“, sagt Wanker. „Unser Ziel ist es, in den nächsten Jahren Ansätze für neue Medikamente zu entwickeln, die die Vermehrung und die Ausbreitung der fehlgefalteten Proteine im Gehirn unterbinden.“

Zunächst plant der Forscher dazu Experimente mit Nervenzellen in der Kulturschale. „Die Zellen sind genetisch so verändert, dass Ansammlungen fehlgefalteter Eiweiße sichtbar werden“, erläutert Wanker. „Wir werden diese Proteine in Zellen einschleusen und dann untersuchen, ob die entstehenden Aggregate tatsächlich von Zelle zu Zelle weitergebeben werden.“ Ganz ähnliche Experimente sind mit Fruchtfliegen, also im lebenden Organismus, geplant. „Keines der bisher getesteten Medikamente gegen die Alzheimer-Demenz hat sich gegen das Seeding gerichtet“, sagt Wanker. Und vielleicht ist das ja zumindest einer der Gründe, warum man bei der Behandlung der Krankheit bislang kaum Erfolge erzielt hat.


Abbildung: Bei genetisch veränderten Mäusen, die ein Alzheimer-ähnliches Krankheitsbild entwickeln, treten im Gehirngewebe ebenfalls Beta-Amyloid-Plaques auf. Der Kern der Plaques erscheint hellblau, hier ist die typische Faltblattstruktur am stärksten ausgeprägt. In gelb und lila ist lose um den Kern angereichertes Beta-Amyloid zu sehen. Foto: AG Wanker, Technologieplattform „Advanced Light Microscopy“.


Weiterführende Informationen

www.mdc-berlin.de

leben / 02.03.2021
Steine ohne Grenzen wird 20: Mitmachprojekt - Courage gegen Rassismus - Wertepfad

Die Kunsttaschen werden als „lebendige Box“ zum Mitmachen an verschiedene Orte und Institutionen, in Bibliotheken und Bürgertreffs verteilt.
Die Kunsttaschen werden als „lebendige Box“ zum Mitmachen an verschiedene Orte und Institutionen, in Bibliotheken und Bürgertreffs verteilt.

Im Jubiläumsjahr des Symposions 2021 werden die beiden Künstler Silvia Fohrer und Rudolf J. Kaltenbach „coronakonform“ ein Kunstwerk mit interessierten Bürger*innen schaffen. Teilnehmen können Pankower*innen ab dem 23.03.2021. Es werden dazu Kunsttaschen „lebendige Box“ zum Mitmachen an verschiedene Orte und Institutionen, in Bibliotheken und Bürgertreffs verteilt. Darin befinden sich Steine aus vielen Kontinenten zumGestalten für ein gemeinsames Mosaik und Mobile, eine Verlosung mit Fotoaktion für einen Bildhauerworkshop und Informationen zur Aktion. 

Die gemeinsam geschaffenenen Kunstwerke Mosaik und Mobile werden in Berlin-Buch auf der Skulpturenlinie Steine ohne Grenzen aufgestellt.

Die Aufstellorte der Box findet man im Internet unter steineohnegrenzen.wordpress.com. Die fertigen gestalteten Steine können dann wieder dort zurückgegeben werden, wo sie abgeholt wurden oder im bb-EWERKultur in Berlin-Buch oder unter info steineohnegrenzen@web.de. Das läßt sich gleichzeitig verbinden mit einem interessanten Atelierbesuch bei den beiden Künstlern im alten E-WERK Buch.

Die Abschlussveranstaltung findet am 27.11.2021 ab 11.00 Uhr auf derSkulpturenlinie statt.

Treffpunkt ist der Parkplatz Steine ohne Grenzen in der Hobrechtsfelder Chaussee an der Ländergrenze zu Brandenburg. Von dort aus geht es mit den Bildhauern bis zur Wiltbergstraße entlang der zahlreichen Skulpturen der Künstler*innen des Symposions „verboten-verfolgt-entartet 1937“.

Steine ohne Grenzen hat mit seinen bisher 12 Internationalen Symposien mit über 200 Skulpturen im In- und Ausland, Berlins größtes Denkmal für einfriedliches Miteinander geschaffen, gegen Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit. Zwei Denkmale für die Opfer des Nationalsozialismus erinnern andie Bucher Geschichte in dieser Zeit. Es lohnt sich auch sonst, die Skulpturen in der Landschaft um Berlin-Buch und Hobrechtsfelde zu erkunden. Eine abwechslungsreiche Landschaft mit hohem Erholungswert erwartet sie.

Kontakt und Informationen
Steine ohne Grenzen e.V.
Rudolf J. Kaltenbach
Mobil: 0175 7562872

Gemeinnüziger Verein seit 2017: Steine ohne Grenzen e.V., co/o Silvia Fohrer, Rudolf Kaltenbach, postadresse: Rathenower Str. 43, 10559 Berlin, web: steineohnegrenzen.wordpress.com, 0175 7562872 Mail: steineohnegrenzen@web.de

Das Projekt wird unterstützt von Demokratie-leben! Pankow

heilen / 01.03.2021
Evangelische Lungenklinik begrüßt neuen Chefarzt

Dr. Gunda Leschber und Dr. med. Zataar auf dem Bucher Klinikcampus
Dr. Gunda Leschber und Dr. med. Zataar auf dem Bucher Klinikcampus

Dr. med. Mohamed Zaatar übernimmt die Leitung der Klinik für Thoraxchirurgie

Heute, am 1. März 2021, übernimmt Dr. med. Mohamed Zaatar die Leitung der Klinik für Thoraxchirurgie an der Evangelischen Lungenklinik in Berlin-Buch und folgt damit auf Dr. med. Gunda Leschber, die nach fast 18 Jahren als Chefärztin in den Ruhestand geht.

Dr. Zaatar über die neue Herausforderung: „Die Evangelische Lungenklinik ist eine etablierte Lungen-Spezialklinik mit langer Tradition. Ich freue mich, die Nachfolge von Frau Dr. Leschber antreten zu dürfen. Zudem sehe ich großes Potenzial, die bereits positive Entwicklung der Lungenklinik weiter voranzutreiben.“

Die Klinik für Thoraxchirurgie bietet das komplette Spektrum thoraxchirurgischer Operationen. Dazu gehören Eingriffe an den Atemwegen, der Lunge, dem Mittelfellraum und der Brustwand. Dr. Zaatar: „Ich übernehme eine etablierte Klinik, deren hervorragenden Ruf es aufrecht zu erhalten gilt. Es liegt mir sehr daran, das vorhandene und umfassende Behandlungsspektrum fortzuführen und es gleichzeitig durch Ausweitung der minimal-invasiven Chirurgie, der erweiterten Resektionen und der Luftröhrenchirurgie auszubauen. Prozessoptimierung, Steigerung der Effizienz und der Behandlungsqualität sind im chirurgischen Alltag von äußerster Wichtigkeit.“

Dr. Zaatar arbeitete zuletzt als Oberarzt an der Klinik für Thoraxchirurgie und Thorakale Endoskopie an der Ruhrlandklinik Essen, einer der größten thoraxchirurgischen Kliniken Europas. Er weiß um den großen Wandel auf seinem Spezialgebiet: „In den vergangenen Jahren hat sich beispielsweise die minimal-invasive, schonende Chirurgie als Standard bei den meisten thoraxchirurgischen Eingriffen etabliert. Die Herausforderung besteht darin, für jede Patientin, jeden Patienten einen individuellen und optimalen Therapieplan zu erstellen.“ Seine Schwerpunkte sieht der gebürtige Ägypter unter anderem in der chirurgischen Behandlung von Lungenkrebs sowie der sogenannte parenchymsparenden - also gewebesparenden -  Resektion bei fortgeschrittenen Tumorerkrankungen. Bei dieser Operationsmethode wird mit einem speziellen Rekonstruktions-Verfahren das Lungengewebe und somit auch die Lebensqualität der Patient*innen erhalten.

Auch die Förderung junger Ärztinnen und Ärzte möchte der neue Chefarzt (41) weiter voranbringen.
 

ÜBER DIE EVANGELISCHE LUNGENKLINIK

Die Evangelische Lungenklinik, ein Unternehmen der Johannesstift Diakonie, ist seit ihrer Gründung im Jahr 1952 eine weithin anerkannte Spezialklinik für akute und chronische Erkrankungen der Lunge sowie des Brustkorbs.

