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bilden / 24.07.2026
Schule fürs Leben

In der mobilen Bauwerkstatt der Hufeland_Schule bauen Schüler:innen Möbel für den Aussenbereich. In der Bildmitte: Dr. Mehrländer (Foto: Florian Göricke / Hufeland-Schule)
In der mobilen Bauwerkstatt der Hufeland_Schule bauen Schüler:innen Möbel für den Aussenbereich. In der Bildmitte: Dr. Mehrländer (Foto: Florian Göricke / Hufeland-Schule)

Frau Dr. Mehrländer, was hat Sie an Ihrer neuen Aufgabe gereizt, die Hufeland-Schule zu leiten?

Pankow ist der wachsende Berliner Bezirk, der in den nächsten zehn Jahren die meiste demographische Veränderung erfahren wird. Und gerade hier in Buch werden viele Leute eine neue Heimat finden. Die Hufeland-Schule würde gerne im Ort wachsen.
Neben dem Wachstum nach außen sehe ich großes Potenzial darin, den Ganztagsbetrieb unserer Schule noch besser auszugestalten. Wir wollen noch mehr Angebote entwickeln, Lernen und Entspannung in der Stundentafel besser verknüpfen und einen qualitativ ansprechenden Zeitraum an betreutem Erwachsenwerden gewährleisten. Welche Schulform im wachsenden Ortsteil künftig gefordert ist, lässt sich jetzt noch nicht abschätzen. Daher möchte ich die Hufeland-Schule in der jetzigen Form attraktiv aufstellen, als Mittelschule bis Klasse 10. Dank unserer Verträge mit Oberstufenzentren können alle Kinder mit geeignetem Mittleren Schulabschluss, MSA,zum Abitur dorthin wechseln.

Wie viele Jugendliche erreichen diesen geeigneten MSA?

Es sind knapp über 50 Prozent. Allerdings gehen die meisten nicht in die höhere Bildung. Im Vordergrund stehen Ausbildung, Jobs und Geld-Verdienen. Die Gründe, warum das Abitur selten angestrebt wird, kann ich noch nicht richtig einschätzen. Der Übergang in die Berufswelt ist in unserer Schule schon gut angelegt: Es kommt zweimal pro Woche eine Mitarbeiterin von der Jugendberufsagentur ins Haus, und zusätzlich haben wir jemanden, der täglich für alle Fragen von Bewerbungen, Praktika und beruflichen Perspektiven zur Verfügung steht. Künftig werden wir an unserer
Schule eine Jobmesse etablieren. Dabei wird es darum gehen, dass sich die Schüler:innen über Berufe informieren, Kontakt für Praktika knüpfen und Alumni von ihren Erfahrungen berichten. Wir wollen lokale Firmen einbinden, die Auszubildende suchen und hier erste Gespräche anbahnen können. Mein Ziel wäre, dass pro Jahr etwa 20 Absolvent:innen unserer Schule in der Region unterkommen. Wir planen, dafür eine Datenbank aufzubauen, aus der ersichtlich ist, welche Betriebe ausbilden und Nachwuchs suchen. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass die Betriebe uns auch ein Feedback über unsere Schüler:innen als Azubis geben, aus dem wir lernen können.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung in Ihrem Schulkonzept?

Wir sind sehr gut für digitale Bildung ausgestattet, worüber wir uns freuen. Aber die beste Software kann keinen Lehrer ersetzen. Mein Credo ist, dass wir es an dieser Schule schaffen, eine fundierte analoge Bildung für den reflektierten und konstruktiven Umgang mit der digitalen Welt zu vermitteln. Es geht vor allem um Basiskompetenzen und Sekundärtugenden für das zukünftige Leben unserer Schülerschaft.

Welche Initiativen planen Sie, um die Hufeland-Schule noch attraktiver werden zu lassen?

Um eine exzellente Mittelschule zu entwickeln, plane ich Erasmus-Projekte ab Klasse 7 mit jahrgangsspezifischen Partnern im Ausland. Neue Perspektiven zu gewinnen und über den Tellerrand zu blicken, ist ein großer Ansporn, sich zu entwickeln. Zudem werden wir dauerhaft Schülerfirmen etablieren und unsere Jugendlichen ermutigen, mit Unterstützung der Lehrkräfte solche zu gründen. Wir übertragen den Schüler:innen im Rahmen des „Hufeländer-Projektes“ auch mehr Eigenverantwortung für das Gelände und den Schulgarten, um das Gemeinschaftsgefühl und Verantwortungsbewusstsein zu stärken. Dass unser Schüler-Parlament vom Land Berlin in 2026 mit einem eigenen Haushalt ausgestattet wurde, ist hier schon ein starker Beginn. Insgesamt wünsche ich mir, dass Absolvent:innen von der Hufeland-Schule bei den örtlichen Betrieben künftig einen
sehr guten Ruf haben.

Welche Unterstützung wünschen Sie sich von den regionalen Akteuren aus Wirtschaft, Forschung und von der Politik?

Hier vor Ort wünsche ich mir, dass die Betriebe und Einrichtungen auf uns zukommen und ihren Bedarf mitteilen. Für uns ist wichtig zu wissen, in welchen Berufen sie Nachwuchs benötigen. Von der Politik wünsche ich mir, dass die Lehrerausbildung verstärkt vorangetrieben wird und Stellenbesetzung auch am Stadtrand verlässlich funktioniert. Ein Weg wäre aus meiner Sicht, die Verbeamtung in Berlin mit einer Stellenzuweisung zu verbinden. Außerdem appelliere ich an die Politik, die verkehrliche Anbindung von Buch zu verbessern. Erst kürzlich hat eine Referendarin aus Adlershof, die Mathe und Physik unterrichtet hätte, wegen der zahlreichen Störungen bei der S-Bahn ihre Bewerbung zurückgezogen. Nicht wenige Lehrer:innen und Schüler:innen kommen mit der S-Bahn und Bussen zur Schule, auf deren Pünktlichkeit muss Verlass sein.

Interview: Dr. Ulrich Scheller / Campus Berlin-Buch GmbH
 

Das Interview erschien zuerst im Standortjournal buchinside 2/2026

Quelle: Campus Berlin-Buch GmbH

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