News 2020

heilen / 30.12.2020
Gute Nachricht zum Jahresende: Start der ersten Schutzimpfungen im Bucher Klinikum

Start der Corona-Schutzimpfungen im Helios Klinikum Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer/Helios Klinikum Berlin-Buch)
Start der Corona-Schutzimpfungen im Helios Klinikum Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer/Helios Klinikum Berlin-Buch)

Die ersten Dosen des Corona-Impfstoffes des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer sind über das senatseigene Verteilzentrum heute Vormittag im Helios Klinikum Berlin-Buch eingetroffen. Der Impfstoff wurde durch geschultes Fachpersonal der Krankenhausapotheke vor Ort aufbereitet und eigenes medizinisches Fachpersonal verimpft.

Heute war der langersehnte Start der Corona-Schutzimpfungen im Helios Klinikum Berlin-Buch. Eine Thermobox mit den Impfdosen ist mit hohen Sicherheitsstandards über das senatseigene Verteilzentrum vormittags ins Helios Klinikum Berlin-Buch geliefert worden. Somit konnten wenig später 192 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die erste von zwei zur Immunisierung notwendigen Impfungen erhalten. Die Impfung erfolgte durch eigenes medizinisches Fachpersonal.

Prof. Dr. med. Henning T. Baberg ließ es sich als Ärztlicher Direktor im Bucher Klinikum nicht nehmen, Susanne Richter, pflegerische Abteilungsleitung im Notfallzentrum, als erste im Haus selbst zu impfen.

Aufgrund begrenzter Impfstoffverfügbarkeit ist nach Maßgabe der durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) erlassenen Coronavirus-Impfverordnung (CoronaImpfV) sowie der Empfehlung der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) eine Priorisierung bestimmter Personengruppen bei der Impfung vorgesehen, die auch das Helios Klinikum Berlin-Buch beachtet. Prof. Dr. Henning. T. Baberg sagt: „Über diesen ersten Impftag bei uns im Hause habe ich mich sehr gefreut. Wir orientieren uns bei der Reihenfolge der Impfungen an die jeweils geltenden Verordnungen. Die ersten Impfkandidaten waren heute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Teams des Notfallzentrums und der Intensivstation.“ 

Im neuen Jahr werden über den Berliner Senat weitere Impfdosen erwartet. Dann geht es vorwärts mit den Schutzimpfungen für Pflegeteams und medizinisches Personal. Eine große Bereitschaft, dabei zu sein, ist beim Team im Helios Klinikum Berlin-Buch jetzt schon spürbar.

www.helios-gesundheit.de

heilen / 30.12.2020
Unser Weihnachtsbaby heißt Marten

Weihnachtsbaby Marten im Arm seiner Mama Carola Kopistecki. Auf der Wöchnerinnenstation im Helios Klinikum Berlin-Buch steht ihnen Sabrina Ludwig, Gesundheits- und Krankenpflegerin, zur Seite. (Foto: Helios/Thomas Oberländer)
Weihnachtsbaby Marten im Arm seiner Mama Carola Kopistecki. Auf der Wöchnerinnenstation im Helios Klinikum Berlin-Buch steht ihnen Sabrina Ludwig, Gesundheits- und Krankenpflegerin, zur Seite. (Foto: Helios/Thomas Oberländer)

Am 24. Dezember um 6:17 Uhr erblickte der kleine Marten im Helios Klinikum Berlin-Buch das Licht der Welt. Mit 4.200 Gramm und 55 Zentimetern erfreut sich das Weihnachtsbaby bester Gesundheit. Voller Stolz sind Mama Carola Kopistecki und Papa Nikola über ihr erstes Kind.

„Unser Geburtenzentrum heißt den kleinen Jungen herzlich willkommen“, sagt Ute Folgert, die betreuende Hebamme aus dem Geburtenzentrum im Helios Klinikum Berlin-Buch.

„Um die werdenden Eltern bestmöglich über die Geburtsmöglichkeiten in unserem Klinikum und über aktuelle Maßnahmen und Regeln in unserer Geburtshilfe zu informieren, bieten wir regelmäßig Kreißsaal Live-Chats an. Jeden ersten und dritten Dienstag im Monat um 17:30 Uhr sind wir live auf Facebook und Instagram. Es ist einfach toll zu sehen, dass wir mit diesem Online-Format ein Gefühl der Zuversicht weitergeben und Fragen beantworten können“, berichtet Yvonne Schildai, leitende Hebamme im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Das Helios Klinikum Berlin-Buch gehört zu den größten und modernsten Geburtenzentren Deutschlands. Im Schnitt werden hier 250 Babys pro Monat geboren. Schon über 3.000 Geburten gab es 2020 im Helios Klinikum Berlin-Buch – einem der größten Geburtenzentren Berlins. Die hohen Geburtenzahlen am Bucher Standort zeigen, welchen guten Ruf das Team vom Geburtenzentrum in der Region besitzt.

Das bestätigt auch Carola Kopistecki und sagt: „Freunde und Kolleginnen haben mir nur Gutes über das Geburtenzentrum hier in Berlin-Buch berichtet. Deshalb war für mich klar, dass unser Kind hier zur Welt kommt.“ Auch sie selbst hat die Livechats auf Instagram verfolgt. „Eine zusätzliche Frage hatte ich nicht, denn es wird alles rund ums Thema Geburt bei Helios prima dargestellt. Es lohnt sich auch, ältere Livechats anzuschauen.“ Nun freut sie sich gemeinsam mit ihrem Mann auf das Zuhause in Hohen-Neuendorf, wo schon alles für den kleinen Marten und das Weihnachtsfest vorbereitet ist.

www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch/

forschen, heilen / 30.12.2020
Integration des BIH in die Charité und Privilegierte Partnerschaft mit dem MDC

kleyer.koblitz.letzel.freivogel.architekten. Gesellschaft von Architekten mbH. Berlin
kleyer.koblitz.letzel.freivogel.architekten. Gesellschaft von Architekten mbH. Berlin

Gemeinsame PRESSEMITTEILUNG von Berlin Institute of Health (BIH) und Charité – Universitätsmedizin Berlin

Zum 1. Januar 2021 wird das Berlin Institute of Health (BIH) zum Translationsforschungsbereich der Charité – Universitätsmedizin Berlin und bildet neben Klinikum und Medizinischer Fakultät deren dritte Säule. Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wird Privilegierter Partner des BIH. Damit vollziehen die drei Einrichtungen den letzten Schritt in der Umsetzung der Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Land Berlin, die die Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und der Regierende Bürgermeister und Wissenschaftssenator von Berlin Michael Müller bereits im Juli 2019 unterzeichnet hatten. Der Bund engagiert sich über diese wissenschaftspolitisch neuartige Initiative erstmals strukturell in einer Einrichtung der Universitätsmedizin und erhält einen Sitz im Aufsichtsrat der Charité.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek erklärt: „Zum Jahreswechsel wird die Integration des BIH in die Charité nun endlich Wirklichkeit. Wir setzen große Hoffnung auf diese neue Struktur, die Forschung und Klinik eng miteinander verzahnt. Ich danke allen Beteiligten für ihr Engagement bei der Umsetzung während der vergangenen Monate. Wir sind alle sehr gespannt auf die Forschungsaktivitäten. Ich wünsche dem BIH mit der Charité und dem Max-Delbrück-Centrum viel Erfolg für die gemeinsame Zusammenarbeit. Ich bin davon überzeugt, dass dieses Bündnis national und international eine Strahlkraft für die translationale biomedizinische Forschung entwickeln wird.“

Der Regierende Bürgermeister und Wissenschaftssenator von Berlin Michael Müller sagt: „Die Integration des BIH in die Charité ist ein großer Gewinn für die medizinische Forschung, für den Gesundheitsstandort Berlin, und vor allem für die Patientinnen und Patienten in ganz Deutschland. Der Weg dahin war nicht immer einfach, aber das Ziel immer richtig. Deswegen möchte ich allen herzlich danken, die diesen Prozess in den vergangenen Monaten zum erfolgreichen Abschluss gebracht haben. Dass der Bund sich so stark in einer Landeseinrichtung dauerhaft engagiert und wir gemeinsam an einem Strang ziehen, ist keine Selbstverständlichkeit und ein Vertrauensbeweis für die herausragende Arbeit, die an der Charité, dem BIH und MDC geleistet wird.“

Professor Christopher Baum wird das BIH zukünftig als Vorstand des Translationsforschungsbereichs im Vorstand der Charité vertreten. Er begrüßt die Integration, denn er ist davon überzeugt, dass die translationale Medizin vom engen Austausch zwischen Krankenversorgung und Forschung lebt. „Wir gehören zusammen und bewahren zugleich unsere besondere Identität und Bestimmung. Gemeinsam handeln wir für die Patientinnen und Patienten, die neue medizinische Ansätze dringend benötigen. Beide Perspektiven, die der aktuellen Versorgungsrealität und die der Medizin der Zukunft, stimulieren unsere wissenschaftliche Arbeiten.“

Professor Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, heißt das BIH als dritte Säule für translationale Forschung in der Charité willkommen: „Ich freue mich darauf, gemeinsam mit dem BIH die Translation von Forschungsergebnissen in die klinische Anwendung bei unseren Patientinnen und Patienten weiter voranzubringen und die nun möglichen Synergien zwischen Charité und BIH gewinnbringend zu nutzen. Aber nicht nur für uns ist die Integration von großer Bedeutung. Vielmehr kann diese als Blaupause für die zukünftige Kooperation von Bund und Ländern in der Forschungsförderung dienen. Ein besonderer Dank gilt Axel Pries, der dieses Projekt in den vergangenen Jahren maßgeblich und mit viel Engagement vorangebracht hat.“

Professor Axel Radlach Pries, Dekan der Charité, hatte das Amt des Vorstandsvorsitzenden des BIH bis Anfang Oktober 2020 zwei Jahre lang kommissarisch inne. Er blickt mit Freude auf die zurückliegende Zeit und mit vielen Erwartungen auf die kommende Phase: „Die Integration des BIH in die Charité mit der Privilegierten Partnerschaft des MDC hat umfangreiche Abstimmungen zwischen unseren Einrichtungen erfordert. Jetzt kann die Umsetzung der Verwaltungsvereinbarung wie geplant vollzogen werden. Parallel hat das BIH neue Strukturen aufgebaut, sich wissenschaftlich sehr dynamisch entwickelt und erfolgreich herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach Berlin geholt. Ich habe deshalb keinen Zweifel am zukünftigen Erfolg des BIH als dritter Säule der Charité.“

Die zweite Gründungsinstitution des BIH, das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), wird ab 2021 Privilegierter Partner des BIH. Professor Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand des MDC (komm.), sagt: „Ich freue mich sehr auf die enge Zusammenarbeit. Das BIH als Brücke zwischen Grundlagenforschung und Klinik ist für uns der ideale Partner in Berlin. Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bringen ihre Innovationskraft in der vaskulären Biomedizin, in der Einzelzellanalyse und bei den Technologieplattformen ein. MDC, BIH und Charité werden die Idee eines gemeinsamen Forschungsraumes für die Translation zum Wohl der Patientinnen und Patienten voranbringen. Unsere enge Verbindung bedeutet einen Schub für den Gesundheitsstandort Berlin.“

Aus Forschung wird Gesundheit

Das 2013 gegründete BIH hat die Mission, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in die Anwendung am Krankenbett zu übertragen und umgekehrt Beobachtungen aus dem Klinikalltag in Forschungsideen zu verwandeln. Dazu war die enge Zusammenarbeit zwischen BIH, Charité und MDC auch in der Vergangenheit schon unerlässlich. Beispielsweise betreiben Charité und BIH gemeinsam das Clinical Study Center (CSC), um die Qualität aller klinischen Studien maßgeblich zu verbessern, und haben zusammen mit anderen Partnern das BIH Charité Clinician Scientist Program aufgelegt, um eine neue Generation translational geschulter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auszubilden. Auch der Technologietransfer BIH Innovations wird gemeinsam unterhalten. In der Corona-Pandemie haben BIH-Forscher*innen gemeinsam mit Wissenschaftler*innen und Ärzt*innen der Charité wertvolle Ergebnisse zum SARS-CoV-2-Virus und zur COVID-19-Erkrankung erzielt und hochrangig veröffentlicht.

„Die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Charité und BIH sowie auch dem MDC ist nicht nur erprobt, sondern funktioniert auch exzellent“, sagt Prof. Kroemer. „Der erfolgreiche Antrag unserer drei Häuser für einen Standort des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen in Berlin ist Ausdruck dessen. Jetzt geht es darum, die Rahmenbedingungen noch weiter zu optimieren, um beste Voraussetzungen für die translationale Forschung zu schaffen.“

Bundesweit die Translation fördern

Mit der Integration in die Charité verbindet der Bund den Auftrag an das BIH, auch bundesweit erfolgversprechende Translationsprojekte zu unterstützen. „Diesen Auftrag nehmen wir gerne an“, sagt Christopher Baum. „Hier sehe ich insbesondere unseren Beitrag bei den seltenen und komplexen Erkrankungen, für die wir die Möglichkeiten der Universitätsmedizin gezielt erweitern wollen.“ Außerdem will Baum die Translation zu einer exakten Wissenschaft weiterentwickeln, deren Erfolge quantitativ, reproduzierbar und objektiv messbar sind. „Das wird notwendig sein, um diejenigen Projekte zu identifizieren, die am vielversprechendsten sind, und die jeweils bestmöglichen nächsten Schritte einzuleiten.“ Das BIH Quest Center hat hier bereits entscheidende Vorarbeiten geleistet, um die Qualität der Biomedizinischen Forschung zu erhöhen.

Single Cells, Blutgefäße und Regenerative Medizin

Das BIH hat gemeinsam mit Charité und MDC drei Fokusbereiche ins Leben gerufen, in denen sich exzellente Forschungsansätze mit klinischer Expertise verbinden. Im Bereich Single Cell Technologien für die Personalisierte Medizin sollen innovative Einzelzelltechnologien für klinische Fragestellungen genutzt werden. Im Fokusbereich Translationale Vaskuläre Biomedizin geht es um die kleinsten Blutgefäße, deren Fehlfunktion für viele Volkskrankheiten verantwortlich ist. Mit der vollständigen Übernahme des BCRT, des BIH-Centrums für Regenerative Medizin, ab 2021 sowie der Kooperation mit dem Deutschen Stammzellnetzwerk GSCN wird das BIH insbesondere auf dem Gebiet der Stammzellforschung und der ATMPs, innovativer Medikamente und Medizinprodukte, forschen und erzielte Ergebnisse in die Anwendung überführen.

Mehrere Standorte für das BIH

Mit der Integration des BIH in die Charité wird sich die Anzahl der wissenschaftlichen Gruppen, die zum BIH gehören, von derzeit 43 auf 58 erhöhen, bis Ende 2021 sollen es 71 Gruppen werden. Die dann rund 400 Mitarbeiter*innen des BIH werden sich auf mehrere Standorte verteilen: Ab März sollen die Gruppen, die sich mit der Vaskulären Biomedizin beschäftigen, ins Käthe-Beutler-Haus in Berlin-Buch einziehen, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Privilegierten Partner MDC. Im dem nach einer jüdischen Kinderärztin und Forscherin benannten Gebäude arbeiten BIH- und MDC-Gruppen gemeinsam unter einem Dach. Im Ambulanz-, Translations- und Innovationszentrum ATIZ in Berlin-Mitte, das im Juli 2020 Richtfest feierte und Anfang 2022 fertig gestellt werden soll, werden die Gruppen zur Digitalen Medizin, etwa das BIH-Digital Health Center, und weitere Forschungsteams mit Expertinnen und Experten der Charité zusammenarbeiten und das gemeinsame Clinical Study Center untergebracht sein. Ebenfalls in Berlin-Mitte, im Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC, ist der Fokusbereich Single Cells angesiedelt. Die wissenschaftlichen Gruppen in der Regenerativen Medizin werden vorrangig am Charité Campus Virchow-Klinikum in Berlin-Wedding in den Räumen des BCRT forschen. Der Digital Health Accelerator des BIH wird zu Beginn des Jahres 2021 neue Büros am Zirkus in Berlin-Mitte beziehen.

Hintergrundinformationen:

Ein Foto sowie eine Pressemitteilung zur Unterzeichnung der Verwaltungsvereinbarung im Juli 2019 finden Sie hier: https://www.bihealth.org/de/aktuell/pressemitteilung-ein-neues-kapitel-fuer-das-berlin-institute-of-health

Informationen zum Käthe-Beutler-Haus in Berlin-Buch finden Sie hier:

https://www.bihealth.org/de/ueber-uns/campus-standorte/standortentwicklung/kaethe-beutler-haus

Informationen zu Käthe Beutler finden Sie hier:
https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/kaethe-beutler-tu-etwas
Informationen zum ATIZ-Gebäude sowie einen Kurzfilm anlässlich des Richtfestes sehen Sie hier: https://www.bihealth.org/de/ueber-uns/campus-standorte/standortentwicklung/atiz
Über seine konkreten Pläne in Berlin äußert sich Christopher Baum im BIH-Podcast: https://www.bihealth.org/de/aktuelles/mediathek/bih-podcast/bih-podcast-folge-25
Über die Integration des BIH in die Charité äußert sich Christopher Baum ebenfalls im BIH-Podcast: https://www.bihealth.org/de/aktuelles/mediathek/bih-podcast/bih-podcast-folge-27
Die Webseite des BIH-Center für Regenerative Therapien finden Sie hier: https://www.bihealth.org/de/regeneration
Die Webseite des Deutschen Stammzellnetzwerks GSCN finden Sie hier: https://gscn.org/

Über das Berlin Institute of Health (BIH):

Die Mission des Berlin Institute of Health (BIH) ist die medizinische Translation: Erkenntnisse aus der biomedizinischen Forschung werden in neue Ansätze zur personalisierten Vorhersage, Prävention, Diagnostik und Therapie übertragen, umgekehrt führen Beobachtungen im klinischen Alltag zu neuen Forschungsideen. Ziel ist es, einen relevanten medizinischen Nutzen für Patient*innen und Bürger*innen zu erreichen. Dazu etabliert das BIH ein umfassendes translationales Ökosystem, setzt auf ein organübergreifendes Verständnis von Gesundheit und Krankheit und fördert einen translationalen Kulturwandel in der biomedizinischen Forschung. Das BIH wurde 2013 gegründet und wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sind im BIH eigenständige Gliedkörperschaften.
www.bihealth.org

Über die Charité – Universitätsmedizin Berlin
Die Charité – Universitätsmedizin Berlin ist mit rund 100 Kliniken und Instituten an 4 Campi sowie 3.001 Betten eine der größten Universitätskliniken Europas. Forschung, Lehre und Krankenversorgung sind hier eng miteinander vernetzt. Mit Charité-weit durchschnittlich rund 15.500 und konzernweit 18.700 Beschäftigten aus über 100 Nationen gehört die Berliner Universitätsmedizin zu den größten Arbeitgeberinnen der Hauptstadt. Dabei waren 4.553 der Beschäftigten im Pflegebereich und 4.454 im wissenschaftlichen und ärztlichen Bereich tätig. An der Charité wurden im vergangenen Jahr 154.261 voll- und teilstationäre Fälle sowie 700.819 ambulante Fälle behandelt. Im Jahr 2019 hat die Charité Gesamteinnahmen von rund 2,0 Milliarden Euro, inklusive Drittmitteleinnahmen und Investitionszuschüssen erzielt. Mit den 179,1 Millionen Euro eingeworbenen Drittmitteln erreichte die Charité einen erneuten Rekord. An der medizinischen Fakultät, die zu den größten in Deutschland gehört, werden mehr als 8.000 Studierende in Humanmedizin, Zahnmedizin sowie Gesundheitswissenschaften ausgebildet. Darüber hinaus gibt es 644 Ausbildungsplätze in 9 Gesundheitsberufen.
www.charite.de

www.bihealth.org

forschen / 21.12.2020
Die Achillesferse der Tumorstammzellen

Expandierende Krebsstammzellen (grün) in einem Darmtumor mit onkogen aktiviertem Wnt/beta-Catenin Signalweg (rot). (Bild: AG W. Birchmeier, MDC)
Expandierende Krebsstammzellen (grün) in einem Darmtumor mit onkogen aktiviertem Wnt/beta-Catenin Signalweg (rot). (Bild: AG W. Birchmeier, MDC)

Darmkrebsstammzellen haben einen wunden Punkt: das Enzym Mll1. Wird es blockiert, entstehen keine neuen Tumore im Körper. Dies hat nun ein MDC-Team um Walter Birchmeier in Nature Communications gezeigt.

Seitdem in Deutschland die Darmspiegelung zur Krebsfrüherkennung eingeführt wurde, sank die Zahl der jährlichen Krebsdiagnosen im fortgeschrittenen Stadium. Denn Krebsvorstufen können nun erkannt und im Rahmen der Untersuchung gleich entfernt werden. Die Sterblichkeit an Dickdarmkrebs ging dadurch zurück – bei Frauen um 26, bei Männern um 21 Prozent. Darmkrebs liegt dennoch auf Platz 4 der häufigsten Krebstodesursachen der westlichen Welt. Gleich hinter Lungen-, Prostata- und Brustkrebs. Das liegt daran, dass die langsam wachsenden Tumore sich erst im Spätstadium bemerkbar machen und deshalb häufig noch zu spät diagnostiziert werden. Die Überlebensrate bei fortgeschrittenem Darmkrebs liegt bei nur fünf Prozent.

„Die Therapiechancen sind sehr gering – auch weil selbst nach erfolgreicher Chemotherapie der Krebs wiederkommt“, sagt Johanna Grinat, Erstautorin der Studie und Doktorandin aus der Arbeitsgruppe „Signalvermittlung in Entwicklung und Krebsentstehung“. „Dann ist er häufig aggressiver als der ursprüngliche Tumor, wofür die Tumorstammzellen verantwortlich gemacht werden. Und diese haben wir uns genauer angesehen.“

Molekularer Schalter in Tumorstammzellen gefunden

Die Forschenden um Professor Walter Birchmeier haben mit Mll1 ein Protein identifiziert, das in der Maus und in menschlichen Darmkrebszellen Stammzellgene reguliert. In Mäusen haben sie genetisch die Bildung von Darmtumoren ausgelöst. Fehlt den Mäusen jedoch das Gen für Mll1, lassen sich keine Tumore induzieren. Und das scheint auch beim Menschen so zu sein: Humane Darmkrebszellkulturen, die das Team mit Tumorstammzellen angereichert hat, verloren einige Stammzelleigenschaften und verhielten sich weniger aggressiv, wenn Mll1 blockiert wurde. Zusammen mit Professor Eduard Batlle und Bioinformatikern am IRB in Barcelona zeigte die MDC-Gruppe anhand klinischer Daten, dass Darmkrebspatient*innen, deren Tumore eine große Menge des Proteins aufweisen eine schlechtere Prognose haben, als Patient*innen mit Tumoren und wenig Mll1.

Mll1 ist ein Enzym, das an der DNA sitzt und die Expression bestimmter Gene kontrolliert, epigenetisch, wie die Forschenden sagen. „Dies tut es insbesondere in den Tumor-Stammzellen, in denen der Wnt-Signalweg stark aktiviert ist. Was bedeutet, dass wir durch seine Deaktivierung spezifisch Tumorstammzellen behandeln können“, erklärt Grinat.

Der Wnt-Signalweg reguliert die Selbsterneuerung und Zellteilung von Stammzellen. Treten Mutationen auf, die zu einer aktiveren Wnt-Signalkaskade führen, werden die betroffenen Stammzellen widerstandsfähiger als gesunde Stammzellen. Sie vermehren sich unkontrolliert und bilden Tumore. Eine Chemotherapie bremst zwar ihre Zellteilung, kann aber auch den Selektionsdruck auf Tumorstammzellen erhöhen: „Sie werden therapieresistent und bilden erneut Tumore, die nun aufgrund der Mutation stärker wachsen und deshalb so aggressiv sind“, sagt Dr. Julian Heuberger. Die Regulationsmechanismen speziell von Tumorstammzellen zu verstehen, sei deshalb so wichtig. Der Postdoktorand ist ebenfalls Erstautor sowie Leiter der Studie und arbeitet jetzt an der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt für Hepatologie und Gastroenterologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin. „Mit Mll1 haben wir einen molekularen Schalter gefunden, der insbesondere die Selbsterneuerung und Teilung von Tumorstammzellen der Darmkarzinome kontrolliert.“

Hoffnung auf effektivere Therapien

Der genetische Knockout eines Gens wie bei der Maus ist im Menschen nicht möglich. In Mäusen kann man die Bildung von Tumorstammzellen über die Zeit verfolgen und es stehen immer genügend Stammzellen für Experimente zur Verfügung. Aber man könnte MII1 mit einem chemischen Medikament blockieren. Für Forschungszwecke wurden bereits entsprechende kleine Moleküle entwickelt, zum Beispiel die Inhibitoren MI-2 und MM-401. Sie binden an essentielle Partnermoleküle von Mll1 und inaktivieren dadurch seine Funktion. „Auf Grundlage der Wirkweise dieser Moleküle wird es möglich sein, diese und klinisch noch wirksamere Mll1-Inhibitoren zu entwickeln und zu testen“, sagt Birchmeier, der Letztautor der Studie ist.

Gesunde Stammzellen im Darm werden dabei offenbar nicht blockiert. „Wir konnten an einem anderen System, an Speicheldrüsenkrebszellen der Maus zeigen, dass Mll1 ausschließlich bei Tumor- und nicht bei gesunden Stammzellen wirksam ist,“ sagt Birchmeier. Das mache auch Hoffnung für die Therapie weiterer Krebsarten. Denn auch Kopf-Hals-Tumoren hätten die gleiche Achillesferse, wie Tiermodelle zeigten. „Auf Basis unserer Studien an der Maus laufen an der Uni-Klinik Düsseldorf klinische Studien, um Mll1-Inhibitoren für die Therapie von Kopf-Hals-Tumoren zu bewerten.“

Sollten sie erfolgreich sein, könnten Patient*innen mit Darmkrebs zusätzlich zur Chemotherapie mit Mll1-Inhibitoren behandelt werden, also Therapien, die spezifisch Tumorstammzellen behindern. Dadurch steigen die Chancen auf eine erfolgreiche Therapie – selbst bei fortgeschrittenem Darmkrebs.

Weiterführende Informationen

Literatur

Johanna Grinat, Julian Heuberger, Walter Birchmeier et al. (2020): „The epigenetic regulator Mll1 is required for Wnt-driven intestinal tumorigenesis and cancer stemness“. Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-020-20222-z

www.mdc-berlin.de

forschen, produzieren, heilen, bilden / 21.12.2020
Campus Buch fördert „Jugend forscht“-Talente

Bundesweiter Wettbewerb 2021
Bundesweiter Wettbewerb 2021

Drei Einrichtungen des Campus Berlin-Buch unterstützen den 56. Regional-Wettbewerb „Jugend forscht“ erstmals als Paten

Gerade in so außergewöhnlichen Zeiten wie dieser Pandemie gilt es, junge Talente in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) mit Wettbewerben zu fördern. Der bundesweite Nachwuchswettbewerb „Jugend forscht“ startet daher im Februar 2021 auf Regionalebene in digitaler Form.

Erstmals ist der Campus Buch einer der drei Standorte in Berlin. Als Paten richten den Wettbewerb aus: das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), die Campus Berlin-Buch GmbH und – assoziiert – das Experimental and Clinical Research Center (ECRC) von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen in Schule sowie Freizeit haben sich fast 9 000 Kinder und Jugendliche mit einer Projektidee angemeldet. Unter dem Motto „Lass Zukunft da“ werden sie 2021 ihre Forschungsarbeiten auf bundesweit über 120 Wettbewerben präsentieren.

Insgesamt 64 Projekte von Schülerinnen und Schülern zwischen 10 und 21 Jahren wurden dem Campus Buch zugewiesen. Aufgabe der Pateninstitutionen ist es, ein Programm für den Regionalwettbewerb auszurichten – von der Einführungsveranstaltung über die Gestaltung der Präsentationen und deren Bewertung durch die Jury bis hin zur Siegerehrung.

„Wir freuen uns, als Wissenschafts- und Biotech-Campus „Jugend forscht“ unterstützen zu können“, sagt Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der Campus Berlin-Buch GmbH. „Nachwuchsförderung in den naturwissenschaftlich-technischen Bereichen ist eine unserer wichtigen Aufgaben, die wir unter anderem mit dem Schülerlabor „Gläsernes Labor“ intensiv verfolgen.“

Über den Wettbewerb
„Jugend forscht“ ist der größte und bekannteste naturwissenschaftlich-technische Nachwuchswettbewerb Deutschlands. Er ist eine gemeinsame Initiative von Bundesregierung, der Zeitschrift „stern“, Wirtschaft, Wissenschaft und Schulen. Ziel ist es, besondere Leistungen und Begabungen von Jugendlichen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) zu fördern. In sieben Fachgebieten treten jährlich junge Forscherinnen und Forscher an. Ab Klasse 4 können talentierte Kinder in der Juniorensparte „Schüler experimentieren“ teilnehmen. Jugendliche ab 15 Jahren starten in der Sparte „Jugend forscht“. Veranstaltet wird der Wettbewerb von der Stiftung Jugend forscht e.V.
www.jugend-forscht.de

Über den Campus Berlin-Buch
Der Campus Berlin-Buch ist ein moderner Wissenschafts-, Gesundheits- und Biotechnologiepark. Alleinstellungsmerkmale sind der klare inhaltliche Fokus auf Biomedizin und das enge räumliche und inhaltliche Zusammenwirken von Forschungsinstituten, Kliniken und Biotechnologie-Unternehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erforschung molekularer Ursachen von Krebs,- Herzkreislauf- und neurodegenerativen Erkrankungen, eine interdisziplinär angelegte Grundlagenforschung zur Entwicklung neuer Therapien und Diagnoseverfahren, eine patientenorientierte Forschung und die unternehmerische Umsetzung biomedizinischer Erkenntnisse.

Dank exzellenter Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen im BiotechPark hat der Campus ein herausragendes Innovations- und Wachstumspotenzial. Dazu gehören als Einrichtungen der Grundlagenforschung das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), das gemeinsam von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin betriebene und auf klinische Forschung spezialisierte Experimental and Clinical Research Center (ECRC) sowie das Berlin Institute of Health (BIH). Der BiotechPark Berlin-Buch gehört mit 61 Unternehmen, 800 Beschäftigten und rund 31.000 Quadratmetern Büro- und Laborfläche zu den führenden Technologieparks in Deutschland. Seit 1992 sind über 600 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln durch die EU, den Bund und das Land Berlin in den Campus Berlin-Buch investiert worden, um diese Synergien zu unterstützen.
www.campusberlinbuch.de

leben / 18.12.2020
Erfolgreiche Wunschbaumaktion 2020

Foto: Bezirksamt Pankow
Foto: Bezirksamt Pankow

Bezirksbürgermeister Sören Benn bedankt sich bei allen Beteiligten

Die Wunschbaumaktion im Rathaus Pankow war trotz der erschwerten Bedingungen ein voller Erfolg. Bezirksbürgermeister Sören Benn: "Ich möchte mich – auch im Namen meines Teams – bei allen Beteiligten für die überwältigende Teilnahme an unserer Wunschbaumaktion für die Björn-Schulz-Stiftung bedanken. An unserem Baum im Rathaus sammeln wir jedes Jahr Weihnachtswünsche von kranken Kindern und ihren Geschwistern.

In diesem Jahr haben wir den Wunschbaum mit 130 Sternen geschmückt, die innerhalb einer rekordverdächtig kurzen Zeit gepflückt wurden. Da nicht jeder einen Stern ergattern konnte, wurden Gutscheine im Wert von 500 Euro für Kinobesuche, zum Shoppen etc. zu uns gebracht, auf die die Björn-Schulz-Stiftung nun bei Bedarf immer zurückgreifen kann. Denn nicht nur an Weihnachten brauchen die kleinen und großen Patienten und deren Angehörigen ab und zu eine kleine Auszeit oder haben einen kleinen Wunsch, der mit dieser Hilfe nun leichter erfüllt werden kann.

Auf Grund der Corona-Pandemie musste die Stiftung in diesem Jahr auf einige Spenden verzichten, die sonst durch Unternehmen geleistet wurden. Dadurch entstand bei vielen Wünschen und Projekten eine Finanzierungslücke. Ich freue mich daher umso mehr, dass wir auch hier behilflich sein konnten.

Die Beschäftigten des Bezirksamtes Pankow haben in diesem Jahr keine oder nur wenig Sterne gepflückt und stattdessen einen Betrag von 1.270 Euro gesammelt. Zusammen mit der großzügigen Spende der Eltern und des Personals der Kita Sternenburg aus Wilhelmsruh in Höhe von 495 Euro kann die Stiftung hiermit nun Projekte wie die Klangschalentherapie oder die Survivor-Gruppe finanzieren. Das Angebot dieser Gruppe besteht in der Unterstützung, Nachsorge, Betreuung und Begleitung von jungen Menschen, die in Kindertagen eine lebensbedrohliche Erkrankung durchlitten haben und jetzt mit den physischen und psychischen Spätfolgen der Therapien umgehen lernen müssen. Neben den regelmäßigen Treffen mit unterschiedlichen Inhalten und Freizeitaktivitäten gehört eine jährliche mehrtägige Fahrt zum Programm. Bei allen Aktivitäten ist es ein Grundsatzgebot, dass immer auch der wichtige Raum für Gespräche untereinander bleibt! So besteht die Möglichkeit, über Erfahrungen und Ängste in Verbindung mit ihrer überstandenen Erkrankung zu sprechen, es ergeben sich neue Bewältigungsstrategien für die besondere Lebenssituation der jungen Leute.

Ein besonderer Dank geht natürlich auch wieder an die Dienstkräfte des Abschnitt 13 der Berliner Polizei. Sie haben eine unglaubliche Summe von 2.300 Euro gesammelt und können nun einer Therapiegruppe den Traum erfüllen, einen Kochabend mit einem Profikoch in einem Kochstudio erleben zu dürfen! Vielen Dank!

Ich danke allen für die großartige Unterstützung und wünsche Ihnen und Ihren Familien ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Gern möchte ich diese Aktion auch im nächsten Jahr wieder starten und unterstützen und hoffe, Sie sind auch dabei."

heilen / 18.12.2020
Wir feiern die 3.000ste Geburt

Das Geburtenzentrum im Helios Klinikum Berlin-Buch heißt den kleinen Neuberliner herzlich willkommen. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Das Geburtenzentrum im Helios Klinikum Berlin-Buch heißt den kleinen Neuberliner herzlich willkommen. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Neuer Geburten-Rekord im Helios Klinikum Berlin-Buch

Schon über 3.000 Geburten in 2020 im Helios Klinikum Berlin-Buch – einem der größten Geburtenzentren Berlins. Der Trend der hohen Geburtenzahlen am Bucher Standort setzt sich auch in diesem Jahr fort und zeigt, welchen guten Ruf das Team vom Geburtenzentrum in der Region besitzt.

Der kleine Eric kam bei der 3.000sten Geburt dieses Jahres am 14. Dezember im Helios Klinikum Berlin-Buch um 9:33 Uhr zur Welt. Die bisherige Rekordzahl von über 3.000 Geburten aus dem Jahr 2017 konnte somit in diesem Jahr wieder erreicht werden -  sogar noch etwas früher im Monat.
Der kleine Junge maß bei der Geburt 50 Zentimeter und wog 3.030 Gramm. Mutter und Kind sind wohlauf. „Unser Geburtenzentrum heißt den kleinen Neuberliner herzlich willkommen und gratuliert der Mutter zur Geburt ihres ersten Kindes“, sagt Dr. Gian Christoph Hackenberg, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe.

„Ich freue mich sehr, dass Mutter und Kind wohlauf sind. Die Geburt war unkompliziert und sehr schön. Der Kleine kam zwar bei der 3.000sten Geburt zur Welt, war aber bereits das 3.102te Kind, das dieses Jahr bei uns im Klinikum geboren wurde“, berichtet die betreuende Hebamme Christin Knape.

„Um die werdenden Eltern bestmöglich über die Geburtsmöglichkeiten in unserem Klinikum und über aktuelle Maßnahmen und Regeln in unserer Geburtshilfe zu informieren, bieten wir einen regelmäßig stattfindenden Kreißsaal Live-Chat an. Dieser findet jeden ersten und dritten Dienstag im Monat um 17:30 Uhr live auf Facebook und Instagram statt. Es ist einfach toll zu sehen, dass wir mittels dieses Formats ein Gefühl der Zuversicht an unsere Zuschauer weitergeben können“, betont Yvonne Schildai, leitende Hebamme im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Das Helios Klinikum Berlin-Buch gehört zu den größten und modernsten Geburtenzentren Deutschlands. Im Schnitt werden hier 250 Babys pro Monat geboren. Schon im vergangenen Jahr halfen die Hebammen und Ärzte im Helios Klinikum Berlin-Buch 3.189 Babys* auf die Welt.
Prof. Dr. med. Michael Untch, Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Leiter des Perinatalzentrums Level 1, ergänzt: „Wir haben natürlich mehr Babys als Geburten in unserer Statistik, weil unser Perinatalzentrum unter anderem auf die Betreuung von Mehrlingsgeburten mit Zwillingen und Drillingen spezialisiert ist.“
Bis Jahresende werden so viele Babys wie noch nie im Bucher Geburtenzentrum das Licht der Welt erblickt haben.

*ACHTUNG: "Geburten" und "Babys" sind statistisch nicht gleichzusetzen - zum Beispiel zählen Zwillinge als eine Geburt, aber als zwei Babys.


Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Hauttumorzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.
Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zum Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.

Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 110.000 Mitarbeitern. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien. Rund 21 Millionen Patienten entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2019 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 9,2 Milliarden Euro.
In Deutschland verfügt Helios über 86 Kliniken, 123 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und sieben Präventionszentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,6 Millionen Patienten behandelt, davon 4,4 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland fast 69.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 51 Kliniken, 71 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 15,4 Millionen Patienten behandelt, davon 14,6 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt rund 37.500 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von über drei Milliarden Euro.
Helios Deutschland und Quirónsalud gehören zum Gesundheitskonzern Fresenius.
 

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produzieren / 17.12.2020
Glycotope announces licensing agreement with ONK Therapeutics for humanized GlycoBody targeting TA-MUC1

GlycoBody to be integrated into ONK pre-clinical program ONKT103, for solid tumors.

Glycotope GmbH, an oncology/immuno-oncology platform company built on world-leading glycobiology expertise, today announces that is has signed an agreement to license a humanized, tumor-specific antibody (GlycoBody) targeting an aberrantly glycosylated tumor associated form of MUC1 (TA-MUC1) to ONK Therapeutics Ltd. (ONK), an innovative natural killer (NK) cell therapy company.

The GlycoBody will be integrated into ONKs pre-clinical program ONKT103, for solid tumors. ONK’s unique platform approach combines the expression of a chimeric antigen receptor (CAR) and a high affinity, membrane-bound TNF related apoptosis inducing ligand variant (TRAILv).

Multiple solid tumor types express the mucin MUC1, including non-small cell lung cancer, breast cancer and ovarian cancer. MUC1 is also expressed on healthy tissues and previous attempts to target this antigen have proved problematic. By utilizing Glycotope’s antibody, ONK can tailor its CAR to target the glycosylation pattern distinct to tumor associated MUC1 (TA-MUC1) with specific recognition of the carbohydrate antigens Tn and T on MUC1. The expression of these antigens is restricted to cancer cells and by targeting them ONK hopes to increase tumor-specificity and reduce the potential for on-target off-tumor toxicity.

Henner Kollenberg, Managing Director of Glycotope GmbH commented “This is an exciting development. Our technology platform has identified the glycosylation pattern that could enable ONK to unlock the potential of TA-MUC1 as a solid tumor target with their unique dual-targeted NK cell therapy approach. This represents further validation of our platform’s ability to enable the development of highly-specific immunotherapies across a broad range of cancer indications.”

Contact Information:
Glycotope GmbH
Henner Kollenberg
Managing Director Phone: +49 30 9489 2600
E-Mail: contact@glycotope.com

Media Contact:
Chris Gardner, Chris Welsh
Consilium Strategic Communications
Phone: +44 (0) 20 3709 5700
Email: glycotope@consilium-comms.com

About Glycotope

Glycotope is a biotechnology company utilizing a proprietary technology platform to develop highly tumor-specific monoclonal antibodies called GlycoBodies. GlycoBodies bind to targets (GlycoTargets) tumor-specific carbohydrate structure dependent, enabling the development of highly-specific immunotherapies across a broad range of cancer indications. Glycotope has to date discovered in excess of 150 GlycoTargets with GlycoBodies against eight of these targets currently under development.

Each GlycoBody can be developed in an array of modalities with different modes of action such as Antibody-drug conjugates, CAR/cell therapies or bispecifics, providing a unique offering in the (immuno) oncology space. Currently six clinical and pre-clinical programs based on the GlycoBody technology are under development by Glycotope or its licensing partners. Visit www.glycotope.com.

About ONK Therapeutics www.onktherapeutics.com

ONK Therapeutics Ltd is an innovative cell therapy company dedicated to developing the next generation of ‘off-the-shelf’, dual-targeted NK cell therapies targeting solid and hematological cancers.

Its core proprietary platform is based on a dual-targeted NK cell expressing both a chimeric antigen receptor (CAR) targeting a known tumor antigen and a TNF-related apoptosis-inducing ligand variant (TRAILv) targeting the death receptor pathway (i.e. DR4 or DR5). This unique approach has the potential to enhance efficacy by addressing both intrinsic (e.g. CAR engagement of a tumor-specific antigen) and extrinsic (e.g. signaling through the death receptor pathway) apoptotic pathways and to reduce the susceptibility to possible target antigen escape through the engagement of tumor antigen-independent TRAILv.

ONK Therapeutics is headquartered in the med-tech hub of Galway, Ireland, with a wholly-owned US subsidiary, ONK Therapeutics, Inc. based at JLabs @ San Diego. Shareholders include Acorn Bioventures, ALSHC (principally Seamus Mulligan), and Enterprise Ireland.

www.glycotope.com

bilden / 15.12.2020
Der Natur auf der Spur: Experimente mit DNA, Gummibärchen und spannenden Oberflächen

Experimentieren zur Langen Nacht der Wissenschaften auf dem Campus Berlin-Buch (Foto: Peter Himsel / Campus Berlin-Buch GmbH)
Experimentieren zur Langen Nacht der Wissenschaften auf dem Campus Berlin-Buch (Foto: Peter Himsel / Campus Berlin-Buch GmbH)

Wie kann man die Home-Schooling-Phase im Januar spannender machen? Die Naturwissenschaftlerinnen im Gläsernen Labor beantworten die Frage mit einem klaren „Experimentieren!“. An drei Tagen können sich Familien von Zuhause ins Schülerlabor schalten und auf Entdeckungsreise in Biologie und Physik gehen. Experimentiert wird eine Stunde lang unter Anleitung der Expertinnen des Gläsernen Labors, die Fragen live und im Chat beantworten. Die Vorbereitung zum Mitmachen am Küchentisch ist einfach: Die meisten Dinge und Materialien sind in jedem Haushalt zu finden.

6. Januar 2021, 14 Uhr
Wundersame Wasserexperimente

Hat Wasser eine Haut!? Wenn du dich schon immer mal gefragt hast, warum Wasserläufer nicht untergehen, bist du bei diesem Termin genau richtig. Finde heraus, was es sich mit der Wasserhaut auf sich hat.
Für Kinder ab 6 Jahren.

7. Januar 2021, 14 Uhr
Die Gummibärchenwippe
Die Hebelwirkung ist keine geheimnisvolle Kraft, sondern nur Physik. Teste es mit der Gummibärchenwippe aus. Lerne den Hebelschwerpunkt kennen und balanciere Gegenstände wie von Zauberhand.
Für Kinder ab 10 Jahren.

8. Januar 2021, 14 Uhr
Was ist eigentlich die Erbinformation
Was ist eigentlich die Erbinformation? Haben das alle Tiere und Pflanzen? Mach die Erbinformation zu Hause sichtbar.
Für Kinder ab 12 Jahren, unter der Aufsicht von Erwachsenen (Einsatz von Brennspiritus).

Teilnahmegebühr pro Familie: 12 €

Anmeldung:
Bis zum 03.01.2021 kann man sich online unter www.forscherferien-berlin.de anmelden. Nach Zahlung der Teilnehmergebühr werden die Zugangsdaten für Zoom versendet.

investieren / 14.12.2020
Alrise announces acquisition of its ImSus® drug delivery technology by Ferring International Center S.A.

The drug delivery specialist Alrise Biosystems GmbH has entered into an Asset Purchase and Exclusive License Agreement with Ferring International Center S.A. for the development and commercialisation of products manufactured with Alrise’s ImSus® platform technology.

Alrise and Ferring have been working together since 2017 on the development of an injectable, controlled-release formulation of a peptide therapeutic. Based on the successful partnership Ferring has now exercised its option to enter into a definite agreement to further leverage and get exclusive access to Alrise’s process knowhow and intellectual property rights. The parties have committed not to disclose the contractual terms and conditions as well as details of the on-going product development.

“We are pleased that we were able to continue and strengthen our successful collaboration with Ferring”, stated Dr. Heiko Seemann, Alrise’s Managing Director. “This agreement paves the way to making the first product utilising our ImSus® technology platform available to patients.”

“On this occasion we would like to express our special thanks to our investors IBB Ventures and Creathor Venture for their long-standing trust and support”, Dr. Volker Rindler, Alrise’s Managing Director, added. “Our thanks also go to our consultants from tytonis b.v. and Bay Pharma GmbH for their help in various business development matters.”

About Alrise
Alrise Biosystems GmbH is a drug delivery company located in the Biotech Park Berlin-Buch and is managed by Dr. Heiko Seemann und Dr. Volker Rindler. Through application of its ImSus® technology platform Alrise develops drug-loaded micro particle formulations, which are used for injectable, controlled-release depot products. The company has been financed primarily through venture capital investments from the VC companies Creathor Venture and IBB Ventures

Quelle: Press release of Alrise Biosystems GmbH

www.alrise.de

forschen / 11.12.2020
Das Geheimnis der Muskelzelle

Bei dieser einzelnen Muskelfaser kann man deutlich eine Vielzahl von Kernen erkennen.Die Forscher*innen haben DAPI zur Färbung benutzt, es färbt die DNA im Zellkern blau (Foto: AG C. Birchmeier)
Bei dieser einzelnen Muskelfaser kann man deutlich eine Vielzahl von Kernen erkennen.Die Forscher*innen haben DAPI zur Färbung benutzt, es färbt die DNA im Zellkern blau (Foto: AG C. Birchmeier)

Eine Muskelfaser besteht aus nur einer Zelle, hat aber ganz viele Kerne. Wie sehr sich diese voneinander unterscheiden, hat ein MDC-Team um Professorin Carmen Birchmeier gezeigt. Die Studie in „Nature Communications“ kann unter anderem helfen, Muskelerkrankungen wie die Duchenne-Dystrophie besser zu verstehen.

Gewöhnlich besitzt jede Zelle genau einen Kern. Nicht so die Muskelzellen unserer Skelettmuskeln: In einem vergleichsweise riesigen Zytoplasma enthalten diese langen, faserigen Zellen Hunderte von Kernen. Inwieweit sich die Kerne einer einzelnen Muskelfaser hinsichtlich ihrer Genaktivität voneinander unterscheiden und welche Auswirkungen das auf die Funktion des Muskels hat, war bislang kaum bekannt.

Ein Team um Professorin Carmen Birchmeier, die Leiterin der Arbeitsgruppe „Entwicklungsbiologie / Signaltransduktion in Nerven und Muskelzellen“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) hat den Kernen der Muskelzelle jetzt einige ihrer Geheimnisse entlockt. Wie die Forscherinnen und Forscher im Fachblatt „Nature Communications“ berichten, haben sie die Genexpression dieser Zellkerne mit einem noch recht neuen Verfahren namens Einzelkern-RNA-Sequenzierung untersucht – und sind dabei auf eine unerwartet hohe Vielfalt genetischer Aktivität gestoßen.

Die Muskelfaser ähnelt einem ganzen Gewebe

„Eine einzelne Muskelzelle kann durch die Heterogenität ihrer Kerne fast wie ein Gewebe, das aus ganz unterschiedlichen Zelltypen besteht, agieren – und so ihren zahlreichen Aufgaben wie der Kommunikation mit Nervenzellen oder der Produktion von bestimmten Muskeleiweißen nachkommen“, erläutert einer der beiden Erstautoren der Studie, Dr. Minchul Kim, Postdoktorand in Birchmeiers Team. Kim hat die meisten experimentellen Arbeiten der Studie übernommen.

Ausgewertet wurden seine Daten ebenfalls am MDC: Die bioinformatischen Analysen haben Dr. Altuna Akalin, der Leiter der „Bioinformatics and Omics Data Science Platform“ am Berlin Institute of Medical Systems Biology (BIMSB) des MDC, und der zweite Erstautor der Studie, Dr. Vedran Franke, Postdoktorand in Akalins Team, vorgenommen. „Nur durch den permanenten Austausch zwischen den beiden experimentell und theoretisch arbeitenden Teams konnten wir zu unseren Ergebnissen und zu der auch für die Erforschung von Muskelkrankheiten wichtigen Studie kommen“, betont Birchmeier. „Neue Technologien in der Molekularbiologie wie die Einzelkern-Sequenzierung erzeugen große Datenmengen“, ergänzt Akalin. Es sei ganz zentral, bioinformatische Labore von Anfang an in den Forschungsprozess einzubeziehen. „Denn die Analyse der Daten ist genauso wichtig wie ihre Erhebung.“

Im verletzten Muskel sind Gene aktiv, die ihn wachsen lassen

Untersucht haben die Forscherinnen und Forscher zunächst die Genexpression von mehreren tausend Kernen aus gewöhnlichen Muskelfasern von Mäusen sowie von Kernen aus Muskelfasern, die sich nach einer Verletzung regenerierten. Dazu hat das Team die Kerne zunächst genetisch markiert und aus den Zellen isoliert. „Wir wollten herausfinden, ob sich die Genaktivität zwischen dem ruhenden und dem wachsenden Muskel unterscheidet“, sagt Birchmeier.

Tatsächlich fanden sie und ihr Team solche Unterschiede. Zum Beispiel konnten die Forscherinnen und Forscher beobachten, dass im sich regenerierenden Muskel erwartungsgemäß mehr Gene aktiv sind, die das Muskelwachstum anstoßen. „Was uns aber wirklich erstaunt hat, war die Tatsache, dass in beiden Sorten von Muskelfasern sehr viele unterschiedliche Typen von Kernen mit jeweils ganz eigenen Mustern der Genaktivität existieren“, sagt Birchmeier.

Das Team stieß auch auf bisher unbekannte Kerntypen

Schon vor der Studie war bekannt, dass in Kernen, die sich in der Nähe einer Nervenfaser und ihren Synapsen befinden, andere Gene aktiv sind als in den restlichen Kernen. „Wir haben nun jedoch viele neue Arten spezialisierter Kerne entdeckt, die alle ganz bestimmte Genexpressionsmuster aufweisen“, berichtet Kim. Einige dieser Kerne befinden sich gehäuft nahe zu anderen Zellen, die an die Muskelfaser angrenzen: zum Beispiel Zellen der Sehne oder des Perimysiums, einer Bindegewebshülle, die mehrere Muskelfasern in einem Bündel zusammenfasst.

 

„Andere spezialisierte Kerne steuern anscheinend den lokalen Metabolismus oder die Proteinsynthese und sind in der Muskelfaser verteilt“, sagt Kim. Was genau die in den Kernen aktiven Gene jeweils bewirken, ist allerdings noch nicht ganz klar. „Wir sind auf hunderte Gene gestoßen, die offenbar in bislang völlig unbekannten kleinen Gruppen von Kernen in der Muskelfaser angeschaltet werden“, berichtet Birchmeier.

Bei Muskelschwund gehen offenbar viele Kerntypen verloren 

In einem nächsten Schritt untersuchte das Team die Kerne aus Muskelfasern von Mäusen mit Duchenne-Dystrophie. Diese Erkrankung ist die häufigste Form des erblichen Muskelschwunds beim Menschen. Hervorgerufen wird sie durch eine Mutation auf dem X-Chromosom, weshalb vor allem Jungen von ihr betroffen sind. Den Patienten fehlt das Protein Dystrophin, das die Muskelfasern stabilisiert. Dadurch sterben die Zellen nach und nach ab.

„In den Muskelfasern unseres Mausmodells war ein Verlust vieler Zellkerntypen zu beobachten“, berichtet Birchmeier. Andere Typen waren nicht mehr in Clustern organisiert, wie es das Team zuvor gesehen hatte, sondern über die ganze Zelle verstreut. „Als ich das sah, konnte ich es zunächst gar nicht glauben“, erzählt die Forscherin. „Ich habe mein Team gebeten, die Einzelkern-Sequenzierungen sofort zu wiederholen, bevor wir diesen Befund weiter untersuchen.“ Doch die Ergebnisse blieben gleich.

Die Kerne der Mäuse ähneln denen menschlicher Patienten

„Darüber hinaus fanden wir krankheitsspezifische Subtypen von Zellkernen“, berichtet Birchmeier. Dabei handelt es sich zum einen um Kerne, die Gene nur noch in geringem Umfang ablesen und gerade absterben. In anderen Kernen sind jene Gene besonders aktiv, die beschädigte Muskelfasern reparieren. „Interessanterweise konnten wir solche vermehrten Genaktivitäten auch in Muskelbiopsien von Patienten mit Muskelerkrankungen beobachten, die uns die MDC-Arbeitsgruppe „Myologie“ von Professorin Simone Spuler zur Verfügung gestellt hat“, sagt Birchmeier. „Offenbar  versucht der Muskel, auf diese Weise den krankheitsbedingten Schäden entgegenzusteuern.“

„Mit unserer Studie präsentieren wir eine leistungsfähige Methode, um pathologische Mechanismen im Muskel zu untersuchen und den Erfolg neuer Therapieansätze zu überprüfen“, lautet das Fazit von Birchmeier. Da Funktionsstörungen des Muskels auch bei vielen anderen Krankheiten wie beispielsweise Diabetes sowie beim alters- und krebsbedingten Muskelschwund zu beobachten sind, lässt sich der Ansatz zudem dazu nutzen, auch derartige Veränderungen besser zu erforschen. „Weitere Studien mit anderen Krankheitsmodellen“, kündigt Kim an, „sind bei uns bereits in Planung.“

Weiterführende Informationen

Arbeitsgruppe von Carmen Birchmeier „Entwicklungsbiologie / Signaltransduktion in Nerven und Muskelzellen

Technologieplattform von Altuna Akalin „Bioinformatics and Omics Data Science

Literatur

Minchul Kim, Vedran Franke et al. (2020): „Single-nucleus transcriptomics reveals functional compartmentalization in syncytial skeletal muscle cells“. In Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-020-20064-9.

 

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heilen / 11.12.2020
Weihnachten im Helios Klinikum Berlin-Buch

Hertha BSC und die Berliner Polizei gemeinsam mit PD Dr. med. Patrick Hundsdörfer und Andreas Landgraf vom Kolibri Verein (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Hertha BSC und die Berliner Polizei gemeinsam mit PD Dr. med. Patrick Hundsdörfer und Andreas Landgraf vom Kolibri Verein (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Gemütliches Beisammensein, köstliches Weihnachtsessen, ausgelassene Fröhlichkeit - all das verbinden die Menschen mit einer frohen und besinnlichen Weihnachtszeit. Doch Weihnachten ist in diesem Jahr ein bisschen anders – auch im Krankenhaus. Um trotzdem für Weihnachtsstimmung zu sorgen und kleinen Patienten ihren größten Herzenswunsch zu erfüllen, hat sich der Verein „Kolibri – Hilfe für krebskranke Kinder e.V. eine ganz wunderbare Alternative zur alljährigen Weihnachtsfeier ausgedacht.

Rund 60 schwerkranken Kindern will der Berliner Kolibri-Verein in diesem Jahr ihre Herzenswünsche erfüllen und sie beschenken. Da die mittlerweile traditionelle große Feier pandemiebedingt nicht stattfinden kann, gibt es einzelne wunderbare Aktionen draußen vor dem Klinikum, die Groß und Klein zum Strahlen bringen.

Jedes Kind der Kinderonkologie hat in der Vorweihnachtszeit seinen Wunsch auf einen Zettel geschrieben. Durch Spenden wurden dann die Geschenke ermöglicht. So war der Bernauer Verein „EPCU European Police Car Unit“ Wunscherfüller für den 3-jährigen Leon. Am 01. Dezember kam ein Großaufgebot an Polizeiwagen und Feuerwehrautos um Leon zu überraschen. Andreas Landgraf vom Kolibri Verein zeigt sich begeistert: „Leon hatte sich ursprünglich "nur" eine Spielzeug Polizeistation gewünscht hat. Als Überraschung gab es on top den großen leuchtenden Fahrzeugzug für ihn und alle anderen Kinder der Kinderklinik. Das war für alle überwältigend.“

Und auch Denny Heidrich war als Kolibri-Botschafter und Geschenkeübergeber mit dabei – der Profiboxer engagiert sich seit mehreren Jahren für krebskranke Kinder.

Am 10.12. besuchte Hertha BSC als Geschenkebotschafter für die Kinderklinik das Helios Klinikum Berlin-Buch. Die Berliner Polizei kam mit einem Mannschaftswagen voller Geschenke. Die freudige Übergabe wurde vom Hertha-Maskottchen begleitet, der den Kindern fröhlich durch die Fenster zuwinkte und zahlreiche Geschenke übergab.

Bei Priv.–Doz. Dr. med. Patrick Hundsdörfer, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Helios Klinikum Berlin-Buch, ist die Freude groß über die Aktion: „Beeindruckend, dass durch so eine Aktion unsere kleinen Patienten Weihnachtsfreude erfahren und ein Lächeln ins Gesicht gezaubert bekommen. Ich finde es total stark, dass der Kolibri Verein und alle Mitorganisatoren es immer wieder schaffen, ihre Ziele umzusetzen und sich so engagiert für unsere kleinen Patienten und deren Familien einzusetzen.“

 

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forschen, bilden / 09.12.2020
7. Podcast-Folge "Trendsetter Internet? Angstmacher KI? Folgen der Digitalisierung"

Die 7. Folge der Podcast-Serie der Langen Nacht der Wissenschaften ist veröffentlicht.

Gefährden Facebook & Co unsere Demokratie? Wie fair und gerecht können Algorithmen sein? Und bleibt der deutsche Mittelstand angesichts von Industrie 4.0 auf der Strecke? Diese und weitere Fragen zu den Folgen der Digitalisierung bespricht Thomas Prinzler mit seinen Gästen: Prof. Dr. Jeanette Hofmann vom Wissenschaftszentrum Berlin, Prof. Sebastian Pokutta vom Zuse-Institut Berlin sowie Prof. Dr. Eckart Uhlmann vom Fraunhofer IPK.

„Ich bin zu faul zum Rechnen,“ gab Konrad Zuse gern als Grund an, was ihn dazu motivierte, einen Computer zu bauen. 1941 hatte er Erfolg und mit der in Berlin entwickelten Z3 den ersten frei programmierbaren Computer der Welt geschaffen. Was daraus folgte, ist gewaltig und beschäftigt uns bis heute: Längst durchdringt die Digitalisierung alle Lebensbereiche, verändert Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Thomas Prinzler unternimmt mit seinen Gästen den Versuch, eine vorläufige Zwischenbilanz zu folgenden Fragen und Themen zu ziehen: Gefährden Facebook & Co unsere Demokratie? Wie wirkt sich die Digitalisierung auf unser Verständnis von Demokratie aus?

"Technik ist keine eigengesetzliche Angelegenheit, " sagt Prof. Dr. Jeanette Hofmann, Leiterin der Forschungsgruppe „Politik der Digitalisierung“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und Professorin für Internetpolitik an der Freien Universität Berlin, und ergänzt: "Gerade die digitale Technik ist so flexibel, dass wir ihr immer einen Stempel aufdrücken und sagen können: So wünschen wir uns das und so wünschen wir uns das nicht."

Dem stimmt auch Prof. Sebastian Pokutta zu, Vizepräsident des Zuse-Instituts Berlin (ZIB) und Professor für Mathematik an der TU Berlin, und führt aus: "Algorithmen können nicht fair oder unfair sein. Das sind Nullen und Einsen. Die Frage der Fairness kommt erst mit dem Nutzer bzw. Designer der Programme ins Spiel: Wurden die Daten fair ausgewählt? Habe ich alle Kategorien von geschützten Personen fair in meinen Daten abgebildet?"

Den Menschen in der Pflicht sieht auch Prof. Dr. Eckart Uhlmann, Leiter des Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) sowie des Fachgebiets Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik an der TU Berlin. Er sagt: "Die Gefahr besteht, dass wir zu systemgläubig sind. Wir müssen daher dafür sorgen, dass der Mensch immer die letzte Instanz bleibt und für Fairness sorgen." Im Podcast erläutert er zudem, welche Aufgaben die deutsche Wirtschaft in Sachen Digitalisierung noch zu lösen hat und erklärt, wie gerade die Region Berlin-Brandenburg von der Digitalisierung profitieren kann.

Am 18. Dezember 2020 jährt sich der 25. Todestag von Konrad Zuse – die Aufzeichnung des Podcasts erfolgte im Gedenken an den Computer-Pionier im Zuse-Institut Berlin (ZIB). Das Gruppenbild entstand vor dem Supercomputer "Lise", benannt nach Lise Meitner. Der Computer umfasst 1270 Rechenknoten mit insgesamt 121.920 Rechenkernen.

Hier geht es zur Sendung:
https://www.ardaudiothek.de/lange-nacht-der-wissenschaften/von-nullen-und-einsen-digitalisierung-7/83955292

Quelle/Source: https://www.langenachtderwissenschaften.de/podcast

leben, bilden / 09.12.2020
Bezirksbibliotheken für den Publikumsverkehr geschlossen

Sämtliche Standorte der Stadtbibliothek Pankow werden vom 14. Dezember 2020 bis zum 9. Januar 2021 geschlossen. Grund ist die aktuelle Pandemielage, die zu massiven Personalengpässen und Ausfällen von etwa der Hälfte der Beschäftigten führt. Die Umsetzung der Hygiene- und Sicherheitskonzepte ist dadurch nicht mehr zu gewährleisten. Im Sinne des Gesundheitsschutzes der Bürgerinnen und Bürger und der Beschäftigten erfolgt daher eine zeitweise Schließung der acht Bibliotheksstandorte. Die zurzeit ausgeliehenen Medien werden automatisch verlängert, so dass keine Mahngebühren anfallen werden. Die digitalen Angebote des VÖBB stehen auch während der Schließung zur Verfügung: https://voebb.de/digitale-angebote.

Ab dem 11. Januar 2021 sollen die Angebote der Pankower Bibliotheksstandorte – soweit die Infektionsschutzverordnung dies dann ermöglicht – wieder mit neuem Öffnungskonzept für alle zugänglich sein.

forschen / 09.12.2020
Mina Gouti erhält einen ERC Consolidator Grant

Mina Gouti in ihrem Labor am MDC (Foto: Anyess von Bock/MDC)
Mina Gouti in ihrem Labor am MDC (Foto: Anyess von Bock/MDC)

Der Europäische Forschungsrat (ERC) vergibt einen Consolidator Grant in Höhe von 2,8 Millionen Euro an Mina Gouti. Sie wird damit neuromuskuläre Organoide weiterentwickeln. Es ist die zweite Ehrung in zwei Wochen, denn Gouti ist auch als EMBO Young Investigator ausgezeichnet worden.

Die Motoneuronen, die Arm-, Bein- und andere Skelettmuskeln steuern, zweigen an verschiedenen Stellen des Rückenmarks ab. Im Labor kann Goutis Team organähnliche Strukturen im Miniaturformat – Organoide – erzeugen, die diesen Segmenten des Rückenmarks entsprechen. Damit wollen die Wissenschaftler*innen regionale Unterschiede bei degenerativen Erkrankungen untersuchen und potenzielle Therapien für spinale Muskelatrophie (SMA) und amyotrophe Lateralsklerose (ALS) entwickeln.

„Mit dieser Förderung sind wir nun in einer hervorragenden Position, um unsere Ideen umzusetzen, unser Organoidmodell weiterzuentwickeln und nachzuweisen, dass es geeignet ist, neue Behandlungsmethoden zu identifizieren“, sagt Dr. Mina Gouti, die am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) die Arbeitsgruppe „Stammzell-Modellierung der Entwicklung und Erkrankung“ leitet.

Der ERC gewährt Consolidator Grants „herausragenden und vielversprechenden Forscher*innen jeder Nationalität und jeden Alters, die sieben bis zwölf Jahre Berufserfahrung nach der Promotion und einen exzellenten wissenschaftlichen Ansatz vorweisen können“. Die Forschung muss an einer öffentlichen oder privaten Forschungseinrichtung in einem EU-Mitgliedsland oder mit der EU-assoziierten Land stattfinden.

Positionsspezifische Organoide
Gouti und ihre Kolleg*innen haben sehr weit fortgeschrittene neuromuskuläre Organoide entwickelt. Diese Organoide verfügen über alle wesentlichen Zelltypen, aus denen sich neuromuskuläre Endplatten herausbilden. Dadurch können die Motoneuronen den dazugehörigen Mini-Muskeln das Signal geben, wie im menschlichen Körper zu kontrahieren. Die Organoide, die das Team Anfang 2020 in der Fachzeitschrift Cell Stem Cell vorgestellt hat, ähneln damit dem unteren Teil des Rückenmarks, der für den Signalaustausch mit der Beinmuskulatur zuständig ist. 

Dank der Förderung durch den ERC kann Goutis Team nun an einem Projekt mit dem Titel „Generation of Position Specific (GPS) Organoids“ arbeiten. Die Wissenschaftler*innen wollen positionsspezifische Organoide entwickeln, die die mittleren und oberen Rückenmarkssegmente repräsentieren. Solche positionsspezifischen Organoide sind von großer Bedeutung, da sich in den entsprechenden Abschnitten des Rückenmarks Motoneuronen befinden, die verschiedene Muskelgruppen steuern. Bei SMA- und ALS-Patient*innen sind in der Regel zuerst motorische Neuronen im oberen und unteren Rückenmark betroffen, die die Verbindung zu den Nervenbahnen der Arme und Beine herstellen. Die Motoneuronen des mittleren Abschnitts befallen diese Krankheiten hingegen erst später. An den Organoiden können die Wissenschaftler*innen künftig genau untersuchen, wodurch diese regionalen Unterschiede beeinflusst werden und welche Ereignisabfolge zur Erkrankung führt, noch bevor die ersten Symptome einsetzen.

„Diese Krankheiten zu untersuchen, war bisher ausgesprochen schwierig. Denn bisher fehlten zuverlässige In-vitro-Modelle, die die Position der Motoneuronen und die Interaktion mit der Skelettmuskulatur beim Menschen berücksichtigen“, erläutert Gouti. 

Medikamente testen
Die Förderung ermöglicht außerdem die Anschaffung eines High-Content-Bildgebungssystems. Dabei handelt es sich um ein Konfokalmikroskop, mit dem das Team mehrere Organoide auf einmal analysieren kann. Die Wissenschaftler*innen können mit dem System untersuchen, wie aus Zellen von SMA-Patient*innen erzeugte Organoide auf verschiedene Medikamente reagieren. So können sie an der Validierung neu entwickelter Therapien mitwirken und den optimalen Zeitpunkt für den Therapiebeginn ermitteln, um den Untergang motorischer Neuronen zu verhindern. Auch völlig neuartige Ansätze könnten auf diese Weise entdeckt werden. 

Da die Organoide aus induzierten pluripotenten Stammzellen des Menschen erzeugt werden, eignen sie sich hervorragend für Medikamententests direkt im Zielgewebe. „Ich hoffe, dass das Organoidmodell als Brücke zwischen vorklinischen und klinischen Studien dienen kann“, sagt Gouti. „Ein realistischere Annäherung an menschliches Gewebe gibt es nicht.“

Das gesamte Netzwerk
In der nächsten Forschungsphase will Goutis Team Hirnorganoide mit neuromuskulären Organoiden kombinieren. Sie interessiert, ob funktionsfähige Verknüpfungen entstehen können. „Die von uns entwickelten neuromuskulären Organoide überleben im Labor zwar über 18 Monate, kontrahieren aber schon nach wenigen Monaten nicht mehr“, sagt Gouti. „Wir vermuten, dass das am fehlenden Input vom Gehirn liegen könnte.“

Durch die Kombination hirnähnlicher Organoide mit neuromuskulären Organoiden hätte das Team die Möglichkeit, das gesamte neuromuskuläre Netzwerk im Labor zu untersuchen – vom Signal aus dem Gehirn über das Rückenmark bis zum Muskelgewebe. 

Eine weitere Ehrung
Bereits in der vergangenen Woche hatte die European Molecular Biology Organization (EMBO) Dr. Mina Gouti als EMBO Young Investigator ausgewählt. Sie ist damit eine von 30 vielversprechenden Nachwuchsforscher*innen des Jahres 2020, gekürt aus einem Bewerberkreis von über 200 Personen. „Diese 30 Forscher*innen haben mit herausragenden wissenschaftlichen Leistungen überzeugt und gehören der nächsten Generation führender Biowissenschaftler*innen an“, begründet EMBO-Direktorin Maria Leptin die Auswahl. „Die Teilnahme am EMBO Young Investigator-Programm wird ihnen in dieser entscheidenden Phase ihrer Karriere weiterhelfen.“

EMBO Young Investigators sind herausragende Biowissenschaftler*innen, die seit höchstens vier Jahren eine eigene Arbeitsgruppe leiten. Mit der Förderung werden sie Teil eines internationalen Netzwerks aus aktuell 73 und 384 ehemaligen Young Investigators. EMBO unterstützt die Forschenden jeweils mit 15.000 Euro, zusätzlich können sie sich um Förderungen bis zu 10.000 Euro pro Jahr bewerben. Dazu kommen Netzwerkmöglichkeiten, Weiterbildungsangebote und andere Vorteile.  

„Ich freue mich darauf, im EMBO-Netzwerk Kontakte zu Forscher*innen und Mentor*innen zu knüpfen“, sagt Gouti. „Das ist nicht nur für mich, sondern auch für andere Mitglieder meiner Arbeitsgruppe eine ausgezeichnete Gelegenheit, sich in EMBO-Aktivitäten einzubringen. Wir sind alle sehr gespannt.“

Weiterführende Informationen

ERC Consolidator Grants

EMBO welcomes thirty Young Investigators

AG Gouti „Stammzell-Modellierung der Entwicklung und Erkrankung“ 

Pressemitteilung „ALS mit Organoiden und Sequenziertechnologien erforschen

Pressemitteilung „Neuromuskuläres Organoid: Es kontrahiert!

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Benannt ist es nach dem deutsch-amerikanischen Biophysiker Max Delbrück, der 1969 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielt. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um Krankheitsursachen auf den Grund zu gehen und damit eine bessere und wirksamere Krankheitsdiagnose, -prävention und -behandlung zu ermöglichen. An dieser Zielsetzung arbeitet das MDC gemeinsam mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH). Darüber hinaus besteht eine Kooperation mit weiteren nationalen Partnern wie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung und mit zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC sind über 1.600 Mitarbeiter*innen und Gäste aus fast 60 Ländern tätig, davon knapp 1.300 in der wissenschaftlichen Forschung. Finanziert wird das MDC zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin. Es ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de  

forschen / 08.12.2020
Wie wir feine Unterschiede von Berührung wahrnehmen

Hochauflösendes Bild des hervorgehobenen Meissner-Rezeptors mit dem USH2A-Protein (grün) und einem sensorischen Axon (rot). © Lewin Lab, MDC
Hochauflösendes Bild des hervorgehobenen Meissner-Rezeptors mit dem USH2A-Protein (grün) und einem sensorischen Axon (rot). © Lewin Lab, MDC

Die Haut verfügt über Tastkörper – das ist seit mehr als 160 Jahren bekannt. In Nature Neuroscience berichtet ein MDC-Team nun erstmals, dass diese Druckrezeptoren winzige Vibrationen wahrnehmen können und dabei helfen, zwischen rauen und glatten Oberflächen zu unterscheiden.

In der Haut von Fingerspitzen und Lippen entdeckte Georg Meissner im Jahr 1852 eine einzigartige Struktur: Das Meissner-Körperchen ist eine ovale Kapsel voller Zellen, die mit einem Nervenende verschlungen sind, das ein Berührungssignal ans Gehirn sendet. Nun hat ein Forschungsteam am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) herausgefunden, dass in diesem Druckrezeptor ein großes Protein produziert wird, das bei der Tastempfindlichkeit eine wichtige Rolle spielt.

„Eineinhalb Jahrhunderte lang haben Forschende sich beim Anblick des Meissner-Körperchens gedacht: Das ist eine schöne Struktur. Aber wir können nicht genau sagen, wozu sie dient“, sagt Professor Gary Lewin, Leiter der Arbeitsgruppe „Molekulare Physiologie der somatosensorischen Wahrnehmung“ am MDC. In einer Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Nature Neuroscience zeigt sein Team nun, dass jenes Protein aus dem Meissner-Körperchen notwendig ist, um Berührungen normal wahrzunehmen.

Die Usher-Verbindung

Lewins Arbeitsgruppe hatte das Protein USH2A im Verdacht, an der Berührungswahrnehmung beteiligt zu sein. Das legten frühere Forschungen zum Zusammenspiel von Hör- und Tastsinnesorganen nahe. Mutationen im Gen, das für das USH2A-Protein kodiert, treten häufig beim Usher-Syndrom auf. Menschen mit dieser Erbkrankheit sind schwerhörig, haben einen Tunnelblick oder sind weniger empfindlich für Berührungen.

Die Forschenden untersuchten nun 13 spanische Patient*innen mit Usher-Syndrom und spezifischen Mutationen, die zu einem veränderten USH2A-Protein führten. Das Team wollte herausfinden, welche kleinste Vibration die Patient*innen am kleinen Finger gerade noch spüren konnten. Sie testeten auch die Wahrnehmung von Temperaturveränderungen und kleinen Nadelstichen.

Temperaturschwankungen und leichte Schmerzen konnten die Patient*innen mit Usher-Syndrom genauso gut wahrnehmen wie gesunde Kontrollpersonen – das waren meist Freiwillige am MDC. Für sehr geringe Vibrationen waren die Patient*innen jedoch deutlich weniger empfindlich. Um sie zu spüren, mussten Vibrationen im Schnitt viermal stärker sein.

„Wir sind hochgradig berührungsempfindlich“, sagt Lewin. „Wer einen sehr guten Tastsinn hat, kann mit dem Finger den Unterschied zwischen einer sehr feinen und einer noch feineren Seide erkennen. Die Usher-Patienten wären hierzu nicht in der Lage.“

Überraschende Ergebnisse

Die Untersuchungen am Menschen haben zwar gezeigt, dass das USH2A-Protein für den Tastsinn wichtig ist, sie erklärten aber nicht, wie und warum. Also griff das Team Mäuse zurück. Zunächst wandte sich Dr. Fred Schwaller, Erstautor der Studie, an die Arbeitsgruppe „Neuronale Schaltkreise und Verhalten“ von Professor James Poulet. Gemeinsam trainierten sie gesunde Mäuse und Mäuse ohne USH2A-Protein, so dass sie ihnen zeigten, wenn sie geringe Vibrationen an ihrer Vorderpfote spürten. Genau wie die Usher-Patient*innen brauchten Mäuse ohne USH2A-Protein einen größeren Stimulus, bevor sie die Vibrationen spürten. Sie konnten aber Temperaturveränderungen und leichte Schmerzen ganz normal erkennen. Dies deutet darauf hin, dass der Mechanismus evolutionär stark konserviert wurde.

„Diese Übereinstimmung zwischen den Patient*innen und dem Tiermodell ist erstaunlich. Wir hatten ein so deutliches Ergebnis nicht erwartet“, sagt Dr. Valérie Bégay, die als Mitglied von Professor Lewins Arbeitsgruppe ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Mit Hilfe fluoreszierender Biomarker konnte Schwaller erkennen, dass das Protein von den Zellen in den Meissner-Körperchen produziert wird und nicht, wie angenommen, in Nervenzellen. „Zu unserer Überraschung konnten wir das USH2A-Protein in sensorischen Neuronen nicht nachweisen – es war nicht da“, sagt Lewin. Damit war klar bewiesen, dass das Meissner-Körperchen als Produzent des USH2A-Proteins ausschlaggebend für Wahrnehmung feiner Berührungen ist.

Es gibt noch mehr zu entdecken

Das USH2A-Protein ist im Vergleich zu anderen Molekülen im Körper recht groß und sitzt in der extrazellulären Matrix des Meissner-Körperchens. Da die Berührungsempfindlichkeit ohne das Protein abnimmt, geht Lewin davon aus, dass es als physikalische Verbindung dient und dabei hilft, Berührungsvibrationen von der Außenseite der Fingerspitze auf das Nervenende im Inneren des Korpuskels zu übertragen. Dieser Theorie geht Lewins Arbeitsgruppe nun nach, und sie will auch die Interaktionspartner des Proteins ausmachen. „Es funktioniert wahrscheinlich nicht allein“, vermutet der Wissenschaftler.

Die Erkenntnisse könnten bei der Erforschung von ähnlichen Hör- und Sehverlusten bei Usher-Patient*innen hilfreich sein. Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass das Protein bei anderen molekularen Prozessen auf die gleiche Weise funktioniert, könnten die Untersuchungen Hinweise darauf geben, wie Mutationen im USH2A-Gen die Sinne beeinflussen.

Besonders dankbar waren die Teams den Kolleg*innen am MDC, die sich freiwillig für die Studie gemeldet und damit Kontrolldaten zur Verfügung gestellt haben. Mehr als 100 Personen waren es in den vergangenen Jahren.  „Man braucht gute Kontrollen, um die Belastbarkeit der Daten zu erhöhen. Es kann allerdings sehr schwierig sein, genügend Freiwillige zu finden, die bereit sind, sich für eine oder anderthalb Stunden stark zu konzentrieren“, sagt Bégay. „Die Unterstützung unserer MDC-Kolleg*innen war von unschätzbarem Wert.“

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung auf der MDC-Website lesen

AG Lewin

AG Poulet

Wärmeempfinden funktioniert anders als gedacht

Literatur

Schwaller, Fred et al. (2020): „USH2A is a Meissner corpuscle protein necessary for normal vibration sensing in mice and humans”, Nature Neuroscience, DOI: 10.1038/s41593-020-00751-y

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

https://www.mdc-berlin.de/de

forschen / 04.12.2020
Ein Leben für die Wissenschaft - Nachruf für Prof. Heinz Bielka

Prof. Dr. Heinz Bielka, Stellvertretender Direktor des Zentralinstituts für Molekularbiologie, Leiter der Abteilung Zellbiologie, an seinem Schreibtisch (1985). (© Sammlung Heinz Bielka)
Prof. Dr. Heinz Bielka, Stellvertretender Direktor des Zentralinstituts für Molekularbiologie, Leiter der Abteilung Zellbiologie, an seinem Schreibtisch (1985). (© Sammlung Heinz Bielka)

Das MDC trauert um Heinz Bielka, einen Pionier der Zell- und Molekularbiologie, Wissenschaftshistoriker und engagierten Bürger von Buch. Von 1953 an bis zu seiner Emeritierung hat Bielka an bedeutenden Positionen auf dem Campus gearbeitet. Heinz Bielka wurde 91 Jahre alt. Ein Nachruf.

Professor Heinz Bielka ist am 1. Dezember 2020 in Berlin gestorben. Er gehörte zu den engagierten Förderern und Wegbegleitern des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). „Heinz Bielka hat sich als Wissenschaftler und Wissenschaftshistoriker gleichermaßen verdient gemacht. Das MDC und der Campus Buch haben Bielka viel zu verdanken“, sagt der Wissenschaftliche Vorstand Professor Thomas Sommer (komm.). 

Bielka, der kenntnisreiche Chronist, hat in zahlreichen Publikationen und Büchern die Zellbiologie und Krebsforschung geprägt und die Geschichte der medizinischen Forschung in Berlin-Buch festgehalten und so einem weiten Leserkreis zugänglich gemacht. „Das wissenschaftliche Werk und Vermächtnis von Heinz Bielka und seine Publikationen zur Geschichte von Berlin Buch sind unverzichtbar für jeden, der die Bedeutung der Wissenschaftsstadt Buch verstehen will. Das MDC und der Campus Berlin-Buch können auf dieser großen Tradition aufbauen und die Geschichte fortschreiben“, sagt Professor Detlev Ganten, der Gründungsdirektor des MDC. „Heinz Bielka war für uns am MDC und für viele auf dem Campus Buch Vorbild, Inspiration und ein guter Freund. Wir werden ihn vermissen.“

Pionier der Krebsforschung

Heinz Bielka lebte seit 1953 in Berlin. Als er sich als Student nach Berlin aufmachte, da ahnte er gewiss nicht, dass er hier in Berlin-Buch, den Platz seines Lebens finden würde: Einen Ort, an dem er wissenschaftlich glänzen und der ihn prägen sollte und den er selbst gestalten und verändern würde.  Heinz Bielka, damals 24 Jahre jung, war aufgewachsen bei Görlitz. Nach dem Krieg hatte er in Dresden und Leipzig studiert. Chemie, Biologie und Biochemie waren seine Fächer, wobei ihn auch andere Disziplinen reizten. Seit dem Krebstod der geliebten Großmutter war für Heinz Bielka klar: Er würde in die Krebsmedizin gehen. Deshalb zog es Bielka von Leipzig nach Buch, zu Professor Arnold Graffi, damals schon berühmter Krebsforscher. Bei ihm wollte er sein Diplom machen.

Graffi nahm ihn gerne auf, und für Bielka war es der Beginn eines erfolgreichen wissenschaftlichen Lebens. Binnen weniger Jahre wurde er ein einflussreicher Biologe: 1954 Diplom, 1956 Promotion in experimenteller Krebsforschung, 1961 Habilitation, daneben die Ernennung zu Graffis Stellvertreter. 1959 schrieben die beiden Männer bereits gemeinsam ein Standardwerk: „Probleme der Experimentellen Krebsforschung“. 1965 schließlich wurde Heinz Bielka Direktor des Bucher Akademieinstituts für Zellphysiologie, was er bis 1981 blieb. Von 1982 bis 1991 leitete Bielka als stellvertretender Direktor das Zentralinstitut für Molekularbiologie der Akademie der Wissenschaften der DDR. 1968 ernannte ihn die Humboldt-Universität zu Berlin außerdem zum Professor für Biochemie. Nach Mauerfall und Wiedervereinigung setzte Heinz Bielka seine Arbeit am neu gegründeten Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin fort.

International erstes Lehrbuch für Molekularbiologie

In all den Jahren arbeitete Heinz Bielka an seinem Thema, dem Krebs. Er untersuchte die Entstehung von Metastasen unter dem Einfluss von Steroidhormonen, die Wechselwirkung zwischen Energiestoffwechsel und Tumorwachstum sowie die Rolle von Viren bei der Entstehung von Krebs. Bielka verfasste bis zur Emeritierung mehr als 150 wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Sein wichtigstes Werk war zweifellos das international erste Lehrbuch über die „Molekulare Biologie der Zelle“.

Heinz Bielka ist für seine Arbeiten oft geehrt worden: Rudolf-Virchow-Preis (1974), Nationalpreis der DDR (1979), Gerhard-Domagk-Preis (1993). Ab 1976 war Bielka korrespondierendes und ab 1978 ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR. 1996 verlieh ihm die Humboldt-Universität die Ehrendoktorwürde. Bielka war Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Bucher Familie

Aus dem Studenten-Professoren-Verhältnis zwischen Graffi und Bielka war schnell Freundschaft geworden: Graffi und Bielka forschten, sie schrieben und sie musizierten zusammen – Graffi am Klavier, Bielka an der Geige. Buch und der Campus waren Bielkas Heimat geworden. Die Wissenschaftsgemeinschaft war „für uns eine große Familie“, erzählte Bielka einmal in einem langen Gespräch. Wie die meisten, die zu dieser Zeit auf dem Campus arbeiteten, wohnte Heinz Bielka in Buch. Abends traf man sich auf der Parkbank oder werkelte gemeinsam im Garten, man spielte Skat, feierte, tauschte sich aus, unternahm gemeinsame Ausflüge. Klinik und Forschung, die verschiedenen Disziplinen, Wohnort und Arbeitsplatz, Privates und Berufliches – all das war damals eng miteinander verwoben. Und Bielka war fester Teil des Netzes. 

Eine Rolle mag gespielt haben, dass die Forscher der DDR durch den fehlenden internationalen Austausch, durch den chronischen Materialmangel und die Einschränkungen des freien wissenschaftlichen Arbeitens stärker aufeinander angewiesen waren. Bielka, Forscher mit Renommee, war zwar Reisekader, aber zur Partei gehörte er nach einer kurzen Anfangsphase und Austritt nach 1953 nicht mehr. Den großen Umbruch im Jahr 1989, die Nacht des Mauerfalls am 9. November, hat Heinz Bielka verschlafen, wie er selbst erzählt.

Bucher Geschichte und Geschichten

Am neu gegründeten MDC nahm Bielka ebenfalls Einfluss. Neben seiner Forschung ging es ihm um die Pflege der wissenschaftlichen Tradition. Er sorgte dafür, dass die Neuen auf dem Campus die Geschichte des Gesundheitsstandorts und die hier geleistete Forschung kennenlernten. Bielka war ein Chronist der Wissenschaftsgeschichte: Seine medizinhistorischen Bücher und literarischen Streifzüge („Die Medizinisch-Biologischen Institute Berlin-Buch – Beiträge zur Geschichte“, „Streifzüge durch die Orts- und Medizingeschichte von Berlin-Buch“ sowie „Siedlungs- und Kulturgeschichte von Berlin-Buch“), die er seit seiner Emeritierung im Jahr 1995 schrieb, zeugen von seiner Begeisterung für die Forschung und seiner Liebe zu Buch.

Und so überrascht es nicht, dass sich Bielka in den letzten Jahren prominent für die Sanierung der Schlosskirche in Buch eingesetzt hat. Der barocke Bau war im Krieg zerstört worden. Gemeinsam mit seiner Frau, der Pianistin und Professorin Galina Iwanzowa-Bielka und anderen engagierten Bürgerinnen und Bürgern hat er beispielsweise Benefizkonzerte im MDC-Kongresszentrum zugunsten des Turmaufbaus organisiert.

Text: Jutta Kramm

https://www.mdc-berlin.de/de/news/news/ein-leben-fuer-die-wissenschaft-0

investieren / 04.12.2020
Workshop-Verfahren am Pankower Tor startet

Entwicklungsbersbereich Pankower Tor (Abb.: Bezirksamt Pankow, Stadtentwicklungsamt)
Entwicklungsbersbereich Pankower Tor (Abb.: Bezirksamt Pankow, Stadtentwicklungsamt)

Am Pankower Tor geht es voran. Mit dem Start des Workshop-Verfahrens wurde nach intensiven Abstimmungen nun ein weiterer wichtiger Meilenstein erreicht. Das mehrstufige Verfahren bildet die Grundlage für die Entwicklung des ehemaligen Rangierbahnhofs Pankow zu einem urbanen neuen Stadtquartier. Auf dem Grundstück der Firma Krieger Handel SE entstehen in den kommenden Jahren circa 2.000 Wohnungen (30 Prozent davon mietpreis- und belegungsgebunden), Einzelhandel, Büros, Kindertagesstätten, eine Grundschule, öffentliche Parks und Spielplätze. Die geplante Radschnellverbindung „Panke-Trail“ und die neue Straßenbahnverbindung zwischen Pankow und Weißensee werden in der Planung berücksichtigt.

Sören Benn, Bezirksbürgermeister des Bezirks Pankow: „Mir ist wichtig, dass es ein abwechslungsreiches, an Pankower Baukulturen anknüpfendes Quartier wird, Urbanität mit Luftigkeit verbindet, quirliges Leben wie Ruhe- und Grünzonen bereithält. Es soll zeigen, dass Großstadt auch autoarm und ökologisch nachhaltig gut funktionieren kann. Es soll als Eingang zum Pankower Zentrum auch einen Beitrag zur Attraktivierung des alten Ortskerns leisten. Ich fände es gut, wenn so etwas bei dem Workshop-Verfahren herauskommen würde."

Vollrad Kuhn, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste: „Ich freue mich sehr, dass wir die Vorbereitung zum Workshop-Verfahren nun erfolgreich abschließen konnten. Mein ganz besonderer Dank gilt meinen Mitarbeiter:innen, die diesen Prozess so intensiv unterstützt haben. Besonders wichtig für das weitere Verfahren ist meiner Ansicht nach, dass die Erarbeitung eines ökologischen Gesamtkonzepts und deren Umsetzung in einem entsprechenden Stufenkonzept die Planungsgrundlage wird.“

Sebastian Scheel, Senator für Stadtentwicklung und Wohnen: „Die Auslobung des Wettbewerbs ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zur Realisierung des neuen Stadtquartiers am Pankower Tor. Er bildet die Grundlage für das Masterplanverfahren und damit für die Erarbeitung eines Bebauungsplans, der das seit Jahrzehnten brachliegende Gelände aus dem Dornröschenschlaf weckt. In den kommenden Jahren wird hier ein urbanes, gemischtes Quartier mit Wohnen, Flächen für Gewerbe, einem hohen Grünanteil und den im kinderreichen Bezirk Pankow dringend benötigten Schulplätzen entstehen. Das ist ein großer Erfolg. Ich bedanke mich für die vertrauensvolle Zusammenarbeit bei allen Beteiligten in den Verwaltungen und ganz besonders auch beim Vorhabenträger.“

Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: „Das neue Quartier Pankower Tor könnte ein weit über die Stadtgrenzen hinaus inspirierendes Modellprojekt für die Mobilität des 21. Jahrhunderts werden: Die ÖPNV-Angebote mit der Straßenbahn sowie dem nahen Anschluss an den U- und S-Bahnhof Pankow sind sehr attraktiv. Für Radfahrende werden mit dem neu zu bauenden Radschnellweg Panke-Trail und einem riesigen Fahrradparkhaus ganz neue Angebote und Perspektivengeschaffen. Es kommt jetzt auf zukunftsweisende, klimafreundliche Entwurfsvarianten aus dem Workshop-Verfahren an, damit aus dieser Idee auch Wirklichkeit werden kann.“

Kurt Krieger (Krieger Handel SE): „POW, Schulen, Verkehr, Mobilität, Einkaufszentrum, Wohnungen, Kreuzkröte, Zauneidechse, Panke-Trail, Fahrradparkaus und um noch vieles mehr haben wir in den letzten zwölf Jahren mit dem Bezirk und dem Senat gerungen. Nun sehen wir mit dem am 11.12.2020 beginnenden Workshop-Verfahren Licht am Ende des Tunnels. Wir sind stolz darauf, dass wir immer den Rückhalt aller Parteien im Bezirk hatten. Wo findet man schon über zwölf Jahre hindurch eine Allparteienmehrheit? Uns allen ist nun aber klar: Wenn die Ergebnisse des Workshop-Verfahrens vorliegen, steht der Projektrealisierung nichts mehr im Wege. Wir gehen von einem zügig durchzuführenden Bebauungsplanverfahren aus. Alle wesentlichen Parameter, wie Verkehr, Flora und Fauna, Einzelhandel u.a. sind in den letzten Jahren schon intensiv bearbeitet worden. Wir freuen uns auf den neuen Pankower Kiez und seine neuen Bewohner!!“

Das Workshop-Verfahren startet am 11. Dezember 2020 mit dem Versand der Auslobungsunterlagen an die sechs teilnehmenden Planungsteams. Diese sind ASTOC Architects and Planners GmbH (Köln), Nöfer Gesellschaft von Architekten mbH (Berlin), Blocher Partners (Stuttgart), Tchoban Voss Architekten (Hamburg Berlin Dresden), 03 Architekten GmbH (München) sowie Allmann Sattler Wappner Architekten GmbH (München). Die Büros können Teams mit Fachplanungsbüros ihrer Wahl (insb. Landschafts- und Verkehrsplanungsbüros) bilden.

Das Workshop-Verfahren wird in mehreren Stufen von der städtebaulichen Gesamtkonzeption bis hin zu architektonischen Vertiefungen durchgeführt. In einem ersten Zwischenkolloquium im Februar werden der Jury erste Ideen und Lösungsansätze präsentiert. Unmittelbar im Anschluss gibt es für interessierte Bürgerinnen und Bürger im Rahmen von diversen Beteiligungsformaten die Möglichkeit, über die Vorschläge zu debattieren.

Die Ergebnisse der Beteiligungsformate fließen in die weiteren Planungen ein. Mitte Juni werden die Verfahrensergebnisse dann nach der Juryentscheidung in einer öffentlichen Informationsveranstaltung bekanntgegeben.

https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/aemter/stadtentwicklungsamt/stadtplanung/artikel.487200.php

forschen, produzieren, heilen / 04.12.2020
Berliner Zukunftsorte im Gespräch mit der Europäischen Union

Forschungsgebäude für Medizinische Genomforschung auf dem Campus Berlin-Buch (Foto: Peter Himsel/CBB)
Forschungsgebäude für Medizinische Genomforschung auf dem Campus Berlin-Buch (Foto: Peter Himsel/CBB)

Auf Einladung von Staatssekretärin Barbro Dreher, Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe findet am 7. Dezember 2020 ein Online Event zum Thema „Zukunftsorte Berlins erlebbar machen für die EU“ / Die Zukunftsorte im Kampf gegen Corona“ in Kooperation mit dem Büro des Landes Berlin bei der EU statt.

Ziel der Veranstaltung ist die Bekanntmachung der Zukunftsorte Berlins auf europäischer Ebene, um auch die hervorragenden Ergebnisse der Wirtschafts-, Wissenschafts- und Technologie-Standorte zu vermitteln, zu Lösungen für die aktuellen Herausforderungen beizutragen sowie die Zukunftsorte weiter europäisch und international zu vernetzen. Die in Berlin gemachten Erfahrungen sollen in den europäischen Prozess eingebracht und Best-practice Beispiele angeboten werden.

Staatssekretärin Barbro Dreher: „Ich freue mich, der EU das Know-how und den Innovationsgeist unserer Berliner Zukunftsorte vorstellen zu können. In ihnen engagieren sich eine Vielzahl von Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen im Kampf gegen das Covid-19 Virus. Unsere Berliner Zukunftsorte verfügen hierfür über hervorragende Forschungskompetenzen. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag, um die Corona-Krise zu bewältigen.“

Die 11 Berliner Zukunftsorte werden ihre Interessen und Vorhaben gegenüber einem breiten europäischen und deutschen Publikum formulieren. Stellvertretend für alle Zukunftsorte nehmen die Geschäftsführer des Wissenschafts- und Technologieparks Adlershof, des Biotech-Campus Berlin-Buch, der Forschungs- und Produktionsstandort Schöneweide/ Südost, sowie der Flughafen Tegel als Urban-Tech-Standort an dem Event teil und stellen ihre Orte und Prioritäten vor. Im Mittelpunkt stehen dabei Europäische und Berliner Perspektiven für die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten der Zukunftsorte sowie deren aktueller Beitrag zur Bewältigung der Corona-Krise.

Mit der Vertreterin der Europäischen Kommission Frau Dr. Ulla Engelmann und dem Mitglied des Europäischen Parlaments Frau Martina Michels sollen Themen wie der zukünftige Haushalt der EU, die Verhandlungen im Rahmen der Strukturfonds, die weiteren politischen Prioritäten der EU u.a. in Bereichen wie Green Deal, Digitalisierung, Industriepolitik, KMU-Politik, Clusterkooperationen, Mobilität und Gesundheit angesprochen werden.

Hintergrund

In Berlin sind 11 Zukunftsorte aktiv, an denen die Zukunft von morgen schon heute gestaltet wird. Die Berliner Zukunftsorte sind Standorte, an denen Netzwerkstrukturen zwischen Wirtschafts-, Wissenschafts-, Forschungs- und Technologieeinrichtungen generiert und intensiviert werden, um die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des Landes Berlin gegenüber dem nationalen und globalen Markt weiter zu stärken. Sie bieten mit Gründerzentren Start-ups direkt im Anschluss an das Studium die besten Startchancen.

Als die 11 Berliner Zukunftsorte gelten Adlershof, Berlin-Buch, BerlinCampus Charlottenburg, CleanTech Marzahn, der EUREF-Campus Berlin, der Technologie-Park Berlin Humboldthain, der Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Schöneweide, Berlin Südwest mit dem FUBIC, Berlin TXL – The Urban Tech Republic am ehemaligen Flughafen Tegel und der Flughafen Tempelhof als Standort für Kreativwirtschaft sowie seit Anfang April 2019 Siemensstadt 2.0 im Bezirk Spandau.

Die Berliner Zukunftsorte sind regionale Entwicklungsschwerpunkte, die eine Leuchtturmfunktion für das gesamte Stadtgebiet und darüber hinaus übernehmen. Die dort geschaffenen Synergien zwischen der exzellenten Wissenschaftslandschaft Berlins und den wachsenden, zukunftsgerichteten Wirtschaftsunternehmen zeigen, wie aus den Kooperationen erfolgreich innovative Produkte und Leistungen entstehen können. Die von der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe initiierte Geschäftsstelle für alle 11 Zukunftsorte unterstützt bei der Koordinierung gemeinsamer Arbeitsprozesse, der externen Vernetzung und bei gemeinsamen Marketingmaßnahmen.

Quelle: Pressemeldung Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe

leben, heilen / 04.12.2020
Notfalldose liefert „coole“ Infos

Bezirksamt und Zivilgesellschaft setzen Zeichen für kommunale Solidarität

Das Bezirksamt Pankow von Berlin hat gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), dem Rathaus-Center Pankow, der Berliner Volksbank und der Berliner Sparkasse das Projekt "Notfalldosen für einkommensschwache Menschen" ins Leben gerufen.
Ab Montag den 7. Dezember können einkommensschwache Bürgerinnen und Bürger aus Pankow sich an mehreren Standorten und Verteilaktionen eine Notfalldose abholen. Insgesamt wurden für 5.500 Euro rund 4.000 Notfalldosen inklusive Notfall-Infoblatt und je zwei Aufkleber, für Haus- und Kühlschranktür, besorgt.

Notfalldosen sind für Rettungseinsätze entwickelt worden, um dem Notarzt wichtige medizinische Informationen bereitzustellen, falls während eines Einsatzes der Patient keine Auskunft geben kann. Die SOS-Notfalldose enthält auf einem Notfall-Infoblatt alle wichtigen Informationen und Krankheitsdaten. Ein Aufkleber auf der Innenseite der Wohnungstür weist darauf hin, dass die lebensrettenden Informationen in einer mit dem entsprechenden Symbol gekennzeichneten Dose im Kühlschrank aufbewahrt werden und so den Einsatzkräften sofort zur Verfügung stehen.

„Ich bin froh und glücklich, dass wir rund 4.000 Menschen im Bezirk Pankow mit Notfalldosen ausstatten können – besonders in der durch das Corona-Virus für viele Menschen erschwerten Situation“, sagt Bezirksstadträtin Tietje. „Mein persönlicher Dank gilt darum auch den großzügigen Spendern für ihr soziales Engagement in diesen schwierigen Zeiten. Auch den vielen ehrenamtlichen Helfern möchte ich danken, die bei der Verteilung unerlässlich sind. Ohne das Engagement aller Beteiligten wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen", betont die Stadträtin für den Geschäftsbereich Jugend, Wirtschaft und Soziales. Darüber hinaus ist es der Stadträtin ein Anliegen den Zugang für Menschen möglichst einfach, unkompliziert und niedrigschwellig zu gestalten. „Niemand müsse einen Einkommensnachweis oder gar ein Attest vorlegen“, so die Stadträtin.
Im Rahmen der jährlich stattfindenden Verteilung von Weihnachtstüten durch die bezirkseigenen Begegnungsstätten gehen über 1.000 Dosen an Seniorinnen und Senioren. Auch die Pflegestützpunkte verteilen fleißig mit. Rund 300 Dosen sollen an pflegebedürftige Menschen verteilt werden. Einrichtungen für Geflüchtete im Bezirk Pankow werden mit 300 Dosen versorgt. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenwohnhauses in der Neumagener Straße erhalten 200 Dosen. Das DRK unterstützt die Verteilung der Notfalldosen und leistet wichtige Aufklärungsarbeit.
 
„Jede Minute zählt bei einem lebensbedrohlichen Zustand. Im Notfall sind betroffene Personen oft nicht ansprechbar, aber das Rettungsteam benötigt schnell Informationen zu Vorerkrankungen, Allergien und eingenommenen Medikamenten und genau deshalb ist die Rettung aus der Dose ein wunderbares und sinnstiftendes Geschenk“, sagt Kati Avci, Geschäftsführerin vom DRK-Kreisverband Berlin-Nordost e.V.
Die ehrenamtlichen Helfer:innen vom DRK-Kreisverband Berlin-Nordost e.V. helfen mit die Dosen zu verteilen und stehen für alle Fragen rund um die lebensrettende Dose zur Verfügung. „Die Verteilung der Notfalldosen und kompetente Beratung ist für uns eine Herzenssache, damit jede/r Ersthelfer:in schnell und sicher agieren kann“, freut sich Kati Avci auf die Aktion.

Über 400 Dosen verteilen die lokalen Stadtteilzentren in Pankow (Schönholzer Str. 10), Weißensee (Pistoriusstraße 23), Prenzlauer Berg (Fehrbelliner Str. 92), Buch (Franz-Schmidt Str. 8–10), Karow (Busonistraße 136). Aktuell halten die Mitarbeitenden der Stadtteilzentren den nachbarschaftlichen Kontakt über ein sogenanntes „Mobiles Stadtteilzentrum“ aufrecht. Der Kreisverband Berlin-Nordost e.V. des Deutsches Rotes Kreuz erklärte sich bereit 1.000 Dosen in Rahmen ihrer Feldküchen-Einsätze an Bedürfte zu verteilen. Darüber hinaus finden in Kooperation zwischen Rotem Kreuz und dem Rathaus-Center Pankow Verteilaktionen statt. Rund 500 Dosen sollen auf diesem Weg einen neuen Besitzer finden.

„Als Herz im Zentrum Pankows zeigen wir hier gerne Herz und geben nicht nur Geld, sondern sind natürlich auch Anlaufpunkt der Verteilaktion. Das Rathaus-Center Pankow wird von allen besucht, auch sozial Schwächeren. Mit ihnen wollen wir solidarisch sein, denn wenn alle Solidarität üben, dann schaffen wir es durch diese schwierigen Zeiten“, so Peter Schönbrunn, Centermanager des von der DI-Gruppe verantworteten Rathaus-Center Pankows.“

Basierend auf statistischen Kennzahlen geht das Bezirksamt Pankow davon aus, dass insgesamt rund 37.000 Menschen aus gesundheitlichen Gründen Bedarf an einer Notfalldose haben könnten. Davon wiederum befinden sich schätzungsweise 3.000 Menschen im Leistungsbezug. Diesen Menschen, die über wenig Einkommen verfügen, möchte das Bezirksamt im Rahmen eines breiten Bündnisses mit diesem Projekt helfen.
„Seit über 200 Jahren ist die Berliner Sparkasse in der Stadt tief verwurzelt. Wir sind ein Teil von Berlin und von Pankow und engagieren uns daher auch für die Menschen, die hier leben. Und manchmal braucht es dazu gar nicht viel: Schon eine kleine Dose kann ein Stück Sicherheit geben und in entscheidenden Situationen sogar Leben retten. Es sollte nicht am Geld scheitern, dass jede und jeder die Möglichkeit hat, eine Notfalldose bei sich zuhause zu hinterlegen,“ so Frank Schröter, Regionalleiter der Berliner Sparkasse für Pankow.

In vielen Städten und Kommunen gibt es bereits eine kostenlose Ausgabe von Notfalldosen. In der Regel beteiligen sich an der Verteilung der Notfallfalldosen unterschiedliche Akteure wie öffentliche Einrichtungen, soziale Träger, diverse Verbände, das Deutsche Rote Kreuz, der Seniorenbeirat oder lokalverankerte Finanzinstitute wie Sparkassen oder Volksbanken.

"Aus Kundengesprächen zur finanziellen Altersvorsorge und Absicherung wissen wir, dass sich stetig mehr Menschen auch um ihre Notfallvorsorge kümmern“, sagt Karen Mohr, FinanzCenter Leiterin, der Berliner Volksbank. „Mit der Ausgabe der kleinen ‚Lebensretter‘ möchten wir uns für die Menschen in Pankow auch über das Finanzielle hinaus bei ihren privaten Vorsorgemaßnahmen einsetzen. Ein Projekt, das hoffentlich vielen Menschen das Leben rettet. Möglich wurde die Unterstützung dieser Aktion durch Spendenerlöse des VR-Gewinnsparens – einer Kombination aus Sparen, Gewinnen und Helfen – mit der wir gemeinnützige Projekte unterstützen.

Bezirksstadträtin Tietje hofft, dass dieses Projekt auch viele Bürgerinnen und Bürger ermutigt, besonders in diesen schwierigen Zeiten, sich für andere Menschen einzusetzen, ob im Rahmen eines Ehrenamtes oder als Spender für wohltätige Zwecke. So betont sie abschließend, dass „Bezirksamt und Zivilgesellschaft hier ein Zeichen für kommunale Solidarität setzen wollen“.
 
Wo gibt es Notfalldosen?

Pflegestützpunkte
•    Mühlenstraße 48                Di. 9-15 Uhr und Do. 12-18 Uhr
•    Hauptstraße 29a                Di. 9-15 Uhr und Do. 12-18 Uhr
•    Am Steinberg 10                Wiedereröffnung im Februar

Stadtteilzentren
•    Pankow (Schönholzer Str. 10)         Mo. bis Fr. 9-22 Uhr und Sa./So. 9-18 Uhr
•    Weißensee (Pistoriusstraße 23)        Di./Mi. 9-12 Uhr, Do. 14-18 Uhr, So. 14-18 Uhr
•    Prenzlauer Berg (Fehrbelliner Str. 92)    Mo. bis Fr. 10-14 Uhr
•    Buch (Franz-Schmidt Str. 8–10)        Nach vorheriger Terminvereinbarung
•    Karow (Busonistraße 136)        Nach vorheriger Terminvereinbarung

Begegnungsstätten
•    Am Friedrichshain                Mo. bis Do. 9-17 Uhr und Fr. 9-16 Uhr
•    Schönholzer Str. 10a            Mo. bis Do. 9-17 Uhr und Fr. 9-16 Uhr
•    Tollersztaße 5                Mo. bis Do. 9-17 Uhr und Fr. 9-16 Uhr
•    Grellstraße 14                Mo. bis Do. 9-17 Uhr und Fr. 9-16 Uhr
•    Husemannstr. 12                Mo. bis Do. 9-17 Uhr und Fr. 9-16 Uhr
•    Paul-Robson-Str. 15            Mo. bis Do. 9-17 Uhr und Fr. 9-16 Uhr

Aktionstage des Deutschen Roten Kreuzes
•    Rathaus-Center Pankow (Breite Str. 20)
o    Breite Str. 20            19.12. von 10:00 Uhr bis 15:00 Uhr
o    Breite Str. 20            29.12. von 10:00 Uhr bis 15:00 Uhr
o    Breite Str. 20            30.12. von 10:00 Uhr bis 15:00 Uhr
 
•    Feldküchen-Einsätze
o    Breite Str. Wochenmarkt        Sa., den 19.12.2020 ab 12:00 Uhr
Pankow-Kirche

forschen, heilen / 30.11.2020
Neue PhD-Programme starten am MDC

Auf Serotonin reagierende Neuronen (rot) im Gehirn der Maus. (Bild: Natalia Alenina, MDC)
Auf Serotonin reagierende Neuronen (rot) im Gehirn der Maus. (Bild: Natalia Alenina, MDC)

Angehende Doktorand*innen können sich für gleich zwei neue Ausbildungsprogramme bewerben. Das Training talentierter Nachwuchsforscher*innen am MDC und weiteren europäischen Forschungseinrichtungen unterstützt die EU mit bis zu vier Millionen Euro je Netzwerk.

Krebszellen ordentlich einheizen oder einen kleinen Signalstoff untersuchen, der psychische Krankheiten auslösen kann – in zwei neuen Marie Skłodowska-Curie Innovative Training Networks (ITN) sollen hervorragende Stipendiat*innen auf den Gebieten multimodaler Krebstherapien und der neuronalen Entwicklung ausgebildet werden. Interessierte Kandidatinnen und Kandidaten können sich teilweise schon jetzt für die Stipendien bewerben.

An beiden Programmen sind neben dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) jeweils zehn weitere Verbundmitglieder wie Universitäten, Universitätskliniken und außeruniversitäre Institute sowie mehrere nicht-akademische Partnerorganisationen beteiligt. Mehrmals wurden die Anträge für „Hyperboost“ und „Serotonin and Beyond“ überarbeitet, bis sie 2020 im EU-Forschungsrahmenprogramm „Horizon 2020“ bei einer hochkompetitiven Ausschreibung Erfolg hatten.

Wirksame Krebstherapien entwickeln

Höhere Temperaturen im Körper können Strahlentherapien gegen Krebs effektiver machen. Eine Kombination aus Chemotherapie und Hyperthermie – hier wird das Tumorgewebe auf 40 – 44 °C erwärmt – trägt dazu bei, dass der Tumor schrumpft und Krebspatient*innen länger leben.

Ziel des Programms „Hyperboost“ ist die interdisziplinäre Ausbildung von 14 Fachleuten, die in einem ganzheitlichen Ansatz Fachwissen aus Physik, Bioinfomatik und Biologie mit Erfahrungen aus klinischen und vorklinischen Studien zusammenbringen. Die teilnehmenden Doktorand*innen tragen gemeinsam zur Entwicklung von hocheffektiven personalisierten Krebstherapien bei.

Während der Forschungsnachwuchs bei den anderen Verbundmitgliedern der molekularen Wirkweise von Hyperthermie auf zellulärer Ebene nachgeht, entwickelt der oder die Doktorand*in am MDC eine spezielle Technik der Magnetresonanztomographie (MRT). „Hochfrequenzstrahlen erzeugen Wärme“, erklärt Professor Thoralf Niendorf. „So können wir die Temperatur gezielt in Körperregionen erhöhen und sie am MRT-Gerät für diagnostische und therapeutische Zwecke verfolgen und steuern.“

Niendorf erforscht in der Arbeitsgruppe „Ultrahochfeld-Magnetresonanz“ am MDC temperaturabhängige Prozesse im lebenden Gewebe und wird nun den Neuzuwachs betreuen, der innerhalb von drei Jahren die Technik planen, bauen und letztendlich in klinischen Studien bewerten soll. Dabei kooperiert das Team eng mit der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Koordinator des Netzwerkes, das im Dezember 2020 startet, ist die Universität von Amsterdam (Niederlande). Das Bewerbungsverfahren läuft bereits, ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Bei Fragen hilft Niendorfs Arbeitsgruppe gerne weiter.