Die Evangelische Lungenklinik in Berlin-Buch behandelt rund 6.400 stationäre und etwa 12.200 ambulante Patienten jährlich und ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

 

ÜBER DIE JOHANNESSTIFT DIAKONIE

Die Johannesstift Diakonie gAG ist das größte konfessionelle Gesundheits- und Sozialunternehmen in der Region Berlin und Nordostdeutschland. Rund 9.300  Mitarbeitende leisten moderne Medizin, zugewandte Betreuung und Beratung im Einklang mit den christlich-diakonischen Werten des Unternehmens. Der Träger betreibt Einrichtungen in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Niedersachsen mit einem vielfältigen Angebot in den Bereichen:

  • Krankenhäuser und ambulante Versorgungszentren
  • Pflege- und Wohneinrichtungen sowie Hospize
  • Behindertenhilfe
  • Kinder-, Jugend- und Familienhilfe
  • Arbeit, Beschäftigung und Soziales
  • Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie Ergotherapie
  • Dienstleistungen für Gesundheits- und Sozialeinrichtungen
www.pgdiakonie.de/evangelische-lungenklinik

bilden / 01.03.2021
Broschüre zur Umweltbildung in Pankow erschienen

Bild: Bezirksamt Pankow
Bild: Bezirksamt Pankow

„Raus geht´s in die Natur!“

Eine Broschüre mit dem Titel „Raus geht´s in die Natur!“ hat die im Mai 2020 gegründete Koordinierungsstelle Umweltbildung Pankow jetzt veröffentlicht. Die Publikation bietet eine nützliche Übersicht über die verschiedenen Akteur:innen der Natur- und Umweltbildung im Bezirk. Der Fokus liegt dabei auf der Präsentation und Vorstellung von etwa 50 umweltpädagogischen Angeboten, die vorwiegend draußen stattfinden. Mit der Broschüre ist es für Pankower Erziehende und Lehrkräfte ab sofort leichter, Kinder und Jugendliche an das Thema Natur- und Umweltschutz heranzuführen und sie für die Stadtnatur zu begeistern und zu sensibilisieren. Denn laut Senatsbeschluss soll jedes Grundschulkind mindestens einmal im Jahr ein Umweltbildungsangebot wahrnehmen.

Zusätzlich stellt die Koordinierungsstelle eine Karte zum Zusammenfalten und für unterwegs zur Verfügung. Die Angebote der Natur- und Umweltbildung sind hier gelistet. Diese Karte lädt zur Entdeckungstour durch den gesamten Bezirk, aber auch durch die direkte Nachbarschaft ein. Zunächst ist die Broschüre nur online auf der Homepage des Bezirksamtes Pankow unter www.berlin.de/pankow unter "Aktuelle Hinweise" abrufbar.

Weitere Informationen bei der Koordinierungsstelle Umweltbildung Pankow, Susan Brost und Isabelle Deerberg, Hansastraße 182A, 13088 Berlin, E-Mail: ubk.pankow@agrar-boerse-ev.de, Tel.: 030 88497399

leben / 26.02.2021
Warten ohne abzusteigen

@SenUVKBerlin
@SenUVKBerlin

An der Kreuzung Wisbyer Straße, Prenzlauer Allee, Ostseestraße, Prenzlauer Promenade hat das Bezirksamt Pankow so genannte Haltestangen für Radfahrende vor allen vier Fahrrad-Ampeln aufgestellt. Die mit einem Trittbrett versehenen Festhaltebügel ermöglichen das Warten an roten Ampeln ohne vom Fahrrad abzusteigen. Insbesondere ältere Menschen, Radfahrende mit schwerem Gepäck oder Klickpedal-Nutzende warten nun komfortabler und kommen so schneller wieder in Fahrt.

Das Bezirksamt hat sich bei der Gestaltung der Bügel von den in Kopenhagen weit verbreiteten Modellen inspirieren lassen. In Kooperation mit einem Berliner Stahlbauunternehmen wurden zwei verschiedene Modelle entworfen, die nun auf Praxistauglichkeit getestet werden. Feedback unter Nennung des Betreffs „Festhaltebügel“ nimmt das Straßen- und Grünflächenamt daher gerne entgegen unter sga-pankow@ba-pankow.berlin.de . Die Kosten für das Pilotprojekt belaufen sich auf ca. 3.500 Euro und wurden finanziert aus dem Radverkehrsprogramm der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz.

Die Festhaltebügel sind ein Element, mit denen die Rad-Infrastruktur in Pankow aufgewertet werden soll, um Radfahrenden ihre Wege attraktiver zu gestalten. Auch für den Fußverkehr bieten die Bügel einen Vorteil, denn sie erschweren das beliebte Umfahren von roten Ampeln über den Gehweg.

forschen, bilden / 24.02.2021
Zukunftsfähige Ideen im Wettbewerb „Jugend forscht“

Professorin Heike Graßmann, Administrative Vorständin des Max-Delbrück-Centrums, zeichnete Peter Armin Jung von der Katholischen Oberschule Salvator mit einem Campus-Sonderpreis aus. (Foto: Felix Petermann, MDC)
Professorin Heike Graßmann, Administrative Vorständin des Max-Delbrück-Centrums, zeichnete Peter Armin Jung von der Katholischen Oberschule Salvator mit einem Campus-Sonderpreis aus. (Foto: Felix Petermann, MDC)

Das Immunsystem mit Kefirknollen stärken, intelligente Straßenmodelle entwickeln, ein Programm für chemische Reaktionen schreiben: Die Gewinner*innen des 56. Regionalwettbewerbs auf dem Campus Berlin-Buch überzeugten mit hohem Engagement und ideenreichen Projekten.

Pandemiezeiten sind außergewöhnlich, auch für den Wettbewerb „Jugend forscht“. Junge MINT-Talente und diejenigen, die sie fachlich betreuten, mussten sehr flexibel und kreativ sein, um die Projektideen umzusetzen. Dennoch war die Zahl der bundesweiten Anmeldungen im Vergleich zum Vorjahr nur um ein Viertel geringer: Etwa 9.000 junge Forscher*innen gingen 2021 an den Start. Der Campus Berlin-Buch, erstmals einer von drei Berliner Standorten des Regionalwettbewerbs, betreute insgesamt 39 Projekte.

Am 16. Februar 2021 präsentierten die Schülerinnen und Schüler unter dem Motto „Lass Zukunft da“ ihre Forschungsarbeiten beim digitalen Wettbewerb in Buch. Für die Umsetzung sorgten drei Pateneinrichtungen des Campus: das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), die Campus Berlin-Buch GmbH und – assoziiert – das Experimental and Clinical Research Center (ECRC) von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Sonderpreis: Ein Tag im Labor
Bei der Siegerehrung am 23. Februar 2021 wurden in jedem der sieben Fachgebiete zwei Projekte mit einem ersten Preis ausgezeichnet – eines von „Jugend forscht“ und eines in der Juniorensparte des Wettbewerbs „Schüler experimentieren“. Im Fachbereich Technik gab es sogar ein zusätzliches Siegerprojekt und ein herausragendes Physik-Projekt gewann als „bestes interdisziplinäres Projekt“. Damit rücken insgesamt 16 Projekte auf die nächste Stufe des Wettbewerbs: Die Gewinnerinnen und Gewinner dürfen beim Landeswettbewerb an der TU Berlin teilnehmen. Zusätzlich zu den ersten bis dritten Plätzen wurden zahlreiche Sonderpreise vergeben, zum Beispiel der Sonderpreis „Ressourcenschonung“ des BilRess-Netzwerks für ein Projekt, das sich mit der Wiedergewinnung des Seltenerdmetalls Neodym aus gealterten Magneten befasst.

In den Fachgebieten Biologie, Physik, Arbeitswelt und Mathematik/Informatik qualifizierten sich darüber hinaus fünf junge Forscher für den Campus-Sonderpreis: ein Tag im Labor, der dem engagierten Nachwuchs Einblicke in die Forschung der jeweiligen Institute ermöglicht.