Ein neuer Ansatz für Medikamente in der Psychiatrie

Sehr viele Medikamente gegen psychische Störungen zielen auf Serotonin ab – eine Substanz im Gehirn, mit deren Hilfe Nervenzellen miteinander kommunizieren und die viele physiologische Prozesse beeinflusst. „Bei einigen Patient*innen mit psychischen Störungen wirken gängige Medikamente jedoch nicht“, sagt Dr. Natalia Alenina vom MDC, die in der Arbeitsgruppe von Professor Michael Bader zwei Doktorand*innen im Programm „Serotonin and Beyond“ betreuen wird.

Zusätzlich zu seiner Funktion als Signalstoff spielt Serotonin auch bei der embryonalen und frühkindlichen Gehirnentwicklung eine Rolle. „Arzneimittel neutralisieren oft jedoch keine durch Serotonin veränderten Entwicklungsprozesse im Gehirn, sondern eher Störungen der Serotonin-Signalübertragung“, sagt Bader. Darum wären Medikamente bei einigen Patient*innen wirkungslos, vermutet der Leiter der MDC-Arbeitsgruppe „Molekularbiologie von Hormonen im Herz-Kreislaufsystem“.

Die beiden Doktorand*innen in Baders Team sollen nun grundlegende genetische und umweltbedingte Faktoren untersuchen, die den Serotoninspiegel während der Gehirnentwicklung beeinflussen. Das erforschen sie an Gehirnen von Mäusen und Ratten, die entweder selbst oder deren Mutter aufgrund genetischer Veränderungen Serotonin gar nicht herstellen konnten oder verändert metabolisiert haben.

Die Kolleg*innen im Konsortium untersuchen, wie sich durch Serotonin beeinflusste Entwicklungsprozesse auf Kognition und Verhalten auswirken und zu psychischen Störungen führen können. So tragen alle 15 teilnehmenden PhD-Studierenden gemeinsam dazu bei, neue Angriffspunkte für Therapien ausfindig zu machen. Das Trainingsprogramm und die Bewerbungsphase starten im Januar 2021, Fragen zum Bewerbungsverfahren beantwortet Baders Arbeitsgruppe. Die Stichting Katholieke Universiteit in Nimwegen (Niederlande) koordiniert das Programm.

Über die ITN

Die Förderung der Europäischen Union beinhaltet neben Gehältern auch Zuschüsse für Forschungskosten, Reisen, Koordinierung und Management aller Aktivitäten, die innerhalb des Netzwerkes stattfinden.

Doktorand*innen aller Verbundmitglieder erhalten während ihres dreijährigen Stipendiums eine erstklassige Betreuung durch erfahrene Expert*innen und attraktive Angebote für Weiterbildung, fachlichen Austausch und Networking. Sie können für einige Monate bei einem anderen Verbundmitglied bzw. einer der beteiligten Partnerorganisationen arbeiten, um Sektoren übergreifende Erfahrungen, z.B. im Bereich präklinischer Forschung, Klinik oder Industrie zu sammeln und Kontakte mit zukünftigen Arbeitgebern aufzubauen.

Weiterführende Informationen

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de 

forschen, produzieren, heilen / 27.11.2020
Christina Quensel in den Vorstand des Bundesverbandes deutscher Innovationszentren gewählt

Dr. Christina Quensel, Geschäftsführerin der Campus Berlin-Buch GmbH (CBB), Foto: David Ausserhofer/CBB
Dr. Christina Quensel, Geschäftsführerin der Campus Berlin-Buch GmbH (CBB), Foto: David Ausserhofer/CBB

Erfolgreiche Innovations- und Gründerzentren zeichnen sich durch ihre enge Vernetzung mit Forschungseinrichtungen, Universitäten und Unternehmen aus. Davon profitieren nicht nur die betreuten Start-ups und jungen Unternehmen. Für die Regionen sind die Zentren effiziente Instrumente regionaler Wirtschaftsförderung, denn sie initiieren und unterstützen Neugründungen und Unternehmensansiedlungen, die wiederum Arbeitsplätze, wachsende Steuereinnahmen und strukturelle Entwicklungsmöglichkeiten schaffen. So betreuten die 350 Innovationszentren in Deutschland allein im Jahr 2020 über 5.080 Unternehmensgründungen und trugen bis heute zur Schaffung von 291.980 Arbeitsplätzen bei.

Der Bundesverband deutscher Innovationszentren (BVIZ) vernetzt die Manager und Managerinnen seiner Mitgliedszentren und bietet ihnen die Möglichkeit, sich regelmäßig über Best-Practice-Ansätze der Förderung von Unternehmensgründungen und des Betriebes der Zentren auszutauschen.

Auf der Jahreskonferenz des BVIZ im November 2020 wurde die Geschäftsführerin der Campus Berlin-Buch GmbH (CBB), Dr. Christina Quensel, in den Vorstand gewählt. Die CBB betreibt den BiotechPark Berlin-Buch auf dem Campus Berlin-Buch, der zu den führenden Technologieparks in Deutschland gehört. Buch ist seit rund 100 Jahren renommiert für seine Kliniken und Spitzenforschung und heute einer der größten biomedizinischen Standorte Deutschlands. Über 6.000 Arbeitsplätze bietet allein die Gesundheitswirtschaft, davon fast 3.000 in Einrichtungen der Grundlagen- und klinischen Forschung sowie in Biotech-Unternehmen.

„Ich freue mich darauf, die Arbeit des Bundesverbands deutscher Innovationszentren mitzugestalten. Er ist ein anerkannter Branchenverband, dessen Stimme in der Politik und in der Wirtschaft Gewicht hat“, so Dr. Quensel. „Den Austausch im nationalen Netzwerk der Innovationszentren erleben wir als sehr produktiv, sowohl auf Management-Ebene als auch in den einzelnen Arbeitsgruppen. Wir schätzen auch die Möglichkeit, über den BVIZ Einblick in die Arbeit internationaler Zentren – wie in Dänemark oder der Schweiz – zu erhalten. Für den Erfolg der Innovationszentren ist es wesentlich, voneinander zu lernen und die besten Ansätze zu verwirklichen.“

Über den Wissenschafts- und Biotechnologiecampus Berlin-Buch
Der Campus Berlin-Buch ist ein moderner Wissenschafts- und Biotechnologiepark. Alleinstellungsmerkmale sind der klare inhaltliche Fokus auf Biomedizin und das enge räumliche und inhaltliche Zusammenwirken von Forschungsinstituten, Kliniken und Biotechnologie-Unternehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erforschung molekularer Ursachen von Krebs,- Herzkreislauf- und neurodegenerativen Erkrankungen, eine interdisziplinär angelegte Grundlagenforschung zur Entwicklung neuer Therapien und Diagnoseverfahren, eine patientenorientierte Forschung und die unternehmerische Umsetzung biomedizinischer Erkenntnisse.
Mit dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und dem Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) als Einrichtungen der Grundlagenforschung, dem gemeinsam von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin betriebenen und auf klinische Forschung spezialisierten Experimental and Clinical Research Center (ECRC), dem Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH) sowie dem BiotechPark Berlin-Buch hat der Campus ein herausragendes Innovations- und Wachstumspotenzial.

Der BiotechPark Berlin-Buch gehört mit 63 Unternehmen, 800 Beschäftigten und rund 31.000 Quadratmetern Büro- und Laborfläche zu den führenden Technologieparks in Deutschland. Ausgründungen aus den Life Sciences finden hier ideale Bedingungen, vom Technologietransfer bis hin zu branchenspezifischen Labor- und Büroflächen. Die Life Science Community vor Ort ermöglicht einen direkten Austausch und gemeinsame Projekte.

Als Betreibergesellschaft des Campus ist die Campus Berlin-Buch GmbH Partner für alle dort ansässigen Unternehmen und Einrichtungen. Biotechnologieunternehmen – von Start-ups bis zu ausgereiften Firmen – anzusiedeln, zu begleiten und in allen Belangen zu unterstützen, gehört zu ihren wesentlichen Aufgaben.
www.campusberlinbuch.de

Über den Bundesverband Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren e.V. (BVIZ)
Der BVIZ wurde 1988 auf Initiative der ersten Technologiezentren in Deutschland gegründet. Im BVIZ sind aktuell rund 150 Innovationszentren und zahlreiche andere Mitglieder vereint, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Existenzgründungen zu fördern und junge, innovative Unternehmen zu unterstützen.
Die Mitgliedszentren des BVIZ nehmen gründungswillige Unternehmer gern auf, beraten sie qualifiziert in allen Fragen der Unternehmensgründung, betreuen sie in den ersten Wachstumsphasen und bieten ihnen eine hervorragende Infrastruktur - von modernsten Kommunikationsmöglichkeiten bis hin zu komplexen Laborlösungen. Darüber hinaus kooperieren die Zentren häufig mit Forschungseinrichtungen und Universitäten und unterstützen den Technologie- und Wissenstransfer in die Wirtschaft.
Der BVIZ-Bundesverband vertritt in erster Linie die Interessen der Mitglieder gegenüber Öffentlichkeit, Politik und Wirtschaft. Darüber hinaus bietet er den Mitgliedern neben Erfahrungsaustausch, Know-How-Vermittlung sowie nationalen und internationalen Netzwerken weitere Vorteile und Unterstützung.
www.innovationszentren.de

forschen / 27.11.2020
Nieren-Puzzle für Fortgeschrittene

Section through a mouse kidney: The messenger RNA of a gene is stained brown. The more intense the staining, the stronger the gene expression. This illustrates the spatially heterogeneous expression of genes in the kidney. © AG Schmidt-Ott, MDC
Section through a mouse kidney: The messenger RNA of a gene is stained brown. The more intense the staining, the stronger the gene expression. This illustrates the spatially heterogeneous expression of genes in the kidney. © AG Schmidt-Ott, MDC

Aus der Genexpression von Einzelzellen können Algorithmen nicht nur deren Ursprungsort im Gewebe rekonstruieren, sondern auch funktionelle Details ablesen. Das berichten die Teams um Kai Schmidt-Ott und Nikolaus Rajewsky im Fachjournal „JASN“ am Beispiel der Niere.

Um herausfinden, was wann genau in einer bestimmten Zelle passiert, sehen sich Wissenschaftler*innen deren Transkriptom an – die Gesamtheit aller Gene, die zu einem konkreten Zeitpunkt abgelesen und in RNA umgeschrieben werden. Mit Hilfe der Einzelzell-RNA-Sequenzierung lassen sich heute die Expressionsprofile vieler Tausend Zellen parallel analysieren. Doch dazu müssen sie aus dem Zellverband herausgelöst werden. Die Information wo eine Zelle vorher im Gewebe saß, geht dabei verloren.

Anhand der Genexpression lässt sich dies jedoch bioinformatisch rekonstruieren. „Wir wollten wissen, ob man Algorithmen nutzen kann, um neben einer Rekonstruktion der räumlichen Anordnung auch funktionelle Informationen aus den Einzelzellsequenzierungen zu gewinnen. Zum Beispiel über die Umgebungsbedingungen von Nierenzellen“, sagt Dr. Christian Hinze von der Arbeitsgruppe Molekulare und translationale Nierenforschung am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und von der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Er ist Erstautor der Studie, die nun im „Journal of the American Society of Nephrology“ (JASN) erschienen ist.

Ein heterogenes Organ

Die Nieren von Säugetieren sind räumlich sehr heterogen. Die beiden bohnenförmigen Organe bestehen aus der Nierenrinde (Kortex), sowie dem äußeren und inneren Nierenmark (Medulla). In letzterem bildet sich nach diversen Filterprozessen hochkonzentrierter Urin, der über Harnleiter und Blase ausgeschieden wird. „Über 15 verschiedene Zelltypen finden sich zum Beispiel in einer Mäuseniere – und manche davon in allen drei Zonen der Niere“, sagt Hinze. Ein unlösbares Problem? Keineswegs. Denn die Umgebung, in der eine Zelle lebt, spiegelt sich auch in ihrer Genexpression wider.

2019 hatte das Team um Professor Nikolaus Rajewsky, Direktor des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC und einer der Letztautoren des aktuellen Papers, das Programm NovoSpaRc entwickelt. Damit kann man die räumliche Anordnung von Zellen innerhalb eines Organs anhand der Genexpression rekonstruieren. Bei ersten Studien hatten die Forschenden herausgefunden, dass Zellen, die nah beieinander liegen, sich auch in der Aktivität bestimmter Gene ähneln. „Das liegt daran, dass sie in der gleichen Umgebung zurechtkommen müssen“, erklärt Hinze. „Im inneren Nierenmark etwa herrschen sehr viel heftigere Bedingungen als in der Nierenrinde. Denn die Osmolalität der Umgebung – also die Konzentration der gelösten Substanzen in der Umgebung der Zellen – nimmt von außen nach innen stark zu.“

Der Algorithmus löst das 3D-Puzzle

Für ihre aktuelle Studie konzentrierten sich die Forschenden vorrangig auf einen bestimmten Zelltyp in der Niere. Auf Prinzipalzellen, die maßgeblich an der Rückresorption von Blutsalzen und Wasser beteiligt und über das ganze Organ verteilt sind. Diese Zellen haben sie anhand der speziellen Genexpression dieses Zelltyps aus den Einzelzelldaten von Mausnieren extrahiert und dann dem Algorithmus NovoSpaRc unterworfen. Der ordnete die Expressionsdaten nach Ähnlichkeit von über 800 ausgewählten Genen an. „NovoSpaRc arbeitet wie ein Puzzlespieler: Er versucht, die verschiedenen Teile (Zellen) so zusammenzubringen, dass das Ergebnis einen Sinn ergibt“, sagt Bioinformatiker Dr. Nikos Karaiskos aus dem Rajewsky-Labor. Er ist Mitentwickler von NovoSpaRc, und leitet das DFG-geförderte Projekt Unverfälschte räumliche Einzelzelltranskriptomik.

Und tatsächlich, es funktionierte. „Dass die Osmolalität im Gewebe entlang der Achse von Nierenrinde zum inneren Mark stark zunimmt, sahen wir auch an der Genexpression“, sagt Hinze. „Bei höheren Salzkonzentrationen schaltet die Zelle bestimmte Schutzgene an, damit sie in dieser Umgebung überleben kann.“ Durch Vergleichstests an Gewebe von genetisch veränderten Mäusen, bei denen der normale Salzgradient gestört ist, verifizierten die Forschenden das Ergebnis.

Atlas der Genexpression in der Niere

Inwiefern bringt die räumliche Einzelzellanalyse nun konkret die Nierenforschung weiter? „Wir können Nierenzellen nun die räumliche Genexpression in der Niere genauer vorhersagen und dadurch auch auf Funktionen bzw. Fehlfunktionen in bestimmten Regionen der Niere rückschließen“, sagt Professor Kai Schmidt-Ott, Nephrologe an MDC und der Charité und ebenfalls Letztautor. „In einem ersten Schritt konnten wir bereits einen räumlich hochaufgelösten Atlas der Genexpression der gesunden Mausniere erstellen können, den wir nun der wissenschaftlichen Community online zugänglich machen.“

Die bisherigen Datenanalysen beschränken sich auf gesunde und genetische veränderte Nieren aus Tiermodellen. Jetzt wollen die Forschenden sich kranken Nieren zuwenden. „Wir denken, dass uns die neuen Methoden auch ein besseres Verständnis der regionalen molekularen Prozesse bei Nierenkrankheiten ermöglichen können“, sagt Schmidt-Ott.

Die Rekonstruktion dauerte nur Sekunden

Die Einzelzell-RNA-Sequenzierung mit bioinformatischer Gewebsrekonstruktion zu kombinieren, hat in mehrfacher Hinsicht Charme. Zum einen, weil es normalerweise mehrerer Experimente bedarf, um verschiedene Regionen eines Organs zu studieren. „Wir können einfach die gesamte Niere zerkleinern, sequenzieren und alles Mögliche aus den Transkriptomen ablesen. Das erspart der Forschung viel Zeit und Geld“, betont Hinze. Untersuchen lässt sich damit praktisch alles, was sich in der Genexpression einer Zelle widerspiegelt – und das sogar in räumlicher Auflösung. Etwa die Sauerstoff- oder Nährstoffversorgung des Gewebes oder – wie hier – die Osmolalität. Besonders spannend ist jedoch, dass bereits archivierte Datensätze zur Beantwortung neuer Forschungsfragen herangezogen werden können – selbst wenn die Proben der entsprechenden Zellen schon längst nicht mehr existieren.

Und ein letzter Pluspunkt: Das Puzzeln mit Expressionsdaten geht rasant schnell, wie Karaiskos sagt. „In einer Minute durchforstet der Algorithmus die Daten einiger Tausend Zellen. Die Rekonstruktion der kleinen Mausniere war jedoch schon binnen weniger Sekunden abgeschlossen.“

Literatur

Christian Hinze et al. (2020): „Kidney Single-cell Transcriptomes Predict Spatial Corticomedullary Gene Expression and Tissue Osmolality Gradients“. JASN, DOI: 10.1681/ASN.2020070930.

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

www.mdc-berlin.de 

forschen, produzieren, leben, heilen, bilden / 24.11.2020
Die neue Ausgabe des Standortmagazins buchinside ist erschienen

Cover der Ausgabe 2/2020. Foto: Pablo Castagnola / MDC
Cover der Ausgabe 2/2020. Foto: Pablo Castagnola / MDC

Im Titelthema: So wenig und so schonend wie möglich - Das Preclinical Research Center des MDC schafft die besten Bedingungen dafür, wissenschaftlich notwendige Tierversuche auf ein Mindestmaß zu reduzieren und sie zu optimieren

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

unser Forschungs- und Technologiepark wächst – das ist nicht zu übersehen und aktuell auch nicht zu überhören: Seit August (Spatenstich) wird mitten auf dem Campus wieder gebuddelt, gebaggert und gezimmert. Der BerlinBioCube entsteht, ein Gründerzentrum für junge Biotech und Medtech-Unternehmen, das 2023 eröffnet werden soll.

Gewerkelt wird auch am Lindenberger Weg. Noch. Dort steht das Käthe-Beutler-Haus, und hier geht es bereits um die Inneneinrichtung der Labore. Das Forschungsgebäude gehört zum Berlin Institute of Health (BIH) und wird künftig den Fokusbereich „Translationale Vaskuläre Biomedizin“ von BIH und MDC beherbergen. Im Frühjahr 2021 soll dort Eröffnung gefeiert werden. Solche Zeichen der Erneuerung und des Aufbruchs machen mich froh.

Ein weiteres neues Gebäude übergeben wir vom Max-Delbrück-Centrum in diesen Wochen seiner Bestimmung, und auch darüber freue ich mich: das Präklinische Forschungscentrum (PRC), ein Haus, das Tierhaltung und modernste, tierschonende Untersuchungsmöglichkeiten vereint. Warum brauchen die MDC-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler ein neues Haus für Tierversuche? Wie passt das zu unserer innovativen Forschung, sind Tierversuche nicht etwas von gestern? Soll es zukünftig mehr Tierexperimente oder mehr Versuchstiere am MDC geben? Nein, im Gegenteil. Unsere Forscherinnen und Forscher nutzen immer häufiger Computer-Simulationen und andere Alternativen wie den Einsatz von Organoiden. Aber uns ist bewusst: So lässt sich kein vollständiger Organismus simulieren; und auch Medikamente müssen weiterhin in mehreren Phasen getestet werden – auch an Tieren. Auf absehbare Zeit kann Gesundheitsforschung leider noch nicht vollständig auf Experimente mit Mäusen, Ratten, Nacktmullen oder Fischen verzichten.

Wir werden das neue Gebäude dafür nutzen, unsere Versuche wie schon jetzt mit den besten Methoden, unter höchsten Standards und optimaler Kontrolle so schonend wie möglich vorzunehmen und so wenige Tiere wie möglich einzusetzen. All dies entspricht dem 3R-Prinzip: Replace, Reduce, Refine – auf Deutsch: Vermeiden, Verringern, Verbessern. Diesem Prinzip haben wir uns am MDC verpflichtet. Das neue PRC wird uns helfen, beim Verfolgen dieses Ziels immer besser zu werden. Der Neubau beherbergt modernste Labore sowie Mikro-CT, MRT und PET-Scans für optimale bildgebende und andere, minimalinvasive Verfahren. Künftig sollen sämtliche Tierexperimente des MDC im PRC stattfinden, sodass kein Tier mehrmals transportiert werden muss. Die Versuche können im PRC außerdem besser koordiniert werden, die bildgebenden Methodenermöglichen Untersuchungen und Verhaltensstudien von Tieren über lange Zeiträume.

Mit dieser buchinside möchte ich Sie gerne einladen, das PRC und die Menschen, die dort arbeiten und forschen, ein wenig besser kennenzulernen. Ich hoffe, ich habe Ihre Neugier geweckt. Mehr zur Präklinischen Forschung finden Sie auf den Seiten 4 und 5.Bleiben Sie gesund, wünscht

Ihr
Thomas Sommer
Wissenschaftlicher Vorstand (komm.) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

Lesen Sie die aktuelle Ausgabe hier: https://www.berlin-buch.com/de/buchinside

forschen / 19.11.2020
CLCN6 als Krankheitsgen für schwere Form der lysosomal bedingten neurodegenerativen Krankheit identifiziert

Mikroskopische Aufnahme zweier Zellen, die die krankheitserzeugende Mutante von ClC-6 (rot markiert) überproduzieren. (Bild: Carlo Barbini)
Mikroskopische Aufnahme zweier Zellen, die die krankheitserzeugende Mutante von ClC-6 (rot markiert) überproduzieren. (Bild: Carlo Barbini)

Eine Mutation im CLCN6-Gen ist Ursache einer besonders schweren neurodegenerativen Form der lysosomalen Erbkrankheit. Diesen Nachweis haben jetzt Wissenschaftler vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) zusammen mit einem internationalen Forscherteam erbracht, nachdem bei drei betroffenen Kindern die gleiche Punktmutation gefunden wurde. ClC-6 ist einer von neun Mitgliedern der CLCN-Genfamilie von Chloridkanälen und Chlorid/Protonen-Austauschern und war neben ClC-3 bislang der einzige, dem noch keine menschliche Erkrankung zugeordnet werden konnte. Die Ergebnisse wurden soeben im American Journal of Human Genetics publiziert.

Unter dem Begriff „lysosomale Speicherkrankheit“ werden eine Reihe von genetisch bedingten Stoffwechselerkrankungen zusammengefasst, die auf eine fehlerhafte oder unzureichende Funktion der Lysosomen zurückzuführen sind. Die Zellorganellen spielen sowohl bei der zellulären Müllabfuhr als auch bei der Regulation des zellulären Stoffwechsels eine wichtige Rolle. Ist ihre Funktion gestört, reichern sich in den betroffenen Zellen oft Substanzen an, die der Körper nicht mehr benötigt – mit zum Teil fatalen Folgen für Körper und Geist. Häufig sind Zellen des zentralen Nervensystems betroffen, was zu einer mehr oder minder ausgeprägten Neurodegeneration führt.

Die Ursache für eine besonders schwere Form einer genetisch bedingten Neurodegeneration konnten Forscher vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) jetzt zusammen mit Kooperationspartnern aus Hamburg, Rom und den USA nachweisen: Es ist eine Mutation im CLCN6-Gen, die bei drei nicht miteinander verwandten Kindern aus Italien, Deutschland und den USA zu erheblichen Entwicklungsstörungen führt, zusammen mit geistiger Retardierung, verringertem Muskeltonus, Atemschwierigkeit, Sehstörungen und nachweislichem Verlust von Hirnsubstanz.

Ionentransporter ClC-6 gehört zur Chloridkanalfamilie

Humangenetiker, darunter der Co-Studienleiter Marco Tartaglia aus Rom und Kerstin Kutsche aus Hamburg, hatten unabhängig voneinander die gleiche Punktmutation bei ihren kleinen Patienten entdeckt und das Team von Prof. Thomas Jentsch gebeten, Effekte der Mutation auf den Ionentransporter und seine zelluläre Funktionen zu überprüfen. Als Entdecker der CLC-Chloridkanalfamilie hatte Jentsch schon bei fast allen neun CLC-Genen verschiedene Mutationen gefunden oder charakterisiert, die unterschiedlichste Erbkrankheiten verursachen können. Nur den Ionentransportern ClC-3 und ClC-6 konnten bisher noch keine menschlichen Erkrankungen zugeordnet werden. „Wir hatten schon vor fünfzehn Jahren ClC-6 Knockout-Mausmodell hergestellt, das eine leichte lysosomale Speicherkrankheit aufwies, konnten aber keinen Patienten mit einer ähnlichen Funktionsverlustmutante finden“, erklärt Prof. Jentsch. „Jetzt haben wir eine anders geartete CLCN6-Mutation bei einer wesentlich schwereren Erkrankung des Menschen gefunden.“

Schon das Vorkommen der exakt gleichen Mutation bei drei unabhängigen Patienten mit dem gleichen Krankheitsbild deutet auf eine kausale Rolle der Mutation hin, aber erst die funktionelle Analyse in Zellkultur brachte endgültige Gewissheit und führte zur Klassifizierung als lysosomale Erkrankung. „Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit führt der von uns nachgewiesene Funktionsgewinn der ClC-6 Mutante zu diesem besonders schweren Krankheitsbild, dem eindeutig eine Störung in Lysosomen zugrunde liegt. Deshalb gehen wir zusammen mit unseren Kooperationspartnern von einer lysosomalen Speicherkrankheit aus“, betont Thomas Jentsch. Ein endgültiger Beweis für diese Klassifizierung wird jedoch eine Post-Mortem-Untersuchung von Hirnschnitten von Patienten oder einem neuen Mausmodell, das die gleiche Mutation trägt, erfordern.

Mehr Chloridaufnahme führt zu abnormal großen, Lysosom-ähnlichen Vesikeln

Anders als die Chloridkanäle ClC-1, -2, -3 und -K sitzen die Chlorid/Protonen-Austauscher ClC-3, -4, -5, -6, und -7 nicht auf der Plasmamembran, sondern in intrazellulären Membranen, hauptsächlich auf Endosomen und Lysosomen. Jentsch und sein Team hatten vor einiger Zeit bereits Mutationen von ClC-7 als Ursache für eine mit Osteopetrose assoziierten Form der lysosomalen Speicherkrankheit ausmachen können und Mutationen von ClC-4 führen u.a. zu intellektuellen Defiziten. Während ClC-7 fast rein lysosomal ist, sitzt ClC-6 vorwiegend auf späten Endosomen – einer Art Vorstufe von Lysosomen.

Die Untersuchungen der Berliner Forscher zeigten einen hyperaktiven Ionentransporter ClC-6, dessen Transport von Chlorid und Protonen stark erhöht ist und der nicht mehr pH-sensitiv ist. Ein saures pH-Milieu, wie es beim graduellen Übergang von Endosomen zu Lysosomen erreicht wird, schaltet den Transporter normalerweise ab. Diese Regulation fehlt bei der kankheitserzeugenden Mutante. Durch den erhöhten, unregulierten Ionentransport – ein pathologischer Funktionsgewinn – entstanden in Zellen, in die die Forscher den mutierten ClC-6 einbrachten, drastisch vergrößerte, Lysosomen-ähnliche Vesikel. Jentsch zufolge kann dieser Funktionsgewinn die Krankheit der Kinder recht gut erklären. „Vesikel, auf deren Membran das mutierte ClC-6 sitzt, werden durch gesteigerte Aufnahme von Chlorid und später Wasser pathologisch vergrößert. Diese Aufnahme wird durch den ClC-6-vermittelten Austausch von Protonen angetrieben, die im sauren Milieu von Endosomen und Lysosomen reichlich vorhanden sind. Dies führt zu einer Einschränkung der Funktion von Lysosomen und langfristig wohl zu lysosomaler Speicherung in Nervenzellen, die sich ja nicht mehr teilen können. Zusätzlich führt die Gewebsverteilung von ClC-6, der fast ausschließlich in Nervenzellen vorkommt, zu dem vorwiegend neurologischen Krankheitsbild.

„Die vorliegende Arbeit unterstreicht, wie wichtig der Ionentransport für den endosomal-lysosomalen Weg ist“, sagt Jentsch. „Wir sehen ein großes Spektrum von Erbkrankheiten, die durch Mutationen an diesen vesikulären CLCs sowie anderen intrazellulären Kanälen verursacht werden können.“ Ganz unterschiedliche Organe können betroffen sein: Zum Beispiel führen Mutationen im endosomalen ClC-5 zu Nierensteinen und Proteinverlust in den Urin, wie Jentsch und Kollegen bereits vor Jahren zeigen konnten.

Jentsch ist zuversichtlich, auch bald den ClC-3-Austauscher mit einer Erbkrankheit in Verbindung zu bringen – eine vor Jahren von der Gruppe publizierte KO-Maus zeigt dramatische Neurodegenerationen. Zusammen mit dem jetzigen Befund würden damit alle neun CLCN-Gene als Krankheitsgene des Menschen entlarvt. „Die Lücke schließt sich“, sagt Jentsch, „und wir sehen hieran sehr schön, welche Bedeutung die Grundlagenforschung – der erste CLC wurde von uns aus einem elektrischen Fisch kloniert - für die Diagnose und das Verstehen von Erkrankungen hat.“

Publikation

Polovitskaya M., Barbini C., Martinelli D., Harms F., Cole S., Calligari P.,Bocchinfuso G., Stella L., Ciolfi A., Niceta M., Rizza T., Shinawi M., Sisco K., Johannsen J., Denecke J., Carrozzo R., Wegner D., Kutsche K., Tartaglia M., Jentsch T.J., A recurrent gain-of-function mutation in CLCN6, encoding the ClC-6 Cl-/H+-exchanger, causes early-onset neurodegeneration, American J. Human Genetics, 107

Das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB), einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. In ihnen arbeiten mehr als 1.900 Mitarbeiter. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft. Entstanden ist der Forschungsverbund 1992 in einer einzigartigen historischen Situation aus der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR.

Abbildung: Mikroskopische Aufnahme zweier Zellen, die die krankheitserzeugende Mutante von ClC-6 (rot markiert) überproduzieren. Dies führt zur Entstehung großer Vesikel, die den lysosomalen Marker LAMP-1 in der Membran tragen. Vesikel mit hohem Membrangehalt an ClC-6 und LAMP-1 erscheinen in der Überlagerung als gelb. | Bild: Carlo Barbini

Quelle: https://www.fv-berlin.de/infos-fuer/medien-und-oeffentlichkeit/news/clcn6-als-krankheitsgen-fuer-schwere-form-der-lysosomal-bedingten-neurodegenerativen-krankheit-identifiziert

forschen / 18.11.2020
Überraschungen im Zellzyklus

Diese Wendeltreppe im BIMSB verdeutlicht die spiralförmige Genexpression des Zellzyklus entlang eines hohlen Zylinders, wenn sie mit weiteren biologischen Prozessen kombiniert wird. (Foto: Valentin Popescu, MDC)
Diese Wendeltreppe im BIMSB verdeutlicht die spiralförmige Genexpression des Zellzyklus entlang eines hohlen Zylinders, wenn sie mit weiteren biologischen Prozessen kombiniert wird. (Foto: Valentin Popescu, MDC)

Über kaum einen Prozess des Lebens ist mehr bekannt als über die Zellvermehrung. Dank interdisziplinärer Zusammenarbeit konnten MDC-Teams dennoch neue und unerwartete Erkenntnisse über den Zellzyklus sammeln. Sie sind im Journal „Molecular Systems Biology“ veröffentlicht.

Der Zellzyklus koordiniert die Zellteilung – und er hat sich so entwickelt, dass er möglichst einfach abläuft, indem schlichtweg das Fehlerpotenzial minimiert wurde. Zu diesem Schluss kommt ein interdisziplinäres Forschungsteam des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) im Fachjournal Molecular Systems Biology.

Zellen vermehren sich, indem sie einen Zyklus mit vier Phasen durchlaufen: Sie wachsen, vervielfältigen ihre genetischen Informationen, bereiten sich auf die Zellteilung vor und teilen sich schließlich in zwei Zellen. In Lehrbüchern wird dies in der Regel ohne besonderen wissenschaftlichen Hintergrund durch einen einfachen Kreis dargestellt. Zum ersten Mal zeigt nun eine Studie, dass diese Darstellung tatsächlich gerechtfertigt ist, da Zellen ein kreisförmiges Genexpressionsmuster aufweisen, während sie den Zellzyklus durchlaufen. Das ist kein Zufall, zeigt die neue Studie; dieses Muster reduziert die Anzahl der möglichen Fehler während des Prozesses deutlich – eine evolutionäre Glanzleistung.

„Der Zellzyklus ist einer der am besten untersuchten Prozesse in der Biologie“, sagt Professor Nikolaus Rajewsky, wissenschaftlicher Direktor des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC. „Die Leistungsfähigkeit der ultratiefen Sequenzierung einzelner Zellen in Kombination mit rechnergestützten Ansätzen hat es uns ermöglicht, den Zellzyklus ganz genau zu betrachten. Das Ergebnis waren neue, gänzlich unerwartete Erkenntnisse."

BIG Data

Die Ergebnisse sind Rajewsky und den Molekularbiolog*innen seiner Arbeitsgruppe „Systembiologie von Gen-regulatorischen Elementen“ am BIMSB, dem MDC-Standort in Berlin Mitte, zu verdanken, die sich mit einem Physiker und einem Mathematiker der Arbeitsgruppe „Mathematische Zellphysiologie“ am MDC auf dem Campus in Buch zusammengetan haben.

Rajewsky und sein Team sequenzierten Boten-RNA (mRNA) Tausender einzelner Zellen entlang des gesamten Zellzyklus. Konzentrationen von mRNA geben Aufschluss darüber, welche Gene aktiv sind und was die Zelle gerade tut. Sara Formichetti, Co-Autorin der Publikation und für die ultratiefe Sequenzierung verantwortlich, konnte detailliertere Informationen zur Genaktivität in jeder Zelle gewinnen, als es bisher möglich gewesen war. In der Regel sind Sequenzierungsstudien mit einem Zielkonflikt verbunden: Forschende können entweder viele Zellen sequenzieren oder umfassende Informationen für einzelne Zellen sammeln, aber nicht beides gleichzeitig. Formichetti wollte sich damit nicht zufriedengeben und optimierte den Prozess. Sie erstellte einen detaillierten Datensatz, der den gesamten Zyklus abdeckt.

Formichetti und Rajewsky begannen, die Zellen nach Zellzykluszeit rechnerisch zu ordnen. Formichettis Aufenthalt im Labor von Rajewsky neigte sich jedoch dem Ende zu. Daher wandte sich Rajewsky an Professor Martin Falcke, Leiter des Labors für mathematische Zellphysiologie, sowie an seinen Doktoranden Daniel Schwabe, Erstautor der Studie.

Geometrie in der Biologie

Das Team wollte herausfinden, ob die Datenwolke eine geometrische Form bilden würde, die den Prozess des Zellzyklus widerspiegelt. Sie erwarteten so etwas wie ein völlig verknotetes Wollknäuel, das für die zahlreichen Gene stehen würde, die im Laufe des Zyklus mehrfach aktiviert und deaktiviert werden.

Zunächst war weder ein Muster noch eine Form erkennbar. Also begann das Team, die Datenwolke zu drehen und betrachtete sie aus verschiedenen Perspektiven. Das kann man sich so vorstellen: Man hält einen Becher in der Hand und dreht ihn hin und her, um ihn von allen Seiten anzuschauen, hebt ihn hoch, um den Boden zu sehen und blickt dann von oben in den Becher hinein. Die Forschenden taten im Prinzip genau das und stellten fest, dass die Daten aus einer bestimmten Perspektive einen hohlen Zylinder bilden und – wie bei der Betrachtung des Bechers aus der Vogelperspektive – einen Kreis, der der Darstellung des Zellzyklus entspricht: die einfachste mögliche Form.

„Es gab bislang keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass der Zellzyklus tatsächlich so einfach sein würde“, sagt Schwabe. „Daraus können wir schlussfolgern, dass jedes am Zellzyklus beteiligte Gen während des Zyklus nur einmal aktiviert und deaktiviert wird.“

Die einmalige Aktivierung und Deaktivierung von Genen trägt dazu bei, das Fehlerpotenzial zu minimieren. Im Laufe der Evolution habe sich der Zellzyklus anscheinend so entwickelt, dass er so einfach und effizient wie möglich ist, meinen die Forschenden. Sie fanden mithilfe von immortalisierten Zelllinien heraus, dass der Zellzyklus grundsätzlich unabhängig von anderen in der Zelle aktiven biologischen Prozessen ist. Dadurch sinkt seine Fehleranfälligkeit weiter.

„Der Grad der von uns beobachteten Optimierung und Isolation ist äußerst bemerkenswert“, sagt Rajewsky. „Einerseits erfassen wir die Biologie des Zellzyklus vollständig in einer zweidimensionalen Kreisbewegung, während die Zellen gleichzeitig durch Prozesse wie Epigenetik und Umgebungsveränderungen entlang einer senkrechten Achse verschoben werden. In Kombination verursachen diese beiden Einflüsse eine spiralförmige Bewegung entlang eines hohlen Zylinders.“

Ganz nebenbei

Die Forschenden machten noch eine weitere unerwartete Entdeckung. Es ist bekannt, dass der Zellzyklus Kontrollpunkte aufweist, mit denen die Zellen sicherstellen, dass alle notwendigen Schritte abgeschlossen sind, bevor die nächste Zyklusphase eingeleitet wird. Das Team ging folglich davon aus, dass sich die Genaktivierung, bei der Gene in mRNA transkribiert werden, vor diesen Kontrollpunkten verlangsamt. So entstünden klar definierte Entscheidungsmomente, die bestimmen, ob es weitergeht. Die Daten zeigten jedoch, dass Gene relativ gleichmäßig und kontinuierlich angeschaltet werden, ohne auffällige Unterbrechungen.

„Das hat mich doch überrascht“, erinnert sich Falcke. „Man würde erwarten, dass die Zelle quasi eine Pause einlegt, wenn sie prüft, ob alle Schritte auf ihrer To-do-Liste abgeschlossen sind. Aber das ist nicht der Fall. Die Zelle erledigt das ganz nebenbei, während der Motor weiterhin läuft.“

Und das Team entdeckte noch mehr. Mit ihrem Forschungsansatz kann das Team die Effekte des Zellzyklus präzise aus Datensätzen eliminieren, sodass nur Unregelmäßigkeiten übrigbleiben. Das ist für Wissenschaftler*innen in ähnlichen Bereichen besonders interessant. Beispielsweise könnte sich so klären lassen, was in einem Zyklus schiefläuft, der zu unkontrollierter Zellteilung und Tumorwachstum führt. Rajewsky und Falcke wollen ihren Ansatz künftig dazu nutzen, den Ursprung der Zellvariabilität zu erforschen – denn sie führt zu sehr unterschiedlichen Genexpressionsniveaus bei klonalen Zellen. Es warten noch viele ungeklärte Fragen auf eine Antwort.

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung auf der MDC Website lesen

AG Rajewsky

AG Falcke

Literatur

Schwabe, Daniel et al. (2020): „The transcriptome dynamics of single cells during the cell cycle“. In: Molecular Systems Biology; DOI: 10.15252/msb.20209946

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

www.mdc-berlin.de

heilen / 17.11.2020
Helios Klinikum Berlin-Buch erneut als eine der bundesweiten Top-Kliniken ausgezeichnet

Das Helios Klinikum Berlin-Buch wurde erneut durch das Magazin FOCUS-Gesundheit als Top-Krankenhaus ausgezeichnet. (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)
Das Helios Klinikum Berlin-Buch wurde erneut durch das Magazin FOCUS-Gesundheit als Top-Krankenhaus ausgezeichnet. (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)

Im deutschlandweit größten Krankenhausvergleich durch das Magazin FOCUS-Gesundheit belegt das Helios Klinikum Berlin-Buch erneut eine der Top-Platzierungen unter den Kliniken in Berlin und zählt zu den 527 besten Krankenhäusern in Deutschland.

Neben der dritten Platzierung unter den Top-Kliniken in Berlin, erhalten auch einzelne Fachbereiche des Helios Klinikums Berlin-Buch eine Empfehlung. Zu den ausgezeichneten neun Fachbereichen gehören: Risikogeburten (Gynäkologie & Geburtshilfe), Darmkrebs, Brustkrebs, Orthopädie, Strahlentherapie, Gefäßchirurgie, Leukämie, Adipositas-Chirurgie, Nuklearmedizin. Das Focus Siegel wird durch das Magazin Focus Gesundheit verliehen.

„Wir freuen uns sehr, erneut in die Focus Liste der besten Deutschlands aufgenommen worden zu sein. Als Maximalversorger in Berlin ist es stets unser Anspruch unseren Patienten und Patientinnen die bestmögliche Behandlung in allen Bereichen bieten zu können. Wir sind stolz, dass unsere medizinische Versorgung diese Wertschätzung erfährt“, betont Daniel Amrein, Geschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Bereits in den Jahren 2018 und 2019 erhielt das Helios Klinikum Berlin-Buch das Siegel der Focus Gesundheit. In diesem Jahr wurden außerdem zwölf Ärzte aus dem Klinikum im Norden Berlins als „Top-Mediziner“ ausgezeichnet und gehören damit zu den führenden Ärzten Deutschlands.
Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor im Helios Klinikum Berlin-Buch findet lobende Worte: „Ich bin stolz mit einem so kompetenten Team arbeiten zu dürfen. Die Auszeichnungen spiegeln die qualitativ hochwertige Medizin an unserem Standort wider.“

Die Qualität von Krankenhäusern und Fachkliniken wird durch das unabhängige Rechercheinstitut von Munich Inquire Media (Minq) ermittelt. Dabei wertet das Institut eine umfangreiche Befragung von einweisenden Ärzten aus. Außerdem wird die Auswertung der Qualitätsberichte und externen Qualitätssicherung sowie Patientenbewertungen einbezogen.

 

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Hauttumorzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit.
Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.
Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zum Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.

Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 110.000 Mitarbeitern. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien. Rund 21 Millionen Patienten entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2019 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 9,2 Milliarden Euro.
In Deutschland verfügt Helios über 89 Kliniken, 128 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und sechs Präventionszentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,6 Millionen Patienten behandelt, davon 4,4 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland 73.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 51 Kliniken, 71 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 15,4 Millionen Patienten behandelt, davon 14,6 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt rund 37.500 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von über drei Milliarden Euro.

Helios Deutschland und Quirónsalud gehören zum Gesundheitskonzern Fresenius.

 

 

www.helios-gesundheit.de

leben / 17.11.2020
Internationaler Aktionstag „Nein zu Gewalt an Frauen“ am 25. November

Ab 20. November Infomaterial in Schönhauser Allee Arcaden

Geschlechtsspezifische Gewalt ist eine der Haupthürden für die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern. Es ist jene Gewalt, die Frauen* trifft, weil sie Frauen* sind, und von der sie überproportional stark betroffen sind: sexuelle Gewalt, Menschenhandel, (Cyber-)Stalking, Zwangsverheiratung und häusliche Gewalt. Fast immer haben diese unterschiedlichen Formen von Gewalt den Zweck, Macht und Kontrolle über Mädchen und Frauen und ihre Körper auszuüben. Nach einer Sonderauswertung zur Partnerschaftsgewalt des Bundeskriminalamtes gab es im Jahr 2019 mehr als 142.000 Fälle von häuslicher Gewalt. 80 Prozent der Opfer waren Frauen*. Infolge der Pandemie hat sich die Situation weiter verschärft. Das berichten auch die Beschäftigten der Pankower Beratungs- und Zufluchtseinrichtungen.

Die alljährliche Pankower Öffentlichkeitsaktion „Für ein Zuhause ohne Gewalt“ in den Schönhauser Allee Arcaden ist deshalb gerade in diesen Zeiten wichtiger denn je. Jedoch kann die Aktion in diesem Jahr aufgrund der geltenden Hygiene-Maßnahmen nicht wie bisher mit Mitgliedern von Antigewaltprojekten, der Polizei sowie der Gleichstellungsbeauftragten des Bezirksamtes Pankows stattfinden. Ab dem 20. November liegt daher an der Kundeninformation im Erdgeschoss in den Schönhauser Allee Arcaden umfangreiches Informationsmaterial zum Thema „Häusliche Gewalt“ zum Mitnehmen aus.

Weitere Informationen bei der Gleichstellungsbeauftragten des Bezirksamtes Pankow Frau Gerstenberger unter Tel.: 030 90295-2305 oder Mail: heike.gerstenberger@ba-pankow.berlin.de

leben / 17.11.2020
Neue Sicht auf den Kiez

Plakatierung der besten Bilder auf zwei Riesen-"Smartphones" im Stadtraum 2019 (Foto: meinmeinkiez)
Plakatierung der besten Bilder auf zwei Riesen-"Smartphones" im Stadtraum 2019 (Foto: meinmeinkiez)

"meinmeinkiez" oder kurz "#mmk" ist ein partizipatives Fotoprojekt für den öffentlichen Raum. Es richtet sich offen an alle Bewohner*innen eines Stadtteils, insbesondere jugendliche Menschen und fördert die Beteiligung an etwas Gemeinsamen: Kunst aus der Gemeinschaft, für die Gemeinschaft.

Der Fokus liegt auf dem, was verbindet – der gemeinsam geteilte Kiez. In Foto-Workshops, bei Stadtteilspaziergängen, aus Posts im Internet oder ausgekramten, alten Aufnahmen entsteht ein riesiger Bilderpool mit den unterschiedlichsten Perspektiven auf unser gemeinsames Zuhause.

Jede*r ist eingeladen ihre*seine Sicht auf den Kiez, von Schnappschüssen bis Stillleben zu zeigen. In einem demokratischen Auswahlverfahren werden die „besten“ Bilder zusammen ausgesucht und anschließend draußen auf zwei großformatige Plakatwände in Form von zwei überdimensionierten Smartphones gekleistert und für alle Bewohner*innen ausgestellt.

Im Oktober und November fanden schon sechs Kiezspaziergänge statt, auf denen wir mit Jugendlichen mit analogen Kameras durch Buch gestreift sind.

Am 17. und 19. November findet in der blauen HOWOGE-Box (Alt-Buch 32) das demokratische Auswahlverfahren statt (16-20 Uhr), an dem wir die Bilder aussuchen, die zwischen 1.-24. Dezember auf unsere Mammuthandys gekleistern werden sollen.

Es sind alle herzlich eingeladen ihre Stimme für die besten Fotografien abzugeben. Wir freuen uns auch über weitere Zusendungen von Fotos aus dem Kiez an meinmeinkiez@bueroubekannt.com oder mit einem kurzen Post bei Instagram mit dem Hashtag #mmk2020buch.

Weiter Infos zum Projekt gibt es unter www.meinmeinkiez.de

Quelle: meinmeinkiez

heilen, bilden / 17.11.2020
MSB Medical School Berlin erhält staatliche Anerkennung des Studiengangs Humanmedizin in Kooperation mit dem Helios Klinikum Berlin-Buch

Die MSB Medical School Berlin bleibt weiter auf Wachstumskurs: Mit der Anerkennung des Studiengangs Humanmedizin in Kooperation mit dem Helios Klinikum Berlin-Buch durch die Berliner Senatskanzlei - Wissenschaft und Forschung, erweitert die private, staatlich anerkannte Hochschule für Gesundheit und Medizin ihr interdisziplinäres Studienangebot.

"Die staatliche Anerkennung ist ein Meilenstein nicht nur für die MSB, sondern auch für unseren Hochschulverbund. Wir freuen uns sehr, dass wir in Berlin gemeinsam mit unserem Kooperationspartner dem Helios Klinikum Berlin-Buch starten können. Nachdem bereits der Studiengang Humanmedizin an der MSH Medical School Hamburg - University of Applied Sciences and Medical University seit Wintersemester 2019/20 und an der HMU Health and Medical University Potsdam seit Wintersemester 2020/21 nach einem langen Anerkennungsverfahren angeboten wird, komplettiert die Einführung in Berlin das Angebot an allen Standorten, sagt Ilona Renken-Olthoff, Geschäftsführerin und Gründerin der MSB.

Mit der Anerkennung besitzt die MSB die Berechtigung zur Ausbildung von künftigen Arztinnen und Ärzten auf Universitätsniveau. Das Studium folgt allen Qualitätsanforderungen eines Medizinstudiums in Deutschland. Es schließt mit dem Staatsexamen ab und berechtigt zur Approbation.

"Mit dem Studiengang Humanmedizin möchten wir jedem Bewerber die Chance geben, sich den Traum vom Medizinstudium zu erfüllen - unabhängig von der Note auf dem Abschlusszeugnis", sagt Ilona Renken-Olthoff. Humanmedizin gehört zu den begehrtesten Studiengängen in Deutschland. Obwohl bundesweit Ärztemangel herrscht, ist die Zahl der Studienplätze vergleichsweise gering und der Kampf darum hart. "Die MSB stellt deshalb Engagement und Talent der Bewerber in den Fokus des dreistufigen Bewerbungsverfahrens", betont Ilona Renken-Olthoff. Für einen Studienplatz qualifizieren sich die Bewerber nicht durch einen Numerus Clausus. Stattdessen können sie ihre persönliche Eignung und Motivation in einem Auswahlverfahren - bestehend aus einem schriftlichen Medizinertest, einem Gruppengespräch mit Fallsimulation und einem Einzelgespräch - unter Beweis stellen.

Für den klinischen Studienabschnitt des Studiums Humanmedizin arbeitet die MSB mit dem renommierte Helios Klinikum Berlin-Buch als Praxispartner zusammen. "Die neue Möglichkeit macht uns stolz und ist Teil unserer Strategie, auch in den kommenden Jahrzehnten die bestmögliche Medizin für unsere Patientinnen und Patienten in unserem Klinikum anzubieten", betont Daniel Amrein, Geschäftsführer am Helios Klinikum Berlin-Buch. Das Klinikum Berlin-Buch hat eine lange Tradition und ist heute ein moderner Maximalversorger. "Wir verfügen als Maximalversorger über mehr als 60 Fachbereiche, Zentren und Instituten. Somit sind ideale Voraussetzungen für eine wissenschaftsbasierte Ausbildung gegeben", sagt Prof. Dr. med. habil. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor des Helios Klinikums Berlin-Buch und Rektor der MSB.

Durch den interdisziplinären Behandlungsansatz passt das Helios Klinikum Berlin-Buch hervorragend zum Hochschulkonzept der MSB, die eine Vielzahl von Bachelor-und Masterstudiengänge im Gesundheitsbereich anbietet und großen Wert auf fachübergreifendes Lernen legt. "Arbeiten mit Studierenden, studentisches Leben und Lehren wird das Helios Klinikum Berlin-Buch positiv verändern. Durch die akademische Auseinandersetzung mit jungen, engagierten Menschen bleiben wir immer auf dem neusten wissenschaftlichen Stand und können zukünftige Medizinergenerationen mitprägen. Wir freuen uns auf diese Herausforderung. aber sind uns auch der Verantwortung in Forschung und Lehre im Rahmen des Studiengangs Humanmedizin bewusst", betont Prof. Dr. med. habil. Henning T. Baberg.

Die Regelstudienzeit beträgt 12 Semester und drei Monate. Das Curriculum gliedert sich in drei Abschnitte: einen ersten Studienabschnitt von zwei Jahren, einen dreijährigen zweiten Studienabschnitt und ein Praktisches Jahr (PJ). Die Lehrveranstaltungen des ersten Studienabschnittes finden am Wissenschafts-und Gesundheitscampus der MSB in der Rüdesheimer Straße und der Villa Siemens statt. Die klinische Ausbildung im zweiten Studienabschnitt wird am Campus des Helios Klinikums Berlin-Buch angeboten. Der Ort für das PJ ist individuell wählbar, muss aber den Anforderungen der Ärztlichen Approbationsordnung entsprechen.

Interessierte können sich ab sofort über die Website der MSB bewerben.

Über die MSB Medical School Berlin

Die MSB Medical School Berlin, Hochschule für Gesundheit und Medizin, ist eine private, staatlich anerkannte Hochschule mit Sitz in der Rüdesheimer Straße. 50 und einem Campus in der Siemens Villa in Berlin Lankwitz. Sie wurde 2012 von der Geschäftsführerin Ilona Renken-Olthoff mit der Fakultät Gesundheitswissenschaften als Fachhochschule gegründet, die sich durch einen hohen Anwendungsbezug auszeichnen. Im Jahr 2014 wurde die MSB als Hochschule mit der Fakultät Naturwissenschaften staatlich anerkannt, die universitäre Studiengänge mit universitärem Abschluss anbietet. Der Studiengang Humanmedizin gehört zur universitären Fakultät. Somit können Studierende aktuell an der MSB zwischen mittlerweile 20 Studiengängen und damit zwischen einem Fachhochschul- oder einem universitären Studium wählen und ihre Karriere ihren Stärken und Talenten entsprechend planen.

Kontakt

MSB Medical School Berlin | Rüdesheimer Straße 50 | 14197 Berlin

Ilona Renken-Olthoff | Mail: Ilona.renken-olthoff(at)medicalschool-berlin.de

www.medicalschool-berlin.de

www.facebook.com/MSBMedicalSchoolBerlin/

https://www.instagram.com/msbberlin/

 

Quelle: MSB Medical School Berlin

heilen / 13.11.2020
Behandlung trotz Verschiebung: OP Corona-bedingt abgesagt? Kliniknetzwerk hilft

Dr. med. Jens Osel, Ärztlicher Direktor des Helios Klinikums Bad Saarow begrüßt seinen Bucher Chefarztkollegen Prof. Dr. Daniel Kendoff (Foto: Thomas Oberländer, Helios Kliniken)
Dr. med. Jens Osel, Ärztlicher Direktor des Helios Klinikums Bad Saarow begrüßt seinen Bucher Chefarztkollegen Prof. Dr. Daniel Kendoff (Foto: Thomas Oberländer, Helios Kliniken)

 Mit #supportBerlin geplante Eingriffe außerhalb Berlins im Spezialisten-Netzwerk der Helios Region Ost durchführen lassen

Der Berliner Senat hat am 6. November verordnet, dass Corona-bedingt nur noch dringend erforderliche Eingriffe durchgeführt werden dürfen. Wie in der ersten Welle der Pandemie müssen daher aktuell wieder viele Patientinnen und Patienten ihre bereits vereinbarten Eingriffe verschieben. Die Helios Region Ost möchte Betroffenen helfen und bietet ihnen mit ihrem Spezialisten-Netzwerk der Region an, diese Operationen sicher durchzuführen.
 
Erste #supportberlin-Eingriffe fanden am 11. November im OP der Traumatologie und Orthopädie im Helios Klinikum Bad Saarow statt.
Der langfristig geplante Eingriff am Herzen, der OP-Termin für die neue Hüfte, die stationäre Behandlung einer rheumatischen Erkrankung oder die geplante Schmerztherapie standen bereits fest – und jetzt das: Der Termin muss verschoben werden. Denn wegen der dynamischen Corona-Entwicklung in Berlin und der damit zum Teil erforderlichen stationären Behandlung von Covid-19-Patientinnen und -Patienten, müssen viele Kliniken ihre Abläufe umstrukturieren und unter anderem den OP-Betrieb umstellen sowie Intensivbetten vorhalten. Auch das Helios Klinikum Berlin-Buch sowie das Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin- Zehlendorf sind hiervon betroffen. Patientinnen und Patienten, die nicht auf ihren Eingriff verzichten wollen und eine entsprechende medizinische Indikation vorweisen, können sich nun in einer der Kliniken der Helios Region Ost außerhalb Berlins behandeln lassen. Dank dieses Spezialisten-Netzwerkes können in der Regel zeitnah Ersatztermine vereinbart werden, beispielsweise in den Helios Kliniken in Bad Saarow, Oschersleben, Zerbst/Anhalt, Vogelsang-Gommern oder dem Herzzentrum in Leipzig.
Unter www.helios-gesundheit.de/supportberlin ist das detaillierte Vorgehen für Patienten zusammengefasst.

Erste Helios-Patienten bereits in Bad Saarow operiert
Patienten von Helios, die einen Ersatz-OP-Termin wünschen, wenden sich ab sofort unkompliziert an den Fachbereich ihrer Berliner Helios Klinik. Dieser kontaktiert die jeweiligen Koordinatoren in den Netzwerk-Kliniken, die sich wiederum innerhalb von 72 Stunden an den Hilfesuchenden wenden, um das weitere Vorgehen zu besprechen: So kann sich der Patient direkt für einen alternativen Behandlungstermin anmelden. Gibt es Unsicherheiten oder Fragen, kann sich der Patient auch im Rahmen einer Video-Sprechstunde von einem Facharzt beraten lassen. Sind sich Patient und Mediziner einig, wird ein zeitnaher Eingriff in der Regel gemeinsam mit den Medizinern aus Berlin in die Wege geleitet. Erste #supportberlin-Eingriffe fanden bereits am vergangenen Mittwoch in der Helios Klinikum Bad Saarow statt. Hier wurden orthopädische Patienten aus dem Bucher Zentrum für Orthopädie und Unfallchirurgie unter der Leitung des Chefarztes Prof. Dr. Daniel Kendoff gemeinsam mit dem Bad Saarower Chefarztkollegen Dr. Jens Osel operiert.

Angebot für alle Patienten unter der Hotline 0800/8 123 456

Aber nicht nur Patienten aus den Berliner Helios Kliniken profitieren von diesem Angebot: Patienten, deren Eingriffe in anderen Kliniken abgesagt oder verschoben wurden, können in einem ersten Schritt die rund um die Uhr besetzte Helios-Hotline unter 0800/8 123 456 kontaktieren. Hier werden alle erforderlichen Informationen gesammelt und an die Netzwerk-Kliniken weitergegeben. Binnen 24 Stunden erfolgt ein Rückruf, um die nächsten Schritte zu vereinbaren:
1.    Facharzt-Termin-Vereinbarung innerhalb von 72 Stunden, auch als Video-Sprechstunde möglich.
2.    Nach Video-Anamnese gemeinsame Entscheidung über das weitere Vorgehen.
3.    Bei OP-Wunsch: Organisation aller erforderlichen Schritte in enger Absprache mit dem aktuell betreuenden Facharzt.

Alle Corona-bedingten Maßnahmen bzw. Regeln werden selbstverständlich eingehalten – von der PCR-Testung vor dem Eingriff bis hin zu den Hygieneregeln vor Ort.

„Eine belastende Situation für Patienten ein wenig entlasten“

Für Prof. Dr. Sebastian Heumüller, Regionalgeschäftsführer der Helios Region Ost ist klar: „Nur gemeinsam können wir gut durch diese Pandemie kommen. Mit unserem Angebot zeigen wir uns solidarisch mit allen Patientinnen und Patienten in Berlin, die darunter leiden, dass ihre Eingriffe verschoben werden. Ihnen bieten wir nun eine praktische Lösung an, sich außerhalb Berlins in unseren Kompetenzzentren der Helios Region Ost behandeln zu lassen.“

„Wer sich für einen Krankenhausaufenthalt entschieden hat, macht das nicht aus Vergnügen. Betroffene, die sich mental darauf eingestellt haben, hängen nach dem Verschieben des Eingriffs oft in der Luft. Das haben wir bereits während der ersten Pandemie-Welle festgestellt. Diese Patientinnen und Patienten erhalten mit unserem Spezialisten-Netzwerk ein praktisches und medizinisch fundiertes Angebot,“ ergänzt Dr. med. Christine Marx, Medizinische Regionalgeschäftsführerin der Helios Region Ost.

Dieses Angebot kann nur solange gewährleistet werden, wie die Corona-Pandemie in den übrigen Kliniken der Helios Region Ost nicht dieselben Auswirkungen auf die Patientenversorgung hat, wie auf die Berliner Helios Kliniken. Prof. Sebastian Heumüller zeigt sich aber zuversichtlich: „Auch dann werden wir passende Lösungen finden.“

www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch/

forschen / 13.11.2020
Struktur von Phagen-DNA-Tunnel in atomarer Auflösung aufgeklärt – methodischer Meilenstein gelungen

Phagen können Bakterien vernichten und sind darum für die Wissenschaft von großem Interesse. Grundlagenforscher vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin interessieren sich insbesondere für den Tunnel, durch den die Phagen ihre DNA in Bakterien einschleusen. Nun haben sie zusammen mit Kollegen des Forschungszentrums Jülich und des Universitätsklinikums Jena die 3D-Struktur dieser entscheidenden Phagen-Komponente in atomarer Auflösung aufgeklärt. Die Kombination zweier Methoden – der Festkörper-NMR und der Kryoelektronenmikroskopie – war der Schlüssel zum Erfolg. Die Arbeit ist soeben im Fachmagazin „Nature Communications“ erschienen.

Im Zuge der zunehmenden Antibiotikaresistenzen sind Phagen verstärkt in den Blick der Forschung geraten. Phagen sind natürlich vorkommende Viren, die eine sehr nützliche Eigenschaft besitzen: Sie schleusen ihre DNA in Bakterien ein und vermehren sich dort, bis die bakterielle Zelle schließlich vernichtet wird. Deswegen spricht man auch von Bakteriophagen (dt. „Bakterienfresser“).

Dass sich mit diesem Ansatz multiresistente Keime bekämpfen lassen, wurde bereits gezeigt. Schlagzeilen machte im vergangenen Jahr der Fall eines Mädchens aus England, das mit genetisch modifizierten Phagen von einer schweren, mit Antibiotika nicht mehr therapierbaren Infektion geheilt werden konnte.

Doch von einer breiten Anwendung ist die Phagentherapie noch weit entfernt. Viele Grundlagen sind noch nicht verstanden, die wichtig für die weitere Therapieentwicklung wären. So war bislang unklar, wie die genaue Architektur jenes Tunnels aussieht, über den die Phagen ihre DNA in die Bakterien einschleusen. Nun haben Wissenschaftler vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin gemeinsam mit Kollegen des Forschungszentrums Jülich und des Universitätsklinikums Jena die 3D-Struktur dieser entscheidenden Phagen-Komponente in atomarer Auflösung aufklären können. 

Designt für den Transport von DNA

„Der DNA-Tunnel, der sich an das ikosaeder-förmige Kapsid anschließt, erinnert in seinem Aufbau und seiner Flexibilität ein wenig an eine Wirbelsäule“, beschreibt Prof. Adam Lange vom FMP, eine der neuen Einsichten. „Er scheint perfekt für den Transport von DNA designt zu sein.“

Die faszinierenden Einblicke in die Struktur und Operationsweise dieses raffinierten DNA-Transportwegs – in diesem Fall von einer Variante des Phagens SPP1 – konnten die Forscher gewinnen, weil sie auf eine innovative Weise die Festkörper-NMR und die Kryoelektronenmikroskopie (Kryo-EM) miteinander kombinierten. Die Kernspinresonanzspektroskopie (NMR) wurde von Langes Arbeitsgruppe speziell für diese Aufgabe im Rahmen eines ERC-Grants weiterentwickelt; die elektronenmikroskopischen Untersuchungen führte Kryo-EM-Experte Prof. Gunnar Schröder vom Forschungszentrum Jülich durch. Zusätzlich waren für die computergestützte Kombination beider Datensätze zur Strukturbestimmung neue Modellierungsalgorithmen notwendig, die von Prof. Michael Habeck vom Universitätsklinikum Jena entwickelt wurden. „Die Kombination der beiden Methoden war der Schlüssel zum Erfolg und ist ein methodischer Meilenstein“, betont Prof. Lange.

Während sich mit der Festkörper-NMR vor allem flexible Strukturen und winzigste Details gut darstellen lassen, erlaubt die Kryo-EM den Überblick über die Gesamtarchitektur. Das sich daraus ergebende Bild zeigt, dass sich sechs gp17.1-Proteine ringförmig organisieren, diese Ringe übereinander sitzen und so einen hohlen Tunnel formen. Hierbei sind die Ringe über flexible Linker miteinander verbunden, wodurch der Tunnel sehr biegsam wird. „Wir können nun verstehen, wie sich die negativ geladene DNA an der ebenfalls negativ geladenen Innenwand des flexiblen Tunnels abstößt und da reibungslos durchgleitet“, erläutert Maximilian Zinke vom FMP, Erstautor der jetzt in Nature Communications erschienen Studie. „Über diesen Weg werden die Bakterien letztendlich zerstört.“

Meilenstein für die integrierte Strukturbiologie

Nach Ansicht von Arbeitsgruppenleiter Adam Lange hat die Arbeit nicht nur die Phagenforschung einen guten Schritt vorangebracht, sondern auch die „integrierte Strukturbiologie“, wie die Kombination der beiden sich ergänzenden Methoden bezeichnet wird.

Dank des neuen Hochleistungs-Elektronenmikroskops Titan/Krios befindet sich die dafür nötige Infrastruktur seit kurzem auch auf dem Campus Berlin-Buch. Zudem sollen die schon vorhandenen NMR-Spektrometer demnächst um ein 1,2 Gigahertz-Gerät ergänzt werden. „Mit der Kryo-EM und dem weltweit leistungsstärksten NMR-Spektrometer werden wir künftig in der integrativen Strukturbiologie sehr präsent sein“, freut sich Adam Lange. „Das sind tolle Aussichten für den Campus und für den Forschungsstandort Berlin.“

Text: Beatrice Hamberger

www.fmp-berlin.de

forschen / 10.11.2020
Christian Hackenberger auf der Berlin Science Week mit einem „Breakthrough Award“ ausgezeichnet

Prof. Dr. Christian Hackenberger (Foto: Silke Oßwald)
Prof. Dr. Christian Hackenberger (Foto: Silke Oßwald)

Christian Hackenberger wurde auf der Falling Walls-Konferenz mit dem „Breakthrough of the year“-Award ausgezeichnet. Die wissenschaftlichen "Durchbrüche des Jahres" in zehn verschiedenen Kategorien wurden am Montag bekannt gegeben. Ausgezeichnet wurde Christian Hackenbergers Forschung in der Kategorie Lebenswissenschaften über proteinbasierte Biopharmazeutika.

Heute hat die Krebsbehandlung durch Chemotherapie noch viele negative Nebenwirkungen, und Behandlungen gegen Virusinfektionen weisen Mängel auf. Die Arbeitsgruppe von Christian Hackenberger fand einen Weg, die Behandlung von beiden zu verbessern. Gemeinsam leisteten sie Pionierarbeit bei der Entwicklung proteinbasierter Therapeutika, die auf der Modifikation und zellulären Freisetzung von Antikörpern gegen Krebs und Virusinfektionen beruhen. Dazu gehört die Entwicklung eines Hemmstoffs gegen die menschliche und die Vogelgrippe und die Entwicklung von sicheren Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten. Diese Forschungserfolge führten zur Gründung des sehr erfolgreichen Start-up-Unternehmens Tubulis.

Die Jury-Vorsitzende Marja Makarow erklärt: "Christian Hackenbergers Durchbruch ist eine Technologie, die es ermöglicht, Medikamentenmoleküle an Antikörper zu binden, die die entsprechenden Stellen in den Krebszellen des Patienten finden und das notwendige Medikament nur dort freisetzen, wo es wirken soll - ohne das normale Gewebe in seinem Verlauf zu schädigen. Die Jury kam zu dem Schluss, dass die Kernidee dieser Wissenschaft faszinierend ist, der theoretische Ansatz hervorragend und das Potenzial hinsichtlich Krebstherapie und Prävention von Virusinfektionen enorm".

Die Falling Walls Foundation veröffentlichte die "Falling Walls Science Breakthroughs of the Year 2020" in einer virtuellen Übertragung. In zehn Kategorien, die von den Biowissenschaften bis zur Geisteswissenschaft reichen, wurden am 9. November, dem Tag des friedlichen Falls der Berliner Mauer 1989, herausragende Forschungsprojekte ausgezeichnet.

Die insgesamt zehn Durchbrüche wurden von einer angesehenen globalen Jury unter dem Vorsitz von Helga Nowotny, der emeritierten Präsidentin des Europäischen Forschungsrats, ermittelt. Die Jurys wählten die wissenschaftlichen Durchbrüche des Jahres aus 940 Forschungsprojekten aus, die von akademischen Institutionen aus 111 Ländern auf allen Kontinenten nominiert worden waren.

https://www.leibniz-fmp.de

produzieren / 10.11.2020
Neunmonatszahlen Eckert & Ziegler: Radiopharmaziewachstum kompensiert Coronaverluste

Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, TecDAX), ein Spezialist für isotopentechnische Anwendungen in Medizin, Wissenschaft und Industrie, erreichte in den ersten neun Monaten 2020 mit 17,7 Mio. EUR erneut ein sehr gutes Ergebnis. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ging der Konzerngewinn trotz Corona nur leicht um 1,1 Mio. EUR oder 6% zurück. Der Konzernumsatz betrug 126,9 Mio. EUR und lag damit 5% unter dem Vorjahresniveau. Der Minderertrag resultiert im Wesentlichen aus einem schwächeren Ergebnis des Segmentes Isotope Products, während das Segment Medical deutlich zulegte.

Bedingt durch Corona konnte das Segment Isotope Products das hohe Umsatzniveau des Vorjahres nicht halten und erzielte mit 66,8 Mio. EUR einen um 11,6 Mio. EUR oder etwa 15% niedrigeren Umsatz als in den ersten neun Monaten 2019. Umsatzrückgänge trafen insbesondere die lukrativen Komponenten für die industrielle Messtechnik, das Brasiliengeschäft und die Entsorgungsdienstleistungen. Leichte Zuwächse waren lediglich bei Komponenten für medizinische Geräte und im Rohstoffhandel zu verbuchen.

Einen erneuten Wachstumsschub verzeichnete dagegen das Segment Medical, das im Wesentlichen durch anziehende Umsätze mit pharmazeutischen Radioisotopen seine Verkäufe um 5,4 Mio. EUR oder 10% auf 60,1 Mio. EUR steigerte. Auf der Ebene der Hauptproduktgruppen zeigte sich allerdings ein uneinheitliches Bild. Während Laborgeräte und Brachytherapiequellen, darunter auch Jodimplantate, erheblich unter den reduzierten Bestellungen der Krankenhäuser aufgrund von Corona litten, wuchs der Umsatz mit pharmazeutischen Radioisotopen um über 6 Mio. EUR oder fast 30% auf ca. 30 Mio. EUR an.

Angesichts der seit September einsetzenden zweiten weltweiten Welle an Einschränkungen bleibt der Vorstand vorerst bei seiner Jahresprognose für 2020 von knapp 21 Mio. EUR Jahresüberschuss. Dieser Wert entspricht einem Nettogewinn von 1 Euro pro Aktie nach aktueller bzw. 4 EUR pro Aktie nach alter Zählweise (vor dem Aktiensplit). Die Umsatzprognose belässt der Vorstand ebenfalls bei 170 Mio. EUR.

Den vollständigen Quartalsbericht finden Sie hier:
http://www.ezag.com/fileadmin/user_upload/ezag/investors-financial-reports/deutsch/euz320d.pdf

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 800 Mitarbeitern zu den weltweit größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Strahlentherapie und Nuklearmedizin. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.

www.ezag.com

forschen / 09.11.2020
Falling Walls announces Science Breakthroughs of the Year 2020

Christian Hackenberger, FMP (Photo: Silke Oßwald)
Christian Hackenberger, FMP (Photo: Silke Oßwald)

“Revolutionary new medicines” – “concepts for a more inclusive society”– “energy transmission without loss” – these are three of the ten Falling Walls Science Breakthroughs of the Year 2020.

The Falling Walls Foundation announces the Falling Walls Science Breakthroughs of the Year 2020. In ten categories, ranging from life sciences to science in the arts, outstanding research projects will be honoured on 9 November, the day the Berlin Wall came down peacefully in 1989. The ten breakthroughs were identified by a distinguished global jury chaired by Helga Nowotny, president emeritus of the European Research Council. The juries chose the science breakthroughs of the year from 940 research projects that were nominated by academic institutions from 111 countries on all continents. The breakthroughs will be presented and honoured in a freely accessible livestream on 9 November 13.00 Berlin Time (CET) on the Falling Walls website (www.falling-walls.com).

These breakthroughs mark significant progress in a wide range of fields. For human health the use of modified proteins as Troyan horses to treat cancer and viral infections marks a breakthrough as much as microrobots that move like jellyfish in the human body replacing risky surgery. Other breakthroughs qualify refugees for leadership positions or involve hundreds of thousands of volunteers to solve complex innovation challenges. One breakthrough achieves superconductivity at close-to room temperatures. Another set of breakthroughs addresses global challenges as our perception of nature or the human ability to act in solidarity on a global scale.

Please find a detailed description of the Falling Walls Science Breakthroughs of the Year 2020 at the end of this document. 

Jürgen Mlynek, Chairman of the Falling Walls Foundation: „We were overwhelmed by the global response to our open call for research breakthroughs and by the quality of the work. The pandemic put tremendous stress on the research community, as much as it underscored the global need for research progress.“

From the 940 nominations, 650 finalists were chosen. They provided a short video along with their research publications – published in a growing library on the digital platform of Falling Walls. Ten juries reviewed all finalists in ten categories to identify ten winners per category. The winners were publicly presented in ten live Falling Walls Winners Sessions. Finally, the jury picked the best of the best to become Falling Walls Science Breakthrough of the Year.

„The juries were impressed by the global spread of excellence and we truly enjoyed to see ever more researchers to overcome the boundaries of narrow disciplines,“ says Helga Nowotny, chair of the juries.

„Let us work together to turn this crisis into an opportunity for more innovation, better international collaboration and more effective science communication. This is what the Falling Walls Conference stands for. “, says Anja Karliczek, German Minister for Education and Research and supporter of the Falling Walls Foundation.

Falling Walls Conference

The Falling Walls Conference took place for the first time on 9 November 2009 on the occasion of the 20th anniversary of the peaceful fall of the Berlin Wall. As 9 November marks the first Nazi pogrom in 1938, too, the aim of the Falling Walls Foundation is to celebrate freedom and to commemorate persecution by sharing knowledge. In 2020 the Falling Walls Conference and the Berlin Science Week, which was established to provide a platform for academic institutions worldwide, take place in a digital format which is freely accessible to everybody. Over 200 individual events with over 500 speakers take place from 1 – 10 November 2020. The programme is available and completely free accessible on the website www.falling-walls.com. The programme is made possible by contributions from a wide array of public sources, foundations and corporations.

 

The Falling Walls Science Breakthroughs of the Year 2020

Descriptions and jury statements on the Falling Walls Science Breakthroughs of the Year

 

Physical Sciences: Mikhail Eremets

Breaking the Wall to Room-Temperature Superconductivity

Max-Planck-Institute for Chemistry, Mainz

Jury Chair Daniel Zajfman, Israel Science Foundation

Towards Room-Temperature Superconductivity. Superconductivity, applied to everyday life, would solve numerous problems in the fields of energy and data transmission. For a long time, superconductivity was only achievable at ultra-cold temperatures that could only be created inside a laboratory. Mikhail Eremets, the Belarusian-born physicist, has pioneered experiments that allow superconductivity at temperatures of a common household freezer by using unusual materials such as metallic hydrogen.

Jury Chair Daniel Zajfman: “The breakthrough made by Mikhail Eremets and colleagues is the discovery of room-temperature superconductors, which will allow an electric current to flow without any resistance”.

 

Science in the Arts: Alexandra Daisy Ginsberg

Breaking the Wall to Machine Auguries

Studio Alexandra Daisy Ginsberg, London

Jury Chair: Horst Bredekamp, Humboldt University Berlin

Machine Auguries. Humankind has forced those species that did not extinct to change its behaviour. Birds for example change the time and tone of their songs. The London-based artist Alexandra Daisy Ginsberg created new bird voices to help us understand our negative impact on nature. In dialogue with scientists and experts, she uses emerging technologies such as Generative Adversarial Networks (GANs) to create deep fakes that challenge our perception of nature.

Jury Chair Horst Bredekamp: “Alexandra Daisy Ginsberg is a young, but worldwide lauded London based artist who works at the cross-section between nature and technology, actively developing it further. Using machine learning to recreate a lost version of a Dawn Chorus, she highlights the loss of bird populations. As in her earlier projects, she combines biology with artificial intelligence in a both deeply critical and poetic sense.“

 

Life Sciences: Christian Hackenberger

Breaking the Wall to Next Generation Biopharmaceuticals

Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie, Berlin

Jury Chair: Marja Makarow, Biocentre Finland

Protein-based Biopharmaceuticals. Today, cancer treatment by chemotherapy has many negative side effects and treatments against viral infections have shortcomings. Christian Hackenberger found a way to improve the treatment of both. He has pioneered the development of protein-based therapeutics, based on the modification and cellular delivery of antibodies to target cancer and viral infections. This includes the engineering of an inhibitor against human and avian influenza and safer next-gen antibody-drug conjugates. These efforts led to the foundation of the highly successful start-up Tubulis.

Jury Chair Marja Makarow: “Christian Hackenberger’s breakthrough is a technology that enables drug molecules to be attached to antibodies, which find the broken linkers within the patient’s cancer cells, and release the necessary drug only where it should work – without harming normal tissue in its course. The jury concluded that the core idea of this science is fascinating, the theoretical approach great and the potential concerning cancer therapy and virus infection prevention is huge.”

Prof. Dr. Christian Hackenberger (FMP), finalist in category "Life Sciences", explanates his breakthrough in a video: https://falling-walls.com/remote2020/finalists/breaking-the-wall-to-next-generation-biopharmaceuticals/

 

Social Sciences and Humanities: Margaret Levi

Breaking the Wall to an Expanded Community of Fate

Centre for Advanced Study in the Behavioural Sciences, Stanford University

Jury Chair: Shalini Randeria, Institute for Human Sciences (IWM), Vienna

A Moral Political Economy – A Community of Fate on a Planetary Scale. Global challenges such as climate change and pandemics call for a new political economy. The work of Margaret Levi explores how the concept “community of fate”, that is common to small groups like families, can be implemented on a global scale to address global challenges. By studying the culture of unions and our collective behaviour during the Covid-19 pandemic, she proposes tangible approaches towards a global community of fate.

Jury Chair Shalini Randeria: “Margaret Levi’s brilliant project develops a framework to understand how innovative institutions could help individuals to recognize how their destinies are inextricably entangled with distant strangers. She shows us how to create a new political economy model, that promotes planetary well-being without losing sight of economic productivity and innovation. The jury is highly impressed by Levi’s project, which tears down the narrow walls of national solidarity and sovereignty, whilst advocating for a bold conception of Justice”.

 

Digital Education: Chrystina Russell

Breaking the Wall of Refugee Education

Southern New Hampshire University

Jury Chair: Deborah Quazzo, GSV Ventures, San Francisco

Remote Academic Degrees for Refugees. Tens of millions of people worldwide are refugees with little to no access to education. The Global Education Movement directed by Chrystina Russell created outstanding results in providing degree-level education to refugees. 95 percent of her students graduate and close to 90 percent are employed within six months after graduation. The Global Education Movement unlocks the potential of a new generation of leaders that can take on intractable problems – from poverty and famine to conflict and disease – that once were significant barriers to their success.

Jury Chair Deborah Quazzo: “Chrystina Russell and her Global Education Movement initiative have been awarded for being the organization offering the highest impact with the highest learning efficacy, at the largest opportunity of scale. GEM focuses on millions of displaced people, who are prevented from adequate access to education.”

 

Science and Innovation Management: Jacob Friis Sherson

Breaking the Wall of Hybrid Intelligence

Aarhus University

Jury Chair: Michael Kaschke, Karlsruhe Institute of Technology

The ScienceAtHome Project. The approach by Jacob Sherson to involve hundreds of thousands of people to collaborate with him in addressing complex research challenges marks a breakthrough in Science and Innovation Management. His big idea is to turn a quantum computing issue into a popular video game that – in conjunction with AI – provides insights to researchers from natural, social and cognitive sciences.

Jury member Kumsal Bayazit: “Jacob Sherson and his team bring together hundreds of thousands of citizen science volunteers. ScienceAtHome’s interdisciplinary and collaborative approach combines human and artificial intelligence in an online laboratory, harvesting the power of large-scale human problem-solving. The jury found Jacob’s approach to be a genuine breakthrough for the unique way in which it captures the rich diversity of people – with diverse backgrounds, levels of expertise and perspectives – to solve a problem.”

 

Engineering and Technology: Metin Sitti

Breaking the Wall to Wireless Medical Robots Inside Our Body

Max Planck Institute for Intelligent Systems

Jury Chair: Joël Mesot, ETH Zurich

Medical Microrobots. Conventional surgeries are associated with risks. The observations Metin Sitti made in nature, studying worms and jellyfish, inspired a range of versatile microrobots that can navigate and function safely inside the human body. This breakthrough revolutionizes the way we can deliver drugs, pump fluids, perform biopsies or clear clogged vessels.

Jury Chair Joël Mesot: “Metin Sitti’s research points the way to a revolution in medicine. His micrometer-sized soft robots, which have proven to be multi-talented, could be used for both diagnosis and therapy. The idea that such microrobots will enable therapies within human’s blood vessels with pinpoint accuracy, or perform biopsies, is a step closer to non-invasive treatment and robot-supported medicine. The jury congratulates Sitti for his genuine research approach and engineering solutions”.

The winners in the categories “Emerging Talents”, “Science Start-ups” and “Science Engagement” will be announced during the Falling Walls Grand Finale on 9 November, 13.00 Berlin (CET) time / 7.00 New York time / 21.00 Tokyo time.

Quelle: https://falling-walls.com/de/press/press-releases/falling-walls-announces-science-breakthroughs-of-the-year-2020-in-seven-categories/

forschen / 06.11.2020
Jedischwert und Quantenrechner – Optik-& Photonikforschung in Berlin (Folge 6 des LNDW-Podcasts)

Dirk Döbler, Prof. Ulrike Woggon, Thomas Prinzler und Prof. Günther Tränkle (Foto: Gundula Krause/rbb 2020)
Dirk Döbler, Prof. Ulrike Woggon, Thomas Prinzler und Prof. Günther Tränkle (Foto: Gundula Krause/rbb 2020)

Viele von uns kennen das Laserschwert der Jedi-Ritter, profitieren von Wettersatelliten, verlassen sich auf exakte Zeitmessungen von Atomuhren, bewundern Special Effects in Hollywoodfilmen oder freuen sich auf selbstfahrende Autos in naher Zukunft. All diese Themen verbindet, dass in ihnen viel Optik und Photonik steckt - und eben darüber spricht Thomas Prinzler mit seinen Gästen.

Ob "Internet der Dinge", Industrie 4.0 oder Verkehrswende ­­– nichts von all dem wäre möglich ohne die Forschungen und Entwicklungen aus Optik und Photonik. In der Sendung gehen wir den Grundlagen des Gebiets ebenso nach wie den zahlreichen Anwendungsfeldern, die von superschnellen Computerchips über Lasersysteme für die Industrie bis hin zu Abstands- und Geschwindigkeitsmessungen (LiDAR-Systemen) fürs autonome Fahren reichen. Gäste der Sendung sind: Frau Prof. Dr. Ulrike Woggon (TU Berlin) – die Brain City Botschafterin erläutert u. a. wie Photone für Quantenrechner in Nanomaterialien entstehen und wie der Nachwuchs im Bereich optischer Forschung gefördert wird. Dirk Döbler von der Gesellschaft zur Förderung angewandter Informatik (GFaI) berichtet, wie sich mit Hilfe der in Berlin entwickelten Akustischen Kamera Lärmquellen sichtbar machen lassen und Prof. Dr. Günther Tränkle (Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik (FBH)) zeigt auf, wie selbstfahrende Autos mithilfe von LiDAR-Systemen Wirklichkeit werden und wie Lasersysteme im Weltraum präzises Umweltmonitoring ermöglichen.

Die Aufzeichnung der Sendung fand im Pasteur-Kabinett der WISTA in Berlin-Adlershof statt.

Die Folge ist eingebettet in die Berlin Science Week und Falling Walls, die zwischen dem 1. und 10 November zahlreiche (Online-)Vorträge, Gespräche und Events rund um die Wissenslandschaft in Berlin bietet.

Im Mittelpunkt der siebten Podcast-Folge werden die Folgen der Digitalisierung stehen.

Folge direkt anhören oder herunterladen

Weitere Informationen: https://www.langenachtderwissenschaften.de/news-detail/optik-photonikforschung-in-berlin

Quelle: https://www.langenachtderwissenschaften.de/podcast

forschen / 05.11.2020
Ebbe und Flut in den Hirnkammern

3D-Darstellung der vier Ventrikelvolumina eines Studienteilnehmenden  (Bild: Millward et al., MDC)
3D-Darstellung der vier Ventrikelvolumina eines Studienteilnehmenden (Bild: Millward et al., MDC)

Vergrößerte Ventrikel im Gehirn von Patient*innen mit Multiple Sklerose gelten bislang als Zeichen für Gewebeschwund. Wie ein Team am MDC und ECRC gezeigt hat, geht die Schwellung aber oft zurück. Eine Studie in JCI Insight belegt nun, dass sich die Beobachtungen bei Mäusen auf den Menschen übertragen lassen.

Nicht nur im Herzen, auch im Gehirn gibt es Kammern. Die vier Ventrikel, die mit dem Rückenmarkskanal in Verbindung stehen, sind mit Nervenwasser, dem Liquor, gefüllt. Über die klare Flüssigkeit werden Stoffwechselprodukte der Nervenzellen abtransportiert. Bei Entzündungen des Gehirns zirkulieren darin auch Immunzellen. Zum Beispiel bei Multipler Sklerose (MS), bei der das Immunsystem die körpereigene Schutzschicht der Nervenfasern in Gehirn und Rückenmark angreift. Dies löst eine Entzündung aus, die letztlich Nervenzellen zerstört.

Normalerweise ist das Volumen der Hirnkammern in etwa konstant. 2013 machten Dr. Sonia Waiczies und ihre Kolleg*innen vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin jedoch am Tiermodell für MS eine Entdeckung: Das Ventrikelvolumen veränderte sich während des Krankheitsverlaufs. Lösten sie bei Mäusen mittels eines Antigens eine Hirnentzündung aus, erweiterten sich die Kammern – im MRT deutlich sichtbar. „Jeder sagte, das kommt doch bestimmt durch die Atrophie des Gehirns!“, erinnert sich Waiczies.

Die Schwellung geht wieder zurück

Sind die Hirnkammern stärker geflutet, muss das Gehirn zwangsläufig kleiner werden. Denn wegen des umgebenden Schädelknochens kann es nirgendwohin ausweichen. Entzündungen schädigen zwar das Nervengewebe, aber nicht gleich so sehr, dass es sofort zu einer Atrophie kommt, also zu einem massiven Verlust an Hirnvolumen. Außerdem wäre dieser Prozess nicht reversibel. „Also haben wir weitere tierexperimentelle Reihen beantragt und Hirnvolumina über zwei Monate beobachtet“, erzählt die Neuroimmunologin und Letztautorin der aktuellen Studie. Etwa zehn Tage nachdem die Hirnentzündung induziert wurde, waren die Hirnventrikel der Nager deutlich vergrößert – und wenige Tage später wieder auf ihre normale Größe zurückgeschrumpft. Genau wie die Patient*innen entwickelten sie weitere vorübergehende Schübe, wenn auch milder als die ersten Symptome. Und hierbei vergrößerten sich die Ventrikel erneut.

Eigentlich logisch, meint Waiczies, die auch MR-Wissenschaftlerin ist. „Wenn ich eine Entzündung beispielsweise im Gelenk habe, bildet sich ein Ödem und es schwillt an. Klingt die Entzündung ab, geht auch die Schwellung zurück.“  Das Team interessiert sich für den molekularen Mechanismus dieser Veränderungen. Aber zunächst einmal wollten sie wissen, ob diese Befunde klinisch relevant sind.

Archivdaten bestätigen neue Erkenntnisse

Die Vergrößerung des Ventrikelvolumens bei MS-Patient*innen gilt nach gängiger Lehrmeinung als Zeichen von Gehirnatrophie. Noch nie konnte man beim Menschen beobachten, dass die Ventrikel wieder kleiner wurden. Was bedeutet diese Beobachtung für die Patient*innen? Und ist sie überhaupt vom Tier auf den Menschen übertragbar? Um das zu prüfen, griffen die Forschenden für ihre aktuelle Studie auf umfangreiche MRT-Datensätze von MS-Patient*innen zurück. Sie hatten zwischen 2003 und 2008 an einer klinischen Studie der Charité teilgenommen, um die Wirkung eines neuen MS-Medikamentes zu testen. „Ich war damals in die immunologische Planung und Auswertung dieser Studie involviert und wusste, dass es sehr valide und umfangreiche MRT-Daten gab“, sagt Waiczies.

Neben der Analyse des Liquors, der durch Punktion des Rückenmarks gewonnen wird, sichern MRT-Bilder die Diagnose einer Multiplen Sklerose. Regelmäßige Scans erlauben Prognosen über den Verlauf der Erkrankung. Bei der Studie damals wurden die Teilnehmenden jeden Monat „in die Röhre“ geschoben. Unzählige Aufnahmen galt es nun zu sichten und statistisch auszuwerten. Eine Arbeit, in die sich Erstautor Dr. Jason Millward, Neuroimmunologe an MDC und Charité und begeisterter Statistiker, für die neue Studie hineinkniete.

„Entscheidend war die Häufigkeit der Messung im Laufe der Zeit. Das war eine einzigartige Gelegenheit für uns, festzustellen, ob es ähnliche Trends bei den Testpersonen gab“, erklärt Millward. „Und tatsächlich: bei der Mehrheit der Patient*innen mit schubförmig verlaufender MS sahen wir vergleichbare Fluktuationen des Ventrikelvolumens. Genau wie bei den Mäusen.“ Millward fand heraus: Interessanterweise schienen sich diejenigen Patient*innen mit Veränderungen des Ventrikelvolumens in einer früheren Phase der Erkrankung zu befinden.

„Ventrikelvergrößerungen kennen wir auch von anderen neurodegenerativen Erkrankungen – etwa von Morbus Alzheimer oder Parkinson. Doch dort sind sie nie reversibel, sondern die Expansion nimmt stetig zu“, betont Professor Thoralf Niendorf vom MDC, der auch am Experimental and Clinical Research Centers (ECRC) arbeitet, einer gemeinsamen Einrichtung von MDC und Charité. „Ein regelmäßiges Beobachten des Ventrikelvolumens bei MS-Patient*innen könnte helfen, temporäre Fluktuationen von fortschreitender Hirnatrophie zu unterscheiden.“ Damit ließe sich auch die Therapie auf die Patient*innen individueller zuschneiden.

Professor Friedemann Paul, klinischer Neuroimmunologe an der Charité und neben Waiczies und Niendorf ebenfalls Letztautor der aktuellen Studie, ergänzt: „Aus klinischer Perspektive könnte die Untersuchung von Fluktuationen der Ventrikelvolumina in den Routine-MRT-Scans der Patient*innen ein interessanter Ansatz sein, um den Krankheitsverlauf oder Immuntherapien zu überwachen. Hierfür müssen allerdings noch größere Kohorten über längere Zeit untersucht werden.“ Wichtig sei dabei auch die Assoziation zu klinischen Befunden, etwa der Kognition.

Wie genau es zu „Flut und Ebbe“ in den Hirnkammern kommt, wollen die Forschenden nun auf molekularer Ebene aufklären.


Weiterführende Informationen

Pressemitteilung auf der MDC Website lesen

AG Niendorf am MDC

AG Paul am ECRC

Neue Therapie-Chancen bei MS

Zucker für die Nerven

Literatur

Sonia Waiczies, Jason M. Millward et al. (2020): „Transient enlargement of brain ventricles during relapsing-remitting multiple sclerosis and experimental autoimmune encephalomyelitis“, JCI Insight, DOI: 10.1172/jci.insight.140040

 

forschen, produzieren, heilen / 04.11.2020
Um die Wette geradelt – und gewonnen!

Die besten Teams und Einzelfahrinnen und Fahrer der Campuseinrichtungen bei der Pokalübergabe am 4. November (Foto: Peter Himsel/Campus Berlin-Buch)
Die besten Teams und Einzelfahrinnen und Fahrer der Campuseinrichtungen bei der Pokalübergabe am 4. November (Foto: Peter Himsel/Campus Berlin-Buch)

Campus Berlin-Buch verteidigt Vorjahres-Titel beim Wettbewerb „Wer radelt am meisten?“

Der diesjährige Wettbewerb der Berliner Landesunternehmen „Wer radelt am meisten?“ ist entschieden. Bis zuletzt gab es ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen des Titelverteidigers Campus Berlin-Buch mit der Berliner Energieagentur. Schließlich siegten knapp die 311 Radlerinnen und Radler des Bucher Wissenschafts- und Biotechcampus/MDC-Mitte mit 191.572 Kilometern.

Campus-intern waren die besten Fahrerinnen und Fahrer Günther Pätz der celares GmbH, gefolgt von Jürgen Janke und Jessica Berlin vom MDC auf dem zweiten und dritten Platz. Das MDC-Dreierteam „Shut up Legs“ mit Rainer Leben, Jessica Berlin und Holger Gerhardt radelte am meisten. Elias Lowenstein, Lena Immisch, Stephan Dietrich, alle drei ebenfalls vom MDC, traten als Team „WADEN SAMPLES“ kräftig in die Pedale und schafften es auf den zweiten Platz. „Three in a Minion“ mit Steffen Lochow vom MDC, Monique Rönick und Mirko Pleitner der Glycotope GmbH wurden Dritte.

Der Wettbewerb ist aus einer Radfahraktion der Berliner Verkehrsbetriebe mit der Berliner Stadtreinigung und den Berliner Wasserbetrieben entstanden und wird von der Initiative „mehrwert“ ausgetragen. In diesem Jahr wuchs die Zahl der teilnehmenden Institutionen bereits auf 21. Von August bis September sammelten insgesamt 2.103 Beschäftigte ihre Radkilometer. Der Wettbewerb fördert nicht nur eine umweltfreundliche und gesunde Mobilität, sondern möchte Lebensqualität bei gleichzeitiger Kosteneinsparung aufzeigen. Bevorzugt sollen sich Dreierteams bilden, um sich gegenseitig anzuspornen und bei den Kilometerleistungen zu unterstützen.

Jeder Kilometer hilft, CO2 zu sparen
Es gab schier uneinholbare Rekorde: Das beste Dreierteam sammelte über 10.000 Kilometer, der beste Einzelfahrende bot allein fast 9.000 Kilometer auf. Für alle, die sich am Wettbewerb beteiligten, war jedoch das Mitmachen und die Motivation entscheidend, sich aufs Rad zu schwingen und vielleicht noch eine Extratour zu fahren. Jeder Kilometer mit Muskelkraft zählte, ob auf dem Fahrrad oder dem Ergometer. Elektrofahrräder, mit denen man sich fortbewegen kann, ohne selbst in die Pedale zu treten, waren nicht zugelassen.

In diesem Jahr, das von der Corona-Pandemie und Home-Office bestimmt war, legten alle Teilnehmenden gemeinsam eine Strecke von 1.332.042 Kilometern zurück – also rund 33 Mal um den Äquator. Dies ist nicht nur ein beeindruckendes Ergebnis für die Gesundheit, sondern auch für die Umwelt, da die Strecke einer Ersparnis von 253.088 kg CO2 entspricht.

Bestes Berliner Team beim Stadtradeln
Da sich die diesjährigen Wettbewerbe „Stadtradeln“ und „Wer radelt am meisten?“ überschnitten, konnte sich die mehrwert-Initiative mit ihren Radlerinnen und Radlern als Team beteiligen. 1.614 Beschäftigte der Landesunternehmen konnten 320.516 und damit zehn Prozent aller Kilometer beitragen, so dass Berlin auch an der Spitze aller teilnehmenden Kommunen in Deutschland stand. Quelle: www.wer-radelt-am-meisten.de


Weitere Informationen:

www.wer-radelt-am-meisten.de
www.mehrwert-berlin.de
www.campusvital.de

Aktualisiert nach der Pokalübergabe am 4. November.
https://www.mdc-berlin.de/de/news/news/um-die-wette-geradelt-und-gewonnen

 

forschen / 04.11.2020
Künstliche Intelligenz für die Zukunft der Medizin

Am 7. November 2020 laden das Berlin Institute of Health und der Tagesspiegel zum fünften Future Medicine Science Match ein: In diesem Jahr lautet das Thema „Künstliche Intelligenz in der Translationalen Medizin“. MDC-Forscher Roland Schwarz ist Chair der Session zur KI in der Grundlagenforschung.

Die Sprecher*innen haben beim Science Match nur drei Minuten Zeit, um ihre Idee, ihr Projekt oder ihr Produkt vorzustellen. Erstmals findet ein Wettbewerb zwischen allen Sprecher*innen statt: Das Publikum ist aufgerufen, seinen Favoriten aus Akademie und StartUp, aus Medizin und Wissenschaft zu wählen; die wissenschaftliche Jury kürt den Gewinner oder die Gewinnerin des besten wissenschaftlichen Vortrags. Aufgrund der Corona-Pandemie findet die gesamte Konferenz – wie die meisten Veranstaltungen während der Berlin Science Week – online statt.  

Das Programm gliedert sich in drei Teile: Künstliche Intelligenz in der Grundlagenforschung, Künstliche Intelligenz bei der Entscheidungsfindung, und Künstliche Intelligenz in der SARS-CoV-2 bzw. COVID-19-Forschung. „Die modernen molekularbiologischen Methoden produzieren unglaubliche Mengen an Daten, die kein menschliches Gehirn mehr allein erfassen oder gar auswerten kann. Hierzu braucht man die künstliche Intelligenz“, sagt Dr. Roland Schwarz, Gruppenleiter für Genomforschung in der Evolution und bei Krebs am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), und Chair der ersten Session. In den Vorträgen geht es zum Einsatz von KI in der Auswertung von Genomsequenzen, in der Krebsforschung oder zur Vorhersage des Verlaufs von Blutvergiftungen. 

BIH Johanna Quandt-Professorin für Gehirnsimulation am BIH und an der Charité Petra Ritter leitet die zweite Session zur Entscheidungsfindung in der Medizin: „Welche Therapie für welchen Patienten die richtige ist, ist oft nicht so leicht zu entscheiden, gerade wenn sehr viele Parameter zu berücksichtigen sind. Genau hier kann die Künstliche Intelligenz helfen, weil sie viele Dinge gleichzeitig auswerten kann.“ In dieser Session werden KI-Entwicklungen vorgestellt, die das Smartphone Herzversagen erkennen lässt, Hochrisikoschwangerschaften überwachen oder Röntgenbilder von Tuberkulosekranken im ländlichen Südafrika auswerten können.

KI hilft auch der COVID-19-Forschung
In der dritten Session schließlich geht es um Künstliche Intelligenz und ihren Einsatz in der gegenwärtigen Coronapandemie: „Die KI hilft uns dabei, die Ausbreitungswege des Virus in der Bevölkerung nachzuvollziehen, die vielen unterschiedlichen Daten aus der Erforschung des SARS-CoV-2 Virus zusammen zu führen und damit auch so schnell wie möglich aus den Ergebnissen Schlüsse für die Behandlung von COVID-19 Patienten zu ziehen“, sagt BIH-Professorin für Interoperabilität und eHealth Sylvia Thun, die auch die wissenschaftliche Gesamtleitung für das diesjährige Future Medicine Science Match übernommen hat. 

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek im Interview
Bundesforschungsministerin Anja Karliczek beantwortet im Interview Fragen nach der KI-Strategie des Bundes. Die Keynote Lecture hält Pawel Swieboda, der Direktor des Human Brain Projects, das sich die Erforschung des menschlichen Gehirns mit der Hilfe des Computers und von Künstlicher Intelligenz vorgenommen hat. Swieboda ist ebenfalls Gründungsdirektor von EBRAINS, einer völlig neuen Europäischen Forschungsinfrastruktur, die die nahtlose Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftler*innen und Technologieexpert*innen ermöglicht, um die Bereiche der Neuro- und Computerwissenschaften und der Neurologie voranzubringen.

Komplettiert wird die Konferenz durch Grußworte des Vorstandsvorsitzenden des BIH, Professor Christopher Baum, den Beauftragten für Digitale Wirtschaft und Start Ups im Bundesministerium für Wirtschaft, Thomas Jarzombek, sowie Mathias Müller von Blumencron,  Chefredakteur des Tagesspiegels. Future Medicine 2020 ist bereits die fünfte Konferenz zur Zukunft der Medizin, die das BIH gemeinsam mit dem Tagesspiegel und in Kooperation mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem MDC durchführt. Sie findet jährlich am 7. November im Rahmen der Berlin Science Week statt.

Erstmals auch CME-Fortbildung für Ärzt*innen
Im Vorfeld des Future Medicine Science Match findet ebenfalls online eine CME-Fortbildungsveranstaltung für Ärzt*innen zu Anwendungen von Künstlicher Intelligenz in translationaler Medizin statt. Es werden die Grundprinzipien von KI und maschinellem Lernen erklärt und exemplarisch deren medizinische Anwendungsmöglichkeiten aufgezeigt. BIH-Professorin Petra Ritter erklärt im ersten Vortrag, wie Gehirnprozesse von Patient*innen mittels KI simuliert und damit neue Therapieansätze ermöglicht werden können. Im zweiten Vortrag von Professorin Kerstin Ritter liegt der Fokus auf sogenannten Deep Learning-Verfahren, die bereits erfolgreich in der medizinischen (Neuro-)Bildgebung eingesetzt werden. Im dritten Vortrag stellt Dr. Marcel Maik Modelle zur Vorhersage von akutem Nierenversagen vor, zum Abschluss wird Professorin Andrea Volkamer zeigen, wie maschinelle Lernverfahren in der frühen Medikamentenentwicklung hilfreich sind. Alle Vortragenden kommen von der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Die wissenschaftliche Leitung hat auch hier BIH-Professorin Sylvia Thun inne.

Future Medicine Science Match 2020 
Samstag, 7. November 2020
Eröffnung der Konferenz: 13:00 Uhr Ende gegen 16:30 Uhr.

Die Mission des Berlin Institute of Health (BIH) ist die medizinische Translation: Erkenntnisse aus der biomedizinischen Forschung werden in neue Ansätze zur personalisierten Vorhersage, Prävention, Diagnostik und Therapie übertragen, umgekehrt führen Beobachtungen im klinischen Alltag zu neuen Forschungsideen. Ziel ist es, einen relevanten medizinischen Nutzen für Patient*innen und Bürger*innen zu erreichen. Dazu etabliert das BIH ein umfassendes translationales Ökosystem, setzt auf ein organübergreifendes Verständnis von Gesundheit und Krankheit und fördert einen translationalen Kulturwandel in der biomedizinischen Forschung. Das BIH wurde 2013 gegründet und wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sind im BIH eigenständige Gliedkörperschaften.

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

www.mdc-berlin.de

Quelle: https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/kuenstliche-intelligenz-fuer-die-zukunft-der-medizin

heilen / 03.11.2020
Hämatologie-Onkologie im Helios Klinikum Berlin-Buch im „Newsweek“-Ranking vertreten

Dr. med. Bertram Glaß (li) und PD Dr. med. Peter Reichardt freuen sich sehr über die Auszeichnung des Zentrums für Hämatologie und Onkologie. (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)
Dr. med. Bertram Glaß (li) und PD Dr. med. Peter Reichardt freuen sich sehr über die Auszeichnung des Zentrums für Hämatologie und Onkologie. (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken)

Das Zentrum für Hämatologie und Onkologie im Helios Klinikum Berlin-Buch wurde im aktuellen Ranking des US-Nachrichtenmagazins Newsweek in der Kategorie «Top Specialized» in die Liste der besten Kliniken weltweit aufgenommen.

Gemäß dem Ranking von „Newsweek“ und „Statista“ ist das Zentrum für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin im Helios Klinikum Berlin-Buch unter den weltweit 200 besten Fachabteilungen. Das Zentrum besteht aus den beiden Kliniken Klinik für Hämatologie und Stammzelltransplantation und Klinik für Onkologie und Palliativmedizin.

Chefarzt der Klinik für Onkologie und Palliativmedizin ist PD Dr. med. Peter Reichardt. Unter seiner Leitung ist die systemische, also auf den Gesamtorganismus einwirkende, medikamentöse Therapie vor der Operation, nach der Operation oder als alleinige Therapie entscheidender Bestandteil der interdisziplinären Behandlungskonzepte. Zum Einsatz kommen modernste Therapieverfahren mit Antikörpern, zielgerichtete Therapie („targeted therapy“), komplexe Chemotherapien und regionale Tiefenhyperthermie in Kombination mit systemischer Chemotherapie, häufig im Rahmen nationaler und internationaler klinischer Studien. Bei der Behandlung von Patienten mit Knochen- und Weichgewebesarkomen gehört die Klinik zur internationalen Spitze. „Die Tatsache, dass nur drei nichtuniversitäre Kliniken in Deutschland unter den Top 200 der Welt zu finden sind, zeigt, dass im Helios Klinikum Berlin-Buch onkologische Behandlung auf höchstem Niveau angeboten wird“, so PD Dr. med. Peter Reichardt.

Den Bereich Hämatologie leitet seit 2017 Prof. Dr. med. Bertram Glaß als Chefarzt. Besondere Behandlungsschwerpunkte seines Teams sind die Therapie von bösartigen Erkrankungen der Blutbildung (Leukämien) und des Abwehrsystems. Ein besonderer wissenschaftlicher Schwerpunkt ist die Behandlung von malignen Lymphomen (Lymphdrüsenkrebs). Auf diesem Gebiet werden nationale und internationale Therapiestudien in Berlin-Buch geleitet. Es werden alle heute verfügbaren Verfahren der Hämato-Onkologie wie die Stammzelltransplantation und die Therapie mit genetisch manipulierten Abwehrzellen (CART) eingesetzt. Prof. Dr. med. Bertram Glaß betont: „Wir freuen uns sehr über die Platzierung. Sie zeigt, dass wir gerade auch mit neuen Verfahren und Studien dauerhafte Behandlungserfolge erzielen und bestätigt unser Konzept der Verbindung von engagierter Versorgung am Patientenbett mit klinisch-wissenschaftlicher Tätigkeit.“

Onkologisches Zentrum Berlin-Buch

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist seit August 2014 von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) als Onkologisches Zentrum zertifiziert.

„Wir bieten unseren Patienten mit ihren oftmals lebensbedrohlichen Erkrankungen eine optimale Versorgung und Betreuung auf höchstem medizinischen Niveau. Fachliche Expertise der Teams und eine hochmoderne Ausstattung sind dabei grundlegende Voraussetzungen“, sagt der Leiter des onkologischen Zentrums im Helios Klinikum Berlin-Buch, Herr PD Dr. med. Peter Reichardt.

Daniel Amrein, Geschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch, sagt stolz: „Ich freue mich sehr, dass die starke onkologische Expertise im Helios Klinikum Berlin-Buch ausgezeichnet wurde.“ Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor im Helios Klinikum Berlin-Buch, ergänzt: „Ein besonderer Schwerpunkt der Hämatologie und Onkologie im Helios Klinikum Berlin-Buch ist die Durchführung klinischer Studien, die im „Berlin Cancer Institute“ koordiniert wird. Das Institut betreut neben weit über 100 klinischen Studien auch weitere Forschungsprojekte in der Krebsmedizin.“

Ranking auf Basis von mehr als 20.000 Experten

Das zweite Jahr in Folge hat sich das wöchentlich erscheinende US-amerikanische Nachrichtenmagazin mit dem Datenportal Statista zusammengetan, um ein Ranking der führenden Kliniken in 21 Ländern vorzunehmen. Nach der Analyse der “World´s Best Hospitals” haben „Newsweek“ und das deutsche Statistik-Portal „Statista“ eine ergänzende Erhebung auf Fachbereichsebene durchgeführt. Das Ergebnis der daraus resultierenden, unabhängigen Analyse sind die Listen der „World’s Best Specialized Hospitals 2021“.

Mehr als 20.000 medizinische Expertinnen und Experten aus über 20 Ländern – darunter Ärzte, Krankenhausmanager und Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen – konnten mittels „Newsweek“ und „Statista“ in einer Online-Umfrage Krankenhäuser innerhalb ihrer jeweiligen Spezialisierung empfehlen und bewerten. Die Umfrageergebnisse wurden im zweiten Schritt von einem Gremium renommierter medizinischer Experten validiert. Die jeweils besten 50 Spezialkliniken wurden in einem Ranking dargestellt; ab Platz 51 bis 200 wurden die Kliniken in einer Liste veröffentlicht.
 
Gesamtübersicht des Rankings:
https://www.newsweek.com/worlds-best-specialized-hospitals-2021/oncology

 

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Hauttumorzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.
 Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zum Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.

Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 110.000 Mitarbeitern. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien. Rund 21 Millionen Patienten entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2019 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 9,2 Milliarden Euro.
In Deutschland verfügt Helios über 86 Kliniken, 123 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und sieben Präventionszentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,6 Millionen Patienten behandelt, davon 4,4 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland fast 69.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 51 Kliniken, 71 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 15,4 Millionen Patienten behandelt, davon 14,6 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt rund 37.500 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von über drei Milliarden Euro.
Helios Deutschland und Quirónsalud gehören zum Gesundheitskonzern Fresenius.

 

www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch/

forschen / 02.11.2020
Methodologisches Kunststück: Biochemikerin Annita Louloupi erhält Marthe-Vogt-Preis

Dr. Annita Louloupi. Foto: Felix Petermann, MDC
Dr. Annita Louloupi. Foto: Felix Petermann, MDC

Der Marthe-Vogt-Preis des Forschungsverbundes Berlin e.V. (FVB) geht in diesem Jahr an Dr. Annita Louloupi für ihre herausragenden Beiträge zum wissenschaftlichen Verständnis der RNA-Biologie. Annita Louloupi forscht seit Januar 2019 am MDC. Der Preis zeichnet junge Wissenschaftlerinnen aus.

Während ihrer Doktorarbeit am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik (MPIMG) und an der Freien Universität Berlin hat Annita Louloupi gemeinsam mit Kolleg*innen eine neue Methode zur Erkennung und Analyse der Modifikation N6-Methyladenosin (m6A) in Vorläufer-RNA-Molekülen entwickelt. Unter Anwendung dieser Methode zeigte sie, dass m6A das RNA-Splicing beschleunigt. Seit 2001 vergibt der FVB den Marthe-Vogt-Preis an Nachwuchswissenschaftlerinnen, die auf einem Gebiet tätig sind, das von einem der FVB-Institute bearbeitet wird. Die Dissertation muss an einer Forschungseinrichtung in Berlin oder Brandenburg entstanden sein. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert.

Die DNA (Desoxyribonukleinsäure) enthält die genetische Information für die Entwicklung und das Wachstum aller Organismen. Um diese Information zu nutzen, wird die DNA zunächst in RNA (Ribonukleinsäure) umgeschrieben (transkribiert), welche dann in einem zweiten Schritt in das funktionelle Produkt, das Protein, übersetzt wird. Die genetische Information liegt nicht als kontinuierlicher Abschnitt auf der DNA vor, sondern wird durch nicht-kodierende Abschnitte unterbrochen.  Diese nicht-kodierenden Abschnitte (Introns) müssen nach der Transkription aus der Vorläufer-RNA herausgeschnitten werden – ein Prozess, der als RNA-Splicing oder RNA-Reifung bezeichnet wird und ein wichtiger und streng regulierter Schritt während der Genexpression ist.

Wie auch die DNA besteht RNA aus vier unterschiedlichen Nukleotiden. RNA-Nukleotide können während ihres Lebenszyklus biochemisch modifiziert werden. Obwohl solche Modifikationen die genetischen Informationen, die die RNA enthält, nicht verändern, können sie deren Funktionalität beeinflussen. In ihrer Doktorarbeit widmete sich Annita Louloupi einer der am meisten verbreiteten Modifikationen der RNA, dem m6A – einer Methylierung, die an der N6-Position von Adenosin erfolgt. Ihr Hauptziel bestand darin zu verstehen, wie m6A das RNA-Splicing oder genauer gesagt die Geschwindigkeit des Splicings reguliert.

Die Herausforderung, der Annita Louloupi zu Beginn ihrer Doktorarbeit gegenüberstand, war die Entwicklung neuer Analysetechniken. Diese mussten präzise und empfindlich genug sein, um m6A-Modifizierungen auf der RNA im Anfangsstadium, d h. während der kurzen Phase gleich nach der Transkription und vor dem RNA-Splicing, nachzuweisen. „Meine Fragen führten mich zu meinen Methoden“, erklärt die Biochemikerin und beschreibt so ihre Vorgehensweise. Durch die Kombination verschiedener Techniken konnte Annita Louloupi neue Einblicke in die Rolle der m6A-Modifikation bei der RNA-Splicing-Kinetik gewinnen. Befindet sich m6A in einer bestimmten Region innerhalb der anfänglichen RNA, fungiert m6A wie ein „Fast-Track-Ticket“, quasi eine Lizenz zum Überholen in der Verarbeitungsschlange. RNA mit solch einer Lizenz entwickelt sich weiter in „reife“ funktionelle RNA – und zwar schneller als die ohne solch eine Lizenz.

Modifikationen der RNA werden mit verschiedenen Krankheiten in Zusammenhang gebracht, darunter Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, genetische Geburtsfehler, Stoffwechselkrankheiten, neurologische Störungen und Virusinfektionen. Die von Annita Louloupi entwickelte Methode ist ein wertvolles Werkzeug für andere Molekularbiolog*innen. Sie kann angewendet oder angepasst werden, um m6A-Modifikationen unter verschiedenen Bedingungen zu untersuchen, z.B. in Krebszellen oder in Zellen, die von Viren befallen sind, sich in der Entwicklung befinden oder mit Wirkstoffen behandelt werden.

Noch während sie ihre Dissertation fertigstellte, übernahm Annita Louloupi im Januar 2019 eine Postdoc-Stelle in der Arbeitsgruppe „Computational Regulatory Genomics“ am Berlin Institute for Medical Systems Biology (BIMSB) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). „Wir gratulieren Annitta Louloupi ganz herzlich und freuen uns sehr mit ihr. Der Marthe-Vogt-Preis ist für junge Wissenschaftlerinnen eine tolle Auszeichnung und ein Ansporn, ihren Weg in der Wissenschaft weiter zu gehen“, sagt Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand des MDC (komm.)

Aktuell arbeitet Annita Louloupi an mehreren Projekten, die sich mit verschiedenen Aspekten post-transkriptioneller Genregulation beschäftigen. „Es war ein hektisches und anstrengendes Jahr und ich bin sehr dankbar für den Preis. Er ermöglicht mir innezuhalten, noch einmal meine Promotion zu reflektieren und das zu schätzen, was ich bisher erreicht habe.“

Einladung zur Verleihung des Marthe-Vogt-Preises

Die Preisverleihung findet im Rahmen der Berlin Science Week am 3. November, 18-19 Uhr, digital statt. Nutzen Sie den folgenden Link, um an unserer Veranstaltung teilzunehmen: https://fv-berlin-virtuell.de/. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt.
Einladung und Programm sind verfügbar unter: https://www.fv-berlin.de/infos-fuer/medien-und-oeffentlichkeit/news/einladung-zur-marthe-vogt-preisverleihung

Marthe Vogt Podcast

Im Interview mit Annita Louloupi im Marthe Vogt Podcast erfahren Sie mehr über ihren Weg in die Wissenschaft.

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

forschen / 29.10.2020
Wie sich die Herzen unterscheiden

Erst kürzlich hat ein internationales Forschungsteam den Atlas des menschlichen Herzens erstmals skizziert. Nun wollen die Wissenschaftler*innen das Projekt um eine Dimension erweitern: Diversität. Dafür bekommen sie eine zusätzliche Förderung der Seed Networks der Chan Zuckerberg Initiative. 

Weltweit sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen Todesursache Nummer eins. Für manche Menschen ist das Risiko allerdings höher als für andere – Schwarze in den USA sind beispielsweise deutlich häufiger betroffen als Latinos. Neben der sozioökonomischen Ungleichheit beeinflusst anscheinend auch die genetische Prädisposition, wie die jeweilige Erkrankung verläuft und wie gut sie behandelt werden kann.

Aber was genau verbindet die ungleichen Risiken? Um diese Frage zu beantworten, wird der Human Heart Cell Atlas – koordiniert von Jonathan Seidman, Bugher Professor für Kardiovaskuläre Genetik an der Harvard Medical School und Professor Norbert Hübner vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) – zusätzlich die zellulären und molekularen Signaturen von gesunden Spenderherzen aus diesen Bevölkerungsgruppen charakterisieren. Dazu kooperiert das Projekt zusätzlich mit Partnern in Brasilien und Kanada, nicht zuletzt mit Professor Gavin Oudit vom Mazankowski Alberta Heart Institute von der Universität von Alberta.

„Afroamerikaner bekommen unter anderem seltener Arteriosklerose als Weiße, haben aber öfter koronare Herzerkrankungen. Sie haben öfter Bluthochdruck, aber seltener Herzrhythmusstörungen“, sagt Seidman, „Unsere These ist, dass sich auch das Zusammenspiel von Zelltypen und Zellzuständen unterscheidet und das Herz deshalb anders auf ganz normale Abläufe und Krankheit reagiert. Und das nicht nur bei Afroamerikaner*innen, sondern bei Menschen ganz verschiedener Herkunft.“

Der Ausgangspunkt ist das gesunde Organ

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen das gesamte Spektrum der Herzzellen und ihre Genaktivität analysieren und dann mit den bereits vorhandenen Daten von Europäerinnen und Europäern vergleichen. „Auch hier ist unser Ausgangspunkt zunächst das gesunde Herz“, sagt Norbert Hübner vom MDC, der Charité – Universitätsmedizin Berlin, dem Berlin Institute of Health und dem DZHK in Deutschland. Hübner hat den Herzzellatlas gemeinsam mit Dr. Sarah Teichmann vom Wellcome Sanger Institute im britischen Cambridge, Jonathan Seidman und Christine Seidman, beide von der Harvard Medical School in Boston, und Dr. Michela Noseda vom Imperial College London vor rund drei Jahren ins Leben gerufen, um das Herz Zelle für Zelle zu verstehen.

Der Herzzellatlas gehört zur internationalen Initiative „Human Cell Atlas“ (HCA), die von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geleitet wird. Die Chan Zuckerberg Initiative (CZI) fördert das Vorhaben als CZI Seed Network für den Human Cell Atlas. Für den Aspekt der Diversität erhöht die amerikanische philanthropische Organisation nun die Förderung. CZI finanziert Diversitätsprojekte von insgesamt zehn solcher Netzwerke zu verschiedenen Geweben und Organen, gab sie am 28.10.2020 bekannt.

„Es ist sehr wichtig, dass wir den Aspekt der Diversität beim Human Cell Atlas beachten, sodass wir aus historischen Versäumnissen und Verzerrungen in der Genomik lernen und daran wachsen können“, sagt Norbert Tavares, CZI-Programmmanager für Einzelzellbiologie. „Diese Projekte sind erst der Anfang einer langfristigen Berücksichtigung der Diversität im HCA. Als erste Pilotprojekte können sie zukünftige Ansatzpunkte für eine tiefere Auseinandersetzung mit diesen Herausforderungen aufzeigen.“

Weiterführende Informationen

Bekanntmachung von CZI

Pressemitteilung „Herzatlas mit Tiefenschärfe“

Pressemitteilung „Mitten ins Herz“

www.mdc-berlin.de

bilden / 28.10.2020
„Märchen erzählt – In deiner Sprache“

Bilinguale Märchentage vom 5. – 20. November 2020

Vom 5. - 22. November 2020 finden die 31. Berliner Märchentage statt. Unter dem Titel "HIMMEL UND ERDE – MÄRCHEN VOM OBEN UND UNTEN" werden Märchen und Geschichten erzählt. Die Pankower Migrant:innenorganisationen beteiligen sich an den Märchentagen und organisieren in Kooperation mit den Stadtbibliotheken die 5. Pankower Bilingualen Märchentage unter dem Titel „Märchen erzählt – In deiner Sprache“. Ob Spanisch, Italienisch, Englisch, Polnisch, Russisch, Portugiesisch, Koreanisch und Chinesisch, Quechua, Hebräisch, Dari oder Arabisch – die Märchen werden jeweils auch auf Deutsch erzählt. Organisiert wird die Veranstaltungsreihe von zahlreichen Pankower Migrant:innenorganisationen unter dem Dach von Tandem Projekt MIGRAPOWER, MeM e.V. & VIA e.V., die sich gemeinsam mit den Stadtbibliotheken für die Stärkung der Mehrsprachigkeit einsetzen. Die Lesungen sind kostenlos und dauern ca. 45 Min. Anmeldung erfolgt in der jeweiligen Bibliothek. Die Termine der 5. Bilingualen Märchentage Pankow sowie aller Veranstaltungen im Rahmen der 31. Berliner Märchentage sind online zu finden unter https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/beauftragte/integration/information/artikel.1003724.php sowie unter https://berliner-maerchentage.de/. Rückfragen und weitere Informationen bei Susann Kubisch, E-Mail: susann.kubisch@ba-pankow.berlin.de.

forschen, bilden / 27.10.2020
Politik an der Genschere

Mitglieder des Bundestages informierten sich in einem Workshop über CRISPR-Cas, den Science Bridge (Universität Kassel) und das Gläserne Labor auf dem Campus Berlin-Buch gemeinsam ausrichteten (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)
Mitglieder des Bundestages informierten sich in einem Workshop über CRISPR-Cas, den Science Bridge (Universität Kassel) und das Gläserne Labor auf dem Campus Berlin-Buch gemeinsam ausrichteten (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)

Gemeinsame Pressemitteilung der Campus Berlin-Buch GmbH und Science Bridge e.V. (Universität Kassel), 27. Oktober 2020

Am 26.10.2020 hat eine Gruppe von Mitgliedern des Deutschen Bundestages den Laborkittel übergestreift und ein Experiment mit CRISPR-Cas durchgeführt. Unter Anleitung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von Science Bridge (Universität Kassel) und des Gläsernen Labors (Campus Berlin-Buch) erhielten sie aktiv und dialogorientiert tiefere Einblicke in die Möglichkeiten und Grenzen der „neuen Gentechnik“.

Die Genom-Editierung mit CRISPR-Cas hat in letzter Zeit für lebhafte Diskussionen gesorgt und rückte durch die Vergabe des Nobelpreises für Chemie an Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna noch einmal besonders in den öffentlichen Fokus. Um sich über dieses komplexe Thema ein Urteil bilden zu können, muss zunächst einmal verstanden werden, wie CRISPR-Cas funktioniert und in welchen Bereichen diese Methode zum Einsatz kommt bzw. kommen könnte.

„Politikerinnen und Politiker müssen und können vermutlich keine Experten auf diesem Gebiet sein, umso mehr freuen wir uns darüber, wenn sie sich aus erster Hand informieren und mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in den direkten Austausch treten möchten“, so Kursleiterin Dr. Heike Ziegler von Science Bridge.

Science Bridge hat dafür ein einfaches Experiment entwickelt, das die Funktionsweise der „Genschere“ CRISPR-Cas anschaulich macht und den Einstieg in eine wissensbasierte Debatte erleichtert. In einem halbtägigen Workshop werden Bakterien „geCRISPRt“. Dabei wird ein Gen, das Bakterien blau färbt, mit CRISPR-Cas „ausgeschaltet“, sodass die Färbung verschwindet. Anschließend wird der Erfolg des Experiments mit molekularbiologischen Methoden überprüft. Dieses Experiment wird auch regulär im Gläsernen Labor als Schülerkurs angeboten.

„Die Teilnahme an diesem CRISPR-Versuch ermöglicht es, allgemeine Einblicke sowohl in die wissenschaftliche Vorgehensweise als auch in die Sicherheitsanforderungen an ein gentechnisches Labor zu erhalten“, so Biologin und Kursleiterin Ulrike Mittmann vom Gläsernen Labor.

Katrin Staffler, CDU/CSU, Biochemikerin und Mitglied des Deutschen Bundestages (MdB) und dort unter anderem im Ausschuss Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung tätig, hat den CRISPR-Cas-Workshop für Politikerinnen und Politiker angeregt: „Gute politische Entscheidungen brauchen ein breites Hintergrundwissen. Dieser Labortag zielt darauf, ein solches Basiswissen zu vermitteln.“ Für Kees de Vries, CDU/CSU, und als MdB im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft tätig, ist ebenfalls entscheidend, im Labor genauere Kenntnisse zu erlangen: „Ich möchte hier mehr über CRISPR-Cas erfahren, um meine Kolleginnen und Kollegen im Bundestag überzeugen zu können, dass diese neue Technologie ein Gewinn, und keine Gefahr ist.“ MdB Mario Brandenburg, FDP, Wirtschaftsinformatiker und ebenfalls im Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, sagte im Anschluss an die Veranstaltung: „Ich fühle mich bestätigt, dass in der Gentechnik viele Chancen liegen, aber die Gesellschaft ein breiteres Wissen darüber benötigt.“

Wissenschaft transparent und für die Allgemeinheit verständlich zu machen – und das auf möglichst vielen Ebenen – ist eines der Hauptanliegen der partnerschaftlichen Zusammenarbeit von Gläsernem Labor und Science Bridge. Neben dem beschriebenen Workshop, der Anfang 2021 auch noch einmal in Kassel für hessische Landes- und Regionalpolitikerinnen und -politiker geplant ist, richtet sich das Lehrangebot insbesondere auch an Schülerinnen und Schüler und die allgemeine Öffentlichkeit.

Mehr zum CRISPR-Workshop am 26.10.2020 und dessen Ergebnis finden Sie hier im Blog von CRISPR-Whisper.

Weitere Informationen unter https://crispr-whisper.de/

Kontakt:

Science Bridge e.V.
Schüler- und Öffentlichkeitslabor
an der Universität Kassel
Institut für Biologie
Heinrich-Plett-Str. 40
34132 Kassel
Email: info@sciencebridge.net
Phone: + 49 561 804-4232

Ansprechpartner:
Heike Ziegler
E-Mail: h.ziegler@uni-kassel.de
Tel.: 0561-804 4232
Wolfgang Nellen
E-Mail: nellen@uni-kassel.de
Tel.: 0152-32705202
 

Gläsernes Labor
Campus Berlin-Buch
Robert-Rössle-Str. 10
13125 Berlin

Ansprechpartnerin:
Ulrike Mittmann
E-Mail: u.mittmann@campusberlinbuch.de
Tel.: 030-4892932
 

Über das Gläserne Labor

Das Gläserne Labor ist eine außerschulische Bildungseinrichtung auf dem Campus Berlin-Buch, einem international renommierten Wissenschafts- und Biotechnologiepark. Seine fünf Schülerlabore bieten über 20 Experimentierkurse zu den Themen Molekularbiologie, Herz-Kreislauf, Neurobiologie, Chemie, Radioaktivität sowie Ökologie für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe an. Die Kursinhalte sind eng auf die aktuelle Forschung auf dem Campus bezogen, so dass neuestes Wissen vermittelt werden kann.
Mit rund 14.000 kursteilnehmenden Schülerinnen und Schülern sowie Lehrerinnen und Lehrern pro Jahr zählt das 1999 gegründete Gläserne Labor zu den besucherstärksten Schülerlaboren der Bundesrepublik.
Das Gläserne Labor wird durch die Campuspartner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) sowie die Eckert & Ziegler AG und durch zahlreiche Förderer und Sponsoren unterstützt.
www.glaesernes-labor.de

Über Science Bridge e.V.

Science Bridge ist ein mobiles Schüler- und Öffentlichkeitslabor, das aktuelle molekularbiologische Methoden und Sachverhalte in Schulen bringt und einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich macht. Science Bridge versteht sich als Brücke zwischen Forschung und Gesellschaft und macht Biowissenschaften für jedermann erfahrbar. Das Haupttätigkeitsfeld von Science Bridge ist die Unterstützung von Schulen durch ein Angebot an anspruchsvollen molekularbiologischen Experimenten, die von Science Bridge-Mitarbeitenden im Rahmen ganztägiger Experimentiertage in Klassen der Mittel- und Oberstufe durchgeführt werden. Zusätzlich zu den Schülerkursen bietet Science Bridge akkreditierte Lehrerfortbildungen zu aktuellen molekularbiologischen Themen an und vermittelt interessierten Bürgerinnen und Bürgern bei öffentlichen Veranstaltungen gentechnologische Zusammenhänge.
https://sciencebridge.net
 

Foto: Mitglieder des Bundestages informierten sich in einem Workshop über CRISPR-Cas, den Science Bridge (Universität Kassel) und das Gläserne Labor auf dem Campus Berlin-Buch gemeinsam ausrichteten: (von rechts) MdB Katrin Staffler, CDU/CSU; MdB Mario Brandenburg, FDP; MdB Carina Konrad, FDP; MdB Kees de Vries, CDU/CSU; Prof. Dr. Wolfgang Nellen, Science Bridge e.V.; MdB Ingrid Pahlmann, CDU/CSU; Dr. Heike Ziegler, Science Bridge e.V. (Universität Kassel), Bärbel Riedel (Mitarbeiterin von MdB Katrin Staffler); Ulf Lüdecke (Mitarbeiter von Kees de Vries); Ulrike Mittmann, Gläsernes Labor, und Sandra Wellner, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC). 

forschen / 14.10.2020
Organoide, Open Science und Reality TV im Labor – Das MDC auf der Berlin Science Week

Wenn Virusforscher ins Reality-TV gehen, wenn Biologinnen vom Leben ohne Krankheit träumen, wenn Forschende und Laien über Organoide vs. Tierversuche sprechen und Biomediziner*innen über die Chancen von KI diskutieren – dann ist Berlin Science Week. Das MDC lädt dieses Mal zu virtuellen Events.

Wissenschaft braucht das Vertrauen der Gesellschaft und lebt vom Dialog. Das hat sich in diesem Jahr besonders deutlich gezeigt. „Für uns ist die Berlin Science Week eine ausgezeichnete Gelegenheit zum gesellschaftlichen Austausch“, sagt Professor Thomas Sommer Wissenschaftlicher Vorstand (komm.) des Max Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). „Unsere Forscherinnen und Forscher zeigen ihre Arbeit und wollen mit einem vielfältigen Publikum in Berlin und anderswo in der Welt in Kontakt kommen. Wir möchten inspirieren und inspiriert werden. Wir möchten herausfordern und uns Fragen stellen lassen. Für uns ist das Festival eine Chance, herausfinden, was andere, die Bevölkerung oder auch die Politik, von uns erwarten. Mit der Science Week präsentiert sich Berlin als innovative, vibrierende und weltoffene Metropole. Und die Gesundheitsforschung spielt dabei eine wichtige Rolle. Auch das möchten wir zeigen“, sagt Sommer bei der Vorstellung des Programms seines Forschungszentrums. „Wir wollen dazu anregen, die Arbeits- und Denkweise von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern besser zu verstehen und zu überlegen, wie sich zum Beispiel unsere biomedizinische Grundlagenforschung in Zukunft auswirken könnte. Wir freuen uns darauf!“

Das MDC bietet vom 1. bis zum 10. November fast jeden Tag Events für unterschiedliche Interessengruppen. Fast alle Veranstaltungen sind digital und bieten Möglichkeiten zur Interaktion.


Das Programm des MDC im Überblick


Wie viel Homeoffice verträgt die Wissenschaft?

Die Krise als Chance – Forscher*innen diskutieren über Risiken und Chancen neuer Arbeitsweisen in der Wissenschaft.

Die Pandemie ist für alle eine Ausnahmesituation. Labore waren vorübergehend im Notbetrieb, Kitas und Schulen müssen mitunter schließen, viele Arbeiten sind ins Homeoffice verlagert. Doch wieviel Distanz verträgt die Wissenschaft, die vom ständigen Austausch lebt? Die Gründungskoordinator*innen von BR 50, einem Zusammenschluss der außeruniversitären Forschungsinstitutionen in Berlin, laden ein zu einer ersten Bilanz: Was hat gut funktioniert hat und was nicht, was möchten Forscher*innen auch für die Zukunft bewahren und welche Bedingungen sind vor allem für junge Forscher*innen problematisch?

Mit:  Professorin, Dr. h.c., Ph.D. Jutta Allmendinger (Präsidentin des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB); Professor Thomas Sommer (Wissenschaftlicher Vorstand (komm.) des MDC); Professor Michael Hintermüller (Direktor des Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik, Leibniz-Institut im Forschungsverbund Berlin e.V.); Professor Ulrich Panne (Präsident der Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM)

Eine Veranstaltung von BR50, Zusammenschluss der außeruniversitären Forschungsinstitutionen in Berlin

2. November, 17 bis 18:30 Uhr. Virtuell

 

Künstliche Intelligenz, Organoide, Tiermodelle – Neue Konzepte in der Biomedizin

Was sind die vielversprechendsten Wege, Therapien für Patient*innen zu entwickeln? Unsere Expert*innen berichten, beantworten Fragen und stellen das neue Präklinische Forschungszentrum des MDC vor.

Es gibt mehr als einen Weg, neue Therapien für Patientinnen und Patienten zu entwickeln. Hier präsentieren und diskutieren wir Beispiele aus der MDC-Forschung, die verschiedene Strategien und Technologien kombinieren –  von Künstlicher Intelligenz (KI) und Omics-Technologien über Organoide und menschliche Gewebeproben bis hin zu Tiermodellen, den 3R-Prinzipien und klinischer Forschung. Und wir stellen vor, was unser neues Präklinisches Forschungszentrum (PRC) damit zu tun hat.

Unsere Expertinnen und Experten berichten und beantworten Ihre Fragen im Chat.

Mit: Professor Thomas Sommer (Wissenschaftlicher Vorstand (komm.) des MDC); Professor Michael Gotthardt (Leiter der Arbeitsgruppe „Neuromuskuläre und kardiovaskuläre Zellbiologie“ am MDC); Dr. Uta Höpken (Leiterin der Arbeitsgruppe „Mikroumgebung als Regulator bei Autoimmunität und Krebs“ am MDC); Dr. Agnieszka Rybak-Wolf (Leiterin der Organoid-Plattform am MDC); Dr. Claudia Gösele (Tierschutzbeauftragte, Leiterin Tierhaltung des Präklinischen Forschungszentrums am MDC); Dr. Arnd Heuser (Leitung der MDC- Tierphänotypisierungsplattform am MDC)

3. November von 18 bis 20 Uhr. Virtuell

Anmeldung

 

„Open Science“-Café

Ein Nachmittag, an dem man häppchenweise etwas über Open Science erfahren kann.

Haben Sie schon mal etwas von Open Science gehört und sich gefragt, was das eigentlich ist? Oder gibt es ein Open-Science-Thema, über das Sie gerne mehr wüssten? Kommen Sie in unser Online-Café zu Open Science und erleben Sie einen Nachmittag voller kleiner Veranstaltungen. Fünf Stunden lang servieren wir Ihnen eine Serie von zwanzigminütigen Kurzvorträgen und Aktivitäten zu Open Science. Trinken Sie einen Kaffee, während Sie einen kurzen Wissens-Snack darüber erhalten, wie man verschiedene Aspekte von Forschung transparenter, zugänglicher und verständlicher für alle
machen kann. Oder Sie bleiben gleich den ganzen Nachmittag und werden so Experte für Open Sciene.

Mit: Mit Dr. Luiza Bengtsson, Emma Harris und Zoe Ingram. Die Open-Science-Mikro-Lektionen bieten die Absolvent*innen des Train-the-Trainer-Kurses des ORION-Open-Science-Projekts an, der am MDC  stattfindet.
4. November, 14 bis 19 Uhr. Virtuell

 

LifeTime und eine Zukunft ohne Krankheit

Eine mutige Reise in eine Zukunft ohne Krankheiten. LifeTime-Initiative und The Future Game 2050 laden zu einer virtuellen Live-Performance ein.

Ist eine Zukunft ohne Krankheiten möglich? In einer virtuellen Live-Performance ergründen wir, wie unser Leben in einer Welt aussehen würde, in der die Ziele der LifeTime-Initiative erfolgreich umgesetzt wurden. LifeTime und The Future Game 2050 fordern die Teilnehmer*innen auf, ihre eigenen Zukunftsszenarien zu entwerfen und laden zu einer mutigen Reise ein, eine Zukunft ohne Krankheiten wahr werden zu lassen. Das Erlebnis wird von Interviews mit Expert*innen begleitet, die dieses Zukunftsszenario aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

Mit: Professor Nikolaus Rajewsky (Direktor des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie des MDC (BIMSB) und  Dr. Agnieszka Rybak-Wolf (Leiterin Organoid-Plattform am MDC); Dr. Emanuel Wyler (Molekularbiologe am MDC); Friederike Riemer (Mitbegründerin von „The Future Game 2050“); Felix M. Wieduwilt (Mitbegründer von „The Future Game 2050“)

5. November, 16 bis 17:30. Virtuell

 

Reality-TV – ein Tag im biomedizinischen Labor

Wir bieten einen ungeschminkten Einblick in unsere Labore: einen Tag lang Wissenschaft, Spaß und spannende Menschen erleben.

Wir streamen einen ganzen Tag lang das ganz normale Leben in unseren Laboren. MDC-Wissenschaftler*innen erklären, was sie gerade machen, wie und warum. Sie können ihnen über die Schulter schauen, während die Forscher*innen experimentieren. Das Publikum kann Fragen stellen, die wir entweder live oder in einer der Q&A-Kaffeepausen beantworten, egal ob es um unsere Forschung oder um Ausbildung und Karrierewege in der Wissenschaft geht. Zwischendurch gibt es Live- Musik und TikToks und vieles mehr – eben das ganze normale Leben in einem biomedizinischen Labor!

Mit Dr. Emanuel Wyler (Postdoktorand am MDC); Janita Mintcheva (Doktorandin am MDC), Anika Neuschulz (Doktorandin am MDC); Nora Fresmann (Doktorandin am MDC); Dr. Andreas Ofenbauer (Postdoktorand am MDC); Jonas Peters (Doktorand am MDC); Marco Uhrig (Doktorand am MDC); Karla Hajman (Musikerin, Satirikerin, Science Slammerin); Dr. Luiza Bengtsson (Public Engagement und Wissenstransfer am MDC)

In Kooperation mit Wissenschaft im Dialog

6. November, 9 bis 18 Uhr. Virtuell

 

Neue Wege in der Biomedizin: SARS-CoV-2-Forschung

Welche Zellveränderungen entstehen durch die SARS-CoV-2-Infektion und wie wirken sich diese auf den Krankheitsverlauf aus?

Das Virus SARS-CoV-2 beschäftigt derzeit die ganze Welt und beeinflusst unseren Alltag. Auch in Berlin läuft die Forschung auf Hochtouren. Der MDC-Wissenschaftler Dr. Emanuel Wyler untersucht die Veränderungen in verschiedenen Zellen und Organoiden bei einer Infektion. Hierbei wird die Frage geklärt: Welche Veränderungen finden in infizierten Zellen statt und wie entstehen daraus schwere oder milde Krankheitsverläufe? Die Veränderungen in einer infizierten Zelle können von Zelltyp zu Zelltyp unterschiedlich sein. Die untersuchten Modelle sind zum Beispiel Lungenstücke, verschiedene Organoide und unterschiedliche Zelllinien.

Mit: Dr. Emanuel Wyler

9. November, 16 bis 18 Uhr
Ort: Zeiss-Großplanetarium, Prenzlauer Allee 80
10405 Berlin

Vorlesesungsreihe des Gläsernen Labors
Anmeldung erforderlich: info@planetarium.berlin

 

Organoide des menschlichen Gehirns alias „Mini-Gehirne“ als Werkzeuge zur Erforschung von Krankheiten des Nervensystems

Labor trifft Lehrer virtuell: In dieser Fortbildung erleben Sie den neuesten Stand der Wissenschaft und können sich über Trends in der Life-Science-Forschung informieren.

Organoide sind 3D-Kulturen aus Stammzellen, welche die zelluläre Komplexität und Funktionalität menschlicher Organe „in vitro“ abbilden. Organoide ermöglichen Forscher*innen tiefere Einblicke in die entscheidenden zellulären Prozesse bei der Gewebe- und Organbildung sowie in pathologischen Prozessen. Da das menschliche Gehirn einzigartig ist und selbst Primatenmodelle die Ausbildung neurologischer Erkrankungen des menschlichen Gehirns nicht genau darstellen, ist die Entwicklung der „Mini-Gehirne“ ein entscheidender Durchbruch. In diesem Kurs möchten wir Ihnen die Grundlagen der Mini-Gehirne, ihre Anwendung sowie die Limitationen vorstellen. Die Fortbildung für Lehrer*innen findet in der Arbeitsgruppe von Professor Nikolaus Rajewsky (Systembiologie von genregulatorischen Elementen) statt.

Mit: Dr. Agnieszka Rybak-Wolf (Leiterin der Organoid-Plattform am MDC); Miriam Wandres (Doktorandin am MDC); Dr. Anna Löwa (Postdoktorandin am MDC); Dr. Luiza Bengtsson (wissenschaftliche Leitung „Labor trifft Lehrer”)

11. November, 16 bis 17:30 Uhr
Anmeldung


Weiterführende Informationen

Das vollständige Programm des MDC bei der Berlin Science Week


Pressekontakt
Jutta Kramm 
Leiterin Abteilung Kommunikation 
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) 
+49-30-9406-2140 
jutta.kramm@mdc-berlin.de oder presse@mdc-berlin.de

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

heilen / 14.10.2020
Apps auf Rezept: digitale Helfer für Patientinnen und Patienten

Dr. Michael Fiedler, Internist und Diabetologe in der Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Dr. Michael Fiedler, Internist und Diabetologe in der Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Ab sofort können Gesundheits-Apps auch vom Arzt verschrieben werden. Die digitalen Helfer müssen genauso wie Medikamente ein gründliches Prüfverfahren bestehen. Helios begrüßt diese Entwicklung als ergänzendes Angebot für Patienten und wertvollen Baustein im Bereich digitaler Services.

Gesundheits-Apps existieren bereits seit einer Weile in den App-Stores. Aber was macht eine App nun zum verschreibungswürdigen Medizinprodukt? Diese Apps oder digitale Anwendungen, kurz „DiGA“ genannt, müssen einem nachgewiesenen, medizinischen oder gesundheitsförderlichen Nutzen haben. Sie dienen dem Management oder der Therapie einer Erkrankung. Deutschland gilt als erstes Land, in dem man die Apps auf Rezept bekommt.

„Die App auf Rezept kann eine sinnvolle Ergänzung zur ärztlichen Versorgung sein und ist eine Chance für unsere Patienten und Mitarbeiter. In den digitalen Services steckt viel Potenzial. Deshalb begrüßen und begleiten wir die Digitalisierung in der Medizin, wenn sie ganz praktischen Nutzen hat,“ sagt Helios COO Enrico Jensch.

Ähnlich wie bei einer Medikamentenzulassung prüft das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Apps gewissenhaft. Die Apps, welche die Prüfung erfolgreich bestanden haben, werden im „DiGA-Verzeichnis“ auf der Website des BfArM veröffentlicht. Dort können sich dann Patienten und Ärzte über die Apps informieren. Ärzte sowie Psychotherapeuten dürfen diese dann verschreiben. Die Kosten übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung.

Für welche Erkrankungen werden sie eingesetzt?  
„Grundsätzlich gibt es keine Einschränkungen bezüglich der Krankheitsbilder. Die meisten Erfahrungen liegen bei Diabetes, Depression oder der Schmerztherapie,“ sagt Dr. Michael Fiedler, Internist und Diabetologe in der Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch. Der digital-affine Arzt beobachtet die Entwicklungen am Markt und die künftige Aufnahme von Gesundheits-Apps ins DiGA-Verzeichnis. Bereits jetzt setzt er auf den Einsatz von digitalen Anwendungen bei seinen Diabetes-Patienten. Hier helfen Apps ganz konkret beim Überwachen und Optimieren der Blutzuckerwerte. Der Startschuss für die Apps auf Rezept ist nun mit der Aufnahme der ersten zwei Apps ins DiGA-Verzeichnis gefallen. Die beiden Anwendungen sollen bei Tinnitus und Angststörungen helfen, ein Dutzend weitere werden bald folgen.

Wie kommt die App zum Patienten?
„Wenn der Arzt davon überzeugt ist, dass die Nutzung der App den Krankheitsverlauf beim Patienten positiv beeinflusst und ein passendes Krankheitsbild vorliegt, kann er diese verschreiben. Die Krankenversicherung genehmigt dann die Kostenübernahme und stellt dem Patienten einen Zugangscode für die App bereit. Der Patient kann diese nun für eine festgelegte Anwendungsdauer nutzen,“ erklärt Dr. Fiedler.

Positiver therapeutischer Effekt
„Die Apps haben ganz gezielte Funktionen, die den Patienten zum bewussten Umgang mit den Erkrankungen anleiten. Also zum Beispiel an die regelmäßige Medikamenteneinnahme erinnern oder zum Verändern von ungesunden Lebensweisen wie Rauchen, zu wenig Bewegung oder unausgewogener Ernährung beitragen,“ erklärt Dr. Fiedler weiter. Dieser positive Effekt muss mit wissenschaftlichen Studien zum Zeitpunkt der Zulassung oder spätestens nach einem Jahr beim BfArM nachgewiesen werden.

Digitalisierung der medizinischen Versorgung
„Mit Aufnahme der DiGAs in die Regelversorgung und Kostenübernahme durch die gesetzlichen Versicherungen erhalten rund 70 Millionen Menschen Zugang zu digitalen Angeboten mit nachgewiesenem Nutzen,“ beschreibt Dr. Fiedler die Chance für Nutzer und Hersteller der Apps.
Mit dem Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG), welches Ende 2019 in Kraft getreten ist, wurde der Weg für die DiGAs, die Online-Sprechstunde sowie weitere Maßnahmen zur Digitalisierung im Gesundheitssystem geschaffen.

Weitere Infos auf der BfArM-Website: diga.bfarm.de/de
Digitale Sprechstunde am Helios Klinikum Berlin-Buch:
https://www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch/unser-haus/aktuelles/detail/news/keine-angst-vor-der-online-sprechstunde/

 

www.helios-gesundheit.de

investieren, leben / 14.10.2020
Neubau einer 4-zügigen Grundschule in Berlin-Buch

Am heutigen Montag, 12. Oktober 2020, beginnen im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive (BSO) die Baumaßnahmen am ehemaligen Schulstandort Karower Chaussee 97 im Pankower Ortsteil Buch. In den nächsten zwei Jahren entsteht hier ein neues Schulgebäude in Typenbauweise mit Sporthalle und Außenanlagen.

Im ersten Bauabschnitt erfolgt von Oktober 2020 bis März 2021 die Baufeldfreimachung. Das alte Schulgebäude und die Sporthalle werden zurückgebaut, Altlasten entsorgt, eine Kampfmittelsondierung und notwendige Baumfällarbeiten durchgeführt.

Im zweiten Bauabschnitt beginnen ab April 2021 die eigentlichen Baumaßnahmen mit der Errichtung des neuen Schulgebäudes und der Sporthalle. Im August 2022 soll die Grundschule fertiggestellt sein und Platz für 576 Schülerinnen und Schüler bieten. Die neue Sporthalle steht neben dem Schulsport auch den Vereinen zur Verfügung. Im Zuge der Baumaßnahme wird entlang des Schulgrundstückes in der Ernst-Ludwig-Heim-Straße ein neuer Gehweg angelegt. Der Haupteingang zum Schulgelände befindet sich ebenfalls in der Ernst-Ludwig-Heim-Straße.

Die Kosten für die Maßnahme belaufen sich auf 36 Millionen Euro. Die neue Schule wird als eine der ersten im Land Berlin nach dem neuen Raumkonzept, den sogenannten Compartements, gebaut werden. Ein Compartement setzt sich zusammen aus Klassen-, Gruppen- und Teamräumen, die sich um ein Forum gruppieren. Sie ermöglichen unterschiedliche Lernformen und bieten zugleich Platz für Rückzug und Erholung.  
Bis zum Jahr 2010 war die Hufeland-Oberschule an diesem Standort unterbracht. Seit dem Umzug der Hufeland-Oberschule in die nahe gelegene Walter-Friedrich-Straße steht das alte Schulgebäude leer. Die Sporthalle war noch bis Frühjahr 2020 für Vereine nutzbar.

Die Baumaßnahme wird von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen für den Bezirk Pankow umgesetzt.

heilen / 11.10.2020
Rheuma – was ist das?

Viele denken bei Rheuma an eine Erkrankung im höheren Alter. Aber auch Kinder oder Jugendliche können schon betroffen sein. Der Begriff Rheuma fasst verschiedene Erkrankungen zusammen, wie zum Beispiel entzündliche Verschleißerkrankungen von Gelenken und Wirbelsäule („Arthrosen“) sowie Stoffwechselerkrankungen des Knochens. Wir haben Dr. med. Daniel Haselbusch, Oberarzt der Kinder- und Jugendmedizin im Helios Klinikum Berlin-Buch und einer der Leiter des Kinderrheumazentrums, anlässlich des weltweiten Rheuma-Tages am 12. Oktober interviewt:

Herr Dr. Haselbusch, was ist Rheuma?
Dr. Haselbusch: Der Name Rheuma stammt aus der Medizin des griechischen Altertums. Es wird von „rheo“, das heißt „ich fließe“, abgeleitet und bezeichnet alle durch den Körper ziehenden Schmerzen. Man nennt Rheuma auch „Die Erkrankung mit den tausend Gesichtern“. Anfangs sind die Beschwerden häufig diskret und vielseitig. Patienten klagen über allgemeine Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Unwohlsein. Die Körpertemperatur kann erhöht sein. Insbesondere bei kleinen Kindern fällt zwischenzeitlich „Laufunlust“ und erneutes „wieder Tragen gewollt werden“ auf. Im weiteren Verlauf sind meistens Gelenksymptome wie Schwellung, Überwärmung, Bewegungsschmerz und Bewegungseinschränkung auffällig. Die chronische Krankheit verläuft in Schüben und kann neben allen großen Gelenken wie Hüft-, Knie-, Sprung-, Schulter-, Ellenbogen- und Handgelenk auch kleine Finger- und Zehengelenke sowie Kiefergelenke und die Wirbelsäule betreffen. Eine Beteiligung innerer Organe wie Herz, Leber, Niere oder Lunge kommt bei einigen Sonderformen rheumatischer Erkrankungen vor.

Wie kann man Rheuma behandeln?
Wichtig ist, die Erkrankung zu erkennen, um den Betroffenen zielgerichtet helfen zu können. In unserem Kinderrheumazentrum verfolgen wir drei Behandlungsziele in der Akut- und Basistherapie: Schmerzen lindern, Entzündungen bekämpfen, Gelenkfehlstellungen vorbeugen. Medikamentöse Behandlung wird durch geeignete Physiotherapie ergänzt. Sie umfasst aktive und passive Bewegungsübungen, Gymnastik, Packungen, Bäder, Elektrotherapie, Massagen, Manualtherapie und Ultraschall. Die Gymnastik steht dabei im Vordergrund.

Was ist das Besondere bei Rheuma, wenn die Erkrankung Kinder oder Jugendliche trifft?
Im Kindesalter sind Krankheiten des rheumatischen Formenkreises erheblich seltener als bei Erwachsenen. Symptome sind oft unspezifisch und nicht auf den ersten Blick erkennbar. Die Kenntnis der Symptome - verbunden mit der umgehenden Diagnose - ist aber wichtig, weil sich mittels frühzeitiger Behandlung Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und dauerhafte Gelenkschäden vermeiden lassen. Unser Team aus Kinderärzten, Kinderkrankenschwestern, Physio- und Ergotherapeuten, Motopäden, Psychologen und Sozialarbeitern bildet seit vielen Jahren eines der bundesweit größten Kinderrheumazentren. Wir betreuen die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen im Alter von 0 bis 18 Jahren in allen Krankheitsphasen und in enger Zusammenarbeit mit unserer kinderrheumatologischen Fachambulanz.

Welche Symptome deuten auf eine Rheumaerkrankung?
Je jünger die Kinder sind, desto unspezifischer können Symptome oder Symptomkombinationen sein. Eltern und Patienten berichten von Abgeschlagenheit, Fieber, Hauteffloreszenzen, Hinken, Bewegungseinschränkung bis hin zur Laufverweigerung. Oft sind auch eines oder mehrerer Gelenke angeschwollen oder überwärmt. Auch die Morgensteifigkeit kann auftreten. Betroffene Kinder hören manchmal, dass sie sich nicht so anstellen sollen und für Rheuma ja viel zu jung sind. Das ist bis zur richtigen Diagnose oft ein schwerer Weg für sie.

Welche Diagnostik bieten Sie an?
Unser Kinderrheumazentrum ist eines der Schwerpunktzentren in Deutschland. Spezifische immunologisch-rheumatologische Labordiagnostik und alle modernen bildgebenden Verfahren, darunter Gelenk- und Weichteilsonographie, Computer-, Kernspintomographie (CT, MRT) und Szintigraphie, gehören zu unseren speziellen diagnostischen Möglichkeiten.

Welche Therapieverfahren gibt es?
Gelenkpunktionen mit intraartikulärer Medikamenteninstillation unter Anwendung schmerzfreier und schonender Narkoseverfahren sowie spezifisch antirheumatische Therapie unter Anwendung konventioneller und biotechnologischer Therapeutika. Ganz wichtig sind Seite Physio-, Ergo- und Mototherapie. Begleitet werden die betroffenen Kinder und Jugendlichen durch Psychologen, Sozialarbeiter und Initiativen wie z.B. der Rheumaliga.

Welche komplementären Maßnahmen können helfen?
Möglich sind die Teilnahme an internationalen multizentrischen Therapieoptimierungsstudien. Eine Übergangssprechstunde für Jugendliche und junge Erwachsene gibt es in Zusammenarbeit mit der Erwachsenen-Rheumatologie. Auch die Kieferorthopädische Mitbetreuung, Rheumaschulungen und Beratung in unserem Elterncafé gemeinsam mit der Rheumaliga Berlin e.V. gehören zum Angebot.

Gut zu wissen: Der Welt-Rheuma-Tag der Deutschen Rheuma-Liga, die in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert, ist 2020 dem Engagement der 10.000 Ehrenamtlichen gewidmet, die für den Verband bundesweit im Einsatz und oft selbst von der chronischen Erkrankung betroffen sind.

www.rheuma-liga.de

Kontakt
Helios Klinikum Berlin-Buch
Kinder- und Jugendmedizin
Chefarzt: Priv.-Doz. Dr. med. Patrick Hundsdörfer
T (030) 9401-14500
Schwanebecker Chaussee 50, 13125 Berlin

Dr. med. Daniel Haselbusch und Dr. med. Ralf Trauzeddel Oberärzte
Schwerpunkt pädiatrische Rheumatologie
daniel.haselbusch@helios-gesundheit.de
ralf.trauzeddel@helios-gesundheit.de

www.helios-gesundheit.de

heilen / 08.10.2020
Wir lassen uns impfen – #Für Dich!

Im Rahmen der Kampagne #Für Dich! der Helios Kliniken Region Ost werden Mitarbeiter sowie die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich gegen die saisonale Influenza impfen zu lassen. (Foto: Dorothee Sykora/Helios Kliniken)
Im Rahmen der Kampagne #Für Dich! der Helios Kliniken Region Ost werden Mitarbeiter sowie die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich gegen die saisonale Influenza impfen zu lassen. (Foto: Dorothee Sykora/Helios Kliniken)

Ärzte raten zur Grippeschutzimpfung

Die Erkältungs- und Grippesaison steht vor der Tür – und es ist noch nicht vorhersehbar, welche Folgen es hat, sich mit gleich beiden Viren zu infizieren - dem Grippevirus UND dem Coronavirus. Damit das Grippevirus im Rahmen der COVID-19-Pandemie nicht zum zusätzlichen Belastungsfaktor wird, empfehlen Helios-Ärzte die Grippeschutzimpfung. Im Rahmen der Kampagne #Für Dich! der Helios Kliniken Region Ost werden Mitarbeiter sowie die Bevölkerung dazu aufgerufen, sich gegen die saisonale Influenza impfen zu lassen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Helios Klinikum Berlin-Buch sind tagtäglich für die Gesundheit der Patienten im Einsatz. Mit der Grippeimpfung schützen sie ihr eigenes soziales Umfeld, sich selbst und ihre Patienten. Entsprechend ruft das Helios Klinikum Berlin-Buch dazu auf, an der kostenfreien Grippeschutzimpfung am Arbeitsplatz teilzunehmen.

„Gerade in diesem Jahr wollen wir stark sein für alle, die uns brauchen. Wir haben ein effektives Sicherheitskonzept, um unsere Mitarbeiter bestmöglich gegen eine Ansteckung mit COVID-19 zu schützen. Mit der Grippe-Imfkampagne #Für Dich möchten wir als Arbeitgeber einen weiteren Beitrag zum Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten,“ sagt Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor im Helios Klinikum Berlin-Buch. „Außerdem möchten wir mit der Grippeschutz-Aktion sicherstellen, dass wir jederzeit die medizinische und pflegerische Versorgung unserer Patienten garantieren können“, ergänzt er.

Warum ist die Grippeschutzimpfung jetzt besonders wichtig?
„In der kommenden Herbst-/Wintersaison ist es wichtig, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Diese Impfung bietet zwar keinen Schutz vor dem Coronavirus. Aber es wird erwartet, dass die Krankenhäuser sich zum Herbst wieder mehr mit COVID-19-Patienten füllen werden - zusätzliche Grippekranke könnten das Gesundheitssystem überfordern,“ sagt PD Dr. Irit Nachtigall, Infektiologin und Regionalhygienikerin für die Helios Region Ost.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Grippeschutzimpfung?
„Am besten im Oktober oder November vor Beginn der Erkältungszeit. Nach der Impfung dauert es 10 bis 14 Tage bis zum Aufbau eines ausreichenden Schutzes. Danach hält dieser zirca sechs Monate. Eine Auffrischung innerhalb der Saison ist nicht nötig,“ sagt Dr. Nachtigall. Zunächst sei es dabei wichtig, die Risikogruppen zu impfen. „Das betrifft ältere Menschen, Schwangere und solche mit Vorerkrankungen. Es wird auch für Kinder diskutiert, vor allem als indirekter Schutz für die älteren Menschen“, ergänzt sie.

Nachfrage nach Grippeschutzimpfung steigt – Helios hat vorgesorgt
Wenn sich jede Person der Risikogruppen konsequent impfen ließe, müsste laut Robert-Koch-Institut in Deutschland rund 40 Millionen Mal geimpft werden. Auf dem deutschen Markt sind 25 Millionen Impfdosen verfügbar. Helios hat diese Entwicklung frühzeitig erkannt und die Bestellmengen gegenüber den Vorjahren erhöht.
 
#Für Dich: Schütze Dich und andere – lass Dich impfen!
Mehr Infos auch auf der Kampagnenwebsite: www.helios-gesundheit.de/helios-move/krankheitsbilder/grippeschutzkampage-fuer-dich/
 
Grippeschutz-Impftermin vereinbaren
Die Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch mit ihren 16 Fachbereichen und mehr als 70 Ärzten bietet medizinische Versorgung auf höchstem Niveau. Bei den Hausärzten der Poliklinik kann jederzeit ein Impftermin vereinbart werden.
www.helios-gesundheit.de/ambulant/berlin-buch-poliklinik-am-helios-klinikum-berlin-buch-fachaerzte/sprechzeiten-und-termine/
 
Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Hauttumorzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.
 Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zum Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.

Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 110.000 Mitarbeitern. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien. Rund 21 Millionen Patienten entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2019 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 9,2 Milliarden Euro.
In Deutschland verfügt Helios über 86 Kliniken, 123 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und sieben Präventionszentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,6 Millionen Patienten behandelt, davon 4,4 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland fast 69.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 51 Kliniken, 71 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 15,4 Millionen Patienten behandelt, davon 14,6 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt rund 37.500 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von über drei Milliarden Euro.
Helios Deutschland und Quirónsalud gehören zum Gesundheitskonzern Fresenius.

www.helios-gesundheit.de

forschen / 08.10.2020
"Corona, Krebs und Co – Herausforderungen der Medizin in der Gesundheitsstadt Berlin" (Folge 5 des LNDW-Podcasts)

Gäste und Moderator der fünften Folge des LNDW-Podcasts, von links: Thomas Prinzler, Prof. Dr. Christian Hackenberger, Dr. Jobst Röhmel und Prof. Dr. Jeanette Schulz-Menger.  (Foto: LNDW/LHLK 2020)
Gäste und Moderator der fünften Folge des LNDW-Podcasts, von links: Thomas Prinzler, Prof. Dr. Christian Hackenberger, Dr. Jobst Röhmel und Prof. Dr. Jeanette Schulz-Menger. (Foto: LNDW/LHLK 2020)

Die Gesundheitsforschung in Berlin gehört zur internationalen Spitze. In den drei Universitäten und den zahlreichen Forschungsinstituten der Stadt werden neue Therapien entwickelt, mit denen Krankheiten schonender und zugleich effektiver bekämpft werden können. In der 5. Ausgabe des LNDW-Podcast stellen wir einige dieser Forschungen vor. Wie es 2020 nicht anders sein kann, werfen wir dabei auch einen Blick auf die aktuelle Corona-Forschung sowie die negativen, aber auch positiven Folgen, die Corona für die Medizinforschung hat.

In der Sendung widmen wir uns dem Trend zur personalisierten bzw. individualisierten Medizin. Wir schauen dabei ebenso auf die aktuelle COVID-19-Forschung in Berlin wie auf Entwicklungen in der Krebs- und Herzforschung. Die Gäste der 5. Ausgabe des LNDW-Podcast sind:

Prof. Dr. Jeanette Schulz-Menger ist Kardiologin und hat eine Universitätsprofessur an der Charité inne mit dem Schwerpunkt Kardiovaskuläre Magnetresonanztomographie, sie leitet die Hochschulambulanz für Kardiologie am ECRC in Buch und ist Leiterin der nicht-invasiven Herzbildgebung im Helios Klinikum Berlin-Buch. Die Forscherin und Medizinerin berichtet in der Sendung, wie der „sanfte Blick ins Herz“ mithilfe der Kardio MRT gelingt, welche Möglichkeiten es gibt, das individuelle Risiko von Herzerkrankungen frühzeitig zu erkennen und wie die Kardio MRT dabei hilft Herzmuskelschäden, die auch COVID-19 auftreten zu können, besser zu verstehen.

Dr. Jobst Röhmel ist Facharzt an der Kinderklinik m. S. Pneumologie und Immunologie an der Charité und Mitarbeiter des Projekts „Der Simulierte Mensch“. In diesem Projekt arbeiten Mediziner*innen und Biotechnolog*innen gemeinsam daran, die Funktionen menschlicher Zellen und Gewebe mit neuen Technologien nachzuahmen, um so Wirkstoffe testen zu können, die besser und auch individueller sind. Das Projekt wird zwar erst ab 2023 mit einem Campus-Neubau in Berlin-Wedding durchstarten, doch gibt es erste Zusammenarbeiten zwischen den Forschenden. Dr. Röhmel berichtet in der Sendung über die „Charité Corona Cross“-Studie, die erstmals Hinweise darauf lieferte, dass Patient*innen, die schon einmal eine Infektion mit einem Coronavirus durchgemacht haben, auch gegenüber Covid-19 zumindest eine Teil-Immunität aufgebaut haben können.

Prof. Dr. Christian Hackenberger ist Chemiker und Leiter des Bereichs „Chemische Biologie“ am Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP). Er erklärt in der Sendung, wie mithilfe bioaktiver Moleküle neue Wirkstoffe für die Behandlung, Prävention oder Diagnose von Krankheiten geschaffen werden können. Unter anderem hat er mit seinem Team eine Methode entwickelt, mit der Krebszellen so gezielt bekämpft werden können, dass kaum noch Nebenwirkungen auftreten. Zudem hat er mit Forscher*innen Berliner Universitäten und Institutionen eine Methode entwickelt, mit deren Hilfe (körperfremde) Viren mit einem (körpereigenen) Virus bekämpft werden können. Mit dieser Methode könnten künftig ebenso Grippe-Viren bekämpft werden wie das neue SARS-CoV-2-Virus.

In der 6. Folge erfahren die Hörer*innen des Podcasts etwas über das Laserschwert der Jedis, über Cobots und was Berlin Adlershof mit Hollywood zu tun hat: Es geht um exzellente Berliner Forschung zu Optik und Photonik.

Folge direkt anhören oder herunterladen

Quelle: https://www.langenachtderwissenschaften.de/podcast

www.langenachtderwissenschaften.de

06.10.2020
Vom Feind manipuliert

Ein Team am MDC hat eine bisher unerwartete Rolle des Transkriptionsfaktors C/EBP bei der Reifung und immunogenen Funktionalität von dendritischen Zellen (in rot) der Maus entschlüsselt. © AG Rehm/Höpken, MD
Ein Team am MDC hat eine bisher unerwartete Rolle des Transkriptionsfaktors C/EBP bei der Reifung und immunogenen Funktionalität von dendritischen Zellen (in rot) der Maus entschlüsselt. © AG Rehm/Höpken, MD

Bestimmte Zellen des Immunsystems können Tumore für die körpereigene Abwehr gut sichtbar machen – würden Krebszellen sie nicht daran hindern. Forschende u.a. des MDC und ECRC publizieren nun gemeinsam in PNAS, wie Tumore Immunzellen in ihrer unmittelbaren Umgebung blockieren.

Dendritische Zellen sind für die Abwehr von Viren, Bakterien und auch Tumorzellen sehr wichtig, weil sie Merkmale fremder Zellen, die Fremdantigene, aufnehmen, um sie dem Immunsystem zu präsentieren. Aber nur eine ausgereifte dendritische Zelle kann dies –und schafft es darüber eine schützende Immunantwort auszulösen. Ist sie unreif fördert sie dagegen eine Immuntoleranz. In der Umgebung von Lymphomen und Leukämien – Krebserkrankungen des lymphatischen Systems – fand das Team um die Forschenden Dr. Uta Höpken und Dr. Armin Rehm vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) jedoch erstaunlich viele unreife dendritische Zellen.

„Unreif unterstützen sie sogar noch das Tumorwachstum, durch Freisetzung bestimmter Botenstoffe“, erklärt Höpken. In Kontakt mit Tumorzellen sei der Transkriptionsfaktor C/EBPβ hochreguliert, was die Reifung der dendritischen Zellen unterbindet. Der Tumor manipuliert demnach aktiv das Immunsystem von Krebspatient*innen zu seinen Gunsten. Dies zeigt das MDC-Team in Zusammenarbeit unter anderem mit Forschenden der Universitätsmedizin Münster in ihrer aktuellen Publikation im Fachjournal Proceedings National Academy of Science, USA (PNAS). Auch das Experimental and Clinical Research Center (ECRC), eine gemeinsamen Einrichtung von MDC und der Charité – Universitätsmedizin Berlin, hat an der Studie mitgewirkt. Diese Arbeit wurde von der Wilhelm Sander-Stiftung finanziert.

Molekularer Schalter hält die Balance

Die Mikroumgebung von Tumoren des Lymph- und Blutsystems wird am MDC schon seit vielen Jahren erforscht. Dafür wurden Mausmodelle entwickelt, die Lymphome und Leukämien ausbilden können. Bereits vor einiger Zeit fanden Höpken und Rehm heraus, dass der Transkriptionsfaktor C/EBPβ der entscheidende molekulare Schalter ist, der die Reifung dendritischer Zellen reguliert.

In der neuen Studie zeigen sie, dass bei transgenen Mäusen, denen das Gen für das Schalterprotein fehlt, dendritische Zellen – im Vergleich zu Kontrolltieren – unkontrolliert ausreifen. „Daraus schlossen wir, dass für eine normale Reifung und Funktionalität von dendritischen Zellen dieser Schalter in seiner Aktivität reguliert werden muss“. Ein bestimmter Level des Schalterproteins ist immer vorhanden. „Wir konnten experimentell zeigen, dass ausgereifte dendritische Zellen niedrige C/EBPβ Level aufweisen, während unreife dendritische Zellen hohe C/EBPβ Mengen tragen", erklärt Höpken.

Erst die zeitlich regulierte Entwicklung von einem unreifen in ein reifes Stadium ermöglicht die volle Funktionstüchtigkeit einer dendritischen Zelle: Die unreife Zelle nimmt Fremdantigene auf, die gereifte präsentiert das verarbeitete Antigen.

Der komplette Verlust von C/EBPβ führte dazu, dass dieser Zelltyp unkontrolliert ausreifte, sodass er nur noch verringert Fremdantigene aufnehmen konnte. Tumorzellen können aktiv in diesen Regelungsprozess eingreifen. Sie blockieren die körpereigene Immunabwehr, indem sie durch Hochregulation von C/EBPβ die Ausreifung verhindern. „Die zeitliche Balance dieser Schalteraktivität ist somit ganz entscheidend für die Funktionstüchtigkeit dieser Zellen“, sagt Höpken.

Wirkung der mTOR-Signalweg Hemmung bei Krebs neu interpretiert

Nicht nur dendritische Zellen verfügen über diesen molekularen Schalter. Er reguliert auch Genexpression, Reifung und Vermehrung vieler anderer Körperzellen – so auch der Tumorzellen selbst. Mit Medikamenten wie dem Immunsuppressivum Rapamycin lässt sich C/EBPβ-Produktion regelrecht stilllegen. Denn die Bildung des Schalterproteins wird wesentlich über den mTOR-Signalweg reguliert – und diesen blockiert das Immunsuppressivum.

„Inhibitoren des mTOR-Signalweges wurden in der Krebstherapie wegen ihrer Zellwachstum hemmenden Wirkung schon eingesetzt. Doch bisher dachte man, dass die Wirkung ausschließlich auf die Tumorzellen selbst oder die Gefäßzellen im Tumor beschränkt ist“, sagt Rehm. „Aufgrund unserer Untersuchungen nehmen wir an, dass mTOR-Blocker über den gleichen Mechanismus auch auf die Immunzellen in unmittelbarer Nähe des Tumors wirken.“ Die Unterdrückung der C/EBPβ-Aktivität in dendritischen Zellen hat damit zwei therapeutische Effekte: Zum einen wird so die Ausschüttung von Botenstoffen und Wachstumsfaktoren unterbunden, welche die Lymphomzellen fördern. Zum anderen unterstützt die Ausreifung auch die Aktivierung von anderen schützenden Immunzellen.

Tumor-Mikroumgebung als neues Target für die Krebstherapie

„Wir wissen heute, dass Tumorzellen allein nicht existieren können. Nicht einmal sehr aggressive Lymphome. Sie benötigen Unterstützung aus ihrer nächsten Umgebung, und das wurde lange unterschätzt“, betont Rehm. „Aber die Mikroumgebung des Tumors – so, unsere Hypothese – fördert eben leider auch Rezidive.“ Auch nach einer erfolgreichen Chemotherapie bleiben häufig einzelne Tumorstammzellen zurück sowie Stromazellen, die Stützfunktionen im Gewebe ausüben. In dieser Nische könne die Erkrankung erneut aufflammen. „Möglicherweise wird das Wachstum von versprengten Tumorzellen durch Stromazellen und molekulare Schalter wie dem Transkriptionsfaktor C/EBPb dendritischer Zellen unterstützt."

Die Ausreifung stimulieren

Die Reifung dendritischer Zellen zu unterstützen, könnte ein komplementärer Ansatz für die Krebstherapie sein. Es gibt bereits Medikamente, die den Reifestatus dieser Zellen verbessern, indem sie an Oberflächenrezeptoren, wie den bekannten Toll-like-Rezeptoren, andocken. Eine begleitende, immunstärkende Behandlung mit solchen Mitteln während einer Chemo- oder Antikörpertherapie wäre demnach sehr nützlich. „Das Problem der Reifeblockade von dendritischen Zellen ist klinisch erkannt“, sagt Rehm abschließend. „Wir haben damit ein neues Angriffsziel gefunden und gezeigt, dass es sinnvoll ist in diesen Prozess einzugreifen. Das ist ein Anstoß für Wirkstoff- und Targetscreening von Pharmafirmen.“

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung auf der MDC-Website lesen

Der Unterschied bei Lymphdrüsenkrebs

Literatur

Florian Scholz et al.(2020): „The transcription factor C/EBPβ orchestrates dendritic cell maturation and functionality under homeostatic and malignant conditions
“, PNAS, DOI: 10.1073/pnas.2008883117

www.mdc-berlin.de

heilen, bilden / 02.10.2020
Ausbildungsstart am Helios Bildungszentrum Berlin

42 Auszubildenden starten am Helios Bildungszentrum in den Zukunftsjob Pflege. (Foto: Birgit Gugath/Helios Kliniken)
42 Auszubildenden starten am Helios Bildungszentrum in den Zukunftsjob Pflege. (Foto: Birgit Gugath/Helios Kliniken)

42 Auszubildende wollen Pflegefachmann oder -frau werden: Der abwechslungsreiche Unterricht startet im „neuen Normal“Start in Richtung Zukunftsjob zu Corona-Zeiten – das bringt für viele doppelte Aufregung, auch im Helios Bildungszentrum. Zum zweiten Mal beginnt hier die neue generalistische Pflegeausbildung, aber diesmal wieder mit Live-Unterricht – wenn auch mit Masken, Mindestabstand und E-Learning im Gepäck.

Das „neue Normal“ im Helios Bildungszentrum Berlin am Leipziger Platz heißt, dass das Lernen und Treffen mit Lehrkräften und den anderen Azubis wieder möglich ist: Für die künftigen Pflegeberufler gelten im Präsenzunterricht natürlich spezielle Hygieneregeln. Das Team vom Bildungszentrum ist mit modernster Ausstattung bestens auf eine Mischung aus Präsenz- und virtuellen Lehrformen vorbereitet, falls es erforderlich sein sollte. Bereits im April mussten die ersten Azubis Pflegefachmann/-frau ihre Ausbildung in diesem Format starten. „Die vergangenen Monate haben dazu beigetragen, dass dieses wichtige Berufsfeld der Pflegeberufe sichtbarer geworden ist und von großen Teilen der Gesellschaft mehr Wertschätzung erfährt. Ob das Virus letztlich auch bewirkt, dass mehr Menschen eine Ausbildung in einem wirklich systemrelevanten Bereich wie der Pflege absolvieren wollen, wird die Zukunft zeigen,“ sagt Petra Müller, Leiterin Helios Bildungszentrum.

Die 42 neuen Auszubildenden, sowie alle 275 weiteren Azubis in unterschiedlichen Gesundheitsberufen können sich am Bildungszentrum vollkommen auf die theoretischen Inhalte ihrer Ausbildung konzentrieren. In den Praxisphasen geht es auch für die „Neuen“ ins Helios Klinikum Berlin-Buch und ins Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin-Zehlendorf.„Moderne Pflege braucht gut ausgebildete Teamplayer: Wir begrüßen die neuen Teammitglieder ganz herzlich und wünschen eine spannende Ausbildungszeit! Wer jetzt bei uns eine Ausbildung beginnt, weiß genau wie wichtig und abwechslungsreich der Pflegeberuf sein kann. Wir gratulieren zu dieser Entscheidung zum Zukunftsberuf,“ sagt Sylvia Lehman, Pflegedirektorin im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Vielseite Chancen und sicherer Job: die Pflegeausbildung Mit dem aktuellen Jahrgang startetam Helios Bildungszentrum Berlin die zweite Generation Azubis in der generalistischen Pflegeausbildung. Hierbei werden die drei bisherigen Berufsbilder Altenpfleger_in, Gesundheits-und Krankenpfleger_in und Gesundheits-und Kinderkrankenpfleger_in zu einem neuen, generalistischem Beruf gebündelt.

Absolventen erhalten auf diese Weise bessere berufliche Weiterentwicklungs-und Aufstiegsmöglichkeiten, eine höhere Flexibilität in der Jobwahl und eine EU-weite Anerkennung des Abschlusses.„Wer die Ausbildung erfolgreich abschließt, hat einen Beruf mit sichererPerspektive. Helios Ziel ist es, nach erfolgreichem Abschluss die Nachwuchstalente zu übernehmen“, ergänztPetra Müller.

Ausbildung gesucht? Komm ins Team!

Interessierte Schulabgänger oder Quereinsteiger können gerne jederzeit via Online-Express-Bewerbung mit uns Kontakt aufnehmen. Eine Rückmeldung erfolgt innerhalb von 60 Minuten

Link zum Online-Formular: https://www.helios-gesundheit.de/karriere/werde-pflegekraft/expressbewerbung/

Bildungszentrum: www.helios-gesundheit.de/bildungszentrum-berlin

 

leben, bilden / 30.09.2020
Das Schülerlabor wird zum Ferienlabor!

Wolle natürlich färben (Foto: Gläsernes Labor)
Wolle natürlich färben (Foto: Gläsernes Labor)

In den Herbstferien wird im Gläsernen Labor vom Nachwuchs experimentiert und geforscht

Kinder zwischen 6 und 14 Jahren gehen im Gläsernen Labor vom 12. - 23. Oktober wieder naturwissenschaftlichen Fragen auf unterhaltsame und lehrreiche Weise auf den Grund. Im Kurs "Elektronen flitzen" erfahren die Kinder und Jugendlichen, wie man elektrische Energie gewinnen kann. Vor allem dürfen sie in diesem Zusammenhang ausnahmsweise Computer und andere elektronische Geräte in ihre Bestandteile zerlegen, um die Funktion der Bauteile zu testen. Die Kurse thematisieren Keime, und was man gegen sie tun kann, ermöglichen, einen Heißluftballon zu testen oder die winzigen Bewohner von "Megastaaten" unter dem Mikroskop zu beobachten. In einem Kurs begeben sich die Teilnehmenden auf die Suche nach dem verschwundenen Mr. Bean, indem sie naturwissenschaftliche Methoden zu Hilfe nehmen. Weitere Kurse bieten an, Wohlfühlkosmetik selbst herzustellen, Wolle natürlich zu färben oder Helloween mit der Kräuterhexe zu feiern - ganz im Zeichen der Ferien im Herbst.

In zwei der Ganztagskurse sind noch Plätze frei:

14.10.2020  Die bunte Wolle

09:00 bis 16:00 Uhr
Aus was besteht unsere Kleidung und wie erhalten sie die Farben? Wie kann man Wolle natürlich färben? Geht das auch in bunt? Stelle verschiedene Färbelösungen her mit denen du färben und zeichnen kannst. Am Nachmittag wird die fertige Wolle dann verarbeitet.

Für Kinder von 10 bis 14 Jahren.


15.10.2020 Wintervögel

09:00 bis 16:00 Uhr
Was machen Spatz und Storch im Herbst und Winter? Wir lernen mit kleinen Versuchen und Spielen etwas über die beiden Vogelarten.

Für Kinder von 6 bis 10 Jahren.

www.forscherferien-berlin.de

forschen / 25.09.2020
Herzatlas mit Tiefenschärfe

Menschliche Herzmuskelzellen, die aus induzierten pluripotenten Stammzellen entstanden sind. (Foto: Sebastian Diecke, MDC)
Menschliche Herzmuskelzellen, die aus induzierten pluripotenten Stammzellen entstanden sind. (Foto: Sebastian Diecke, MDC)

Forschende aus drei Kontinenten haben eine erste ausführliche Skizze des Atlas des menschlichen Herzens vorgelegt – um die Funktion des lebenswichtigen Organs besser zu verstehen und um zu erhellen, was während einer Herzerkrankung schief läuft. Wie das Team in „Nature“ berichtet, zeigt der Atlas eine enorme zelluläre und molekulare Vielfalt.

Tag für Tag schlägt das menschliche Herz zuverlässig rund 100.000 Mal. Es pumpt das Blut immer nur in eine Richtung durch die vier verschiedenen Kammern; die Geschwindigkeit variiert bei Ruhe, während des Sports und bei Stress. Dafür müssen die Zellen in jedem Teil des Herzens bei jedem Herzschlag koordiniert vorgehen. Wie dem Organ diese anspruchsvolle Aufgabe gelingt, ist bislang allerdings erstaunlich wenig bekannt. Dabei stellt es so sicher, dass jeder Winkel des Körpers über das Blut permanent mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt ist und dass Kohlendioxid und Abfallstoffe abtransportiert werden.

Professor Norbert Hübner, der Leiter der Arbeitsgruppe „Experimentelle Genomik von Herz-Kreislauf-Erkrankungen“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), hat gemeinsam mit Dr. Sarah Teichmann vom Wellcome Sanger Institute im britischen Cambridge, Professor Jonathan Seidmann und Professorin Christine Seidmann, beide von der Harvard Medical School in Boston, und Dr. Michela Noseda vom Imperial College London vor rund drei Jahren ein Projekt namens „Human Heart Cell Atlas“ ins Leben gerufen, mit dem sie das Herz Zelle für Zelle verstehen möchten. Der Atlas der Herzzellen ist Teil des internationalen Großprojekts „Human Cell Atlas“ und wird von der Chan Zuckerberg Initiative mit knapp vier Millionen US-Dollar sowie vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) und der British Heart Foundation mit 2,5 Millionen Euro gefördert.

Erkenntnisse aus rund einer halben Million Zellen und Zellkernen
Die an dem Projekt beteiligten Teams aus 33 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die an 19 Institutionen in Deutschland, Großbritannien, den USA, Kanada, China und Japan forschen, haben rund eine halbe Million einzelne Zellen und Zellkerne des menschlichen Herzens analysiert. Jetzt können sie einen ersten ausführlichen Entwurf des Herzzellatlas im Fachblatt „Nature“ vorlegen. Er zeigt eine enorme Vielfalt der Zellen und enthüllt zuvor unbekannte Subtypen von Herzmuskelzellen und stützenden Herzzellen, schützende Immunzellen des Herzens und ein weit verzweigtes Netzwerk von Blutgefäßzellen. Sie errechnen zudem, wie die Zellen kommunizieren, um das Herz in Gang zu halten.

„Dies ist das erste Mal, dass sich irgendjemand in diesem Maßstab einzelne Zellen des menschlichen Herzens angeschaut hat. Das ist erst durch umfangreiche Einzelzellsequenzierung möglich geworden“, sagt Professor Norbert Hübner, ein Hauptautor vom MDC, der Charité - Universitätsmedizin Berlin, dem Berlin Institute of Health (BIH) und dem DZHK in Deutschland. „Diese Studie zeigt, was diese Technik und internationale Kooperationen leisten können. Das gesamte Spektrum der Herzzellen und ihre Genaktivität zu kennen, ist eine grundlegende Notwendigkeit. Nur so kann man verstehen, wie das Herz funktioniert und wie es auf Stress und Krankheit reagiert.“ 

Professorin Christine Seidman, eine Hauptautorin vom Brigham and Women’s Hospital, der Harvard Medical School und dem Howard Hughes Medical Institute, sagt: „Millionen Menschen werden wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen behandelt. Wir wollen zunächst das gesunde Herz verstehen. So können wir nachvollziehen, wie das Zusammenspiel von Zelltypen und Zellzuständen lebenslange Leistungsfähigkeit ermöglichen kann und wie sich dieses Zusammenspiel während einer Erkrankung unterscheidet. Letztendlich können diese grundlegenden Erkenntnisse auf spezifische Ziele hinweisen, die zu maßgeschneiderten Therapien der Zukunft führen und damit eine personalisierte Medizin für Herzkrankheiten schaffen, die für jeden Patienten und jede Patientin die Wirksamkeit der Behandlung verbessert.“ Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache. Jedes Jahr sterben daran 17,9 Millionen Menschen, meist aufgrund eines Infarkts oder eines Schlaganfalls. 

Ein heterogenes Organ
Für ihre Arbeit konnten die Forscherinnen und Forscher sieben weibliche und sieben männliche Herzen hirntoter, aber herzgesunder Spender*innen zwischen 40 und 75 Jahren aus Europa und den USA nutzen, die für eine Transplantation aus unterschiedlichen Gründen nicht in Frage kamen. Um die Herzzellen möglichst genau zu charakterisieren, haben die Forscher*innen untersucht, welche Gene in den einzelnen Zellen und Zellkernen aus sechs verschiedenen Herzregionen jeweils angeschaltet sind. Dazu gehörten die rechten und linken Vorhöfe und Kammern, die Herzspitze, Apex genannt, und das Ventrikelseptum, das die beiden Herzkammern voneinander trennt. Das Herz ist schließlich ein ziemlich heterogenes Organ. Die Blutdruckunterschiede zwischen den rechten und linken Vorhöfen und Kammern beispielsweise sind ganz enorm.

Mit modernen Methoden der Einzelzellsequenzierung, die sie zuvor an die Besonderheiten des Herzgewebes angepasst hatten, mit maschinellem Lernen und Bildgebungsverfahren haben die Wissenschaftler*innen herausgefunden, dass sich die Zellen in diesen Regionen stark voneinander unterscheiden. In jeder Region gab es ein spezifisches Set von Zellen, was Unterschiede in der Entwicklung unterstreicht und möglicherweiser zu unterschiedlichen Reaktionen auf eine Behandlung führt. 

Alle bisher bekannten Zelltypen des Herzens besitzen außerdem zahlreiche Subtypen. Es gibt beispielsweise nicht die eine Herzmuskelzelle, sondern viele verschiedene Kardiomyozyten mit teilweise ganz unterschiedlichen Funktionen. Die Genexpressionsmuster legen nahe, dass manche von ihnen mit einer viel höheren Stoffwechselrate umgehen können als andere. Warum das so ist, können die Forscher*innen noch nicht sagen. Auch bei den Fibroblasten, die das Bindegewebe des Organs ausmachen, fanden sie sehr unterschiedliche Muster der Genexpression.

Zu viel Gerüstmaterial
Nach einem Herzinfarkt versuchen die Fibroblasten, so viel geschädigtes Herzgewebe wie möglich mit einem stützenden Gerüst zu ersetzen. So soll es weiterhin den Kräften standhalten, die mit einem normalen Herzschlag verbunden sind. Manchmal setzen sie dabei zuviel Gerüstmaterial – oder extrazelluläre Matrix (ECM) – ein. Dieses zusätzliche Narbengewebe führt oft zu Herzrhythmusstörungen und Herzversagen. 

„Wir haben verschiedene Fibroblasten-Subtypen gesehen: Manche produzieren die extrazelluläre Matrix über unterschiedliche Prozesse, andere bauen das Gerüst um, wieder andere kommunizieren mit Immunzellen in ihrer direkten Nachbarschaft. Auch das könnte beeinflussen, wie viel Narbengewebe entsteht“, sagt die MDC-Forscherin Dr. Henrike Maatz aus der Arbeitsgruppe von Hübner, die eine der vier Erstautor*innen der Studie ist. „Mit dem Zellatlas des menschlichen Herzens haben wir die Grundlage geschaffen, um fibrotische Prozesse wirklich zu verstehen: Warum verlaufen sie in den Vorhöfen und Kammern jeweils anders? Wie können wir sie kontrollieren?“

Unerwartet war zudem die Beobachtung, dass die Herzen der Frauen in ihren Kammern mehr Muskel- und weniger Bindegewebszellen aufweisen als die der Männer – obwohl weibliche Herzen in der Regel kleiner sind als männliche. Das Resultat könne erklären, warum Frauen seltener als Männer an Herz-Kreislauf-Leiden erkranken. „Das ist faszinierend, aber das Ergebnis basiert auf nur sieben Herzen jedes Geschlechts. Wir müssen mal schauen, ob dieses Ergebnis weiteren Untersuchungen standhält“, sagt Maatz.

In kleine Bereiche heranzoomen
Auch die Blutgefäße, die das Herz durchziehen, untersuchten die Forscher*innen in dieser Studie so detailliert wie noch nie. Der Atlas zeigte, wie sich die Zellen in Venen und Arterien an die verschiedenen Drücke und Umgebungen angepasst haben. Das könnte zum Verständnis dessen beitragen, was bei koronarer Herzkrankheit in den Blutgefäßen schief läuft. 

Dr. Michela Noseda, eine Hauptautorin vom National Heart and Lung Institute, Imperial College London, sagt: „Unsere internationalen Anstrengungen liefern der Wissenschaft Informationen von unschätzbarem Wert. Sie beleuchten die zellulären und molekularen Details der Herzzellen, die gemeinsam Blut durch den Körper pumpen. Wir haben Herzzellen kartiert, die potenziell mit SARS-CoV-2 infiziert werden können. Dabei haben wir herausgefunden, dass spezialisierte Zellen der kleinen Blutgefässe ebenfalls Angriffsziele des Virus sind. Unsere Datensätze sind eine Goldgrube an Informationen, um die Feinheiten von Herzkrankheiten zu verstehen.“  

Lange Zeit konnten Wissenschaftler*innen quasi nur von oben auf die Landkarte des Herzens schauen. Mithilfe der Einzelzellsequenzierung können sie nun erstmals in kleine Bereiche reinzoomen.  

Dr. Sarah Teichmann, eine Hauptautorin des Wellcome Sanger Instituts und Ko-Vorsitzende des Organisationskomitees für den „Human Cell Atlas“, sagt: „Diese großartige Gemeinschaftsarbeit gehört zur globalen Initiative des Human Cell Atlas, eine 'Google-Map' des menschlichen Körpers zu erstellen. Der Herzzellatlas, der Forscher*innen auf der ganzen Welt offen zur Verfügung steht, ist eine fantastische Ressource. Der Atlas wird zu einem neuen Verständnis von Herzgesundheit und -krankheit, zu neuen Behandlungen und möglicherweise sogar zu neuen Wegen führen, geschädigtes Herzgewebe zu regenerieren.“

Finanzielle Förderung
Diese Studie wurde unterstützt von der British Heart Foundation (BHF), dem Europäischen Forschungsrat (ERC), dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung e.V. (DZHK), der Leducq Fondation, der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Chinese Council Scholarship (CSC), der Alexander von Humboldt-Stiftung, EMBO, CIHR Canadian Institutes for Health Research, HSF Heart and Stroke Foundation, AI Alberta Innovates, der Chan Zuckerberg Initiative, dem Wellcome Sanger Institute, Wellcome, NIH und dem Howard Hughes Medical Institute.

Weiterführende Informationen
Alle Daten dieser Studie können online eingesehen werden.

WHO-Statistik zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Wie das Herz funktioniert (Webseite der Deutschen Herzstiftung)

Pressemitteilung: „Mitten ins Herz“ 

Pressemitteilung: „Herzzellen ihre Geheimnisse entlocken

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de 

Das Wellcome Sanger Institute ist ein weltweit führendes Genom-Forschungszentrum. Wir führen groß angelegte Forschungsarbeiten durch, die die Grundlagen des Wissens in der Biologie und Medizin bilden. Wir sind offen und kooperativ; unsere Daten, Ergebnisse, Tools und Technologien werden weltweit ausgetauscht, um die Wissenschaft voranzubringen. Unser Ehrgeiz ist groß - wir übernehmen Projekte, die anderswo nicht möglich sind. Wir nutzen die Möglichkeiten der Genomsequenzierung, um die Informationen in der DNA zu verstehen und nutzbar zu machen. Dank der Finanzierung durch Wellcome haben wir die Freiheit und Unterstützung, die Grenzen der Genomik zu verschieben. Unsere Erkenntnisse werden genutzt, um die Gesundheit zu verbessern und das Leben auf der Erde zu verstehen. Erfahren Sie mehr unter www.sanger.ac.uk  

Wellcome dient der Verbesserung der Gesundheit, indem die Stiftung großen Ideen zum Erfolg verhilft. Wir unterstützen Forscher*innen, wir stellen uns großen gesundheitlichen Herausforderungen, wir setzen uns für eine bessere Wissenschaft ein, und wir helfen allen, sich für Wissenschaft und Gesundheitsforschung zu engagieren. Wir sind eine politisch und finanziell unabhängige Stiftung. https://wellcome.ac.uk/  

Das Imperial College London ist eine der führenden Universitäten weltweit. Die 17.000 Studenten und 8.000 Mitarbeiter des Colleges verschieben die Grenzen des Wissens in Wissenschaft, Medizin, Technik und Wirtschaft und setzen ihre Entdeckungen in Vorteile für unsere Gesellschaft um. Imperial ist laut Times Higher Education die internationalste Universität Großbritanniens mit akademischen Verbindungen zu mehr als 150 Ländern. Reuters zeichnete das College aufgrund seiner außergewöhnlichen Unternehmenskultur und seiner Verbindungen zur Industrie als die innovativste Universität Großbritanniens aus. http://www.imperial.ac.uk/  

An der Harvard Medical School arbeiten mehr als 11.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den elf Abteilungen zur Grundlagen- und Sozialwissenschaft, die das Blavatnik Institute bilden und an den 15 Lehrkrankenhäusern und Forschungsinstituten, die mit Harvard affiliiert sind: Beth Israel Deaconess Medical Center, Boston Children’s Hospital, Brigham and Women’s Hospital, Cambridge Health Alliance, Dana-Farber Cancer Institute, Harvard Pilgrim Health Care Institute, Hebrew SeniorLife, Joslin Diabetes Center, Judge Baker Children’s Center, Massachusetts Eye and Ear/Schepens Eye Research Institute, Massachusetts General Hospital, McLean Hospital, Mount Auburn Hospital, Spaulding Rehabilitation Network und das VA Boston Healthcare System. www.hms.harvard.edu 

https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/herzatlas-mit-tiefenschaerfe

www.mdc-berlin.de

bilden / 24.09.2020
Buch_KulTour - Aktionswoche zum geplanten Bildungs- und Kulturzentrum (BIZ) in Berlin-Buch

Abb.: Das BIZ wird eine Lern- und Begegnungslandschaft bieten - im neuen Haus und auf den Außenflächen (Abb: karlundp Architekten)
Abb.: Das BIZ wird eine Lern- und Begegnungslandschaft bieten - im neuen Haus und auf den Außenflächen (Abb: karlundp Architekten)

Aktionswoche zum geplanten Bildungs- und Kulturzentrum in Berlin-Buch

Unter dem Titel „BuchKulTour“ findet vom 25. September bis 1. Oktober 2020 eine Aktionswoche zum geplanten Bildungs- und Integrationszentrum (BIZ Berlin-Buch) in Buch statt. In der Stadteilbibliothek, der Schlosskirche mit Gemeindehaus und dem Gläsernen Labor bieten zahlreiche Akteure ein buntes Programm für alle Altersgruppen an. Geplant sind Ausstellungen, Exkursionen, Konzerte, Lesungen, Workshops, Filmvorführungen und Experimente. Zum Abschluss findet am Donnerstag, dem 1. Oktober 2020 um 18 Uhr ein Bürgerforum mit dem Bucher Bürgerverein und Bezirksbürgermeister Sören Benn (Die Linke) statt. Veranstaltungsort ist die Mensa im Haus 14 des Campus Berlin-Buch, Robert-Rössle-Str. 10, 13125 Berlin.

Alle Informationen und Termine im Internet unter www.berlin.de/ba-pankow/buch_kultour.

Lesen Sie hier ein Interview zum BIZ Berlin-Buch mit Dr. Manuel Seitenbecher, Leiter des Amtes für Weiterbildung und Kultur in Pankow.

forschen, produzieren / 23.09.2020
„Corona hat allen die Notwendigkeit der Digitalisierung im Gesundheitsmarkt verstärkt vor Augen geführt“

Die Teilnehmende des Roundtable auf dem Campus Berlin-Buch. (Foto: Peter Himsel für GoingPublic)
Die Teilnehmende des Roundtable auf dem Campus Berlin-Buch. (Foto: Peter Himsel für GoingPublic)

Wie steht es um die Biotechnologie in Deutschland – generell und ganz speziell in Coronazeiten? In den Räumen des traditionsreichen Campus Berlin-Buch bat die Plattform Life Sciences zum alljährlichen Roundtable.

Am Roundtable-Gespräch beteiligten sich Dr. Christina Quensel, Campus Berlin-Buch GmbH, Dr. Kai Uwe Bindseil, Berlin Partner für Technologie und Wirtschaft GmbH, Dr. Angelika Vlachou, Brandenburg Kapital GmbH, Christian Seegers, IBB Ventures, Julius Bachmann, Joyance Partners, Dr. Robert Fischer, OMEICOS Therapeutics GmbH, Dr. Felix Lorenz, Captain T Cell und Dr. Matthias Gottwald, Bayer AG.

Lesen Sie den Beitrag hier: https://www.goingpublic.de/life-sciences/corona-hat-allen-die-notwendigkeit-der-digitalisierung-im-gesundheitsmarkt-verstaerkt-vor-augen-gefuehrt/

forschen, heilen / 23.09.2020
Nationales Centrum für Tumorerkrankungen in Berlin

© BMBF
© BMBF

Gemeinsame PRESSEMITTEILUNG von BIH, Charité und MDC

Berlin wird einer von vier neuen Standorten für das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) neben Heidelberg und Dresden. Das gab das Bundesministerium für Bildung und Forschung heute bekannt und bestätigte Charité, BIH und und MDC hohe Leistungfähigkeit in der Krebsbehandlung und -forschung.

Das Land Berlin hat die Bewerbung stark unterstützt und plant unter anderem einen innovativen Neubau für das NCT, der voraussichtlich in Berlin-Wedding entstehen soll.

Im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs, mit dem Ziel Ergebnisse der Krebsforschung schneller zu Patientinnen und Patienten zu bringen, fördert das BMBF den Ausbau von vier weiteren Standorten des Nationale Centrums für Tumorerkrankungen. Hierfür kooperiert das Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) mit herausragenden Standorten der Universitätsmedizin. Im NCT arbeiten Ärztinnen und Ärzte mit Forscherinnen und Forschern eng zusammen, um jeder Patientin und jedem Patienten eine auf die eigene Erkrankung zugeschnittene Krebstherapie anzubieten. Nun fördert das BMBF den Ausbau weiterer Standorte. Bislang existieren zwei NCT-Standorte, in Heidelberg und Dresden. Die vier neuen NCT-Standorte sollen zukünftig noch mehr onkologischen Patientinnen und Patienten den Zugang zu Innovationen der personalisierten Onkologie ermöglichen. Neben Berlin gingen die Standorte Köln/Essen, Tübingen/Ulm/Stuttgart und Würzburg/Erlangen/Regensburg siegreich aus dem kompetitiven Bewerbungsverfahren hervor.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller, gratuliert dem Team von Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin Institute of Health (BIH) und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und betont: „Die Entscheidung, in Berlin ein Nationales Centrum für Tumorerkrankungen aufzubauen, ist ein großartiger Erfolg für unsere ganze Gesundheitsstadt. Sie unterstreicht die hohe Innovationskraft unserer Forschungseinrichtungen und zeigt, wie richtig unsere Strategie ist, den Wissenschafts- und Medizinstandort konsequent weiterzuentwickeln. Berlin nimmt damit eine Schlüsselstellung ein, um die Krebsforschung entscheidend voranzubringen und neue Ansätze in der Früherkennung und Behandlung von Krebsleiden zu entwickeln.“

Professor Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité, sieht die Auswahl Berlins als NCT-Standort als große Chance für alle Beteiligten. „Wir freuen uns sehr über diese Entscheidung, die uns enorm unterstützt, die Krebsforschung und –behandlung in Berlin weiter zu stärken. Forschung und Klinik unter einem Dach zu vereinen, ist das übergeordnete Ziel aller Fachbereiche einer Universitätsmedizin. Denn hiervon profitieren Ärztinnen und Ärzte, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, aber vor allem die Patientinnen und Patienten.“

Bereits heute exzellente Krebsforschung und -versorgung in Berlin

Drei leistungsfähige Kooperationspartner haben den NCT-Standort Berlin entwickelt: die Charité, das BIH und das MDC. Professor Ulrich Keilholz, Leiter des Charité Comprehensive Cancer Center (CCCC) und Koordinator des Berliner NCT-Antrags, freut sich über die Auszeichnung: „Die Charité gewährleistet bereits heute mit seinem CCCC die umfassende Versorgung von Krebspatientinnen und -patienten und führt klinische und translationale Krebsforschung durch. Jeder Patient und jede Patientin erhält einen individuellen Behandlungsplan, der in einem interdisziplinären Team optimiert entwickelt wird. Zusätzlich ermöglichen wir die Teilnahme an klinischen Studien. Als künftiger NCT-Standort Berlin werden wir noch erfolgreicher forschen und behandeln können und unsere Expertise weiter ausbauen.“

Mitkoordinatorin Professorin Angelika Eggert leitet die Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie an der Charité, ist Berliner Standortsprecherin im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK) und gleichzeitig Mitglied im Forschungsrat des BIH. Sie erforscht mit ihrem Team neue molekular gezielte Therapien und Immuntherapien speziell für krebskranke Kinder. „Das körpereigene Immunsystem spielt eine entscheidende Rolle im Kampf gegen Krebs. Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen hier vor Ort in Berlin konnten wir entscheidende Fortschritte erzielen. Gerade bei den doch eher seltenen Krebsfällen im Kindesalter werden wir sehr von der deutschlandweiten Zusammenarbeit mit den anderen NCT-Standorten profitieren.“

Verzahnung von Forschung und Klinik unter einem Dach

BIH-Chair für Klinisch Translationale Medizin Professor Christof von Kalle leitet das Klinische Studienzentrum von BIH und Charité. Bevor er nach Berlin kam, hatte er in Heidelberg das dortige NCT mitgegründet und über 10 Jahre geleitet. Auch er hat das Konzept für den NCT-Standort Berlin mitentwickelt. „Aus meiner langjährigen NCT-Erfahrung in Heidelberg weiß ich, wie entscheidend die enge Verzahnung von Forschung und Klinik, aber auch die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen im Kampf gegen den Krebs sind. Gleichzeitig müssen wir auch die Digitalisierung noch weiter vorantreiben, damit die vielen Daten, die in der Forschung und bei der Behandlung von tausenden Krebspatienten anfallen, den größtmöglichen Nutzen entfalten können. Als NCT-Standort Berlin können wir diese Herausforderungen meistern.“

Professor Axel R. Pries, Vorstandsvorsitzender (interim) des BIH und Dekan der Charité ergänzt: „Die medizinische Translation lebt vom stetigen Austausch zwischen Forschung und Klinik. Dies gilt insbesondere in der Onkologie: Krebs stellt uns vor eine der größten medizinischen Herausforderungen mit immer noch dramatischen Verläufen, nur die Hälfte der Krebspatientinnen und Krebspatienten überleben ihre Krankheit. Hier brauchen wir auch dringend neue Konzepte, die wir hier am Berliner NCT-Standort mit Hochdruck entwickeln wollen.“

Das MDC hat seinen Schwerpunkt in der biomedizinischen Grundlagenforschung. Seine Wissenschaftler*innen untersuchen grundlegende Mechanismen des Lebens und von Erkrankungen. Ihr Ziel ist, diese Erkenntnisse schnellstmöglich in medizinische Anwendungen zu übersetzen. In der Krebsmedizin entwickeln sie u.a. neue Immuntherapien und innovative Schlüsseltechnologien wie die 3D Einzelzell-l-Analyse, Proteomik und Metabolomik, die sie mit Hilfe künstlicher Intelligenz in neue medizinische Konzepte umsetzen. Professor Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand (komm.) des MDC freut sich ebenfalls sehr über die Förderung „Berlin wird ein exzellenter Standort für das erweiterte Nationale Centrum für Tumorerkrankungen: Hier kommt alles perfekt zusammen. Für uns am MDC bedeutet das, dass wir unsere Forschung und Expertise auf dem Gebiet der Immuntherapie, der Krebsentstehung und der zellbasierten Krebsmedizin weiter vorantreiben können. Und durch die enge Zusammenarbeit mit der Charité und dem BIH möchten wir unsere Erkenntnisse möglichst schnell zu den Patientinnen und Patienten bringen. Es geht um die personalisierte Onkologie der Zukunft.“

Präzise und zellbasierte Krebsmedizin

Die einzigartige Expertise der drei Kooperationspartner machen Berlin vor allem zu einem international herausragenden Standort für Systembiologie und klinisch angewandte Einzelzell-Technologien. Das NCT-Berlin Team entwickelt hieraus unter Federführung von Professor Nikolaus Rajewsky (MDC) ein wegweisendes Konzept zellbasierter Krebsmedizin. Diese umfasst neben den klinischen NCT Programmen drei wesentliche Themen.

1: Präzisionsonkologie: Um die Patient*innen bestmöglich behandeln zu können, müssen die Tumoren exakt diagnostiziert und in ihrer Entwicklung verstanden werden. Dazu setzen die Partner systematisch umfangreiche Methoden der Präzisionsonkologie ein: Neben Multi-Omics-Technologien finden auch umfassende Patienten-abgeleitete präklinische Modelle sowie Maschinelles Lernen (ML) und innovative Einzelzelll-Technologien mit einzigartiger räumlicher Auflösung Anwendung, die es auch ermöglichen, herauszufinden, gegen welche Behandlungen der Tumor empfindlich oder resistent reagiert.

2: Immuntherapie: Die NCT-Kooperationspartner nutzen die umfassende Berliner Expertise in der Immuntherapie, um neue adoptive T-Zell-Therapien (TCR- und CAR-T-Zellen) auf präklinischer und klinischer Ebene zu entwickeln. Vorhandene ausgedehnte GMP-Flächen erlauben es, die neuen Immuntherapien vor Ort herzustellen. Neue Zielstrukturen für die Immuntherapie können über Einzelzell--Technologien identifiziert werden.  Gemeinsam mit den anderen NCT-Standorten entsteht so ein umfassendes nationales Netzwerk der Krebsimmuntherapie.

3: Big Data:  Die ausgezeichnete IT-Infrastruktur des Charité Comprehensive Cancer Centers (CCCC), aktuelle Programme des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ)/Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) und das BIH Digital Health Programm verfolgen gemeinsam das Ziel, klinische Daten mit molekularer Diagnostik und präklinischen Modellen zu verbinden, um für jeden Patienten und für jede Patientin individualisierte Therapieansätze zu entwickeln und digitale Gesundheitslösungen voranzubringen.

Versorgung von mehr als 50.000 Krebspatientinnen und -patienten im Jahr

Das CCCC koordiniert die Planung des NCT-Partnerstandortes Berlin und wird selbst zukünftig in das  NCT Berlin überführt. Im Lenkungsausschuss des NCT Berlin sind alle relevanten Fachgebiete und Patientensprecherinnen und -sprecher vertreten. Ein eigenes NCT-Gebäude ist auf dem neuen klinischen Forschungscampus am Charité Campus Virchow-Klinikum geplant. Auf 10.000 Quadratmetern sollen modernste Forschungslabore, eine Ambulanz sowie ein Informationszentrum für Krebspatientinnen und -patienten entstehen. Das BIH/Charité Clinician Scientist Programm sowie zahlreiche andere Weiterbildungsmöglichkeiten machen Berlin zu einem attraktiven Standort für die Rekrutierung junger Talente in der Krebsforschung. Neben der Hauptstadt wird sich der Einzugsbereich des NCT Berlin mit der Bevölkerung Berlins, Brandenburgs und Sachsen-Anhalts von insgesamt 8,6 Millionen Einwohnern auf etwa ein Zehntel Deutschlands erstrecken, mit mehr als 55.000 neu diagnostizierten Krebsfällen pro Jahr.

Hintergrund

Mit der Gründung des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg als gemeinsame Einrichtung schufen das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), das Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) und die Deutsche Krebshilfe im Jahre 2003 das erste Comprehensive Cancer Center Deutschlands. Ziel des NCT ist es, vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung möglichst schnell in die Klinik zu übertragen und damit den Patienten zugutekommen zu lassen. Dies gilt sowohl für die Diagnose als auch die Behandlung, in der Nachsorge oder der Prävention. Die Tumorambulanz ist das Herzstück des NCT. Hier profitieren die Patienten von einem individuellen Therapieplan, den fachübergreifende Expertenrunden, die sogenannten Tumorboards, erstellen. Die Teilnahme an klinischen Studien eröffnet den Zugang zu innovativen Therapien. Das NCT ist somit eine richtungsweisende Plattform zur Übertragung neuer Forschungsergebnisse aus dem Labor in die Klinik. Das NCT kooperiert mit Selbsthilfegruppen und unterstützt diese in ihrer Arbeit.


Weiterführende Informationen

Krebsforschung am MDC
Einzelzellanalyse am MDC
Single Cell Technologien für die personalisierte Medizin – Fokusbereich mit dem BIH
AG Höpken: „Mikroumgebung als Regulator bei Autoimmunität und Krebs“
AG N. Rajewsky „Systembiologie von Gen-regulatorischen Elementen“


Kontakt

Jutta Kramm
Leiterin der Abteilung Kommunikation

Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
+49 (0)30 9406 2140
jutta.kramm@mdc-berlin.de oder presse@mdc-berlin.de    


Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

www.mdc-berlin.de

leben / 21.09.2020
Mehr Fahrradbügel in Pankow? Vorschläge melden!

Online-Meldedialog auf mein.Berlin.de
 
Ein Online-Meldedialog zum Thema Abstellanlagen für Fahrräder, Lastenräder und E-Roller startet das Bezirksamt Pankow ist seit dem 11. September 2020 aktiv: Bürgerinnen und Bürger können unter: https://mein.berlin.de/projekte/fahrradbugel-fur-pankow Vorschläge für Abstellanlagen im öffentlichen Raum melden und damit die Verwaltung bei der bedarfsgerechten Planung unterstützen. Das Bezirksamt wird alle Vorschläge, die bis zum 30. November 2020 eingehen, auf Umsetzung prüfen. Der Einbau der Bügel soll dann ab dem kommenden Jahr erfolgen. Für die Finanzierung der Fahrradabstellanlagen stellt die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz dem Bezirk Mittel aus dem Radverkehrsprogramm zur Verfügung.
Neben Radwegen und Fahrradstraßen ist ein dichtes Netz an zeitgemäßen Abstellanlagen ein wichtiger Baustein der Pankower Radverkehrsstrategie. Das Bezirksamt hat seit 2019 bereits 800 neue Fahrradbügel errichtet. Damit es in diesem Tempo weitergehen kann, wünscht sich das Bezirksamt eine rege Beteiligung.

produzieren / 21.09.2020
DCprime and Glycotope Sign Licensing Agreement to Advance Program Combining Cancer Vaccination and Therapeutic Antibody Platforms

21.09.2020 / DCprime, the front-runner in the field of relapse vaccines, and Glycotope GmbH, a clinical-stage oncology/immuno-oncology company built on world-leading glycobiology expertise, today announced an expansion of their existing partnership through a new research collaboration and licensing agreement.

Originally initiated in July 2018, the partnership combines DCprime’s proprietary DCOne® relapse vaccine platform and Glycotope’s highly specific anti-tumor antibody platform with the aim of developing novel immunotherapeutic approaches in oncology. Under the expanded agreement a therapeutic antibody program has been selected from Glycotope’s portfolio which will be further evaluated in preclinical studies to potentially treat a broad range of solid tumors.

“Today’s agreement further exemplifies our commitment to develop novel cancer immunotherapies based on partnerships, in addition to pioneering the relapse vaccine paradigm. Our relationship with Glycotope has matured and brought forward a very promising program, potentially leading to a highly differentiated novel combination therapy towards solid tumors,” commented Erik Manting, CEO of DCprime.

“We are delighted to expand our collaboration with DCprime and to see one of our antibody programs move forward in a novel combination therapy approach with a cancer vaccine based on the DCOne® platform,” said Henner Kollenberg, Managing Director of Glycotope GmbH. “Glycotope has developed a growing pipeline of high-value cancer therapies and today’s announcement further highlights the promising product opportunities for monotherapeutic or combinational approaches offered by our portfolio.”

About DCprime
DCprime is the front-runner in the field of relapse vaccines, a new class of oncology vaccines administered after or in conjunction with standard of care therapy to delay or prevent disease recurrence. Our lead product is a whole-cell-based vaccine addressing blood cancers with a high risk of relapse. We are pursuing similar vaccination approaches for solid tumors. We believe relapse vaccines will improve survival by putting the patient’s immune system back in control. For more information, please visit: https://dcprime.com.

About Glycotope
Glycotope, founded in 2000 in Berlin, focuses on the development of antibodies with an increased tumor-specificity by binding to proteins carrying tumor-specific carbohydrate structures. These “GlycoBodies” are developed in different highly potent formats such as ADCs, bispecifics or in combination with cell and gene therapy approaches in-house or by license partners. The Company’s further pipeline includes biopharmaceuticals for various oncological indications. Visit https://www.glycotope.com.

Quelle: https://www.glycotope.com/dcprime-and-glycotope-sign-licensing-agreement-to-advance-program-combining-cancer-vaccination-and-therapeutic-antibody-platforms/

www.glycotope.com

leben / 17.09.2020
19 Wohnungen in der Berliner Allee 58 + 88 gesichert

Bezirksamt Pankow beschließt erneut Ausübung des Vorkaufsrechts im Komponistenviertel

Für die Immobilien auf dem Grundstück Berliner Allee 58 + 88 in Weißensee hat das Bezirksamt Pankow die Ausübung des Vorkaufsrechts beschlossen. Erworben werden 19 Wohn- und sechs Gewerbeeinheiten zugunsten der Gesobau AG. Die Bescheide wurden fristgerecht zugestellt. Beide Grundstücke befinden sich im räumlichen Geltungsbereich der Erhaltungsverordnung „Komponistenviertel“.

Vollrad Kuhn (Bü 90/Grüne), Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste, erklärt dazu: „Im Zeitraum von 2010 bis 2015 wurden vier Prozent des Wohnungsbestands in dem Sozialen Erhaltungsgebiet „Komponistenviertel“ in Wohneigentum umgewandelt. 33 Prozent sind bislang noch nicht umgewandelt, so dass hier großes Potenzial für weitere Umwandlungen liegt. Ebenso existiert ein erhöhtes Aufwertungspotenzial der größtenteils gründerzeitlichen Bebauung, da 74 Prozent der Wohnungen lediglich eine einfache Ausstattung vorweisen und 68 Prozent der Gebäude noch über keine Fassadendämmung verfügen. Ich freue mich daher sehr, dass wir zumindest die Immobilien Berliner Allee 58 + 88 nun erfolgreich dieser Spekulationsblase entziehen können.“

heilen, bilden / 15.09.2020
Kompetenz durch Wissen: Ausbildungszertifizierung für Ärzte der Röntgendiagnostik im Helios Klinikum Berlin-Buch

Die Experten aus dem Team des Instituts für Röntgendiagnostik haben ihre besondere Kompetenz bewiesen. Sie erhielten nach erfolgreicher Bewerbung jetzt die Zertifizierung als Ausbildungszentrum der DeGIR*.

 

In enger Kooperation mit den benachbarten Fachdisziplinen des Klinikums bietet das Team um Prof. Dr. med. Thomas Herold, Chefarzt des Instituts für Röntgendiagnostik im Helios Klinikum Berlin-Buch, das komplette Spektrum minimalinvasiver Verfahren von radiologischen Therapien an. Ausgeführt werden die Interventionen auf höchstem Niveau durch erfahrene und von der DeGIR zertifizierte Experten, die jetzt auch als Ausbildungszentrum zugelassen sind. „Wir freuen uns sehr über diese Zertifizierung der Radiologie als Ausbildungszentrum. Sie zeigt die hohe Expertise des Teams“, sagt Daniel Amrein, Klinikgeschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch. „Wir legen großen Wert auf die kontinuierliche Weiterbildung unserer Ärzte sowie auf eine nachhaltige Vernetzung mit unseren regionalen und überregionalen Kollegen aus Praxis und Klinik“, ergänzt Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor im Helios Klinikum Berlin-Buch, und sagt weiter: „Ich bedanke mich sehr beim Team um Thomas Herold für das besondere Engagement, das auch die Qualität der Leistungen in Diagnose und Therapie für unsere Patienten sichert.“

*Die Deutsche Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimalinvasive Therapie (DeGIR) konstituierte sich im Jahr 2008 als Fachgesellschaft für alle interventionsradiologisch und minimalinvasiv tätigen Radiologen. Der Hauptfokus der DeGIR-Aktivitäten liegt auf dem Gebiet der Fort- und Weiterbildung sowie der Qualitätssicherung interventionsradiologischer Praxis.

Kontakt:

Helios Klinikum Berlin-Buch
Prof. Dr. med. Thomas Herold
Chefarzt der Röntgendiagnostik
Schwanebecker Chaussee 50
13125 Berlin

Telefon: (030) 94 01-53500
Fax:      (030) 94 01-53509

thomas.herold@helios-gesundheit.de

www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch/unser-angebot/unsere-fachbereiche/roentgendiagnostik/

 

leben / 09.09.2020
Aufruf zur Beteiligung von Menschen ab 65 Jahren

Telefoninterviews über Wünsche, Ideen und Bedarfe bis Mitte Oktober

Der Qualitätsverbund Netzwerk im Alter – Pankow e.V. und die Altenhilfekoordination des Bezirksamtes Pankow wollen gemeinsam mit Seniorinnen und Senioren ab 65 Jahren die bezirklichen Strukturen für die Lebensphase 65+ zukunftsfähig gestalten. Zu diesem Zweck startet jetzt ein Projekt zur Förderung der sozialen Einbindung älterer Menschen ab 65 Jahren im Bezirk. Um diese Erfahrungen, Einschätzungen, Bedarfe und Ideen zu sammeln, werden die Organisatoren mit Interessierten ein kurzes und anonymes Telefongespräch (max. 30 Minuten) durchführen. Zielgruppe sind ältere Menschen die in einem der Pankower Bezirksteile Buch, Wilhelmsruh oder Blankenfelde wohnen, an der Gestaltung mitwirken und über ihre Alltagssituation in ihrem Kiez berichten möchten. Zudem können Wünsche und Bedarfe zu sozialen und gesundheitsförderlichen Angeboten geäußert und Ideen zur Verbesserung des Wohnumfeldes eingebracht werden.

Wer Interesse an dieser Form der Mitwirkung hat und nähere Informationen benötigt, kann sich noch bis Mitte Oktober an den Qualitätsverbund Netzwerk im Alter – Pankow e.V.  oder Jana Kruspe, Leiterin Fachbereich Senioren und soziale Angebote, Bezirksamt Pankow, wenden:

Netzwerk im Alter – Pankow e.V.
Schönhauser Allee 59b, 10437 Berlin
Tel.: 030 474 88 77

Jana Kruspe
Leiterin des Fachbereichs Seniorenservice
und soziale Angebote im Bezirksamt Pankow
Tel.: 030 - 90295-6822 (Montag - Freitag von 08:00 Uhr – 16:00 Uhr).

forschen, heilen / 08.09.2020
Neue Software spürt krankmachende Genveränderungen auf

Oft ist es ein einziger Fehler im Erbgut, der eine schwere Erkrankung zur Folge hat. Doch weil zwei gesunde Menschen schon etwa drei Millionen Unterschiede in ihrem Erbgut aufweisen, ist es gar nicht so leicht, die eine, krank machende Abweichung zu entdecken und von einer harmlosen Genvariante zu unterscheiden. Wissenschaftler*innen der Core Unit Bioinformatics des Berlin Institute of Health (BIH) haben nun gemeinsam mit Kolleg*innen von der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtzgemeinschaft (MDC) eine Software entwickelt, die dabei hilft, die „Nadel im Heuhaufen“ zu finden. Besonders wichtig ist dies bei der Diagnose von sogenannten „Seltenen Erkrankungen“. Die Software „VarFish“ ist frei verfügbar und in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nucleic Acids Research" beschrieben.

Seltene Erkrankungen sind gar nicht so selten: Etwa vier Millionen Menschen in Deutschland sind insgesamt betroffen, doch von jeder einzelnen der geschätzt 8.000 verschiedenen Krankheiten treten meist nur wenige Fälle auf. Das hat zur Folge, dass es oft Jahre dauert, bis die Betroffenen die richtige Diagnose erhalten, was jedoch die Voraussetzung für eine wirksame Therapie darstellt. „Häufig landen die betroffenen Eltern nach einer jahrelangen Odyssee bei uns“, erzählt Dr. Nadja Ehmke, Fachärztin im Institut für Medizinische Genetik und Humangenetik der Charité. „Sie haben ein krankes Kind, das sich geistig oder körperlich nicht richtig entwickelt und wollen nun wissen, warum. Wenn wir ihnen dann aufgrund einer genetischen Analyse erklären können, wo der Fehler liegt, ist das für die Eltern oft eine riesengroße Erleichterung, auch wenn das noch nicht bedeutet, dass man auch therapeutisch etwas für ihr Kind tun kann.“ So können sich die Eltern mit anderen Betroffenen austauschen, Selbsthilfegruppen besuchen oder gründen und auch besser einschätzen, ob ein weiteres Kind ebenfalls erkranken könnte.

Leistungsfähige Software entdeckt Unterschiede

Für die genetische Analyse isolieren die Wissenschaftler*innen das Erbgut aus Blutzellen der Patient*innen, lesen die Sequenz, also die Abfolge der Buchstaben und vergleichen diese mit dem Erbgut von Eltern, Geschwistern oder den vorhandenen Erbgut-Analysen in großen Datenbanken. „Hier stößt der Mensch naturgemäß an seine Grenzen“, berichtet Dr. Dieter Beule, der Leiter der BIH Core Unit Bioinformatics. „Selbst wenn wir nur die eiweißkodierenden Bereiche des Erbguts analysieren, das so genannte Exom, müssen wir Millionen von Bausteinen vergleichen. Dazu benötigt man leistungsfähige Software, die die Unterschiede entdeckt.“ Doch selbst zwischen zwei gesunden Personen unterscheidet sich das Erbgut in den kodierenden Bereichen an rund 30.000 Positionen. Welche der vielen Abweichungen ist die krankmachende? Genau hier wurden Dieter Beule und sein Team aktiv:  Sie entwickelten „VarFish“.

“VarFish“ vergleicht die eingegebene Sequenz des Patienten oder der Patientin mit Sequenzen aus weltweit zusammengetragenen Datenbanken. Die Wissenschaftler*innen der Core Unit Bioinformatics griffen dabei auf viele offene und freie Datenressourcen zurück, wie die amerikanischen Datenbanken vom National Center for Biotechnology Information, der Universität von Washington, Seattle, dem European Bioinformatics Institute EBI in Cambridge, UK, aber auch auf Datenbanken und Algorithmen der Charité und des BIH.

Sekundenschneller Abgleich

„Innerhalb weniger Sekunden kann VarFish 29.950 von den 30.000 Unterschieden ausschließen“, sagt Dieter Beule. „Denn viele dieser Abweichungen findet die Software z.B. auch in den Sequenzen der Bevölkerungsdaten und führen dort offenbar nicht zu auffälligen Problemen und sind daher aller Wahrscheinlichkeit nach nicht für die seltene Erkrankung verantwortlich.“ Die übrig gebliebenen 50 Genvarianten vergleichen die Wissenschaftler*innen dann mit bereits bekannten Erbkrankheiten und können so den Kreis der in Frage kommenden, ursächlich verantwortlichen Veränderungen weiter auf etwa zehn eingrenzen.