So zeichnete das FMP die beiden 14-jährigen Schüler des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums, Emil Dahms und Luca Achilles, aus. Sie schrieben ein eigenes Programm, um chemische Reaktionen zu berechnen. Professor Volker Haucke, Direktor des FMP, würdigte im Vorfeld diese Leistung: „In diesem Alter ein Programm zu schreiben, das eine unvollständige chemische Reaktion als Eingabe erhält und dann alle fehlenden Ausgangsstoffe und Produkte berechnet und anschließend ausgleicht, ist sehr beachtlich.“

Vom MDC erhielt Peter Armin Jung, der die zwölfte Klasse der Katholischen Oberschule Salvator besucht, einen Campuspreis. Er legte dar, warum sich die Kefirknolle als wirkungsvolles Probiotikum zur Stärkung des Immunsystems eignet und untersuchte, wie sie sich am besten für den Verzehr vermehren lässt. „Ich bin sehr beeindruckt vom Engagement der Schülerinnen und Schüler – aber noch mehr von der Qualität ihrer Arbeiten. Besonders gefreut habe ich mich über die professionelle Versuchsanordnung und die Alltagsnähe des Experiments mit der Kefirknolle. Ich gratuliere Peter Armin Jung zum verdienten Sonderpreis“, sagte Professorin Heike Graßmann, Administrative Vorständin des MDC, während der Siegerehrung.

Umweltfreundliche Mobilität und Strahlenschutz
Professor Friedemann Paul, Direktor des ECRC, beglückwünschte Marvin Ramm, 17 Jahre, vom Archenhold-Gymnasium zu seiner bemerkenswerten Arbeit: „Marvin Ramm hat einen eigenen Geigerzähler konstruiert, dafür eine Platine sowie die nötige Software entwickelt und ein Gehäuse im 3D-Druck erstellt. Mit seinem Prototypen war er in der Lage, die Abschirmung oder Abschwächung ionisierender Strahlen näher zu untersuchen. Sein letztendliches Ziel ist aber vor allem, ein kostengünstiges Gerät für den Gebrauch in Schulen zu entwickeln.“ 

Im Fachgebiet Arbeitswelt erhielt Leonardo Kluge, 13 Jahre, Schüler des Robert-Havemann-Gymnasiums einen Sonderpreis für seine Arbeit, die sich experimentell mit einer intelligenten Straße beschäftigte. Er hat ein Straßenmodell entwickelt, das Elektroautos mittels Induktion nachhaltig mit elektrischer Energie versorgen soll. Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer des Patenunternehmens Campus Berlin-Buch GmbH, sagte dazu: „Umweltfreundliche Mobilität ist für den Campus und den gesamten Zukunftsort Buch ein wichtiges Anliegen, das wir intensiv verfolgen. Wir freuen uns darauf, Leonardo Kluge für einen Tag auf dem Campus zu begrüßen.“

Im nächsten Jahr unterstützt der Campus gerne wieder den „Jugend forscht“-Wettbewerb. „Die Ideenvielfalt, die sorgfältige Umsetzung der Projekte und die Begeisterung der Nachwuchstalente sprechen dafür“, erklärte Dr. Scheller. „Und nachdem in diesem Jahr alles digital stattfinden musste, kann im kommenden Februar der Wettbewerb hoffentlich wieder in Präsenz stattfinden. Denn der wichtige Austausch von Ideen funktioniert trotz aller Technik immer noch am besten von Angesicht zu Angesicht.“

Weiterführende Informationen

Liste der Siegerinnen und Sieger (Regionalwettbewerb Berlin-Buch 2021)

„Jugend forscht“

Der Wettbewerb „Jugend forscht“
„Jugend forscht“ ist der größte und bekannteste naturwissenschaftlich-technische Nachwuchswettbewerb Deutschlands. Er ist eine gemeinsame Initiative von Bundesregierung, der Zeitschrift „stern“, Wirtschaft, Wissenschaft und Schulen. Ziel ist es, besondere Leistungen und Begabungen von Jugendlichen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) zu fördern. In sieben Fachgebieten treten jährlich junge Forscherinnen und Forscher an. Ab Klasse 4 können talentierte Kinder in der Juniorensparte „Schüler experimentieren“ teilnehmen. Jugendliche ab 15 Jahren starten in der Sparte „Jugend forscht“. Veranstaltet wird der Wettbewerb von der Stiftung Jugend forscht e.V. www.jugend-forscht.de

Campus Berlin-Buch
Der Campus Berlin-Buch ist ein moderner Wissenschafts-, Gesundheits- und Biotechnologiepark. Alleinstellungsmerkmale sind der klare inhaltliche Fokus auf Biomedizin und das enge räumliche und inhaltliche Zusammenwirken von Forschungsinstituten, Kliniken und Biotechnologie-Unternehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erforschung molekularer Ursachen von Krebs,- Herzkreislauf- und neurodegenerativen Erkrankungen, eine interdisziplinär angelegte Grundlagenforschung zur Entwicklung neuer Therapien und Diagnoseverfahren, eine patientenorientierte Forschung und die unternehmerische Umsetzung biomedizinischer Erkenntnisse.

Dank exzellenter Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen im BiotechPark hat der Campus ein herausragendes Innovations- und Wachstumspotenzial. Dazu gehören als Einrichtungen der Grundlagenforschung das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), das gemeinsam von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin betriebene und auf klinische Forschung spezialisierte Experimental and Clinical Research Center (ECRC) sowie das Berlin Institute of Health (BIH). Der BiotechPark Berlin-Buch gehört mit 67 Unternehmen, 800 Beschäftigten und rund 31.000 Quadratmetern Büro- und Laborfläche zu den führenden Technologieparks in Deutschland. Seit 1992 sind über 600 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln durch die EU, den Bund und das Land Berlin in den Campus Berlin-Buch investiert worden, um diese Synergien zu unterstützen. www.campusberlinbuch.de

forschen / 22.02.2021
Schlafenden Tumorzellen die Orientierung nehmen

Abbildung: Matthias Barone (Erläuterung siehe unten)
Abbildung: Matthias Barone (Erläuterung siehe unten)

Dormante Krebszellen, die sich vom Primärtumor gelöst haben und nun im Blutkreislauf zirkulieren, können durch die Chemotherapie oft nur unzureichend vernichtet werden. So kommt der Krebs früher oder später als Fernmetastase wieder zurück. Einem interdisziplinären Forscherteam vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin, der Universität zu Köln, sowie der Universiteit Leiden ist es gelungen, neuartige Moleküle zu entwickeln, die das Dilemma unterbrechen. Die Substanzen sind in der Lage, eine für die Metastasierung essentielle Proteinfamilie zu hemmen, so dass Krebszellen an ihrer Wanderschaft in entfernte Orte des Organismus gehindert werden, wie präklinische Experimente zeigten. Die Ergebnisse der Arbeit sind im Fachjournal PNAS erschienen.

Krebs ist tückisch. Selbst wenn der Tumor scheinbar komplett entfernt worden ist, verbleiben häufig etliche Tumorzellen schlummernd in den Blutbahnen des Körpers. Zytostatika sollen einen Rückfall verhindern, doch die „schlafenden“ Krebszellen erwischt die Chemotherapie nicht. Der Grund: Die meisten Zytostatika töten nur die sich schnell vermehrenden Zellen. Dormante Tumorzellen sind nicht aktiv und es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Zellen eine Resistenz gegen die Therapie entwickeln. Danach wandern sie - angelockt durch Wachstumshormone – aus den Lymph- oder Blutbahnen aus und nisten sich im Organ ein. Über diesen Weg bilden sie dann Metastasen, die meist nicht mehr heilbar sind.
Forscher am FMP versuchen deshalb, invasive Krebszellen an ihrer Wanderschaft zu hindern. Angriffspunkt ist die Proteinfamilie Ena/VASP. Diese Proteine werden von allen Zellen benutzt, die ihre Form verändern müssen, etwa Immunzellen, Nervenzellen oder Blutplättchen; in besonders invasiven Krebszellen sind sie stark überexprimiert. Ena/VASP-Proteine sorgen in Interaktion mit weiteren Proteinen für den Umbau des Zellskelettes, damit eine Zelle gerichtet wandern kann, weshalb sie bei Krebs unerlässlich für die Metastasierung sind. Und genau an diesem Punkt greifen die Forscher an: „Die Idee ist, dass schlafende Krebszellen ihre Orientierung verlieren, wenn wir die fatale Maschinerie mit Hemmstoffen unterbrechen“, sagt Dr. Matthias Barone, Biochemiker in der Arbeitsgruppe „Drug Design“ von Ronald Kühne.

Set von Molekülen erfolgreich modifiziert
Bereits 2015 hatte das Forscherteam ein Molekül identifiziert, das an die Proteinfamilie bindet, jedoch war es noch nicht wirksam genug, um in geringen Mengen einen Effekt im Organismus zu erreichen. Dies ist jetzt durch weitere chemische Modifikationen am Molekül gelungen.
Zellexperimente zeigten: Krebszellen, die mit den Substanzen behandelt wurden, verlieren ihre Fähigkeit, entlang der Lockstoffe zu wandern. Je höher die Konzentration, desto stärker war der Effekt. „Unsere Moleküle binden spezifisch an die Proteinfamilie Ena/VASP, wodurch die Interkation mit weiteren Proteinen verhindert wird bzw. Partnerproteine verdrängt werden“, erläutert Matthias Barone das Wirkprinzip. „Dadurch werden die Krebszellen zwar nicht abgetötet, aber sie werden sozusagen orientierungslos und können ihren Weg in die Blutbahn oder in andere Organe nicht mehr finden.“
Dass dies auch im lebenden Organismus funktioniert, zeigten Experimente mit Zebrafischembryos, denen Brustkrebszellen implantiert worden waren. Fischembryos, die in diesen Substanzen schwammen, zeigten danach signifikant weniger Brustkrebszellen, die aus dem Blutkreislauf in die Schwanzflosse metastasierten.
Wichtig für die Weiterentwicklung der Substanzen: Das Forscherteam konnte nachweisen, dass die modifizierten Moleküle spezifisch an die Proteinfamilie binden und nicht an andere verwandte Proteine, was weitreichende unerwünschte Folgen nach sich ziehen könnte.

Blockade verhindert Metastasierung
„Wir haben in dieser Arbeit zum einen gezeigt, dass diese Proteinfamilie absolut notwendig für den Prozess der Metastasierung von Krebszellen ist“, fasst Arbeitsgruppenleiter Dr. Ronald Kühne die im Fachjournal PNAS publizierten Ergebnisse zusammen. „Und zweitens konnten wir als erste Forschergruppe weltweit ein Set an Molekülen entwickeln, das die Proteinfamilie erkennen und den Prozess hemmen kann. Das öffnet natürlich die Möglichkeit, parallel zu den zytostatischen Therapien, die Metastasierung zu unterbinden oder wenigsten zu verlangsamen.“
Im nächsten Schritt werden die Berliner Drug Designer die pharmakologischen Eigenschaften des Moleküls optimieren, damit es im Tiermodell erprobt werden kann. Am Ende einer langen Entwicklungsprozesses könnte in Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie ein Medikament entstehen, das das Überleben bei Krebs deutlich verbessert. Bis dahin ist es zwar noch ein steiniger Weg, aber die wichtige erste Etappe ist erreicht.

Abbildung: Links: Anhand von Kristallstrukturen wurden die Inhibitoren optimiert und die Bindungsstärke an Ena/VASP erhöht. Rechts oben: Behandelte Krebszellen wandern nicht mehr zum Lockstoff hin. Optimierte Inhibitoren rufen diesen Effekt schon bei geringerer Konzentration hervor. Rechts unten: Krebszellen (rot) metastasieren aus den Blutgefäßen (grün) in der Schwanzflosse von Zebrafischen. Optimierte Inhibitoren (Inh. 7) reduzieren die Metastasenbildung. (Bild: Matthias Barone)

Publikation
Matthias Barone, Matthias Müller, Slim Chiha, Jiang Ren, Dominik Albat, Arne Soicke, Stephan Dohmen, Marco Klein, Judith Bruns, Maarten van Dinther, Robert Opitz, Peter Lindemann, Monika Beerbaum, Kathrin Motzny, Yvette Roske, Peter Schmieder, Rudolf Volkmer, Marc Nazaré, Udo Heinemann, Hartmut Oschkinat, Peter ten Dijke, Hans-Günther Schmalz, Ronald Kühne, Designed nanomolar small-molecule inhibitors of Ena/VASP EVH1 interaction impair invasion and extravasation of breast cancer cells, Proceedings of the National Academy of Sciences, Nov 2020, 117 (47) 29684-29690; DOI: 10.1073/pnas.2007213117

Das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB), einem Zusammenschluss von sieben natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft. Entstanden ist der Forschungsverbund 1992 in einer einzigartigen historischen Situation aus der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR.

Quelle: https://www.leibniz-fmp.de/de/press-media/press-releases/press-releases-single-view1/article/disorientating-dormant-tumor-cells

17.02.2021
Umzug des Regional Sozialpädagogischen Dienstes (RSD) Region Nord

Eingeschränkte Erreichbarkeit vom 1. – 5. März 2021
 
Der Regional Sozialpädagogische Dienst (RSD) Region Nord des Pankower Jugendamtes zieht in der Woche vom 1. - 5. März 2021 in seine neuen Räumlichkeiten in die Friedrich-Richter-Straße 8 – 10, 13125 Berlin, in Buch. In dieser Zeit wird er wegen des Umzuges nur eingeschränkt erreichbar sein. Eine Bereitschaft ist eingerichtet vom 1.– 3. März von 9 – 16 Uhr, am 4. März von 9 – 18 Uhr und am 5. März 2021 von 9. – 13 Uhr unter Tel.: 030 90295–8730/8720. Die bezirkliche Hotline Kinderschutz des Jugendamtes Pankow ist weiterhin regulär besetzt und von Montag bis Freitag in der Zeit von 8 bis 18 Uhr unter 030 90295-5555 erreichbar.

Ab dem 9. März 2021 ist der RSD Nord regulär erreichbar unter:
Regional Sozialpädagogischer Dienst (RSD) Region Nord
Friedrich-Richter-Straße 8 – 10, 13125 Berlin / Buch
Telefon: 030 / 90295–8720
Fax: 030 / 90295–8722
E-Mail: rsd.nord@ba-pankow.berlin.de

forschen / 16.02.2021
Wie das Immunsystem SARS-CoV-2 den Weg ebnet

Darm-Organoide: Nach einer Behandlung mit IFN-Y differenzieren die Darmzellen © AG Sigal
Darm-Organoide: Nach einer Behandlung mit IFN-Y differenzieren die Darmzellen © AG Sigal

Mit antiviralen Botenstoffen will das Immunsystem SARS-CoV-2 eigentlich bekämpfen. Ein Forschungsteam von Charité und MDC hat nun gezeigt, wie ein solcher Botenstoff die Vermehrung des Virus begünstigen kann. Die Ergebnisse sind im Fachjournal EMBO Molecular Medicine veröffentlicht.

Die meisten Menschen, die SARS-CoV-2 infiziert, können die Erkrankung zu Hause auskurieren – auch wenn es bei ihnen sehr belastende Krankheitsverläufe gibt. Ein Teil hat gar keine Symptome. Doch etwa zehn Prozent der Betroffenen sind so schwer erkrankt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Die Annahme, dass hinter einem schweren Verlauf ein schwaches Immunsystem steckt, greift zu kurz. Denn gerade bei kritischen Verläufen arbeitet das Immunsystem unter Hochdruck, schafft es aber nicht, das Virus zu kontrollieren.

Eine Berliner Forschungsgruppe konnte nun beobachten, wie SARS-CoV-2 einen Verteidigungsmechanismus des Immunsystems nutzt, um verstärkt Schleimhautzellen des Körpers zu entern und sich dort zu vermehren. Ihre Studie ist gerade im Fachjournal EMBO Molecular Medicine erschienen. „Damit können wir möglicherweise einen Teil der Erklärung dafür liefern, warum bei manchen Menschen das Immunsystem Schwierigkeiten hat, die Infektion zu regulieren oder gar zu besiegen“, sagt Dr. Julian Heuberger, Wissenschaftler an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Er ist Erstautor der Studie und Mitglied einer Emmy-Noether-Arbeitsgruppe von PD Dr. Michael Sigal an der Charité und dem Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB), das zum Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) gehört. Für die Untersuchung kooperierte die Arbeitsgruppe mit Forschenden des Max-Planck-Instituts (MPI) für Infektionsbiologie, der Freien Universität Berlin und der Universität Hongkong.