In manchen Fällen entdecken auch Wissenschaftler in Forschungsstudien Mutationen in einem bekannten Gen. „VarFish“ ermöglicht eine rasche Prüfung auf Mutationen in bekannten Genen“, erklärt Professorin Ute Scholl, die am BIH eine Johanna-Quandt Professur innehat. „Das ist wichtig, weil es uns Hinweise geben kann, welches Medikament helfen könnte und klinisch weiterverfolgt werden sollte."  Wenn keine Mutationen in bekannten Genen vorliegen, kann mit Hilfe von VarFish innerhalb einer größeren Familie oder im Vergleich mehrerer betroffener Familien mit der gleichen Erkrankung ein neues Kandidatengen identifiziert werden. Was genau Mutationen in einem solchen Kandidatengen bewirken, kann anschließend oft im Labor geklärt werden. Die Arbeitsgruppe von Ute Scholl schleust die mutierten Gene in Zellkulturen oder in Mäuse ein und kann so beobachten, welche Auswirkungen die Mutation hat. „Auf diese Weise haben wir kürzlich ein neues Gen für eine seltene angeborene Form von Bluthochdruck charakterisiert", berichtet die Medizinerin. Doch die Medikamentenentwicklung oder gar zielgerichtete Behandlung liegt eher in weiter Ferne. „Wir wollen zunächst einmal verstehen, wie die Krankheit überhaupt entsteht und woher die Beschwerden rühren.“

Schnelle und zielsichere Diagnose

Dr. Manuel Holtgrewe, Bioinformatiker in der Core Unit und Erstautor der Publikation, freut sich darüber, dass die neue Software so viele Anwender*innen findet: „Innerhalb der ersten Wochen wurde VarFish schon hundertfach eingesetzt, Wissenschaftler*innen und Ärzt+innen weltweit haben damit gearbeitet. Intern haben wir schon tausende Datensätze damit verarbeitet.“ Gerade bei der Erforschung und Behandlung von Seltenen Erkrankungen ist die internationale Zusammenarbeit wichtig, weil jede einzelne Mutation ja meist nur wenige Male in jedem Land auftritt. Professor Stefan Mundlos, Direktor des Instituts für Medizinische Genetik und Humangenetik der Charité und der Forschungsgruppe "Development & Disease" am Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik Berlin, berichtet: „VarFish hat uns sehr dabei geholfen, Teilnehmer*innen für unsere Klinischen Studien schnell und zielsicher zu einer Diagnose zur verhelfen.“

Manuel Holtgrewe und Dieter Beule planen nun, „VarFish“ dahingehend zu erweitern, dass auch die genomweite Analyse von sogenannten strukturellen Varianten möglich wird. Außerdem sollen weitere Funktionen für die effektive und sichere standortübergreifende Zusammenarbeit von Humangenetiker*innen eingefügt werden. „VarFish unterstützt die Anwender*innen bei der Analyse ihrer molekulargenetischen Daten sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der klinischen Anwendung. Die Mission des BIH ist ja die Translation, also die Übertragung von Ergebnissen aus der Forschung in die Klinik und umgekehrt, von Beobachtungen in der Klinik zurück ins Labor. Mit unserer Software „VarFish“ unterstützen wir genau dieses Anliegen“, sagt Dieter Beule. 


Publikation: Manuel Holtgrewe, Oliver Stolpe, Mikko Nieminen, Stefan Mundlos, Alexej Knaus, Uwe Kornak, Dominik Seelow, Lara Segebrecht, Malte Spielmann, Björn Fischer-Zirnsak, Felix Boschann, Ute Scholl, Nadja Ehmke, Dieter Beule, VarFish: comprehensive DNA variant analysis for diagnostics and research, Nucleic Acids Research, gkaa241, https://doi.org/10.1093/nar/gkaa241

 

Über das Berlin Institute of Health (BIH)

Die Mission des Berlin Institute of Health (BIH) ist die medizinische Translation: Erkenntnisse aus der biomedizinischen Forschung werden in neue Ansätze zur personalisierten Vorhersage, Prävention, Diagnostik und Therapie übertragen, umgekehrt führen Beobachtungen im klinischen Alltag zu neuen Forschungsideen. Ziel ist es, einen relevanten medizinischen Nutzen für Patient*innen und Bürger*innen zu erreichen. Dazu etabliert das BIH ein umfassendes translationales Ökosystem, setzt auf ein organübergreifendes Verständnis von Gesundheit und Krankheit und fördert einen translationalen Kulturwandel in der biomedizinischen Forschung. Das BIH wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sind im BIH eigenständige Gliedkörperschaften.

www.bihealth.org

forschen / 08.09.2020
Mit zellbasierter Medizin Krankheiten abfangen und die Gesundheitsversorgung in Europa verbessern

Vergrößerung von Miniaturchips: Einzelzellen werden in winzige Tröpfchen eingekapselt und zur weiteren Verarbeitung mit Reagenzien versorgt.  © Felix Petermann, MDC / LifeTime
Vergrößerung von Miniaturchips: Einzelzellen werden in winzige Tröpfchen eingekapselt und zur weiteren Verarbeitung mit Reagenzien versorgt. © Felix Petermann, MDC / LifeTime

Hunderte Innovatoren, Pioniere aus Forschung, Klinik und Industrie sowie politische Entscheidungsträger*innen aus ganz Europa verbindet eine gemeinsame Vision, mit der sie die Gesundheitsversorgung verbessern wollen. In zwei Veröffentlichungen – einer Perspektive in der Zeitschrift Nature und der LifeTime Strategic Research Agenda (SRA) – präsentieren sie nun eine detaillierte Roadmap. Sie beschreibt, wie man neueste wissenschaftliche Durchbrüche und Technologien bereits innerhalb der nächsten zehn Jahre nutzen kann, um menschliche Zellen ein Leben lang zu verfolgen, ihren Zustand zu verstehen und kranke Zellen gezielt zu behandeln.

Die LifeTime-Initiative, die das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in Berlin gemeinsam mit dem Institut Curie in Paris koordiniert wird, hat eine Strategie entwickelt, um die maßgeschneiderte Behandlung in fünf großen Krankheitsfeldern voranzubringen: Krebs, neurologische, infektiöse und chronisch-entzündliche Krankheiten sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Ziel ist eine neue personalisierte Medizin in ganz Europa, die Abweichungen in einzelnen Zellen erkennt und eingreift, bevor Symptome entstehen, die Krankheit also abfängt („interceptive medicine“). Sie hat das Potenzial, die Therapieergebnisse zu verbessern und die Behandlung kostengünstiger zu gestalten. Sie wird außerdem grundlegend verändern, wie eine Patientin oder ein Patient die Gesundheitsversorgung erlebt.

Krankheiten früh erkennen und effektiver behandeln

Um einen funktionierenden, gesunden Körper zu bilden, folgen unsere Zellen bestimmten Entwicklungspfaden, auf denen sie bestimmte Rollen im Gewebe und in Organen übernehmen. Weichen sie jedoch vom gesunden Pfad ab, verändern sich die Zellen allmählich immer mehr. Diese Veränderungen bleiben oft unentdeckt, bis Symptome auftreten. Zu diesem Zeitpunkt der Erkrankung ist eine medizinische Behandlung jedoch oft invasiv, teuer und ineffizient. Es gibt allerdings Technologien, die die molekulare Zusammensetzung einzelner Zellen abbilden und mit denen man das Auftreten einer Krankheit oder einer Therapieresistenz deutlich früher erkennen kann.

Wenn wir bahnbrechende Einzelzell- und Bildgebungsmethoden kombiniert mit künstlicher Intelligenz und personalisierten Krankheitsmodellen nutzen, können wir nicht nur den Ausbruch einer Krankheit früher vorhersagen, sondern auch die wirksamste Therapie für jede Patientin oder jeden Patienten auswählen. Der Fokus liegt dabei auf den krankheitsauslösenden Zellen, um den Verlauf einer Krankheit rechtzeitig zu unterbrechen, bevor irreparable Schäden auftreten. Das wird die Prognose für viele Patientinnen und Patienten erheblich verbessern; in Europa können so potenziell krankheitsbedingte Kosten in Milliardenhöhe eingespart werden.   

Ein detaillierter Fahrplan, damit die Vision der LifeTime-Initiative Wirklichkeit wird

Der Nature-Artikel „LifeTime and improving European healthcare through cell-based interceptive medicine“ und die „LifeTime Strategic Research Agenda“ (SRA) erläutern, wie diese Technologien rasch gemeinsam entwickelt, in die klinische Praxis überführt und auf die fünf wichtigsten Krankheitsbilder angewendet werden sollten. Eine enge Zusammenarbeit zwischen europäischen Infrastruktur- und Forschungseinrichtungen, Kliniken und der Industrie ist unerlässlich, um im Rahmen der LifeTime-Initiative große Mengen an medizinischen Daten über die Grenzen Europas hinweg zu generieren, auszutauschen und zu analysieren. Die Initiative befürwortet eine ethisch verantwortungsvolle Forschung zum Nutzen der Bürgerinnen und Bürger in ganz Europa.  

Für Professor Nikolaus Rajewsky, wissenschaftlicher Direktor des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB) am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin und Koordinator der LifeTime-Initiative, ist genau dieser Ansatz der Weg in die Zukunft: „LifeTime hat Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen zusammengebracht – von Expertinnen und Experten aus der Biologie über die Datenwissenschaft und Ingenieurskunst bis hin zu Mathematik und Physik – um die molekularen Mechanismen besser zu verstehen, die für Gesundheit und Krankheit verantwortlich sind. Mithilfe der zellbasierten Medizin können Ärztinnen und Ärzte in Zukunft Krankheiten früher diagnostizieren und ihren Verlauf unterbrechen, noch bevor irreparable Schäden entstehen. LifeTime bietet das einzigartige Leistungsversprechen, die Gesundheit der Patientinnen und Patienten Europa zu verbessern.“
 
Dr. Geneviève Almouzni, Forschungsdirektorin am französischen CNRS, Ehrendirektorin des Forschungszentrums am Institut Curie in Paris und Kokoordinatorin der LifeTime-Initiative, ist davon überzeugt, dass LifeTime große soziale und wirtschaftliche Auswirkungen haben wird: „Durch eine zellbasierte Medizin, die Krankheiten aufspürt und abfängt, können wir die Behandlung zahlreicher Erkrankungen erheblich verbessern. Patientinnen und Patienten in aller Welt können so ein längeres und gesünderes Leben führen. Auch die wirtschaftlichen Auswirkungen dürften erheblich sein, wenn allein durch eine effektivere Krebsbehandlung Milliarden von Euro eingespart würden und die Behandlungsdauer intensivpflichtiger COVID-19-Patient*innen erheblich verkürzt würde. Wir hoffen, dass die Staats- und Regierungschefinnen und -chefs der EU erkennen, dass wir jetzt in die notwendige Forschung investieren müssen.“

Weiterführende Informationen

Die LifeTime-Initiative
Fokusbereich Single Cell-Technologien für die personalisierte Medizin am MDC und BIH

Einzelzellbiologie am MDC

Literatur

Kontakte

Prof. Dr. Nikolaus Rajewsky
Koordinator der LifeTime-Initiative
Direktor des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB)
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
+49 (0)30 9406-2999 (office)
rajewsky@mdc-berlin.de

Valentin Popescu
Kommunikationsmanager der LifeTime-Inititative
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
+49 176 6563 9465
valentin.popescu@mdc-berlin.de  

Über LifeTime

Die LifeTime-Initiative ist eine stetig wachsende Community, die aus über 100 führenden europäischen Forschungseinrichtungen und Kliniken sowie internationalen Berater*innen und mehr als 80 unterstützenden Unternehmen besteht. International renommierte europäische Forschungsgruppen, die Multi-Omics-Strategien, wissenschaftliche Infrastrukturen, Bio-Imaging und Computertechnologien entwickeln und im Bereich personalisierter Krankheitsmodelle führend sind, gehören zu LifeTime. Ebenso sind Bioethiker*innen und eine Kerngruppe federführender klinischer Wissenschaftler*innen Teil der Initiative. Viele der beteiligten Institutionen verfügen über eigene translationale/klinische Forschungseinrichtungen und Kliniken oder arbeiten mit solchen zusammen. So wird sichergestellt, dass LifeTime-Erkenntnisse rasch in die klinische Praxis überführt werden können.

Über das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Benannt wurde es nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück, der 1969 mit dem Nobelpreis für Physiologie und Medizin ausgezeichnet wurde. Das MDC untersucht molekulare Mechanismen, um die Entstehung von Krankheiten zu verstehen und sie so besser und wirksamer diagnostizieren, verhindern und bekämpfen zu können. Dabei arbeitet das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern wie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung e. V. und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen zusammen. Über 1.600 Mitarbeiter und Gäste aus fast 60 Ländern arbeiten am MDC, knapp 1.300 davon in der wissenschaftlichen Forschung. Das MDC wird zu 90 % vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 % vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de   

heilen / 08.09.2020
Selbstuntersuchung der Haut: Empfehlung für regelmäßige Kontrolle

Dr. med. Kerstin Lommel, Chefärztin der Klinik für Dermatologie und Allergologie, Leiterin Hauttumorzentrum, rät zur regelmäßigen Selbstuntersuchung der Haut. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Klinikum Berlin-Buch)
Dr. med. Kerstin Lommel, Chefärztin der Klinik für Dermatologie und Allergologie, Leiterin Hauttumorzentrum, rät zur regelmäßigen Selbstuntersuchung der Haut. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Klinikum Berlin-Buch)

Besonders zum Ende des Sommers, wenn wir über längere Zeit kurze und licht- sowie luftdurchlässige Kleidung getragen haben, verdient die Haut eine Extraportion Pflege. Durch regelmäßige Selbstkontrolle können Sie schnell reagieren, wenn Sie verdächtige Flecken oder Unebenheiten auf Ihrer Haut feststellen.

Selbstuntersuchung der Haut
Die Haut ist das größte Organ des menschlichen Körpers. Sie sagt viel darüber aus, wie wir mit unserem Körper umgehen. Umso wichtiger ist es, der Haut die Aufmerksamkeit und Pflege zu widmen, die sie verdient.
„Optimal ist es, wenn Sie Ihre Haut einmal im Monat am ganzen Körper selbst kontrollieren und etwa alle zwei Jahre zur Hautkrebsvorsorge gehen“, sagt Dr. med. Kerstin Lommel, Chefärztin der Dermatologie/Allergologie und Leiterin des Hauttumorzentrums im Helios Klinikum Berlin-Buch.
Bei Veränderungen wie Flecken, Unebenheiten oder anhaltende Rötungen wenden Sie sich zeitnah an Ihren Haus- oder Hautarzt oder kontaktieren ein Hauttumorzentrum.

Welcher Hauttyp sind Sie?
Wissen Sie, welcher Hauttyp Sie sind und wie Sie Ihre Haut am besten vor der Sonne schützen? Um Sonnenbrände zu vermeiden ist es ratsam, die Besonderheiten der eigenen Haut zu kennen. „Jede Haut ist anders und somit auch unterschiedlich empfindlich. Rötungen sind erste Warnzeichen, die darauf hindeuten, dass die Haut einen intensiveren Schutz benötigt“, sagt Dr. Lommel.
Die Expertin rät zudem, nicht nur im Sommer, sondern auch in den anderen Monaten des Jahres auf einen ausreichenden Schutz vor UV-Strahlung zu achten. Besonders Gesicht, Ohren, Hals und Hände sind regelmäßig einzucremen. Je heller die Haut ist, desto eher entsteht ein Sonnenbrand und desto höher ist die Gefahr, an weißem Hautkrebs zu erkranken.

Schon gewusst?
UV-Strahlung wirkt im, am und auf dem Wasser noch stärker, da sie dort reflektiert. Gleiches gilt auch für Gebirgsregionen und im Schnee.
Um das Bewusstsein für Hautkrebs zu stärken, die Aufmerksamkeit und das Wissen darüber zu fördern, gibt es den Europäischen Tag des hellen Hautkrebses seit 2011 jedes Jahr am 13. September.

Bei der Selbstkontrolle Ihrer Haut sind Ihnen Unregelmäßigkeiten aufgefallen? Sie möchten einen Experten kontaktieren? In der Poliklinik für Dermatologie am Helios Klinikum Berlin-Buch Haus 202, Erdgeschoss, gibt es Spezialsprechstunden.

Sprechstunde Blickdiagnose (ohne Terminvereinbarung)
Montags 08:00–10:00 Uhr

Tumorsprechstunde (mit Terminvereinbarung)
Dienstags 08:00-12:00 Uhr
hauttumorzentrum-berlin@helios-gesundheit.de oder T (030) 94 01-55700
Erreichbarkeit Montag-Freitag 8:00-16:00 Uhr
 
Kontakt
Helios Klinikum Berlin-Buch, Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie; HautTumorZentrum
Chefärztin: Dr. med. Kerstin Lommel
Schwanebecker Chaussee 50, Haus 202, 13125 Berlin
T (030) 94 01-55700
hauttumorzentrum-berlin@helios-gesundheit.de
https://www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch/unser-angebot/unsere-fachbereiche/hauttumorzentrum/

 

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.
Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zu Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.

Helios ist Europas führender privater Krankenhausbetreiber mit insgesamt rund 110.000 Mitarbeitern. Zum Unternehmen gehören unter dem Dach der Holding Helios Health die Helios Kliniken in Deutschland sowie Quirónsalud in Spanien. Rund 21 Millionen Patienten entscheiden sich jährlich für eine medizinische Behandlung bei Helios. 2019 erzielte das Unternehmen einen Gesamtumsatz von 9,2 Milliarden Euro.
In Deutschland verfügt Helios über 86 Kliniken, 123 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und sieben Präventionszentren. Jährlich werden in Deutschland rund 5,6 Millionen Patienten behandelt, davon 4,4 Millionen ambulant. Helios beschäftigt in Deutschland fast 69.000 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von rund sechs Milliarden Euro. Helios ist Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.

Quirónsalud betreibt 51 Kliniken, 71 ambulante Gesundheitszentren sowie rund 300 Einrichtungen für betriebliches Gesundheitsmanagement. Jährlich werden hier rund 15,4 Millionen Patienten behandelt, davon 14,6 Millionen ambulant. Quirónsalud beschäftigt rund 37.500 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von über drei Milliarden Euro.

Helios Deutschland und Quirónsalud gehören zum Gesundheitskonzern Fresenius.

 

 

forschen / 07.09.2020
Die Architektur von Synapsen erforschen - Fan Liu erhält 1,5 Millionen Euro Fördermittel vom Europäischen Forschungsrat

Prof. Dr. Fan Liu (Foto: Krzysztof Szafranek)
Prof. Dr. Fan Liu (Foto: Krzysztof Szafranek)

Prof. Dr. Fan Liu vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) erhält einen der begehrten ERC Starting Grants des Europäischen Forschungsrates (ERC). Die Wissenschaftlerin erhält für ihre hochinnovative Forschung zu den Interaktionen und der räumlichen Organisation des synaptischen Proteoms eine Gesamtförderung von bis zu 1,5 Millionen Euro für einen Zeitraum von fünf Jahren.

Die Hirnfunktionen hängen entscheidend von der chemischen Neurotransmission an Synapsen ab, während umgekehrt neurologischen und psychiatrischen Störungen eine synaptische Dysfunktion zugrunde liegt. Synapsen bestehen aus mehr als 2.000 verschiedenen Proteinen, die räumlich in speziellen Proteinkomplexen organisiert sind. Wie sich jedoch diese Tausende von Proteinen selbst anordnen und zu funktionellen makromolekularen Maschinerien zusammensetzen, ist bisher nicht hinreichend verstanden.

Das ausgezeichnete SynLink-Projekt (Revealing the Synapse Architecture and Plasticity by Structural Interactomics) zielt darauf ab, das Gesamtbild der räumlichen Anordnung, der molekularen Architektur und des Interaktionsnetzwerks des synaptischen Proteoms besser zu verstehen. Darüber hinaus zielt der Projektvorschlag aus methodischer Sicht auch darauf ab, innovative Methoden zu etablieren, insbesondere Crosslinking (Vernetzungs)-Massenspektrometrie-basierte Pipelines, die eine systemweite Profilerstellung der Interaktome komplexer biologischer Systeme ermöglichen. „Wir gehen davon aus, dass diese Studien bahnbrechende Einsichten in die molekulare Architektur der Synapse liefern und damit eine entscheidende Wissenslücke in den Neurowissenschaften schließen werden“, sagt Liu.

Prof. Dr. Fan Liu

Prof. Dr. Liu schloss ihr Studium an der Fudan-Universität in Shanghai mit einem B.Sc. in Biologie ab. Danach wechselte sie in das Labor von Prof. Dr. Mike Goshe an der North Carolina State University und promovierte dort 2013 in Biochemie. Liu arbeitete als Postdoc im Labor von Prof. Dr. Albert Heck (Utrecht, Niederlanden). Im Jahr 2017 begann Liu am Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin als Gruppenleiterin für Strukturelle Interaktomik und Leiterin der Forschungsplattform Proteomik. 2020 wird Liu gemeinsam mit der Charité - Universitätsmedizin Berlin zur W2-S-Professorin berufen.

ERC Starting Grants für talentierte junge Forscher

ERC Starting Grants werden an Nachwuchsforscherinnen und -forscher aller Nationalitäten mit zwei bis sieben Jahren Erfahrung seit Abschluss der Promotion (oder eines gleichwertigen Abschlusses) und einer vielversprechenden wissenschaftlichen Karriere vergeben. Die Forschung muss in einer öffentlichen oder privaten Forschungseinrichtung mit Sitz in einem der EU-Mitgliedstaaten oder assoziierten Länder durchgeführt werden. Die Förderung wird bis zu fünf Jahre gewährt.

www.leibniz-fmp.de

leben / 04.09.2020
Aktionswoche "Pankow in Bewegung" - zahlreiche Programmpunkte in Buch

Der neu gestaltete Skaterplatz wurde vor kurzem eröffnet (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)
Der neu gestaltete Skaterplatz wurde vor kurzem eröffnet (Foto: Campus Berlin-Buch GmbH)

Vom 16.-22. September findet die Aktionswoche "Pankow in Bewegung" im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche statt. Eine Woche lang können Menschen jeden Alters an verschiedensten Aktionen rund um die Themen Bewegung, Lebensqualität und Klimaschutz in ganz Pankow teilnehmen. Die Aktionen reichen von lokalen Bewegungsfesten bis zu Einzelaktionen. Eine Übersicht zu allen Pankower Aktionen ist im Programmheft zu finden. Sie können es hier herunterladen.

Auch in Berlin-Buch finden in der Woche "Pankow in Bewegung" jeden Tag zahlreiche Aktionen für Menschen jeden Alters statt.

Die zwei größten Veranstaltungen in Berlin-Buch sind:

  • Interkulturelles Sport-Event, 18.09., 14-18 Uhr, auf dem Panke-Platz
  • Aktionstag für alle Generationen, 22.09., 14-18 Uhr, im Garten des Bucher Bürgerhauses (Bitte anmelden: shz.buch@albatrosggmbh.de, 030 - 9415426)

Neben diesen zwei größeren Veranstaltungen wird es in Berlin-Buch vom 16.-22.09. außerdem noch folgende Aktionen geben (diese sind im angehängten Programmheft in grün und ausführlicher aufgeführt):

  • Mobiles Skateangebot vom Kinderclub "Der Würfel"
  • Lehmbau auf der Moorwiese
  • Achtsamkeitsparcours im Garten des Bucher Bürgerhauses
  • Bewegung im Alter (ab 65 Jahre) im Schlosspark Buch
  • Naturerfahrung im Schlosspark Buch vom Familienzentrum Buch und den naturbegleiter*innen
  • Spielerische Verkehrserziehung vom Familienzentrum Kita Busonistraße
  • Powergymnastik für Frauen vom SV Buch
  • Beachvolleyball und Volleyball vom SJC und SV Buch
  • Kunstaktionen im Waldbegegnungsgarten "Freundlich" und Spaziergänge über die Skulpturenlinie von Steine ohne Grenzen e.V.
  • Einführung in die natürliche Bienenhaltung und Bau von Klotzbeuten auf der Moorwiese
  • Cleanup Walk von Vielfarb Social gGmbH
  • Fahrradtouren vom Selbsthilfe- und Stadtteilzentrum Buch und von Gangway e.V.
  • Abenteuerparcours auf dem Naturerfahrungsraum "Wilde Welt" auf der Moorwiese
  • Mädchenfußball beim SG Blau-Weiß Buch e.V.
  • Klettern im SJC

Es ist wichtig zu überprüfen, zu welchen Aktionen sich aufgrund der derzeit vorherrschenden Corona-Pandemie vorab angemeldet werden muss. Hierzu sind alle Informationen unter dem jeweiligen Angebot im Programmheft zu finden.

Die Aktionswoche "Pankow in Bewegung" wird im Rahmen der kommunalen Gesundheitsförderung organisiert. Ein aktiver Mobilitätsstil erhöht die eigene Fitness und die Lebensqualität in Pankows Stadtteilen. Die Woche ermöglicht es als gebündelte Aktion von Vereinen, Einrichtungen und Initiativen, sich in der Nachbarschaft kennenzulernen, zu vernetzen und gemeinsam gesundheits- und klimaschutzförderlich aktiv zu werden.

Dieser Text wurde uns freundlicherweise von der Albatros gGmbH zur Verfügung gestellt.

forschen / 03.09.2020
Millionenförderung für zukunftsweisende Forschung

Dr. Kathrin de la Rosa in ihrem Labor. Foto: Pablo Castagnola / MDC (links) & Dr. Ilaria Piazza kam erst in diesem Jahr ans MDC (rechts). (Foto: David Ausserhofer/ MDC)
Dr. Kathrin de la Rosa in ihrem Labor. Foto: Pablo Castagnola / MDC (links) & Dr. Ilaria Piazza kam erst in diesem Jahr ans MDC (rechts). (Foto: David Ausserhofer/ MDC)

Zwei MDC-Wissenschaftlerinnen – Kathrin de la Rosa und Ilaria Piazza – werden mit ERC Starting Grants gefördert. Ihre Arbeit könnte eines Tages die Art und Weise verändern, wie wir Impfstoffe entwickeln und wie wir über den Einfluss kleiner Moleküle auf Genexpression und Krankheiten nachdenken.

Dr. Kathrin de la Rosa und Dr. Ilaria Piazza, beide Juniorgruppenleiterinnen am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), erhalten Starting Grants des Europäischen Forschungsrates ERC. Die begehrte Auszeichnung ist mit einer Förderung in Höhe von jeweils etwa 1,5 Millionen Euro über fünf Jahre verbunden. Damit können Nachwuchsforscher*innen eigene Teams aufbauen und „high risk, high reward“-Forschung betreiben. Sie müssen seit ihrer Promotion zwei bis sieben Jahre Erfahrung gesammelt haben und über eine vielversprechende wissenschaftliche Erfolgsbilanz verfügen. In diesem Jahr erhalten 436 europäische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrichtungen ERC Starting Grants.

„Die ERC Starting Grants unterstützen in der Regel Projekte, die in anderen Zusammenhängen vielleicht scheitern würden, weil die Ideen, um es mal einfach auszudrücken, zu verrückt sind“, sagt Piazza, die die Arbeitsgruppe „Allosterische Proteomik“ leitet. De la Rosa, die Leiterin der Arbeitsgruppe „Immunmechanismen und humane Antikörper“ stimmt zu: „So können wir uns an riskantere Hypothesen heranwagen.“

Kleine Interaktionen, große Wirkung?
Piazza untersucht das Zusammenspiel zwischen Proteinen und kleinen Molekülen (small molecules), bei denen es sich entweder um natürliche Metabolite oder um von Menschenhand hergestellte Medikamente handeln kann. „Wir wissen ziemlich viel darüber, wie Proteine miteinander oder mit Nukleinsäuren wie DNA oder RNA interagieren. Aber ihr Zusammenspiel mit Metaboliten oder Medikamenten in großem Maßstab zu ergründen, das ist neu“, sagt Piazza. 

Ihr Ansatz zur Analyse dieser Interaktionen ist innovativ: Sie kombiniert eine Protease – ein Protein, das andere Proteine zerkleinert oder „spaltet“ – mit Massenspektrometrie, also einer Maschine, die verschiedenste Segmente von Proteinen, die Peptide, erkennt und ausliest. Piazza vergleicht die Peptidketten eines Proteins, die einem kleinen Molekül ausgesetzt waren, mit denen, die keinen Kontakt hatten. Wenn sich die Ketten unterscheiden, ist das ein Hinweis: Es deutet darauf hin, dass das Protein anders geschnitten wurde, weil es an das jeweilige kleine Molekül gebunden war.

Die besondere Stärke des Ansatzes liegt darin, dass Piazza so Tausende Proteine gleichzeitig untersuchen kann, um zu sehen, welche von ihnen an ein bestimmtes kleines Molekül binden. Der „verrückte“ Teil ihrer Hypothese: Sie vermutet, dass ein Zusammenspiel von Proteinen und kleinen Molekülen innerhalb des Zellkerns die Genexpression direkt beeinflussen kann. Ihrer Ansicht nach sind diese Interaktionen der Schlüssel, um die Entstehung von Krankheiten zu erklären – denn im Gegensatz zu einer vorbestimmten Genetik spiegeln sie die Einflüsse der Außenwelt wider.

„Warum können Zwillinge, die das gleiche Erbgut teilen, verschiedene Persönlichkeiten haben und andere Krankheiten entwickeln“, fragt Piazza. „Wie wir leben und unsere Umwelt – das beeinflusst, wie die DNA in Proteine übersetzt wird. Und ich glaube, dass das Zusammenspiel von Proteinen und kleinen Molekülen eine enorme Rolle spielt, die noch völlig unerforscht ist.“ 

Vielleicht sei der Effekt am Ende kleiner als sie annimmt. Doch einen ERC Starting Grant zu bekommen, bestärke sie darin, der Idee nachzugehen, sagt Piazza. Dank der Förderung in Höhe von fast 1,7 Millionen Euro für ihr Projekt proteoRAGE kann sie ihr Labor erweitern, das sie seit diesem Jahr am MDC aufbaut. „Ich brauche mutige Menschen, die sich nicht scheuen, über den Tellerrand zu schauen“, sagt sie. 

Der Natur die erfolgreichsten Tricks abschauen
Kathrin de la Rosa, die seit 2018 ihr Immunologie-Labor 2018 am MDC leitet, konnte die Nachricht über die Förderung kaum glauben. „Erst als mir all jene, die mich bei der Bewerbung unterstützt haben, gratuliert haben, habe ich es realisiert und konnte den Erfolg feiern“, sagt sie. Sie bekommt fast 1,5 Millionen Euro für ihr Projekt AutoEngineering.

In dem Projekt will Kathrin de la Rosa körpereigene B-Zellen im Labor genetisch so verändern, dass sie Antikörper produzieren, die noch schlagkräftiger sind als ihre natürlichen Vorbilder. Allerdings wird de la Rosa dafür nicht auf die Gen-Schere CRISPR-Cas9 zurückgreifen. „Wenn diese Schere an der falschen Stelle schneidet, kann das unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen. Die Zellen können sogar zu Krebszellen werden“, sagt sie. Stattdessen will de la Rosa eine natürliche Fähigkeit der B-Zellen nutzen. 

B-Zellen gehören zu den weißen Blutkörperchen. Diese sind in der Lage, hochspezialisierte Antikörper zu bilden, die Eindringlinge im Körper erkennen und binden können. Damit locken sie wieder andere Abwehrzellen an, die den Erreger wie ein Virus, ein Bakterium oder einen Parasiten zerstören. Wenn die B-Zellen dem Erreger begegnen, werden sie aktiviert. Sie teilen sich und ihre DNA-Stränge brechen besonders oft an den Stellen, die die Erbinformation für die Antikörper kodieren. So entstehen nach dem Zufallsprinzip neue Antikörpervarianten, von denen manche noch besser an den Erreger binden können. Während einer Malaria können die Antikörper in seltenen Fällen sogar Segmente eines anderen Gens „stehlen“. Ein ganz neuer Rezeptor wird eingebaut, es bilden sich breit reaktive Antikörper. „Diesen Antikörpern kann ein Erreger viel schwerer entkommen, selbst wenn der Eindringling mutiert und seine Oberfläche verändert“, sagt de la Rosa.  

De la Rosa will diesen natürlichen Prozess des „Segment-Stehlens“, den sie und ihre Kolleg*innen 2016 zum ersten Mal beobachtet haben, Schritt für Schritt aufklären. Sie will die zugrundeliegenden Mechanismen verstehen und sie in der Petrischale nachstellen. „Zuerst müssen wir effiziente Wege finden, wie wir diese zelleigenen Mechanismen nutzen können. Wir möchten testen, ob unser Ansatz sicherer ist als der Einsatz zellfremder Gen-Scheren wie CRISPR-Cas9 und ihn dann anwenden, um schließlich neuartige Antikörper zu erzeugen“, sagt sie. „Stellen Sie sich nur vor, wir könnten der Natur ihre erfolgreichsten Tricks abschauen, um in Zukunft Erreger wie HIV, die unser Immunsystem überfordern, in Schach zu halten!“ Es reizt sie und ihr Team, an etwas zu arbeiten, das eines Tages ein völlig neuer Ansatz für Impfstoffe sein könnte, sagt de la Rosa. „Das wird eine spannende Reise.“

Weiterführende Informationen

ERC Starting Grants 2020: €677 million awarded to unravel scientific mysteries (Pressemitteilung des ERC, engl.)

ERC Starting Grants 2020 – Zahlen und Fakten (engl.) 

Ingenieurin des Abwehrsystems

AG de la Rosa

Wie Metabolite und Proteine sich die Hand geben

AG Piazza

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Benannt wurde es nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück, der 1969 mit dem Nobelpreis für Physiologie und Medizin ausgezeichnet wurde. Das MDC untersucht molekulare Mechanismen, um die Entstehung von Krankheiten zu verstehen und sie so besser und wirksamer diagnostizieren, verhindern und bekämpfen zu können. Dabei arbeitet das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern wie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung e. V. und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen zusammen. Über 1.600 Mitarbeiter und Gäste aus fast 60 Ländern arbeiten am MDC, knapp 1.300 davon in der wissenschaftlichen Forschung. Das MDC wird zu 90 % vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 % vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de  

forschen / 03.09.2020
Die kontinuierliche Evolution von Krebszellen

3D-Struktur einer Melanomzelle, gewonnen durch Ionenabrieb-Rasterelektronenmikroskopie. (Foto: Sriram Subramaniam, National Cancer Institute, National Institutes of Health, Lizenz: CC BY-NC 2.0)
3D-Struktur einer Melanomzelle, gewonnen durch Ionenabrieb-Rasterelektronenmikroskopie. (Foto: Sriram Subramaniam, National Cancer Institute, National Institutes of Health, Lizenz: CC BY-NC 2.0)

Ein neuer Algorithmus zeigt, dass die Zellen eines Tumors fortlaufend ihr Genom umgestalten – eine Evolution im Schnelldurchlauf, die bei zahlreichen Tumorarten vorkommt. Doch welche Veränderungen nützen dem Tumor und tragen zur Metastasierung bei? Sie zu erkennen, könnte zu neuen Therapien beitragen.

In einigen Zellen gewinnt und verliert ein Tumor große Abschnitte von Chromosomen, in anderen Zellen jedoch nicht. Dieser Prozess kann ein Hinweis auf fortlaufende Evolution und die Selektion bevorzugte Merkmale sein. Zu diesem Schluss kommt ein Forschungsteam des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), des Francis Crick Institute und des University College London. Wie die Forschenden in der Fachzeitschrift Nature berichten, fanden sie derartige Hinweise bei 22 Tumorarten, darunter Brust-, Darm- und Lungenkrebs.

„Das Ausmaß der kontinuierlichen strukturellen Evolution in diesen Krebsgenomen ist viel größer, als wir ursprünglich gedacht hatten, und es ist auch größer als es die Community gewöhnlich annimmt“, sagt Dr. Roland Schwarz, Leiter der MDC-Arbeitsgruppe „Evolutionäre und Krebsgenomik“ und einer der Hauptautoren der Studie. 

Begünstigt werden dabei anscheinend solche Varianten, durch die die Krebszellen große Chromosomenabschnitte mit vorteilhaften Genen hinzugewinnen oder öfter kopieren können. Genabschnitte, die den Tumor unterdrücken könnten, gehen dagegen verloren. „Das ist zwar intuitiv einleuchtend, aber es wurde noch nie zuvor nachgewiesen, dass dies kontinuierlich bei so vielen Tumorarten passiert“, sagt Schwarz.

Mutter oder Vater zuerst?
Roland Schwarz und Tom Watkins, Erstautor der Studie und Doktorand am Francis Crick Institute, den Schwarz mitbetreut, haben in den letzten fünf Jahren gemeinsam ein Verfahren entwickelt, das diese umfassenden Mutationen detaillierter beschreiben kann. Die Veränderungen werden als somatische Kopienzahl-Änderungen bezeichnet und können Chromosomenarme oder sogar ganze Chromosomen umfassen. Sie sind also weitaus größer als Punktmutationen in einzelnen Genen. Die Forschenden interessierte insbesondere, ob Veränderungen an der mütterlichen oder väterlichen Kopie eines Chromosoms oder gar an beiden vorliegen und in welcher Reihenfolge sie auftreten.

„Wenn wir das Ausmaß der kontinuierlichen Instabilität der Chromosomen und die daraus resultierende Heterogenität der Kopienzahl verstehen, könnte das zukünftige Therapieansätze beeinflussen“, sagt Watkins.

Mithilfe eines neuen Algorithmus namens „Refphase“ und einer statistischen Analyse gelang es den Forschenden, diese Detailgenauigkeit in den Haplotypen zu erreichen. Gemeinsam mit Kolleg*innen wandten sie dieses Verfahren auf 1.421 Proben aus 394 Tumoren von 22 Tumorarten an. Entscheidend dabei war, dass diese Proben aus mindestens zwei verschiedenen Teilen des Tumors stammten, sodass die Forscher*innen die Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen vergleichen konnten. 

„Solche Datensätze findet man immer noch recht selten. Es war daher für mich sehr spannend, mit der größten Datensammlung unterschiedlichster Krebsarten zu arbeiten, die auch Daten aus verschiedenen Bereichen der Tumoren umfasst“, sagt Marina Petkovic, Co-Autorin der Studie und Doktorandin in Schwarz’ Labor, das Teil des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC ist.

Die Forscher*innen fanden eine große Variabilität chromosomaler Gewinne und Verluste in den Zellen aus verschiedenen Tumorteilen – und zwar bei allen untersuchten Tumorarten.

Ein weit verbreitetes Ungleichgewicht
Das Team stellte auch fest, dass in einem Tumorteil ein Gewinn oder Verlust oft nur auf der mütterlichen Kopie des Chromosoms auftrat, während im anderen Teil des Tumors der Gewinn oder Verlust nur auf der väterlichen Kopie zu finden war. Dieses Phänomen, das Schwarz und seine Kollegen erstmals 2017 in einer Studie beschrieben, wird als gespiegeltes subklonales Allel-Ungleichgewicht („Mirrored Subclonal Allelic Imbalance“ oder MSAI) bezeichnet. „Diese MSAI-Ereignisse finden sich in vielen Tumorarten. Es gibt sie nahezu überall“, sagt Schwarz.

Dieses Ungleichgewicht deutet auf eine getrennte, parallel stattfindende Evolution hin – es legt also Selektion nahe. Ob die gewonnenen oder verlorenen Chromosomen-Abschnitte tatsächlich zur Metastasierung des Tumors beitragen oder nur zufällig auftreten, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Fest steht jedenfalls: Die Forschungsergebnisse zeigen mit großer Beweiskraft, dass sich Krebszellen ihre Genome kontinuierlich und in großem Maßstab umgestalten. Dieser Vorgang wird auch chromosomale Instabilität genannt.

Die Befunde greifen eine laufende Debatte auf dem Gebiet der Krebsgenomik auf. Einige Wissenschaftler*innen argumentieren, dass es zahlreiche evolutionäre Veränderungen gibt, wenn sich der Tumor gerade erst bildet und das Genom später relativ stabil bleibt. Andere wiederum – darunter Schwarz und seine Kolleg*innen – vermuten, dass diese Veränderungen über den gesamten Lebenszyklus eines Krebs hinweg anhalten. „Unser Ansatz erbringt substanzielle Nachweise für eine kontinuierliche chromosomale Instabilität – und zwar so detailliert, wie es bislang nicht möglich war“, sagt Schwarz.

Schwarz und sein Team führen derzeit Beta-Tests ihres Algorithmus für die Veröffentlichung als R-Paket durch. Mit einer solchen Open-Access-Software zur Datenanalyse können auch andere Wissenschaftler*innen in diesem Bereich das Verfahren nutzen.

Weiterführende Informationen
Pressemitteilung auf der MDC-Website lesen

Arbeitsgruppe von Dr. Roland Schwarz

Pressemitteilung: „Im Detail erfasst: Mutierte DNA in Krebszellen“

Literatur
Tom Watkins et al. (2020): „Pervasive Chromosomal Instability and Karyotype Order During Tumour Evolution“, Nature, DOI: 10.1038/s41586-020-2698-6

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Benannt wurde es nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück, der 1969 mit dem Nobelpreis für Physiologie und Medizin ausgezeichnet wurde. Das MDC untersucht molekulare Mechanismen, um die Entstehung von Krankheiten zu verstehen und sie so besser und wirksamer diagnostizieren, verhindern und bekämpfen zu können. Dabei arbeitet das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern wie dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung e. V. und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen zusammen. Über 1.600 Mitarbeiter und Gäste aus fast 60 Ländern arbeiten am MDC, knapp 1.300 davon in der wissenschaftlichen Forschung. Das MDC wird zu 90 % vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 % vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de 

leben, bilden / 03.09.2020
Buch_KulTour zum geplanten Bildungs- und Integrationszentrum

Die kleine Kräuter-Apotheke. (Foto: Katharina Bohm)
Die kleine Kräuter-Apotheke. (Foto: Katharina Bohm)

Bucher Akteure bieten vom 25. September bis 1.Oktober 2020 zahlreiche Veranstaltungen im Rahmen einer Aktionswoche zum geplanten Bildungs- und Integrationszentrum (BIZ Berlin-Buch) an. Das Gläserne Labor wird an allen Tagen mit Mitmach-Experimenten für Kinder in der Stadtbibliothek dabei sein.

Freitag, 25.09.2020, 15:00 Uhr | Stadtteilbibliothek Buch

Herr Bernoulli und der umgeklappte Regen­schirm
Strömung – Wer kennt das nicht, wenn es stürmt und regnet und plötz­lich sich der Regen­schirm umklappt. Die Erklärung für dieses Phänomen hatte der italienische Physiker Bernoulli. Mit kleinen Experimen­ten kommt man diesem Phänomen auf die Spur!

Montag, 28.09.2020, 15:00 Uhr | Stadtteilbibliothek Buch

Nutze die Hebelwirkung, um deinen Rucksack optimal zu packen!
Jeder wendet täglich die Hebelkraft an. Schon alleine, wenn man eine Tür­klinke oder eine Flasche öffnet. Auch auf einer Wippe ist die Hebel­kraft ent­scheidend. Doch bei dem Packen des Rucksacks achten wir nicht auf diese Kraft. Komm vorbei und probiere den Unter­schied aus.

Dienstag, 29.09.2020, 15:00 Uhr | Stadtteilbibliothek Buch

Die kleine Kräuter-Apotheke
Vor der Lesung zu Fontane gibt es eine kleine Kräuter­kunde und Tee­rezepte zum Wohl­fühlen.
Denn Theodor Fontane war gelernter Apotheker. Er arbeitete von 1840 bis 1848 als Apotheker, bevor er als Schrift­steller tätig wurde.

Mittwoch, 30.09.2020, 15:00 Uhr | Stadtteilbibliothek Buch

Töne in Musik verwandeln
Töne in Musik verwandeln, daraus bestand das Leben von Beethoven, aber wie entstehen tiefe und hohe Töne. Was sind Töne? Mithilfe von spannenden Experi­men­ten entdeckst du, was Töne sind sowie wie tiefe und hohe Töne entstehen.

Donnerstag, 01.10.2020, 15:00 Uhr | Stadtteilbibliothek Buch

Geheimnisse der Optik
Schrumpfende Finger oder der Knick im Stift, die verrückten Geheimnisse der Optik. Finde heraus warum Gegen­stände Unter­wasser anders aussehen als in der Luft.

Für alle Angebote des Gläsernen Labors gilt: Für die ganze Familie. Anmeldung unter doreen.tiepke@ba-pankow.berlin.de ist hilfreich, Kurzentschlossene sind aber auch herzlich willkommen.

Das Programm der Bucher Aktionswoche kurz und knapp:

Ausstellungen

    Ausstellung: »Junge Meister«
    Popup-Ausstellung: »Zum Beispiel: Fontane«

Exkursion: Historisches Dorf und Schlosspark Berlin Buch
Tag der offenen Tür in der Stadtteilbibliothek Buch
Spaziergang: Kunst im öffentlichen Raum
Themen-Konzert: »Gestatten, Beethoven«
Film und Gespräch:»Bruderland ist abgebrannt«
Lesung: »Brandenburger Notizen – Fontane-Krüger-Kienzle«
Benefizkonzert für die Orgel der Schlosskirche Buch
Bucher Bürgerforum: Austausch über das neue Bildungs- und Integrationszentrum

Mitmach-Experiment des Gläsernen Labors in der Stadtbibliothek

    Herr Bernoulli und der umgeklappte Regenschirm
    Nutze die Hebelwirkung, um deinen Rucksack optimal zu packen!
    Die kleine Kräuter-Apotheke
    Töne in Musik verwandeln
    Geheimnisse der Optik

Das vollständige Programm und weitere Informationen finden Sie hier: https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/aemter/amt-fuer-weiterbildung-und-kultur/buch_kultour-967201.php

leben / 03.09.2020
“Pankow in Bewegung”

Unter dem Titel „Pankow in Bewegung“ findet anlässlich der Europäischen Mobilitätswoche vom 16. - 22. September 2020 eine Veranstaltungsreihe mit umfangreichem Aktionsprogramm statt. Im Rahmen der kommunalen Gesundheitsförderung werden eine Woche lang lokale Bewegungsfeste und bewegte Aktionen im Freien organisiert. Ein aktiver Mobilitätsstil erhöht die eigene Fitness und die Lebensqualität in Pankows Stadtteilen.

Pankow in Bewegung ermöglicht als gebündelte Aktion von Vereinen, Einrichtungen und Initiativen, sich in der Nachbarschaft kennenzulernen, zu vernetzen und gemeinsam gesundheits- und klimaschutzförderlich aktiv zu werden. Das umfangreiche Programm für eine bewegte Woche ist fertig und es wird herzlich eingeladen. Alle weiteren Informationen im Internet unter www.berlin.de/pankow bei Aktuelle Hinweise.

forschen, heilen / 03.09.2020
Dem Ursprung und Wirken zirkulärer DNA auf der Spur

Anton G. Henssen © Linda Ambrosius
Anton G. Henssen © Linda Ambrosius

Wie entsteht Krebs und wie schreitet er voran? Dr. Anton Henssen vom Experimental and Clinical Research Center (ECRC) will mehr über zirkuläre DNA herausfinden, um deren krebszellenspezifische Merkmale für Therapie, Diagnose oder klinische Prognosen zu nutzen. Dafür bekommt er nun einen ERC Starting Grant.

Die Rolle extrachromosomalen Erbmaterials bei der Krebsentstehung rückt zunehmend in den Fokus der Forschung. Offenbar besitzen Krebszellen entsprechend neuesten Untersuchungen die Fähigkeit, kleine Erbgutringe außerhalb der Chromosomen – die sogenannte zirkuläre DNA – selbst zu erzeugen und in das bestehende Erbgut wieder einzugliedern. Wird die ursprüngliche Abfolge der DNA dabei durcheinandergebracht, kann das Zellwachstum außer Kontrolle geraten und Krebs entstehen.

„Wir konnten bereits zeigen, dass diese Phänomene bei primären Neuroblastomen, einem vorrangig im Kindesalter auftretenden Tumor, häufiger zu beobachten sind als zunächst angenommen“, bestätigt Dr. Anton Henssen, Wissenschaftler am Experimental and Clinical Research Center (ECRC ), einer gemeinsamen Einrichtung der Charité – Universitätsmedizin Berlin und des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), der auch als Arzt an der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie der Charité tätig ist. „Die Beobachtung ist ein Hinweis dafür, dass DNA-Zirkularisierung eine wichtige Triebkraft für die Umgestaltung der Krebs-DNA darstellt.“

Das Vorhaben CancerCirculome

Mit dem Start von CancerCirculome wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um den Kinderonkologen und Leiter einer Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe die zugrundeliegenden Prinzipien der Veränderungen in der Krebs-DNA bei kindlichen Tumoren aufdecken. In den kommenden fünf Jahren werden die Mechanismen und Folgen der DNA-Zirkularisierung und Re-Integration von Erbgutteilen in Chromosomen im Zentrum der Arbeiten stehen. „Wie es zur Erzeugung und Vermehrung der zirkulären DNA kommt, ist im Detail noch nicht bekannt. Dem Ursprung der kleinen Ringe wollen wir näherkommen, indem wir die Sequenzinhalte dieser Erbgutteile genau rekonstruieren“, erklärt Henssen. „Dazu werden wir auf Einzelzellebene molekulare Faktoren bestimmen, die dazu führen, dass zirkuläre DNA überhaupt entstehen kann und vervielfältigt wird.“

Das Team hofft, auf komplett neue Mechanismen zu treffen, die dafür verantwortlich sind, dass Zellen die Kontrolle über ihr Wachstum verlieren. „Diese Mechanismen könnten Angriffspunkt für neue Therapie- und Diagnoseansätze sein – nicht nur für Tumorerkrankungen bei Kindern, sondern als Grundprinzip für Krebserkrankungen insgesamt“, sagt Henssen, der auch BIH Charité Clinician Scientist und Wissenschaftler des Deutschen Krebskonsortium (DKTK) ist. Auf Einzelzell-CRISPR basierende Methoden, ein gezieltes Verändern und Stören zirkulärer DNAs, sollen ermöglichen, die biologischen Auswirkungen der DNA-Zirkularisierung und Re-Integration aufzuzeigen. Die Forscherinnen und Forscher planen, zirkuläre DNAs in menschlichen Zellen gezielt genetisch zu manipulieren, um ihren funktionellen Einfluss auf die Fitness von Krebszellen zu bewerten. Außerdem soll ihr Verhalten, das Vorhandensein und ihre chromosomale Integration während der Krebstherapie auf Einzelzellebene verfolgt werden. Ziel ist es, die krebsauslösenden Funktionen der ringförmigen Erbgutteile aufzudecken und zu ermitteln, was genau zur Re-Integration zirkulärer DNA in Chromosomen führt.

Dieses Wissen soll anschließend klinisch nutzbar gemacht werden: „Anhand der aufgedeckten Prinzipien wollen wir neue diagnostische und vorhersagende Marker definieren, die der personalisierten Diagnose, Risikoabschätzung und Behandlung von Tumoren dienen können“, schließt Henssen. Langfristiges Ziel ist es, das Verständnis über Tumoren nachhaltig zu beeinflussen und klinische Studien mit personalisierten Behandlungen für Kinder mit schwer zu behandelnden Krebsarten zu unterstützen.

Weiterführende Informationen

AG Henssen
Genomische Instabilität in pädiatrischen Tumoren
Pressemitteilung  der Charité
Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie
AG Henssen an der Charité
Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe unter Leitung PD Dr. Henssen
Wie DNA Ringe Krebs bei Kindern verursachen

leben, bilden / 01.09.2020
Mosse-Tage Berlin vom 8. - 23. September 2020

Ausstellungseröffnung am 8. September und vier Vorträge

Der Verleger Rudolf Mosse und seine Familie gehörten einst zu den großen Berliner Mäzenen. Ihr politisches und publizistisches Engagement prägte die Stadt, bis die Nationalsozialisten den Verlag arisierten und die Familie vertrieben, Rudolf Mosse geriet nach dem Krieg in Vergessenheit. Die Gruppe "Mosse erinnern!“ möchte Rudolf Mosse wieder ins öffentliche Bewusstsein rufen. Zu den Mosse-Tagen vom 8. - 23. September 2020 wird es eine Ausstellung und ein Rahmenprogramm geben.

Die Ausstellungseröffnung "100 Jahre Rudolf-Mosse-Straße" findet am Dienstag, dem 8. September 2020 um 18.00 Uhr im Beisein des Bezirksbürgermeisters Sören Benn im Cantianstadion statt (Nähe Eingang Eberswalder Str., entlang des ehemaligen Straßenverlaufs).

Rudolf Mosse spendete 1913 der Stadt Berlin den hohen Betrag von 1,7 Millionen Mark für verschiedenste Zwecke. Der Berliner Magistrat kündigte in seinem Dankesschreiben die Benennung einer Straße nach Rudolf Mosse an und wählte dafür später die Erschließungsstraße zwischen Eberswalder und Sonnenburger Straße. Am 31. Mai 1920 erhielt die Straße ihren neuen Namen, Rudolf Mosse starb kurz darauf am 8. September 1920. Die Nationalsozialisten tilgten 1935 viele jüdisch konnotierte Straßennamen aus dem Berliner Stadtbild, darunter auch die Rudolf-Mosse-Straße in Prenzlauer Berg. Nach dem Krieg wurde die Straße mit Stadion und Tennisplätzen überbaut. Heute wird im Sportpark an Friedrich Ludwig Jahn und Max Schmeling erinnert, nicht aber an den großzügigen jüdischen Mäzen. Um das zu ändern, treffen sich seit 2017 Anwohner, Fußballfans, Sportler und Lokalhistoriker in der Gruppe „Mosse erinnern!“.

Ab dem 8. September 2020, dem 100. Todestag Rudolf Mosses, soll mit den Mosse-Tagen an den Verleger erinnert werden. Am 8. September wird um 18.00 Uhr die Ausstellung "100 Jahre Rudolf-Mosse-Straße" auf elf Litfaßsäulen eröffnet, die den ehemaligen Verlauf der Rudolf-Mosse-Straße markieren. Die Ausstellung, die das Leben Rudolf Mosses nachzeichnet, die wichtigsten Projekte seines Mäzenatentums und die Geschichte des Geländes aufzeigt, wird bis zum 23. September 2020 zu
sehen sein. Das Begleitprogramm zur Ausstellung findet in den Räumen des Fanprojekts Cantianstraße 25 statt.

Mosse-Tage Berlin vom 8. bis 23. September 2020

Ausstellungseröffnung "100 Jahre Rudolf-Mosse-Straße"
Di., 8. September 2020, 18.00 Uhr
Cantianstadion Nähe Eingang Eberswalder Str., entlang des ehem. Straßenverlaufs

Im Begleitprogramm zur Ausstellung wird es vier Vorträge geben:
• 10.9.2020, 19.00 Uhr: Beate Boehnisch und Bernt Roder, (beide vom Museum Pankow) über Rudolf Mosse und jüdisches Leben im Prenzlauer Berg
• 15.9.2020: Christian Wolter, Sporthistoriker, über Arbeiterfußball in Berlin und auf dem Exer
• 17.9.2020: Dr. Meike Hoffmann vom Projekt MARI über Rudolf Mosse als Sammler und Mäzen
• 21.9.2020: Dr. René Wiese vom Zentrum deutsche Sportgeschichte über den Jahn-Sportpark als sportpolitischen Ort in der DDR

Weitere Informationen:
www.mossestrasse.de

Kontakt zur Gruppe "Mosse erinnern!"
Holger Siemann, Mail post@mossestrasse.de

 

leben / 01.09.2020
Aufruf zur Einreichung von Projektvorschlägen

Anträge für Programm Lokales Soziales Kapital 2020 bis 8. Oktober 2020
 
Vorschläge für das Programm Lokales Soziales Kapital (LSK) können bis zum 8. Oktober 2020 bei der bezirklichen Geschäftsstelle des Bündnisses für Wirtschaft und Arbeit (BBWA) eingereicht werden. Ziel ist die Förderung von Mikroprojekten, die auf lokaler Ebene für benachteiligte Personengruppen neue Beschäftigungschancen eröffnen und den sozialen Zusammenhalt stärken. Sie sind Teil der Aktionspläne der BBWA und müssen sich einem bezirklichen Handlungsfeld zuordnen lassen. Die Förderung wird aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und dem Land Berlin zur Verfügung gestellt und in Kooperation mit den Bezirklichen Bündnissen für Wirtschaft und Arbeit umgesetzt. Beratung bei der Antragstellung bietet die Geschäftsstelle BBWA Pankow, Dr. Ute Waschkowitz, E-Mail: ute.waschkowitz@ba-pankow.berlin.de, Tel.: 030 90295-2633.

Informationsveranstaltungen zum Programm LSK finden am Montag, dem 7. September 2020, 15 - 17 Uhr und am Donnerstag, dem 10. September 2020, 10 - 12 Uhr, bei der zgs consult GmbH, Kronenstraße 6, 10117 Berlin, statt. Eine online-Anmeldung ist erforderlich.

Die Veranstaltungen werden unter Einhaltung der Infektionsschutzverordnung durchgeführt. Anmeldung, Informationen und die Ausschreibungsunterlagen im Internet unter https://www.bbwa-berlin.de/foerderprogramme/lokales-soziales-kapital-lsk.html.

forschen, bilden / 31.08.2020
Labor trifft Lehrer - jetzt digital

Abb.: MDC
Abb.: MDC

Ist es möglich, Organe in der Petrischale zu züchten? Wie funktioniert die Genschere CRISPR? Was geschieht bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 auf Zellebene? In unserem neuen Online-Fortbildungsformat Labor trifft Lehrer – digital! können Lehrkräfte aktuellen Forschungsfragen auf den Grund gehen.

Die Fortbildungsreihe Labor trifft Lehrer bietet Lehrkräften einen unmittelbaren Einblick in unsere aktuelle Forschung am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) – und das schon seit acht Jahren. „Nun haben wir mit Labor trifft Lehrer – digital! ein Online-Format entwickelt, das im September startet“, sagt Projektleiterin Dr. Luiza Bengtsson aus der Kommunikationsabteilung. Die biomedizinischen Fortbildungen richten sich an Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen, die naturwissenschaftliche Fächer wie Biologie, Chemie oder Physik unterrichten. Interessierte Lehrkräfte anderer Fachbereiche sind ebenfalls willkommen. Denn die Fortbildungsthemen sind ebenso vielfältig und multidisziplinär wie die Forschung am MDC selbst.

In insgesamt acht Online-Veranstaltungen berichten Forschende aus erster Hand, an welchen Fragen sie gerade arbeiten, wo die Herausforderungen und möglichen Anwendungsfelder ihrer Forschung liegen. Ob es dabei darum geht, mit bioinformatischen Methoden den Verlauf einer Krebserkrankung zu rekonstruieren, die vielen Unbekannten des Mikrobioms zu erkunden oder den Stand der Stammzellforschung mit ihren ethischen Fragen zu diskutieren – die Themen sind immer spannend und hochaktuell. So geht es etwa in der Fortbildung zu molekularen Maschinen darum, wie Struktur und Funktion von Proteinen zusammenhängen, und wie man ihre Geheimnisse mit Hilfe der Röntgenstrukturanalyse entschlüsseln kann. In einem Kurs zur SARS-CoV-2-Forschung erfahren die Teilnehmenden, was bei einer Infektion mit dem Virus auf Zellebene geschieht und welche unterschiedlichen Krankheitsverläufe sich daraus ergeben.

Die neunzigminütigen Online-Veranstaltungen finden über den Konferenzdienst im Deutschen Forschungsnetzwerk (DFNconf) statt. Im ersten Teil verfolgen die Lehrkräfte einen Live-Vortrag zum jeweiligen Forschungsthema. Im Anschluss gibt es viel Zeit, um Fragen zu stellen, zu diskutieren und sich auszutauschen. „Aus unserer Fortbildungserfahrung heraus wissen wir: Lehrkräfte sind wirklich sehr gut darin, Fragen zu stellen“, sagt Bengtsson. „Aber genauso soll es auch sein – nur wenn wir Forschung wirklich verständlich machen, kann auch die Begeisterung anstecken. Wir freuen uns auf viele wissbegierige Teilnehmerinnen und Teilnehmer!“

Text: Nicole Silbermann

Weiterführende Informationen

    Das aktuelle Fortbildungsprogramm
    Hier anmelden
    Mehr über Labor trifft Lehrer

www.mdc-berlin.de

forschen, investieren, produzieren / 27.08.2020
Erster Spatenstich für den BerlinBioCube

(v.l.) Projektleiter Uli Hölken, CBB, Dr. Ulrich Scheller und Dr. Christina Quensel, Geschäftsführende der CBB, Carsten Böll, Bauüberwachung für die GSE Ingenieur-Gesellschaft mbH, beim Spatenstich für das neue Gründerzentrum(Foto: Peter Himsel/CBB)
(v.l.) Projektleiter Uli Hölken, CBB, Dr. Ulrich Scheller und Dr. Christina Quensel, Geschäftsführende der CBB, Carsten Böll, Bauüberwachung für die GSE Ingenieur-Gesellschaft mbH, beim Spatenstich für das neue Gründerzentrum(Foto: Peter Himsel/CBB)

Auf dem großen Baufeld im BiotechPark Berlin-Buch drehen sich bald die Kräne für den BerlinBioCube. Das neue Gründerzentrum wird auf fünf Geschossen rund 8.000 Quadratmeter für moderne Labore, Büros und Gemeinschaftsflächen bieten. Gemeinsam mit den Firmen des BiotechParks erfolgte am 27. August 2020 der erste Spatenstich – im Rahmen des jährlichen Firmenfestes. Mit dem zukunftsweisenden Projekt können bis zu 400 neue Arbeitsplätze auf dem biomedizinischen Campus entstehen, der zu den führenden Wissenschafts- und Technologiestandorten in Deutschland gehört.

„Die gewachsene Verbindung von Wissenschaft und Wirtschaft ermöglicht erfolgreiche Ausgründungen vor Ort und macht den Campus für Start-ups attraktiv. Junge Unternehmen wie T-knife zeigen, wie wichtig es ist, in diesem Umfeld Platz für neues Wachstum zu schaffen. Das Spin-off des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin entwickelt neue Krebstherapien mit Hilfe modifizierter T-Zellen des Immunsystems und konnte dafür kürzlich die bedeutende Summe von 66 Millionen Euro Wagniskapital einwerben“, so Dr. Christina Quensel, Geschäftsführerin der Campus Berlin-Buch GmbH. „Zum internen Bedarf kommt eine große Nachfrage von externen Firmen und Start-ups aus den Bereichen Medizinische Biotechnologie, Medizintechnik und angrenzenden Gebieten, sodass wir sehr froh über diese Entwicklungsmöglichkeit sind.“

Im September beginnen die Tiefbauarbeiten für das neue Gebäude, das vom Architekturbüro doranth post architekten entworfen wurde. „Wir realisieren mit dem BerlinBioCube einen wichtigen Meilenstein – die vierte Baustufe zur Erweiterung des BiotechParks. Der Neubau ist mit einer Investition von 55 Millionen Euro verbunden und wird durch Fördermittel aus der Gemeinschaftsaufgabe ‚Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur‘ (GRW) ermöglicht“, erklärte Dr. Quensel.

Das neue Gründerzentrum komplettiert den BiotechPark. Für den weiteren Ausbau sind Flächen in Campusnähe vorgesehen, die im Rahmenplan für Buch Süd festgelegt wurden.

www.berlinbiocube.de

forschen / 27.08.2020
Gefangen von Enzymen

Die langsam fahrenden Schiffe auf offener See sollen die eingeschränkte cAMP-Dynamik veranschaulichen. Die Strudel stehen für cAMP-Nanodomänen um PDEs herum. (Bild: Charlotte Konrad, MDC)
Die langsam fahrenden Schiffe auf offener See sollen die eingeschränkte cAMP-Dynamik veranschaulichen. Die Strudel stehen für cAMP-Nanodomänen um PDEs herum. (Bild: Charlotte Konrad, MDC)

Ein Team am MDC hat eine rund vierzig Jahre alte Forschungsfrage gelöst. Im Fachblatt „Cell“ erläutert die Gruppe, wie es Zellen gelingt, mit nur einem Botenstoff, dem Molekül cAMP, ganz unterschiedliche Signalwege anzuschalten: Er wird dazu in nanometergroßen Räumen quasi inhaftiert.

Auf der Oberfläche jeder Zelle des menschlichen Körpers sitzen bis zu hundert verschiedene Antennen: Rezeptoren, mit denen die Zelle Signale von außen empfängt und diese dann in ihr Inneres weiterleitet. Solche Signale können zum Beispiel in Form von Sinneswahrnehmungen, Neurotransmittern wie Dopamin oder Hormonen wie Insulin bei der Zelle eintreffen.

Einer der wichtigsten Botenstoffe, mit denen die Zelle solche Reize in ihrem Inneren weiterleitet und dann entsprechende Signalwege anschaltet, ist ein kleines Molekül namens cAMP. Es wurde in den 1950er-Jahren entdeckt. Bislang ging man aufgrund experimenteller Beobachtungen davon aus, dass cAMP in der Zelle frei diffundiert, seine Konzentration also überall in der Zelle annähernd gleich ist – und ein Signal deswegen eigentlich die gesamte Zelle erfassen müsste.

„Seit Anfang der 1980-er Jahre wusste man allerdings, dass zum Beispiel zwei verschiedene Rezeptoren von Herzzellen beim Empfang eines äußeren Signals exakt die gleichen Mengen cAMP freisetzen, dies aber in der Zelle zu ganz unterschiedlichen Effekten führt“, berichtet Dr. Andreas Bock. Gemeinsam mit Dr. Paolo Annibale leitet er kommissarisch die Arbeitsgruppe „Signalprozesse von Rezeptoren“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in Berlin.

Wie Löcher in einem Schweizer Käse

Diesen scheinbaren Widerspruch, der die Wissenschaft seit nunmehr fast vierzig Jahren beschäftigt, haben Bock und Annibale, die beiden Erstautoren der Studie, aufgelöst. Wie das Team im Fachblatt „Cell“ berichtet, kann sich das meiste cAMP entgegen früherer Annahmen nicht frei in der Zelle bewegen, sondern ist an Proteine gebunden, vor allem an Proteinkinasen. Neben den drei Wissenschaftlern waren an der Arbeit auch Professor Martin Falcke vom MDC und weitere Forschende aus Berlin, Würzburg und Minneapolis beteiligt.

„Durch die Bindung an die Proteine ist die Konzentration an freiem cAMP in der Zelle sehr niedrig“, sagt Professor Martin Lohse, früherer Arbeitsgruppenleiter am MDC und Letztautor der Studie. „Dadurch haben die eher langsamen cAMP-abbauenden Enzyme, die Phosphodiesterasen (PDE), genügend Zeit, um nanometergroße Kompartimente um sich herum zu bilden, die nahezu frei von cAMP sind.“ In diesen winzigen Räumen werde der Botenstoff jeweils separat reguliert. „Das ermöglicht es Zellen, in sehr vielen solcher Räume jeweils unterschiedliche Rezeptorsignale gleichzeitig zu verarbeiten“, erläutert Lohse. Zeigen konnten das die Forscher unter anderem am Beispiel der cAMP-abhängigen Proteinkinase A, für deren Aktivierung in verschiedenen Kompartimenten unterschiedliche cAMP-Mengen erforderlich waren.

„Man kann sich diese leergeräumten Kompartimente wie die Löcher eines Schweizer Käses vorstellen – oder auch wie winzige Gefängnisse, in denen die eigentlich eher langsam arbeitende PDE darüber wacht, dass das viel schnellere cAMP nicht ausbricht und unbeabsichtigte Effekte in der Zelle erzielt“, erklärt Annibale. „Ist der Täter erst eingesperrt, muss die Polizei nicht mehr rennen.“

Mit nanometergroßen Linealen

Erkannt hat das Team die Bewegungen des Botenstoffes in der Zelle mit fluoreszierenden cAMP-Molekülen und speziellen Methoden der Fluoreszenzspektroskopie, unter anderem Fluktuationsspektroskopie und Anisotropie, die Annibale für die Studie weiterentwickelt hat. Sogenannte Nanoruler haben der Gruppe dabei geholfen, die Größe der Löcher, in denen das cAMP jeweils spezifische Signalwege anschaltet, zu vermessen. „Dabei handelt es sich um ausgestreckte Proteine, die wir wie ein winziges Lineal benutzen konnten“, erklärt Bock, der die Nanoruler erfunden hat.

Die Messungen des Teams haben ergeben, dass die meisten Kompartimente tatsächlich kleiner als zehn Nanometer – also zehn millionstel Millimeter – sind. Auf diese Weise gewinnt die Zelle Tausende voneinander getrennter Räume, in denen sie cAMP separat reguliert und dadurch vor unbeabsichtigten Effekten des Botenstoffes geschützt ist. „Wir konnten zeigen, dass ein bestimmter Signalweg in einem nahezu cAMP-freien Loch zunächst unterbrochen war“, berichtet Annibale. „Doch wenn wir die PDE, die diese Löcher schafft, gehemmt haben, lief der Signalweg weiter.“

Kein Schalter, sondern ein Chip

„Die Zelle agiert folglich nicht wie ein einzelner An/Aus-Schalter, sondern eher wie ein ganzer Chip, der Tausende solcher Schalter enthält“, fasst Martin Lohse die Erkenntnisse der Arbeit zusammen. „Es war ein Fehler in der Vergangenheit, dass bei solchen Experimenten mit viel zu hohen cAMP-Konzentrationen gearbeitet wurde – sodass tatsächlich große Mengen des Botenstoffes in der Zelle frei diffundierten, weil alle Bindungsplätze belegt waren.“

Als nächstes wollen die Forschenden nun die Architektur der cAMP-Gefängnisse weiter untersuchen und herausfinden, welche PDE jeweils welche Signalproteine schützen. Künftig könnte auch die medizinische Forschung von ihren Erkenntnissen profitieren. „Viele Medikamente verändern Signalwege innerhalb der Zelle“, sagt Lohse. „Durch die von uns entdeckte Kompartimentierung der Zelle wissen wir nun, dass es sehr, sehr viele mögliche Angriffspunkte gibt, nach denen man jetzt suchen kann.“

„Eine zeitgleich mit unserer Publikation veröffentlichte Studie in ‚Cell’ aus San Diego zeigt zudem, dass Zellen zu wuchern beginnen, wenn ihre einzelnen Signalwege nicht mehr räumlich voneinander getrennt reguliert werden“, ergänzt Bock. Darüber hinaus wisse man, dass beispielsweise bei Herzinsuffizienz die Verteilung der cAMP-Konzentration in den Herzzellen verändert sei. Somit liefere ihre Arbeit sowohl der Krebs- als auch der Herz-Kreislauf-Forschung neue Grundlagen.

 

Weiterführende Informationen

Pressemitteilung auf der MDC-Website lesen

AG Signalprozesse von Rezeptoren

Zuschlag für neue Forschungsprojekte


Literatur

Bock, Andreas & Annibale, Paolo et al. (2020): "Optical mapping of cAMP signaling at the nanometer scale"; Cell, DOI: 10.1016/j.cell.2020.07.035

www.mdc-berlin.de

forschen / 25.08.2020
Eckert & Ziegler: Gallium-68-Generator erhält Zulassung für Kanada

Die Eckert & Ziegler Radiopharma GmbH hat von der kanadischen Gesundheitsbehörde Health Canada die Marktzulassung für ihren pharmazeutischen 68Ge/68Ga-Generator GalliaPharm® erhalten.

 

„Wir freuen uns, GalliaPharm® nun in Kanada anbieten zu können. Mittlerweile sind die Generatoren von Eckert & Ziegler in immer mehr Ländern erhältlich. Wenn sich in den kommenden Jahren Gallium-basierte Diagnosen auf breiter Front durchsetzen, sind wir als Lieferant dafür bestens gerüstet“, erklärt Dr. Lutz Helmke, Vorstandsmitglied der Eckert & Ziegler AG und verantwortlich für das Segment Medical. „Da es weltweit momentan viele klinische Studien mit sogenannten Theranostika gibt, erwarten wir eine steigende Nachfrage sowohl nach dem diagnostischen Radioisotop Gallium-68 als auch dem therapeutischen Radioisotop Lutetium-177.“

GalliaPharm® wird bereits erfolgreich für die Diagnose von neuroendokrinen Tumoren und demnächst auch für Prostatakrebs (Ga-68-PSMA) verwendet.

Galliumgeneratoren bieten eine preiswerte Alternative zur radioaktiven Markierung von Biomolekülen mit Gallium-68 im Rahmen der PET, einer bildgebenden Untersuchungsmethode, mit denen die An- oder Abwesenheit von krankem Gewebe nachgewiesen wird. Das Verfahren kommt vor allem bei der Diagnostik von Krebs, Herzinfarkten oder neurologischen Erkrankungen zum Einsatz. Bisher werden zur Markierung der Biomoleküle meist die Radioisotope Fluor-18 oder Kohlenstoff-11 benutzt. Hierfür sind Millioneninvestitionen für Großgeräte (Zyklotrone) erforderlich. Der 68Ge/68Ga-Generator dagegen hat in etwa die Größe einer Thermoskanne und kann wesentlich preiswerter bezogen werden, was in den nuklearmedizinischen Kliniken und Praxen Kosten senkt und Flexibilität erhöht.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 800 Mitarbeitern zu den weltweit größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Strahlentherapie und Nuklearmedizin. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.

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leben / 24.08.2020
Feierliche Wiedereröffnung des Anton-Saefkow-Parks am 26. August mit buntem Programm

Nach knapp drei Jahren Bauzeit wurde der neu gestaltete Anton-Saefkow-Park fertiggestellt und wird nun am Mittwoch, dem 26. August 2020 mit einem bunten Programm ab 15.30 Uhr feierlich eröffnet. Die Eröffnung findet auf der Anhöhe an der neu angelegten Parkour-Anlage statt. Der Zugang erfolgt entweder über den Parkeingang Kniprodestraße (barrierefrei) oder über die Anton-Saefkow-Str. auf Höhe der Hausummer 66 (Treppe).

„Berlin wächst - und damit steigt auch der Bedarf an Grün- und Freizeitflächen. Durch eine grundlegende Erneuerung des Anton-Saefkow-Parks wird im Quartier zwischen Kniprode- und Greifswalder Straße ein deutlich attraktiveres Erholungsangebot geschaffen. Barrieren wurden abgebaut, Wege verbreitert und die Attraktivität insgesamt erhöht. Ich bin überzeugt, auch die neuen Sport- und Spielangebote für alle Altersgruppen werden dazu beitragen, dass die Berlinerinnen und Berliner diese von ihnen mitgestaltete Erholungsfläche schnell annehmen werden.“, erklärt Hendrik Hübscher, Referatsleiter des Referats Soziale Stadt, Stadtumbau und Zukunftsinitiative Stadtteil bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen.
 
Vollrad Kuhn, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste ergänzt: „Ich freue mich außerordentlich, dass wir nun diese wichtige Parkanlage umfangreich erneuern und verbessern konnten. Die dafür insgesamt eingesetzten fast 4 Mio. Euro sind gut angelegt, weil wir die im Beteiligungsprozess eingebrachten Wünsche der Anwohner*innen damit weitgehend berücksichtigen und sogar zusätzliche Maßnahmen umsetzen konnten. Zu nennen wäre hier die durch unsere Initiative eingerichtete neue Hundewiese, die dazu beitragen wird, die bisher vorhandenen Konflikte bei der Parknutzung zu verringern. Aber auch die neuen Sport- und Fitnessmöglichkeiten und natürlich die neu angepflanzten Obstbäume im Sinne einer „essbaren Stadt“ möchte ich hervorheben. Ich wünsche mir, dass uns der Park durch nachbarschaftliches Engagement und gegenseitige Rücksichtnahme lange so schön erhalten bleibt und die leider immer mal wieder auftretenden mutwilligen Schäden und Schmierereien damit verhindert werden.“
 
Bereits um 15.00 Uhr startet am 26. August der Einlass, um 15.30 Uhr beginnt das Programm mit Grußworten von Hendrik Hübscher sowie von Andreas Johnke, Amtsleiter des Straßen- und Grünflächenamtes im Bezirksamt Pankow. Die symbolische Neueröffnung des Parks erfolgt durch Enthüllung der neu angelegten Parkour-Anlage. Ein Team von ParkourONE wird dabei eine moderierte Show präsentieren.
Zwischen 16.15 und 18.00 Uhr gibt es weitere Angebote vor Ort:
 
Am Info-Point erhalten interessierte Bürgerinnen und Bürger Informationen zum Thema Stadtumbau/Nachhaltige Erneuerung. Zwei bis drei 20-minütige Einführungsworkshops durch ParkourONE finden an der Parkouranlage statt (Bei den Workshops können jeweils acht angemeldete Interessierte dabei sein. Die Anmeldung erfolgt am Stand von ParkourONE mit Aufnahme von Name und Kontaktdaten).
 
Auf zwei Rundgängen mit dem Straßen- und Grünflächenamt sowie dem Landschaftsarchitekten Henningsen können Fragen zur Durchführung der Arbeiten und der geschaffenen Angebote gestellt werden. (An den Rundgängen können jeweils max. zehn Personen teilnehmen. Die Anmeldung erfolgt am Veranstalter Info-Point für Rundgänge um 16.15 Uhr und 17.15 Uhr).
 
Am Informationsstand des Umweltbüro Pankow findet eine Bürgerberatung zu Umwelt- und Naturschutz statt. Dort besteht außerdem die Möglichkeit zum Experimentieren mit Solarmodellen, zum Malen mit Naturfarben sowie zum Gestalten von Sandbildern. Auch zwei Rundgänge zur Vogelbeobachtung mit Ferngläsern für jeweils max. acht Personen werden angeboten (Anmeldung am Stand des Umweltbüros).
 
Für das leibliche Wohl sorgt ein Coffee-Bike mit Getränken. Zudem ist das Spielmobil Pankow mit einem Kleinbus und einer Fülle von Spielgeräten und Materialien vor Ort.

Im Rahmen vertiefender Untersuchungen zum Quartier Grüne Stadt wurde der Anton-Saefkow-Park 2015 als Maßnahmenschwerpunkt identifiziert. 2016 wurde ein Entwicklungskonzept inklusive der Beteiligung von Bürger*innen erarbeitet und 2017 mit der Erneuerung und Neugestaltung der Grünanlage begonnen. Im ersten Bauabschnitt wurden die Parkeingänge an der Anton-Saefkow-Straße attraktiver und barrierearm gestaltet. Wege, Treppenanlagen und Mauern wurden erneuert, Bäume und Gehölze ausgelichtet, Bänke und Fahrradbügel ergänzt sowie der Parkbereich an der Greifswalder Straße mit der Brunnenanlage "Knabe mit Fisch“ saniert. Bis zum Frühjahr 2020 folgten dann Erneuerungs- und Neugestaltungsmaßnahmen im Inneren des Parks (Wege, Obst- und Picknickwiese, Spielplatz, wegebegleitende Fitnessgeräte). Insbesondere der große Spielplatzbereich auf der Anhöhe wurde mit attraktiven Angeboten für die Nachbarschaft, wie beispielsweise einer Parkour-Anlage, zusätzlichen Tischtennisplatten und Picknicktischen neugestaltet. Insgesamt wurden hierfür 2,5 Mio. Euro aus dem Förderprogramm Stadtumbau investiert. Zur nachhaltigen Bewirtschaftung wurde ein Pflege- und Entwicklungskonzept erarbeitet.
Der ca. sieben Hektar große Anton-Saefkow-Park zählt zu den ersten neu geschaffenen Grünanlagen in Ost-Berlin und wurde in den 1950er Jahren auf einem Trümmerberg errichtet. Der Volkspark ist nach dem deutschen Kommunisten und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Anton Saefkow benannt.

heilen / 24.08.2020
Regenbogenfahrt 2020

Priv.-Doz. Dr. med. Patrick Hundsdörfer ließ sich nicht nehmen, mit den Regenbogenfahrern ein paar Runden zu drehen. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Priv.-Doz. Dr. med. Patrick Hundsdörfer ließ sich nicht nehmen, mit den Regenbogenfahrern ein paar Runden zu drehen. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Die Mutmach-Tour der deutschen Kinderkrebsstiftung macht Halt im Helios Klinikum Berlin-Buch

Ehemalige Krebspatienten sind gemeinsam im Rahmen der Regenbogenfahrt 2020 mit dem Fahrrad auf dem Weg zu den Kinderkrebsstationen an ihren Wohnorten – ihre Mission: Hoffnung und Mut verbreiten. Auch das Helios Klinikum Berlin-Buch steht auf der Besuchsliste.

Die 28. Regenbogenfahrt 2020 findet dieses Jahr aufgrund der Corona-Pandemie anders als gewohnt statt. Anstatt gemeinsam von Ulm nach Würzburg zu radeln, werden die Regenbogenfahrer einzeln oder in kleinen Gruppen die Kinderkrebsstationen an ihren Wohnorten besuchen, um krebskranken Kindern und Jugendlichen und ihren Angehörigen Mut zu machen und Hoffnung zu spenden. Das Besondere: Die meisten Teilnehmer waren im Kindes- oder Jugendalter selbst an Krebs erkrankt und haben die Krankheit besiegt. Heute sind sie zwischen 18 und 40 Jahre alt und treten in die Pedale, um auf die Kinderkrebsstiftung aufmerksam zu machen.

Am Helios Klinikum Berlin-Buch werden sie von Priv.-Doz. Dr. med. Patrick Hundsdörfer, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin, erwartet, der sich sehr über den Besuch der Regenbogenfahrer freut: „Ich bin begeistert von dem Projekt und der herzlichen Truppe. Die Regenbogenfahrer schenken Hoffnung und Zuversicht und sind für die krebskranken Kinder das beste Beispiel. Fast alle Teilnehmer haben diese schwere Zeit selbst erlebt und durchgestanden. Heute haben sie diese wichtige Botschaft an die Kinder: Gebt nicht auf. Seid mutig und kämpft.“

Auf dem Vorplatz des Klinikums übergeben die Regenbogenfahrer ein paar Aufmerksamkeiten in Form einer Mutmach-Box für die kleinen Patienten. Sie wollen den jungen Patienten und ihre Familien in den Kliniken in der anstrengenden und belastenden Zeit der Therapie Zuversicht vermitteln. „Wir möchten krebskranken Kindern und Jugendlichen mit unserer eigenen Geschichte Mut machen: Wir waren alle selbst im Kindes- oder Jugendalter an Krebs erkrankt und wollen zeigen, dass man die Krankheit nicht nur überwinden kann, sondern dass danach auch ein erfülltes Leben möglich ist und man körperlich wieder leistungsfähig werden kann – auch mit Handycaps“, sagt Astrid Zehbe, (37) langjährige Mitfahrerin und Mit-Organisatorin der Regenbogenfahrt der Deutschen Kinderkrebsstiftung.

„Um den Kindern und Familien Mut machen zu können, haben wir jeweils ein Päckchen, das ein Regenbogenarmband, Mutperlen und einen USB-Stick mit einer digitalen Grußbotschaft der Regenbogenfahrer enthält“, sagt Astrid Zehbe und findet ganz klare Worte für die Kinder: „Denkt immer daran: So wie wir, könnt Ihr es auch schaffen!“ Sie selbst wurde 1999/2000 mit einem Hodgkin-Lymphom in Berlin-Buch behandelt. Die Regenbogentour ist für sie die schönste und sinnvollste Woche des Jahres. „Ich empfinde große Dankbarkeit dafür, dass ich gesund bin und es mir heute wieder so gut geht. Darum spüre ich sowas wie eine Verantwortung, anderen Betroffenen mit meiner Geschichte Mut zu machen. Schließlich weiß ich ja aus eigener Erfahrung, wie gut es tut, Menschen zu sehen, die all das auch schon durchgemacht haben und nun wieder mit beiden Beinen im Leben stehen.“ Das Bewusstsein, dass alle Teilnehmer den Krebs besiegt haben, stärke sie und die Gemeinschaft sehr.

Gut zu wissen:
Astrid Zehbe über das Regenbogensymbol: „Als die Tour 1993 gegründet wurde, hat man ein Symbol gesucht, das für „Hoffnung“ steht und ist dann auf den Regenbogen gekommen. Es gibt da ganz vielfältige Interpretationen: Beim Regenbogen treffen Regen und Sonne aufeinander – wie so oft im Leben. Und Gott sein Dank ist es meistens so, dass auf den Regen wieder Sonne folgt. Wie bei der Krankheit auch eben auch: Man muss durch eine langwierige und unangenehme Therapie, aber, wenn man das überstanden hat, wartet ein neues Leben. Oft wird auch gesagt, dass am Ende des Regenbogens ein Topf voll Gold wartet – in dem Zusammenhang kann dieser Topf voller Gold eben als Gesundheit verstanden werden.“

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forschen / 20.08.2020
ALS mit Organoiden und Sequenziertechnologien erforschen

Ein Schnitt durch ein ganzes neuromuskuläres Organoid, bei dem menschliche Rückenmarksneuronen (rot) die Skelettmuskelzellen (grün) anregen. Alle Zellkerne sind weiß angefärbt. Foto: Jorge Miguel Faustino Martins, Gouti Lab, MDC
Ein Schnitt durch ein ganzes neuromuskuläres Organoid, bei dem menschliche Rückenmarksneuronen (rot) die Skelettmuskelzellen (grün) anregen. Alle Zellkerne sind weiß angefärbt. Foto: Jorge Miguel Faustino Martins, Gouti Lab, MDC

Für ein Pilotprojekt haben MDC-Forschende eine Förderung des CZI Neurodegeneration Challenge Network in Höhe von 150.000 US-Dollar erhalten. Damit wollen sie ein typisches Merkmal von amyotropher Lateralsklerose (ALS) genauer untersuchen.

Indem sie ihre Expertise auf dem Gebiet der neuromuskulären Organoide mit den neuesten Sequenziertechnologien kombinieren, wollen Forscher*innen am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) klären, wie Mutationen in RNA-bindenden Proteinen bei ALS-Patient*innen zum Absterben von Motoneuronen führen. Dieses gemeinsame Unterfangen kommt dank der Chan Zuckerberg Initiative (CZI) zustande, die Dr. Mina Gouti und Professor Nikolaus Rajewsky mit dem Collaborative Pairs Pilot Project Award auszeichnet, einem Zuschuss für neue, interdisziplinäre Kooperationen. Gemeinsam wollen sie sich ein detailliertes Bild davon machen, wie sich Mutationen auf die RNA-Verarbeitung auswirken und welchen Einfluss dies auf den Verlauf von ALS hat.

„Wir werden sehen, wo die Krankheit ihren Anfang nimmt, also welche Zellpopulation zuerst betroffen ist – sind es die Motoneuronen oder ist es die Skelettmuskulatur?“, sagt Gouti, Leiterin der Arbeitsgruppe „Stammzell-Modellierung der Entwicklung und Erkrankung“.

Keine Zeit zu verlieren

ALS ist eine unheilbare, schnell voranschreitende und komplexe Krankheit. Wenn die Motoneuronen absterben, verschlechtern sich die Verbindungen zur Skelettmuskulatur. Nach und nach verlieren die Patient*innen die Koordination ihrer Muskeln, die Fähigkeit, ihre Gliedmaßen zu bewegen und letztlich zu atmen. Zwar werden verschiedene genetische Mutationen mit ALS in Verbindung gebracht, die genauen Schritte, die zum Absterben von Motoneuronen führen, sind indes unklar. Würde man diesen Prozess verstehen, könnte man potenzielle Angriffspunkte für Therapien und Behandlungen identifizieren.

„Wenn Motoneuronen absterben, ist das irreversibel“, sagt Nikolaus Rajewsky, Leiter der Arbeitsgruppe Systembiologie von Gen-regulatorischen Elementen und wissenschaftlicher Direktor des Berlin Institute for Medical Systems Biology (BIMSB) des MDC. „Wir müssen einen Weg finden, diese Patient*innen zu behandeln, bevor die Motoneuronen absterben.“

Neue Technologien

Mit Zellen von ALS-Patient*innen werden Gouti und ihr Team 3D-Organoide kultivieren, also organähnliche Strukturen im Miniaturformat. Sie haben vor Kurzem ein Verfahren entwickelt, mit dem sie extrem weit entwickelte und funktionsfähige neuromuskuläre Organoide erzeugen können. Sie enthalten alle kritischen Zelltypen, die gemeinsam neuromuskuläre Netzwerke bilden. Bei diesen Organoiden bringen Motoneuronen die Muskeln dazu zu kontrahieren, genau wie im menschlichen Körper. Die Forscher*innen werden Organoide mit und ohne die ALS-Mutationen züchten. Der genetische Hintergrund ist ansonsten völlig identisch. Die Organoide sind ein zuverlässiges Zellkultur-Modell, das es den Wissenschaftler*innen ermöglicht, bereits den Beginn der Krankheit zu beobachten. Bei menschlichen Patientinnen und Patienten ist das nicht möglich, da ALS oft erst sehr spät diagnostiziert wird.

Rajewsky und seine Arbeitsgruppe werden diese Organoid-Gewebeproben in verschiedenen Entwicklungsstadien sequenzieren, um den Abläufen auf RNA-Ebene auf den Grund zu gehen. Die Hauptaufgabe von RNA ist die Umwandlung von DNA in Proteine. Mutationen der RNA können daher manchmal funktionsunfähige oder sogar schädliche Proteine zur Folge haben. Das Interesse der Forscher*innen richtet sich insbesondere auf RNA-Mutationen oder Proteine, die mit mysteriösen Verklumpungen im Inneren des Zellkerns in Zusammenhang stehen. Sie wollen herausfinden, ob diese Paraspeckles genannten Erscheinungen in irgendeiner Art für das Absterben von Motoneuronen verantwortlich sind.

Die Arbeitsgruppe von Rajewsky ist auf die neuesten Sequenzierungstechnologien spezialisiert. Bei diesem Projekt kommen drei Verfahren zum Einsatz: Long-Read-Sequenzierung, bei der die gesamte im Organoid befindliche RNA aufgeschlüsselt wird, Einzelzell-RNA-Sequenzierung, bei der die RNA genau den Zelltypen zugeordnet wird, die sie exprimiert – etwa einer Zelle der Skelettmuskulatur oder einem Motoneuron, und räumliche Transkriptomik, die Aufschluss darüber gibt, wo sich Zellen und RNA im Organoid befinden. Die Kombination dieser unterschiedlichen Verfahren liefert ein detailliertes Bild der RNA-Aktivität in Raum und Zeit.

„Jede der Technologien wurde einzeln validiert. Die Herausforderung besteht jetzt darin, diese zielführend zu kombinieren“, sagt Dr. David Koppstein, Postdoktorand in der Arbeitsgruppe von Rajewsky und einer der Projektplaner.

Ein wissenschaftliches Netzwerk

Die Chan Zuckerberg Initiative wurde von Dr. Priscilla Chan und ihrem Ehemann, Facebook-CEO Mark Zuckerberg, ins Leben gerufen und setzt sich für die Unterstützung von Wissenschaft und Technologie ein. Ihr Ziel ist es, dass bis zum Jahr 2100 sämtliche Krankheiten geheilt, verhindert oder bewältigt werden können. Das CZI Neurodegeneration Challenge Network will insbesondere das Wissen über die Neurodegeneration voranbringen, mit neuen Ideen, Verfahren und Talenten sowie einer weltweiten interdisziplinären Zusammenarbeit.

Die vom Netzwerk verliehenen Collaborative Pairs Pilot Project Awards sind mit 150.000 US-Dollar dotiert und werden an Teams mit je zwei Principle Investigators (PIs) vergeben. Weitere Bedingungen: Eine*r PI muss sich am Anfang oder in der Mitte seiner Forscher*innenlaufbahn befinden, und das Team darf in der Vergangenheit keine Förderung für ein gemeinsames Projekt erhalten haben. In dieser Runde werden bis zu 30 Teams durch die Initiative gefördert. Nach dem ersten Jahr erhalten erfolgreiche Teams die Chance auf eine zweite Förderphase, bei der jedes ausgewählte Team mit 1,6 Mio. US-Dollar über vier Jahre unterstützt wird.

„Wenn man Lösungen für derart schwere, folgenschwere Krankheiten finden will, müssen Expertinnen und Experten aus vielen verschiedenen Fachbereichen an einem Strang ziehen und ihr Wissen miteinander teilen“, sagt Gouti. „Wir freuen uns auf diese neue Kooperation und die Arbeit mit anderen Beteiligten im CZI-Netzwerk.“

Weiterführende Informationen

AG Gouti

AG N. Rajewsky

Pressemitteilung: Neuromuskuläres Organoid: Es kontrahiert!

CZI-Pressemitteilung (engl.): CZI Awards $4.5M to Advance Innovative Approaches to Fighting Neurodegenerative Diseases

CZI-Webseite der geförderten Projekte (engl.)

CZI-Artikel auf Medium (engl.): “Supporting Bold and Transformative Ideas in Neurodegeneration

 

Kontakte

Dr. Mina Gouti
Leiterin der Arbeitsgruppe „Stammzell-Modellierung der Entwicklung und Erkrankung“
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
+49 (0)30 9406-2610
Mina.Gouti@mdc-berlin.de

Prof. Dr. Nikolaus Rajewsky
Leiter der Arbeitsgruppe „Systembiologie von Gen-regulatorischen Elementen“
Direktor des Berliner Instituts für Medizinische Systembiologie (BIMSB)
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
+49 (0)30 9406-2999 (Büro)
rajewsky@mdc-berlin.de

Jana Schlütter
Redakteurin, Abteilung Kommunikation
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
+49 (0)30 9406-2121
jana.schluetter@mdc-berlin.de oder presse@mdc-berlin.de

Über die Chan Zuckerberg Initiative

Die 2015 von Dr. Priscilla Chan und Mark Zuckerberg gegründete „Chan Zuckerberg Initiative“ (CZI) ist eine neue Art von Philanthropie. Sie nutzt Technologien, um einige der größten Herausforderungen der Welt zu lösen – wie Krankheiten zu bekämpfen, die Bildung zu verbessern und das Strafrechtssystem zu reformieren. In den drei Kernbereichen der Initiative, Wissenschaft, Bildung sowie Justiz und Chancen, verbindet CZI Technik mit Fördermitteln, wirkungsorientierten Investitionen sowie Politik- und Lobbyarbeit, um eine integrative, gerechte und gesunde Zukunft für alle aufzubauen. Weitere Informationen gibt es unter www.chanzuckerberg.com.

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

heilen / 19.08.2020
Ullrich-Turner-Zentrum Berlin-Buch zertifiziert

Dr. Uta Berndt ist Mitbegründerin des erfolgreichen Zertifizierungsprozesses. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Dr. Uta Berndt ist Mitbegründerin des erfolgreichen Zertifizierungsprozesses. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Der Fachbereich Endokrinologie in der Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch ist aktuell von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und der Turner-Syndrom-Vereinigung Deutschland als Ullrich-Turner-Zentrum (UTS) zertifiziert.

Die Zertifizierung als Turner-Zentrum bestätigt eine besondere Expertise, um die seltene Erkrankung „Turner-Syndrom“ zu erkennen und Betroffene von klein auf und mit fließendem Übergang auch im Erwachsenenalter optimal zu behandeln. „Wir begleiten unsere Patientinnen ein Leben lang und haben uns verpflichtet, Betroffene zu jeder Zeit nach aktuellsten Leitlinien zu behandeln“, sagt Dr. Uta Berndt, Internistin, Endokrinologin und Diabetologin in der Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch. Sie ist Mitbegründerin des erfolgreichen Zertifizierungsprozesses.

Was ist ein Turner-Syndrom?

Das Turner-Syndrom (auch Ullrich-Turner-Syndrom) ist eine genetische Erkrankung, die ausschließlich Mädchen bzw. Frauen betrifft. Etwa 1 von 3.000 neugeborenen Mädchen hat so eine Erbgut-Besonderheit, die zu diesem Syndrom führt. Das Krankheitsbild ist variabel. Es treten meist Wachstums-Störungen und eine ausbleibende Pubertät auf. Im Erwachsenenalter besteht ein erhöhtes Risiko für weitere Erkrankungen wie z.B. Typ2-Diabetes und spezifische Gesundheitsprobleme im HNO-Bereich oder auch am Herzen.

„Das bei uns in Klinik und Poliklinik die Endokrinologie und weitere Fachdisziplinen wie Kardiologie, HNO-Heilkunde usw. unter einem Dach sind, ist großartig für die Patientinnen. Die Gründung unsres Turner-Zentrums zeigt, wie wichtig fachübergreifende Zusammenarbeit insbesondere bei der Behandlung seltener Erkrankungen ist, die Betroffene ein Leben lang begleiten“, sagt Prof. Dr. med. Michael Ritter, Chefarzt der Angiologie, Diabetologie und Endokrinologie im Helios Klinikum Berlin-Buch. Das Besondere in der Bucher Poliklinik ist vor allem die Transitionssprechstunde, bei der knapp 18-jährige Patientinnen von ihrem bisherigen Kinderendokrinologen und ihrem zukünftigen Endokrinologen für Erwachsene zu einer gemeinsamen Sprechstunde kommen. „Dies soll verhindern, dass Jugendliche mit seltenen endokrinologischen Erkrankungen mit 18 Jahren in ein „Loch“ fallen, weil sie keinen Ansprechpartner mehr haben. In diesem, manchmal schwierigen Alter ist es wichtig, die spezialisierte Behandlung nahtlos weiterzuführen. Selbstverständlich können sich aber auch erwachsene Turner-Patientinnen außerhalb der Transitionssprechstunde an uns wenden“, sagt Dr. Berndt.

Wie entsteht das Turner-Syndrom?

Dr. Uta Berndt berichtet: „Ein gesunder Mensch hat 46 Chromosomen in 23 Chromosomenpaaren. Eines der Chromosomenpaare entscheidet, ob es sich um einen Jungen oder um ein Mädchen handelt: Beim männlichen Chromosomensatz liegen ein X- und ein Y-Chromosom vor, Mädchen haben zwei X-Chromosomen. Beim Turner-Syndrom existiert nur ein funktionsfähiges X-Chromosom, das zweite X-Chromosom ist verändert oder fehlt ganz.“

Woher kommt der Name Ullrich-Turner-Syndrom (UTS)?

Die Turner-Syndrom-Symptome wurden im Jahr 1929 vom deutschen Kinderarzt Dr. Otto Ullrich und 1938 vom amerikanischen Arzt Dr. Henry Turner erstmals beschrieben.

Kontakt:

Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch
Dr. med. Uta Berndt
Internistin, Endokrinologin/Diabetologin
Schwanebecker Chaussee 50
13125 Berlin-Buch
Telefon: (030) 94 01-15170

 

 

www.helios-gesundheit.de

forschen, bilden / 19.08.2020
Der Mensch als Schöpfer – was die Wissenschaften von der Natur lernen (Folge 3 des LNDW-Podcasts)

Prof. Dr. Tim Landgraf, Jannis Hülsen, Dr. Sebastiaan Meijsing und Moderator Thomas Prinzler (v.l.n.r.) Foto: rbb/Gundula Krause
Prof. Dr. Tim Landgraf, Jannis Hülsen, Dr. Sebastiaan Meijsing und Moderator Thomas Prinzler (v.l.n.r.) Foto: rbb/Gundula Krause

Die Natur ist dem Menschen seit jeher ein Lehrmeister. Längst haben wir aber nicht nur gelernt, uns der Natur anzupassen, sondern sind auch in der Lage, uns unsere Umwelt und damit auch die Natur nach unseren Bedürfnissen zu gestalten. Thomas Prinzler geht in der dritten Folge des LNDW-Podcasts mit seinen Gästen den Fragen nach, welche Rolle die Natur in den Wissenschaften spielt, was wir unter Natur verstehen und wie wir mit den Möglichkeiten umgehen, auf naturwissenschaftlich-technischer Basis in die Natur einzugreifen und sie zu gestalten.

Die 3. Folge der LNDW-Podcast-Reihe ist am 6. August 2020 erschienen, anzuhören und downloadbar in der ARD Audiothek sowie vielen anderen Audio- und Streamingplattformen.

Die Natur mithilfe von Algorithmen erkunden

„Die Natur ist für mich eine höchstentwickelte Technologie“, antwortet Prof. Dr. Tim Landgraf vom Dahlem Center für Machine Learning and Robotics (DCMLR) der Freien Universität Berlin auf die Frage, was Natur für ihn und seine Forschung ist. Der Brain City Berlin Botschafter erforscht am DCMLR mithilfe von Algorithmen des maschinellen Lernens die Schwarmintelligenz von Tieren. Dafür baut er unter anderem Fischroboter, die lernen, in Fischschwärmen mit zu schwimmen. In einem anderen Projekt versehen Landgraf und sein Team Bienen mit Barcodes. Dadurch lässt sich jede einzelne Biene im Bienenstock identifizieren, sodass die Beziehungen und das Verhalten der Bienen untereinander genau beobachtet werden kann. Im Podcast erklärt Landgraf, warum er auf Roboter und Machine Learning setzt, um Geheimnisse der Natur zu lüften.

Die Bauteile des Lebens erforschen

„Auch wir lernen von der Natur“, sagt Dr. Sebastiaan Meijsing, „indem wir die Bauteile des Lebens untersuchen.  Wir wollen herausfinden, welche Bauteile es überhaupt gibt bzw. wie diese Bauteile miteinander interagieren.“ Meijsing gehört zum Team von Prof. Emmanuelle Charpentier an der Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene gehört. Charpentier löste mit ihrer erstmals 2012 beschriebenen CRISP/Cas9-Methode eine Revolution in den Biowissenschaften aus.

Die Methode ermöglicht genetische Eingriffe, die so effiziente und punktgenaue Eingriffe ins Erbmaterial zulässt, dass CRISP/Cas9 häufig auch als „Genskalpell“ bezeichnet wird. CRISP ist innerhalb weniger Jahre zu einem Instrument der Genetik geworden, das weltweit Anwendung findet. Es kann sowohl zur Veränderung von Pflanzen wie auch Tieren und Menschen verwendet werden. Dr. Meijsing forscht derzeit vor allem daran, mithilfe von CRISP Genkrankheiten zu heilen. Im Gespräch erklärt Dr. Meijsing anschaulich, wie die CRISP/Cas9-Methode entdeckt wurde und wie sie funktioniert.

Die Natur als ganzheitliches System wahrnehmen

„Meine Perspektive auf die Natur stammt aus der Gestaltung,“ sagt Jannis Hülsen und ergänzt: „Natur ist für mich alles, was ist. Es ist ein komplexes System mit Dynamiken, die als Gemeinschaften in Abhängigkeiten zueinander stehen, sich gegenseitig regulieren und nach einem Gleichgewicht streben.“ Der Designer ist zusammen mit Stefan Schwabe Initiator und Leiter des an der Universität der Künste angesiedelten Forschungsprojektes „Farming the Uncanny Valley“ („Die Urbarmachung des Unheimlichen Tals“).

Das Projekt untersuchte in mehreren Workshops, wie Menschen, die sich in ihrem Alltag bislang noch nicht oder nur wenig mit den Themen Gentechnik und Bioökonomie auseinandergesetzt haben, auf die neuen Möglichkeiten der Biowissenschaften reagieren. „Unser Ziel ist es“, führt Hülsen aus, „mit den Ergebnissen aus den Workshops in den Austausch mit Wissenschaftler*innen und politischen Entscheidungsträger*innen zu gehen und langfristig diesen Dialog zu verstetigen – auch lokal.“ Zwischen dem 13. August und dem 11. September 2020 haben alle Berliner*innen und Berlin-Besucher*innen die Gelegenheit, mit dem Besuch der Ausstellung „Macht Natur“ im STATE Studio (Hauptstr. 3, 10827 Berlin, direkt am U-Bahnhof Kleistpark) in diesen Dialog einzutreten.

Im Podcast spricht Jannis Hülsen über das Vorgehen bei den Workshops und die Erfahrungen der Teilnehmer, die mitunter selbst Gentechniken anwenden konnten.

Weiterführende Links zu den Gästen und Themen der Sendung:

Die Ausstellung „Macht Naturist Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekts „Farming the uncanny Valley“. Das Projekt wurde im Rahmen des Wissenschaftsjahres zur Bioökonomie gefördert und gemeinsam von der Universität der Künste (Projektleitung), der Beratungsagentur YOU.SE, dem Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit und Energietechnik (UMSICHT),  sowie dem STATE Studio durchgeführt.

Über die Funktionsweise der CRISP/Cas9-Methode informiert unter anderem diese Seite der Max-Planck-Gesellschaft. Welche Thearpie-Möglichkeiten sich aus CRISP/Cas-9 ergeben, können Sie nachlesen unter https://www.mpg.de/11033456/crispr-cas9-therapien.

Infos zur Biorobotik von Prof. Dr. Tim Landgraf und seinem Team finden sich unter berlinbiorobotics.blog. Über das Projekt BeesBook zur Langzeitbeobachtung des Sozialverhaltens von Bienen im Bienenstock mithilfe von KI informiert die Seite https://github.com/BioroboticsLab/bb_main/wiki. Wie man mithilfe von Roboterbienen den Schwänzeltanz erforscht, erfahren Sie unter Robobee.

Quelle: https://www.langenachtderwissenschaften.de/news-detail/podcast-folge3-mensch-als-schoepfer

heilen / 18.08.2020
Gefäßzentrum Berlin-Buch dreifach zertifiziert

Das interdisziplinäre Gefäßzentrum im Helios Klinikum Berlin-Buch wurde von der DGG, der DRG und der DGA zertifiziert (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Das interdisziplinäre Gefäßzentrum im Helios Klinikum Berlin-Buch wurde von der DGG, der DRG und der DGA zertifiziert (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Das interdisziplinäre Gefäßzentrum Berlin-Buch erfüllt die hohen Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG), der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) und der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA). Mit der aktuellen Zertifizierung bestätigen alle drei Gesellschaften dem gesamten Bucher Team eine besondere Expertise.

Mit der Übergabe der Zertifizierungsurkunden bestätigen die DGG, die DRG und die DGA, dass das Gefäßzentrum im Helios Klinikum Berlin-Buch sämtliche Prüfkriterien zum entsprechend qualifizierten Personal, zur apparativen Ausstattung sowie zu therapeutischen Standards erfüllt.
Die Therapie und Diagnostik von Gefäßerkrankungen erfordert ein hohes Maß an Expertise. Vor allem, weil es sich immer um systemische Erkrankungen handelt, die verschiedenste Organ- und Körperbereiche betrifft. „Wir freuen uns mit dem gesamten Team des Gefäßzentrums über diese Auszeichnung. Eine besondere Spezialisierung mit entsprechenden Qualitätszahlen und die enge Zusammenarbeit mehrerer Fachbereiche ist ganz im Sinne unserer ambulanten und stationären Patienten“, sagt Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor im Helios Klinikum Berlin-Buch. Auch im Hinblick auf die Zunahme des Alters der Betroffenen mit Gefäßerkrankungen ist eine fachübergreifende Beratung elementar, um für Patienten beste Behandlungsergebnisse zu erzielen.

Die Medizinexperten der Gefäßchirurgie sowie der Angiologie/Diabetologie, der Röntgendiagnostik und Neuroradiologie arbeiten eng mit anderen internistischen und operativen Fachabteilungen zusammen. Dazu gehören u.a. die Experten der Neurologie, Kardiologie und Nephrologie. „Das interdisziplinäre Team entwickelt für jeden Patienten ein individuelles und ganzheitliches Behandlungskonzept“, sagt Dr. med. Andreas Gussmann, Chefarzt der Gefäßchirurgie im Helios Klinikum Berlin-Buch sowie Direktor des Helios Gefäßzentrums Berlin-Brandenburg, und berichtet weiter: „Wir bieten unseren Patienten modernste Ultraschallverfahren, Computertomographie, Kernspintomographie (MRT), neueste Katheter- und Stentverfahren sowie innovative Operationsmethoden.“

Diese Vorteile wissen Patienten sowie niedergelassene Ärzte seit Aufbau des Gefäßzentrums im Jahr 2017 unter Leitung von Dr. med. Andreas Gussmann zu schätzen: Jedes Jahr werden im Gefäßzentrum Berlin-Buch mehr als 10.000 ambulante und 2.100 stationäre Patienten mit unterschiedlichsten arteriellen, venösen oder lymphatischen und angiologischen Erkrankungen behandelt. Das Team arbeitet eng mit dem deutschlandweiten Register zur langfristigen Kontrolle der Erkrankungen zusammen und ist Teil des regionalen Helios Gefäßzentrums Berlin-Brandenburg.

Klinikkontakt:
Helios Klinikum Berlin-Buch
Zertifiziertes Gefäßzentrum Berlin-Buch
Leiter und Direktor des Helios Gefäßzentrums Berlin-Brandenburg:
Dr. med. Andreas Gussmann
Schwanebecker Chaussee 50
13125 Berlin-Buch
T (030) 94 01-53900

 

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forschen / 14.08.2020
Gegen den Schmerz

© Fainzilber, WIS
© Fainzilber, WIS

Ein neuer Ansatz für die Behandlung chronischer Schmerzen zielt auf ein Molekül ab, das Schmerzsignale in die Zellkerne von Nervenzellen leitet. Die jüngst in Science erschienene Studie ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen Forschenden des Weizmann-Institut für Wissenschaften und des MDC.
 
Rund ein Viertel der Weltbevölkerung leidet irgendwann einmal im Leben an chronischen Schmerzen. Anders als bei akutem Schmerz – man denke etwa an das Gefühl, wenn man sich versehentlich mit dem Hammer auf den Finger schlägt – haben chronische Schmerzen unter Umständen nicht einmal eine eindeutige Ursache und können uns jahrelang plagen. Zu den Belastungen infolge chronischer Schmerzen gehören Beeinträchtigungen der psychischen und körperlichen Gesundheit, eine geringere Leistungsfähigkeit und Medikamentenabhängigkeit.
 
Eine neue Studie unter Leitung von Wissenschaftler*innen des Weizmann-Instituts für Wissenschaften (WIS) in Rehovot (Israel) empfiehlt einen originellen Therapieansatz, der die Aktivierung von Genen in den peripheren Nervenzellen beeinflusst, die bei vielen Formen von chronischen Schmerzen eine Rolle spielen. Die Erkenntnisse dieser Studie wurden in Science veröffentlicht.
 
Schmerz beginnt in den sensorischen Neuronen. Diese schicken Informationen von der Haut an das Zentralnervensystem. Eine Schädigung dieser Neuronen, chronische Verletzungen oder Krankheiten können einen „Kurzschluss“ zur Folge haben, sodass die Nervenzellen kontinuierlich Schmerzsignale aussenden. Professor Mike Fainzilber von der Abteilung für biomolekulare Wissenschaften am WIS untersucht Moleküle, die die biomolekularen Informationsübertragungen innerhalb dieser Nervenzellen regulieren. Diese Moleküle, sogenannte Importine, finden sich in jeder Zelle. Sie erleichtern den Transport zwischen dem Zellkern und dem Zytoplasma, schleusen Moleküle in den Zellkern und aus dem Zellkern heraus und kontrollieren somit den Zugang zu den Genen. Eine besondere Bedeutung kommt ihnen in den peripheren Nervenzellen zu: Diese sind lang und dünn und es kann Stunden dauern, bis molekulare Botschaften von den Nervenenden zu den Zellkernen gelangen. Einige der von Fainzilber und seinem Team identifizierten Importine leiten beispielsweise Informationen über Verletzungen an den Zellkörper der Nervenzelle und lösen dadurch den Heilungsvorgang aus.
 