SARS-CoV-2 nutzt Verteidigungsmechanismus als Eintrittspforte

Eigentlich läuft im menschlichen Körper ein sehr effektives Verteidigungsprogramm gegen Eindringlinge ab, das auf dem Zusammenspiel verschiedener Immunzellen basiert. Eine wichtige Rolle spielen dabei die T-Zellen: Stoßen Sie im Organismus auf Viren, zerstören sie die befallenen Zellen. Außerdem schütten sie den Botenstoff Interferon-Gamma (IFN-ƴ) aus. IFN-ƴ bekämpft einerseits Infektionskeime. Andererseits ruft es weitere Immunzellen auf den Plan.

Heuberger und seine Mitstreiter*innen haben nun gezeigt, wie SARS-CoV-2 diesen IFN-ƴ -vermittelten Schutzmechanismus in sein Gegenteil verkehren kann. Denn neben den Immunzellen reagieren auch die Schleimhautzellen des Körpers auf IFN-ƴ, indem sie mehr ACE2-Rezeptoren ausbilden. SARS-CoV-2 benötigt diese ACE2-Rezeptoren als Einstiegspforte in die Zellen. Infizierte Zellen wiederum bilden mehr ACE2.  Sowohl die IFN-ƴ-Antwort der Epithelzellen als auch das Virus selbst bewirken also eine verstärkte SARS-CoV-2-Infektion. 

Zelldifferenzierung im Dickdarm-Organoid beobachtet

SARS-CoV-2-infizierte Patienten zeigen teilweise gastrointestinale Beschwerden. Um die Immunkaskade in den Darmzellen beobachten zu können, hat Heuberger Organoide des menschlichen Dickdarms kultiviert. Ein Organoid ist eine Art Mini-Organ in der Petrischale, kaum so groß wie ein Stecknadelkopf. Die Dickdarm-Organoide basieren auf Zellen, die aus Darmbiopsien stammen. Sie wachsen in dreidimensional angeordneten Einheiten und bilden die Physiologie der Schleimhautzellen des menschlichen Darmtraktes ab. „Diese Dickdarm-Organoide sind ein sehr hilfreiches Werkzeug“, unterstreicht Heuberger, „wir können damit das komplexe Zusammenspiel verschiedener Signalwege erforschen, die die Zelldifferenzierung von der Stammzelle bis zur spezialisierten Epithelzelle kontrollieren.“

Die Wissenschaftler*innen haben die gezüchteten Darmzellen zunächst mit IFN-ƴ behandelt, um die Immunreaktion des Körpers zu simulieren. Dann haben sie die Organoide mit SARS-CoV-2 infiziert.  Mithilfe eines Laser-Scanning-Mikroskops – das ist ein spezielles Lichtmikroskop, das eine Probe Punkt für Punkt scannt – und Genexpressionsanalysen konnten sie in den Organoiden eine vermehrte ACE2-Expression messen. Daneben wies eine quantitative PCR eine gesteigerte Virusproduktion nach.

Das heißt: Mehr IFN-ƴ bedeutet mehr ACE2. Mehr ACE2 bedeutet, dass mehr Viren in die Zellen eindringen können. Je mehr Viren in die Zellen gelangen, umso mehr Viren werden gebildet. So ebnen die Immunantwort und die Reaktion der Oberflächenzellen auf die Infektion SARS-CoV-2 den Weg.

Überschießende IFN-ƴ-Antwort medikamentös ausbalancieren

„Wir nehmen an, dass eine starke Immunantwort die Anfälligkeit von Schleimhautzellen für SARS-CoV-2 erhöhen kann“, sagt der Leiter der Studie PD Dr. Michael Sigal. Er leitet an der Charité und am MDC die Arbeitsgruppe „Gastrointestinale Barriere, Regeneration und Karzinogenese“ und ist als Gastroenterologe an der Charité tätig. „Wenn die IFN-ƴ-Konzentration von vornherein höher ist oder die Infektion eine sehr überschießende Produktion von IFN-y triggert, haben es die Viren vermutlich leichter, in die Zellen einzudringen.“ Unter welchen Bedingungen das tatsächlich passiert, muss allerdings erst in klinischen Studien untersucht werden.

Die Ergebnisse der Studie tragen die Idee eines Behandlungsansatzes bei schweren COVID-19-Verläufen in sich, sagt Heuberger: „Eine mögliche Strategie könnte darin bestehen, die IFN-ƴ-Antwort medikamentös auszubalancieren.“ Allerdings müssten dafür zunächst die Mechanismen, die der IFN-ƴ-Antwort zugrunde liegen, sehr genau analysiert werden.

Abb.: Darm-Organoide: Nach einer Behandlung mit IFN-Y differenzieren die Darmzellen. Die Zellkerne (blau) der Epithelzellen (grün) lokalisieren sich am basalen (äußeren) Rand der Organoide. Damit geht eine verstärkte Produktion des Rezeptors ACE2 einher, den SARS-CoV-2 als Einstiegspforte in die Zellen nutzt.  © AG Sigal

Gemeinsame Pressemitteilung mit der Charité

www.mdc-berlin.de

forschen / 15.02.2021
Auszeichnung für Einzelzellforscher Leif Ludwig

Dr. Leif S. Ludwig (Foto: Felix Petermann, MDC)
Dr. Leif S. Ludwig (Foto: Felix Petermann, MDC)

Für seine Forschungen zum Erbgut der Kraftwerke der Zelle, den Mitochondrien, erhält Leif S. Ludwig den Hector Research Career Development Award. Der Preis unterstützt besonders talentierte Wissenschaftler*innen auf den ersten Schritten ihrer Karriere.

„Dass ich für den Hector Research Career Development Award ausgewählt wurde, hat mich außerordentlich gefreut“, sagt Dr. Leif S. Ludwig. „Ich möchte mich dafür zutiefst bei der Hector Fellow Academy und meinen MentorInnen bedanken, die mich während meiner wissenschaftlichen Entwicklung begleitet und unterstützt haben.“ Der Biochemiker und Humanmediziner hat sich unter anderem auf die Erforschung des Erbguts der als Zellkraftwerke bekannten Mitochondrien spezialisiert. Mit seiner Forschungsgruppe untersucht er beispielsweise, wie sich Varianten und Mutationen in der mitochondrialen DNA auf Erkrankungen beim Menschen auswirken.

Das neue Förderformat der Hector Fellow Academy richtet sich an besonders talentierte junge Forscher*innen aus den Natur- oder Ingenieurwissenschaften, der Medizin oder Psychologie, die ihr wissenschaftliches Profil bereits geschärft und ihren ersten Karriereschritt gemacht haben. Wer in das Programm aufgenommen wird, erhält neben einer einmaligen Unterstützung in Höhe von 25.000 Euro auch die Finanzierung einer Promotionsstelle sowie ergänzend 9.500 Euro Forschungsmittel pro Jahr. Darüber hinaus werden die Preisträger*innen für fünf Jahre zu Mitgliedern der Hector Fellow Academy ernannt. Das eröffnet ihnen die Möglichkeit, weitere Förderungen zu beantragen. „Der Award ist für meine Arbeitsgruppe und mich eine bedeutende Stütze. Denn nun können wir unsere Forschung in der Einzelzellanalyse und der mitochondrialen Genetik weiter stärken und ausbauen.“

Das Erbgut der Kraftwerke der Zelle im Fokus

Leif S. Ludwig ist Emmy-Noether-Gruppenleiter im neuen Forschungsfokus „Single-Cell-Ansätze für personalisierte Medizin“ des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), des Berlin Institute of Health und der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Sein Labor ist am MDC Mitte und somit am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) angesiedelt. Er hat Biochemie und Humanmedizin studiert und in beiden Fächern jeweils an der Freien Universität Berlin und der Charité promoviert. Für seine Doktorarbeit erforschte er genetische Einflüsse auf die Blutbildung im Labor von Professor Harvey Lodish am Whitehead Institute for Biomedical Research, USA. Als Postdoktorand bei Professorin Aviv Regev am Broad Institute des MIT und der Universität Harvard und bei Professor Vijay Sankaran am Boston Children's Hospital, USA, etablierte er neue Einzelzellmethoden zur Sequenzierung des mitochondrialen Genoms.

„Mit diesen neuen Ansätzen konnten wir zeigen, wie Mutationen in der mitochondrialen DNA-Sequenz dazu dienen können, die Aktivität von Stammzellen im Körper nachvollzuziehen, also wie viele Stammzellen aktiv Blut produzieren und wie diese Aktivität reguliert wird.“ Derzeit erforscht Leif S. Ludwig grundlegende Eigenschaften und Auswirkungen von Varianten und Mutationen im mitochondrialen Erbgut auf menschliche Erkrankungen. Die klinische Anwendung seiner Ergebnisse verfolgt er unter anderem gemeinsam mit seinen klinischen Partnern, den Direktoren der Medizinischen Kliniken der Charité mit Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Tumorimmunologie, Professor Lars Bullinger am Charité Campus Virchow-Klinikum (CVK) sowie Professor Ulrich Keller am Charité Campus Benjamin Franklin (CBF).

 

Weiterführende Informationen

Forschungsfokus „Single-Cell-Technologien für die personalisierte Medizin“
Pressemitteilung: „Mit zellbasierter Medizin Krankheiten abfangen“

Einzelzellbiologie am MDC

Das Berlin Institute of Health (BIH)
Die Mission des Berlin Institute of Health (BIH) ist die medizinische Translation: Erkenntnisse aus der biomedizinischen Forschung werden in neue Ansätze zur personalisierten Vorhersage, Prävention, Diagnostik und Therapie übertragen, umgekehrt führen Beobachtungen im klinischen Alltag zu neuen Forschungsideen. Ziel ist es, einen relevanten medizinischen Nutzen für Patient*innen und Bürger*innen zu erreichen. Dazu etabliert das BIH als Translationsforschungsbereich in der Charité ein umfassendes translationales Ökosystem, setzt auf ein organübergreifendes Verständnis von Gesundheit und Krankheit und fördert einen translationalen Kulturwandel in der biomedizinischen Forschung. Das BIH wurde 2013 gegründet und wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) waren bis 2020 eigenständige Gliedkörperschaften im BIH. Seit 2021 ist das BIH als so genannte dritte Säule in die Charité integriert, das MDC ist Privilegierter Partner des BIH.

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

www.mdc-berlin.de 

leben / 15.02.2021
Aufwertung des Schlossparks Buch geht weiter

5. Bauabschnitt startet Ende Februar 2021

Im Rahmen des Förderprogramms „Nachhaltige Erneuerung“ wird in diesem Jahr der 5. Bauabschnitt zur Aufwertung des Schlossparks Buch realisiert. Er umfasst den landschaftlichen Parkraum vom Eingang der Wiltbergstraße bis zum nördlichen Ende der Mittelallee des Holländischen Gartens, dem westlichen Kanalarm mit Teich und dem Abflussgraben. Dafür stehen Gelder in Höhe von 815.000 Euro zur Verfügung. Während der Bauzeit von Februar bis Dezember 2021 wird der betreffende Teil des Parks nicht nutzbar sein.

Im Rahmen der Maßnahmen müssen bis Ende Februar drei geschützte Bäume gefällt werden, zwei davon auf Grund ihrer starken Schädigung und der Dritte zu Gunsten der Freistellung einer besonders großen Rotbuche. In den einzelnen Parkarealen wird zudem der vorhandene Sämlingsaufwuchs entfernt. Im Gegenzug werden elf Bäume und 500 m² Gehölze neu gepflanzt, darunter drei Hainbuchen, drei Stieleichen, drei Schwarzerlen und zwei Eschen.

Im Rahmen der Maßnahme werden zudem 3.720 m² Wegeflächen erneuert sowie Bänke und Abfallbehälter ergänzt. Der in Teilen noch vorhandene Aussichtshügel am Teich mit Blickbeziehung zum ehemaligen Orangerieparterre wird wieder sichtbar gemacht, Zukunftsbäume werden freigestellt, Sämlingsaufwuchs entfernt und Blühgehölze bzw. Bodendecker gepflanzt. Am Eingang Wiltbergstraße wird die noch fehlende Parkeinfriedung durch einen schlichten Stabzaun hergestellt.

Der Schlosspark erhält außerdem ein Informationssystem: an vier Standorten werden Informationstafeln zur Geschichte des Parks und besonderen Bereichen bzw. Persönlichkeiten installiert. Die Informationen werden dann auch digital abrufbar sein.

 

produzieren / 12.02.2021
Eckert & Ziegler investiert in Produktionsstätte für Radioisotope in China

Die Eckert & Ziegler AG (ISIN DE0005659700), ein weltweit tätiger Spezialist für radioaktive medizinische und industrielle Anwendungen, hat mit dem Verwaltungskomitee der Jiangsu Jintan Economic Development Zone (VR China) einen Vorvertrag über den Erwerb und die kommerzielle Entwicklung eines 13.300 Quadratmeter großen Industriegeländes unterzeichnet. Wenn das im Vertrag vorgesehene öffentliche Bieterverfahren abgeschlossen ist, wird das Gelände einer 100%igen Tochtergesellschaft der Eckert & Ziegler AG gehören, die dort, vorbehaltlich diverser behördlichen Genehmigungen, Produktionsanlagen für Radiopharmaka und Radioisotope sowie die Verwaltungszentrale für den chinesischen Markt errichtet. Mittelfristig sollen auch andere Sparten der Eckert & Ziegler-Gruppe sowie Serviceeinrichtungen dort angesiedelt und Dritten die Infrastruktur zu Mitbenutzung angeboten werden.

Mit dem Baubeginn wird noch in diesem Jahr gerechnet. Die Fertigstellung des Gebäudes und die Betriebsbereitschaft sollen in Etappen erfolgen. Bis Ende 2027 wird sich das Investitionsvolumen einschließlich Grundstück, Gebäude, technische Anlagen und immaterielle Vermögensgegenstände auf bis zu 50 Millionen Euro belaufen. Kann das Projekt so umgesetzt werden wie geplant, soll dort ein breites Spektrum an radioaktiven pharmazeutischen und industriellen Produkten bearbeitet oder hergestellt werden. Die Entwicklung des Geländes wird Eckert & Ziegler aus dem laufenden Cash-Flow finanzieren können.

"Das Gesundheitssystem in China hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm entwickelt", erläuterte Dr. Andreas Eckert, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Eckert & Ziegler. "Innovative Therapien zur Behandlung von Krebs stehen nun auch chinesischen Patienten zunehmend zur Verfügung. Als global agierender Zulieferer für onkologische Spezialfirmen ist es uns daher wichtig, in China mit einem lizensierten Produktionsstandort und einer starken lokalen Mannschaft vertreten zu sein. Die Investitionsvereinbarung mit Jintan bringt uns diesem strategischen Ziel ein Stück näher".

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 800 Mitarbeitern zu den weltweit größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Nuklearmedizin und Strahlentherapie. Das Unternehmen bietet an verschiedenen Standorten Dienstleistungen für Radiopharmazeutika an, von der frühen Entwicklung bis hin zur Kommerzialisierung. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.
www.ezag.de

forschen / 10.02.2021
"Sprechen mit Häusern & Robotern − leben in der Stadt der Zukunft" (LNDW Podcast Folge 9)

Digitalisierung und Vernetzung machen es möglich: Häuser und Quartiere können bereits heute mit „intelligenter“ Technik so ausgestattet werden, dass Energie eingespart und der Komfort erhöht wird. Ist das Konzept smarter Häuser, die miteinander verbunden werden zur Smart-City, der richtige Weg, um die Stadt Zukunft CO2-neutral, klimaresistent und dennoch lebenswert zu machen?

In der neunten Folge des LNDW-Podcasts gibt es dazu ein differenziertes Meinungsbild mit diesen Gästen:

Anne-Caroline Erbstößer ist Diplom-Ingenieurin für Innenarchitektur und Architektur und als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Technologiestiftung Berlin im Bereich Technologie und Stadt tätig. Sie beschäftigt sich mit smarten Gebäude und intelligenten Quartiere und spricht sich dafür aus, die neue digitalen Technologien zu nutzen, um den Wandel hin zur klimaneutralen, aber auch partizipativen Stadt aktiv zu gestalten.

Prof. Dr. Manfred Hild ist Professor für Digitale Systeme an der Beuth Hochschule für Technik Berlin. Der Brain City Botschafter ist Studienfachberater des Studiengangs humanoide Roboter und kritisiert den aktuellen Technologie-Trend, alles mit allem zu vernetzen. Er will Roboter nicht zu den neuen Sklaven der Menschen machen, sondern sie zu Dienstleistungen auf Augenhöhe mit den Menschen befähigen. Das geht nur im Austausch zwischen Menschen und Robotern. Im Projekt RoSen geht er derzeit bspw. der Frage nach, wie und was Senior*innen dazu beitragen können, um Roboter besser zu machen.