Kontrolle eines Signalweges, der Schmerzen auslöst
 
Seit Jahren schon untersucht Professor Michael Bader als Leiter der Arbeitsgruppe „Molekularbiologie von Hormonen im Herz-Kreislaufsystem“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) die Bedeutung von Importinen im Rahmen eines langfristigen Projekts in Zusammenarbeit mit dem Institut für Biologie an der Universität Lübeck. „Zu diesem Zweck haben wir Mäuse genetisch so verändert, dass in jeder Linie eines dieser Importine fehlte“, erklärt Bader. Um herauszufinden, welches Importin an chronischen neuropathischen Schmerzen beteiligt ist, begannen die Forscher*innen unter der Leitung von Dr. Letizia Marvaldi aus der AG Fainzilber damit, verschiedene Mauslinien mit fehlenden Importinen aus Baders Arbeitsgruppe zu untersuchen. Gefördert wurden die Forschungsarbeiten vom Europäischen Forschungsrat.
 
Verhaltensanalysen dieser verschiedenen Linien zeigten, dass das Importin alpha-3 als einziges Importin an der Steuerung der Schmerz-Signalwege beteiligt ist. Anschließend versuchte das Team, das Genexpressionsmuster zu identifizieren, das mit lang anhaltenden Schmerzen in peripheren Nervenzellen in Verbindung gebracht werden kann – und herauszufinden, wie die Aktivität von Importin alpha-3 damit zusammenhängt. Die Wissenschaftler*innen analysierten die unterschiedlichen Expressionsmuster von normalen Neuronen und Neuronen ohne Importin alpha-3, so wurde Marvaldi auf c-Fos aufmerksam, ein Protein, das vom Importin alpha-3 in den Zellkern geschleust wird. C-Fos ist ein Transkriptionsfaktor – ein Molekül, das die Expression zahlreicher Gene erhöht oder senkt. Weitere Experimente zeigten, dass sich c-Fos bei Mäusen mit chronischen Schmerzen in den Zellkernen der peripheren Nervenzellen ansammelt.
 
Mithilfe spezialisierter Viren wurde das Importin alpha-3 oder c-Fos in den peripheren Nervenzellen der Mäuse deaktiviert oder seine Produktion reduziert. Daraufhin zeigten diese Mäuse im Gegensatz zu den normalen Mäusen eine deutlich verringerte Reaktion auf chronische Schmerzsituationen. Weitere Forschungen offenbarten, dass Importin alpha-3 eine entscheidende Rolle bei chronischen Schmerzen spielt. C-Fos ist ebenfalls an frühzeitigen Schmerzreaktionen beteiligt, doch scheint es in diesen frühen Phasen auf anderem Wege in den Zellkern zu gelangen. Das Blockieren von Importin alpha-3 könnte also ein geeignetes Mittel sein, um anhaltende, chronische Schmerzen zu verhindern.
 
Ein potenzielles Wirkstoffziel

Im nächsten Schritt wollte das Forschungsteam herausfinden, wie leicht sich die Ergebnisse der Studie auf die klinische Anwendung übertragen lassen. Dafür nutzte es eine spezialisierte Datenbank, die Connectivity Map (CMap) des US-amerikanischen Broad Institute in Massachusetts, die Aufschluss über den Zusammenhang zwischen Medikamenten und Genexpressionsmustern gibt. Mithilfe dieser Datenbank gelang es dem Team, rund 30 existierende Medikamente zu identifizieren, die ihre Wirkung möglicherweise an dem Importin-alpha-3-c-Fos-Signalweg ausüben könnten. Bei fast zwei Dritteln der identifizierten Präparate war die schmerzlindernde Wirkung bislang unbekannt. Das Team wählte zwei Präparate aus, ein kardiotonisches Mittel und ein Antibiotikum. Beide Medikamente wurden erneut an Mäusen getestet. Und tatsächlich: Die Injektion dieser Präparate konnte bei den Mäusen die neuropathischen Schmerzsymptome lindern.
 
„Die Präparate, die wir im Rahmen dieser Datenbankrecherche identifiziert haben, sind eine Art Schnellspur – ein Beweis dafür, dass bereits für andere Leiden zugelassene Medikamente wahrscheinlich auch zur Behandlung von chronischen Schmerzen eingesetzt werden können“, erklärt Marvaldi. „Da diese Präparate nachweislich für den Menschen ungefährlich sind, könnten klinische Versuche zeitnah aufgenommen werden.“
„Wir sind jetzt in der Lage, nach neuen und besseren Wirkstoffmolekülen zu suchen, die ihre Wirkung exakt an dieser Ereigniskette in den sensorischen Neuronen entfalten“, sagt Fainzilber. „Solche Zielmoleküle könnten geringere Nebenwirkungen haben und weniger Abhängigkeiten hervorrufen als aktuelle Therapien, und sie könnten neue Chancen bieten, chronische Schmerzen erträglicher zu machen.“ Ebenfalls an den Forschungsarbeiten beteiligt waren Dr. Nicolas Panayotis, Dr. Stefanie Alber, Dr. Shachar Y. Dagan, Dr. Nataliya Okladnikov, Dr. Indrek Koppel, Agostina Di Pizio, Didi-Andreas Song, Yarden Tzur, Dr. Marco Terenzio, Dr. Ida Rishal und Dr. Dalia Gordon, allesamt vom WIS aus der Abteilung für biomolekulare Wissenschaften, Dr. Franziska Rother vom MDC und der Universität Lübeck sowie Professor Enno Hartmann von der Universität Lübeck.
 
Die Forschungsarbeiten von Professor Michael Fainzilber werden vom Moross Integrated Cancer Center, dem David Barton Center for Research on the Chemistry of Life, dem Nella and Leon Benoziyo Center for Neurological Diseases, dem Laraine and Alan A. Fischer Laboratory for Biological Mass Spectrometry, der Dr. Miriam and Sheldon G. Adelson Medical Research Foundation, der Rising Tide Foundation, Lawrence Feis, dem Nachlass von Florence und Charles Cuevas, dem Nachlass von Lilly Fulop, dem Nachlass von Lola Asseof und dem Europäischen Forschungsrat unterstützt. Professor Fainzilber ist Inhaber des Chaya Lehrstuhls für molekulare Neurowissenschaft.
 
Die Originalversion dieser Pressemitteilung wurde vom WIS herausgegeben:

https://wis-wander.weizmann.ac.il/life-sciences/targeting-chronic-pain-gateway-could-bring-relief

Abbildung: Konfokalmikroskopische Aufnahme eines peripheren sensorischen Neurons in Kultur. Marker-Färbungen und Antikörper werden zur Identifizierung von Neuronen (rot), c-Fos-Proteinen (grün) und Zellkernen (blau) verwendet. Bemerkenswert ist die Kernlokalisation von c-Fos. (© Fainzilber, WIS)

www.mdc-berlin.de

forschen / 14.08.2020
66 Millionen Euro für das Berliner Spin-Off T-knife

Foto: Johannes Fritzmann, MDC
Foto: Johannes Fritzmann, MDC

Das Berliner Biotech-Start-Up T-knife, eine Ausgründung des MDC zusammen mit der Charité, erhält Investitionsmittel in Höhe von 66 Millionen Euro. Vier Wagniskapitalfonds haben Anfang August die Finanzierung zugesagt. T-knife entwickelt neue Krebstherapien mit Hilfe modifizierter T-Zellen des Immunsystems.

Von der ersten Idee im biomedizinischen Labor bis zur Therapie ist es meist ein langer Weg. Es braucht Zeit – und vor allem auch viel Geld. Seit etwa 20 Jahren arbeiten Wissenschaftler*innen des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin um Professor Thomas Blankenstein an der Entwicklung neuer Krebstherapien mit Hilfe von körpereigenen Immunzellen, deren Rezeptoren zuvor im Labor gentechnisch verändert wurden. Blankenstein untersucht, ob diese modifizierten T-Zellen die Krebsentwicklung stoppen können. Vor zwei Jahren hat der Wissenschaftler gemeinsam mit Elisa Kieback und Holger Specht sowie mit Unterstützung der Ascenion GmbH das Unternehmen T-knife gründet. Das Biotech-Start-Up mit inzwischen 18 Mitarbeiter*innen möchte neuartige, hochentwickelte Krebstherapeutika zur Behandlung von Tumoren auf der Basis von T-Zell-Rezeptoren entwickeln.

Jetzt erhält T-knife von vier Wagniskapitalfonds (Versant Ventures und RA Capital Management aus den USA sowie den bisherigen T-knife-Unterstützern Andera Partners und Boehringer Ingelheim Venture Fund) Kapital in Höhe von insgesamt 66 Millionen Euro. Dies haben die Investoren am 6. August in einer Finanzierungsrunde der Serie A zugesagt. Als Serie A werden große Kapitalerhöhungen nach einer anfänglichen Start-Up-Finanzierung bezeichnet. T-knifes A-Runde ist die bisher größte für ein deutsches Unternehmen in diesem Jahr.

Professor Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand des MDC (komm.), gratulierte Blankenstein und den T-knife-Kolleg*innen. „Das ist ein großer Erfolg, der unterstreicht, wie Forschung von MDC-Teams den Weg in die Anwendung, in die Klinik, zu den Patientinnen und Patienten findet. Es zeigt sich auch, wie wichtig unsere Zusammenarbeit mit der Charité ist, um Nutzen für die Patient*innen zu schaffen.“

„Wir schauen mit Spannung auf die Studienergebnisse und hoffen, dass wir mit dieser Gentherapie eine neue und vielversprechende Möglichkeit gewinnen, Krebserkrankungen künftig besser zu bekämpfen,“ sagte Blankenstein.

Behandlung solider Tumore

T-knife entwickelt eine neue Generation adoptiver T-Zell-Therapien zur Behandlung solider Tumore. Mit Hilfe einer eigenen HuTCR (Humanized T-Cell Receptor)-Plattform – Mausstämme, deren T-Zellen ausschließlich humane T-Zell-Rezeptoren tragen – sollen hochwirksame und sichere Therapeutika auf Basis dieser T-Zell-Rezeptoren (TCRs) auf den Markt gebracht werden.

„Nachdem wir so viele Jahre unter dem Radar gearbeitet haben, um eine leistungsfähige, humanisierte Maus-Plattform mit humanen TCR-Loci zu entwickeln, ist es großartig, jetzt Bestätigung von renommierten Life-Science-Fonds wie Versant Ventures und RA Capital Management zu erhalten,” sagte Elisa Kieback, Geschäftsführerin und wissenschaftliche Mitgründerin von T-knife. „Wir sind unseren Gründungsgesellschaftern und auch Andera Partners und dem Boehringer Ingelheim Venture Fund dankbar für die fortgesetzte Unterstützung. Beide sind erstklassige Life-Science-Investoren, die uns seit unserer Gründung als echte Partner zur Seite stehen. Künftig wollen wir ein transatlantisches Unternehmen werden, d. h. eine US-Präsenz aufbauen und unser Management-Team entsprechend erweitern.”

Das Unternehmen hat präklinisch bereits den Proof-of-Concept erbracht und mit der klinischen Prüfung für seinen führenden TCR-Kandidaten begonnen. Darüber hinaus hat T-knife die Plattform für mehr als 90 Tumortargets validiert. Mehrere daraus resultierende Arzneimittelkandidaten befinden sich in präklinischer Entwicklung. Bis 2022 plant das Unternehmen, drei weitere TCRs in die Klinik zu bringen.

Weiterführende Information:

Der lange Atem – Der Weg der Gundlagenforschung bis zur Therapie. Film über Thomas Blankenstein

www.mdc-berlin.de

forschen / 13.08.2020
Michael Potente verstärkt Forschung zu Blutgefäßen

Professor Michael Potente © MPI HLR
Professor Michael Potente © MPI HLR

Gemeinsame Pressemitteilung von BIH, Charité und MDC

Mit der Berufung von BIH-Professor Michael Potente verstärken das Berlin Institute of Health (BIH), die Charité – Universitätsmedizin Berlin und das Max-Delbrück-Centrum (MDC) ihren gemeinsamen Forschungsfokus „Translationale Vaskuläre Biomedizin“. Der Kardiologe interessiert sich insbesondere für die innerste Zellschicht der Blutgefäße, das Endothel.

„Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen nach wie vor zu den häufigsten Krankheits- und Todesursachen“, sagt Professor Axel R. Pries, Dekan der Charité und Vorstandsvorsitzender des BIH (interim). „Da gerade Veränderungen der Gefäßfunktion an vielen Erkrankungen beteiligt sind, hat sich das BIH schon vor einiger Zeit dazu entschlossen, den Fokusbereich Translationale Vaskuläre Biomedizin einzurichten, um hier entscheidende Fortschritte und translationale Erfolge zu erzielen. Wir freuen uns sehr, mit der Berufung von Michael Potente diesen Bereich so hervorragend ergänzen und ausbauen zu können.“

Bereits seit 2017 ist Michael Potente, gefördert durch die Stiftung Charité Berlin, regelmäßig als BIH Visiting Professor in Berlin. Eingeladen hatte ihn BIH-Professor Holger Gerhardt, der am MDC die Arbeitsgruppe „Integrative Vaskuläre Biologie“ leitet und gleichzeitig Sprecher des BIH Fokusbereiches „Translationale Vaskuläre Biomedizin“ ist. „Ich kenne nur sehr wenige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wie Michael Potente, die mit solcher Begeisterung, Neugier und klugem Gespür für die wichtigsten Fragestellungen innovative Forschung auf höchstem Niveau betreiben. Seine Arbeiten decken stets neue Zusammenhänge auf und haben nachhaltigen Einfluss auf unser Verständnis der faszinierenden Biologie der Blutgefäße“, sagt Gerhardt. „Ich freue mich außerordentlich darauf, mit ihm gemeinsam die Translation dieser Erkenntnisse in Richtung klinischer Anwendung voranzutreiben.“ Der 43-jährige Michael Potente wird zukünftig im Käthe-Beutler-Haus von BIH und MDC in Berlin Buch forschen.

Wachstum und Funktion von Blutgefäßen verstehen

Michael Potente interessiert sich vor allem für den Einfluss des Stoffwechsels (Metabolismus) auf Blutgefäße. „Wir möchten verstehen, wie Stoffwechselprozesse das Wachstum, den Umbau und die Funktion von Blutgefäßen kontrollieren“, sagt Michael Potente, der zuvor am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim die Arbeitsgruppe „Metabolismus und Angiogenese“ geleitet hat. So führen zum Beispiel Sauerstoff- und Nährstoffmangel dazu, dass sich in Tumoren neue Blutgefäße bilden. Die Angiogenese spielt auch bei Augenerkrankungen wie der feuchten Makuladegeneration, die unbehandelt zur Erblindung führt, eine zentrale Rolle. „Hier kann bereits erfolgreich therapeutisch eingegriffen werden, indem man Hemmstoffe einsetzt, die das in diesem Fall krankhafte Wachstum der Blutgefäße unterdrücken“, berichtet Michael Potente.

Bei anderen Erkrankungen dagegen, wie der chronisch ischämischen Herzerkrankung oder bei der Schaufensterkrankheit in den Beinen, führen verstopfte Gefäße zwar ebenfalls zum Sauerstoff- und Nährstoffmangel im Gewebe, aber leider häufig nicht zur ausreichenden Bildung neuer Blutgefäße. „Hier würde man sich das Wachstum neuer, funktionstüchtiger Gefäße wünschen, die die Versorgung wiederherstellen. Dies kommt aber wegen der Grunderkrankung nicht in Gang“, erklärt Michael Potente. „Wenn man hier gezielt das Wachstum von neuen Blutgefäßen fördern könnte, wäre das natürlich therapeutisch sehr wertvoll.“ Leider haben bisherige Versuche in diese Richtung keinen langfristigen Erfolg erzielt, stattdessen traten Nebenwirkungen auf.

Unterschiedliches Endothel in verschiedenen Organen

Potente und seine Mitarbeiter*innen wollen deshalb verstehen, wie das organspezifische Milieu die Blutgefäße und insbesondere das Endothel beeinflusst. Denn die Endothelzellen sind verantwortlich für das Neuaussprießen der Blutgefäße. „Die Endothelzellen sind in unterschiedlichen Organen ganz unterschiedlich ausgebildet“, berichtet Potente, „im Gehirn zum Beispiel sind sie besonders eng miteinander verbunden und bilden die Blut-Hirn-Schranke, in der Leber ist das Endothel durchlässig und ermöglicht so die Filterfunktion des Organs.“ Bei Diabetiker*innen, bei denen der Blutzuckerspiegel ständig über den Normwerten liegt, verändern sich die Endothelzellen mit der Zeit und verlieren spezifische Eigenschaften, was zu den häufigen Gefäßproblemen bei dieser Erkrankung führt.

Um herauszufinden, welche molekularen und zellulären Mechanismen diesen Unterschieden zugrunde liegen, hat Michael Potente im Jahr 2017 einen ERC Consolidator Grant des Europäischen Forschungsrates in Höhe von zwei Millionen Euro erhalten. In dieser Zeit kam er auch als BIH Visiting Professor, gefördert von der Stiftung Charité, nach Berlin. Diese für die Berufung wichtige Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren hat die Stiftung Charité im Rahmen ihrer Privaten Exzellenzinitiative Johanna Quandt gefördert.

Die Ästhetik der Blutgefäße

Als Facharzt für Kardiologie ist Michael Potente auch klinisch tätig. In Berlin möchte er seine Erfahrung an der Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und medizinischer Patientenversorgung einbringen und den Schwerpunkt „Translationale Vaskuläre Biomedizin“ so verstärken. „Mich fasziniert die Ästhetik der Blutgefäße, der Erkenntnisgewinn und letztendlich auch die Möglichkeit, die grundlagenorientierte Forschung eines Tages diagnostisch oder therapeutisch anwendbar zu machen.“ Ganz im Sinne der Mission des BIH: „Aus Forschung wird Gesundheit“.

Michael Potente wurde 1976 in Aachen geboren und studierte an den Universitäten Frankfurt und Toronto (Kanada) Medizin. Bereits während seiner experimentellen Doktorarbeit an der Universität Frankfurt, die er 2003 abschloss, beschäftigte er sich mit Blutgefäßen. Anschließend war er sowohl wissenschaftlich als PostDoc im Institut für Kardiovaskuläre Regeneration tätig, als auch klinisch als Arzt in der Klinik für Kardiologie der Goethe-Universität Frankfurt, wo er sich 2013 im Fach Innere Medizin habilitierte. 2012 erhielt er eine eigene Arbeitsgruppe am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim. Potente hat bereits zahlreiche Preise erhalten, so unter anderem einen ERC Starting Grant, einen ERC Consolidator Grant und eine Auszeichnung als European Molecular Biology Organization (EMBO) Young Investigator. Er hat seine Forschungsergebnisse in hochkarätigen Journalen veröffentlicht und ist als Gutachter für zahlreiche internationale Wissenschaftsjournale tätig.

produzieren / 13.08.2020
Eckert & Ziegler mit solidem Halbjahresergebnis

Wachstumstrend bei Radiopharmaka ungebrochen

Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, TecDAX), ein Spezialist für isotopentechnische Anwendungen in Medizin, Wissenschaft und Industrie, hat das erste Halbjahr 2020 trotz erheblicher Belastungen durch Corona und den Ölpreisverfall mit einem Jahresüberschuss von 12,7 Mio. EUR abgeschlossen und somit fast das Rekordniveau des Vorjahres (13,1 Mio. EUR) erreicht. Der Konzernumsatz betrug 83,6 Mio. EUR und lag damit um 6% unter dem Vorjahresniveau.

Ausschlaggebend für das stabile Ergebnis waren weiterhin stark wachsende Umsätze und Erträge mit radiopharmazeutischen Produkten und Dienstleistungen im Segment Medical. Während Laborgeräte und Brachytherapiequellen, darunter Jodimplantate, unter den reduzierten Bestellungen der Krankenhäuser aufgrund von Corona litten, stieg der Halbjahresumsatz mit pharmazeutischen Radioisotopen im Vergleich zum Vorjahr um über 4 Mio. EUR oder fast 30% auf knapp 20 Mio. EUR.

Das Segment Isotope Products konnte dagegen, bedingt durch Corona, das hohe Umsatzniveau des Vorjahresvergleichszeitraums nicht halten und erzielte mit 47,1 Mio. EUR einen um 8,3 Mio. EUR oder etwa 15% niedrigeren Umsatz als im ersten Halbjahr 2019. Umsatzrückgänge trafen insbesondere die lukrativen Komponenten für die industrielle Messtechnik, das Brasiliengeschäft und die Entsorgungsdienstleistungen. Leichte Zuwächse waren lediglich bei Komponenten für medizinische Geräte und im Rohstoffhandel zu verbuchen.

Mit den Zahlen des ersten Halbjahres hat Eckert & Ziegler die im Zusammenhang mit der Corona-Krise überarbeitete Planung für das laufende Geschäftsjahr im Wesentlichen erfüllt bzw. beim Periodenüberschuss sogar deutlich übertroffen.

Unter Berücksichtigung von Einmaleffekten und der Erwartung, dass sich die Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht dramatisch verändern, rechnet der Vorstand damit, dass im Geschäftsjahr 2020 ein Umsatz von 170 Mio. EUR und ein Jahresüberschuss von mindestens 20 Mio. EUR erzielt werden.

Den vollständigen Quartalsbericht finden Sie hier:
http://www.ezag.com/fileadmin/user_upload/ezag/investors-financial-reports/deutsch/euz220d.pdf

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 800 Mitarbeitern zu den weltweit größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Strahlentherapie und Nuklearmedizin. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.
Wir helfen zu heilen.

Ihr Ansprechpartner bei Rückfragen:
Eckert & Ziegler AG, Karolin Riehle, Investor Relations
Robert-Rössle-Str. 10, 13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 / 94 10 84-138
karolin.riehle@ezag.de, www.ezag.de

 

www.ezag.de

investieren, heilen / 10.08.2020
Die Bauphase beginnt: Auf dem Klinikgelände in Buch entsteht ein neues Parkhaus

Visualisierung des zukünftigen Parkhauses am Standort Helios Klinikum Berlin-Buch. (Abb.: archRPdesign)
Visualisierung des zukünftigen Parkhauses am Standort Helios Klinikum Berlin-Buch. (Abb.: archRPdesign)

Das Helios Klinikum Berlin-Buch setzt ein lang geplantes Projekt um. Auf dem Parkplatzgelände an der Schwanebecker Chaussee entsteht ein neues Parkhaus, welches den Patienten und dem Klinikpersonal ab Januar 2021 zur Verfügung stehen soll. Die 270 zusätzlichen Parkplätze werden dringend benötigt und ergänzen die 1257 bereits bestehenden Parkplätze auf dem Klinikgelände.

Mehr Parkraum für Patienten, Angehörige und Personal

Das Helios Klinikum Berlin-Buch zählt zu den größten und modernsten Kliniken der Region. Jährlich werden hier, im Nordosten Berlins, mehr als 200.000 Patienten betreut. Um ihnen und ihren Angehörigen, aber auch dem Klinikpersonal, die Anreise und den Aufenthalt im Klinikum weiterhin so angenehm wie möglich zu gestalten, wird aktuell ein großes Bauvorhaben umgesetzt. Das neue Parkhaus bietet dringend benötigten Parkraum und soll planmäßig im Januar 2021 eingeweiht werden. „Wir freuen uns, dass wir das Parkhaus-Projekt nun umsetzen können und bedanken uns dabei bei allen Beteiligten“, sagt Daniel Amrein, Geschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch, und ergänzt: „Wir wachsen seit Jahren kontinuierlich in unseren Mitarbeiter- und Patientenzahlen und sehen uns auch für die kommenden Jahre Dank unseres tollen medizinischen Angebots auf Wachstumskurs. Daher war es für uns logisch, mit dem Bau des neuen Parkhauses unseren Patienten und Mitarbeitern die Anfahrt zu erleichtern. Die gute Autobahn-Anbindung an den Standort Buch wird rege genutzt und so können Patienten und Mitarbeiter zukünftig vor Ort schnell und unkompliziert einen Parkplatz direkt auf dem Klinikgelände finden.“

Geleitet wird das Projekt von Torsten Wegemund, dem Leiter der Betriebstechnik im Helios Klinikum Berlin-Buch. Als Projektleiter ist er für die Betreuung der gesamten Organisation des Bauvorhabens zuständig und begleitet die Baumaßnahmen. „Geplant ist das Projekt bereits seit 2016“, bestätigt Torsten Wegemund, „wir haben im Vorfeld sehr viele Gespräche mit dem Bauamt, der Stadtplanung und der Denkmalschutzbehörde geführt. Besonders die Abstimmung über den Standort war sehr intensiv und aufwendig. Meine Aufgabe war es, diese Gespräche zu leiten und einen geeigneten Generalauftragnehmer zu finden.“ Vergeben hat das Helios Klinikum Berlin-Buch den Auftrag schließlich an die Goldbeck Nordost GmbH, Niederlassung Berlin-Brandenburg, die ihre Bauvorhaben auf Basis industriell gefertigter Systembauteile umsetzt und mit ihrer langjährigen Branchenerfahrung einen kompetenten und zuverlässigen Partner darstellt.

Großzügig und geräumig: Das Parkhaus bietet Platz für 270 neue Parkplätze 

Damit sich das neue Parkhaus harmonisch in die Gesamtoptik des Klinikgeländes einfügt, befindet sich Torsten Wegemund nicht nur mit den Architekten und Handwerkern der Goldbeck Gruppe, sondern auch mit weiteren Außenanlagen-Architekten im engen Austausch: „Die Denkmalschutzbehörde hat uns zwar einige Auflagen für die Fassadengestaltung vorgegeben, aber auch ein wenig Freiraum gelassen. Dazu stimmen wir uns mit dem zuständigen Architekten während der Bauphase ab und entscheiden dann, ob wir mit Seilen, einer Begrünung oder anderen Gestaltungselementen arbeiten.“ Die besonders Herausforderung sieht der Projektleiter jedoch an anderer Stelle: „Während der Bauphase müssen wir ungefähr 100 der bereits bestehenden Parkplätze absperren. Dafür haben wir am Rand des Geländes einen Ausgleich geschaffen. Sobald die Baumaßnahmen abgeschlossen sind, werden alle Plätze aber wieder freigegeben. So entstehen 270 neue Parkplätze auf mehreren Etagen.“

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forschen / 06.08.2020
COVID-19: Immunsystem auf Irrwegen

© NIAID
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Bei schweren Krankheitsverläufen von COVID-19 kommt es nicht allein zu einer starken Immunreaktion, vielmehr ist die Immunantwort in einer Dauerschleife aus Aktivierung und Hemmung gefangen. Dies berichten Fachleute des bundesweiten Forschungsverbundes deCOI, darunter auch Kolleg*innen des MDC, im Journal Cell.

Die meisten Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 verlaufen milde oder gar ohne Symptome. Jedoch entwickeln 10 bis 20 Prozent der Betroffenen im Verlauf der COVID-19-Erkrankung eine Lungenentzündung mit zum Teil lebensbedrohlichen Auswirkungen. „Man weiß noch immer wenig über die Ursachen dieser schweren Verläufe. Die hohen Entzündungswerte, die man bei den Betroffenen misst, sprechen eigentlich für eine starke Immunantwort. Klinische Befunde sprechen aber eher für eine ineffektive Immunantwort. Hier gibt es einen Widerspruch“, sagt Joachim Schultze, Professor an der Universität Bonn und Forschungsgruppenleiter am DZNE. „Wir vermuteten daher, dass Immunzellen zwar in großer Menge produziert werden, sie jedoch in ihrer Funktion gestört sind. Deshalb haben wir das Blut von Patientinnen und Patienten mit unterschiedlicher Krankheitsschwere von COVID-19 untersucht“, berichtet Leif Erik Sander, Professor für Infektionsimmunologie und Oberarzt in der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Infektiologie und Pneumologie der Charité.

Hochpräzise Verfahren

Die Studie erfolgte im Rahmen eines bundesweiten Konsortiums – der „Deutschen COVID-19 OMICS Initiative“ (DeCOI), sodass sich die Analyse und Interpretation der Daten auf diverse Teams und Standorte verteilten. Unter den DeCOI Mitgliedern sind auch mehrere Forschende des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft. Zu der aktuellen Veröffentlichung in Cell haben Professor Markus Landthaler und Dr. Emanuel Wyler vom Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC beigetragen.

Joachim Schultze war als Koordinator in die Umsetzung des Projektes maßgeblich eingebunden. Die Blutproben stammten von insgesamt 53 Männern und Frauen mit COVID-19 aus Berlin und Bonn, deren Krankheitsverlauf gemäß der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation in mild oder schwer eingeteilt wurde. Als wichtige Vergleichsgröße dienten Blutproben von Personen mit anderen viralen Atemwegsinfekten sowie von gesunden Personen.

Für die Untersuchungen kamen unter anderem Single-Cell-OMICs-Technologien zum Einsatz: ein Sammelbegriff für moderne Messverfahren, mit denen sich beispielsweise die Genaktivität und das Aufkommen von Eiweißstoffen für einzelne Zellen – und somit sehr präzise – bestimmen lassen.

Anhand dieser Daten charakterisierten die Forschenden die Eigenschaften von im Blut zirkulierenden Immunzellen – sogenannten weißen Blutkörperchen. „Diese äußerst umfangreiche Datenerhebung der Genaktivität jeder einzelnen Zelle ermöglichte es uns, mit bioinformatischen Methoden einen umfassenden Blick auf die laufenden Prozesse in den weißen Blutkörperchen zu gewinnen“, erklärt Yang Li, Professorin am Zentrum für Individualisierte Infektionsmedizin (CiiM) und Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Hannover. „In Kombination mit der Betrachtung von wichtigen Eiweißmolekülen auf der Oberfläche von Immunzellen konnten wir so die Veränderungen im Immunsystem von Patientinnen und Patienten mit COVID-19 entschlüsseln“, ergänzt Birgit Sawitzki, Professorin am Institut für Medizinische Immunologie am Campus Virchow-Klinikum der Charité.

„Unreife“ Zellen

Das menschliche Immunsystem umfasst ein breites Arsenal von Zellen und anderen Verteidigungsmechanismen, die sich gegenseitig beeinflussen. In der aktuellen Studie lag der Fokus auf sogenannten myeloiden Zellen, zu denen auch Neutrophile und Monozyten gehören. Das sind Immunzellen, die in der Reaktionskette der Immunantwort recht weit vorne stehen, also sehr früh zur Abwehr von Infektionen mobilisiert werden. Sie beeinflussen zudem die spätere Bildung von Antikörpern und anderen Zellen, die zur Immunität beitragen. Dadurch kommt den myeloiden Zellen eine Schlüsselposition zu.

„Wir haben bei den sogenannten Neutrophilen und den Monozyten festgestellt, dass diese Immunzellen bei milden Krankheitsverläufen von COVID-19 aktiviert, also abwehrbereit sind. Sie sind auch so programmiert, dass sie den Rest des Immunsystems in Gang setzen. So kommt es letztlich zu einer ausreichenden Immunantwort gegen das Virus“, erklärt Antoine-Emmanuel Saliba, Arbeitsgruppenleiter am Helmholtz-Institut für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) in Würzburg.

Anders sei die Situation bei den schweren Fällen von COVID-19, erläutert Sawitzki: „Hier sind Neutrophile und Monozyten zwar zum Teil aktiviert, aber auch in ihrer Funktion gestört. Wir finden deutlich mehr unreife Zellen, die eher hemmend auf die Immunreaktion wirken.“ Sander ergänzt: „Das Phänomen lässt sich auch bei anderen schweren Infektionen beobachten, der Grund dafür ist jedoch unklar. Es spricht vieles dafür, dass sich das Immunsystem bei schweren COVID-19-Verläufen gewissermaßen selbst im Wege steht. Dadurch kommt es womöglich zu einer unzureichenden Immunantwort gegen das Coronavirus, bei gleichzeitiger starker Entzündung im Lungengewebe.“

Ansätze für die Therapie?

Die aktuellen Befunde könnten auf neue Therapiemöglichkeiten hindeuten, meint Anna Aschenbrenner vom LIMES Institut der Universität Bonn: „Unsere Daten legen nahe, dass man bei schweren Krankheitsverläufen von COVID-19 Strategien erwägen sollte, die über die Behandlung anderer Viruserkrankungen hinausgehen.“ Eigentlich wolle man bei viralen Infekten das Immunsystem nicht unterdrücken, meint die Bonner Forscherin. „Wenn jedoch zu viele dysfunktionale Immunzellen auftreten, wie es unsere Studie zeigt, dann möchte man solche Zellen sehr wohl unterdrücken oder umprogrammieren.“ Jacob Nattermann, Professor an der Medizinischen Klinik I des Universitätsklinikums Bonn und Arbeitsgruppenleiter im DZIF, erläutert weiter, „Medikamente, die auf das Immunsystem einwirken, könnten vielleicht weiterhelfen. Das ist allerdings ein Balance-Akt. Denn es geht darum, das Immunsystem nicht gänzlich herunterzufahren, sondern nur jene Bereiche, die sich sozusagen selbst ausbremsen. Das sind in diesem Fall die unreifen Zellen. Möglicherweise können wir von der Krebsforschung lernen. Hier gibt es Erfahrung mit Therapien, die bei solchen Zellen ansetzen.“

Bundesweites Teamspiel

Angesichts der vielen Beteiligten betont Schultze die Zusammenarbeit innerhalb des Forschungskonsortiums: „Diese Studie ist nach unserem Wissen eine der bislang umfangreichsten zur Immunantwort bei COVID-19 auf der Grundlage von Einzelzell-Daten. Die parallele Auswertung zweier unabhängiger Patientenkohorten ist eine der Stärken unserer Studie. Wir haben Patientengruppen von zwei unterschiedlichen Standorten mit verschiedenen Methoden analysiert und konnten so unsere Befunde direkt validieren. Das ist nur möglich, wenn Forschungsdaten offen geteilt werden und man vertrauensvoll kooperiert. Dies ist gerade in der aktuellen Krisensituation enorm wichtig.“


Die Originalversion dieser Pressemitteilung wurde am 6. August 2020 versandt von der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Universität Bonn, des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) und des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) und Kolleginnen und Kollegen des bundesweiten Forschungsverbundes DeCOI.

www.mdc-berlin.de

produzieren / 06.08.2020
T-knife schließt Serie A Finanzierungsrunde über 66 Millionen Euro zur Entwicklung neuartiger T-Zell-Therapeutika ab

  • T-Zellrezeptoren auf Basis von T-knifes geschützter humanisierter Mausplattform (HuTCR) sollen überlegene Affinität und Spezifität bieten
  • Versant Ventures und RA Capital Management Hauptinvestoren der Serie A mit maßgeblicher Beteiligung der Gründungsinvestoren Andera Partners und Boehringer Ingelheim Venture Fund (BIVF)

T-knife GmbH, ein Unternehmen, das mit seiner geschützten humanisierten T-Zellrezeptor (HuTCR) Mausplattform neuartige adoptive T-Zellen zur Behandlung solider Tumore entwickelt, gab heute den Abschluss einer Serie A Finanzierung in Höhe von €66 Millionen bekannt. Lead Investoren waren Versant Ventures und RA Capital Management, die durch eine maßgebliche Beteiligung der bisherigen Investoren Andera Partners und Boehringer Ingelheim Venture Fund (BIVF) unterstützt wurden.

Das Unternehmen entstand 2018 als Ausgründung des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin mit Unterstützung der Charité - Universitätsmedizin Berlin. Dort wurde durch die wegweisende Arbeit von T-knifes Mitgründer Prof. Thomas Blankenstein die transgene HuTCR Mausplattform des Unternehmens entwickelt, die den vollständigen menschlichen TCRαβ Genlocus umfasst. Aufgrund ihrer natürlichen in vivo Selektion von hochaffinen TCRs hat die TCR-T-Zellplattform das Potenzial, eine im Vergleich mit herkömmlichen TCR-Technologien deutlich verbesserte Behandlung solider Tumore zu ermöglichen.

“Nachdem wir uns zunächst ausschließlich auf den Aufbau einer leistungsstarken humanisierten Mausplattform konzentriert haben, die den gesamten menschlichen TCR Locus umfasst, freuen wir uns jetzt besonders, eine Validierung durch renommierte Healthcare-Fonds wie Versant Ventures und RA Capital zu erhalten”, sagte Dr. Elisa Kieback, Chief Executive Officer und wissenschaftliche Mitbegründerin von T-knife. “Wir sind ebenso dankbar für die anhaltende Unterstützung unserer Gründungsinvestoren Andera Partners und Boehringer Ingelheim Venture Fund, zwei führende Healthcare-Investoren, die bereits seit Gründung als Partner an unserer Seite stehen. Für die Zukunft ist es unser Ziel, ein transatlantisches Unternehmen zu werden, und zwar durch Aufbau eines Standbeins in den USA sowie eine entsprechende Erweiterung unseres Managementteams.”

T-knifes HuTCR Maus exprimiert nur humane TCRs mit HLA-Restriktion. Aufgrund ihrer natürlichen Generierung in Mäusen ohne negative Thymusselektion sind diese TCRs von hoher Spezifität und Affinität. Das Unternehmen hat eine Pipeline an patentierten, einzigartigen TCR Kandidaten für die klinische Entwicklung aufgebaut. Die Erlöse der Serie A Finanzierung werden eingesetzt, um mindestens vier Programme in die klinische Entwicklung zu bringen sowie die präklinische Arbeit an weiteren ausgewählten Pipelinekandidaten voranzutreiben und TCRs gegen neue Targets/Wirkorte zu erforschen.

Zukünftig wird T-knifes Aufsichtsrat aus Josh Resnick (RA Capital), Alex Mayweg (Versant Ventures), Olivier Litzka (Andera Partners), Frank Kalkbrenner (BIVF), Thomas Blankenstein und Elisa Kieback bestehen. Das Unternehmen wurde bei der Finanzierung durch Blueprint Life Science Group beraten und juristisch durch CMS vertreten. Die neuen Investoren wurden von Goodwin Procter beraten. Die Transaktion wird vorbehaltlich gesetzlicher und kartellrechtlicher Genehmigung durchgeführt.

Alex Mayweg von Versant Ventures erklärte: “Während CAR-T-basierte Therapieansätze bereits ihren Nutzen  bei der Behandlung hämatologischer Krebsindikationen gezeigt haben, konnten sie bei soliden Tumoren bislang weniger Erfolge verbuchen. T-knife hat eine spannende Technologie für TCR-T Zelltherapie entwickelt, die Tumorantigene in MHC-restringierter Weise adressiert und dadurch eine der wenigen Plattformen darstellt, die für solide Tumore geeignet ist. Daher sind wir hocherfreut, diese Finanzierung gemeinsam mit RA Capital als Lead Investoren durchzuführen. RA Capital ist ein herausragender Healthcare-Fond und sein Anlagemandat spiegelt unsere eigene Mission wider, wegweisende Therapieansätze mit kurativem Ansatz zu identifizieren und zu fördern.”

“Wir freuen uns, dass T-knife jetzt ein Portfoliounternehmen von RA Capital ist und sind besonders froh, gemeinsam mit Versant Ventures als Hauptinvestoren diese Finanzierungsrunde abzuschließen”, sagte Josh Resnick von RA Capital Management. “Nachdem nun die finanzielle und strategische Unterstützung des Unternehmens gesichert ist, freuen wir uns darauf, gemeinsam mit dem Management und den übrigen Investoren T-knifes potenziell bahnbrechende T-Zelltherapien Patienten mit soliden Tumoren zur Verfügung zu stellen.”

Olivier Litzka von Andera Partners ergänzte: “Gemeinsam mit unserem Co- und Gründungsinvestor BIVF und seinem Vertreter Detlev Mennerich, der in den letzten beiden Jahren auch Vorsitzender des Aufsichtsrats von T-knife war, sind wir enorm stolz auf den Fortschritt des Unternehmens, der in dieser außerordentlichen Serie A-Runde mit führenden Investoren gipfelt. Wir beglückwünschen Elisa Kieback, Thomas Blankenstein und ihr Team für ihre Leistungen und heißen unsere neuen Partner willkommen, die unsere Vision teilen, T-knife zum führenden T-Zelltherapieunternehmen zu machen.”

Über T-knife GmbH
T-knife entwickelt auf Basis seiner humanisierten T-Zellrezeptor (HuTCR) Mausplattformtechnologie eine neue Generation adoptiver T-Zelltherapeutika zur Behandlung solider Tumore. Das Unternehmen entstand 2018 als Ausgründung des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin mit Unterstützung der Charité - Universitätsmedizin Berlin. Ascenion GmbH, der Partner für Technologietransfer des MDC und der Charité, begleitete die Wissenschaftler von Anfang an, half kontinuierlich die Patentposition auszubauen, und unterstützte eine Finanzierung in der Pre-Seed-Phase  und die Verhandlungen für Kooperations- und Lizenzvereinbarungen in Abstimmung mit dem MDC und der Charité.
T-knifes Mission ist es, seine einzigartige Technologie einzusetzen, um hocheffektive und sichere Therapeutika auf Basis von T-Zellrezeptoren auf den Markt zu bringen. Auf Grundlage der enormen Expertise seiner Gründer im Bereich T-Zell-Immunologie und der einzigartigen HuTCR Plattform entwickelt das Unternehmen vollständig humane TCRs, die gute Voraussetzungen mitbringen, neue Technologiestandards zu setzen und deutlich bessere Sicherheit und Wirksamkeit zu bieten.
Das Unternehmen hat bereits den präklinischen Wirksamkeitsnachweis erbracht; sein am weitesten fortgeschrittenes Programm befindet sich bereits in der klinischen Entwicklung. Darüber hinaus hat T-knife seine Plattform für über 90 bislang nicht veröffentlichte Tumortargets validiert. Mehrere weitere Wirkstoffkandidaten befinden sich bereits in der präklinischen Entwicklung. Das Unternehmen geht davon aus, bis 2022 drei weitere TCRs in die klinische Entwicklung zu bringen.
T-knife verfolgt eine duale Wachstumsstrategie, die einerseits auf der Entwicklung einer internen Pipeline von wegweisenden Therapeutika und andererseits auf dem Aufbau externer Partnerschaften durch die Auslizenzierung bereits patentierter TCRs und/oder dem Einsatz der HuTCR Maus zur Erforschung neuer Epitope beruht.
T-knife wird durch führende Investoren wie Versant Ventures, RA Capital, Andera Partners und Boehringer Ingelheim Venture Fund finanziert.

Kontakt T-knife
T-knife GmbH
Elisa Kieback, CEO
Robert-Roessle-Str. 10
13125 Berlin
Tel.: +49 30 94892433
info@t-knife.com

Medienanfragen
akampion
Dr. Ludger Wess / Ines-Regina Buth
Managing Partners
info@akampion.com
Tel. +49 40 88 16 59 64
Tel. +49 30 23 63 27 68

Blueprint Life Science Group
Jason Wong
Jwong@bplifescience.com
Tel.: +1.415.375.3340 Ext. 4

Quelle: https://www.globenewswire.com/news-release/2020/08/06/2073908/0/de/T-knife-schlie%C3%9Ft-Serie-A-Finanzierungsrunde-%C3%BCber-EUR-66-Millionen-zur-Entwicklung-neuartiger-T-Zell-Therapeutika-ab.html

t-knife.com

forschen, produzieren, heilen / 05.08.2020
Christopher Baum wird Vorstandsvorsitzender des BIH

Prof. Christopher Baum (Foto: BIH)
Prof. Christopher Baum (Foto: BIH)

Am 5. August 2020 hat der Aufsichtsrat des Berlin Institute of Health (BIH) unter Vorsitz von Staatssekretär Christian Luft (BMBF) einstimmig Professor Dr. med. Christopher Baum zum Vorstandsvorsitzenden des BIH bestellt. Der ausgewiesene Wissenschaftsmanager und Experte für Translation, Molekulare Medizin und Gentherapie wird sein Amt zum 1. Oktober 2020 in Berlin antreten. Baum ist Vizepräsident Medizin an der Universität Lübeck und Vorstandsmitglied des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH). Er folgt auf Professor Axel R. Pries, der das Amt des Vorstandsvorsitzenden des BIH zwei Jahre kommissarisch innehatte und sich nun wieder ganz seiner Aufgabe als Dekan der Charité – Universitätsmedizin Berlin widmen wird.

„Als Vorsitzender des Aufsichtsrats freue ich mich sehr, dass wir Herrn Professor Baum als Vorstandsvorsitzenden des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung gewinnen konnten“, sagte der Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Christian Luft. „Herr Professor Baum ist der Richtige, um mit Gestaltungswillen und Führungserfahrung die Integration des Instituts in die Charité zu meistern. Er wird zudem die translationale Ausrichtung des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung in Berlin, deutschlandweit und international nachhaltig vorantreiben. Ich freue mich sehr auf unsere gemeinsame Zusammenarbeit!“

Dem pflichtete Steffen Krach, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung, der das Land Berlin im BIH-Aufsichtsrat vertritt, bei: „Christopher Baum ist der ideale Kandidat für das BIH und ein großer Gewinn für unsere ganze Gesundheitsstadt. Berlin hat noch viel vor als Wissenschafts- und Medizinstandort und ich freue mich sehr auf unsere Zusammenarbeit.“

Baum übernimmt wohlbestelltes Haus

Professor Axel R. Pries, kommissarischer Vorstandsvorsitzender des BIH und Dekan der Charité – Universitätsmedizin Berlin, übergibt seinem Nachfolger ein wohlbestelltes Haus: „Das BIH hat sich in den letzten Jahren zu einer der ersten Adressen für translationale Medizin in Deutschland entwickelt. Die Umsetzung unserer Mission „Aus Forschung wird Gesundheit“ nimmt Gestalt an, wir haben bereits relevante Erfolge vorzuweisen, von hochrangig publizierten Forschungsergebnissen – auch und gerade zur aktuellen Corona-Pandemie – über nationale und internationale Kooperationen bis hin zu ersten Ausgründungen von Start Up Unternehmen in der Digitalen Medizin. Ich freue mich, dass wir mit Professor Baum einen Vorstandsvorsitzenden gefunden haben, der sich auf all diesen Gebieten auskennt und sie weiter vorantreiben wird.“

Professor Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité – Universitätsmedizin Berlin, begrüßte den neuen BIH-Vorstandsvorsitzenden, der nach der Integration des BIH in die Charité ab 2021 auch im Charité-Vorstand sitzen wird. „Christopher Baum verfügt über ein großes Maß eigener Leitungserfahrung in Universitätskliniken. Ich bin mir sicher, dass er im eigenständigen BIH die Übertragung von Forschungsergebnissen in die klinische Anwendung stark fördern und dabei die Synergieeffekte mit der Charité maximal nutzen wird.“

Experte für Molekulare Medizin und Gentherapie

Professor Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (komm.), freute sich ebenfalls über die Wahl von Christopher Baum. „Als Experte für molekulare Medizin und ausgewiesener Wissenschaftsmanager wird Christopher Baum für uns ein exzellenter Ansprechpartner. Mit ihm an der BIH-Spitze werden wir die enge Zusammenarbeit von MDC, Charité und BIH in der Gesundheitsforschung weiter ausbauen. Ich gratuliere Christopher Baum sehr herzlich und wünsche ihm viel Erfolg." Das MDC ist neben der Charité Gründungsinstitution des BIH und wird nach der Integration des BIH in die Charité der Privilegierte Partner des BIH.

Prof. Dr. med. Christopher Baum wurde 1962 in Marburg geboren und studierte Philosophie (2 Semester in Mainz) und Medizin in Essen, Freiburg und Hamburg. Er promovierte 1991 zum Dr. med. und habilitierte sich 1999 für das Fach Molekulare Medizin an der Universität Hamburg. Im Jahr 2000 folgte er einem Ruf an die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) auf eine Professur für Stammzellbiologie und war gleichzeitig ab 2002 assoziierter Professor für Pädiatrie am Cincinnati Children‘s Hospital in den USA. In Hannover leitete er ab 2006 das Institut für Experimentelle Hämatologie, diente als Ombudsperson für Gute Wissenschaftliche Praxis sowie als Forschungsdekan und wurde 2013 zum Präsidenten der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gewählt. Anfang 2019 wechselte Baum an die Universität Lübeck als erster hauptamtlicher Vizepräsident Medizin und Vorstandsmitglied des UKSH, Deutschlands zweitgrößtem Universitätsklinikum nach der Charité.

Molekularbiologe, Arzt und Wissenschaftsmanager

„Ich danke allen Beteiligten für ihr Vertrauen und freue mich außerordentlich auf die neue Aufgabe“, sagte Baum nach seiner Wahl. „Die Translation ist mir ein Kernanliegen: Forschung in Gesundheit zu verwandeln bedeutet, aus wissenschaftlichen Erkenntnissen konkrete Anwendungen zu schaffen, die Menschen helfen. Das BIH ist eine hervorragende Einrichtung zur Gestaltung des Übergangs von der Grundlagenforschung in die Medizin. Ich werde alles daransetzen, diese besondere Mission zusammen mit dem erstklassigen Team des BIH umzusetzen.“ Baums Interesse gilt dabei sowohl der Förderung der Forschung als auch der intensiven Zusammenarbeit mit der Klinik. „Mit der Charité haben wir einen exzellenten klinischen und wissenschaftlichen Partner an unserer Seite, der durch das MDC in mehreren Dimensionen ergänzt und erweitert wird. Die Synergie mit diesen hervorragenden Partnereinrichtungen begründet den Erfolg des BIH.“

Wissenschaftlich beschäftigte sich Christopher Baum schon früh mit der Gentherapie. Er entwickelte Genvektoren zum Einschleusen von Genen in Blutstammzellen und deckte die Grundlagen der so genannten Insertionsmutagenese in der Gentherapie auf, die bei gentherapeutisch behandelten Patient*innen zu Blutkrebs führen kann. Darauf aufbauend entwickelte er Testverfahren, mit denen sich diese gefährliche Nebenwirkung vor der Übertragung der genetisch modifizierten Blutstammzellen ausschließen lässt. Im Wissenschaftsmanagement gestaltete er nationale und internationale Netzwerke zur translationalen Forschung in der Stammzell‐ und Gentherapie. In Hannover führte er das Freiwillige Wissenschaftliche Jahr als neue Form des Freiwilligen Sozialen Jahrs, das PhD-Programm „Regenerative Sciences“ des Exzellenzclusters REBIRTH (From regenerative biology to reconstructive therapy), das Clinician‐Scientist‐Programm „Junge Akademie der MHH“ und das Weiterbildungsprogramm „TRAIN Academy“ für translationale Wissenschaften ein. Bei ihm lag die Gesamtkoordination der Exzellenzkonzepte der MHH. An der Universität zu Lübeck, einem Zentrum der Künstlichen Intelligenz, und am UKSH widmete er sich vorrangig der Verknüpfung von Informatik und Medizin, der Kooperation der Standorte in Lübeck und Kiel und dem Ausbau der interprofessionellen Lehre. Zudem führte er ein Medizininformatik-Promotionsprogramm mit dualer Betreuung seitens Informatik und Medizin ein.

Für seine wissenschaftlichen Arbeiten erhielt Baum zahlreiche Preise, darunter den Ursula M. Händel-Tierschutzpreis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie den Luise & Horst Köhler Preis für Forschung zu Seltenen Erkrankungen. Er ist Präsidiumsmitglied des Medizinischen Fakultätentages (MFT) und hat dort den Vorsitz der AG Wissenschaft inne.

Über das BIH:

Die Mission des Berlin Institute of Health (BIH) ist die medizinische Translation: Erkenntnisse aus der biomedizinischen Forschung werden in neue Ansätze zur personalisierten Vorhersage, Prävention, Diagnostik und Therapie übertragen, umgekehrt führen Beobachtungen im klinischen Alltag zu neuen Forschungsideen. Ziel ist es, einen relevanten medizinischen Nutzen für Patient*innen und Bürger*innen zu erreichen. Dazu etabliert das BIH ein umfassendes translationales Ökosystem, setzt auf ein organübergreifendes Verständnis von Gesundheit und Krankheit und fördert einen translationalen Kulturwandel in der biomedizinischen Forschung. Das BIH wurde 2013 gegründet und wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sind im BIH eigenständige Gliedkörperschaften.

www.bihealth.org

heilen / 05.08.2020
Helios Klinikum Berlin-Buch reicht Antrag auf Genehmigung für Errichtung eines Luftrettungszentrums ein

Das Helios Klinikum Berlin-Buch beantragt Genehmigung für die Anlage und den Betrieb eines Luftrettungszentrums am Standort Buch ein. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Das Helios Klinikum Berlin-Buch beantragt Genehmigung für die Anlage und den Betrieb eines Luftrettungszentrums am Standort Buch ein. (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Das Helios Klinikum Berlin-Buch reicht einen Antrag auf Genehmigung für die Anlage und den Betrieb eines Luftrettungszentrums am Standort Berlin-Buch ein, um künftig die Notfallversorgung der Berliner und Brandenburger noch besser gewährleisten zu können.

In Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Inneres und Sport hat das Helios Klinikum Berlin-Buch einen Antrag auf Genehmigung zur Errichtung eines Luftrettungszentrums am Standort Berlin-Buch bei der oberen Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg eingereicht. Die Kosten für Bau und Instandhaltung werden nach erfolgreicher Überprüfung der Luftfahrtbehörde durch Helios getragen.
Daniel Amrein, Geschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch: „Wir würden uns natürlich sehr freuen, die Möglichkeit zur Errichtung eines Luftrettungszentrums an unserem Klinikstandort zu erhalten. Alles Notwendige dafür ist vorbereitet und jetzt warten wir auf grünes Licht von der Luftfahrtbehörde.“

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Für die häufigsten lebensbedrohlichen Situationen stehen besondere Versorgungseinheiten mit spezieller Technik und spezialisiertem Personal zur Verfügung:

  • Zertifizierte Chest Pain Unit bei Herzinfarkt
  • überregional zertifizierte Stroke Unit, in der Schlaganfallpatienten nach neuestem medizinischem Standard versorgt werden
  • Überregionales Traumazentrum für Schwerverletzte

Jährlich werden im Helios Klinikum Berlin-Buch mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.

„Eine Luftrettungsstation am Standort Berlin-Buch wäre ein weiterer Meilenstein für die Notfallversorgung der Bürgerinnen und Bürger in Berlin und Brandenburg“, betont Prof. Dr. Sebastian Heumüller, Regionalgeschäftsführer Helios Region Ost.

Der Rettungshubschrauber mit Seilwinde soll künftig im Gebiet der Länder Berlin und Brandenburg Primäreinsätze durchführen. Das medizinische Personal für die neue Luftrettungsstation, d.h. Notärzte und HEMS-TC, wird durch die Berliner Feuerwehr und die Bundeswehr gestellt.
Die Berliner Luftrettung befindet sich derzeit in einem Ausschreibungsverfahren.

Die Ausschreibung umfasst insgesamt drei Lose. Los 1 ist das Luftrettungszentrum Christoph 31 an der Charité Campus Benjamin Franklin (derzeit betrieben durch die ADAC Luftrettung gGmbH), Los 2 das Luftrettungszentrum Christoph Berlin am Unfallkrankenhaus Berlin (derzeit betrieben durch die DRF Luftrettung) und Los 3 eine neu zu schaffende Station, die mit der Durchführung der Luftrettung beauftragt werden soll. Die Senatsverwaltung für Inneres und Sport hat die Berliner Feuerwehr mit der Neuvergabe der Konzession für die gesamte Luftrettung im Land Berlin beauftragt.

www.helios-gesundheit.de

heilen / 31.07.2020
Gläsernes Labor startet geförderte Weiterbildung im Doppelkurs

Foto: Peter Himsel
Foto: Peter Himsel

Gemeinsam mit dem Bildungspartner CQ Beratung + Bildung startet das Gläserne Labor ab dem 3. August den praktischen Laborteil der Weiterbildungsmaßnahme "Labormethoden der Molekularbiologie und Zellkultur" auf dem Bucher Forschungscampus als Präsenzveranstaltung.

Der Kurs war im März 2020 gestartet, musste jedoch wegen der allgemein geltenden Einschränkungen durch die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronaviruses bereits nach wenigen Tagen abgebrochen werden. Die Durchführung des gut siebenwöchigen Laborpraktikums findet nun im August und September unter strenger Berücksichtigung der Hygieneauflagen des Berliner Senats statt. Aufgrund der großen Nachfrage wird der Kurs mit 13 Teilnehmenden in zwei Gruppen, die leicht zeitlich versetzt unterrichtet werden, durchgeführt.

Dem Start des Laborpraktikums war ein sechswöchiger Theorieteil vorangestellt, der als Online-Kurs stattfand. „Wir freuen uns, die Teilnehmenden nun im Anschluss an den Online-Kurs zum Präsenzunterricht im Labor auf dem Campus Berlin-Buch begrüßen zu können. Für die Schulung in modernen Labormethoden bietet der Vorortunterricht unverzichtbare Vorteile.“, sagt Ulrike Mittmann, Koordinatorin der Weiterbildungsmaßnahme im Gläsernen Labor.

Inhalte der Weiterbildungsmaßnahme im Gläsernen Labor sind
     - Allgemeine Labormethoden und Datenbanken: Digitales Laborbuch,  Pipettiertraining / -kalibration, Restriktionsverdau, Gelelektrophorese, Proteinbestimmung, ELISA, Biowissenschaftliche Datenbanken, NCBI

     - Molekularbiologie / Gentechnik: PCR-Anwendungen (klassische, quantitative, reverse, real time), Herstellen und Kultivieren von Bakterienkulturen, SDS-Page, Coomassiefärbung, Western Blot, Ligation, Transformation, Selektion, IPTG Simulation, Auswertung und Analyse am PC, Einführung (Theorie) in NGS-Systeme

     - Zellkultur: (Fluoreszenz)Mikroskopie, Steriles Arbeiten, Subkultivierung, Zellzahlbestimmung, Kryokonservierung, Kontamination, Primärzellkultur, Kristallviolett-, Immunfärbung, Workshop in FACS (Einführung und Datenanalyse)

Interessenten für die Teilnahme an künftigen Terminen, wenden sich bitte an CQ Beratung + Bildung. Für Arbeitsuchende ist die Finanzierung mit Bildungsgutschein möglich.

https://www.cq-bildung.de/bildung/biotech-life-sciences/labormethoden-molekularbiologie-zellkultur

produzieren / 30.07.2020
Eckert & Ziegler: Umsetzung des Aktiensplits durch Ausgabe von Gratisaktien erfolgt am 04. August 2020

Die Eckert & Ziegler AG (ISIN DE0005659700, TecDAX) gibt bekannt, dass der Aktiensplit durch die Ausgabe von Gratisaktien am 4. August 2020 umgesetzt werden wird, nachdem die von der Hauptversammlung am 10. Juni 2020 beschlossene Erhöhung des Grundkapitals im Handelsregister eingetragen worden ist.

Die Hauptversammlung am 10 Juni 2020 hat beschlossen, das Grundkapital von zurzeit EUR 5.292.983,00 aus Gesellschaftsmitteln um EUR 15.878.949,00 auf EUR 21.171.932,00 zu erhöhen. Die Kapitalerhöhung erfolgte durch Umwandlung eines Teilbetrags in Höhe von EUR 15.878.949,00 der in der Jahresbilanz der Gesellschaft zum 31. Dezember 2019 unter Gewinnrücklagen ausgewiesenen anderen Gewinnrücklagen in Grundkapital gegen Ausgabe von 15.878.949 neuen auf den Inhaber lautenden Stückaktien (“Gratisaktien“). Die Gratisaktien sind mit Gewinnberechtigung ab 1. Januar 2020 ausgestattet. Den Aktionären der Gesellschaft stehen die Gratisaktien aufgrund ihres Aktienbesitzes im Verhältnis 1:3 zu, so dass die Aktionäre für jeweils eine (1) bestehende Aktie zusätzlich drei (3) Gratisaktien erhalten.

Da sämtliche Aktien der Gesellschaft in Giro-Sammeldepots verwahrt werden, erhalten die Aktionäre der Gesellschaft mittels Depotgutschrift Miteigentum an der bei der Clearstream Banking AG hinterlegten Globalurkunde in Höhe der auf sie entfallenden Gratisaktien und haben wegen der Entgegennahme dieser Aktien nichts zu veranlassen.

Die Zuteilung der Gratisaktien erfolgt für die berechtigten Aktionäre aufgrund ihrer Bestände an bestehenden Aktien nach dem Stand vom 3. August 2020 nach Börsenschluss mittels Depotgutschrift. Die Gratisaktien erhalten die gleichen ISIN / WKN wie die bestehenden Aktien und sind zum Handel im regulierten Markt an der Frankfurter Wertpapierbörse (Prime Standard) einbezogen.

www.ezag.de

produzieren / 24.07.2020
Halbjahreszahlen besser als erwartet: Eckert & Ziegler erhöht Gewinnprognose auf 4 Euro pro Aktie

Der Vorstand rechnet nach jetzigem Kenntnisstand trotz Corona damit, dass das Konzernergebnis die am Jahresanfang veröffentlichte Prognose für das Geschäftsjahr 2020 übersteigt. Er zieht die früheren Prognosen zurück und erhöht den bisherigen Zielwert von 3,50 EUR auf 4,00 EUR pro Aktie. Die Umsatzprognose belässt der Vorstand bei 170 Mio. EUR.


Die Kennzahlen basieren auf dem Grundkapital zum 30. Juni 2020. Umgerechnet auf das erhöhte Grundkapital von 21.171.932 EUR beträgt die Prognose 1,00 EUR pro Aktie.

Die vollständigen Zahlen für das erste Halbjahr werden am 13. August 2020 veröffentlicht.

Veröffentlichung einer Insiderinformation gemäß Artikel 17 MAR

www.ezag.de

leben / 23.07.2020
European Homecare übernimmt soziale Betreuung für Geflüchtete in Berlin-Buch

Ein Start unter besonderen Bedingungen: Anfang Juni hat der Essener Sozialdienstleister European Homecare im Auftrag des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) die Soziale Betreuung für Geflüchtete in der Gemeinschaftsunterkunft Berlin-Buch übernommen. Doch trotz der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Einschränkungen erfolgte die Übernahme planmäßig. „Die Abstimmung mit dem Vorbetreiber, der Stephanus-Stiftung, hat reibungslos funktioniert“, berichtet die Betriebskoordinatorin Kezban Iscan, die den Start begleitet. „Glücklicherweise konnten viele Einrichtungsgegenstände und Inventar, beispielsweise für die Kinderbereiche, übernommen werden.“

Das Gebäude an der Wolfgang-Heinz-Straße wurde in Modulbauweise errichtet. Dadurch ist es nicht nur optisch ansprechend, sondern auch praktisch: Die Räumlichkeiten lassen sich je nach Platzbedarf flexibel anpassen. So können nebeneinanderliegende Räume für zusammenlebende Personen miteinander verbunden werden. Derzeit leben 416 Menschen in der Gemeinschaftsunterkunft, darunter viele Familien. Sie bewohnen vor allem Räumlichkeiten im Erdgeschoss, wo sich auch barrierefreie Zimmer befinden. In den Etagen darüber sind neben weiteren Familien auch allein reisende Personen untergebracht, vor allem in Zweibett-Zimmern.

Das Team, das aus Sozialarbeiter*innen, Sozialbetreuer*innen und Erzieher*innen besteht, ist von 6.30-20.00 Uhr für die Bewohner*innen da. Bedarf für Beratungen besteht vor allem bei Behördenangelegenheiten, der Wohnungssuche, Vermittlung in Arbeit, Studium oder Ausbildung und Fragen zum Thema Schule und Kindergarten. Das langfristige Ziel ist immer, die Bewohner*innen bestmöglich auf ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben vorzubereiten - „Empowerment“ ist der Schlüssel zur Integration. Dazu gehört auch, dass sich die Bewohner*innen selbst versorgen: Auf jeder Etage gibt es Gemeinschaftsküchen, die von allen Personen auf der Etage genutzt werden.

Für Kinder ist eine gezielte Förderung besonders wichtig. 48 Kinder im Grundschulalter wohnen derzeit in der Unterkunft an der Wolfgang-Heinz-Straße. Für sie und auch die älteren wird täglich Hausaufgabenbetreuung angeboten, die von Erzieher*innen unterstützend begleitet wird. Jederzeit können Computer genutzt werden – natürlich auch von den Erwachsenen. Für die Freizeit steht für Ältere ein Fitnessraum zu Verfügung, Gruppenräume (auch speziell für Frauen) und diverse Kreativangebote, für die Jüngeren ein großer Spielplatz mit Basketballfeld und direkt neben dem Gelände der Unterkunft eine öffentliche Skateanlage.

Neben dem Einsatz der hauptamtlichen Mitarbeiter*innen bedeuten Ehrenamtliche eine wichtige Unterstützung. „Berlin-Buch hat ein gutes Netzwerk an Initiativen, die sich für Menschen mit Migrationshintergrund einsetzen“, berichtet die stellvertretende Einrichtungsleiterin Frau Lindner. „Bestehende Kooperationen möchten wir weiterführen und auch gerne ausbauen.“ Kontakte und Kooperationen bestehen zu verschiedenen Initiativen wie z.B. dem Familienzentrum im Bucher Bürgerhaus und deren Projekt der Stadtteilmütter, den Integrationslotsen des Trixiewiz e.V., dem Bildungsverband Berlin-Buch, dem Willkommensnetzwerk „Pankow hilft!“, dem Willkommensprojekt & Unterstützungskreis im Bucher Bürgerhaus (Albatros gGmbH), den Family-Guides von LebensWelt Berlin, LesMigraS, dem Berliner Sommerschulprogramm, BENN („Berlin entwickelt neue Nachbarschaften“) und diversen Sportvereinen. Eine Ehrenamtskoordinatorin kümmert sich um die Nachbarschafts- und Netzwerkarbeit. Interessierte Verbände oder Einzelpersonen können sich gerne unter ehrenamt-wolfgang-heinz@eu-homecare.com melden.
 

Die European Homecare GmbH mit Hauptsitz in Essen ist ein sozialer Dienstleister, der vor allem im Bereich der Flüchtlingsbetreuung aktiv ist. In über 100 Einrichtungen in Deutschland betreuen und beraten unsere Mitarbeiter*innen geflüchtete Menschen und Asylsuchende aus der ganzen Welt. Das Spektrum der Arbeit reicht von Unterstützung bei der Erstorientierung im sozialen Umfeld über Beratung in schwierigen Lebenssituationen bis hin zu langfristigen Integrationsmaßnahmen und gesellschaftlicher Teilhabe. Neben der Einrichtung in der Wolfgang-Heinz-Straße betreibt European Homecare in Berlin eine weitere Einrichtung am Hausvaterweg in Falkenberg.

Quelle: European Homecare GmbH

forschen / 23.07.2020
Rezeptor mit Suchtpotenzial

MDC-Doktorand Jan Möller im Labor vor dem hochauflösenden Bild des untersuchten Rezeptors. (© Felix Petermann, MDC)
MDC-Doktorand Jan Möller im Labor vor dem hochauflösenden Bild des untersuchten Rezeptors. (© Felix Petermann, MDC)

Opioide sind Fluch und Segen zugleich: Sie können Menschen von Schmerzen befreien, haben aber oft heftige Nebenwirkungen – bis hin zur Abhängigkeit. Forscher*innen des Max-Delbrück-Centrums haben nun untersucht, über welche Signalwege im Gehirn Wirkungen und Nebenwirkungen zustande kommen.

Opioide kommen in der Schmerzbehandlung zum Einsatz, wenn andere Schmerzmedikamente oder -therapien versagen oder nicht richtig wirken. Sie ermöglichen den Betroffenen, wieder ein aktives Leben zu führen. Die Kehrseite der Medaille: Die Schmerzmittel gehen oft mit Nebenwirkungen einher, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen, beispielsweise mit Übelkeit, Benommenheit, Verstopfung, einem trockenen Mund, Juckreiz, vermehrtem Schwitzen oder einem verringerten sexuellen Lustempfinden.

Bei vielen Patient*innen, denen Opioide verschrieben werden, bleibt die Schmerzlinderung mit der Zeit aus, während die Nebenwirkungen trotzdem mit aller Wucht auftreten. Darüber hinaus besteht ein erhebliches Suchtrisiko: Etwa ein bis drei Prozent der Patient*innen, die regelmäßig Opioide einnehmen, entwickeln eine Abhängigkeit.

Exklusiver Blick auf die Zelloberfläche

Ein Forschungsteam am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) hat nun die Signalkaskade erkundet, die die negativen Begleiterscheinungen der Schmerzmedikation auslöst. „Damit einher geht die große Hoffnung, dass eines Tages Opioide entwickelt werden können, die den Schmerz ausschalten, ohne unerwünschte Nebenwirkungen bis hin zur Medikamentensucht auszulösen“, erklärt Jan Möller, Doktorand in der Arbeitsgruppe „Signalprozesse von Rezeptoren“ des MDC. Er ist Erstautor der Studie, die kürzlich im Fachblatt „Nature Chemical Biology“ publiziert wurde. Lange galt es als unmöglich, Wirkungen und Nebenwirkungen voneinander zu trennen.

Unter einem TIRF-Mikroskop haben Möller und seine Kollegen beobachtet, was an der Membran von Nervenzellen abläuft, wenn Opioide sie erreichen. TIRF steht für „total internal reflection fluorescence“. Diese spezielle Methode der Lichtmikroskopie macht es möglich, gezielt einzelne Rezeptoren auf der äußeren Zellhülle zu lokalisieren. Unter anderem sitzen dort die G-Protein-bindenden Rezeptoren (GPCRs, G-protein-coupled receptors), die für die Übertragung von Signalen aus der Umwelt, zum Beispiel Sinneswahrnehmungen, zuständig sind. Eine bestimmte Sorte dieser Rezeptoren, die µ-Opioidrezeptoren, sind das Hauptangriffsziel von Opioiden. Sie besetzen diese Opioidrezeptoren und führen zu einer Schmerzlinderung. Die Opioidrezeptoren funktionieren in der Regel als Monomere, einzelne reaktionsfähige Moleküle, die an der Zelloberfläche sitzen und ihre Botschaft in das Zellinnere abgeben.

Opioid ist nicht gleich Opioid

Doch unterschiedliche Opioide lösen an den Opioidrezeptoren unterschiedliche Reaktionen aus. Trifft beispielsweise das Opioidpeptid DAMGO auf diese Rezeptoren, zeigt sich unter dem TIRF-Mikroskop, dass sich zwei Rezeptormoleküle miteinander verbinden, die Rezeptoren dimerisieren. Anschließend wandern die Rezeptoren in das Zellinnere, wo sie für eine erneute Aktivierung wieder fit gemacht werden. Zeitgleich wird aus dem Inneren der Zelle beta-Arrestin an die Zellmembran transportiert, wo es an die dimerisierten Rezeptoren bindet. Beta-Arrestin ist das Protein, das möglicherweise die Nebenwirkungen auslöst und Menschen abhängig macht. Wenn hingegen das Opioid Morphin die Rezeptoren aktiviert, entstehen keine Dimere, die Rezeptoren wandern nicht ins Zellinnere und werden so auch nicht wieder erregbar.

„Trotz zahlloser Versuche ist es bisher nicht gelungen, das Schmerzmittel Morphin wesentlich zu verbessern“, erläutert Professor Martin Lohse, der das vom amerikanischen Gesundheitsinstitut NIH geförderte Projekt geleitet hat. „Dadurch, dass wir jetzt einzelne Rezeptoren sehen und ihr Verhalten beobachten können, hoffen wir, in der Entwicklung neuer Schmerzmittel voranzukommen.“

Text: Jana Ehrhardt-Joswig

Weiterführende Informationen:
https://www.mdc-berlin.de/receptor-signaling

Literatur:
Jan Möller et al. (2020): Single-molecule analysis reveals agonist-specific dimer formation of µ-opioid receptors, Nature Chemical Biology, DOI: 10.1038/s41589-020-0566-1
 

www.mdc-berlin.de

forschen / 23.07.2020
Rezeptor mit Suchtpotenzial

MDC-Doktorand Jan Möller im Labor vor dem hochauflösenden Bild des untersuchten Rezeptors. © Felix Petermann, MDC
MDC-Doktorand Jan Möller im Labor vor dem hochauflösenden Bild des untersuchten Rezeptors. © Felix Petermann, MDC

Opioide sind Fluch und Segen zugleich: Sie können Menschen von Schmerzen befreien, haben aber oft heftige Nebenwirkungen – bis hin zur Abhängigkeit. Forscher*innen des Max-Delbrück-Centrums haben nun untersucht, über welche Signalwege im Gehirn Wirkungen und Nebenwirkungen zustande kommen.

Opioide kommen in der Schmerzbehandlung zum Einsatz, wenn andere Schmerzmedikamente oder -therapien versagen oder nicht richtig wirken. Sie ermöglichen den Betroffenen, wieder ein aktives Leben zu führen. Die Kehrseite der Medaille: Die Schmerzmittel gehen oft mit Nebenwirkungen einher, die die Lebensqualität stark beeinträchtigen, beispielsweise mit Übelkeit, Benommenheit, Verstopfung, einem trockenen Mund, Juckreiz, vermehrtem Schwitzen oder einem verringerten sexuellen Lustempfinden.

Bei vielen Patient*innen, denen Opioide verschrieben werden, bleibt die Schmerzlinderung mit der Zeit aus, während die Nebenwirkungen trotzdem mit aller Wucht auftreten. Darüber hinaus besteht ein erhebliches Suchtrisiko: Etwa ein bis drei Prozent der Patient*innen, die regelmäßig Opioide einnehmen, entwickeln eine Abhängigkeit.
Exklusiver Blick auf die Zelloberfläche

Ein Forschungsteam am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) hat nun die Signalkaskade erkundet, die die negativen Begleiterscheinungen der Schmerzmedikation auslöst. „Damit einher geht die große Hoffnung, dass eines Tages Opioide entwickelt werden können, die den Schmerz ausschalten, ohne unerwünschte Nebenwirkungen bis hin zur Medikamentensucht auszulösen“, erklärt Jan Möller, Doktorand in der Arbeitsgruppe „Signalprozesse von Rezeptoren“ des MDC. Er ist Erstautor der Studie, die kürzlich im Fachblatt „Nature Chemical Biology“ publiziert wurde. Lange galt es als unmöglich, Wirkungen und Nebenwirkungen voneinander zu trennen.

Unter einem TIRF-Mikroskop haben Möller und seine Kollegen beobachtet, was an der Membran von Nervenzellen abläuft, wenn Opioide sie erreichen. TIRF steht für „total internal reflection fluorescence“. Diese spezielle Methode der Lichtmikroskopie macht es möglich, gezielt einzelne Rezeptoren auf der äußeren Zellhülle zu lokalisieren. Unter anderem sitzen dort die G-Protein-bindenden Rezeptoren (GPCRs, G-protein-coupled receptors), die für die Übertragung von Signalen aus der Umwelt, zum Beispiel Sinneswahrnehmungen, zuständig sind. Eine bestimmte Sorte dieser Rezeptoren, die µ-Opioidrezeptoren, sind das Hauptangriffsziel von Opioiden. Sie besetzen diese Opioidrezeptoren und führen zu einer Schmerzlinderung. Die Opioidrezeptoren funktionieren in der Regel als Monomere, einzelne reaktionsfähige Moleküle, die an der Zelloberfläche sitzen und ihre Botschaft in das Zellinnere abgeben.
Opioid ist nicht gleich Opioid

Doch unterschiedliche Opioide lösen an den Opioidrezeptoren unterschiedliche Reaktionen aus. Trifft beispielsweise das Opioidpeptid DAMGO auf diese Rezeptoren, zeigt sich unter dem TIRF-Mikroskop, dass sich zwei Rezeptormoleküle miteinander verbinden, die Rezeptoren dimerisieren. Anschließend wandern die Rezeptoren in das Zellinnere, wo sie für eine erneute Aktivierung wieder fit gemacht werden. Zeitgleich wird aus dem Inneren der Zelle beta-Arrestin an die Zellmembran transportiert, wo es an die dimerisierten Rezeptoren bindet. Beta-Arrestin ist das Protein, das möglicherweise die Nebenwirkungen auslöst und Menschen abhängig macht. Wenn hingegen das Opioid Morphin die Rezeptoren aktiviert, entstehen keine Dimere, die Rezeptoren wandern nicht ins Zellinnere und werden so auch nicht wieder erregbar.

„Trotz zahlloser Versuche ist es bisher nicht gelungen, das Schmerzmittel Morphin wesentlich zu verbessern“, erläutert Professor Martin Lohse, der das vom amerikanischen Gesundheitsinstitut NIH geförderte Projekt geleitet hat. „Dadurch, dass wir jetzt einzelne Rezeptoren sehen und ihr Verhalten beobachten können, hoffen wir, in der Entwicklung neuer Schmerzmittel voranzukommen.“

Text: Jana Ehrhardt-Joswig

Quelle: https://www.mdc-berlin.de/de/news/news/rezeptor-mit-suchtpotenzial

bilden / 22.07.2020
Volkshochschule Pankow wieder geöffnet

Die Volkshochschule Pankow hat ihr Kursangebote für das Herbstsemester bereits online veröffentlicht – knapp 1.000 Kurse in gewohnter Vielseitigkeit. Das Programmheft erscheint Anfang August und enthält alle Kurse bis Ende Oktober. Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Hygienekonzepte wirken sich stark auf die Platzkapazitäten und die Durchführungsmöglichkeiten aus. Da sich die Situation auch schnell ändern kann, lohnt es sich, immer mal wieder auf die Webseite der Volkshochschule www.vhspankow.de zu schauen. Dort werden laufend weitere aktuelle Kursangebote veröffentlicht.
Das neue Programmheft widmet sich redaktionell den digitalen Lernformen und stellt alle Online-Kurse, Webseminare und Blended-Learning-Kurse übersichtlich vor. Viele Kurse bieten – sollte es zu einem neuen Lockdown kommen – die Option der digitalen Fortsetzung an.
Alle buchbaren Kurse sind in kompakter Form zusammengestellt. Das bedeutet: Die ausführlichen Kursbeschreibungen sind ausschließlich auf der Website der VHS Pankow zu finden. Wer keinen Zugang zum Internet hat, sollte sich auf jeden Fall telefonisch beraten lassen (Tel.: 030 90295-1700) oder persönlich vor Ort erkundigen – in der Schulstraße 29 oder in der Prenzlauer Allee 227. Beim Besuch sind die geltenden Maßnahmen zum Infektionsschutz zu beachten, wie etwa das Bedecken von Mund und Nasse beim Betreten der Häuser. Weiterführende Informationen und die ferienbedingten Schließzeiten der Kassen sind zu finden unter www.vhspankow.de.
Ansprechpartner für die Medien: Andreas Noack, VHS Pankow, Tel.: (030) 90295-1702, E-Mail: andreas.noack@ba-pankow.berlin.de, E-Mail: andreas.noack@ba-pankow.berlin.de

forschen, investieren, produzieren / 21.07.2020
FMP Ausgründung Tubulis wirbt 10,7 Millionen Euro für die Entwicklung neuartiger Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) ein

Die noch junge Firma Tubulis gibt heute den Abschluss einer Finanzierungsrunde der Serie A in Höhe von 10,7 Millionen Euro bekannt, um die Entwicklung einer neuen Klasse von hochstabilen und effizienten Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADCs) für die Therapie von Krebs und anderen schweren Erkrankungen voranzubringen und das weitere Wachstum des Unternehmens zu fördern. Tubulis wurde 2019 aus dem Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin und der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München ausgegründet.

Tubulis besitzt einzigartige Technologien für die Herstellung neuartiger und besonders stabiler Antikörper-Wirkstoff-Verbindungen (Antibody Drug Conjugates, ADCs). Dabei können verschiedenste Wirkstoffe durch eine feste Kopplung (Konjugat) mit einem für die jeweilige Indikation spezifischen Antikörper verknüpft werden. Hierdurch lassen sich beispielsweise unerwünschte Nebenwirkungen im gesunden Gewebe minimieren, da ein vorzeitiges Ablösen des Wirkstoffes vom Antikörper verhindert wird. Zudem bieten die firmeneigenen Technologien das Potenzial, bisher nicht mögliche Kombinationen aus Proteinen und Wirkstoffen zu generieren, wodurch das therapeutische Spektrum dieses Ansatzes auch auf andere Indikationen ausgeweitet werden kann.  

„In meiner Gruppe, in der wir mit neuen chemischen Verfahren zu stabilen ADCs die wissenschaftliche Basis für Tubulis‘ innovative Technologie mitentwickelt haben, sind wir sehr stolz auf die großartige Entwicklung und Leistung der Firma. Die heutige Serie-A-Finanzierung ist dafür ein weiterer Beleg“, sagt Prof. Dr. Christian Hackenberger, Bereichsleiter für Chemische Biologie am FMP und Leibniz-Humboldt Professor an der HU Berlin sowie Mitbegründer von Tubulis. Der Chemiker freut sich auf die kommenden Jahre und die weitere Zusammenarbeit mit dem jungen Unternehmen. „Ein wesentlicher Faktor für diesen Erfolg ist das großartige Team, das auf einer langen vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Kollegen der LMU München um Prof. Dr. Heinrich Leonhardt aufbauen konnte. Mit der überaus erfolgreichen Finanzierungsrunde im Rücken ist das die perfekte Grundlage für den weiteren Weg der Firma hin zu einer Revolution in der ADC-Therapie.“
Prof. Dr. Volker Haucke, Direktor am FMP, ergänzt: „Der Finanzierungserfolg von Tubulis ist ein weiterer Beleg für die erfolgreiche Strategie des FMP Ergebnisse aus der Grundlagenforschung in die biomedizinische Anwendung zu tragen.“

Die Finanzierungsrunde wurde gemeinsam von BioMedPartners und dem High-Tech Gründerfonds (HTGF) mit Unterstützung von Seventure, Coparion, Bayern Kapital und Occident sowie mit signifikanten Beiträgen von verschiedenen Privatpersonen und den Gründern umgesetzt.
„Das Ziel von Tubulis ist es, mit Hilfe unseres dualen Plattformansatzes einzigartig abgestimmte und krankheitsspezifische ADCs zu generieren, die selektive Antikörper mit effektiven Wirkstoffen kombinieren", sagt Dr. Dominik Schumacher, CEO und Mitbegründer von Tubulis, der seine Doktorarbeit am FMP in der Arbeitsgruppe von Prof. Christian Hackenberger angefertigt hat. „Die von diesem erfahrenen Konsortium zugesagte Finanzierung stellt eine Validierung unserer Technologie dar und spiegelt die jüngste Renaissance der ADC-Entwicklung in unserer Branche wider. Diese finanziellen Mittel werden es uns ermöglichen, unsere Plattformen weiterhin zu validieren und unsere ersten beiden ausgewählten ADC-Kandidaten in die Klinik zu bringen.“

Kontakt:

Prof. Dr. Christian Hackenberger
Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
Leibniz-Humboldt-Professur für Chemische Biologie, Humboldt-Universität zu Berlin
Phone +49 (0)30 / 94793 - 181
E-Mail hackenbe@fmp-berlin.de
Web fmp-berlin.de/hackenbe
Twitter: @PhosphorusFive

Tubulis GmbH
Dr. Dominik Schumacher, CEO
Butenandtstraße 1
81377 München
Phone   +49 89 218074233
E-Mail dominik.schumacher@tubulis.com
Web tubulis.com

Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
Silke Oßwald
Phone +49 (0)30 94793 104
E-Mail osswald@fmp-berlin.de
Twitter @LeibnizFMP
Web leibniz-fmp.de

Über Tubulis
Die noch junge Firma Tubulis gibt heute den Abschluss einer Finanzierungsrunde der Serie A in Höhe von 10,7 Millionen Euro bekannt, um die Entwicklung einer neuen Klasse von hochstabilen und effizienten Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADCs) für die Therapie von Krebs und anderen schweren Erkrankungen voranzubringen und das weitere Wachstum des Unternehmens zu fördern. Tubulis wurde 2019 aus dem Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin und der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München ausgegründet.


Über das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) im Forschungsverbund Berlin e.V.
Das FMP betreibt Grundlagenforschung in Molekularer Pharmakologie mit dem Ziel neue bioaktive Moleküle zu identifizieren und ihre Wechselwirkung mit ihren biologischen Zielen in Zellen oder Organismen zu charakterisieren. Diese Moleküle dienen als Werkzeuge in der biomedizinischen Grundlagenforschung und können für die Behandlung, Prävention oder Diagnose von Krankheiten weiterentwickelt werden. Das FMP gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB), einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. In ihnen arbeiten mehr als 1.900 Mitarbeiter. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.

www.leibniz-fmp.de

leben / 20.07.2020
Bezirksbürgermeister auf Sommertour vom 3. - 7. August 2020

Sören Benn (Die Linke) besucht Initiativen, Vereine und Unternehmen

Vom 3. - 7. August 2020 geht Bezirksbürgermeister Sören Benn auf Sommertour. Das Format hatte 2019 in der Sommerpause Premiere und wird nun fortgesetzt.
Am Montag, dem 3. August 2020 besucht er ab 11 Uhr das Kulturhaus Peter Edel in Weißensee, ist danach Gast in der Halle Tanzbühne Berlin und später im Prater in der Kastanienallee. Am Dienstag, dem 4. August besucht er ab 10 Uhr die Kinderbauernhöfe Pinke Panke und Moritzhof und trifft um 15 Uhr Mitglieder von Vereinen und Initiativen am Jahnsportpark in Prenzlauer Berg. Nach dem Start am Mittwoch, dem 5. August im Haus der Poesie geht es zu MeinBlau, dem Atelierhaus in der Prenzlauer Promenade und der Ateliergemeinschaft Milchhof e.V..Erste Station am Donnerstag, dem 6. August ist die neue Ehrenamtsbibliothek in Wilhelmsruh. Danach führt Sören Benn öffentliche Sprechstunden auf dem Hugenottenplatz in Französisch Buchholz und der Piazza in Karow durch und beendet den Tag im Anton-Saefkow-Park. Das Programm am Freitag, dem 7. August 2020 sieht einen Besuch der Weißenseer Integrations Betriebe und des Geburtshauses am Arnimplatz vor. Alle Termine sind presseöffentlich, die Vertreter der Medien herzlich eingeladen. Anmeldungen nehmen wir gerne per E-Mail: pressestelle@ba-pankow.berlin.de entgegen. Alle Stationen und Termine in der Übersicht auf www.berlin.de/pankow.

bilden / 17.07.2020
Offenes Haus für Bildung und Kultur

Abb.: karlundp Architekten
Abb.: karlundp Architekten

Interview zum neuen Bildungs- und Kulturzentrum in Buch mit Dr. Manuel Seitenbecher, Leiter des Amtes für Weiterbildung und Kultur in Pankow

In diesem Jahr soll der Bau des Bildungs- und Kulturzentrums (BIZ) in Buch beginnen. Welche Bedeutung hat es?

Das BIZ ist ein wichtiger Teil der Gesamtplanung für Buch und wird überregional Maßstäbe setzen. Es integriert erstmals alle bezirklichen Bildungsbereiche an einem Standort. Dies bedeutet eine neue Qualität an Bildung und Kultur. Aktuell gibt es in Buch nur die Bibliothek und die Musikschule in kleinem Maße sowie einzelne andere Angebote. Wir bringen Volkshochschule (VHS), Musikschule, Bibliothek, Veranstaltungen des Museums Pankow und den Grundschulbereich des Gläsernen Labors in einem Haus zusammen, das ist in Berlin ein Novum. In dem Maße, wie Buch wächst und neue Schulen entstehen, gewinnt das BIZ auch als außerschulischer Lernort an Bedeutung. Experimentier- und Kunstwerkstätten, Leseförderung – all das können wir hier anbieten.

Welche Vorzüge weist der Entwurf des BIZ auf, der nun gebaut wird?

Wir sind sehr glücklich mit dem Entwurf. Was wir fachlich, räumlich und funktional erwarten, ist in diesem Haus im Prinzip eins zu eins abgebildet, das erleben wir jetzt in der Vorplanung. Das Gebäude ermöglicht die Mischung aus Funktionalität und Verzahnung der verschiedenen Angebote und Fachbereiche, die wir anstreben. Es hat attraktive Außenflächen, die ein wesentlicher Teil des Nutzungskonzepts sind und unter anderem ein kleines Amphitheater umfassen. In einem großen Foyer soll die Gesamtheit der Angebote auf einen Blick ersichtlich sein. Am Empfang, wo Mitarbeiter aus allen Fachbereichen arbeiten werden, kann man sich zentral anmelden, ob für die Musikschule, die VHS oder für die Bibliothek. Außerdem wird es Ausstellungen und Hinweise auf aktuelle Veranstaltungen geben.

Wie weit sind die Planungen für die Nutzungen bereits gediehen?

Die Vorplanungsuntersuchung für das Gebäude wird in Kürze abgeschlossen sein. Bei der inhaltlichen Nutzung wird sich das, was wir hier im Bezirk tagtäglich in all den anderen Einrichtungen anbieten, widerspiegeln. Wie wir vor Ort dann ganz konkret zusammenarbeiten, wird ein großes Team aller Beteiligten ab 2021 in den Folgejahren gemeinsam entwickeln, schrittweise auch unter Einbeziehung der Öffentlichkeit. Bis zur geplanten Eröffnung 2025 ist dafür noch ausreichend Zeit.

Welche neue räumliche Qualität wird das BIZ haben?

Bereiche können ineinander übergehen und Funktionen teilen. Herzstück sind zwei Räume, die sich zu einem großen multi-funktionalen Veranstaltungsraum verbinden lassen. Weitere Räume sollen auch Bucher Vereinen oder Bürgern zur Verfügung stehen. Im Eingangsbereich wird ein Café die gastronomische Versorgung sicherstellen. Eltern, die die Bibliothek, die VHS oder andere Kurse besuchen wollen, können von zwei Kinderbetreuungsräumen profitieren. Diese Neuerung ist uns sehr wichtig. Den Zugang zur Bibliothek wollen wir auch abends und sonntags ermöglichen, wenn kein Personal vor Ort ist. Dafür wird es einen zweiten, separaten Eingang geben, der sich mit Leseausweis und Chip-Code öffnen lässt. Man kann Medien nutzen, ausleihen und in der Bibliothek arbeiten.

Welche Ideen bestehen für übergreifende Inhalte mit dem Gläsernen Labor?

Das Gläserne Labor ist im Bereich der MINT-Schulfächer sehr aktiv und für uns äußerst attraktiv. Es kooperiert schon länger mit der Bibliothek, so auch in diesem Sommer mit verschiedenen Kursen, Experimentier- und Robotik-Workshops. Das wollen wir weiter ausbauen. Im BIZ sind Bibliothek und Schülerlabor räumlich nur wenig abgegrenzt – ein Übergangsraum dient der Präsentation von Kursergebnissen. Als inhaltliche Verzahnung wäre denkbar, MINT-Themen im Bereich Kunst aufzugreifen oder Umweltthemen mit Urban-Gardening-Projekten zu verknüpfen. Da gibt es viele spannende Ideen.

Ende September gibt es eine Vorschau auf das BIZ – was ist geplant?

Wir wollen eine kleine Aktionswoche in der Bibliothek veranstalten, in der sich jeder Bereich an einem Tag mit einer Veranstaltung oder Mitmachstationen präsentiert. Zum Ende der Woche, am 1. Oktober 2020, findet auch ein Bucher Bürgerforum zum BIZ statt.

Interview: Christine Minkewitz / CBB

Das Interview erschien zuerst im Standortjournal buchinside.

leben / 17.07.2020
Start für den Wissenschafts- und Kreativstandort Campus Weißensee

Die Kunsthochschule Berlin Weißensee, die Senatskanzlei – Wissenschaft und Forschung, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und das Bezirksamt Pankow haben eine Vereinbarung zum Erweiterungsvorhaben der Kunsthochschule in Weißensee unterzeichnet und legen damit den Grundstein für einen dynamischen Wissenschafts- und Kreativstandort – den Campus Weißensee.

In den vergangenen Jahrzehnten sind die Studierendenzahlen an der Hochschule stark gestiegen und die Flächenbedarfe in allen Fachgebieten gewachsen. Um eine zentrale Campusentwicklung an einem Standort zu ermöglichen, ist die Erweiterung der Flächen der Kunsthochschule notwendig. In den nächsten 10 bis 15 Jahren soll mit der Bebauung eines zusätzlichen Nachbargrundstücks der Wissenschafts- und Kreativstandort Campus Weißensee entstehen. Geplant sind Erweiterungsbauten für die Lehre und künstlerisch-praktische Ausbildung, Gebäude für studentisches Wohnen, Labore für Start-Ups, Ausstellungsflächen, öffentliche Kommunikationsräume sowie gastronomische Angebote. So soll ein lebendiger und attraktiver neuer Ort entstehen, an dem Hochschule und Nachbarschaft zusammenkommen.

Mit der Unterzeichnung der Verwaltungsvereinbarung werden die nächsten Schritte für die Umsetzung der Erweiterung festgeschrieben. Sie ist das Ergebnis einer konstruktiven Zusammenarbeit über viele Zuständigkeiten hinweg und ein Beispiel für integrierte Stadtentwicklung. Die Unterzeichnung der Vereinbarung erfolgte durch Leonie Baumann, Rektorin der Kunsthochschule Berlin, Steffen Krach, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung, Sebastian Scheel, Staatssekretär der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen und Vollrad Kuhn, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste in Pankow.

Von Mai bis August erstellen nun drei Planungs- und Architekturbüros städtebauliche Machbarkeitsstudien für den Campus Weißensee. Zu den Zwischenständen fand vom 2. bis 5. Juli die erste Bürgerbeteiligung online sowie vor Ort statt.

Leonie Baumann, Rektorin der Kunsthochschule Berlin (Weißensee) – Hochschule für Gestaltung: „Die Kunsthochschule dankt allen Beteiligten, dass nun mit der Verwaltungsvereinbarung die nächsten Schritte zur Erweiterung des Hochschul-Campus' starten werden. Mit ihren kreativen Potenzialen wird die Kunsthochschule ihre innovative Ausstrahlung weiter verstärken können, so dass sich der Campus perspektivisch zu einem kulturellen Highlight des künstlerisch-wissenschaftlichen Austausches im Norden Berlins entwickeln wird.“

Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung, Steffen Krach: „Ich freue mich, dass wir mit der Unterzeichnung den Startschuss für den Ausbau des Wissenschafts- und Kreativstandorts – Campus Weißensee geben können. Mit der Campuserweiterung werden wir Studierenden, Lehrenden und Beschäftigten der Kunsthochschule Berlin Weißensee ein modernes Umfeld zum Lernen und Arbeiten bieten und neuen Raum für die Entwicklung und Umsetzung kreativer Ideen schaffen. Dieses Vorhaben zeigt erneut wie Berlin kontinuierlich in den Ausbau seiner Hochschulen investiert.“

Staatsekretär für Wohnen Sebastian Scheel: „Dieser Wissenschafts- und Kreativstandort ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie auf relativ kleiner Fläche ganz unterschiedliche Nutzungen miteinander kombiniert werden können. Neben der Erweiterung der Kunsthochschule wird es hier in einigen Jahren auch Wohnen für Studierende, Ateliers, eine öffentliche Gastronomie und neuen öffentlichen Freiraum geben. So planen wir flächensparend und fördern eine ökologische und lebenswerte Stadt der kurzen Wege.“

Vollrad Kuhn, Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste in Pankow: „Ich freue mich außerordentlich, dass es hier in einem kooperativen Ansatz mit zwei Senatsverwaltungen, der Kunsthochschule und dem Bezirk gelungen ist, die Weichen für die dringend benötigte Erweiterung der Kunsthochschule und die parallele Schaffung einer neuen Kleingartenanlage an der Hansastraße in Pankow zu stellen. Wir setzen hier ein einzigartiges win-win-Modell um - die Kunsthochschule als "Leuchtturm-Institution" für Pankow und ganz Berlin kann ihren Bedarf nach Räumen und Flächen decken, die Senatsverwaltungen erstellen dafür den B-Plan und sichern die Finanzierung und der Bezirk bekommt die fehlenden Mittel für den Bau der neuen Kleingartenanlage, auf der auch die bisherigen Pächter der zu schließenden Anlage an der Kunsthochschule eine neue Heimat finden werden.“


Über die Kunsthochschule Berlin (Weißensee) – Hochschule für Gestaltung
Mit ihren rund 900 Studierenden gehört die weißensee kunsthochschule berlin heute – fast 75 Jahre nach ihrer Gründung – mit zu den größeren Kunsthochschulen in Deutschland. Mit ihren Lehrangeboten in der Freien Kunst und dem Design haben sich schon immer, aber in den letzten Jahren verstärkt, viele virulente Projekte entwickelt, die an Forschungsvorhaben und einem Exzellenzcluster der Humboldt-Universität zu Berlin beteiligt sind, die Kooperationen mit zahlreichen Organisationen eingehen und Gründungsaktivitäten der Studierenden fördern. Die Lehre entwickelt sich aus dem Selbstverständnis heraus, dass visuelle und gestalterische Expertise einen wesentlichen Anteil haben bei der Suche nach Antworten auf die großen Herausforderungen der Gegenwart. Zudem ist die Kunsthochschule als einzige öffentlich geförderte Hochschule in Pankow ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor im Bezirk.

heilen / 17.07.2020
Dilek Kalayci besucht das Helios Klinikum Berlin-Buch

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci sprach mit Pflegekräften und Ärzten vom Helios Klinikum Berlin-Buch über die Herausforderungen der Corona-Krise. (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)
Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci sprach mit Pflegekräften und Ärzten vom Helios Klinikum Berlin-Buch über die Herausforderungen der Corona-Krise. (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)

Die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci hat das Helios Klinikum Berlin-Buch am Freitagvormittag besucht. Anlass war ein offener Erfahrungsaustausch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zum Umgang mit dem Coronavirus im Krankenhaus der Maximalversorgung im Nordosten Berlins.

Die COVID-19 behandelnden Pflegekräfte und Ärzte standen im Mittelpunkt des Besuchs der Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci im Helios Klinikum Berlin-Buch. In einer informellen Gesprächsrunde wurden die besonderen Herausforderungen für die Corona-Teams besprochen und das Klinikpersonal nach ihren Wünschen an die Politik für ihre weitere Arbeit zur Eindämmung der Corona-Pandemie befragt.

„Ich danke den Pflegekräften und Ärztinnen und Ärzten für den guten und offenen Erfahrungsaustausch. Ich würde mir sehr wünschen, dass der außergewöhnliche Einsatz hier und in allen Krankenhäuser beim Kampf gegen COVID-19 jungen ausbildungssuchenden Menschen ein Vorbild ist,“ sagt Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci.

„Etwas ganz Neues rollte mit der ersten Corona-Welle über uns hinweg.  Die große Herausforderung war, den täglich wechselnden Informationsfluss zu verarbeiten. Beeindruckend fand ich, wie mein Team damit umgegangen ist. Auch die unmittelbare Unterstützung im kompletten Klinikum untereinander in Bezug auf Arbeitsmaterialien und auf ganz persönlicher Ebene war einfach toll,“ erinnert sich Jana Übensee, Stationsleitung Nephrologie und Strahlentherapie sowie einer speziell für COVID-19 eingerichteten Station.

Sieben Mitarbeiter aus den „Corona-Stationen“, der Intensivmedizin sowie des Notfallzentrums berichteten aus ihrem Arbeitsalltag. Angesprochen wurde unter anderem die Erfahrungen mit der Neuorganisation des Krankenhauses, Kinder-Notbetreuung und die Erwartung einer möglichen zweiten Corona-Welle. Abschließend bedankte sich die Senatorin beim Bucher Team für das Engagement in dieser besonderen Situation und den fachlichen Austausch.

„Wir freuen uns, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihren Einsatz gegen Corona durch den persönlichen Besuch der Senatorin wertgeschätzt werden und ihr medizinisches Know-how anerkannt wird. Das bestärkt uns in unseren Werten. Mit unserem umfassenden Sicherheitskonzept konnten wir schnell agieren und einen geschützten Arbeitsalltag für unser Personal schaffen sowie die optimale Versorgung unserer Patienten sicherstellen. Wir sind gut aufgestellt, bei uns ist es sicher,“ sagt Daniel Amrein, Geschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Das Gespräch zwischen der Senatorin und den Krankenhausmitarbeitern fand unter Beachtung der besonderen Hygienebestimmungen und des Abstandsgebots statt.

 

Das Helios Klinikum Berlin-Buch ist ein modernes Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.000 Betten in mehr als 60 Kliniken, Instituten und spezialisierten Zentren sowie einem Notfallzentrum mit Hubschrauberlandeplatz. Jährlich werden hier mehr als 55.000 stationäre und über 144.000 ambulante Patienten mit hohem medizinischem und pflegerischem Standard in Diagnostik und Therapie fachübergreifend behandelt, insbesondere in interdisziplinären Zentren wie z.B. im Brustzentrum, Darmzentrum, Perinatalzentrum, der Stroke Unit und in der Chest Pain Unit. Die Klinik ist von der Deutschen Krebsgesellschaft als Onkologisches Zentrum und von der Deutschen Diabetes Gesellschaft als „Klinik für Diabetiker geeignet DDG“ zertifiziert.
Gelegen mitten in Berlin-Brandenburg, im grünen Nordosten Berlins in Pankow und in unmittelbarer Nähe zu Barnim, ist das Klinikum mit der S-Bahn (S 2) und Buslinie 893 oder per Auto (ca. 20 km vom Brandenburger Tor entfernt) direkt zu erreichen.

www.helios-gesundheit.de

forschen / 15.07.2020
Janggu macht Deep Learning zum Kinderspiel

Dr. Altuna Akalin (li) und Dr. Wolfgang Kopp (Foto: Felix Petermann)
Dr. Altuna Akalin (li) und Dr. Wolfgang Kopp (Foto: Felix Petermann)

 Forscher*innen des MDC haben eine neues Softwareanwendung entwickelt, mit der sich Deep Learning für Genomik-Studien optimal und einfach nutzen lässt: Janggu stellen die Forschenden nun erstmals im Journal Nature Communications vor.

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Um das Abendessen zubereiten zu können, müssen Sie erst die Küche passend für das jeweilige Rezept umbauen. Die Vorbereitung würde deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen als das eigentliche Kochen. Bislang brauchten Bioinformatiker*innen für die Analyse genomischer Daten ähnlich lange. Bevor sie überhaupt mit ihrer Analyse beginnen konnten, investierten sie zunächst viel Zeit in die Formatierung und Aufbereitung riesiger Datensätze, die in Deep-Learning-Modelle integriert werden.

Um diesen Prozess zu straffen, haben Forschende des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) eine universelle Programmiersoftware entwickelt, das eine Vielzahl genomischer Daten in das für die Analyse durch Deep-Learning-Modelle erforderliche Format konvertiert. „Bislang nahmen die technischen Aspekte viel Zeit in Anspruch – Zeit, die dann für die biologischen Fragestellungen fehlt, die wir beantworten wollen“, sagt Dr. Wolfgang Kopp, Wissenschaftler in der Forschungsgruppe „Bioinformatics and Omics Data Science“ am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC und Erstautor der Studie. „Janggu soll einen Teil dieses technischen Aufwands tilgen. Das Softwarepaket möchten wir so vielen Menschen wie möglich zugänglich machen.“

Ein besonderer Name für eine universelle Lösung

Janggu ist nach einer traditionellen koreanischen Trommel benannt, deren Form an eine auf der Seite liegende Sanduhr erinnert. Die beiden großen Teile der Sanduhr stehen für die Bereiche, auf die sich Janggu konzentriert: die Aufbereitung genomischer Daten sowie die Ergebnisvisualisierung und Modellauswertung. Das schmale Verbindungsstück in der Mitte stellt einen Platzhalter für ein beliebiges Deep-Learning-Modell dar.

Deep-Learning-Modelle beinhalten Algorithmen, die riesige Datenmengen verarbeiten und dabei wichtige Merkmale oder Muster erkennen. Obwohl Deep Learning eine sehr leistungsfähige Methode ist, kommt sie in der Genomik bislang nur eingeschränkt zum Einsatz. Die meisten veröffentlichten Modelle sind auf bestimmte Datentypen angewiesen und können nur eine spezifische Frage beantworten. Um Daten auszutauschen oder hinzuzufügen, muss man oft wieder bei null anfangen – ein immenser Programmieraufwand.

Janggu konvertiert verschiedene Genomik-Datentypen in ein universelles Format. So können die Daten in jedes Modell – ob Deep Learning oder maschinelles Lernen – eingebunden werden, das die gängige Programmiersprache Python verwendet. „Das Besondere an unserem Ansatz ist, dass man für ein Deep-Learning-Problem jeden genomischen Datensatz verwenden kann – wir können mit jedem Format arbeiten. Die Möglichkeiten sind endlos“, sagt Dr. Altuna Akalin, Leiter der Forschungsgruppe „Bioinformatics and Omics Data Science“.

Trennung als Schlüsselaspekt

Akalins Forschungsgruppe hat aber noch eine andere Aufgabe: Das Team entwickelt neue Softwareanwendungen für Maschinelles Lernen und will diese bei Forschungsfragen in der Biologie und Medizin einsetzen. Bei ihren eigenen Forschungsprojekten waren die Wissenschaftler*innen oft frustriert, dass die Formatierung der Daten so viel Zeit in Anspruch nimmt. Sie erkannten, dass ein Teil des Problems darin bestand, dass für jedes Deep-Learning-Modell eine Aufbereitung der Daten nötig war. Durch die Trennung von Datenextraktion und -formatierung von der Analyse lassen sich Datenabschnitte viel einfacher austauschen, kombinieren und wiederverwenden. Das ist etwa so, als hätte man alle Küchenutensilien und Zutaten bereits zur Hand, um ein neues Rezept auszuprobieren.

„Die Schwierigkeit bestand darin, das richtige Gleichgewicht zwischen Flexibilität und Benutzerfreundlichkeit zu finden“, sagt Kopp. „Bei zu viel Flexibilität hätten die Benutzerinnen und Benutzer zu viele Optionen, was sie überfordern würde und es wäre schwierig, überhaupt einen Anfang zu finden.“

Kopp hat mehrere Tutorials sowie Beispieldatensätze und Fallstudien vorbereitet, die Benutzer*innen im Umgang mit Janggu unterstützen sollen. Die Veröffentlichung in Nature Communications zeigt, wie anpassungsfähig Janggu ist – im Umgang mit sehr großen Datenmengen, bei der Kombination von Datenströmen und bei der Beantwortung verschiedener Fragestellungen, z. B. bei der Vorhersage von Bindungsstellen aus DNA-Sequenzen, der Chromatin-Zugänglichkeit und der Klassifizierung und Regression.

Unbegrenzte Anwendungsmöglichkeiten

Die Vorzüge von Janggu zeigen sich vor allem in der Datenaufbereitung. Dennoch wollten die Forschenden eine Komplettlösung für Deep Learning anbieten. Janggu ermöglicht auch eine Ergebnisvisualisierung nach der Deep-Learning-Analyse und wertet aus, was das Modell gelernt hat. Bemerkenswert ist, dass das Team eine „übergeordnete Sequenzkodierung“ in das Programm integriert hat, die es erlaubt, Zusammenhänge zwischen benachbarten Nukleotiden zu erfassen. So konnte die Genauigkeit einiger Analysen erhöht werden. Janggu macht Deep Learning einfacher und benutzerfreundlicher und trägt dazu bei, verschiedenste biologische Fragestellungen zu beantworten.

„Eine der interessantesten Anwendungen ist die Prognose der Auswirkung von Mutationen auf die Genregulation“, sagt Akalin. „Das ist wirklich spannend, weil wir so einzelne Genome besser verstehen können. Wir sind beispielsweise in der Lage, genetische Varianten aufzuspüren, die die Genregulation beeinflussen und wir können regulatorische Mutationen in Tumoren interpretieren.“

Text: Laura Petersen

Quelle: https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/janggu-deep-learning

heilen / 13.07.2020
Ausgezeichnete Kompetenz: Bucher Diabetologie zertifiziert

Prof. Dr. med. Michael Ritter: „Die Zertifizierung bringt unseren Patienten Sicherheit und ist für uns und unser Team zugleich eine Anerkennung für die täglich zu leistende Arbeit.“ (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)
Prof. Dr. med. Michael Ritter: „Die Zertifizierung bringt unseren Patienten Sicherheit und ist für uns und unser Team zugleich eine Anerkennung für die täglich zu leistende Arbeit.“ (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)

Das Helios Klinikum Berlin-Buch wurde von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) als Behandlungseinrichtung für Patienten mit Typ 1 und Typ 2 Diabetes rezertifiziert. Damit wird die besondere Expertise und Leistung des ärztlichen und pflegerischen Teams von Prof. Dr. med. Michael Ritter, Chefarzt der Angiologie, Diabetologie und Endokrinologie, gewürdigt.

Diabetes ist die Volkskrankheit Nr. 1 in Deutschland. Über sieben Millionen Menschen sind betroffen. Man unterscheidet Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2. Vor allem die Zahl der Menschen, die an Diabetes Typ 2 leiden, steigt in Deutschland rasant. Diese Erkrankung verursacht häufig zunächst keine Beschwerden, führt unbehandelt für die Betroffenen jedoch zu ernsten Folgeerkrankungen. Denn ein erhöhter Blutzucker schädigt die kleinen und großen Gefäße. Es kann zu Schlaganfall oder Herzinfarkt, Nierenleiden, Amputationen oder Erblindungen kommen. Durch eine gute medizinische Betreuung lassen sich diese Folgeerkrankungen vermeiden.

Das Helios Klinikum Berlin-Buch wurde als „Stationäre Behandlungseinrichtung für Patientinnen und Patienten mit Typ-1 und Typ-2-Diabetes Zertifiziertes Diabeteszentrum DDG“ rezertifiziert, das heißt, auch das Qualitätsmanagement wurde geprüft und als den Kriterien der DDG entsprechend eingestuft. Prof. Dr. med. Michael Ritter, Chefarzt der Angiologie, Diabetologie und Endokrinologie erläutert: „Die renommierte Zertifizierung der DDG zeigt uns und unseren Patienten, dass unsere Behandlung in allen Bereichen – Therapie, Beratung und Schulung – den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen. Das bringt unseren Patienten Sicherheit und ist für uns und unser Team zugleich eine Anerkennung für die täglich zu leistende Arbeit.“

Serviceorientierte Diabetologie
Das Bucher Konzept sieht Diabetologie als „Serviceabteilung“ für alle Bereiche und Fachabteilungen. Wesentliche Aspekte sind wöchentlich stattfindende Schulungen für Patienten, die Dokumentation und die Entwicklung der diabetologischen Kenntnisse auf allen Stationen. Prof. Dr. Ritter betont: „Diabetes kann man zwar nicht im klassischen Sinn heilen. Aber richtig eingestellt und mit entsprechender Schulung kann jeder Patient mit Diabetes gut und ohne große Einschränkungen leben. Dabei helfen wir.“

Um zertifiziert zu werden, muss die Klinik Erfahrung nachweisen, das heißt, im Jahr mindestens 200 Menschen mit Diabetes Typ 2 und/oder 50 Menschen mit Diabetes Typ 1 leitliniengerecht behandelt haben.