Axel Schultz ist Leiter der Siemens AG Niederlassung Berlin/Brandenburg sowie Leiter des Geschäfts Smart Infrastructure der Region Ost. Er erläutert, was aus Sicht der Industrie an intelligenten Häusern und Quartieren interessant ist und wie die Energieversorgung der Städte in Zukunft nicht nur gesichert, sondern auch umweltfreundlicher werden kann. Zudem spricht er über die Pläne zur Siemensstadt 2.0.

Weitere Informationen: https://www.langenachtderwissenschaften.de/news-detail/sprechen-mit-haeusern-robotern-die-stadt-der-zukunft-folge-9

Zum Podcast:
https://www.ardaudiothek.de/lange-nacht-der-wissenschaften/sprechen-mit-haeusern-und-robotern-talk-ueber-projekte-fuer-eine-stadt-der-zukunft/85988474

leben / 10.02.2021
Beteiligungsverfahren "Pankower Tor" startet am 10. Februar 2021

Bürger-Feedback zu Entwürfen am Pankower Tor gefragt

Sechs renommierte und interdisziplinäre Planerteams aus Architekten, Stadt-, Freiraum- und Verkehrsplaner:innen erarbeiten seit Dezember 2020 städtebauliche Entwürfe für ein lebenswertes, urbanes Stadtquartier auf dem ehemaligen Rangierbahnhof in Pankow, auch bekannt als „Pankower Tor“.

Vom 10. - 23. Februar 2021 können sich Interessierte diese Entwürfe auf der Webseite unter www.pankower-tor.de ansehen und kommentieren: Welcher Ansatz gefällt Ihnen? Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf, woran sollten die Planer:innen noch arbeiten?

Ergänzend dazu findet ein digitales Bürgerforum am Montag, dem 22. Februar 2021 statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen von 18 bis 20 Uhr die bis dahin eingegangenen Hinweise und Fragen im Rahmen einer Videokonferenz mit den Planerteams live zu besprechen. Teilnehmen werden auch Vorhabenträger Kurt Krieger, Staatssekretär Dr. Frank Nägele, Bezirksbürgermeister Sören Benn sowie Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn. Die Einwahl in die Zoom-Videokonferenz erfolgt über den folgenden Link: https://us02web.zoom.us/j/4132339211.

Alle Hinweise aus der Beteiligung werden im Anschluss ausgewertet und den Planerteams sowie der Jury für die zweite Phase des Workshopverfahrens an die Hand gegeben.

Im Mai 2021 werden die finalen Entwürfe der Planerteams vorliegen. Diese werden anschließend von den Sachverständigen geprüft und von der Jury bewertet. Im Juni 2021 werden die Ergebnisse und der Siegerentwurf der Öffentlichkeit präsentiert.

forschen / 09.02.2021
Covid-19 versus Naturschutz

Die COVID-19-Pandemie - verursacht durch das neue Coronavirus SARS-CoV-2 - hat das Leben jedes Menschen auf dem Planeten verändert und wirtschaftliche, kulturelle, soziale und politische Prozesse beeinflusst. Forschung und Naturschutz sind von diesen negativen Auswirkungen nicht ausgenommen. Derzeit werden die positiven Folgen einer „Anthropause“ auf die Umwelt kontrovers diskutiert. Das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte BioRescue-Forschungsprogramm zur Rettung des Nördlichen Breitmaulnashorns ist ein Beispiel für die Herausforderungen, die bei der Durchführung von Forschung und Naturschutz in einem internationalen Konsortium in Zeiten einer globalen Pandemie zu bewältigen sind. COVID-19 behinderte die Kommunikation und Reisen, verhinderte oder verzögerte entscheidende Verfahren, verursachte Einnahmeverluste und senkte damit möglicherweise die Chancen auf ein Überleben des Nördlichen Breitmaulnashorns. Dennoch hat das Konsortium in diesen schwierigen Zeiten Strategien angepasst und wertvolle Erkenntnisse gewonnen und konnte seine Mission vorantreiben. Die Auswirkungen der Pandemie auf das BioRescue-Projekt wurden jetzt im wissenschaftlichen „Journal of Applied Animal Ethics Research“ veröffentlicht.

Derzeit gibt es nur noch zwei Nördliche Breitmaulnashörner auf der Welt, beide sind weiblich. Um das Aussterben des Nördlichen Breitmaulnashorns zu verhindern, versucht ein internationales Konsortium aus Wissenschaftler*innen und Naturschützer*innen Technologien der assistierten Reproduktion und stammzellverwandte Techniken voranzutreiben. Mithilfe dieser Techniken und Methoden sollen Embryonen des Nördlichen Breitmaulnashorns im Labor erzeugt werden. In naher Zukunft sollen diese Embryonen in Leihmütter von Südlichen Breitmaulnashörnern eingesetzt werden, um Nachkommen von Nördlichen Breitmaulnashörnern zu erzeugen. Dieses grenzüberschreitende Programm wird von einem internationalen Team durchgeführt, das global arbeitet und Wissenschaftler*innen und Naturschützer*innen aus Deutschland, Kenia, Japan, der Tschechischen Republik, den USA und Italien umfasst. Seit März 2020 wurde die Arbeit des Konsortiums durch die Covid-19-Pandemie in mehrfacher Hinsicht auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene stark beeinträchtigt.

Auf internationaler Ebene war das größte, zu überwindende Hindernis die internationale Reisebeschränkung. „Die Konsortialpartner hatten sich zuvor darauf geeinigt, die Eizellen der letzten beiden Nördlichen Breitmaulnashörner alle drei bis vier Monate zu entnehmen. Dieses Intervall gilt als sicher, um bei maximaler Eizellgewinnung die Gesundheit der Weibchen sicherzustellen. Jede einzelne der Eizellen ist enorm wertvoll, da daraus potenzielle Nachkommen erzeugt werden können“, erklärt BioRescue-Projektleiter Thomas Hildebrandt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW). Nach der durch die Pandemie verursachten Zwangspause war für März 2020 eine weitere Eizellenentnahme in der Ol Pejeta Conservancy in Kenia geplant. „Aufgrund internationaler Reisebeschränkungen musste auch diese Prozedur abgesagt werden und konnte erst nach der Wiederöffnung der Grenzen Kenias im August 2020 durchgeführt werden“, ergänzt Leibniz-IZW-BioRescue-Wissenschaftlerin Susanne Holtze, die sich die Erstautorenschaft der Publikation mit Hildebrandt teilt. „Das bedeutet nicht nur, dass wir eine entscheidende Chance verpasst hatten, um ein oder zwei wertvolle Embryonen herzustellen. Die Reisebeschränkungen hatten auch konkrete Auswirkungen auf unser weiteres Vorgehen im August 2020“, erklärt Holtze. Das lange Intervall seit der letzten Eizellentnahme, die im Dezember 2019 stattfand, hat die Qualität der Eizellen negativ beeinträchtigt. Das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der Grund dafür, dass von zehn Eizellen keine Embryonen erzeugt werden konnten. Darüber hinaus verringert die Verzögerung möglicher Embryotransfers in Kenia auch die Chancen der zukünftigen Nördlichen Breitmaulnashorn-Kälber mit Individuen ihrer eigenen Art aufzuwachsen. Das minimiert auch die Chance, prägendes Sozialverhalten von der eignen Art zu erlernen.

Das BioRescue-Forschungsprogramm zur Rettung der Nördlichen Breitmaulnashörner hat durch die Pandemie fast ein Jahr verloren - eine ernsthafte Verzögerung im Wettlauf gegen die Zeit. „Auf der anderen Seite hat uns die unfreiwillige Pause neue wertvolle Erkenntnisse für das Reproduktionsmanagement der Nördlichen Breitmaulnashörner gebracht“, sagt Hildebrandt. „Für die Wissenschaft haben wir auch 2020 noch Fortschritte gemacht und konnten mit unserer Kenia-Mission im Dezember 2020 unsere Forschung erfolgreich fortsetzen.“

Neben den Herausforderungen durch die Reisebeschränkungen nach Kenia gab es noch weitere Hürden für das Forschungskonsortium. Die Abriegelungen und zeitweilige Schließungen öffentlicher Einrichtungen in der Tschechischen Republik verursachte beim Konsortialpartner Safaripark Dvůr Králové spürbare Umsatzeinbußen. „Wir standen vor der noch nie dagewesenen Situation, keine Einnahmen aus Eintrittsgeldern und anderen Dienstleistungen zu erwirtschaften. Allen Widrigkeiten zum Trotz waren wir jedoch schnell in der Lage, neue Wege zu entwickeln, wie wir unsere potenziellen Besucher*innen und Unterstützer*innen online erreichen können, und das ermöglichte es uns, unsere Unterstützung für das BioRescue-Rettungsprogramm auf demselben Niveau wie in den Vorjahren zu halten. Unsere höchste Priorität ist es, Arten vor dem Aussterben zu bewahren. COVID-19 hat uns bestätigt, wie wichtig die Unterstützung einzelner Spender ist“, sagt Jan Stejskal, Direktor für Kommunikation und internationale Projekte des Safariparks.