Sprechstunden:
Diabetologie & Endokrinologie: (030) 9401-55170, montags & freitags 8:00 bis 12:00 Uhr
Spezialsprechstunde Diabetischer Fuß: (030) 94 01-55140, donnerstags 9:00 bis 12:00 Uhr
Stationäre Aufnahme: (030) 9401-54900
sowie weitere Sprechstunden in der Poliklinik

Mehr Infos zum Fachbereich: https://www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch/unser-angebot/unsere-fachbereiche/diabetologie-endokrinologie/

 

forschen / 08.07.2020
Neues Einstein-Zentrum für alternative Methoden in der Biomedizin in Vorbereitung

Der Vorstand der Einstein Stiftung hat die Vorstufe eines neuen Einstein-Zentrums für die Entwicklung von alternativen Methoden zum Tierversuch in der biomedizinischen Forschung bewilligt. Ziel des geplanten Zentrums ist es, Tierversuche zu reduzieren oder zu ersetzen. Es entsteht in Kooperation mit dem MDC.

In der Vorbereitungsphase werden die Infrastruktur und die Vernetzung der Forschung am Standort gefördert. Für diese stehen 522.000 Euro bereit - insgesamt stellt das Land Berlin der Einstein Stiftung für 2020/21 1,35 Millionen Euro für das neue Einstein-Zentrum zusätzlich zu ihrem Grundhaushalt zur Verfügung. Das Zentrum soll nach einer erneuten Begutachtung des Gesamtkonzepts durch die Wissenschaftliche Kommission der Einstein Stiftung im Jahr 2021 vollumfänglich seine Arbeit aufnehmen.

Die Gründung eines „Einstein-Zentrums 3R“ (3R: Replace, Reduce, Refine) wurde initiiert von der Charité – Universitätsmedizin Berlin, der Freien Universität Berlin (FU), der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) sowie der Technischen Universität Berlin (TU);  es entsteht in enger Kooperation mit dem Berlin Institute of Health (BIH), dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und dem Robert Koch-Institut (RKI). Das Zentrum soll langfristig ein Forschungsnetzwerk in Berlin schaffen, in dem gemeinsam an Gewebemodellen geforscht und innovative Projekte entwickelt werden können. Zudem sollen Universitäten mit Blick auf die Graduiertenausbildung, aber auch die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert werden. 

„Verpflichtung, Tierversuche auf ein Minimum zu begrenzen“
„Angesichts der besonderen Bedeutung von Tierversuchen in der biomedizinischen Forschung ist es eine umso höhere Verpflichtung, sie auf ein Minimum zu begrenzen und in hoher Qualität durchzuführen“, sagt Professor Günter Stock, der Vorstandsvorsitzende der Einstein Stiftung anlässlich der Förderentscheidung. 

Der Berliner Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung, Steffen Krach, erklärt: „Berlin ist deutschlandweit das Zentrum für die biomedizinische Forschung. Damit einher geht unser Anspruch, alternative Methoden zu Tierversuchen zu erforschen, um den Tierschutz zu stärken und Tierversuche in der Forschung zu reduzieren. Wir unterstützen als Land den wichtigen Schritt, die Aktivitäten in den Berliner Wissenschaftseinrichtungen in einem neuen Einstein-Zentrum zu bündeln. Mit unserem breiten Berliner Forschungsnetzwerk nehmen wir in diesem Bereich eine Vorreiterrolle ein.“

Nachwuchsforscher*innen sensibilisieren
Nach dem 3R-Prinzip von William Russell und Rex Burch gilt es, Tierversuche zu ersetzen (Replace), die Anzahl der Versuchstiere zu reduzieren (Reduce) oder die Belastung für Versuchstiere zu mindern (Refine). Hierfür kommen in dem neuen 3R-Zentrum experimentelle Methoden wie 3D-Modelle von Gewebekulturen, aber auch ein erweitertes Qualitätsmanagement zum Einsatz. Hauptanliegen des Einstein-Zentrums ist es, die Entwicklung von Therapiemethoden für menschliche Erkrankungen voranzutreiben, die Übertragbarkeit von Laborerkenntnissen auf die Patient*innen zu verbessern und gleichzeitig den Tierschutz zu stärken. Nachwuchswissenschaftler*innen sollen im geplanten Zentrum durch Ausbildung, Schulung und Weiterbildung in die Lage versetzt werden, das 3R-Prinzip stringent anzuwenden Die Wissenschaftskommunikation und der Dialog mit der Öffentlichkeit werden ebenfalls eine bedeutende Rolle einnehmen. 

„Bereits seit 2018 fördern wir über Charité 3R sehr energisch die Entwicklung von alternativen Verfahren und arbeiten intensiv daran, jene Tierversuche, die für die Forschung an Therapien unersetzbar sind, schonender zu gestalten. Mit dem neuen Einstein-Zentrum wird eine institutionenübergreifende Struktur in Berlin geschaffen, die die Umsetzung des 3R-Prinzips auch auf internationaler Ebene vorantreibt“, sagt der Dekan der Charité und Interim-Vorstandsvorsitzender des BIH, Professor Axel Radlach Pries.

https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/einstein-zentrum-fuer-alternative-methoden-der-biomedizin

leben / 02.07.2020
Sanierte Skateanlage in Berlin-Buch ist zur Nutzung freigegeben

Foto: Reif + Eberhard Landschaftsarchitekten
Foto: Reif + Eberhard Landschaftsarchitekten

Die Gestaltung wurde mit Jugendlichen und dem 1. Berliner Skateboardverein abgestimmt

Viele Bucher Jugendliche konnten es kaum erwarten, doch nun können sie die nach den heutigen Standards komplett neu gestaltete Skateanlage an der Wolfgang-Heinz-Straße in Berlin-Buch nutzen. 

Die Sanierung der alten Anlage aus den 1990er-Jahren begann 2019. Die ersten beiden Bauabschnitte sind abgeschlossen, bis zum Herbst soll noch ein kleiner Pavillon entstehen, den die Jugendlichen sich gewünscht hatten. Im hinteren Bereich werden Pflanzungen ergänzt und auch der Fußweg vor der Anlage bekommt einen neuen Bodenbelag. Für diese Baumaßnahmen wird es noch einmal zu Beeinträchtigungen in der Nutzung kommen.

In zwei Beteiligungsveranstaltungen wurden im Vorfeld die Wünsche der Jugendlichen und des 1. Berliner Skateverein gesammelt und diskutiert. Zwar konnten nicht alle Ideen berücksichtigt werden, da die Größe der Anlage begrenzt ist, aber für die Bucher Jugendlichen ist ein toller neuer Treffpunkt mit vielen Skateelementen entstanden.

Für die Neugestaltung der Skateanlage fließen insgesamt rund 750.000 Euro aus dem Programm Nachhaltige Erneuerung (vormals Stadtumbau). Im Herbst soll die Fertigstellung der gesamten Anlage gefeiert werden.

Ansprechpartner:

André Kima, Abt. Stadtentwicklung und Bürgerdienste, Stadtentwicklungsamt, Fachbereich, Stadterneuerung, Tel.: 90 295 31 38, E-Mail andre.kima[at]ba-pankow.berlin[.]de

Winfried Pichierri, Gebietsbeauftragte für den Stadtumbau Planergemeinschaft für Stadt und Raum e.G.), Tel.: 885 914 32, E-Mail: w.pichierri[at]planergemeinschaft[.]de

Quelle: Bezirksamt Pankow von Berlin, bearb. A. Stahl

heilen / 02.07.2020
Sicher und individuell – ambulante Geburt im Helios Klinikum Berlin-Buch

Die ambulante Geburt in einer Klinik bietet Schwangeren die gleiche Sicherheit wie eine stationäre Geburt. (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)
Die ambulante Geburt in einer Klinik bietet Schwangeren die gleiche Sicherheit wie eine stationäre Geburt. (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)

Viele Frauen wünschen sich beides: umfassende medizinische Sicherheit bei der Geburt und so bald wie möglich ihre gewohnte Umgebung. Die ambulante Geburt in der Klinik ist ein guter Kompromiss. Diesen Service suchen gerade jetzt in diesen bewegten Corononazeiten mit Abstands- und Besucherregeln viele junge Paare. Sicher und individuell in einer Klinik entbinden und nach wenigen Stunden das Babyglück zuhause genießen – geht das? Wir fragen Yvonne Schildai, leitende Hebamme im Helios Klinikum Berlin-Buch, was zu beachten ist und welchen umfassenden Service das Bucher Geburtenzentrum bietet:

Was bedeutet „ambulant“, was „frühzeitig“?

Die ambulante Geburt in einer Klinik bietet Schwangeren die gleiche Sicherheit wie eine stationäre Geburt. Das Fachpersonal und die technische Ausstattung des Geburtenzentrums – bei uns mit Frühchenstation - gewährleisten eine schnelle medizinische Versorgung bei möglichen Komplikationen für beide: Mutter und Kind. Jede Frau kann selbst entscheiden, wann Sie mit ihrem Kind nach Hause gehen möchte - wenn es ihr und dem Baby gut geht und weitere Untersuchungen nicht notwendig sind. Mutter und Kind können nach stationärer Entbindung ambulant oder frühzeitig aus unserem Geburtenzentrum entlassen werden. Bei einer ambulanten Geburt gehen Mutter und Baby nach 4 Stunden bis zur 23. Lebensstunde des Kindes nach Hause. Frühzeitig heißt, dass die Entlassung spätestens am 2. Tag nach der Geburt erfolgt.

Aber dann stehen ein oder zwei Vorsorgemaßnahmen für das Neugeborene noch aus?

Ja, denn diese sind in den ersten Lebensstunden des Babys an bestimmte Zeitabläufe gebunden, um die Gesundheitswerte optimal auswerten zu können. Der Stoffwechseltest muss bis 72 Stunden nach der Geburt und die Vorsorge U2 zwischen dem 3.-10. Lebenstag durchgeführt werden. Dazu gehören eine Vitamin-K-Gabe, der Beginn der Vitamin D-Prophylaxe und der Hörtest.

Es gibt Frauen, die gerne ambulant oder frühzeitig entlassen werden möchten, der Kinderarzt Ihres Vertrauens so schnell aber noch nicht verfügbar ist.

Wir haben einen Service für junge Eltern eingerichtet, damit diese für das Neugeborene so wichtigen Gesundheitstests trotzdem zeitgerecht durchgeführt werden können, sollte das bei ihrem Kinderarzt des Vertrauens so zeitnah nicht möglich sein. Sie bekommen vom Geburtshilfeteam zur ambulanten bzw. frühzeitigen Entlassung einen Termin entweder für den Kinderarzt aus der Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch im Haus 210 (den Sie mit Ihrem Baby in einem kurzen Fußweg vom Haupthaus bzw. Parkplatz aus erreichen) oder für den Kinderarzt bei uns im Geburtenzentrum der Klinik. So können Sie beruhigt zu Hause ankommen und haben den Vorsorgetermin für Ihr Baby bereits zeitnah vereinbart.

Was ist, wenn es in den ersten Stunden zuhause doch Probleme gibt?

Mutter und Kind werden zu Hause von einer Hebamme der Wahl weiter betreut, um z.B. Wochenbettkomplikationen oder Stillprobleme frühzeitig zu erkennen. Die Kosten trägt die Krankenkasse. Außerdem erhalten die Mütter nach der Geburt im Helios Klinikum Berlin-Buch einen exklusiven Gutscheincode und können das Beratungsangebot von „Kinderheldin“ bis zu zwölf Monate nach der Geburt 30 Mal kostenfrei nutzen. Die staatlich ausgebildeten Hebammen sind ganztägig erreichbar und haben auch am Wochenende immer ein offenes Ohr im Chat oder am Telefon. Für eine ambulante Geburt oder eine frühzeitige Entlassung ist dieser Service optimal.

Worauf sollten die Eltern auf jeden Fall achten, wenn sie ein paar Stunden nach der Entbindung zuhause sind?

Auf jeden Fall auf Anzeichen einer sich eventuell verstärkenden Gelbsucht beim Neugeborenen. Auch eine übermäßige, schnelle Gewichtsabnahme von mehr als 10 Prozent des Geburtsgewichtes in den ersten Lebenstagen des Kindes kann kritisch sein. Sprechen Sie dann unbedingt mit der Hebamme! In vertrauter Umgebung lassen sich die meisten Probleme schnell lösen. Wann immer ein Rat gefragt ist, sind natürlich wir Hebammen, Frauen- und Kinderärzte, aber auch viele Foren oder Chats hilfreich sowie Erfahrungen aus der Familie oder von Freunden wertvoll.

Gut zu wissen:

Aktuelle Informationen zur Geburt im Helios Klinikum Berlin-Buch online unter www.helios-gesundheit.de/geburtinberlin

Nutzen Sie das Kontaktformular für Ihren Erstkontakt mit unserem Geburtenzentrum. Wir melden uns zeitnah auf dem gewünschten Kontaktweg. -im Live-Chat Kreißsaalführung: jeden 1. und 3. Dienstag im Monat auf Facebook und Instagram.

Helios Klinikum Berlin-Buch – Geburtenzentrum
Schwanebecker Chaussee 50 · 13125 Berlin

www.helios-gesundheit.de

forschen, heilen / 02.07.2020
NAKO Gesundheitsstudie nimmt Untersuchungen wieder auf

Quelle: MDC
Quelle: MDC

Nach einer dreimonatigen Corona-Pause öffnen die 18 NAKO Studienzentren im Juli nach und nach wieder ihre Türen für die Teilnehmer*innen. Der Studienbetrieb der NAKO am MDC beginnt ab dem 6. Juli 2020.

Durch den Ausbruch der Pandemie in Deutschland hatte die NAKO Gesundheitsstudie präventiv - zum Schutz von Mitarbeiter*innen und Teilnehmer*innen - ihre Studienzentren für Probanden und Besucher*innen vorübergehend geschlossen. Auch das Studienzentrum Berlin-Nord stellte den Studienbetrieb ein. Mit der schrittweisen Lockerung der Beschränkungen im öffentlichen Leben ist jetzt auch eine kontrollierte Wiederaufnahme des wissenschaftlichen Untersuchungsbetriebs und somit die Fortsetzung der Folgeuntersuchung möglich.

"Die Zeit des Shutdowns wurde für wichtige Projekte genutzt", sagt Dr. Kerstin Wirkner, Studienzentrumsleiterin in Leipzig und Sprecherin der NAKO Studienzentrumsleiter*innen. "So wurde u. a. ein neues Erhebungsinstrument, die COVID-19-Befragung, erarbeitet. Darüber hinaus haben wir unser Personal auf die neuen Herausforderungen vorbereitet, gut geschult und ein Konzept erarbeitet, das es uns - in Übereinstimmung mit den lokalen Hygiene- und Desinfektionsplänen sowie den Vorgaben zu SARS-CoV-2 der NAKO Mitgliedsinstitutionen - ermöglicht, notwendige Schutzvorkehrungen zu definieren und in allen 18 Studienzentren umzusetzen."

Was hat sich für die Teilnehmer*innen geändert

Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen sind seit Beginn der NAKO Bestandteil der Studie. Um einer Ausbreitung des SARS-CoV2-Virus vorzubeugen, wurden diese jetzt erweitert und verschärft. In den NAKO Studienzentren gilt ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Teilnehmer*innen, Gästen und Mitarbeiter*innen. Das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes ist Pflicht. Ergänzt werden diese inzwischen gängigen Sicherheitsvorkehrungen durch verschärfte Hygienemaßnahmen: Zusätzliche Stellwände und Plexiglaswände, u. a. am Empfang, sowie das mehrfache tägliche Desinfizieren von sämtlichen Kontaktflächen zählen dazu. Das Untersuchungspersonal trägt Berufs- und Schutzkleidung, die in vorgeschriebenen Abständen gewechselt wird, und die Räume werden nach entsprechenden Qualitätsstandards gereinigt und gelüftet.

Neu für die Teilnehmenden sind die zusätzliche Befragung nach SARS-CoV-2 bezogenen Ausschlusskriterien bei der Terminvereinbarung und die COVID-19-Selbstauskunft am Tag der Untersuchung. Individuelle Fragen und Anliegen der NAKO Probanden werden vorab telefonisch besprochen, um weitere, eventuell notwendige Maßnahmen zum Schutz der Teilnehmer*innen sowie des Studienzentrumspersonals realisieren zu können.

Weiterführende Informationen

https://www.mdc-berlin.de/de/news/news/nako-gesundheitsstudie-nimmt-untersuchungen-wieder-auf

forschen / 02.07.2020
Beschützer der B-Zellen

Das Protein Pdap1 (rot) ist im Zytoplasma von B-Zellen lokalisiert.  (Foto: Di Virgilio Lab, MDC)
Das Protein Pdap1 (rot) ist im Zytoplasma von B-Zellen lokalisiert. (Foto: Di Virgilio Lab, MDC)

Eine Forschungsgruppe am MDC hat ein Protein entdeckt, das reife B-Lymphozyten vor dem stressbedingten Zelltod bewahrt. Zudem unterstützt es die Immunzellen dabei, wirksame Antikörper herzustellen, die zu verschiedenen Zeitpunkten der Infektion den Krankheitserreger aufhalten können.

Dringt ein Krankheitskeim in den menschlichen Körper ein, ist das Immunsystem meist sofort zur Stelle, um den feindlichen Angreifer abzuwehren. Eine der wichtigsten Strategien der Körperabwehr besteht darin, dass bestimmte Immunzellen, die B-Lymphozyten, Antikörper produzieren, die den Erreger anpeilen und ihn abschwächen. B-Zellen spielen eine wichtige Rolle bei der erworbenen Immunität und schützen zusammen mit T-Zellen und anderen Bestandteilen des angeborenen Immunsystems den Körper vor fremden Krankheitserregern, Allergenen und Giften.

Viele Forschende aus Berlin waren an der Studie beteiligt

Ein Team um Dr. Michela Di Virgilio, die Leiterin der Arbeitsgruppe „Genomdiversifikation & Integrität“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), hat jetzt ein Eiweiß namens Pdap1 identifiziert, das die B-Zellen bei ihrer wichtigen Aufgabe unterstützt und sie zugleich vor dem durch Stress ausgelösten Zelltod schützt.

Erstautorinnen der im Fachblatt „Journal of Experimental Medicine“ publizierten Entdeckung sind die beiden Doktorandinnen Verónica Delgado-Benito und Maria Berruezo-Llacuna aus dem Team von Di Virgilio. Darüber hinaus waren an der Studie unter anderem Forscherinnen und Forscher des zum MDC gehörenden Berlin Institute of Medical Systems Biology (BIMSB) und des Experimental and Clinical Research Center (ECRC ) beteiligt. Letzteres ist eine gemeinsame Einrichtung des MDC und der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

B-Zellen müssen sich immer wieder neu anpassen

„Eine erfolgreiche humorale Immunantwort, die durch Antikörper hervorgerufen wird, hängt von mehreren Faktoren ab“, erläutert Di Virgilio. Reife B-Zellen müssen ihre Gene, also die Bauanleitungen für die Antikörper, so verändern, dass diese nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip zu den Erkennungsmerkmalen auf der Oberfläche des eingedrungenen Krankheitserregers passen. Nachdem ein Antikörper mit dem Erreger zusammentrifft und B-Zellen aktiviert werden, finden somatische Hypermutation statt; jener Teil des Antikörpermoleküls mutiert, der dafür verantwortlich ist, den Erreger zu erkennen.

Im Verlauf der humoralen Immunantwort verwandelt sich ein weiterer Teil der Antikörper, ein Klassenwechsel (Class Switch Recombination, kurz CSR) steht an. Bei diesem Vorgang verändern die B-Zellen den Isotyp der hergestellten Antikörper. An die Stelle von Immunglobulinen vom Typ IgM, die vor allem zu Beginn einer Infektion produziert werden, treten dann beispielsweise IgG-Antikörper. So werden die Antikörper noch effektiver bei der Beseitung des eingedrungenen Erregers.

Gefunden wurde das Protein mithilfe der Genschere

„Anfangs wollten wir vor allem verstehen, wie der Klassenwechsel funktioniert“, sagt Delgado-Benito. „Dazu haben wir B-Zelllinien von Mäusen mithilfe der Genschere CRISPR/Cas9 genetisch so verändert, dass sie bestimmte Proteine nicht mehr herstellen.“ Auf diese Weise fanden sie und das Team heraus, dass ohne das PDGFA-assoziierte Protein 1 (Pdap1) weniger Klassenwechsel stattfinden.

„Im nächsten Schritt haben wir Mäuse gezüchtet, in deren B-Zellen das Gen für Pdap1 ausgeschaltet war“, berichtet Berruezo-Llacuna. „Nun stellten wir fest, dass dieses Protein auch für die somatische Hypermutation entscheidend ist.“ Ohne das Eiweiß gab es weniger solcher Mutationen in dem Antikörperteil, der den Erreger erkennt. Dies reduzierte die Wahrscheinlichkeit hochspezifische Antikörper-Varianten herzustellen.

Ohne Pdap1 sterben die B-Zellen leichter ab

„Eine besonders überraschende Erkenntnis unserer in-vivo-Experimente war allerdings, dass die B-Zellen von Mäusen, die Pdap1 nicht herstellen können, viel leichter zugrunde gehen als gewöhnlich“, ergänzt Di Virgilio. Ihr Team entdeckte, dass das Protein die B-Lymphozyten vor dem stressbedingten Zelltod schützt. „Der Stress entsteht, wenn die Zellen durch den Kontakt mit dem Krankheitserreger schnell beginnen zu wachsen und sich stark vermehren“, erläutert die Forscherin.

In gewöhnlichen Tieren hilft Pdap1 den B-Zellen offenbar dabei, mit diesem Stress gut umzugehen. Ohne das Eiweiß aber wird ein Programm gestartet, das die Zellen letztendlich in den Tod treibt. „Pdap1 hilft den B-Lymphozyten also nicht nur dabei, stets wirksame Antikörper herzustellen“, sagt Di Virgilio. Es könne durchaus auch als deren Beschützer betrachtet werden.

Text: Anke Brodmerkel

www.mdc-berlin.de

01.07.2020
Stärkung Berliner Großsiedlungen

Träger der Stadtteil- und Gemeinwesenarbeit können Projekte einreichen

Die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen führt von 2020 bis 2023 in Zusammenarbeit mit den betreffenden Bezirken das Programm „Stärkung Berliner Großsiedlungen“ durch. Ziel ist es, durch unterstützende Projekte Großsiedlungen sowie ihre Bewohnerinnen und Bewohner zu stärken und dadurch das nachbarschaftliche Miteinander und die Lebensqualität weiter zu erhöhen. Die Förderkulisse des Programms umfasst 24 Großsiedlungen in Berlin, davon vier im Bezirk Pankow: Neumannstraße (Alt-Pankow), Buch, Weißensee Ost sowie das Stadtumbaugebiet Greifswalder Straße.

Für die Durchführung von Projekten zur Umsetzung des berlinweiten Programms im Bezirk Pankow ruft das Bezirksamt für die genannten Großsiedlungsgebiete Träger der Stadtteil- und Gemeinwesenarbeit zur Einreichung von Projektvorschlägen auf.

Förderschwerpunkte sind: Nachbarschaftliches Miteinander, Freiwilliges Engagement, Integration, Kinder- und Jugendliche, Attraktivität des öffentlichen Raumes sowie Beteiligung, Vernetzung und Kooperation.

Die vollständigen Bewerbungsunterlagen sind bis zum Freitag, dem 10. Juli 2020 (Einsendeschluss) an folgende E-Mail-Adresse zu richten: spk@ba-pankow.berlin.de.

Der vollständige Projektaufruf zum Herunterladen gibt es unter: https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/service-und-organisationseinheiten/sozialraumorientierte-planungskoordination/dokumente/artikel.952662.php
Ansprechperson für Rückfragen im Bezirksamt Pankow: SPK - Büro für Bürgerbeteiligung Jeanette Münch, Tel: (030) 90295-2713, E-Mail: spk@ba-pankow.berlin.de

leben / 01.07.2020
Bucher Ferienspiele 2020

Herr Tie kann fühlen, sehen und hören. Mit ihm erforschen Kinder das Gehirn im Gläsernen Labor (Foto: Peter Himsel/CBB)
Herr Tie kann fühlen, sehen und hören. Mit ihm erforschen Kinder das Gehirn im Gläsernen Labor (Foto: Peter Himsel/CBB)

Sommerferien und kein Urlaub in Sicht? Für Bucher Ferienkinder gibt es wieder ein tolles Programm. Schwimmen, Klettern, Floß fahren, Natur entdecken, künstlerisch kreativ werden, spannende naturwissenschaftliche Experimente - all das bieten die verschiedensten Bucher Einrichtungen, zum Teil vor Ort, zum Teil auf Ausflügen.
Den Flyer mit dem kompletten Programm finden Sie hier.
Und hier geht es zu den Adressen der Einrichtungen.

Ansprechpartnerin:

Franziska Myck
Koordinatorin für den Bildungsverbund Berlin-Buch
c/o Montessori-Gemeinschaftsschule Berlin-Buch
Wiltbergstraße 50, Haus 23
13125 Berlin-Buch

Mobil: 01590 4523057
E-Mail: f.myck@karuna-ev.de
Web: www.bildungsverbund-buch.de

Logo Bildungsverbund

forschen / 30.06.2020
Osmotischer Stress als Stimulator der zellulären Müllabfuhr identifiziert

Aufnahme von Astrozyten aus der Maus. Gezeigt sind das Aktinzytoskelett (rot) und Lysosomen (grün). (Bild: Tania Lopez-Hernandez).
Aufnahme von Astrozyten aus der Maus. Gezeigt sind das Aktinzytoskelett (rot) und Lysosomen (grün). (Bild: Tania Lopez-Hernandez).

Die zelluläre Müllabfuhr, ein Zusammenspiel von Autophagie und Lysosomen, übt elementare Funktionen aus, um zum Beispiel beschädigte Eiweißmoleküle abzubauen, die die Funktion der Zelle beeinträchtigen, und die entstehenden Bausteine wieder dem Nährstoffwechsel zuzuführen. Dieser Recyclingprozess hält Zellen bekanntermaßen jung und schützt zum Beispiel vor Eiweißverklumpungen, wie sie bei neurodegenerativen Erkrankungen auftreten.

Doch was außer Hungern setzt dieses wichtige System eigentlich in Gang? Forscher vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin haben nun einen bislang unbekannten Mechanismus entdeckt: Demnach löst osmotischer Stress, also eine Änderung im Wasser-Ionen-Haushalt, innerhalb weniger Stunden eine Antwort aus, die zu einer erhöhten Bildung und Aktivität von Autophagosomen und Lysosomen führt. Die jetzt in „Nature Cell Biology“ publizierte Arbeit beschreibt den neuen Signalweg im Detail und liefert entscheidende Grundlagen, um Umwelteinflüsse auf unser zelleigenes Recycling- und Abbausystem besser zu verstehen und therapeutisch zu nutzen.

Unsere Zellen benötigen hin und wieder einen „Frühjahrsputz“, damit fehlgefaltete Eiweißmoleküle oder beschädigte Zellorganellen abgebaut werden und die Eiweißmoleküle nicht verklumpen. Zuständig für den Abbau ist die sogenannte Autophagie und das damit eng verknüpfte lysosomale System, deren Entdeckung 2016 mit dem Nobelpreis für Medizin gewürdigt wurde.

Etliche Studien deuten darauf hin, dass Autophagie und Lysosomen eine zentrale Rolle bei der Zellalterung sowie bei neurodegenerativen Erkrankungen spielen. Zudem gilt es als gesichert, dass Fasten bzw. Nahrungsentzug diesen zellulären Abbau- und Recyclingprozess anschmeißen kann. Ansonsten weiß man wenig darüber, wie Zellen und Organe die Qualität ihrer Eiweißmoleküle kontrollieren und welche Umwelteinflüsse das entscheidende Signal zum Aufräumen geben.

Wasserverlust induziert die Bildung von Lysosomen und Autophagie
Einen neuen Auslöser haben nun Wissenschaftler vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin identifiziert: Es ist osmotischer Stress, also jener Zustand, in dem Zellen Wasser verlieren, der das System der Autophagie und des lysosomalen Abbaus hochfährt. Die Arbeit wurde soeben im renommierten Fachjournal „Nature Cell Biology“ publiziert.

„Wenn es zu Wasserentzug kommt, sehen wir auf einmal mehr Lysosomen in den Zellen, also mehr von den Organellen, in denen der Abbau von verklumpten Eiweißmolekülen passiert“, erklärt Co-Letztautorin PD Dr. Tanja Maritzen. „Das ist eine schlaue Anpassung, da der zelluläre Wasserverlust gleichzeitig die Verklumpung von Eiweißen begünstigt. Diese Verklumpungen müssen rasch abgebaut werden, um die Zellen funktionsfähig zu halten, und das geht besser, wenn die Zellen mehr Lysosomen haben.“

Ionentransporter NHE7 schaltet neu entdeckten Weg an
Was auf molekularer Ebene in den dehydrierten Zellen passiert, konnten die Forscher an Astrozyten beobachten, sternförmigen Gehirnzellen, die unsere Nervenzellen in ihrer Arbeit unterstützen: Bei Wasserentzug wandert der Ionentransporter NHE7 vom Zellinneren, wo er normalerweise sitzt, nach draußen an die Plasmamembran. Dadurch strömen Natriumionen in die Zelle ein, was indirekt die Konzentration des wichtigen Botenstoffs Kalzium im Zytosol erhöht. Die erhöhte Kalziumkonzentration aktiviert wiederum einen Transkriptionsfaktor namens TFEB und der schaltet schließlich Autophagie und lysosomale Gene an. Das System wird also initial von dem Ionentransporter NHE7 hochgefahren – ausgelöst durch osmotischen Stress.

„Diesen Weg kannte man überhaupt nicht“, sagt Arbeitsgruppenleiter und Letztautor der Studie Prof. Dr. Volker Haucke. „Das ist ein neuer Mechanismus, der auf eine ganz andere Art von physiologischer Herausforderung anspringt, als bislang bekannt.“

Verklumpte Eiweiße in Gehirnzellen gefunden
Wie bedeutsam dieser Weg für die menschliche Gesundheit ist, zeigten Gegenexperimente: Nahmen die Forscher eine Komponente des Signalwegs weg, zum Beispiel den Transporter NHE7 oder den Transkriptionsfaktor TFEB, dann sammelten sich unter osmotischen Stressbedingungen verklumpte Eiweißmoleküle in den Astrozyten an; sie konnten nicht abgebaut werden. In der Arbeit wurde das unter anderem für Synuklein gezeigt, ein Eiweiß, das in die Parkinsonsche Krankheit involviert ist.

„Gerade neurodegenerative Erkrankungen sind eine mögliche Folge, wenn dieser Weg nicht korrekt eingeschaltet wird“, sagt Tania López-Hernández, Post-Doc in Prof. Hauckes und Dr. Maritzens Arbeitsgruppen und Erstautorin der Arbeit. „Hinzukommt, dass NHE7 ein sogenanntes Alzheimer Risiko-Gen ist. Jetzt haben wir neue Erkenntnisse, warum dieses Gen so kritisch sein könnte.“

Interessant ist auch, dass eine auf dem X-Chromosom vererbte geistige Behinderung bei Jungen auf eine Mutation im NHE7-Gen zurückgeht. Die Forscher vermuten, dass der Krankheitsmechanismus mit dem nun beschriebenen Abbau-Mechanismus zusammenhängt. Wäre lediglich der Schalter, das heißt das NHE7-Eiweiß defekt, könnte man versuchen, den Weg auf andere Weise anzuschalten. „Einen Gendefekt zu reparieren ist praktisch sehr schwierig und extrem teuer, aber man könnte sich vorstellen, das NHE7-Eiweiß pharmakologisch zu beeinflussen oder andere Stimuli wie etwa den Nahrungszusatz Spermidin zu benutzen, um das Autophagie-System bei diesen Patienten anzuschalten“, sagt Zellbiologe und Neurocure-Forscher Volker Haucke.

Grundlagenforschung medizinisch relevant
Doch um solche Eingriffe vornehmen zu können, müssen die Grundlagen noch besser erforscht werden. Zum Beispiel ist noch unklar, wie osmotischer Stress die Wanderung von NHE7 an die Zelloberfläche bewirkt. Auch ist nicht bekannt, ob gleich das ganze Abbau-System hochgefahren wird oder nur einzelne Gene angeschaltet werden oder welche spezifischen Antworten es auf den osmotischen Stress braucht, damit das lysosomale System aktiviert wird. Ebenso unklar ist, mit welchen weiteren Stimuli dieser physiologische Vorgang angestoßen werden kann. Alle diese Fragen wollen die Grundlagenforscher nun in Folgeprojekten beantworten.

„Wir haben aus unserer Arbeit gelernt, wie fundamental sich unser Wasser- und Ionen-Haushalt auf die Fähigkeit unserer Zellen und Gewebe auswirkt, defekte Eiweißmoleküle abzubauen“, sagt Volker Haucke. „Nun wollen wir diesen Mechanismus noch besser verstehen – auch weil er von großer Bedeutung für das Altern, die Neurodegeneration und die Prävention von etlichen Krankheiten ist.“

Text: Beatrice Hamberger

Quelle:
Lopez-Hernandez, T., Puchkov, D., Krause, E., Maritzen, T., Haucke, V. Endocytic regulation of cellular ion homeostasis controls lysosome biogenesis. In: Nature Cell Biology July 2020 issue. DOI10.1038/s41556-020-0535-7

Das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB), einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. In ihnen arbeiten mehr als 1.900 Mitarbeiter. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft. Entstanden ist der Forschungsverbund 1992 in einer einzigartigen historischen Situation aus der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR.

https://www.leibniz-fmp.de/de/press-media/press-releases/press-releases-single-view1/article/osmotic-stress-identified-as-stimulator-of-cellular-waste-disposal

www.leibniz-fmp.de

forschen / 29.06.2020
„Wir haben alle das gleiche Ziel”

Prof. Markus Landthaler (Foto: David Ausserhofer / MDC)
Prof. Markus Landthaler (Foto: David Ausserhofer / MDC)

Angesichts der Pandemie bündelt das Max-Delbrück-Centrum Ressourcen für Projekte zu SARS-CoV-2. Ein Interview mit Professor Markus Landthaler, der die Task-Force koordiniert.

Am MDC entstand im März eine SARS-Task-Force. Worum geht es dabei?

In einer Krise wie der derzeitigen Pandemie kann Berlin auf vielfältige Expertise in Grundlagenforschung, Klinik und Epidemiologie, auf hochspezialisierte Technologien und Infrastrukturen zurückgreifen. Diese Forscherinnen und Forscher vernetzen sich gerade hier in Berlin, aber auch national und international, um die Ressourcen für die SARS-CoV-2 Forschung zu bündeln. Auch bei uns am MDC. Wir wollen mithelfen, das neuartige Coronavirus und die Erkrankung COVID-19 besser zu verstehen. Das war ganz schnell klar. Deshalb haben sich etliche MDC-Arbeitsgruppen und Technologieplattformen im März 2020 zu einer Task-Force zusammengeschlossen. Es kommen ständig weitere dazu.

Können Sie Beispiele für diese Vernetzung geben?

Wir arbeiten eng mit Gruppen an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, dem Berlin Institute of Health, der Freien Universität zu Berlin und dem Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie und anderen Partnern in Berlin und darüber hinaus zusammen. Ein weiteres Stichwort ist sicher das LifeTime-Konsortium, das eine Vernetzung auf europäischer Ebene ermöglicht. Auch mit Zentren in Ländern, die besonders hart von der Pandemie betroffen waren oder noch sind. Es entstehen gerade sehr vielfältige Kooperationen. Gleichzeitig ist es eine Herausforderung, dass sich die Initiativen möglichst gegenseitig ergänzen sollten.

Das MDC ist nicht auf Virologie spezialisiert.

Nein, wir sind kein Forschungsinstitut für Infektionskrankheiten. Dadurch sind einige Möglichkeiten für uns nicht gegeben. Wir können z. B. nicht direkt mit infektiösen SARS-CoV-2 Viren arbeiten, weil uns die entsprechenden Labore der Sicherheitsstufe 3 fehlen. Auch deshalb sind die Kooperationen wichtig – etwa mit der Charité und dem Robert Koch-Institut. Am MDC können wir ausschließlich mit inaktivierten Viren oder an viralen Proteinen arbeiten. Aber wir können mit unseren Technologien Unterstützung anbieten. Es wird immer deutlicher, dass dieses Coronavirus Auswirkungen auf ganz unterschiedliche Organsysteme hat. Allen voran auf das Herz-Kreislauf-System, aber auch auf die Nieren, das Gehirn und so weiter. Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sind besonders von den schweren Verläufen betroffen. Da können und sollten wir unsere Expertise einbringen.

Arbeiten Forschende am MDC schon länger mit Coronaviren?

Meine eigene Arbeitsgruppe hat im letzten Jahr anhand von Herpesviren gezeigt, wie man die Einzelzellsequenzierung für das Verständnis viraler Infektionen nutzen kann. Daraus hatte sich eine Kooperation mit der Charité ergeben – wir hatten tatsächlich bereits vor der Pandemie ein gemeinsames Projekt zu verschiedenen Coronaviren geplant. Das haben wir jetzt angepasst und vergleichen nun, wie sich die Infektion mit dem alten und dem neuen SARS-Virus auf Lungenzellen auswirkt.

Das klingt spannend.

Es ist erst einmal Grundlagenforschung. Mit der Einzelzellsequenzierung können wir sehen, was das Virus in individuellen Zellen macht, welche Signalwege es anschaltet, welche Wirtsproteine plötzlich vermehrt produziert werden. Und das bei tausenden Zellen gleichzeitig. Wir erhalten also aus einer einzigen Probe Millionen Datenpunkte über die molekularen Konsequenzen der Infektion. Diese analysieren anschließend unsere Bioinformatiker. So können wir sehen, wie sich das alte vom neuen SARS-Virus unterscheidet. Es ergeben sich Ansatzpunkte für weitere Forschung – z. B. welche Signalwege man blockieren sollte, um eine Vermehrung des Virus in der Zelle zu behindern.

Woran arbeiten andere Arbeitsgruppen am MDC ganz konkret?

Es geht um sehr grundlegende Fragen – etwa, wie das Virus in die Zelle eindringt oder wie die zelluläre Immunantwort aussieht. Die Arbeitsgruppe von Kathrin de la Rosa z. B. will herausfinden, welche Antikörper nachweisbar sein müssen, damit ein Patient oder eine Patientin wirklich als immun gelten kann. Das ist auch für die Impfstoffentwicklung wichtig. Ihr Team arbeitet außerdem an Lösungsansätzen, um die serologische Diagnostik zu unterstützen. Norbert Hübner, Holger Gerhardt und andere untersuchen, wie sich die Infektion auf das Herz und die Gefäße auswirkt. Lungen- und Hirn-Organoide sollen die Folgen für diese Organe zeigen. An solchen dreidimensionalen Zellkulturmodellen können wir den Infektionsverlauf zeitlich und räumlich beobachten. Das Team von Nikolaus Rajewsky testet neue Methoden, um die Genexpression im dreidimensionalen Gewebe zu untersuchen. Und Zsuzsanna Izsvak will wissen, inwiefern Präeklampsie-Patientinnen ein besonderes hohes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 haben. Das sind alles nur Beispiele. Das Virus ist ja noch relativ neu. Grundlagenforschung ist neben den klinischen Beobachtungen wichtig, um mehr über SARS-CoV-2 herauszufinden. So können wir Ansatzpunkte für Diagnostik, Therapie und die Impfstoffentwicklung ausfindig machen.

Wie viele Arbeitsgruppen sind Teil der SARSTask-Force?

Angefangen haben wir mit acht Arbeitsgruppen und sechs Technologieplattformen. Unsere Schwerpunkte am MDC sind normalerweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen des Nervensystems oder Krebs. Nun widmen wir uns gemeinsam mit Forschenden aus der Biochemie, Molekular- und Zellbiologie, Genetik und Bioinformatik neuen Fragestellungen zu SARS-CoV-2. Es hat mich überrascht, dass sich so viele Labore einbringen wollen – und von Tag zu Tag werden es mehr. Das liegt sicherlich daran, dass die aktuelle Situation jeden von uns direkt betrifft, sowohl persönlich als auch beruflich. Wir wollen unseren Teil beitragen, um die Probleme zu lösen.

Wie arbeiten Wissenschaftler*innen in diesen Zeiten zusammen?

Am MDC sind wir alle gut miteinander vernetzt. Jeder weiß, was die anderen Arbeitsgruppen gerade tun. Im Moment müssen wir zusätzlich auf die Gesundheit aller achten, deswegen arbeiten viele von zu Hause aus, fassen Ergebnisse für Publikationen zusammen oder schreiben Anträge. Wir arbeiten in Schichten, um die Abstände im Labor sicher zu stellen. Ermutigend ist, dass weltweit trotzdem ein reger Austausch herrscht. Wissenschaftliche Daten stellen viele sofort zur Verfügung – etwa als Preprints. Das ist ein großer Vorteil, denn so bekommen wir einen Überblick, woran andere Gruppen zur Zeit arbeiten. Viele Diskussionen laufen über Twitter. Reagenzien, Protokolle oder Zelllininen werden getauscht. Instituts- oder Ländergrenzen spielen keine Rolle. Wir haben alle das gleiche Ziel.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Diese Krise zeigt, dass wir auf solche Ausbrüche noch nicht genug vorbereitet sind. Auch in Hinblick auf Pandemien in der Zukunft wäre es wichtig, schon jetzt möglichst viele Informationen über Viren zu sammeln, die potenziell für den Menschen gefährlich sein könnten. Je mehr wir über Struktur und Beschaffenheit eines Virus wissen, desto schneller und besser können wir reagieren, wenn sich ein Virus verbreitet.

Interview: Christina Anders und Jana Schlütter / MDC

Das Interview erschien zuerst im Standort-Journal buchinside.

www.mdc-berlin.de

forschen / 26.06.2020
Was ApoE4 fürs Gehirn gefährlich macht

Einige Alzheimer-Forscher*innen gehen davon aus, dass die in Fischölkapseln enthaltenen ungesättigten Fettsäuren das Gehirn vor neurodegenerativen Prozessen schützen. (Bild: Ewa Urban auf Pixabay)
Einige Alzheimer-Forscher*innen gehen davon aus, dass die in Fischölkapseln enthaltenen ungesättigten Fettsäuren das Gehirn vor neurodegenerativen Prozessen schützen. (Bild: Ewa Urban auf Pixabay)

Apolipoprotein E4 gilt als wichtigster genetischer Risikofaktor für eine Alzheimer-Erkrankung. Warum ApoE4 das Gehirn schädigt, hat nun eine Arbeitsgruppe um den MDC-Wissenschaftler Thomas Willnow herausgefunden.

Apolipoprotein E (ApoE) ist so etwas wie ein Lieferservice für das menschliche Gehirn. Es versorgt die Nervenzellen mit wichtigen Nährstoffen, unter anderem mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren – Bestandteile der Membranen, die die Nervenzellen umhüllen. Außerdem werden bestimmte ungesättigte Fettsäuren in Endocannabinoide umgewandelt. Das sind körpereigene Botenstoffe, die zahlreiche Funktionen des zentralen Nervensystems regulieren, etwa das Gedächtnis oder die Steuerung der Immunantwort, und sie schützen das Gehirn vor Entzündungen.
Die ApoE-Ladung gelangt über Sortilin, einen Membran-Rezeptor, in die Nervenzellen: Sortilin bindet ApoE und transportiert es über eine Einstülpung der Zellmembran in das Innere der Nervenzelle. Dieser Vorgang heißt Endozytose. ApoE im Zusammenspiel mit Sortilin hat einen ganz wesentlichen Einfluss auf unsere Hirngesundheit: Gelangen nicht genug mehrfach ungesättigte Fettsäuren in die grauen Zellen, verkümmern diese und sind anfällig für Entzündungsreaktionen.

Doch ApoE ist nicht gleich ApoE. Beim Menschen existiert es in drei Genvarianten: ApoE2, ApoE3 und ApoE4. Hinsichtlich ihrer Aufgabe, Lipide zu transportieren, unterscheiden sie sich nicht. Auch die Fähigkeit, an Sortilin zu binden, ist allen drei Varianten gleich. Allerdings haben Menschen, die eine  E4-Form tragen, gegenüber denen mit der E3-Variante ein zwölfmal höheres Risiko, an Alzheimer zu erkranken. „Warum ApoE4 das Alzheimerrisiko so stark erhöht, ist eine der zentralen Fragen in der Alzheimerforschung“, sagt Professor Thomas Willnow, der am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) seit vielen Jahren die Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen untersucht. Etwa 15 Prozent der Menschen bilden ApoE4. Willnow ist auch an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und der Aarhus University affiliiert.

ApoE4 verhindert das Recycling von Sortilin
Eine Studie von Willnows Arbeitsgruppe liefert nun eine mögliche Erklärung, warum ApoE4 so gefährlich für das Gehirn ist. Erstautor der Studie, die kürzlich in der Fachzeitschrift Alzheimer’s & Dementia publiziert wurde, ist Dr. Antonino Asaro vom MDC. Bei der E3-Variante läuft die Endozytose reibungslos ab: Sortilin bindet mit Fettsäuren-beladenes ApoE3. Nachdem es seine Fracht im Inneren der Nervenzellen abgeliefert hat, kehrt freies Sortilin zurück zur Zelloberfläche, um neues ApoE zu binden. Dies wiederholt sich viele Male pro Stunde, und die Nervenzellen werden ausreichend mit essenziellen Fettsäuren versorgt.

Der Vorgang gerät ins Stocken, wenn ApoE4 beteiligt ist. Bindet Sortilin ApoE4 und transportiert es ins Zellinnere, verklumpt der Rezeptor darin. Er kann nicht zur Zelloberfläche zurückkehren, die Endozytose kommt zum Erliegen. Bei manchen Menschen ist dies der Auftakt zur allmählichen Schädigung des Gehirns. Es werden immer weniger Fettsäuren aufgenommen, die grauen Zellen können sich nicht schützen und entzünden sich. Dadurch werden sie während des Alterungsprozesses anfälliger für den Zelltod – sie sterben ab. Das Risiko einer Alzheimerdemenz steigt damit rapide.

„Wir haben ein maßgeschneidertes Mausmodell genutzt, um den menschlichen Lipidstoffwechsel abzubilden“, erklärt Willnow. Dafür hat sein Team Mäuse mit verschiedenen ApoE-Varianten des Menschen gezüchtet, sowohl mit ApoE3 als auch mit ApoE4. Dann untersuchten die Forscher*innen  die Lipidzusammensetzung der Maushirne per Massenspektrometrie, einem technischen Verfahren, mit dem Atome und Moleküle analysiert werden können. In den Hirnzellen der Mäuse mit ApoE3 lief ein gesunder Lipidstoffwechsel ab: Die Menge an ungesättigten Fettsäuren und Endocannabinoiden im Gehirn war ausreichend. Bei den E4-Mäusen hingegen kamen zu wenig Nährstoffe in den Hirnzellen an. Unter dem Mikroskop zeigte sich, dass die Membranbläschen, die normalerweise Sortilin aus dem Zellinneren zurück zur Zelloberfläche bringen, bei ApoE4 in der Nervenzelle feststeckten – ein Hinweis darauf, dass ApoE4 den Rezeptor verklumpt.

Neuer Ansatz für Alzheimer-Therapeutikum?
„Diese Erkenntnis liefert möglicherweise den Ansatz für eine neue Strategie in der Alzheimer-Therapie“, sagt Willnow. Menschen mit der E4-Variante könnten mit einem Mittel behandelt werden, das verhindert, dass das ApoE4 den Rezeptor verklumpt. In Nervenzellkulturen werden solche Wirkstoffe bereits erprobt.

In Kooperation mit Wissenschaftler*innen des Neuroforschungszentrums der Universität Aarhus in Dänemark wird die MDC-Gruppe um Willnow nun an einem solchen Therapeutikum arbeiten. Die Novo Nordisk Foundation stellt für diese Forschung sieben Millionen Euro zur Verfügung. „Wenn es gelingt, ein solches Medikament zu entwickeln, könnte ein Screening auf ApoE4 sinnvoll sein“, sagt der Zellbiologe. Dann könnten frühzeitig präventive Maßnahmen gegen den Abbau der grauen Zellen bei Menschen mit genetischem Risiko ergriffen werden. „Doch bis es so weit ist, möchte ich selbst lieber nicht wissen, welche ApoE-Variante ich habe.“

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forschen, produzieren, heilen / 24.06.2020
CAMPUSbikes erfolgreich etabliert

Start des Projekts 2018 (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Start des Projekts 2018 (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Campus Berlin-Buch und Helios Klinikum kooperieren weiterhin mit nextbike

Umweltfreundlich und kostenlos auf dem Leihrad zwischen S-Bahnhof und Arbeitsort zu pendeln – die CAMPUSbikes machen es möglich. Die Beschäftigten des Campus Berlin-Buch und des Helios Klinikums Berlin-Buch können seit Juni 2018 insgesamt 50 Räder nutzen. Nach der ersten Erprobung wird das Projekt mit dem Leipziger Start-up nextbike nun für weitere zwei Jahre fortgesetzt. Die Zahl der Räder für den Campus Berlin-Buch steigt auf 40, und es entsteht dort eine dritte Station am Lindenberger Weg.

„Die CAMPUSbikes werden sehr gut genutzt und ergänzen die Verkehrsinfrastruktur ideal“, so Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der Campus Berlin-Buch GmbH (CBB). „Wir freuen uns, dass wir das gemeinsame Projekt fortsetzen können.“ Beteiligte des Campus sind das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft, das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie, die Charité – Universitätsmedizin Berlin und die CBB für die Unternehmen des BiotechPark Berlin-Buch.

Mit dem Ziel, Buch modellhaft als Green Health City zu entwickeln, soll die fahrradfreundliche Infrastruktur noch deutlich ausgebaut werden. So sind im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts für Buch Städtebaufördermittel für einen Fahrradhighway zwischen Bahnhof, Klinik- und Forschungscampus vorgesehen. „Künftig wäre eine Ausweitung der CAMPUSbike-Stationen im Ort wünschenswert. Wir werben dafür bei Wohnungsbaugesellschaften und anderen Bucher Akteuren, damit die Leihräder auch von den Anwohnern genutzt werden können. Auch eine Nutzung für Ausflüge ins Umland wäre eine wünschenswerte Perspektive“, erklärt Dr. Scheller.

Für seine umweltfreundliche Radkultur wurde der Campus mehrfach ausgezeichnet. „Beschäftigte, die mit dem eigenen Fahrrad zur Arbeit kommen, finden eine große Zahl von Abstellanlagen vor. Sie können abschließbare Unterstellmöglichkeiten mieten. Sogar Duschen stehen zur Verfügung“, so Dr. Scheller. Nicht zuletzt konnte die CBB eine Fahrradwerkstatt dafür gewinnen, sich auf dem Campus zu etablieren.

Um den Spaß am Fahrradfahren noch zu steigern und die Gesundheit der Beschäftigten zu fördern, nimmt der Campus 2020 bereits im fünften Jahr am Wettbewerb der Berliner Landesunternehmen „Wer radelt am meisten“ teil. 2016 und 2019 ging der Siegerpokal an den Campus.


Weitere Informationen zum Campus-Bike:
www.campus-berlin-buch.de/de/mobility.html

 

forschen / 24.06.2020
Virtuell netzwerken und dabei das Klima schonen

Dr. Verena Haage forschte in der MDC-Arbeitsgruppe von Professor Helmut Kettenmann an Mikrogliazellen. (Foto: Felix Petermann, MDC)
Dr. Verena Haage forschte in der MDC-Arbeitsgruppe von Professor Helmut Kettenmann an Mikrogliazellen. (Foto: Felix Petermann, MDC)

Mehr als 60 Prozent der Forscher*innen können sich vorstellen, seltener Konferenzen zu besuchen. Vor der Corona-Krise befragte Verena Haage vom MDC Forschende zum Reiseverhalten und ihrer Bereitschaft dieses zu ändern – der Umwelt zuliebe. Die Krise zeigt nun, wie die Zukunft der Konferenzen aussehen könnte.

Wissenschaftliches Arbeiten ohne Konferenzbesuche – das ist für die meisten Forscherinnen und Forscher nicht denkbar. Wie oft reisen sie zu diesem Zweck pro Jahr, wie bewegen sie sich dabei fort, was beabsichtigen sie mit ihren Konferenzbesuchen – und wären sie bereit, aus Nachhaltigkeitsgründen etwas an ihrem Verhalten zu ändern? Diese Fragen bewegen Dr. Verena Haage, Wissenschaftlerin ehemals tätig in der Arbeitsgruppe von Helmut Kettenmann am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). „Nachhaltigkeit interessiert mich“, sagt die Biologin, die zukünftig an der Charité – Universitätsmedizin Berlin arbeitet. „Und ich denke, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Pionier- und Vorreiterrolle innehaben und mit gutem Beispiel vorangehen sollten.“

Mehr als 60 Prozent finden alternative Konferenzformate interessant

Für ihre bei eLife publizierte Studie wertete Haage 227 Fragebögen aus. Im Schnitt nehmen die Forschenden an drei Konferenzen pro Jahr teil, wobei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Leitungsfunktion am häufigsten reisen und Nachwuchsforschende am seltensten. Die Wahl des jeweiligen Transportmittels ist dabei sehr unterschiedlich, je nachdem ob nationale oder internationale Tagungen besucht werden. Bei Veranstaltungen in Deutschland ist der Zug das Transportmittel Nr.1, es wurde von mehr als der Hälfte der Konferenzteilnehmenden benutzt, 13 Prozent der Befragten wählten das Flugzeug.

Bei internationalen Konferenzen wurden mehr als die Hälfte der Strecken per Flug zurückgelegt, mit dem Zug reisten 37 Prozent der Befragten, elf Prozent nahmen den Bus. Das Auto spielt bei nationalen wie internationalen Konferenzen kaum eine Rolle (unter acht bzw. vier Prozent). In der eigenen Stadt wird häufig das Fahrrad genutzt – eine*r von acht Befragten gab für nationale Konferenzen dieses besonders umweltschonende Verkehrsmittel an.

Überraschend für Haage: Mit mehr als 60 Prozent wären die meisten der Befragten bereit, die Anzahl an Konferenzreisen zu reduzieren, ungefähr genauso viele finden auch alternative Konferenzformate interessant. „Die Forschenden sind bereit dafür, es muss jedoch auch die entsprechenden Angebote geben“, sagt Haage. Das heißt zum Beispiel, es müsste möglich sein, Reisezeit als Arbeitszeit zu deklarieren. Das würde die Entscheidung erleichtern, auf den umweltschonenderen Zug umzusteigen, der länger unterwegs ist als ein Flugzeug. Institutionen könnten zudem für nationale Konferenzreisen Anfahrten per Zug oder Bus verpflichtend machen – wer fliegen will, müsste dann die Kosten selbst tragen. Auch die Konferenzformate ließen sich von vorneherein umweltschonender planen. „Institutionen könnten große Konferenzen im Hybrid-Format anbieten: Forschende treffen sich in lokalen Hubs, die zusätzlich virtuell zusammengeschaltet werden. Das ist nachhaltiger, weil kein weiter Anreiseweg zurückgelegt werden muss, man aber trotzdem im jeweiligen Hub persönlich netzwerken kann“, erläutert Haage. Solche Initiativen gibt es bislang nur selten, wie ihre Studie ergab.

Die Corona-Krise zeigt: Virtuelle Formate bieten viele Vorteile

Während der Corona-Krise hat sich die Welt der Konferenzen mit einem Schlag gewandelt: Headset statt Jetlag, Videoschalte statt Zugreise. „Ich bin begeistert und sehe diesen Wandel als einen der wenigen positiven Aspekte der Krise“, sagt Haage. Sie selbst hat bereits an einer virtuellen Konferenz teilgenommen und findet, dass dieses Format gut funktioniert. Am schwierigsten sei es, die Moderation und die Diskussion nach den Vorträgen gut hinzubekommen. „Ich sehe aber auch viele Vorteile gegenüber den gängigen Konferenzen“, betont die Forscherin. Positiv sei zum Beispiel, dass alle Vorträge aufgenommen werden, so dass man auch die Möglichkeit hat, sie sich später anzuschauen.

Spannend findet Haage außerdem, wie sich das Netzwerken verändert: „Ich glaube, dass nun die Hemmschwelle geringer ist, beispielsweise eine Koryphäe nach einem Vortrag anzuschreiben“. Der spontane Austausch ist allerdings nicht mehr möglich, man muss sich verabreden: zum Beispiel in einem Channel bei Slack, einem Instant-Messaging-Dienst. Dieses Kommunikationstool dient dazu, dass sich kleine Gruppen zu bestimmen Themen austauschen und dabei auch Links oder Texte teilen können. Haage hat über einen Slack-Kanal den Weg in eine wissenschaftliche Aktivist*innengruppe gefunden, die das Thema Nachhaltigkeit in der Wissenschaft weiter voranbringen will. „Auch so können Kollaborationen entstehen, wenn das Interesse an der gemeinsamen Arbeit da ist. Es geht auch ohne Kaffeepause“, bringt es die Forscherin auf den Punkt.

Gemeinsam mit Nature Index veröffentlicht sie nun einen Kommentar zu ihrer Studie, in dem sie zusammenfasst, was die Corona-Krise für die wissenschaftliche Konferenzkultur bedeuten könnte. „Ich würde mir wünschen, dass sie sich grundlegend und dauerhaft ändert“, sagt Haage. Dabei geht es ihr nicht darum, alle Tagungen abzuschaffen: „Wenn man beispielsweise bei einer jährlich stattfindenden Konferenz alle zwei Jahre ein virtuelles Format nutzt, wäre das nicht nur viel nachhaltiger und trotzdem effizient, sondern man spart auch eine Menge Kosten.“

Literaturangaben

Verena Haage (2020): “Research Culture: A survey of travel behaviour among scientists in Germany and the potential for change”, eLife, DOI: 10.7554/eLife.56765

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

forschen / 19.06.2020
Phantastische Muskelproteine und wo sie zu finden sind

Dem Sarkomer beim Kontrahieren zuschauen – Collage aus Myosin (grün), Aktin und die Z-Scheibe (rot) und BioID (blau). Foto: Jacobo Lopez Carballo, Gotthardt Lab, MDC
Dem Sarkomer beim Kontrahieren zuschauen – Collage aus Myosin (grün), Aktin und die Z-Scheibe (rot) und BioID (blau). Foto: Jacobo Lopez Carballo, Gotthardt Lab, MDC

Der Versuch, alle Proteine des Sarkomers, der kleinsten funktionellen Einheit von Muskelzellen, zu katalogisieren führte zu überraschenden Einsichten. Eine neue Studie in Nature Communications trägt dazu bei, die molekularen Grundlagen der Arbeit von Herz- und Skelettmuskeln besser zu verstehen.

Forscherinnen und Forscher am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) haben ein neuartiges Mausmodell entwickelt, das es ermöglicht in einen arbeitenden Muskel hineinzusehen: So identifizierten sie Proteine, die das Sarkomer benötigt, um sich zusammenzuziehen, zu entspannen, den Energiebedarf zu kommunizieren und sich an mechanische Belastung anzupassen. Sie kartierten die Proteine des Sarkomers, ausgehend von der „Z-Scheibe“, der Grenze zwischen benachbarten Sarkomeren. Das allein war bereits ein bedeutender Fortschritt in der Untersuchung der quergestreiften Muskulatur.

Dabei machten sie eine unerwartete Entdeckung: Myosin, eines der drei Hauptproteine, aus denen die quergestreiften Muskelfasern bestehen, scheint in die Z-Scheibe einzutreten. Bisherige Modelle für das Zusammenspiel zwischen Myosin, Aktin und dem elastischen Gerüstprotein Titin haben diese Möglichkeit bisher außer Acht gelassen. Erst vor Kurzem haben Forscher*innen aus Stuttgart und Jena vorgeschlagen, dass Myosinfilamente in die Z-Scheiben-Struktur eindringen könnten. Bislang wurde dafür jedoch noch kein experimenteller Nachweis erbracht.

„Selbst Myosinforscher werden von den Ergebnissen überrascht sein“, sagt Professor Michael Gotthardt, Leiter der Arbeitsgruppe „Neuromuskuläre und kardiovaskuläre Zellbiologie“ über die Studie, die nun in Nature Communications erschienen ist. „Damit können wir die Grundlagen der Muskelkontraktion auf molekularer Ebene besser verstehen.“

Wer ist beteiligt?
Zu Gotthardts Team gehören die Erstautorinnen Dr. Franziska Rudolph und Dr. Claudia Fink, sie wurden von weiteren Kolleginnen und Kollegen am MDC und an der Universität Göttingen unterstützt. Das ursprüngliche Ziel war nicht die Bestätigung der Theorie, sondern die Charakterisierung der Proteinzusammensetzung der Z-Scheibe. Hierzu entwickelten sie ein Mausmodell mit einem künstlichen Enzym namens BioID, das sie in das Riesenprotein Titin einfügten. Anschließend markierte Titin-BioID Proteine in der Nähe der Z-Scheibe.

Sarkomere sind winzige molekulare Maschinen voller Proteine, die eng zusammenarbeiten. Bisher war es unmöglich, die spezifischen Proteine anzureichern, die sich in den einzelnen Teilregionen befinden, insbesondere im aktiven Muskel. „Mit Titin-BioID konnten wir unvoreingenommen die Proteinzusammensetzung spezifischer Regionen der Sarkomerstruktur untersuchen“, sagt Dr. Philipp Mertins, Leiter der MDC-Arbeitsgruppe Proteomik. „Das war bisher nicht möglich“.

Das Team hat BioID erstmals bei lebenden Tieren unter physiologischen Bedingungen eingesetzt und so 450 Proteine identifiziert, die mit dem Sarkomer in Verbindung stehen. Rund die Hälfte dieser Eiweiße war bereits bekannt. Hinsichtlich der Sarkomerstruktur, Signalübertragung und Stoffwechsel entdeckte das Team auffällige Unterschiede zwischen Herz- und Skelettmuskulatur – und zwischen erwachsenen und neugeborenen Mäusen. Letzteres deutet darauf hin, dass bei adultem Gewebe Leistung und Energieerzeugung optimiert werden, während der Schwerpunkt bei Neugeborenen auf Wachstum und Umbau liegt. „Wir wollten wissen, wer mitspielt“, sagt Gotthardt. „Mit den meisten beteiligten Proteinen haben wir gerechnet, das bestätigt unseren Ansatz.“

Die Überraschung
Das Protein, das sie in der Z-Scheibe nicht erwartet hatten, war Myosin, welches an der gegenüberliegenden Seite des Sarkomers sitzt. Wenn ein Muskel sich bewegt, schiebt sich Myosin an Aktin vorbei und bringt benachbarte Z-Scheiben näher zusammen. Das Gleiten der Aktin- und Myosinfilamente erzeugt die Kraft, die für die Pumpfunktion des Herzens, eine aufrechte Körperhaltung oder das Heben von Gegenständen wichtig ist.

Diese sogenannte „Gleitfilamenttheorie“ beschreibt die Krafterzeugung im Sarkomer und veranschaulicht das Zusammenspiel zwischen Kraft und Sarkomerlänge. Gängige Modelle haben jedoch Probleme das Verhalten von vollständig kontrahierten Sarkomeren vorherzusagen. Bei diesen Modellen wurde angenommen, dass Myosin maximal bis an die Z-Scheibe reicht, während es sich an Aktin entlangschiebt. Es gab zwar Hinweise dafür, dass Myosin sich weiter bewegt. „Aber wir wussten nicht, ob wir in unseren gefärbten Gewebeproben ein Abbild der Wirklichkeit sehen oder einen Artefakt“, sagt Gotthardt. „Mit BioID sitzen wir quasi an der Z-Scheibe und beobachten die vorbeiziehenden Myosin-Filamente.“

Gotthardt unterstützt die Theorie, dass die Kontraktion durch das Eindringen des Myosins in die Z-Scheibe gebremst oder abgeschwächt wird. Damit könnten die anhaltenden Diskussionen um die Berechnung der Kraftentwicklung in Abhängigkeit von der Sarkomerlänge beendet werden. Vielleicht hat das Team die Grundlage gefunden, um ein präziseres Modell des Sarkomers zu entwickeln oder für weitere Überlegungen, wie der Muskel vor einer zu starken Kontraktion geschützt werden kann.

Wichtige Grundlage für künftige Therapien
Mit einem verbesserten Verständnis der molekularen und mechanischen Grundlagen der Muskelkontraktion lassen sich Rückschlüsse auf Krankheitsmechanismen ziehen, wie bei Muskelschäden, Muskelerkrankungen oder altersbedingtem Muskelschwund. Sobald bekannt ist, welche Proteine Probleme verursachen können, bieten sich neue Ziele für die Behandlung von Muskel- oder Herzerkrankungen.

Als nächstes planen Gotthardt und sein Team, BioID bei der Untersuchung von Tieren mit Muskelschwund einzusetzen. Sie wollen dann Proteine identifizieren, die daran beteiligt sind Muskelzellen zu schwächen und sich für neue therapeutische Ansätze eignen. „Vielleicht finden wir Proteine, die im gesunden Muskel nicht zum Sarkomer gehören. Die wären dann ein Teil des Problems“, erklärt Gotthardt. „Mit BioID können wir sie identifizieren und der Therapieentwicklung zugänglich machen.“

Laura Petersen

Literatur

Franziska Rudolph et al. (2020): „Deconstructing sarcomeric structure–function relations in titin-BioID knock-in mice“, Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-020-16929-8

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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forschen, investieren, produzieren, heilen / 19.06.2020
Campus Berlin-Buch erhält den Engagementpreis „Fahrrad Berlin“ 2020

Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken
Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken

Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz hat 2020 erneut gemeinsam mit dem FahrRat drei vorbildliche Projekte für die Radmetropole Berlin ausgezeichnet

Mit dem Preis „Fahrrad Berlin“ würdigt das Land Berlin in diesem Jahr insbesondere das Engagement von Personen, Unternehmen und Initiativen, die sich wesentlich um die Umsetzung von Radverkehrsmaßnahmen bemühen. Ziel ist es, das vielfältige Engagement der Berliner Fahrrad-Community und die Arbeit der Bezirke sichtbarer zu machen.

Ingmar Streese, Staatssekretär für Verkehr, verlieh am 15. Juni 2020 den Engagementpreis „Fahrrad Berlin“ an die Leibniz Schule in Kreuzberg und das Straßen- und Grünflächenamt Friedrichshain-Kreuzberg für die gelungene gemeinsame Planung von Radabstellanlagen, an die Kinderneurologie-Hilfe Berlin/Brandenburg für ihre Initiative „Mit Helm – aber sicher!“ und an die Campus Berlin-Buch GmbH für das Projekt „CampusBIKE“.

Staatssekretär Ingmar Streese erklärte: „Gemeinsam mit dem Engagement der Stadtgesellschaft bringen wir die Mobilitätswende auf die Straße und beweisen, dass wir auf diese Weise viel mehr in Bewegung setzen können. Mit dem diesjährigen Engagementpreis zeichnen wir Projekte aus, die mit ihren Visionen und Ideen den Radverkehr in Berlin voranbringen. Diese Initiativen und Leuchtturmprojekte setzen neue Impulse und inspirieren andere.“

Die Campus Berlin-Buch GmbH (CBB) hat ein betriebliches Mobilitätskonzept mit Fokus auf das Fahrrad umgesetzt. Das „CampusBIKE“ bietet Beschäftigten des Forschungs- und Biotech-Campus und des Helios Klinikums in Berlin-Buch die Möglichkeit, per App ein CampusBIKE zu mieten und innerhalb von 30 Minuten kostenlos zwischen S-Bahnhof und Arbeitsstätte zu pendeln. Das Projekt wurde in Kooperation mit nextbike realisiert. Im Vorfeld wurde unter anderem ein Community-Mapping mit dem Bezirksamt Pankow durchgeführt, das die Arbeitswege und die genutzten Verkehrsmittel erfasste. Für ihre gelungenen Maßnahmen wurden die CBB bereits vom ADFC mit dem EU-Zertifikat „Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ in Silber ausgezeichnet. „Uns ist wichtig, die umweltfreundliche und gesunde Mobilität der Beschäftigten zu fördern. Smarte Lösungen wie das CampusBIKE passen sehr gut zum Zukunftsort Buch, an dem sich etablierte Unternehmen, Start-ups, Ärzte- und Forscherteams für die Gesundheit engagieren“, so Dr. Ulrich Scheller, Geschäftsführer der CBB.

Aufgrund der aktuellen Pandemielage fand die Preisverleihung digital statt und wurde live aus dem VELOWeek Studio ins Internet übertragen. Die Preisträger erhielten im Anschluss ihre Urkunden.

Projekt der Leibniz Schule in Kreuzberg und Straßen- und Grünflächenamt Friedrichshain-Kreuzberg

Die Leibniz Schule in der Schleiermacherstraße in Kreuzberg und das Straßen- und Grünflächenamt Friedrichshain-Kreuzberg erhalten die Auszeichnung für einen beispielhaften interaktiven und integrierenden Planungsprozess bei der Umsetzung von neuen Fahrradabstellanlagen. Die Schüler*innen wurden von Beginn an in den Prozess miteingebunden, und die gute Zusammenarbeit von Schule und Bezirk beschleunigte die Umsetzung der Verkehrsberuhigungsmaßnahmen und Fahrradabstellanlagen.

Initiative „Mit Helm – aber sicher!“der Kinderneurologie-Hilfe Berlin/Brandenburg

Die Kinderneurologie-Hilfe Berlin/Brandenburg für ihre Initiative „Mit Helm – aber sicher!“ erhält die Auszeichnung für ihre kommunikative und praktische Präventionsarbeit in der Verkehrssicherheit mit Jugendlichen. In einem für Jugendliche angepassten Workshop-Konzept fördert die Initiative eine fächerübergreifende Auseinandersetzung und Sensibilisierung für das Thema Verkehrssicherheit. Das Projekt ist ein Beispiel für die Zusammenarbeit diverser schulischer und außerschulischer Akteure im Land Berlin.

Über den Preis „Fahrrad Berlin“

Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz zeichnet gemeinsam mit dem FahrRat seit 2009 Projekte und Initiativen aus, die sich um die Radmetropole Berlin verdient gemacht haben. Ziel des Preises ist es, das vielfältige Engagement der Berliner Fahrrad-Community ebenso wie die Arbeit der Bezirke sichtbarer zu machen. Die ausgezeichneten Projekte sollen als Beispiel und Vorbild gelten und zu weiteren Aktionen motivieren. Der Berliner Fahrradpreis, der bislang “FahrradStadtBerlin” hieß, wurde 2020 mit neuem Namen ausgerichtet und nun insgesamt zum elften Mal vergeben.

https://www.berlin.de/sen/uvk/verkehr/verkehrsplanung/radverkehr/radprojekte/engagementpreis-fahrrad-berlin/

 

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forschen / 18.06.2020
Jan Philipp Junker erhält Helmholtz-Förderung für KI

Junker mit Zebrafischen. (Bild: Pablo Castagnola/MDC)
Junker mit Zebrafischen. (Bild: Pablo Castagnola/MDC)

MDC-Forscher Jan Philipp Junker und seine Kollegin Maria Colomé-Tatché am Helmholtz Zentrum München haben eine Förderung in Höhe von 200.000 Euro erhalten, um die Verarbeitung großer Datenberge voranzubringen. Sie wollen besser verstehen, wie genetische Netzwerke im Laufe von Entwicklung und Erkrankung miteinander „verkabelt” sind.

Ein allgemeines Verständnis, wie aus Stammzellen spezialisierte Herz, Gehirn- oder Muskelzellen werden, haben Forscher*innen längst. Nun möchten sie es noch genauer wissen. Sie wollen die Anweisungen, die Zukunft und Funktion einer Zelle bestimmen, in jedem Teilschritt ergründen. Denn wer weiß, wie Gene während des normalen Zelldifferenzierungsprozesses nacheinander an- und abgeschaltet werden – also den exakten Fluss des „Genregulationsnetzwerks“ kennt – der gewinnt gleichzeitig Einsichten, was beispielsweise bei Krebs oder Herzerkrankungen schiefläuft.

Die Forscher*innen am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und am Helmholtz Zentrum München werden mithilfe ihrer Helmholtz-Förderung für Künstliche Intelligenz versuchen, diese komplexen Netzwerke zu entschlüsseln. Dabei kombinieren sie hochspezialisierte Werkzeuge für Experimente, Sequenzierung und maschinelles Lernen. „Angesichts neuester technologischer Entwicklungen ist das bisher fast unerreichbar scheinende Ziel plötzlich greifbar nah“, sagt Dr. Jan Philipp Junker, der die Arbeitsgruppe Quantitative Entwicklungsbiologie am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie des MDC leitet.

Anspruchsvolle Zusammenarbeit
Die Helmholtz-Förderprogramm für Künstliche Intelligenz  (Helmholtz AI Grant program)  unterstützt risikoreiche und zugleich höchst lohnende Forschung für den relativ kurzen Zeitraum von drei Jahren. Es ermutigt Forschende, neue Ideen auszuprobieren und, falls notwendig, „schnell zu scheitern“, um mit ihren Innovationen voranzukommen. „Das bedeutet nicht, dass es sich um vollkommen leichtsinnige Forschung handelt und wir bereit sind, das Geld zu verbrennen“, sagt Junker. „Es ist ein kalkuliertes Risiko.“

Die Förderung in Höhe von 200.000 Euro teilen sich Junker und seine Kollegin, Dr. Maria Colomé-Tatché, Arbeitsgruppenleiterin am Institute of Computational Biology am Helmholtz Zentrum München, zu gleichen Teilen, um eine*n Post-Doc und eine Doktorand*in zu finanzieren, die Experimente durchführen, computerbasierte Werkzeuge entwickeln und Daten analysieren. Beide Zentren steuern gleichzeitig jeweils die gleiche Summe bei.

Wirklich große Datenmengen
Dank der Einzelzell-Sequenzierung können Wissenschaftler*innen nun sehen, welche Gene während der Entwicklung von undifferenzierten Zellen zu spezifischen Zelltypen (etwa Muskel- oder Gehirnzellen) in einzelnen Zellen aktiv sind. Bisher haben computerbasierte Werkzeuge jedoch nicht erfolgreich zusammenfügen können, wie genau sich die Gene gegenseitig beeinflussen.

„Grundsätzlich können wir sehen, was geschieht – welche Gene eingeschaltet und welche ausgeschaltet werden, wenn eine Zelle sich ausdifferenziert. Aber zu verstehen, welches Gen welches einschaltet und wie die Aktivierungsnetzwerke in unterschiedlichen Zelltypen funktionieren, ist im Wesentlichen noch eine offene Frage“, erklärt Junker.

Die Beantwortung dieser Frage erfordert enorme Datenmengen – die Sequenzierung zehntausender aktiver Gene in zehntausenden einzelnen Zellen. Ein Datensatz umfasst wenigstens 20 000 Dimensionen. Hier können KI und maschinelles Lernen helfen, die gesamten Daten zu sichten und aussagekräftige Muster zu finden, die in diesem Fall die Genregulationsnetzwerke sind.

Dazu ist außerdem erforderlich, die zeitlichen Verläufe zahlreicher Datenströme so aufeinander abzustimmen, dass sie sinnvoll analysiert werden können und genaue Erkenntnisse liefern. Das Forschungsteam arbeitet daran, diese Abstimmung zu verbessern. Insbesondere haben sie dafür eine Methode namens SLAM-seq so verändert, dass frisch transkribierte RNA-Moleküle markiert. Diese deuten auf neu aktivierte Gene hin. Die Identifizierung alter RNA in einer Zelle im Gegensatz zu neuer RNA wird dabei helfen, die Reihenfolge von Gen-Aktivierungen zu klären. Die Kombination dieser Daten mit Daten zur Zugänglichkeit der DNA sollte helfen, die Netzwerk-Rekonstruktionen zu präzisieren.

Zukünftige Anwendungen
Zu Beginn wollen Junker und seine Kolleg*innen Gen-Netzwerke in der normalen embryonalen Entwicklung von Zebrafischen zu rekonstruieren, einem Modelorganismus für Wirbeltieren inklusive der Menschen. Sobald sie die computergestützten Herangehensweisen überprüft haben, wollen sie sie nutzen, um die Entwicklung von Krankheiten beim Menschen zu untersuchen. Dies kann Türen zu neuen Therapien öffnen.

„Wenn uns in fernerer Zukunft das komplette Zelldifferenzierung-Netzwerk eines Organs vorliegt“, sagt Junker, „könnten wir am Reißbrett entscheiden, welchen Pfeil oder Knoten wir mit einer Therapie angreifen wollen.“

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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bilden / 16.06.2020
Ein Ferientag zum Thema BIENEN

Campusprojekt mit der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde: Wildblumenwiese, um Insekten noch mehr Nahrung zu bieten. (Foto: David Außerhofer)
Campusprojekt mit der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde: Wildblumenwiese, um Insekten noch mehr Nahrung zu bieten. (Foto: David Außerhofer)

Kaum wird es wärmer und die ersten Blüten lassen sich sehen, summt und brummt es in Gärten und Grünanlagen. Bienen fliegen in gewagten Flugmanövern von Blüte zu Blüte, sammeln Nektar und bestäuben dabei die Blüten. Tänzelnd zeigen sie anderen Bienen, wo die besten Futterstellen zu finden sind.

Das Gläserne Labor, die Stadtteilbibliothek Buch und Spielkultur Berlin-Buch e.V. laden Kinder zwischen sechs und zehn Jahren zu einem Ferientag rund um die Biene ein. Dabei gibt es viele spannende Dinge zu erfahren: Welche Obst- und Gemüsesorten gäbe es ohne die bestäubenden Insekten nicht? Wie leben Bienen? Wie sind die Augen von Bienen aufgebaut und wie sehen Bienen?

Wissen aus Büchern und Experimenten
Um ihr Wissen zu erweitern, stöbern die Kinder zunächst in der Bibliothek in bereitgestellten Medien. Dort stehen auch Experimente bereit: Wer schon immer mal wie eine Biene sehen wollte, darf durch ein Facettenauge gucken und Blüten auf dem UV-Lichttisch ansehen. Mit allen Sinnen geht es weiter beim Honigtest: Hier erfahren die Kinder, wie unterschiedlich Honige riechen, schmecken und aussehen können.

Lebensräume der Bienen kennenlernen
Die nächste Station ist der grüne Campus Berlin-Buch. Hier dürfen die Kinder den Alltag der Bienen am Bienenstock des Gläsernen Labors beobachten. Sie können das Innenleben des Stocks erforschen und sogar Honigproben entnehmen.

Zahlreiche Wildbienenarten leben nicht als Volk zusammen, sondern sind Einzelgänger und bevorzugen Nistplätze an verschiedensten Orten. Insektenhotels können den Wildbienen helfen, sich anzusiedeln. Doch dabei gilt es, geeignete Materialien zu verwenden und die Inneneinrichtung richtig anzulegen. Die Experten dafür finden sich auf dem Abenteuerspielplatz Moorwiese. An dieser letzten Station des Ferientages kann jedes Kind sein eigenes Insektenhotel bauen – und mit nach Hause nehmen.

Termine: 5. August 2020; 6. August 2020 & 7. August 2020, jeweils 9 bis 17 Uhr

Geeignet für Kinder von 6 bis 10

Dauer: Eintägig

Begrenzte Teilnehmerzahl. Anmeldung erforderlich.
Anmeldung und weitere Informationen:
Stadtteilbibliothek Buch bei Doreen Tiepke unter doreen.tiepke@ba-pankow.berlin.de unter Benennung des Wunschtermins

Anmeldefrist bis zum 20. Juli 2020

Veranstaltungsort: Der Kurs findet in Berlin-Buch in der Stadtteilbibliothek, im Gläsernen Labor auf dem Campus Berlin-Buch und auf der Moorwiese statt.

Kosten: keine

Die Ferientage zum Thema BIENEN werden von der HOWOGE gefördert.

www.glaesernes-labor.de

heilen / 16.06.2020
Der Azubi Live-Chat startet in eine neue Runde

In fünf Live-Chat-Folgen erfahren Interessierte was die Pflegeausbildung bei Helios ausmacht (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)
In fünf Live-Chat-Folgen erfahren Interessierte was die Pflegeausbildung bei Helios ausmacht (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)

In einer ersten digitalen Azubi-Klinikführung, inklusive Live-Chat, haben unsere neugestarteten Azubis und Interessierte Anfang Mai die Möglichkeit erhalten, ihre zukünftige Lehrstätte zu erkunden. Während der Liveschalte auf Facebook und Instagram konnten Fragen zum Thema „Pflegeausbildung im Helios Klinikum Berlin-Buch“ direkt an die Experten gestellt werden. Das Format kam so gut an, dass nun eine ganze Reihe produziert wird.

Nach dem Erfolg des ersten Azubi-Live-Chats setzen die beiden Berliner Helios Standorte Klinikum Berlin-Buch und Klinikum Emil von Behring in Berlin-Zehlendorf das Format nun gemeinsam um und starten gleich mit einer kleinen Reihe. Unter dem Motto „Live dabei – So läuft’s mit der Ausbildung …“ startet am  Donnerstag, 18. Juni um 12:00 auf Facebook, Instagram und TikTok Folge 1: „Live dabei – So läuft’s mit der Ausbildung an unserem Helios-Bildungszentrum“. Hier gibt Petra Müller, Leiterin des Helios Bildungszentrums, gemeinsam mit mehreren Auszubildenden der beiden Helios Kliniken Einblicke in die theoretische Ausbildung und die modernen Räumlichkeiten am Leipziger Platz.
Nah am Zuschauer können die Azubis auf die Fragen der Interessierten eingehen und persönliche Eindrücke und Erlebnisse aus ihrer praktischen Erfahrung weitergeben. Zudem werden einige Lehrer vorgestellt und berichten über die neue generalistische Ausbildung.
„Der erste Live-Chat mit den Azubis hat eine sehr positive Resonanz erhalten und es haben sich wiederholt engagierte Pflegekräfte gemeldet, mit der Bitte um weitere Folgen des Formats“, erklärt Anja Himmelsbach, Abteilungsleiterin Unternehmenskommunikation im Helios Klinikum Berlin-Buch. „Deswegen haben wir gemeinsam mit dem Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin-Zehlendorf und mit Petra Müller vom Bildungszentrum die digitale Live-Chat-Reihe zum Thema „Pflegeausbildung bei Helios in Berlin“ ins Leben gerufen.“

Von Azubi zu Azubi: Authentische Einblicke aus Sicht der angehenden Berufsanfänger*innen
Die beteiligten Azubis sind sich einig: „Wir wollen junge Menschen für unseren Beruf begeistern. Darum wollen wir Euch unseren Lernalltag zeigen und freuen uns auf Eure Fragen.“
Petra Müller ergänzt: „Mit dem digitalen Live-Chat wollen wir allen Interessierten einen Einblick in unser Bildungszentrum geben und bestmöglich über die theoretische Pflegeausbildung bei uns informieren. Ich freue mich auf einen regen Austausch beim Live-Chat.“
Insgesamt sind für die Azubi Live-Chat-Reihe fünf Folgen vorgesehen.

Fragen und Themenideen
Haben Sie bereits vorab Fragen oder spezielle Themen, die Sie persönlich interessieren? Dann schicken Sie uns gerne Ihre Vorschläge per private Nachricht über Facebook oder Instagram. Ansonsten haben Sie während der Live-Veranstaltung die Möglichkeit ihre Fragen zu stellen.

Alle Termine im Überblick

-Donnerstag, 18. Juni um 12:00 Uhr: „Live-dabei – So läuft‘s mit der Ausbildung an unserem Helios-Bildungszentrum“

-Donnerstag, 25. Juni um 16:00 Uhr: „Live-dabei – So läuft‘s mit der Ausbildung als Pflegefachkraft am Helios-Klinikum Berlin-Buch“

-Donnerstag, 02. Juli um 16.00 Uhr: „Live-dabei – So läuft‘s mit der Ausbildung am Helios-Klinikum Emil von Behring“

Weitere Termine folgen.

 

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heilen / 15.06.2020
Zwölf Ärzte des Helios Klinikums Berlin-Buch als Top-Mediziner ausgezeichnet

Insgesamt zwölf Ärzte des Helios Klinikums Berlin-Buch werden von FOCUS als Top-Mediziner 2020 gelistet. (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)
Insgesamt zwölf Ärzte des Helios Klinikums Berlin-Buch werden von FOCUS als Top-Mediziner 2020 gelistet. (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)

Zwölf Ärzte aus dem Helios Klinikum Berlin-Buch werden von der FOCUS-Ärzteliste 2020 als Top-Mediziner empfohlen: Sie gehören damit laut FOCUS zu den führenden Ärzten Deutschlands. Das FOCUS-Siegel ist nicht nur eine begehrte Auszeichnung für jeden Mediziner, sondern auch ein maßgebender Wegweiser für Patienten.

„Die vielen Auszeichnungen machen uns natürlich stolz. Wir wollen bei uns Spitzenmedizin anbieten und daher freuen wir uns, dass es bei Patienten und Experten auch so ankommt. Auch individuelle Auszeichnung sind immer das Ergebnis einer sehr guten Teamarbeit aller Mitarbeiter im Klinikum, daher freut uns das alle besonders“, betont Daniel Amrein, Geschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Prof. Dr. med. Henning T. Baberg, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Kardiologie und Nephrologie im Helios Klinikum Berlin-Buch ergänzt: „Ich freue mich sehr über die Auszeichnungen meiner Kollegen. Sie zeigt, dass wir am Standort Berlin-Buch qualitativ hochwertige Medizin in der gesamten Breite eines Maximalversorgers anbieten.“

Folgende Spezialisten des Helios Klinikums Berlin-Buch haben die Auszeichnung "Top-Mediziner" des FOCUS erhalten:

Prof. Dr. Ralf Dechend

Bluthochdruck

Prof. Dr. Stefan Dresel

Nuklearmedizin

Dr. Andreas Gussmann

Gefäßchirurgie

Prof. Dr. Daniel Kendoff

Hüftchirurgie

Prof. Dr. Robert Krempien

Strahlentherapie

Prof. Dr. Volker Lange

Adipositas-Chirurgie

PD Dr. Peter Reichardt

Tumoren des Verdauungstrakts

PD Dr. Peter Reichardt

Knochenkrebs

Dr. Matthias Rogalski

Kinderorthopädie

Prof. Dr. Mark Schrader

Hodenkrebs

Prof. Dr. Martin Strik

Bauchchirurgie

PD Dr. Per-Ulf Tunn

Knochenkrebs

Prof. Dr. Michael Untch

Brustkrebs


Seit mehr als 25 Jahren veröffentlichen die Magazine FOCUS und FOCUS Gesundheit Ärztelisten, auf denen Deutschlands Top-Mediziner für verschiedene Fachbereiche mit dem FOCUS Siegel ausgezeichnet werden. Ermittelt werden die führenden Mediziner Deutschlands von Munich Inquire Media (MINQ), einem unabhängigen Rechercheinstitut. Auf die Liste schaffen es nur Experten mit besonders vielen Empfehlungen. Zu den Bewertungen kommt der FOCUS durch Interviews von Ärzten und Patientenverbänden. Außerdem fließen Fachveröffentlichungen, Referententätigkeiten oder Weiterbildungsbefugnisse, Online-Empfehlungen von Ärzten und Patientenverbänden, Qualitätsberichte von Krankenhäusern sowie Zertifikate, die Fachgesellschaften an Ärzte vergeben, in die Bewertung.

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forschen, investieren, produzieren / 11.06.2020
Bau des BerlinBioCube kann starten

Der BerlinBioCube wird auf fünf Geschossen eine Nutzfläche von 8.000 Quadratmetern bieten. (Abb.: doranth post architekten GmbH)
Der BerlinBioCube wird auf fünf Geschossen eine Nutzfläche von 8.000 Quadratmetern bieten. (Abb.: doranth post architekten GmbH)

Grünes Licht für neues Life-Science-Gründerzentrum auf dem Campus Berlin-Buch

Die Campus Berlin-Buch GmbH (CBB) hat vom Bezirk Pankow die Genehmigung für den Bau des neuen Gründerzentrums BerlinBioCube erhalten. Die CBB betreibt und entwickelt den Forschungs- und Biotech-Campus in Berlin-Buch, dessen Fokus auf Biomedizin liegt. Der BiotechPark Berlin-Buch gehört zu den führenden Technologiestandorten in Deutschland. Sein Spektrum umfasst Medizinische Biotechnologie, Medizintechnik und angrenzende Bereiche. Im BerlinBioCube können nun weitere Arbeitsplätze in innovativen Bereichen der Gesundheitswirtschaft entstehen.

„Wir verzeichnen seit längerem eine steigende Nachfrage, sowohl von Start-ups als auch von etablierten Unternehmen in der Gesundheitswirtschaft. Dem stand eine Auslastung unserer Labor- und Büroflächen von über 95 Prozent entgegen“, so Dr. Christina Quensel, Geschäftsführerin der CBB. „Bereits 2023 können junge Start-ups in den Neubau einziehen und von den sehr guten Bedingungen, die der Campus Berlin-Buch bietet, profitieren.“

Im September 2020 sollen die Tiefbauarbeiten für den BerlinBioCube starten. Das Gründerzentrum wird auf fünf Geschossen insgesamt 8.000 Quadratmeter Platz für moderne Labore, Büros, Gemeinschaftsflächen für tägliche Begegnung und Austausch sowie Konferenzräume bieten. Das Gebäude wurde vom Architekturbüro doranth post architekten, München, entworfen.

Der Neubau des BerlinBioCube ist mit einer Investition von 55 Millionen Euro verbunden, davon fließen etwa 40 Prozent in die technische Ausrüstung. Die Finanzierung wird durch Fördermittel aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) ermöglicht.

Weitere Informationen:  www.campusberlinbuch.de 

Ansprechpartner:
Campus Berlin-Buch GmbH
Geschäftsführerin
Dr. Christina Quensel
Telefon: 030 / 9489 2511
E-Mail: cquensel@campusberlinbuch.de
 

Der Campus Berlin-Buch ist ein moderner Wissenschafts-, Gesundheits- und Biotechnologiepark. Alleinstellungsmerkmale sind der klare inhaltliche Fokus auf Biomedizin und das enge räumliche und inhaltliche Zusammenwirken von Forschungsinstituten, Kliniken und Biotechnologie-Unternehmen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erforschung molekularer Ursachen von Krebs,- Herzkreislauf- und neurodegenerativen Erkrankungen, eine interdisziplinär angelegte Grundlagenforschung zur Entwicklung neuer Therapien und Diagnoseverfahren, eine patientenorientierte Forschung und die unternehmerische Umsetzung biomedizinischer Erkenntnisse.
Dank exzellenter Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen im BiotechPark hat der Campus ein herausragendes Innovations- und Wachstumspotenzial. Dazu gehören als Einrichtungen der Grundlagenforschung das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP), das gemeinsam von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin betriebene und auf klinische Forschung spezialisierte Experimental and Clinical Research Center (ECRC) sowie das Berlin Institute of Health (BIH). Seit 1992 sind über 600 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln durch die EU, den Bund und das Land Berlin in den Campus Berlin-Buch investiert worden, um diese Synergien zu unterstützen.

Der BiotechPark Berlin-Buch gehört mit 61 Unternehmen, 800 Beschäftigten und rund 31.000 Quadratmetern Büro- und Laborfläche zu den führenden Technologieparks in Deutschland. Ausgründungen im Bereich der Life Sciences finden hier ideale Bedingungen, vom Technologietransfer bis hin zu branchenspezifischen Labor- und Büroflächen. Die Life Science Community vor Ort ermöglicht einen direkten Austausch und gemeinsame Projekte. Der BiotechPark trägt maßgeblich zur dynamischen Entwicklung der Biotechnologie-Region Berlin-Brandenburg bei und stärkt in besonderem Maße die industrielle Gesundheitswirtschaft.

Als Betreibergesellschaft des Campus ist die Campus Berlin-Buch (CBB) Partner für alle dort ansässigen Unternehmen und Einrichtungen. Biotechnologieunternehmen – von Start-ups bis zu ausgereiften Firmen – anzusiedeln, zu begleiten und in allen Belangen zu unterstützen, gehört zu ihren wesentlichen Aufgaben.
Hauptgesellschafter der CBB ist mit 50,1 % das Land Berlin. Weitere Gesellschafter sind das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (29,9 %) und der Forschungsverbund Berlin e.V. für das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (20 %).

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forschen / 11.06.2020
Erblicher Bluthochdruck durch überaktives Enzym

Verengte Mesenterialarterien bei Ratten mit mutiertem PDE3A-Gen (rechts) verursachen durch Erhöhung des Widerstandes den Blutdruck. (Foto: Dr. Q. Fatimunnisa, Bader Lab, MDC)
Verengte Mesenterialarterien bei Ratten mit mutiertem PDE3A-Gen (rechts) verursachen durch Erhöhung des Widerstandes den Blutdruck. (Foto: Dr. Q. Fatimunnisa, Bader Lab, MDC)

Nach mehr als 40 Jahren haben verschiedene Teams am MDC und ECRC nun den wissenschaftlichen Beweis mithilfe zweier Tiermodelle erbracht: Ein verändertes Gen für das Enzym PDE3A verursacht eine erbliche Form von Bluthochdruck. Das könnte die Therapie der Hypertonie grundlegend verändern.

Auffällig wurde die türkische Familie aus einem Dorf nahe dem Schwarzen Meer bereits Anfang der Siebzigerjahre. Ein Arzt stellte damals fest, dass bei manchen Mitgliedern der Großfamilie zwei Merkmale stets gemeinsam auftraten: verkürzte Finger und astronomisch erhöhte Brutdruckwerte, zuweilen mehr als doppelt so hoch wie bei gesunden Menschen. Die Betroffenen verstarben in der Regel an einem Schlaganfall, noch bevor sie ihren 50. Geburtstag gefeiert hatten.

Rund zwanzig Jahre später begann eine Gruppe um Professor Friedrich Luft und Dr. Sylvia Bähring am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), das mysteriöse Phänomen zu erforschen. Es war keine leichte Aufgabe. Erst im Mai 2015 konnten die Forscherinnen und Forscher schließlich im Fachblatt „Nature Genetics“ berichten, dass sie bei allen Patientinnen und Patienten, die an HTNB (Hypertonie mit Brachydaktylie, also Bluthochdruck und Kurzfingrigkeit) litten, auf ein verändertes Gen gestoßen waren. Die Erbkrankheit wird nach seinem türkischen Entdecker auch Bilginturan-Syndrom genannt.

Die Erbanlage kodiert für ein Enzym namens Phosphodiesterase 3A, kurz PDE3A, das sowohl den Blutdruck als indirekt auch das Knochenwachstum reguliert. Die Genmutation, die Luft und sein Team entdeckt hatten, führt dazu, dass das Enzym aktiver ist als gewöhnlich.

Der fehlende Beweis ist nun erbracht

Bisher stand allerdings der Beweis aus, dass die mutierte PDE3A wirklich die Ursache für das Bilginturan-Syndrom ist, das man inzwischen auch aus anderen Familien weltweit kennt. Diesen Nachweis hat nun eine internationale Gruppe aus 40 Forscherinnen und Forschern aus Berlin, Bochum, Limburg, Toronto (Kanada) und Auckland (Neuseeland) im Fachblatt „Circulation“ geliefert. An der Studie waren Arbeitsgruppen von MDC und Charité – Universitätsmedizin Berlin beteiligt, darunter Teams um die Professoren Luft, Michael Bader, Maik Gollasch, Dominik Müller, Norbert Hübner, sowie Dr. Arndt Heuser und Dr. Sofia Forslund. Letztautor der Publikation ist Dr. Enno Klußmann, der Leiter der MDC-Arbeitsgruppe „Ankerproteine und Signaltransduktion“.

„Wir haben im Wesentlichen mit zwei Tiermodellen gearbeitet“, berichtet Dr. Lajos Markó, Erstautor neben Maria Ercu. Bei dem einen Modell handelte es sich um genmodifizierte Mäuse, bei denen das menschliche Enzym PDE3A in den Zellen der glatten Muskulatur, aus denen ein Teil der Gefäßwände bestehen, aufgrund der Genveränderung überaktiv war. „Diese Tiere wiesen im Vergleich zu Kontrolltieren einen extrem hohen Blutdruck auf“, sagt der Forscher.

Die genveränderten Ratten litten ebenfalls an der Erbkrankheit

Noch interessanter war für die Wissenschaftler*innen allerdings ein Rattenmodell, das die Arbeitsgruppe von Bader per CRISPR/Cas9-Technik generiert hatte. Das Team hatte mithilfe der Genschere in einer Region des PDE3A-Gens, die bei dem Syndrom mutiert ist, einem sogenannten Mutations-Hotspot, neun Basenpaare verändert. Das daraus hervorgehende Enzym unterschied sich damit in drei Aminosäuren von der gewöhnlichen Variante. „Und wie beim Menschen erhöhte diese winzige Veränderung die Aktivität des Enzyms“, sagt Ercu.

„Die Ratten glichen den menschlichen Patientinnen und Patienten in wirklich sehr erstaunlicher Weise“, ergänzt die Forscherin. „Sie litten nicht nur an hohem Blutdruck, auch die Zehen ihrer Vorderläufe waren deutlich verkürzt – ähnlich wie die Finger bei Menschen mit dem Syndrom.“ Und per Mikro-Computertomographie entdeckten die Forscherinnen und Forscher in den Hirngefäßen der Tiere eine auffällige Schleife, die auch Menschen mit dem Syndrom aufweisen. „Unser Rattenmodell liefert meines Erachtens den endgültigen Beweis dafür, dass das Syndrom durch die Mutation auf dem PDE3A-Gen verursacht wird“, sagt Klußmann.

Ziel ist es, die Volkskrankheit Bluthochdruck effektiver zu behandeln

Man könne nun sogar bereits einen ersten Vorschlag zur Behandlung dieser erblich bedingten Form des Bluthochdrucks machen, ergänzt der Forscher. „Es gibt eine Substanz namens Riociguat, die eigentlich für die Therapie des Lungenhochdrucks zugelassen ist“, sagt Klußmann. Von ihr wisse man, dass sie ein Enzym aktiviert, das einen Botenstoff herstellt, der eine überaktive PDE3A bremsen kann. „Bei Ratten, denen wir ein Derivat von Riociguat verabreicht hatten, sank der Blutdruck auf Normalniveau“, berichtet Klußmann. Zwar seien auch bereits andere PDE3A-Hemmer auf dem Markt, sagt der Forscher, doch aufgrund ihrer Nebenwirkungen seien diese für eine Langzeittherapie eher ungeeignet.

Näher erforschen möchte Klußmann nun noch Interaktionen, die die mutierte PDE3A mit anderen Eiweißmolekülen eingeht. Eine verstärkte Interaktion mit bestimmten Adapterproteinen führe vermutlich dazu, dass sich die Zellen der Gefäßwände stärker vermehren, wodurch sich die Gefäße verengen und der Blutdruck steigt, erläutert der Forscher.

Ein ganz großes Ziel hat Klußmann nämlich noch vor Augen: „Indem wir die Effekte der Interaktionen von PDE3A mit anderen Proteinen besser kennenlernen und verstehen, wie sie an der Regulation des Blutdrucks beteiligt sind, werden wir hoffentlich auch neue und effektivere Therapiemöglichkeiten für die Volkskrankheit Bluthochdruck finden.“

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

Quelle: https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/erblicher-bluthochdruck-durch-ueberaktives-enzym

 

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forschen, produzieren, leben, heilen, bilden / 10.06.2020
Die neue Ausgabe des Standortjournals buchinside ist erschienen

Titelfoto: NIAID
Titelfoto: NIAID

Erfahren Sie im Titelthema, wie das Max-Delbrück-Centrum angesichts der Pandemie Ressourcen für Projekte zu SARS-CoV-2 bündelt.

Hier geht es zur neuen Ausgabe:
https://berlin-buch.com/de/buchinside

produzieren / 10.06.2020
Tumortherapie: Gezielter als je zuvor

v.l.: Dr. Christian Regenbrecht und Quirin Graf Adelmann v. A.
v.l.: Dr. Christian Regenbrecht und Quirin Graf Adelmann v. A.

ASC Oncology testet anhand individueller Tumor-Organoide bereits vor einer Therapie, welche Medikamente wirksam sind. Interview mit den Geschäftsführern Dr. Christian Regenbrecht und Quirin Graf Adelmann v. A.

Dr. Regenbrecht, nach CELLphenomics haben Sie auf dem Campus Buch ein weiteres Unternehmen gegründet: ASC Oncology. Welche Mission verfolgen Sie damit?

Dr. Regenbrecht: Wir haben im Rahmen von CELLphenomics sehr gute 3D-Zellkulturmodelle aus Tumorproben entwickelt, die der Pharmaindustrie geholfen haben, neue Krebsmedikamente auf den Markt zu bringen. Diese sogenannten Organoide erreichen eine bisher nicht erreichte Nähe zum Ursprungstumor und ermöglichen es, die Wirksamkeit von Krebsmedikamenten sehr differenziert vorherzusagen. Da die Vorhersage unserer Modelle so gut funktioniert, fühlten wir uns verpflichtet, diese Hilfe auch zurück zum Patienten zu bringen. Wir können für solide Tumore einen therapeutischen Effekt bestätigen, neue Behandlungsoptionen aufzeigen oder den Patienten zumindest unnötige Nebenwirkungen ersparen.
Graf Adelmann: ASC Oncology nutzt die gleiche Technologie wie CELLphenomics, aber ausschließlich im praktischen Kontext von Ärzten und Patienten. Letztendlich helfen wir Menschen, die für ihre jeweilige Lebenssituation bestmögliche Entscheidung treffen zu können. Möglich wurde dies durch jahrelange Forschungsarbeit und die Zusammenarbeit mit renommierten Uni-Kliniken.

Für welche Krebsarten ist dieser Test möglich?

Dr. Regenbrecht: Wir haben uns auf solide Tumore, also Karzinome oder Sarkome, spezialisiert. Im Moment bieten wir die prä-therapeutische Chemosensitivitätstestung für Patienten mit Dickdarmkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, bestimmte Arten von Lungenkrebs sowie triple-negativem Brustkrebs an. Meist sind es hochfortgeschrittene Tumore, die wir analysieren.

Ihre Methode nennen Sie „Reverse Clinical Engineering“. Wie funktioniert sie?

Dr. Regenbrecht: Aus frischem, chirurgisch gewonnenem Tumormaterial oder frischen Biopsien von Patienten züchten wir Abbilder des Tumors in Form winziger Organoide. Anhand dieser dreidimensionalen Minitumore können wir eine Aussage treffen, aus welchen verschiedenen Zelltypen der individuelle Tumor zusammengesetzt ist. Wir sind zum Beispiel darauf gestoßen, dass die Zellen innerhalb des gleichen Tumors unterschiedlich stark auf eine Chemotherapie reagieren, sodass nur ein Teil der Tumorzellen effektiv mit einer vertretbaren Dosierung eines Medikaments getötet werden kann. Das bedeutet in der Praxis, dass die Tumorbehandlung mit diesem Chemotherapeutikum zwar klinisch eine Reduktion des Tumorvolumens bewirkt, aber nur Teile der Tumor- oder Zellpopulation angegriffen werden und sich kein langfristiger Behandlungserfolg einstellt. Wir versuchen, den Gesamttumor anhand seiner verschiedenen Zelltypen modellmäßig abzubilden. Das tun wir, indem wir die Tumorgene sequenzieren, an den Organoiden Substanzen testen und zusammen mit unserem Berliner Partner NMI-TT ein sogenanntes Targeted Proteomics-Profil erstellen. Diese Targeted Proteomics zeigen uns dann wiederum ganz konkret auf funktioneller Ebene, warum ein bestimmtes Medikament wirken konnte und ein anderes nicht. Diese drei Informationen integrieren wir in einen Bericht und diskutieren unsere Ergebnisse mit den Onkologen und den behandelnden Ärzten in den Tumorkonferenzen, damit der Patient die bestmögliche Chemotherapie oder die bestmögliche substanzbasierte Therapie erhält.

Wenn zum Beispiel Darmkrebs Metastasen in der Lunge gebildet hat: Ist das dann noch derselbe Krebs, den ich so behandeln kann?

Dr. Regenbrecht: Die Frage lautet tatsächlich: Kann eine Krebszelle eine Metastase an jedem beliebigen Ort bilden oder unterscheidet sich die Metastase von der großen Menge der Tumorzellen im Primärtumor? Genau das ist es, was wir uns mit Reverse Clinical Engineering ansehen. Wir versuchen die Tumor-Evolution – also das Entstehen des Tumors im Körper – nachzuvollziehen und im Nachhinein das Mosaik zusammenzusetzen.

Welche Therapeutika können Sie testen?

Dr. Regenbrecht: Wir können alle Stoffklassen testen, von der klassischen Chemotherapie, die nur die Zellteilung verhindert, über Targeted Therapies (zielgerichtete Therapien, die in Tumor-Signalwege eingreifen) bis hin zu antiköperbasierten Therapien. Auch Immuntherapeutika können wir testen, indem wir Modelle entwickeln, die aus dem Tumorgewebe und Immunzellen des Patienten bestehen. Um der Heterogenität, die innerhalb eines Tumors herrscht, wirksam zu begegnen, testen wir auch verschiedene Substanzkombinationen. Ein ganz entscheidender Vorteil: Während der Arzt letztendlich nur einmal die Chance hat, den Patienten richtig zu behandeln, führen wir für jeden Patienten bis zu 384 Testungen parallel durch. So können wir uns im Prinzip auch Fehler leisten, ohne dem Patienten zu schaden – Fehler, die in der Praxis nicht vorkommen dürfen. Wir sind lediglich durch die Wachstumsgeschwindigkeit der Organoide und das Zeitfenster bis zum Behandlungsbeginn eingeschränkt.

Wie lange dauert es, bis die Testergebnisse vorliegen?

Dr. Regenbrecht: Erste Ergebnisse liegen nach etwa zwei Wochen vor. In der Regel benötigen wir zwischen vier und sechs Wochen für die Testung aller für den individuellen Tumor in Frage kommenden Therapieansätze. Das liegt zum einen an der Wachstumsgeschwindigkeit der Zellen im Labor, zum anderen daran, dass die Ergebnisse der Tumorsequenzierung in der Klinik einige Wochen brauchen, bis sie vorliegen. Wir konnten aber auch schon Ergebnisse innerhalb von neun Tagen liefern.

Wie treffsicher sind die Ergebnisse Ihrer Tests?

Dr. Regenbrecht: Modelle sind immer nur bis zu einer bestimmten Schärfe gut. Es gibt aber Studien mit unseren Protokollen, die bei über 100 Dickdarmpatienten gezeigt haben, dass der negative prädiktive Wert, also die Vorhersage der unwirksamen Therapien, bei bis zu 100 Prozent liegt. Der positive prädiktive Wert liegt derzeit schon bei bis zu 88 Prozent.

Können Sie die Daten von ASC auch für Ihre Forschung nutzen und umgekehrt?

Dr. Regenbrecht: Ja, das ist unser großer Vorteil. Dadurch können wir die klinischen Daten in unsere Forschungsarbeit integrieren. Aktuell haben wir bei CELLphenomics auf dieser Basis einen Biomarker identifiziert, der die Reaktion auf eine bestimmte Substanzklasse vorhersagt. Wir haben eine genetische Prädisposition, ein Mutationsmuster, gefunden. Wenn es vorliegt, kann eine bestimmte Wirkstoffklasse, die heute regelmäßig verschrieben wird, nicht wirken. Die Daten verdanken wir den 3D-Organoid-Studien, in denen wir umfangreiche Tests durchführen konnten. Ich darf aber im Moment weder den Substanznamen noch die Substanzklasse verraten, da die Patentanmeldung zur Zeit geprüft wird.

Gibt es konkurrierende Unternehmen?

Dr. Regenbrecht: Wir sind weltweit ganz vorne dabei. In Deutschland haben wir keine Konkurrenz. In den USA gibt es weniger als fünf Unternehmen, die technologisch ähnlich weit sind wie wir. Aus Utrecht in den Niederlanden ist die Gruppe um Hans Clevers bekannt, der mit seinem HUB-Institut bei der Organoid-Forschung international einer der führenden Köpfe ist. Ansonsten stellen wir fest, dass immer mehr Unikliniken Organoide selbst herstellen wollen, aber dennoch zu uns kommen, weil wir auf diesem Gebiet so fortgeschritten sind, dass die Qualität unserer Arbeit außerordentlich gut ist. Im experimentellen Kontext ist die Methode an den Unikliniken gut und sicher etabliert, aber bei der Patientenvorhersage kommt man meines Erachtens nicht umhin, eine spezialisierte Firma zu nutzen.
Graf Adelmann: Organoide müssen kontrolliert entstehen und erfolgreich wachsen können, denn Patienten erwarten ihr Ergebnis in kürzester Zeit. Das ist ganz klar das ausschlaggebende Kriterium, um ein spezialisiertes und leistungsfähiges Unternehmen zu beauftragen. Bei ASC wird sichergestellt, dass die Ergebnisse schnell und zuverlässig vorliegen.

Wie sieht es mit der Bezahlung Ihres Tests aus?

Graf Adelmann: Die Dienstleistung, die wir erbringen, ist immer noch eine IGeL-Leistung, die der Patient selbst bezahlen muss. Mittlerweile ist jedoch die ärztliche Probenentnahme für unsere Zwecke und die Auswertung eine abrechenbare Ziffer bei den Krankenkassen. In der Regel liegen die Kosten bei rund 5.000 Euro.

Man muss zur Abgrenzung damit rechnen, dass eine erfolglose Chemotherapie die Krankenkasse mit Kosten von mehr als 100.000 Euro belastet und Patienten kaum mehrere Behandlungen körperlich und seelisch überstehen. Denkbar ist auch, dass Krankenkassen unsere Leistung über Kliniken mit integrierten Versorgungsverträgen übernehmen.

Wir denken im Rahmen unserer Unternehmenswerte gleichzeitig an notleidende Menschen, bei denen Krebs diagnostiziert wurde: Auch, um weniger gut betuchten Patienten den Test zu ermöglichen, haben wir den Verein „Cancer Rebels e.V.“ gegründet.

Wo sehen Sie ihr Unternehmen in fünf Jahren?

Dr. Regenbrecht: Wir forschen weiterhin intensiv, um die Aussagekraft der Modelle noch weiter zu verbessern und auch seltene Tumore besser abdecken können. Ich sehe uns in fünf Jahren noch breiter aufgestellt und denke, dass wir auf dem Weg dorthin bereits sehr vielen Menschen unnötiges Leid erspart haben werden.
Graf Adelmann: Wenn wir stark wachsen, kann es sein, dass wir Labore außerhalb Berlins haben werden und uns in Ländern in Europa, Asien oder in den USA etablieren, die innovativer sind und über andere Gesundheitssysteme und Krankenkassenstrukturen verfügen. Wir sind beispielsweise eine österreich-exklusive Kooperation mit dem Uniklinikum Innsbruck eingegangen: Von allen österreichischen Krebspatienten, für die unsere Methode geeignet ist und die in Innsbruck behandelt werden, bekommen wir zukünftig eine Tumorprobe zur Substanztestung. Die Kosten für den Patienten übernimmt im Rahmen der Studie das Klinikum.

www.asc-oncology.com
www.cancer-rebels.club

Betroffene wenden sich bitte direkt an: clm@asc-oncology.com

 

www.asc-oncology.com

leben / 09.06.2020
Draußen spielt die Musik!

Mit den aktuell geltenden Regelungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie werden öffentliche Kulturveranstaltungen wieder möglich gemacht. Die Bedingungen dafür sind schwierig, die Teilnehmerzahlen können weiter nur gering sein. Die einschlägigen Hygieneregeln einzuhalten, erfordert eine besondere Dramaturgie.
Dennoch: Die Chance die Kultur Berlins wieder öffentlich sichtbar zu machen, wollen wir nutzen. Und darum wollen wir handeln und deshalb unterbreiten drei Bezirksbürgermeister*innen von Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Pankow gemeinsam mit Kultursenator Lederer einen Vorschlag, für den sie in allen Bezirken werben:

  • Wir wollen die bezirklichen Frei- und Grünflächen, Straßen und Plätze und womöglich auch Sportaußenanlagen öffnen für eine einzigartige Open Air-Saison für Kunst, für Theater und Musik.
  • Wir sind offen für gute Ideen von Ensembles, Musiker*innen, darstellenden und bildenden Künstler*innen.
  • Wir werden schnell darüber entscheiden, was wo möglich ist.
  • Wir setzen uns dafür ein, dass alle Verantwortlichen, die einschlägigen gesetzlichen Regelungen für das öffentliche Straßenland, für Grünanlagen und Sportstätten großzügig handhaben und schnell entscheiden.
  • Wir sind dazu bereit und schaffen dafür jeweils eine Anlaufstelle zur Rettung der Kunst, die sich bis zum 30. September 2020 als Dienstleister für Kulturschaffende in unseren Bezirksämtern um eine möglichst unkomplizierte, unbürokratische und kurzfristige Bearbeitung von Anfragen für die Ermöglichung von Veranstaltungen bemühen wird.
  • Und wir werben bei den Berlinerinnen und Berlinern bei Umsetzung dieser Vorschläge um die sprichwörtliche Toleranz und um Solidarität mit den Kulturschaffenden.

Kultursenator Klaus Lederer: „Wir versuchen, Pandemieeindämmung und kulturelles Leben zu verbinden. Mit guten Schutzkonzepten probieren wir kleinteilige Formate aus. Ich freue mich sehr, dass die drei Bezirksbürgermeister*innen vorangehen.“
Bezirksbürgermeisterin von Marzahn – Hellersdorf, Dagmar Pohle: „Marzahn-Hellersdorf hat Platz für coole Angebote – vom Fensterkonzert über Straßentheater bis zu Kunst in den Gärten der Welt ist vieles möglich“   
Bezirksbürgermeister von Lichtenberg, Michael Grunst: „Das Theater an der Parkaue hat begonnen, weitere Angebote sollten folgen – von der Trabrennbahn bis zum Prerower Platz – eine Wiese findet sich.“
Bezirksbürgermeister von Pankow, Sören Benn: "Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen, auch zur Rettung der Kunst vor dem coronalen Tod. Licht , Luft & Sonne für die darstellenden Sparten ist ein Gebot der Stunde." Ansprechpartner ist Marc Lippuner, Leiter der WABE in Prenzlauer Berg, Danziger Str. 101, 10405 Berlin, Tel.: 030 90295-3850, E-Mail: info@wabe-berlin.de.
 
Diese Initiative greift auch die Vorschläge des Rates der Künste auf, aus Erfahrungen mit der Coronakrise Ideen und Konzepte für die Zukunft der Stadt zu erproben.
Der Rat der Künste schlägt unter der Überschrift „Die Draußenstadt: Wir brauchen mehr Platz zum Ausprobieren!“ vor, in den nächsten Jahren in jedem Bezirk experimentelle Zukunftslabore einzurichten.
Gemeinsam mit Partnern aus Kunst und Kultur könnten die konzeptionellen Linien und Umsetzungsprozesse erarbeitet werden. Zur Erschließung der neuen Flächen und Räume ist die aktive Unterstützung von Land und Bezirken gefordert: Brachen, Plätze und leerstehende Gewerbeflächen sollen unkompliziert und kurzfristig an Initiativen und Projekte vergeben werden, die in herausfordernden Berliner Sozialräumen kreative Erlebnis- und Lernorte, Aktions- und Bewegungsräume für und mit Nachbarschaft einrichten.
In Zusammenarbeit mit Museen, Literatur- und Konzerthäusern, Tanzinitiativen, Opern und Theater, die eigene Impulse einbringen, können hier neue Trainings- und Veranstaltungsformen erprobt werden.

produzieren / 09.06.2020
Neuer Corona-Test

Sitz der ImplaSens GmbH auf dem Campus Berlin-Buch (Foto: Peter Himsel / Campus Berlin-Buch GmbH)
Sitz der ImplaSens GmbH auf dem Campus Berlin-Buch (Foto: Peter Himsel / Campus Berlin-Buch GmbH)

Das Start-up ImplaSens entwickelt im BiotechPark Berlin-Buch einen quantitativen Test zum Nachweis des SARS-CoV-2-Virus und der dagegen gebildeten Antikörper. Interview mit Geschäftsführer Peter Magyar und Dr. Antje Kamprad

Wie kam es zu ihrer Entscheidung, einen Test für den Nachweis von SARS-CoV-2 zu entwickeln?

Peter Magyar: Der Bedarf an Tests, die eine akute Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus schnell erkennen, ist nach wie vor immens. Das gilt auch für den Nachweis der Antikörper, die Patienten gegen das Virus entwickeln. Wir haben daher entschieden, einen prädiagnostischen Schnelltest zu entwickeln, der beides detektieren kann und ohne Laborwissen anwendbar ist. Als kleines Unternehmen können wir solche Projekte sehr flexibel und unabhängig auf den Weg bringen. Zudem konnten wir das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) dafür gewinnen, uns bei der Validierung zu unterstützen.
Dr. Antje Kamprad: Unser Test soll es ermöglichen, tausende Proben im Hochdurchsatz parallel auszuwerten und damit die Datenlage für die Bewältigung der Pandemie zu verbessern und auch die Langzeitentwicklung zu verfolgen.

Wie schnell konnten Sie die Voraussetzungen für das Projekt schaffen?

Peter Magyar: Vom Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit wurde unser Projekt aufgrund der Dringlichkeit des Themas sehr schnell genehmigt. Die Campusbetreibergesellschaft konnte uns im BiotechPark zügig Labore mit Grundausstattung vermieten. Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin steuerte einen Real-Time-PCRCycler bei. Wir haben binnen kurzem ein Kernteam von sechs Entwicklern und Wissenschaftlern zusammengestellt, die ausschließlich an dem Coronatest-Projekt arbeiten. Parallel werden bei uns ein passendes Gerät und die Software entwickelt. Aktuelle Lieferengpässe bei Testkomponenten konnten wir abfedern, indem wir zum Beispiel die Antikörperproduktion ausgelagert haben. Zusammen mit dem Hintergrund, dass uns Dr. Jens von Kries vom FMP mit der Screening-Unit bei der Überprüfung des Tests unterstützen wird, sind wir gut gestartet.

Auf welcher Methode basiert Ihr geplanter Test und wie funktioniert er?

Dr. Antje Kamprad: Es ist ein Antikörpertest, der auf Basis viraler Proteine und Antikörper funktioniert. Im Fokus steht der Nachweis des SARS-CoV-2-Virus beziehungsweise seiner Proteine sowie der Antikörper, die Patienten dagegen entwickelt haben. Als Vergleichsmethode benutzen wir Real-Time-PCR, die auf der Detektion von Nukleinsäuren, der Erbsubstanz des Virus beruht. Dadurch können wir einschätzen, inwieweit unser Test sensitiver ist oder noch verändert werden muss. Wir sehen auch, welche Methode wir in welchem Infektionsstadium am besten anwenden können. Zudem wollen wir den Test für verschiedene Proben entwickeln, für Rachenabstriche, Serum und Urin. Tendenziell soll der Test auch für die Detektion anderer Pathogene nutzbar sein, zum Beispiel bakterielle Pathogene, andere Corona-Viren oder generell andere Viren.
Peter Magyar: Wir entwickeln für diese Testmethode ein Point-of-Care-Gerät, das auf einer „Lab-on-a-Chip“-Technologie basiert. Damit soll es Anwendern ermöglicht werden, vor Ort schnell zeitgleich verschiedene Antigene zu detektieren.

Unterscheidet sich Ihr geplanter Test von bisher zugelassenen Tests?

Peter Magyar: Im Hinblick auf das Point-of-Care-Gerät auf jeden Fall. Hier sehen wir auch unsere größten Marktchancen. Das ist eine neue und spannende Geschichte: Ein schneller Test, supertransportabel, robust und ohne Laborwissen und die entsprechende Ausrüstung anwendbar. Von daher ist unser Test sehr flexibel einsetzbar, zum Beispiel in Arztpraxen oder anderen Teststationen. Darüber hinaus entwickeln wir ein System, innerhalb dessen Geräte miteinander kommunizieren können. Denkbar wäre zum Beispiel eine Teststation einige Kilometer vor einer Landesgrenze, deren Ergebnisse beim Passieren der Grenzstation schon vorliegen.

Wie viel Zeit wird der reine Testvorgang benötigen?

Peter Magyar: Definitiv können wir sagen, dass es weniger als eine Stunde sein wird. Unser Ziel sind allerdings zehn Minuten.

Wie zuverlässig wird Ihr Test sein?

Dr. Antje Kamprad: Das wird sich im Laufe der Validierung zeigen. Wir probieren natürlich, so gut wie möglich zu sein.

Wann rechnen Sie frühestens mit einer Zulassung?

Peter Magyar: Für das Testkit hoffen wir auf eine Zulassung in drei Monaten. Die Zertifizierung des medizinischen Geräts mit Hard- und Software dauert normalerweise 12 – 18 Monate, aktuell hoffen wir, dass die Zulassung deutlich schneller geht.

Interview: Christine Minkewitz

Das Interview erschien zuerst im Standortjournal buchinside 01/2020.

 

www.implasens.com

08.06.2020
Noch freie Plätze in den Forscherferien

Foto: Gläsernes Labor
Foto: Gläsernes Labor

In den Sommerferien gibt es wieder eine große Vielfalt an Ganztagskursen im Gläsernen Labor. Spannende Experimente bringen unterhaltsam Wissenszuwachs, und auch Entspannung und Spiel dürfen nicht fehlen.
In folgenden Kursen können noch Kinder angemeldet werden:
 

KUNTERBUNTE BLÜTENFARBEN

1. Juli 2020, 09.00 bis 16.00 Uhr

Nur die Blüten der Blumen gibt es in solch einer Pracht. Wovon hängt denn die Farbe einer Blüte ab? Vom Boden oder vom Licht? Was sind ihre Bestandteile? Finde es mit verschiedenen Experimenten heraus?
Für wen? Kinder von 8 bis 10 Jahren
Ganztagskurs: 25,00 €


DES KAISERS NEUE KLEIDER

3. Juli 2020, 09.00 bis 16.00 Uhr

Stoff ist nicht gleich Stoff. Schau sie dir genau an und erforsche ihre Eigenschaften. Wie kann man die Stoffe unterscheiden, wie werden sie hergestellt? Frei nach dem Film "Des Kaisers neue Kleider".
Für wen? Kinder von 6 bis 9 Jahren
Ganztagskurs: 25,00 €
 

ICH PACKE EINEN RUCKSACK...

31. Juli 2020, 09.00 bis 16.00 Uhr

Aber wie macht man das so, dass der Rücken gesund bleibt? Was haben die Hebelgesetze damit zu tun? Steige ein in die Welt der Mechanik und entdecke das Geheimnis, wie wir Menschen schwere Dinge scheinbar "leicht machen". Und warum ist all das Wissen für den Brückenbau so wichtig? Finde es selbst heraus!
Für wen: Kinder von 6 bis 10 Jahren
Ganztagskurs: 25,00 €

Anmeldung unter www.forscherferien-berlin.de

forschen / 05.06.2020
Lange Nacht der Wissenschaften 2020 – so geht es am 6. Juni weiter mit Sondersendung und Podcast

Lange Nacht der Wissenschaften 2019 auf der Campus Berlin-Buch. (Foto: Peter Himsel)
Lange Nacht der Wissenschaften 2019 auf der Campus Berlin-Buch. (Foto: Peter Himsel)

Die Lange Nacht der Wissenschaften gibt es ab dem 6. Juni 2020 auch zu hören. Inforadio vom Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb) lädt in Zusammenarbeit mit dem Lange Nacht der Wissenschaften e.V. (LNDW e.V.) und mit Unterstützung der Kampagne Brain City Berlin Wissenschaftler*innen aus der Region zum Gespräch. Jede Podcast-Folge setzt einen thematischen Schwerpunkt zu Zukunftsthemen. Geplant sind 12 Folgen, die im Verlauf eines Jahres umgesetzt werden. Damit spannt der Podcast einen Bogen zur Langen Nacht 2021. Zusätzlich sendet radioeins vom rbb am 6. Juni von 19 bis 23 Uhr eine vierstündige Sondersendung aus dem Naturkundemuseum.

Mit „Lange Nacht der Wissenschaften − ein Inforadio Podcast in Zusammenarbeit mit der Langen Nacht der Wissenschaften und mit Unterstützung der Kampagne Brain City Berlin“ präsentiert sich die Lange Nacht ab dem 6. Juni 2020 erstmalig auch als Podcast. Der Start der Reihe fällt damit auf den Tag, an dem die Veranstaltung 2020 hätte stattfinden sollen, infolge der Corona-Pandemie jedoch abgesagt werden musste.

„Auch wenn wir in diesem Sommer leider nicht wie geplant den 20-sten Geburtstag der Langen Nacht miteinander feiern können, führt uns doch gerade die aktuelle Situation überdeutlich vor Augen, wie wichtig Wissenschaft und Forschung für unsere Gesellschaft sind,“ betont Berlins Regierender Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller, der in diesem Jahr die Schirmherrschaft für die Jubiläumsveranstaltung übernommen hatte. „Umso mehr danke ich den Organisatoren, dass es nun in kurzer Zeit gelungen ist, mit dem Podcast ein neues Format zu entwickeln, das uns wieder spannende Einblicke in die Arbeit unserer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ermöglichen wird. Ich lade alle herzlich ein, dieses tolle Angebot zu nutzen und die große Vielfalt der Berliner Wissenschaft zu erleben!“

Wie in der Langen Nacht präsentieren sich auch im Podcast Wissenschaftler*innen sowie Vertreter*innen von Universitäten, wissenschaftlicher Einrichtungen und wissenschaftsnaher Institutionen und geben Einblicke in Lösungen, die sie für die Herausforderungen unserer Zeit entwickeln. Zu Wort kommen sowohl bekannte Persönlichkeiten der Berliner Wissenschaftslandschaft als auch Nachwuchskräfte. Moderiert wird die Podcast-Reihe von Thomas Prinzler, der seit vielen Jahren als Wissenschaftsredakteur und -Moderator durch Sendungen im Inforadio führt.

„Die beteiligten Einrichtungen und Institutionen setzen mit dem Podcast ein deutliches Zeichen für die diesjährige Kampagnen der LNDW ‚Wissenschaft als Antwort auf Fake News‘ sagt Prof. Dr. Werner Ullmann, Präsident der Beuth Hochschule für Technik Berlin (HTW) und Vorsitzender des Lange Nacht der Wissenschaften e.V. (LNDW e.V.). „Wie gefährlich Falschmeldungen und krude Verschwörungstheorien sind, zeigt sich erneut in der Debatte um Corona. Wissenschaft beruht immer auf einer an der Sache und an Argumenten orientierten Streitkultur. Dafür stehen die Lange Nacht der Wissenschaften und auch der neue Podcast.“

Im ersten Podcast: Folgen der Corona-Epidemie für Städte wie Berlin
In der ersten Folge geht es um die Auswirkungen der Corona-Pandemie für Großstädte wie Berlin. Die Gäste der ersten Sendung:

Prof. Dr. Ulrich Panne spricht über die Bedeutung der Wissenschaften als Antwort auf Fake News und über die Folgen der Krise für die Wissenschaften in Berlin. Er ist Präsident der Bundesanstalt für Materialprüfung und -forschung (BAM) sowie stellvertretender Vorsitzender des Lange Nacht der Wissenschaften e.V. (LNDW e.V.) und Vorsitzender des Forschungsnetzwerk des Technologieparks Adlershof (IGAFA).

Dr.-Ing. Christine Eisenmann führte während des Lockdowns eine Studie zur „Mobilität während Corona“ durch und spricht über mögliche Änderungen des Mobilitätsverhaltens während und nach der Krise. Sie leitet am Institut für Verkehrsforschung des Deutschen Instituts für Luft- und Raumfahrt die Arbeitsgruppe „Transformation der Automobilität“.

Prof. Dr. Jürgen Radel, spricht über die Veränderungen, die Corona für die Arbeitswelt mit sich bringt, etwa über den Trend zu Home-Office und eigenverantwortlicherem Arbeiten. Er ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule für Technik und Wirtschaft.

Der Podcast wird in der ARD Audiothek, auf iTunes und Spotify, in der Inforadio-App und Google Podcast sowie auf weiteren Podcast-Plattformen und -Apps angeboten. Darüber hinaus wird er auf den Websites von der Langen Nacht der Wissenschaften unter www.langenachtderwissenschaften.de/podcast, Inforadio und Brain City Berlin kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Am 6. Juni 2020 ab 19 Uhr wird es zudem auf radioeins (rbb) eine vierstündige Sondersendung mit Mitgliedern und Teilnehmern der Langen Nacht Wissenschaften geben. Weitere Infos dazu finden Sie unter www.langenachtderwissenschaften.de/news-detail/die-lndw-am-6-juni-2020-auf-radioeins.

Über die Lange Nacht der Wissenschaften Berlin | Potsdam
Die Lange Nacht der Wissenschaften am 6. Juni 2020 musste aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Zum 20. Jubiläum waren mehr als 2000 spektakuläre Experimente, spannende Vorträge, Wissenschaftsshows und Führungen geplant. Über 60 wissenschaftliche und wissenschaftsnahe Einrichtungen in Berlin und Potsdam hatten ihre Beteiligung angemeldet. Organisiert und finanziert wird die Lange Nacht der Wissenschaften, die seit 2001 jährlich stattfindet, weitgehend von den beteiligten wissenschaftlichen Einrichtungen selbst. Darüber hinaus wird sie von zahlreichen Partnern aus der Region unterstützt, insbesondere von der Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH und der Technologiestiftung Berlin sowie dem Berliner Senat. Die nächste Lange Nacht soll am 5. Juni 2021 stattfinden. Weitere Informationen sind auf der Website zu finden: www.langenachtderwissenschaften.de

Über die Kampagne Brain City
Berlin von Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie Mit der Kampagne Brain City Berlin, die von Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie und dem Netzwerk der Berlin-Partner Wissenschaft initiiert wurde, soll deutlich gemacht werden, dass die Wissenschaftsmetropole Berlin vielseitig, interdisziplinär, weltoffen und innovativ ist. Im Mittelpunkt stehen die Brains of Berlin: Renommierte Wissenschaftler*innen ebenso wie junge Talente und Vertreter*innen wissenschaftlicher Institutionen, die als Botschafter*innen der Berliner Wissenschaft Menschen aus aller Welt für die Brain City Berlin begeistern. Unterstützt wird die Kampagne Brain City Berlin von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe. https://braincity.berlin

Die Lange Nacht der Wissenschaften online
www.langenachtderwissenschaften.de
www.facebook.com/wissenschaftsnacht
www.twitter.com/kluegstenacht
www.instagram.com/kluegstenacht
www.youtube.com/diekluegstenacht

Quelle: Pressemitteilung des Lange Nacht der Wissenschaften e. V.

05.06.2020
Wichtiger molekularer Mechanismus der Charcot-Marie-Tooth Krankheit entdeckt

Ischias-Nerven von 3 Monate alten Mäusen im Querschnitt (Abb: Alessandra Bolino, IRCCS Ospedale San Raffaele)
Ischias-Nerven von 3 Monate alten Mäusen im Querschnitt (Abb: Alessandra Bolino, IRCCS Ospedale San Raffaele)

Morbus Charcot-Marie-Tooth (CMT) ist die häufigste Form von erblichen Neuropathien. Durch eine genetische Mutation wird die isolierende Myelinschicht der peripheren Nerven nach und nach geschädigt, was beispielsweise beim CMT-Typ 4B zu schwersten Behinderungen führt. Da die molekularen Grundlagen weitgehend unbekannt sind, ist dieser CMT-Typ bis heute weder behandelbar noch heilbar. Doch jetzt konnten Wissenschaftler vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin gemeinsam mit Kollegen aus Mailand, Paris und Mexiko einen neuen molekularen Mechanismus aufzeigen: Demnach kommt dem Protein Rab35 und dem, von diesem regulierten mTOR Signalweg eine zentrale Rolle bei der Myelinscheidenformation im peripheren Nervensystem zu. Erste in-Vivo-Versuche zeigen, dass sich aus den Erkenntnissen neue Therapien ableiten lassen. Die Arbeit ist jetzt im renommierten Fachjournal „Nature Communications“ erschienen.

Unsere Nervenbahnen sind von einer Myelinschicht umhüllt, die dafür sorgt, dass Signale vom Gehirn blitzschnell an Muskeln und Organe weitergeleitet werden. Bei der großen Gruppe von angeborenen Neuropathien liegen jedoch genetisch bedingte Defekte in der Myelinisierung vor, so dass die Signalweiterleitung gestört ist. In der Folge kommt es zu diversen neurologischen Ausfällen an den peripheren Nerven und einer Degeneration der Nervenstränge (Axone). So auch beim Morbus Charcot-Marie-Tooth (CMT), der häufigsten erblichen Neuropathie. Einen besonders frühen Krankheitsbeginn zeigt der CMT-Typ 4B; Betroffene sind oft schon im Teenageralter auf den Rollstuhl angewiesen. Im schlimmsten Fall dehnt sich die Nervendegeneration auf die Atemwege aus und es kann zum Tod durch Atemstillstand kommen. Momentan gibt es keinerlei Aussicht auf Heilung.

Unerwartete Interaktionspartner
Umso wichtiger ist es, die noch weitgehend unbekannten molekularen Mechanismen der Erkrankung zu erforschen. Genau das haben Wissenschaftler*innen des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin zusammen mit den Forscherteams um Prof. Alessandra Bolino (IRCCS Ospedale San Rafaelle Universität, Mailand), Prof. Arnaud Echard (Sorbonne Universität/Institut Pasteur, Paris und Prof. Genaro Patiño-López (Hospital Infantil, Mexiko) getan.

Bei Forschungen zum Protein Rab35 entdeckte das Berliner Team um Linda Sawade und Prof. Volker Haucke mehr oder weniger zufällig, dass diese kleine GTPase, die in der Regulation des intrazellulären Membrantransports involviert ist, mit drei CMT-4B-assoziierten Proteinen interagiert: MTMR2, MTMR5 und MTMR13 funktionieren bei CMT-4B-Patienten aufgrund einer Genmutation nicht richtig oder fehlen ganz.

Diese drei kritischen Proteine gehören zur Gruppe der Myotubularin Related (MTMR)-Phosphatidylinositol (PI) Phosphatasen, die spezifisch die endosomalen Signallipide PI(3)P und PI(3,5)P2 an der 3‘-Phosphatgruppe hydrolysieren, also Phosphate von Lipiden abspalten.

Rab35 reguliert Myelinscheidenformation
„Wir konnten in unserer Arbeit zeigen, dass das Protein Rab35 das Längen-Wachstum der Myelinscheide reguliert, indem es die beiden Pseudophosphatasen MTMR13 und MTMR5 bindet und rekrutiert, und dadurch auch die mit ihnen im Komplex gebundene aktive Phosphatase MTMR2“, berichtet Linda Sawade, Erstautorin der Studie.

Dass Rab35 diesen gesamten Proteinkomplex bindet und somit eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Myelinscheidenformation spielt, war neu. Bestätigt wurde der Fund an Knock-Out Mäusen, denen das Protein spezifisch in Schwann-Zellen fehlte, jene Zellen im peripheren Nervensystem, welche die Myelinscheiden bilden. Das fehlende Rab35-Protein führte zu einer schweren degenerativen Zerstörung (Demyelinisierung) der Myelinscheiden des Ischiasnerven.

Inhibition von mTORC1 zeigt Wirkung
Parallel dazu beobachteten die Forscher eine abnormal erhöhte Aktivität des mTORC1-Signalweges – einem der zentralen Signalverschaltungskomplexe für die Regulation der Myelinscheidenformation im Nervengewebe. Durch die medikamentöse Hemmung des hyperaktiven Signalkomplexes mit dem Wirkstoff Rapamycin konnten die Nervenschäden in den Knock-out-Mäusen jedoch teilweise wieder rückgängig gemacht werden. Weitere Experimente an kultivierten Zellen, in denen Rab35 unterdrückt wurde, untermauerten die positiven Effekte einer mTORC1-Inhibition auf die geschädigten Myelinsegmente.

Zudem konnten die Forscher aus der Abwesenheit des Rab35 Proteins einen wichtigen Rückschluss ziehen: mTORC1 ist hyperaktiv, weil PI(3)-Phosphate nicht mehr reguliert werden, es kommt zu einer Akkumulation von PI(3)P und PI(3,5)P2 Lipiden. „Wir vermuten, dass dieser pathologische Vorgang aus einer beeinträchtigten Rekrutierung von MTMR-Komplexen resultiert“, erläutert die Biochemikerin und Zellbiologin Linda Sawade. „Das würde im Umkehrschluss bedeuten, dass Rab35 die Aktivität von mTORC1 normalerweise unterdrückt, in dem es MTMR-Phosphatasen zu Lysosomen rekrutiert.“

Ergebnisse von Bedeutung über die Grundlagenforschung hinaus
Kurz zusammengefasst bedeuten die Ergebnisse für die Grundlagenforschung: Rab35 ist ein bisher unentdeckter Regulator der Myelinscheidenformation im peripheren Nervensystem und ein Repressor von mTORC1.

Für CMT4B-Patienten haben die Ergebnisse eine hoffnungsvolle Bedeutung: Die therapeutische Behandlung mit mTORC1-inhibierenden Medikamenten wie Rapamycin könnten zu einer Verbesserung ihres Krankheitsverlaufs führen. Es wäre die erste Behandlungsoption für diese schwere Erkrankung.

Publikation
Linda Sawade, Federica Grandi, Marianna Mignanelli, Genaro Patiño-López , Kerstin Klinkert, Francina Langa Vives, Roberta Di Guardo, Arnaud Echard, Alessandra Bolino, Volker Haucke. Rab35-regulated lipid turnover by myotubularins represses mTORC1 activity and controls myelin. Nature communications. June 2020; https://doi.org/10.1038/s41467-020-16696-6

Text Pressemitteilung: Beatrice Hamberger

Das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB), einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. In ihnen arbeiten mehr als 1.900 Mitarbeiter. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft. Entstanden ist der Forschungsverbund 1992 in einer einzigartigen historischen Situation aus der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR.

Abb.: Ischias-Nerven von 3 Monate alten Mäusen im Querschnitt: Im Gegensatz zu Kontrolltieren (ganz links), weisen Tiere, denen das Rab35-Protein in den Schwann-Zellen fehlt, Demyelinisierung an Nervenfasern auf: Myelinausfaltungen (gelber Pfeil); Myelindegeneration (grüner Pfeil); "Tomacula" – fokale Myelinschichtverdickung (roter Stern). | Alessandra Bolino, IRCCS Ospedale San Raffaele

www.leibniz-fmp.de

forschen, bilden / 04.06.2020
Exklusiv auf radioeins: Die Lange Nacht der Wissenschaften

So schön bunt war die Lange Nacht der Wissenschaften 2018 im Chemielabor des Gläsernen Labors (Foto: Peter Himsel)
So schön bunt war die Lange Nacht der Wissenschaften 2018 im Chemielabor des Gläsernen Labors (Foto: Peter Himsel)

In einer normalen Welt würde die Lange Nacht der Wissenschaften in diesem Jahr am 6. Juni 2020 ihr 20. Jubiläum feiern. In allen möglichen wissenschaftlichen Einrichtungen in Berlin und Potsdam würden an diesem Tag wieder Tausende von Besuchern den Forschern und Forscherinnen bei Ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Weil genau das nicht geht dachten wir uns, muss die Lange Nacht noch lange nicht ausfallen. Und so findet sie nun doch statt - aber nur und ganz exklusiv auf radioeins.

Am Samstag, 6. Juni 2020, gibt es von 19.00 bis 23.00 Uhr die Live-Sendung "Lange Nacht der Wissenschaften" – nachts aus dem Naturkundemuseum exklusiv auf radioeins. Moderator Stephan Karkowsky sendet aus der Saurierhalle im Museum für Naturkunde Berlin. Dort begrüßt er zahlreiche Forscherinnen und Forscher aus Berliner Wissenschaftseinrichtungen. radioeins-Reporterin Julia Vismann besucht im Vorfeld zum Beispiel die Raumluftlabore des Hermann-Rietschel-Instituts, die trommelnden Fische der Charité sowie Wissenschaftler am Max-Delbrück-Centrum (MDC), die das neuartige Coronavirus erforschen. Außerdem zu Gast: das Theater des Anthropozäns mit einem kurzen Ausschnitt aus dem aktuellen Stück "Requiem für einen Wald" - sowie Michael Müller, Regierender Bürgermeister und Prof. Dr. Johannes Vogel, Chef des Museums für Naturkunde und somit unser Gastgeber.

Die Lange Nacht der Wissenschaften mit Stephan Karkowsky am 6. Juni von 19 bis 23 Uhr auf radioeins.

Quelle: radioeins

forschen / 28.05.2020
Mehr Klarheit bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

v.l.n.r.: Inge Krahn, Marina Kolesnichenko, Uta Höpken, Eva Kärgel, Jana Wolf (Foto: Felix Petermann, MDC)
v.l.n.r.: Inge Krahn, Marina Kolesnichenko, Uta Höpken, Eva Kärgel, Jana Wolf (Foto: Felix Petermann, MDC)

Es ist ziemlich mysteriös: Welche Rolle spielt eine Proteinfamilie für das Überleben oder Sterben von Zellen in den Darmschleimhäuten? Ein am MDC entwickeltes Mausmodell liefert eindeutige Beweise und ein mögliches Behandlungsziel für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.

Das Protein NF-kB kommt im gesamten Körper vor. In den Darmschleimhäuten löst es laut jüngsten Forschungsergebnissen, die im Journal of Pathology veröffentlicht wurden, schädliche Entzündungen, Zellvermehrung und Zelltod aus – die Hauptmerkmale bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED).

„Das war überraschend, weil NF-kB normalerweise dabei hilft, die Zellen vor dem Absterben zu beschützen“, sagt Dr. Marina Kolesnichenko. Die Wissenschaftlerin aus dem Labor „Signaltransduktion in Tumorzellen“ leitete das Forschungsprojekt am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC).

Gut oder schlecht?

NF-kB ist eine Proteinfamilie, die als Transkriptionsfaktoren in den Zellen DNA-Bereiche für unterschiedliche zelluläre Prozesse transkribieren: von der Vervielfältigung der Zellen und ihrem Fortbestand bis zu Entzündungen und Zelltod, den Forschende auch als Apoptose bezeichnen.

Zur Debatte stand die Rolle von NF-kB bei Apoptose im Darm. Während einige Studien andeuteten, dass NF-kB eine schützende, anti-apoptotische Rolle spielt, wiesen andere daraufhin, dass NF-kB pro-apoptotisch wirken und zum Zelltod beitragen könnte. Ein Grund für die mangelnde Klarheit: frühere Studien störten den Signalweg meist upstream von NF-kB, d.h. noch bevor der Transkriptionsfaktor aktiviert wird, anstatt direkt auf NF-kB abzuzielen.

Ein spezifisches Ziel

Normalerweise kann NF-kB seine Arbeit nicht aufnehmen, bevor es von einem hemmenden Molekül freigesetzt wird. Kolesnichenko und ihre Kolleg*innen entwickelten ein Mausmodell, das dieses Molekül in den Zellen, die den Darm auskleiden (Epithelzellen) spezifisch blockiert. So blieb NF-kB ausschließlich in diesem Gewebe anhaltend aktiv. Die Folge war eine gesundheitsschädliche Entzündung von Dünn- und Dickdarm sowie eine gefährlich starke Vermehrung der Stammzellen und Zelltod im Darm.

„Die Studie zeigt, dass die alleinige Aktivierung von NF-kB, ohne Beteiligung von Upstream-Komponenten, ausreicht, um typische CED-Symptome auszulösen“, sagt Prof. Claus Scheidereit, der Leiter des Labors für Signalübertragung in Tumorzellen.

Zusammenhang mit Krebs

Das Team überprüfte die Ergebnisse zusätzlich in Epithel-Organoiden, dabei handelt es sich um Miniaturdärme, die aus der Darmschleimhaut der modifizierten Mäuse entstanden sind. Die Forscher*innen fanden heraus: Wenn keine Immunzellen vorhanden sind, führt aktiviertes NF-kB zu einer Veränderung im Wnt-Signalweg – dieser läuft auch in den meisten Darmkrebs-Fällen anders ab.

CED-Patient*innen haben ein erhöhtes Risiko später einmal Darmkrebs zu entwickeln, deshalb will Kolesnichenko herausfinden, ob NF-kB die treibende Kraft bei der Krebsentstehung ist. Weitere Untersuchungen könnten zeigen, dass die Blockierung von NF-kB in den Darmschleimhäuten bei der Behandlung von CED oder Darmkrebs helfen könnte.

Eine Sonderstellung

Kolesnichenko initiierte und leitete die Studie in Zusammenarbeit mit mehreren Frauen anderer Abteilungen des MDC und von der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Besonders hervorzuheben ist, dass sie die Ergebnisse als Seniorautorin publizierte. Dies ist ungewöhnlich für MDC-Postdocs. Unabhängigkeit und Initiative zu zeigen, findet Kolesnichenko für Postdocs wichtig. Dies gelte besonders wenn eine finanzielle Förderung bei Behörden angestrebt wird, die die Anzahl der Veröffentlichungen als Letztautor*innen berücksichtigen.

„Das Schönste daran war die Zusammenarbeit mit wahrhaft inspirierenden Wissenschaftlerinnen, die alle etwas Einzigartiges und Wesentliches beizutragen hatten“, sagt Kolesnichenko.

Text: Laura Petersen

https://www.mdc-berlin.de/de/news/news/mehr-klarheit-bei-chronisch-entzuendlichen-darmerkrankungen

www.mdc-berlin.de

heilen, bilden / 28.05.2020
Helios Klinikum Berlin-Buch gibt in Schulen Hygienetipps für Kids

Nadin Frankenstein und Anne-Kathrin Paape geben Tipps für die richtige Händehygiene in Schulen (Thomas Oberländer | Helios Kliniken)
Nadin Frankenstein und Anne-Kathrin Paape geben Tipps für die richtige Händehygiene in Schulen (Thomas Oberländer | Helios Kliniken)

Hygiene will gelernt sein

Basismaßnahmen der Hygiene im Alltag dienen der Gesunderhaltung und Gesundheitsförderung. Doch nun in Zeiten von Corona bekommt die Einhaltung gewisser Hygienemaßnahmen noch einmal eine ganz besondere Gewichtung. Darum hat es sich das Helios Klinikum Berlin-Buch zur Aufgabe gemacht, bereits die Jüngeren in richtiger Händehygiene zu schulen und bietet Hygienekurse in Grundschulen an.

COVID-19 hält Deutschland immer noch im Griff, doch nach und nach werden die Corona-Auflagen gelockert. Mittlerweile sind auch die Berliner und Brandenburger Kinder wieder in die Schulen zurückgekehrt, zumindest tageweise. Angesichts der Herausforderungen durch die Corona-Pandemie werden dort die vorhandenen Hygienepläne durch Musterhygienepläne der Senatsverwaltung ergänzt, die eine Reihe von Regeln vorlegt, die helfen sollen, die Infektionsgefahr einzudämmen.

Die Pläne machen detaillierte Angaben zum Thema Sauberkeit in Zeiten der Corona-Krise: Schülerinnen und Schüler sollen sich regelmäßig die Hände mit Seife waschen, etwa vor und nach dem Essen, vor dem Aufsetzen und nach dem Abnehmen einer Schutzmaske, nach der Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln oder nach Kontakt mit Treppengeländern und Türgriffen.

In der richtigen Umsetzung dieser vorgegebenen Hygienemaßnahmen werden die Grundschüler aller Klassenstufen nun ganz gezielt von Expertinnen unterstützt. Zwei Pflegekräfte aus dem Helios Klinikum Berlin-Buch, Nadin Frankenstein und Anne-Kathrin Paape, geben Tipps und Schulungen für die richtige Hygiene in Zeiten von Corona in Schulen vor Ort.

„Viele Infektionen im Alltag lassen sich durch einfache Hygieneregeln vermeiden. Wir wollen mit hilfreichen Tipps und Schulungen die Gesundheitserziehung von Kindern unterstützen, gerade jetzt auch zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus und zur Organisation des (Schul-)Alltags. Der Vorteil bei Kindern ist, dass sie in diesem Alter besonders nachhaltig solche Verhaltensweisen erlernen und diese dann ritualisieren“, sagt Nadin Frankenstein.

Hygiene - ein Kinderspiel

„Die Kinder in der Grundschule sollen nahezu spielerisch lernen, warum es so wichtig ist, Hygiene einzuhalten. Wir haben bereits mehrere Schulen besucht und den Schülerinnen und Schülern wichtige Hintergrundinformationen zur Notwendigkeit der Umsetzung von Hygienemaßnahmen vermittelt. Der Fokus liegt vor allem darauf, den Kindern zu zeigen, wie sie sich richtig und effizient die Hände waschen. Die Kinder können dann im Nachgang das Ergebnis unter der Schwarzlichtlampe kontrollieren. Alle Kinder waren sehr begeistert und wollten einmal selbst ihre Finger unter der Lampe leuchten sehen“, berichtet Anne-Kathrin Paape. Die Resonanz war durchweg positiv und Schüler sowie Lehrer sehr dankbar für den Hygienekurs direkt vor Ort.

Verantwortung und Engagement

„In diesen Zeiten sehen wir es ganz besonders als unsere gesellschaftliche Verantwortung an, bereits die Jüngsten bei einem so wichtigen Thema, wie dem der Hygiene, zu schulen. Wir engagieren uns mit dem Ziel, den Schulkindern, ihren Eltern und auch Pädagogen fachliche und zielgruppengerechte Informationen und Empfehlungen zur richtigen Händehygiene zur Verfügung zu stellen um sie umfänglich vor einer Infektion zu schützen“, sagt Daniel Amrein, Geschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Wir kommen auch an Ihre Schule

Wenn Sie Interesse haben, dass unsere Expertinnen auch an Ihre Schule kommen und die Schüler in richtiger Händehygiene schulen, dann melden Sie sich gerne.

Kontakt:

Nadin Frankenstein
nadin.frankenstein@helios-gesundheit.de
Tel.: (030) 9401 – 15545

Anne-Kathrin Paape
anne-kathrin.paape@helios-gesundheit.de
Tel.: (030) 9401- 15544

Gut zu wissen:

Auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. gibt es ständig aktualisierte und nützliche Tipps und Hinweise: https://www.dgkj.de/

www.helios-gesundheit.de

bilden / 27.05.2020
Atommodelle selbst gedruckt

Foto: Gläsernes Labor
Foto: Gläsernes Labor

Im Gläsernen Labor können Jugendliche in den Sommerferien Modelle von Atomen und Molekülen entwerfen und im 3D-Druck realisieren.

Die Corona-Pandemie ließ es im Gläsernen Labor recht still werden – wie an vielen Orten in Berlin. inzwischen rufen wieder Lehrer an, es kommen erste, wenn auch verkleinerten Gruppen. In der vorangehenden Phase haben die Mitarbeiterinnen des Schülerlabors eine neue Chemie-Projektwoche für die Sommerferien vorbereitet, in der sich Schülerinnen und Schüler aus der Mittelstufe mit 3D-Druck auseinandersetzen können. Ganz klar kommt Chemie zum Einsatz, wenn dreidimensional gedruckt wird. Die Projektwoche bietet deshalb spannende Experimente zu Kunststoffen und Biopolymeren. Was aber soll dreidimensional gedruckt werden? Hier kommen chemische Modelle ins Spiel. Thema ist daher auch, wie Atome und Moleküle aufgebaut sind und wie aus Molekülen Atome werden.

Mit der freien Software „Thinkercad“ können die Jugendlichen Atome und Moleküle schließlich selbst entwerfen. Sie lernen, den 3D-Drucker mit einem G-Code – oder auch DIN-Code – zu programmieren und Stützstrukturen zu entwickeln. Am Ende wird gedruckt und es entsteht ein Molekülbaukasten.

„Wir sind begeistert von den Möglichkeiten des 3D-Drucks und freuen uns schon jetzt auf die Projektwoche. Eindrücklicher kann man das Thema nicht vermitteln, und wir sind sicher, dass es allen Beteiligten Spaß machen wird“, so Projektleiterin Dr. Bärbel Görhardt.

Bis wieder regelmäßig Schulklassen die Labore beleben, informiert das Gläserne Labor auf seiner Webseite regelmäßig über spannende Experimente und Lernangebote für zu Hause.

Die Idee für die Projektwoche entstand in einem Lab2Venture-Projekt mit Schülerinnen und Schülern des Robert-Havemann-Gymnasiums. Die 3D-Drucker konnten mit Unterstützung der Bayer Schulstiftung für das Schülerlabor erworben werden.

 

www.glaesernes-labor.de/de/projektwoche

heilen / 26.05.2020
Übergewichtige Menschen sind anfälliger für das Coronavirus

Eine Adipositas kann Betroffenen auch in der Corona-Krise zum Verhängnis werden, wie neueste Studien beweisen. Demnach sind übergewichtige Menschen anfälliger für schwere Verläufe bei einer COVID19-Infektion als normalgewichtige Menschen.
 
„Übergewicht und Adipositas stellen ein schwerwiegendes Gesundheitsrisiko dar, vor allem bedingt durch die daraus resultierenden Folgeerkrankungen. Von den Begleiterkrankungen der Adipositas führen besonders Diabetes mellitus und Fettstoffwechselstörungen zu einer Störung der Immunabwehr“, betont Dr. med. Anke Rosenthal, ärztliche Leitung und Geschäftsführung des Medizinischen Versorgungszentrums Ernährungsmedizin.
 
Dr. med. Oliver Stumpf, Chefarzt der Abteilung für Adipositas und metabolische Chirurgie im Helios Klinikum Berlin-Buch, ergänzt: „Wie wir mittlerweile wissen, sind vor allem Vorerkrankungen bei Patienten ein Grund dafür, dass COVID-19 einen schweren Verlauf annimmt.“
 
Zwei aktuelle Studien, eine aus Frankreich und eine aus den USA, weisen nun darauf hin, dass besonders eine Vorerkrankung das Risiko für schwere Verläufe bei einer COVID19-Infektion erhöht – die Adipositas.
 
Schweregrad der Erkrankung bedingt durch COVID-19 steigt mit dem BMI
 
In der französischen Studie (https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/oby.22831) werteten Forscher die medizinischen Daten aller 124 Covid-19-Patienten aus, die vom 27. Februar bis 5. April 2020 in die Intensivstation des Universitätsklinikums Lille eingewiesen wurden. Dabei verglichen sie, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Body-Mass-Index (BMI) und der Notwendigkeit einer künstlichen Beatmung mittels Intubation gab.
Es zeigte sich, dass die Notwendigkeit für eine Beatmung graduell mit dem BMI anstieg. Bei Menschen mit einem BMI von mehr als 35 erreichte sie einen Anteil von 90 Prozent. Die Daten der Studie demonstrieren einen deutlichen Zusammenhang von Adipositas und der Schwere von COVID-19.
 
Eine bislang noch nicht zugängliche New Yorker Studie untermauert dieses Ergebnis. Forscher des "NYU Langone Medical Center" untersuchten 4100 COVID-19-Patienten im Zeitraum zwischen dem 1. März und dem 1. April. Dabei prüften sie, welche Vorerkrankungen zu einem schweren Krankheitsverlauf bei COVID-19 führen.
"Die chronische Erkrankung, die am stärksten mit einer schweren COVID-19-Infektion im Zusammenhang steht, ist Adipositas – und zwar in einem substanziell höheren Risikoverhältnis als jede Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankung", betonen die Autoren der Studie in einem Interview mit "welt.de" (https://www.welt.de/gesundheit/plus207638459/Fettleibigkeit-Corona-Kranke-haben-zu-hohem-Prozentsatz-Uebergewicht.html). 40 Prozent der Patienten, die stationär behandelt werden mussten, waren adipös. Etwa die Hälfte davon musste aufgrund des Krankheitsverlaufs künstlich beatmet werden.
 
Gut zu wissen:
Die erfahrenen Adipositas-Spezialisten des größten Adipositaszentrums Deutschlands unterstützen auch in der Corona-Krise schwer übergewichtige Menschen individuell beim Abnehmen und helfen, das reduzierte Gewicht zu halten. Mehr Informationen rund um Adipositas und Sprechzeiten unter: https://www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch/unser-angebot/unsere-fachbereiche/adipositas-und-metabolische-medizin/

 

www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch

leben / 22.05.2020
Nina Tsonkidis ist neue Integrationsbeauftragte von Pankow


Die neue Integrationsbeauftragte des Bezirkes Pankow, Nina Tsonkidis, hat jetzt im Rathaus ihre Arbeit aufgenommen, nachdem zunächst eine Anhörung der örtlichen Migrant_innenorganisationen stattfand. Tsonkidis ist gebürtige Berlinerin aus einer griechisch-kroatischen Familie und hat Philosophie und Kunstgeschichte in Berlin und Thessaloniki studiert. Sie übernimmt das Amt von Katarina Niewiedzial, die im Mai 2019 als neue Beauftragte für Migration und Integration in den Senat wechselte. Bis April 2020 hatte die Koordinatorin für Flüchtlingsfragen, Birgit Gust, diese Stelle kommissarisch inne.

Die im Stab des Bezirksbürgermeisters angesiedelte Integrationsbeauftragte ist Ansprechpartnerin und Sprachrohr für Menschen mit Migrationsgeschichte im Bezirk, ebenso wie für soziale Vereine, Verbände und Ehrenamtliche, die sich für die Belange von zugewanderten Menschen einsetzen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Verbesserung der beruflichen, gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Teilhabe und Partizipation.

Nach dem Studium entschied sich Nina Tsonkidis für den Weg in den öffentlichen Dienst und sammelte Berufserfahrung in zwei Berliner Behörden im Bereich Flucht und Migration. Sie machte die Erfahrung, dass ihr privat von Vielfalt geprägtes Umfeld sich auf beruflicher Ebene nicht widerspiegelt. Durch die fehlende Sichtbarkeit von Diversität in der Berliner Verwaltung befand sie sich plötzlich in einer Minderheitenrolle. Diese Erfahrung war einschneidend und wegweisend. Neben der Abbildung der tatsächlichen Struktur der Gesellschaft und der zentralen Außenwirkung von Vielfalt im öffentlichen Dienst bilden Begegnung und Austausch die Grundlage um Ressentiments zu überwinden.

„Die ungezwungene Begegnung im beruflichen Alltag und der Austausch über den üblichen Smalltalk hinaus, ist wichtig, um Vielfalt als etwas Natürliches und Bereicherndes zu erleben.“, sagt Nina Tsonkidis. Sie wird an die erfolgreiche Integrationsarbeit im Bezirk anknüpfen und ihre eigenen Akzente in enger Zusammenarbeit mit ihrem Team und den lokalen Akteur_innen setzen. Dazu werden in den kommenden Wochen viele Kennlerngespräche stattfinden.

Die Integrationsbeauftragte ist zu erreichen im Rathaus Pankow, Breite Straße 24A-26, 13187 Berlin, Raum 2.53, Tel.: (030) 90295-2524, E-Mail: Nina.Tsonkidis@ba-pankow.berlin.de, Internet: https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/beauftragte/integration/ .
 

forschen / 19.05.2020
Chlamydien-Alarm in der Zelle

THP-1 (GBP1 knock-out) Makrophagen infiziert mit Chlamydien. Die Zellkerne der Immunzellen sind blau und die Chlamydien rot dargestellt. © Audrey Xavier, MDC
THP-1 (GBP1 knock-out) Makrophagen infiziert mit Chlamydien. Die Zellkerne der Immunzellen sind blau und die Chlamydien rot dargestellt. © Audrey Xavier, MDC

Bei einer Infektion mit Chlamydien reagiert die Zelle mit einer Entzündungsreaktion. Welche Rolle dabei das Enzym GBP1 spielt, haben Wissenschaftler*innen des MDC in Experimenten mit Zellkulturen erforscht und die Ergebnisse in Cell Reports veröffentlicht.

Chlamydien-Infektionen gehören zu den häufigsten Geschlechtskrankheiten in Deutschland. Damit die Bakterien im Körper überleben, brauchen sie eine Wirtszelle, in der sie sich vermehren können. Das sind oft Schleimhautzellen, wie es sie in menschlichen Harn- oder Geschlechtsorganen gibt. Dort kapern sie den wirtseigenen zellulären Metabolismus. Dabei bleiben die Eindringlinge entweder unentdeckt oder molekulare Signale alarmieren das angeborene Immunsystem. Dieses erkennt die Chlamydien als fremd und löst eine Entzündung aus, um so die Bakterien zu vernichten.

Bei den Verteidigungsmechanismen gegen Chlamydien oder andere Erreger spielt das menschliche „Guanylate binding protein 1“ (GBP1) eine wichtige Rolle: Forscherinnen und Forscher wissen bereits, dass dieses Enzym einerseits die Vermehrung der Eindringlinge verlangsamen kann und zum anderen die Entzündung in Gang bringt, indem es bestimmte Signalwege anschaltet. Wie genau diese Prozesse ablaufen, ist jedoch noch unbekannt. Nun hat ein Team um Professor Oliver Daumke am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) im Journal Cell Reports mehr über die Rolle einzelner Stoffwechselprodukte des untersuchten Enzyms herausgefunden. In Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Infektionsforschung haben die Forschenden aufgedeckt, welche Signalwege und Proteinkomplexe die Stoffwechselprodukte daraufhin aktivieren.

GMP ist wichtig für die Immunabwehr

Das untersuchte Enzym GBP1 wirkt wie ein Katalysator und kann die Spaltung von biochemischen Verbindungen beschleunigen. „Durch eine Reaktion mit Wasser setzt es GTP in zwei Schritten zu GMP um“, sagt Daumke. „GTP ist ein weitverbreitetes zelluläres Molekül, das als Baustein für RNA dient und in Signalprozessen gebraucht wird.“

Um zu verstehen, was diese Spaltung in der Zelle bewirkt, veränderte Audrey Xavier, Doktorandin in Daumkes Arbeitsgruppe und Erstautorin der Studie, das katalysierende Enzym. Entweder funktionierte es dann gar nicht mehr oder es konnte nur noch den ersten Teilschritt der Spaltung ausführen. Die verschiedenen Varianten des Enzyms brachte sie dann in menschliche Immunzellen ein und infizierte sie mit Chlamydien. Nur in jenen Zellen, wo die Spaltung vollständig möglich war, konnte die Forscherin anschließend typische Entzündungsreaktionen messen. „Das zeigt, dass GMP für diesen Prozess entscheidend ist“, sagt Xavier. Für das verlangsamte Wachstum der Chlamydien scheint GMP dagegen nicht verantwortlich zu sein. „Wie genau GBP1 das Bakterienwachstum hemmt, wissen wir leider noch immer nicht“, sagt die Doktorandin.

Den Signalweg blockieren

Xavier konnte sogar nachvollziehen, welchen Signalweg GMP in infizierten Zellen anschaltet. Es gebe diverse Proteinkomplexe, die Entzündungsreaktion in der Zelle auslösen können, erklärt die Forscherin. GMP werde zu Harnsäure abgebaut und aktiviere so den bekanntesten von ihnen – das NLRP3-Inflammasom.

Diesen Harnsäure-Signalweg konnte sie mit einem bereits zugelassenen Medikament stilllegen, das Patient*innen normalerweise gegen Gicht einnehmen. Bei dieser Erkrankung fallen die Entzündungsreaktionen ganz besonders stark aus. Das Forschungsteam beobachtete, dass der Wirkstoff Allopurinol die entzündungsspezifischen Symptome in den mit Chlamydien infizierten Zellen bremste. „Allopurinol hilft also, die Entzündung abzuschwächen – möglicherweise auch bei Patient*innen, die Chlamydien haben“, überlegt Xavier und betont: Ob dies wirklich als ergänzende Therapie bei einer solchen Infektion sinnvoll sei, beispielweise in Kombination mit einem Antibiotikum, müsse in zukünftigen klinischen Studien aber erst noch getestet werden.

Quelle: https://www.mdc-berlin.de/de/news/news/chlamydien-zelle-enzym-gbp1-allopurinol

www.mdc-berlin.de

leben, bilden / 19.05.2020
Förderung von Projekten der Jugend- und Jugendsozialarbeit

Anträge auf Zuwendungen durch das Bezirksamt für das Haushaltsjahr 2021 stellen

Träger der freien Jugendhilfe können für Projekte der Jugend-, Jugendsozialarbeit und Familienförderung in Pankow ab sofort ihre Anträge auf Zuwendungen durch das Bezirksamt Pankow im Haushaltsjahr 2021 stellen. Die Antragsunterlagen müssen bis Freitag, den 19. Juni 2020 bei der Abteilung Jugend, Wirtschaft und Soziales, Jugendamt, Fachdienst 1, Berliner Allee 252-260, 13088 Berlin, eingegangen sein.

Neben dem Antrag sind ein Finanzierungs- und Haushaltsplan, eine Jahresplanung, Konzeption, Stellenplan und der aktuelle Freistellungsbescheid des Finanzamtes sowie ggf. die Satzung und der Vereinsregisterauszug einzureichen.

Weitere Informationen bei Sylvia Petersohn unter Tel.: 030 90295-7276.

bilden / 18.05.2020
Lab2Venture goes green: Projekt Bienenfutter am Gläsernen Labor

Foto: Gläsernes Labor
Foto: Gläsernes Labor


Schülerfirma plant und setzt insektenfreundliche Bepflanzung am Gebäude des Schülerlabors auf dem Campus Berlin-Buch um.

Schülerinnen und Schüler der 7. & 8. Klasse der Hagenbeckschule aus Berlin-Weißensee wurden vom Gläsernen Labor für das Lab2venture-Projekt Bienenfutter beauftragt, die Neugestaltung der Beetbepflanzung rund um das Gebäude auf dem Campus Berlin-Buch vorzunehmen. Maßgabe war, insektenfördernde Pflanzen zu finden, die zum jeweiligen Standort bezüglich Lichtverhältnissen und Bodenansprüchen passen. Die Blühphasen der Pflanzen sollen eine möglichst große Zeitspanne umfassen, damit die Insekten bereits im zeitigen Frühjahr und auch noch im Spätherbst Nahrungsmöglichkeiten finden. Nach einer Bodenanalyse durch die Schülerinnen und Schüler im Labor wurde entschieden, den Boden komplett auszutauschen. Im Anschluss wurden circa 140 neue Pflanzen nach einem Pflanzplan der Schülerinnen und Schüler eingesetzt. Dabei wurden bevorzugt mehrjährige Stauden, wie Sonnenhut, Korkadenblume, Astern, und verschiedene Kräuter verwendet. Tatkräftig unterstützt wurde das Projekt auch von Jugendlichen, die ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr im Gläsernen Labor absolvieren.

Über die Hagenbeckschule
Als Sekundarschule mit dem Profil „Biologische Vielfalt“ für die Klassen 7 bis 10 kann die Hagenbeckschule viele erfolgreiche Projekte vorweisen. So ist sie viermal in Folge als „Umweltschule in Europa - Internationale Nachhaltigkeitsschule“ ausgezeichnet worden. Angefangen von einem Nachhaltigkeitskonzept für die ganze Schule - entwickelt von einer eigenen Schülerfirma – bis zu einem insektenfreundlichen Schulgarten; die Schüler*innen werden in allen Bereichen für den Umweltschutz maßgeblich sensibilisiert. https://hagenbeck-schule.de/

Über Lab2Venture goes green
Bei „Lab2Venture goes green“ erhalten Berliner und Brandenburger Jugendliche der 8. bis 12. Klasse echte Projektaufträge von grünen Unternehmen oder Bildungseinrichtungen. Ziel ist es, systematische Nachhaltigkeitszusammenhänge mit Schülerinnen und Schülern zu erarbeiten. Darüber hinaus möchte das Projekt den Forschergeist der Jugendlichen wecken, um innovative Ideen zur Lösung gesellschaftlicher Aufgaben anzustoßen sowie Impulse für eine grüne Berufsorientierung zu geben. https://www.lab2venturegoesgreen.de/
Gefördert wird das Projekt „Lab2Venture goes green“ durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Diese unterstützt somit nachhaltiges Unternehmertum. https://www.dbu.de/

https://www.glaesernes-labor.de/de/news/lab2ventures-bienenfutter

www.glaesernes-labor.de

forschen / 14.05.2020
Unterstützung der SARS-CoV-2 Diagnostik

Die digitale Plattform LabHive will notwendige Ressourcen an Diagnostikzentren vermitteln, um mehr Tests auf SARS-CoV-2 zu ermöglichen. Tobias Opialla vom MDC ist einer von 15 Freiwilligen, die das Projekt seit dem #WirvsVirus Hackathon der Bundesregierung mitentwickeln.

Ein interdisziplinäres Team aus 15 Wissenschaftler*innen, Mediziner*innen, Webentwickler*innen und Sicherheitsexpert*innen will mit der digitalen Plattform LabHive die Testkapazitäten von SARS-CoV-2 bündeln und Engpässe in Diagnostikzentren ausgleichen. Qualifizierte Freiwillige können auf LabHive ihre Arbeitskraft oder Forschungslabore ihre Reagenzien und Laborgeräte zur Verfügung stellen. Diagnostikzentren haben auf diese Angebote Zugriff und können bei Bedarf Unterstützung in Anspruch nehmen.

„In vielen universitären oder außeruniversitären Forschungslaboren ist durch die Corona-Krise der wissenschaftliche Betrieb eingeschränkt“, sagt Dr. Tobias Opialla vom Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB), einer Einrichtung des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). „LabHive vermittelt Ressourcen wie Personal, Reagenzien oder Laborgeräte, die sonst womöglich ungenutzt bleiben würden.“ Wie alle Beteiligten arbeitet Opialla ehrenamtlich an der Entwicklung und Umsetzung der Plattform.

Die Idee zu diesem Projekt entstand beim #WirVsVirus-Hackathon der Bundesregierung und wird aktuell durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Partner ist die Björn Steiger Stiftung.

Weiterführende Informationen
·         zur Plattform LabHive
·         Interview mit Tobias Opialla

Dr. Tobias Opialla
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin
in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB)
Wissenschaftler in der Proteomics und Metabolomics Plattform
+49 30 9406 1330
Tobias.Opialla@mdc-berlin.de

Christina Anders
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin
in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
Redakteurin, Abteilung Kommunikation
+49-30 9406 2118
christina.anders@mdc-berlin.de oder presse@mdc-berlin.de
 

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

produzieren / 12.05.2020
Erstes Quartal stabil trotz Ölpreiseinbruch und Corona-Aufwand. Starke Zuwächse bei Radiopharmazeutika

Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, TecDAX), ein Spezialist für isotopentechnische Anwendungen in Medizin, Wissenschaft und Industrie, hat das erste Quartal 2020 mit Umsätzen von 44 Mio. EUR und einem Ergebnis von 0,98 EUR pro Aktie trotz Sonderbelastungen aus Corona und dem Ölpreisverfall in etwa auf dem Niveau des Vorjahresquartals abschließen können. Während die Umsätze um rund 1 Mio. EUR oder 2% anstiegen, lag der Jahresüberschuss um 0,16 EUR oder 14% unter dem Vergleichswert des Vorjahres.

Ausschlaggebend für das stabile Ergebnis waren weiterhin stark wachsende Umsätze und Erträge mit radiopharmazeutischen Produkten und Dienstleistungen im Segment Medical. Während die Verkaufserlöse hier gegenüber dem Vorjahr um 26% oder 4,2 Mio. EUR auf knapp 21 Mio. EUR zulegten, stieg der Nettogewinn der Sparte sogar um 28% und erreichte 3,5 Mio. EUR oder 0,62 EUR pro Aktie.

Gegenläufig dazu entwickelten sich erwartungsgemäß Umsätze und Erträge im Geschäft mit industriellen Komponenten. Konnte das Industriesegment im Vorjahr noch 0,59 EUR pro Aktie zum Ergebnis beitragen, erzielte es im ersten Quartal 2020 nur einen Jahresüberschuss von 1,3 Mio. EUR oder 0,26 EUR pro Aktie. An erster Stelle schlugen hier Währungsverluste von knapp 1 Mio. EUR oder minus 0,19 EUR pro Aktie ins Kontor, die Ende März aufgrund der Abwertung des brasilianischen Reals verbucht werden mussten. Im Februar war der Wechselkurs des lateinamerikanischen Staates im Zuge der Corona-Pandemie innerhalb von vier Wochen gegenüber dem Euro um rund 20% eingebrochen. Belastet wurde das Quartalsergebnis des Industriesegments zudem durch einen im Vergleich zum Vorjahr 12%igen Umsatzrückgang auf 24 Mio. Euro, bei denen sich der jüngste Ölpreisverfall und, wie erwartet, ein damit zusammenhängender Einbruch der Nachfrage nach messtechnischen Komponenten bemerkbar machte.

Mit den Ergebnissen des ersten Quartals sieht der Vorstand einen Boden erreicht, der in etwa das zweite Quartal prägen wird. Er bestätigt deshalb seine Gewinnprognose von 3,50 EUR pro Aktie für das Gesamtjahr 2020 und belässt es bei der Dividendenempfehlung von 1,70 EUR pro Aktie, die der Hauptversammlung am 10.6.2020 vorgelegt wird.

Den vollständigen Quartalsbericht finden Sie hier:
http://www.ezag.com/fileadmin/user_upload/ezag/investors-financial-reports/deutsch/euz120d.pdf

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 800 Mitarbeitern zu den weltweit größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Strahlentherapie und Nuklearmedizin. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.
 

 

www.ezag.com

heilen / 11.05.2020
Azubi Live-Chat im Helios Klinikum Berlin-Buch

Die Auszubildende Anica teilt am 14.05. im Azubi Live-Chat ihre Ausbildungserfahrungen. (Foto: Helios Klinikum Berlin-Buch)
Die Auszubildende Anica teilt am 14.05. im Azubi Live-Chat ihre Ausbildungserfahrungen. (Foto: Helios Klinikum Berlin-Buch)

In einer ersten digitalen Azubi-Klinikführung mit Live-Chat bekommen unsere neugestarteten Azubis und Interessierte die Möglichkeit, ihre zukünftige Lehrstätte per Liveschalte zu erkunden und ihre Fragen zum Thema Pflegeausbildung im Helios Klinikum Berlin-Buch direkt an die Experten zu richten.

Die Pflegeauszubildenden können sich bei ihrem Praxisstart im Helios Klinikum Berlin-Buch in einer Klinikführung immer einen sehr guten Eindruck verschaffen, wie ihr künftiger Ausbildungsplatz aussieht und von welchen Erfahrungen Praxisanleiter und Auszubildende höheren Semesters berichten. Doch in Corona-Zeiten können die Azubis bei ihrem Praxisstart am 25.5 nicht in Gruppen durch das Klinikum geführt werden. Daher ruft das Klinikum eine digitale Azubi-Klinikführung mit Live-Chat auf Facebook und Instagram ins Leben.

„Mit der digitalen Klinikführung wollen wir den neuen Pflegeschülern aber natürlich auch allen anderen Interessierten einen Einblick in unser Klinikum geben und auch weiterhin bestmöglich über die praktische Pflegeausbildung bei uns im Haus informieren. Es wird zudem die Möglichkeit eines Live-Chats geben, wo Fragen direkt an die zuständigen Ansprechpartner gerichtet werden können“, sagt Sylvia Lehmann, Pflegedirektorin im Helios Klinikum Berlin-Buch.

LIVE-CHAT

Der Azubi Live-Chat findet am Donnerstag, 14.05. um 16:30 Uhr auf Facebook und Instagram statt. Praxisanleiter Axel Schulz führt per Liveschalte durch das Klinikum und das Gelände, erklärt die wichtigsten Bereiche (Wäsche, Transponderstelle etc.) und zeigt eine exemplarische Station – die Kinderchirurgie. Begleitet wird er von der Auszubildenden Anica, die bei uns bereits ihre Ausbildung macht und sehr gerne ihre bisherigen Eindrücke teilt.

Fragen und Themenideen

Wenn Sie eigene Fragen haben, stellen Sie uns diese sehr gerne schon einmal vorab und schalten gerne am 14.05. ein. Auch über Themenideen für einen Live-Chat freuen wir uns sehr.

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produzieren / 11.05.2020
US-Gesundheitsbehörde bezuschusst MYELO-Strahlenschutzpille mit 6 Mio. USD

Die Berliner MYELO Therapeutics, ein Beteiligungsunternehmen der Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG, erhält von der amerikanischen Gesundheitsbehörde in den nächsten drei Jahren 6 Mio. USD für die Weiterentwicklung seiner Strahlenschutzpille MYELO001. Das Unternehmen setzte sich damit als einer der wenigen europäischen Antragsteller erfolgreich im Wettbewerb um Mittel aus dem relativ generösen US-Katastrophenvorsorgeprogramm durch.

Mit dem Geld sollen weitere Tests und Wirksamkeitsnachweise finanziert und der Funktionsmechanismus des neuen, oral verabreichbaren Medikaments untersucht werden. Sofern die mehrjährigen Prüfungen erfolgreich ausfallen, besteht für MYELO die Chance, von den Katastrophenschutzagenturen in Amerika und anderswo wertvolle Aufträge zur Anlage von Notfallvorräten zu erhalten.

„MYELO Therapeutics gehört zu einer Reihe von strategischen Beteiligungen, mit denen Eckert & Ziegler sein Wachstum mittelfristig in neue Dimensionen voranzutreiben versucht“, erläuterte Dr. Andreas Eckert, Vorstandsvorsitzender des TecDAX-Unternehmens Eckert & Ziegler. „Die Mittel dazu hat der Vorstand in den letzten Jahren kontinuierlich erhöhen können. Zwar wäre es für konkrete Aussagen zu Umsatz- oder Ertragspotenzialen noch Jahre zu früh, der Zuschlag der amerikanischen Gesundheitsbehörde aber zeigt, dass sich Eckert & Ziegler bei der Auswahl ihrer Finanzierungsprojekte auf einem richtigen Weg befindet“.

Zu den Details der Strahlenschutzpille und der Förderzusage der amerikanischen Gesundheitsbehörde siehe die detaillierte Pressemeldung von MYELO Therapeutics: http://www.myelotherapeutics.com/news.html

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 800 Mitarbeitern zu den weltweit größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Strahlentherapie und Nuklearmedizin. Die Eckert & Ziegler Aktie (ISIN DE0005659700) ist im TecDAX der Deutschen Börse gelistet.
 

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forschen / 08.05.2020
Coronavirus-Forschung mit vereinten Kräften

Gemeinsame Pressemitteilung der Mitglieder der Deutschen COVID-19 OMICS Initiative (DeCOI)

Genomforscher*innen und -forscher schließen sich zur Deutschen COVID-19 OMICS Initiative (DeCOI) zusammen. Damit bündeln mehr als 22 Institutionen aus ganz Deutschland ihre Expertise, um einen wissenschaftlichen Beitrag zur Bewältigung der COVID-19 Pandemie zu leisten.

Wie verändert das neue Coronavirus (SARS-CoV-2) seine Erbinformation? Welche weiteren Infektionen bei Patient*innen treten auf? Gibt es genetische Risikofaktoren, die eine Infektion begünstigen? Zahlreiche Genomforscher*innen sind weltweit und auch in Deutschland intensiv damit beschäftigt, ihre Expertise und Sequenzier-Infrastruktur zu bündeln, um einen wissenschaftlichen Beitrag zur Bewältigung der COVID-19 Pandemie zu leisten. Diese Aktivitäten fassen Forschungsteams nun offiziell in der Deutschen COVID-19 OMICS Initiative (DeCOI) zusammen, um die Forschung zu beschleunigen. Wissenschaftler*innen an mehr als 22 Institutionen sind aktiv an DeCOI beteiligt - und es werden kontinuierlich mehr.

Je mehr Sequenzierungen stattfinden, desto besser verstehen Wissenschaftler*innen die Variation des Virus und können Rückschlüsse auf Herkunft und unterschiedliche Formen des Virus in der Bevölkerung ziehen. Zusätzlich wollen die Forschungsteams des DeCOI bis zu 2000 Metagenome bei COVID-19 Patient*innen in Deutschland sequenzieren, um festzustellen, welche weiteren Infektionen mit COVID-19 möglicherweise auftreten.

Expertise aus unterschiedlichen Institutionen

Eine DeCOI-Gruppe am Universitätsklinikum Bonn vermutet, dass es auch genetische Risikofaktoren gibt, die die Wahrscheinlichkeit sich zu infizieren oder die Schwere der Erkrankung beeinflussen können. Um diese Faktoren aufzuspüren, müssen von tausenden Patient*innen Genome sequenziert werden. Professor. Markus Nöthen sagt: „Deshalb haben wir uns mit DeCOI frühzeitig auch mit unseren europäischen und internationalen Kollegen weltweit vernetzt.“

Ziel der funktionellen Genomik ist es, ganze Organsysteme funktionell zu charakterisieren. Häufig werden dabei mehrere molekulare Ebenen der Regulation erfasst und kombiniert (Multi-Omics-Analysen). Forschende aus ganz Deutschland nutzen diese Verfahren im Rahmen klinischer Studien, um zum Beispiel die Wirksamkeit neuer Medikamente gegen SARS-CoV-2 zu testen. „Mit Hilfe von Multi-Omics Analysen können wir schnell und umfassend bestimmen, welche biologischen Prozesse bei der Erkrankung selbst ausgelöst werden und wie diese durch Medikamente positiv beeinflusst werden können“, sagt Professor  Philip Rosenstiel von der Universität Kiel. Diese umfassenden Daten bieten zudem die Möglichkeit besser zu verstehen, warum manche Menschen schwer und andere leicht erkranken.

Vielversprechende Einsichten durch Einzelzellsequenzierungen

Mit der noch sehr jungen Einzelzell-Sequenzierung können Forscherinnen und Forscher sehen, was SARS-CoV-2 in individuellen Zellen macht, welche Signalwege es anschaltet oder welche Wirtsproteine plötzlich vermehrt produziert werden – und das bei tausenden Zellen gleichzeitig. „So werden wir zum Beispiel auf jene Signalwege aufmerksam, die wir blockieren könnten, um die Vermehrung des Virus in der Zelle zu verlangsamen“, sagt Professor Markus Landthaler vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). Professor Uwe Ohler ergänzt: „Um so schnell wie möglich Fortschritte zu machen, müssen wir den kontrollierten Zugang und Austausch von Patient*innen- und Virusdaten in ganz Deutschland ermöglichen. Nur so können wir die Fallzahlen erreichen, um mittels Rechnermethoden aus der Statistik und dem maschinellen Lernen Zusammenhänge für beispielsweise schwere Verläufe zu verstehen.“
DeCOI-Forschende beteiligen sich in großen internationalen Konsortien daran, die Verteilung der Rezeptoren auf den Zellen des Körpers zu bestimmen, die für den Eintritt des SARS-CoV-2 verantwortlich sind. Ziel ist es zu erforschen, welche Immunzellen in Prozesse involviert sind, die besonders bei Patient*innen mit schweren Verläufen vorkommen, um hierfür neue Therapiemöglichkeiten zu erkennen. „Viele Experten der Einzelzellgenomik sind auch Mitglieder in LifeTime, einem großen europäischen Verbund, dem mehr als 90 führende europäische Wissenschaftsinstitutionen angehören“, berichtet Professor Nikolaus Rajewsky vom MDC.
Die Genomforschung produziert immense Datenmengen, die zur Auswertung der Forschungsergebnisse computergestützt analysiert werden. „Nur wenn wir klinische Daten und Genomdaten sinnvoll miteinander verknüpfen, werden wir möglichst viel zum Verständnis von COVID-19 beitragen können“, sagt Professor Oliver Kohlbacher von der Universität Tübingen.
„Durch den Zusammenschluss zur DeCOI sollten wir in der Lage sein, parallel viel mehr Fragen gemeinsam schneller beantworten zu können“ sagt Professor Joachim Schultze vom LIMES-Institut der Universität Bonn, der die Initiative zurzeit koordiniert. „Jetzt wird es wichtig sein, dass wir DeCOI mit weiteren Initiativen eng vernetzen, um weltweit fundiertes Wissen zur Bewältigung der Krise beizutragen.“

Weiterführende Informationen
·         Pressemitteilung auf der MDC-Webseite
·         Corona-Forschung am MDC
·         Alle MDC-Nachrichten zur COVID-19-Pandemie
·         AG Landthaler
·         AG Ohler 
·         AG Rajewsky
 
Kontakte
Professor Joachim L. Schultze
Life & Medical Sciences Institute (LIMES)
West German Genome Center (WGGC)
Central Coordination Unit of the NGS Competence Network
Universität Bonn
+49 (0)228 7362 787
j.schultze@uni-bonn.de


Christina Anders Redakteurin,
Kommunikationsabteilung Max-Delbrück-Centrum
für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
+49 (0)30 9406 2118
christina.anders@mdc-berlin.de oder presse@mdc-berlin.de
 
Die Mitglieder der Deutschen COVID-19 OMICS Initiative (DeCOI)
Robert Bals (Universität des Saarlandes), Ezio Bonifacio (TU Dresden), Maria Colome-Tatche (Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt/HMGU), Andreas Diefenbach (Charité – Universitätsmedizin Berlin), Alex Dilthey (Universitätsklinik Düsseldorf), Nicole Fischer (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf), Konrad Förstner (ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften), Julien Gagneur (TU München), Michael Hummel (Charité), Birte Kehr (Charité), Andreas Keller (Uni des Saarlandes), Sarah Kim-Hellmuth (TU München), Oliver Kohlbacher (Universitätsklinikum Tübingen), Ingo Kurth (RWTH Aachen), Markus Landthaler (Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft /MDC), Kerstin Ludwig (Universitätsklinikum Bonn/UKB), Alice McHardy (Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung Braunschweig), Christian Mertes (TU München), Markus Nöthen (UKB), Peter Nürnberg (Universität zu Köln), Uwe Ohler (MDC), Klaus Pfeffer (Uniklinik Düsseldorf), Nikolaus Rajewsky (MDC), Markus Ralser (Charité), Olaf Rieß (UK Tübingen), Stephan Ripke (Charité), Philip Rosenstiel (Universität Kiel), Joachim L. Schultze (Universität Bonn/DZNE), Oliver Stegle (Deutsches Krebsforschungszentrum), Fabian Theis (HMGU), Janne Vehreschild (Uni Köln), Max von Kleist (Robert Koch-Institut), Jörn Walter (Uni des Saarlandes) und Dagmar Wieczorek (Uniklinik Düsseldorf).

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

 

produzieren / 07.05.2020
Eckert & Ziegler steigt in den TecDAX auf

Wie die Deutsche Börse meldete, wird die Berliner Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG (ISIN DE0005659700, SDAX), ein Spezialist für isotopentechnische Anwendungen in Medizin, Wissenschaft und Industrie, mit Wirkung zum 08.05.2020 im TecDAX geführt. Der Index umfasst, bemessen an der Marktkapitalisierung des Streubesitzes sowie des Handelsvolumens der Aktien, die 30 größten Technologiewerte Deutschlands.

„Wir freuen uns über die Aufnahme in den TecDAX und erwarten, dass dies unserem Unternehmen und unserer Aktie zusätzliche Aufmerksamkeit am internationalen Kapitalmarkt verleiht. Eckert & Ziegler gehört dank seines starken Wachstums nun offiziell zu den größten börsennotierten Technologieunternehmen in Deutschland“, sagte Dr. Andreas Eckert, Vorstandsvorsitzender der Eckert & Ziegler AG.

Über Eckert & Ziegler.
Die Eckert & Ziegler Strahlen- und Medizintechnik AG gehört mit über 800 Mitarbeitern zu den weltweit größten Anbietern von isotopentechnischen Komponenten für Strahlentherapie und Nuklearmedizin.

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heilen / 07.05.2020
Arztbesuch in der Corona-Krise

Arztbesuch mit Abstandhalten: Schnelle Auskunft zu Beschwerden per Videoanruf (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)
Arztbesuch mit Abstandhalten: Schnelle Auskunft zu Beschwerden per Videoanruf (Foto: Thomas Oberländer | Helios Kliniken)

Die Hausarztpraxis ist die erste Anlaufstelle bei Krankheiten aller Art. Doch wie verhält man sich als Patient in Zeiten von Corona richtig? Arzttermine besser nicht aufschieben, denn viele Beschwerden können nicht warten! Dr. Michael Fiedler ist Diabetologe in der Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch und hat sich mit seinem Praxis-Team sowie mit der Videosprechstunde gut auf die Corona-Situation eingestellt.
Das Telefon in der Poliklinik steht nicht still. „Zurzeit melden sich viele Patienten zur Sicherheit vor ihrem Besuch bei uns telefonisch“, berichtet Dr. Fiedler. Dabei handele es sich vor allem um Patienten, die zu Corona-Risikogruppen gehören, „also insbesondere Ältere, Patienten mit Diabetes-Erkrankung sowie Menschen mit einer chronischen Lungen- oder Herzerkrankung.“ Und genau da sieht der Diabetologe Aufklärungsbedarf und ermutigt Patienten, Arzttermine nicht aufzuschieben. „Gerade die Patienten aus den Risikogruppen benötigen eine regelmäßige Kontrolle und Behandlung durch den Haus- oder Facharzt. Jetzt nicht zum Arzt zu gehen, aus Angst sich mit dem Coronavirus anzustecken, kann ernsthafte gesundheitliche Folgen haben,“ sagt Dr. Fiedler.

Videosprechstunde nutzen
Seit Monatsbeginn bietet die Poliklinik einen besonderen Service für Patienten: die digitale Sprechstunde. Nicht nur für die Corona-Risikogruppen ist der Arztbesuch per Videoanruf besonders interessant. „Ganz unabhängig vom Gesundheitszustand oder Wohnort können uns Patienten konsultieren. Man spart den Anfahrtsweg sowie Wartezeit und kann schnell Auskunft zu seinen Beschwerden bekommen,“ sagt Dr. Fiedler.
Auch wenig technikaffine Patienten brauchen keine Angst vor dem digitalen Verfahren zu haben: Zur Online-Sprechstunde braucht man nur ein Handy, Tablet oder Computer mit Kamera und Verbindung zum Internet. Außerdem sollte man wie gewohnt die Krankenkassenkarte oder bei Privatpatienten den Personalausweis zur Hand haben. Rezepte und Krankschreibungen, die in der Videosprechstunde ausgestellt werden, erreichen die Patienten anschließend per Post.

Keine Angst vor der Ansteckung
„In der Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch sind wir gut mit Schutzmaterialien wie Mund-Nasen-Schutz, Masken oder Schutzkittel ausgestattet. Da wir zur Helios Kliniken Gruppe gehören, ist die Versorgung mit Schutzausrüstung gesichert. Für den Fall, dass wir Patienten mit einer COVID-19-Infektion hier ambulant versorgen müssen, sind wir bestens vorbereitet.“
Neben den gebotenen Schutzmaßnahmen mit Sicherheitsabstand im Wartebereich und hygienischer Händedesinfektion agieren Dr. Fiedler und seine medizinischen Fachangestellten pragmatisch: „Patienten aus Risikogruppen bestellen wir nach telefonischer Rücksprache meist separat ein oder bieten die Videosprechstunde an. So können wir Sicherheit herstellen und eine Versorgung auch weiterhin ermöglichen“, sagt der Diabetologe. Generell müsse kein Patient Bedenken haben, einen niedergelassenen Arzt aufzusuchen.
Beschwerden nicht aussitzen
Er warnt zudem davor, länger anhaltende Beschwerden aufgrund der Sorgen um eine Ansteckung mit dem Coronavirus auszusitzen. „Wer nicht zum Arzt geht, weil dort auch Patienten mit einer Covid-19-Infektion behandelt werden könnten, der irrt. Akute aber auch anhaltende gesundheitliche Beschwerden bedürfen einer Abklärung,“ sagt Dr. Fiedler.
Gerade chronische Erkrankungen, wie Diabetes oder Bluthochdruck, können unbehandelt schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.
 
Videosprechstunden in der Poliklinik am Helios Klinikum Berlin-Buch
Schwanebecker Chaussee 50, 13125 Berlin

Vereinbarung über das Kontaktformular

Oder telefonisch in den Sprechstunden
 

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heilen / 07.05.2020
Schlaganfall: Reagieren statt abwarten

Akutversorgung beim Schlaganfall in der Angiographie - Team Prof. Dr. med. Marius Hartmann (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)
Akutversorgung beim Schlaganfall in der Angiographie - Team Prof. Dr. med. Marius Hartmann (Foto: Thomas Oberländer/Helios Kliniken)

Am 10. Mai ist der bundesweite Tag gegen den Schlaganfall. Um das Leben von Patienten zu retten, zählt im Ernstfall jede Sekunde. Aus Angst vor COVID-19 nehmen viele Betroffene Symptome und Warnzeichen derzeit jedoch nicht ernst und zögern, den Notruf zu wählen. Eine Entwicklung, die Mediziner mit großer Sorge beobachten.
 
Keine Zeit verlieren: die Symptome eines Schlaganfalls
 
Erleiden Betroffene einen Schlaganfall, wird ihr Gehirn infolge einer Durchblutungsstörung oder einer Blutung plötzlich nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgt. Dies hat zur Folge, dass bereits nach wenigen Minuten Nervenzellen absterben, die sich im Anschluss nicht mehr regenerieren. In diesem Fall zählt für die Patienten jede Sekunde.
 
„Je früher wir Schlaganfall-Patienten medizinisch versorgen, desto eher können wir dauerhafte Schäden vermeiden. Wer Symptome oder Warnzeichen des Körpers ignoriert, der riskiert das eigene Leben“, bestätigt Prof. Dr. Christian Wrede, Chefarzt der Notfallmedizin im Helios Klinikum Berlin-Buch.
 
Zu den typischen Symptomen eines Schlaganfalls zählen die einseitige Lähmung einer gesamten Körperhälfte, ebenso wie die plötzliche Lähmung eines Arms, eines Beins oder einer Hand. Aber auch ein einseitiges Taubheitsgefühl in Arm, Bein oder dem Gesicht, ein einseitig herabhängender Mundwinkel oder eine gelähmte Gesichtshälfte deuten auf einen Schlaganfall hin. Weitere Warnzeichen sind Seh-, Sprech- und Schluckstörungen, doppeltes oder nur eingeschränktes Sehen, ein unsicherer Gang und Schwindelgefühl sowie plötzliche, starke Kopfschmerzen, die mit Übelkeit einhergehen. Sobald eines dieser Symptome auftritt, sollten Betroffene oder deren Angehörige nicht lange zögern, sondern schnellstmöglich die Nummer des Notrufs 112 wählen.
 
Gut zu wissen: die Risikofaktoren für einen Schlaganfall

„Zu den bekanntesten Risikofaktoren, die einen Schlaganfall begünstigen, zählen hoher Blutdruck, eine ungesunde Ernährung, Rauchen, Stress und Bewegungsmangel. Im Gegensatz zu Alter und Geschlecht, die ebenfalls zu den Risikofaktoren zählen, kann man einzelne Faktoren durch Medikamente oder gesunde Lebensführung und Ernährung positiv beeinflussen und das eigene Schlaganfall-Risiko somit um bis zu 70 Prozent reduzieren“, erklärt Prof. Dr. med. Georg Hagemann, Chefarzt der Neurologie im Helios Klinikum Berlin-Buch. Und weiter: „Auch, wenn der Schlaganfall insbesondere ältere Menschen ab 60 Jahren betrifft, sollten alle auf Warnzeichen ihres Körpers achten und auch nur vorübergehende Funktionsstörungen ernst nehmen. “ So sind Männer, die einen Schlaganfall erleiden, im Durchschnitt 68 Jahre alt, während Frauen mit im Durchschnitt 75 Jahren etwas älter, dafür aber auch stärker betroffen sind. Von den durchschnittlich 270.000 Schlaganfall-Patienten pro Jahr sind 55 Prozent Frauen. Es können aber auch jüngere Menschen betroffen sein. Risiken ergeben sich hier durch Gefäß- oder Bindegewebserkrankungen oder z.B. während einer Schwangerschaft oder die Einnahme von hormonellen Verhütungsmethoden wie der Anti-Baby-Pille insbesondere in der Kombination mit Rauchen.
 
Die sichere und schnelle Erstversorgung im Helios Klinikum Berlin-Buch – auch in Corona-Zeiten
 

Stellen Betroffene eine nur vorübergehende Lähmung oder eine kurze Sprach- oder Sehstörung fest, so sollten sie auch in diesem Fall unbedingt den Notruf verständigen. Denn auch kurzzeitige Aussetzer wie diese können die Vorboten eines Schlaganfalls sein und werden als „TIA“ eingestuft, also als eine transitorische ischämische Attacke, die einem Schlaganfall vorausgeht. Um den Ernstfall abzuwenden, werden betroffene Patienten auf der sogenannten „Stroke Unit“, der Schlaganfallspezialstation, sofort medizinisch versorgt. Eine Maßnahme, die Leben retten kann – auch in Zeiten der Corona-Krise.
 
„Die Sorge, sich im Krankenhaus mit Corona anzustecken, können wir nachvollziehen. Wir versichern unseren Patienten jedoch, dass die Untersuchungen sowie die stationäre Behandlung von Menschen, die sich mit Corona infiziert haben oder unter dem Verdacht stehen, an dem Virus erkrankt zu sein, räumlich getrennt von anderen Patienten erfolgt. Wir treffen strengste Vorkehrungen, um unsere Patienten zu schützen und zugleich jeden einzelnen bestmöglich versorgen zu können“, betont Prof. Dr. Wrede.
Und so ist auch im Bucher Helios Klinikum die Notfallversorgung nach wie vor rund um die Uhr gewährleistet.
 
Stets in Bereitschaft: die Stroke-Unit im Bucher Klinikum
 
Jeder Schlaganfall ist ein Notfall. Die überregional zertifizierte Stroke Unit, angeschlossen an die Neurologie des Helios Klinikums Buch, bietet dank hochmoderner Diagnostik, jahrelanger Expertise und der Erfahrung eines hochqualifizierten interdisziplinären Ärzteteams die besten Voraussetzungen, um Schlaganfall-Patienten schnell und bestmöglich zu versorgen. Je nach Schwere des Schlaganfalls werden die Betroffenen auf der Spezial-Station individuell behandelt und therapeutisch betreut. Ein interdisziplinäres Team kümmert sich um die notwendige Versorgung eines jeden Patienten und begleitet diesen bei der Akuttherapie, der individuellen medizinischen Rehabilitation sowie bei der Planung anschließender Therapie- und Betreuungsmaßnahmen.
 
Immer im Fokus: die bestmögliche Genesung der Patienten

In der Notfallsituation ist das wichtigste Ziel einer Schlaganfall-Therapie, die Durchblutung im Hirn durch die Öffnung der verschlossenen Arterie wiederherzustellen. In einigen Fällen kann ein Medikament verabreicht werden, welches das Gefäß öffnet. Die entsprechende Behandlung nennt sich Lyse-Therapie. Unter bestimmten Voraussetzungen wird im Helios Klinikum in Buch auch das moderne Verfahren der sogenannten Thrombektomie angewandt, im Zuge dessen Gerinnsel, die das Gefäß verschließen, mit einem Katheter entfernt werden. Dieser Eingriff erfolgt meist unter Narkose. Durch die in den letzten Jahren deutlich verbesserte Technik dieser endovaskulären Gefäßeröffnung bei Patienten mit schweren, akuten Schlaganfällen ist es heute möglich, Blutgerinnsel oft vollständig aus dem Hirngefäß zu entfernen, was dann zu einer dramatischen Besserung der Symptome führt. Die Notfall-Thrombektomie wird im Helios Klinikum in Buch rund um die Uhr gewährleistet, sodass Patienten auch in der Nacht, an Wochenenden und an Feiertagen unverzüglich behandelt werden können.
 
Symptome richtig deuten mit dem FAST-Test
 
„Bemerken Angehörige, Freunde oder Bekannte Schlaganfall-Anzeichen bei einer anderen Person, so können sie mit Hilfe des FAST-Tests feststellen, ob der Betroffene einen Schlaganfall
erlitten hat. Ist eine der Test-Komponenten auffällig, oder sind sie unsicher sollte sofort ein Notarzt verständigt werden“, erklärt Prof. Hagemann.
 
Der FAST-Test besteht aus vier Komponenten:

 

  • Face (Gesicht): Bitten Sie den Betroffenen um ein Lächeln. Verzieht sich das Gesicht einseitig, deutet das auf eine Gesichtslähmung hin.
  • Arm (Arme): Bitten Sie den Betroffenen, die Arme nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu halten. Sinkt der Arm ab oder dreht sich die Hand weist dies auf eine Lähmung hin.
  • Speech (Sprache): Bitten Sie den Betroffenen, einen einfachen Satz nachzusprechen. Gelingt dies nicht oder nur undeutlich, ist dies als Warnsignal zu werten.
  • Time (Zeit): Verlieren Sie keine Zeit und rufen Sie sofort den Notruf!

 
Im Ernstfall zählt somit jede Sekunde – darauf möchten auch wir im Rahmen des bundesweiten Tages gegen den Schlaganfall am 10. Mai noch einmal verstärkt aufmerksam machen und auch in Zeiten von „social distancing“ an Betroffene und deren Angehörige appellieren, Warnzeichen ernst zu nehmen, schnell zu reagieren und damit (das eigene) Leben zu retten.

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forschen / 06.05.2020
Phagen-Kapsid gegen Influenza: Passgenauer Inhibitor verhindert virale Infektion

Phagenhülle dockt an und inhibiert das Influenza-Virus (Visualisierung Barth van Rossum)
Phagenhülle dockt an und inhibiert das Influenza-Virus (Visualisierung Barth van Rossum)

Ein neuer Ansatz macht Hoffnung auf neue Therapieoptionen gegen die saisonale Influenza und Vogelgrippe: Berliner Forscher haben auf Basis einer leeren und damit nicht-infektiösen Hülle eines Phagen-Virus ein chemisch modifiziertes Phagen-Kapsid entwickelt, das den Influenzaviren sprichwörtlich die Luft zum Atmen nimmt. Durch passgenaue Bindungsstellen werden die Influenzaviren so von den Phagen-Kapsiden umhüllt, dass sie die Lungenzellen praktisch nicht mehr infizieren können. Das belegen präklinische Tests, unter anderem an menschlichem Lungengewebe. An der bahnbrechenden Arbeit waren Forscher des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP), der Freien Universität Berlin, der Technischen Universität Berlin (TU), der Humboldt Universität (HU), des Robert Koch-Instituts (RKI) und der Charité-Universitätsmedizin Berlin beteiligt. Im Fachmagazin „Nature Nanotechnology“ sind die vielversprechenden Ergebnisse jetzt publiziert, deren hoffnungsvolles Potenzial unmittelbar in der Coronavirus-Forschung genutzt werden.

Influenzaviren sind nach wie vor hoch gefährlich: Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben weltweit jedes Jahr bis zu 650.000 Menschen an der Grippe. Bisherige antivirale Medikamente sind nur bedingt wirksam, da sie das Grippevirus erst angreifen, wenn es die Lungenzellen bereits infiziert hat. Wünschenswert und weitaus effektiver wäre es, die Infektion von vornherein zu verhindern. Genau das verspricht der neue Ansatz aus Berlin. Das von einem multidisziplinären Forscherteam entwickelte Phagen-Kapsid hüllt Grippeviren so maßgeschneidert ein, dass sie die Zellen gar nicht erst infizieren können. „Nach bisherigen präklinischen Tests können wir sowohl saisonale Influenzaviren als auch Vogelgrippeviren mit unserer chemisch modifizierten Phagenhülle unschädlich machen“, erläutert Prof. Dr. Christian Hackenberger, Leiter der Abteilung Chemische Biologie am Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und Leibniz-Humboldt Professor für Chemische Biologie an der HU Berlin. „Das ist ein großer Erfolg, der völlig neue Perspektiven für die Entwicklung neuer antiviraler Medikamente bietet.“

Multiple Bindungen passen wie ein Klettband
Der neue Inhibitor macht sich eine Eigenschaft zu Nutze, den sämtliche Influenzaviren besitzen: Auf den Virus-Oberflächen befinden sich drei-bindige (trivalente) Rezeptoren, die sogenannten Hämagglutinin Proteine, die an Zuckermoleküle (Sialinsäuren) auf der Oberfläche von Zellen des Lungengewebes binden. Im Falle einer Ansteckung haken sich die Viren - ähnlich wie bei einem Klettverschluss – bei ihrem Opfer, den Lungenzellen, ein. Das Grundprinzip ist hier, dass diese Interaktionen nicht durch eine einzelne, sondern multiple Bindungen erfolgen. Es war die Oberflächenstruktur der Grippeviren, welche die Forscher vor mehr als sechs Jahren zu folgender Ausgangsfrage inspirierte: Könnte man nicht einen Inhibitor entwickeln, der passgenau an die trivalenten Rezeptoren bindet und somit die Oberfläche der Lungengewebszellen vortäuschen kann? Tatsächlich kann man das, wie man heute weiß, und zwar mit Hilfe eines harmlosen Darmbewohners: Der Q-beta-Phage besitzt perfekte Oberflächeneigenschaften und eignet sich hervorragend, um es mit Liganden – in diesem Falle Zuckermoleküle – als „Köder“ zu bestücken. Dafür reicht die leere Phagenhülle aus. „Unser multivalentes Gerüstmolekül ist nicht infektiös und besteht aus 180 identischen Proteinen, die genau den gleichen Abstand aufweisen wie die trivalenten Rezeptoren des Hämagglutinins auf der Virusoberfläche“, erklärt Dr. Daniel Lauster, ehemaliger Doktorand der AG Molekulare Biophysik (HU) und heute Postdoktorand an der Freien Universität Berlin. „Somit besitzt es ideale Ausgangsbedingungen, um das Grippevirus zu täuschen – oder genauer gesagt, um räumlich passgenau daran zu binden. Wir schalten das Grippevirus also mithilfe eines Phagen-Virus aus!“ Damit das Q-beta-Gerüst die gewünschte Aufgabe erfüllen kann, muss es erst chemisch modifiziert werden. Produziert an der TU Berlin aus E. coli-Bakterien, bringt die Arbeitsgruppe von Prof. Hackenberger am FMP und der HU Berlin mit Hilfe der Synthesechemie Zuckermoleküle an definierten Positionen der Virushülle an.

Virus wird getäuscht und eingehüllt
Dass die so aufgerüstete kugelförmige Struktur eine große Bindungsstärke und Hemmpotenzial besitzt, das wurde in etlichen Untersuchungen am Tiermodell und in Zellkulturen nachgewiesen. Das Robert Koch-Institut in Berlin ermöglichte es dieser Studie, auch das antivirale Potenzial der Phagen-Kapside gegen viele aktuelle Influenza Virusstämme und sogar gegen Vogelgrippeviren zu untersuchen. Sein therapeutisches Potenzial hat es sogar an menschlichem Lungengewebe bewiesen, wie die Forscherkollegen der Medizinischen Klinik für Infektiologie und Pneumologie der Charité zeigen konnten: Wurde das Gewebe mit Grippeviren infiziert und mit dem Phagen-Kapsid behandelt, konnten sich die Influenzaviren praktisch nicht mehr vermehren. Gestützt werden die Ergebnisse durch einen strukturellen Nachweis, den Wissenschaftler der Freien Universität Berlin aus dem Forschungszentrum für Elektronenmikroskopie (FZEM) erbringen konnten:  Hochauflösende Kryo-Elektronenmikroskopie und Kryo-Elektronentomographie zeigen direkt und vor allem räumlich, dass der Inhibitor das Virus vollständig einkapselt. Mit mathematisch-physikalischen Modellen wurde außerdem die Interaktion zwischen Influenzaviren und dem Phagen-Kapsid im Computer simuliert. „Unsere Computer-gestützten Berechnungen zeigen, dass der rational entworfene Inhibitor in der Tat an das Hämagglutinin bindet und das Influenzavirus komplett einhüllt“, bestätigt Dr. Susanne Liese von der AG Netz der Freien Universität Berlin. „Damit konnte die hohe Bindungsstärke auch mathematisch beschrieben und erklärt werden.“

Therapeutisches Potenzial muss weiter erforscht werden
Weitere präklinische Untersuchungen müssen nun folgen. Noch weiß man zum Beispiel nicht, ob das Phagen-Kapsid eine Immunantwort in Säugetieren provoziert. Bestenfalls könnte diese die Wirkung des Inhibitors noch verstärken. Möglich ist aber auch, dass eine Immunantwort die Wirksamkeit der Phagenkapside bei wiederholter Gabe herabsetzt oder dass die Grippeviren Resistenzen entwickeln. Und natürlich fehlt noch der Beweis, dass der Inhibitor auch im Menschen wirksam ist. Doch die Berliner Forscher-Allianz bescheinigt dem Ansatz großes Potenzial. „Unser rational entwickelter, dreidimensionaler, multivalenter Inhibitor weist in eine neue Richtung hin zur Entwicklung strukturell anpassbarer Influenzavirusbinder. Das wurde so noch nie in der Multivalenzforschung erreicht“, betont Prof. Hackenberger. Biologisch abbaubar, nicht toxisch und in Zellkulturstudien nicht immunogen, lasse sich dieser Ansatz prinzipiell auch auf andere Viren und möglicherweise auch auf Bakterien anwenden, meint der Chemiker. Es liegt auf der Hand, dass die Autoren eine Anwendung ihres Ansatzes auf das aktuelle Coronavirus als ihre neue Herausforderung betrachten. Die Idee dabei ist, dass ein Wirkstoff entwickelt wird, der die Bindung von Coronaviren an die im Rachenraum und den nachfolgenden Atemwegen befindlichen Wirtszellen und somit deren Infektion verhindert.

Gelebte Berlin University Alliance
Entscheidend für die Entdeckung des neuen Influenza-Inhibitors war das Zusammenwirken von Wissenschaftlern unterschiedlicher Disziplinen. Biologen, Chemiker, Physiker, Virologen, Mediziner und Bildgebungsspezialisten der drei Berliner Universitäten HU, Freie Universität Berlin und TU, dem Robert Koch- Institut, der Charité und nicht zuletzt dem FMP waren beteiligt. „Ein derart aufwändiges Projekt war meiner Ansicht nach nur in Berlin möglich, wo es wirklich zu jeder Fragestellung den passenden Experten gibt“, sagt Prof. Dr. Andreas Herrmann, Leiter Molekulare Biophysik an der HU Berlin. „Das war gelebte Berlin University Alliance“, fügt er hinzu, „und ich hoffe, dass die Folge-Studien ebenso erfolgreich sein werden.“ Das Projekt wurde im Sonderforschungsbereich 765 (Sprecher Prof. Dr. Rainer Haag, Freie Universität Berlin) der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Publikation
Daniel Lauster, Simon Klenk, Kai Ludwig, Saba Nojoumi, Sandra Behren, Lutz Adam, Marlena Stadtmüller, Sandra Saenger, Stephanie Franz, Katja Hönzke, Ling Yao, Ute Hoffmann, Markus Bardua, Alf Hamann, Martin Witzenrath, Leif E. Sander, Thorsten Wolff, Andreas C. Hocke, Stefan Hippenstiel, Sacha De Carlo, Jens Neudecker, Klaus Osterrieder, Nediljko Budisa, Roland R. Netz, Christoph Böttcher, Susanne Liese, Andreas Herrmann, Christian P. R. Hackenberger. Phage capsid nanoparticles with defined ligand arrangement block influenza virus entry. Nature Nanotechnology DOI 10.1038/s41565-020-0660-2

Quelle: https://www.leibniz-fmp.de/de/press-releases-single-view1/phagen-kapsid-gegen-influenza-passgenauer-inhibitor-verhindert-virale-infektion

www.leibniz-fmp.de

leben, bilden / 05.05.2020
Technikspenden für Bucher Schüler*innen gesucht

Spendenaufruf für Buch
Spendenaufruf für Buch

Das Selbsthilfe- und Stadtteilzentrum Buch, das BENN-Team Buch und der Bildungsverbund Buch rufen im Kontext des pankowweiten Spendenaufrufs des Bezirksamtes für benachteiligte Kinder und Jugendliche zu Spenden von gut erhaltenen, internetfähigen Laptops, Tablets, sowie Druckern und Prepaid-WLAN-Sticks für Schüler*innen mit und ohne Migrations- und Fluchthintergrund aus Berlin-Buch auf.

leben / 05.05.2020
Bezirksamt Pankow: Abwicklung der Hortverträge für Einschüler nur per Post

Persönliche Vorsprache für Anmeldung der Einschüler 2020 nicht erforderlich

Auf Grund der derzeitigen Situation mit den coronabedingten Einschränkungen werden die Betreuungsverträge für den Schulhort ab sofort ausschließlich per Post verschickt. Eine persönliche Vorsprache hierfür ist nicht möglich und auch nicht erforderlich. Zunächst erhalten die Eltern zwei Exemplare des Vertrages. Beide Exemplare sind zu unterzeichnen und an das Jugendamt Pankow, Fachdienst Kindertagesbetreuung, Fröbelstraße 17, 10405 Berlin, Fax: (030) 90295-5841, zurück zu schicken. Die Verträge werden dann durch die zuständigen Dienstkräfte gestempelt, unterschrieben und ein bestätigtes Exemplar zurück gesandt. Als Anlage zum Betreuungsvertrag gibt es eine „Mitteilung über die Registrierung eines Vertrags zur ergänzenden Förderung und Betreuung“. Diese Mitteilung muss zwingend dem Schulhort vorgelegt werden, da ohne diese keine Betreuung erfolgen darf.

Bis Ende Mai sollten Eltern den Betreuungsvertrag für ihr Kind erhalten haben. Ist dies nicht der Fall, wird um Meldung per E-Mail an kindertagesbetreuung@ba-pankow.berlin.de, Tel.: (030) 90295-5863 oder über die zentrale Behördenhotline (030) 115 gebeten.

forschen / 04.05.2020
Mit Umsicht in den Basisbetrieb

Foto: Campus Berlin-Buch GmbH/Peter Himsel
Foto: Campus Berlin-Buch GmbH/Peter Himsel

Nach knapp sieben Wochen im Minimalbetrieb nehmen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Delbrück-Centrums am 4. Mai 2020 ihre Forschungsarbeit in den Laboren wieder auf. Wegen der Pandemie gelten für den Basisbetrieb strenge Sicherheitsvorkehrungen.

Biomedizinische Forschung geschieht nicht nur im Labor. Während des pandemiebedingten Notbetriebs veröffentlichten die Wissenschaftler*innen des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) zahlreiche Studien, werteten Daten aus und konzipierten neue Versuchsreihen. Viele Arbeitsgruppen am MDC fokussierten sich zudem auf eine neue wissenschaftliche Herausforderung: die Erforschung von Sars-CoV-2. Sie beteiligen sich an den weltweiten Anstrengungen, das Virus besser zu verstehen und zu bekämpfen.

Ab Montag, den 4. Mai, können auch jene Wissenschaftler*innen, die nicht an der Corona-Forschung beteiligt sind, wieder in den Laboren arbeiten: Wer zwingend benötigt wird, etwa um den Erfolg einer Studie bzw. eines Experiments nicht zu gefährden oder weiter zu verzögern, kann dann wieder ans MDC kommen. Der Großteil der Beschäftigten, deren Anwesenheit nicht unbedingt benötigt wird, arbeitet weiterhin mobil zuhause.

Im Basisbetrieb gelten strenge Sicherheitsregeln und ein striktes Hygienekonzept, das den Vorschriften von Bund und Land Berlin entspricht. In den MDC-Gebäuden sind Sicherheitsabstände von zwei Metern, mindestens aber 1,5 Metern vorgeschrieben; es gilt eine Maskenpflicht außerhalb von Büros oder Laboren. Ein neues Schicht- und Wegeleitsystem entzerrt die Arbeitsabläufe und verhindert Begegnungen. Die Personenanzahl in den Laboren und Büros ist begrenzt. Für Beschäftigte, die zu Risikogruppen gehören, gelten gesonderte Regeln.

Nach wie vor untersagt sind öffentliche Vorlesungen, Präsenzseminare oder Besprechungen. Solche Veranstaltungen finden ausschließlich digital statt. Auch Dienstreisen sind nicht erlaubt.

Quelle: https://www.mdc-berlin.de/de/news/news/mit-umsicht-den-basisbetrieb

www.mdc-berlin.de

forschen / 04.05.2020
NAKO Gesundheitsstudie befragt Teilnehmer*innen zu COVID-19

Die Pandemie wird wahrscheinlich gravierende Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland haben. Welche genau das sind, will nun die NAKO Gesundheitsstudie erheben. Alle Proband*innen sind aufgefordert, an der Befragung teilzunehmen.

„Die NAKO ist die einzige deutschlandweite Kohortenstudie, die aktuelle Daten zur Gesundheit in der Bevölkerung in Deutschland unmittelbar vor und zu Beginn der Pandemie gesammelt hat“, sagt Professorin Annette Peters, NAKO-Vorstandsvorsitzende und Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München. „Damit bietet die NAKO eine ideale Ausgangsbasis, um die Auswirkungen der Pandemie auf die Gesundheit der Bevölkerung zu untersuchen.“

Fachleute erwarten, dass die Pandemie und der Shutdown gravierende Folgen für die Gesundheit haben werden. Die Forscher*innen der NAKO Gesundheitsstudie (NAKO) starten deshalb nun die COVID-19-Befragung. Sie soll Erkenntnisse über Verbreitung, Verlauf, und Auswirkungen von COVID-19 in Deutschland liefern. Die Forschungsaktion begann in der letzten Aprilwoche; alle NAKO-Proband*innen sind zur Teilnahme aufgefordert.

Nicht nur der Infektionsstatus
Der Fragebogen setzt sich etwa zur Hälfte aus infektionsepidemiologischen Fragen zum Gesundheitszustand, zum Infektionsstatus, zu Verhaltensänderungen aufgrund der Pandemie und zu den Sozialkontakten während dieser Zeit zusammen. Weitere Fragen erfassen die psychosozialen Auswirkungen der Situation. Darunter sind mögliche Veränderungen des Erwerbsstatus, des Lebensstils und des Soziallebens sowie psychische Auswirkungen. Die Fragen sind so formuliert, dass die erhobenen Daten in direkten Bezug zu jenen Daten gesetzt werden können, die in der NAKO vor der COVID-19-Pandemie erhoben wurden.

Den COVID-19-Fragebogen haben NAKO-Expertengruppen mit breiter Expertise für Infektionskrankheiten und chronische Erkrankungen entwickelt. Er kann online oder in Papierform ausgefüllt werden und ist den NAKO-Teilnehmerinnen und -Teilnehmern vorbehalten. Wer die Online-Variante nutzen möchte, bekommt per E-Mail die Zugangsdaten. Sollte sich die E-Mail-Adresse geändert haben oder wenn die Teilnehmer*innen bislang keine E-Mail angegeben haben, bitten die zuständigen Studienzentren um eine Mitteilung. Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen stellt die NAKO-Geschäftsstelle den Fragebogen zudem gerne für den Einsatz in anderen Studien zur Verfügung.

„Aufgrund der Pandemie musste auch unser Studienzentrum den Betrieb vorübergehend einstellen“, sagt Professor Tobias Pischon, der Leiter des am MDC angesiedelten NAKO-Studienzentrums Berlin-Nord und NAKO-Vorstandsmitglied. „Doch natürlich wollen wir wissen, wie es unseren Proband*innen geht. Unser Netzwerk und die Fragebögen, die wir in diesen Tagen versenden, bieten zudem die Chance, die langfristigen Folgen dieser Pandemie zu verfolgen.“

Weiterführende Informationen
Corona-Forschung am MDC
NAKO-Studienzentrum Berlin-Nord
Webseite der NAKO Gesundheitsstudie


Die NAKO Gesundheitsstudie ist ein von 27 Einrichtungen getragenes, interdisziplinäres Forschungsvorhaben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Helmholtz-Gemeinschaft, den Universitäten, der Leibniz-Gemeinschaft und anderen Forschungsinstituten in Deutschland haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Die Studie wird vom Verein NAKO e.V. deutschlandweit in 18 regionalen Studienzentren durchgeführt. Finanziert wird Sie aus öffentlichen Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der Helmholtz-Gemeinschaft und der beteiligten Bundesländer.

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Quelle: https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/nako-gesundheitsstudie-befragt-teilnehmerinnen-zu-covid-19

 

www.mdc-berlin.de

leben / 30.04.2020
Sprechstunden im Jugendamt ab 4. Mai 2020 nur mit Termin

Mund-Nasen-Schutz und eigenes Schreibgerät empfohlen

Aufgrund der Infektionsgefahr durch das Corona-Virus werden im Jugendamt Pankow ab dem 4. Mai 2020 persönliche Vorsprachen ausschließlich durch vorherige Terminvergaben organisiert. Alle nötigen Kontakte zur Terminvergabe gibt es auf der Internetseite des Jugendamtes unter https://www.berlin.de/jugendamt-pankow/

Die Erreichbarkeit des Jugendamtes ist zudem über Telefon und E-Mail sichergestellt. Anträge / Unterlagen oder sonstige jugendamtsbezogene Anliegen können per Mail, Telefax, Post, Hausbriefkasten und Telefon an das Jugendamt übermittelt werden.

Die bezirkliche Hotline Kinderschutz des Jugendamtes Pankow ist selbstverständlich weiterhin regulär besetzt und von Montag bis Freitag in der Zeit von 8 bis 18 Uhr erreichbar. Bei einem persönlichen Termin im Jugendamt wird um Beachtung der Abstandsregelung von mind. 1,5 m und ein Erscheinen mit begrenzten Anzahl von Personen gebeten. Das Tragen eines Mund- Nasen-Schutzes ein eigenes Schreibgerät wird dringend empfohlen.

Die Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen und Familienzentren sind weiterhin für den Publikumsverkehr bis 10.05.2020 geschlossen. Die Einrichtungen prüfen derzeit, welche einzelnen Angebote voraussichtlich ab dem 11.05.2020 unter Wahrung von hygienischen Schutzmaßnahmen möglich sind. Welches Angebot, mit welchen Auflagen stattfinden kann, können Sie dann auf der jeweiligen Website der Einrichtungen finden bzw. dort telefonisch erfragen.

Das Bucher Bürgerhaus öffnet voraussichtlich ab dem 04.05.2020 in eingeschränktem Maß und unter Wahrung der notwendigen hygienischen Schutzmaßnahmen an einzelnen Tagen. Es wird darum gebeten hierzu die Aushänge am Bucher Bürgerhaus und im Schaukasten zu beachten.

leben / 30.04.2020
Temporärer Fahrradstreifen auf der Danziger Straße

Umsetzung ab Dienstag, dem 5. Mai 2020
 
In der Danziger Straße wird ab Dienstag, dem 5. Mai 2020 im Bereich zwischen der Prenzlauer Allee und der Danziger Straße 142 beidseitig ein temporärer Fahrradstreifen eingerichtet. Die Maßnahme soll voraussichtlich in der KW 20 abgeschlossen sein. Der größte Teil der für die Ausführung erforderlichen Mittel wurde von der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz zur Verfügung gestellt.