Ähnlich erging es der gemeinnützigen Ol Pejeta Conservancy (OPC) in Kenia, die die letzten beiden Nördlichen Breitmaulnashörner beherbergt. Auch OPC verbuchte einen drastischen Rückgang der Einnahmen aus dem internationalen Tourismus aufgrund des Reiseverbots, nationaler Ausgangssperren und der Isolation der nationalen Hauptstadt Nairobi. „Daher war Fundraising notwendig, um unsere Wildtier- und Schutzprogramme aufrechtzuerhalten und die Gehälter zu bezahlen“, sagt Ol Pejeta-Geschäftsführer Richard Vigne. „Der Schutz der Nashörner und die professionelle tierärztliche Versorgung wurden jedoch in Zusammenarbeit mit dem Kenya Wildlife Service zu jeder Zeit aufrechterhalten.“

Für die Forschungseinrichtungen der Konsortialpartner in Deutschland, Italien und Japan gab es unterschiedlich starke Einschränkungen für die Laborarbeit. Entscheidende Arbeiten am Leibniz-IZW, im Avantea Laboratory of Reproductive Technologies (Italien), an der Kyushu University (Japan) und am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (Deutschland) konnten nur eingeschränkt weitergeführt werden. „Das Personal in den Laboren war begrenzt, Hygienevorschriften wurden erlassen, der Transport von Proben und Geräten wurde erschwert und nicht zuletzt zwang die Schließung von Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen die Eltern von der Laborarbeit ins Home Office“, resümiert Sebastian Diecke vom Max-Delbrück-Centrum. Auch an der Universität Padua wurden Labore und Büros geschlossen und Online-Lehre und -Forschung implementiert. Das Team, das für die ethische Überwachung des BioRescue-Programms zuständig ist, arbeitete weiterhin von zu Hause aus und musste seine Strategien anpassen, um die ethische Bewertung für alle Einsätze weiterzuführen. „Trotz aller Schwierigkeiten wurde die ethische Bewertung bei allen BioRescue-Forschungseinsätzen immer durchgeführt, und das mit hohen Qualitätsstandards und unter der Einhaltung von Sicherheit und Wohlergehen sowohl der Forscher*innen als auch der beteiligten Tiere“, sagt Barbara de Mori von der Universität von Padua.

„COVID-19 hat auf der ganzen Welt katastrophale Folgen, aber zwei neue Embryonen, die wir im Dezember 2020 produziert haben, beweisen, dass unser BioRescue-Team entschlossen ist, alle wissenschaftlichen und logistischen Herausforderungen zu meistern, die die Rettung des Nördlichen Breitmaulnashorns mit sich bringen“, sagt Jan Stejskal.

Neben schweren negativen Auswirkungen der Pandemie gab es auch einige positive. Zum Beispiel eröffnete die Schließung der internationalen Grenzen neue Möglichkeiten für Verfahren der assistierten Reproduktion in Deutschland, die für die Weiterentwicklung und Perfektionierung von Methoden und Techniken wichtig waren. So konnte beispielsweise aufgrund von Reisebeschränkungen ein Paarungspartner für ein Südliches Breitmaulnashornweibchen in einem deutschen Zoo nicht anreisen. Dadurch hatte das BioRescue-Team die Möglichkeit, mit dem Tier zu arbeiten. Darüber hinaus trugen soziale Distanzierungsvorschriften dazu bei, eine neue Kultur der regelmäßigen Online-Treffen innerhalb der Konsortialpartner zu etablieren, die sich als nützlich erwies und beibehalten werden soll. Und schließlich gibt es ein neues Bewusstsein für die Zerstörung von Lebensraum und den Verlust von Biodiversität als Schlüsselfaktoren für neu auftretende zoonotische Infektionskrankheiten. „Bei BioRescue geht es nicht nur um die Rettung des Nördlichen Breitmaulnashorns. Auch die langfristige Wiederherstellung zerstörter Lebensräume in Zentralafrika ist ein nachhaltiges Mittel im Kampf gegen Pandemien“, sagt Thomas Hildebrandt. „Es ist ironisch und bitter, dass unsere Mission ausgerechnet durch das, was sie letztlich unwahrscheinlicher machen soll, eine Pandemie, schwer getroffen wurde.“

Mehr Informationen über BioRescue sowie Möglichkeiten, das Projekt zu unterstützen, finden Sie auf www.biorescue.org.

Publikation

Hildebrandt TB*, Holtze S*, Biasetti P, Colleoni S, de Mori B, Diecke S, Göritz F, Hayashi K, Hayashi M, Hermes R, Kariuki L, Lazzari G, Mijele D, Mutisya S, Ndeereh D, Ngulu S, Seet S, Zwilling J, Zywitza V, Stejskal J, Galli C (2021): Conservation Research in Times of Covid-19 – the Rescue of the Northern White Rhino. J APPL ANIM ETHICS RES 11, 312. doi: 10.1163/25889567-BJA10009.

Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research (Leibniz-IZW)

The Leibniz-IZW is an internationally renowned German research institute of the Forschungsverbund Berlin e.V. and a member of the Leibniz Association. Our mission is to examine evolutionary adaptations of wildlife to global change and develop new concepts and measures for the conservation of biodiversity. To achieve this, our scientists use their broad interdisciplinary expertise from biology and veterinary medicine to conduct fundamental and applied research – from molecular to landscape level – in close dialogue with the public and stakeholders. Additionally we are committed to unique and high quality services for the scientific community. http://www.izw-berlin.de

Safari Park Dvůr Králové

Safari Park Dvůr Králové is a safari park in the Czech Republic. It’s one of the best rhino breeders outside of Africa and the only place where the northern white rhino bred in human care - both remaining females, Najin and Fatu, were born here. Dvůr Králové Zoo coordinates efforts to save the northern white rhinos. https://safaripark.cz/en/

Max Delbrück Center for Molecular Medicine (MDC)

The MDC's research has a long-time goal: to advance medicine today and in the future. Its broad thematic orientation enables highly networked and collaborative projects providing insights into many different aspects of life and disease. https://www.mdc-berlin.de/research-approach

Kenya Wildlife Service

Kenya Wildlife Service is the principal government institution that conserves and manages wildlife for Kenyans and the world. It also enforces related laws and regulations. http://kws.go.ke/

 

Ol Pejeta Conservancy

Ol Pejeta Conservancy is the largest black rhino sanctuary in east Africa, and is the only place in Kenya to see chimpanzees. It is also home to the last two northern white rhinos on the planet. Ol Pejeta’s cutting-edge wildlife security includes a specialised K-9 unit, motion sensor cameras along its solar-powered electric fence, and a dedicated Rhino Protection Unit. https://www.olpejetaconservancy.org/

Avantea

Avantea is a laboratory of advanced technologies for biotechnology research and animal reproduction based in Cremona, Italy. Avantea has over twenty years of experience and the know-how in assisted reproduction of livestock developed through years of research conducted in the biomedical and animal reproduction fields. https://www.avantea.it/en/

University of Padua

University of Padua in Italy is one of the oldest in the world, celebrating 800 years. Its Department of Comparative Biomedicine and Food Science is developing leading research and education in the field of wildlife conservation and welfare with a special focus on ethical assessment and evaluation of research projects and educational programs. https://www.unipd.it/en/

PRESSEMITTEILUNG

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) | Università degli Studi di Padova (UP) | Avantea Laboratory of Reproductive Technologies | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) | Kyushu University| Kenya Wildlife Service | Ol Pejeta Conservancy | Safaripark Dvůr Králové