Vollrad Kuhn (Bü 90/Grüne), Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste, sagt dazu: "Ich freue mich, dass wir damit auch in Pankow eine erste Maßnahme umsetzen konnten, um kurzfristig auf die veränderten Rahmenbedingungen im Straßenverkehr zu reagieren und den Radverkehr zu stärken. Mein herzlicher Dank gilt meinem Team im Straßen- und Grünflächenamt und insbesondere unseren beiden Radverkehrsplanern, die dieses Projekt trotz der massiven coronabedingten Einschränkungen erledigen konnten, obwohl sie parallel auch intensiv weiter an der Umsetzung unseres bereits vor Corona verabschiedeten Konzeptes für insgesamt 20 Fahrradstraßen arbeiten.“

Neben der Danziger Straße prüft das Straßen- und Grünflächenamt Pankow noch die Umsetzung eines weiteren temporären Radstreifens, der in der Schönhauser Allee im Bereich zwischen Schwedter Straße und Torstraße verlaufen soll.

Weitere Optionen wie auf der Schönhauser Allee im Bereich zwischen Sredzistraße und Wichertstraße waren ebenfalls intensiv geprüft worden. Die Rahmenbedingungen vor Ort wurden hierbei jedoch für die Umsetzung einer temporären Radverkehrsanlage, die aufgrund der Kürze der Zeit ohne weitreichende Umplanungen realisierbar sein muss, von der Senatsverkehrsverwaltung kritisch beurteilt, so dass sie im Ergebnis verworfen wurden.

 

forschen / 30.04.2020
Der Netzwerker

Dr. James Poulet (Foto: David Ausserhofer/ Copyright: MDC)
Dr. James Poulet (Foto: David Ausserhofer/ Copyright: MDC)

Der Neurowissenschaftler Dr. James Poulet wurde zum 1. April 2020 auf die W3-Professur für „Systems Neuroscience“ an der Charité – Universitätsmedizin Berlin in Kooperation mit dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) berufen.

Wer mit der Hand über eine Eisfläche fährt, spürt Kälte und Glätte zugleich. „Für uns ist es ganz alltäglich, dass viele Sinneswahrnehmungen eine Einheit bilden. Trotzdem wissen wir nicht viel darüber, wie genau sie miteinander verbunden werden“, sagt James Poulet. Der britische Neurowissenschaftler leitet seit 2009 die Arbeitsgruppe „Neurale Netzwerke und Verhalten“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin und ist Teil des Exzellenzclusters NeuroCure. Gemeinsam mit seinem Team erforscht er, wie das Gehirn Tastsinn und Temperatur integriert. Nun wurde der 44-jährige Poulet auf die W3-Professur für „Systems Neuroscience“ an der Charité – Universitätsmedizin Berlin in Kooperation mit dem MDC berufen.

„James Poulet gehört den besten Forschern Europas auf dem Gebiet der systemischen Neurowissenschaft. Wir gratulieren ihm sehr herzlich zu diesem Erfolg“, sagt Professor Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand (komm.) des MDC. Systemische Neurowissenschaftler erforschen, wie die Aktivitäten einzelner Neuronen in neuronalen Schaltkreisen verarbeitet werden und dies wiederum zu einem ganz bestimmten, messbaren Verhalten führt. Poulet habe für diese Zwecke eine Reihe sehr anspruchsvoller und innovativer Methoden inklusive optischer Verfahren kombiniert, sagt Sommer. Er kooperiere zudem sehr erfolgreich mit Forscher*innen im In- und Ausland, in Berlin unter anderem mit den MDC-Gruppen der Professor*innen Gary Lewin, Carmen Birchmeier und Helmut Kettenmann sowie den NeuroCure-Gruppen der Professoren Benjamin Judkewitz und Dietmar Schmitz.

Start per Videokonferenz – dank Corona
„Ich freue mich natürlich extrem über die Professur und bin sehr geehrt“, sagt Poulet. Auch wenn deren Beginn aufgrund der Corona-Krise nicht ganz so verlaufen wäre, wie er es sich ursprünglich vorgestellt habe. „Ich traf den Dekan der Charité, Professor Axel Radlach Pries, am 30. März, um meinen endgültigen Vertrag zu unterzeichnen“, berichtet Poulet. „Wir schüttelten uns nicht die Hand und hielten in unserem kurzen Gespräch über die Wissenschaft immer mindestens zwei Meter Abstand ein.“ Sein erster Tag als Professor habe mit einem Laborgruppentreffen in Form einer Videokonferenz begonnen, gefolgt vom Heimunterricht mit seinen drei Kindern. „Seither folgen die Tage alle einem ähnlichen Muster aus Videokonferenzen, Schreiben und Heimunterricht“, sagt er.

Poulet hat an der University of Bristol Biologie studiert und an der University of Cambridge promoviert. Danach folgten Postdoc-Phasen in Cambridge und an der EPFL (École Polytechnique Fédérale) in Lausanne in der Schweiz. Im Jahr 2009 wurde Poulet als Nachwuchsgruppenleiter an das MDC rekrutiert. Seither forscht er gemeinsam mit seinem Team im Rahmen des an der Charité angesiedelten Exzellenzclusters NeuroCure. Mit den Ergebnissen seiner Grundlagenforschung konnte Poulet bereits zweimal auch den Europäischen Forschungsrat (European Research Council, kurz ERC) überzeugen. Im Jahr 2010 erhielt er den mit 1,5 Millionen Euro dotierten „Starting Grant“ des ERC für Nachwuchswissenschaftler. 2017 wurde er mit einem „Consolidator Grant“ ausgezeichnet, der ihm 2 Millionen Euro für seine Forschung bereitstellte.

Überraschung beim Wärmeempfinden
„Unser langfristiges Ziel ist es, neuronale Mechanismen der sensorischen Verarbeitung und Wahrnehmung zu identifizieren. Unser besonderes Interesse gilt den Funktionen des Thalamus und des Neokortex, zwei Hirnregionen, die als Zentren der Sinneswahrnehmung gelten“, sagt Poulet. Der Wissenschaftler experimentiert dazu überwiegend mit Mäusen, deren Vorderpfoten ähnliche Funktionen wie die Hände des Menschen haben. Sie dienen nicht nur der Fortbewegung, sondern die Tiere greifen damit auch nach Dingen und spüren sie. Vor allem aber sitzen in der Haut der Vorderpfote Nervenenden, sehr ähnlich denen beim Menschen, die verschiedene Sinnesreize wie Berührung, Temperatur und Schmerz an das Gehirn weiterleiten. Poulet und sein Team beobachten die einzelnen Neuronen in ihren intakten Netzwerken, während die Mäuse Aufgaben lösen, bei denen es auf die Sinneswahrnehmung ankommt. Außerdem nutzen die Forscher*innen oft genetisch veränderte Neuronen, um zu verstehen, wie das Gehirn eine Sinneswahrnehmung generiert.

In seiner jüngsten Publikation Ende März hat Poulet mit Professor Gary Lewin vom MDC kooperiert. Gemeinsam konnten sie zum Beispiel zeigen, dass das Wärmeempfinden bei den Tieren anders funktioniert als gedacht. Wie er und sein Team im Fachblatt Neuron berichteten, nehmen Lebewesen Wärme wahr, indem ihr Gehirn Informationen aus einer überraschenden Quelle – den Kälterezeptoren der Haut – bezieht. Mit ihrer Studie wiederlegten die Forscherinnen und Forscher die bis dahin verbreitete Theorie, dass spezielle Nervenzellen entweder Wärme- oder Kältesignale an das Gehirn senden.

Quelle: https://www.mdc-berlin.de/de/news/news/der-netzwerker

www.mdc-berlin.de

leben / 29.04.2020
Wiedereröffnung der Pankower Spielplätze

Start ab 30. April 2020 - Benutzung unter Auflagen

Die Spielplätze im Bezirk Pankow werden nach den Corona-bedingten Schließungen nun in mehreren Wellen wieder geöffnet. Am Starttag, dem 30. April, werden rund 100 der 224 Spielplätze im Laufe des Tages von den Dienstkräften  des Straßen- und Grünflächenamtes (SGA) frisch gereinigt und unter Sicherheitsaspekten kontrolliert wieder zugängig gemacht. Vollrad Kuhn (Bü 90/Grüne), Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste, lobt das Engagement seines Teams: "Die Beschäftigten aus dem SGA haben in den vergangenen Tagen einen enorm großen Einsatz gezeigt, um in zahlreichen Überstunden die Spielplätze kurzfristig wieder betriebsbereit zu machen. Ich möchte ihnen dafür meinen herzlichen Dank aussprechen".

Um die Einhaltung der aus Infektionsschutzgründen vorgeschriebenen Mindestabstände von 1,5 m sicherzustellen, wird für die Spielplätze dabei je nach Größe eine maximale Nutzeranzahl definiert und über Aushänge an den Spielplätzen kommuniziert. Zur Einhaltung der Anforderungen werden die Mitarbeiter des Ordnungsamtes regelmäßige Kontrollgänge übernehmen. Ergänzend werden aktuell Initiativen und Träger angefragt, eine freiwillige Aufsichtsfunktion (ohne Haftungsübernahme) zu übernehmen.

forschen / 29.04.2020
Wie Zellen Entscheidungen treffen

Der Zebrafisch wird im Labor von Jan-Philipp Junker als Modellorganismus genutzt. © Pablo Castagnola/MDC
Der Zebrafisch wird im Labor von Jan-Philipp Junker als Modellorganismus genutzt. © Pablo Castagnola/MDC

Jan Philipp Junker erstellt Stammbäume von Zellen. Er will wissen, welche verschiedenen Wege zu einem funktionierenden Organismus führen. Vielleicht lässt sich daraus eines Tages auch ablesen, wie sich Organe regenerieren.

Der Zebrafisch ist ein besonderes Tier. Viele seiner Organe können sich nach einer Verletzung vollständig erholen. Im Herzen zum Beispiel entsteht zwar nach einem Infarkt starres Narbengewebe, doch im Gegensatz zum Menschen ist dies nach zwei Wochen wieder verschwunden. „Der Mensch ist nicht besonders gut darin, Organe zu regenerieren“, sagt Jan Philipp Junker, der den Zebrafisch in seinem Labor am Berliner Institut für Medizinische Systembiologie des Max-Delbrück-Centrums (MDC) als Modellorganismus nutzt. Er schaut sich zum Beispiel an, welche Mechanismen in den Zellen des Tieres aktiv sind, wenn sich ein Organ erholt. „Langfristig können wir so vielleicht langfristig Wege finden, diese Fähigkeit auch beim Menschen zu unterstützen“, sagt der Wissenschaftler.

Bis dahin ist jedoch noch viel Grundlagenforschung nötig. In seiner Arbeitsgruppe für „Quantitative Entwicklungsbiologie“ versuchen Jan Philipp Junker und sein Team tagtäglich zu verstehen, wie Zellen grundlegende Entscheidungen treffen. Sie analysieren dazu ihre Familienverhältnisse. Junker hat eine Technik namens LINNAEUS entwickelt, die 2018 im Fachjournal „Nature Biotechnology“ vorgestellt wurde. Sie erlaubt es, die Stammbäume von Zellen zu untersuchen. Er kann damit für Tausende einzelne Zellen aus einem Organismus gleichzeitig Herkunft und Zelltyp bestimmen.

Jan Philipp Junker, 39 Jahre alt, braune Brille, dunkle Locken, öffnet den Laptop in seinem Büro in Berlin-Mitte. Auf dem Bildschirm erscheint eine bunte Grafik, die mit ihren vielen binären Verzweigungen tatsächlich an den Stammbaum einer Adelsfamilie erinnert. Statt Fotos und Namen sieht man jedoch runde Tortendiagramme, die Stücke der Kuchen haben verschiedene Farben. An ihnen kann der Forscher erkennen, welche Zellen miteinander verwandt sind. Das können Zellen aus dem Gehirn, dem Darm oder dem Herz sein. Und die Herkunft der Zellen verrät ihm etwas darüber, wie die verschiedenen Stammbäume entstehen.

Wenn Zellstammbäume falsch verästeln

Er möchte wissen, welche unterschiedlichen Wege zu einem funktionierenden Organismus führen. „Wir gehen davon aus, dass Zellstammbäume flexibel sind, in welchem Maße wissen wir aber noch nicht“, sagt er. Während bei primitiveren Lebensformen wie etwa dem Fadenwurm die Stammbäume der Zellen exakt festgelegt sind, ist das bei Säugetieren wie der Maus oder dem Menschen nicht der Fall. Ihn interessiert: Wie variabel sind diese Stammbäume? Wie reagieren die Zellen auf Störungen?  

Viele Krankheiten basieren auf Störungen in den Zellstammbäumen. Das bekannteste Beispiel ist Krebs, wo die Kontrolle der Zellteilungen nicht mehr funktioniert. Aber auch Krankheiten wie Diabetes oder Autismus gehen darauf zurück, dass es zu viele oder zu wenige Zellen eines bestimmten Zelltyps gibt. Versteht man die Stammbäume und die grundlegenden Entscheidungsvorgänge in Zellen besser, können in Zukunft darauf ausgerichtete neue Therapien entwickelt werden.

Der gebürtige Stuttgarter hat an der Technischen Universität München Physik studiert und promoviert. Schon als Kind war für Junker all das besonders spannend, was man nicht direkt anfassen und sehen kann. Zunächst war es das Weltall mit seinen entlegensten Planeten. Der Biologieunterricht in der Schule packte ihn erst richtig, als es molekular wurde. „Das Verborgene, Unzugängliche hat mich schon immer sehr interessiert“, sagt er. „Es fasziniert mich, darin Muster und Systeme zu entdecken.“

Etwas das ihn nicht nur in die Naturwissenschaften führte, sondern in seiner Freizeit auch immer wieder zur Kunst. In seinem Büro hat er nicht nur ein goldenes Mikroskop im Regal stehen, über seinem Tisch hängt auch das großformatige Plakat einer Ausstellung des Künstlers Gerhard Richter. Er liest gerne Bücher von Paul Auster und George Saunders. „In der Literatur geht es schließlich auch um das Verborgene – nur eben in der menschlichen Psyche“, sagt Jan Philipp Junker.

Nicht gleich die Flinte ins Korn werfen

Seine Forschungsgruppe ist noch jung, die interne Organisation aufwendig. Er zieht am liebsten durch die Labore, um mit seinen Mitarbeitern über ihre Projekte zu diskutieren. „Das ist es, wofür ich diesen Job mache“, sagt er. Als Gruppenleiter möchte er Mentor sein, die Außenperspektive einnehmen, wenn jemand in seiner Arbeit feststeckt. Dabei helfen, zu entscheiden, ob es nötig ist, die Richtung zu wechseln.  „Nicht immer trägt das, in was man als Wissenschaftler oder Wissenschaftlerin Energie hineinsteckt, auch die gewünschten Früchte“, sagt er.

Trotzdem durchzuhalten, nicht aufzugeben, hat ihm in der Vergangenheit ebenfalls geholfen. Als er an seiner LINNAEUS-Technik arbeitete, erfuhr er, dass andere Gruppen, unter anderem aus Harvard, an dem gleichen Thema dran waren. „Das war unangenehm, aber es hat sich gelohnt, nicht gleich die Flinte ins Korn zu werfen“, sagt er.  Letztendlich war er genauso schnell wie die Kolleg*innen, hat mit ihnen das gleichzeitige Einreichen ihrer Paper koordiniert.

Auch sein Aufenthalt in den USA hat ihm diesbezüglich Selbstbewusstsein gegeben. Ab 2010 arbeitete er am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge. „Boston, dieses Zentrum der Wissenschaft, wo der Weltspezialist oft nur zwei Straßen weiter sitzt, ist natürlich sehr beeindruckend“, sagt er. „Man braucht sich aber auch nicht einschüchtern zu lassen.“ Seinem Professor am MIT folgte er 2013 ans Hubrecht Institute in die Niederlanden, entwickelte dort eine Methode namens „Tomo-seq“, die es ermöglicht, Genexpression mit räumlicher Auflösung zu bestimmen. Das heißt, nicht nur zu wissen, welche Gene aktiv sind, sondern auch, in welchen Organen oder Geweben.

Die ersten Tage im eigenen Labor

Seine eigene Forschungsgruppe am MDC hat er nun seit vier Jahren. An die ersten Tage als Leiter eines eigenen Labors kann er sich noch gut erinnern. Er war gerade aus Utrecht nach Berlin umgezogen. Zu Hause stapelten sich die Umzugskisten, sein neues Labor war noch ganz leer. Er musste erst einmal Geräte kaufen, Anträge auf Gelder stellen und vor allem: gute Wissenschaftler rekrutieren. „Das war auf einmal sehr viel Verantwortung“, sagt er. Und in der begrenzten Zeit eines Bewerbungsgesprächs das Potenzial eines zukünftigen Mitarbeiters zu erkennen, das sei gar nicht so leicht.

Mittlerweile kann er sagen: Es ist ihm gelungen. Sein Labor hat sich einen Namen gemacht. Jan Philipp Junker ist viel auf Reisen, wird als Sprecher zu internationalen Konferenzen eingeladen. Seit 2016 gehört er zu den jungen, aufstrebenden Forscher*innen, die der Europäische Forschungsrat (ERC) mit einem ERC Starting Grant  fördert.  Außerdem wurde er 2019 in das EMBO Young Investigator Programm für junge Forscherinnen und Forscher unter 40 aufgenommen. Verbunden ist damit nicht nur finanzielle Förderung, auch der Austausch zwischen europäischen Wissenschaftler*innen soll durch aktives Netzwerken vorangebracht werden.

In Berlin ist für ihn auch noch eine andere Herausforderung dazugekommen. Vor anderthalb Jahren ist er zum ersten Mal Vater geworden. „Seitdem treibt natürlich auch mich die Frage um, wie ich Beruf und Familienleben vereinbaren kann“, sagt er. Für einen aufstrebenden Wissenschaftler alles andere als einfach. Weil Kita-Plätze rar sind, war eine Betreuung im direkten Umgebung nicht zu finden, so fährt er morgens einen Umweg von zehn Kilometern, um seinen kleinen Sohn in die Kita zu bringen. „Das kostet mich viel Zeit. Aber ich sehe es als Sportprogramm und fahre mit dem Fahrrad“, sagt er. So tut er gleichzeitig etwas für Herz und Gesundheit. Ein Mensch ist schließlich kein Zebrafisch

Text: Alice Ahlers

Quelle: https://www.mdc-berlin.de/de/news/news/wie-zellen-entscheidungen-treffen

www.mdc-berlin.de

leben, bilden / 29.04.2020
Museum, Galerien und Bibliotheken öffnen schrittweise in Pankow

Erste bezirkliche Kultureinrichtungen ab 12. Mai 2020 wieder geöffnet

Die ersten bezirklichen Kultureinrichtungen in Pankow werden ab Dienstag, den 12. Mai 2020 wieder für den Publikumsbetrieb geöffnet, nachdem sämtliche Einrichtungen seit dem 13. März 2020 wegen der Verordnung des Senats zur Eindämmung der Ausbreitung des Coronavirus geschlossen waren. Ab dem 12. Mai werden zunächst folgende Einrichtungen wieder öffnen:

Galerie Pankow, Breite Str. 8 (voraussichtliche Öffnungszeiten Di-Fr 12-20 Uhr, Sa/So 14-20 Uhr) mit der Ausstellung Adonis, Vom Wort zum Bild
Galerie Parterre, Danziger Str. 101 (voraussichtliche Öffnungszeiten Mi-So 13-20 Uhr) mit der Ausstellung Carbon Dreams
Museum Pankow, Standort Prenzlauer Alle 227/228 (voraussichtliche Öffnungszeiten Di-So, 10-17 Uhr) mit der Dauerausstellung „Gegenentwürfe. Der Prenzlauer Berg vor, während und nach dem Mauerfall“, 1. Etage, R. 106/107
Sonderausstellung „Wer war Immanuel Kirch? 125 Jahre Kirchengeschichte in Prenzlauer Berg“ Hauptgebäude, 1. Etage, R. 108
Sonderausstellung „Moskau ist nicht Berlin. Schicksal eines Romans: Michail Bulgakows Der Meister und Margarita“ in der Ausstellungshalle
 
Stadtbibliotheken Pankow: Heinrich-Böll-Bibliothek, Janusz-Korcazak-Bibliothek, Bibliothek am Wasserturm, Stadtteilbibliothek Karow, Stadtteilbibliothek Buch (voraussichtliche Öffnungszeiten Di-Fr. 13-18 Uhr, Sa. 10-13 Uhr), sowie Wolfdietrich-Schnurre-Bibliothek (voraussichtliche Öffnungszeit Di 13-15 Uhr, Do 16-18 Uhr).
In der Wolfdietrich-Schnurre-Bibliothek ist nur die Rückgabe sowie die Abholung zuvor bestellter Medien im Eingangsbereich möglich. In den weiteren geöffneten Bibliotheken ist die eigenständige Ausleihe vor Ort in den Räumlichkeiten möglich. Andere Bibliotheksfunktionen, die mit einem Aufenthalt vor Ort verbunden sind, können leider noch nicht wieder angeboten werden.

In allen Einrichtungen gelten temporäre Regeln zum Einlass und der Abstandswahrung. Die konkreten Regelungen und tatsächlichen Öffnungszeiten werden zeitnah auf den Internetseiten der Einrichtungen veröffentlich (https://www.berlin.de/ba-pankow/politik-und-verwaltung/aemter/amt-fuer-weiterbildung-und-kultur).

Die Kurt-Tucholsky-Bibliothek und die Bettina-von-Arnim-Bibliothek bleiben wie das Museum in der Heynstraße weiterhin geschlossen, da hier die Vorgaben zu Abstandsregeln und des Pandemieschutzes nicht gewährleistet werden können. Die Musikschule, die Volkshochschule sowie die Wabe und das Theater unterm Dach bleiben gemäß der gültigen Eindämmungsverordnung des Senats ebenfalls weiterhin geschlossen.

 

forschen / 28.04.2020
Ein möglicher Wirkstoff gegen Präeklampsie

Histologisches Bild einer Rattenplazenta: MDC-Forschende analysierten mit Hilfe dieses Bildes u.a. die Spiralaterien, um Rückschlüsse auf die Versorgung des Fötus zu gewinnen. © Nadine Haase, MDC
Histologisches Bild einer Rattenplazenta: MDC-Forschende analysierten mit Hilfe dieses Bildes u.a. die Spiralaterien, um Rückschlüsse auf die Versorgung des Fötus zu gewinnen. © Nadine Haase, MDC

Mit RNA-Molekülen ist es Forschenden des ECRC gelungen, eine Schwangerschaftsvergiftung zu behandeln. Bei Ratten konnten sie so typische Symptome der Präeklampsie wie den mütterlichen Bluthochdruck und die mangelnde Versorgung des Ungeborenen praktisch ohne Nebenwirkungen lindern.

Meist geht es nach der 20. Schwangerschaftswoche los: Plötzlich leiden die betroffenen Frauen an Bluthochdruck. Mit dem Urin scheiden sie ungewöhnlich viel Eiweiß aus (Proteinurie) – als Zeichen, dass die kleinen Gefäße in der Niere geschädigt werden. Zudem kann es zu lebensbedrohlichen Schädigungen der Leber und des Knochenmarks kommen. Das ungeborene Baby wird zudem nicht mehr ausreichend versorgt, wodurch sein Wachstum und seine Entwicklung gestört sein können. Rund fünf Prozent aller schwangeren Frauen in den westlichen Ländern erkranken an dieser Schwangerschaftsvergiftung, der Präeklampsie.

„Die Präeklampsie ist hierzulande die häufigste mit einer Schwangerschaft verbundene Krankheit, an der Frauen selbst bei uns heute noch vereinzelt sterben, und zudem die häufigste Ursache einer Frühgeburt, manchmal bereits zwischen der 24. und  30. Schwangerschaftswoche“, sagt Dr. Nadine Haase vom Experimental and Clinical Research Center (ECRC), einer gemeinsamen Einrichtung des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Haase ist die Erstautorin der aktuellen Studie zur Präeklampsie, die im „Journal of Clinical Investigation“ veröffentlicht ist. Sie forscht in der Arbeitsgruppe „Hypertonie-vermittelter Endorganschaden“ von Professor Dominik Müller und Professor Ralf Dechend, dem Seniorautor der Publikation.

Bislang ist die Krankheit nicht behandelbar
Medikamente gegen die Präeklampsie gibt es bisher nicht. „Man weiß zwar, dass das körpereigene Renin-Angiotensin-Aldosteron-System, das den Blutdruck sowie den Wasser- und Elektrolythaushalt reguliert, bei der Krankheit gestört ist“, sagt Haase. „Doch die bisher verfügbaren Wirkstoffe, die in dieses RAAS-System eingreifen, dürfen Schwangere nicht einnehmen. Denn sie können das Ungeborene, insbesondere deren Nierenentwicklung schädigen.“ Und andere Blutdrucksenker wie beispielsweise Methyldopa wirken bei der Präeklampsie kaum. „Oft gibt es dann keine andere Möglichkeit als eine vorzeitige Entbindung, die extrem Frühgeborene häufig gar nicht oder nur mit Behinderungen überleben“, sagt Haase.  

Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Berlin, Essen, Hamburg und Jackson, Mississippi, sowie einem Team des medizinischen Forschungsunternehmens Alnylam Pharmaceuticals mit Hauptsitz in Cambridge, Massachusetts, hat sich Haase daher auf die Suche nach effektiveren Medikamenten gegen die Präeklampsie gemacht. Die Forscher*innen wollten herausfinden, ob von der Firma Alnylam entwickelte siRNA-Moleküle (small interfering RNA, auf Deutsch kleine eingreifende RNA) die Symptome der Schwangerschaftserkrankung lindern können, ohne das Ungeborene zu schädigen. „Die von uns verwendete siRNA senkt in der Leber die Produktion des Hormons Angiotensinogen, kurz Agt. Das ist eine Vorstufe des Angiotensin. Somit wirkt die siRNA regulierend auf das RAAS-System“, erläutert Haase. Alnylam hat dieses Wirkprinzip bereits erfolgreich bei anderen Erkrankungen des Menschen eingesetzt.

Zwei Tiermodelle der Präeklampsie
Haase und ihre Kolleg*innen testeten die siRNA an zwei Tiermodellen. Zum einen nutzte das Team ein Modell, bei dem die weiblichen Ratten genetisch so verändert sind, dass sie menschliches Agt herstellen. Diese Tiere kreuzten die Forscherinnen und Forscher mit männlichen Ratten, die humanes Renin produzieren. Ein solches Vorgehen führt zu einer Überaktivität des RAAS-Systems mit entsprechenden Symptomen einer Präeklampsie während der Trächtigkeit weiblicher Tiere.

Für das andere, in den USA entwickelte Modell namens RUPP (Reduced Uteroplacental Perfusion Pressure) setzten die Forscher*innen trächtigen Tieren Clips ein, mit denen der Blutfluss in der Plazenta verringert wird. Die Feten der Tiere waren dadurch unterversorgt. Zudem entwickelten die per Clip behandelten mütterlichen Ratten – ebenso wie die genetisch modifizierten Tiere – Bluthochdruck und Proteinurie, wenngleich in geringerem Ausmaß. Auch zwei klinische Biomarker PLGF und sFLT1, die bei Schwangeren zur Diagnose einer Präeklampsie bestimmt werden, waren bei den Tieren verändert.

Der Blutdruck sank, die Feten wuchsen
Für ihren Therapieversuch spritzten die Wissenschaftler*innen den Ratten die siRNA unter die Haut. Zuvor hatten sie die Moleküle chemisch so verändert, dass sie nur in der Leber wirken – also dort, wo das Hormon Agt gebildet wird. „Wie erhofft konnten wir beobachten, dass die Symptome der Präeklampsie bei den behandelten Tieren zurückgingen, und zwar in beiden Modellen“, sagt Haase. „Ihr Blutdruck sank und die Proteinurie verschwand.“ Das Verhältnis der Biomarker PLGF und sFLT-1 normalisierte sich ebenfalls. Infolgedessen wurden auch die Nachkommen im Mutterleib wieder besser versorgt.

Darüber hinaus habe man zeigen können, dass die siRNA-Moleküle tatsächlich nur in der Leber der Ratten die Herstellung des Hormons Agt blockieren, berichtet Haase. In der Plazenta war die siRNA nicht nachweisbar. Zudem untersuchten die Forscher*innen, ob sich die Behandlung der mütterlichen Tiere bei den Nachkommen auf die Entwicklung der Organe, zum Beispiel des Gehirns, der Lunge, des Herzens und der Niere, ausgewirkt hatte. „Wir fanden weder bei den ungeborenen Ratten noch bei den Tieren, die zur Welt gekommenen waren, irgendwelche negative Folgen“, sagt Haase. Die Therapie mit siRNA sei demnach anscheinend zumindest bei Tieren sicher.

Eine erste Studie mit Schwangeren
„Mit unserer Studie haben wir die erforderlichen Daten vorgelegt, um nun den nächsten Schritt in Richtung einer klinischen Studie zu gehen“, sagt Haase. Aber es bedarf auch noch weiterer Grundlagenforschung. „Die Entwicklung eines RAAS-Blockers, der die Plazenta nicht überwindet und somit das Kind auch nicht schädigt, ist eine der großen Herausforderungen in der Geburtsmedizin“, sagt der Seniorautor der Studie, Ralf Dechend. Das US-Unternehmen Alnylam plane nun einen ersten Therapieversuch mit schwangeren Frauen, bei der er als beratender Mediziner beteiligt sein werde. Haase hingegen denkt bereits über eine weitere präklinische Studie nach, bei der sie die Effekte eines Peptids – eines kleinen Eiweißmoleküls – zur Behandlung der Präeklampsie untersuchen möchte.

Literatur
Haase, Nadine et al. (2020): ”RNA interference therapeutics targeting angiotensinogen ameliorate preeclamptic phenotype in rodent models”, Journal of Clinical Investigation, DOI: 10.1172/JCI99417

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

Quelle: https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/ein-moeglicher-wirkstoff-gegen-praeeklampsie

www.mdc-berlin.de

leben / 24.04.2020
Straßenbäume brauchen Wasser!

Stadtrat bittet um Unterstützung bei der Bewässerung

Seit Wochen hat es in Berlin kaum noch geregnet. Eine Situation, unter der vor allem die Straßenbäume leiden. Insbesondere, da viele durch die beiden vergangenen, ebenfalls viel zu trockenen Sommer bereits vorgeschädigt sind. Vollrad Kuhn (Bü 90/Grüne), Pankower Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste, appelliert daher an die Bürger*innen: "Gerade im Frühjahr brauchen die Bäume ausreichend Feuchtigkeit, um austreiben zu können. Bitte helfen Sie uns daher (natürlich unter Einhaltung der Abstandsregeln), unsere Straßenbäume mit dem so dringend benötigten Wasser zu versorgen. Optimal wäre eine tägliche Versorgung mit zwei bis vier Eimern (20 bis 40 Liter) Wasser pro Baum. Mein herzlichster Dank gilt schon jetzt allen fleißigen Helferinnen und Helfern!".

Die Dienstkräfte des Bezirksamts sowie beauftrage externe Firmen sind bereits mit der Wässerung von Straßenbäumen und Grünanlagen beschäftigt. Sie müssen sich bei den insgesamt über 90.000 Bäumen im Bezirk aber vor allem auf die besonders gefährdeten Jungbäume konzentrieren. Unter der Trockenheit leiden jedoch auch alle anderen Bäume.

heilen / 24.04.2020
Helios entwickelt Verfahren zur Wiederaufbereitung von FFP-Masken

Fotocredit: Thomas Oberländer | Helios Kliniken
Fotocredit: Thomas Oberländer | Helios Kliniken

In Zeiten der Corona-Pandemie sind Schutzmaterialien, insbesondere Gesichts-Masken, weiterhin ein knappes Gut. Da die entsprechende Versorgungslage weiterhin angespannt ist, empfiehlt der Krisenstab der Bundesregierung die Wiederaufbereitung der Schutzmasken. Nun haben Experten von Helios ein sicheres Verfahren zur Wiederaufbereitung von sogenannten FFP-Masken entwickelt, die deutlich über die vom Robert Koch-Institut (RKI) vorgegebene Sicherheitsstufe hinausgeht.

Eine Atemschutzmaske setzt sich zusammen aus verschiedenen Filtermaterialien und der Maske selbst und bedeckt Nase und Mund. Die Masken schützen vor lungengängigem Staub, Rauch und Flüssigkeitsnebel (Aerosol). Das Klassifizierungssystem unterteilt sich in drei FFP Klassen, das Kürzel FFP steht dabei für „filtering face piece“.

Die Schutzklassen FFP1, FFP2 und FFP3 bieten Atemschutz für unterschiedliche Konzentrationen von Schadstoffen. FFP2- und FFP3- Masken sind hocheffektive Schutzmasken, die medizinisches und pflegerisches Personal aktuell im Umgang mit Covid-19-Patienten verwendet. Das sind spezielle Feinpartikelmasken, die dicht am Gesicht abschließen und belegbar einen Infektionsschutz für solche Arten wie die Corona-Viren bieten.

Der Krisenstab der Bundesregierung willigt in der aktuellen Versorgungskrise in die Wiederverwendung von Schutzmasken ein, für den Fall, dass nicht ausreichend Material zur Verfügung steht. Vorrangiges Ziel ist es, die Versorgung des medizinischen Personals mit FFP2 und FFP3-Masken zu gewährleisten. Vorgesehen ist, Atemschutzmasken mit Filterfunktion bis zu dreimal wiederzuverwenden. Dafür gelten eine Reihe von Sicherheitsauflagen, wie das ordnungsgemäße Personifizieren, Sammeln und Dekontaminieren der Masken durch Erhitzen.

Das jetzt entwickelte Verfahren, mit dem Helios ab dieser Woche seine Masken wiederaufbereitet, geht deutlich über die vom Robert Koch-Institut (RKI) vorgegebene Sicherheitsstufe hinaus und ermöglicht so eine Wiederverwendung ohne Personalisierung. Eine kommerzielle Nutzung des Verfahrens schließt Helios aus und stellt stattdessen die Informationen zur Verfahrensweise online. Ab sofort können bei Helios durch das Verfahren täglich 8.000 Masken aufbereitet werden.

Die im Testverfahren behandelten Masken wurden sowohl mikrobiologisch als auch strukturell in Partikelrückhalteprüfungen und in weiteren Tests von unabhängigen Laboren als neuwertig bestätigt. Der Aufbereitungsprozess wird durch ein intensives Qualitätsmanagement begleitet und permanent überprüft.

Daniel Amrein, Geschäftsführer im Helios Klinikum Berlin-Buch, bekräftigt: „Das Tragen einer Schutzmaske ist für medizinisches Personal dringend notwendig. Um Patienten behandeln und betreuen zu können, ohne sich und andere anzustecken, brauchen ärztliche und pflegerische Mitarbeiter die FFP-Masken – sonst würde eine Versorgung schwierig werden. Ich bin stolz und begrüße es sehr, dass nun ein spezielles und vor allem sicheres Wiederaufbereitungsverfahren von unserem Unternehmen entwickelt wurde. Es ermöglicht, unseren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen auch weiterhin genügend Schutzmasken für die tägliche Versorgung unserer Patienten zur Verfügung zu stellen und für den Kampf gegen die Pandemie zu wappnen.“

„Die Versorgungslage mit medizinischen Masken ist in Deutschland nach wie vor angespannt. Uns ist wichtig, dass nicht nur für uns, sondern für alle Anbieter im medizinischen Bereich ausreichend Schutzmaterialien vorhanden sind. Daher stellen wir das Verfahren zur Nachahmung online und unterstützen gern mit unseren Erkenntnissen", so Enrico Jensch, COO bei Helios Deutschland. Eine kommerzielle Nutzung des Verfahrens schließe Helios aus, betonte Jensch.

Das Verfahren besteht aus mehreren Schritten. So werden die Masken zunächst nach RKI-Empfehlung trocken für 35 Minuten bei 70 Grad in so genannten Reinigungs- und Desinfektionsgeräten behandelt. Anschließend erfolgt zusätzlich die Aufbereitung in Umluft-Konvektoren bei 70-75 Grad über insgesamt neun Stunden. Diese beiden Verfahren in Kombination führen zu einem Aufbereitungswert A0 von 3.000. Zum Vergleich: Nach dem durch das RKI beschriebenen Verfahren wird ein A0-Wert von 60 erreicht; dabei gilt, je höher der A0-Wert, desto größer ist die Desinfektionswirkung.

Das A0-Verfahren ist weltweit anerkannt bei der Desinfektion und Aufbereitung von medizinischen Instrumenten und Materialien. Der Einsatz eines entsprechend hohen A0-Wertes findet bei allen Desinfektionsprozessen statt, wo Medizinprodukte auf Haut oder Schleimhaut angewendet werden.

Entwickelt wurde das Verfahren durch Experten bei Helios, unterstützt durch Mitarbeiter des Unternehmens VAMED, das wie Helios zum Fresenius-Konzern gehört und die Sterilgutaufbereitung für Helios umsetzt. Beratend wurden mehrere Institute und Unternehmen einbezogen. Dazu gehören die Fresenius Medical Care Deutschland, das Krankenhaushygiene-Labor des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, das Max-Rubner-Institut in Karlsruhe sowie die Unternehmen RJL Micro & Analytic GmbH in Karlsdorf-Neuthard und die Herotron E-Beam Service GmbH in Bitterfeld-Wolfen, MMM Münchner Medizin Mechanik Group; Planegg/München und Belimed Deutschland GmbH; Mühldorf a. Inn.

www.helios-gesundheit.de/kliniken/berlin-buch

leben / 23.04.2020
Bezirksamt plant schrittweise Lockerung der Einschränkungen

Nachdem der Berliner Senat in dieser Woche einige Lockerungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie beschlossen hat, arbeitet das Bezirksamt Pankow an einem Plan, die Einschränkungen bei den Verwaltungsleistungen schrittweise wieder rückgängig zu machen und geschlossene Einrichtungen wieder in Betrieb zu nehmen.

"Gründlichkeit und unter den Bezirken abgestimmtes Verhalten geht aber vor Tempo", erklärt Bezirksbürgermeister Sören Benn (Die Linke). Dabei soll der Publikumsverkehr in den Ämtern langsam ausgeweitet werden, allerdings werden Termine nur nach telefonischer Vereinbarung unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln möglich sein.

Eine Öffnung der seit einem Monat gesperrten Spielplätze wird es nur nach entsprechender Kontrolle und etappenweise geben. Nach einer ersten Verständigung unter den Bezirken heute im Rat der Bürgermeister will das Bezirksamt Pankow dann am Dienstag, dem 28. April 2020 einen entsprechenden Beschluss herbei führen.

forschen / 23.04.2020
Die Eintrittspforten für SARS-CoV-2

Copyright: Sars-CoV-2 (gelb), NIAID-RML
Copyright: Sars-CoV-2 (gelb), NIAID-RML


Zwei Zelltypen in der Nase sind wahrscheinlich die ersten Eintrittspforten für das neue Coronavirus. Anhand von Daten aus dem Human Cell Atlas haben Forscher*innen bei Becherzellen und Flimmerepithel in der Nase besonders viele der Proteine entdeckt, die SARS-CoV-2 nutzt, um in unsere Zellen zu gelangen.

Dass Forscher*innen des Wellcome Sanger Institutes, des Universitätsklinikums Groningen, der Universität Cote d'Azur und des CNRS in Nizza und ihre Kolleg*innen des Human Cell Atlas Lung Biological Network diese Zellen identifiziert haben, könnte zur Erklärung der hohen Übertragungsrate von SARS-CoV-2 beitragen.

Die erste Veröffentlichung mit dem Lung Biological Network ist ein Teil der laufenden internationalen Bemühungen, die Daten des Human Cell Atlas zum Verständnis von Infektion und Krankheit zu nutzen, berichten sie heute (am 23. April) im Fachjournal „Nature Medicine“. Darüber hinaus zeigt die Publikation, dass Zellen im Auge und in einigen anderen Organen wie dem Herzen ebenfalls diese Eintrittspforten für die Viren aufweisen. Sie sagt voraus, wie ein wichtiges Eintrittsprotein zusammen mit anderen Genen des Immunsystems reguliert wird und offenbart mögliche Ziele, über die ein Medikament die Übertragung des Virus erschweren könnte.

COVID-19 – die Abkürzung steht für die Coronavirus-Erkrankung (engl.: corona virus disease), die SARS-CoV-2 auslöst – beeinträchtigt vor allem die Lunge und die Atemwege. Die Symptome der Patient*innen können grippeähnlich sein, mit Fieber, Husten und Halsschmerzen, während andere Menschen gar keine Symptome bemerken, aber dennoch Viren übertragen können. In den schlimmsten Fällen verursacht das Virus eine Lungenentzündung, die bis zum Tod führen kann. Man geht davon aus, dass sich das Virus über Tröpfchen verbreitet, die beim Husten oder Niesen einer infizierten Person entstehen, und es ist anscheinend leicht übertragbar. Bislang hat sich das Virus  mehr als 176.000 Menschenleben gefordert.

Welche Zelltypen sind an der Infektion beteiligt?
Wissenschaftler*innen in aller Welt wollen genau verstehen, wie das Virus funktioniert, um die Übertragung zu verhindern und einen Impfstoff zu entwickeln. Dass SARS-CoV-2 unsere Zellen über einen ähnlichen Mechanismus infiziert wie ein verwandtes Coronavirus, das die SARS-Epidemie im Jahr 2003 verursachte, ist bekannt. Doch die genauen Zelltypen, die in der Nase beteiligt sind, waren zuvor noch nicht genau bestimmt worden.

Die Forscher*innen analysierten daher verschiedene Datensätze des Human Cell Atlas (HCA)-Konsortiums, die aus der Einzelzell-RNA-Sequenzierung von mehr als 20 verschiedenen Geweben nicht infizierter Menschen gewonnen worden waren. Dazu gehörten Zellen aus der Lunge, Nasenhöhle, Auge, Darm, Herz, Niere und Leber. Die Forscher untersuchten, welche der einzelnen Zellen die beiden wichtigsten Eintrittsproteine exprimieren, die das Virus für die Infektion nutzt.

Dr. Waradon Sungnak, der Erstautor der Studie vom Wellcome Sanger Institute, sagt: „Das Rezeptorprotein – ACE2 – und die TMPRSS2-Protease, die beim Eintritt von SARS-CoV-2 helfen kann, wird in den Zellen verschiedener Organe exprimiert. Darunter sind die Zellen an der Innenseite der Nase. Wir haben dann gezeigt, dass von allen Zellen die schleimproduzierenden Becherzellen und Flimmerzellen in der Nase die höchsten Konzentrationen dieser beiden Proteine aufweisen. Das macht diese Zellen zum wahrscheinlichsten Erstinfektionsweg für das Virus.“

Die Zellen der Nase sind für das Virus leicht zu erreichen
Dr. Martijn Nawijn vom Universitätsklinikum Groningen in den Niederlanden erklärte für das HCA Lung Biological Network: „Diese speziellen Zellen in der Nase sind jetzt erstmals mit COVID-19 in Verbindung gebracht worden. Natürlich gibt es viele Faktoren, die die Übertragbarkeit des Virus beeinflussen. Aber unsere Ergebnisse passen gut mit den bisher beobachteten rasanten Infektionsraten des Virus zusammen. Die Lage dieser Zellen an der Oberfläche der Naseninnenseite macht sie für das Virus leicht zugänglich und kann bei der Übertragung auf andere Menschen helfen.“ 

Die beiden wichtigsten Eintrittsproteine ACE2 und TMPRSS2 sind auch in Hornhaut-Zellen des Auges und in der Darmschleimhaut zu finden. Dies deutet auf einen weiteren möglichen Infektionsweg über das Auge bzw. die Tränendrüsen hin und offenbart das Potenzial für eine fäkal-orale Übertragung.

Wenn Zellen geschädigt werden oder eine Infektion bekämpfen, werden außerdem verschiedene Immungene aktiviert. Die Studie zeigte, dass die Produktion des ACE2-Rezeptors in den Nasenzellen wahrscheinlich gleichzeitig mit diesen anderen Immungenen angeschaltet wird.

ACE2 ist auch im Herzen zu finden

Bis zu 20 Prozent der Patient*innen, die an COVID-19 erkranken, erleiden Schäden des Herzmuskels bis hin zum Herzversagen. Es war daher entscheidend, auch für das Herz die Genexpression des SARS-CoV-2-Rezeptors und der helfenden Protease zu kartieren. „Wir haben mehr als 500.000 Einzelzellen aus 14 menschlichen Herzen analysiert. Dabei haben wir die zellulären Bereiche identifiziert, die diese Eintrittspforte expremieren: Das sind Perizyten – also Zellen, die zum feinen Kapillarsystem des Herzens gehören  –, Herzmuskelzellen und Fibroblasten, die dazu beitragen, dem Herzen seine Struktur zu geben“, sagt Dr. Michela Noseda vom National Heart & Lung Institute des Imperial College in London. „Das Wissen, auf welche Zellen im Herzen das Virus genau abzielt, ist die Grundlage, um die Mechanismen der Schädigung zu verstehen und über eine Behandlung zu entscheiden.“ 

„Wir können auf einzigartige Datensets aus der Einzelzellsequenzierung zurückgreifen“, sagt Professor Norbert Hübner, der Leiter der Arbeitsgruppe „Genetik und Genomik kardiovaskulärer Erkrankungen“ am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und zusätzlich Projekte am Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung (DZHK) und am Berlin Institute of Health (BIH) leitet. Gemeinsam mit Jonathan Seidman, Bugher Professor für Kardiovaskuläre Genetik an der Harvard Medical School, koordiniert er ein Team von 13 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland, Großbritannien und den USA, die das menschliche Herz Zelle für Zelle verstehen wollen. Zu dieser Gruppe gehören auch Michela Noseda und Sarah Teichmann. „Den ACE2-Rezeptor haben wir vor allem bei den Perizyten gefunden. Der Rezeptor spielt vermutlich eine grundlegende Rolle dabei, den Blutfluss im Körper aufrecht zu erhalten. Seine Rolle bei den Herzproblemen von COVID-19-Patient*innen ist dagegen eine andere Sache. Wir wissen noch nicht, ob das Virus selbst die Schäden am Herzen verursacht oder ob es sich um sekundäre Effekte handelt.“ 

Den Human Cell Atlas nutzen, um COVID-19 zu verstehen
Die Studie ist ein Ergebnis des weltweiten Human Cell Atlas-Konsortiums. Das Konsortium will Referenzkarten für alle menschlichen Zellen erstellen, um Gesundheit und Krankheit zu verstehen. Mehr als 1.600 Forscher*innen in 70 Ländern beteiligen sich am Human Cell Atlas (HCA), die Daten stehen Wissenschaftler*innen weltweit offen zur Verfügung.  

Dr. Sarah Teichmann, eine Senior-Autorin der Studie vom Wellcome Sanger Institute und Ko-Vorsitzende des HCA-Organisationskomitees, sagt: „Noch während wir den Human Cell Atlas aufbauen, wird er bereits dafür genutzt, COVID-19 zu verstehen und um die Zellen zu identifizieren, die für die erste Infektion und die Übertragbarkeit entscheidend sind. Diese Informationen können genutzt werden, um die Ausbreitung des Coronavirus besser zu verstehen. Das Wissen um die genauen Zelltypen, die für die Virusübertragung wichtig sind, bietet eine Grundlage, um potenzielle Therapien zu entwickeln und die Ausbreitung des Virus zu reduzieren.“

Das globale HCA Lung Biological Network analysiert weiterhin die Daten. Das Netzwerk will weitere Hinweise auf Zellen und Ziele gewinnen, die wahrscheinlich an COVID-19 beteiligt sind, und sie mit den Eigenschaften von Patient*innen abgleichen.

Professor Sir Jeremy Farrar, Direktor von Wellcome, sagt: „Indem er die Merkmale jedes einzelnen Zelltyps bestimmt, hilft der Human Cell Atlas Wissenschaftler*innen, Krankheiten wie COVID-19 auf eine völlig neue Art und Weise zu diagnostizieren, zu überwachen und zu behandeln. Forscher*innen auf der ganzen Welt arbeiten in beispiellosem Tempo daran, unser Verständnis von COVID-19 zu vertiefen. Diese neue Arbeit ist ein Beweis dafür. Die Zusammenarbeit über Grenzen hinweg und der offene Austausch von Forschungsergebnissen ist entscheidend für die rasche Entwicklung wirksamer Diagnostika, Therapien und Impfstoffe und um sicherzustellen, dass kein Land zurückgelassen wird.“ 

Die Studie wurde von Wellcome, der Chan-Zuckerberg-Initiative, der Europäischen Kommission und anderen Förderern unterstützt. Die komplette Liste ist in der Studie zu finden.

Weiterführende Informationen
Weitere Forschung des HCA zu COVID-19 unter: https://www.humancellatlas.org/covid-19/

Die Daten sind zugänglich unter: https://www.covid19cellatlas.org 

Literatur
Waradon Sungnak et al. (2020): „Single-Cell Transcriptomics Data Survey Reveals SARS-CoV-2 Entry Factors Highly Expressed in Nasal Epithelial Cells Together with Innate Immune Genes“. Nature Medicine. DOI: 10.1038/s41591-020-0868-6.

 

Der Human Cell Atlas (HCA) ist ein internationales gemeinschaftliches Konsortium. Sein Ziel sind umfassende Referenzkarten aller menschlichen Zellen - den grundlegenden Einheiten des Lebens. Diese Karten schaffen die Basis, um die menschliche Gesundheit zu verstehen und für die Diagnose, Überwachung und Behandlung von Krankheiten. Der HCA wird von einem Organisationskomitee geleitet, dessen Ko-Vorsitzende Dr. Sarah Teichmann vom Wellcome Sanger Institute (UK) und Dr. Aviv Regev vom Broad Institute des MIT und Harvard (USA) sind. www.humancellatlas.org  

Das Human Cell Atlas Lung Biological Network ist ein Zusammenschluss von 71 Wissenschaftler*innen, die gemeinsam an der Kartierung der Atemwegszellen in unserem Körper arbeiten. Diese Gruppe wird von Dr. Martijn Nawijn, Dr. Pascal Barbry, Dr. Alexander Misharin und Dr. Jayaraj Rajagopal koordiniert. 

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gnschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Quelle: https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/die-eintrittspforten-fuer-sars-cov-2

www.mdc-berlin.de

leben / 23.04.2020
Kiezorientierte Gewalt- und Kriminalitätsprävention

Einreichung von Projektvorschlägen bis 12. Juni 2020 möglich

Projektvorschläge zur kiezorientierten Gewalt- und Kriminalitätsprävention in Pankow für das Jahr 2021 können jetzt bei der Geschäftsstelle des Präventionsrats Pankow, Breite Str. 24A-26, 13187 Berlin, Herrn Büttner, E-Mail: praeventionsrat@ba-pankow.berlin.de, Tel.: 030 90295-2723, eingereicht werden. Einsendeschluss ist Freitag, der 12. Juni 2020, der Förderzeitraum läuft vom 01.01. - 31.12.2021. Die Landeskommission Berlin gegen Gewalt hat das Ziel, gemeinsam mit den Verantwortlichen der Bezirke frühzeitig auf gesellschaftliche Konflikte zu reagieren und hierfür Maßnahmen zur kiezorientierten Gewalt- und Kriminalitätsprävention zu fördern. Förderfähig sind u.a.

  • Konfliktmanagement und -prävention im öffentlichen Raum: Verdrängung Jugendlicher, hinausreichende Jugendsozialarbeit (Regionen Prenzlauer Berg, Weißensee Süd)

  • Stärkung der Zivilgesellschaft gegen Alltagsrassismus: Erarbeitung von Maßnahmen und Kampagnen zur Förderung von Zivilcourage und Vielfalt (z.B. Erste Hilfe gegen Rassismus), Projekte mit Jugendlichen in Schulen

  • (aufsuchende) Suchtarbeit: Unterstützung suchtpräventiver Angebote z.B. in Schulen und Freizeiteinrichtungen

  • Kinderschutz: Unterstützung bei der Entwicklung von Schutzkonzepten, Anknüpfungen an das Auditverfahren „Kinderfreundliche Kommune“, Berücksichtigung von Kinderrechten

  • Obdachlosigkeit: Straßensozialarbeit mit Obdachlosen, Informationen bei Wohnungsverlust, verdeckte Obdachlosigkeit

  • geschlechtsspezifische Jugendarbeit

Mit der Förderung sollen vorrangig anerkannte gemeinnützige Einrichtungen, Vereine und Initiativen unterstützt werden. Gefördert werden können Träger, die über eine hohe thematische und methodische Expertise in den jeweiligen Schwerpunkten sowie über die Zugänge zu entsprechenden Zielgruppen verfügen. Zu den Fördervoraussetzungen gehört zudem, dass interkulturelle, intergenerative, inklusive und Gender-Gesichtspunkte bei der Entwicklung, Organisation, Implementierung und Evaluierung von Entscheidungsprozessen, Beteiligungsformen und Maßnahmen einzubeziehen sind. Einrichtungen, Vereine oder Initiativen, die Interesse an der Durchführung einer Maßnahme haben, erhalten weitere Informationen sowie den Projektantrag auf der Homepage der Sozialraumorientierten Planungskoordination (SPK) Pankow: www.berlin.de/pankow-spk.

forschen / 21.04.2020
Neue Therapie-Chancen für Multiple Sklerose in Sicht

Für die anschließende Transkriptomanalyse kontrolliert Alexander Mildner Monozyten unter dem Mikroskop. (Foto: Alexander Mildner, MDC)
Für die anschließende Transkriptomanalyse kontrolliert Alexander Mildner Monozyten unter dem Mikroskop. (Foto: Alexander Mildner, MDC)

Bisherige Ansätze, um Multiple Sklerose zu behandeln, haben sich auf T- und B-Zellen konzentriert. Eine Gruppe am MDC stellt nun eine neue Strategie in „Nature Immunology“ vor. Demnach ist es womöglich effektiver, eine andere Form von Immunzellen – bestimmte Monozyten – zu bekämpfen.

Man nennt sie auch die Krankheit der tausend Gesichter. Denn sowohl die Symptome als auch der Verlauf der Multiplen Sklerose (MS) unterscheiden sich stark von Patient*in zu Patient*in. Gleich ist bei allen Erkrankten jedoch eines: Zellen des eigenen Immunsystems wandern bei ihnen ins Gehirn ein und zerstören dort die Myelinscheiden, die schützende äußere Schicht der Nervenfasern. Das hat zur Folge, dass es im Gehirn zu elektrischen „Kurzschlüssen“ kommt und Nervensignale nicht mehr richtig weitergeleitet werden.

Viele MS-Medikamente schwächen das Immungedächtnis
Welche Immunzellen an dem Abbau der Myelinscheiden beteiligt sind, wissen Forschende noch nicht im Detail. Autoreaktive T- und B-Zellen, die aufgrund eines Fehlers die Myelinscheiden im Gehirn als körperfremd erkennen, wandern in das Gehirn ein und initiieren die Erkrankung. „Daher richten sich die bisher verfügbaren MS-Medikamente im Wesentlichen gegen diese T- und B-Zellen, die beide zum erworbenen Immunsystem gehören“, sagt der Forschungsleiter der aktuellen Publikation im Fachblatt „Nature Immunology“, Dr. Alexander Mildner vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC).

Mildner forscht zurzeit als DFG Heisenberg-Stipendiat mit eigenen Mitteln in der MDC-Arbeitsgruppe „Zelldifferenzierung und Tumorigenese“ von Professor Achim Leutz. „Durch ihren Angriff auf das erworbene Immunsystem beeinträchtigen die MS-Medikamente allerdings das Immungedächtnis des Körpers, der damit langfristig anfälliger für Infektionen sein kann“, sagt der Wissenschaftler.

Ohne Monozyten besserten sich bei Mäusen die MS-Symptome
Mildner verfolgt daher seit ein paar Jahren eine andere Strategie. Er will herausfinden, welche Rolle Immunzellen bei der Entstehung der MS spielen, die zur angeborenen Körperabwehr gehören – und ob nicht auch sie eine geeignete Zielstruktur für die Therapie der Erkrankung sind. „In einer früheren Studie mit einem Mausmodell für die Multiple Sklerose konnten wir bereits zeigen, dass die Krankheitssymptome der Tiere innerhalb von nur wenigen Tagen stark zurückgingen, wenn Antikörper spezifisch deren Monozyten zerstörten“, berichtet der Forscher. Das habe ihn und auch viele seiner Kolleginnen und Kollegen damals sehr überrascht.

„Offenbar sind also nicht nur T- und B-Zellen an dem Gewebeschaden der MS beteiligt“, sagt Mildner. Bei den von ihm untersuchten Monozyten handelt es sich um eine spezielle Form weißer Blutkörperchen, die eine Zeit lang im Blut zirkulieren, bevor sie ins Gewebe auswandern. Dort verwandeln sie sich in Fresszellen, die körperfremdes Gewebe – oder das, was sie wie bei der MS irrtümlich dafür halten – zerstören. Das führe zu Entzündungen im Gehirn, sagt Mildner.

Das Team stieß auf unbekannte Formen von Monozyten
Auch in der aktuellen in Nature Immunology erschienenen Studie, die er gemeinsam mit einem israelischen Team um Professor Ido Amit vom Department of Immunology am Weizmann Institute of Science in Rehovot vorgenommen hat, konzentrierten sich Mildner und sein Team auf die Monozyten. „Wir wissen, dass es mehrere Formen dieser Immunzellen gibt, die unterschiedliche Aufgaben besitzen“, sagt der Wissenschaftler. „In unserem Mausmodell der MS wollten wir die Zellen daher per Einzelzell-Sequenzierung genauer untersuchen und herausfinden, welche Monozyten bei MS im Gehirn vorhanden sind.“

Er und seine Kolleg*innen stießen dabei auf sechs verschiedene Monozyten-Subtypen, von denen vier bisher noch unbekannt gewesen waren. Wie in seiner früheren Studie injizierte Mildner den Mäusen Antikörper gegen ein spezifisches Oberflächenprotein der Monozyten. Wie erwartet starben die Zellen daraufhin ab und die MS-Symptome der Tiere verringerten sich innerhalb kürzester Zeit. „Überraschend für uns war allerdings die Beobachtung, dass die Antikörper nicht alle Monozyten im Gehirn zerstörten, die dieses Oberflächenprotein besitzen“, sagt Mildner.

Nicht alle Monozyten zerstören das schützende Myelin
„Nur eine ganz bestimmte Form der Monozyten, die Cxcl10+-Zellen, ging durch die Antikörper-Behandlung zugrunde“, sagt Mildner. „Offenbar sind sie also diejenigen Zellen, welche vorrangig die MS-typischen Gewebeschäden im Gehirn hervorrufen.“ Wie er und sein Team mit der Einzelzell-Sequenzierung zudem herausgefunden haben, unterscheidet sich dieser Zelltyp von den anderen Monozyten in zwei wesentlichen Punkten. Zum einen besitzen Cxcl10+-Zellen besonders viele Rezeptoren für einen von T-Zellen abgegebenen Signalstoff, der in Monozyten gewebeschädigende Eigenschaften hervorruft. Zum anderen produzieren diese Zellen besonders viel Interleukin-1-Beta, eine Substanz, die die Blut-Hirn-Schranke öffnet, so dass die Zellen leichter vom Blut ins Gehirn gelangen können. „Unsere Forschung legt nahe, dass T-Zellen als Krankheitsinitiatoren ins zentrale Nervensystem (ZNS) wandern, um dann dort Monozyten anzulocken, die für den primären Gewebeschaden verantwortlich sind“, erläutert Mildner.

Womöglich seien die anderen Monozyten sogar an Reparaturprozessen beteiligt, bei denen der Körper versuche, das beschädigte Myelin wieder neu aufzubauen, spekuliert Mildner. Aufgrund der Ergebnisse seiner Studie hält er es zudem für denkbar, dass die T- und B-Zellen am Abbau der Myelinscheiden gar nicht direkt beteiligt sind, sondern nur indirekt: indem sie die Cxcl10+-Monozyten dazu bringen, die schützende Hülle der Nervenfasern anzugreifen.

Viele Nebenwirkungen wären womöglich vermeidbar

„Wenn das so wäre, würde es zur Behandlung der allermeisten Formen der MS ausreichen, künftig die Cxcl10+-Monozyten spezifisch auszuschalten, anstatt gegen die T- oder B-Zellen des Immunsystems vorzugehen“, sagt Mildner. „So würde man das Immungedächtnis des Körpers schützen und viele Nebenwirkungen der jetzigen MS-Therapien vermeiden.“ In einem nächsten Schritt möchte der Forscher gemeinsam mit seinem Team herausfinden, ob die Cxcl10+-Monozyten auch außerhalb des ZNS zu finden sind. „Wenn sie beispielsweise bereits in der Körperperipherie, zum Beispiel in den Lymphknoten, existieren“, sagt er, „wären sie dort zu therapeutischen Zwecken viel leichter angreifbar als im Gehirn.“

Literatur
Amir Giladi et al. (2020):  „Cxcl10+ monocytes define a pathogenic subset in the central nervous system during autoimmune neuroinflammation”, Nature Immunology, DOI: 10.1038/s41590-020-0661-1



Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

Pressemitteilung MDC: https://www.mdc-berlin.de/de/news/press/neue-therapie-chancen-fuer-multiple-sklerose-sicht

www.mdc-berlin.de

forschen / 17.04.2020
Der Code der Fette: Neue chemische Werkzeuge können die Konzentration von Lipiden in lebenden Zellen steuern.

Lipide, oder Fette, haben in unserem Körper viele Funktionen: So bilden sie Membranbarrieren, speichern Energie oder sind als Botenstoffe unterwegs und regulieren so zum Beispiel Zellwachstum und Hormonausschüttung. Viele von ihnen sind auch Biomarker für schwere Krankheiten. Bisher ist es jedoch sehr schwierig, die Funktionen dieser Moleküle in lebenden Zellen zu analysieren. Forscher des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) in Dresden und des Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin haben nun chemische Werkzeuge entwickelt, die durch Licht aktiviert werden und mit deren Hilfe die Lipid-Konzentration in lebenden Zellen beeinflusst werden kann. Mit diesem Ansatz könnten Ärzte gemeinsam mit Biochemikern herausfinden, was Moleküle in einer Zelle tatsächlich tun. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht.

In jeder Zelle werden tausende verschiedener Lipide (Fette) gebildet. Allerdings gibt es bisher wenig Wissen darüber, wie diese chemische Lipid-Vielfalt zur Übertragung von Botschaften in der Zelle beiträgt, mit anderen Worten, der Lipid-Code der Zelle ist noch nicht bekannt. Das liegt vor allem am Mangel an Methoden zur quantitativen Untersuchung der Lipidfunktion in lebenden Zellen. Ein Verständnis über das Wirken von Lipiden ist sehr wichtig, da sie die Funktion von Proteinen in der ganzen Zelle kontrollieren und daran beteiligt sind wichtige Stoffe durch die Zellmembran in die Zelle zu bringen. Das faszinierende an Lipiden, die als Boten-Moleküle fungieren ist, dass an der Innenseite der Zellmembran nur eine begrenzte Zahl von Lipidenklassen als Botenstoffe zu dienen, diese aber Botschaften von tausenden verschiedenen Rezeptoren-Proteinen bekommen. Wie diese vielen Botschaften aber trotzdem gut erkannt und weitergeleitet werden können, war bisher eine ungelöste Frage.

Die Forschungsgruppen um André Nadler am MPI-CBG und Alexander Walter am FMP haben in Zusammenarbeit mit der TU Dresden chemische Werkzeuge entwickelt, mit dem man die Konzentration von Lipiden in lebenden Zellen steuern kann. Aktiviert wird dieses Werkzeug durch Licht. Milena Schuhmacher, die Erstautorin der Studie, erklärt: „Lipide sind eigentlich keine einzelnen molekularen Strukturen, sondern unterscheiden sich in winzigen chemischen Details, zum Beispiel haben einige längere Fettsäureketten und manche etwas kürzere. Wir konnten mithilfe ausgeklügelter Mikroskopie in lebenden Zellen und mathematischen Modellierungsansätzen zeigen, dass die Zelle diese winzigen Veränderungen durch spezielle Effektor-Proteinen tatsächlich erkennen und so möglicherweise zur Übertragung von Informationen nutzen können. Hierbei war es wichtig, dass wir ganz genau kontrollieren konnten, wieviel von jedem einzelnen Lipid vorhanden war.“ André Nadler, der die Studie betreute, ergänzt: „Diese Ergebnisse deuten auf die Existenz eines Lipidcodes hin, der von Zellen genutzt wird, um Information, die auf der Außenseite der Zelle detektiert werden, auf der Innenseite der Zelle wieder neu zu codieren.“

Die Ergebnisse der Studie könnten es Membran-Biophysikern und Lipid-Biochemikern ermöglichen, ihre Ergebnisse mit quantitativen Daten lebender Zellen zu überprüfen. André Nadler weist darauf hin: „Auch Kliniker könnten von unserer neu entwickelten Methode profitieren. Bei Erkrankungen, wie Diabetes und Bluthochdruck, hat man mehr Lipide, die als Biomarker fungieren, im Blut. Diese kann man mit einem Lipidprofil veranschaulichen. Mithilfe unserer Methode, könnten die Ärzte nun genau sehen, was die Lipide genau im Körper machen. Das war bisher nicht möglich.“

Originalpublikation: Milena Schuhmacher, Andreas T. Grasskamp, Pavel Barahtjan, Nicolai Wagner, Benoit Lombardot, Jan S. Schuhmacher, Pia Sala, Annett Lohmann, Ian Henry, Andrej Shevchenko, Ünal Coskun, Alexander M. Walter, André Nadler “Live cell lipid biochemistry reveals a role of diacylglycerol side chain composition for cellular lipid dynamics and protein affinities”
PNAS, 25. März 2020. Doi: 10.1073/pnas.1912684117


Über das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
Das FMP betreibt Grundlagenforschung in Molekularer Pharmakologie mit dem Ziel neue bioaktive Moleküle zu identifizieren und ihre Wechselwirkung mit ihren biologischen Zielen in Zellen oder Organismen zu charakterisieren. Diese Moleküle dienen als Werkzeuge in der biomedizinischen Grundlagenforschung und können für die Behandlung, Prävention oder Diagnose von Krankheiten weiterentwickelt werden.

Über das MPI-CBG
Das Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) ist eines von über 80 Instituten der Max-Planck-Gesellschaft, einer unabhängigen gemeinnützigen Organisation in Deutschland. 550 Menschen aus 50 Ländern aus den verschiedensten Disziplinen arbeiten am MPI-CBG und lassen sich von ihrem Forscherdrang antreiben, um die Frage zu klären: Wie organisieren sich Zellen zu Geweben?

Quelle: https://www.leibniz-fmp.de/de/press-media/press-releases/press-releases-single-view1/article/the-lipid-code.html

 

www.leibniz-fmp.de

leben / 17.04.2020
Einschränkungen im Jugendamt bleiben bestehen

Aufgrund der aktuellen Infektionsgefahr durch das Corona-Virus entfallen weiterhin bis zum 1. Mai 2020 die Sprechstunden aller Bereiche des Jugendamtes Pankow. Die Erreichbarkeit ist aber über Telefon und E-Mail sichergestellt. Auf der Website des Jugendamtes unter https://www.berlin.de/jugendamt-pankow/ gibt es alle Kontaktdaten.

Damit die Bevölkerung und Dienstkräfte in den Ämtern keinen gesundheitlichen Schaden erleiden und der Dienstbetrieb zumindest in der eingeschränkten Form aufrecht erhalten bleiben kann wird dringend gebeten, von persönlichen Vorsprachen abzusehen.

Termine in dem genannten Zeitraum entfallen und müssen zu einem späteren Zeitpunkt erneut vereinbart werden. Dafür und für die Übermittlung von Anträge, Unterlagen und sonstiger jugendamtsbezogenen Anliegen sind ausschließlich E-Mail, Telefax, Post, Hausbriefkasten oder Telefon zu nutzen.

Die bezirkliche Hotline Kinderschutz des Jugendamtes Pankow ist weiterhin regulär besetzt und von Montag bis Freitag in der Zeit von 8 bis 18 Uhr erreichbar.

Bis zum 1. Ma 2020 sind die bezirklichen Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen, die Familienzentren sowie das Bucher Bürgerhaus weiterhin für den Publikumsverkehr geschlossen. Es wird zudem gebeten, auf die Aushänge am Bucher Bürgerhaus und im Schaukasten zu beachten. Alle weiteren Informationen gibt es auf der Internetseite des Bezirksamtes Pankow unter https://www.berlin.de/ba-pankow/corona.

leben / 17.04.2020
Mobile Angebote für Obdachlose

Neben der Versorgung mit mehrsprachigen Informationen zum Corona-Virus verteilt jetzt der Träger Horizonte in Kooperation mit der Berliner Stadtmission frische Lebensmittel, Hygieneartikel und sonstige Gegenstände des alltäglichen Gebrauchs an Wohnungslose in Pankow. Das Projekt benötigt auch Unterstützung aus der Bevölkerung. Wer einem Wohnungslosen in Pankow begegnet, der die Unterstützung in Form eines Hilfepakets benötigt, sollte sich am besten telefonisch beim Team der Straßensozialarbeit von Horizonte melden, damit die Hilfe unkompliziert und schnell bei den bedürftigen Menschen in ihrer Umgebung ankommt. Zu erreichen ist der Projektverantwortliche, Herrn Saky, täglich zwischen 9 und 18 Uhr per E-Mail: saky@horizonte.biz oder Tel.: 0176 1388 1750.

Obdachlose Menschen sind von den Auswirkungen der Corona-Pandemie besonders betroffen. Während die meisten Menschen dazu aufgerufen sind, möglichst Zuhause zu bleiben, leben viele Obdachlose weiterhin auf der Straße. Zwar sind von Seiten des Senats seit Beginn der Krise zusätzliche Notübernachtungsplätze geschaffen worden, doch nicht alle Betroffenen können oder wollen dieses Angebot annehmen. Nicht selten gehören sie aufgrund vorhandener Vorerkrankungen zur Risikogruppe und sind dem Virus mangels Rückzugsräumen schutzlos ausgeliefert.

Rona Tietje (SPD), Stadträtin für Jugend, Wirtschaft und Soziales erklärt dazu:„Gerade in der aktuellen Krise ist es umso wichtiger, Obdachlosen mit mobilen Angeboten zur Seite zu stehen und sie zu unterstützen. Deshalb hat das vom Sozialamt Pankow geförderte Straßensozialarbeiter-Team des Trägers Horizonte gGmbH ein Konzept entwickelt, das in der aktuellen Situation auf die Bedürfnisse der wohnungslosen Menschen zugeschnitten ist.“

heilen / 17.04.2020
Krebserkrankung und COVID-19 – was Tumorpatienten wissen sollten

Priv.-Doz. Dr. med. Peter Reichardt ist Leiter des Onkologischen Zentrums im Helios Klinikum Berlin-Buch. (Thomas Oberländer , Helios Kliniken)
Priv.-Doz. Dr. med. Peter Reichardt ist Leiter des Onkologischen Zentrums im Helios Klinikum Berlin-Buch. (Thomas Oberländer , Helios Kliniken)

Die Angst vor einer möglichen Infektion mit SARS-CoV-2 darf die lebensnotwendige, unmittelbare und qualitätsgerechte Behandlung einer Krebserkrankung nicht verzögern oder gar verhindern. Welche Maßnahmen greifen in einem Krankenaus der Maximalversorgung mit zertifizierten Krebszentren wie z.B. Brustzentrum, Darmzentrum, Sarkomzentrum und Hautkrebszentrum? Priv.-Doz. Dr. med. Peter Reichardt ist Leiter des Onkologischen Zentrums im Helios Klinikum Berlin-Buch und beantwortet drei Fragen zum Thema.
 

Der Verdacht auf eine Krebserkrankung ist für Betroffene und ihre Familien belastend. Gibt es in Berlin-Buch Einschränkungen in der Versorgungskette von der Diagnostik über die Therapie bis zur Rehabilitation wegen COVID-19?

Kein Krebspatient muss bei uns derzeit länger auf seine Diagnose oder Therapie warten. Der gesamte diagnostische und therapeutische Verlauf einer Krebsbehandlung ist im Helios Klinikum Berlin-Buch auch jetzt in vollem Umfang gewährleistet. Das gilt für stationäre und ambulante Behandlungen gleichermaßen. Nicht dringende, planbare Maßnahmen werden zeitlich verschoben - der Fachbegriff dafür ist „elektiv“. Krebsbehandlungen jeglicher Art gehören nicht dazu, denn diese erfordern immer unmittelbare Maßnahmen.

Sind Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen anfälliger und gefährdeter für das Virus SARS-CoV-2?

Nicht automatisch. Das kommt auf die Erkrankung und die laufende Therapie an. Das konkrete individuelle Risiko hängt dabei von vielen Faktoren ab. Grundsätzlich gelten für unsere Krebspatienten die allgemeinen Sicherheitsempfehlungen, wie für jeden anderen Menschen in Coronazeiten auch. Patienten, die besonders gefährdet sind, klären wir über spezielle Maßnahmen ausführlich auf. Wie differenziert das Vorgehen bei Krebspatienten sein muss, zeigen aktuelle Empfehlungen der Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V. (DGHO). Ständige Fort- und Weiterbildung ist für alle Ärzte und das Pflegepersonal zu allen Zeiten Pflicht. Aber besonders jetzt ist nationaler und internationaler Erfahrungsaustausch wichtig.

Gibt es konkrete Empfehlungen für Krebspatienten bzw. für die Ärzte und das Pflegepersonal auf Krebsstationen, mit dem neuartigen Virus SARS-CoV-2 umzugehen?

Es gelten für mein Team und mich genau wie für uns alle die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI), an die wir uns strikt halten. Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen gehören wie viele andere Erkrankte zu einer besonderen Risikogruppe für Infekte. Wichtigste Maßnahmen gegen eine Infektion sind immer hygienische Händedesinfektion, Einhalten von Abstand zu anderen Personen und Eingrenzung sozialer Kontakte. Unseren Patienten mit besonderen Krebstherapien empfehlen wir besondere Vorsicht. Das betrifft die gesamte Zeit der Versorgungskette von der Diagnostik über alle Formen der Therapie bis hin zur Rehabilitation und Nachsorge.

Gut zu wissen: Im Helios Klinikum Berlin-Buch gilt derzeit ein Besucherstopp zum Schutz von Patienten und Mitarbeitern. Ausnahmen gibt es nur für Eltern von stationär betreuten Kindern sowie Angehörige Schwerstkranker in Rücksprache mit dem Stationspersonal. Diese Patienten dürfen einmal am Tag eine Person für eine Stunde empfangen.


Weitere Informationen zum Thema Coronavirus finden Sie auf unserer Website unter www.helios-gesundheit.de/corona

Autorin: Susanne Hansch

www.helios-gesundheit.de

forschen, leben / 16.04.2020
Corona-Hilfe: MDC-Freiwillige nähen Masken

© Christiane Nolte, MDC
© Christiane Nolte, MDC

Vielerorts werden dringend Mund-Nasen-Masken benötigt, um die Übertragung des neuen Coronavirus SARS-CoV-2 so gut es geht zu verhindern. Mitarbeiter*innen des MDC nähen und verteilen nun solche Behelfsmasken, die unter anderem an Stadtteilzentren und ein Flüchtlingsheim in Berlin-Buch gehen.

Vierzehn Näherinnen, ein Ziel: möglichst schnell möglichst viele Masken zu nähen. Mitte vergangener Woche hatte Dana Lafuente, Leiterin der Mitarbeiterförderung am MDC, die Kolleginnen und Kollegen per E-Mail dazu aufgerufen, selbst Behelfsmasken herzustellen – indem man sich an die Nähmaschine setzt oder Material beisteuert. Zahlreiche Mitarbeitende meldeten sich; einige mit Lob, andere mit Stoffspenden und viele, um selbst zu nähen. Bereits am Dienstag gingen jeweils etwa 30 Exemplare an die Selbsthilfe- und Stadtteilzentren in Berlin-Buch und in Karow. Mike Brüggert, Fahrer am MDC, sammelte die ersehnten Masken bei den Näherinnen ein und lieferte sie aus.

„Wir wollen konkrete Nachbarschaftshilfe leisten. Insbesondere Bewohner*innen und Helfer*innen von Flüchtlings- und Altersheimen brauchen solche Masken dringend. Und sie haben nicht auch noch Zeit, diese selbst zu nähen“, sagt Dana Lafuente. Außerdem wollen sie und die engagierten Näherinnen – auch Lafuente selbst hat über Ostern Masken genäht – die eigenen Kolleginnen und Kollegen unterstützen: Am MDC ist eine Notbesetzung im Einsatz, und die Mund-Nasen-Masken können in den Laboren und Büros dabei helfen, die Verbreitung des Virus zu verhindern. „Trägst du eine, schützt du mich, trage ich eine, schütze ich dich“, bringt es Dana Lafuente auf den Punkt.

Einen medizinisch sicheren Schutz bieten die Behelfsmasken nicht. Die von den MDC-Kolleginnen hergestellten Exemplare sind aus Baumwolle, wiederverwendbar und bei 60 Grad waschbar. Sie haben vorne eine Tasche, in die nach Wunsch ein zusätzlicher Filter eingelegt werden kann. Für Donnerstag ist die nächste Auslieferung geplant: Dann sollen zunächst Kolleginnen und Kollegen am MDC, die ihren Bedarf anmelden, mit Masken versorgt werden, außerdem das AWO Refugium Buch, ein Flüchtlingsheim. Weitere Masken sind für das Experimental and Clinical Research Center (ECRC) vorgesehen, einer gemeinsamen Einrichtung von MDC und Charité-Universitätsmedizin Berlin.


Weitere Informationen:
Beitrag auf der MDC-Webseite

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC)
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

www.mdc-berlin.de

heilen / 16.04.2020
Diabetes – ein besonderer Risikofaktor in Coronazeiten?

Diese beiden Kinder machen es vor: Mehr Bewegung ist eine der effektivsten Maßnahmen für Jung und Alt gegen Diabetes - auch in Nicht-Corona-Zeiten und zur Vorbeugung. (Foto: Matthias Ritter)
Diese beiden Kinder machen es vor: Mehr Bewegung ist eine der effektivsten Maßnahmen für Jung und Alt gegen Diabetes - auch in Nicht-Corona-Zeiten und zur Vorbeugung. (Foto: Matthias Ritter)

Als Risikofaktor bei einer Infektion mit Sars-CoV-2 wird vor allem das höhere Alter angegeben. Medizinexperten gehen davon aus, dass viel entscheidender für den Krankheitsverlauf vor allem Begleit- und Vorerkrankungen sind. Diese treten bei älteren Menschen häufiger auf, aber auch Jüngere können betroffen sein. Drei Fragen zum Thema beantwortet Prof. Dr. med. Michael Ritter, Chefarzt der Klinik für Angiologie, Diabetologie und Endokrinologie im Helios Klinikum Berlin-Buch.
 

Ist neben dem höheren Alter auch Diabetes ein besonderer Risikofaktor bei COVID-19?

Ein starkes Immunsystem ist immer wichtig, um eine Erkrankung zu bekämpfen. Ein nicht erkannter oder schlecht eingestellter Diabetes beeinträchtigt das Immunsystem in seinem Kampf. Bei einem Diabetiker können zum Beispiel auch Operationen, „normale“ Grippeerkrankungen oder Lungenentzündungen schwerer verlaufen und mehr Komplikationen nach sich ziehen. Deshalb ist es für einen an Diabetes Erkrankten zu jeder Zeit auch als Infektionsschutz wichtig, dass der Blutzucker gut eingestellt ist. Bei älteren Menschen kann das Immunsystem im Zusammenspiel beider Faktoren – Erkrankung und höheres Alter – geschwächt sein. Das hat dann schwerere Verläufe bei COVID-19 zur Folge.

Welche Risikofaktoren müssen Diabetiker außerdem beachten?

Haben Diabetespatienten Begleit- und Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Probleme, Bluthochdruck oder Organschäden, sollten sie besonders achtsam sein. Im Falle einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 haben sie durch ihr geschwächtes Immunsystem und die bereits bestehenden Begleiterkrankungen ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Das Virus befällt vorwiegend die Lunge und muss dort durch das Immunsystem bekämpft werden. Dieser Kampf kann aber z.B. das Herz über das Kreislaufsystem massiv belasten.

Was empfehlen Sie Diabetikern in Coronazeiten?

Wir wissen, dass nicht-medikamentöse Maßnahmen für die meisten Diabetiker - die Typ 2 Diabetiker – mindestens genauso wichtig sind wie die regelmäßige Medikamenteneinnahme. Gerade in Zeiten großer Anspannung neigen viele dazu, ungesund zu essen: Sie nehmen dann zu viel Süßes, zu viel Salziges und zu viel Fett zu sich. Das betrifft Diabetiker genauso wie Nichtdiabetiker, junge Menschen genauso wie ältere. Aber wenn man das weiß und darauf achtet, ist es ein Lernprozess und man kann es vermeiden.

Legen Sie sich täglich frisches Obst oder Gemüse portioniert bereit – auch damit können Sie sich ein Frustessen gestalten. Vielleicht nutzen wir diese oft angespannte Zeit, um uns körperlich mehr zu bewegen? Das ist sowieso die effektivste Maßnahme gegen die Zuckererkrankung, auch in Nicht-Corona-Zeiten und zur Vorbeugung. Wichtig ist beim Einstieg in mehr Bewegung: nicht übertreiben und neue Aktivitäten langsam steigern. Die Devise ist „Jeden Tag ein bisschen mehr“. Das hilft am besten. Wenn das Bewegungsprogramm mit Gymnastik gemixt und vielleicht gemeinsam mit der Familie organisiert wird, kann es auch sehr lustig werden. Zum Beispiel das Programm von Alba Berlin gemeinsam – natürlich per Video – mit Kindern, Eltern, Großeltern oder Freunden durchzuführen macht richtig Spaß. Der steigert noch den Gesundheitseffekt.

Weitere Informationen zum Thema Coronavirus finden Sie auf unserer Website unter www.helios-gesundheit.de/corona

Autorin: Susanne Hansch

www.helios-gesundheit.de

forschen / 14.04.2020
Neuer CRISPR-Diagnostiktest

Flow-Assay: Links drei Proben von Patient*innen, die negativ für das BK-Virus sind und rechts drei, die positiv sind. (Foto: Michael Kaminski, MDC)
Flow-Assay: Links drei Proben von Patient*innen, die negativ für das BK-Virus sind und rechts drei, die positiv sind. (Foto: Michael Kaminski, MDC)


Ein neuer Diagnostiktest für Patient*innen nach einer Nierentransplantation weist Infektionen und Abstoßungen mit Hilfe einer einfachen Urinprobe und der CRISPR-Technologie nach. Michael Kaminski, Leiter einer neuen Emmy Noether Arbeitsgruppe am MDC & Charité hat ihn entwickelt.

Um die diagnostischen Tests für Patient*innen nach einer Nierentransplantation zu verbessern, hat ein internationales Forschungsteam eine einfache Urinprobe mit der hochsensiblen CRISPR-Technologie kombiniert. Dies berichten die Forschenden im Journal Nature Biomedical Engineering.

Der neue Test weist zwei häufige, opportunistische Viren nach, die oft Patient*innen nach einer Nierentransplantation infizieren: Zytomegalievirus (CMV) und BK Polyomavirus (BKV). Das Verfahren detektiert auch CXCL9-mRNA, deren Expression während der akuten zellulären Abstoßung von Nierentransplantaten ansteigt.

„Die meisten Menschen denken an Gen-Editierung, wenn sie an CRISPR denken, aber dieses Tool ist auch für andere Anwendungen, speziell für günstigere und schnellere Diagnostik, geeignet“, sagt Dr. Michael Kaminski, Leiter der neuen Arbeitsgruppe „Kidney Cell Engineering and CRISPR Diagnostics“, die am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz Gemeinschaft (MDC) und Charité – Universitätsmedizin Berlin angesiedelt ist. Kaminski, der als Arzt in der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Nephrologie und Internistische Intensivmedizin der Charité tätig ist, leitete die Testentwicklung während seiner Zeit am „Massachusetts Institute of Technology“ (MIT) in der Arbeitsgruppe von Professor James Collins. 2020 gründete er ein Labor am Berlin Institute for Medical Systems Biology (BIMSB) am MDC.

Dringender Bedarf
Patient*innen nach Nierentransplantationen nehmen Medikamente zur Unterdrückung ihres Immunsystems, um das Risiko einer Organabstoßung zu reduzieren. Dies wiederum erhöht das Risiko, an Infektionen zu erkranken. Es ist daher wichtig die Patient*innen sowohl auf mögliche Infektionen, als auch auf Abstoßung des transplantierten Organs hin zu überprüfen. Üblicherweise werden Bluttests und invasive Nierenbiopsien durchgeführt, die zeitintensiv und teuer sind.

Es gibt zwar erschwingliche diagnostische Urintests für eine Vielzahl von Biomarkern, die unter anderem bei Diabetes oder Schwangerschaft eingesetzt werden, diese sind jedoch für den Nachweis von Nukleinsäuren, wie DNA oder RNA, meist nicht geeignet. Hier kommt CRISPR ins Spiel.

Die CRISPR-Technologie kann sehr kleine Segmente einer DNA- oder RNA-Sequenz mit Hilfe eines komplementären RNA-Stücks aufspüren. Bestimmte Arten von Cas-Proteinen schneiden nicht nur die Zielsequenz, sondern auch ein Reportermolekül. Die bei diesem Schneiden entstehende Fluorenzenz zeigt an, ob die Zielsequenz vorhanden ist. Viele Labore haben das diagnostische Potential von CRISPR an synthetischem Material untersucht, aber nur wenige haben echte klinische Proben getestet.

„Die Herausforderung besteht darin, klinisch relevante Konzentrationen zu erfassen“, sagt Kaminski. „Es ist ein großer Unterschied, ob man hohe Konzentrationen synthetischer Zielmoleküle im Reagenzglas oder ein einzelnes Molekül in einer Patientenprobe detektiert.“

Positiv oder negativ
Das Test, formal Assay genannt, läuft zweistufig ab: Zuerst wird die virale Ziel-DNA in einer Urinprobe vermehrt. Sie wird so oft kopiert bis CRISPR sie erkennen kann, auch wenn nur ein einzelnes Zielmolekül vorliegt. Das Team verwendet ein spezifisches, als SHERLOCK bekanntes CRISPR-Cas13 Protokoll, um das Verfahren für virale DNA zu optimieren. Die Ergebnisse ähneln denen eines Schwangerschaftstests für zuhause. Ein Teststreifen wird in die vorbereitete Probe getaucht; wenn nur eine Bande auf dem Streifen erscheint, ist die Probe negativ, zwei Banden zeigen an, dass das Virus vorhanden ist. "Es ist spannend zu beobachten, wie die Ergebnisse auf den Teststreifen erscheinen", sagt Robert Greensmith, ein Doktorand im ersten Jahr in Kaminiskis Labor und Mitautor der Veröffentlichung. "Ich arbeite erst seit Neustem mit CRISPR und bin beeindruckt von dieser so robusten Testplattform". Für den Abstoßungsmarker CXCL9 verwendeten die Forscher ein ähnliches Verfahren. Dazu wird mRNA isoliert und vermehrt und dann durch CRISPR-Cas13 nachgewiesen.

Bei sehr geringen Viruskonzentrationen erscheint die zweite Bande auf dem Teststreifen schwach, was eine klare Interpretation erschwert. Daher entwickelte das Team eine Smartphone-App, die Bilder des Teststreifens analysiert und basierend auf der Bandenintensität eine endgültige Entscheidung trifft.

Nach viel Aufwand zur Optimierung des Verfahrens verwendeten die Forscher ihren Assay zur Analyse von mehr als 100 Proben von Patient*innen nach Nierentransplantationen. Der Assay erwies sich als präzise und konnte selbst bei geringer Viruslast BKV- oder CMV-Viren detektieren und eine akute zelluläre Transplantatabstoßung korrekt anzeigen.

Nächste Schritte
Um das diagnostische Potenzial des Testes besser einzuschätzen, interessiert sich Kaminski als Arzt und klinischer Forscher für Studien, die den Test mit herkömmlichen Verfahren vergleichen. Außerdem würde er gerne nach Wegen suchen, den Assay noch einfacher zu machen. Im Augenblick müssen die Proben zur Vorbereitung erhitzt werden und der Test umfasst mehrere Schritte. Während er im Krankenhausumfeld eingesetzt werden kann, ist er für eine Testung zuhause noch nicht geeignet. Das ultimative Ziel ist ein einstufiges Verfahren, das mehrere Parameter quantitativ messen kann. So könnten Patient*innen Änderungen im Vergleich zu ihren individuellen Normalwerten feststellen.

Kaminski weist darauf hin, dass dieser Test auch für andere immungeschwächte Patient*innen mit einem Risiko für virale Infektionen nützlich sein, und CRISPR-basierte Diagnostik möglicherweise auch für andere Organtransplantate genutzt werden könnte.

Weiterführende Informationen
Pressemitteilung auf der MDC-Webseite

MINT-EC Digitalforum: Eine Praktikantin im Kaminski Lab

Literatur
Michael M. Kaminski, et al. (2020): „A CRISPR-based assay for the detection of opportunistic infections post-transplantation and for the monitoring of transplant rejection”, Nature Biomedical Engineering, DOI: 10.1038/s41551-020-0546-5

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH ) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin ist mit rund 100 Kliniken und Instituten an 4 Campi sowie 3.001 Betten eine der größten Universitätskliniken Europas. Im Jahr 2018 wurden hier 152.693 voll- und teilstationäre Fälle sowie 692.920 ambulante Fälle behandelt. An der Charité sind Forschung, Lehre und Krankenversorgung eng miteinander vernetzt. Konzernweit sind rund 18.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Berliner Universitätsmedizin tätig. Damit ist die Charité eine der größten Arbeitgeberinnen Berlins. Mehr als 4.500 der Beschäftigten sind im Pflegebereich und rund 4.300 im wissenschaftlichen und ärztlichen Bereich tätig. Im Jahr 2018 hat die Charité Gesamteinnahmen von mehr als 1,8 Milliarden Euro erzielt. Mit mehr als 170,9 Millionen Euro eingeworbenen Drittmitteln erreichte die Charité einen erneuten Rekord. An der medizinischen Fakultät, die zu den größten in Deutschland gehört, werden mehr als 7.500 Studierende der Humanmedizin und der Zahnmedizin ausgebildet. Darüber hinaus gibt es 619 Ausbildungsplätze in 9 Gesundheitsberufen. http://www.charite.de

forschen / 11.04.2020
Ionenkanal VRAC verstärkt Immunantwort gegen Viren durch Transport des Botenstoffs cGAMP von Zelle zu Zelle

Der winzige Ionenkanal VRAC besitzt neben vielen anderen lebenswichtigen Funktionen auch eine Schlüsselfunktion bei Infektionen mit DNA-Viren. (Abb.: FMP)
Der winzige Ionenkanal VRAC besitzt neben vielen anderen lebenswichtigen Funktionen auch eine Schlüsselfunktion bei Infektionen mit DNA-Viren. (Abb.: FMP)


VRAC/LRRC8 Chlorid-Kanäle spielen nicht nur beim Transport von Zytostatika, Aminosäuren und Neurotransmitter eine entscheidende Rolle. Sie können auch den wichtigen Botenstoff cGAMP von Zelle zu Zelle transportieren und damit eine Immunantwort bei Infektionen mit DNA-Viren verstärken. Das hat jetzt der LRRC8/VRAC-Entdecker Prof. Thomas Jentsch vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) zusammen mit Kollegen um Prof. Hui Xiao aus Shanghai gezeigt. Da cGAMP immer dann gebildet wird, wenn sich fremde DNA im Zellinneren außerhalb des Zellkerns befindet, hat der Fund potenziell auch für andere Pathologien wie Krebs große Bedeutung. Die Arbeit wurde jetzt im Fachjournal „Immunity“ veröffentlicht.

Wenn DNA-Viren wie Herpes simplex – das Coronavirus gehört als RNA-Virus nicht in diese Gruppe! - menschliche Zellen infizieren, dann geschieht das nicht ganz unbemerkt. Im Zellinneren, dem sogenannten Zytoplasma, wo DNA nichts zu suchen hat, werden Botenstoffe gebildet und beginnen Alarm zu schlagen. Die fremde DNA bindet an das Enzym cGAS, das den ‘second messenger‘ cGAMP synthetisiert. Durch Bindung an einen Rezeptor namens STING aktiviert cGAMP eine zelluläre Signalkaskade, die die Produktion von Interferonen und anderen Faktoren des angeborenen Immunsystems anschmeißt. Dieser Mechanismus wurde auch schon in Tumorzellen, die ebenfalls DNA-Fragmente im Zytoplasma freisetzen, und bei einigen bakteriellen Infektionen beobachtet.

cGAMP ist ein hochaktueller Botenstoff Die Forschung zu cGAMP ist in den letzten Jahren regelrecht explodiert, unter anderem deshalb, weil cGAMP nicht nur in der Zelle wirkt, wo er gebildet wird, sondern auch auf andere Zellen übergeht. Unklar blieb allerdings, auf welchen Wegen das passiert. In direkt benachbarten Zellen kann cGAMP durch zellverbindende Kanäle, sogenannte „gap junctions“, gelangen. Aber wie sieht es mit den Zellen aus, die sich nicht in unmittelbarer Nachbarschaft befinden?

Forscher um Prof. Hui Xiao vom Institut Pasteur Shanghai hatten vermutet, dass weitere Transportwege eine Rolle spielen müssen, und sind dabei auf den Volumen-regulierten Anionen-Kanal VRAC gestoßen – jenen Ionenkanal, der 2014 von Prof. Thomas Jentsch und parallel von Prof. Zhaozhu Qiu (jetzt Johns Hopkins University), der ebenfalls Autor der Publikation in Immunity ist, entdeckt wurde. Gemeinsam konnte das deutsch-chinesische Forscherteam mit unterschiedlichsten Methoden zeigen: VRAC transportiert cGAMP sowohl aus der produzierenden Zelle heraus, als auch in die Empfängerzelle hinein. Dies ruft dann auch in eigentlich unbeteiligten Zellen Interferone auf den Plan und verstärkt somit die Immunantwort.
„Wissen jetzt, dass VRAC den Botenstoff transportiert“ „Wir wissen jetzt, dass VRAC definitiv diesen Botenstoff transportiert“, erläutert Thomas Jentsch den bedeutsamen Fund für die Wissenschaft. „Diese Funktion kannten wir noch nicht, passt aber gut mit dem zusammen, was wir schon früher über VRAC rausgefunden haben, nämlich dass er nicht nur Chlorid, sondern zum Beispiel auch Neurotransmitter, Aminosäuren und Zytostatika transportiert, also kleine organische Moleküle. Die jetzt beobachtete Abhängigkeit des cGAMP Transports von der Untereinheit LRRC8E – VRAC ist immer aus mehreren Untereinheiten zusammengesetzt – stimmt gut mit  unseren früheren Resultaten überein, die zeigten, dass diese Untereinheit den Transport von ebenfalls negativ geladenem Glutamat unterstützt.“

Die Aufnahme des Botenstoffs mittels VRAC wurde durch verschiedene Zellkultur-Experimente als auch über elektrophysiologische Untersuchen verifiziert. In einem Experiment wurden zum Beispiel Zellen mit einem DNA-Virus infiziert und diese über einen Filter von gesunden Zellen getrennt. Die Infektion konnte dadurch nicht überspringen – wohl aber zeigte sich auch in den nicht-infizierten Zellen eine Interferonantwort.
Den letzten schlagkräftigen Beweis brachten schließlich Experimente mit in Berlin generierten Knock-out-Mäusen, denen die VRAC-Untereinheit LRRC8E fehlte: Wurden die Nager mit Herpesviren infiziert, war eine viel größere Viruslast und eine geringere Interferonausschüttung nachweisbar als in nicht modifizierten Kontrollen. „Das war genau das, was wir erwartet hatten, denn die Botenstoffe konnten ja wegen des fehlenden Transportkanals nicht mehr von einer infizierten Zelle auf andere übertragen werden und dort die Immunantwort verstärken“, erklärt Professor Jentsch. „Dadurch wurde die Abwehr des Virus stark eingeschränkt.“

Neue Strategien gegen DNA-Viren und Krebs Dass VRAC, neben vielen anderen lebenswichtigen Funktionen, nun nachgewiesenermaßen auch eine Schlüsselfunktion bei Infektionen mit DNA-Viren besitzt, wird dem winzigen Ionenkanal künftig noch mehr Aufmerksamkeit verschaffen. Außerdem nehmen die Forscher an, dass VRAC eine ähnliche Rolle bei Krebs spielt. In der Tat wurde vor kurzem von anderen in Tierversuchen gezeigt, dass cGAMP-Transport aus Krebszellen in benachbarte Wirtszellen die Immunantwort gegen Tumoren verstärkt – wie cGAMP transportiert wird, blieb aber unklar.

Neben VRAC und ‚gap junctions‘ transportiert, wie letztes Jahr gezeigt, auch ein Folat-Transporter cGAMP über die Membran. VRAC kommt jedoch in mehr Zellen vor und spielt daher wahrscheinlich eine größere Rolle.  Künftig könnte man etwa versuchen, VRAC zur Verstärkung der Immunantwort zu aktivieren. Ansätze dazu sind bereits in der neuen Arbeit beschrieben.
„Das ganze Gebiet ist momentan ungeheuer heiß“, meint Thomas Jentsch, „und unsere Entdeckung bietet sowohl für die Infektionsforschung als auch die Krebsforschung völlig neue Perspektiven.“

Text Pressemitteilung: Beatrice Hamberger
 

Abbildung:
Wenn Zellen mit DNA-Viren infiziert werden (links), bindet freigesetzte virale DNA an das Enyzm cGAS. Dies führt zur Synthese des Botenstoffes cGAMP, der, wie in der Arbeit gezeigt, über den Ionenkanal VRAC die Zelle verlässt und zu nicht-infizierten Zellen (rechts) diffundiert. Dort wird cGAMP wiederum über VRAC aufgenommen, bindet an den Rezeptor STING in der Zelle, und stimuliert über eine Signalkaskade die Synthese von Interferon. Interferon verlässt die Zelle und blockiert die Vermehrung des Virus nach Bindung an Interferonrezeptoren (links). Dieser Mechanismus bewirkt eine Verstärkung der Immunantwort gegen DNA-Viren.

 

Publikation: 
Zhou C., Chen X., Planells-Cases R., Chu J., Wang L., Cao L., Li Z., López-Cayuqueo K.I., Xie Y., Ye S., Wang X., Ullrich F., Ma S., Fang Y., Zhang X., Qian Z., Liang X., Cai S., Jiang Z., Zhou D., Leng Q., Xiao T.S., Lan K., Yang J., Li H., Peng C., Qiu Z., Jentsch T.J., Xiao H. (2020). Transfer of cGAMP into bystander cells by LRRC8 volume-regulated anion channels augments STING-mediated interferon responses and anti-viral immunity. Immunity, in press.


Das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB), einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. In ihnen arbeiten mehr als 1.900 Mitarbeiter. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft. Entstanden ist der Forschungsverbund 1992 in einer einzigartigen historischen Situation aus der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR.

www.fmp-berlin.de

leben / 09.04.2020
Spendenaufruf für benachteiligte Kinder und Jugendliche

Aufruf von Bezirk, Freiwilligenagentur, Stadtteilzentren und Willkommensinitiativen
 
Zahlreiche Familien in Pankow, die in Geflüchteten- bzw. Wohnungsloseneinrichtungen leben oder sonst aufgrund ihrer Lebenssituation benachteiligt sind, brauchen Hilfe! Der Bezirk Pankow ruft daher für diese Familien zu Geld- sowie Sachspenden in Form von Laptops, Netbooks, Druckern sowie Mal-, Bastel-, Lern- und Schreibmaterial für Kinder auf.

„Für viele Kinder und Jugendliche ist die aktuelle Situation besonders schwer. Um den Anschluss in der Schule nicht zu verlieren, müssen sie dem Schulunterricht von zu Hause aus folgen. Das geht am besten über den eigenen Computer mit Internetzugang. Den zu organisieren ist für einige Familien schwierig – für Familien, die in Geflüchteten- oder Wohnungslosenunterkünften leben, ist es fast unmöglich. Gleichzeitig sind sie besonders darauf angewiesen, da sie oft die Sprache noch lernen. Deshalb freuen wir uns sehr, wenn Sie die Möglichkeit haben, mit einer Spende zu unterstützen“, so Rona Tietje (SPD), Bezirksstadträtin für Jugend, Wirtschaft und Soziales

Gerade die Bewohner_innen von Gemeinschaftsunterkünften leiden unter der aktuellen Krise ganz besonders: Nicht nur, weil sie aufgrund des Zusammenlebens auf engstem Raum einer besonders hohen Ansteckungsgefahr ausgesetzt sind, sondern auch, weil die sonst vorhandenen Beratungs- und Unterstützungsangebote vor Ort derzeit nicht stattfinden können und sonst nutzbare Gemeinschaftsräume geschlossen werden mussten.

Neben schlechten Internetverbindungen fehlt es häufig schlichtweg an technischer Ausstattung, um zum Beispiel die Beschulung der Kinder von der Unterkunft aus bewerkstelligen zu können. Um insbesondere diesen, aber auch anderweitig benachteiligten Familien die Teilhabe an den nun größtenteils per Internet stattfindenden Bildungs- und Integrationsmaßnahmen zu ermöglichen, ruft der Bezirk Pankow zusammen mit verschiedenen Willkommensinitiativen zu einer Spendenaktion auf.

Benötigt wird vor allem Hardware (intakte, internetfähige Laptops / Netbooks, Drucker) sowie Mal- und Bastelmaterial für Kinder (Stifte, Papier, Ausmalbücher und ähnliches).

Gut erhaltene, voll funktionsfähige Spenden können bei den folgenden Einrichtungen abgegeben werden, die sich um eine bedarfsgerechte Weiterverteilung kümmern. Auch ehrenamtliche Helfer*innen zum Einrichten der Geräte können sich gerne dort melden.
Die Annahmezeiten sind auf der Website der FreiwilligenAgentur Pankow veröffentlicht: www.ehrenamt-pankow.berlin oder unter dem Kontakt der jeweiligen Annahmestelle:
 
Pankow:
Stadtteilzentrum Pankow, Schönholzer Str. 10, 13187 Berlin, Tel. 030 499 870 900, www.stz-pankow.de
 
Weißensee:
Frei-Zeit-Haus Weißensee, Pistoriusstr. 23, 13086 Berlin, Tel. 030 92799463, www.frei-zeit-haus.de
 
BENN Weißensee, Gustav-Adolf-Str. 125, 13086 Berlin, Tel. 030 47757847, https://benn-weissensee.com/
 
Prenzlauer Berg:
Stadtteilzentrum Prenzlauer Berg, Fehrbelliner Str. 92, 10119 Berlin, Tel. 030 4437178, http://stz-prenzlauerberg.de/
 
KulturMarktHalle, Hanns-Eisler-Str. 93, 10409 Berlin, Tel. 030 35053122, www.kulturmarkthalle-berlin.de/
 
Heinersdorf:

Zukunftswerkstatt Heinersdorf, Romain-Rolland-Str. 112, 13089 Berlin, Tel. 030 21982970, www.zukunftswerkstatt-heinersdorf.de
 

Karow:
Stadtteilzentrum Karow, Busonistr. 136, 13125 Berlin, Tel. 030 94380097, www.albatrosggmbh.de/stadtteilarbeit-und-nachbarschaft/stadtteilzentren/im-turm-karow/kontakt.htm l
 
Buch:
BENN Buch / Bucher Bürgerhaus, Franz-Schmidt Str. 8–10, 13125 Berlin, Tel. 030 32533990, https://www.benn-buch.de/  
 
Französisch Buchholz:
Amtshaus Buchholz, Berliner Str. 24, 13127 Berlin, Tel. 030 4758472, https://amtshaus-buchholz.de  
 
Zweckgebundene Geldspenden (zur bezirksweiten Verteilung) nimmt Pankow Hilft! / Unterstützungskreis Straßburger Straße unter folgender Bankverbindung entgegen. Für eine Spendenquittung ab 25 Euro bitte Name und Adresse mit angeben.

Empfänger: UKReis Strassburger Str. e.V.
IBAN: DE98430609671225518200
BIC: GENODEM1GLS
Verwendungszweck: Spendenaufruf CORONA

 

bilden / 08.04.2020
3D-DRUCK MACHT ERFINDERISCH!

Einmaliges Probeobjekt „Maske“ aus gegebenem Anlass - nach einer Anleitung aus dem Internet (Foto: Gläsernes Labor)
Einmaliges Probeobjekt „Maske“ aus gegebenem Anlass - nach einer Anleitung aus dem Internet (Foto: Gläsernes Labor)

Im Gläsernen Labor können Jugendliche bald selbst Atome und Moleküle drucken.

Momentan ist es im Gläsernen Labor recht still - wie an vielen Orten in Berlin. Keine Kurse. Keine Schülerinnen, die sich verirrt haben und nach ihrem Kurs suchen. Kein Lehrer, der sich schon mal nach der Buchung für die nächste Klasse erkundigt.

In dieser Zeit bereiten die Mitarbeiterinnen des Schülerlabors eine neue Chemie-Projektwoche in den Sommerferien vor, in der sich Schülerinnen und Schüler aus der Mittelstufe mit 3D-Druck auseinandersetzen. Ganz klar kommt Chemie zum Einsatz, wenn dreidimensional gedruckt wird. Die Projektwoche bietet deshalb spannende Experimente zu Kunststoffen und Biopolymeren. Was aber soll dreidimensional gedruckt werden? Hier kommen chemische Modelle ins Spiel. Thema ist daher auch, wie Atome und Moleküle aufgebaut sind und wie aus Molekülen Atome werden.

Mit der freien Software „Thinkercad“ können die Jugendlichen Atome und Moleküle schließlich selbst entwerfen. Sie lernen, den 3D-Drucker mit einem G-Code - oder auch DIN-Code -  zu programmieren und Stützstrukturen zu entwickeln. Am Ende wird gedruckt - und es entsteht ein Molekülbaukasten.

„Wir sind begeistert von den Möglichkeiten des 3D-Drucks und freuen uns schon jetzt auf die Projektwoche. Eindrücklicher kann man das Thema nicht vermitteln, und wir sind sicher, dass es allen Beteiligten Spaß machen wird“, so Projektleiterin Dr. Bärbel Görhardt.

Bis wieder Schulklassen die Labore beleben, informiert das Gläserne Labor auf seiner Webseite regelmäßig über spannende Experimente und Lernangebote für zu Hause.

Die Idee für die Projektwoche entstand in einem Lab2Venture-Projekt mit Schülerinnen und Schülern des Robert-Havemann-Gymnasiums. Die 3D-Drucker konnten mit Unterstützung der Bayer Schulstiftung für das Schülerlabor erworben werden.

www.glaesernes-labor.de

bilden / 08.04.2020
Digitales Ferienangebot für Kinder und Jugendliche

Das Bildungsinstitut-JT und der BsP. e. V., biete ein kostenloses und gemeinnütziges Programm „Berliner Ferienschule“ für geflüchtete Kinder und Jugendliche in dem Zeitraum der Osterferien (06.04.20 – 17.04.20) an. Die Ferienschule wird in einem neuen, kreativen, interaktiven und digitalen Variante umgesetzt. Im Rahmen der sprachlichen Komponente werden spezifische Themen besprochen und behandelt. Der praktische Teil lädt zur Interaktion und Teilhabe ein.

Nach Eingang der Anmeldungen werden die Teilnehmer in unterschiedliche Altersgruppen eingeteilt und digital gefördert.

Hierzu müssen die Eltern ihre minderjährigen Kinder vorab per Mail anmelden. Die volljährigen Schüler können sich selbstständig anmelden.

  • Voraussetzung für die Teilnahme Internetzugang (Wlan)per Handy, Computer, Laptop etc.
  • Starttermin: 06.04.2020 ab 11:00 Uhr
  • ab dem 07.04.2020 startet das Angebot immer um 09:00 Uhr
  • Anmeldung bitte an: info@bildungsinstitut-jt.de

Bei der Anmeldung bitte angeben:

Name, Vorname:
Alter:
Bezirk:
Schule:
E-Mail-Adresse:
Mobilnummer:

Die Zugangsdaten werden an die angegebenen E-Mail-Adressen verschickt. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

https://bildungsinstitut-jt.de

heilen / 03.04.2020
Der direkte Draht zu den Experten

Digitale Kreißsaalführung am 07.04. um 17:30 mit Yvonne Schildai und Judith Rachel. Weitere Termine folgen am 1. u. 3. Dienstag im Monat.. (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken
Digitale Kreißsaalführung am 07.04. um 17:30 mit Yvonne Schildai und Judith Rachel. Weitere Termine folgen am 1. u. 3. Dienstag im Monat.. (Foto: Thomas Oberländer / Helios Kliniken

Live-Chat mit der Geburtshilfe im Helios Klinikum Berlin-Buch

 In einer ersten digitalen Kreißsaalführung mit Live-Chat bekommen Interessierte die Möglichkeit ihre Fragen zum Thema Schwangerschaft und Geburt in Zeiten von Corona direkt an die Experten zu richten.

Die Informationsabende mit Kreißsaalbesichtigung können derzeit nicht im Helios Klinikum Berlin-Buch stattfinden. Täglich erreichen uns viele Fragen und Sorgen von werdenden Müttern und Vätern zum Thema Schwangerschaft und Geburt in Zeiten von Corona.

„Die Bedürfnisse nehmen wir sehr ernst und wollen auch weiterhin bestmöglich über die Geburtsmöglichkeiten in unserem Klinikum und über aktuelle Maßnahmen und Regeln in der Geburtshilfe informieren“, sagt Yvonne Schildai, leitende Hebamme im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Darum bietet das Klinikum neben der Helios Corona-Hotline (0800 8123456) alternativ am Dienstag, 07.04. um 17:30 Uhr auf Facebook und Instagram einen ersten Live-Chat für Interessierte mit Yvonne Schildai und Hebamme Judith Rachel an. Anja Himmelsbach, Leiterin der Unternehmenskommunikation, moderiert den Chat. Weitere Termine folgen jeden 1. und 3. Dienstag im Monat.

„Eine offene Kommunikation wird bei uns großgeschrieben. In unserer digitalen Kreißsaalführung mit Live-Chat stehen Ihnen unsere Experten für Ihre Fragen live zur Verfügung. Damit wollen wir Ihnen die Möglichkeit geben, sich umfassend über unsere Angebote in der Geburtshilfe zu informieren, damit Sie die Schwangerschaft und Geburt Ihres Kindes auch in diesen ungewöhnlichen Zeiten so geborgen und sicher wie möglich erleben“, so Yvonne Schildai.

Wenn Sie eigene Fragen haben, stellen Sie uns diese sehr gerne schon einmal vorab und schalten gerne am 07.04. ein. Auch über Themenideen für einen Live-Chat freuen wir uns sehr.

www.helios-gesundheit.de

heilen / 02.04.2020
Digitale Sprechstunde: Ab sofort auch online zum Arzt!